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Full text of "Deutsche Mythologie"

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""SärJ^-k 


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DEUTSCHE  MYTHOLOGIE 


VON  JACOB  GRIMM. 


[universityI 


GÖTTINGEN 
IN  DER  DIETERICHSCHEN  BUCHHANDLUNG 
183  5.* 

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G'l 


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LIEBER  DAHLMANN.    ala  ich  vor  zwölf  jaliren  Dire 
schöne  abhandluDg   über  Saxo  las    freute  mich^    dafs  wer 
das  recht  der  geschichte  gegen  die  sage  geltend  zu  machen 
wüste  nirgends  die   eigenthümliclikeit  dieser  anzuerkennen 
uubereit  war.     Solch  ein  standpunct  gebührle  Ihnen ;    und 
wie  von    ihm  aus   Sie    den    eindrang   der   sage    in  die  ge- 
schichte  darlegten,    wäre  es   meine    lust   gewesen    die  ein- 
wirkung  der  geschichle  auf  die  sage   gerade  au  demselben 
beispiel  zu  ent\vickeln :    was  hernach   Müller  in  gewissem 
sinn,    doch    nicht    ganz     wie    ich    es    meine,    gelhan    liat. 
Welchen    beider  wege   man    einschlage,    danach   wird  sich 
anderes  licht  ergeben  und  anderer  scbattenwurf.     Sage  und 
geschichte  sind  jedwedes   eine   eigne  macht,   deren   gebiele 
auf  der  grenze  in  einander  sich  verlaufen,  aber  auch  ihren 
gesonderten,  unberührten   grund  haben,     aller  sage  grund 
ist   nun   mjthus,   d.  h.  gülterglaube ,    wie  er  von   volk  zu 
"Volk  in  unendlicher  abstufung  wurzelt :    ein  viel   allgemei- 
neres, unstateres  element  als  das  historische,  aber  an  um- 
fang gewinnend  was  ihm  an  festigkeit  abgeht.    Ohne  solche 
mythische    unterläge    läfst    sich    die   sage    nicht   fassen,    so 
wenig   als  ohne  geschehne  dinge  die  geschichte.     Während 
die  geschichte   durch   thaten   der  menschen    hervorgebracht 
wird ,   schwebt  über  ihnen  die  sage  als  ein  schein    der  da- 
zwischen glä;^^t,  als  ein  duft,  der  sich  an  sie  setzt.     Nie- 
mals  wiederholt   sich    die    geschichte,    sondern    ist   überall 
neu  und  frisch,  unaufhörlich  wiedergeboren  wird  die  sage. 
Festes  Schrittes  am  irdischen  boden  wandelt  die  geschichte, 
die  geQügelte  sage  erhebt  sich  und  senkt  sich:    ihr  w^eilen- 
cles  niederlassen  ist  eine  gunst;   die  sie  nicht  allen  Völkern 
erweist.     Wo  ferne  ereignisse  verloren  gegangen  wären  im 
dunkel  der  zeit,    da    bindet  sich   die  sage    mit   ihnen    und 
weifs    einen    theil    davon    zu    liegen;     wo  der  mythus   ge- 
schwächt ist  und  zerrinnen  will,  da  wird  ihm  die  geschichle 
•kur  stütze.     Wenn  aber  mythus  und  geschichle  inniger  zu- 
sammen treffen,  und  sich  vermählen,  dann  schlägt  das  epos 
ein  gerüste   auf    und    webt   seine   faden.      Treffend    gesagt 
haben  Sie:    so  sehr  unterliegt  die  geschichle,   welche  kein 
fleifs  der  gleichzeitigen  aufzeichnet,  der  gefahr  im  gedachl- 
nisse  der  menschen  ganz  zu  verschwinden,    oder  falls  die 
sage  'sich  ihrer  bemächtigt  zwar  erhallen,  aber  zugleich  in 
dem  grade  verwandelt  zu  werden,    wie  die  hurteste  frucht 

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(IV) 

iii  die  wetcbste,  die  herbeste  in  die  siifseste  durch  kunst 
der  Zubereitung  fast  willkürlich  übergeht.  Die  vei'waud- 
luug,  den  Übergang  räume  ich  ein,  nicht  die  Zubereitung, 
denn  zubereitet  nennen  dürfen  wir  nicht  was  durch  eine 
stiilthätige»  unbewust  wirksame  kraft  umgesetzt  und  ver- 
ändert wurde.  Es  gibt  doch  nur  wenig  ersonnene  sageir, 
keine,  deren  trug  vor  dem  äuge  der  critik  nicht  zuletzt 
schwände,  wie  die  verfälschte  geschichte  weichen  mufs 
einer  weit  grofseren  macht  der  wahren ;  was  aus  stadte- 
namen  müfsige  mönche  des  mittelalters  etymologisiert,  jenes 
niederländische  machwerk  des  Hunibald,  eines  Annius  von 
Viterbo  Berosus,  bi'ingen  weder  der  sage  gefahr,  noch  der 
geschichte.  Die  geschichte  hat  es  aber  nicht  vor  der  sage 
voraus,  dafs  man  vergleichen  kann;  jede  wird  nur  für 
ihre  vergleichungcn  des  rechten  mafsstnbes  eingedenk  sein. 
Aus  vergleich ung  der  alten  und  unversclimähteu  jünge- 
ren quellen  habe  ich  in  andern  büchern  darzuthun  ge- 
strebt, dafs  unsere  voreitern,  bis  in  das  heidenlhum  hinauf, 
keine  wilde,  rauhe,  regellose,  sondern  eine  feine,  ge- 
schmeidige, wolgefüge  spräche  redeten,  die  sich  schon  iu 
frühster  zeit  zur  pocsie  hergegeben  hatte;  dafs  sie  nicht  in 
verworrener ,  ungebandigter  horde  lebten ,  vielmelir  eine» 
althergebrachten  sinnvollen  rechts  in  freiem  bundc;  kräftig 
blüliender  sitte  pflagen.  Mit  denselben  und  keinen  andern 
mittein  wollte  ich  jetzt  auch  zeigen,  dafs  ilire  herzen  des 
glaubens  an  gott  und  götter  voll  waren,  dafs  heitere  und 
grofsartige,  wenn  gleich  unvollkommne  Vorstellungen  von 
höheren  wesen,  siegesfreude  und  todesverachtung  ihr  leben 
beseeligten  und  aufrichteten,  dafs  ihrer  natur  und  anläge 
fern  stand  jenes  dumpfbrütende  niederfallen  vor  götzen 
oder  klotzen^  das  man,  in  ungereimtem  ausdruck,  fetischis- 
mus  genannt  hat.  Diese  beweisführung  fühlt  durch  meine 
vorhergegangenen  arbeiten  sich  erleichtert  und  gestärkt; 
das  dritte  folgt  hier  innerlich  nothwendig  aus  dem  ersten 
und  zweiten:  ein  volk,  zur  zeit  wo  seine  spräche,  sein 
recht  gesund  da  stehen  und  un versiegten  Zusammenhang 
mit  einem  höheren  alterthum  ankündigen,  kann  nicht  ohne 
religion  gewesen  sein ,  und  wir  werden  zum  voraus  ihr 
dieselben  tugeuden  und  mäugel  beilegen  düi^fen,  welche 
jene  auszeichnen.  Unserer  mythologie  gebricht  es  indessen 
auch  nicht  an  eigenfhümlichen ,  ihrerseits  auf  spräche  und 
recht  zurückweisenden  besläligungeu ,  an  welchen  sowol 
dem  historiker  gelegen  sein-mufs,  wenn  er  die  öden,  vcr- 
laf^^uen  anfange  deutscher  geschichte  beleben  will,  als  dem 
theologen,   um  der  ein  Wirkung  des  christenthums  auf  das 


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(V) 

heideuthnm ,  wie  der  spuren  dieses  {n  jenem  sicher  zu 
werden.  Es  macht  aber  überhaupt  freude  das  leere  haus 
wieder  voller  xu  stellen. 

Nur  in  einem  punct  war  der  gegenwärtigen  Unter- 
suchung ein  abweichender  gang  vorgeschrieben,  niemand 
Eweifelt,  dafs  die  nordische  spräche  mit  in  den  kreis  der 
übrigen  deutschen  dialecte  gezogen  werden  müsse ,  noch 
ist  befremdet  über  die  grol'se  einslimmung  aller  unterein- 
ander, eben  so  geringen  anstofs  haben  die  rechtsforscher 
an  dem  auflalknden,  bis  in  formein  und  worte  reichenden 
einklang  altnordischer  und  altdeutscher  gebrauche  genom- 
men. Für  den  heidnischen  glauben  hat  man  eine  andere 
'nieiuung  gefafst^  weil  seine  quelle  in  Scandinavien  reich- 
lich ,  in  Deutschland  sparsam  fiiefst :  diese  sehr  begreif- 
liche Verschiedenheit  ist  zu  der  doppellen  folgerung  ge- 
misbraucht  worden ,  um  den  Ursprung  der  nordischen  my- 
thologie  stehe  es  verdächtig,  und  das  übrige  Deutschland 
sei  gütterios  gewesen,  aus  dem  mangel  des  armen  bruders 
schlofs  man  nicht  etwa,  dafs  er  sein  gut  verthan,  sondern 
dafs  der  reiche  bruder  sein  vermögen  unrecht  erworben 
habe,  aus  der  wolhäbigkeit  des  begüterten  entnahm  man, 
dafs  der  dürftige  gar  nicht  reich  gewesen  sein  könne. 
Miemals  hat  eine  falsche  critik  ärger  gefrevelt,  indem  sie 
wichtigen,  unabwendbaren  Zeugnissen  trotzte,  und  die  na- 
turgemäfse  entwicklung  nah  verwandter  volksstämme  leug- 
nete. Um  sie  aber  auszurotten  habe  ich  wol  eingesehn, 
dafs  ich  nicht  von  einer  darstellung  der  nordischen  fülle, 
vielmehr  der  deutschen  armut  ausgehend,  ähren  lesen 
muste,  keine  garben  schneiden  durfte,  erst  aus  solchen 
äliren  und  ihren  kÖrnern  habe  ich  nahrung  zu  gewinnen 
und  Schlüsse  zu  ziehen  gewagt;  es  ist  dadurch  aller  be- 
sonderheit,  wie  ich  hoffe,  das  recht  gewahrt  worden.  Denn 
eigen thümliches  und  abweichendes  tritt  hier  nicht  anders 
wie  in  der  spräche  ein  und  seiner  habhaft  zu  werden  hat 
den  höchsten  reiz.  Gröfser  aber  als  die  abweichung  ist 
die  Übereinkunft,  und  das  friiher  bekehrte,  früher  gelehrte 
I>etit8chland  kann  die  unschätzbaren  aufschlüsse  über  den 
Zusammenhang  seiner  mylhenlrümmer  dadurch  dem  reiche- 
ren Norden  vergelten,  dafs  es  ihm  ältere  historische  zeugen 
für  die  jüngere  niederschreibung  an  band  liefert.  Wie 
Deutschland  keine  runen  auf  steinen  übrig  hat,  doch  in 
büchern,  die  älter  »lud  als  die  ältesten  nordischen  runsteine, 
so  wird  durch  den  Wuotan  des  Jonas,  Paulus,  der  liptin. 
sytiode  der  eddische  Odhinn  neu  gesichert.  Zweierlei  fcsl- 
zuhallen,    daran   ist    es   hier   gelegen:    dafs    die    noi-disehe 


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(VI) 

mythologie  echt  sei^  folglicli  auch  die  dcuUclie,  und  dafs 
die  deutsche  alt  sei,   folglich  auch  die  nordische. 

Neben  den  lateinischen  Zeugnissen,  die  von  der  Römer- 
zeit  anlieben  und  durch  das  ganze  mittelalter  sich  erstrecken 
(vielleicht  gelingt  es  ^  in  den  ältesten  heiligenleben  noch 
einiger  habhaft  zu  werden,)  ist  von  mir  auf  volkssagen 
überall  kein  kleines  gewicht  gelegt,  und  lohnende  ausbeute 
aus  ihnen  gewonnen  worden.  Ihren  werth  bezeichnet  das 
Verhältnis  heutiger  volksmundarten  ganz  genau,  in  welchen 
sich  uralter  wortstof,  den  die  gebildete  spradie  längst  aus- 
geschieden hat,  in  menge  findet,  es  ist  wahr,  die  feineren 
formen  der  Wörter  sind  zu  grund  gerichtet,  die  genaueren 
fugen  des  niythus  gesprungen ,  allein  die  Wahrheit  der 
grundbedeutung  kann  sich  unverdorben  bewahrt  haben, 
besonders  wichtig  aber,  ja  entscheidend  ist  hier  die  analogie 
des  abstands  deutscher ^  dänischer  und  schwedischer  volks- 
sagen von  den  älteren  mythen  :  wandelt  eine  neunordische 
Überlieferung  die  götter  in  riesen,  so  darf  sie  eine  deutsche 
zu  teufein  herunter  drücken,  und  Saxo  mag  wiederum  eine 
mittelstufe  zwischen  späterer  tradition  bezeichnen  und  der 
edda.  Was  die  Veränderung  des  tons  und  der  färbe  in 
dem  späteren  Norden  hervorbrachte,  das  mufs  nothwendig 
auch  früher  in  Deulscliland  wirksam  gewesen  sein.  Orter, 
gestirne,  thiere,  kräuter  und  steine  nach  göttern  und  gei- 
stern benannt  waren  sorgfältig  zu  verzeichnen ;  sie  bestä- 
tigen die  längere  wärmere  dauer  ihres  cultus.  Aus  den 
gedichten  des  mittelalters  hat  sich  zwar  nur  sparsamer,  im 
einzelnen  aber  höchst  wichtiger  gewinn  für  die  mythologie 
ziehen  lassen,  ihre  Verfasser  hätten  dieser  gröfsere  dienste 
leisten  können ,  wäre  nicht  geschmack  und  ausbildung  des 
dreizehnten  }h.  überhaupt  mehr  ausländischen  als  einheimi- 
schen Stoffen  zugewandt  worden.  Albrechts  von  Halber- 
stadt bearbeitung  der  metamorphosen ,  die  manchen  mythi- 
schen ausdrücken  gar  nicht  halte  ausweichen  können^  darf 
hier  besonders  vermist  werden. 

Für  die  idenlität  noi*discher  und  deutscher  götterlehre 
scheinen  mir  folgende  puncte  schlagend.  fVuotan  =  Odhinn 
verbürgen,  aufser  den  lat.  Zeugnissen,  den  ags.  stamm- 
sagen und  den  Ortsnamen,  die  benennung  fVunschy  ihr 
Zusammenhang  mit  den  wünsch  frauen  (uskmejrjar  s.  236) 
und  Wunschkindern  (s.  507) ;  eben  lese  ich  alld.  blätt. 
1,  129  den  merkwürdigen  ausdruck  wünschelw eiber  ge- 
radezu von  schwanjuuglraueu  gebraucht.  Wuotan  erscJieint 
im  wiinscheUuU  ^  im  breiten  hut,  in  der  hehla  oder  hakol^ 
er  heilst  noch  luikelberend  (s.  519),  reitet  auf  dem  schint" 


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(vn) 

inel  (8.519.  530.  532),  weidet  aein  pjerd  («.693)  und 
besorgt  ilim  fntter  (s.  104)-;  als  fVuotung  zieht  er,  der 
alle  Siegverleiher,  an  des  wütenden  heers  spitze  (s.  515); 
von  seinem  himmlischen  thron  schaut  er  zur  erde  nieder 
(s.  97.  98.)  Donars  =  Th6rr  ist  durch  das  liptinische 
Zeugnis,  den  donnerwagen,  die  donnerberge  und  eiche, 
durch  das  hammersymbol  gerechtfertigt,  der  nord friesische 
beiname  des  rothliaarigen  scheint  mir  ein  unabweisbarer 
grund ;  deshalb  vielleicht  noch  spielt  um  Friedrich  rothbart 
die  sage,  der  wie  Th^rr  zum  muspilli  wiederkehren  soll 
(s.  537.)  Dafs  Freyr  Frduja  und  i'V<J  sei  thut  allein  die 
Sprache  ab,  zumal  auch  Freyja  z=:  Froiiwa  erscheint.  T5'r 
ist  7äiu\  Baltac  und  Herimuot  wären  verschollen,  hätte 
sie  nicht  die  ags.  Stammtafel  bewahrt.  Loki  scheint  noch 
aufzutauchen  in  Grendel^  aber  die  sage  der  mond verschlin- 
gung hat  sich  allgemeiner  erhalten,  den  Oegir  habe  ich  in 
U&ki  und  Echi  nachzuweisen  gesucht,  wozu  man  Fasolt 
nelimen  mufs.  Foaite  r=:  Forseti  mag  immer  noch  bedeu* 
keu  behalten  und  der  weg  oiTen  bleiben,  ihn  an  die  Fosi, 
zu  Tacitus  zeit  ein  den  Cherusken  verwandtes  volk  zu 
knüpfen ;  selbst  an  Fasolt  stufst  sein  name.  Unter  den 
göttinnen  ist,  aufser  Frouwa,  auch  Frecka ,  vorzüglich 
aber  Hella  j  Hai  ja  und  Hluodana  (s.  156)  dem  nordi- 
schen kreise  identisch  ;  bei  andern  stört  römische  ausle- 
gung  oder  veränderter  volksname  den  grad  der  Sicherheit. 
Desto  deutlicher  überein  stimmen  göttinnen  zweiten  rangs: 
jiliorunaj  Hilta^  Gunda,  Drul,  f^urt,  die  ags-  välcyrie, 
der  ganze  begrif  und  mythus  von  achivanjrauen  und 
ordnerinnen  des  geschicks.  In  der  reihe  göttlicher  hellen 
steht  dem  deutschen  mythus  manches  eigne  und  ältere  zu 
gebot,  doch  sind  auch  überzeugende  einstimmungen  genug 
vorhanden.  Ingo  ist  lngvi\  Isc,  Eacio  vielleicht  Askr, 
Irmin  lebt  in  zusammeusetzungea  mit  lörmun ;  ALrma- 
nareikn ,  HamathiuH  sind  die  eddischen  lörmunrekr, 
Haiiidhir.  dafs  eben  diese  namcn  in  die  gothische,  deut- 
sche, noitlische  heldensage  eingreifen,  und  darin  hafteten^ 
hebt  ihre  beweiskrafl  um  ein  grofses.  auch  Völundr  und 
IVliinir  sind  noch  in  f'f^ielant  und  Minier olt  zu  spüren 
andern  anhält  würde  die  säclisische  und  friesische  sage 
darbieten,  wäre  sie  vollständiger  verzeichnet:  Scedf,  BeOy 
F^in  ^  Folcuealda  lassen  kaum  blicke  tliuii  in  das  gewebe 
alter  mythen,  Si>äfdäg  ist  Svipdagr.  Brosinga  niene^ 
Forneotes  fohne  sind  bedeutsame  Überbleibsel.  Fügt  man 
zu  aller  dieser  Übereinkunft  die  gänzliche  gleichheit  der 
uaineu,  begrilT«,  grofsentheils  der  mythen  von  a/6,  &u>erg, 


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(vni) 

riesBj  eian^  durs^  meriniinni^  shrai^  ans^  f^^girh  urloucj 
muapillij  midjungards^  der  cultus  ausdrücke  pluozan, 
minne  trinken ,  gudja ,  haruc  u*  8.  w. ,  so  hört  aller 
jsweifel  auF  und  die  ursprüngliche,  unerborgte  Verwandt- 
schaft der  deutschen  und  nordischen  götterlehre  wird  zu 
einer  unerschütterlichen  Wahrheit. 

Jede  derselben  steht  um  so  sicherer  und  unantastbarer, 
je  mehr  unterschiede  und  eigenthümlichkeiten  den  wahn 
an  entlehn ung  und  Übertragung  fern  halten,  auf  solcher 
Verschiedenheit  eben  beruht  alle  Spaltung  der  völker  in 
Stämme  y  der  sprachen  in  dialecte,  der  mythen  in  epen, 
jenes  erblühen  eines  frischen  lebens  aus  bindender  allge- 
meinheit^  und  ich  weifs  nicht  was  hier  mehr  freuen  kann, 
das  trennende  zu  gewahren  oder  das  einigende.  Unter  den 
wichtigsten  eigenheiten  deutscher  mythologie,  im  gegensatz 
zur  nordischen,  oben  an  zu  stehn  scheint  mir  nun  das 
allgemeinere  und  eben  darum  viel  weniger  in  cultus  aus- 
gehende ansehn  des  Frd  oder  Frduja.  Scandinavien ,  zu- 
mal Schweden  verehrte  diesen  gott  in  tempeln,  unter  den 
übrigen  Deutschen  ist  keine  spur  solches  diensles,  wol 
aber  hat  sich  seine  benennung  in  die  eines  göttlichen  herrn 
ausgedehnt,  so  sehr  und  wahrscheinlich  so  lange  schon, 
dafs  Ulfiias,  ohne  anstofs,  frduja  für  ^ntQtoQ  verwenden 
durfte,  nichts  als  den  gütigen^  freundlichen  herrn  und 
könig  scheint  es  auszudrücken.  Von  Asien  her  ist  die  sitte 
eingedrungen  den  namen  der  gottheiten  herr  oder  frau 
vorzusetzen,  niemals  haben  die  alten  Griechen  ihre  götter 
HVQios  betitelt,  dieser  ausdruck  bezeichnete  immer  den 
ge\^ltigen,  mächtigen  eigner;  gleiches  gUt  von  ieanoTf^gy 
und  iionotva  war  in  Athen  für  eine  bestimmte  göttin,  für 
Proserpina  eingeführt,  erst  Theocrit  gibt  es  auch  andern 
göttinnen.  Allgemeiner  wurde  KVQiog  durch  die  septuaginta: 
9tVQiog  6  &e6g  oder  ^eoc  xv^ioc»  Und  Neugriechen  nen- 
nen den  wind  6  üvq  Bogaug  (Wli.  Müller  2,  120)  wie 
ihn  das  russ.  Igorlied  gospodin  betitelt  (s.  361.)  Hienach 
heifst  nun  den  Christen  nicht  nur  gott  frduja^  fi^^f 
dryhten ,  dröttinn ^  sondern  fiuch  Clu-istus  ebenso,  und 
Maria  frau.  von  heidnischen  göttern  wird  niemals  lierr, 
wol  aber  von  heidnischen  göttinnen  frau  gesagt;  kein  herr 
Wnotan,  herr  Irmin ,  allein  Jrau  Uolda,  frau  Frecke, 
frau  Berhte,  ßaii  Sonne,  ein  grund  um  auch  fru  Gaue 
(s.  153)  ehev*  auf  die  göttin  zu  beziehen.  Ebenso  im  roniani- 
sehen  domi/ta  Abundia  {dame  ilabonde),  Diana  doniina^ 
hera  (s.  176),  domina  nocturna,  und  bei  Ausonius  (p.  m.  467) 
^dominae  Mosellae  nuraine  adorato'.  Auch  die  Slaven  setzen 


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(IX) 

flir  g09podin  dem  gdttlichen  namen  vor,  krnin.  gospod  bog, 
böhnj.  hosßpdin  oder  pdn  bäh^  poln.  pan  bog,  litth.  ponas'^ 
doch  bezogen  die  allen  iiölimen  dobropan  auf  Mercur 
(s.  93) ,  unsere  vorfahren  her ,  holder  her  auf  den  Mond 
(s.  400-  401.)  Frduja^  Fr 6  mag  also  in  sehr  früher  zeit 
jenen  adjectivischen  sinn  gehabt  haben,  etwa  w^ie  den  Rö- 
mern Liber  und  Libera  (s.  194.)  Merkwürdig,  dafs  auch 
die  hauplsächlich  thüringischhessischen  güttinnen  Holda 
und  Berhta  den  sinn  der  beiworter  holdj  lieb,  weifs 
enthalten  und  an  die  celtischen  bonnea  damee,  damea 
blanrliesj  melu*  als  an  scandinavische  gotlheiteu  mahnen. 

Den  landschaftlichen  unterschied  zwischen  Ziu  und 
Er  glaube  ich  herausgehoben  zu  haben,  sdion  nach  den 
ninen  (s.  134.)  Über  dem  fries.  JPb«e/e,  der  schwäbisclien 
Zisa ,  der  sächsischen  Edstre  und  Hr^dhe^  der  marsischen 
lamfana  schwebt  für  immer  oder  so  lange  Unsicherheit, 
bis  neue  nachrichten  und  combinationen  den  blick  in  ihre 
eigenthümlichkeit  tiefer  dringen  lassen,  ^erthua  ist  dem 
ohr  und  d^  angewOhnung  noch  allzu  fremd,  als  daDs 
meine  Vermutung  von  allen  gutgeheifsen  werden  könnte« 
ich  wollte  dem  buchstab  der  handschriften  sein  recht  thun 
uud  in  der  geschlechtsab weichung  zwischen  Nerihua  und 
I^iördhr  einen  untersclüed  mehr  für  deutsche  und  nordi- 
sche lelire  gewinnen,  formell  ist  einem  goth.  fem»  Nafrthus 
wenig  oder  nichts  anzuhaben ,  wiewol  ich  auch  keine  lat. 
weiblichen  eigennamen  vierter  decl.  weifs.  das  schwankende 
genus  bezeugen  valhts  (s.  246)  und  die  doppelform  neben 
einander  unhulthu,  unhultha  (s.553),  Perkunas  und  Fiörgyn 
(s.  117),  ja  selbst  Freyr  und  Freyja«  Wer  bei  Hevtita 
beharrt,  mufs  aul'ser  dem  N  auch  das  U  ändern  und  für 
Merlhum  Hertham  setzen,  da  sich  kein  goth.  afrthus,  nur 
airtha  findet.  Für  Hertha  scheint  allerdings  die  nord« 
göttin  lördh  anzuschlagen  und  es  ist  s.  140  zuviel  gesagt, 
dafs  die  aspiration  bei  Tacilus  fehlen  müsse,  da  er  Her- 
munduri,  Herminones  schreib,  wiewol  Arminius*  einzu* 
räumen  ist  auch ,  dafs  gerade  erda  und  herda  wechseln 
(Grall  1,  415-17)  und  noch  heute  ein  Schweiz,  masc.  A^rd 
für  solum,  erdboden  gilt,  das  aber  vielleicht  dem  ags.  eard 
(und  nicht  eordhe)  ahd.  art  (Graff  1,  403)  zu  vergleichen 
wäre?  die  uncialen  H  und  N  konnten  unter  der  hand  des 
Schreibers  leicht  vertauscht  werden. 

Das  nördliche  Deutschland,  zumal  Sachsen,  zeichnet 
sich  durch  längeres  haften  am  heidentlium  aus:  es  hat 
mehr  anklänge  an  Wodan,  mehr  örtlichkeiten,  die  sich 
auf  götter  beziehen,    die  benennung  des  mittwochens  fVona» 


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(X) 

tag^  Gonstag  hat  in  Westfalen  zu  längst  gedauert,  dort 
sland  die  IrmeriHeale.  Niederdeiitsch  sind  die  volleren 
Überlieferungen  von  Hakelbernd  ^  von  fru  Fr  ecke  ^  die 
staninisagen  von  Sahsnöt,  Heime,  und  aus  Niederdeutsch- 
land ausgegangen  ist  die  reiche  ags.  sage,  auch  die  oster*- 
jener  mögen  gerechnet  wertlen.  Wie  in  der  vila  Sturmi 
(Perz  2,  367)  feroces  Saxones,  hiefsen  die  später  bekehr- 
ten noch  lange  zeit  die  wilden  Sachsen  (Gudr.  1465.  6016. 
Lohengr.  p.  150.)  doch  steht  auch  Fr&nci  feroces  (Pertz  1, 
282),  ofilde  Franken  (Gudr.  1465)  und  sonst  wilde  Kriechen, 

Von  der  Verwandtschaft  deutscher  niylhologie  mit  rö- 
niischgriechisclier  nuifs  man  unterscheiden  die  interpretatio 
romana  deutscher  gölter. 

Die  äliesten  Zeugnisse,  w^elche  uns  fVuotan  nennen, 
sind  aus  dem  siebenten,  achten  }h. ;  zahlt  man  in  den  ags. 
genealogien  von  historisch  sichern  uamen  aufwärts  bis  zu 
Wuolan,  so  fiele  er  in  das  vierte,  höchstens  dritte,  die 
unstatlhaftigkeit  einer  solclien  computatiou  habe  ich  8.111 
behauptet,  imd  Suhm  der  auf  solche  weise  die  lebenszeit 
Odins,  oder  eines  seiner  eingebildeten  mehrern  Odine,  heraus- 
zubringen meint,  erlangt'  nur  trügerische  resultate.  Wie 
sollten  im  gewirre  der  tiükerwanderung,  als  von  der  andern 
Seite  schon  das  christenthum  vordrang,  den  deutschen  Hei- 
den gölter  entsprungen  sein,  welchen  alle  ihre  stamme, 
die  vordersten  und  hintersten,  zugefallen  wären?  Wenn, 
überhaupt  nationalgötter  so  aufserlich  imd  plötzlich  einge- 
führt werden  können,  sollen  sie  aus  den  planetarischen 
Wochen götierny  die  zu  jener  zeit  das  christenthum  im 
geleit  mit  sich  brachte,  oder  vor  sich  her  schickte,  erklar- 
bar  sein?  dann  aber  hätten  Sonne  und  Mond  die  ersten 
hauptgottheiten  abgeben,  und  nicht  gerade  Mars,  Mercur 
und  Jupiter,  dazu  wieder  in  andrer  rangordnung,  hervor- 
gehoben werden  müssen,  dann  dürfte  auch  Saturn  nicht 
fehlen,  den  kein  deutscher  stamm  verehrt,  und  woher 
gekommen  wären  die  deutschen  namen  dieser  wochengötter? 
bei  Galliern,  von  welchen  zunächst  bekanntschaft  mit  ihnen 
herzuleiten  wäre,  blieb  die  lateinische  benennung  in  kraft, 
warum  nicht  bei  Deutschen,  die  sich  damals  wenig  sträub- 
ten für  lateinische  begrllfe  lateinische  Wörter  zu  behalten? 
die  deutschen  götternamen  sind  aber  sichtbar  nicht  aus  den 
lateinischen  übersetzt,  noch  ihnen  nachgebildet,  von  ein- 
lieimischen,  etwa  geschichtlichen  beiden  oder  königen  ent- 
lehnt und  auf  die  fremden  götter  angewandt  sein  können 
sie  noch  viel  minder,  weil  durch  Donar  offenbar  der  in 
Jupiters  idee  liegende  donuergott   ausgedrückt,    durch  Frla 


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(XI) 

der  begriF  von  Venus  errelclit  wird.  Ungleich  naturltcher 
ist  die  annähme,  dafs  sich  unsere  vorellern  für  die  ihnen 
zugeführten  wochentagsuanien  längstbekannter  eigner  göN 
torbenennui^gen  bedienten.  .  Vollends  begriffe  ich  nicht, 
M'enn  unter  den  erstbekehrten  oder  der  bekehnuig  zurel*^ 
fenden  aufsersten  Deutschen  solche  aufgebrachte  namen 
um  gegriffen  hätten,  wie  sie  den  lange  jioch  im  beiden- 
thum  beharrenden  Sachsen  und  fernen  Nordniannen  so 
annehmlich  geworden  wären,  dafs  sie  in  dem  mittelpunct 
ihres  cultus  lange  Jahrhunderte  herschen  konnten*  Wenn 
dem  Gothen  des  vierten  jh.,  wie  wir  durch  UIGlas  wissen, 
die  grundheidnischen  ausdrücke  bliitan,  fraiija,  hal}a,  mid- 
)ungards  u.  s.  w.  eigen  und  geläufig  waren,  *dem  Alamannen 
des  achten  pluozan,  frd,  hella,  mittinkart,  dem  Nordmann 
des  eilften,  zwölften  bl^ta,  Freyr,  Hei,  midhgardhr,  so 
bezeugt  das  alles  doch  ein  tieferes,  festeres  dement  des 
glaubens  als  dafs ^ man  ihn  auf  jenen  anlal's  zurückleiten 
möchte,  darum  mufs  Wuotan^  den  jene  ags.  stammsage 
unter  viel  älteren  ascendcnten  nochmals  mit  anderm  namen 
aufführt,  nicht  nur  im  siebenten  jh.  verehrt  worden  sein, 
sondern  auch  im  vierten ,  und  ersten. 

Eine  treffende  bestätigung  dieser  behau ptung  gewähren 
uns  aber  Tacitus  nachrichten.  Tacilus  führt  unter  römi^ 
scher  benennung  germanische  gotlheitcn  auf :  Mercur^ 
Alans ^  Hercules y  Isis,  Castor  und  P.ollux y  und  für 
sie  mufs  es  auch  deutsche  namen  gegeben  haben,  wider* 
sinnig  wiire  nun  anzunehmen,  diese  deutschen  götler  des 
ersten  jh.  seien  ganz  andere  gewesen ,  als  die  des  vierten 
oder  sechsten,  jene  allhergebrachten  wesen  au  feinmal  ver- 
schwunden und  neuerdachten,  unvolksmäfsigen  gewichen. 
Die  Wahrheit  ist,  dafs  schon  Römer  des  ersten  jh.  auf 
xleutsche  gottlieiten  die  analogie  ihrer  benennungen  an- 
wandten, dafs  solche  lateinische  namen  im  verkehr  zwischen 
Germanen,  Römern  und  Galliern  hernach  fortwährend  bei- 
behalten wurden  und  die  Verdeutschung  der  planctengötter 
von  selbst  an  band  gaben.  Nur  wurde  durch  diese  freilich 
die  zahl  deutscher  götter  nicht  erschöpft,  wie  uns  Isis, 
Hercxiles,  Castor  und  PoUux  zeigen,  noch  mehr  aber  JVer- 
tlius  und  Tanjana^  welchen  der  geschichtschreiber  ihren 
deutschen  namen  lassen  mufs,  weil  es  ihm  an  genau  pas- 
senden römischen  dafür  gebricht.  Herthas  y  stände  die 
lesart  ganz  gesichert,  gäbe  einen  unschätzbaren  beweis  für 
die  einerleilieit  der  tacilischen  mit  den  eddisclkci:  götlern. 
Hertha  oder  Herthas  entspräche  zwar  auch  der  lördh^ 
bezeichnet    aber    zugleich    d^   elemeut,    und   niemand   be- 


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(XIT) 

filreitet,  clafs  dieses  von  den  Germanen  des  erslen  jli.  wie 
Ton  den  spätem  mit  demselben  ausdriick  benannt  wurde. 

Mit  jener  bin  und  her  versuchten  überselzung  deut- 
scher und  römischer  götter  berührt  sich  die  eigentliche, 
innere  Verwandtschaft,  welche  zwischen  deutscher  und  cias- 
sicher mythologie  ungefähr  in  dem  Verhältnis  statt  findet, 
nach  welchem  unsere  spräche  beschlechlet  ist  mit  griechi- 
scher und  lateinischer.  Eine  bedeutende  zalil  überraschen- 
der einstimmungen  wird,  wenn  ich  mich  nicht  täusche, 
durch  meine  arbeit  an  tag  gebraclit  worden  sein ,  und  bei 
dieser  vergleichung,  versteht  es  sich  von  selbst,  ist  die  trüm- 
merhafte,  ungesammelte  deutsche  götterlehre  meist  im  nach- 
thei!  gegenüber  der  reichlich  erhaltenen,  verfeinerten,  ge- 
ordneten Jener  Völker,  dort  ist  sie  von  dichtem  wie  von 
Künstlern  im  schofs  gepflegt,  gereinigt  und  geschmückt,  hier 
aber  fast  von  allen  leuten  verworfen,  ausgetrieben  und 
dem  rohen  volk  preis  gegeben  worden.'  zur  griecliisclien 
poesie  verhält  sie  sich  beinahe  wie  prosa,  durch  deren 
schlichte  rauheit  nur  hin  und  wieder  haftende  formein, 
gleich  wildem  vogelschrei,  rührend  hallen,  dieser  verjährten 
läge  der  Sache  entspricht  auch  die  vornehme ,  unwissende 
kälte  mit  welcher  man  einzelne  versuche  vaterländisches 
alterlhnm  zu  erhellen  aufgenommen,  oder  die  halbcritische 
Willfährigkeit,  seine  letzten  Überreste  zu  vernichten,  wäh- 
rend allen  forschungen  über  classische  spräche,  sitte  und 
religion   sich  rege  und  warme  theilnahme  zuwendet. 

Dem  Zeus  vergleichbar  ist  unser  Donar,  doch  nicht 
die  oberste,  die  zweite  stelle  nimmt  er  ein,  und  darum 
hat  Tacitus  gar  nicht  einmal  anlafs,  eines  deutschen  Jupi^ 
ters  zu  gedenken,  unserm  fViwtariy  der  sich  nicht  blofs 
obenhin,  sondern  individuell  mit  Mercur  identificiert,  kommt 
der  höchste  rang  zu;  und  eben  weil  unser  PPuotan  be- 
deutender ist,  als  der  römische  Mercur,  Übertrift  Jupiter 
an  macht  und  ansehn  unsern  Donar,  Beide  TVuotan  und 
Mercur  gleichen  sich  durch  den  wünschelhuf ,  die  Wün- 
schelrute, als  erfinder  der  buchstaben ,  als  empfangnehm  er 
gcfallner  beiden;  nur  ist  Wuotan  aufserdem  gott  des  siegs, 
neben  Ziu  oder  Mars,  dem  kriegsgott.  Bedeutsam  scheint 
beider  zusammennennen  Mars  und  Mercur  (s.  27.  74.  78. 
85)  wie  sie  in  der  woche  folgen.  Ich  habe  angenom- 
nien,  dafs  Mercur  auch  im  gallischen  cultus  höherer  ehre 
theilhaft  wurde,  als  im  römischen,  und  darin  bestärkt 
vicllpicht  die  Wahrnehmung  s.  692,  dafs  aus  Hermes  ter- 
maxhuus  oder  tQigfdytmog  unter  romanischen  Völkern, 
Ich  möchte  wissen,  wann  zuerst  die  bcneunung  Termagau^ 


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(Xin) 

Tervagan  für  die  oberste  lieiduiscbe  gottbeit  aufgekommen 
ist.  8Üd  und  nord französische  dichter  wenden  sie  auf  den 
sarazenischen  abgott  an,  gleich  Jupin  (Jupiter)  und  j4pol/of/ , 
lassen  aber  Terpagan  gern  den  vorrang  (Ferabras  2843. 
4370  vgl.  Apoli  3643.  4372;  cod.  bibl.  reg.  7183  fol.  164^ 
nennt  Tervagan ,  Jupiter  etNoiron,  unter  welchem  letztem 
Nero  gemeint  sein  wird,  vgl.  Reinb.  CCIU.)  aus  romanischer 
quelle  haben  unsere  dichter  des  13  )h.  Teri^igant  (Wh* 
558;  12.   399,  6)   und  altenglische  Termagant. 

Donners  oder  Tliörs  zweiter  rang  verursacht  auch, 
dafs  ihm  nicht  die  allväterliclie  eigenschaft  des  Zeus  uud 
Jupiter  beiwohnt;  der  nord.  mylhus  stellt  ihn  dar  als 
Odbins  söhn,  vielleicht  läfst  sich  sein  bock  und  der  bocks* 
Lornige  Jupiter  Amnion  zusammenhalten?  auf  bergen  haust 
er  wie  Zeus  ivaxQiog»  Isis  und  Diana  stehen  mit  Holcla 
\inS  Berhta;  Demeter ,  Ceres ^  Isis,  Cybele  vknA  Bere* 
cynthia  mit  Nerthus  in  naher  Verwandtschaft;  Venus  ge- 
mabnt  mehr  an  Freyja^  als  Juno  an  Frigg ;  etwa  Pro-- 
serpina  an  Hai  ja  ^  kaum  Hecate  an  den  ausdruck  hexe. 
mit  Minerpa  können  Frida  und  Holda  züge  gemein 
Laben,  mit  JSeptun  Oegir ;  wenig  hervor  tritt  die  idee 
des  Bacchus  und  j4po2lo  an  göttern,  sie  ist  eher  in  tniuk- 
nen  riesen  erkennbar  und  in  sangreichen  elben  oder  ström- 
geistern. 

Unsere  manigfache  sage  von  zwergen,  elben  und 
riesen  Übertrift,  dünkt  mich,  die  classische,  sie  ist  hei- 
mischer, zutraulicher,  naiver,  das  macht,  weil  hier  der 
volksmäfsige  ton  vollkommen  der  rechte  ist.  nicht  dafs 
die  erzälilungen  der  alten  weniger  reicb  und  schön  erfun- 
den wären,  aber  ihre  ausführung  fällt  schon  leicht  ins 
vornehme,  während  diesem  stof  enthaltsame  treuherzigkeit 
wol  tlmt.  Was  hätte  das  alterthum  unserm  lieblichen 
mytbus  vom  stillen  volh  an  die  seile  zu  setzen?  man 
balte  Schilderungen  von  Thetis  oder  Cyrene  (die  gurgitis 
ima  tenet  und  thalamo  sub  fluminis  alti  wohnt,  Virg. 
georg.  4,  321.  333)  zu  deutschen  sagen  von  wasserfrauen 
und  schwanjuugfern.  Das  gemeine  volk  in  Rom  und  Grie- 
cbenland  kann  aber  nocb  manches  gewust  haben  von  ge-- 
nien ,  habiren ,  nyniphen ,  syrenen ,  dryaden  ,  cy dopen 
und  titanen,  was  die  dichter  voreothalten.  auch  das  arme 
kindermärchen  lag  ihnen  mehr  fremd,  das  wir,  weil  es 
uns  für  entbehrte  geistvollere  dichtungen  unserer  vorzeit 
ersatz  geben  mufs,  zu  überschätzen  fast  gezwungen  sind. 
Aber  in  jeglicher  stufe  menschlicher  bildung,  wie  unter 
jedem    hiniaiel^   gcrallicu    eigne   besouderheiten  der  poesie» 


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<XIV) 

die  barbarei  des  mittelalters  ist  es,  der  yrit  uusere  tliier- 
fabel  zu  danken  haben.  *) 

Noch  näher  als  die  verfeinerte  sage  der  Griechen  und 
Römer y  steht  uns  darum  auch  die  der  anderen,  gleichar- 
tigeren und  benachbarten  Völker,  ich  glaube  an  ein  band, 
das  sie  alle  verknüpft,  nicht  blofs  in  ihrer  geschichte,  son- 
dern weit  enger ,  oft  mit  unsichtbaren  enden ,  in  ihrer 
Sprache  und  sage,  und  dafs  dieser  Verhältnisse  erforschung 
mit  desto  reiclierem  ertrage  lohnt»  je  sorgsamer  alle  eigen- 
thümlichkeiten  dabei  gewahrt  worden  sind. 

Cellische  Sprachstudien  und  mythologie,  immer  noch 
übelberüchtigt,  verdienen  aus  ihrer  nicht  unvei^schuldeteii 
Schmach  durch  gründliche  arbeiten,  die  freilich  keine  leich- 
ten sind,  gerissen  zu  werden.  Von  deutschen  und  nor- 
dischen Stämmen  sind  die  celtischen  aus  dem  viel  breitereu 
strich,  den  sie  früher  in  Europa  einnahmen,  nach  dem 
westlichen  ende  gedrängt  worden,  ihr  zurückweichen  er- 
folgte aber  nie  so  plötzlich  dafs*  nicht  spuren  ihrer  spräche 
und  ihres  glaubens  unter  den  Völkern,  die  an  ihre  stelle 
traten,  haften  sollten.  Anfangs  hatten  die  Gallier  einen 
beträchtlichen  theil  Süddeutschlands  inne,  und  noch  lange 
darauf  streckte  sich  ihr  reich,  ein  durch  biidung  und  wol- 
stand  überlegnes,  an  dem  deutschen  her.  von  so  unmittel- 
baren nachbarn  nuifs,  bevor  Alemannen  und  Franken  auch 
jene  seile  des  Rheinstroms  tiefer  hinein  bezwangen,  geraume 
zeit  herüber  eingewirkt  worden  sein.  Das  schwierigste 
nur  ist,  den  viel  stärkeren,  zäheren  einflufs  römischer 
cultur  auf  gallische  sitte  auch  von  dieser  zu  scheiden,  und 
wie  lateinische  zunge  überwog  frühe  schon  lateinischer 
mythus.  Für  echtceltisch  gelten  könnte  jenes  höherateUen 
des  Mercury  der  sich  dann  mehr  mit  dem  germauischen 
Wuotan  ausgliche;  ich  scheue  aber  noch  die  gefahr,  einen 
welsclien  Gu>ydion  (s.  695)  und  dessen  vater  Don  mit 
Wuotan  und  gar  Donar  zusammenzuhalten.  lu  dem  vor- 
hersehenden dienst  einiger  göttinnen  möchte  man  celtische 
und  deutsche  berülirung  und  Wechselwirkung  erblicken: 
jibundiaj  domina  nocturna^  vielleicht  die  dunkeln  Ne- 
halennien,  an  der  seile  von  Holda  und  Berhta  zeigen  uns, 
warum  diese  geringeren  anklang  in  Scandiuavien  finden. 
Berecynt/iias  laridiunJähru/rg{s.69A.  vgl.  691)  ist  dem 
wagen  der  Nerthus ,    dem  scliif  oder  pflüg  der  Isis  höchst 

*)  ihre  liäiipter  mit  göttern  selbst  zu  vergleichen,  so  wäre  der 
Äiej;hriiij;pnHe ,  gelarvte  wolf  Wuotan,  der  rothe  fuchs  Donar,  könipf 
löwe  oder  bar  Fro.  ich  will  damit  nichts  mehr  als  einen  blul'&en  einfalt 
vorgebracht  haben. 


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(XV) 

ähnlich.  Hercules  Saxanus  ki^niite  GaUiern  und  DetiN 
sehen  zusammen  gehören ,  Eumal  Saxnöt  nieder  dem  Nor^ 
den  fehlt.  Man  steht  an,  welchem  beider  Völker  Proeops 
meidung  von  der  seelen  über  fahrt  (8.481)  passe;  damals 
war  dort  schon  fränkische  oberherschafi,  wiewol  der  scaii- 
dinavische  brauch  (s.  480)  verbreitetere  einstimmung  bc^ 
zeugt.  Eine  menge  aberglauben  hat  Deutschland  mit  Frank- 
reich und  Britannien  gemein,  vor  allen  das  nolfeuer,  den 
Joliannisbrandj  die  hexen farlen^  den  exercilus  anti-^ 
quus  (s.  527.)  Ungleich  beträchtlicher  aber  war^  an  zahl 
und  ausbildungy  das  celiische  priesterthum. 

Wurden  uns  durch  Alemannen  und  Franken  gallische 
mjthen  vermhtelt,  so  geschieht  ähnliches  im  hintergrund, 
"WO  slavische,  litthauische ,  finnische  Völkerschaften  auf  un- 
serer ferse  nachrückten.  Die  hochdeutsche  mundart,  im 
gegensatz  zur  niederen  und  nordischen,  hat  diesen  einfluis 
erfahren,  am  frühsten  und  merklichsten  ausgesetzt  waren 
ihm  die  Gothen.  von  finnischer  und  lettischer  mythologie 
sind  wir  ziemlich  unterrichtet;  nachtheilig  entgeht  uns  ge- 
treue, critische  künde  der  gesamten  slavischen,  wie  sie  vor 
allen  andern  SchaSarik  liefern  könnte,  das  Verhältnis  sla- 
vischer  götler  zu  deutschen  ist  einigemal  (s.  93.  223.  382) 
berührt.  Obenan  unter  ihnen  steht  Perun,  wie  bei  den 
Griechen  Zeus,  abweichend  von  unsrer  rangordnung.  ob 
sich  Lei  und  Polel  (s.  454)  dem  naharvalischen  Castor 
und  Pollux  (s.39)  vergleichen  lassen,  weifs  ich  noch  nicht 
sicher,  sollte  Lada  versetzt  sein  aus  Holda,  wie  labe  =: 
clbe,  labud  =  elbiz  ?  unwahrscheinlich.  Thrih,  Tort,  ein 
kriegsgott  krainischer  Wörterbücher  hat  nichts  mit  Thor 
noch  Tyr  gemein  :  er  stammt  aus  vtorik  (der  andere,  zweite), 
vreil  dies  Marti»  den  zweiten  slavischen  Wochentag  bildet. 
ein  ofner,  gewis  erst  später  misgrif.  Des  übereintreffenden 
slavischen  und  deutschen  aberglaubens  ist  aufserordeütlich 
viel.*) 

Die  wahrgenommne  wichtige  berühr ung  zwischen 
Perlunas,  fairguni^  fingen  und  Fiörgyn  führt  mich 
SU  folgenden  betrachtungen.  Ulfilas  braucht  fairgunij 
frdujuy  halja^  airtlia^  Wörter  die  anderen  stammen  zu 
gätternamen   dienen,   in   verschiednem ,   Ja  unpersönlichem 


*)  L.  Golfbiowski  hat  1830.  1831  zu  Warschau  in  vier  bänden  her- 
aosgegeben :  lud  (volk) ,  ubiory  (traclilen) ,  gry  i  zabawy  (spiele  nnd 
Unterhaltungen),  doma  I  dwory  (häuser  und  liofe),  worin  reicliKcIies 
raateriaJ  enthalten  sein  soll,  ich  konnte  «ias  werk  nicht  benutzen,  vom 
dyngus  and  fimigurst  (8.332)  wird  gry   p.  290-294  gehandelt 


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(XVI) 

sinn.  8oU  man  nun  sagen,  diese  begriffe  sind  erst  nach 
und  nach  personificiert  worden^  dem  heidnischen  Gothen 
also  noch  keine  solche  gottheiten  bekannt  gewesen?  eine 
folgeruDg,  die  ich  ganz  für  irrig  halten  würde.  Der  Gothe 
ist  unbefangen  geniig^  die  eigentliche  oder  verwandte  be- 
deutung  dieser  würter  zu  nutzen,  ohne  sich  an  einen  heid- 
nischen nebensinn  zu  stofsen«  auch  ahd,  wurde  Jr6  eine 
Zeitlang  geduldet,  dann  aber  aufgegeben,  ßrgun  zeigt 
sich  blofs  in  veraltender,  seltner  Zusammensetzimg*  Dafs 
aber  ein  ausdruck  bald  in  voller  persönlich keit ,  bald  un- 
persönlich, unter  demselben  volk,  gebraucht  werden  dürfe, 
weist  am  besten  Donar y  der  heidnische  gott,  neben  doMatf 
der  naturerscheinung.  wer  sieht  jetzt  den  grund  ein,  wes^ 
halb  Ui£las  diese  durch  theihvö  wiedergibt?  fairguni , 
ist  ihm  nichts  als  berg,  höhe,  Perkunas  dem  Litthauer 
sowol  der  auf  höhen  thronende  donnerer,  als  donner  selbst, 
die  meisten  Slaven  unterscheiden  von  Perun  den  donner- 
krach gronif  doch  drückt  das  poln.  piorun  auch  den 
donnei*keil  aus;  merkwürdig  dafs  die  Scandinaven  den  na- 
men  des  schalls  duna^  tordön,  torden  (s.  112)  von  T/ior 
sondern*  dafür  ist  ihnen  Fiörgyriy  weiblich  *)  oder  männ- 
lich gebraucht ,  immer  personlfication.  Nicht  auf  vieV  aü^ 
dere  weise  verhält  es  im  13  jh.  sich  mit  wünsch  j  das 
einmal  inbegrif  des  Wunsches,  ideal,  dann  aber  noch  den 
persönlich  aufgefafsten ,  verleihenden  PFunsch  ausdrückt: 
ich  erinnere  an  2hg  und  NacJUj  an  die  Verwandtschaft 
von  dies  mit  deus  (s.  425.)  Gesetzt  es  stände  bei  Tacitus 
Hertha  f  so  würde  dadurch  Ulfilas  unpersönlich  gesetztes 
alrtha  nicht  beeinträchtigt. 

Auch  zu  dem  ferneren  alten  Morgenland  ergebe^i  sich 
bedeutsame  beziehungen,  die  wenn  sie  über  allen  zweifei 
erhoben  werden  können  für  sich  allein  schon  die  nteinung 
eines  späten  Ursprungs  deutscher  mythologie  abwehren  müs- 
sen. Dahin  rechne  ich  die  Verwandtschaft  unserer  todes« 
göttin  Halja  (s.  195.  461.  486)  mit  der  indischen  Kalt 
oder  Maltahaltj  der  grofsen  schwarten  göttin,  die  auch 
sonst  Bhavani  heifst  und  Schivas  gemahlin  ist.  in  des 
Unterwelt  soll  sie  über  die  seelen  gericht  halten:  dies 
amt  und  ihre  schwarze  färbe  macht  sie  der  Hal)a,  aufeer 
dem  eintrefTenden  namen,  äufserst  ähnlich. '^'^)     schwär ze^ 


"*)  wie  Griechen  eioe  Pallas  uK^La  nennen.  Hesycb. 

**)  Doppt  glossar  43t>  gibt  nur  den  männlicheB  daemon  Kali^  der 
in  dem  vierten,  bösen  Zeitalter  auftreten  seil,  an.  auch  die  alt«,  ipraciie 
kennt  ein  matc  hei  (8. 461.) 


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(XVII) 

diinkelblaiie  gSltergestallen  liat  die  itidisclie  m^^liologie  meli- 
rere,  z.  b.  Krischmi  (violaceiis,  niger.)  Bopps  gloss.  49^. 
fVuotan  ist  schon  von  vielen  mit  Buddha  verglichen  w^or- 
den;  Rask,  der  zujüngst  darüber  gesprochen  hat  (sanilede 
afhandlinger  p.  79.  80)  und  ihre  identität  für  ausgemacht 
liälr,  stellt  auch  Gautama^  einen  andern  namen  Buddhas*) 
zum  altn.  Gnutr^  wobei  ich  noch  als  vorzüglich  wichtig 
anschlage,  dafs  die  angelsächsisdhen ,  wahrscheinlich  die 
gothiscben  Stammtafeln  einen  Gedt  und  Gduts  kennen,  der 
für  Vodens  ahn,  d.  h.  für  ihn  selbst  Jingeselin  und  ein  gott 
genannt  wird  fanh.  XVI.  XXVI.)  Dazu  treten  übereinstim- 
mende züge  aes  cultus  und  der  silte ;  statt  aller  einen : 
die  mitverbrennung    der  witwen  (RA.  451.) 

Selbst  das  indische  dogma  einer  dreieinheit  (trimurti) 
in  Braluna,  Vischnu,  Schiva  hat  an  den  eddischen  Hdr, 
lafnhsir  und  Thridhi  (s.  110)  sein  gegenbild,  imd  ich  möchte 
die  letzten  am  liebsten  auf  Wuotan,  Donar  und  Frö  deu- 
ten, wie  sie  uns  Adam  von  Bremen  als  upsalische  gülter- 
bilder  schildert.  Jene  altnordische  lehre  ist  nun  freilich 
in  den  Überresten  der  deutschen  tnythologie  nicht  ausge- 
sprochen, aber  zur  trilogie  neigt  sich  beinahe  alle  gulter- 
und  stammsage  (anh.  s,  XXVI) ;  nicht  zu  übersehn  wäre 
die  ags.  glosse  (8.160),  welche  VAden  altanua  gibt,  inso- 
fern dieses  mit  altus,   hdr  genau  dasselbe  ist. 

Der ,  nordische  mythua  von  dem  hohen ,  gleichhohen 
und  dritten  gott,  so  tief  die  gan2e  ausdrucksweise  selbst 
in  unserer  ältesten  spräche  gegründet  scheint  (s.  693),  hat 
vielen  crittkern  anstofs  gegeben  und  einen  hauptgrund  ge- 
liefert, die  eddalehre  der  erborgung  aus  dein  dir  ist  en^ 
thum  zu  zeihen«  warum  leitet  man  nicht  auch  die  indi- 
sche trimurti  oder  die  griechische  dreibrüderschaft  des  ZeUs, 
Poseidon  und  Pluton  auf  gleiche  quelle  zurück?  zwischen 
Uär,  lafnhdr  und  Thridhi  wird  kein  abstammungs Verhältnis 
angegeben,  Odhinn,  Vili,  Ve  sind  drei  brüder. 

Wenn  Sie  (forsch.  402)  nicht  für  unmöglich  halten 
herauszubringen,  ob  die  sinnvollen  und  naiv  schönen  Über- 
lieferungen der  aeandinavischen  poesie  wirklich  aus  dem 
reinen  heidenthum  entsprungen  sind,  oder  ob  nicht  viel- 
mehr erst  aus  dem  zusammenslofsen  mit  Jen  ideen  des 
eindringenden  christenthums';  so  würde  selbst  eine  bejahung 
der  letzten  annähme  keineswegs  aufstellen  sollen,  dafs  die 
gesamte  nordische  lehre  aus  der  christlichen  hervorgegangen 


*)  Gotama,  Samanagotama,  Samonacodom. 

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(XVIH) 

sei,  sondern  mir  dafs  sie  ihre  schöneren  niythen  dieser  zu 
danken  habe. 

Ich   niiirs    es  abredig   sein,      von   Seiten    der  Cliristen 
war  man  den  Heiden  zu  aufsätzig,   von  Seiten  der  Heiden 
gegen  das  christenlhum  zu  gleichgültig,   und  zu  wenig  mit 
ihm  bekannt,  als  dafs  ein  solches  einwirken,  vor  der  6e- 
lehrung ^  auch  nur  unbewuster  weise,  hätte  können  ein- 
treten.    Auch  ist  der  hauptinhalt  lieidnischer  lehren  grund« 
verschieden    von    christlicher  tradition.      INleiner    erfahr ung 
nach  haben  christenthum  und  heidenthum,  seit  sie  sich  be- 
rührten   d.  h.   nach  der  behehr  ung  wechselseitigen  einflul's 
auf  «inander  geübt:    das  christenthum  indem  es   heidnische 
ideen    herabzuwürdigen  trachtete,    das  heidenthum,   indem 
es  suchte   sich   unter  christlichen    formen   zu   bergen,     der 
siegende   glaube    gieng   darauf  aus    den    besiegten   ganz   zu 
vertilgen ,   der   besiegle  strebte  noch   seine  geflüchtete  habe 
gleichsam  in  des  feindlichen  heeres  mitte  zu  sichern,     dort 
wurden   heidnische   sagen    in    ihrer   echtheit   entstellt^    hier 
schmiegten    sie    sich,   innerlich   weniger  angegriffen,    unter 
christliche    namen.     Auf  beiderlei   wegen  ist  die   geistliche 
sage   des   mittelalters ,   besonders  unter  dem   volk  und  voii 
ihm  aus,  ungemein  erweitert  worden.     Einzelne  christliche 
mythen,  zumal  des  alten  testaments,  mengten  sich  dazwischen. 
Die    bedeutendsten    beispiele   von    schärfung   und   ver- 
gröberung müderer,    feinerer   sagen  des  heidenthums  bietet 
das   26.  2^  cap.    dar;     elbe    luid    riesen  sind    zu    teufeln^ 
nachtfrauen    zu   hexen   verfälscht,      aber   auch  Wuotan  ist 
ausgeartet  in  einen  fürchterlichen  Jäger,  Holda  im&  Berlita 
in  hinderscheuchen.    Wuotans  raben  gehören  dem  teufel. 
Aber  die  thaten    und  wunder  anderer  riesen  oder  rie- 
sinnen  sind  auf   heilige  übergegangen.     Maria  tragt  erde 
in  ihrer  schürze  (s.  309)  wie  das  riesenweib,  Michael^  George 
Christoph  spielen  die  rolle  heidnischer  drachentödter,  bei- 
den und  halbgötter.     Iringsstrafse  am  himmel  heifst  Jacobs^ 
strajscy  Orion  Peters  oder  Jacobsstab.     Selbst  der  nor- 
wegische heil.  OlaJ  versieht  nun  Thors  amt,  des  Verfolgers 
und    bändigers    aller   riesen.      Svantevit   ist    den  Slaven    in 
einen   Sanct    Vitus   umgewandelt   (s.  382.  vgl  Hehnold  2, 
12.)     Der  mühe  werth  auszumachen  wäre,  wann  im  mil- 
telalter  die  sagen    von  S.  Peter  begonnen  haben,  wie  er 
mit  Christus    durch  die    weit  wandert:    beide  ziehen  uner- 
kannt in  menschlicher  gestalt  umher,  tugenden  zu  belohnen, 
laster  zu  strafen,     darunter  steckt  heidnische  überliefern ng, 
ähnlich    der    bei    Griechen    und   Römern,    aber    auch    bei 
Nordmännern  im  schwang  gehenden.     Nach  dem  treflichen 


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(XIX) 

mythus  von  Ptiilemon  und  Baucis,  den  Ovid  aus  der  volks- 
sage  berichtet  (8,  626-721),  sind  Jupiter  und  Mercur 
die  Wanderer;  noch  eine  phädrlsche  fabel  läfdt  den  götter- 
boten,  den  gott  der  wege  und  strafseo,  bei  sterblichen 
übernachten  (Mercurium  hospitio  mulieres  olim  duae  iili- 
berali  et  sorcLido  receperant.)  In  der  edda  reist  Heimdallr 
zu  den  menschen,  Rfgr  sich  nennend  und  mit  sterblichen 
franen  neue  geschlechter  gründend;  wo  aber  drei  götter 
zusammen  ausreisen^  die  weit  zu  erforschen  (at  kannä  heim 
alian),  sind  es  immer  Odhinn^  Hoenir  und  Loki  (Su.  80* 
135)  und  zumal  heifst  Hoenir  Odhins  reisegefährter  (sinni 
ok  mäli.  8n.  106,  sonst  auch  langfufs,  hlnn  Mngi  fötr); 
wiederum  wird  bei  der  Schöpfung  neben  Odhinn  Hoenir 
und  Lodhur  genannt  (Ssera*  3^.)  ein  solcher  Hoenir  (ahd< 
Huoni,  ags.  H^ne?)  läist  sich  in  unserer  ganzen  mythologie 
nirgend  spuren,  es  sei  denn  als  Petrus  neben  Christus, 
w^elcher  an  Wuotani  stelle  erscheint,  wie  die  alten  Jtfer- 
cur  in  der  weit  reisen  lassen,  nur  dafs  ihnen  Zeus  die 
banptperson ,  Mercur  die  zweite  abgiebt,  den  Deutschen 
Wuotan  oben  steht,  die  christliche  sage  knüpft  sich  von 
selbst  an  die  Wanderungen  Jesu  und  seiner  apostel  durch 
Judäa*  wie  wenig  aber  dabei  kirchenlegende  eigentlich  im 
spiel  ist,  zeigt  die  yolkssage  vom  einkehrenden  tt^^erg 
(DS.  45),  in  welchen  der  ältere  gott  gleichfalls  umgesetzt 
wurde,  oder  das  märchen  von  den  drei  wandernden  nornett 
(g.  695),  die  jenen  drei  göttem  vollkommen  ähnlich  sind* 
iUtesle  spur  des  umziehenden  Jieilandes  und  Petrus  fiudd 
ich  bei^nmelant  (Amgb.  12**,  vgl.  das  almosengeben  26*)} 
auch  Peter  und  der  lahme  (Freid.  149,  5)  gehöreii  wol 
hierher,  viel  irischer  sind  aber  die  sageh  des  16  jh.,  Sänct 
Peter  mit  der  geifs  (H.  Sachs  1,  492),  S.Peter  mit  dem 
faulen  kriecht  und  der  fleifsigcn  magd  (das.  1,  493),  S* 
Peter  mit  dem  landsknecht,  der  von  ilun  würfel  emplangt 
Tdas.  n.  4,  114),  Christus  und  Peter  bei  dem  scbnüed 
(das.  IV.  3,  70);  ja  der  schw£iuk  von  den  dreizehn  Schäl- 
ken, die  sich  für  Christus  und  die  zwölf  hotert  ausgeben 
(das.n,  490),  ist  auf  den  mythüs  gegründet*  Den  kurzsich' 
tigen  Petrus  neben  Christus  vertritt  in  altfran^.  dichfungeil 
der  einsiedlery  welcher  mit  einem  engel  durch  die  weit 
zieht  (M^on  nouv.  rec.  2,  116  und  die  vorrede  vor  tome 
1.)  In  fortlebenden  kindermärchen  kehren  unser  Herrgott 
und  S.  Peter  beim  Spielhansl  ein,  der  sie  freundlich  her^ 
bergt  und  nun  von  Petrus  mit  karten,  würfeln  und  geige 
beschenkt  wird  (KM.  82  vgl.  3,  135.  136),  woiu  man  das 
allfranz.   fabltau   von  Saint  Pierre  et   le  Jongleur  (M^on 

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(XX) 

3y  282)  nebme.  ich  kau u  mich  nicht  enthallen  in  diesem 
mit  Spielern  und  landskuechten  verkelirenden  Petrus  ent- 
w'eder  Wuotan  oder  Mercur,  des  Würfelspiels  erfinder 
(s.  692)  zu  sehn.  Auch  sein  christliches  amt  als  himmels 
Ihürschlierser  (P^ler  des  himels  portenois.  Wh.  332,  ») 
mengt  sich  in  heidnische  abenteuer,  wie  aus  dem  mär- 
chen  vom  Schneider  (no.  35)  worin  Wuotans  stul  (s.  98), 
und  von  bruder  Lustig  (no.  81)  hervorgeht.  H.  .Sachs 
läfst  in  einem  gedieht  5.  Petern,  im  andern  den  teufel 
mit  den  landsknechlen  verhandeln  (I,  494.  459),  und  beides 
ist  richtig. 

Petrus  hat  at)er  auch  in  sonstigen  dichtungen  des 
frühen  miltelalters  hauptroUen  zu  versehen;  in  der  legende 
von  Crescentia  erscheint  er  der  schifbrüchigen  auf  einsamen 
meeresfelsen,  geleitet  sie  trocknes  fufses  über  die  wellen 
und  verleiht  ihr  die  gäbe,  sieche  zu  heilen  (cod.  pal.  361, 
75  ^  vgl.  kolocz  267.)  an  seine  statt  setzen  hier  spätere 
bearbeitungen  Maria  (Maerl.  2,  226.  Gautier  de  Coinsi 
bei  M^on  nouv.  rec.  2 ,  67.) 

Mariencultus  scheint  erst  seit  dem  12.  15  jh.  um 
sich  zu  greifen  und  mit  der  zartesten  frauenverehrung,  die 
je  statt  gehabt  hat,  in  der  poesie  unserer  minnesänger  zu«> 
sammen  zu  treffen,  seine  grundlage  war  aber  auch  schon 
der  heidnischen  hervorziehung  einiger  göttinnen,  dem  an- 
sehn der  Weissagerinnen  und  klugen  £rauen  gemäfs  (s.  63. 
225.  585.)  Auf  Maria  wurden  eine  menge  lieblicher  und 
anmutiger  züge  gehäuft,  die  im  heidenthum  Freyja,  Uolda, 
Berhta  bezeichneten ;  gestirne  werden  nach  Maria  genannt 
(s.  417),  eine  grofse  zahl  von  blumen,  kräutern  und  insec- 
ten,  deren  ältere  namen  zum  theil  auf  Freyja  und  Venus 
gehn  (8.192),  auch  die  schneeseudende  Uolda  wandelt  sich 
in  Maria  (8.694.)*)  Ich  kenne  keine  mythologie,  in  wel- 
cher Maria  so  grell  und  unmittelbar  neben  heidnischen 
gestalten  aufträte,  wie  die  finnische. 

Aufser  Maria  konnte  an  die  immer  wachsende  schar 
der  kirchenheiligen  und  Schutzheiligen  einzelner  örter,  stände 
und  zustände**)  eine  fülle  von  Überlieferungen  sich  setzen, 
die  unter  dem  volk  umgieng  und  grofsentheils  heidnischen 
(griechischen,  römischen,  gallischen  und  deutschen)  Ursprungs 
war.     kinder   und  erwachsene,    hirten>   Jäger,  krieger  und 

*)  Ober  den  steigenden  Mariadienst  vgl.  Schrökhs  kircbengesch.  23, 
152.  29,  235  und  Wielandtf  Mercur  1796  dec.  329-358.  1797  merz 
205  -  222. 

*')  Fiscfaart  (Garg.  258)  zahlt  heilige  aaf,  die  für  be<timmte  krank- 
heiten  aogerufea  werden. 


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(XXI) 

Irandwerker  hatten  ihre  eigenthnmlichen  heiligen  und  fast 
auf  jeden  tag  des  jahrs  fiel  die  begehung  eines  festes: 
alle  kirchen  waren  geschmückt  mit  altären  und  hlldem. 
Dem  catholischen  dienst  ist  dadurch  eine  viel  bei  t  balb- 
götllicher  wesen,  ein  reicbthum  farbiger  Vorstellungen  zu 
Uieil  geworden,  den  der  protestantismus  wieder  von  sich 
ausschied  mit  einem  gefühl  nicht  unähnlich  dem  der  be- 
kehrer,  als  sie  das  heidenthum  stürzten.  z\var  die  kirche 
unterscheidet  zwischen  der  gotlheit  und  den  fiirbiltern, 
allein  wie  manche  fromme  lippe,  wenn  sie  sich  vor  dem 
heiligenbild  bewegte ,  mag  diesen  unterschied  nicht  gewust 
oder  vergessen  haben. 

Dieses  auch  den  Segensformeln  (anli.  s.  CXLIX)  eigen- 
thümliche  ineinanderfliefsen  christilcber  und  heidnischer 
Überlieferungen  fand  sich  von  früher  zeit  an  gefordert 
durch  vorsichtige  oder  wolmeineude  schonimg,  welche  die 
fteistlichkeit  geweihten  statten  des  heidenthunis  nicht  selten 
angedeihen  liefs.  tempel  wurden  umgewandelt  in  kirchen, 
auf  götterbergen  capellen  erbaut,  in  heiligen  wäldern 
Klöster  gestiftet,  selbst  götzenbüder  in  nebenwände  einge- 
mauert (s.69i);  und  wenn  das  metall  heidnischer  idole  zu 
kirchengefafsen  umgegossen  war  (s.  395)  blieb  wenigstens 
der  alle  stof.  Am  leichtesten  aber  konnte  in  Jesten  und 
Jeierlichkeiten  der  kirche,  mit  geringer  abänderung,  die 
gewohnheit  des  neubekehrten  volks  gehegt  werden,  die 
processionen  des  muttergottesbilds  durch  das  gcfilde,  den 
ackern  fruchtbarkeit  oder  regen  zu  erbitten ,  vergleichen 
sich  deiV  umführung  des  heidnischen  götterwagens  oder  den 
rogationen  der  alten«  wie  genau  hat  sich  das  Johannisfest 
mit  der  begehung  der  sunwende  gemischt,  Weihnachten  mit 
dem  )uL  dies  letzte  beispiel  gewährt  ein  unschätzbares 
Zeugnis  für  die  identität  nordischer,  sächsischer  und  gothi« 
acher  mythologie,  wenn  meine  nachweisung  (gött.  anz. 
1826.  s.  740-42),  dafs  im  gothischen  calender  fruma  jiuf eis. 
dem  ags.  e&rra  geola^  folglich  dem  altn.  jol  entspreche, 
vollkommne  bestätigung  empfängt.  Doch  den  altdeutschen 
calender,  überhaupt  die  feste  und  gebrauche  unserer  vor- 
fahren, denke  ich  künflig  in  einem  besonderen  buch  Hiber 
deutsche  sitten'  ausführlich  zu  behandeln,  dahin  verweise 
ich  auch  deutungsversuche  des  ausdruckes  yrias  (anh. 
8.  XXXII)  und  anderer. 

Unterscheidbar  von  solcher  Übertragung  heidnischer 
ansichten ,  sagen  und  brauche  auf  christliche  ist  die  seltner 
stattgehabte  einmtschung  jüdischer  imd  christlicher  tradition 
in   die  heidnische.     So  wurde  die  genealogie  des  aUen 


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(XXH) 

testamentM  mit  der  angeUäcbsIschen  verbunden  (anh.  s« 
XIX.)  Elias  mengte  sich  in  mylhen  von  dem  donnergott 
(s.  117),  der  antichrist  in  die  vom  wehende  (s.  468), 
Herodias  (Uevodiana,  hera  Diana?)  in  die  von  Diana 
und  Holda  (s.  176.)  auch  die  auf  den  teufel  angewandten 
begriffe  hammer  und  riegel  (s.  559.  550)  verdienen  hier 
rücksicht.  Im  mittelaher  herschte  die  Vorstellung,  dafs  zur 
jseit  der  geburl  des  heilandes,  unter  kaiser  Augustus,  a//— 
gemeiner  friede  in  der  weit  gewesen  sei  (cod.  pal.  361, 
3*.  Maria  160.  193-196.  Veldecks  Enede  13205.  Albr. 
von  Halberst.  prolog.  vgl.  den  reisesegen  VIII  ^  im  anhang.) 
Snorri  146  verknüpft  sie  aber  mit  dem  nordischen  mythua 
von  Frödhis  Jrieden^  dessen  künde,  da  Fruote  von  Dane- 
mark unserer  heldensage  nicbt  fremd  ist,  auch  in  Deutsch- 
land mag  verbreitet  gewesen  sein. 

Dieser  Fruote  greift  ein  in  das  heldenlied  von  Gudrun, 
das  uns  viel  alter  stammsage  bewahrt.  Noch  ein  paar 
solcher  glücklichen  auffindungen  wie  der  travellers  song, 
und  es  wird  neues  licht  und  immer  lebendigerer  Zusam- 
menhang in  unsere  altepische  genealogie  kommen.  Ha- 
gena,  beherscher  der  holmreiche,  (z.  41)  ist  höchstwahr- 
scheinlich Hagene,  Gudruns  mütterlicher  grofsvater.  Agel- 
muud  und  Eadvine  (z.  233.  234)  sind  Agelmund  und  An» 
doin  des  longobardischen  Stammes.  Elsa  Tz.  233)  gemahnt 
an  den  westsächsischen  Elesa,  Beadeca  (z.  223)  an  den 
ostsächsischen  Bedeca.  Hiin  veold  Hätverum  (z.  65),  Hün 
herschte  über  die  Hätvere,  oiTenbar  die  Hatuarii,  Chat- 
tuarii,  ein  den  Chatten*)  verwandter  stamm.  Statt  Twtva 
ist  vielleicht  Tätva  zu  schreiben  und  der  longobardische 
Tato  (ahd.  Zazo)  in  betracht  zu  nehmen?  Härtung  und 
Haddingr  (140.  206)  liefse  sich  etwa  dem  goth.  Azdingus 
(gramm.  1,  126.  1070  für  Hazdingus?)  an  seite  setzen? 
Von  den  angelsächsischen  Stammtafeln  **)  gibt  es  melirere 
handscbriften,  deren  einsieht  ich  Kembles  mittheilung  ver- 
danke, namentlich  im  ms.  cotton.  Tib.  B.  5  foL  22  (ge- 
schrieben zwischen  973  -  975)  und  im  cod.  bibl.  reg.  paris. 
6055.  Sie  bieten  aber  meistens  verderbte  lesarten  dar. 
so  hat  der  Pariser  cod.  Boerinus   f,  Beovinus,   Saxwad   U 


*)  den  nameQ  Chattus  (Hezee,  Hesse  gramm.  1,  172)  hat  man 
noch  niciit  recht  gedeutet:  er  vergleiclit  sich  dem  alta»  Hötfr  oder 
Hattr^  pileatus,  wie  selbst  der  gptt  beigeuamt  wird  (s.  101.  5T6.) 
vgl,  haz,  bcesee  gramm.  3,  451.  auch  Hesse  ist  manns  und  volksname. 
'*)  Altes  tod  wird  von  Lappenberg  108  zwischen  514-519  gesetzt. 
Elhelwerd  (s.  1)  starb  nicht  1090,  er  schrieb  schon  um  1000  (Lap- 
penb.  p.  LVll.  LVIJI.) 


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(XXIII) 

Seaxneat;  des  Alanuft  drei  söhne  (anh.  XXVIIl)  nennt  er 
Ysicion,  Armenion,  Regno  (f.  Negno  =  Engvo.)  Frealaf 
■wird  als  Wodens  ^ixor*  aufgeführt.  Die  colton.  hs.  gibl 
Idas  geschlecht  (bei  mir  Bernicia  s.  IIl)  folgender  geslalt 
an:  Woden,  Bäldäg,  Beornic,  Wägbrand,  Ingebrand,  Ahisa, 
Angelgeot,  Aethelberht,  Eosa,  Eoppa,  Ida.  Pendas:  Wo- 
den,  Weodhogeot,  Wihllaeg,  Wacrmund,  Offa,  Angelgeot, 
Eouier  *)  u,  s.  w,  Ealdfriths :  Woden,  Winra,,Crella,  Cvväd- 
gils,  Cädbäd,  Bubba,  Beda,  Biscop,  Eanferdh,  Eata,  Aid- 
li*idh.  Der  ostanglische  slanim  lautet  hier:  Woden,  Caser, 
Tytnian,  Trygil,  Hrodhmiind,  Hryp,  Wilhelm,  Wehh, 
Wuffa,  Tytla,  Eric,  Aelhelric,  Aldwulf,  Alfwald.  derselbe 
aber  im  ms.  cotton.  A.  Vesp.  A.XV:  Woden,  Casser,  Tiliuon, 
Trigil,  Kochonun,  Rippan,  Giiilhelm,  Guechan.  im  cod. 
canlabr.  Trin.  coli.  0.  2,  52;  Woden,  Caserei,  Tilinon, 
Triglis,  Bodomund,  Hrip,  Wihelon,  Wecha  u.  s.  w.  bei 
Alfred,  breverl.  (ed.  llearne  p.  81):  Woden,  Caserei,  Tit- 
mon,  Trigüs,  Redinund,  Ilripp,  Willem,  Wehha ,  Wlfa, 
a  quo  reges  occid.  Angl.Wlfmgas  appellant.  in  keiner  reihe 
ist  die  Verderbnis  der  formen  gröfser.  Die  stelle  über 
Sc^af  (s.  XVll)  wird  in  einer  hs.  so  mitgetheilt:  iste  Sceafus 
ut  dicunt,  sive  quia  fortunae  commissus,  sive  aliud  quid 
causa  fuerit  hujus  rei,  ad  insulani  quandam  Germaniae  Scan- 
deam  nomine  appulsus  puerulus  in  uave  sine  remige  in- 
veutus  est  ab  hominibus  dormiens,  posito  ad  caput  ejus 
%/ictui  frumenli  manipulo.  Die  sage  vom  schwanriuer, 
deren  Zusammenhang  mit  Sceaf  (s.  XVIll)  immer  wahr- 
scheinlicher wiinl,  ist  neulich  (altd.  bl.  1,  128-135)  in 
schöner  ausführlichkeit  bekannt  gemacht  worden.  Wenn 
die  wünsch  Jungfrau  sieben  söhne  mit  schwangoldringen  um 
die  halse  gebiert,  an  deren  statt  sieben  weifer  (catuli)  un- 
tergeschoben werden ,  so  halte  ich  für  bemerkenswerth, 
dafs  gerade  auch  im  eingang  der  langobardischen  und  wei- 
fischen stammsage  (Paul.  Diac.  1,  15.  D.  S.  no.  515)  die 
geburt  von  sieben  (oder  zwölf)  kindern  erzählt  ist.  Ein 
rechter  geschlechtsmythus.  Aber  die  schwäbischbairischen 
genealogien  mit  ihren  namen  sind  verschollen. 

Wie  viel  von  dem  aberglauben^  dessen  sorgfältige  sam- 
lung  ich  nicht  gescheut,  sondern  für  unerlüfslich  gehalten 
habe,  in  unserer  deutschen  mythologie  aufgehe  oder  in  an- 
derer cpielle  nachzuweisen  sei,  fordert  noch  vielseitige  Prü- 
fung,   hier  zumal  stofsen  germanische  und  celtisclle  meldun- 


*)    kn^e\^eki  und   Eooisr  sind  die  dänisclieu  lagUd  und  laomar. 
Lappooberg  p«116. 


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(XXIV) 

gen   anelnancler,   eine  menge  rüniiscligriecltUcLeß  aberglau« 
bens  ist  über  gauz  Europa  hin  gedrungen.     Ick  Labe  uuch 
beniülit  einen  alleren  text  aufzuspüren,  aus  velcliem  Bur» 
cbartl  sein  cap,  19,  5  (anb,  s.  XXXV  -  XL)  gescbtipft  bätte. 
die  Ballerini,   in   ibrer   gelebrlen   abbandlung   de    antiquia 
collect,  canonum,  pars  IV  cap.  12  besprechen  die  burebar- 
discbe   samlung,    und   setzen   ibren  Ursprung  z'wiscben  die 
jabre    1012  -  1023.      sie  geben  aber  einen  cod.  vatic.  4227 
an,  übe^cbrieben  'corrector  et  niedicus'  und  einen  andern 
3830,    beide  nicbts   als   Burcbards   neunzebntes  buch  enN 
haltend,    der  ihm  selbst  in  seiner  vorred^    jenen   titel  bei- 
legt, weil  es  correctiones  corporum  et  animarum  niedicinas 
umfasse,      nur   bat   Burcbard   eine   anzahl    interrogationen 
mehr    als    diese   bandschriften ,    aber   auch    die   müssen    in 
Deutschland  und  für  unsere  deutsche  kirche  abgefafst  sein, 
weil  sie  dieselben,    von  mir  ausgehobnen  vrorlcrklärungen 
geben ;    statt   kjuod  vulgaris  stultitia   vverwolf  vocat'  lieifst 
es  hier  'quod  tbeutouice  werevvlf  vocatur.'     Entweder  also 
hat   der  worniser    bischof  (er   starb   nicht    1024,    sondern 
10  aug.  1025)    diese  schon  vor  ilim  bekannten  poenilentia« 
len  seinem  buche  einverleibt,  oder  sie  sind  aus  ihm  beson- 
ders abgeschrieben  worden,     jenes  ist  ungleich  wahrschein« 
lieber,   weil  er  zusätze  eingefügt  hat,    die  in  der  abschrift 
seiner  samlung  kaum   fehlen   würden»      entsc]ieiden  müste 
das  höhere  alter  des  cod.  4227,  der  ein  *velus  codex'  heifst ; 
3830  ist  des  11  jh.     auch  der  cod.  vindob,  univ,  633  (11-' 
12  jh.)  enthält  das  nemliche  poenitentia),   ohne  Burcbards 
namen;   Blumes  bibl.  mss.  ital.  7.  113  nennt  bss,  Burcbards 
aus  Vercelli  und  Bologna.     Reicht  aber  das  alter  unserer 
stellen  noch  in  das  10  jh.  hinauf  und  sind  sie  unzweifelhaft 
in  Deutschland  niedergesclirieben,  so  erhölit  sich  ihr  wertlu 
t)as  ist  auch  der  Ballerini  meinung:   ^faciJe  conjicere  licet, 
Burchardum   hoc  poenitentiale  apnd  suos   receptum   cd- 
lectioni  inseruisse  et  ex  aliis  poenitentialibus  addidisse,  quae 
in  eo  desiderantur.'      Was  die   im  anbang    s.  XXXIV  mit- 
getheilte  imd  s.  595  besprochne  stelle  von  Diana  und  Hero- 
dias angeht,  so  bemerkt  Richter  in  seiner  neuen  ausg.  des 
C.  J.  can.  p.  892,    durch  die  Überschrift:    *unde  supra'  bei 
Rcgino  seien  Burcbard  und  Ivo  "Verleitet  worden,  das  capitel 
dem  ancyranischen  concil,  aus  welchem  eine  stelle  voraus- 
geht, beizulegen,   die  hinzugefügte  Vermutung:  ^sumtum  esse 
videtur   ex   quodam    capitulari    regum    Francorum    inedito' 
wird  aber  durch  den   dritten    theil   der  pertzischen   monu- 
menta  noch  nicht  bestätigt,     mir  wäre  ganz  recht;   wenn 
es   sich  so  verhielte. 


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(XXV) 

kh'  habe  mir  die  einsieht  eines  älteren  und  seltnen 
franzoöischen  huchs  ^es  evangiles  des  quenouilles'  (Ebert 
DO«  12145),  -worin  sich  manches  über  abergläubische  ge- 
brauche hnden  mufs,  gewünscht  aber  niclit  zu  vrege  bringen 
können.  Was  aus  schwedischen  und  dänischen  büchem 
niilgelbeilt  wii*d,  vertrug,  weil  das  genaue  Verständnis  hier 
mehr  als  sonst  von  worlem  und  formein  abhängt ,  keine 
iiberselzung.  Der  ganze  anhang  wird  nur  unkundige  irren: 
in  diesem  rohen  aberglauben  steckt  alterthums  gentig,  und 
wenn  unserer  mythologie  beschieden  war,  frühe  zu  ver- 
kommen, so  darf  die  Untersuchung  sich  von  keinem  aus- 
bruch  solcher  barbarei  liochmütig  wegwenden.  *dicam  se- 
cundum  nostram  barbarlem'  sind  Walahfrieds  worte,  deren 
map,  soll  die  aufhellung  vaterländischer  geschichte  gelingen, 
eingedenk  bleiben  mufs. 

Ich    bekenne,    dafs   mir   wenig  daran   gelegen   hat  in 
dem  unZusammenhang  unserer  fast   ganz  aus   der  fuge  ge* 
rathenen  mythen  ein  System   zu   entdecken,    das  der  deut- 
schen götterlehre  unter   den   übrigen    des   alterthums  eigen 
wäre.      Nur  cap.  23   war   von    fatalismusy   cap.  26   von 
äualismua   die  rede,   ohne  dafs   ich  annehme,   diese  Vor- 
stellungen  seien    allgemeine,   die   gesamte  deutsche   mytho- 
logie   durchdringende,      denn   selbst   der  viel    vollständiger 
erhaltenen    nordischen    läfst    sich    keine    solche    grundlage 
geben.     Mich  dünkt,   auch    bei   der   griechischen  oder  rö- 
jiiiscben  kommt  man  zu  kurz  mit  philosophischer  bezeich- 
nuog.     mag  der  Buddhismus  pantheistischy  die   zendische 
religion  dualistisch    heifsen;  in    der  griechischen   wie   in 
der  deutschen  sind  spuren,  keime  beider  richtungen,  wahr- 
scheinlich   noch    anderer,      von    eigentlichem    pantheismus 
entfernt   sich   ihre   Vielgötterei^    weil   sie  reihen  höherer 
und  niederer  gottheiten   anerkennen,   von    dem   dualismus, 
weil  ihre  gütigen,  milden  götter  zu  sehr  überwiegen,     hat 
aber  Wuotan  mit  Buddha  berührung,  so  müssen  entweder 
panlheistische  lehren  in  der  älteren  religion  unserer  vorfah- 
ren sichtbar  gewesen  sein   oder  der  Buddliismus  mufs  sich 
in  den  ländern,  wo  er  herscht,  scliärrer  ausgeprägt  haben, 
als  er  anfangs  war.     Vergötterungen  sind  dem  deutschen 
hcidenthum,   dem  griechischen  und  indischen  gemein,   und 
auch  unsere  stammsagen    verflechten   sterbliche  gescU echter 
iiiil  denen   der  unsterblichen   götter;    nie  war   der  glaube 
an    fortdauer  nach  dem   leben  erloschen.     Wiedergeburten, 
wie  sie  die  cdda  kennt,   Verwandlungen  der  menschen   in 
jiBanzen,    thiere,   steine    und   gestirne   könnten    als   merk«- 
male  der  lehre  von  der  Seelenwanderung  und  emanation 


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(xxvo 

betrachtet  werden:  unsern  Yorfabren  wolmt  aber  durcbaus 
kein  gefiibl  von  ti*aiier  über  das  dasein  bei,  jene  indtscbe 
Sehnsucht  nach  rückkehr  und  Wiedervereinigung  mit  der 
goühett  sclieint  ihnen  völlig  fremd«  ihr  kriegerisch  freudiger 
sinn,  mit  dem  sie  lachend  aller  todesgefahi  entgegen  traten, 
dachte  sich  die  ungewisse  zukunft  als  glänzende  erneuerung 
des  irdischen  heldenlebens  in  göttergemeinschaft.  allein  die- 
ser gedanke  überwog  nicht  einmal  merkbar  in  der  reichen 
beweguüg  ihrer  irdischen  laufbahn,  für  welche  sie  hilfreicher, 
gnädiger  gutfer  bei  allen  anlassen  bedurften.  Ein  dualisti- 
scher unterschied  zwischen  gutem  und  bösem  principe 
wie  ich  glaube,  wird  sich  nur  in  der  leilung  priesterlicher 
lehre  scharf  hervorthun;  er  darf  eher  unter  Galliern  auf- 
gesucht werden  als  unter  Deutschen.  Wozu  gefruchtet  hätte 
es  also,  die  trümmer  des  heidenthums  solchen  betrachtun- 
gen  unterzuordnen,  und  die  eigen thümliche  combination, 
deren  es  noch  fähig  ist,  dadurch  zu  zwängen? 

Elementen,  naturerscheinungen  und  gestimen  lege  ich 
grofsen  einflufs  auf  mythologische  Vorstellungen  bei,  lange 
keinen  solchen ,  dafs  alle  und  jede  aus  ihrer  grundlage 
abgeleitet  werden  dürften,  da  aufser  den  physischen  auch 
noch  sittliche  und  andere  menschliche  motive  obwalten  und 
erst  in  der  durchdringung  aller  zusammen  die  götter  des 
heidenthums  entsprungen  scheinen.  Die  natur  läfst  uns  ihre 
erhabene  und  wolthätige  Wirksamkeit  gewahren  in  dem 
leuchtenden,  wärmenden  feuer,  dem  reinigenden^  kühlenden 
Wasser,  der  allbeweglichen,  erquickenden  luft,  der  nähren- 
den, stärkenden  erde,  hier  gesellt  sich  ein  sittlicher  ein- 
druck  zu  dem  natürlichen.  Der  mensch  hat  aber  auch 
gottheiten  nötliig  für  die  begrilTe  von  gute,  milde,  allgc- 
walt,  sieg,  friede,  liebe,  gerecht igkeit,  die  mehr  aus  seinem 
gemüt  als  aus  der  natur  aufsteigen ;  selbst  sie  woirden  ihm 
fremd  und  unvertraut  bleiben ,  spiegellen  sich  in  ihrer 
Vorstellung  nicht  zugleich  menschliche  gestalt  und  gewohn- 
heit  ab.  er  legt  seinen  göttern  geschlecht,  ehe,  kleidung, 
Wohnung  und  geräthe  bei;  auf  diese  gleichheit  gründet 
sich  ihm  ihre  nahe  theilnalime  an  irdischen  dingen,  ihre 
allväterliche ^  allmütterliche  eigeuschaft.  das  alles  kann  er 
weder  in  den  gestirnen,  noch  so  deullich  in  der  natur 
lesen,  der  rasselnde  donner  erweckt  ihm  die  idee  eines 
kriegswagens,  der  niederfahrende  blitz  die  des  hammer- 
wurfs,  und  damit  bestimmen  sich  wesentliche  züge  einer 
der  höchsten  gottheiten ,  wie  sie  durch  keine  abstraction 
zu  errathen  wären.  Das  gebirge  bewohnen  zwerge,  die 
luft  elb^  Wasser  und  brunnen  nixen )  wer  möchte  in  ihnen, 


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(xxvn) 

die  durch  vidfache  eigenschaften  gOttorn  und  mensdien 
Tcr^andl  sind,  blofse  elemenlargeister  erblicken?  Und  dai 
akerlhuni  hatte  ein  ganz  anderes  äuge  für  die  natur,  es 
kgle  seine  anschauung  in  sie  nieder,*)  statt  dafs  y^vv  die 
natürlichen  erscheinungen  aus  sich  selbst,  ohne  bezug  auf 
uns,  zu  ergründen  trachten:  götter  die  wir  naturgötter 
oennen,  werden,  mythisch  aufgefast,  immer  eine  seftsame 
und  räthselhafte  beimischung  anderer  eigenheiten  an  sich 
tragen.  Darum  hat  auch  die  mythologie  nicht  genug  an 
einem  göttlichen  wesen  für  das  element,  sie  sucht  es  in 
mehrern  vielseitig  zu  erfassen:  das  wasser  wird  durch 
Ocgir  und  Hl^r,**)  der  wind  durch  K/\ri  und  Fasolt  aus- 
gedrückt, das  feuer  durch  Logi  oder  die  personification  des 
sonDennamens»  ]\iclit  anders  endlich  verhalt  es  sich  mit 
den  gestirnen,  tagszeiten  und  )ahrszeilen ;  ihre  erscheinung 
und  Wiederkehr  ist  zu  grofsartig  und  auffallend,  als  dafs 
äe  sich  nicht  mit  dem  glauben  an  gtilter  vermählt  haben 
sollte*  sicher  waren  sonne  und  mond  schon  den  ältesten 
CTermanen  gegenstände  heiliger  Verehrung.  Planetarische 
und  calendergotlheiten  ihnen  zuzutrauen  verbietet  aber 
die  hohe  Wahrscheinlichkeit,  dafs  ihre  künde  von  den 
Wochentagen  und  der  planetenreihe  erst  aus  der  zeit  ihrer 
bekanntschaft  mit  den  Römern  herrührt.  Ihre  Frouwa, 
ihr  Ziu  und  die  gestirne  Venus ,  Mars  am  himmel  stehen 
AUÜBer  aller  gemeinschaft. 

Wenn  philosophische,  physische  und  astronomische  deu« 
tuog  mythischer  gestallen  leicht  ausartet  in  leblose  dürre, 
und  alles  poetische  wolgefallen  an  ihnen  stört,  so  wird  }edtt 
hisioriscJie  auslegung ,  die  sich  über  die  grenze  zwischen 
geschichtef  und  sage  nicht  zu  verständigen  weifs,  das  geistige 
princip  der  mytlien  verflüchtigen.  Auf  diesem  abwege  liefs 
sich  Suhm,  ein  ehreuwerther  forscher,  fast  überall  betreten: 
aus  den  pflanzen  der  sage  allen  saft  ziehend  wähnte  er  die 
leeren  Stengel  oder  fasern  noch  tauglich  unter  die  frischen 
reiser  der  geschichte  gebunden  zu  werden.  Wiedergeburten 
des  niythus  miskeunend  war  er  historische  Wiederholungen, 
selbst  die  unwahrscheinlichsten ;  zu  behaupten  allzu  bereit; 


•)  wamin  doch  nennen  die  Angelsacligen  das  meer  gdrsecg  (spiefs* 
ricd,  carex  jaculonim),  eargehland  (mtxtio  aristaroin)?  Icli  denke, 
weil  sein  gewoge  sie  an  das  wogende  schilf  und  getraide  erinnerte  i 
denn  auch  in  der  edda  ist  laf^astafr  sowol  meer  alssaat  (Stern.  50b  51  b.) 
Wenn  der  wind  die  Icornaliren  bewegt  pflegt  unser  landmann  zu  sagen, 
dafs  der  eher  im  körn  gehe, 

^^)  dazn  ist  der  dens  Leherennus  einer  inschrilt  bei  Gmter  1074 
11  balteo  (vgl.  Badubenna,  Ardueaoa,  Nebalennia.) 


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(XXVffl) 

ihm  genügte  nicht  an  drei  Odinen^  auch  mehrere  Boldr 
aollten  in  der  geschichte  erschienen  sein*).  Wenige  fabeln 
8ind  vielleicht  geeigneter,  das  einllief'sen  der  gesdiichle  auf 
mythischen  boden  zu  bezeugen ,  als  die  von  Baldr,  nach 
Saxos  darstellung:  aller  grund  ist  hier  noch  sagenhaft, 
viahrend  die  aufsenwerke  historische  fiirbung  gewinnen. 
Dringt  aber  mythisches  element  auf  das  gebiet  des  histori- 
scheu, dann  bleibt  der  grund  historisch  und  die  aufsen- 
werke  werden  mythisch.  so  sind  Hunnen  und  Avaren 
(s.  700)  **)  in  der  sage  aufgefafst  als  riesen^  ein  feindliches, 
besiegtes,  zunickweichendes  geschlerht  (s.  303);  umgekehrt' 
haben  die  mythischen  zwerge  historischen  schein  dadurch 
dafs  auch  sie,  ein  älteres,  schwächeres  volk,  den  menschen 
das  land  zu  räumen  vorgestellt  werden  (s.  255.  259.  483« 
697.) 

Nach  diesen  erürterungen  allen  hat  die  deutsche  mytho* 
logie  innere  gleichartigkeit  mit  der  griechischen  oder  römi- 
schen, so  viel  eingeschränkter  und  dürftiger  ihre  mittel 
sind.  Bald  auf  abgestorbnem  gnmd  stehen  bäume,  deren 
oberste  spitzen  frisches  laub  treiben,  bald  grünt  noch  die 
fläche  unten,  aber  alle  bäume  sind  verdorrt.  Selten  nur 
gelingt  es  einzelne  gestalten  aus  der  fernen  danimerung  so 
weit  heran  zu  locken,  dals  ihre  züge  sich  vollkommen  ei*- 
kennen  und  besdireiben  lassen.  Seltner  reicht  die  mangel- 
hafte aufzeicbnuug  altdeutscher  geschieh le  bis  zur  sage  hin, 
dafs  sie  ihr  die  band  bieten  und  den  weg  weisen  könne; 
meistentheils  hat  sich  zwischen  beiden  eine  leere,  unerfreu- 
liche steppe  gebreitet.  Doch  ilu*e  unbetretenheit  reizt  zu 
entdeckungsversuchen ,  deren  einsamer  pfad  unvergleichbar 
ist  dem  lebendigen,  durch  geistvolle  forschungen  aller  art 
verschönerten  wege,  auf  welchem  ununterbrochen  die  clas- 
sische  mythologie  bearbeitet  wird. 

Nicht  ihnen  zur  seite,  unbefangen  aber  und  getrost 
neben  dasjenige  steUen  sich  meine  Untersuchungen,  was 
einzelne  Vorgänger  unausgerüstet  oder  wenig  glücklich  bis- 


*)  anroerkungea  zu  tab.  50  des  neonten  theils  seiner  crltiscbeu  ge- 
gcliichte. 

**)  in  der  benennung  lotunn  nad  Tliurs  habe  ich  mythischen  grund 
Diichgewiesen.  Etruscische  Überlieferung  .scheint  nicht  blofs  in  eigen- 
aamen  (s.  i7)  weit  zu  wurzeln.  Jene  o>mphe,  die  dem  stier  den  furcht* 
baren  namen  des  höchsten  ins  ohr  raunt  (O.  Müllers  Etr.  2,  83  nach 
Aes  Lactantius  oder  Lutatius  Placidus  aus  dem  6  jh.  scholie  zu  Statu 
Theb.  4,  516)  kehrt  in  der  verbreiteten  legende  des  MA.  von  Silvester 
t^bel  Sarius  6,  I064)  wieder,  wo  ein  Jude  Zambres  einen  stier  todtet, 
dem  er  gottes  heUigea  aameo  ins  ohr  spricht. 


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(XXÜL) 

her  erreicht  haben.  Aufbaaen  wollte  ich,  nidit  blofs  nieder« 
reifsen.  Leichtgläubige  critik  schwebt  in  gefahr  zu  behaup* 
ten  was  geleugnet^  zweifelsüchtige  in  der  zu  leugnen  was 
behauptet  werden  mufs.  Immerdar  haben  Arukiels  und 
Keyl'slers  treugemeinte  arbeiten,  weil  sie  material  zusammen 
brachten,  der  deutschen  mythologie  mehr  gefruchtet,  als  die 
es  wegschaffenden  bestrebungen ,  •  welche  durch  Schlözers 
ungelungnen,  damals  blendenden  angrif  auf  die  nordisdie 
literatur  hervorgerufen  wurden«  Ein  vortheil  war,  dafs  die 
dichter,  Klopstock  zumal,  der  es  fühlte  welchen  abbruch 
unsere  poesie  durch  den  mangel  einheimischer  götter  leidet, 
wenn  auch  in  anwendung  der  gordischen  auf  Deutschland 
strauchelnd,  die  erinnerung  an  das  heidenthum  wach  erbiel* 
ten.  Grälers  thätigkeit  dafür,  eines  unmäfsig  eitlen  schrift* 
stellers  von  viel  geschrei  und  wenig  wolle,  vermochte  es 
nicht  sie  wärmer  anzufachen.  Adelung  und  Rühs  durch 
erneute,  kaum  neues  vorbringende  bekämpfung  der  edda 
versündigten  sich  zugleich  an  dem  alterthum  ihrer  heimat, 
das  sie  nicht  kannten;  Delius,  in  den  nachtragen  zu  Sul- 
zer gedachte  deutsche  und  nordische  mythologie  auf  einen 
streich  zu  vernichten;  als  könnte  uns  der  dringenden  noth- 
vrendigkeit  gründliches  quellenstudiums  willkürliches  aus- 
legen und  deuteln  einzelner  Zeugnisse  überheben.  Seit  die 
dichtkunst  des  dreizehnten  Jahrhunderts,  wie  sie  soll,  ge- 
pflegt wird,  ist  auch  das  höhere  alterthum,  so  wenig  strah- 
len sie  auf  es  zurückwirft,  mit  günstigem  äuge  angesehn. 
In  Mones  werk  erfreut  die  wieder  positiv  gewordne  be- 
trachtuug;  aber  sie  leidet  unter  dieses  Verfassers  eigenheit, 
seine  ergebnisse,  seien  sie  haltbar  oder  unhaltbar,  reif 
oder  unreif,  gleich  von  vornen  herein  fertig  abzuthun; 
seine  nicht  selten  sinnige,  allein  spröde  combination  beraubt 
sich  dadurch  aller  wachsenden  beweglichkeit,  und  der  leser 
mag  ihr  nicht  folgen.  Die  beiden  neuesten  Schriften  sind 
von  mir  uneingesehn:  Legis  handbuch  der  altdeutschen  und 
nordischen  götterlehre  (1831),  weil  ich  dem  der  sonst  nur 
andere  ausschreibt  nicht  zutraue,  dafs  er  hier  eignes  vor- 
bringen werde,  und  Barths  altdeutsche  religion  (1835), 
w^eil  die  Kabiren  mich  abschreckten.  Westendorps  leidener 
preisschriA  (1830)  scheint  mir  verunglückt.  Zu  einer  grofs- 
artigen,  gelelirten  bearb^itung  eignet  sich  der  ganze  um- 
fang altnordischer  mythologie  in  höchstem  grade,  hat  sie 
aber  noch  nicht  hervorgerufen.  Ohne  Finn  Magnussen s 
hauptansichten  zu  theilen  erkenne  ich  mit  vollem  dank, 
wie  erspriefsUch  seine  leistungen  diesen  Studien  geworden 
sind.     Des  gedankenreichen  Gruudtvigs  wiederholte  bemü* 


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(XXX) 

hiing  (1832),  der  nordkclien  götterlehre  nur  eine  poerisch- 
sitüiche  grundlage  uutersuschieben  steht  mit  allem,  was  ich 
aus  dem  alterthum  gelernt  habe,  in  Widerspruch.  Weder 
aus  einem  chemischen  procefs  noch  einem  ästhetischen  las- 
sen die  alten  gütter  sich  ableiten,  so  wenig  als  der  Ursprung 
der  spräche  zu  ergründen  ist  in  onomatopoesie  oder  in 
logischen  gesetzen. 

"  Von  Willielm  Wackernagel  und  John  M.  Kemble  sind 
mehrfache  beitrage  diesem  buch  zu  theil  geworden.  Sie 
aber,  lieber  freund,  der  Sie  sechs  jähre  her  freude  und 
leid  mit  uns  trugen,  und  wissen  unter  welchen  sorgen  es 
aufgewachsen  ist,  müssen  natürlich  finden,  dafs  ich  es 
Ihnen  widme,  sollten  Sie  es  auch  ungelesen  lassen  wie 
Olshausens  zendavesta« 


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INHALT. 


cap.  I.    einleitung          *             «             •             • 

8.       1. 

n.    gott            .... 

10. 

III.    gottesdieust         •             •             • 

19. 

IV.     tempel                 .             «              • 

39. 

V.     priest  er        '       «             . 

58. 

VI.    gülter 

67. 

VIL    Wuotan 

94. 

VIII.     Donar              .             .             •             . 

112. 

IX.    andere  götter    .             .             .             , 

131. 

X*     göttinnen             «             •             •             < 

152. 

XI.     beiden                .             .             .             . 

200. 

XII.     weise  frauen  .             *      '       . 

224. 

XIII.     wicbte  und  elbe         • 

246. 

XIV.    riesen              .             .             .             . 

296. 

XV.     elemente           .             .             •             . 

325. 

XVI.     bäume  und  tbiere 

371. 

XVn.     bimmel  und  gestirne             •             • 

398. 

XVIII.     tag  und  nacbt 

424. 

XIX.    Sommer  und  wintcr 

435. 

XX.    weit     •             •             •             •             . 

457. 

XXI.    Seelen             •             .             •             . 

477. 

^      XXII.    tod 

486. 

XXIII.    beU  und  scbicksal  . 

500. 

XXIV.     gespenster   .             •             •             . 

511. 

XXV.     entrnckung   •             •             •             • 

535. 

XXVI.    teufel            .             .             .             . 

549. 

XXVn.     Zauberei     .            .             .             . 

579.* 

XXVIII.    aberglaube 

639. 

XXIX.    krankbeiten              •             • 

668. 

nacbträge       •            •             •             •             . 

689. 

Anbang 

angelsäcbs.  Stammtafeln 

I. 

aberglaube          .           .           .             .             . 

XXIX. 

bescbwörungen            •           •             •             . 

CXXVI. 

aberglaube  (Fortsetzung) 

CLL 

kräuteraberglaube       .             .  '          . 

CLX. 

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CAP.  I.     EINLEITUNG. 

Von  Asiens  westliclister  küste  hatte  sich  das  christentliiim 
gleich  herüber  nach  Europa  gewandt ;  der  breite  boden  des 
welllheils,  in  dem  es  entsprungen  -war,  konnte  ihm  nicht 
lange  nahrung  geben,  und  auch  im  Norden  Africas  schhig 
es  nur  oberflächliche  wurzeK  bald  wurde  imd  blieb  Eu- 
ropa sein  eigentlicher  sitz  und  heerd. 

Es  ist  beachtenswerth,  dafs  die  richtung,  in  welcher 
der  neue  glaube  yon  Süden  nach  Norden  um  sich  grif,  dem 
Strome  der  Wanderung  gerade  entgegensteht ,  die  von  Osten 
und  Norden  nach  Westen  und  Süden  damals  die  Völker 
hintiieb.  wie  dorther  geistiges  licht  eindrang^  sollte  von 
hieraus  das  leben  selbst  erfrischt  werden. 

Das  ermattete  weitreich  der  Römer  war  zugleich  in 
seinem  innersten  aufgeregt  und  an  seiner  grenze  überschrit- 
ten, aber  mit  derselben  gewaltigen  lehre,  die  ihm  eben 
erst  seine  ahen  götter  gestürzt  hatte,  konnte  das  unter« 
"WÜrfige  Rom  sicli  von  neuem  seine  sieger  unterwerfen,  da- 
durch geschah  der  flut  jener  bewegung  plötzlich  einhält; 
die  neubekehrten  länder  begannen  sich  zu  festigen  und  ihre 
Waffen  umzukehren  gegen  die  im  rücken  gebliebeneil  Heiden. 
*  Langsam,  schritt  vor  schritt,  wich  die  heidenschafl 
der  Christenheit. 

Fünfhundert  jähre  nach  Christus  glaubten  an  ihn  noch 
die  wenigsten  vöIker  Europas;  nach  tausend  jähren  die 
meisten  und  bedeutendsten,  aber  nicht  alle. 

Aus  Griechenland  und  Italien  gieng  die  christliche  lehre 
zunächst  über  nach  Gallien  im  zweiten  und  dritten  Jahr- 
hundert, einzelne  Christen  kommen  gegen  das  jähr  300 
oder  bald  naclilier  vor  unter  den  rheinischen  Deutschen, 
zumal  Alamannen ,  um  gleiche  zeit  unter  den  Gothen.  Die 
Gothen  sind  das  erste  deutsche  volk,  bei  dem  das  chri- 
stenthum  im  laufe  des  vierten  jh.  sichern  fiifs  fafste,  West- 
gothen  giengen  voran,  Ostgothen  folgten;  nach  ihnen  be- 
kehrten sich  Vandalen  und  Gepiden.  diese  stamme  hiel- 
ten es  mit  der  arianischen  lehre.     Die  Burgunden  in  Gal-    ' 

1 

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2  EINLEITUNG 

lieu  wurden  catliolisch  zu  anfang  des  fiinfken  jh.,  hernach 
unter  vrestgothisclien  herschern  arianisch ,  itn  beginn  des 
sechsten  jli.  wiederum  cathoUsch*  Die  Sucven  in  Spanien 
waren  anfangs  catholisch,  dann  arianisch  (um  469),  bis 
sie  mit  allen  Westgothea  im  6  Jh.  gleidifalls  zur  catholi- 
schen  kirche  übertraten.  Erst  gegen  den  schlufs  des  fünf- 
ten und  zu  anfang  des  sechsten  gewann  das  christenthum 
die  Franken ,  bald  darauf  die  Alamannen,  naclihcr  die  Lan- 
gobarden. Die  Baiern  wurden  im  siebenten  und  ächten,  Frie- 
sen, Hessen  und  Thüringer  im  achten ,  die  Sachsen  gegen  das 
neunte  jh.  bekehrt. 

Nach  Britannien  hatte  schon  frühe  von  Rom  aus  das 
christenthum  eingang  gefunden;  einbruch  der  heidnischen 
Angelsaclisen  störte  es.  gegen  den  schlufs  des  sechsten  und 
im  beginn  des  siebenten  jh.  giengen  auch  sie  zum  üeuen 
glauben  über. 

Im  zehnten  jh.  wurden  die  Dänen  Christen,  zu  anfang 
des  eilften  die  Norweger,  in  der  andern  hälfte  des  eilften 
entschieden  die  Schweden,  um  gleiche  zeit  drang  das  clui- 
stenlhum  nach  Island. 

Von  den  slavischen  Völkern  nahmen  zuerst  Mähren  und 
Südslaven  im  achten  und  neunten  jh.  christlichen  glauben 
an,  imter  den  Nordslaven  Obotriien  im  neimten,  dann  Böh- 
men und  Folen  im  zehnten;  Sorben  im  eilften ,  Russen  zu 
ende  des  zehnten. 

Ungarn  im  beginn  des  eilften,  Lieven  imd  Letten  im 
zwölften,  Elisten  imd  Finnen  im  zwölften  und  dreizehnten, 
Litthauer  erst  im  anfang  des  funfzelmten. 

Alle  diese  angaben  sind  blofs  allgemein  gefafst;  weder 
früliere  bekeluomgen  noch  späteres,  längeres  haften  am  hei- 
denthum  im  einzehien  schliefsen  sie  aus.  Abgelegenheit  unci 
Unabhängigkeit  des  volksstammes  schützten  den  hergebrach- 
ten glauben,  oft  versuchten  auch  die  abtrünnigen  wenig- 
stens theüweise  rückkehr.  Das  christenthum  äufserte  bald 
seine  Wirkung  auf  die  gemüter  der  •vornehmen  und  rei- 
chen, durch  deren  beispiel  das  gemeine  volk  hingerissen 
wurde,    bald  zuerst  auf  die  arnien  und  geringen. 

Als  ClJodo"wig  taufe  enipfieng  und  die  salischen  Fran- 
ken ilmi  nachfolgten,  waren  schon  einzelne  menschen  aus 
allen  fränkischen  stammen  vorausgegangen,  der  verkehr  mit 
Burgimden  und  Westgothen  hatte  sie  der  arianischen  lelu:^ 
geneigt  gemacht,  wälirend  in  andern  tlieüen  Galliens  die  ca- 
tholische  anhänger  fand.  Lantliild,  Clüodowigs  eine  Schwe- 
ster, war  vor  ihm  arianische  christin  geworden,  .\lboiIed, 
die  andere;  heidin  geblieben:  jetzt  liefs  sich  diese  mit  ilim 


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EINLEITUNG  3 

taufon,  jene  zum  cathoUscheH  bekenntnis  überfuhren  *). 
aber  noch  im  sechsten  und  siebenten  jh«  war  das  beiden- 
thum  in  einzehien  gegenden  des  fränkischen  reichs  unaus- 
gerottet.  Neustrien  hatte  an  der  Loire  und  Seine  heidnische 
bewohner,  Burgund  in  den  Vogesen,  Auslrasien  in  den  Ar^ 
dennen;  zumal  scheinen  nordwärts  gegen  Friesland  hin  im 
heutigen  Flandern  Heiden  fortzudauern  **).  Spuren  des  hei- 
dentliums  hafteten  unter  den  Friesen  bis  ins  neunte,  unter 
den  Sachsen  bis  ins  zehnte  jh.,  auf  gleiche  weise  unter  Norr 
mannen  und  Schweden  bis  ins  eilfte  und  zwölfte  ***).  Bei 
den  nördlichen  Slaven  war  der  götzendienst  hin  und  wie- 
der im  zwölften  jlu  nicht  ausgetilgt,  ja  bei  den  Finnen  und 
Litthauern  im  sechzehnten  und  siebzehnten  nicht  durchgan- 
^  '^*'^*)  •  die  äufsersten  Lappländer  hängen  ihm  noch  heut- 
zutage an. 

Das  christenthum  war  nicht  volksmäfsig*  es  kam  aus 
der  fremde^  und  wollte  althergebrachte  einheimische  götter 
verdrängen,  die  das  land  ehrte  und  liebte.  Diese  götter 
und  ihr  dienst  hiengen  zusanu^en  mit  Überlieferungen,  Ver- 
fassung und  gebrauchen  des  volks.  ihre  namen  waren  in 
der  landessprache  entsprungen  und  alter thiimlich  geheiligt) 
könige  und  forsten  führten  stamm  und  abkunft  auf  ein- 
zelne götter  zurück;  wälder,  berge,  seen  hatten  durch  ihre 
nähe  lebendige  weihe  empikngen.  Allem  dem  sollte  das 
Volk  entsagen,  und  was  sonst  als  treue  und  anhänglichkeit 
gepriesen  wird,  wurde  von  verkündigem  und  anliängem 
des  neuen  glaubens  als  sünde  und  verbrechen  dargestellt 
und  verfolgt. 

Der  neue  glaube  erschien  im  geleit  einer  fremden  sprä- 
che ,  welche  die  bekehrer  ihren  Zöglingen  überlieferten  imd 
dadurch  zu  einer  die  vaterländische  zunge  in  den  meisten 
gottesdienstlichen  Verrichtungen  ausschliefsenden  priester- 
sprache  erhoben,  zwar  gilt  dies  nicht  von  den  griechischre- 
denden ländem,  die  der  ursprünglichen  abfassung  der  clirist- 


*)  baptizata  est  Albofledis LauthildU  chrismata  est.  Greg. 

tar.  2,  31.  So  wird  aucJi  die  gotliische  Brunichild,  Sigiberts  gemah- 
lin,  chrisndert  (4,  27.)  und  der  gotli.  Herminidiild ,  Ingaodens  $?e- 
Diahl  (5,  38),  wobei  er  den  neuen  namen  Joannes  empfangt.  Die 
Atiaaer  scheinen  übertretende  Catlioliken  wie<fergctauft  zu  haben:  eben 
jene  Ingimd  wurde  von  Golsuintha,  ihrer  mütterlichen  grofsmotter,  an- 
getriebeo  'ut  rebaplizaretur,^  Tgl.  capitularia  7,  401. 

**)  belege  nachher  cap.  l\\  vgl.  lex  Friaioaum  ed.  Ganpp  p.  XXIV. 
19.  47. 
•••)  fornmannasogur  4,  116.  7,  151. 
-♦•)  Wedekiuds  noten  2,  275.  276. 
Rbesa  daiaos  p.  338« 

1* 


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4  BINLEITUNO 

liehen  offerrbarimg  folgen  konnten ,  aber  doch  von  der  viel 
weiteren  strecke,  auf  -welcher  sich  die  lateinisclie  kirchen- 
sprachc  ausbreitete,  selbst  unter  romanischen  Völkerschaf- 
ten ,  deren  gemeine  mundart  sich  bald  von  der  altrömischen 
regel  losmachte  härter  war  der  gegensatz  in  den  übH- 
gen  reichen. 

Die  heidenbekehrer,  strengfromm,  enthaltsam,  das  fleisch 
tödtend,  nicht  selten  kleinlich,  störrisch  und  in  knechti- 
scher abhängigkeit  von  dem  fernen  Rom,  musten  das  na- 
tionalgefühl  vielfach  verletzen.  Nicht  blofs  die  rohen,  blu- 
tigen Opfer,  auch  die  sinnliche,  lebensfrohe  seite  des  hei- 
denthums  war  ihnen  ein  greuel.  Was  aber  ilu'  wort  imd 
ihre  "\vunderthatigkeit  nicht  bewbkten,  sollte  oft  durch  feuer 
und  Schwert  von  neubekelu'ten  Christen  gegen  verstockte 
Heiden  ausgerichtet  w"erden. 

Der  sieg  des  christenthums  war  der  einer  milden,  ein- 
fachen, geistigen  lelire  über  das  sinnliche,  grausame,  ver- 
wildernde heidenthiun.  für  die  gewonnene  ruhe  der  seele, 
für  den  verheifsenen  himmel  gab  der  mensch  seine  irdi- 
schen freuden  und  die  erinnerung  an  seine  vorfahren.  Viele 
folgten  innerer  eingebung  des  gemüts,  andere  dem  beispiel 
der  menge;  nicht  wenige  dem  eindruck  unvermeidlicher 
gewalt. 

Obschon  das  imtergehende  heidenthum  von  den  be- 
richterstattern  geflissentlich  in  sdiatten  gesetzt  wird ,  bricht 
docli  zuweilen  rülirende  klage  über  den  verlust  der  alten 
götter,  oder  elirenwerther  widerstand  aus  gegen  die  äufser- 
lich  aufgedrungne  neuerung  *). 

Die  bekehrer  verschmähten  es  nicht  auf  die  sinne  der 
Heiden  zu  wh^ken  durch  alles  was  dem  christlichen  cultus 
ein  höheres  ansehen  gegenüber  dem  heidnischen  gewähren 
konnte:  durch  weifses  gewand  der  täuflinge,  vorhänge, 
^ockengeläute ,  kerzenanzünden  und  weihrauchbrennen**). 
Es  war  auch  weise  oder  kluge  mafsregel,  viele  heidnische 
platze  und  tempel  beizubehalten,  indem  man  sie,  wo  es 
angieng,  nur  in  cliristliche  verwandelte,  und  ihnen  andere, 
gleichbeilige  bedeutung  überv^aes.  Die  heidnischen  götter 
selbst  wiu'dcu  zwar  als  immachtige  im  gegensatz  zu  dem 
waliren  golt  dargestellt,  doch  nicht  überall  als  machtlose 
an  sich  selbst,  sondern  in  feindliche,  böse  gewalten  ver- 
kelu^t,  die  unterliegen  müssen,  denen  aber  doch  noch  eine 
gewisse  scliädliche  thätigkeit  imd  eiuwirkung  beigelegt  wer- 


•)  foroniaiina  sögur  1,  31  —  35.     kralodworaky  rakopi«  72.  74. 
••)  Greg.  tiir.  2,  31.  forum,  üog.  1,  260.  2,  200. 


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EINLEITUNG  5 

eleu  konnte.  Einzelne  heidnisclie  überlieferuugen  und  aber- 
gläubische gebrauche  dauerten  fort,  indem  sie  blofs  na- 
men  änderten  imd  auf  Clurislus,  Maria  und  die  heiligen 
aufwendeten,  was  vorher  von  den  götzen  erzählt  und  ge- 
glaubt wurde.  Anderntheils  zerstörte  und  unterdrückte  die 
frömmigkeit  christlicher  priester  eine  menge  heidnischer 
denkmale,  gedichte  und  meinungen,  deren  Vernichtung  lii- 
storisch  schwer  zu  verschmerzen  ist;  allein  die  gesinnimg 
ist  tadellos ,  welche  uns  ihrer  beraubt  hat.  an  der  reinen 
Übung  des  christenthums ,  an  der  tilguug  aller  heidnischen 
spuren  war  unendlich  mehr  gelegen,  als  an  dem  vortheil, 
der  später  einmal^  wären  sie  länger  stehen  geblieben,  für 
die  geschichte  hätte  aus  ihnen  hervorgehen  können.  Bo- 
nifacius  und  Willebrord,  indem  sie  die  heilige  eiche  fäll- 
ten, die  heilige  quelle  antasteten,  und  lange  nachher  die 
bilderstürmenden  Reformierten,  dachten  nur  an  die  ab- 
götterei,    die  damit  getrieben  vmrde. 

Wahrscheinlich  kam  auch  unter  den  Helden  selbst  hin 
und  wieder  parteiung  und  secte,  ja  in  einzelnen  gemütern 
herangereifte  Veredlung  der  denkungsart  und  sitte  dem  ein- 
gang  des  christenthums  auf  halbem  weg  entgegen.  Merk- 
•würdig  erwähnt  die  altnordische  sage  verschiedentlich  ei- 
niger männer,  die  sich  aus  innerem  überdrufs  und  zwei- 
fei dem  heidnischen  glauben  abwendend,  ihre  Zuversicht 
auf  die  eigne  kraft  und  tugend  stellten,  so  heifst  es  im 
Stiiar  liodh  17  von  Vebogi  imd  Rädhey  *d  sik  thau  trüdhu' ; 
von  könig  Hdkon  (forum,  sog.  1,  35)  'konüngr  gerir  sem 
allir  adhrir,  their  sem  tn\a  ä  matt  sinn  ok  megin';  von 
Bardhr  (das.  2,  151)  'ek  trüi  ekki  4  skurdhgodh  edhr  fi- 
andr ,  hefi  ek  thvi  lengi  trüat  d  matt  minn  ok  megin' ;  von 
könig  Hrdlfr  (fornald.  sog.  1,  98)  'ekki  er  thess  getit  at 
Urulfr  koniingr  ok  kappar  hans  hafi  nokkurn  ttnia  blötat 
godh ,  heldr  trüdhu  d  mdtt  sinn  ok  megin' ;  von  Orvaroddr 
(fornald.  sog.  2,  165.  vgl.  505)  ^ekki  vandist  bltÜtum,  tlivi 
hann  trüdlu  d  mdtt  sinn  ok  megin' ;  von  Finnbogi  (p.  272) 
'ek  trüi  d  sialfan  mik\  das  ist  die  gesinnung  welche  noch 
in  einem  dänischen  Volkslied  (D,  V.  4 ,  27) ,  wiewol  ohne 
bezug  auf  gottesverehrung ,  ausgesprochen  wird: 

först  troer  jeg  mit  gode  svärd , 

og  saa  min  gode  best, 

dernäst  troer  jeg  mine  dannesvenne, 

jeg  troer  mig  selv  allerbedst. 
Wir  dürfen  annehmen,  wenn  schon  das  heidenthum  noch 
eine  Zeitlang  lebendig  hätte  wuchern,    und    gewisse  eigen- 
thümliclikeilen  der  völker,  die  ihm  ergeben  waien,  schär- 


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6  EINLEITUNG 

fer  und  angestiirter  ausprägen  können ,  daf«  doch  ein  keim 
des  Verderbens  und  der  Verwirrung  in  ihni  selbst  lag,  wel- 
cher es  ohne  dazwischentritt  der  christlichen  lehre  zerrüt- 
tet und  aufgelöst  haben  würde,  ich  vergleiche  das  heiden- 
thum  einer  seltsamen  pflanze,  deren  farbige,  duftende  blüle 
wir  mit  verwundeining  betrachten,  das  christenthum  der 
weite  strecken  einnehmenden  aussaat  des  nalu^nden  getraidcs. 

Die  gcschichte  der  heidnischen- lehren  und  vorstellim- 
gen  wird  sich  je  leichter  schreiben  lassen,  je  länger  ein- 
zelne Volksstämme  von  der  bekehrung  ausgeschlossen  blie- 
ben, unsere  vertrautere  bekanntschaft  mit  der  griecliischen 
und  römischen  religion  gründet  sich  auf  queÜen ,  die  schon 
vor  dem  entstehen  des  clu^istentliums  entsprungen  waren; 
desto  geringere  künde  wohnt  uns  aber  oft  bei  von  der  ver- 
änderten gestalt,  welche  die  ältere  lehre  unter  dem  gemei- 
nen Volk  in  Griechenland  und  Italien  während  den  ersten 
Jahrhunderten  unserer  Zeitrechnung  angenommen  hatte,  auch 
in  den  altcel tischen  glauben  kann  die  forschung  wenig  tief 
eindringen.  Viel  genauer  könnte  uns  die  religion  der  81a- 
ven  und  Litthauer  bekannt  sein,  hatten  diese  Völker  in 
den  Jahrhunderten,  die  zunächst  auf  ihre  bekehrung  folg- 
ten ,  eritmerungen  an  ilir  alterthum  besser  gesichert ;  gleich- 
wol  ist  manches  einzelne  nur  noch  ungesammelt  und  die 
fortlebende  Überlieferung  gewährt  hier  in  manchen  gegen- 
den  reiclilialtigen  stof.  etwas  mehr  bescheid  weife  man 
um  die  finnische  mythologie. 

Deutschland  befindet  sich  in  seiner  besonderen  nicht 
ungünstigen  mitte.  Während  der  übertritt  Galliens  und 
Slaveulands  überhaupt  doch  im  verlauf  einiger  Jahrhunderte 
entschieden  und  abgethan  wurde,  sind  die  deutschen  stamme 
ganz  stufenweise  vmd  langsam  vom  vierten  bis  zum  eilften 
jh.  dem  glauben  ilirer  vorfahren  abtrünnig  geworden,  ihre 
Sprachdenkmäler  haben  sich  reichlicher  und  aus  den  ver- 
schiedenen Zeiten  erhalten,  aufserdem  besitzen  wir  in  den 
werken  römischer  scliriftsteller ,  zumal  des  Tacitus,  zwar 
besclu'änkte  und  ausländische  immer  aber  sehr  bedeutende, 
ja  unschätzbare  nachrichten  über  die  ältere,  ungestörte  zeit 
des  deutschen  heidenthums- 

Die  religion  der  zuerst  bekehrten  ost-  und  süddeut- 
schen stäiiune  ist  vms  viel  dunkler  als  die  der  Sachsen; 
wiederum  aber  vsrissen  vnr  von  den  Sachsen  ungleich  we- 
niger als  von  den  Scandinaviern.  Welche  ganz  andere  ein- 
sieht in  den  gchalt  und  in  das  material  der  unterdrückten 
lelire  besäl'sen  wir,  wie  selir  wachsen  würde  die  deutlich- 
keit  der  Vorstellung ,  die  wir  uns  davon  zu  bilden  verraö- 


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EINLEITUNG  7 

gen,  wenn  ein  geisdich^  tn  Fulda,  Regensburg,  6.  Gal- 
len ,  oder  zu  Bremen  und  Magdeburg  im  achten,  neunten, 
auflinten  )h.  darauf  verfallen  wäre,  die  noch  vorrälhige' 
tradition  des  volks  von  dem  glauben  und  aberglauben  der 
vorfahren,  in  der  weise  des  Saxo  grammaticus,  zu  sam- 
meln und  aufzustellen,  man  sage  nicht,  damals  schon  sei 
nichts  mehr  zu  haben  gewesen ;  einzelne  spuren  legen  dar, 
dafis  solche  erinnerungen  wirklich  noch  nicht  ausgestorben 
sein  konnten  *).  und  wer  zeigt  uns  in  Schweden ,  das 
länger  und  treuer  am  heidenthum  haftete,  eine  aufzeich- 
nong,  wie  sie  in  Dänemark  während  dem  zwölften  Jh. 
wirklich  erfolgte?  würden  ohne  das  die  Zweifler  nidit  sie 
in  Schweden  für  unmöglich  erklären?  in  der  that,  Saxos 
acht  erste  bücher  sind  mit  das  erwünschteste  denkmal  der 
nordischen  mythologie,  nicht  allein  ihres  gehalts  wegen,  son- 
dern weil  sie  zeigen ,  in  welches  veränderte  licht  unter  den 
neuen  Christen  der  alte  Volksglaube  gestellt  werden  muste. 
hervor  hebe  ich,  dafs  Saxo  wichtiger  gütter  gunz  ge- 
schweigt; um  so  weniger  darf  aus  der  nichterwähnung 
vieler  gotthriten  in  weit  dürftigeren  Schriften  des  inneren 
Deutsclüands  gefolgert  werden,  dafs  sie  hier  immer  fremd 
gewesen  seien* 

Aufser  diesem  Saxo  hat  sich  nun  aber  die  reinere 
quelle  altnordischer  religion  in  dem  abgelegensten  ende  des 
Nordens ,  wohin  sie ,  gleichsam  zu  vollständigerer  Sicherung, 
geflüchtet  war^  auf  Island  geborgen.  Nicht  blofs  in  den 
beiden  edden,  auch  in  einer  menge  vielgestaltiger  sagen, 
die  ohne  jene  rettende  auswanderung  wahrscheinlich  •in 
Norwegen ,  Schweden  und  Dänemark  untergegangen  waren. 

Die  echtheit  der  nordischen  mythologie  anfechten  wäre 
eben  so  viel  als  die  echtheit  oder  Selbständigkeit  der  nor- 
dischen Sprache  in  zweifei  ziehen,  dafs  sie  uns  in  reine- 
rer und  getrübter  auffassung ,  in  älteren  und  jüngeren  quel- 
len überliefert  worden  ist ,  erleichtert  eben ,  sie  desto  viel- 
seitiger und  historischer  kennen  zu  lernen. 

Ebensowenig  läfst  sich  die  gemeinschaft  und  nahe  be- 
riihrang  der  nordischen  m3rthologie  mit  der  übrigen  deut- 
sehen verkennen,  ich  liabe  in  gegenwärtiger  schrift  unter- 
nommen alles  was  von  dem  deutschen  heidenthum  Jetzt 
noch  zu  wissen  ist,  und  zwar  mit  ausschliefsung  des  vollstän- 
digen Systems  der  nordischen  mythologie  selbst,  zu  sam- 
meln und  darzustellen«     Durch   diese  einschräukung  hoffe 


*)  wurde  doch   im  zelmten  jh.   auch  die  Heldensage  von  WnllUar 
und  Hildegand  zu  S.  Gallen  lateintsili  ^edkhtet* 


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8  BINLMTUN6 

ich  Ucht  und  rauni  zu  gewinnen  für  die  critik  des  alt- 
deutschen glaubens,  insofern  er  dem  nordischen  entgegen 
oder  zur  seite  steht;  nur  da  wird  es  uns  also  auf  den 
letzleren  ankommen,  wo  er  seinem  inhalt  oder  seiner  rich- 
timg  naph  mit  dem  des  inneren  Deutschlands  zusammen- 
trift.  alles  übrige,  der  nordischen  lehre  allein  eigentliüxn- 
liche,  gehört  nicht  liierher« 

Das  alter,  die'  ursprünglichkeit  und  der  Zusammenhang 
der  deutschen  und  nordischen  mylhologie  beruhen 
1«  auf  der  nie  verkannten  ganz  nahen  verwandtscliaft  der 
Sprache  beider  stamme,  so  wie  der  jetzt  auch  unwiderleg- 
lich dargethanen  einerleiheit  der  formen  ihrer  ältesten  poe- 
sie.  unmöglich  können  Völker,  die  eine  aus  gleichem  grund 
und  boden  entsprossene  spräche  redeten,  'deren  lieder  die 
eigenthümliclikeit  der  den  nachbarn  fremden  oder  völlig 
anders  gestalteten  aUiteration  an  sich  trugen ,  in  ihrem  göt- 
terglauben  bedeutend  von  einander  gewichen  sein,  die  al- 
literatioit  scheint  zuerst  in  Hochdeutschland,  dann  auch  in 
Sachsen,  gerade  darum  dem  cluristlichen  reim  zu  erliegen, 
weil  sie  in  heidnischeti  damals  noch  nicht  verhallten  ge- 
sängen  geherscht  hatte.  Jener  Urverwandtschaft  unbescha- 
det, haben  sich  deutsche  und  nordische  mundart  und 
dichtkunst  allerdings  in  manchem  besonders  gestaltet  und 
ausgebildet;  unglaublich  aber  schiene,  dafs  der  eine  stamm 
götter,  der  andere  keine  gehabt  haben  sollte,  oder  dafs  die 
hauptgottheiten  beider  eigentlich  von  einander  verschieden 
gewesen  wären,  sicher  fanden  merkbare  unterschiede  statt^ 
allein  nicht  anders  als  in  der  spräche. 
2«  auf  der  nachweblichen  gemeinschaß:  vieler  ausdrücke 
des  cultus  durch  alle  deutsche  sprachen,  vermögen  wir 
bei  Gothen  des  vierten  jh. ,  Alamannen  des  achten  ein  wort 
in  der  form  imd  bedeutung  aufzuzeigen,  die  es  genau  noch 
in  der  nordischen  quelle  des  12  oder  13  jh.  behaupte t^ ' 
so  wird  dadurch  die  Verwandtschaft  der  deutschen  lehre 
mit  der  nordischen,  und  das  alter  der  letzten  gerechtfertigt. 

3.  auf  der  hin  und  wieder  durchbrechenden  Identität  my- 
thischer begriffe  und  benennungen:  so  ist  die  einstimmung 
des  ahd.  muspilli,  alts.  mudspelli  mit  dem  eddischen  mua- 
pell,  oder  des  ags.  brosinga  mene  mit  dem  eddischen  bri- 
singa  men  ein  vollkommen  schlagendes  zeugnis. 

4.  auf  der  ganz  ähnlichen  weise  wie  sich  hier  und  dort 
der  mythus  an  die  beiden  sage  zu  knüpfen  pflegt ;  weil  go- 
thische ,  frankische ,  nordische  heldensagen  ineinander  grei- 
fen, läfst  sich  auch  berühruDg  im  lüntergiimd  stehender 
verhüllter  mythen  schwerlich  ablclmen. 


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EINLEITUNG  9 

5.  auf  der  eingetretenen  mischung  des  mythischeu  elements 
mit  den  namen  von  pflanzen  und  gestirnen.  das  ist  eine 
unvertilgte  spur  des  uralten,  innigen  bandes  zwischen  got- 
tesdienst  und  natur. 

6«  auf  der  aUmälich  ca*folgten  Verwandlung  der  götter  in 
teufel,  der  weisen  frauen  in  hexen,  des  gottesdienstes  in 
abexil^ubische  gebrauche,  zuletzt  flüchten  sich  die  götter- 
namen  in  verdunkelte  ausrufungen,  schwüre,  fluche,  be- 
theuerungen.  Eine  gewisse  analogie  damit  hat  die  Übertra- 
gung der  heidnischen  mytlie  von  göttinnen  und  göttern  auf 
Maria  und  heilige,  von  elben  auf  engel. 

7.  auf  dem  deutlichen  niederschlag  der  göttermythen  in 
einzelne,  lieutzutage  noch  lebendige  volkssagen  und  kin« 
dermärchen. 

8.  auf  dem  unleugbaren  ineinandergreifen  der  alten  götter^ 
lehre  und  rechtsverfassung. 

Unumgänglich  scheint  es,  bei  erörterung  dieser  ma* 
nlgfalten  Verhältnisse  die  mythologie  benachbarter  vülker^ 
vorzüglich  der  Slaven,  Litthauer  und  Finnen,  wo  sie  be- 
slätigung  und  erläuterung  gewähren,  nicht  zu  übersehen* 
dieses  weiter  gesteckte  ziel  hat  schon  seinen  grund  und 
vollgültige  entschuldigung  in  der  mehrfach  einwirkenden 
Verwandtschaft  der  sprachen  dieser  Völkerschaften  mit  der 
deutschen,  namentlich  der  finnischen  und  litthauischen  mit 
der  gothischen ,  der  slavischen  mit  der  hochdeutschen.  Dann 
aber  ist  die  göttersage  und  der  aberglaube  gerade  dieser 
Völker  besonders  geeignet  uns  über  den  gang  zu  verstau* 
digen ,  den  das  einheimische  heidenthum ,  in  seinem  beste- 
hen und  verfall,  genommen  hat. 

Vor  der  verirrung,  die  so  häufig  dem  Studium  der 
nordischen  und  griechischen  mythologie  eintrag  gethan,  ich 
meine  die  sucht,  über  halbaufgedeckte  historische  daten 
philosophische  oder  astronomische  deutungen  zu  ergiefsen, 
schützt  mich  schon  die  unvoUständigkeit  und  der  lose  zu«* 
sammenhang  des  rettbaren«  ich  gehe  darauf  aus,  getreu 
und  einfach  zu  sammeln ,  was  die  frühe  Verwilderung  der 
Völker  selbst,  dann  der  höhn  und  die  scheu  der  Christen 
von  dem  heidentlium  übrig  gelassen  haben,  und  wünsche 
nichts  als  dafs  m^/'He  arbeit  für  einen  anfang  weiterer  for- 
schungen  in  diesem  sinn  gelten  könne. 


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10  GOTT 


CAP.  II.     GOTT. 

In  allen  deutschen  zungen  von  jeher  ist  das  höchste 
"wesen  einstimmig  mit  dem  aUgemeinen  namen  Gott  be- 
nannt worden,  die  formen  lauten  goth.  guthj  ags.  alts. 
altfries.  god^  ahd.  cot^  altn.  gudh^  schwed.  dän.  gudf 
mhd.  got,  mnd.  god,  imd  hierbei  ist  noch  einiges  gram- 
matische anzumerken,  nemlich  obgleich  alle  dialecle  fauch 
der  nordische)  diesen  ausdmck  männlich  gebrauchen  (wes- 
halb ahd.  der  acc.  sg.  coian^  ein  mhd.  goten  kenne  ich 
nicht);  so  entbehrt  der  goth.  imd  altn.  noni.  sg.  des  kenn- 
zeichens,  und  der  goth.  gen.  sg.  wird  ohne  i  gebildet^/////«, 
worin  er  mit  den  genitiven  mans,  fadrs,  brdthrs  zusam- 
mentrift.  ich  möchte  nun  überhaupt  das  i  in  den  gewöhn- 
lichen genitiven  für  unorganisch ,  und  die  anscheinende  ano- 
malie  in  guths,  maus  für  einen  Überrest  der  äheren,  echten 
form  erklären,  wie  denn  auch  seit  dem  entstehen  des  Um- 
lauts dieser  casus  niemals  umlautet,  analog  den  alid.  ge- 
nitiven man,  fatar,  pruodar  hätte  man  den  gen.  cot  zu 
erwartln ,  ich  bezweifle  ihn  nicht ,  bin  ilun  aber  noch  nir- 
gend begegnet,  sondern  nur  dem  gewöhnlichen  cotes,  wie 
auch  mannes  und  fateres  erscheinen,  wahrscheinlicher  ist, 
dafs  die  heüigkeit  des  namens  die  alte,  unangetastete  form 
sicherte,  als  dafs  der  häufige  gebrauch  sie  abschlif.  ein 
gleicher  grund  erhielt  selbst  die  ahd.  Schreibung  cot  (gramm. 
1,  180)  und  die  mnl.  god  (1,  486),  vielleicht  den  lat.  vo- 
cativ  deus  (1,  1071.) 

Über  die  wurzeUiafte  bedeutung  des  wortes  sind  wir 
nicht  hinlänglich  aufgeklärt;  dafs  das  ad},  gut,  goth.  gdds^ 
akD.  gödr,  ags.  gi^d ,  ahd.  cuot,  mhd.  guot  unverwandt  ist 
lehrt  die  versdiiedenheit  des  vocals.  Ebensowenig  mit  die- 
sen beiden  Wörtern  berülirt  sich  der  volksnamc  der  Gothen, 
die  sich  selbst  Gutans  (ahd.  Kuzun,  altn.  Gotar)  nannten, 
und  von  den  altn.  Gautar  (ags.  Ge^tas,  ahd.  Kdz4,  goth. 
Gautds?)  unterschieden  werden  müssen.  *) 

Zu  gott  hat  man  längst  das  pers.  khodd  gehalten, 
wenn  dieses,  wie  neulich  scharfsinnig  aufgestellt  worden 
ist,  durch  eine  starke  Verkürzung  aus  dem  zendischen  qva^ 
ddla  (a  se  datus ,   increatus ,    sauskr.  svaddta)  hervorgieng, 


*)  bei  Tacitns  wird  am  richtigsteu  geschrieben  Gotoness Gutans; 
das  byzantinische  /or Joi  oder  To^o*  hoc hdeiitsch  zt,  und  kann  mit  zum 
bowei«  gebraucht  werden,  dafi  das  ahd.  Z  aus  TH  entsprang. 


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GOTT  11 

so  wäre  unser  deutsches  wort  ursprüngUcli  Zusammenset- 
zung und  von  treffendem  sinn.  *) 

In  ahd.  eigennamen  nimmt  cot  vielmal  die  erste  stelle 
ein:  cotadio^  cotascalh,  cotafrit,  cotahram,  cotakisal,  co- 
taperaht,  cotaliut,  ohne  dafs  sich  daraus  irgend  etwas  für 
die  Ijedeuttmg  folgern  liefse;  sie  sind  gebildet,  vrie  irman- 
dio,  hiltiscaUi,  sikufrit,  und  können  sich  sowol  auf  den 
allgemeinen  begrif  des  göttlichen  wesens  als  auf  einen  mehr 
besonderen  beziehen.  Steht  cot  an  der  zweiten  stelle,  so 
kann  durch  das  compositum  nur  ein  gott,  nicht  ein  mensch 
ausgedrückt  werden;   so  in  irmincot,  hellicot. 

Ulphilas  pflegt  in  der  ableiumg  das  TH  mit  D  zu  ver- 
tauschen, woraus  sich  die  ahd.  tenins  erklärt:  es  heifst 
gudafaürhts  Luc.  2,  25.  gagudei  Tit.  1, 1.  während  der  dat. 
Äg-  beständig  gutha  lautet,  auf  gleiche  weise  wird,  wenn 
von  mehrern  göttern,  also  von  abgöttern,  nach  christli- 
cher ansieht,  die  rede  ist,  das  neutral  gebrauchte  gada 
Joh.  10,  34.  35  geschrieben,  vermutlich  würde  auch  der 
8g.  für  die  bedeutung  idoliun  gud  lauten  \md  ein  neutrum 
sein.  Nicht  anders  ist  die  ahd.  und  mhd.  Zusammensetzung 
apcoty  aptcot  neutral  und  hat  den  pl.  apcotir;  erst  nhd. 
hat  man  angefangen  abgott  wieder  männlich  zu  gebrau- 
chen. Einen  andern  hiermit  gleichbedeutigen  nhd.  aus- 
druck  götze  habe  ich  gramm.  3,  694  aus  einer  mutmafs- 
lichen  Zusammensetzung  erklärt;  Luther  schreibt  5 Mos. 
12,  3  ^die  götzen  ihrer  götter*,  nimmt  also  götze  für 
idolum.  bei  Er.  Alberus  fab.  23  ist  der  götz  ein  halb- 
gott.  **)  Die  altn.  spräche  unterscheidet  das  neutr.  godh 
(idolum)  von  dem  masc.  gudh  (deus.) 

Unser  volk ,  aus  scheu  den  namen  gottes  zu  entweihen, 
nimmt  damit  in  fluchen  und  ausrufen  eine  Veränderung  vor : 
potz  Wetter !  potz  tausend !  oder  lotz  tausend !  kotz 
wimder!  statt  gottes,  ich  kann  diesen  gebrauch  nicht  auf 
die  alte  spräche  zurückführen.  Älter  scheint  die  ähnliche 
Wandlung  des  franz.  dien  in  bieu^  bleUj  guieu.  ***) 

*)  solcher  verkärzungen  gibt  es  mehrere  beispiele:  amt  aas  and- 
bshts;  weit  aus  weralt;  cJaii.  tordea  aas  thordon. 

")  flchriftstelier  des  16.  17  jh.  gebrauchen  ölgölze  für  bildseule 
(nach  Stieler  von  bildlicher  Vorstellung  der  auf  dem  ölberg  schlafen- 
den aposteJ.)  Hans  Sachs  häufig  'den  Ölgötzen  tragen'  für:  im  haus 
schweren  dienst  than.  1.  5,  481d  52dd.  III.  3,  24a  49d.  IV.  8, 
37b  99^. 

•••)  sangbieu  (sang  de  dien) ,  corbieu  (corps  de  dieu) ,  rertabf^ 
(rertu  de  dreu),  morbleu  (mort  de  dieu),  parbleu  (par  dieu),  vertu- 
fniicQ  t  vertugoi  (vertu  de  dieu),  morguoi  (mort  de  dieu) ,  und  andere 
dergleichen,     schon  Henart  )HI77  per  la  char  bieu. 

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12  GOTT 

Emige  auffallende  auwendungeu  ded  Wortes  gott  iu  der 
älteren  und  in  der  Volkssprache  können  vielleiclit  noch  mit 
heidnischen  Vorstellungen  zusammenhängen. 

So  wird  gott  gleichsam  zur  Verstärkung  des  persönUchen 
pronomens  beigefügt,  in  den  mhd.  gedichten  liest  man  die  treu- 
herzige empfangsformel :  gote  unde  mir  wülekomen  Trist. 
504.  Frib.  Trist.  497.  gote  sult  ir  willekomen  sin,  iurem 
lande  unde  mir.  Trist.  5186.  got  alr^st,  dar  nach  mir^ 
west  wülekomen.  Parz,  305  ,27.  "wis  willekomen  m,ir  u. 
got.  Frauend.  29.  sit  mir  gote  wilkomen.  Eilh.  Trist.  248. 
wis  mir  unde  ouch  got  wilkomen.  Ls.  1,  514.  zuweilen 
steht  blofs  gote :  diu  naht  st  gote  willekomen.  Iw.  7400, 
was  in  den  anm.  s.  413  erklärt  wird:  gott  gelobt,  es  sagt 
nichts  als:  selir  willkommen,  in  Oberdeutschland  hat  sicl\ 
diese  begrüfsung  gottwilche,  gottwillkem,  gottikmn,  skol- 
kuom!  heute  erhalten  (Stald.  1,  467.  Schm.  2,  84.)  ich 
finde  sie  nicht  in  den  romanischen  gedichten,  aber  schon ^ 
in  dem  sächsischlateinischen  liede  des  10  jh.  auf  Otto  I  und 
seinen  bruder  Heinrich  in  Eccards  quaternio :  sid  wilicomo 
b^thiu  goda  endi  mi  I  Das  höchste  wesen  wird  allgegen- 
wärtig gedacht,  und  soll  den  eintretenden  gast,  wie  der 
wirt  selbst ,  in  schütz  nehmen,  ich  vergleiche  das-  dem 
ankömmliug  oder  abreisenden  zugerufne  heil  (heill  ver  thu ! 
S^m.  67*  86**),  wobei  auch  hilfreiche  götter  genannt  wer- 
den: heill  thu  ifarir,  heill  tlm  Asyniom  s^r!  Sn?m.  31«  heill 
scaltu  Agnarr ,  allz  thic  heilan  bidr  vera  tyr  vera !  Saem.  40. 
Ebenso  erhöht  der  name  des  allwissenden  gottes  die  Ver- 
sicherung des  Wissens  oder  nichtwisseus :  daz  weiz  got 
unde  ich.  Trist.  4151,  den  schätz  weiz  nu  nieman  wan 
got  unde  min  Nib.  2308,  3.  *)  auch  hier  reicht  das  blofse 
got  hin :  ingen  vet  min  sorg  utan  gud,  svenska  visor  2,  7« 
Nicht  ganz  vergleichbar  sind  redensarten  wie:  ik  klage 
gode  unde  iu.  richtsteig  landr.  11.  16.  37;  sanc  die  messe 
beide  got  u.  in.  Parz.  378,  25.  neic  si  im,  unde  gote 
Iw.  6013.  Zuweilen  wird  das  böse  wesen  neben  der  gott- 
heit  genannt:  got  noch  den  tiupel  loben.  Iw.  1273.  in 
beschirmet  der  tiuuel  noch  got.  Iw.  4635  d.  h.  gar  niemand. 

Die  gedichte  des  mittelalters  legen  gott  menseldiche 
leidenschafien  bei;  namentlich  wird  er  oft  in  dem  zustand 
des  wolbehagens  und  der  &eude,  dann  aber  auch  in  dem 
entgegengesetzten    des    zornes   und    der  räche    geschildert. 


*)  liier  scheint  von  nau  zugleicli  der  iiom.  got,  und  der  gen. 
stn  abliäiigig,  wie  da«  alid.  ^no  conjuiicliouelt  den  noin.,  präpositio* 
ncil  den  gen.  bei  blch  hat:  äuo  er  Üs.  44,  3.  &ao  sin  JN.  Hi,  3 


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GOTT  13 

jener  begiinstigt' die  erschaiTung  ausgezeichneter,  glücklich 
gebildeter  menschen,  got  was  an  einer  miezen  zulit^  dor 
Parzivdlen  worhte.  Parz,  148,  26.  got  der  was  vil  senjtes 
muotes ,  dö  er  gcschuof  so  reine  ein  wjp.  MS.  1,  17^. 
got  der  was  in  Jröiden,  dö  er  dich  als  ebene  maz.  M8, 
1,  22*>.  got  der  was  in  liöliem  werde  *),  di5  er  geschuof 
die  reinen  fruht,  wan  üne  was  gar  wol  ze  muoie,  M8. 
1,  24*>.  got  si  zer  werlde  brdhte ,  dö  ze  freuden  stuont  stn 
muot  WigaL  9282.  got  der  was  vil  wol  geniuot ,  dö  er 
schuof  so  reinem  wibe  tugent,  wünne,  schoene  an  libe« 
MS.  1,  201*.  got  was  gezierde  milde  ^  der  si  bilde  schuof 
nach  lobe.  Troj.  145b,  got  selb  in  riehen  freuden  was, 
dö  er  ir  Itp  als  ebene  maz.  misc.  2,  186.  ich  weiz  daz 
got  in  Jröiden  was ,  dö  er  niht ,  frouwe ,  an  dir  vergaz 
waz  man  ze  lobe  sol  schouwen.  Lsj»  1 ,  35«  Auch  ein 
troubadour  singt:  belha  domna,  de  cor  y  entendia  dleus, 
quan  formet  vostre  cors  amoros.  Rayn,  1,  117.  Eine 
gleichheidnische  gesinnung  ist  es,  weldie  gott  neigung  zu- 
schreibt, menschliche  Schönheit  zu  beschauen,  oder  zu 
thun ,  was  die  menschen  thim.  got  mühte  selbe  gerne 
sehen  die  selben  juncfrouwen,  Fragm,  22\  ein  puneiz, 
daz  in  got  selber  möhte  sehen.  Frauend.  19.  si  mühte 
nach  betwingen  mite  eines  engeis  gedanc,  daz  er  vil  lilite 
einen  wanc  durch  si  t^on  himele  tcete.  Iw.  6500  (nach- 
geahmt von  Ottocar  166».)  in  Hartmanns  Erec,  wo  von 
einer  Jungfrau  geredet  wird ,  deren  weifse  bände  ein  pferd 
besorgten  (begiengen),  heifst  es:  und  w^spre ,  daz  got  hie 
üf  erde  rite^  ich  ween,  in  genüecte  da  mite,  ob  er  solhen 
marataller  hceie. 

Von  der  uralten  sinnlichen  Vorstellung  des  zürnen^ 
den^  rächenden  gottes  soll  im  verfolg  das  wichtigste  bei- 
spiel  bei  dem  donner  abgehandelt  werden.  **)  die  idee  kehrt 
in  der  edda  mehrmals  wieder.  reidJir  er  tlier  Odinn, 
reidhr  er  ther  Asabragr.  Stcm.  85^.  Odinn  ojreidhr. 
Saem.  228^.  godlia  gremi  (deorum  ira)  wird  verkünden 
Egilss.  352.  at  gremia  godli  (offendere  deos),  fornald. 
8ög.  2,  69.  ein  zornec  got  iu  daz  gebot,  dazs  uns  hie 
Biiohten  mit  ir  her.  Parz.  43,  28.  hie  ist  geschehen  gotes 
räche,  Reinh.  975.  beim  verbot  der  sonntagsarbeit  sagt 
die  lex  Bajuv.  6,  2:  quia  talis  causa  vitanda  est,  cpiae 
deum  ad  iracundiam  proi^ocat^    et  exinde  flageUamur  in 


*)  der  ^oth.  ansdrnrk  für  friede,   ruhe  ist  gavairtlu. 
**)  deos  iratos  babeaml  dii  immortnles  liominibus  irasci  et   flnceen* 
»ere  consueverunt.     Ci<*.  pro  Rose.    Com  .16. 


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14  GOTT 

fi'ugibus  et  penurlani  patimur.  wie  rohsinnlicfa  drückte 
man  sicli  noch  im  17  )h.  aus:  ein  misbrauchy  der  gott  in 
liarnisch  bringt^  und  zu  echai-fer  ungnädiger  einseLung 
verursacht,  dafs  er  gewis,  zu  retlung  seiner  clire ,  mit 
Jausten  darein  schmeifsen  wird ;  oder :  dem  zornigen^ 
eifrigen  gott  in  die  spieße  laufen,  *)  Einen  bösen  men- 
schen schalt  man  im  mittelaltcr  gote  leide!  gott  und  den 
menschen  verhaTster!  eine  Verwünschung  war  jemanden  in 
gottes  hafs  zu  weisen:  üz  in  gotes  fuizl  Trist.  5449.  üz 
strichet  balde  in  gotes  haz !  Trist.  14579.  nu  vaiH  den 
gotes  haz  ali^im  ein  boeswilit  von  mir  hin !  Frauend.  25. 
iiikJi  hil  der  gotes  haz  bestanden.  kL  518.  so  müeze  ich 
haben  gotes  haz.  Aw.  3,  212.  ebenso  mnd.  godsat  hebbe! 
Ihijd.  cip  St.  2,  350.  Remaert  3196.  **)  Was ,  aber  vor- 
züi^liih  bo richtet  werden  muls,  jener  formet  in  gotes  haz 
Oller  blülü  ai  tusalivisch  gotes  h,  varn ,  strichen  völlig  pa- 
rallel stellt  cijie  andere,  die  für  gott  die  sonne  setzt;  da- 
durch eiiiühl  ^ich  die  heidnische  Färbung :  ir  sult  varn  der 
BUfinen  hazl  Pai^z.  247,  26.  var  Aev  sannen  haz I  ungedr. 
ged^  von  KücOiger  46.  si  lüezen  in'  strichen  in  der  sannen 
liaz*  EracL  1 100.  hiez  in  Agt  sannen  haz  hin  varn.  Frauend. 
85.  ein  so  \  L^riluchter  ist  unwerlh  von  der  sonne  gnädig 
beaclijencu  yiu  werden. 

Aus  solchem  feindlichen  Verhältnis  ergibt  sich  zuweilen 
eine  Widersetzlichkeit  der  menschen,  die  in  blofse  droh- 
wortc  ausbricht,  oder  auch  sich  tliätlich  vergi'eift.  Hero- 
dot  4,  94  von  den  Thi^akern:  ovtoi  oi  avxoi  OQrfiHiQ  xal 
nQOQ  ßQ0Vi;7}v  TS  Kai  döTQavi^p  To^evovtKg  av(a  tiqoq  top 
ovoavov ,  unetXevüi  tw  d-up.  des  gottes  bUdseule  ,  wenn 
er  die  ei'flehte  hilfe  verweigerte,  waurde  vom  voüv  in  den 
flufs  gestürzt,  in  den  kerlingischen  romanen  ist  verschie- 
dentlich der  zug ,  dafs  Karl  gott  droht ,  wenn  er  seinen 
beistand  versage ,  die  altare  in  ganz  Frankj-eich  nieder  zu 
werfen,  die  kirchen  und  alle  priester  eingehen  zu  lassen, 
z.  b.  Ferabr.  1211.  1428.  Die  Arkader  geisclten  ihren  Pan 
mit  oiclXhug  (meersclülfcn),  wenn  sie  beulelos  von  der  jagd 
heimkelirten  (Theocrit  7,   106.) 

Epitlieta  gottes.  in  der  heutigen  spräche:  der  liebe^ 
liebste,  grojse,  gute^  allmächtige ,  in  der  früheren: 
h^rre  got  der  guote.  Reinh.  1296.  hdrro  tlie  gddo  Hol. 
78,  3.  90,  6.  fro  min  the  gddo  143,  7.  gncedeger  trehtin. 
lleudi.  1309.     oft  der   riciie :   thie  rikeo  Crist.  IUI.  1,  2. 


•)  Uartmann  vom  segen«preclieii.   Nunib.  16S0  p.  158.  180. 
•*)  »cliwere  kraDklieit  uiu\  notli  heifst  gewölmlich:    der  goUs  slac. 


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GOTT  vl5 

der  rtcliB  gol  von  liimele.  Roth.  4971.  durch  den  rkhen 
got  von  hiinel.  Morolt  3526.  der  rtche  got  mich  ie  ge- 
sach.  V.  d.  -wibe  list  114.  *)  cot  almahtico  ^  cot  heilac* 
wesÄobr.  geb.  mahtig  drohtin  Hol.  2,  2.  frei  älniihtig. 
Cädm.  1,  9.  10,  1.  se  älmihtiga  vealdend.  Thorpes  anal.  83. 
mannd  miltitto  ( largiseimus)  wessobn  geb.  vil  milter 
Clirißt.  cod.  pal.  350,  56.  ufnltant  got.  Hild.  waldindin-' 
ger  got.  Roth.  213.  523.  1009.  ags.  vealdend  Cädni.  9, 
25,  Yuldpes  vealdend  Beov.  4.  heofnes  vealdend  Cädm.  17, 
15.  theoda  vealdend.  alt«,  waldand  IWl.  A,  5.  6,6. 
iwildand  god.  3,  17.  waldand  drohtin  1,  19.  alotpaldo 
5,  20.  69,  23.  eddisch  aber  ist  die  benennung  nicht,  die- 
ser begrif  von  walten  (doniinari,  regere)  wird  nocli  in  der 
redensart  es  wallen  Parz.  568,  1.  Ijti.  7299.  10165.  13225 
auf  das  höchste  wesen  bezogen,  nhd.  gottwaltsl  mnl. 
godivoudsl  Huyd.  op  St.  2,  548.  falsch  ist  der  nhd.  acc. 
das  vralt  gott!  Agricola  596.  Zuweilen  heifst  gott  auch  der 
alte:  der  alle  gott  lebt  noch.  mhd.  der  aide  got.  Rotlu 
4408.  unterm  volk  :  der  alte  vater.  in  einem  serb.  lied 
(Vuk  2,  244)  wird  bog  genannt:  stari  krvnik,  der  alte 
blutvergiefser ,  tödter,  und  bei  Frauenlob  Ms,  2,  214**  der 
ulte  friedel.  Die  dichter  des  13  jh.  bedienen  sich  einige« 
mal  des  lat.  beinamens  altissimus.    Wli.  434,  23. 

Unter  den  substantivischen  benennungen  suid  melirere, 
die  gott  mit  den  weltlichen  herscliern  gcnieiu  hat.  goth. 
frduja ,  alts.  frbho ,  fv6 ,  ags.  fred ,  von  welchem  namen 
künftig  noch  weiter  zu  handeln  sein  wird.  ajid.  truhttn^ 
mi\i,trehttn,  alts.  drohtin^  ags.  diyhlen,  dlüx.  drottinn. 
ahd.  heriro^  mhd.  hirre^  und  zwar  kann  dieses,  von  gott 
gebraucht,  nie  in  her  verkürzt  werden,  sowenig  als  do- 
minus in  roman.  dommis,  don.  ags.  meotod,  metod 
Cädm.  223,  14.  alts.  metod  Ilt^l.  66,  19.  vermutlich  Crea- 
tor bedeutend,  ein  ausdruck  der  auch  in  der  edda  vor- 
kommt miötudr  Sajm.  226^  241*».  ags.  stippend  (crea- 
tor),  alid.  scefo,  sceplüo^  mhd.  schepjwre  Wh.  1,  3.  nhd. 
Schöpfer.  Einige  dieser  namen  können  gehäuft,  oder  noch 
durch  composition  verstärkt  werden ,  z.  b.  drohtin  god^ 
IU\  2,  13.  waldand  Jrö  mtn  H^l.  148,  14,  153,  ^.  fred 
dryhten  Beov.  62.  196.  Itffred  Cädm.  2,  9.  108,  18.  195, 
3.  240,  33.  Beov.  4.  das  weltliche  cuning  wird  durch  ein 
praeiix  auf  gott  anwendbar:  vuldorcyning  Cädm.  10,  32. 
heuancuning  H^l.  3,  12,  18.  4,  14.  5,  11.     gleichbedeu- 


*)  rihhi  ist  alid.  dives ,   poteos ,  auch  heatas.     vom  slav.  bog  lei- 
tet sieb  her  bogat  (dives)  wie  vielleicht  diYes  von  Dis. 

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16  GOTT 

tend  damit  rodora  veard  Cädm.  ll^  2.  oder  die  epische 
ausfülirung:  irmingot  obana  ab  hepane,  Hild.,  got  von 
himele  Nib.  2090,  4.  2114,  1.  2132^  1.  2136,  1. 

Solcher  epischen  formein  lassen  sich  aus  den  gedich- 
ten ,  zumal  den  romanischen ,  schöne  anfiUiren ;  die  meisten 
sind  von  gottes  aufenthalt,  von  seiner  schöpferischen  kraft, 
alhnacht ,  allwissenheit  imd  Wahrheit  hergenommen :  dio« 
aquel,  que  esta  en  alto.  Cid  800.  2352.  2465.  qui  la  amont 
el  seint  ciel  maint«  Ren*  26018.  qui  maint  el  firmament 
Berte  129.  149.  qui  haut  siet  et  de  loing  mire.  Ren.  11687, 
qui  haut  siet  et  loius  voit.  Berte  44.  181.  der  über  der 
blauen  decke  sitzt.  Melander  }ocoseria  1,  439,  cel  senhor, 
qui  lo  mon  a  creat.  Ferabr.  775.  qui  tot  le  mont  forma. 
Berte  143.  que  fezit  nueyt  e  dia.  Ferabr.  3997.  per  aycel 
senhcH*  que  fetz  cel  e  rozada.  Ferabr.  2994.  4412.  qui  fist 
del  et  rousee.  Berte  28.  66.  111.  139.  171.  188.  Aimon 
876.  qui  feis  mer  salee.  Berte  67.  qui  fist  et  mer  et  onde. 
M^on  3,460.  des  hant  daz  mer  gesalzen  hdt.  Parz.  514,  15. 
qui  fait  courre  la  nue.  Berte  136.  183  {vstpeXrjyBQiTa  Zevg)^ 
par  celui  qui  fait  toner.  Ren.  16658.  17780.  par  qui  li  so- 
leus  raie.  Berte  13.  81.  qui  fait  croitre  et  les  vins  et  les 
blez.  Ferabr.  163».  der  mir  ze  lebene  geriet.  Nib.  2091,  4. 
Kl.  484.  der  mir  ze  lebene  gebot.  Roth.  214.  523.  4552* 
der  uns  daz  leben  gebdt.  Mar.  24.  qui  tot  a  a  baillier* 
Berte  35.  qui  tot  a  a  garder.  Berte  7.  que  totz  nos  a  jut- 
gier.  Ferabr.  308.  694.  1727.  the  mancunnies  forwardöt. 
H^l.  152,  5.  qui  sor  tos  homes  puet  et  vaut.  M^on  4,  5. 
•wider  den  nieman  vennac.  a.  Heinr.  1355.  der  aller  wun- 
der hAt  gewalt.  Parz.  43,  9.  der  gh  imde  nimt.  Parz.  7,  9. 
der  beidiu  krump  unde  sieht  gescuof.  Parz.  264,  25.  der 
ane  sihet  alle  getougen.  Diut.  3,  52.  der  durch  clllu  herzen 
siht.  Frid.  355.  qui  onques  ne  menti.  Berte  82.  96.  120. 
146.  M^on  3 ,  8.  icil  dieu  qui  ne  ment ,  et  qui  fist  tot 
quanque  mer  serre.  Ren.  19338.  ermiksköp  oköllu  raedhr. 
forum,  sog.  1 ,  3.  er  s^lina  hefdlii  skapat.  das.  1 ,  242. 

Wenn  nun  in  den  bisher  verhandelten  namen,  beina- 
men  und  Umschreibungen  gottes  keine  ei^tschiedne  bezie- 
hung  auf  das  heidenthum  vorwaltet,  sondern  blofse  an- 
klänge daran  statt  finden  mögen  (der  sinn  von  frauja,  me- 
tod  könnte  ganz  allgemein,  die  formet:  der  sunnen  haz 
varn,  celui  qui  fait  toner  u.  s.  w.  rein  poelisch  aufgefafst 
sein);  so  hängen  doch  die  folgenden  ausdrücke  unleugbar 
mit  der  heidnischen  Vorstellung  zusammen. 

In  der  nord.  mytliologie  gilt  für  den  begrif  deus,  di- 
vus,   wo    nicht   der   obersten,    ältesten   reihe,   doch  einer 


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GOTT  *  17 

iweiten,  später  mächdg  gewordnen,  die  benennung  ds,  pl. 
cesir.  landda  (Kgilss.  p.  365.  366)  ist  patrium  numen,  und 
der  liüchsle  nord.  gott,  Thor,  wird  darunter  gemeint,  ds^ 
rnegin,  die  göttliche  macht:  tha  vex  honum  äsmegn  halfü, 
Sn.  26.  fceraz  i  ^smegin.  Sn.  65.  dieser  name  mufs  auch 
in  Hochdeutschland  und  Sachsen  früher  allgemein  bekannt 
gewesen  sein,  und  goth.  ahd.  ansy  pl.  anseis ^  enfii,  ags. 
6s  ^  pL  es  gelautet  haben  (vgl.  gans,  hansa^  altn.  gus,  ags. 
gö«,  pl.  ges;  höse  =  hansa.)  in  mehrern  eigennamen  dauert 
das  wort  noch  fort,  gotli.  ansila  ^  ahd.  anso.  das  ahd. 
anshehn,  anspald,  anshilt,  ansnut  entsprechen  dem  sinn 
nach  den  namen  cotahelm,  cotahilt.  ags.  Osveald,  uslAf^ 
osdäg,  usrM.  altn.  äsbiürn*),  dsdis,  dsgautr,  Äslaug,  äs- 
mundr  u.  s.  w.  Hierzu  kommt  nun  aber  die  stelle  eines 
ags.  gedichts ,  worin  Ssa  gcscot  und  ylfa  gescot ,  gcschoi's 
der  ansen  und  der  elben  (jaculum  divorum  et  geniorum) 
nebeneinander  gestellt  sind,  gerade  wie  in  der  edda  (Srem* 
8b  71»  82»  83^)  cBsir  und  älfar,  und  die  merkwürdige 
äufserung  des  Jornandes :  tum  Gotlii,  magna  jwtiti  per 
loca  victoria,  jam  proceres  suos  quasi  qui  fortuna  vince- 
baot,  non  puros  homines,  sed  semideos,  id  est  anses 
vocavere.  was  kann  deutlicher  sein?  auch  die  nord.  aesir 
greifen  ein  in  das  hei  dengeschlecht,  und  in  gleichem  ab- 
stand von  einer  älteren,  durch  sie  verdrängten  gottermacht. 
hierbei  darf  nun  allerdings  an  die  bekannte  aiissage  Sue* 
tons  und  Hesychs**)  erinnert  werden,  dafs  den  Etruskern 
die  götter  aesares  oder  aesi  hiefsen ,  ohne  dafs  damit  eine 
eigentliche  vei-vi^andtschaft  des  etruscischen  oder  tj^rheni* 
sehen  volksstaiimis  mit  dem  altdeutschen  behauptet  würde, 
auffallend  übrigens  gemahnt  iv^^r^voSt  tvqgtjvoq  an  das 
altn.  thurs,  ahd.  durs. 

In  der  frühsten  zeit  unsrer  spräche  bedeutete  das 
neutnim  ragin  rath,  consilium.  den  pl.  davon  gebraucht 
die  edda  eigenthümlich  für  den  begrif  des  numens,  der 
gottlieit.  regia  sind  die  rathschlagenden ,  weltordnenden 
gewalten,  und  die  benennungen  blidh  regia,  holl  regia 
(gute,  gnädige  gü$ter),  upp/'^^m,  ginregia  (superae  potesta- 
tes)  haben  ganz  diesen  technischen  sinn,  ragnarökr  (goth. 
ragin^  riqvis?)  bezeichnet  das  weltende,  den  Untergang 
der  leitenden  götter.     Saim.  89**  wird  rögnir  ok  regia  ver- 

*)  Drsns  divinas,  äsbirna  (ursa  divina)  wofür  im  Waltliarins  die 
feischforni  öspirn  statt  anspini.     vgl.  Reinli.  fuchs  p.  CCXCV. 

••)  Sueton.  Oetaviao.  cap.  9T.  futurumqiie ,  ut  inter  deos  referre- 
tor,  qnod  aesar^  jd  est  reliqua  pars  e  Caesaris  iiomiDe ,  etnisca  lingua 
^a*  Tocaretar.     Hesycbius  s.  v.  uUjol,  ^«qJ  vtco  tw  Tvf^^tjvSiv, 

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18  GOTT 

banden,   nOgnir  (vgl.  196*)  ist  der  hervorgihobne  einzelne 
ragineia  (raguneis  ?) 

Dieselbe  heidnische  Vorstellung  bricht  nun  noch  in 
dem  alts,  *  regrt/ygiscapu ,  rc^a/zogiscapu  durch ,  welches 
H^l.  79,  13.  103,  3  soviel  als  fatum,  Schicksal,  den  be« 
schlufs  und  rath  der  götter  ausdrückt,  es  ist  synonym  mit 
o^wrrfgiscapu.  H^l.  103,  7  von  wurd  (falum);  metodo^" 
•scapu.  H^l.  66,  19;  wir  sahen  vorhin,  dafs  metod  eben- 
falls eine  benennung  des  höchsten  wesens  war,  die  der 
christliche  dichter  aus  der  heidnischen  poesie  beizubehalten 
aich  getraute, 

Augustins  briefsammlung  enthält  cap.  178  in  der  alter- 
catio  mit  Pascentius  eine  gothische,  vielleicht  vandalische 
formel  si/iora  armen,  deren  sinn  kein  anderer  ist  als 
KV^te  iXtTjöOV.*)  wäre  sie  gleich  untergeschoben  und,  statt 
am  ende  des  vierten,  erst  im  fünften  oder  sechsten  aufge* 
zeichnet,  immer  bleibt  merkwürdig,  dafs  in  ihr  sihora 
für  gott  und  herr  verwendet  ist,  Ulfilas  hätte  gesagt: 
frauja  armai.  der  inf.  armin^  wenn  es  nicht  für  armi 
verschrieben,  könnte  die  stelle  des  imp.  vertreten;  auch 
in  der  finu.  und  ehstn,  spräche  bezeichnet  armo  gratia, 
misericordia,  ^iliora  aber  scheint  sich  blofs  aus  dem 
deutschen  erklären  zu  lassen,  und  ein  von  seiner  siegrei- 
chen gewalt  hergenommner ,  schon  heidnischer  beinama 
gottes.  Odinn  heilst  sigrgod,  sigtyr,  sigfödur,  und  noch 
H^L  47,  13.  114,  19.  125,  6.  wird  sigidrohttn^  Cädm. 
33,  21,  48,  20  sigedryhten  auf  gott  übertragen,  ander- 
wärts sigoradryhten  ^  aigorafred^  sigorapealdend  ^  si^ 
foragoa,  sigoracyning,  ja  aus  diesem  alten  namen  sihora 
önnte  wirklich  die  in  deutscher  imd  romanischer  zunge 
fortlebende  benennung  sira^  sire,  entsprungen  sein.**) 


*)  anch  die  Tscheremissen  beten :  jama  sirlaga ,  die  Tschuwaschen  t 
tora  sirlag,  d.  i.  gott  erbarme!  G.  J.  Müllers  saml.  ross.  gesch.  3, 
859.  die  Mordainen,  wenn  es  donnert:  paschangni  Porgoini  pai 
(erbarme  dich  gott  Porgnini.)   Georgi  description  1,  64. 

**)  Gott  ans.  1883.  p.  471.  472, 


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GOTTESDIENST.  GEBET  19 


CAP.  III.     GOTTESDIENST. 

"ie  einfachsten  handlangen,  wodurch  der  mensch  den 
göttern  seine  Verehrung  kund  that,  waren  gebet  und  opfer. 

Erwägen  wir  das  wort,  dessen  sich  Ulfilas  für  den 
begrif  des  anbetens  bedient,  so  ergibt  sich  gleich  wieder 
eine  Übereinstimmung  mit  dem  nord.  Sprachgebrauch,  ngas^ 
xwd(a  wird  durch  das  goth.  i'nveita^  invait,  linvitum  ver- 
deutscht Malth.  8,  2.  9, 18.  Marc,  5,  6.  15,  19.  Luc.  4,  7.  8, 
Joh.  9,  38,  12,  20 ;  einmal  auch  dand^o/iiccc  Marc.  9,  15, 
ob  damit  die  nQogxvvfjOig  genau  erfafst  w^rde,  steht  zu 
bezweifeln,  schon  weil  derGoUie  überall  den  acc,  statt  des 
gr.  dat. ,  hinzufügt,  wir  wissen  nicht,  von  welcher  gebärde 
das  'inveitan  begleitet  war,  ob  das  haupt  geneigt  oder  die 
band  bewegt  wurde?  da  ein  alts.  ags.  giwitan,  gevitan 
abire  bedeutet,  so  könnte  Inveitan  annäherung,  liinzugehen 
ausdrücken?  und  Paul.  Diac.  1,  8  hat  zweimal  accedere» 
fraveitan  ist  vindicare.  zu  vergleichen  scheint  das  altn. 
pHa  inclinare,  das  Biürn  xmter  veit  anführt,  und  wie  ich 
glaube  unrichtig  vita  sclu^eibt.  davon  abgeleitet  ist  peiia 
(goth.  vailjan?),  veita  heidr,  honorem  peragere,  veita  tidir, 
Sacra  peragere,  veitsla  (epulum,  goth.  vaitislo?) 

bicia  ist  goth.  preces,  bidja/ij  precari,  rogare,  orare, 
beide  im  weltlichen  wie  im  geistlichen  verstand,  nicht 
anders  ahd.  peta  und  pittan^  aber  von  peta  wird  nun 
ein  petön  (adorare)  geleitet  und  mit  dem  acc.  der  person 
construiert:  nidarfallan  joh  mWi  betdn.  0.  ir.  4,  86.89. 97, 
111.  11,  25.  T.  46,  2.  60,  1.  doch  beton  kann  auch  geist- 
liches orare  ausdrücken.  T.  34,  1.  2.  3.  mhd.  finde  ich 
beten  im  sinn  von  adorare  stets  mit  der  praep.  an  ver- 
bunden :  beten  an  diu  abgot.  Bari.  72 ,  4.  an  ein  bilde 
beten,  das.  98,  15 ;  so  muoz  si  iemer  m^  nach  gote  sin 
m*n  anebet  (gegenständ  meiner  verehrimg)  Ben.  146.  nhd« 
unterscheidet  sich  bitten ^  beten  und  anbeten^  so  wie 
bitte  von  gebet,  das  alts.  bedön  (adorare)  hat  nicht  den 
acc.  bei  sich,  sondern  die  praep.  te:  bedon  te  mmon 
barme.  H^l.  33,  6.  8.  In  dem  ags.  N.  T.  wird  adorare 
übersetzt  geeddhni4dan ^  d.  i.  sich  demütigen,  humlliare. 
Das  mhd.  flSIien,  wenn  es  supplicare  ausdrückt,  regiert 
den  dativ :  gote  flehen.  Aegid.  30.  den  goten  vl^hen.  Parz. 
21,  6;    wenn  aber  demulcere,   solari,  den  acc,  Parz.  421. 

2  • 

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20  GOTTESDIENST.   GEBET 

55.  Nib.  499,  8*).  e«  ist  da»  goth.  thldihan,  fovere, 
consolari.  alid.  kenne  ich  fliliön  (vovere)  nur  aus  N.  Cap, 
8,  und  er  schreibt  flihön,  nhd.  zu  gott  flehen^  oder 
gott  anflehen. 

Eigenthümlich  der  nord.  und  ags.  mundart,  fremd 
allen  übrigen,  ist  noch  ein  ausdruck  für  gebet,  altn,  bön 
oder  boen,  schwed.  dän.  bön^  ags.  ben^  gen.  b^ne  (fem.) 
Cädm.  152,  26.,  bei  Chaucer  bone^  engl-  boon.  davon 
binsian  (supplicare.)  Endlich  das  isl.  schwed.  dyria^  dän« 
dyrhe^  -welches  ganz  wie  das  lat.  colere  von  der  gottes- 
verehrung,  wie  von  dem  landbau  gilt,  scheint  erst  ein 
später  aufgekommner,  der  altn.  spräche  fremder  ausdruck. 

Über  die  art  und  vs^eise  des  heidnischen  gebets  ent- 
behren wir  nachrichten  5  ich  vermute  blofs ,  dafs  damit 
blichen  gen  himmel^  neigen  des  leibs,  händejalten^ 
hniebeugen^  hauptentblöfsen  verbunden  war.  precarl 
deos,  coelumque  suspicere  bezeugt  schon  Tac.  Germ.  10. 
niederfallen  und  neigen  war  auch  gewohnheit  der  Christen, 
daher  heifst  es  H^l.  47,  6.  48,  16  te  bedu  hnfgan ,  $8,  12 
te  drohtine  Jtntgan*  im  Siilarliodh  der  merkwürdige  aus- 
druck :  henni  (der  sonne)  ec  laut.  Sa^m.  126*,  ilir  neigte 
ich  mich,  von  lütay  inclinare.  ebenso  wird  in  Olaf  des 
heil,  saga  erzählt,  dafs  sich  die  männer  vor  Thors  bild- 
seule  neigten  {lutu  thvt  sknmsli.)  forum,  sog.  4,  247.  Jell 
til  iardar  fyrir  likneski.  form.  ^ö^.  2,  108.  von  den 
Langobarden  erzählen  die  dial.  Gregorii  M.  3,  28,  dafs 
sie  ein  götllich  verehrtes  ziegenhaupt  submissis  cervicibus 
angebetet  hätten.  ]Man  pflegte  noch  im  mittclalter  sich  vor 
leblosen  gegenständen  zu  neigen ,  d.  i.  sie  zu  segnen  und 
benedeien :  einem  geliebten  lande ,  dem  wege ,  den  jemand 
gewandelt  war,  dem  tage.**)  ein  altböhm.  lied  hat:  sie 
hlonieti  bohu,  sich  vor  gott  neigen,  ilm  anbeten,  königinh. 
hs.  72,  ebendaselbst  aber  auch:  se  biti  w  celo  prede 
bohy,  sich  an  die  stirne  schlagen.  Entblöfsung  des  haupts 
war  gewis  von  frühe  her  unter  imsern  vorfahren  eine 
ehrbezeugung ,  die,  gleich  dem  neigen,  der  gottheit  wie 
königen  und  vornehmen  erwiesen  wurde,  vielleicht  mach- 
ten die  priester,  wenigstens  die  gothischen,  liiervon  eine 
ausnähme,    deren   namen  pileati  Jornandes  daher  erklärt;^ 


*)   Iw.  8315  vl^gete  ^t,  in  der  ältesten  hs.  aber  Tl^hete  gote. 

**)  dem  stige  nigen.  Iw.  5837.  dem  wege  nfgcn.  Parz.  875,  26. 
dem  lande  ufgen.  Trist  11582.  ntgen  in  dag  laut.  M^igal.  40ia 
Dtgen  In  elliu  lant.  Iw.  7755.  in  die  werlt  nigeo*  Freuend.  36.  den 
•tigen  und  wegen  segen  tuon.  Iw.  357. 


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GOTTESDIENST.  GEBET  21 

quia  operth  capitihu»  tiaris  Utabant;  während  dae  übrige 
Volk  unbedeckt  stand,  in  des  INlcolaus  Magni  de  Göw  re- 
gistrum  superstitlonum  (von  1415)  lieiist  es:  insuper  hodia 
iaveniuntur  homines,  qui  cum  novilunium  prinio  viderint 
flexis  genihus  adorant  vel  deposito  capucio  vel  pileo, 
uidinato  capite  lionorant  alloquendo  et  suscipiendo.  *)  Eine 
ags.  legende  von  Cudhberht  erzählt,  dais  dieser  heilige 
nachts  zur  see  gieng,  bis  an  den  hals  in  die  flut  stieß 
und  auf  den  kiesein  kniend^  mit  gen  himmel  ausgestreck- 
ten händen^  betete.**)  es  ist  nicht  unmöglich,  dafs  die 
bekehrten  Christen  heidnische  gebrauche  bei  ihrem  gebet 
bewahrten.  auffallend  sind  die  gebärden,  die  in  einer 
bandschrift  vermutlich  des  12  jh.  den  gebeten  hinzugefügt 
werden:  Sil  miz  den  ubir  dtn  herza  in  modum  crucis, 
unde  iH)n  demo  brustlejffile  zuo  demo  nabile ,  unde  miz 
denne  von  eime  rippe  unz  an  daz  andire  unde  sprich 
alsus.  und  wiederum:  so  miz  denne  die  rehtun  hant 
von  deme  lengistin  vingire  unz  an  daz  resti,  unde 
miz  denne  pon  deme  duniin  zuo  deme  minnisten  vin- 
gire. ein  gebet  luefs  *der  vane  des  almehtigin  gotis',  den 
sollen  neun  (frauen)  neun  Sonntage,  *8Ö  ez  morginet'  lesen; 
die  neunte  hat  den  psalm  domini  est  terra  zu  lesen:  daz 
IT  lib  niet  ruore  die  erde,  wan  die  ellebogin  unde  diu 
chnie,  die  andern  sollen  alle  stehen,  bis  das  angezündete 
licht  verbrennt  ist.   Diut.  2,  292.  293. 

Betende  imd  beichtende  Christen  schauten  gen  osten^ 
mit  aufgehobnen  armen  (Bingham  lib.  11.  cap.  7.  ed.  hal.  3^ 
273)  imd  so  heifst  es  auch  in  dem  Kristinbalkr  des  alten 
Gulathinggeselzes  ver  skulum  lata  austr,  oc  bidhja  til  ene 


*)  was  ich  sonst  über  diesen  gebrauch  gesammelt  habe,  mag 
hier  platz  finden:  elevato  a  capite  pileo  alloquitur  seniorem.  Dietm. 
mereeb.  p.  175  (a.  1012.)  Odofredas  in  I.  secundo  loco  digest.  de 
postuiando :  or  sijirnori,  hie  coHigimHS  argumentuDi,  quod  aiiquis  quando 
venit  coraro  magistratu  debet  ei  revereri,  quod  est  contra  Ferrarienses, 
qui,  sl  essent  coram  deo^  non  extraherent  sibi  capellum  vel  birretutn 
de  capite ,  nec  flexis  genihns  postnlarent.  pilleus  in  capite  est.  Isen- 
gnnnn  1139.  stnen  huot  er  ahenam,  hiemit  ^ret  er  in  also.  Wigal. 
1436.  er  zdch  durcfi  sfn  hübscheit  den  huot  gezogenliclien  abe.  Troj. 
1775.  dO  stuout  er  üf  ges winde  gnuoe,  ein  scJiapel  daz  er  üf  truoo 
▼on  gimmen  und  von  golde  fin  daz  nam  er  ab  dem  houpte  sin.  Troj. 
18635.  er  zucket  im  sfn  keppali,  Ls.  3,  35.  er  was  gereit,  daz  er 
TOD  dem  honbt  den  huot  liez  vliegen  und  sprach.    Kolocz.  loi. 

'*)  vas  gevunod  that  he  volde  gAn  on  niht  td  sn,  and  standan 
Ott  tham  seahnm  brimme,  odh  his  svuran,  singende  his  gebedu,  and 
sidhdhan  his  eneovu  on  tham  ceosle  gebygde,  ästrehtum  haudbredum 
to  heofenHcuni  rodere.    Thorpea  analecta  p.  76.  77. 


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22  GOTTESDIENST.  OPFBH 

lielga  Rrists  firs  ok  fridhar  (rgl.  Syntagma  de  baptismo 
p.  65.)  Betende  und  opfernde  heiden  schauten  aber  gen 
norden  (horfa  t  nordhr.  fornm.  sog.  11,  134.)  und  der 
Norden  wurde  unter  den  Christen  als  die  imselige*  heidni- 
sche gegend  angesehen ,  welches  ich  RA.  808  näher  ausge- 
fulii:l  habe.  Dieser  gegensatz  mufs  zur  erklärung  einer 
meikLWÜrdigen  steUe  iin  roman  de  Renart  angewendet  wer- 
den, wo  der  fuchs  christlich  y  der  wolf  heidnisch  betet 
(Reinhart  fuchs  s.  XLI.) 

Das  wort  opfer  wurde  in  unsere  spräche  erst  durch 
das  christenthum  eingeführt,  und  stammt  aus  dem  lat.  ver- 
bum  offeroy  offer re,  ^  mit  recht  haben  die  Angelsachsen 
nur  das  verbum  offrian^  und  ein  daraus  gebildetes  offrung 
(oblatio).  ahd.  hat  sich  aus  opJarSn ,  opforon  auch  ein 
subst.  opfar  erzeugt,  mhd.  oppheren ,  oppher  (Diut.  3, 
,  58),  und  von  Deutschland  aus  mag  dieser  ausdruck  weiter 
vorgedrungen  sein,  altn.  oflr,  schwed.  dän.  offer,  lith.  ap- 
piera,  lett.  uppiu'is ,  ehstn.  ohwer,  finn.  uhrl,  bölim.  ofera, 
poln.  ofiara,  sloven.  ofer.  das  franz.  ofTre  hat  nicht  den 
technischen  sinn,  wol  aber  ofirande.  tiberall  wichen  die 
älteren,  heidnischen  benennimgen. 

Die  alles te ,  allgemein  verbreitete  für  den  begrif  %ott 
durch  Opfer  verehren'  war  blotan  (wir  wissen  nicht,  ob 
im  goth.  praet.  baibldt  oder  blötaida?),  ich  möchte  damit 
ganz  die  bedeutung  des  gr.  &v€ir  verbinden.*)  Ulfilas 
fand  es  noch  unanstöfsig,  dadurch  das  gr.  üißiG&at  und 
XaxQBVBtv  Marc.  7,  7.  Luc,  2,  37  zu  übersetzen,  er  con- 
struiert  dazu  den  acc.  der  person,  blotan  fraujan  heifst 
ihm  deum  colere,  und  schwerlich  denkt  er  dabei  an  grau- 
same Opfer,  bldtinassus  Rom.  12,  1  ist  ihm  kargeia , 
guXhbldstreis  Joh.  9,  31  S^Boaeßrje.  letzteres  setzt  ein 
subst.  blöstr  (cultus,  oblatio)  voraus,  dessen  S  gramm.  2, 
208  erklärt  worden  ist.  usbldteins  (naQaxXfjas)  II  Cor. 
8,  4  verlangt  ein  verbum  usbWljan  (flehen,  obsecrare.) 
Cädmon  braucht  das  ags.  bldian,  bleot,  onbleotan^  onbleot 
von  dem  jüdischen  opfer,  und  verbindet  damit  den  acc. 
der  Sache,  den  dat.  der  person,  blotan  snnu  (filiiun  sacri- 
ficare)  173,  5.  onbleot  thät  Iäc  gode  (obtulit  hostiam  deo) 
177,  21.  in  Alfreds  Orosius  steht  auch  bidtan,  blötte. 
ich  leite  davon  her  bUtsian ,  später  blessian,  engl,  bless, 
benedicere.       Das    ahd.  pluozan   (pliez   und  pluozta)   er- 

*)  wenn  Sozomenas  hi«t.  ecci.  6,  87  in  einer  erzalilnng  von 
Athenarich  ngo^vytvv  huI  e^vitv  gebrnucht,  bo  wäre  diu  gothisch  tn- 
i^^itan  jab  bldian. 


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GOTTESDIENST.  OPFER  83 

scheint  nur  in  gloMen  und  för  libare ,  litare ,  vktimare ,  im« 
molare.  gLHrab.959*  960«  966»>  968«>  Diut,  1, 245. 258«,  die 
casusconstruction  ist  nicht  zu  ersehen,  das  subst.  pluostar 
(sacrifidum)  bluostar  Is.  382.  gl.  emm.  411.  gl.  jun.  209. 
T.  56,  4.  95.  102.  *)  pluostarhüa  (idolium)  gl.  emm.  402. 
pluosirari  (sacrificator)  das.  405;  offenbar  hat  das  wort 
hier  ein  mehr  heidnisches  ansehn,  und  wurde  um  diese 
zeit  nicht  vom  christlichen  dienst  gebraucht;  bald  sterben 
oiit  der  Sache  die  ausdrücke  ganz  aus.  Ihre  allgemeine 
Anwendung  im  nord.  heidenthum  läfst  aber  keinen  zweifei 
äbng,  dafs  sie  \mter  Gothen,  Alamannen,  Sachsen  ^  vor 
dem  übertritt  zum  christlichen  glauben,  ebenso  galten, 
^eich  dem  goth.  verbum  hat  das  altn.  bldla  (hUt  und 
bldtadhi)  den  acc.  der  person,  die  man  göttlich  verehrt, 
bei  sich.  S«m.  111*  113*»  141*  165«;  der  sinn  ist:  sacri« 
ficio  venerari.  noch  die  altdän.  Übersetzung  des  A.  T.  ge- 
braucht blothe  (immolare)  blod/imadh  (libamina)  blotelsä 
(holocaustum)  Molbechs  ausg.  s.  171.  182.  215.  249.  die 
abstammung  des  Wortes  blutan  kenne  ich  nicht. '*'*)  auf 
keinen  fall  ist  sie  in  blöth  (sanguis)  zu  suchen,  wie  die 
abweichenden  consonanten  beider  goth.  Wörter  lehren;  ge- 
rade so  stehen  die  ahd.  pluozan  und  pluot  von  einander, 
auch  war  die  dadurch  bezeichnete  götterverehrung  nicht 
nothwendig  blutig.  Eine  merkwürdige  stelle  in  der  livländ. 
reimchronik  56«  erzählt  von  den  Sameiten  ( Sdiamaiten, 
Samogiten) 

ir  bluotelirl  der  warf  zuo  hant 

sin  luz  ndch  ir  alden  site, 

zuo  hant  er  bluotete  aUes  mite 

ein  quek. 
hier  wird  freilich  ein  thier  geopfert,  und  es  ist  möglich, 
dafs  der  dichter  absichtlich  jene  unhochdeutsche  form  wählte, 
um  den  absehen  vor  blutigem  heidenopfer  zu  erhöhen ;  ich 
glaube  eher,  dafs  er  einen  aus  Scandinavien  nach  Litthauen 
gedrungnen  ausdruck  beibehielt,  ohne  ihn  vielleicht  selbst 
zu  verstehen,  bluotkirl  ist  blotkarl,  blötmadhr,  heidnischer 
priester,  der  litthauischen  spräche  war  die  beuennung  fi^emd. 


*)  die  ^1.  Hrab.  954a  bacha  pUstar  ist  nnvoUstandtg  ond  lautet 
gl.  Rer.  45.  Diot  1,  166a  bacba  sacrificat  ploastar  ploazit  oder  zepar 
pldzit^  soll  tk\sQ  nur  das  lat  verbum,  n><^'>t  dai  subst.  bacha  (d.  i. 
ßuK'/rj)  übersetzeu.  noch  richtiger  vielleicht  ist  die  lesart  bacliat  f. 
baccliatur,   synonym  von  sacrificat. 

**)  buchstäblich  verwandt  wäre  ^loidom^  entzünden,  verbrennen; 
aber  wenn  ursprünglich  in  btdtan  die  idee  de«  brandopfers  lag^  mdste 
sie  frohe  verdunkelt  worden  sein. 


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24  GOTTESDIENST.  OPFER 

Eiulge  andere  allgemeine  ausdrücke  sind  folgende,  ahd. 
antheiz  (Loslia,  victinia).  Diut.  1,  240a  246.  258.  27öb  und 
ini  verbü  sowol  arUheiz6n  als  inheizan  (inunolare).  Diut. 
1 ,  246.  2j8.  alid.  insahen  (litare).  gl.  Hrab.  968b  insagit 
pim  ''deliborj.  das.  959a  960«;  ebenso  ags.  onaecgan  tu  tibre* 
Caclm.  172,  30.  liber  onsägde  90,  29.  108,  17.  lac  oAi- 
sägde  107,  21.  113,  15.  gild  onsägde  172,  11  und  o«- 
Ä^*^^r///eÄ  (oblatio.)  ahd.  piß'lahan  (ViborQ)  Diut.  1,  245.258. 
alles  dies  bezeichnet  eigentUcli  nur  die  ansagung,  "widniung, 
weiluu)g ,  dedicatioij  des  Opfers ,  und  es  geht  aus  diesem 
8j>racligcbrauch  wenigstens  hervor,  dals  einzelne  gegenstände 
eine  Zeitlang  vorher  zum  opfer  auserlesen  wurden.*)  antheiz 
ist  sonst  auch  gelübde,  voliun,  feierliclie  zusage ;  daher  wer- 
den dem  ags.  onsecgan  bestimmende  subst.  hinzugefügt. 

Älmlich   mag   sehr  fnihe    schon    biudan  (oiferre)   ge- 

braucJit    worden   sein,    ags.  lac   beheodan.    Ciidm.  173,  9. 

.ahn.  hodn  (oblatio.)     von  diesem  biudan  leite  ich  her  biuda 

(mensa)  ahd.    piot^    insofern  es  urspininglich   den  heiiigeti 

opferlisch  oder  altar  bedeutete. 

fullafahjan  (mit  dem  dat.  der  pers.)  ist  ein  gotlu 
wort  für  XciTQeveiv  Luc.  4,  8,  eigentlich  ein  genüge  thxm. 
(ttbalraß  Luc.  5,  14.  das  ahd.  pigangan  (obire)  wird 
versclüeilenllich  auf  den  gottesdienst  bezogen:  piganc  (ritus) 
Diut.  1,  272*  afgoda  begangan.  Lacomblet  1,  11.  h^rron 
fulgangan  Hol.  4,  1,  auch  das  vieldeutige  gildan^  heitan 
(vgl.  golh.  saljan  Luc.  1,  9)  hängt  mit  cultus  und  opfer- 
dienst zusannnen.  alls.  waldandes  gild.  Hol.  3,  11.  6,  1. 
that  geld  lestian.  H^l.  16,  5.  hrynegield  (holocaustum) 
Cädm.  175,  6.  177,  18.  gild  onsecgan.  172,  11.  Abels 
opfer  heifst  gield.  Cädm.  60,  5.  deoMgield  (idololatria) 
Beda  3,  30.  alid.  Mfcruncghelslar  (sacrificium)  Is.  395. 
dhiu  blustar  iro  ghehtro  (libamina  et  sacrificia)  Is.  382. 
eigenthümlich  der  ags.  mundart  ist  die  allgemeine  benen* 
nung  Idc  (neutr.),  das  an  sich  gäbe,  geschenk  ausdrückt, 
und  daher  oft  durch  verba,  die  den  begrif  opfer  hervor- 
heben ,  verdeutlicht  wird :  onbleot  tliät  Idc  gode,  Cädm. 
177,  26,  dryhtne  läc  brohton.  60,  2.  Idc  bebeodan.  173, 
9.  Zac  onsägde.  107,21.  113,  15.  ongan  /^.  90,  19.  das 
wort  scheint  einer  wurzel  mit  dem  goth.  masc.  laiks  (sal- 
tatio)  alid.  leih  (ludus)  altn.  leikr,  und  eine  wolgefällige 
gäbe  zu  bezeiclmen.  **) 


*)    aocb  das  altböhm.  ohiecati  ohiet  ({löniginb.  \\&.  72.)  if»t  eigent- 
lic!» :    Opfer  verhelfscn  ,    widmen. 

"*)   »erb.  priioQ  opfer,  d.  b.  dargebracliies ,   prilozbiti  darbriogeu. 


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QQTTESDIBNST.  OPFER  25 

Für  bestimmtere  ausdrücke  halte  ich  die  folgenden. 
^voia  wird  durch  das  goth.  hunsl  übertragen  Matth.  9,  13^ 
Marc.  9,  49.  Luc.  2,  24  und  XaxQelav  9iQ0S(piQeiv  Job.  16, 
2  wiederum:  hunsla  saljan,  wo  gerade  gemeint  ist  durch 
tödlung.  ^voiaoTfjQiov  heilst  Iiurislasaalis  Mattb.  5,  23. 
24.  Luc.  1,  11.  das  entspreclicnde  ags.  husel  verträgt  aber 
anwendung  auf  das  cbrisüicbe  sacramcut  und  bedeutet  die 
eucharistie,  husel^ong  den  genufs  derselben,  /uUel[di  das 
heilige  opfergefal's ,  vgl.  Cädm.  260,  5  Awi/fatu  halegu  von 
den  jüdischen  gefufsen  zu  Jerusalem.  ebenso  findet  sich 
altn.  /lusl  in  den  norweg.  und  scliwed.  gesetzen  christlich 
gebraucht 9  niemals  heidnisch;  ein  ahd.  hunsal  Imbe  ich 
nicht  gelesen,  die  wurzel  errathe  ich  nicht.  Zweimal  ver- 
deutscht aber  Ulf.  Svola  durch  scLuths^  pl.  saudeis  Marc 
12,  33.  ^%m.  12,  1  und  ich  glaube  er  hat  sich  dabei  das 
Opfer  eines  gescldachteten  und  gekochten  thiers  gedacht ; 
die  Wurzel  scheint  siuthan,  sieden:  altn.  ist  saudhr  ein 
Widder,  vermulldich  weil  sein  ileisch  gesotten  wird.  Auch 
das  ahd.  zepar  ist  saerificium  im  sinn  von  hostia,  victima. 
hymn.  10,  2.  12,  2.  21,  5.  gl.  Hrab.  965»>.  Diut.  240«  272»; 
ein  goth.  tibr  wäi-e  nachgewiesen,  wenn  man  das  seltsame 
wort  dibr  (Saigov)  Matth.  5,  23  emendieren  dürfte,  wie- 
wol  sonst  A  und  T  in  goth.  schrift  deutlich  von  einander 
abstehen,  meine  Vermutung,  dafs  nocli  imser  nhd.  unge- 
ziefer ,  früher  ungea^'Äcr,  und  das  altfranz.  atoivre  dalün 
gehöre  (Keinh.  LlV.)  hat  gute  gründe  für  sich,  gegen  sie 
sclüene  zwar,  dafs  das  ags,  tiber  Cädm.  90,  29.  108,  5. 
172,  31.  175,  4.  204,  6.  301,  1.  slgetiber  203,  12  nicht 
auf  tliiere  beschränkt  werden  darf,  vielmehr  Cains  getraide- 
opfer,  im  gegensatz  zu  Abels  gteld,  gerade  tiber  heilst  60,  9. 
und  Aelfir.  gL  62^  ylatifer  (libatio)  haben,  darin  könnte 
spätere  Verwirrung  liegen,  oder  Ungeziefer  auch  das  Un- 
kraut mitbegreifen,  folglich  zepar  alles  opfermäfsige  von 
pflanzen  und  bäumen  bezeichnen?*)  Zuletzt  will  ich  eine 
der  altn.  spräche  eigne,  sicher  heidnische  benennung  ange- 
ben :  Jim  (\  ictima,  hostia)  fem. ,  forna  (immolare)  wofür 
auch  fornjcera  gesagt  wurde,  vgl.  fornm.  sog.  1,  97.  2, 
76.  hinderte  nicht  u,  ao  liefse  sich  das  adj.  forn  (vetus) 
forn  (zauberer)  fornasskia  (zauberei)   und  das  ahd.  furnik^ 

*)  die  auch  ron  Tliorpe  nicht  recht  gefafüte  stelle  Cadm.  9,  2  i\\k 
MO  tid  gevät  ofer  tiher  sceacan  middaugeardes  verstehe  ich:  da  die 
leit  fortschritt  über  die  (von  gott  verliehene)  t^ahe  der  erde,  der  inf. 
ficeacan  (elal>i)  gehört  xn  {j:evät;  ebenso  st^ht  Judith  («nnl.  140,  5> 
geviton  ou  fle^m  sceacan,  begannen  isu  iliehen,  und  öfter  geviton 
gangan. 

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tö  GOTTESDIENST.  OPFER 

(bacclii,  antlcpii)  gl.  Hrab.  955*.  Diut.  1,  166*  hinzuhalten, 
zumal  dieselben  glossen  zur  erklarung  von  baccha  pluostar 
und  zepar  verwenden,  Jörn  wäre  dann  der  von  den  Christen 
gewählte  ausdruck  für  das    heidenopfer  der  alten  vorzeit. 

Unserer  alten  spräche  standen  also  mehrfache  Wörter 
für  die  begriiFe  opfer  und  opfern  zu  gebot,  es  läfst  sich 
erwarten,  dafs  davon  unterschiede  abhiengen,  aber  es  ist 
schwer,    die^e  nun  selbst  in  der  sache  zu  entwickeln. 

Beweggründe  der  opfer  waren  überall,  den  göttem 
dank  für  ihre  wolthaten  abzustatten  oder  ihren  zorn  zu 
versöhnen:  wenn  hungersnolli ,  miswachs,  seuche  über  das 
Volk  hereinbrach,  säumte  es  nicht  opfer  zu  bringen,  solche 
sühnopfer  haben  ihrer  natur  nach  etwas  unständiges,  wäh- 
rend die  dem  gnädigen  gott  zu  leistenden  gern  in  regel- 
niäfsig  wiederkehrende  feste  übergehen.  Eine  dritte  haupt- 
art  von  opfern  ist,  wodurch  der  ausgang  eines  unterneh* 
mens  erforscht,  und  die  hilfe  des  gottes,  dem  es  gebracht 
wird,  herbeigeführt  werden  soll,  doch  war  die  Weissagung 
auch  oline  opfer  thunlich.  Aufserdem  gab  es  noch  beson- 
dere arten  für  einzelne  gelegenhciten,  z.  b.  bei  königs- 
wahlen ,   bei  leichbestattungen  u.  s.  w. 

Die  grofsen  jahrsfeste  der  beiden  berührten  sich  mit 
Volksversammlungen  und  ungebotnen  gerichten.*)  in  der 
Ynglinga  saga  cap.  8  werden  sie  so  angegeben:  thd  skyldi 
blota  i  möli  vetri  til  to ,  enn  at  iwidium  vetri  blöta  til 
grudhrar,  it  thridia  at  sumri,  that  var  sigrblut.  in  der 
Olafs  helga  saga  cap.  104  (fornm.  sog.  4,  237):  cn  that  er 
sidhr  thcirra  at  hafa  bltUt  ä  haustiun  ok  fagna  tha  vetri, 
anuat  blijt  hafa  their  ad  midium  vetri,  en  hit  thridia  at 
sumri,  tha  fagna  tlieir  sumari ;  vgl.  ed.  holm.  cap.  115. 
das  herbstopfer  geschah  zum  empfang  des  winters  und  til 
Ars  (pro  annonae  ubertate),  das  mitwinter opfer  til  grödhrar 
(pro  feracitate),  das  sommeropfer  zum  empfang  des  som- 
mers und  til  sigrs  (pro  victoria.)  Bei  dem  grofsen  haupt- 
blöt  zu  Upsal  im  winter  wurde  aber  zugleich  geopfert  til 
Ars  ok  fridhar  ok  sigi*s  (fornm.  sog.  4,  154.)  die  formel 
lautet  auch :   til  Ärbötar,  oder  til  fridhar  ok  vetrarfars  gdds. 

Menschenopfer.  Tac.  Germ.  9.  deorum  maxime  Mer- 
cnrium  colunt,  cui  certis  diebus  Immanis  quoque  hostiis 
lilare  fas  habent.  Germ.  39  stato  tempore  in  silvam  coeunt, 
caesoqiie  publice  homine  celebrant  barbari  ritus  horrenda 
primordia.  Tac.  ann.  1,  61.  lucis  propluquis  barbarae  arae, 
apud    quas    tribunos    ac   primonun    ordlnum    centurionea 


*)   RA.  245.  T45.  821-825. 

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GOTTESDIENST,   OPFER  27 

mactaperant.  Tac.  ann.  13,  57.  sed  bellum  Hermundurid 
prosperöm,  Cattis  exitiosius  fuit,  qiiia  victores  diversam 
aciem  Marti  ac  Mercurio  sacravere,  quo  voto  equi,  ifiri^ 
cuncta  victa  occidioni  dantur.  Jornandes  p.  m.  86 :  quem 
ftlartem  Gothi  semper  asperrima  placavere  cultura.  nam 
Tictimae  ejus  mortes  fuere  capiorum^  opuiantes  bellorum 
praesulem  aptius  humani  sanguinis  effusione  placan- 
dum.*)  Procop  de  bello  goth.  2,  15  von  den  Thuliten, 
d.  L  den  Scandinaviern :  S^ovai  Sh  ivdaXeyioTaTa  hgeia 
navra  xal  ivayl^ovai.  twp  äh  UqsIwv  ctplot  to  xuXXioTOif 
ivd-QwnoQ  io%iVj  övneq  av  doQialmrov  notr^aaivto 
nrntov*  TOVToy  yaQ  rtp  "^Qei  ^vovaiv,  inel  S-eov 
üLVtov  vojiiiCovai  fiiiyiOTOV  elvat,  das.  2,  14  von  den  He- 
rulem :  noXvp  Tiva  ro/ut^opreg  'd-edip  6/iiXoVn  ove  S^ 
%al  av&QWTt (op  dvaiais  iXdaKca&ai  ooiov  avTotg  iSo" 
HH  tlvai*  Sidonius  Apoliinaris  8,  6  von  den  Sachsen: 
mos  est  remeaturls  decimum  quemque  captorum  per 
aequales  et  cruciarias  poenas,  plus  ob  hoc  tHsti  quod 
euperstitioso  ritu  necare.  Lex  Frisionum,  additio  sap.  tit. 
42.  qui  fanum  effiregerit  —  immolatur  diis,  quorum 
templa  violavit,  das  gesetz  galt  nur  noch  für  die  trans 
Laubachi  w^ohnenden,  länger  heidnischen  Friesen,  was 
Strabo  von  den  Cimbem,  Dietmar  von  den  Nordmännern 
erzählt ,  v?ird  nachher  angezogen  werden.  Epist.  Bonif.  25 
(ed.  Würdtw.) :  hoc  ^oque  inter  alia  crimina  agi  in  par- 
tibus  Ulis  dixisti,  quod  quidam  ex  fidclibus  ad  inimolan- 
dum  paganis  sua  venundent  mancipia  $  es  war  den  herm 
erlaubt  knechte  zu  verkaufen,  und  Christen  verkauften 
sie  den  Heiden  zum  opfer.  Zeugnisse  über  nordische  men- 
schenopfer  hat  Müllers  sagabibl.  2,  560.  3,  93.  In  der 
Tegel  waren  die  schlachtopfer  gefangene  feinde,  erkaufte 
knechte  oder  schwere  Verbrecher.  seltne  falle  konnten 
den  tod  der  künigssöhne  und  könige  selbst  verlangen. 

Thieropfer.  Herculem  et  Martem  concessis  animalibua 
placant.  Tac.  Germ.  9.  d.  h.  mit  dazu  geeigneten  (liist.  5,  4), 
und  nur  solche  tlüere  eigneten  sich,  deren  fleisch  von  den 
menschen  gegessen  werden  konnte,  es  wäre  unscliicklich 
geweseii,  dem  gott  eine  speise  zu  bieten,  die  der  opfernde 
selbst  verschmäht  hätte ;  zugleich  scheinen  diese  opfer 
schmause,  ein  bestimmtes  stück  des  geschlachteten  thiers 
wird  dem  gotte  dargebracht,  das  übrige  zerlegt,  ausgellieilt 
und  in  der  versamlung  verzehrt,      das   volk   trat  dadurch 


•)    vgl.  Jul.  Caesar  de  hello  gall.  6,  17   von   der  rerehrnng  de« 
Mars  bei  den  Galliero. 

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SB  GOTTESDIENST.   OPFEa 

in  geineioscLaft  mit  dein  lieiUgen  opfer.  quadraginta  nisdci 
a  LaDgobardis  capti  carnea  imniolalitias  comedere  com« 
pellebantiir.  Greg.  AI.  dial.  3,  27,  das  heifst  weiter  nichts^ 
als  dafs  die  lieidnischen  Langobarden  den  gefangnen  Chri- 
sten zumuteten,  an  ihrem  opfermal  theil  zu  nehmen,  dieser 
immolatitiae  carnes  und  hostiae  immolatitiae  ^  quas 
stulti  homines  juxta  ecclesias  ritu  pagano  faciunt,  geschieht 
auch  in  Bonifacii  epist.  25  und  55  (ed.  Würdtw.)  meidung. 
In  der  ältesten  zeit  scheinen  vornemlich  pferde  ge* 
opfert  worden  zu  sein,  und  ohne  zweifei  afs  man  ihr 
fleisch  allgemein  vor  einführung  des  christentliums.  neu- 
bekehrten  blieb  nichts  ansttifsiger  an  den  Heiden,  als  dafs 
diese  dem  pferdeschlachten  (lirossasldtr)  und  dem  genufs  des 
Pferdefleisches  nicht  eutsagteiu  vgl.  Nialss.  cap,  106.  christ- 
liche JN'ormänner  schimpften  die  Schweden  hrossceturnar 
(forum,  sog.  2,  309.)  künig  liakon,  den  seine  unterthaneu 
des  christentliums  verdachtigten,  wurde  aufgefordert,  at 
hann  skyldi  eta  hrosscisldtr.  saga  Hak.  goda  cap.  18. 
Schon  Tac.  ann.  13,  57  meldet,  dafs  die  Hermunduren 
die  pferde  der  besiegten  Gatten  opferten.  Den  Thürin- 
gern wurde  noch  zur  zeit  des  Bonifacius  das  verbot  des 
Pferdefleisches  eingeschärft  (epist.  Bonif.  ed.  Würdtw.  25» 
87.  Serr.  121.  142.)  *)  den  alamannischen  brauch  bezeugt 
Agathias:  innovs  t«  aal  äoag,  xai  akXa  a^r«  fiVQtu  za- 
Qaro fhOVV%€Q  imd-eia^ovoi  (ed.  ^bonn.  28 ,  5.)  nicht 
übersehen  werden  darf  hier  das  abschneiden  des  luiupts, 
das  nicht  mit  verzehrt,  sondern  vorzugsweise  dem  gott  ge- 
heiligt wird.  Wenn  Caccina,  als  er  sich  dem  schauplata 
der  varischen  niederlage  nahte ,  auf  baumstämmen  pferde^ 
Häupter  befestigt  erbUckte  (cquorum  artus,  simul  truncis 
arborum  antefixa  ora,  Tac.  ann.  1,  61),  so  waren  dies 
keine  andere  als  die  der  römischen  pferde,  welche  die 
Deutscheu  in  der  scldacht  erbeutet  und  ihren  güttern  dar- 
gebracht hatten  **).  ein  solches  immolati  düs  equi  abscis- 
sunt  Caput  kommt  bei  Saxo  gr.  p.  75  vor;  im  Norden 
errichtete   man    damit   die  zauberhaft  wirkende  neidstange 


*)  inter  cetera  agrestem  cahallum  aliqaantos  comedere  adjonxisti, 
plerosque  et  dumesticum,  hoc  neqnaquam  fieri  deinceps  sinas.  undc 
hi|irimi8  de  volatilibus,  id  est  gracuUs  et  coroiculis  atque  ciconiis, 
quae  omiiiiio  cavendae  sunt  ab  esn  Ctiribtianorum.  etiam  et  fibri  et 
lepore.s  et  equi  silvatici  niulto  amplius  vitniidi.  Hieronynius  adv.  Jov. 
lib.  2.  (ed.  bahil.  1553.  2,  75):  Sarmatae,  Uiiadi,  Vnndali  et  inuume- 
rabiles  aliae  gentea  et/uorüm  et  vulpium  carnibus  delectaotur. 

**)  auch  in  jener  stelle  vom  Mars  bei  Jomandesi  huio  truncis 
•Qspendehantur  exut'iatf. 


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GOTTESDIENST.   OPFER  29 

(CgOss.  p.  389.)  in  einem  hessischen  kindermärcheh  (no  89) 
lebt  unverstandene  erinnening  an  die  wunderbare  bedeu* 
tung  eines  aufgehängten  p/erdefuiupts  *).  Über  die  nor- 
dischheidnischen pferdeopfer  sind  aber  noch  besonders  -wich- 
tige nachrichten  vorhanden.  In  Olafs  des  heiligen  saga  cap« 
113.  (ed.  höhn.  2,  181.)  heifst  es:  that  fylgdhi  ok  theirri 
©ögn ,  at  thar  veeri  drepit  naut  ok  hross  tii  arbötar-  eine» 
andern  gedenkt  ganz  am  sclilufs  des  Hervararsaga  ein  Zu- 
satz, das  die  vom  christfenthum  abtrünnigen  Schweden  bei 
der  wähl  könig  Sveins  (zweite  hälfte  des  11  jh.)  brachten: 
rar  thd  framleidt  hross  eitt  ä  tlilngit  ok  högg>^it  t  sundr, 
ok  shipt  til  dts^  en  riodliudhu  blijdhinu  bl6ttr^;  kustudhu 
thä  allir  Svtar  kristni  ok  höfust  blöt.  (fornald.  sog.  1,  512). 
Dietmars  von  Merseburg  beschreibung  des  grofsen  nordi- 
schen ,  eigentlich  dänischen,  opferbrauchs ,  der  aber  schon 
hundert  jähre  vor  ihm  erloschen  war,  enthält  offenbar  sa- 
genhaft übertriebene  und  entstellte  vmistände;  er  erzählt 
(W^agner  p.  12.  13):  sed  quia  ego  de  hostüs  (Northman- 
norum)  mira  audivi,  haec  indiscussa  praeterire  nolo.  est 
unus  in  his  partibus  locus,  caput  istius  regni  Lederun  no- 
mine in  pago  qui  Selon**)  dicitur,  ubi  post  noifem  annos 
mense  Januario,  post  hoc  tempus,  quo  nos  theophaniam 
doniini  celebramus,  omnes  convenerunt,  et  ibi  diis  suismet 
LXXXX  et  IX  homines^  et  totidem  equos  y  cum  canibus 
et  gallis  pro  accipitribus  oblatis,  immolant,  pro  certo,  ut 
praedixi,  pulantes,  hos  eisdem  apud  inferos  servituros,  et 
commissa  crimina  apud  eosdem  placaturos.  quam  bene  rcx 
noster  (Heinrich  I.  a.  926)  fecit,  qui  eos  a  tarn  execrando 
ritii  prohibuit.  Neimjährig  wiederkehrende  grofse  festopfer, 
die  eine  beträchtliche  zahl  von  tliieren  kosteten,  Jiaben  nichts 
unglaubliches,  so  gut  der  name  hekatombe  blieb,  wenn 
viel  weniger  thiere  dargebraclit  ^vurden,  darf  auch  hier  die 
sage  sich  an  die  feierliche  zahl  halten ;  den  greuel  des  men- 
schenopfers  fügte  sie  vielleicht  ganz  hinzu,  offenbar  stinimt 
aber  nicht  der  angegebene  gnmd  des  tlüeropfers:  er  ver- 
mischt was  bei  leichbestattungen  \uid  ziu»  sühne  geschah. 
nur  den  leichen  edler,  reicher  männer,  damit  sie  sich  ilirer 
jenseits  bedienen  könnten,  folgten  unfreie,  und  haus-  und 
jagdthiere  in   den   tod.     wären  99  menschen,   wir  wollen 


•)  Gregor.  M.  (epist.  T,  5.)  ermahnt  Bninieliilden ,  bei  den  Fran- 
ken zo  vertiindera:  ut  de  aaimalium  capitibus  sacrificia  sacriiega  nou 
ejüjibeaiit. 

*•)  Selon  far  Selond ,  altn.  Saelundr,  woraus  nacfilier  Sioland,  See- 
land wurde;  L^derün  der  säciis.  dat.  von  L^dera,  altii.  illeithra,  spä- 
ter L^thra,  Leire,  vgl.  gotli.  hleithra  (taberuaculuni.) 


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80  GOTTESDIENST.    OPFER 

ftnnehmen  kriegsgefangne  ^  den  göttem  geopfert  worden,  so 
können  die  angegebnen  tliiere  weder  den  feinden  zum  ge« 
leit,  noch  den  göttern  selbst  bestimmt  ge^yesen  sein,  denen 
man  niemals  pferde  oder  jagdtliiere  in  der  meinung  weihte 
oder  sclilacbtete,  dafs  sie  davon  gebrauch  machen  sollten« 
beziehe  sich  also  das  zweideutige  eisdem  auf  homines  oder 
diis  (wie  hernach  eosdem  nur  auf  letztere  geht),'  immer 
scheint  etwas  unpassendes  behauptet,  ich  glaube,  dafs  an 
den  neujalu*fe8len  von  allen  genannten  opfern  nur  die  der 
rosse  fielen;  menschen,  hunde,  höhne  hat  die  sage  hinzu« 
getlian.  *)  wie  sich  zu  Dietmars  die  erzählung  Adams  von 
dem  upsalischen  opfer  verhalte,  soll  hernach  erwogen  werden. 

Unter  allen  tlüeropfern  war  das  des  pferds  das  vor« 
nehmste  und  feierUchsle,  Unsere  vorfahren  haben  es  mit 
mehreren  slavisclien  und  finnischen  Völkern  gemein,  mit 
Persern  und  Indern,  ihnen  sämtlich  galt  das  pferd  für  ein 
besonders  heiliges  lliier, 

Rinder  geopfert,  jene  stelle  des  Agathias  bezeugt  den 
alamannischen  braucli,  die  aus  der  Olafssaga  den  nordi- 
schen, ein  brief  an  Bonifacius  (ep.  82.  Würdlw.)  erwälmt 
gottloser  priester:  qui  tauros  et  hircos  diis  paganorum  im^ 
molabant.  Von  den  Angeln  versichert  ein  brief  des  Gre- 
gorius  jNI.  ad  JMelütum  (epist.  10,  76  und  in  Bedas  bist, 
eccl.  l,  30):  boves  solent  in  sacrificio  daemonum  muUos 
occidere.  Ich  selze  noch  einige  nordische  beispiele  her. 
als  in  Schweden  unter  könig  Dömaldi  hungersnoth  ent* 
sprimgen  war,  tha  efldho  Sviar  blöt  st«}r  at  Uppsölum, 
it  fyrsta  haust  blötudhu  their  yxnum ,  bei  der  Unzuläng- 
lichkeit des  Opfers  wurde  hernach  stufenweise  zu  höheren 
arten  aufgestiegen.  Yngl.  saga  c.  18.  Thd  gekk  hann  til 
hofs  Freyss,  ok  leiddi  thagat  uxa  gamlan  ok  maelti  svä 
Treyr  nü  gef  ek  ther  uxa  thenna,'  en  uxauum  brä  sva 
vidh ,  at  hann  qvadli .  vidli  ok  feil  nidlu*  daudlu*.  Islend« 
eög.  2,  348.  Bei  feierlichem  Zweikampf  opferte  der  sieger 
einen  stier  mit  den  walfen,  die  eben  den  gegner  erlegt 
hatten:  tha  var  leiddr  fram  grddungr  mikill  ak  gamall^ 
var  that  kallat  bldtnaut,  that  skyldi  sA  höggva  er  sigr 
hefdi.  Egilssaga  p.  506.  vgL  Kormakss.  p.  214.  218.  KU/ie 
geopfert.  Saem.  141*  forum,  sog.  2,  138. 

Eber,    im  salischen  gesetz  tit.  2.  wird  auf  den  Tnaja-^ 


*)  pro  accipitribus  heifst:  In  ermanglungf  der  babichte  wurden 
b^ihae  genommen,  einige  baben  es  so  angeseben,  al«  seien  hnnde  und 
häbne  vergötterten  raubvogeln  dargebracht  worden«  aber  das  pro  läfst 
•ich  nicht  misverstehen. 


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GOTTESDIENST.   OPFER  31 

Ih  Bacrinus  oder  votwus  höhere  composirion  als  auf  je- 
den andern  gelegt,  das  scheint  Überbleibsel  von  alten  opfern 
der  heidnischen  Franken ;  warum  hiefse  es  sonst  sacrivus  ? 
zwar  700  von  600  den.  (17  von  15  sol.)  stehen  nicht  be- 
deutend ab,  allein  solcher  zu  heiligem  gebrauch  ersehnen 
thiere  muTs  es  im  heidenthum  eine  menge  gegeben  haben, 
80  dafs  das  einzelne  in  keinem  hohen  werth  sein  konnte* 
vermutlich  wurden  sie  gleich  nach  der  geburt  ausgesucht, 
gezeichnet  und  bis  zur  opferzeit  mit  äen  übrigen  auferzo- 
gen. In  fränkischen  und  alamannischen  Urkunden  erscheint 
oft  der  ausdruck  Jriscing ,  meist  für  porcellus,  doch  auch 
für  agnus ,  einigemal  mit  der  näheren  bestinunung  porcinus 
und  agninus;  das  wort  selbst  mag  ursprünglich  aussagen 
recens  natus  (frisch  geboren).  *)  heute  lebt  es  nur  im  sinn 
von  porcellus  fort  (friscliling.)  Wie  wäre  nun  erklärbar, 
dafs  dieses  ahd.  Jriscing  geradezu  bei  einigen  Schriftstel- 
lern das  lat.  hostia,  victima,  holocaustum  übersetzt  (N* 
Cap.  8.  ps.  15,  4.  26,  6.  33,  1.  39,  8.  41,  10.  43,  12.22. 
50,  21.  115,  17;  usterfriscing.  ps.  20,  3.  lamp  unkawem* 
mit  kakepan  erdu  friscing.  hymn.  7,  10)  als  aus  der  erin« 
nerung  des  heidenthums?  das  jüdische  pascha  kann  es 
nicht  verursacht  haben,  schon  weil  der  begrif  von  porcel- 
lus vorherschte.  Im  Norden  war  der  dem  Freyr  gebrachte 
«ühneber,  aönargöltr^  ein  feierliches  opfer  und  bis  auf 
jüngere  Zeiten  hat  Schweden  den  gebrauch  forterhalten,  alle 
julabende  brot  oder  kuchen  in  ebersgestalt  zu  verbacken. 

IVidderopJer.  wie  aus  friscing  die  bedeutung  victima 
hcrvorgieng,  scheint  umgekelut  ein  name  des  thieropfers, 
goth.  sdLuths,  den  altn.  des  tlüers  aaudhr  (hammel)  veran- 
kfst  zu  haben,  diese  art  von  opfer  war  also  nicht  selten, 
80  wenig  ihrer  im  einzelnen  gedacht  wird,  vermutlich  als 
eines  geringen  Opfers.  Nur  die  saga  H^onar  göda  cap.  16 
berichtet:  thar  var  oc  drepinn  allskonar  smali  ok  sva 
hross.  smali  bedeutet  hauptsächlich  schafe,  auch  allgemei- 
ner das  kleine  vieh  der  heerde,  gegenüber  den  rindern 
und  pferden.  und  weil  hier  allskonar  (omnis  generis)  bei- 
gefügt wird,  scheinen  bocke  mitbegrifFen.  Geopferter  bö'cie 
gedenkt  die  vorbin  angefulu*te  epist.  Bonif.  82.  Nach 
schwedischem  aberglauben  mufs  dem  Wassergeist,  wer 
harfenspiel  von  ihm  erlernen  wül,  ein  schwarzes  lamm 
opfern  (svenska  folkv.  2,  128.)  Von  ziegeno^^ern  redet 
einmal  Gregor  der  grofse,    die  Langobarden  sollen,   seiner 


•)  Dncange  «.  ?.  Eccard  fr.  or.  3,  6TT.    Dorows  denkro.  1.  2,  ä5. 
Ueonblet  1 ,  32T. 


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82  GOTTESDIENST.   OPFER 

ansieht  nach  dem  teufe! ,  d.  i.  einem  ihrer  götter  caput 
caprae  darbringen,  hoc  ei  per  circuitiun  eurrentes,  carmine 
nefando  dedicantes.  dial.  3,  28.  vor  diesem  (aufgerichteten) 
haupt  der  ziegc  oder  des  bocks?  neigte  sicli  das  volk. 
Bekannt  ist  unter  den  alten  Preussen  die  bocksheiligung 
(Luc.  David  1,  87.  98.)  der  slav.  gott  Triglav  wird  mit 
drei  ziegenhUuptern  vorgestellt  (Hankas  zbjrka  23).  hatte 
uns  doch  Gregor  das  carmen  nefandum  aiifbewalirt. 

Anderer  opferthiere  w^erden  wir  nicht  versichert,  denn 
von  Dietmars  hunden,  habichten  und  hähnen  möchten  fast 
nur  die  letzten  zulässig  sein,  vielleicht  auch  sonst  noch 
efsbares  hausgevögel,  gänse?  liier  mufs  vor  allem  Adams 
von  Bremen  beschreibung  des  grofsen  opfers  zu  Upsala  zur 
Seite  gestellt  werden  jener  nachricht  von  dem  zu  Hlethra 
(ed.  1594.  p.  144.):  solct  quoque  post  novem  annos  com- 
munis omnium  Sveoniae  provincianun  solennitas  celebrari, 
ad  quam  nulli  praestatur  immunitas ;  reges  et  popull , 
omnes  et  singuli  sua  dona  ad  Vbsolam  transmittunt ,  et 
quod  omni  poena  crudelius  est,  illi,  qui  jam  induerunt 
christianitatem ,  ah  Ulis  ceremoniis  se  redimunt.  sacrifi* 
cium  itaque  tale  est:  ex  omni  animante^  quod  niasculi^ 
num  est,  nopem  capita  offeruntur,  quorum  sanguine  deos 
tales  placari  mos  est.  corpora  autem  suspenduntur  in 
luciun,  qui  proximus  est  templo.  is  enim  lucus  tarn  sacer 
est  gentiiibus,  ut  singiilae  arbores  ejus  ex  morte  vel  tabo 
immolatorum  divinae  credantur.  ibi  etiam  canes^  qui  pen- 
dent  cum  hominibus^  quorum  corpora  mixtim  suspensa 
narravit  mihi  quidam  Clu-istianonun  se  septuaginta  duo 
vidisse.  ceterum  naeniae,  quae  in  ejusmodi  ritibus  liba* 
toriis  fieri  solent,  multiplices  sunt  et  inhonestae,  ideoque 
melius  reticendae.  Die  neunzahl  herscht  in  diesem  schwe* 
dischen  opferfest  gerade  wie  in  dem  dänischen,  aber  auch 
hier  ist  alles  sagenmäfsig  aufgefafst.  vnederum  scheinen  die 
o^ierhäupter  das  wesentliche,  nicht  anders  als  bei  Fran* 
ken  und  Langobarden,  dafs  von  jedwedem  lebendigen  ge- 
ediüpfe  nur  das  männliche  gesclüecht  opferbar  ist,  stimmt 
auffallend  zu  einer  episode  des  Reinardus,  der  kein  volles 
jh.  nach  Adam  gedichtet  wurde,  in  seiner  grundlage  ihm 
gleichzeitig  sein  konnte,  zur  hochzeitsfeicr  eines  königs 
sollten  die  männchen  aller  vierfiifsigen  thiere  und  vogel  ^c- 
schlachtet  werden,  der  hahn  \md  gansert  waren  entilohen 
(Reinh.  fuchs  LXXIV.)  es  scheint  mir  eine  uralte  opfersage, 
die  nocli  im  11  und  12  jh.  verbreitet  war.  Die  tüdtung 
eines  männlichen  thiers  von  jeder  gattung  (das  liegt  nicht 
einmal  in  des  Agathias  xal  aXXa  ccTTa  /uvQia)  würde  ein  so 


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GOTTESDIENST.   OPFER  S3 

ungeheures  opfer  bilden  ^  daTs  an  keine  wirkliche  ausfuh« 
rung  je  zu  denken  gewesen  wäre,  es  beruhte  also  nur  in 
der  volksübcrliefening.  JSicht  unälinlich  ist,  wenn  in  der 
edda  die  eide  aller  thiere  und  pflanzen,  und  alle  wesen  zum 
weinen  erfordert  werden.  Soviel  läfst  sich  daraus  entneh* 
Dien,  dafs  das  heidenthum  ausschliefslich  oder  doch  vor- 
zugsweise männliche  opfertliiere  begehrte. 

Nächst  dem  geschlecht  war  gewis  auch  an  der  färbe 
des  thiers  gelegen,  und  unter  allen  die  weifse  die  gün« 
stigste.  Von  weifaen  rossen  ist  vielfach  die'  rede  (Tac. 
Gwm.  10.),  schon  bei  4en  Persern  (Herod.  1,  189.)  auch 
der  opferfriscing  war  vermutlich  fleckenlos  weifs;  noch  in 
spälern  rechtsdenkmälern  ist  die  Unverletzbarkeit  schnee~- 
weifaer  ferkel  ausgesprochen.  *)  Die  Votjaken  opferten 
einen  rothen,  die  Tscheremissen  einen  wei/sen  hengst. 
Da  bei  alten  viehbufsen  des  deutschen  rechts  oft  die  faJile 
färbe  begehrt  vnwde,  **)  so  könnte  darin  Zusammenhang 
mit  den  opfern  statt  finden;  auch  zur  Zauberei  waren 
thiere  bestimmter  färbung  erforderlich,  der  Wassergeist 
beehrte  ein  schwarzes  lamm.  Saxo  gr.  p.  16  sagt:  rem 
divinam  facere  Jurifis  hostiis;  heifst  das  schwarzes  vieh 
opfern? 

Vom  eigentlichen  hergang  bei  diesen  opfern  selbst  ent- 
halten  fast  nur  die  nordischen  quellen  nachricht.  wäh« 
read  das  thier  auf  dem  opferstein  sein  leben  liefs,  vnirde 
alle«  herabrinnende  blut  (altn.  IJaut)  entweder  in  einer 
angebrachten  grübe ,  oder  in  gefäfsen  aufgefangen,  mit  dem 
Opferblut  bestrich  man  die  heiligen  tische  und  geräthe  und 
besprengte  die  theilnehmer.  ***)  walirscheinlich  geschahen 
auch  Weissagungen  aus  dem  blut,  vielleicht  vmrde  ein  theü 
davon  unter  hier  oder  meth  gemischt  und  getrunken.  Im 
Norden  scheinen  die  blutgefal'se  (Jilautbollar y  blutbollar) 
nicht  grofs  zu  sein;  anderswo  gab  es  eigne,  grofsie  kessel. 
den  Schweden  machte  Olafr  Tryggvason  den  vorwarf,  sie 
lälscn  daheim  und  leckten  ihre  opfemäpfe  (at  sitja  heima 
ok  sleikja  bldtbolla  sina)  forum,  sog.  2,  309.  Eines 
opjerkessels  der  Cimbern  gedenkt  Strabo  7,  2.  c&oe  ii 
%i%mv  Klfi^ßQwv  iif^yovwa^  %OLovtov^  oTt  rals  ywat^ly 
avtüv  avargaTsvovaaie ,  Trag^oXci/^ow  fiqoftciv^siQ  i«* 
(eiici   noXi6%QtysS'i    Xiv)isi/lio^£c,   naQTittoirae    ifpanTtdaQ 


0  RA.  5!61.  594.  Ygl.  Virg.  Aen.  8,  82  Candida  enm  foetn  c^n-* 
eolor  albo  ras. 

••)  RA.  587.  66T. . 
***)  saga  USkooar  gdda  cap.  16.    Eyrbyggiataga  p.  10. 

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43  GOTTESDIENST.  OPFER 

isitnenogn^j/nivati  ^lüana  ycdxovv  l'iovüut^  yv/itvoTiotffQ* 
rols  ovv  aiyjitaXwTOig  oiä  rov  öTQccTonidov  avvfjvroyv  |/- 
(pr^QBtQ'  naTaoThpaaai  ^cmiovs  fjyov  inl  nQarrjQa  ;r«P.- 
noifp,  OGOV  ajnqiOQiMP  11x00$'  elyov  8h  dt*<tß<x&Qav  ^  i;v 
^raßäoa  vnBQne^rjg  tov  Xißr^%og  iXcttjLtoro/iat  i'xaorov 
/tietewQta&irTa*  ix  dh  tov  ngoycojiiivov  aV/imroQ  efg  rov 
XQccTfjga,  fiavTBiav  viva  inoiovvto.  Eines  der  Sueven 
die  vita  S.  Columbani:  sunt  etenim  inibi  vicinae  naliones 
Suevorum;  quo  cum  moraretur  et  inter  habitatores  illius 
loci  progrederetur ,  reperit  eos  sacrificium  profanum  litare 
velle,  vasquc  magnum,  quod  vulgo  cupam  vocaut,  quod 
viginti  et  sex  modios  amplius  minusve  capiebat,  cerevisia 
plenum  in  medio  habebant  pbsitum.  ad  quod  vir  dci  ac- 
cessit  et  sciscitatur-,  quid  de  illo  fieri  vellent?  ilH  ajnnt: 
deo  suo  Wodano,  quem  Mercurium  vocant  alii,  se  velle 
litare.  Jonas  bobbiensis  yita  Columb.  (aus  der  ersten  hälfte 
des  7  jh,  Mabillon  ann.  Bened.  2,  26.)  hier  w^ird  aus- 
dräcklich  gesagt,  dafs  der  opferkessel  mit  bier  gefallt^ 
nicht  aber,  dafs  blut  eines  geschlachteten  thiers  darunter 
gemengt  war;  es  könnte,  wenn  die  erzählung  nicht  un- 
volktändig  ist,  ein  blofses  trankopfer  gemeint  sein. 

Gewöhnlich  dienten  die  kessel  zum  kochen  (d.  h.  sie- 
den) des  Opferfleisches  5  nie  wurde  es  gebraten,  ebenso  be- 
schreibt Herodot  4,  61  das  kochen  (ßrpatv)  des  opfers  in 
dem  grofsen  kessel  der  Scythen.  Die  austheihing  der 
stücke  unter  das  volk  besorgte  wahrscheinlich  ein  priester ; 
an  grofsen  festtagen  wurde  die  mahlzeit  *)  gleich  in  der 
Versammlung  gehalten,  bei  andern  gelegenheiten  durfte 
sich  wol  jeder  sein  theil  mit  nach  haus  nehmen.  Dafs  prie- 
ster und  volk  die  speise  genossen  geht  aus  vielen  stellen 
hervor  vgl.  oben  s.  27.  in  die  capitularien  7,  405  ist  aufge- 
nommen was  in  den  epist.  Bonifacii  cap.  25  (a.  732)  von 
dem  presbyter  Jovi  mactans  et  immolatitias  carnes  vc- 
soens  gesagt  wird,  nur  heifst  es  dort:  diis  mactanti  et  im- 
mdatitiis  carnibus  vescenti.  Vermjitlich  war  es  einzelnen 
gestattet,  den  göttern  bei  besonderem  anlafs  kleine  gaben 
darzubringen,  und  einen  tlieil  davon  zu  verzehren;  das 
mannten  die  Christen:  more  gentilitun  oiTerre  et  ad  hono- 
rem daemonum  comedere.  capit.  de  part  Sax.  20. 

Reine  hrennopfer  y  wobei  das  thier  auf  dem  holzstoTs 
in  asche  verwandelt  wurde,   scheinen  ungebräuchlich,     das 


*)  man  speiste  aach  die  krettbruhe  von  dem  gesottenen  und  das 
obenschwimmende  fett  die  Heiden  bieten  ihrem  konig,  der  das  fleisch 
anssclilagt,  an,  drecka  $odit  und  tta  flotit,  saga  Häkonar  gdda  cap.  18. 


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€W)TTBSDIENST.   OPFER  85 

goth.  allbrunats  übersetzt  Marc.  12,  33  mir  das  gr. 
olonavTW/ua,  ebenso  steht  albrandopher  N.  ps.  64,  2, 
und  das  ags.  brynegield  soll  Cädm.  175,  6.  177,  18  ganz 
ein  brandopfer  im  jüdischen  sinn  ausdrücken.  *) 

Auch  keine  rauchopjer  galten;  der  Christen  süTser 
Weihrauch  war  den  Heiden  etwas  neues.  Ulphilas  behält 
das  gr.  th^nniama  bei  Luc.  1 ,  10.  11;  iinser  Weihrauch, 
ahs.  vrtröc  H^L  3,  22,  das  altn.  reykelsi,  dän.  rögebe 
und  nach  dem  christlichen  begrif  gebildet. 

Was  der  mensch  den  göttem  aus  dem  pflanzenreich 
darbringen  kann»  ist  heiterer,  unschuldiger,  aber  auch  min* 
der  bedeutsam  und  kräftig  als  das  tliieropfer.  das  ausströ* 
mende  blut,  das  vergofsene  leben  scheint  mehr  bindende 
und  sühnende  gewalt  auszuüben,  thieropfer  sind  dem 
kriegcr  und  }äger  natürlicli ,  getraide  und  bliunen  wird  erst 
der  ackerbauer  hingeben.  Das  blutige  thieropfer  ist  gesell- 
schaftlicher, allgemeiner,  die  gesamtheit  des  volks  oder  die 
gemeinde  pflegt  es  zu  bringen,  frucht  oder  blumen  darf 
jeder  haushält  und  selbst  der  einzelne  mensch  opfern* 
diese  fruchtopfer  sind  daher  einsamer,  stiller,  ärmlicher; 
die  geschichte  gedenkt  ihrer  kaum,  aber  in  der  yolkssitte 
haben  sie  desto  fester  imd  länger  gehaftet. 

Der  ackermann  läfst,  wenn  er  sein  körn  schneidet, 
dem  gott  der  es  segnete  einen  häufen  ähren  stehen  und 
schmückt  sie  mit  bändem.  merkwürdige  beispiele  dieser 
gewohnheit  lassen  sich  erst  im  verfolg  bei  abhandlung  der 
einzelnen  gottheiten  mittheilen,  es  ist  ein  uralter  und 
▼erbreiteter  gebrauch  den  hausgöttern  bei  festlichen  mahl- 
xeiten  einen  tlieil  der  speise  zurückzustellen.  Hierher  gehört 
auch  das  bekränzen  des  göttcrbikles  oder  eines  heiligen 
baums  mit  laub  oder  blumen ;  in  den  nordischen  sagen  zeigt 
sich  nicht  die  geringste  spur  davon,  ebenso  wenig  in  unsern 
SUesten  Überlieferungen.  Aus  der  späteren  a&eit  und  fort- 
lebender voikssage  kann  ich  einiges  anfüliren.  am  himmel- 
fohrtstage  winden  in  melu*  als  einer  gegend  Deutschlands 
die  mädchen  kränze  aus  weifsen  und  rothen  blumen,  und 
hangen  sie  in  der  stube  oder  im  stall  über  dem  vieh  auf, 
wo  sie  hangen  bleiben ,  bis  sie  das  nächste  jähr  diu*ch  fri* 
sehe  ersetzt  werden.  **)  Im  dorfe  Q^^estenberg  am  harz 
bringen  am  dritten  pfingsttage  die  bursche  eine  eiche  auf 
den  die  ganze  gegend  beherschenden  burgberg,  und  befe-* 
sdgen,  sobald  sie  aufgerichtet  steht,   einen  grofseu   kränz 


*)  paliti  obiet«  Opfer  anzümlen.    konigioh.  hs.  98. 
')  Brtgur  VL  l,  126. 


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m  GOTTESftlENST.   MIliNE 

daran  I  der  von  baumzweigen  geflochten  ist  und  einem 
Wagenrad  gleicht,  alles  ruft:  die  queste  (d.  i.  der  kränz) 
hängt!  und  dann  wird  oben  auf  dem  berge  um  den  bäum 
getanzt,  bäum  und  kränz  aber  jälirlich  erneuert.  *)  Unweit 
dem  hessischen  berge  Meisner  steht  eine  hohe  felsenw^and, 
unter  der  sich  eine  hole  üfnet,  die  den  namen  des  holen 
Steins  führt,  in  diese  hole  tragen  am  zweiten  ostertage 
die  Jünglinge  und  madchen  der  benachbarten  dörfer  blu-- 
mensträujae  uod  schöpfen  sich  dann  külüendes  wasser. 
ohne  blumen  mitzubringen  wagt  es  niemand  liinabzustei- 
gen.  '*'''')  In  allen  diesen  beispielen,  die  sich  durch  manche 
ähnliche  vermehren  lassen  werden,  scheint  eine  heidnisdie 
gewolmheit  auf  christUche  feste  überführt. 

Ich  will  nochmals  auf  jene  erzählimg  des  Jonas  von 
der  alamannischen  bierkuje  zurückkommen  und  sie  mit  ziur 
erklärung  der  heidnischen,  aber  im  christenthmn  lange 
unausgerotteten  gewolmheit  des  minnetrinhena  verwen- 
den« auch  hier  scheinen  name  und  sitte  allen  deutschen 
volksstämmen  gemein. 

Den  Gothcn  hiefs  man  (pl,  munum,  prsßt.  munda) 
ich  denke,  gaman  (pl.  gamunum,  praet.  gamunda)  ich 
gedenke,  erinnere  miclu  die  anomalie  weist  auf  ein  frü- 
heres ]\UN,  das  sich  bisher  noch  in  keinem  goth.  wort 
gezeigt  hat.  ***)  umgekehrt  ist  in  dem  ahd.  die  anomal- 
form erloschen ;  das  abgeleitete  minna  =  minia  mit  der  fort- 
geführten bedeutung  amor,  und  minndnzuzxxnm^TOL  für  amare 
geblieben,  niinnen  heilst  an  sich  nicht  lieben,  sondern  des 
geliebten  gedenken,  in  altn.  spräche  gibt  es  sowol  jenes 
man^  munum<^  als  auch  ein  neutr.  minni  (memoria),  ein 
verbum  minna  (recordari.)  die  M^benbedeutung  amor  hat 
sich  gar  nicht  entwickelt. 

iZinen  abwesenden  oder  verstorbenen  pflegte  man  zn 
ehren,  indem  man  seiner  bei  Versandung  und  mahlzeit 
erwähnte,  und  auf  sein  andenken  einen  becher  leerte,  dieser 
becher,  dieser  trunk  wurde  altn.  wiederum  minni  genannt. 

Bei  festlichen  opfern  und  gelegen  ward  des  gottes, 
oder  der  götter  gedacht  und  minni  getrunken.  minni9 
öl,  minnis  hörn,  minnis  füll.  fCro  minni  mörg  ok  skyldi 
hörn  dreckia  t  minni  hvert.  um  gdlf  gänga  at  minnom 
öllum.  Egilss.  206.  253.  rninniöl  signodk  äsom.  Olafs  helg. 


*)  Otman  volkssag^n  p.  128.  129.  was  Aber  dea  nrsprang  der 
•itte  ersäbit  wird  sdieiot  erdiclitnng. 
**)  Paul  Wigaods  arcliiv  6,  317» 
***)  aber  in  der  lat  redopHcatioa  memin!  rorliegt. 


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GOTTESDIENST.  MINNE  87 

•aga  (ed.  holm,)  113.  Signa  ist  segnen,  weihen,  eigna  füll 
Odni,  Tbör.  saga  Häkonar  g«5cla  cap.  18.  in  der  Her- 
raudhssaga  cap.  11  wird  Thors,  Odins  und  Freyas  minne  ge- 
trunken, dieser  sitte  entsagte  man  nach  der  bekehrung  nicht, 
sondern  trank  nun  Christus,  Marien  und  der  heiligen 
minne,  z.  b«  Krists  minniy  Alicha^is  minrii.  fornm. 
sog.  1,  162. 

Die  andern  stamme  hatten  ebensowenig  davon  abge- 
lassen, und  da  wo  sich  unterdessen  die  bedeutung  de« 
ausdrucks  minne  verändert  hatte,  übersetzte  mau  ihn  auch 
in  das  lat.  amor  statt  memoria,  merkwürdig  schon  bei 
Liutprand  6,  7  diaboli  in  amorem  vinum  bibere;  bei 
Eckehard  (casus  s.  Galli,  Pertz  2,  84)  «mor^que,  ut 
moris  est,  osculato  et  epoto,  laetabundi  discedunt;  im  Perc- 
giinus  (einem  lat.  gedieht  des  13  jh.)  v.  335  (Leyser  2114): 

et  rogat  ut  potent  sanctae  Gertrudis  amore, 

ut  possent  omni  prosperitate  frui. 
poculiun   signare    steht    Walthar.    223,    wie    im   Norden 
Thors  hanunerzeichen ,  wandte  man  das  kreuz  zur  Segnung 
des  bechers  an.     Hagcne  sagt  Nib.  1897,  3: 

nu  trinken  wir  die  minne  unde  gelten  sküneges  wln, 
wo  auch  gelten  an  die  s.  24  beim  opfer  entwickelte  bedeu- 
tung gemahnt  (vgl.  Schm.  2,  40.)  scancten  eine  minne. 
Hofim.  fundgr.  230,  35.  minne  schenken.  Berthold  276. 
277.  was  später  wol  lücfs:  einen  ehren  wein  schenken, 
denn  schon  in  der  älteren  spräche  bezeichnete  Ära,  4re 
höheren  und  geliebten  wesen  erwiesene  Verehrung.  Im 
mittelalter  waren  es  vorzugsweise  zwei  heilige,  denen 
zu  ehre  minne  getnmken  vnirde,  Johannes  (der  evangelist) 
und  Gerdrut.  Johannes  soll  vergifteten  wein  ohne  schaden 
getranken  haben,  der  ihm  geheiligte  trunk  wiederum  alle 
gefahr  der  vergiftimg  abwenden;  Gerdrut  aber  verehrte 
den  Johannes  über  alle  heiligen  imd  darum  vrurde  ihr 
andenken  dem  seinigen  hinzugefügt,  bei  der  minne  pflegten 
besonders  scheidende  und  reisende  zu  trmken,  wie  schon 
die  stelle  bei  Eckehard  lehrt,  ein  älteres  zeugnis  über 
Gertruden  minne  (welche  Johannes  minne  voraussetzt) 
kenne  ich  nicht,  als  das  aus  dem  Peregrinus;  in  späteren 
jhh.  steht  ilirer  eine  menge  zu  gebot,  der  brÄhte  mir  sant 
Johans  segen.  Ls.  3 ,  336.  diz  ist  sancte  Johans  minne, 
cod.  pal.  364,  158.  s.  Johans  segen  trinken«  Anshelm 
3,  416.  *) 

•)  Tliomashifl  de  pocolo  S.  Johaunis  vulgo  Johannistrunk.  Lipi. 
)67S.     Scücffera  Ualtaas  p.  163.     Oberiiu   a.   v.  JohaouU  uinn  uu^i 

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88  GOTTESIMBNST.   MINNE 

Die  Alamannen,  denen  sich  Coliunban  näherte,  tranken 
vermutlich  ff^uotans  minne]  Jonas  erzählt ,  wie  der 
heilige  das  ganze  geßifs  entzweigeblasen  und  ihnen  die 
freude  verdorben  habe:  manifesto  datur  intelligi,  diabolum 
in  eo  vase  fuisse  occultatum,  qui  per  profanum  litatorem 
caperet  animas  sacrificantium.  so  dürfte  man  sich  bei 
Liutprands  teufelj  dessen  minne  getrunken  wird,  einen 
heidnischen  gott  denken.  g^J^  thriggja  sAlda  öl  OdhnL 
fcrnm.  sog.  2,  16;  gefa  Thor  ok  Odhni  67,  ok  eigna 
füll  Asum.  das.  1 ,  280.  drecka  minni  Thors  ok  OdL^s. 
das.  3,  191. 


tnink.  Sclimeller  2,  593.  baoDOv.  mag.  1880,  171  — 176.  Ledebnrs 
arctiiy  2,  189.  über  Gerdnit  zamal  Huyd.  op.  St  2,  343-45.  Clig- 
uetU  bidr.  392—411.  Hoffm.  borae  belg.  2,  41  —  48.  antiqvari«ke 
tDDaler  1,  313. 


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TEMPEL, 


CAP.  IV.    TEMPEL 


Auch  bei  Untersuchungen  über  die  heiligen  wohni^lätze 
der  gütter  isrird  am  sichersten  von  ausdrücken  angehoben, 
die  den  christlichen  benennungen  tempel  oder  kirche  voraus- 
giengen^  und  durch  sie  verdr^gt  wurden. 

Das  goth.  fem.  alhs  überträgt  die  jüdischchristlichen 
begriffe  raos  (Matth.  27,  5.  51.  Marc.  14,  58.  15,29.  Luc 
i,  9.  21.  II  Cor.  6,  16)  und  Uqov  (Marc.  11,  11.  16.  27.  12, 
35.  14,  49.  Luc.  2,  27.  46.  4,  9.  18,  10.  19,  45.  Joh.  f,  14. 
28.  8,  20.  59.  10,  23.)  es  mufs  dem  Gothen  ein  altlieiliges 
yroTi  sein,  weil  es  die  anomalie  ähnlicher  ausdrücke  theiit, 
und  den  gen.  alhs,  den  dat.  alh  statt  alhais,  alhai  bildet, 
ein  einziges  mal  steht  Joh.  18,  20  gudhua  {Ugov*)  warum 
sollte  Uifilas  versclunälien,  das  heidnische  wort  auf  die 
christliche  Sache  anzuwenden,  da  ja  die  auch  heidnischen 
templum  und  vaog  für  den  christlichen  gebrauch  unanstöfsig 
befunden  wurden? 

Dasselbe  wort  erscheint,  glaube  ich,  schon  einmal  bei 
Tacitus  Germ.  43:  apud  Naharvalos  antiquae  religionis  lu- 
CU8  ostenditur.  praesidet  sacerdos  muliebri  ornatu,  sed  deot 
interpretatione  romana  Castorem  Pollucemque  memorant. 
ea  vis  numini,  nomen  jilcis;  nuUa  simulacra,  nullum  pe- 
regrinae  superstitionis  vestigium.  ut  fratres  tarnen ,  ut  juve- 
nes  yenerantur.  alcis  ist  gen.  von  alx  (vrie  falcis,  falx)| 
das  vollkommen  dem  gotlu  alhs  gleicht,  ein  heldcnbrüder« 
paar  wiude,  ohne  bildseulen,  in  heiligem  hain  verehrt,  auf 
sie  kann  der  name  nicht  bezogen  werden,  die  statte  der 
gottheit  hiefs  alx.  das  numen  ist  hier  der  heilige  wald 
oder  ein  darin  ausgezeichneter  bäum  selbst. 

Vier  oder  fünf  Jahrhunderte  nach  Uifilas  mufs  den 
hochdeutschen  stänuuen  entweder  das  woiu  alah  altvaterisch 
heidnisch  geklungen  haben,  oder  jede  abweichung  von  dem 
christlich  lateinischen  Sprachgebrauch  zu  kühn  gewesen  sein, 
die  Übersetzer  des  U.  382.  395,  des  T.  15,  4.  193,  2.  209,  1 
behalten  geflissentlich  tempil,  tempal  bei.  0.  umschreibt 
drulttlnea  hus  IL  4,  52  oder  gotes  häa  IV.  33,  33,  N. 
durchgehends  in  den  ps.  hüs^  daz  lieilega  häs» 

Gleichwol  wissen  wir,  dafs  in  der  ahd.  mundart  der 
ausdruck  alah  vorhanden  war,  er  hat  sich  in  der  Zusammen- 
setzung mit  eigen-  und  Ortsnamen  gesichert:  alaholf,  alahtao, 
alahhilt;  alahgimd,  alahtrüt^  alali^tat  in  pago  liassonuu  (a. 


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40  TEMPEL. 

834)  Schannat  tracL  fuld.  n^  404.  alahdorp  in  Mulahgdw« 
(a.  856)  das.  n9  476.  den  nameu  alaJistat,  alahdorf  kön- 
nen mehrere  örter  gefülirt  haben;  au  denen  sich  ein  heid« 
nischer  tempel,  eine  geheiligte  gerichtsstätte  oder  ein  haus 
des  köuigs  befand,  denn  nicht  blofs  das  fanum,  auch  die 
Volksversammlung  und  die  königliche  wohnimg  galten  für 
geweiht,  oder  in  der  spräche  des  mittelalters  für  fröno, 
jiUtidi,  eine  bei  Dietmar  von  Merseburg  oft  genannte  kö- 
nigspfalz  in  Thüringen  hiefs  ahd.  alahsteti^  nom.  alahstat. 

Unter  den  später  bekehrten  Sachsen  erhielt  sicli  das 
wort  länger  lebendig,  der  dichter  des  H^l.  gebraucht  alah 
(masc.)  gerade  wie  Ulfihis  (3,  20.  22.  6,  2.  14,  9.  32,  14, 
115,9.  15. 129,22. 130, 19. 157, 16.)  daneben,  gleichfalls  mann* 
lieh,  wth  (Uqov)  3,  15.  17.  19.  14,8.  115,4.  119,17.  127,10. 
129,  23.  130,  17.  154,  22.  169,  1.  seltner  godes  hds  115, 
8.  130,  18.  oder  that  li^laga  häs,  3,  19.  Der  dichter 
des  Cädm.  202,  22  alhn  1.  alh  hdligne  (den  heiligen  tempel.) 
258,  1 1  ealhatede  (palatiimi,  aedes  regia.)  *)  im  gedruckten 
ags.  N.  T.  überall  schon  tempeL 

Die  nord.  spräche  entbehrt  den  ausdrudi,  er  würde 
lauten  müssen  alr^  gen.  als. 

Ein  andrer  ist  noch  entschiedner  heidnisch  und  wird 
für  den  gang  unserer  Untersuchung  vorzüglich  wichtig,  das 
ahd.  haruc  (masc,  pl.  harugä)  übersetzt  in  den  glossen 
bald  fa&um,  Hrab.  963**,  bald  delubrum,  Hrab.  959*,  bald 
lucus,  Hrab.  969*,  Jim.  212.  Diut.  1,  495^,  bald  nemus^ 
Diun  1,  492*.  die  letzte  glosse  lautet  vollständig  nemus 
plantavit,  forst  flanzdta,  edo  haruc^  edo  u>th.  es  schliefst 
also  einerseits  den  begrif  von  templum,  fanimi  in  sich,  und 
steht  jenem  alts.  wth  gleich,  andrerseits  den  von  wald,  hain, 
lucus.  in  der  lex  rip.  hat  sich  merkwürdigerweise  hara^ 
hu8  als  benennung  der  mahlst ätte  aufbe^alirt  (RA.  794, 
903,)  sicher  aus  dem  heidenthum  her.  **)  ags.  hearg  (masc 
pl.  heargas)  fanum.  Beda  2,  13.  3,  30.  Oros.  3,  9  (p.  109.) 
altn.  hörgr  (masc,  pl.  liergir)  delubrum,  zuweüen  ido- 
lum,  sinuilacrum,  Srem.  36*42*  91*  114^  141*;  einigemal 
werden    hörgr  und  äo/,   fanum   tectum,   verbimden  (36* 

*)  Tgl.  die  mannsnamen  alcvin,  allimund,  alhbeorht. 
••)  haruc,  hearg,  hörgr  mit  hercynia  sÜva  uod  ufjHvvioq  «f^v^oc 
sa  vergleichen  liindert  suwol  daä  ableitende  -i'»',  aU  die  bedeatuni^, 
ein  barugtn^r  walt  würde  kaum  gesagt  worden  sein  und  wäre  pleouas- 
mui.  mir  scheint  tiercynius  das  ahd.  erchan  (genninns,  sanctus)  gramtn* 
2,  161.  629,  mit  wekheni  sehr  viele  alte  eigennamen  zusammengesetzt 
sind ,  die  oft  auf  H  anlauten ,  z.  b.  Erchenold  und  Üercbenold,  gerade 
vi«  TacitU4- liermunduri  schreibt  f&r  Ermaadcri. 


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TEMPEL  41 

141«),  dann  scheint  hörgr  der  heilige  ort  in  wald  und  feb, 
hoj  der  gebaute  tempel,  aula ,  vgl.  hamr  ok  hörgr  (fomm« 
•ög.  Sj  239.)  hof  entspräche  Jenem  alha^  alah.  beiden  aus« 
drücken  stände  sowol  der  örtliche  begrif  zu,  als  auch  der 
des  numen  und  des  bildes  selbst.  Unverwandt  scheint 
das  altlat.  haruga^  aruga^  opferstier  ^  woher  haruspeX| 
aruspex. 

Synonym  mit  haruc  ist  endlich  das  ahd.  paro  (gen. 
parawes)  ags.  bearo  (gen.  bearves)  welche  lucus  und  ar- 
bor  ausdrücken,  heiliger  hain  oder  bäum.  altn.  barr 
(arbor)  Saem.  109*  barri  (nemus)  Saem.  86^  87*5  qui  ad 
aras  sacrificat,  de  za  demo  parawe  ploazit.  Diut.1,  150; 
ara  oder  der  pL  arae  steht  hier  für  templum. 

Tempel  ist  also  zugleich  wald.  was  wir  uns  als  gebau« 
tes,  gemauertes  haus  denken,  löst  sich  auf,  je  früher  zurück 
gegangen  wird,  in  den  begrif  einer  von  menschenhänden 
unberührten,  durch  selbstgewachsne  bäume  gehegten  und 
eingefriedigten  heiligen  statte,  da  wohnt  die  gottheit  und 
birgt  ihr  bild  in  rauschenden  blättern  der  zvreige. 

Was  ein  Schriftsteller  des  zweiten  Jahrhunderts  vom 
cultus  der  Gelten  sagt,  kann  auf  die  deutschen  und  alle 
urverwandten  Völker  angewendet  werden:  KeXrol  aißovat 
fdr  Jia^  äyaXjtta  dh  Jiog  %eXi;i%ov  vxIrrjXf^  Öqvq.  Maxi- 
mus  T]rrius  (diss.  8.  ed.  Reiske  1 ,  142.) 

Damit  behaupte  ich  nicht,  dafs  diese  waldverehrung 
alle  Vorstellungen,  die  sich  unsere  vorfahren  von  der  gott- 
heit und  ihrem  aufenthalt  machten,  erschöpfe,  es  war  nur 
die  herschende,  hauptsächlichste.  Einzelne  götter  mögen 
auf  berggipfeln,  in  felsenhölen,  in  Aussen  hausen,  aber  der 
feierliche,  allgemeine  gottesdienst  des  volks  hat  seinen  sitz 
im  /uiiri)  nirgends  hätte  er  einen  würdigem  aufschlagen 
können. 

Zu  einer  zeit,  wo  erst  rohe  anfange  der  baukunst 
statt  fanden,  mufs  das  menschliche  gemüt  durch  den 
anblick  hoher  bäiune,  unter  freiem  himmel,  zu  gröfserer 
andacht  erhoben  worden  sein,  als  es  innerhalb  der  klein« 
liehen  von  unmächtiger  band  hervorgebrachten  räume  em- 
pfunden hätte.  Die  lang  nachher  eingetretene  Vollendung 
eigentliümlich  deutscher  architectur  hat  sie  in  ihren  külm- 
sten  Schöpfungen  nicht  eben  gesucht,  die  aufstrebenden 
bäume  des  waldes  nachzuahmen?  wie  weit  hätte  die 
unform  ärmlich  geschnitzter  oder  gemeifselter  bilder  von 
der  gestalt  des  gottcs  abgestanden,  den  die  kindliche  ein- 
bildungskraft  der  vorzcit  sich  auf  dem  belaubten  wipfel 
eines  heiligen  baumes  thronend  vorstellte.    In  dem  wehen, 


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48  TEMPEL.    HAINE 

unter  dem  schatten  *)  uralter  wälder  fühlte  eich  die  eeele  de« 
menschen  von  der  nihe  waltender  gottheiten  erfüllt ;  welchen 
Riefen  einflufs  das  waldleben  von  jeher  auf  alle  Verhältnisse 
unseres  volks  hatte^  bewähren  die  markgenossenschaften. 

Die  ältesten  Zeugnisse  für  den  waldcultus  der  Deutschen 
legt  Tacitus  ab.  Germ.  9 :  ceterum  nee  cohibere  parietibus 
deos,  neque  in  uUam  hiunani  oris  spcciem  adsimulare  ex  ma- 
gnitudine  coelestium  arbitrantur.  lucos  ac  nemora  conse^ 
crQnty  deorumque  nominibus  adpellant  secretum  illud ,  quod 
sola  reverentia  vident.**)  Germ.  39 :  von  den  Semnonen :  stato 
tempore  in  siluam  auguriis  patrum  et  prisca  Jormidlne 
sacram  **'*')  omnes  ejusdem  sanguinis  populi  legationibus 
coeunt.  est  et  alia  luco  reverentia.  nemo  nisi  vinculo  li- 
gatus  ingreditur^  ut  minor  et  potestatem  numinis  prae  se 
ferens.  si  forte  prolapsus  est,  attolU  et  insiu^gere  liaud  11- 
citum:  per  humum  evolvuntur.  ****)  cap.  40.  est  in  insula 
oceani  castum  nemus^  dicatumque  in  eo  vehiculum  veste 
contectum.  cap.  43 :  apud  Naharvalos  antiquae  religionis 
lucus  ostenditiir  •  •  •  nimiini  nomen  alcis ,  nulla  simula« 
cra.  <:ap.  7 :  effigies  et  signa  (d.  i.  effigiata  signa)  quaedam 
detractae  lucis  in  proelium  ferunt,  womit  hist.  4,  22  ver- 
bunden werden  mufs:  iude  depromptae  siluis  lucisqixe 
ferarum  imagines,  ut  cuique  genti  inire  proelium  mos  est. 
ann.  2,  12:  Caesar  transgressus  Visurgim  indicio  perfugae 
cognoscit  delecLum  ab  Armiiüo  locum  pugnae,  couvenisse 
et  alias  nationes  in  silvam  Herculi  sacram*  ann.  4,  73: 
mox  conpertum  a  transfugis,  uongentos  Romanorum  apud 
lucum,  quem  Baduheunae  vocant,  pugna  in  posterum 
extracta  confectos,  wiewol  nicht  hervorgeht,  dafs  dieser 
hain   ein  geheiligter  war.  f)     ann.,  1,  61:  lucis  propinquis 


*)  Waldes  hleo^  hlea  (nmbra,  urobraculum)  H4I.  33,  22.  73,  23. 
«gg.  hleo  >  altn.  hlie ,  tnhd.  lie  >  liet4^e. 

**)  aufgenommen  hat  die  ganze  stelle,  mit  einigen  Teranderangen, 
Ruodolf  von  Fuld  (f  863)  in  ieine  scbrift  de  translatione  Alezaadn 
(Pertz  2,  675.),  vielleicht  mittelbar  anderswoher. 

***)  den  hexameter  entlehnte  er  nicht,  er  schrieb  ihn  selbst. 
**'*)  wer  in  heiliger  sache  begriffen  ist,  in  gegenwart  und  auf  dem 
gebiet  des  gottes  steht,  der  soll  nicht  straucheln,  und  wird,  wenn  er 
au  boden  sinkt,  seines  rechts  verlustig.  So  darfein  im  heiligen  kämpf 
«a  boden  fallender  sich  niclit  auf  die  fufse  erheben,  sondern  muf« 
kniend  das  gefecht  beenden,  danske  vi&er  1,  115.  So  darf  an  ge- 
wissen orten  der  umfallende  wagen  des  fremdlings  niclit  wieder  aufge- 
richtet werden.  RA.  554.  AVas  von  einem  abgott  Sompar  bei  Gör- 
litz gefabelt  wird  (neue  lausitz.  mouatsschrid  1805.  p.  1^-18)  i«t 
deutlich  aus  unserer  stelle  des  Tac.  hergeholt 

t)  baduhennft  vielleicht  ortsname^  wie  ardueiina. 


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TEMPEL.     HAINE  4S 

bar6arae  araey  apud  qua«  trlbuno8  • . .  mactayerant,  vgl*  2, 
25 :  propiuquo  luco  defossam  varianae  legionis  aquilam  mo- 
dico  praesidio  servari.  hist.  4,  14:  Civilis  primores  gen- 
tis  •  •  •  aacrum  m  nemua  vocatos.  hierzu  mag  gleich  noch 
eine  stelle  des  späteren  Ciaudians  gefügt  werden  (cons. 
StiHch.  1,  288): 

ut  procul  hercyniae  per  vasta  silentia  silvae 

venari  tuto  liceat,  /oco^que  vetusta 

religione  truces,   et  robora  numinia  instar  . 

harbarici  nostrae  feriant  impune  bipeanes. 
Hier  v?ird  keine  blolse  naturverehrung  angekündigt«  Göt» 
ter^vrohnen  in  diesen  hainen,  namentlich  genannte  bilder 
(simulacra,  nach  menschengestalt)  sind  nicht  aufgestellt^  kein^ 
tempelwände  aufgeführt.  *)  aber  heiliges  geräthe ,  altäre 
stehen  in  dem  wald,  thierhäupter  (ferarum  imagines)  hän^ 
gen  an  baumästen.**)  davrird  gottesdienst  gehalten  und  opfer 
gebracht,  da  ist  volksversammlimg  und  gericht.  überall  hei^ 
lige  ehrfurcht  und  erinnerung  des  alterthums.  sind  uns  hier 
nicht  aldh,  paro^  liaruc  getreu  beschrieben?  wie  hätten 
solche  technische  ausdrücke ,  bep^ögen  sie  sich  nicht  auf  ge« 
regelten  von  priestern  geleiteten  volkscultus,  in  der  spräche 
entspringen  und  fortdauern  können? 

Durch  lange  Jahrhunderte  und  bis  ziu^  einfüluimg  des 
christenthums  lüelt  der  gebrauch  an,  die  gottlieit  in  heüi- 
gen  Wäldern  imd  bäumen  zu  verehren. 

Ich  lasse  die  umständliche  nachricht  folgen,  welche  Wi- 
libald  (t  786)  in  vita  Bonifacü  (Canisius  II.  1,  242.  f  ertz  2, 
343)  von  der  heiligen  eiche  beiGeismar  (an  der  Edder,  unweit 
Fritzlar  in  Hessen)  ertheilt.  ***)  das  ereignis  fällt  zwischen  die 
)alire  725  und  731.  Is  autem  (Bonifacius)  .  •  •  ad  obsessas  ante 
ea  Hessorum  metas  cum  consensu  Carli  ducis  (d.  i.  Carl  IVIar« 
tells)  redüt.  cum  vero  Hessorum  jam  multi  catholica  fide  subditi 
ac  septiformls  Spiritus  gratia  confirmati  manus  imposiiionem 
acceperunt,  et  alii  quidem,  nondum  animo  confortati,  inte- 
jueratae  fidei  documenta  integie  percipere  renuerunt,   alii 


*)  Brissonius  de  re^o  Pers.  2,  28:  Penae  diis  suis  nnlla  templa 
Tel  altaria  constituunt,  nulla  simulacra.    nach  Herodot  1,  181. 

**)  von  dem  aafhängen  der  pferdebäupter  vorhin  s.  28;  das  ed- 
dbcbe  GriiDDUindl  10  erzahlt,  dafs  in  Odhins  wohnung  ein  wolf  vor 
der  thür  (fyri  vestan  ilyr)  hange  und  darftber  ein  adler.  waren  das 
«ifnulacra  und  insignia?  nach  Witechind  von  Corvei  errichteten  die 
opfernden  Sachsen  einen  adler  über  dem  thor:  ad  orieutalem  portam 
ponunt  aquilam^  aramque  victoriae  construentes ,  dieser  adler  scheint 
ihr  zeichen. 

***)  l^ürzere  nachricht  daron  beim  aoaalista  Saxo  p.  133. 


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44  TEMPEL.    BAINE 

tetlam  liiiguis  et  faucibtid  clanculo,  alii  rero  aperte  aacri-* 
ficahant^  idii  vero  auspicia  et  divinatioiies,  praestigia  at- 
que  incantationes  occulte,  alii  quidem  manifeste  exercebant, 
alii  quippG  auspicia  et  aiigiiria  intendebant ,  dlvcrsodque 
sacripcandi  ritua  incoluei-unt ,  alii  etiam,  quibus  mens 
eauior  inerat,  omni  abjecta  geiitUitatis  proplianatione  nihil 
Lorum  commiserunt,  quorum  consultu  atque  consüio  arbo* 
rem  quaudam  mirae  niagnitudinis  ^  quae  prisco  lyaga-- 
norutn  ^ocahulo  appellatur  robur  Joi^is,  in  loco,  qui  dicitur 
Gaesmere,  servis  dei  secum  astantibus,  succidere  tentavit. 
cumque  mentis  constantia  conforlatus  arborem  succidisset, 
magna  qiiippe  aderat  copia^  paganonun,  qui  et  inimi^um 
deorum  suorum  intra  se  diligentissime  devotabant,  sed  ad 
modicum  quidem  arbore  praecisa  confestim  immensa  robo^ 
ris  moles^  divino  desuper  flatu  exagitata,  palmitum  con- 
fracto  culmine,  comiit,  et  quasi  supemi  nutus  solatlo  in 
quatuor  etiam  partes  disrupta  est,  et  quatuor  in  gentia 
magnitudinis  aequali  longitudine  trunci,  absque  fratrum 
labore  astantium,  apparuerunt.  quo  viso  prius  devotantea 
pagani  etiam  versa  vice  benedictionem  domino  pristina  ab- 
|ccta  malediclione  credentes  reddiderunt.  Tunc  autem 
aummae  sanctitatis  antistes  consilio  inito  cum  fratrlbus  ex 
supradictae  arboris  materia  *)  oratoriiun  construxit,  eam- 
que  (die  materies?  oder  den  bäum?  besser  seidene  id,  auf 
Oratorium  bezogen,  auch  hat  Pertz  iilud)  in  honorem  s, 
Petri  apostoli  dedicavit.  Seitdem  hatte  an  diesem  ort  das 
christenthum  in  Hessen  seinen  platz;  dicht  dabei  war  von 
jeher  hauptsitz  des  volks  (INIattium,  id  genti  caput.  Tac, 
ann.  1,  56)  und  noch  im  mittelalter  seine  vornehmste  mahl- 
Stätte,     die  ganze  gegend  ist  vraldreich. 

Nicht  unähnlich  sind  einige  in  der  vita  S.  Amandi 
(f  674)  über  den  wald  und  baiuncultus  der  nördlichen 
Franken  enthaltene  stellen  (acta  Bened.  sec.  2.  p.  714.  715. 
718):  Amandus  audivit  pagum  esse,  cui  vocabülum  6an- 
davum,  cujus  loci  habitatores  iniquitas  diaboli  eo  circumqua- 
que  laqueis  vehementer  irretivit,  ut  incolae  terrae  illius^ 
relicto  deo,  arbores  et  ligna  pro  deo  colerent,  atque 
fana  vel  idola  adorarent.  —  ubi  Jana  destruebantur, 
statiin  monasteria  aut  ecdesias  construebat.  —  Amandus 
in  pago  belvacense  verbum  domini  diun  praedicarel,  per- 
Teuit   ad   quendam    lociun^    cui    vocabülum    est   Rossonto 


*)  andere  bss.  mole  uad  mefallo;  ein  ehernes  bild  auf  der  eiche 
iat  hier  nicht  nnzuoeboien,  weil  das  im  vorausgehenden,  oder  im  gleich* 
folgeudco  genauer  ausgedrückt  sein  würde. 


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TEMPEL.     HAINE  4$ 

juxta  Aronnam  fluvlujn  •  •  •  •  respondit  illa,  quod  non  ob 
aliam  causam  ei  ipsa  coecitas  eyenisset,  nisi  quod  auguria 
vel  idola  semper  coluerat.  insuper  ostendit  ei  locum,  ia 
quo  praedictuin  idolum  adorare  consueverat^  scilicet  arbo'^ 
rem^  quae  erat  daemoni  dedicata  .  .  .  *nunc  igitur  ac- 
cipe  securim  et  Lanc  nefandam  arborem  quantocius  suc- 
cidere  festina'. 

Unter  dan  Sachsen  und  Friesen  währte  die  Verehrung 
der  haine  weit  länger  fort,  im  beginn  des  eilften  jh.  lj££i 
bischof  Unwan  von  Bremen  bei  abgelegnen  bewohnern 
seines  sprengeis  solche  wälder  ausrotten:  lucoa  in  episco- 
patu  suo,  in  quibus  paludicolae  regionis  illius  errore  veteri 
cum  professione  falsa  christianitatis  immolabant^  succidit. 
(vita  Meinwerci  cap.  22.)  von  dem  heiligen  bäum  der  alt- 
8ächsi«chen  Irniinsul  wird  das  sechste  cap.  liandeln.  In 
verschiednen  strichen  JSiedersachsens  und  Westphalens  ha- 
ben sich  bis  auf  die  neuste  zeit  spinnen  heiliger  eichen 
erhalten,  denen  das  volk  einen  halb  heidnischen,  halb 
Ghristlicheu  dienst  bewies:  im  fürstenthum  IMinden  pfleg- 
ten die  jungen  leute  beiderlei  geschlechts  am  ersten  ostcr- 
tage,  unter  lautem  freudengeschrei,  rcigen  um  eine  alte^ 
eiche  zu  halten.  *)  Unweit  dem  paderbornischen  dorfe 
^Wormeln  im  gehülz  steht  eine  heilige  eiche  ^  zu  welcher 
noch  jährlich  die  einwohner  von  Wormeln  und  Calenberg 
feierlich  ziehen.**) 

Ich  bin  geneigt,  die  fast  überall  in  Deutschland  er- 
scheinende örtliche  benennung  heiliger  wälder  auf  das 
beidenthum  zurückzuführen ;  nach  christlichen  kirchen,  die 
im  walde  angelegt  waren,  würde  man  schwerlich  den  wald 
beilig  genannt  haben,  und  gewöhiüich  findet  sich  in  solchen 
"Wäldern  gar  keine  kirche.  noch  weniger  läfst  sich  der 
name  aus  den  königlichen  bannwäldern  des  mittelalters 
erklären,  umgekelu-t  scheinen  die  bannwälder  selbst  aus 
heidnischen  hainen  hervorgegangen  und  das  recht  des  königs 
an  die  stelle  des  cultus  getreten,  der  den  heiligen  wald 
der  benutzung  und  gemeinschaft  des  volks  entzog. 

Eine  alte  aufzeichnung  von  einem  treffen  der  Franken 
und  Sachsen  bei  Notteln  im  j.  779  (Pertz  2,  377)  berichtet, 
dafs  sich  ein  schwerverwundeter  Sachse  heimlich  aus  sei- 
ner bürg  in  einen  heiligen  wald  habe  tragen  lassen:  hie 
vero  (Luibertus)  magno  cum  merore  se  in  castrum  recepit* 
ex  quo  post  aliquot  dies  mulier  egrotum  humeris  dam  in 


•)    Weddigens  westph.  mag.  3,  712. 
**)   Spilckers  beitrage  2,  121. 


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4<  TBMPEb.    HAINE 

tylpam  Sytheri,  auae  fuit  tTiegathon  aacra^  nocte  por- 
tavit.  vulnera  ibidem  lavans  exterrita  damore  effugit.  ubi 
multa  lainentatione  aniinam  expiravit.  der  seltsame  aus- 
druck  thegathon  erläutert  sich  aus  dem  Tciya&ov^  einer 
bcnennuug  der  höchsten  gottheit  (summus  et  princeps 
omnium  deorum)^  die  der  aufzeichner  aus  Macrobs  somn* 
8cip.  1,  2  entlehnte 9  vielleicht  absichtlich  wählte,  um  den 
bekannten  heidnischen  gott  zu  verschweigen?  Sytheri,  der 
name  des  waldes  selbst  scheint  "was  sonst  Sunderi  (der 
südliche),  vsde  in  mehrern  gegenden  vrälder  heifsen.  an 
der  heiligen  statte  holte  der  Heide  heiiung?  oder  vrollte 
er  da  sterben? 

Des  waldes  genannt  dat  hillige  Jwlt  gedenkt  eine 
urk.  bei  Kindlinger  münst.  beitr.  3,  638 ;  eine  ganze  reihe 
elsassischer  Urkunden  bei  Schöpflin  des  heiligen  Forstes  un- 
weit Hagenau:  n^  218  a.  1065  ciun  foresto  heiligenfor$t 
nominato  in  comitatu  Gerhardi  c<Muitis  in  pago  Nortcowe; 
no  238  a.  1106.  in  sylva  heiligeforst\  n«  273  a.  1143, 
praediiun  Loubach  in  aacro  nemore  situm:  n^'  297  a« 
1158  utantur  pascuis  in  aacra  ailva\  n«  317  a.  1175  in 
ailva  aacra;  n9  402  a.  1215  in  aacra  silva;  nP  800  a. 
1292  conventum  in  königesbrücken  in  Jieiligenforat ;  n® 
829  a«  1304  nemus  nostrum  et  imperii  dictum  heiligvorst^ 
n^  851  a«  1310  pecora  in  foresta  nostra,  quae  dicitur  der 
heilige  forste  pascere  et  teuere;  n®  1076  a.  1356.  porcos 
tempore  glandium  nutriendos  in  aili^a  aacra.  Schon  die 
wechselnden  werter  forst,  silva,  nemus  zeigen  des  namens 
bedeutsamkeit. 

Merkwürdig  ist  die  ausdrückliche  beziehung  auf  Thü- 
ringen und  Sachsen  in  folgender  stelle  eines  gedichts,  das 
bald  nach  beginn  des  13  jh.  verfafst  worden  zu  sein  scheint 
(Reinh.  F.  302);  der  wolf  erblickt  eine  geifs  auf  einem 
bäum  und  ruft  aus: 

ich  sihe   ein   obez   hangen, 

ez   habe  hdr  ode  börste, 

in  einem  heiligen  vorate 

ze  Düringen  noch  ze  Sahsen 

enkunde   niht  gewahsen 

bezzer  obez  üf  rise. 
gemeint  sind  doch  wol  opferthiere,  die  im  heiligen  wald 
an  den  bäumen  aufgehängt  werden?  entweder  beruht  die 
erzählung  auf  älterer  grundlage ,  oder  zu  des  dichters  obren 
war  noch  irgendwoher  künde  von  heidnischen  opfern  der 
Sachsen  und  Thüringer  gelangt? 


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TEMPEL,    HÄINB  47 

Auch  in  andern  gedichten  des  mittelalters  gcscbiebt 
hin  und  wieder,  wenn  auch  nicht  der  opfer,  die  heiligen 
bäumen  gebracht  werden,  docli  einer  fortdauernden,  un* 
vertilgten  scheu  erwähnung,  und  des  wahns,  dal's  auf  ein- 
xelnen  bäumen  geisterhafte  wesen  hausen.  So  ist  Ls.  2, 
575  das  Unglück,  gleich  einem  Dämon,  auf  einem  bäum 
gesessen^  und  Aw.  3,  161  heilst  es  von  einem  holen  bäum: 
dd  sint  heiligen  inne, 
die  hoerent  aller  Hute  bet,  *) 

Noch  unverkennbarer  waltet,  durch  längeres  heiden- 
thom  geschützt,  jener  waldcultus  im  Norden,  das  grofse 
von  Dietmar  (s.  29.)  bescliriebene  opfer  zu  L^dera  wurde 
auf  der  insel  gehalten,  die  von  ihren  selbst  heute  prächti- 
gen buchenwäldern  den  namen  Saslundr  führte  und  der 
schönste  hain  in  ganz  Scandinavien  war.  Ebenso  feierten 
die  Schweden  ihr  opferfest  in  einem  hain  bei  Upsala, 
Adam  von  Bremen  sagt  von  den  geopferten  thieren:  Cor- 
pora suspenduntur  in  lucum,  qui  proximus  est  templo; 
is  enim  lucus  tarn  sacer  est  gentibus ,  ut  singulae  arbores 
ejus  ex  morte  vel  tabo  immolatorum  dwinae  credantun 
Von  lllüdver  Heidhrekssohn  heifst  es  in  der  HerVararsaga 
cap.  16  (fornald.  sog.  1,  491),  dafs  er  in  heil^em  walde 
(4  mörk  liinni  helgu)  geboren  sei.  In  Glasisfimdr ,  dem 
hain,  sitzt  auf  deh  baumästen  ein  vogel  imd  fordert  opfer^ 
einen  tempel  und  goldgehörnte  kühe.  Sfcm.  140.  141.  an 
die  heiligen  bäume  des  edda,  Yggdrasil  und  Mtmameidhr 
8«m.  109*  braucht  kaum  erinnert  zu  werden. 

Endlich  wirft  die  einstimmung  des  slavischen,  preussi- 
tchen,  finnischen  und  cel tischen  heidenthums  licht  auf  unser 
einheimisches,  und  gereicht  zu  seiner  bestätigung«  Dietmar 
von  Merseb.  p.  151  versichert  von  dem  heidnischen  tempel 
cu  Riedegost:  quam  undique  ayli^a^  ab  incolls  intacta  et 
venerabilis^  circumdat  magna;  p.  160  erzählt  er,  dafs 
Wigbert,  sein  vorfahre,  etwa  ums  jähr  1000  einen  hain 
der  Slaven  ausrottete:  lucum,  Zutibure  dictum,  ab  accolis 
ut  deum  in  omnibus   honoratum,    et   ab  aevo   antiquo 


*)  es  verdieoC  anfmerksamkeit,  dafs  aabh  in  christliche  legenden 
^e  hetdulsche  idee  von  götterbiidern  auf  bäomen  eiogegaDgen  ist;  §9 
tief^  wurzelte  unter  dem  volk  der  banmcultus.  ich  verweise  auf  die 
enahluog  von  dem  tiroler  gnadenbild ,  das  In  einem  banm  des  waldes 
iaiwucbs  (deutsche  sagen  no  348.)  Nicht  unverwandt  scheint  die  vor- 
itelloag  von  wunderbaren  Jungfrauen,  die  in  holen  baomen  oder  anf 
bäumen  im  walde  sitzen  (Marienkind,  hansmärchen  no  3.  romance  do 
la  iafantina  p.  259. 


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48  TEMPEL.    HAINE 

nunquam  piölatum  radidtus  eruens  sancto  martyri  Ro- 
mano in  eo  ecclesiam  construxit.  eines  blötlundr  (opfer- 
hains)  bei  Stra^la^  namens  Böku^  gedenkt  eine  altn.  sage 
(fornm*  sog.  11,  382);  Helmold  1,  1  von  den  Slavto : 
usque  liodie  profecto  inier  illos,  cum  cetera  omnia  commu- 
nia  sint  cum  nostris,  solus  prohibetur  accessus  lucorum 
ac  fontium,  quos  autumant  poUui  Christianorum  accessu« 
ein  lied  der  königinhofer  lis.  p,  72  erwähnt  den  hain 
(bülim.  hai,  liag,  poln.  gay,  sloven.  gaj,  vgl.  gaius,  gaha« 
jus.  lex  Roth.  324.  kaheius.  lex  bajuv.  21,  6),  aus  dem 
die  Chi'istcn  den  heiligen  sperber  verscheuchten.*)  Den 
Ehsten  lieifst  salloy  den  Finnen  sah,  ein  heiliger  w^ald, 
ziunal  eine  dichtbelaubte  insel;  von  Tharapita,  ilirem  got^ 
meldet  Heinrich  der  Lette  (ad.  a.  1219):  in  confinio  Wiro- 
niae  erat  mons  et  silua  pulcherrima ,  in  quo  dicebant  in- 
digenae  magnum  deum  Osiliensium  natum  qui  Tharapita**) 
vocatur,  et  de  loco  illo  in  Osiliam  volasse  (in  gestalt  eines 
Vogels?)  Bei  den  Altprcussen  war  Romowe  der  heiligste 
ort  des  landes  und  ein  sitz  der  götter,  auf  einer  heiligen 
eiche,  mit  tüchern  verhängt,  standen  da  ihre  bilder.  kei- 
nes ungeweihten  fufs  durfte  den  wald  betreten,  kein  bäum 
darin  gefällt,  kein  zweig  versehrt,  kein  tliier  erlegt  werden. 
solcher  heiligen  haine  gab  es  in  Freussen  und  Litthauen 
viele  an  andern  orten.***) 

Die  von  Constantius  bereits  um  473  geschriebne  vita 
8.  Germani  autissiodorensis « (gb.  378  +  448)  enthält  merk* 
würdige  naclirichten  von  einem  heidnisch  verehrten  6/r/i- 
haum^  der  mitten  in  Auxerre  stand.  ****)  da  die  Burgun- 
den  erst  zu  anfang  des  fünften  }h.  in  GaUien  eindrangen,  so 
Wäre  dabei  einmischung  deutscher  Überlieferung  unwahr- 
scheinlich, aber  auch,  wenn  die  sage  als  celtisch  zu  be- 
trachten ist,  verdient  sie  hier  eine  stelle,  weil  sie  die  Ver- 
breitung der  sitte,  häupter  der  opfertliicre  an  bäumen  auf- 
zuhängen ,  darthut.  *****)  Eo  tempore  (noch  vor  400)  terri- 
torium  autisiodorensis  urbis  visitatione  propria  gubernabat 
Germanus,  cui  mos  erat  tirunculorum  potius  industrüs  in- 
dulgere^    quam  christianae   religioni  operam  dai*e.     is  ergo 

*)   BrzetislaT  verbrannte  der  Böhmen  heidnische  haim  und  häutM 
(a.  1093.)   Peteel  1 ,  76. 

••)   vgl.  Turupid  fornm.  soj^.  11,  985. 
•*•)   Job.  Voigt«  gcsch.  Preusscns  1 ,  595  -  69T. 
****)  actasanctor.  bolland.  31  Jul.  p.  202.  v^l.  legenda  anrea  cap.  109. 
*****)  hnic  (Marti)  praedae  primordia  vovebantar,  huic  trumdt  suMptn^ 
dßbaniur  exut'iite,   Joroandes  p.  86. 


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TEMPEL.    HAIME.  49 

assldue    venatiii   Invigilans    feranim   coplam    insidüs    atque 
artis  strenuitate  frequentissime  capiebat.    Erat  autem  aroor 
pirus  in    urbe  media ,    dmoenitate   gratissima :    ad  cujus 
ramusculos  ferarum    ab    eo    deprehensaruin  capita  pro 
admiratione  venationis    nimiae   dependebant.      Quem  cele- 
bris  ejusdem  civitatis  Amator  episcopus    bis  frequens  com- 
pellebat   eloqiüis :    'des ine ,  quaeso ,   vir  iiouoratonim  splen- 
didissime,  liaec  joculaiia,  qiiae  Cbristiaiiis  offeusa,  Paganis 
vero  iinitanda  sunt,    excrcere.     boc  opus  idoloUttriae  cul- 
turae  est,    non    cbristianae    elegantissimae  disciplinae.'     Et 
licet  boc   indesinenter  vir    deo    dignus    peragerct,    ille    ta- 
rnen nullo  modo  admonenti   se   adqniescere  voluit  aut  obe- 
dire.    vir  autem  domini  iterum  atque  iterum  eiun  hortabatur, 
ut  non  solum  a  consuetudine   male  arrepta  discederet,    ve- 
rum etiam  et  ipsam  arborerriy  ne  Cbristiaiiis  offendiculum 
esset,  radicitus  extirparet.     sed  ille  mdlatenus  aurem  placi- 
dam  applicare  voluit  admonenti.      In  bujus   ergo  persuasi- 
onis  tempore  quodam  die  Germanus  ex  lu'be  in  praedia  sui 
juris  discessiL     tunc  beatus  amator  opportiuiitatem  opperi- 
ens  sacrilegam  arborem    ciun  caudicibus  abscidit,    et  ne 
aliqua   ejus    incredulis    esset   memoria    igni    concremandam 
illico  deputavit.     o Scilla  *)  vero ,    quae    tanquam  tropbaea 
cujusdam  certaminis  umbram  dependenlia  ostentabant,  lon- 
gius  a  civitatis   terminis    projici    praecepit.      Protinus    vero 
fama  gressus  suos  ad  aures  Germani  retorquens,  dictis  ani-* 
mum  incendit,    atque  iram  suis  suasionibus  exaggerans  fe- 
rocem  effecit ,    ita  ut  oblitus    sanctae  religionis ,    cujus  jam 
fueratritu  atque  munere  insignitus,  mortem  beatissimo  viro 
minitaret.      Ein   um    876    verfal'stes    gedieht    des    Herricus 
»cbiklert  den  abgöttischen  birnbaum  noch  ausführlicher: 
altoque  et  lato  stabat  gratissima  quondam 
urbe  pirus  media,  populo  spectabüis  omni; 
non  quia  pendentum  flavebat  honore  pirorum, 
nee  quia  pei'petuae  vernabat  munere  frondis: 
sed  deprensarum  passim  capita  alta  ferarum 
arboris  obscoenae  patulis  haerentia  ramis 
praebebant  vano  plausum  et  spectaculo  vulgo. 
horrebant  iliic  trepidi  ramalia  cerpi 
et  dirum  £rendenfis  apri,  fera  spicula,  dentes, 

•)  Virg.  Georg.  2,  888  tibiqae  (Bacche)  oscilla  ex  alta  saspen- 
ÖDBt  mollia  piou.  doch  liier  sind  keine  aufgehängte  larven  gemeint, 
•oidern  wirkliche  thierhiupter.  sind  die  ferarum  imngines  bei  Tacitus 
aothvendig  Mlder?  bedeuten  oscilla  capita  os  cillenh'a?  mnn  sperrte, 
•HieiDt  es  den  aufgehängten  köpfen  mit  einem  »tab  das  maul,  Tgl. 
Itengr.  6(5.  Reinardua  3,  293. 

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50  TEMPEL.    HAINE 

acribus  exitium  medltantes  forte  molossis. 
tuno  quoque  sie  variis  arbos  induta  ü^opaeis 
fundebat  rudibus  lascivi  semina  risus. 
nicht   das   gelächter  der  menge   war  es^    was  den  christli- 
chen priestern  anstofs  gab>  sie  erkannten  in  dem  gebrauch 
eine  wenn  schon  ausartende  und  verdunkelte  übvmg   heid- 
nischer Opfer. 

Bisher  sind  die  Zeugnisse  berücksichtigt  worden ,  aus 
welchen  hervorgeht,  dafs  der  älteste  gottesdienst  unserer 
vorfahren  an  heilige  wälder  und  bäume  geknüpft  war. 

Es  ist  gleichwol  nicht  zu  bezweifeln,  dafs  schon  in 
frühster  zeit  für  einzehie  gottheiten  tempcl  erbaut,  viel- 
leicht rohe  bUdnisse  darin  aufgestellt  wurden«  Im  verlauf 
der  Jahrhunderte  kann  auch  bei  einigen  Völkerschaften 
mehr,  bei  andern  weniger,  jene  alte  waldverehrung  ausge- 
artet und  durch  errichtete  tempel  verdrängt  worden  sein« 
Endlich  erscheinen  manche  anführungen  und  Zeugnisse  so 
unbestimmt  oder  unvollständig,  dafs  es  unthunlich  ist  mit 
einiger  Sicherheit  aus  ihnen  zu  entnehmen,  ob  die  ge- 
brauchten ausdrücke  den  alten  cultus,  oder  einen  davon 
abweichenden  bezeichnen. 

Für  die  wichtigsten  und  bedeutendsten  dieser  nodi  hier- 
her gehörigen  stellen  halte  ich  nachstehende. 

Tac.  Germ.  40  beschreibt  den  heiligen  hain  und  den 
dienst  der  mutter  erde;  nachdem  der  priester  die  göttin 
an  Festtagen  unter  dem  volk  herumgeführt  hat,  gibt  er  sie 
ihrem  heüthum  zurück:  satlatam  conversatione  mortalium 
deam  templo  reddit. 

Tac.  ann.  1,  51:  Caesar  avjdas  legiones,  quo  latior  po- 
pulatio  foret,  quatuor  in  cuneos  dispertit,  quinquaginta 
millium  spatium  ferro  flammisque  pervastat ;  non  sexus,  non 
aetas  miserationem  attulit:  profana  simul  et  sacra^  et  cele- 
herrimum  illis  gentibus  templumy  quod  Tanfanae  *)  voca- 
bant ,  solo  aequantur.  das  volk ,  dem  dieser  tempel  gehörte, 
waren  die  Marsen,  vielleicht  nodi  einige  ihm  benachbarte. 


*)  eine  Im  Neapolitanischen  gefundene  inschrifl  hat  merkwürdig 
Tamfanae  sacnim  (Gudii  inscript  antiq.  p.  LV,  11);  deutsch  sein  muGi 
das  wort,  ein  ags.  lliilfian  (favere)  getii&fa  (fautor)  setzt  ein  abd.  dam- 
fian,  damfo  voraus,  die  nirg^ends  vorkommen,  aber  der  analogie  roa 
fif,  fimf,  alts.  s&fU,  ahd.  samfti,  alts.  b&f,  ahd.  hanf  (mancus)  folgen, 
ags.  tliifene,  ahd.  danfonä,  damfani,  goth.  thamfano  wäre  also  viet- 
leiclit  favor;  nur  hat  ein  templum  Favoris  mehr  römisches  ansehen, 
als  deutsches,  wiewol  imsere  spräche  ein  anderes  wort  für  favor,  hliu- 
mont,  hliumuntinc  auch  personificiert.  N.  Cap.  51.  Lauter  gewagte 
mutmafsungen  in  einer  wüste  des  nichtwissens. 


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TBMPBL  51 

vita  8.  Eugendly  «bbads  jurenaU  (f  um  510),  auctore 
monacho  condatescenai  ipsius  discipulo  (in  actis  sanct.  Bol- 
land.  1.  Jan.  p.  50  und  in  Mabülon  acta  Ben.  sec.  1.  p. 
570):  sanctusigiturfamulus  Christi  Eugendus,  sicut  beatorum 
patrum  Romani  et  Lupicini  in  religione  discipulus ,  ita  etlam 
natalibus  ac  provincia  exstitit  indÜgena  atque  concivis.  oiv 
tns  nempe  est  haud  longe  a  vico,  cui  vetubta  paganitaB 
ob  celebritatem  clausuramque  fortissimam  auperatitiosis^ 
simi  templi  gallica  llngua  iaarnodori  ^  id  est  ferrei  ostii 
indidit  nomen:  quo  nunc  quoque  in  loco,  aeiubris  ex 
parte  jam  dirutis,  sacratissime  micant  coelestis  regni  culnuna 
dkata  Guisticolis;  atque  inibi  pater  sanctissimae  prolis 
judicio  pontificali  plebisque  testimonio  exstitit  in  presbyterii 
dignitate  sacerdos.  Wenn  Eugendus  ungefähr  in  der  mitte 
des  fünften  jh^  geboren ,  sein  vater  schon  priester  der  christ- 
lichen kirche  war,  die  an  der  stelle  des  heidentempels  er- 
richtet wurde,  so  mag  dort  das  heidenthum  höchstens  nur 
noch  in  der  ersten  hälfte  dieses  jh.  fortgedauert  haben,  in 
dessen  beginn  die  Westgothen  über  Italien  nach  Gallien 
TOfdrangen.  gallica  lingua  ist  hier  sichtbar  deutsche,  die 
von  den  einwandernden  Völkern  im  gegensatz  zur  romana 
geredete,  jene  benennung  ist  fast  gotliisch  (eisarnadauri\ 
aie  könnte  noch  näher  burgimdisch  sein  ( isarnpdori  )• 
Westgothen,  Burgunder,  vielleicht  gar  so  weit  eingeschrit- 
tene Alamannen,  hätten  in  clausen  und  engpassen  des  Ju- 
ragebirges *)  den  tempel  angelegt?  der  name  scliickt  sich 
zur  festigkeit  der  läge  und  des  baus,  den  die  Christen 
zum  tlieil  beibehielten. 

vita  S.  Radegundis  (f  587),  der  gemahlin  Chlotars,  von 
Baudonivia,  einer  gleichzeitigen  nonne  abgefafst  (acta  Bened. 
»ec  1.  p.  327) :  dum  iter  ageret  (Radegundis)  seculari  pompa 
se  comitante,  interjecta  longinqultate  terrae  ac  spatio,  /a« 
num  quod  a  trancia  colebatur  in  itinere  beatae  reginae 
cpiantum  miliario  uno  proximum  erat,  hoc  illa  audiens 
jussit  famulis  fcmum  igne  comburi,  iniquum  judicans  deum 
cocli  contemni  et  diabolica  machiuameuta  venerari.  Hoc 
audientes  Franci  universa  muUitudo  cum  gladiis  et  fustibus 
vel  omni  fremitu  conabantur  defendere.  sancta  vero  regina 
immobüis  persevcrans  et  Cliristiun  in  pectore  geslans,  equum, 
quem  sedebat,  in  antea  non  movit,  antequam  et  fanum 
pcnireretur  et  ipsa  orante  inter  se  populi  pacem  firmarent. 
Die  läge  des  zerstörten  tempels  wage  ich  nicht  zu  bestim- 

•)  gcheidegebirge  mehrern  Völkern  heilig  und  opferstäUe.  Ritters 
erdkuttOe  1.  anfl.  2,  79.   bd.  %  p.  903. 

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59  TEMPEL 

men;  Radegund  zog  ans  Thüringen  nach  Frankreich,  in 
dieser  richtuug  könnte  das  fanum  unweit  des  Rheins  ge« 
sucht  werden. 

Greg.  tur.  vitae  patr.  6:  eunte  rege  (Theoderico)  in 
Agrippinam  urbem,  et  ipse  (8.  Gallus)  simul  abiit.  erat  au- 
tem  ibi  fanum  quoddam  diversis  ornamentis  refertum,  in 
quo  barbaris  opima  libamina  exhibens  usque  ad  vomitum 
cibo  potuque  replebatur.  ibi  et  simulacra  ut  deum  ado^ 
rans^  membra,  secundum  quod  ünumquemque  dolor  atti- 
gisset,  sculpebat  in  ligno.  quod  ubi  S.  GaUus  audivit, 
statim  illuc  cum  uno  tantuxn  clerico  properat,  accensoque 
igne,  cum  nuUus  ex  stultis  paganis  adesset,  ad  fanum  ap- 
plicat  et  succendit.  at  illi  videntes  fumum  delubri  ad  coe« 
lum  usque  conscendere ,  auctorem  incendii  quaerunt ,  inven- 
tumque  evaginatis  gladiis  prosequuntur ;  ille  vero  in  fiigam 
versus  auhie  se  regiae  condidit.  verum  postquam  rex  quae 
acta  fiierant  paganis  minantibus  recognovit,  Üandis  eos  ser- 
monibus  lenivit  Dieser  Gallus  ist  veröcljieden  von  dem 
in  Alamannien  ein  halbes  jh.  später  auftretenden;  er  starb 
nm  553,  unter  dem  künig  wird  der  austrasische  Theode« 
rieh  I  gemeint. 

vita  8.  Lupi  senonensis  (Duchesne  1,  562.  Bouquet  3, 
491):  rex  Chlotarius  virum  dei  Lupum  episcopum  retrusit 
in  pago  qiiodam  Neiistriae  nuncupante  Vinemaco  (le  Vi- 
meii),  traditum  diici  pagano^  nomine  Bosoni  Landegisilo 
(sicher  einem  Franken.)  quem  ille  direxit  in  villa  quae 
dicitur  Andesagina  super  Buvium  Auciam ,  ubi  erant  tempia 
fanatica  a  idecunonibus  culta.  (a.  614.)  Andesagina  ist 
Ansenne,  Aucia  hiefs  später  la  Bresle,  Briselle. 

Beda  hist.  eccl.  2,  13  erzählt,  wäe  der  northumbrbche 
künig  Edvine,  der  im  j.  627  getauft  und  633  erschlagen 
ward,  sich  erst  nach  reiflicher  berathung  mit  verständigen 
männern  zu  der  annalime  des  clu^istenthums  entscldofs,  vor- 
züglich aber  durch  Coifi  (Crefi),  seinen  vornehmsten  heidni- 
schen priester  selbst,  in  dem  alten  glauben  wankend  ge- 
macht wurde:  cumque  a  praefato  pontilice  sacrorum  su- 
orum  quaereret,  quis  aras  et  fana  idolorvmt  ctun  septis, 
quihus  erant  circumdata,  primus  profanare  debei-et, 
respondit:  ego.  quis  enim  ea,  quae  per  stultitiam  colui, 
nunc   ad  exemplum  omuium  aptius  quam  ipse  per  sapien- 

tiam    mihi  a  deo  vero  donatam  destniam? accin- 

ctus  ergo  gladio  accepit  lanccam  in  manu  et  ascendcns  emis- 
sarium  regis  (was  alles  für  emen  heidnischen  priester  un- 
erlaubt und  unanständig  war),  pergebat  ad  idola,  quod 
aspiciens  vulgus  aestimabat  eum  insanire.     nee  distulit  iße. 


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fTßMPEL  53 

mos  ut  approptuquabat  ad  fanuNif  profanare  illud  iu- 
jecta  in  eo  laucea  quam  teuebat,  multumqiie  gavisus  de 
agmtione  veri  dei  cullus ,  jussit  socüs  destruere  ac  succender« 
janum  cum  omnibua  septis  suis,  ostenditur  autem  locus 
ille  quondam  idolorum  uon  longe  ab  Eboraco  ad  orientem 
ultra  amnem  Dorowentionem  et  vocatur  hodie  Godrnun- 
dinga  liäm,  ubi  pontifex  ipse,  inspirante  deo  vero^  pol« 
luit  ac  destruxit  eas ,  quas  ipse  sacraverat ,  aras*  *) 

vita  S.  Bertulfi  bobbiensis  (f  640)  in  act.  Bened.  eec. 
2.  p.  164:  ad  quandam  vüiam  Iriae  fluvio  adjacentem  ac* 
cessity  ubi  fanum  quoddam  arboribus  consitum  videns 
allatum  ignem  ei  admovit,  congestis  in  modum  pirae  lignis. 
id  vero  cernentes  farii  ciütores  Meroveum  apprehensum 
diuque  fustibus  caesum  et  iclibus  coiUusum  in  tiuvium  il- 
lud demergere  conantiu».  der  flul's  Ina  lauft  in  den  Po,  die 
begebenheit  spielt  unter  Langobarden. 

Walafridi  Strabonis  vita  S.  Galli  (f  640)  in  actis  Be- 
ned. sec.  2  p.  219.220:  venerum  (S.  Coluinbanus  et  Gal- 
lus)  infra  partes  Alemanniae  ad  fluvium,  qui  Lindimacus 
vocatur,  juxta  quem  ad  superiora  tendentes  pervenerunt 
Turicinum.  cumque  per  littus  ambulante^  venissent  ad  Ca- 
put lacus  ipsius,  in  locum  qui  Tucconia  dicilur,  placuit 
Ulis  loci  qualitas  ad  iahabitandum.  porro  lioniines  ibidem 
commanentes  crudeles  erant  et  impii,  simulacva  colentea^ 
idola  aacrificiia  venerantes  ^  observantes  auguria  et  di- 
vinaliones  et  multa  quae  contraria  sunt  cultui  divino 
superstitiosa  sectantes.  Sancti  igitur  homines  cum  coepis- 
sent  inier  illos  liabilare  docebant  eos  adorare  patreiai  el 
fillum  et  spiritum  sanctum,  et  custodire  fidei  veritatem. 
Beatus  quoque  Gallus  sancti  viri  discipulus  zelo  pictatis 
armatus  fana^  in  quibus  daemoniis  sacrificabant  ^  igni 
succendit  et  quaecunquc  invenit  oblata  demersit  in  lacirni. 
Die  -v^eiler  folgende  wichtige  stelle  w^ird  späterhin  ange- 
führt werden,  es  l«?if8t  ausdrücklich:  cumque  ejusdem 
templi  solemnitas  ageretur. 

Jonae  bobbiensis  vita  S.  Colunibani  (f  615)  cap.  17. 
in  act.  Bened.  2,  12.  13:  cumque  jam  multorum  monacho* 
mm  socictate  densaretur,  coepit  cogitare,  ut  |>otiorem  lo- 
cum in  eadem  eremo  (i.  e.  Vosago  sallu)  quaereret,  quo 
monasterium  construeret.     invenitque  castrum  firmhsimo 


*)  die  ag8.  Übersetzung  drückt  arae  durch  vighed^  fana  durch 
hear^as^  idola  durch  deofolgild  au»,  Kepta  einmal  durch  /isgas  (hedges. 
liecken),  dann  durch  getytnbro.  der  nach  dem  hearg  jjeworfue  »pvttr 
gab  da;»  zeichen  eu  seiner  xerfttöruu|f. 


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54  TEMPEL 

munimine  olim  fuisse  culturriy  a  supra  diclo  loco  diatans 
plus  minus  octo  millibiis,  quem  prisca  tempora  Luxoyium 
uuncupabant,  ibique  aquae  calidae  cultu  eximio  constru- 
ctae  liabebantur.  ibi  imaginum  lapidearum  densitas  vicina 
saltus  densabat,  *)  quas  cultu  miserabili  rituque  profano 
petusta  paganorum  tempora  honorabant.  an  diesem  bur- 
gundiscben  orte  (Luxeuil  in  Franche  comt^,  unweit  Vesoul) 
fanden  sich  -wol  scbon  römische  thermae,  mit  bildseulen  ge- 
schmückt? hatten  dardn  die  Burgunden  ihren  cultus  ge- 
knüpft?   von  demselben  castrum  handelt  auch  die 

vita  8.  Agili  resbacensis  (-j-  650)  in  act.  Ben.  sec.  2.  p. 
317:  castrum  namque  intra  yasta  eremi  septa,  quae  Vosa- 
gus  dicitur,  fiierat  fanaticorum  cultui  olim  dedicatum^  sed 
tunc  ad  solum  usque  dirutum,  quod  luijus  saltus  incolae, 
quamquam  ignoto  praesagio,  Luxovium  nominavere ;  es  vrird 
an  der  heidnischen  statte  eine  kirche  gebaut:  ut,  ubi  olim 
propJuino  ritu  veteres  coluerunt  jana^  ibi  Cliristi  fige- 
rentur  arae  et  erigerentur  vexilla,  habitaculum  deo  militan- 
tium,  quo  adversus  aerias  potestatcs  dimicarent  supemi 
regis  tirones.  p.  319:  ingressique  (Agilus  cum  Eustasio) 
hujus  itineris  viam,  juvante  Christo ,  Warascos  praedicatoii 
accelerant,  qui  agrestium  fanis  decepti,  quos  vulgi  /aa— 
no8  vocant,  geutilium  quoque  errore  seducti  in  perfidiam 
devenerant  Fotini  seu  Bonosi  virus  infecti,  quos  errore  de- 
pulso  matri  ecclesiae  reconciliatos  veros  Christi  fecere  servos. 

vita  S.  Willibrordi  (f  739)  in  act.  Ben.  sec.  3.  p.  609: 
pervenit  in  confinio  Fresonum  et  Danorum  ad  quandam 
insulam,  quae  a  quodam  deo  suo  Fosite  ab  accolis  terrae 
Fositesland  appellatur,  quia  in  ea  ejusdem  dei  fana  fuere 
constructa.  qui  locus  a  paganis  tanta  veneratione  habeba- 
tur^  ut  nil  in  ea  vel  auimalium  ibi  pascentium  vel  aliamm 
quarumlibet  rerum  gentüium  quisquam  längere  audebat, 
nee  etiam  a  fönte,  qui  ibi  ebuUiebat^  aquam  haurire  nisi 
tacens  praesumcbat. 

vita  8.  Willchadi  (f  789)  bei  Pertz  2,  381 :  unde  con- 
ligit,  ut  quidam  discipulorum  ejus,  divino  compuncti  ar- 
dore,  fana  in  niorem  gentilium  circumquaque  erecta 
coepissent  evertcre  et  ad  nihilum,  prout  poterant,  redigere; 
quo  facto  barbari,  qui  adhiic  forte  increduli  perstiterant,  fui*ore 
nimio  succensi,  in*uerunt  super  eos  repente  cum  impetu,  vo- 
lentes  eos  fundilus  interimere,  ibique  dei  famulum  fustibus 


0  <)ie  menge  (deiiBitas)  der  bilder  maclite  den  benachbarten  wald 
dichter?  sollte  nicht  vielmehr  hinter  den  beiden  ersten  geuithea  ein 
acc.  fehlen:  copiani  oder  speciem? 


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TBMPBL  &5 

caesum  inultia  admodum  plagis  affecer«.  Dies  geschah  im 
friesischen  pagus  Thrlanta  (Drente)  vor  dem  ).  779. 

vita  Ludgeri  (anfaDg  des  9  jh.)  1,  8 :  ibi  (in  Frisia)  pa- 
ganos  asperrimos  •  •  •  mitigaylt,  ut  sua  illum  deliihra  de- 
straere  coram  oculis  paterenliir.  inventiim  in  Janis  auruin 
et  argentum  pluriinum  Albricus  in  aerarium  regia  intulity 
»^cipiens  et  ipse  praecipiente  Carolo  pordonem  ex  eo.  vgl. 
die  8.  27  angezogne  stelle  aus  der  lex  Frisionum. 

Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  war  das  im  ).  14  von 
den  Römern  zerstörte  heiligthum  der  Tanfana  kein  blofser 
hain,  sondern  ein  aufgeführtes  gebäude,  bei  dessen  vernich-F 
tung  sich  Tacitus  sonst  schwerlich  der  worte  ^solo  aequare' 
bedient  haben  würde,  aus  den  drei  oder  vier  zunächst 
folgenden  jhh.  fehlen  uns  alle  nachrichten  von  heidnischen 
tempeln  in  Deutschland,  im  5.  6.  7  und  8  jh.  kommen, 
wie  ich  dargethan  habe,  castra^  templa^  Jana  imter 
Biu*gunden,  Franken,  Langobarden,  Alamaönen,  Angel- 
sachsen und  Friesen  vor.  ich  will  einräumen,  bei  einigen 
Zeugnissen  mag  bestritten  werden,  dafs  deutschheidnische 
tempel  gemeint  sind,  es  könnten  stehngebliebene  römische 
sein,  und  dann  wäre  ein  doppelter  fall  möglich:  das  her- 
schende  deutsche  volk  hätte  in  seiner  mitte  einzelne  ge- 
meinden römischgaUischen  cullus  fortsetzen  lassen,  oder  der 
römischen  gebäude  sich  für  die  ausübimg  seiner  eignen  reli- 
giön  bemächtigt.  *)  Da  bisher  keine  gründliche  Untersuchung 
gepflogen  worden  ist  über  den  zustand  des  glaubens  unter 
den  Galliern  unmittelbar  vor  und  nach  dem  einbruch  der 
Deutschen  (ohne  zweifei  gab  es  neben  den  bekehrten  da- 
mals auch  noch  heidnische  Gallier);  so  ist  es  schwer  sich 
für  eine  dieser  Voraussetzungen  zu  entscheiden,  beide  kön- 
nen zusammen  statt  gefunden  haben,  in  dem  zweiten  fall 
hätten  wir  immer  noch    tempel  des  deutschen  heidenthums 


*)  wie  das  rolk  römische  festnngswerke  für  teufelsmauern  hielt,  war 
es  natürliGh ,  mit  römischen  castellen  den  begrif  der  abgütterei  zu  ver- 
knöpfen. RupertQS  tuitiensis  (f  1135)  In  seiner  schrift  von  derfeuers- 
bninst,  wodurch  im  j.  1128  ein  solches,  für  den  christlichen  goUesdienst 
eingerichtetes  castellura  zu  Deuz  verzehrt  wurde,  meldet,  dafs  es  nacli 
etoigen  von  Jul.  .Caesar,  nach  andern  von  Constantius  und  Constantiuus 
erbaut  war.  Zu  kaiser  Ottos  zeiten  sei  Maria  nachts  dem  erzbischof 
Heribert  erschienen:  *surge.  et  tuitiense  castrum  petens  locum  in  eo- 
dem  mundari  praecipe,  ibique  monasterium  deo  mihique  et  omnibus 
lanctis  constitue,  ut,  ubi  quondam  liabitavit  peccatum  et  cuUus  dae- 
fnonum,  ibi  justilia  regnet  et  memoria  sanctorum\  Mit  ähnlichen 
Worten  in  der  vita  Heriberti  cftp.  15.  Vgl.  das  fanum  zu  Cölii  oben 
».  52. 


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S6  TBitPBh 

vor  uns,  wenn  auch  erst  römische  gebäude  In  sie  verwan* 
delt  worden  wären.  Und  siclier  darf  man  nicht  alle  Zeug- 
nisse auf  jene  weise  verstehen,  so  gut  der  Tanfanatempel 
von  Germanen  selbst  errichtet  wurde ,  läfst  es  sich  von  den 
alamannischen 9  sächsischen,  friesischen  tempeln  annehmen, 
und  was  im  ersten  jh.  geschah,  wird  im  2.  3.  4  noch 
wahrscheinlicher  geschehen  sein.  Vielleicht  galt  eigentlich  für 
gebaute  tempel  der  ausdruck  alali.  sie  mögen  daneben, 
wie  in  der  nordischen  spräche ,  hof  (aula) ;  *)  halla  (tem- 
plum)  hymn.  24,  4;  raiud  (domus)  H^L  114,  17.  130,  20. 
144,  4.  155,20;  gotaJius;  pStapür  (delubi-um)  Diut.  1, 
195*  oder  petahus  geheifsen  haben.  Noch  die  späteren 
dichter  brauchen  betehüs  gern  von  heidentempeln.  BarL 
338,  40.  bedehus  Maerl.  1,  326  im  gegensatz  zu  der  clirist- 
lichen  hirche.  einige  scliriftsteller  sind  minder  bedenklich, 
und  N.  Cap.  17  überträgt  chilechon  das  lat.  fanis,  -wie 
etwa  bischof  von  heidn.  priestern  gesagt  wird.  Sehr  frühe 
behielt  man  auch  tempel  bei,  Diut.  1,  195*  tempel  Is.  395. 

Wir  sehen  alle  bekehrer  eifrig  das  beil  an  die  heiligen 
bäume  der  Heiden  setzen  und  feuer  unter  ilire  tempel  legen, 
fast  sollte  es  scheinen,  die  armen  leute  seien  gar  nicht  um 
ihre  einwilligung  gefragt  worden,  und  erst  der  aufsteigende 
rauch  habe  ihnen  die  gebrochene  macht  ihrer  götter  ange- 
kündigt. Aus  den  weniger  ruhmredigen  erzählimgen  ergibt 
»ich  aber  bei  näherer  betrachtung  der  umstände ,  dafs  weder 
die  Heiden  so  einfältig,  noch  die  Christen  so  unbesonnen 
waren.  Bonifacius  entschlofs  sich  die  donnereiche  nieder 
zu  fällen  erst  nach  gepflognem  rath  mit  den  bereits  über- 
getretenen Hessen  und  in  ihrer  gegenwart.  So  hätte  auch 
die  thüringische  königstochter  auf  ihrem  rciscpferd  nicht 
stillhalten  und  den  befehl  ertheilen  dürfen,  in  den  fränki- 
schen tempel  feuer  zu  werfen,  wäre  ilir  gefolge  nicht  zahl- 
reich genug  gewesen ,  den  Heiden  die  spitze  zu  bieten,  dafs 
diese  sich  mit  den  waffen  widersetzten,  geht  aus  Rade- 
gundens  bitte,  nachdem  der  hof  nieder  gebrannt  war,  her- 
vor, ut  inter  se  populi  pacem  firmarent. 

In  den  meisten  fällen  ist  ausdrücklich  bemerkt,  dafs 
an  der  stelle  des  heidnischen  baums  oder  tempels  eine  kir- 
che  errichtet  wurde,      auf   solche    weise   schonte  man  der 


*)  da»  asyl ,  welches  tempel  in  ihrem  amkreii  gewähren ,  hicfst 
ahd.  frlthof^  alts.  fndltoh,  H^l.  151,  2,  9.  mhd.  vrone  prtihof.  Nib. 
1795,  2,  nicht  friedliof,  vgl.  goth.  freidjan,  alU.  frtdOn  (parcere.)  dafs 
die  bestimmungen  der  aitdeutsclien  freistatten  noch  groTsentheiLi  beid- 
niuch  sind,  ist  RA.  886  —  92  untersucht. 


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TEMPEL  57 

aagewdlinungen  des  volks,  und  machte  Oim  glaublich,  dafs 
die  alte  heiligkeit  der  statte  nicht  gewichen  sei,  sondern 
fortan  von  der  gegenwart  des  ^yahren  gottes  abhänge. 

Zugleich  entdeckt  sich  hier  die  Ursache  des  gänzlichen 
mangels  an  Überbleibseln  heidnischer  monumente  nicht  al* 
lein  im  innern  Deutschland,  sondern  auch  im  Norden,  vro 
doch  sicher  solche  tempel,  und  häufiger,  vorhanden  waren J 
entweder  wru^den  sie  dem  boden  gleich  gemacht,  um  darauf 
die  christliche  kirche  zu  erbauen,  oder  ihre  mauern  und 
hallen  selbst  mit  in  diese  verwendet,  von  der  baukimst  der 
heidnischen  Deutschen  einen  hohen  begrif  zu  fassen  wird 
man  sich  zwar  enthalten,  doch  mögen  sie  es  verstanden  ha-  - 
ben,  bedeutende  steinmassen  zu  ordnen  und  fest  zu  verbinden. 

Hierfür  zeugen  denn  auch  die  in  Scandinavien,  zum  theil 
noch  in  Friesland  und  Sachsen  erhaltenen  grabhügel,  mahl- 
stätten  und  Opferplätze,  aus  denen  sich  einige  wichtige 
folgerungen  für  den  altheidnischen  gottesdienst  ziehen  las- 
sen, die  ich  aber  von  meiner  gegenwärtigen  Untersuchung 
ausschliefse. 


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58  PRIBSTBR 


CAP,  V.    PRIESTER. 

Die  allgemeinste  benennung  dessen  ^  der  zum  unmittel- 
baren dienst  der  gottheit  berufen  ist,  führt  sich  auf  ihren 
namen*  selbst  zurück,  vom  gothischen  guth  (deus)  wird  das 
adj.  gaguds(piu8,  cvüeßyg),  gagudei  (pietas,  evadßeio)  ge- 
bildet, der  gott  dienende,  fromme  mann  heifst  gudja 
(j€QWß)  Matth.  8,  4. '27,  1.  63.  Marc.  10,  33.  11,  27.  14, 
61.  Luc.  1,  5.  20,  1.  Joh.  18,  19.22.  19,  6.  ufargudja 
(aQXisQBVs)  Marc.  10,  33.  gudjin6n  {hQai;BVHv)  Luc.  1, 
8.  gudjinassus  (ieQarela)  Luc.  1,  9. 

Dafs  diese  ausdrücke  heidnisch  waren  folgt  aus  dem 
einstimmigen  altn.  godi  (pontifex)  hofa  godi  (fani  an- 
tistes)  Egilss.  754.  Freys  godi  Nialss.  c.  96.  117  (fomm. 
sog.  2,  206.)  godord  (sacerdolium.)  einen  anderen  grund 
dafür  gibt  das  verschwinden  des  worts  in  den  übrigen 
dialeclen,  etwa  wie  alali  verschwand,  das  den  Gotheu 
noch  unbedenklich  schien,  niu*  eine  leise  spur  erscheint 
in  dem  ahd.  cotinc  Diut.  1,  187,  womit  tribunus  glossiert 
vm-d  (goth.  gudiggs?)  Wie  aber  Ulfilas  gudja  und  «i- 
nista  (nQeaßvteQOS ,  der  ältere,  angesehene,  der  priester) 
verbindet,  sagt  ein  merkwürdiges  zeugnis  bei  Ammianus 
Marceil.  28,  5  aus ,  dafs  der  burgimdische  oberpriester  «i- 
nisto  hiefs :  nam  sacerdos  omnium  maximus  apud  Bur- 
gimdios  vocatur  sinistiis ,  et  est  perpetuus ,  *)  obnoxius 
discriminibus  nullis  ut  reges.  Vom  Zusammenhang  der 
priester  mit  dem  adel  handle  ich  RA.  267.  268. 

Noch  heidnischer  sind  die  ahd.  priesternamen  Iiaru^ 
gari  Diut.  1,  514^  und  parawari  Diut.  1,  150*:  beide 
aus  jenen  benennungen  der  tempel  haruc  und  paro  herge- 
leitet imd  die  vorhin  behauptete  identität  dieser  begriffe 
bestätigend,  schwerlich  wurden  sie  vom  glossator  zur.  Ver- 
deutschung des  lat.  aruspex  erfunden,  sie  waren  längst  in 
unserer  alten  spräche  vorhanden,  pluostrari  (oben  s.  23) 
hiefs  der  priester ,  in  sofern  er  opferte. 

Dafs  aber  cotinc  die  bedeutung  tribimus  haben  konnte 
zeigt  den  genauen  zusanunenhang  zwischen  priester  und  rich- 
teramt,  der  vorzüglich  in  einem  andern  der  hochd.  mund- 
arl  eigenthümlichen   ausdruck   hervorbricht*     ^^a,   ^a  be- 


*)  vgl.  den  mit  un-  in  der  ziMammensetzung  verbundnen  begrif 
der  pfrpeiuität  (gramm.  2,  554.  555.) 

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PRIESTER  59 

setchnete  nicht  blofs  das  vreltKclie ,  sondern  auch  das  gott- 
liche gesetz^  die  früher  genau  yerbunden  und  gleich  heilig 
"^aren^  £wart  ^  ^owart  also  den  pfleger,  hüter  des  gese- 
tzeSy  den  vofimoQ ,  goth.  vlt^dafasteis ,  den  gesetzes  und 
rechtskundigen.  K.  55*  56*-  »>•  gl.  Hrab.  974»  N.  ps.  50, 
9.  da«  schwaciiformige  ^warto  hat  0.  I.  4,  2.  18.  72.  gotea 
St4>arto  I.  4,  23.  s6  noch  im  12  jh.  S(4>arte  Mar.  21  und 
oime  allen  bezug  auf  das  jüdische  amt ,  ganz  synonyih  mit 
priester:  der  heilige  ^warte  Rcinh.  1705.  Daneben  galt  da» 
nahliegende  eosago^  ^sago  für  judex,  legislator.  RA.  781. 

Der  dichter  des  Holland  bedient  sich  des  ausdrucke 
44?Oie8  ward  (templi  custos)  150,  24,  und  versucht,  lun  dem 
beidnischen  wie  dem  fremden  worte  auszuweichen,  Um- 
schreibungen: the  gi4r6do  man  3,19.  the  jrbdo  man 
3,  2K  7,  7.  frödgumo  5,  23.  6,  2.  godcund  giimo  6,  12, 
was  an  jenes  gudja  anschlägt,  vielleicht  aber  auch  den  ei- 
genthümlichen  sinn  berührt,  den  bei  Wolfram  ^der  guote 
man"*  hat.  die  romanischen  ausdrücke  prudena  liom.Oy 
honua  homo  (prudhomme,  bonhomme)  sind  nicht  ohne  be- 
zug auf  die  alte  rechtspflege. 

Mit  dem  christentlium  drangen  fremde  benennimgen 
ein.  die  Angelsachsen  nahmen,  in  verkürzter  form,  das 
lat.  sacerdos  auf:  sacerdj  pl.  sacerdas;  Alfred  übersetzt 
Bedas  pontifex  und  summus  pontificum  (beides  von  einem 
heidnischen)  2,  13  biscop  und  ealdorbiscop»  T.  und  O. 
haben  gleichbedeutig  das  aus  episcopus  entspringende  bisgof, 
biscof  0.  1.  4,  4.  27.  47 ;  auch  H^l.  150,  24  biscop.  Spä- 
ter  werden  priester  (nach  presbyter,  also  jenem  begrif  des 
yomehmen  und  ältesten)  und  pfifft  (papa)  die  allgemein- 
sten namen. 

"Wenn  Jul.  Caesar  von  den  Germanen  sagt  (de  hello 
Gall.  6,21):  neque  druides  habent,  qm  rebus  divinis  prae- 
sint,  neque  sacrificiis  Student,  so  braucht  diese  nachricht 
nicht  für  unrichtig  und  dem,  was  Tacitus  von  den  deut- 
s<Jien  priestem  und  opfern  meldet,  widersprechend  erklärt 
zu  werden.  Caesar  behauptet  alles  im  gegensatz  zu  den 
Galliern,  diese  halte  er  6,  16  als  den  opfern  äufserst  erge- 
ben geschildert,  und  ^non  studere  sacrificüs^  vrird  im  Zusam- 
menhang nichts  anders  bedeuten  als:  sich  der  opfer  spar- 
sam bedienen,  ebensowenig  herschte  unter  den  Deutschen 
das  gallische  fein  ausgebildete  Druidensystem  5  sie  ermangel- 
ten aber  nicht  ihrer  eigenthümlichen    opfer  und  priester. 

Die  deutschen  priester^  wie  wir  es  schon  aus  dem 
übergreifen  der  namen  erkannten »  waren  zugleich  bei  got- 
tesdienst  und  volksgericht  thätig.   In  den  heerzügen  gebühi*t 

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60  PRIGSTBa 

ilinen  allein,  nicht  dem  feldliern  die  zucLt,  da  der  ganxe 
krieg  gleichsam  in  gegenwart  der  gottheit  geführt  Wird :  ce- 
terum  neque  animadvertere,  neque  vincire,  nee  verberare 
quidem  nisi  sacerdotibus  permissum:  non  c[ua8i  in  poe- 
nam,  nee  du  eis  jussu,  sed  velut  deo  imperante,  quem  adesse 
bellantibus  credimt.  Germ.  7.  auch  die  gleich  folgenden 
-Worte  beziehen  sich  auf  die  priester,  sie  nehmen  aus  dem 
heiligen  hain  die  bilder  und  zeichen  mit  ins  feld.  Cap« 
10  lehrt,  dafs  der  sacerdos  civitatis  dem  lofsen  mit  zwei- 
gen vorsteht,  sobald  es  für  das  volk  geschah,  war  die  an- 
gelegenlieit  keine  öffentliche ,  so  kann  der  liansvater  selbst 
das  geschäft  verrichten  und  der  priester  brauchte  nicht  zu- 
gezogen zu  werden,  eine  merkwürdige  besclirankung  der 
pries tergewalt  und  ein  zeichen,  wie  weit  in  dem  eigentli- 
chen Privatleben  das  recht  des  freien  mannes  gieng;  au« 
gleichem  gründe,  scheint  es  mir,  durften  in  frühster  zeit 
»ymbolische  handlungen  unter  den  parteien  vorgenommen 
werden  ohne  zwischeukunft  des  richters  (RA.  201.)  Auch 
wcrnn  aus  dem  gewieher  der  öffentlich  imterhaltenen  weifsen 
rosse  geweissagt  werden  sollte,  begleiteten  priester  den  hei- 
ligen wagen  und  beglaubigten  das  geschäft.  Der  gottheit 
wagen  berührt  allein  der  priester,  ihre  nahende  gegenwart 
'vi'^ird  von  ilun  erkannt,  er  geleitet  sie  ehrfurchtsvoll,  und 
führt  sie  zuletzt  in  ihr  heiligtlium  zurück,  cap.  40. 

Diese  wenigen,  der  priester  nur  gelegentlich  erwähnenden 
stellen  lassen  ilu*  amt  lauge  nicht  überschauen,  ohne  zwei- 
fei lag  ihnen,  aufser  jenen  geschäften,  die  Verrichtung  feierli- 
cher gebete,  die  tödlung  der  opferlliiere,  die  weihimg  der 
könige  und  leichen,  vielleicht  auch  der  eben,  die  abnähme 
der  eide  und  manches  andere  ob.  Von  ilirer  tracht,  ihren 
insignien  und  abstufungen  wird  gar  nichts  gemeldet ,  einmal 
gedeukt  Tacitus  cap.  43  eines  sacerdos  muliebri  ornatu^ 
gibt  aber  nichts  näher  an;  ohne  zweifei  bildeten  die  prie- 
ster einen  gesonderten,  vielleicht  erblichen  stand,  wenn  auch 
einen  minder  mächtigen  und  einilufsreichen  als  in  Gallien, 
wahi^cheinhch  gab  es  aufser  }enem  sacerdos  civitatis  hö- 
here und  geringere.  Namentlich  aufgeführt  wird  ein  einzi- 
ger, der  cattische  Libys  {JißvQ  tdir  XaTTfov  icQivg)  bei  Stra- 
bo,  den  uüt  anderen  gefangnen  Deutschen  die  pompa  des 
Germanicus  nach  Rom  schleppte.  Tacitus  geschweigt  sei- 
ner. *)  Bemerkenswerth  ist  noch  des  Jomandes  aussage, 
dafs  die    gothisclien  priester  pileati  hiefsen,    im  gegensatz 


*)  Likys  konnte  sein  Leip,  L^b,  altn.   Letfr,  gotii.  Lattw?   ein« 
Variante  gibt  Afßt^i. 


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PRIESTER  61 

zu  den  capillati ,  dem  übrigen  theil  des  volks,  und  dafs 
sie  während  dem  opfer  ihr  haupt  mit  hütenbe  deckten^ 
▼gL  RA.  271. 

Aus  der  folgenden  zeit^  und  bis  zur  einfühning  des 
christenthums  haben  wir  fast  gar  keine  künde  wttter,  wie 
es  sich  im  innern  Deutschland  mit  den  priestern  verhielt; 
ihr  dasein  folgt  aus  dem  der  tempel  und  opfer.  Eine  nicht 
unwichtige  nachricht  hat  Beda  bist.  eccl.  2,  13  bewahrt, 
dem  heidnischen  priester  der  Angelsachsen  war  es  waffen 
zu  tragen  und  auf  hengsten  zu  reiten  untersagt :  non  enim 
hcuerat ,  pontificem  sacrorum  vel  arma  Jerre ,  vel  prae^ 
terquam  in  equa  equitare.  sollte  das  noch  mit  der  be- 
stimmung  zusammenhängen^  die  freilich  auch  biblisch  er* 
klärt  werden  kann,  dai's  christliche  geistliche,  wenn  sie 
land  umreiten,  auf  eseln  und  fällen  (nicht  auf  pferden) 
sitzend  erscheinen  (RA.  86  -  88)  ?  die  Übertragung  solcher 
in  die  gewohnheit  und  sitte  des  lebens  eingreifenden  ge- 
brauche mochte  ganz  zulässig  sein.  Es  ist  nicht  imwahr« 
Scbeinlich,  wie  heidnische  statten  in  christliche  umgewafti« 
delt  wurden,  dafs  man  auch  für  yortheilliaft  lüelt,  unter 
den  bekehrten  Völkern  die  allen  priester  zu  dem  neuen 
gottesdienst  heran  zu  ziehen,  sie  waren  der  gebildetste 
theil  des  volks,  am  ersten  fähig  die  christliche  lehre  zu 
fassen,  imd  ihren  landsleuten  zu  empfehlen,  aus  der  mitte 
des  heidnischen  priesterthums  mögen  daher  zwar  die  hef- 
tigsten feinde,  aber  auch  die  eifrigsten  anhanger  der  neu- 
crung  hervorgegangen  sein.  *)  an  einer  stelle  der  bonifa- 
zischen  briefsamlung  wird  über  Vermischung  christlichen 
und  heidnischen  brauchs  geklagt,  die  sich  imverständige 
oder  leichtsinnige  und  strafbare  priester  zu  schulden  kommen 
lassen.  "^"^^     das  konnte  in  schuldloser  unerfahrenheit,  oder 

*)  wie  aus  der  catholischen  geistlichkeit  sowol  die  stützen  als 
gegner  der  reComiatioD.  Das  merkwürdige  beispiel  eines  heidnisdien 
Priesters,  der  seinen  alten  glauben  herabsetzt  und  selbst  band  anlegt 
an  die  zerstOrang  des  früher  von  ihm  heilig  gehaltenen  tempels,  ist 
8.  52  aus  Beda  angeführt,  dieser  priester  war  ein  angelsachsischer, 
keiu  britischer,  obgleich  ihn  Beda  Voifi,  mit  einem  galischen  Worte 
(ihoihi,  cliuibhidhy  vuinJti,  nach  Jaroieson  im  Supplement  s.  v.  coivie, 
arcliidruid)  offenbar  nur  zu  näherer  bezeirhnung  seines  Standes,  nennt, 
eigenname  ist  Coifi  auch  im  Galischen  nicht,  und  es  wäre  unglaublich, 
dafs  Edvine,  konig  von  Northumbrien  britihchen  glauben  angenommen- 
nod  einen  britischen  priester  gehalten  hätte. 

*•)  ed.  Würdtw.  82.  Serr.  140;  pro  sacrilegis  itaque  presbyteris, 
nt  scripsisti,  qui  tauros  et  hircos  düs  paganorum  immolabant,  mandu- 
cantcs  sacriücia  mortuorum  ....  modo  vero  incognitum  esse,  utrum 
baptizantes  triaitatem  dizisseut  an  non  etc.  Dabin  auch  der  presbyter 
Jovi  mactani,  ep.  35. 


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62  PRIESTfiR 

mit    vrolbewuster    absieht  geschehen,    aber   fast    nur   von 
solchen,  die  zugleich  des  heidenthums  kundig  waren. 

Selbst  den  nordischen  priestersland  beschreiben  die 
edden  und  sagen  äufserst  unvollständig,  eine  merkwürdige 
stelle  der  Yngliugasaga  cap,  2,  welche  die  Äsen  überhaupt 
als  einwanderer  aus  Asien,  und  Asgard  ihren  sitz  als  eine 
groi'se  Opferstätte  ansieht,  macht  die  zwölf*  vornehmsleii 
Äsen  zu  opferprieatern  {hofgodar):  skyldu  thcir  rddha 
fyrir  blutum  ok  di^mum  manna  £  niilli,  und  fügt  hinzu,  dals 
sie  diar  (divi)  und  drdttnar  (donüni)  genannt  worden  seien. 
diese  Vorstellung ,  wenn  sie  auch  nichts  als  Vermutung  8nor- 
ris  ist,  zeigt  ims  die  hohe  würde,  worin  das  nordL  prie« 
sterthum  stand,  und  wie  man  götter  selbst  an  die  spitze 
der  Opfer  imd  gerichte  setzte,  aber  die  dtar  und  drdtt« 
nar  dürfen  wir  darum  nicht  mit  den  priestern  vermengen» 

Wie  genau  das  nord.  priesteramt  in  die  rech'tspflege 
eingrif,  bedarf  hier  keiner  ausfühnmg,  in  dieser  eigen* 
Schaft  scheinen  die  priester  eine  bedeutende  Wirksamkeit 
unter  dem  volk  gehabt  zu  haben,  während  von  ihrem  po- 
litischen einflufs  an  den  königshöfen  wenig  die  rede  ist. 
man  lese  nur  die  Nialssaga.  noch  nach  einfülirung  des  chri- 
stentluims  behielten  die  isländi8<fhen  ruht  er  den  namen, 
und  manche  befugnisse  der  heidnischen  godar  bei  (Grdgäs 
1,  109  -  113.   130.  165.) 

Der  godi  konnte  zwar  bl6tmadhr  (sacrificulus)  hci- 
fsen,  doch  nicht  aUe  bldtmenn  waren  priester,  vielmehr 
bezeichnete  dieses  wort  jeden  an  den  opfern  theilnehmendeu, 
später  unter  den  Christen  überhaupt  die  Heiden,  zu  jener 
stelle  des  Tacitiis  von  dem  paterfam.  stimmt,  dafs  jedweder 
iarl  oder  hcrsii:,  wenn  er  schon  kein  priester  war,  ein 
Opfer  verrichten  durfte.  Saxo  gramm.  p.  176  erzählt  von 
dem  getauften  Harald:  delubra  diruit,  victimarios  pro- 
scripsit ,  flaminium  abrogavit.  unter  jenen  versteht  er  wol 
blötmenn,  unter  flamines  die  priester. 

Auf  nachrichtcn  über  die  kleidung  der  nordishen  prie- 
ster bin  ich  nicht  gestofsen;  fand  ein  Zusammenhang  der 
dichter  mit  ihnen  statt?  Bragi,  der  gott  des  gesanges,  hat 
nichts  mit  den  opfern  zu  thun.  glcichwol  schien  die  diclit- 
kunst  ein  heiliges,  geweihtes  gescliaft:  Odin  bediente  sich 
gebundner  rede,  er  und  seine  hofgodar  heii'sen  liodha^ 
smidhir  (dichter.)  Yngl.  saga  cap.  6.  sollte  akd/d  (poeta, 
aber  neutr.)  sich  berühren  mit  dem  ahd.  seltnen  werte 
sgalto  (sacer)?  Diut.  1,  183. 

Wie  nah  grenzt    pocsie    an  weissngung,    der   vates  ist 


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PRIBSTBRINNEN  63 

Billiger  zugleich  und  Weissager,  Weissagung  war  aber  das 
amt  der  priester. 

IMlas  scheut  sich  ein  goth.  wort  für  das  häufig  vor- 
kommende nQocpr^r^Q  zu  brauchen,  er  setzt  immer  praii- 
f(&tus,  und  für  nQotptjriQ  praiif^teis  Luc.  2,36.  warum  nicht 
veitaga?  diesmal  sind  die  ahd.  und  ags.  Übertragungen  küh- 
ner, sie  geben  wtzago ^  pitega."^^  der  priester,  wenn 
er  augurien  imd  auspicien  vorstand,  war  ein  veitaga?  vgL 
KnTeitan  s»  19.  Die  altn.  benennung  ist  spämadhr,  und 
der  prophetin  (ags.  vttegestre)  spdhona. 

Hier  fragt  es  sich  nach  den  Weissagerinnen ,  priesterin« 
nen  des  alterthiuns. 

Das  mimdium,  worin  tochter,  Schwester,  frau  stan- 
den, scheint  sie  in  der  ältesten,  heidnischen  zeit  nicht  von 
belügen  ämtem  und  von  bedeutendem  einflufs  auf  das  volk 
auszuschliefsen. 

Tacitus,  naclidem  er,  wie  gewaltig  deutsche  frauen  auf 
die  tapferkeit  der  krieger  einwirken,  und  dafs  die  Römer 
von  einzelnen  Völkern  zu  gröfserer  Sicherheit  edle  Jung- 
frauen fordern,  gesagt  hat,  fügt  hinzu:  inesse  quin  etiam 
sanctum  et  providutn  (feminis)  putant,  **)  nee  aut  cori" 
nlia  earum  aspernantur,  aut  responsa  negligunt.  Schon 
JuL  Caesar  1,  50 :  quod  apud  Germanos  ea  consuetudo  es- 
set, ut  jnatres  Janu  eoruin  sortibus  et  vaticinationibua 
declararent,  utrum  proelium  comniitti  ex  usu  esset,  nee 
ne;  eas  ita  dicere:  non  esse  fas  Germanos  superare,  si 
ante  novam  lunam  proelio  contendissent. 

Keinen  namen  eines  germanischen  vates  hat  die  ge- 
Khichte  aufbewahrt,  aber  mehrerer  Wahrsagerinnen.  Tac. 
Germ.  8:  vidimus  sub  divo  Vespasiano  Veledam  (als  ge- 
fangene im  triumph),  diu  apud  plerosque  numinis  loco 
habitam.  bist.  4,61:  ea  uirgo  nationis  bructerae,  late 
imperitahat  ^  vetere  apud  Germanos  more,  quo  plerasque 
feminarum  fatidicas ,  et  augescente  superstitione  arbitran- 
tur  dea8.  tuncque  Veledae  auctoritas  adolevit :  nam  *pro- 
speras  Germanis  res  et  excidium  legionum'  praedixerat.  4, 
65  als  die  Cölner  mit  den  Tenctem  ein  bündnis  scliliefsen 
sollten,  entboten  sie:  'arbitrum  habebimus  Civilem  et  Ve* 
ledani  apud  quos  pacta  sancientur\      Sic  lenitis  Tencteris 


*)  das  t  nach  der  nhd.  form  Weissager,  mlid.  wlssage  (ar  wizege, 
wid  gleich  fehlerhaft  weissagen,  mhd.  wissageo  Iw.  3097.  (ahd.  wiza- 
gÖB,  agt.  vitegian.) 

*0  wilde  kraft  der  phantasie,  und  was  man  den  zustand  des  helUe- 
beas  nennt»  bat  sich  vorsugUch  in  frauen  gezeigt. 


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64  PRIBSTERINNEN 

legati  ad  Civilem  et  Veledam  missi  cum  donis,  cnncta  ex 
voluntate  Agrippinensium  per[>elravere.  sed  coram  adire, 
alloquique  Veledam  negatiini.  arcebantur  aspecUi,  quo 
venerationis  plus  incsset.  ipsa  edita  in  turre;  delectus 
e  propinquis  consulta  responsaque  ^  ut  iuternüntius  nu^ 
minis  portabat.  5,  22 :  praetoriam  triremem  flumine  Lup- 
pia doQum  f^eledae  traxere.  5,  24 :  F^eledam  propioquos- 
que  monebat.  in  den  verlornen  capiteln  des  fünften  buchs 
wäre  vermutlich  flire  gefangenscliaft  erzähll.  *)  Dieser  Ve- 
leda  giengen  andere  voran:  sed  et  olim  Auriniam  et  com-, 
plures  alias  venerati  sunt,  uon  adulatione  nee  tamquam 
facerent  deas»  Germ.  8,  Eine  spätere,  namens  Gannaj 
führt  Dio  Cassius  67,  5  an  **);  im  jalir  577  zog  Gunth- 
cramnus  eine  frau  'habentem  spiritum  phitonis ,  ut  ei  4{uae 
erant  eventura  narraref  zu  rath  (Greg.  tur.  5,  14.  bei  Ai- 
moin  3,22  heifst  sie  v[ivM&:  phytonissa  d.i.  nv&mviüoa)*^ 
einer  noch  w^eit  jüngeren  Tniota,  die  aus  Alamannien  nach 
Mainz  gekommen  war,  gedenken  fuldische  annalen  im  jähr 
847  (Pertz  1,  365.)  ♦**) 


*)  Statius  sÜT.  I.  4,  90:  captivaeque  preces  Veledae  ^  er  scaodiert 
die  beiden  ersten  silben  kurz,  und  das  scheint  richtiger,  als  des  Dio 
Cassius  Bdijda,  ich  vergleiche  den  goth.  frnuennamen  Faladamttrcti 
bei  Jornandcs  p.  m.  130,  und  den  thüring.  Ortsnamen  ffalada  bei 
Pertz  J ,  308. 

**)  Fayva  (al.  Favva)  naf^&hoq  ßtru  rrjv  Bfkij^uv  fv  rjj  Kflrutjj 
&ndi;ovat€y  vgl.  den  mannsnamen  Gannascus  ann.  11,  18,  19;  das  fem. 
Ganna^  dat.  Gannane,  noch  in  einer  lothr.  urk.  von  709.  Don  Calmet 
ed.  1728.  toin.  1.  preuves  p.  265. 

***)  Überlieferungen,  die  Hubertus  Thomas .  Leodius  vor  1585  zv 
Heidelberg  von  einem  alterthumsforscher  Joan.  Berger  aus  altem  biiefae 
(libello  vetustissiniis  characteribus  descripto)  empfangen  haben  will,  und 
in  seiner  abhaudl.  de  Heidelbergae  antiquitatibus  mittiieilt,  erzählen: 
quo  tempore  Velleda  virgo  in  Bruchteris  imperitabat ,  uetula  quaedam, 
cui  nomen  Jett  ha  eum  collem,  ubi  nunc  est  arx  heidclbergensis  et  Jet- 
thae  collin  etiam  nunc  nouien  habet,  inhabitabat,  vetustissimumqae  ph€i' 
num  incolebat,  cujus  fragmenta  adbuc  nuper  vidimus,  dum  comes  pala- 
tlnus  Fridericus  factus  elector  egregiam  domnm  construxit,  quam  do- 
vam  aulara  appeilant.  Haec  mulier  vaticiniis  inclyta ,  et  quo  venerabi- 
lior  foret,  raro  in  conspectum  bominum  prodieus,  volentibus  consilium 
ab  ea  petere,  de  jene  st  ra^  non  prodeunte  vultu,  respondehat.  et  inter 
cetera  praedixit,  ut  inconditis  versibus  canebat,  suo  colli  a  fads  eaae 
datum,  ut  futuris  temporibus  regiis  viris,  quos  nominatim  recensebat, 
inhabitaretur,  coleretur  et  omaretur,  vallisque  sub  ipsa  multo  popnlo 
inhabitaretur  et  templis  celeberrimis  ornaretur.  Sed  ut  tandeni  fabulosae 
antiquitati  valedicamus,  lubet  adscribere  quae  is  über  de  itifelici  morte 
ipsius  Jetthae  continebat.  Egressa  quondam  anioenissimo  tempore  pha^ 
TtK/n ,  ut  deambulatione  recrearetur,  progredtebatur  juxta  montes,  donec 
pervenit  in  locum,  quo  moutes  iutra  couvallem  decliuant  et  niultid  lo- 


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PRIBSTBRINNBN  65 

itne  graiitiaarigen ,  barfursen  walirsagerintiea  der  Cini*- 
lierii  bei  Strabo  (vorliiu  8.  33),  iii  weifsem  gewand,  Unne>- 
ueni  wamnis  und  mit  ehernen  spangen  gegürtet,  die  gefang^ 
nen  im  kriege  schlachtend  und  aus  dem  blut  im  opferkessel 
weissagend,  erscheinen  yrie  grausenhafte  hexen  gegenüber 
der  bnicterischen  jungft'au ;  ^  neben  der  divination  üben  sie 
zugleich  priesterliches  amt*  ihrer  genau  geschilderten  klei* 
dnng  müsteu  wir  die  der  priester  vergleichen  können. 

Zwar  im  dienste  der  gölliii  (Tac.  Germ.  40)  zeigt  sich 
gerade  ein  priester,  der  ihr  wageugespann  lenkt»  umge«» 
kehrt  treten  noi^lisehc  dienerinnen  der  gütler  auf.  au« 
einer  merkwürdigen,  Vom  christlichen  Verfasser  sichtbar  ge- 
hässig dargestellten  crzahlung  der  Olaf  Tryggv.  saga  (forum* 
sog.  2,  73  ff.)  läfst  sich  wenigstens  entnehmen,  dafs  in  Schwe-* 
den  Freys  unter  dem  volk  umziehenden  wagen  eine  jung- 
Jraii  begleitete :  Frey  var  fengin  tu  thionosto  kona  Äng  ok 
fridh,  sie  wird  genannt  kona  Freys.  Sonst  heifst  eine  prie* 
Sterin  gydja ,  hofgydja ,  ganz  nach  godi ,  hofgodi ,  *)  vgl. 
Thiu'idhr  hofgydja.  Islend.  sog.  1,  205.  Stein  vor  und  Fridh- 
gerdr.  sagabibl.   1,  90.  3,  268. 

Aber  auch  die  nordischen  quellen  heben  weniger  das 
priesterliche  amt  der"  frauen,  als  ihre  gleichsam  höhere  gäbe 
der  Weissagung  hervor. 

perita  augtirii  femina.  Saxo  gr.  121.  Valdiimarr  koiiAngV 
4tti  modur  miuk  gamla  ok  örvasa,  svd  at  hun  la  irekkju, 
en  thii  var  htm  frams5'n  af  fVtons  (Pythons)  anda ,  seni 
raai^  heidlinir  menn.  forum,  sog.  1,  76.  Hierher  scheint 
die  in  den  begrif  eines  übernaKirlichen,  höheren  Wesens, 
wie  dortSbei  Veleda,  greifende  beuennung  die  (nympha"*^ 
numen)  gehörig,  vielleicht  nicht  zufällig  heifst  die  spakoiia  ver- 
schiedentlich Thdrdts  (Vatnsd.  p.  186  ff.  forum,  sog.  l,  255. 


cb  scatnriebnat  pulcberrimi  fontes,  quil)us  vehementer  illa  coepit  <le- 
lectari.  et  n^siitens  ex  iilU  bibebat,  cum  ecce  lupa  famelica  cum  catii- 
lu  e  siiva  prorupit,  quae  coiispectäm  mulierem  nequicquam  divoä  in- 
vof^Dtem  dilanint  et  rruirtatim  discerpsit.  qaae  casii  sno  fonti  nomeii 
dedit,  Toc«tnrque  qaippe  in  iiodiernum  diem /o/za-  iaforuntf  ob  amoe- 
nitatem  loci  omnilms  iiotiis.  Es  wird  jetzt  kaum  aiijiffien,  zu  Hcliel- 
Heii  wns  liieriii  ei  lite  sage  sein  kauu  und  wh.<  die  Gelehrsamkeit  de« 
16  jh.  zur  verlierrllcliung  der  neuerbauten  pfalz  Heidelberg  (=  Ueid- 
ber;;)  zndichtete.  selbst  das  fenster  auf  dem  Uugel  mag  dem  timmi 
Her  Veleda  nactigebildet  scheinen.  Ware  der  zauberin  name  statt  Jet- 
tha  heida,  so  wurde  das  za  der  örflichkeit  besser  stimmen,  un  i  viel- 
leicht das  altn.  Heidhr  darin  wiederklingen. 

•)  konnte  das  nhd.  /rö//«?.  goihf.  goth  für  taufpathin  (susceptrix 
e  sacro  fönte)  von  einem  ähnlichen  heidn.  ausdruck  Abrig  geblieben 
Min?    Morolt  3184  gorfe  von  der  getauften  Jungfrau. 

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06  PRIESTBRINNBN 

Ulend.  sog.  1,  140.  Kormakss.  p.  204  ff.),  dta  aber^  ein  ur- 
altes wort,  bedeutet  eigeutlicii  wol  sapieus,  peritus  und 
laulele  in  der  golh.  spräche  deis^  wovou  noch  II  Cor.  11, 
3  uud  Eph.  4,  14  filudeisei  (nuvovgyia^  lißl)  übrig  ist. 
ThurUlhr  spakoua.  Islend.  sog.  1,  58.  Noch  berüiimter 
und  verbreiteter  war  der  naine  uöh>a,  der  allgemein  eine 
zaubcrhalte  Wahrsagerin  (Valnsd.  p.  44.  forum,  sog.  3,  214. 
fornald.  sog.  2,  165.  166.506)  bezeichnet,  und  dann  auf  ebe 
bestimnUe  mytlüsche  Völva  geht,  von  welcher  eins  .der  äl- 
testen eddischen  lieder  Völuspd  handelt,  entw.  steht  hifr 
vülu  für  vülvu,  oder  es  läi'st  sich  die  ältere  form  Vala 
(gen.  Völu)  beliaupten,  beiden  würde  ein  ahd.  Walawa 
oder  Wala,  das  au  jenes  nur  anders  abgeleitete  Walada 
malineu  kann,  entsprechen,  in  der  saga  Eh*ik8  rauda  tritt 
Thorbiörg ,  die  kk«ine  Vala  auf  (edda  8tem.  hafn.  3,  4.) 
Heidhr  heifst  nichl  blofs  die  yölva  der  edda  (Saem.  4^  vgi. 
118*),  sondern  aucli  die  der  Or\  ai'oddss.iga ;  (vgl.  sagabibl. 
3,  155.)  Hyndla  (canicula)  die  auf  Wolfen  reitende,  iii 
der  hole  wohnende  weissa^^erin.  ich  vermute  auch  die  Jung- 
frauen T/iorgerdhr  und  Irpa  (rornm.  8()g.  2,  108.  3,  100. 
11,  134 — 137.  142.  172),  denen  fast  göttliche  ehre  wi- 
derfuhr und  der  beinamc  hörgabrAdr  (nympha  hicorum) 
aber  auch  der  name  gudli  (nuuien)  Nialss.  cap.  89  gegeben 
wurde,  sind  aus  dieser  reihe  nicht  auszuschliefsen. 

AVir  werden  auf  die,  nach  einem  tiefen  zug  unserer 
m ythologie ,  in  das  übermenscliliche  streifenden  klugen  und 
weisen  frauen  zurückkommen ;  hier  sollte  nur  ihr  ziisam- 
uienhaug  mit  opferu ,  Weissagung  und  pricsterliium  darge- 
llian  werden. 


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GÖTTBR  ö? 


CAP.   VI.    GOTTER. 

Jel2l  sclieiut  die  untersucliuiig ,  ob  schon  für  die  älteste 
zeit  in  Deutschland  vrirkliche  götter  zu  behaupten  seien? 
völlig  vorbereitet«  alle  zweige  unserer  spräche  haben  die 
selbe  allgemeine  benennung  der  gottheit  gekannt  und  bis  auf 
den  heutigen  tag  beibehalten;  alle  oder  doch  die  meisten^ 
insofern  mangelliaftigkeit  der  quellen  Zeugnisse  vervollstän- 
digen läCst,  zeigen  gleiche  oder  wenig  abweichende  aus- 
drücke für  die  heidnischen  begriffe  des  cultus,  des  opferns, 
der  tenipel  und  des  priesterthums.  Besonders  leuchtet  un- 
verkennbare analogie  hervor  zwischen  dem  altnordischen 
Sprachgebrauch  und  den  viele  Jahrhunderte  älteren  Über- 
lieferungen der  anderen  dialecte:  die  nordischen  Aesir,  blii- 
ta,  hörgr,  godi  waren  den  Gothen^  Alamannen^  Franken, 
Sachsen  langst  vorher,  und  in  dem  nemlichen  sinn,  be- 
kannt, aber  einstimmung  und  ähnlichkeit  erstrecken  sich 
über  die  Wörter  hinaus  auf  die  gebrauche  selbst;  in  heili- 
gen hainen  wurden  die  ältesten  menschen  imd  thieropfcr 
dargebracht,  priester  leiteten  opfer  und  Weissagungen,  weise 
frauen  genol'sen  beinahe  göttliches  ansehen* 

Der  beweis  9  den  die  gleichlieit  der  spraclie  au  band 
gibt ,  ist  für  sich  schon  hinlänglich  und  entscheidend«  wenn 
verschiedene  abtheilungen  eines  volks  eine  und  die  selbe 
stäche  reden ,  haben  sie  auch  so  lange  sie  ihrer  natur  über« 
lassen  bleiben  und  nicht  gewaltsamem  einfluTs  von  aufsen 
her  ausgesetzt  sind,  immer  gleiche  weise  des  glaubens  und 
der  gottesverehrung. 

Das  deutsche  volk  liegt  mitten  zwischen  Celten ,  Sla« 
ven,  Litthauem,  Finnen,  lauter  Völkerschaften,  die  götter 
erkennen  und  eines  geordneten  cultus  pflegen,  slavische 
Völker,  in  weit  entlegene  gebiete  verbreitet,  haben  ihre 
hauptgötter  gemeinschaftlich,  wie  sollte  es  in  Deutschland 
anders  sein? 

Beweise  für  die  echtJieit  der  nordischen  göiterlehre 
zu  fordern,  darüber  sind  wir  endlich  hinaus.  Jede  critik 
lähmt  und  zerstört  sich,  die  damit  anhebt  zu  leugnen  oiler 
zu  bezweifeln,  was  In  einer  unter  dem  volk  lebendig  ge- 
bornen  und  fortgepflanzten  poesie  und  sage  enthalten  ist, 
und  vor  äugen  liegt,  sie  hat  es  lediglich  zu  sammeln,  zu 
ordnen  und  die  bestandtheile  in  ihrem  geschichtlichen  stu- 
feogang  zu  entwickeln« 

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08  GÖTTER 

Billiger  weise  darf  also  nur  in  frage  gestellt  werden, 
ob  die  unbesireilbaren  güller  des  Nordens  auch  für  das 
übrige  Deiitscliland  gelten?  sie  im  allgemeinen]  zu  beiahen 
st-heiiU  nach  den  vorausgehenden  Ergebnissen  imserer  for- 
scliung    aller   grund  vorhanden  und  beinahe  nothwcndig. 

lüne  verneinende  antworl,  wenn  sie  sich  recht  be- 
griffe, halle  zu  behaupten,  dafs  die  nordische  götterreihe,  ih- 
i'em  wesen  nach,  ehmals  auch  dem  innern  Deutsclüand  gemein, 
durch  die  frühere  bekehrung  hier  vernichtet  und  erloschen 
sei.  aber  eine  menge  ausnahmen  und  zurückgebliebetier 
spui*en  würden  die  behauptung  einschränken ,  und  v^as  noch 
aus  ihr  gezogen   werden  mücble  bedeutend  verändern. 

Man  hat  inzwischen  auf  ganz  andere  weise  zu  vernei- 
nen gesucht  und  die  ansieht  aufgestellt,  jene  gottheiten  seien 
sonst  in  Deutschland  überhaupl  niemals  vorhanden  gewesen 
und  dessen  ältesten  einwohnerii  nichts  als  ein  grober,  göt- 
t erloser  naturdienst  eigen. 

Diese  meinung,  eine  wesenllichc  Unterscheidung  zwi- 
schen germanischem  und  scaudinavischem  heidenthum  ma- 
chend, und  alle  spuren  miskenncnd,  welche  sich  uiibefang« 
ner  forschung  als  unveiwerlüche  zeugen  für  die  gemeinschaf) 
beider  zweige  eines  volks  ergeben ,  legt  vorzügliches  gewiciu 
auf  einige  äufserungen,  ch'e  etv\'a  seit  dem  sechsten  jh.  über 
die  beschaffenheil  des  lieiduischen  glaubens  vorkommen,  mei- 
stentheils  rülu^en  sie  her  aus  dem  munde  eifriger  Christen, 
denen  es  gar  nicht  angelegen  war,  das  angefeindete  hei- 
denthum kennen  zu  lernen  oder  darzustellen ,  die  vielmeln* 
davon  ausgiengen,  vor  den  rohesten  erscheinungen  seines 
ciütus  als  verabscheuimgswürdigem  greuel  zu  warnen. 

Es  wird  erforderlich  sein  die  hauptsächlichsten  stellen 
in  ihrer  einförnügkeit  und  eiuseiligkeit  zu  überblicken. 

Agalhias,  (-J-  vor  582)  selbst  ein  neubekehrler  Grieche^ 
der  was  er  von  fernen  Alamannen  vernommen  hatte,  nur 
aus  christlichgerärbten  berichten  wissen  konnte,  stellt  den 
alamannisohen  cullus,  gegen  über  dem  fränkischen,  so  dar: 
dir^Qct  re  ydg  rtva  iXaG%ovTai  vm\  ^tt&Qct  nora/imv  nal 
)Mfpovg  kui  (fuQayycts,  k«J  Tovioig  ötaneg  oaia  rfipcSyrcff. 
28,  4.  darauf  folgen  die  s.  28  angeführten  worte  über  ihre 
pferdeopfer. 

Aber  sein  gegensatz  zu  den  Franken  geht  schon  ver- 
loren ,  wenn  wir  von  diesen  aus  Gregors ,  ihres  ei'slen  ge- 
srhichtschreibers ,  munde  fast  ganz  das  nendiche  versicheru 
hören :  sed  haec  generatio  fanalicis  seniper  cidtibus  visa  esl 
obsequiinn  praebuisse,  nee  prorsus  agnovere  deum  (den 
wahren),  sibique  siivarum   alquc  aquarum,  aviiun ,    bestia- 


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GÖTTER  e» 

rüinqäe  et  aliorum  quoque  elementonini  fiiixere  formas, 
ipsasque  ut  deiim  colere  eisque  sacrlGcia  deUhare  consueü. 
Greg.  tur.  2^  10.  Alinlicli  von  den  Sachsen  EiiiliaiHl  in  der 
Vita  Caroli  cap.  7:  sicut  omnes  fere  Germauium  incolenles 
natioDes  et  natura  feroces  et  cultiü  dacmonuni  dedili,  no- 
tlraeque  rellgioni  contrarii.  Ruodolf  >oii  FiiiiL  uaclidem  er 
Tacitus  und  Eiuiiard  ausgesdu^ieben  liat ,  (iigt  uocli  hinzu 
(Perlz  2,  676) :  nam  et  frondosis  arboribus  foiilibusque  ve- 
Derationem  exbibebant,  '^)  und  erwälmt  dann  der  Irniinsül, 
fon  welcher  ich  ini  verfolg  handeln  werde.  Endlich  versi- 
chert von  den  Holsteinern  Hehnold  1,  47  :  nihil  de  religio» e 
nisi  Domen  tantuni  cliristianitatis  habeules.  nam  lucoruiu 
et  fontium,  ceterarumque  superstitionuni  nmUiplex  errui- 
i^ud  eos  habetui\  .  .  .  Vicelinus  .  •  lucos  el  onines  ritus  sa- 
criiegos  destruens  cet. 

Ganz  in  solchem  sinne  gefafst  sind  auch  die  verhole 
beidnischer  und  abgöttischer  brauche  in  den  couciiienschlüs- 
Beii  und  gesetzen.  conc.  autissiod.  a.  586.  can.  3 :  non  licet 
inter  sentes  aut  ad  arl>ores  sacrivos  vel  ad  Fontes  vota  ex- 
•dvere;  vgl.  conc.  turon.  II.  a.  566  can.  22.  leges  Liutpr. 
6y  30 :  simili  modo  et  qui  ad  arboi^m ,  quam  rustici  san- 
gumom  (al.  sanctivam,  sacrivam)  vocant  atque  ad  foutanas 
adoraveril.  capit.  de  partibus  Sax.  20:  si  quis  ad  föntet 
ant  arbores  vel  lucos  votum  fecerit,  aut  aliquid  more  gen- 
tftinm  oblulerit  et  ad  honorem  daemonvun  coniederil.  Und 
ik  bekehrer,  die  christiiclien  geistlichen  hatten  Jahrhun- 
derte lang  wider  den  fast  unausrottbaren  uufug  zu  eifern. 
CS  genügt  blof«  aus  den  actis  Bened.  sec.  1.  p.  668  auf  die 
predigten  des  Caesarius  episcopus  arelatengi»  (f  542)  con- 
tra sacrüegos  et  aruspices,  contra  kalendarum  quoque  pa- 
gauissimos  ritus.  contraque  augiu^es  lignicolas,  i'onticolas 
%u  verweben. 

Alk  diese  stellen  enthalten  keine  unwahrheil ,  nur  nicht 
&  ganze  Wahrheit. 

Götterlosigkelt  des  deutschen  heidenthums  thuo  sie  un- 
möglich dar;  einmal  weil  sie  aus  zeiten  herrühren,  wo 
das  heidenthiun  nicht  mehi-  frei  und  ungestört  waltete,  son- 
dem  von  der  neuen  lehre  heftig  angefeindet ,  gröfstentheils 
schon  tiberwältigt  v^ar.  seine  allgemeine  Übung  hattq  auf- 
gehört, chizelne  anhänger  hegten  es  schüchtern  in  vei-sto- 
Ifn  beibehaltnen  gebrauchen ;  daneben  gab  es  Christen,  die 
«n«  einfalt  o<i«r  iiihum    fortfuhren   abergläubisclie  cerenio- 


•)  <Wn  Rao<k>lf  schmbt  Adam   voa  örerocu  wieder  ab.    cd.  1595. 


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70  GÖTTER 

nie»  *  Duben  den  cliHstUchen  zu  treiben,  vemchtungeti  auf 
«olclic  weise  hin  und  wieder  unter  dem  gemeinen  häufen 
unvorLügt,  aber  aller  ordnenden  leitung  heidnisdier  prie- 
fter  entzogen,  musten  sich  schnell  vergröbern  und  nuu  nb 
i*ohe  Überbleibsel  eines  ältei^en  glaubens  erscheinen,  den  man 
pichl  nach  ilinen  ermessen  kann.  So  wenig  die  in  teufeln 
und  hexen  der  späteren  zeit  uns  verhüllten  höheren,  reine- 
ren vorsteUiuigen  des  altcrthums  zu  miskennen  sind,  so 
wenig  dürfen  wir  scheu  tragen,  jene  paganien  auf  die 
ungetrübte  quelle  der  vorzeit  zurück  zu  leiten,  verhole 
und  predigten  lüelten  sich  streng  an  die  practische  Seite  der 
Sache  und  hatten  gerade  ihr  absehen  auf  die  letzten  verhafsten 
Überreste  des  falschen  glaubens.  Eine  stelle  in  Cnuts  ags« 
gesctzen  (Schmid  1,  150)  lehrt,  dafs  der  quellen  und  haum- 
dieiist  die  anbctung  der  götter  an  sich  nicht  ausschliefse: 
hipdiienscipe  bidh,  tliät  man  deofolgild  veordhige,  thHt  is, 
tliiit  man  veordhige  haedliene  godas,  and  sunnan  odhdhe 
niunan,  fyre  odhdhe  fl^dväter,  vyllas  odlidlie  st&nas  odh- 
dhe a;niges  cynnes  vudutreova.  ganz  ebenso  heifst  es  fomm. 
sog.  5,  239  von  Olaf  dem  heiligen^  dafs  er  die  heidnischen 
opfer  und  götter  getilgt  habe:  ok  mörg  önnur  hldtskapor 
skfftmsl ,  basdlii  hanu*a  ok  hörga ,  skAga,  vötn  ok  tr^  ok  uU 
pnnur  blöt,  basdhi  meiri  ok  minui. 

£s  kann  aber  noch  ein  anderer  grund  gedacht  werden, 
^'arum  die  vielleiclit  unverschollenen  heidnischen  götter  bei 
solchen  anlassen  verscliwiegeu  bleiben;  christliche  geistliche 
scheuten  sich  ihre  namen  auszusprechen,  ilire  Verehrung  näher 
zu  beschreiben,  ratlisam  erscliien,  sie  unter  der  allgemeinen 
i^eneniunig  von  dämonen  oder  teufeln  zu  begreifen,  und  ihre 
wirkssimkeit  durch  eingescliärlte  verböte  dessen,  was  sich  von 
jiu^ni  cultus  zuletzt  erhalten  hatte,  vollends  zu  zerstören. 
\Vle  ihm  sei,  auf  keinen  fall  lassen  sich  darstellungen* 
dos  gesunkenen^  zerfallenden  heidenthums  den  nachrichten 
zur  ^eite  setzen,  ^p  un$  fünf  bis  acht  Jahrhunderte  frnhlSr 
Tacitus  von  ihm ,  da  es  nocli  in  seiner  vollen  kraft  bestand, 
gegeben  hat«  ?eugt  die  in  der  gewohnheit  des  volks  haf- 
tende anbetimg  der  baiune  und  Iltisse  nicht  mehr  für  das 
dasein  der  götter,  wie  laut  kündigen  es  die  unvollständigen 
ynd  mangelhaften  mittheilungen  des  fremden  Römers  an. 
wenn  er  fiusdrncklich  redet  von  einein  deus  terra  editus, 
YO.n  helfen  \u\d  abkömmlingen  des  gottes  (plures  deo  ortos), 
Ypn  dem  gott,  der  die  kriege  lenkt  (velut  deo  imperanle), 
yon  den  namen  der  götter  (deorum  nominibus),  die  das 
Volk  auf  heilige  haine  übertrug,  von  dem  priester,  der  keine 
Weissagung   beginnt,    ohne  die   götter   anzuflehen  (precatu* 


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GÖTTER  ^  71 

deos)  und  atch  fiir  den  diener  der  gutter  (ministros  deo- 
rtwi)  hält,  von  einem  regnator  omni  tun  deus^  von  den 
göltern  Deutschlands  (Germaniae  deos  in  aspectu.  hist.  5, 
17)  wenn  er  auch  einzelne  gofUieiten  unlerscheidend  rönü- 
sche  namen  auf  sie  anzuwenden  sucht  und  (interpretatione 
romana)  einen  Mars,  Mercurius,  Hercules,  Caslor  und 
Pollux,  eine  Isis  nennt,  ja  für  den  deus  terrd  cdllus  und 
dessen  söhn,  für  eine  güttin,  terra  matcr  den  deutschen 
ausdruck  beibehält ;  wer  vermag  da  zu  leugnen ,  dafs  in 
jener  zeit  die  Deutschen  leibhafte  gütter  verehrten?  wie 
läl'stsich,  alles  andere,  was  wir  von  derspraclie,  der  frei- 
heit,  den  sitten  und  tugenden  der  Germanen  wissen,  hin- 
zugenommen,  der  gedanke  festhalten,  sie  hauen  In  dum- 
pfem fetischismus  versunken  sich  vor  klotzen  und  pfützen 
oiedergeworfen  und  ilmen  rohe  anbetung  erwiesen? 

Caesars  meinuug*),  der  die  Deutschen  oberllächlich^r 
kannte,  als  hundert  jalire  nachher  Tacitus,  darf  der  Wahr- 
heit keinen  abbnich  thun :  er  will  unsere  vorfahren  den 
Galliern,  mit  denen  er  vertrauteren  verkehr  gepflogen  hatte, 
entgegenstellen;  und  die  pcrsonilicationen  der  sonne,  des 
fcuers,  des  mondes,  worauf  er  die  zalil  aller  götter  bcscliränkt, 
ertragen  kaiun  gezwungene  ^römische  auslegimg\  Setzen  wir 
Apoll  und  Diana  an  die  stelle  der  sonne  und  des  mondes, 
wie  wenig  entsprächen  sie  gerade  der  festgewurzelten  ei- 
genthümlichkeit  deutscher  vorslellungsweise ,  worin  jene  als 
weibliches,  dieser  als  männliches  wcsen  aufgclafst  wird, 
und  die  schon  der  beobachtung  des  Römers,  wenn  sie  tie- 
fer eingedrungen  wäre ,  nicht  hätte  entgehen  dürfen,  Vul- 
can,  dem  uord.  Loki  vergleichbar,  eine  der  gottheiten,  von 
der  sich  in  dem  übrigen  Deutschland  die  geringste  sj)ur 
»eigl,  hatte  ohne  zweifei  weniger  beginindung,  als  die 
gleich  sichtbaren  und  hilfi'eichcn  gütter  der  nälirenden  erde 
und  des  labenden,  fischreichen  schüTetragenden  wassrrs. 
ich  kann  Caesars  worle  für  nichts  als  eine  halbwahre, 
allgemeingehaltene  ansieht  nelunen,  die  gegen  Tacitus  be- 
fttinmiteie  gewähr  weder  andere  götter  verdächtigen,  noch 
tiel  weniger  einen  blofsen  elementardienst  unter  den  Ger- 
manen darthim  mag. 

Wir  sind  nxmmehr  zu  folgendem  resultat  gelangt,  in 
dem  ersten  Jahrhundert  unserer  zeiti-echnung  beruhte  die 
rcligion    der   Deutschen  wesentlich    auf  göttern ;    tausend 


*)  deorum  niimero  eos  »olus  diioiiut,  quos  ccriiuul,  et  quonim 
•pÜNM»  nperte  juvautur,  !>olem  et  7  uUanum  et  Lunam  t  rcliquos  u« 
fsiia  quidem  aiTe|>crimt.  B.  G.  6,  21. 


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72  GÖTTEa 

zwoiriuiaderl  jähre  später  hat  sieb  unter  dem  nördUcheD 
volksllieil,  der  seiiieu  angcstanuiiten  glauben  zuletzt  für 
den  ueuen  lüiigab,  das  alte  guttcrsystem  am  YoUständigaten 
bewahrt,  an  beiden  endpuuclen  des  hcidenthums^  da,  wo 
es  in  der  geschlclue  fiii*  uns  auftiutt,  und  imtergeht,  haftet 
durch  spräche  und  nie  abgebrochene  Überlieferung  das  mitt- 
lei*e  Deutschland  vom  fiiiiCteu  bis  zum  neunten  jdirhundcrt. 
lun  diese  zeit  erschehien  uns  die  gestalten  der  hcidengütter 
in  dem  schwachen  und  fcindseUgen  licht,  das  bericht«  der 
neubekehrten  auf  sie  werfen,  erblichen  und  verworreo, 
immer  aber  noch  als  götter. 

Es  mufs  hier  wiederholt  werden,  dafs  Tacitus  von 
keifiem  simulacfum,  von  keinem  nach  menschlicher  gestalt 
geformten  bilde  *)  germanischer  götter  weifs ;  was  er  cap, 
0  im  allgemeinen  gesagt  hatte,  versichert  er  cap.  43  für  den 
l)08oudern  fall,  und  wir  haben  keine  ursaohe  dieser  versi- 
clionuig  glauben  zu  weigern,  das  wirkliche  dasein  von 
hlldseulen  zu  jener  zeit  in  Deutscldand,  wenigstens  dem 
ihnen  zunächst  bekannten  theilc,  wäre  den  erkundigungen 
Her  Römer  kaum  entgangen.  ISichts  kennt  er  als  signa  und 
Jbr/nas ,  wie  es  scheint,  geschnitzte  und  gefärbte,  die  zu 
der  gottes Verehrung  symbolisch  gebraucht  und  bei  gewissen 
uidässen  herumgetragen  wui^den*,  wahrsdieinlich  enthielten 
sie  irgend  eine  beziehung  auf  die  natur  und  das  wesea 
einzelner  götter.  das  Signum  in  modum  liburnae  figura- 
tum  (cap.  9)  bezeichnete  die  schiffende  gottheit,  die  Jorniae 
aprorum  (cap.  45)  den  gott,  dessen  geheiligtes  thier  der 
ober  war,  und  so  sind  andere  thierbilder  bei  dem  gottes- 
dienst  zu  nehmen.  Von  dem  mit  ge wandern  zugedeckten 
vehituluin  der  göttin  Erde  wird  hernach  geredet  werden. 

Die  ab  Wesenheit  der  bildseuleu  und  tempel  ist ,  bei  dem 
Unvermögen  aller  kunslferligkeiten  in  jener  periode  eine 
der  belrachtung  willkonmme  und  vorlheiljiafte  eigenschaft  des 
germanischen  cultus.  nur  folgt  daraus  sicher  nicht,  dai's  in  der 
damaligen  Vorstellung  die  götter  menschähnlicher  gestaltung 
ermangelt  hätten;  ohne  das  wäi'en  götter,  denen  mensch- 
liche begcbenheiten  beigelegt  wurden  und  die  der  mensch  in 
Stele  beriihrimg  mit  sich   setzt,    rein    imdenkbar.      Waren 


*)  gotli.  inanUikat  atid.  manalihho  *  altn.  likneskii  ein  anderer 
Ausdruck  war  alid.  auara,  piladi ,  piliiU  (graiiim.  1 ,  389.  2,  237) 
i.Ht  allgemein  efligies,  imago;  man  hapte  im  mittclalter  für  ersdiaffen, 
bilden  ein  hiltle  ^iezen  (gramm.  2,  19)  Waltli.  45,  2ft.  MS.  1,  I95i> 
2,  22Hl>  ein  scha*ne  Juncfrouwen  ergiezen.  Cod.  vindob.  428  nuin. 
211;  i'in  htl<fe  jnezzen.  Troj.  19626,  wczzeii.  min*.  2,  186  (*gl.  nie- 
tod,    niii'tiidr,  oben  s.  15.) 


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GÖTTER.    BILDER  73 

damah  schon ,  ytbb  icli  eher  behaupte ,  als  leugne ,  deutsche 
poesien  vorhanden,  wie  hätten  die  dichter  den  gott  anders 
dargestellt  als  in  menschhchem  aussehen? 

Versuche^  götterbilder  zu  fertigen,  konnten  gleicliwol 
in  jeder  zeit  und  bereits  in  der  (rulLSten  gemacht  werden; 
es  bleibt  möglich,  dal's  das  innere,  den  Römern  mhider 
zugängliche  Deutsclilaud ,  tcmpei  und  bildseulen  hin  imd 
wieder  bewahrte,  in  den  folgenden  Jahrhunderten,  als  sich 
die  tempelbauten  mehrten,  müssen  aber  auch  mit  gi^öfster 
wahrsdieinlichkeit  bilder,  die  ihren  räum  erfüllten,  ange- 
uommen  w^erden. 

Der 'Sprachgebrauch,  wo  nicht  die  keinen  zweifei  gestat- 
tenden ausdrücke  aimulacra  oder  ima^z//e^  angewendet  sind; 
bedient  sich  einzelner  Wörter,  deren  sinn  schwankt,  und  aus 
dem  begrüie  des  tempels  in  den  des  bildes  übergeht,  eben 
wie  früher  die  bedeutung  des  hains  sich  mit  dem  des  nu- 
Hiens  mischte,  auf  solche  weise  bezeichnet  das  ahd.  abcutj 
abciUi  bald  fana,  bald  idola  iind  statuae.  Diut.  1,  497b 
513»  515*  533^;  nicht  anders  das  nhd.  göUe  zugleich  den 
ftbgott,  sein  bild  imd  seinen  teuipel  Toben  s.  11.  gramm. 
3,  694.)  gleiche  Zweideutigkeit  mag  idolum  haben,  wo 
es  nicht  ausdi*ücklich  von  delubrum,  fauum  und  templum 
unterschieden  wird,  wenn  es  im  allgemeinen  heifst:  idola 
cdere,  idola  adorare,  idola  destruere,  folgt  daraus  allein 
nicht,  dafs  bilder  gemeint  sind,  denn  es  wird  gleich  häu£g 
und  in  dem  selben  sinn  gesagt  adorare  fana,  destruere  fana. 

Einigemal  kommt  noch  die  edlere  benennimg  deus^  wie 
bei  Tacitus,  gebraucht  vor:  cumque  idem  rex  (Edvine,  im 
i.  625)  gratias  ageret  diia  suis  pro  nata  sibi  filia.  Beda  2,  9* 

Folgende  stellen  bezeugen  bildliche  darstellungen  der 
gütter;  auf  ihre  besclireibung  lassen  sie  sich  nicht  ein,  wir 
sind  froh  nebenbei  audeutungen  zu  erhaschen. 

Das  älteste  zeugnis  führt  erst  in  die  zweite  halfte  des  vier- 
ten )b.,  ist  aber  sonst  eins  der  merkwirdigsten.  Sozome- 
üus  bist.  ecd.  6,37  gedenkt  der  vielfachen  gefahren ,  in 
welchen  Uifilas  unter  den  heidnischen  Gothen  schwebte) 
Äi  zmv  ßaQßagwv  iXktjvtxwe  S-QfjoxevovTOJV^  iXXfjvixäg 
bedeutet  hier  auf  heidnische  weise,  und  das  &Qt;aKevuv 
(gottverehi'en)  beschreibt  er  sogleich  naher,  indem  er  mel- 
det, welche  verfolgiuigen  der  Christen  Atliauarich  (f  382) 
unternommen  habe.  Athanarich  befalil,  die  bildseule  (of- 
fcubai*  des  golhisclien  gott^es)  auf  einem  wagen  (^ouroy 
t(p  aofta/ia^i^s  iarw^)  vor  den  wohmnigeii  aller  des  cliri* 
•tenthums  verdächtigen  hemm  zulnhi-en ;  weigeiien  sie  sich 
mederzufallen    und   zu    opfern  {',t()Oi:Kvy€iv  mu  övttp),  so 


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74  CÖTTBR.    BILDßft 

»oUte  ihnen  das  haus  über  dem  haupt  angeziindet  werden, 
unter  aQ/na/naia  denkt  man  sich  einen  verdeckten  wagen; 
ist  es  nicht  ganz  das  vehiculutn  veate  contectum^  worauf 
unsichtbar  die  göttin  herumgeführt  wurde  (Tac.  Germ.  40)? 
nicht  ganz  das  vagn^  auf  dem  Freyr  imd  seine  prieMeria 
safsen,  wenn  er  zu  lieiliger  zeit  unter  dem  schwedischen 
Volke  umzieht  (forum,  sog.  2,  74.  75)?  selbst  die  tarrdr- 
0chen  unserer  gedichte  des  mittelalters ,  mit  den  sarazeni- 
schen gottern,  das  carroccio  der  lombardischen  Städte  (HA. 
263 — 265)  scheinen  nichts  ala  die  spat  fortdauernde  eria- 
nerung  an  jene  uralten  göUcr>vagen  des  heidenthums. 

Was  uns  Gregor,  tur.  2,  29 — 31  von  Chlodovichs 
taufe  und  den  Dir  vorhergegangenen  begebenheiten  meidet, 
ist  sichtbar  verziert,  imd  namentlich  halte  ich  die  redeo 
der  köntgin  für  erdichtet;  allein  er  hätte  sie  ilu*  schwer- 
lich in  den  mund  gelegt,  wenn  aUgemcin  bekannt  gewesen 
wäre,  dafs  die  Franken  gai*  keine  gütter  und  bUdseulen 
hatten.  So  spricht  Chrothild  zu  Du^em  gemahl,  den  sie 
für  die  taufe  einneiimen  will :  nihil  sunt  dii  •  quos  Colitis, 
qui  neque  sibi  neque  aliis  poterunt  sub venire :  sunt  enim  aut 
ex  lapidey  aut  ex  ligno  aut  ex  metallo  aliquo  «ciUpti, 
nonüna  vero,  quae  eis  indidistis,  homines  fuere,  non  dii. 
nun  führt  sie  den  Saturnua  und  Jupiter  an,  mit  besa- 
gen die  aus  der  classischen  mythologie  genommen  sind ;  dar- 
auf: quid  Mar 8  Mercuriusque  potuere?  qui  potius  sunt 
magicis  artibus  praediti,  quam  divini  numinis  potentiam 
habuere.  sed  ille  magis  coli  debet,  qui  coehun  et  terram, 
mare  et  omnia,  quae  in  eis  sunt,  verbo  ex  non  extantibus 
procreavit,  cet.  Sed  cum  haec  regina  diceret,  nuUatenus  ad 
credeudum  regis  animus  movebatur,  sed  diccbat:  deorum 
noMtroriuii  jussione  cuncia  creantur  ac  prodeuut.  deus 
vero  vester  nihil  posse  manifestatur,  et  qnod  magis  est» 
ncc  de  deonini  gener e  esse  probat ur  (das  klingt  deutsch 
genug.)  Als  das  christlich  getaufte  söhnleiu  bald  stirbt,  sagt 
Chlodovich:  si  in  nomine  deorum  meorum  piier  fuissel  </«- 
caius,  vixisset  utique;  nunc  autem  quia  in  nomine  dei 
vestri  baptizatus  est,  vivei^e  omnino  non  potuit.  Solch  ein 
umständlicher  bericht  von  Chlodovichs  heideutlmm,  kaum 
hundert  jähre  nach  dem  ereiguis  und  aus  dem  mund  eines 
unterrichteten  geistlichen,  wäre  abgeschmackt,  wenn  ihm  gar 
nichts  walu*es  unterläge.  sobald  Gregor  einmal  au  die 
stelle  der  fränkischen  götternamen  lateinische  setzte  (worin 
er  ganz  die  ansieht  und  gowohnlieil  seiner  zeit  befolgte), 
nuiste  er  von  selbst  daran (' gt^rathen,  auf  diese  n amen  auch 
lateinische  fabeln  zu  beziehen,  und  es  ist  nicht  zu  überse- 


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OÖTTBB.    BILDBR  n 

hm,  dtCi  die  vier  genannteu  gölter  lauter  wocheutaggötter 
dnd,  d.  h.  dergleichen  YöUig  hergebracht  war  den  einhei* 
Huschen  gottheit^n  mi  identificieren.  ich  scheine  mir  also  nicht 
unbefugt,  die  stelle  wenigstens  für  die  existenz  fränkischer 
gütterbilder  beizubringen. 

Die  erzählung  eines  Vorfalls  aus  dem  beginn  des  sie- 
benten ih-  gehört  nach  Alamannien.  Columban  und  der 
heil  Gallus  trafen  im  )•  612  bei  Bregenz  cm  Bodensee  einen 
sitE  der  abgötterei:  tres  ergo  iinagines  aereaa  et  deau^ 
ratas  superstitiota  gentilitaa  ibi  colebat,  quibus  magis 
quam  oreatori  mundi  vota  reddenda  credebat.  so  berichtet 
die  noch  im  achten  )li.  aufgezeiclmete  vita  8.  Galli  bei 
Pertz  2,  7.  umständlicher  Walafrid  Strabo  in  der  vita  S. 
Galli  (acta  Bened,  sec.  2.  p.  233):  egressi  de  navictda 
Mutorium  in  honore  S.  Aureliae  constructum  adierunt  •  •  • 
post  orationem  cimi  per  g3rrum  oculis  cuncta  lustrassent, 
placnit  Ulis  qualitas  et  situs  locorum,  deinde  oratione 
praemissa  circa  Oratorium  mansiunculos  sibi  fecerunt,  Re- 
pererunt  autem  in  templo  tres  imaginea  aereaa  deaurt^ 
Uta  pdrieti  aßixaa^  quas  populus,  donisso  altaris  sacri 
cultu ,  adorabat,  et  oblatia  aacrificiia  dicere  consuevit :  isti 
sunt  du  ifeterea  et  antiqui  hujua  loci  tutorea,  quomm 
solatio  et  nos  et  nostra  pcrdiu^ant  usque  in  praesens«  •  •  • 
cnrnque  ejusdem  templi  solemnitas  ageretur,  venit  multi- 
todo  non  minima  promiscui  sexus  et  aetatis,  non  tantum 
propter  festivitatis  honorem^  vei*um  etiam  ad  videndos  pe- 
regriuos ,  quos  cognoverant  adveuisse.  • .  •  Jussu  venerandi 
abbalis  (Columbani)  Gallus  coepit  viam  verilatis  ostendere 
populo  • .  • .  et  in  contpectu  omnium  arripiens  aimulaoraf 
et  lapidibus  in  jruata  comminuena  projecit  in  lacum. 
hie  visis  nonnulli  conversi  sunt  ad  dominum.  Hier  erscheinen 
heidnischer  und  christlicher  cultus  sonderbar  vermengt,  in 
einem  zu  ehren  der  heil.  Aurelia  eingerichteten  bethaus 
stehen  nocli  drei  heldnisclie  bildseulen  an  der  wand,  denen 
das  Volk  fortfährt  zu  opfern,  ohne  den  christlichen  altar 
zu  bernhren:  es  sind  ilim  seine  alten  schützenden  gotthei« 
ten.  nachdem  der  bekehrer  die  bilder  zerschlagen  und  in 
den  Bodensee  geworfen  hat,  wendet  sich  ein  theil  dieser 
Heiden  zum  christenthum*  wahrscheinlich  entarteten  auf 
solche  weise  an  mehreren  orten  die  ältesten  christlichen 
gemeinden  durch  das  übergewicht  der  heidnischen  Volks- 
menge und  die  falirlässigkeit  der  priester.  *)    In  zweifei  kann 


•)  Bromton   in  »fincr  clironik  (Twysden  p.  T45)  erznlilt   v<»n  Hern 
o«taiigrt»chefl  kOuig   Redraki  (der  zu   eingang   des  T.  Jh.   If  bte) :  jatn 


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W  OÖTTßll.    BILDER 

66  aber  gezogen  werden,  ob  unler  diesen  Keidengütteru 
akniannische  zu  verstehen  sind,  oder  vieDeicht  i*ömisclie? 
römischer  gottesdienst  in  althelvetischer  gegpnd  wäre  denk* 
bai*,  und  dii  tutores  loci  lautet  fast  danach,  auf  der  an* 
dern  seite  mufs  erwogen  werden,  dafs  Alaniannen  hier 
schon  seit  drei  jahrhimderten  hausten  und  ein  andrer  cultus 
als  der  ihrige  kaum  noch  volksmäfsig  sein  konnte.  Jonas 
in  der  älteren  leb^sbcschi^ibiuig  derselben  beiligen  gedenkt 
des  entscliieden  deutscldieidnischen  Wuolansopfers ,  am 
benaclibarten  Ziirchersee.  *)  eudlidi  erscheint  die  Verbin- 
dung dreier  gottlieiten  zu  gemeinschaftlicher  Verehrung  her- 
vorstechender zug  unseres  einheimischen  heidenthums ;  wenn 
die  Römer  einen  tempel  füi'  melu^re  götter  widmeten,  wur- 
den ihre  bildnisse  nicht  neben  einander,  sondern  in  ver- 
schiedenen Zellen  aufgestellt.  Ratpert  (casus  8.  Galli.  Perlz 
2,. 61)  scheint  die  beiden  fälle,  den  am  Ziirchersee,  und 
den  nachherigen  bei  Bregenz  zu  vermischen:  Tuconiam 
(Tuggen)  advenertmt,  cpiae  est  ad  caput  lacus  turicini,  ubi 
cum  consistere  vellent,  populumque  ab  errore  demonum 
revocare  (nam  adliuc  idolis  immolabant)^  Gallo  idola 
iHina  confringente  et  in  lacum  vicinum  'demergente^ 
pc^ulus  in  iram  conversus  ....  sanctos  exinde  pepulerunt. 
Inde  iter  agentes  pervenerunt  ad  castrum  quod  Arbona  nun- 
cupatiu*,  juxta  lacum  potamicum,  ibique  a  Willimaro  pre- 
sbytero  honorifice  susccpti ,  Septem  dies  cum  gaudio  per- 
manseinmt.  qui  a  sanol is  inlerrogatus ,  si  sciret  locum  in 
solitudine  illorum  proposito  congruum,  ostendit  eis  locum 
iocundissimum  ad  inhabitandum  nomine  Brigantium.  ibique 
i'eperientes  templum  olim  chrbtianae  religioni  dedicatum, 
iinnc  aiitem  demonum  imaginibus  pollutum ,  mundando 
et  consecraudo  in  prislinum  restituerunt  stalum,  atqne  pro- 
Statuts,  qnas  ejecerunt,  sanctae  Aureliae  roliquias  ibidem 
c'ollocaveruut.      Auch    nacli    diesem   bericht  ist   der   tempel 


(ittdum  fidem  in  Cantia  siisceperat,  sed  frustra.  nam  rediens  domum 
a  qiiibiisdani  (»erversij»  et  nxore  sua  aeductos  altare  Christi  et  ^aento- 
fiis  in  uno  eodetni/ue  phatw  liahebat,  quod  rex  ejuadem  provinciae  Atliel- 
wolt,  qni  vetierabilis  Bedae  aetate  fuit,  iisqiie  ad  suuni  tenipiis  perdu- 
ra«»e  testatur. 

')  seitsam  will  Mone  (gesdi  des  heid.  1,  171.  175)  diesen  Wuo- 
taasoiiltug  b«i  Tuggeu  auf  Heniler,  von  denen  hier  niemand  iveifs, 
ni«'lit  auf  Alamanneu  beziehen,  weil  Jonas  sagt:  sunt  inibt  vidnae  nn- 
tiunes  Suevorum.  das  lieifst  aber  {gerade:  da  herum  an^i^efiesscn ,  von 
}tb^eles;ueu  war  ^nv  kein  aulnfs  zu  sprecheik  Coluniban  \  erweilte  an 
dem  ihm  uii}$crhlli<;en  orl ,  um  die  heidiiisehen  bewohncr  %ii  bekehren, 
aurh  liegt  nai-h  Walalridü  darKtelitin«;  die  p^egend  nt/m  partes  41a- 
iiiauniae,  wo  ebenso  wol  stehen  dürfte  intra. 


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GÖTTEH.    BILMiR  71 

frfilier  chrtsllich,  hernach  von  iJeulen  (Alamanneii)  chige- 
uofiimen,  also  nicht  iirrümisch.  Den  worten  4dola  vana 
nmfringentes'  fü»l  Ildof.  von  Arx  die  oberllSchliche  anmer- 
kimg  bei:  Jonas  in  vita  Columbani  Jfodani  idola  fuisse 
«rribit,  Ratperhis  in  8.  Galli  cantiiena  Jovisy  Kkkehardus 
IV.  Joifia  et  Neptuni,  halte  er  doch  diese  wichtigen  an- 
gaben wörtlich  mitgetheilt.  Jonas  redet  von  gar  keiner  bild* 
seule  des  Wodan ,  mir  von  einer  knfe ,  A^rin  ihm  geopfert 
wurde,  die  idola,  deren  die  (im  deutschem  text  verlorne, 
im  lateinischen  unvollständig  herausgegebene)  cantiiena,  tuid 
Eckehart  gedenken,  müssen  sich  nicht  auf  die  abgülterel 
am  Zürchei-see,  sondern  auf  die  am  Bodensee  beziehen,  von 
welchen  hier  die  rede  isl ,  also  war  wenigstens  eine  dei* 
(b'ei  bihlseulen  ch'c  des  Jupiter  (d.  h.  des  alam.  Donar)^ 
was  ganz  zu  der  nordischen  vereinigimg  dreier  biider  stimmt^ 
deren  mittelstes  immer  den  Thor  vorzusleHen  pflegte.  Den 
Neptun  will  ich  liier  nicht  anriiliren.  Aber  aus  dem  al- 
len scheint  hervoi'gcliend ,  daCs  unsere  tres  imaginea  star^ 
keren  anspmch  auf  deutschen  Ursprung  haben  ,  als  die  •. 
54  angeführten  imogiries  lapldeae  im  luxovischeu  wald.  *) 


•)  zwei  berichte  Grepfors  von  Tours  über  biMseuIen  der  Diana 
im  Trlerisclien ,  des  Mercur  und  Mars  im  sudh'clien  Gallien  l>ieten, 
wenn  sie  niicli  keinen  jredanken  an  deutsche  {?otter  zulassen,  nierk- 
wardlge  vergleichnngen  dar.  Hist  8,  15:  deinde  territorium  treverlcae 
■riiis  expetii ,  et  In  quo  nunc  estis  monte  liabitaculum ,  qaod  cemitii, 
proprio  labore  cooitruxi ;  reperi  tarnen  iitc  Dianae  simulacrunt ,  quod 
popuhi«  hie  incredulus  quasi  (feum  ndorahat,      rolnmif  in   etiam  statui, 

in  qiin  cum  ^randi  iTUciatn  sine    ullo  pedum  stahani  tegmine 

Vemm  ubi  ad  me  multitudo  vicinarum  civitatum  confluere  coepit,  prae- 
HImhBni  jagtter,  nihil  esse  Dianamy  nihil  tdmuUcrat  nihilque  quae  eto 
^idetiatur  exerceri  cultura:  iudigna  etiam  etse  ipsa,  quae  inter  pocula 
lüxariasque  profluas  cantica  proferebant,  sed  potius  deo  omnipotent!, 
qui  coelum  feeit  ac  terram,  di<;num  sit  sacrificium  laudis  impendere. 
orahnni  etiam  saepius,  nt  sirntthnro  dominus  diruto  dignaretur  popu- 
Inm  ab  hoc  errore  discutcre.  Flexit  domini  misericordia  mentem  rusticam, 
iit  ineliuaret  anrem  suani  in  verba  oris  mei,  ut  acilicet  relictis  idoli«  do- 
nnooi  feqneretur,  (et)  tnnc  convocatis  qaibu«dam  ex  eis  simulacrum 
lioe  iwtiensum ,  quod  elidere  propria  virtute  non  poteram ,  cum  eorum 
xljutorio  po8»em  eruere;  jam  enim  reliqua  sigillorum  (die  kleineren 
biider),  quae  faciliora  erant,  ipse  confre^eram.  Conveoientibus  autem 
ttaltb  ad  Imuic  Dianae  stataam^  missis  funibus  trahere  coeperuut,  sed 
nihil  labor  eorom  pro6cere  poterat.  Darauf  gebet«,  egressusque  post 
•ntionem  ad  operarios  veni ,  adpreheasuraque  funem  ut  primo  ictu  tra- 
uere coepimus,  prQitnwt  simularruiti  ruit  in  lerramt  coitfractumque 
tum  imtlUis  ferreii  in  puluerem  retlegi.  So  giengen  biider  zu  gründe. 
<fereB  betraclitnnj^  uns  jetst  selir  lefirreich  dünken  würde ;  wahrscbein- 
lidi  war  diese  Diana  eine  miJtchttiig  des  rdmiscben  und  gallischen  cul- 
tat,  ona  hat  iaachriften  von  einer  Dicuia  arduinna  (Bouqnet  2,  319.) 


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78  QÜTTBfl.    MLDBa 

Die  einstige  stelle  .vou  gölterblldem  der  Sachseu  ist  die 
bekaniile  Witeclimds  voü  Corvei,  aU  or  ihi^en  sieg  über  die 
ThüriDger  au  der  Uuslrut  (um  530),  'ul  niajorum  memo- 
ria prodit'  erzälilt :  mane  auleiu  facto  ad  oricntalem  portani 
(der  bürg  Schidungen)  ponuut  aquilam ,  ararnqae  victoriae 
coastrueutes ,  secundum  errorem  paternujii,  sacra  sua  pro- 
pria  vetieratioue  venerati  suut ,  nomine  Martern  ^fftgi^  co^ 
lunwanun  imil&lbtes,  HercuUtn  loco  solis,  quem  Graeci 
appellunt  ApoUinenu 

DoTs  in  friesischen  tempelu  götterbilder  >varen,  scheint 
mehrfaches  Zeugnis  zu  ergeben,  zwar  die  stelle  über  ¥k^ 
süe  (s.  54)  nennt  nur  fana  dei,  es  wird  erzählt,  dafs  sich 
Wilibrord  an  der  heiligen  quelle  vergriffen,  nicht  dafs  er 
ein  biid  vernichtet  habe.  Dagegen  drückt  sich  die  vita  Bo* 
nifacii  (Pertz  2,  339)  über  den  neuen  aufschwun^  des  hei- 
denthnnis  unter  könig  K^dbod  (um  716)  so  aus:  jam  pai*a 
ecclesiarum  Christi,  quae  Francorum  prius  subjecta  erat  impe- 
rio,  \astata  erat  ac  destructa,  idolorutn  quoque  cultura  ex* 
atniclis  delubrorum  fanis  lugubriter  renovata«  und  will  mau 
hier  idoloriun  nur  für  deorum  gelten  lassen,  so  sagt  die  vita 
W'iileliadi  (Pertz  2,  380)  bestimmter:  insanum  esse  et  vanum 
a  lapidibus  auxilium  petere  et  a  simulacria  multis  et  surdiM 
subsidii  sperare  solatiiun.  quo  audito  geus  fera  et  idololatriis 
uimium  dedita  slridebaut  dentibus  in  eum>  dicentes,  non 
debere  profanum  longius  vlvere,  imo  reum  esse  mortis,  qui 
tarn  sacrilega  contra  deoa  suos  irwictisaimos  proferre  prae* 
sunisisset  cloquia.  das  ei^ignis  föilt  in  des  achten  jh.  mitte, 
Auskars  (f  865)  aufzeichnung  erst  hundert  jalire  später; 
doch  befugt  ist  man  nicht,  in  jenen  Worten  blofse  ausschmü« 
ckuug  zu  erblicken,  ich  woifs  nicht  einmal,  ob  für  leere 
piirase  gehalten  werden  darf,  wenn  es  in  einer  ei^t  839 
gceduiebencn  vita  S.  Goari  (f  649)  heifst:  coepil  gentilibus 


Die  andere  stelle  findet  »ivU  niirac«  2,  5:  erat  ntttem  haad  procnl  • 
celluta ,  qnnin  5iipni  sepulHiinm  martjri«  (JuHnni  arveraen««)  üaec  na- 
troua  (tinHtntxerat  (io  vico  brivatensi)  grantle  delubrum^  ubi  ia  eo~ 
lumna  ohisxima  simitlachrunt  Mortis  A/ercuriique  colebatitr.  cum- 
que  delubri  illius  festa  a  «^entilibofl  agerentnr,  ac  mortui  mortuU  tliora 
deferrent,  uiedio  e  \u\{fo  comnioventur  pueri  duo  in  scandalum,  auda- 
fO(|ue  onus  gladio  alteruni  appetit  trocidandnm.  der  eine  flieht  war 
Zelle  des  heilij^en  und  wird  gerettet  quarta  autem  die,  com  gentHi- 
tas  %-eltet  iterum  diis  exhtbere  libamina,  verrichtet  der  christlicbe  prie- 
stt>r  ein  bnln^itijte«  j|:el>et  sum  martyr,  es  entsteht  ein  heftiges  gewitter, 
die  beiden  er^tctirecken :  recedente  auteni  tempestate  gentiles  baptisati 
ttatttas ,  quas  colnerant ,  conj ringente» ,  in  lacum  vico  amnique  pro- 
ximum  projectrunt.    Bald  darauf  kamen  Burgunden  in  die«e  gegend. 


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GÖTTBR.    BILDBR  79 

per  drcuitiioi  (d.  )u  in  Ripuarien)  simulacf*orum  cullui  de- 
dttift  et  vana  idolorum  superstitioue  deceptis  verbum  salu« 
tU  annuntiare  (acta  Beued.  sec.  2  p.  282.)  gewölinlicli 
liegen  solchen  lebensbeschrcibungen  schon  ältere  auisätae 
zum  gründe. 

Die  Friesen  bilden  in  jedem  betracht  den  Übergang  zu 
den  Scandinavievn ;  bei  dem  vielfachen  verkelir  dieser  bei* 
den  an  einander  grenzenden  Völker  ist  üichts  natürlicher 
als  die  annähme,  dafs  den  heidnischen  Friesen  auch  die  ge* 
wohnheit  des  tenipel  und  bilderdienstes  mit  jenen  gemein 
war.  selbst  den  tempel  des  Fosete  auf  Helgoland  denke 
ich  mir  kaum  bildlos. 

Fertigkeit  bilder  und  gestalten  aus  holz  zu  schnitzen 
oder  aus  stein  zu  meü'seln  lassen  schon  jene  signa  und 
effigies  lies  Tacitus  erwarten,  und  diese  kuust  konnte  sich 
bis  zu  einem  gewissen  grad  vervollkommnen,  steinwaifen 
und  anderes  geräth,  das  man  in  grabhügeln  findet,  zeu- 
gen von  nicht  ungeschickter  behandluiig  schwieriger  Stoffe. 
Dafs  kein  einziges  germanisches  gütterbild  der  zerstörenden 
macht  der  zeit  und  dem  eifer  der  Chi'isten  entgangen  ist^ 
darf  uns  noch  weniger  \erv>'uudcrii  als  der  Untergang  der 
heideutempeL  hat  sich  doch  auch  im  Norden,  wo  die  zahl 
der  bilder  gröfser  war,  und  die  Vernichtung  weit  später 
erfolgte,  keins  erhalten,  alle  letlirische,  alle  upsalisch« 
gOtzen  sind  zerschlagen,  der  technische  ausdruck  war  dort 
skurdgodh  (forum,  sog.  2,  73.  75)  von  skera  (sculpere) 
•kui*d  (sculptura.) 

Der  götterbildcr  zu  Letlu^a  geschweigt  Dielmars  nach* 
riebt;  in  Adams  von  Bremen  besclireibung  der  upsalischen 
ist  zumal  merkvirürdig ,  dafs  drei  bildseulen  y  wie  bei  je- 
nem alamannischen  tenijiel,  angegeben  wurden :  nunc  de  so* 
perstitione  Sveonum  pauca  diccmus.  nobiliasimum  illa 
gens  templuni  babet,  quod  Ubsola  dlcitur,  non  longe  posilum 
a  Sictona  civitale  (SigtAii)  vel  ßirka.  in  hoc  templo,  quod 
totuDi  ex  auro  paraluni  est,  siatuas  triam  deoruni  vene- 
ratur  populuS;  ila  ut  potentissimus  eorum  Thor  in  medio 
solum  habeat  triclinium.  hinc  et  inde  locum  possident  Wo« 
dam  et  Fricco.  die  weitere  Schilderung  gehört  noch  nicht 
hierher,  es  kommt  dabei  auch  der  ausdruck  sculpere  vor; 
da  der  ganze  tempel  aus  gold  bereitet,  d.  h.  goldverziert 
•«in  soll ,  so  hätte  er  auch  die  gutterbilder  vor  allem  per^ 
goidet  bezeichnen  können,  wie  die  alamannischen  aereae 
und  deatiratae  heifsen.  Einer  goldneu  bildseule  Othlns  er- 
wähnt Saxo  p.  13:  cujus  numen  Septentrionis  reges  pro- 
peusiore  cultu  prosequi  cupientes  efligiem  ipsius  aureo  com- 


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80  GÖTTKR.    BILDER 

plexi  fiimulacro^  staluam  siiac  dignatiunU  indicem  ma- 
xunn  ciiin  religionis  simulatione  ßyzaiiüuni  traiismiserunl, 
cujus  oriam  bradiiorum  Uneainenla  coiirerlissinio  ariniUaruiii 
poudere  perstringebaiit.  diese  gan/.e  stelle,  und  was  wei- 
ter folgt,  ist  nicht  nur  unliiöloridcli,  sondern  auch  den  echten 
mylhen  entgegen;  es  erscheint  darin  bloCs  Saxos  und  seiner 
sseit  vorstellungsweise  von  den  gütlern,  und  insofern  damit  auch 
goldue  und  gesclunücklcgüUerbilder  übcreinslinunen,  löfsl  »ich 
folgern,  dafs  die  erinnerung  an  solche  l>ilder  damals  forllel>le. 
Nach  dcrNialssaga  cap  89  befanden  sich  in  einem  norwegischen 
tempel  (godhahüis)  wiederum  drei  bilde r ^  Thors  und  der 
beiden  halbgüttinnen  Thorgerdhr  und  Irpa,  in  mensclilicher 
gröfse  und  geschmückt  mit  armspangen  ;  wahrscheinlich  safs 
Tlior  in  der  mitte  beider  auf  seinem  w.igen.  liberhaupt 
scheinen  Tliors  abbildungen  die  häufigsten  gewesen  zu  sein, 
wenigstens  in  Norwegen.  *)  ein  tempel ,  worin  viele  skurd- 
godh  verehrt  wurden ,  zumeist  aber  Thor,  wird  fornm.  sog, 
2,  153  und  159  besclrt-ieben,  ebendaselbst  1,  295.  302  — 
306.  seine  bildseulen\  2,  44  heilst  es:  Thörr  sat  t  mi^' 
dhjtt  ok  var  mest  tignadhr,  hann  var  mikill  ok  aiir  guUi 
hiiifin  ok  ailfri  (ex  auro  et  argento  confectus);  vgl.  Olafs 
lielga  saga  ed.  holm.  cap.  118.  119.  Einer  trug  ein  bild-- 
dien  Thors  aus  walifischzahn  geschnitzt  (iikueski  Thors  af 
tonn  gert)  bei  sich  in  der  tasclie.  forum,  sog.  2,  57,  um 
ihn  noch  heimlich,  unter  Christen,  zu  verehren.  Thors 
hild  wurde  auf  die  ündvegisseiüen  geschnitzt  (Eyi'bygg.  p. 
8)  und  vornen  an  die  schillfe  (fornm.  sog.  2,  324.)  Bild- 
nis der  Thorgerdlu*  hüigabriüdhr,  mit  goldringen  um  den  arm, 
vor  welcher  niedergekniet  wird,  fornm.  süg.  2,  108.  Frejrs 
bildaeule  aus  silber  (Freyr  markadhr  af  silfri)  Vatnsd. 
p.  44.  50 ;  in  Schweden  auf  einem  wagen  umgefuhrt 
fornm.  süg.  2,  73  —  77.  die  Jomsvikingasaga  gedenkt  eines 
tempels  auf  Gautland ,  in  welchem  hundert  gÖtter  waren 
(fornm.  sog.  1 1 ,  40) ;  eine  wirkliche  densitas  imaginum 
nach  dem  ausdruck  des  Jonas  (s.  54.) 

Aber  weder  die  angäbe  der  zahl  der  bilder,  noch  ilirc 
beschreibung  in  den  sagen  darf  für  historiscu  gelten ;  blofs 
dafs  es  bilder  gab,  wird  dadurch  erwiesen,  die  meisten 
scheinen  aus  hol»  gehauen,  einige  wiu*den  vielleicht  bemalilt, 
bekleidet  und  mit  silber  oder  gold  überzogen;  doch  mögen 
auch  steinerne  vorgekommen  sein  und  kleinere  aus  kupier 
oder  eifenbein.  **) 


*)  Fiim  MngDassen  bidra^  tit  nordisk  arcliaeolofn«  p.  118  — 159. 
**)  Finn  Magnussen  a.  a.  o.  132 —  137. 


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GÖTTER.    BILDER  81 

Bis  hierher   ist  die  erwähnung    eines  besouderen  aus*, 
drucks  lür  bildseuie,  woran  sich  merkwürdige  nachrichleii 
von  heidnischen  gütterbildern  knüpfen,  verspart  worden. 

Ahd.  glossen  haben  das  worl  irmarisuU  pyramidcs, 
mons.  360;  avarün,  zVma««/i// pjrramides.  Doc.  203*^;  2>- 
rnanadl  colossus,  altissima  cohimna*  florent.  987«  blas.  86 ; 
die  eigentliche  bedeutung  scheint  bildseuie,  nacli  dem  syno- 
nymen ai^ard  zu  lurtheilen,  welches  gl.  Jun.  226  für  sta- 
tua  und  imago  gebraucht  wird,  sie  ist  aucli  im  12  jh. 
noch  unerloschen,  wie  sich  aus  Äwei  stellen  der  kaiser- 
Chronik,  bald  im  anfang  des  gedichts  ergibt,  und  vermut- 
lich sind  ihrer  mehrere;  von  Mercur  heifst  es: 

Af  einir  yrmensul^. 

stuont  ein  abgot  uugehiure^ 

den  liiezen  sie  ir  koufman; 
hernach  von  Julius  CiesarS 

Homere  in  ungetrüweltche  sluogen^ 
Af  einir  yr mens äl  sie  in  begiuioben; 
)a  im  letzten  capitel  des  Titurel,  als  die  grofsen  seulen  des 
graltempels  beschrieben  werden,    hat  die  hannov.  hs.  statt 
der  lesart  inneren  seul  des  drucks  richtiger  irmenaiiL 

Nun  aber  findet  sich  in  den  fränkischen  annalen  ad 
a.  772  wiederholentlich,  dafs  Carl  der  grofse  bei  besiegung 
der  Sachsen  einen  hauptsitz  ihres  heidnischen  aberglaubens 
imweil  Heresburg  *)  in  Westphalen  zerstört  und  dieser 
Irminsul  geheil'sen  habe.  Ann.  petav. :  domnus  rex  Ka- 
rolus  perrexit  in  Saxoniam  et  conquisivit  Erisburgo ,  et 
pervenit  ad  locum,  qui  dicitur  JErmensul^  et  succendit  ea 
loca  (Pertz  1,  16.)  ann.  lauresh. :  fuit  rexCarlus  hostiliter 
in  Saxonia  et  destruxit  Janum  eorum,  quod  vocatur 
Irminsul  (Pertz  1,  30.)  ebenso  das  chron.  moissiac.  (Perlz 
1,  295)  wo  nur  HirminsuL  ann.  juvavensesi  Karolus 
idolum  Saxonorum  combussit,  quod  dicebant  Irminsul 
(Pertz  1,  88.)  Enhardi  fuld.  annales:  Karolus  Saxoniam 
hello  aggressus,  Eresburgum  castrum  cepit,  et  idolum  Sax- 
onum,  quod  v(;^abatur  Irminsul  destruit  (Perlz  1,  348.) 
ann.  ratisbon.:  Carolus  in  Saxonia  conquesivit 'Eresburc  et 
Irminsul  (Perlz  1,  92.)  ann.  lauriss. :  Karhis  in  Saxonia 
castrum  Aercsburg  expugnat,  fanum  et  lucum  eorum  /a- 
mosum  Irminsul  subverlit  (Pertz  f,  117.)  ann.  lauriss.: 
et  inde  perrexit  partibus  Saxoniae  prima  vice,  Aeresburgum 

*)  dem  lientigen  Stadtl>ergen ?  vgl.  die  stelle  aas  Dietmar;  abec 
gvte  gründe  rathen,  die  »eule  sechs  standen  tiefer  im  Oining  aozu- 
■eUen.    Closttrmeier  Eggeiteretein  p.  96.  97« 

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82  GÖYTBR.    BILDER 

cadtriiHi  cepit,  ad  Etmensul u&(iue  pervenit  et  ipsum  fanum 
destnixit,  el  aurum  et  argeatum,  quod  ibi  repperit,  abstulü. 
et  fiiit  siccitas  magna,  ita  ut  acjua  deficeret  m  supradicto 
loco,  ubi  Ernienaul  atahat ^  cel.  (Pertz  1,  150.)  Eiuhardi 
anii.:  ferro  et  igni  cuncta  depopiilalus ,  Aeresburgum  ca^ 
stniJii  cepit,  idolum  quod  Inninaul  a  Saxonibus  vocaba» 
tür,  evertit  (Peru  1,  151.)  Wiederholungen  in  den  ann. 
liliati.  lind  im  ehr.  Regln,  (wo  Ormenaul)  Pertz  1 ,  220. 
557.  *)  Und  Dietmar  von  Merseb.  (Wagn.  p.  21)  erzählt 
noch  bei  gelcgenheit  späterer  begebenlieiten :  sed  exercitiw 
capta  iH'be  (Eresburch)  ingrcssus  juvenem  praefatuni  iisqiic 
in  ecciesiam  S.  Petri,  ubi  priua  ab  antiquia  Irminsul 
colebatur  y  hello  defatlgatum  depulit.  Irminsül  heifst  also 
in  allen  diesen  stellen,  ganz  nach  den  im  vierten  cap.  ent- 
wickelten Übergängen  der  bedeutung,  bald  fanutn^  bald 
lucusy  bahl  idolum  selbst;  es  ist  kaum  zu  zweifeln,  dal's 
sich  in  dieser  gegend  mächtige  Waldungen  ausbreiteten: 
wie  wenn  der  bergwald  OsniNg**),  m  dem  die  seule  ver- 
mutlich stand;  einen  heiligen  wald  bedeutete  und  an» 
ds  zu  ans  (s.  17)  zu  erklären  vväi*e?  ***)  der  gold  und 
Silberschatz ,  dessen  sich  Carl  da  bemächtigt  habe ,  kann 
sagenhafte  ausschmückung  sein.  ****)  TVälicr  lafst  sich  über 
die  Irminsul  aus  Huodolf  von  Fuld;  nach  seiner  allge- 
meineren  äufserung  über  die  heidnisclien  Sachsen  (s.  69) 
frondosis  arboribus  fontibusque  venerationem  exhibebant^ 
fährt  er  fort:  truncum  quoque  ligni  non  parvae  magni* 
tudinis  in  altum  erectum  sub  divo  colebant,  patria  eum 
Hngua  Irminsul  appellantes,  quod  latine  dicitur  universa-- 
lia  columna^  quasi  sustinens  omnia  (Pertz  2,  676.)  es 
war  eine  grofsc  hölzerne  seule  aufgerichtet,  unter  freiem 
hunmel  verelirt,  ilu*  name  sagt  aus:  allgemeine,  alles  tra- 
gende seule.  Diese  deutung  scheint  untadelhaft,  wenn  wir 
andere  Wörter  hinzunehmen,  deren  bcgrif  durch  die  Zu- 
sammensetzung mit  irmin  gesteigert  wird,  irmingot^  der 
höchste  gott,  der  gott  aller,  im  iiildebr.  lied,  kein  beson- 
dei^r,    in  der  bedeutimg  nicht  verschieden» von  dem  durch 

')  poeta  Saxo  I,  65  (Boaquet  5,  137.) 

Geus  eadem  coluit  simulacrum,  quod  vocitabant 
Irmin.sul^  cujus     n  Iura  simulque  colujnna 
non  operis  par\i  i'uerat,  pariterque  decoris. 
•*)  iBons  Osninjtr,  Osncugi  (Pertz  2,  329.  447.)  silva  Oniins  (Wf- 
gands  arcli.  1.  4,  76.  79.) 

•••)  das  N  vor  dem   ing  setzt  eine   liinzu«;etretue  ableitung  voraus, 
alid.  aiisniuc,  «uüaninc?  vgl.  Ensingen,  cod.  lauresh.  1,  196. 

••••)  gemalmt  dies,  r  Krmenseulscliatz   an  die   sage   von   Ermenrich« 
s<liat/.V  (Saxo  granini.  156.     Reioli.  fu<lis  CLIJ.) 


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GÖTTER.    BILIMBR.  «3 

eiü  anderes  praefix  verstärkten  thiodgod  Hdl.  33,  18.  .52, 
12.  99,  6.  irniinnian^  erhühler  ausdnick  für  mensch 
llel.  .38,  24-  107,  13;  inninthiod  H^l.  87,  13  uiul  Hüd. 
fiir  meuschengescliiecht*  ebenso  erkläre  icli  andere  mit 
irman^  irmin  componierte  cigennanien  (graniin.  2,  448)  und 
irmansuly  irminaül  ist  die  grofse,  liohe,  göttlich  vereint 
bildseule,  dafs  sie  aber  einem  einzelnen  gott  geweiht  Avar, 
liegt  nicht  in  dem  ausdruck  selbst,  auf  gleiche  weise  wird 
im  ags.  gesagt  eormencyn  (genus  humanum)  Beov.  147. 
eormengrund  (terra)  Beov.  66.  eormenldje  (reÜquiae) 
Beov.  167.  eormenstr^nd  (progenies),  und  im  aUu.  /ör- 
mungnind  (terra)  iörmungandr  (auguis  maxinius)  lör- 
munrekr  (taurus  maximus),  woraus  sich  das  hohe,  mythische 
aher,  und  die  Verbreitung  dieser  benennungen  unter  allen 
deutschen  volksstämmen  ergibt,  denn  auch  den  Gotheu 
können  sie  nicht  fremd  gewesen  sein,  wie  ihr  berühmter 
königsname  Ermanaricus  (airmanareiks)  darthut,  und  un- 
bedenklich sind  die  Hermunduri  eigentlich  Ermunduri 
(gramm.  2,  175),  wie  das  H  in  allen  solchen  formen  häufig 
vorschlägt. 

Was  öim  der  wahrscheinliclie  sinn  des  Wortes  irman^ 
iörmurif  eormen  -war,  ob  darin  der  name  eines  gottes, 
oder  vergötterten  beiden  lag,  wird  erst  im  verfolg  unter- 
sucht werden,  hier  kam  es  darauf  an,  seine  allgemeine 
bedeutung  in  den  Zusammensetzungen  zu  entwickeln;  vor- 
läufig bemerke  ich,  da  ('s  in  einer  gerade  von  einem  Sach- 
sen, im  gegensatz  zu  jenen  fränkischen  annalisten,  verfafs- 
tcn  Chronik  das  wort  8ul  weggelassen  wird:  quam  (capei- 
lam)  corum  pater  et  avus  in  castello  Heresburg  consttnii 
jusserat.  .  .  .  haec  est  Aresburg,  cniam  Karolus  obsidionis 
fraude  cepit,  atquc  destructo  idolo  irmin  ^evastavit.  chrou# 
em*beiense  (von  768 — 1187)  ad  a.  826  (Wedekinds  notea 
1,  379.) 

Die  Sachsen  mögen  also  melu*  davon  gewust  haben  \ 
unter  den  Franken  und  in  Hochdeutschland  verband  man, 
vom  achten  bi^  in  das  dreizehnte  jh.  mit  irniansul  di« 
allgemeine  Vorstellung  eines  heidnischen ,  auf  einer  seule 
errichteten  bildes.  unter  dem  trunciis  ligni  dachte  sich 
Ruodolf  wahrscheinlicher  einen  auserlesenen,  heilig  gehaU 
tenen  baumstamm  (mit  oder  ohne  gölterbild?),  als  eine  von 
menschenhand  gezimmerte  seule ;  jenes  stimmt  auch  zu  der 
Verehrung  sub  divo,  zu  dem  von  einigen  Chronisten  ge- 
brauchten ausdruck  lucus  und  der  einfachlieit  des  ältesten 
Walddienstes,  wie  sich  das  bild  in  den  begrif  des  baums 
verliert,  geht  der  bäum  in  den  des  bildes   über,   und  der 

6* 

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84  GÖTTER.    BILDER 

vrestphäliftclien  Irmenseiüe  liegt  die  Vorstellung  von  der 
hessischen  doanerciclie  sicher  ganz  nahe,  beide  verwan- 
delten die  bekehrer  in  Petei^kirchen.  Zuletzt  noch  die 
uachricht  von  einem  heiligen  stock  in  Neustrien ,  vfle  sie 
in  der  vita  Walarici  abbalis  leuconensis  (f  622)  euthalten 
iiit ,  die  auFzcicluuing  soll  im  H  )h.  geschehen  sein :  et 
juxta  ripam  ipsius  fluminis  stips  erat  magntts^  diuersis 
imaginibus  figuratus^  atque  ibi  in  terram  magna  virtule 
immissus,  qui  nimio  cultu  more  gentilium  a  ruslicis  co- 
lebatur.  Walaricus  läfst  den  klotz  umwerfen:  et  his  qui- 
dem  ruslicis  habitautibus  in  locis  non  parvnm  tarn  moero- 
rem  quam  et  stuporem  onmibus  praebuit.  sed  undique 
iUis  certatim  concurrentibus  cum  armis  et  fustibus,  indigne 
hoc  ferentes  invicem,  ut  quasi  iujuriam  dei  sui  \iudica- 
rent.  (acta  Bened.  sec.  2.  p.  84.  85.)  der  ort  hiefs  Au- 
gusla  (boui'g  d' Äugst,  unweit  der  Stadt  Eu),  es  wurde  her- 
nach an  der  statte  eine  kii-che  errichtet. 

Ich  glaube  im  allgemeinen  nachgewiesen  zu  haben, 
dafs  es  götter  und  bildseulcu  im    ältesten  Deutschland  gab. 

Bevor  aber  nun  die  Untersuchung  zu  den  einzelnen 
güttern  vorsclu'eiten  kann,  wird  es  nothig  sein  noch  zu 
erwägen,  wie  das  alterthum  verfuhr,  um  fremde  gotter- 
uamen  auf  deutsche,  und  umgekehrt  deutsche  auf  fremde 
anzuwenden. 

Der  darstellungsweise  der  Römer  war  ^  es  weit  mehr 
angelegen,  durch  freie  Übersetzung  halbe  deutlichkeit  zu 
erreichen,  als  durch  beibehaltung  barbarischer  ausdrücke 
der  nachweit  einen  dienst  zu  erweisen,  willkürlich  aber 
verfuhren  sie  nicht  dabei,  sondern  mit  einer  unverkennba- 
ren auGmerksamkeit. 

Älit  Caesars  »So/,  Luna  und  Vuhan  könnte  man  am 
wenigsten  zufrieden  sein,  allein  Tacitus  scheint  keine  be- 
nennung  römischer  gottheiten  ohne  vorsieht  und  Überle- 
gung zu  brauchen,  er  nennt  blofs  Mercur  und  Mar» 
(Germ.  9.  ann.  13,  57.  bist.  4,  64),  von  vergötterten  hd- 
aen.  Hercules,  Caator  und  Pollux  (Germ.  9.  43),  von 
göttinnen /«2«  (Germ.  9) ,  die  terra  mater,  mit  deutschem 
uamen  (Germ.  40),  die  maier  deum  (Germ.  45.)  Ganz 
unvergleichbare,  z.  b.  Apoll  oder  Bacchus  werden  niemals 
verglichen.  Das  auffallendste  ist,  dafs  Jupiter  nicht  vor- 
kommt, und  die  auszeich nung  Mercur»^  der  bei  den  Rö- 
mern nur  eine  gottheit  zweiten  rangs  bildet,  hier  als 
vornehmste  unter  allen  erscheint:  deorum  maxime  Mer- 
curium  colunt,  dem  auch  allein  menschenopfer  fallen, 
während  Mars  luid    Hercules   sich    mit   thieren    begnügen. 


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GÖTTER  % 

das  hervortreten  Mercurs  erklärt  sich  walu'scheinlich  daher, 
dafs  dieser  gott  auch  unter  den  Galliern  als  hauptgottheik 
verehrt  und  zumeist  abgebildet  wurde  (dcuin  maxime 
Alercuriuin  colunt ,  hujus  sunt  plurima  simulacra.  JuJ. 
Caes.  6,  17*),  die  blicke  der  Römer  nach  Deutschland  im- 
mer aber  Gallien  im  Vordergrund  sahen  ;  vielleicht  hatten 
auch  gallische  berichterslatter  den  germanischen  gott  bk 
dieses  licht  gestellt,  beachtenswerth  ist  dabei  die  gallische 
Verbindung  des  Mars  und  Mercurius  in  bildseulen  (vor- 
hin s.  77),  gerade  wie  Tacitus  die  germanischen  zusammen 
nennt  (ann.  13,  57.)  Die  auslassung  Jupiters  hat  augen- 
»cheinlich  ihren  ginmd  darm ,  '  dafs  sein  cultus  bei  den 
Völkern,  die  Tacitus  zunächst  kannte,  dem  des  Mercurs 
nachstand ;  wir  werden  im  verfolg  sehen  ,  dal's  die  nörd- 
lichen, entlegneren  stamme  umgekehrt  dem  donnergott  ihre 
hauptsachliche  Verehrung  widmeten.  Über  Isis  und  Her- 
cules will  ich  mich  späterhin  erklären ;  wen  man  sich 
unter  den  Dioscuren  denken  solle,  ist  schwer  zu  rathen; 
vermutlich  doch  zwei  söhne  \Viiolan8,  und  mit  rücksicht 
auf  den  inhalt  der  edda  würden  sich  Baldr  und  Hermödhr. 
die  beiden  brüder,  am  meisten  dafür  eignen. 

Diese  anwendung  classischer  namcn  auf  deutsche  göt- 
ter  verbreitete  sich  allgemein  und  wird  von  den  lateiii. 
Schriftstellern  der  folgenden  jlih.  mit  genaxier  Übereinstim- 
mung beibehalten;  einmal  in  Umlauf  gesetzt  blieb  sie  lange 
xeiten  hindurch  üblich  und  verständlich. 

Der  gothische  gesclüchlsclireiber  benennt  uns  nui'  einen 
gült  auf  rumische  weiae ,  und  es  ist  Mars  :  quem  Gothi 
seniper  asperrima  placavere  cultura  (Jornand.  p.  86),  wo- 
mit schon  der  scylhische  Ares  (ilerod,  4,  62.  63)  vergli- 
chen werden  mag. 

Pauhis  Diac.  schliefst  was  er  von  Wodan  erzählt  mit 
der  ausdrücklichen  melduiig  (1,  9):  Wodan  sane,  quem 
adjecta  lilera  Gwodau  dixerunt,  ipse  est  qui  apud  Roma- 
nos Mercurius  dicitur,  eC  ab  universis  Germaniae  genti- 
bus  ut  deus  adoratur.  ebenso  versichert  Jonas  von  Bob- 
bio, sein  älterer  landsmaun,  in  dem  bericht  von  den  op- 
fernden Alamanneu:  illi  ajunt,  deo  suo  Vodano,  quem 
Mercuriurn  vocant  alii,  se  velle  litare,  wobei  euie  ander- 
wärts eingeschaltete  glosse  weniger  richtig  sagt :  qui  apud 
cos  Vuolant  vocatur,  Latini  autem  Martern  ülum  appellant. 


*)  SchopiKn  AI«,  ill.  1 ,  195-^0  uikI  xamal  ober  ein  fnnam  Mer- 
eara  n  Ebermnnj^ter,  da«.  1,  58  vergl.  UummeU  bibl.  doiititcii.  altcrlli. 
f.  S29.    Creuzer  altröm.  cultur  am  Oberrliein  p.  48.  i)H. 


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86  GÖTTER 

Dem  Gregor  von  Tours  sind  (oben  8«  74)  Saturn 
imd  Jupiter j  dann  aber  jtfar«  Mercuriuaque  die  gottbeiten, 
welche  der  heidnische  Chlodovich  anbetete.  "Witekiiid  von 
Corvei  nennt  Mars  und  Hercules  als  götter  der  Sachsen  (s.  78.) 

Im  Indiculus  paganiai*um  wird  unter  8  aufgezählt : 
de  sacris  Mercurii  vel  Joi^is  *) ;  unter  20  :  de  feriis,  quac 
faciiint  Jovi  vel  Mercurio ;  der  donnernde  gott,  dessen 
Tacitus  geschweigt,  ist  also  bei  andern  unvergessen,  und 
nun  verstehen  wir  auch  Wilibalds  erzählung  von  dem 
robur  Jopis  (^s.  44)  und  Bonifac.  ep.  25  (a.  732)  den 
presbyter  Jot^i  mactans. 

In  den  additamentis  operum  IMatthaei  Paris ,  ed.  W. 
Walts  Paris.  1644  p.  25.  26  steht  ein  alter  bericht  von 
büchern,  die  man  zu  Verlamacestre  bei  der  anlegung,  eines 
kirchenbaus  ini  zehnten  jh.  aufgefunden  und  verbrannt  ha- 
ben soll,  eins  derselben  enthielt  invocationes  et  ritus  ido- 
lolatrarum  civium  Varlaniceslrensiiun :  in  quibus  comperit, 
quod  specialiter  P/ioebuniy  deuni  solle  invocarunt,  et  co- 
luerunt,  secundario  vero  Mercurium^  T^oden  anglice  ap- 
pellatum,  deum  videlicet  mercatoruin ,  quia  cives  et  com« 
patriotae  ....  fere  onmes  negotiatores  et  institores  fuerunt« 
ollenbar  hat  der  berichterstatter  von  seiner  gelehrsamkeit 
hinzugethan. 

Stellen,  welche  unter  Diana  eine  deutsche  göttin  zu 
verstehen  scheinen,  sollen  später  mitgetlieilt  werden.  Nep^ 
tun  einmal  genannt  (oben  s.  77.) 

Älelis  Stoke,  schon  im  beginn  des  14  jh.,  weifs  noch, 
dafs  die  lieidnischen  Friesen  den  Mercur  anbeteten  (1, 
16,  17);  ich  kann  die  lat.  quelle  nicht  nachweisen,  aus 
Avelcher  er  dieses  ohne  zweifei  schöpfte.  **) 

AVenn  angenommen  werden  darf,  und  es  scheint  mir 
iasl  unbedenklich  und  nolhwendig,  dafs  seit  dem  ersten  ih., 
in  den  sechs  oder  acht  folgenden,  eine  ununterbrochene 
überii'agung  der  angeführten  und  einiger  äluilichcn  lateini- 
schen götternamen  auf  einheimische  gotlheiten  Galliens 
und  Germaniens  statt  fand ,  und  unter  den  gelehr tgebiKle- 
tcn  verbreilel  wurde;  so  erlangen  wir  allein  dadurch -anf- 
sclihifs  über  eine  noch  nicht  befriedigend  erklärte  merk- 
würdige ergcheinung :  über  die  frühe  in  das  halbe  Eu- 
ropa eingedrungne  heidnische  benennung  der  woclientagc, 

*)  wäreil  es  die  römischen  gotter,  so  wurde  sicher  Jupiter  zoer^t 
und  Mercur  erst  nach  ihm  genniiiit. 

**)  uiiscrt*  nihd.  dichter  machen  keine  solche  mittheiluiijzen ;  sie 
kümmern  sich  nur  um  Sarazenennbgolter ,  unter  welchen  frellicli  auch 
Jifpiftrr  und  Jjfu/fo  auftreten. 


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GÖTTER  8/ 

Diese  uaiuen  sind  ein  giinsüges^  iiicJit  zu  übersehen- 
des Zeugnis  für  das  deutsche  heidentbum. 

Ich  slelle  mir  die  sache  so  vor.  *) 

Von  Aegypten  her  durch  die  Alexandriner  kani  sie- 
bentägige woche  {IßSo/ims)  und  planelarische  benennung 
der  Wochentage  bei  den  Römern  auf,  unter  Jul.  Caesar. 
älteste  erwähnunng  des  dies  Saturni,  in  ver1)indüug  mit 
dem  jüdischen  sabbat,  bei  Tibull  1,  3,  18.  tj?Jov  ^itega^ 
Justin,  martyr.  apolog.  1, 67 ;  ^Eq/liov  und' ^(fQoSlt^s  r^fii^a 
bei  Clemens  alex.  ström.  7,  12.  die  einrieb tung  durchge- 
setzt nicht  lange  vor' Dio  Cassius  (37,  18),  um  den  schhifs 
des  2  jh.  **)  Das  diristenthum  halle  die  hebdomas  von 
den  Juden  übernommen  und  konnte  nun  auch  die  abgöuU 
sehen ^tagnamen  nicht  leicht  von  der  kiiche  abwehren. 

Diese  namen,  samt  der  wocbeneintlieilung,  waren 
aber  firüber  als  der  christliche  glaube  von  Rom  aus  nach 
Gallien  und  Deutschland  übergegangen.  In  allen  romani- 
schen ländern  dauern  die  planelennamen  bis  auf  heute 
fort  (meist  in  selu*  verkürzter  gestalt),  nur  für  den  ersten 
und  letzten  Wochentag  ausgenommen :  slatt  dies  solis  walüle 
man  dies  dominica,  ital.  domenica,  span.  domingo,  franz. 
dimanche ;  statt  dies  Saturni  blieb  das  jüdische  sabbatum^ 
ital.  sabbato,  span.  sabado,  franz.  saniedi  (=sabdcdi,  sab- 
bati  dies.)  aber  die  heidnischen  benennungen  auch  dieser 
beiden  tage  waren  lange  noch  volksmäfsig :  ecce  enim  dies 
solis  adest,  sie  enim  barbaries  vocitare  dicni  domiuicinn 
consueta  est.     Greg.  tur.  3,   15. 

Leider  entgeht  uns  kenntnis  der  gothischen  lagnanien. 
das  allein  bei  Ulf.  vorkommende  sabbate  dags,  sabbql6 
dags,  beweist  niclits,  wie  wir  eben  salien,  wider  dio  pla- 
lielarische  benennung  der  übrigen  sechs  oder  fünf  lago. 
ein  sunnöns  dags,  m^nins  dags  lassen  sich  mulmafsen ,  die 
vier  übrigen,  für  uns  die  wichtigsten,  wage  ich  nirht  an- 
zugeben. Es  wäre  für  unsere  ganze  untei^suchung  vom 
höchsten  werlh,  wenn  sie  sich  erhalten  hätten. 

Ahd.  sunnün  dag  0.  V.  5.  22;  gl.  blas.  76^;  mdniti 
tac  (ohne  beleg,  mänetag  N.  ps.  47,  1.)  dies  Martis.  bei 
den  Alamannen  wahrscheinlich  Ziuwes  tac,  im   11  ih.  f  ^'^* 


*)  hierbei  Icann  ich  nur  den  anfang,  nicht  den  für  meine  iin(er- 
suchnng  wichtigeren  schlufs  eine»  gelehrten  aufsatzes  von  J.  C.  Hare 
benutzen:  on  the  naraes  of  the  days  of  the  week  (phllolop:.  miHenm. 
nov.  1831.)  zu  vergl.  ist  Idelers  handb.  der  Chronologie  2,  175  —  180. 
••)  aller  veris  zu  ende  der  auftfj^aben  des  Ausonius :  un<;iic«  Mer^ 
curioy  barbaui  Joue,  Cypride  crines. 


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88  GOTffiR 

dao  gl.  blas.  76*  '*'),  bei  den  Baiem  und  Longobarden  wol 
oudcrs.  dies  IMercurii  vielleicht  noch  fVuotane^  tac?  das 
absiracte  diu  niittau^echa  N.  ps.  93  mittufoclia  gL  blas. 
76^.  dies  Jovis  Donarea  tac,  Toniria  tac  N.  ps.  80,  1. 
donresXeiC  gl.  blas.  76*;  dies  Veneris  Fria  dag  0.  V.  4, 
6.  Frfge  tag  T.  211,  1 ;  endlich  mit  Umgebung  des  heid- 
nischen dies  Saturni,  >vie  im  romanischen  und  gothischen, 
sambaziSLQ  T.  68,  1.  N.  91,  1  samiztag  N.  88,  40.  auch 
dein  roman.  dies  donünica  entspricht  zuweilen  Jrinia^ 
N,  ps.  23,  tag  des  herrn. 

Spllte  man  glauben^  dafs  aus  den  zaiilreichen  mhd. 
Sprachdenkmälern  die  namen  der  Wochentage  nicht  voU- 
stäüdig  au  entuehmen  sind?  zwar  sunnen  tac  (suntac 
Berlh.  1 18)  und  mdntac  (Parz.  452,  16.  maentac  498,  ;22  **) 
leiden  keiuen  zweifei;  auch  nicht  Donreatac  (dunrestac 
Berlh.  128);  Fritao  (Pars.  448,  7.  Berlh.  134);  samz- 
tac  (Berlh.  138.)  Aber  ungewisheit  schwebt  wieder  über 
dem  dritten  und  vierten  tag.  Jener  hiefs,  nach  merkwür? 
diger  Unterscheidung,  in  Bai^rn  jBlritac^  Erctcic  (die  rechte 
ioYXtK  nicht  ganz  sicher,  eritag  Adelungs  vat.  hss.  2,  189. 
ergel^g  Qerth.  122 ;  beispiele  aus  Urkunden  sanunelt  Schm. 
1,  96.  97),  in  Schwaben  hingegen  i^^'e^/oc,  dasausZievrea- 
tac  entsprungen  ist.  beide  sich  ganz  abliegende  formen 
leben  unverlilgt  in  der  heutigen  Volkssprache  fort,  bair. 
ierte^  Ostreich»  laWa,  2W^a,vioentinisclideutsch6är/a',  or/a; 
alem.  zieatig^  ziatigy  zienatig^  zeinatig  ^  zinatagy  die 
einschaltung  der  liqiiida***)  hat  den  ausdruck  verderbt  und 
falsche  nebenbegriffe  herbeigeführt,  im  mittlem  Deutsch- 
laqd  scheint  die  form  dieatag  ^  liestag  vorzuherschen  (an 
der  Rhone  dieatih),  woraus  unser  nhd.  dienatag  (schlech- 
ter dinslag,  das  IK  hat  guten  grund)  herrührt,  falsch  ist 
die  aclu^eibung  dingatag^  mit  dem  gedanken  an  ding,  Ju- 
dicium, dinslag  steht  in  Oaupps  magdeb.  i*echt  p.  272. 
Den  vierten  tag  finde  ich  nie,  weder  mhd.  noch  in  späte- 
ren volksmqndarten ,  nach  dem  goll  benannt,  überall  hat 
hier  jene  abslraclion  um  sich  gegriffen,  ist  aber  fast  selbsl 
unverständlich  imd  in  ein  masc.  mittwochs  inittich  (Berlh. 
124.  mähtig  Stald.  2,  194)  verwandelt  worden.  So  ist 
auch  für  den  fünften  tag  der  zahlname  phinztac  f Berlh. 
128.     Sclun.    1,    ^22)  phingatagj    durch    griechischslavi- 

*)  Cieft^Zies,  wiß  di^ef  glossator  86«  gicimbere  uad  cinnun 
scbreibt. 

'*)  2a<rmtig==|iiontag  Stald.  2,  479  soll  wol  »ein;  zue  roentig,  ze 
mAatage. 

**^)  so  oieioBt  f.  mebt,  leioae  f.  Ilse  u.  s.  w. 


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GÖTTER  89 

scken  eiufluft  {ndjuTtTt^,  petek,  piatek,  patek,  nur  dafs  die 
Slaven  den  freitag  daininter  verstehen)  in  einige  oberdeut- 
sclie  gegenden  gedrungen. 

Auch  die  altsächsischen  benennuogen  maugebi  uns, 
müssen  aber  in  euiigen  wesentlichen  puncten  von  den  ahd. 
abgewichen  sein,  wie  die  späteren  dialecte  verkündigen. 
fast  sicher  anzunehmen  ist  fVödanes  dag  für  den  vier- 
ten der  woche,  denn  noch  heilst  er  in  Westphalen  GorfeA/«*- 
tag^  Gonstagt  Gaunstag,  Gunstag^  in  niederrhein.  Ur- 
kunden Gudestag  z.  b.  Günther  3,  585.  611  (a.  1380. 
1387.)  Gudenstag  Kindlinger  hörigk.  p.  577.  578  (a. 
1448.)  der  dritte  mag  gelautet  haben  Tiwesdag  f  der 
fünfte  Thunaresdagy  der  sechste  Friundag?  zumeist  ver- 
schieden war  wol  der  name  des  siebenten?  man  bildete 
nach  dies  Saturni  Sdteresdag?  vergl.  westph.  Saterstag, 
Saiterstaig  Günther  3,  502  (a.  1365).  Ssp.  2,  66  liest 
eine  hs.  für  sunavend  Satersdach.  dieses  ganz  unhochd. 
^nnabend  scheint  kürzung  aus  sonntagsabend,  feria  ante 
dominicam,  denn  vespera  solis  meinte  man  nicht. 

Mnl.  II  manendavh.  Huyd.  op  St.  3,  389.  IV 
tVoensdach.  Maerl.  2,  143.  V  Donretidach  Maerl.  2, 
144,  V  Vrtndach  Maerl  2,  153.  157.  VII  Saterdach 
Maerl.  3,  343,  daneben  sonnacht  Maerl.  1,  164. 

Nnl.  I  zondag.  11  mdndag.  III  dingsdag^  früher 
dinsdag,  disaendag,  IV  ivoensdag,  belgisch  goensdag. 
V  donderdag.    VI  urtdag*    VII  zaterdag. 

Altfries.  I  sonnadei.  II  monadei,  111  Tysdei,  IV 
PFernsdei.  V  Thunresdeij  Tornsdei.  VI  Iredei.  VII 
Saterdei^  vgl.  oude  fr.  wetten  p.  27.  216.  243.  293.  294. 

Neufries.  I  sneyn^  Verkürzung  eines  compositum,  des- 
sen erster  theil  son,  sonne  war,  dessen  zweiter  aber  nicht 
dag  sein  kann.  II  rnoandey.  III  Tyeadey.  FV  fVdns^ 
dey.  V  Tongersdey.  IV  FrM,  gekürzt  aus  Fredey.  VII 
sniuivn^  sniouri^  gekürzt  aus  sonuejuwu,  sonuabeud.  vgl. 
legcnwoordige  Staat  van  Friesland  1,  121.  Wassenberghs 
bidraghen  2,  56. 

Ags.  I  8onnan  dag.  11  monan  dag.  III  IHves  däg. 
IV  VSdenes  däg.  V  Thiinores  dag.  VI  Frige  däg.  VII 
Sodtres  dägy  Sceternes  däg. 

Engl.  I  aunday.  II  monday.  III  Tuesday.  W 
PVednenday.    V  2hursday.    VI  triday,  VII  Saturday. 

Altn.^  I  aunnudagr.  II  mdnadagr.  111  T^rsdagr^ 
T<jsdagr.  IV  Od/ii/isda^r.  V  Tliörsdagr.  VI  Frm- 
dagr,  Freyjudagr.    VII  laugardagr^ 


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90  GÖTTER 

Sdiwed.  I  söndag.  11  rrü/idaff.  IIl  Tindag.  IV 
Onsdag.     V  Tliorsdag.     VI  Fredag.    Vll  lördag. 

Däu.  I  söndag.  11  mandag.  HI  Tirsdag.  IV 
Onsdag.    V  Thrsdag.    VI  Fredag.    Vll  lö'tferdag. 

Man  sieht,  nur  in  dem  siebenten  tag  entfernt  sich  der 
nord.  nanie  von  dem  saclisisclien  xind  friesischen:  laiigar- 
dagr  bedeutet  badelag,  weil  am  schkifs  der  woche  gebadet 
wurde,  und  doch  ist  vielleicht  hier  zusammenliang  ?  ein 
lat.  gedieht  des  neunten  jh.  auf  die  schlaclit  von  Fontenay 
(Bouquet  7,  304)  hat  den  merkwürdigen  vers:  sabbatum 
non  ilUid  hiit,  sed  Saturni  dolium,  ein  teufeis  bad? 

^\  enn  auch  die  Germanen  von  frühster  zeit  an  die 
siel)eiitagvvoche  gekanni  haben  sollten  (goth.  pitöy  ahd. 
we/ihd,  ags.  vuce^  altn.  viha^  schwed.  vecka,  dan.  uge) 
was  ich  bezweifle;  so  ist  ihnen  die  benennung  der  tage 
und  deren  anordnung  offenbar  aus  der  fremde  zugebracht 
worden,  denn  sonst  würde  einzelnes  abweichen,  und 
der  Saturn,  ein  völUg  undeutscher  und  keinem  einheimi- 
schen vergleichbarer  gott,  axis  dem  spiel  geblieben  sein. 

Aber  nicht  weniger  verwerflich  scheint  eSj  die  einfüli- 
rung  der  woche  imd  der  tagnamen  den  Christen  beizule- 
gen, so  gut  sie  unter  heidnischen  Römern  in  gang  ka« 
men,  konnten  sie  es  unter  heidnischen  Galliern  und  Deut« 
seilen,  ja,  bei  dem  lebhaften  verkehr  dieser  di^ei  Völker  ist 
eine  schnelle  Verbreitung  überaus  natürlich.  Das  christen- 
tlium  halte  die  jüdische  woche,  und  duldete  namen,  die 
ihm  ein  häufiger  anstofs,  aber  bereits  zu  tief  eingewurzelt 
waren  und  sich  nur  theilweise  verdrängen  liefscn.  Jene 
Worte  Gregors  zeigen  den  ganzen  Widerwillen  der  geist- 
lichkeit,  imd  nocli  deutliclier  geht  er  aus  der  (im  syn- 
lagma  de  baptisnio  p.  190  gedruckten)  aufserung  eines 
isländischen  biscliofs  im  j.  1107  hervor,  welcher  sie  wirk- 
licli  für  Island  abschafle  und  durch  blofse  zahlnahmcn  er- 
setzte. Wie  hätten  jemals  die  bekehrer  gelitten,  dafs  ver- 
balste namen  der  abgülter  den  neubekehrlen  zum  tägli- 
chen gebrauch  überliefert  ^^'ürden,  wären  sie  nicht  schon 
längst  unter  dem  volk  liergebracht  gewesen?  und  wie 
hätten  in  Deutschland  die  lateinischen  gütter  in  deutsche 
übersetzt  werden  dürfen,  gleichsam  um  sie  dem  volk  erst 
rocht  nahe  zu  rücken ,  wenn  dieses  nicht  schon  jahrhun- 
ilcrle  lang  damit  vertraut  gewesen  wäre? 

Das  hohe  alter  der  Übertragungen  ergibt  sich  auch 
ganz  aus  ilirer  genauen  einstimmimg  mit  dem  Sprachge- 
brauch der  ersten  jnhrlumdeiie ,  sobald  es  darauf  ankam« 
deutsche  götler  in  römische  zu   verwandeln.     Meiner  ver- 


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GÖTTEa  91 

mutung  zufolge  mufs  die  eiiiführuug  der  wocheutagnameD 
wenigstens  in  das  vierte  oder  fünfte  }li.  bei  uns  geset»! 
werden;  vielleiclit  hatte  ^e  nicht  überall  in  Deutsddand 
zugleich  statt. 

Unsere  vorfaliren,  in  natürlicher  täuschung  befangen, 
hüben  woi  schon  frühe  an,  den  Ursprung  der  wochen- 
tagnaincn  auf  die  eignen  göller  iln*er  hebnai  zu   beziehen. 

Willielmiis  mabnesbiu*. ,  die  ankunft  der  Sachsen  in 
Britannien  berichtend,  erzälilt  von  Heugist  und  Horsa,  dafs 
sie  aus  dem  edelsten  gesclileclit  abstammten :  erant  enim 
abnepoles  illius  antiquissimi  Voden^  de  quo  omnium  pene 
barbarai^um  gentium  regiuni  genus  lineam  traliit,  quemque 
gentes  Anglorum  deum  esse  delirantes  ei  quartum  diem 
septimanae  et  sexium  uxori  ejus  Freae  perpetuo  ad  hoc 
tempus  consecravenmt  sacrilegio  (Savile  1601.  p.  9.)  Um-, 
ständiicher  bei  Galfridus  monemut.  (lib.  6.  ed.  15H7  p« 
43.)  Hengist  sagt  zu  Yortigern:  ingressl  sumus  maria, 
regnum  tuum  A\xce  Mercurio^  petivimus.  ad  nomen  itaque 
Mercurii  erecto  vultu  rex  inquirit,  cujusmodi  religionem 
haberent?  cui  Hengistus:  deos  patrios  Saturnu-ni^  alque 
ceteros,  qui  mundum  gubemant.  colimus  maxime  Mercur- 
rium  (wie  bei  Tac.  9.)  quem  TVoden  liiigua  nostra  ap- 
pellamus.  huic  veteres  nostri  dicaveraut  quartatn  septi- 
manae feriam,  quae  usque  in  hodiernum  diem  nomen 
fVodenesdai  de  nomine  ipsius  sortita  est.  post  üiiun 
colimus  deain  inter  ceteras  potentissimam ,  ciü  et  dicave- 
runt  sextain  feriam,  quam  de  nomine  ejus  Fredai  voca- 
mus.  Da  Matthaeus  westmonast.  (flores,  ed.  1601.  p.  82) 
in  einzelneni  abweicht,  mögen  auch  noch  seine  worte  hier 
stehen:  ciunque  tandem  in  praesentia  rcgis  (Vorligemi) 
essent  coustituti,  quaesivit  ab  eis,  quam  fidem,  quam  re- 
hgionem  patres  eorum  coluisscnt  ?  cui  Hengistus :  deos  pa-* 
trios,  scUicet  Saturnuntj  Jovem  atqiie  ceteros,  qni  mun- 
dum gubemant,  colimus,  maxime  autem  Mercuriitmy 
quem  lingua  nostra  Voden  appellamus.  huic  patres  nostri 
veteres  dcdicaverunt  quarlam  feriam  septimanae,  quae  in 
liunc  hodiernimi  diem  Vodenesday  appellatur.  post  illiun 
colimus  dcam  inter  ccleras  potentissimam,  vocabulo  Fream^ 
cujus  vocabulo  Friday  appellamus.  Frea  ut  volunt  qui- 
dam  idem  est  quod  Venus  et  dicitur  Frea,  quasi  Froa  a 
frodos,  quod  est  spuma  maris,  de  qua  nata  est  Venus  se- 
cundum  fabiüas,  unde  idem  dies  appeUatur  dies  Veneris. 
Die  angclsächsisohe  sage,  unbesorgt  imi  die  mischimg  eig- 
ner und  fremder  fabel,  zweifelt  also  gar  nicht  an  dem 
hohen  alterthuni  der  namen  unter  ihrem  volk. 


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92  GÖTTER 

CriUscher  äiifbert  aich  Saxo  granim.  p.  103  über  die 
noriilöclie  beneuiiung,  sie  rühre  \oii  den  heiniischcD  gut* 
terii  her,  diese  aber  seien  nic^t  einerlei  nüt  den  lateini- 
schen, das  beweisen  ihm  Thor  und  Othin^  nach  welchen 
der  fünfte  und  vierte  tag  der  woche  genannt  werde,  wie 
ini  latein  nach  Jupiter  und  Mercur,  denn  Thor,  als 
Othins  solui,  lasse  sich  dem  Jupiter,  d.  h.  Mercurs  \atei* 
untauglich  vergleichen,  folglich  auch  nicht  der  nord.  Otliin, 
Thors  vatcr,  dem  römischen  JVIercur,  d.  h.  Jupiters  söhne, 
der  unterschied  ist  allerdings  triftig,  es  gelit  aber  daraus 
nur  hervor,  daf's  zu  der  zeit,  wo  mau  Otliin  und  INIercur 
gleichzustellen  begann,  ^lercur  als  ein  celtischer  gott  und 
wa)u*scheinlich  mit  sehr  von  der  classischen  Vorstellung 
abweiclienden  eigenschaften  gedacht  wurde,  in  seinem  sinn 
hat  Saxo  ganz  recht,  und  seine  bemerkimg  bestätigt  den 
frühen  heidnischen  Ursprung  dieser  tagnamen.  *) 

Auch  die  Varianten,  nach  Verschiedenheit  der  volks- 
Stämme,  verdienen  alle  rücksicht;  sie  lehren,  dafs  die  be^ 
neuuungen  nicht  gerade  starr  aufgenommen  oder  beibe- 
halten wurden,  sondern  nationalbegrüTe  immer  noch  eis 
gewisses  recht  darauf  ausübten,  das  längere  heidenthum 
in  Friesland  tmd  Sachsen  machte,  dafs  die  alten  namen 
des  vierten  und  siebenten  tags  fortwährten ,  wälu'end  sie 
in  Hochdeutschland  schon  vergessen  waren,  vorzüglich  be- 
deutsam ist  uns  aber  die  abweichung  der  Alamannen  und 
Baiern  bei  dem  dritten  tag:  wie  hätte  sie  erst  in  späterer 
zeit,  als  die  Vorstellung  von  dem  heidnischen  gott,  der  den 
Mars  repräsentiert ,  bereits  verworren  war ,  cntspringea 
mögen?  wie  die  chi^istliche  geistlicld^eit,  wenn  von  ilir  die 
uamengebung  ausgegangen  wäre,  eine  solche  Unterscheidung 
genehmigen  können? 

Alle  hinter  uns  liegenden  Völker,  Slaven ,  Litthauer, 
Finnen,  kennen  die  planeten tagnamen  nicht,  sondern  zäh- 
len, gleich  den  Griechen ;  nicht  weil  sie  später  bekehrt, 
sondern  später  mit  der  lateinischen  bildung  vertraut  wur- 
den, auch  die  von  Byzanz  aus  ergehende  Christianisierung 
entschied  hierbei  nichls,  sie  hatte  nur  auf  einen  tlieil  der 
Slaven  einflufs;  auf  Litthauer  und  Finnen  keinen.  Sie 
zählen  aber  so,  dafs  sie  von  montag,  als  erstem  tag  nach 
der  ruhe,  anheben,  folglich  dienstag  ihr  zweiter,  donners- 
tag  ihr  vierter  ist,  ganz  abweichend  von  der  lat.  und  isl. 
Zählung,  die  den  montag  als  zweiten,  den  doniierstng  als 
fünften   annimmt,     daher  iFt  der  slav.  patek  freitag,  ieiier 

•)  vgl.  Pet.  Kr.  Müller  om  Saxo  p.  T9. 

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GÖTTER  98 

oherd.  pfinztag  doonerstag.  die  mitte  der  wocbe  nennen 
»ie  sreda ,  sereda,  srida  (woher  litth.  serrada),  was  viel- 
leicht auf  die  hochd.  benannung  einwirkte.  JVur  bei  den 
lünebnrger  Wenden  ist  eine  spur  des  g(>lternamens,  dies 
Jovis  hiefs  ihnen  Perendtin ,  von  Peren ,  Perun,  donner« 
golt;  wie  es  scheint  blofse  nacliahmung  des  deutschen  na- 
mens, da  sie  in  den  übrigen  tagen  mit  den  andern  Slaven 
einstimmen. 

AuiFallend,  dafs  in  den  altbühm.  glossaren  (Hanka 
54.  165)Mercur,  Venus  und  Saturn  eben  in  der  folge  der 
'Wochentage  aufgeführt  werden,  und  dafs  überhaupt  slavi- 
sche  g(>Uer,  wenn  sie  mit  lateinischen  zusammengestellt 
sind,  gewöhnlich  unter  jene  wochengotllieiten  gehören. 
Und  während  sich  von  den  allslavischen  göttem  Perun 
dem  Jupiter  (Thor),  Lada  der  Venus  (Freya)  bestimmt 
vergleichen,  werden  die  planetcnnamen  Mercur^  Jupiter^ 
f^enua^  Saturn^  allböhm.  glossiert  dobropan,  kralemocz, 
chtytel  (czlylel),  hiadolet  (Hanka  a.  a.  o.),  d.  h.  durch 
Umschreibung  gedeutet,  warum  liegt  aber  in  Mcrcnr  der 
begrif  guter  herr  ?  hängt  es  mit  jener  ccltischen  ansdeh-* 
Dimg  seines  cultus  zusammen ,  die  ihn  geschickt  machte^ 
die  rolle  eines  deutschen  hauptgottes,  des  Wuotan,  zu 
übernehmen? 

Reines  ergebnis  dieser  betrachtungen  ist,  dafs  wir  be-* 
rechtigt  sind,  in  lateinischen,  Deutschland  imd  seine  götter 
behandelnden  denkmälern,  mit  ^röfster  walirscheinlichkeit 
Mercuriua  von  Wuotan,  Jupiter  von  Donar  und  Mars 
von  Zaxx  zu  verstehen,  die  verdeutschten  wochentaggötter 
sind  eine  probe  auf  des  Tacitus  interpretatio  romana* 


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94  WlIOTAN 


CAP.    VII.      WUOTAN. 

Die  höchste  und  oberste  gotlheü,  wie  man  annehnieo 
darf,  allgemein  unter  allen  deiitsclien  stammen  verehrt, 
würde  in  gothischer  mnndarl  gehcifsen  liahen  Vödans  oder 
Vblhans,  sie  hiefs  ahd.  TVuotan^  und  diese  beuennnng 
erscheint  noch,  wenn  gleich  selten,  als  eigenname:  IV uo- 
tan  trad.  fuld.  1,  149.  Woalan  2.  146.  152.  Longobar- 
den  schrieben  TV6dan  oder  Quödarij  Altsachsen  TVuodarij 
JVddarij  wiederum  in  Westphalen,  mit  dem  vortritt  des  G, 
Gu6dan^  Gudan,  Angelsachsen  J^öderiy  Friesen  PF^da, 
nach  der  neigung  ihres  dialects  auslautendes  N  wegzuwer- 
fen, und  ü  auch  ohne  folgendes  i  umzulauten,  die  nord. 
form  ist  Od/iinn,  bei  Saxo  Othinus,  faeröisch  Ouuin  (gen. 
Ouvans,  acc.  Ouvan.)  In  Graubünden,  woraus  die  tiefliochd. 
Verbreitung  des  namens  hervorgeht,  hat  die  romanische 
Sprache  den  ausdnick  T'^ut  Alamannen  oder  Burgunden  der 
frühsten  zeit  abgehört,  und,  im  sinn  von  abgott,  götzc  (I 
Cor.  8,  4)  bis  heute  bewahrt.  *) 

Unzweifelhaft  ist  wol  die  unmittelbare  abkunft  diese« 
Wortes  aus  dem  verbiun  ahd.  watan,  wuot,  ahn.  vadha, 
ödli.  welches  buchstäblich  dem  lat.  vadere  entspricht,  und 
meare,  transmeare  bedeutet,  cum  impetu  ferri.  ebendaher 
stammt  das  subst.  wuot^  das,  wie  ftevoe  «nd  animus,  ei- 
gentlich mens,  Ingenium,  dann  ungestüm  und  Wildheit  aus- 
drückt; Ln  ahn.  6d/ir  haftet  noch  ganz  die  bedeutung 
mens  oder  sensiis.  **)  Hiernach  scheint  TVuotany  Odhinn 
das  allmächtige,  alldurchdringende  wesen,  qiü  omnia  per- 
ineat;  wie  Lucan  von  Jupiter  sagt:  est  quodcunque  vides, 
quocunc[ue  moveris,  die  geistige    gottheit.  *♦*) 

"Wie  frühe  aber  dieser  urbegrif  verdunkelt  oder  erlo- 
schen war,  läfst  sich  nicht  sagen,  schon  imter  den  Heiden 
mufs  ne])eu  der  bedeutung  des  mächtigen  und  weisen  got- 
tes  die  des  wilden,  ungestümen  und  heftigen  gewaltet  ha- 
ben,    um  so  willkommner  war  es  den  Christen,  die  übelc 


*)  Conradis  wb.  263.     Christmann  p.  30-32. 

••)  das  noch  nicht  vötlig  aufgeklärte  goth.  pSthi  II  Cor.  2,  15  ahd. 
wuodi  Diut.  2,  304»  alt8.   wuotiii   Hei.   26,    W.  110,    T  mufis  entw.  «U 
gans  unverwandt  angesehen,  oder  in  <ier  bedeutung  vermittelt  werden. 
***)  das  hat  auch  Finu  Magnussen  gefunden,  lex.  nijth.  621.  636. 


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WÜOTAN.  95 

aus  dem  nameii  selbst  hervorzuheben.  in  den  ältesten 
glossen  verdeutschl  wotan  tyranmis,  herus  malus,  Dhit.  1, 
276^  gl.  Ker.  270;  ebenso  gebraucht  man  später  und  noch 
Keule  wüeterichy  wütenick  (gramni.  2,  516)  vgl.  ein  un- 
gesUiemer  wüeterich.  Ben.  431;  wie  Mar.  217  Herodes 
mordknechte  wüetertche  heifsen,  nennt  ihn  0.  !•  19,  18 
selbst  gotewuoto,  die  form  wuotunc  wird  sich  davon  nicht 
unterscheiden  .•  ein  ungedrucktes  gedieht  des  13  jh.  sagt 
fV'uetunges  her,  es  scheint,  für  das  wütende,  gleichsam 
von  Wuotan  angeführte  beer,  und  aucli  H^uotunc  ist 
ein  ahd.  eigenname,  Wbdunc  trad.  patav.  nr.  19.  Die 
alte  goulieit  wai»  lierabgewürdigt  zu  einem  bösen,  teoilischen, 
grausamen  wesen. 

Beweise  für  den  allgemein  verbreiteten  Wuotancultus 
ergeben  sich  einmal  aus  den  im  vorigen  cap.  gesammelten 
Stelleu  über  Mercurius  ^  dann  aus  des  Jonas  von  Bobbio 
(8.34.85),  desP.-iulus  Diaconus  Zeugnis  luid  der  abrenunti- 
alio,  welche  noch  näher  erwogen  werden  soll,  endlich  aus 
dem  zusammentreffen  einer  reihe  von  einzelnen  lunstanden, 
die,  wie  ich  glaube,  bisher  übersehen  worden  sind. 

Nach  der  heidnischen  Vorstellung  ist  Wuotan  nicht 
blofs  der  weltlenkende,  weise,  kunsterfahrne  gott,  er  ist 
auch  Ordner  der  kriege  und  sclilachten.  Adam  von  Bre- 
men sagt  von  dem  nordischen:  Wudan  id  est  forlior,  bella 
regit,  hominumque  ministrat  virlutem  conlra  inimicos.  .  . 
Wudanem  sculpunt  (Sveones)  arninturn  sicut  uostri  Mar* 
tem  sculpcre  solent.  Nach  der  edda  gchurou  \\ix\\  alle  im 
kämpf  fallenden  edlen  (Sicm.  77^),  dem  Thtir  die  knechte, 
was  aber  gesagt  scheint,  nm  diesen  herabzuwürdigen;  nach 
einer  andern  slelle  (Saem.  42")  theilt  sich  IVeya  mit  Od- 
hiun  in  die  gefallenem  er  heilst  ^alfadir  und  herfadir» 
eidem  prostratorum  manea  muueris  loco  dcdicalurum  se 
poUicelur  (llarahlus.)  8axo  p.  146.  Olhinus  nrmipotena 
p.  37;  auclor  aciei  corniculalae.  p.  138.  139.  146;  er  lehrt 
die,  welche  kein  seh  wert  verwundet,  mit  kiesein  nieder-» 
schlagen,  id.  p.  157. 

Nicht  verwundern  darf  es  also,  wenn  er  mit  Ziu  oder 
Tyr,  dem  eigentlichen  kriegsgott  verwechselt  wird,  und  in 
einer  glosse  zii  Jonas  von  Bobbio,  der  ilmi  mit  recht  dem 
Mercur  gleich  stellt  (s.  85),  sieht:  qiii  apud  eos  (Ala- 
mamios)  Viiotant  (pari,  praes.  non  wuolan)  vocalur,  La- 
tini  autem  Martern  illum  appellant.  mögen  auch  Adams 
worle  'sicut  uostri  Martern  sculpere  solent'  so  genommen 
werden,  dafs  nostri  bedeutete  Saxones?  er  kann  freih'ch 
die  mil  der  römischen  mythologic  bekannten  meinen. 

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96  WÜOTAN. 

Zumal  lehrt  die  merkwürdige,  von  Paulus  Diaconut 
1,  8  aufbewahrte  sage,  dafs  es  Wodan  ist,  welcher  sieg 
ver leiht y  dem  daher  jener  uralte  name  siliora  (s.  18)  vor 
allen  übrigen  güttern  und  in  den  edden  der  beiname  Sig^^ 
t<fr  (S«m.  248*  Sn.  94)  gebülu't :  rcfert  hoc  loco  antiqui- 
tas  ridiculam  fabulam ,  quod  accedenles  Wandali  ad  /^"o- 
tlan^  victoriarn  de  Winilis  postulaverint,  iUeqiie  res^JOn- 
derit,  se  illis  uictoriam  daturiim^  -quos  primum  Oriente 
8ole  conspexisset.  Tunc  accessisse  Gaiii])aram  ad  Frettm^ 
uxorem  ff^odan^  et  Winilis  victoriarn  po^tulasse^  Frenm- 
que  consüium  dedisse,  ut  Winiloruni  niulieres  solulos  cri- 
nes  erga  faciem  ad  barbae  similitudinem  comj^onerent, 
manec^xe  prinio  cum  viris  adessent,  seseque  a  ff^odan 
videndas  pariter  e  rcgione,  qua  ille  per  fenestraiu  orien- 
tem  versus  erat  solitus  adspicere,  collocareul;  atquc  ita 
factum  fuisse.  Quas  cum  TVodan  conspiceret  Oriente  sole, 
dixisse:  qui  sxmt  isti  Langobardi?  tunc  jPream  subjunxisse, 
ut  ([uibus  nomen  tribuerat,  victoriarn  condonaret^  sicque 
Winilis  JVodan  victoriam  concessisse.  Nachdem  nun  Pau- 
lus, als  Christ,  die  bemerkung  gemaclit  hat :  haec  risu  digna 
sinil ,  et  pro  nihilo  habenda:  vicloria  enim  non  potestati 
est  adlributa  hominum,  sed  e  coeio  potius  minislratur,  fügt 
er  eine  nähere  erklarung  des  namens  der  Longobarden 
hinzu:  certum  tarnen  est  Longobardos  ab  inlactae  ferro 
barbae  longitudine ,  cum  primitns  Wmili  dicti  fuerint,  ita 
postmodum  appellatos.  nam  juxta  illonim  liugnam  lang 
longam,  hart  barbam  siguÜicat  JVodan  sane,  quem  ad- 
jecta  litera  Gwodan  dixerunt,  et  ab  universia  Gernianiae 
gentibua^  nt  deus  adoratur,  qui  non  circa  haec  tempora, 
sed  longe  anlerius,  nee  in  Germania,  sed  in  Graecia  fuisse 
j>erliibetur. 

Die  ganze  fabel  trägt  das  gepräge  hohen  alterlhums, 
sie  ist  auch  schon  vor  Paulus  von  andern,  und  abweichend, 
erzählt  worden;  in  der  bist.  Francor.  cpitomata,  die  wenn 
gleich  nicht  Fredegar,  doch  einen  schriftsteiler  des  sieben- 
ten jh.  zum  Verfasser  hat.  statt  der  Wandalcr  werden 
liier  Chuni  genannt :  cum  a  Chunis  (liangobardi)  Danubium 
transeunics  fuissent  comperti,  eis  bellum  conali  suut  in- 
ferre.  inlerrogati  a  Chunis,  quare  gens  eorum  terminos 
introire  praesumeret?  at  iili  mulieribus  suis  praecipiant^ 
comam  capitis  admaxillas  etmentum  ligare,  quo  potius  vi* 
rorum  habitiun  simulantes  plurimam  multitudinem  hostium 
ostendcrent,  eo  quod  erant  mulicrum  comae  circa  maxülas 
et  mentum  ad  instar  barbae  valde  longac :  fertur  desuper 
utraeque    phalangae    vox    dixisse:     4ii    simt    LangobanU!' 


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WÜOTAN.  97 

quod  ab  his  gentibus  ferlur  eoruni  deum  fuisse  locuUmi, 
quem  fanatici  nominant  fVodanum  (ah  Wisodano.)  Tunc 
Langobardi  cum  clamassent,  qui  instituerat  nomcu,  con^ 
orderet  victoriam^  in  hoc  praelio  Chimos  supeiaiit.  Boii- 
quet  2y  406.)  Hier  bleibt  Frea  und  ilir  laüisclüag  aus 
dem  8piel,  die  nameDgebende  sdmjne  des  gottes  erschallt 
aus  der  luft  herab. 

Es  war  sitte,  dafs  wer  namen  eittfaeilte  eine  gäbe  joh- 
gen  lassen  muste.*)  Wodan  sali  sich  gehalten  den  sieg 
zujyerleihen  denen  er  den  neuen  namen  beigelegt  hatte, 
darin  lag  die  gunst  des  scliicksals,  denn  das  volk  wollte 
durch  männlichgeschmückte  frauen  nichts  als  die  zahl 
seiner  krieger  vergrüfscrn.  Ich  brauche  kaum  zu  erinnern, 
dafs  diese  mytliische  deutung  des  namens  Langobarden  falsch 
ist,  so  viel  glauben  Sie  im  milteJalter  fand.**) 

Die  sage  hat  aber  noch  einen  zug,  der  uns  nicht  ent» 
gehen  darf.  Wodan,  aus  seiner  himmlischen  wohnung, 
schaut  durch  ein  fenster  zur  erde  nieder  •  vollkommen 
der  altnordischen  Vorstellung  gemäfs.  OdhinH  hat  einen 
thron,  HUdhskialJ  genannt,  auf  deiji  er  sitzend  die  ge- 
sammte  weit  überschauen  und  alles,  was  unter  den  nien- 
sdien vorgeht,  hören  kann:  thar  er  einn  stadhr  er Hüdbseiaü' 
heitir,  oc  tlia  er  Odliinn  settiz  thar  t  hl^seeti,  thd  sd  kann  of  alla 
heinia^  oc  vissi  alla  luli  thu  er  hann  sd.  Sn.  10.  oc  thÄ  er 
Allfödr  sitr  t  th\t  seeli,  tlia  sec  hann  of  allan  heim.  Snu  21. 
als  sich  Loki  verbergen  wollte,  hatte  Odhinn  von  diesem 
sitz  aus  seinen  aufenlhalt  erspäht.  Sn.  69.  zuweilen  wird 
auch  Frigg,  seine  gemahlin,  neben  ihm  sitzend  gedacht,  und 
dann  erfreut  sie  sich  derselben  aussieht.  Odhinn  ok  Frigg 
8äio  i  Illidhscialfo,  ok  sd  um  heima  alla»  Saem.  39.  ?ilu^ 
Star  (lauscht)  Odhinn  Hlidhscialfo  f.  Saem.  89^.  das  sinn- 
liche heidenthum  macht  aber  die  göttliclie  elgenschaft  alles 
zu  durchschauen  abhängig  von  der  stelle  oder  einriclitung 
des  stuls,  imd  wie  sie  dem  gott,  wenn  er  nicht  darairf 
niedergelassen  ist,  abgeht,  können  andere,  sobald  sie  ihn 
einnehmen,  ihrer  theilhaftig  werden,  dies  war  der  fall, 
ab  Freyr  von  diesem  sitz  herab  in  lötunheim  die  schöne 
Gerdlir  erblickte :  Freyr  hafdhi  setze  i  Hlidliskialf,  oc  sd 
um,  heima   alla,    Sicm.  81.    Sn.  39.     hlidhscialf   scheifit 


*)  Uta  fyigja  nafhi.  Saem.  142«  150«  foram.  »u?.  3,  182.  208. 
gefa  at  narafesti.  Sa.  151.  fornm.  sog.  2/  51.  3,  133.  203.  I&lend. 
•ög.  2,  143.  194.  vocaboH  largitioaem  mnueris  additione  coiiimendare 
Saxo  gramiD.  71. 

**)  Loogobardi  a  loDgis  barbii  vocitati.  Otto  frif .  de  geit  Frid.  2,  13. 

7 


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96  WÜOTAN 

wörtlich   thürbank^    von    hlidli   (osdum)  und   ekialf  (sct* 
mnum),  ags.  scylTe^  Cädm.  79^   4.     engl,  shelf. 

Diese  idec  eines  sitzes  im  liünme!,  von  dem  gott  zur 
erde  sehe,  ist  unter  dem  volk  nocli  nicht  erloschen,  die 
formein  qui  haut  siet  et  de  loing  mire,  qui  haut  siet  et 
loins  voit  (oben  s.  16)  sollen  das  nicht  beweisen,  denn 
überall  dachte  man  sich  die  gottheit  in  der  höhe  thronend 
und  weit  umlier  schauend.  Aber  ein  verbreitetes  märchen 
erzählt  von  einem  sterblichen  menschen,  den  der  heil.  Pe- 
trus in  den  liimmei  eingelassen,  und  der  neugierig  zuletzt 
auf  den  nLul  des  herrn  stieg,  i^on  welchem  lierab  man 
alles  sehen  kann^  was  auf  dem  ganzen  erdreich  ge- 
schieht» er  sieht  eine  Wäscherin  zwei  frauenschleier  steh- 
len, ergreilt  im  zorn  den  vor  dem  stul  stehenden  schemel 
des  herrn  (oder  ein  stulbein)  und  wirft  hinab  nach  der 
diebin.  *)  So  weit  hat  sich  die  alte  fabel  geflüchtet.  Sollte 
nicht  ein  mhd.  gedieht  auf  sie  anspielen  (Amgb.  3^) : 

der  uü  den  himel  hat  erkom 

der  geiselt  uns  h\  unser  habe: 

ich  vürhte  s^re,  unt  wirt  im  zom, 

den  Siegel  wirft  er  ims  her  abe« 
Nacli  einem  serbischen^  lied  (Yuk  4,  9)  steigen  die  engel 
vom  jenster  gottes  (od  bozliijeg  prozora)  ziu»  erde  nie- 
der; prozor  (fenster),  erinnert  an  zora  (morgenrothe)  pro- 
zorje  (morgendämmerung)  und  an  den  in  der  frühe  gegen 
Sonnenaufgang  schauenden  Wodan,  die  morgenrothe  ist 
gleiclisam  der  ofne  himmel,  aus  dem  gott  in  die  weit  sieht. 
Auch  was  Paul.  Diac.  1,  20  von  dem  zürnenden  gott 
(oben  s.  13),  als  die  kämpfenden  Heruler  ihren  gegnem 
unterlagen,  meldet,  mochte  ich  auf  fViiotan  beziehen: 
tanta  super  eos  coelitus  ira  respexit;  und  hernach:  vae 
tibi  misera  Herulia,  quae  coelestis  domin i  flecteris  irai 
vgl.  £gilssaga  p.  365  reidhr  s4  rögn  ok  Odliinn!  und 
fornald.  sog.  i,  501  gramr  er  ydhr  Odhinn. 

Sieg  war  in  den  äugen  unserer  vorfaliren  erste  und 
höchste  aller  gaben,  doch  betrachteten  sie  Wuotan  nicht 
blofs  als  siegverleiher,  er  galt  ihnen  überhaupt  für  den 
gott,  von  dessen  gnade  der  mensch  jede  andere  auszeich- 
t 

*)  kindermärchen  nnm.  85.  Frey»  gartengesellschaft,  cap.  109 
1556  p.  106.  ed.  1590  p.  85.  Rollwagenbuchlein  1590.  p.  98.  99. 
(wo  eiQ  güldner  sesi$el.)  Mosers  vermischte  scliriften  1,  332.  2,  235. 
Thron  oder  a////  wird  den  gottern  nach  der  griechischen  und  altnord. 
Torstellung  beigelegt :  thA  geng^ngo  regin  ölJ  k  rökstdla  ginheilög  godb. 
tom.  Ib. 


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WÜOTAN  99 

flung  za  erwarten   liat.     er   war  der  gewall  ige    Schöpfer 
und  büder  jegliches  giits. 

Den  inhegrif  von  heil  und  Seligkeit,  die  erfüllnng  al- 
ier gaben,  scheint  die  alte  spräche  mit  einem  einzigen 
Worte,  dessen  bedeutung  sich  nachher  verengerte,  auszu- 
dräcken»  es  hiefs  der  wünsch,  dieses  wort  ist  wahrschein- 
lich von  wunja,  wunnja,  wonne,  freude  abstammend,  yru- 
nisc,  wunsc,  Vollkommenheit  in  jeder  art,  was  wir  ideal 
nennen  würden,  so  Frauend.  87  'der  vmnsch  von  edlem 
obze'  das  edelste  obst;  Parz.  250,  25  'erden  v^^nnsches 
rlche',  reich  an  allen  gaben  der  erde;  235,  24  'erden 
Wunsches  überwal';  Trist.  1374  *in  dem  wimsche  sweben,' 
in  voller  befriedigung ;  und  der  zauberhafte  Stab,  durch 
dessen  anschlagen  schätze  erworben  werden,  hiefs  wunsci- 
ligerta,  wünschelnithe ,  vgl.  Parz.  235,  22  'wurzel  unde 
rfs  des  Wunsches.'  die  bedeutung  des  begehrens  und  Ver- 
langens nach  solchen  Vollkommenheiten  mag  sich  erst  zu- 
fällig mit  dem  worte  wunsc,  alln.  6sk  verbunden  haben. 

Unter  den  eddischen  namen  Odhins  kommt  nun  auch 
vor  Osci,  Saem.  46*».  Sn.  3.  24,  d.  h.  der  die  menschen 
des  Wunsches,  der  höchsten  gäbe  theilhafÜg  machende. 

Hiermit  zusammenhängend,  also  Überrest  altheidnisclies 
glaubens,  scheint  mir  noch,  dais  unsere  dichter  des  13  jh. 
den  wünsch  personificieren  und  als  ein  gewaltiges,  schcipferi- 
•<^8  wesen  darstellen,  die  meisten  belege"  dafür  liefert 
Conrad  von  "Würzburg: 

der  fVunsch  mit  einer  hende 

vor  wandet  hete  si  getwagCti.     Troj.  1212» 

Aer.pVunsch  hat  dne  lougen 

erzeiget  an  ir  shi  irafty 

und  siner  hünste  meisterschaft 

mit  vlize  an  ir  bewert.     Troj.  75 6 9« 

Atr  PVunschhkt  in  gemachet  wandeis  vrt.     Troj.  3154. 

der  ff^unsch  der  hete  an  si  geleit 

m^fUzea  denne  M  elliu  wip.     Troj.  19620. 

i&  daz  er  niemer  wibes  leben 

für  sie  geschepjen  wolde  baz; 

d^  sin  geweilt  ir  bilde  maz ,  (vgl.  mezzen  oben  s.  72.) 

du  leit  er  an  sie  manec  model.     Troj.  19627.  •» 

und  haßte  sin  der  fVunsch  gesworu, 

er  wolde  bilden  ein  schoener  wJp, 

und  schepfen  also  kldren  Itp 

als  Hflend  mtn  frouwe  treit; 

er  müeste  brechen  stnen  eit: 


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wo  WÜOTAN 

wan  er  künde  niemer, 

und  solter  bilden  iemer, 

geschepfen  wiinnecltcher  fruht.     Troj.  1 9726.32, 
aber  auch  andere  dichter: 

an  ir  schoenc  was  vrol  schtn, 

daz  ir  der  fVunsck  ged41ite.     WigaL  9281. 

der  fVunscIl  het  sich  geneiget  in  ir  geM-alt.    das.  904. 

in  was  der  fVuriBch  bereit,     das.  10592. 

des  fVunsches  amte  (die  vollkonunenste).   das.  7906. 

wen  mohte  dd  erlangen, 

da  der   Wunsch  inne  was,     das.   106 12. 

der  JVunsch  hete  nibt  gespart,     das.  83. 

der  Wunsch  het  si  getnachet  su, 

und  ist  ir  zc  kinde  vr6.    Ami\r  1338.  *) 

zwöne  riter  gestalt 

so  gar  in   W^unsv.hes  gewalt, 

au  dem  libe  iinde  au  den  silen.     Iw.  6915. 

der  Wunsch  vluocliet  im.     Iw.  7066.**) 

si  hat  des  Wunsches  gewalt.  Amgb.  Sl*». 
wir  sehen  in  diesen  stellen  dem  Wunsch  bände ,  gewalt, 
fleifs,  kunst  beigelegt,  er  scliaft,  bildet,  deukt,  neigt  sich, 
schwürt,  freut  sich  und  zürnt,  nimnit  zu  kinde  oder  zur 
frciuidin  an:  alle  solche,  beinahe  stehenden,  redeusarten 
wären  schwerlich  in  poesie  und  spräche  entsprungen  und 
erhalten,  bezögen  sie  sich  nicht  imbewust  auf  ein  höhe- 
res wesen^  von  dem  die  vorzeit  lebendigere  vorstellimg 
hatte,  man  dürfte  in  den  meisten  beispielen  den  namen 
gottes  an  die  stelle  von  Wunsch  y  oder  in  den  s.  13 
mitgetheilten  ausdrucks weisen  von  dem  frohen,  zürnenden 
gott,  Wunsch  setzen,  freudenvol  hat  si  got  gegozzen 
(MS.  2,  226^),  der  Wunsch  maz  ir  bUde.  jenes  grarar 
er  ydhr  Odhinn  (s.  98)  könnte  mhd.  gegeben  werden: 
der  Wunsch  zürnet  iu,  die  weit  ist  euch  gram. 

Der  nordischen  Wortbildung  entspräche  genau  betrach- 
tet ein  ahd.  WunscOy  Wunscjo^  das  ich  nicht  einmal  als 
eigennamen  nachweisen  kann;  die  mhd.  form  Wänsclie 
läfst  sich  nicht  aus  Troj.  3154.  7569.  19620.  19726  (der 
strafsb.  hs.)  rechtfertigen:  melrum  und  der  gen.  auf  -es 
widerstreben  ihr.  Vielleicht  aber  darf  noch  hierher  ge- 
nommen werden,  dafs  in  der  ags.  stammsage  unter  den 
mTthischen  beiden  von  Deira  ein  f^uscjred^  gleichsam  ein 
herr  des  Wunsches,  auftritt. 

*)  freut  sich  ihrer  als  seines  kiitdes,  seiner  hcrvorbringong.  n^unsch- 
kini  ist  sonst  ein  adoptiertes,  angewunschtes. 

'*)  die  erklarnng  anm.  zn  Iw.  5.  410  halte  ich  für  falsch. 


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WÜOTAN  101 

Die  im  kämpf  gefallnen  beiden  oimmt  der  siegver- 
leiheade  gott  in  seine  liimnilisclie  woliuuug  auf.  wahr« 
sclieinlich  -war  es  glaube  aller  guten  und  edeln  menschen, 
uacL  ilirem  tod  in  die  näliere  gemeiuscLaft  der  gottheit 
zugelassen  zu  werden,  sterben  heilst  darum,  und  selbst 
nacli  der  christlichen  ansiclit,  zu  gott  gehen,  zu  gott 
heimkelu^en.  ags.  nietodaceajt  seon,  Beov.  2360.  Cädm. 
104,  31  gott  heimsuchen,  nach  Herodot  4,  94  sagten  in 
gleichem  sinn  die  Thracier  Uvai  nagu  Zuk/uo^iy  i^FefieXei^ip) 
dalfiora,  und  diesen  Zalmoxes  oder  Zamolxes  hält  Jor* 
Daudes  für  einen  golliischen  (getischen)  vergötterten  künig. 
Im  Norden  hiefs  zu  Odhinn  fahren ,  bei  Odhinn  zu 
gast  sein^  OdJiinn  heimsuchen  nichts  als  sterben  (forn- 
aldarsögur  1,  118.  422.  423.  2,  366)  und  war  gleichbe- 
deutend mit  nach  ValhüU  faliren,  in  Valholl  zu  gast  sein, 
(das  1,  106.)  Unter  den  Clu*isten  wurden  aber  Verwün- 
schungen -daraus:  far  thu  til  Odhins!  Odhinn  eigi  thihl 
hier  zeigt  sich  recht  die  unikchrung  des  gütigen  wesens, 
bei  dem  mau  bleiben  will,  in  ein  böses,  dessen  aufenthalt 
furcht  und  schi-ecken  einllöfst. 

Von  den  eigenthümlichkeiten  der  gestalt  und  äufse- 
ren  erscheinung  des  gotles,  wie  sie  in  den  nordischen  niy- 
then  ausgeprägt  sind,  habe  ich  bei  uns  in  Deutschlaud 
keine  spur  mehr  angetroffen.  Odliiun  isteZ/iä//^/^  und  trägt 
einen  breiten  hut.  als  er  aus  JNlimis  brunnen  zu  trinken 
begehrte,  muste  er  eins  seiner  äugen  zu  pfand  lassen 
(Saem.  4*  Sji.  15.)  bei  Saxo  p,  12  tritt  er  auf  als  gran- 
daet^iis^  altera  orbus  oculo;  p.  37  armipotens,  uno 
semper  contentus  ocello;  p.  138  senex  orbus  ocuiisy 
hiijndo  ainictu.  ebenso  in  den  sagen:  kom  thar  madbr 
ganiall,  nüök  ordlispakr,  eins^fnn  ok  au^dapr,  ok  hafdlii 
hatt  sidluin.  forum,  sog.  2,  138,  bann  heiir  hehlu  ßel^ 
küUa  yfir  ser,  sa  madlu'  var  berfoetlr  ok  huldhi  kn^^lt « 
Uubrokum  at  beini^  han  var  hdr  miök  ok  ekiiiigr  ok  ein» 
«)««.  fornald.  sog.  1,  120.  tha  kom  madlir  t  bardagann 
Biedh  sidhan  hatt  ok  lieklu  blä,  bann  haldhi  eitt  auga 
ok  gcir  1  hendi.  das.  1,  145.  thetta  mun  Odhinn  gamli 
▼erit  hafa,  ok  at  visu  var  madhrinn  einuyn//,  das.  1,  95. 
s4  bann  mann  mikinn  medh  aidJium  helti*  das.  5^  250. 
Othinus,  OS  pileOj  ne  cultu  proderetur,  obnubens.  Saxo 
gramm.  44.  schon  in  einem  eddischen  liede  heifst  er  Sfdh- 
liöttr  (der  breithutige)  Sieni.  46^,  iu  einer  siv^q  blofs  Höttr 
(der  hutige,  gehütete)  fornald.  sog.  2,  25.  26,  vgl.  Müllers 
»agabibk  3,  142.  ohne  jenen  namen  im  Grimuism^l  würde 
ich  vermuten ,    es  sei  absieht  der  Christen,    den   alten  gott 


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lOä  WÜOTAN 

(lurcb  ariiüichen  anzug  herabzusetzen,  oder  er  woUe,  in 
den  inautel  gehüllt,  sich  den  Christen  verbergen,  darf  an 
die  pileati  des  Jornandes  gedacht  werden? 

Die  nord.  mythe  legt  Odhinn  einen  wunderbaren 
speer ,  nsamens  Gängnir  bei  (Saem.  196.  Sn.  72),  den  ich 
der  lanze  oder  dem  schwert  des  Mars,  nicht  dem  Stabe 
INlcrcurs  vergleiche,  diesen  speer  leiht  er  den  beiden  zum 
sieg  (Saem.  165.)  eine  merkwürdige  stelle,  forum,  sog.  5, 
250,  sagt :  seldi  honum  reyrsprota  (den  speer  von  röhr)  t 
liöud,  ok  badh  bann  skiota  honum  yfir  lidli  Styrbiariiar, 
ük  that  skyldi  bann  maela :  Odhinn  d  ydhr  alla !  alle  feinde, 
über  die  der  geschossene  speer  fliegt,  werden  dem  tode 
geweiht,  und  der  ihn  abschiefsende  erhält  den  sieg,  auch 
Kyrbygg.  saga  p.  228 :  thd  skaui  Steinthörr  spioti  at  fornom 
sid/i,  til  heilla  ser  yfir  flock  Snorra,  wo  freilich  nicht  ge- 
sagt ist,  dal's  es  des  gottes  speer  war,  der  über  den  feind 
geschwungen  wird. 

£s  ist  bekannt,  dafs  schon  im  höchsten  alterthum  die 
sieben  Sterne,  welche  am  nördlichen  himmel  den  baren 
bilden,  als  ein  vierräderiger  wagen  vorgestellt  werden, 
dessen  deichsei  aus  den  drei  abwärts  geneigten  Sternen  besteht. 

"jiQyi^ov  ^',  rjv  %(x.l  ä /vu^av  enlxXrjOiv  naXtovaiv* 
11. 18,  487.  Od.  5,  273.  so  auch  in  ahd.  glossen  ursa  wa^ 
gen,  Jun.  304.  mhd.  himelwagen  Walth.  54,  3.  *)  am 
deutlichsten  erklärt  N.  Cap.  64:  selbiu  ursa  ist  pt  demo 
norde  manneKchemo  zeichenhaftiu  föne  dien  siben  glat^n 
sternöu,  die  all^  der  liut  wagen  heizet,  undc  ndh  einemo 
gloccuu  iotlie**)  gescaffen  sint,  unde  ebenmichel  sint,  äne 
dea  jiiiileiiislDii-  den  Angelsachsen  hiefs  dieses  gestim 
vctncB  thi&l  (wnüendeichsel)  oder  blofs  thtsl,  es  wird  aber 
aucli  carles  v(€n  bei  Lye  angeführt,  dem  engl,  charles 
waifi  eütf*prec]i«iid,  'dan.  iarlsvogn^  schwed.  harlwagn. 
ist  hier  karl  gleichviel  mit  herr,  wie  sich  herrenwagen 
in  gleit. hcm  %\nn  darbietet?  oder  ist  es  Übertragung  auf 
dcji  bertiliinicii  könig  der  christlichen  sage?  worauf  es 
uuä  al>cr  aiikfMinut,  die  constellation  mag  in  der  heidnischen 
zeit  den  vollständigen  namen  TVuotanes  wagan  geführt 
haben ,  nach  dem  obersten  golt  des  himmels.  die  nieder- 
ländische spräche  zeugt  dafür,  noch  in  einem  ms.  von  1470: 
ende  de  poeten  in  heure  fahlen  heeteut  (das  gestirn)  ourse, 
dat  is  te  segghene  fVoenstvaghen;  und  anderwärts:  dar 
dit    teekin    Arclurus,    dat   wy   heeten    fVoonswaghen  up 


')  se|itentnoii,  que  nos  char  el  viel  apelou.     ronian  de  Rou. 
*•)  liurizoütnier  tragbalke,  wie  bei  giocken. 


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>VLiOTAN  103 

8laet;  liet  seveustairc  of  de  de  fVoe/is^i^agheri]  vgt 
liuydec.  proeven  1,  24.  plausüimi  Merciirü  Jiabe  ich  nichl 
geleseu,    auch  kein  altn.  Odhins  vagu,  nur  pagn  d  himnuin. 

Vielleicht  hiei's  auch,  in  einigen  gegenden,  die  grol'se, 
offene  heerslraCse,  mit  der  mau  lange  zeit  den  begrif  einer 
besonderen  heüigkeit  verknüpfte,  IVuotanes  wec  oder 
siräza?  in  ISiedoisaciiseu  erhielt  sich  die  örtliche  benen- 
nung:  praedium  in  PFodenesa^ege»  Dietm.  merseb.  p.  31 
(Wagn.)  annal.  Saxo  272.  Johannes  de  TVderisivege,  Heiu- 
ricus  de  fVddensweghe  y  (Lenz)  brandenb.  urk.  p.  74  (a. 
1273)  161  (a.  1301);  später  fVuienswege,  Goäensc/iu^ege^ 
ein  dorf  bei  Magdeburg.  Gero  ex  familia  prodensu^egi- 
orum.  aiin.  magdeburg.  in  chron.  marienthal.  INleiboni  3, 
263.)  ich  erinnere  an  die  alterthümliclie  luslraliou  der 
honmges  strate  (RA,  69),  und  in  Uplandsk  vidherb.  balkr 
23,  7  wird  der  heerweg  genannt  harlsifeg,  gleich  jenem 
himmlischen  wagen. 

Noch  deutlicher  und  beziehungsvoller  scheinen  aber  die 
namen  einzelner  berge,  die  dem  dienst  des  gottes  im  hcideu- 
tlmm  geheiligt  waren,  at  Sigtys  bergi.  Sa:m.  248*.  Ot/ie/i^s- 
berg  (jetzt  Onsberg)  auf  der  dän.  inselSamsoe ;  Odensberg  m 
Schonen.  Godesberg  bei  Bonn  in  den  urk.  des  miltclallersG//- 
denesherg.  Günther  1,  211  (a.  1131)  1,  274  (a.  1143)  2,  34,5 
(a.  1265.)  unweit  der  heiligen  eiche  in  Hessen,  die  Boni- 
facius  stürzte,  lag  ein  ff^uodenesberg  ^  der  noch  in  urk. 
von  1154  (Schminke  beschr.  von  Cassel  p.  30.  vgl.  Wenk 
3,  79)  so  heilst,  spater  Vdenesberg  ^  Gudensberg,  eines 
Henricus  comes  de  tVödenesberg ,  aus  anderer  gegend, 
denkt  eine  urk.  von  1130  in  \Yedekinds  noten  1,  367; 
einer  curtis  H^ödcnesberg  eine  urk.  von  973  bei  Falke 
Iradit.  corb.  534.  Gotansberg  (a.  12  75)  Längs  reg.  3,  471. 
(vomes  TV adanimontis  ^  später  Vaudemonl  in  Lollu^ingen 
(Don  Calmet,  tomc  2.  preuves  XLVlll.  L.y  scheint  das- 
selbe, und  für  IVodaninions  gesetzt,  ein  Vodnes  beorg 
in  der  ags.  clironik  (Ingram  p.  27.  62)  woraus  nachher 
Wodnesborough ,  Wansborough  (in  Willslüre)  gemacht 
wurde;  schon  bei  Etlielwerd  p.  835:  facta  ruuia  magna  ex 
utraque  parte  in  loco  qui  dicitur  TVodnesbyrg^  statt  Wod- 
nesberg,  doch  Florentius  ed.  1592.  p.  225  hat  fVodnes-- 
beorhy  id  est  mons  Wodeni.  Dazu  nehmen  mufs  man, 
dafs  bei  dem  hessischen  Gudensberg  die  sage  geht  von 
dem  bergversunkenen  könig  Carl,  der  daselbst  einen  sieg 
über  die  Sachsen  erfochten,  und  dem  durstenden  beer  ei- 
nen brunnen  im  wald  geschlagen  habe,  künftig  aber  ein- 
mal zur  rechten  zeit,  mit  seinem  heer,  aus  dem  berg  her- 


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104  WÜOTAN 

vorgehen  werde,  den  mytbus  vom  siegreichen  heer,  das 
nach  wasser  schmachtet,  wenden  bereits  die  fränkischen 
auuaÜsten  auf  könig  Carl  an  (Pertz  1,  150.  348),  gerade 
da,  wo  sie  die  Zerstörung  der  Irmenseule  vortragen ;  er  ist 
aber  sicher  alter  und  lieidnisch:  Saxo  gramm.  42  hat  ihn 
von  dem  siegenden  Balder.  das  zusammentreiTen  solcher 
sagen  mit  festen  platzen  des  alten  cultus  kann  nicht  anders 
als  ilue  bedeutsamkeit  erholieu  und  bestätigen,  das  volk, 
dem  sem  glaube  zerstört  wird,  rettet  einzelne  züge  daraus, 
indem  es  sie  überträgt  auf  einen  gegenständ  neuer,  unver* 
folgter  Verehrung. 

Wie  diese  namen,  welche  den  wagen,  weg  und  berg 
des  alten  gottes  bezeichnen,  vorzüglich  in  Niederdeutschland, 
wo  sich  das  heidenthum  länger  behauptete,  übrig  geblieben 
sind,  weist  eben  dahin  auch  eine  merkwürdige  gewohnheit 
des  niedersächsischen  volks  bei  der  kornemte.  man  pflegt 
einen  büschel  getraide  auf  dem  fcld  stehen  zu  lassen  dem 
fVoden  für  sein  p/erd.  ]\ach  der  edda  reitet  Odliinn 
das  beste  aller  rosse,  den  Sleipnir ^  welchem  acht  füfse 
zugesclu-ieben  werden  (Saem.  46*  93*»  Sn.  18.  45.  65.);  an 
diese  eigenheit,  an  den  namen  hat  sich  keine  erinnerung 
erhalten,  aber  jenen  imschuldigen  gebrauch  rottete  das  chri- 
stenthum  weder  bei  dem  nordischen  noch  dem  sächsischen 
landmann  völlig  aus.  In  Schonen  und  Blekingen  blieb  es 
lange  sltte,  dafs  die  ernter  auf  dem  acker  eine  gäbe  für 
Odena  pjerde  zurück  liefsen.  *)  Die  meklenburgische  ge- 
wohnheit schildert  Gryse  **)  f olgendermafsen :  ja,  im  hei- 
dendom  hebben  tor  tid  der  arne  de  meiers  dem  afgade 
TV  öden  ummc  god  körn  angeropen^  denn  wenn  de  rog- 
genarne  geendet,  heft  men  up  den  lesten  platz  eins  idern 
veldes  einen  kleinen  ord  unde  humpel  korns  unafgemeiet 
stan  laten,  datsülve  baven  an  den  aren  drevoldigen  to  sa- 
mende  geschörtet  unde  besprenget,  alle  meiers  sin  dar- 
umme  her  geiretlon,  ere  /wde  vam  loppe  genanten  (vgl. 
obeji  s.  21)  iiiido  ere  seisen  na  der  sülven  wode  (?)  unde 
ßf*g€lirenUc  (Unii  korubusche  upgerichtet,  und  hebben  den 
IVödend'dutl  di  em^  semplik  lud  averall  also  angeropen 
umle  gebedcn: 

fVode^  hale  dinent  rosse  nu  voder, 

int  distal  uode  dorn, 

tom  andern  jar  beter  körn ! 


•)  Geyer«  scliw.  geftch.  l,  110, 

^*)  spcgel  de«  antichristisclien  pawestdoms,  dorch  Nicolaoin  Chrjsen, 
|>redigem  in  Rostock.     Ro»t.  1593.  4,  bogen  £  fii|b. 


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WÜOTaN  105 

welker  afgOdischer  gebruk  im  pawestom  gebleven*  daher 
denn  ok  noch  an  dissen  orden  dar  heiden  gc^wanet,  bi  et- 
liken  ackerlüden  solker  ayergelövischer  gebruk  in  anro« 
pinge  des  fVoden  tor  tid  der  arne  gespöret  werd,  und  ok 
oft  desülve  heische  jeger^  souderliken  im  winter  des  nachtes 
up  dem  velde  mil  sinen  jagethunden  sik  hören  let. 

Dav.  Franck  (Meklenb.  1,  56.  57),  der  von  alten  leu- 
ten  das  nemliche  gehört  hat,  führt  den  reim  so  an: 
iVode,    Wode, 
hal  dlnen  rosse  nu  voder, 
nu  distel  un  dorn, 
ächter  jar  beter  körn! 
auf  adlichen  höfen,  fügt  er  hinzu,  wenn  der  roggen  ab  sei, 
werde  den  erntemeiern  Wodelhier  gereicht ;  auf  fVodenS'* 
tag  jäte  man  keinen   lein ,    damit   fVodena  pferd  den  Sa- 
men nicht  zertrete,     in  den  zwölften  spinne  man  nicht  und 
lasse  keinen  flachs  auf  dem  rocken;  auf  die  frage  warum? 
heifse  es:  der  JVode  jage  hindiurch. 

Ich  habe  mir  erzählen  lassen,  dafs  auch  im  Oldenbur- 
gischen (in  der  gegend  von  Kloppenburg)  die  erntenden 
ein  stück  halme  auf  dem  acker  nicht  abschneiden,  und  dar- 
um tanzen,  vielleicht  wird  noch  jetzt  ein  reim  dazu  ge- 
sungen, und  sicher  geschah  es  ehmals. 

Eine  schaumburgische  sitte  wird  so  beschrieben*):  in 
scharen  von  zwölf,  sechzehn,  zwanzig  senscu  zieht  das  volk 
aus  zur  mahd,  es  ist  so  eingerichtet,  dafs  alle  am  letzten 
emtetag  zugleich  fertig  sind,  oder  sie  lassen  einen  streif 
stehen,  den  sie  am  ende  mit  einem  schlag  hauen  können, 
oder  sie  fahren  nur  zum  schein  mit  der  scnse  durch  die 
Stoppel,  als  hätten  sie  noch  zu  mähen.  Nach  dem  letzten 
Sensenschlag  heben  sie  die  Werkzeuge  empor,  stellen  sie 
aufrecht  und  schlagen  mit  dem  streck  dreimal  an  die  klinge« 
jeder  tröpfelt  von  dem  getränke,  das  er  hat,  ft%  sei  jbier, 
brantwein  oder  milch,  etwas  auf  den  acker,  trinkt  selbst, 
unter  hüteschwingen  ^  dreimaligem  anschlag  an  die  sense 
und  dem  lauten  ausruf  TVold,  fVold^  TVold!  die 
weibsleute  klopfen  alle  brotkrumen  aus  den  körben  auf 
die  stoppeln,  jubelnd  und  singend  ziehen  sie  heim.  Fünf- 
zig jähre  früher  war  ein  lied  gebräuchlich,  das  seitdem 
ausgestorben  ist,  und  dessen  erste  Strophe  lautete: 

W6ld,  W6ld,  W6ld! 

hävenhüne  weit  wat  schüt, 

jümni  hei  dal  van  häven  süt. 

*)  TOD  Munchhausen  iu  Bragur  VI.  I,  2t  -  34. 

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106  WUOTAN 

vulle  kruküu  uu  saDgeu  hat  bei, 

iipen  holte  wässt  manigerlei: 

hei  is  nig  barn  un  wert  nig  old. 

?V6ld,    W6ld,  WUdl 
unterbleibt  die  Feierlichkeit,    so   ist   das   nächste    jähr  mis- 
wachs  an  heii  und  getraide. 

Wahrscheinlich  wurde  dem  verclu^lcn  wesen,  aufser 
der  trankspende,  getraide  stellen  gelassen,  wie  die  vierte 
Zeile  des  lieds  (er  hat  volle  ki'iige  und  garben)  zu  erken- 
nen gibt ;  vielleicht  gedachte  die  zweite  Strophe  des  rosses. 
^der  hiiumelriese  schaut  nieder  von  liimmel,  er  weifs  al-- 
les  was  gesclneht\  das  stinunt  zu  dem  alten  glauben  au 
Wuotans  stul  (s.  98);  die  sechste  zeile  schildert  den  uu- 
gebornen  und  uualternden  gott  fast  zu  theosot^liisch.  Ji^6liU 
obgleich  durch  den  reim  gerechtfertigt,  scheint  eher  aus 
fV6d^  JVSde  verderbt,*)  als  aus  waldarid  (oben  s.  15) 
verkürzt. 

A^s  solchen  gebrauchen  leuchtet  die  milde  des  aher- 
tliums.  der  mensch  will  sich  nicht  alles  zueignen,  was  ihiii 
auf  seinem  land  gewachsen  ist,  dankbar  läfst  er  ein  tlieil 
für  die  gütter  zurück,  welche  auch  ferner  seine  saal  schützen. 
die  habsucht  nahm  zu,  als  die  opfer  aufiiürten.  **) 

Wuotan  war  es  nicht  ausschliefslich ,  der  den  felderu 
fruchtbarkeit  verlieh;  in  noch  näherem  bezug  zum  acker- 
bau  stand  die  mutter  Erde,  wir  werden  diese  gcittin,  bei 
ganz  ähnlichen  erntefesten,  an  jenes  stelle  gesetzt  sehen. 

*)  vgl.  nl.  ond,  goud  f.  olj),  p:old,  folglich  Woude,  das  sieb  der 
form  Wode  nähert,  wie  wenn  JVold  ein  mtid.  vorbild  hätte?  die  dicli- 
ter  des  13  Jh.  bedienen  sich  des  fast  unerklärlichen  wertes  u-oldan,  etwa 
in  der  bedeutung  von  stürm ,  kriegssturm ,  einen  wohlan  riten ,  an  den 
wohlan  riten  heifst  einen  angrif  im  gefecht  thun,  in  den  stürm  des  Strei- 
tes, ins  getummel  reiten  (Wh.  90,  12.  96,  23.  236,  5.  Ernst  5104. 
Ottoc.  286a.  b.  304b  718*  und  einigemal  im  Titurel.)  es  wäre  gleich- 
sam die  wilde  jagcl ^  der  wilde  jä^er'^  und  die  eine  stelle  des  Titurel 
personificicrt  wirklich:  'ir  wizzet,  wie  sie  hackeut,  wä  der  ff  ohton  sfn 
kirt htnporten  houwety*  eine  gasse,  breit  wie  kirchenthür,  in  die  feind- 
liche schaar  hauet,  ich  fühle  was  sich  gegen  diese  verwegne  deutung 
einwenden  lassen  wird ;  wäre  sie  annelimlicli^  so  gehörte  sie  nicht  in 
eine  note. 

**)  in  Norwegen  setzte  man  Julabends  den  Sperlingen  konibuschel 
hin :  Juleaften  at  sette  trende  kornhaand  paa  stöer  under  aaben  himmel 
ved  laden  og  faehuset  tii  spurrens  fnde^  at  de  näste  aar  ikke  skal  giore 
dem  skade  paa  ageren.  Hiortiiüi  Gulbrandsdalen.  Kb.  1785.  1 ,  130. 
es  erinnert  an  Walther«  von  der  vogelweide  Vermächtnis  für  die  vögel, 
und  an  das  was  Dietmar  von  Merseburg  erzählt:  domina  Mechtildis 
(Heinr.  I  gemahlin)  non  solnm  pauperibus  venini  etiHm  auibus  victnm 
subministrans.  p.  14;  aiivulis  etiam  in  hieme  maiUpulos  super  arbores 
ad  manducandum  intuitn  pietatis  in  monte  suo  poni  fecit.  p.  86. 


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WUOTAN  lor 

In  welclien  läuderu  die  Verehrung  des  gottes  am  lang* 
8ten  haftete,  läfst  slcli  aus  den  ortsbenennungen  erkennen, 
die,  weil  ihm  die  statte  geheiligt  war,  mit  seinem  namen 
zusammengesetzt  siud.  es  ist  sehr  unwahrscheinlich,  dafs 
sie  statt  auf  den  golt  auf  menschen  bezogen  werden  müs- 
ten,  die  wie  er  geheü'sen  halten;  Wuotan ,  Odliinn  als 
menschlicher  eigeniiame  kommt  zwar,  jedoch  selten  vor, 
und  der  sinn  des  zweiten  tlieils  der  ^Zusammensetzung,  ihre 
Wiederkehr  in  verschied uer  gegend,  reden  ganz  dafür,  dafs 
sie  von  dem  gotl  zu  verstehen  ist.  Aufser  den  schon  an- 
gefülirten  beiden  IVodenesweg  und  Jf^odeneaherg  weif« 
ich  keine  niederdeutsche;  in  England  erscheinen  mehrere: 
Tf^'oodneshoro  in  Rent,  unweit  Sandwich;  fVednesbury 
in  Staffordshire ;  Wednesjield  ebenda;  Wednesham  in 
Cheshire,  fVodnesfeld  bei  Ethelwerd  p.  848,  und  wol 
noch  andere.  Ihre  zald  ist  aber  in  Scandinavien ,  wo  das 
heidenthum  länger  gesichert  war,  ansehnlicher,  und  wenn 
sie  in  Dänemark  imd  dem  gotldändischen  theile  Schwe« 
dens  häufiger  vorkommen,  als  in  Norwegen  und  dem  ei- 
gentlichen Schweden,  so  folgere  ich  daraus  ein  übergewicht 
des  odinischen  cultus  in  Südscandinavien.  der  hauptort 
der  Insel  Fühnen  (Fion)  hiefs  Odhinsife  (forum,  sog.  11, 
266.  281.)  von  ve^  heiligthum,  zuweilen  auch  Odhinsey 
(das.  230.  352)  von  ey,  insel,  und  hiernach  später  Ödende, 
in  Waldemars  liber  censualis  *)  530.  542  Othänsö,  im 
mitern  Norwegen,  nahe  bei  Fredrikstad,  ein  anderes  Odhins^ 
ey  (Heimskr.  ed.  hafn.  4,  348.  398),  später  genannt 
OriBÖ,  in  Jütland  Othänshyllä  (Wald.  lib.  cens.  519), 
später  Onsild.  Otliänslef  (Othini  reliquiac)  Wald.  üb. 
cens.  526),  heute  Onslev.  in  Halland  Othänsäle  (Wald, 
lib.  cens.  533),  heute  Onaala  (Tuneids  geogr.  2,492.  504.) 
vrie  im  alten  Norwegen  ein  Odhinssalr.  in  Schonen 
Othänshäret  (Wald.  lib.  cens.  528),  OthensJiärat  (Bring 
2,  62.  138.  142**),  heute  Onsjö  (Tuneid  2,  397);  0/?ä- 
lunda  (Tuneid  2,  449)  d.  i.  Odinshaiu ;  Othenavara  (Bring 
2,  46.  47.  Othenvara  39);  Othenströö  (Bring  2,  48)  von 
tro  (fides)  und  vara  (foedus)?  in  Smäland  Oderisfalahult 
(Tuneid  2,  146.)  und  Odensjö  (2,  109.  147.)  in  Oster- 
gütland  Odenfors  (2,  72.)  in  Vestergötland  Odenshulla 
2,  284^)  und  Odenalcälla  (2,  264),  ein  gesundbrunnen ; 
Odensnker,  Onskler  (2,  204.  253.)  in  Westmanland 
Odensvi  (1,  266.  vgl.  Grau  p.  427***)  gleich  dem  fühnischen 

•)  l.fin^ebek  Script,  tom.  7. 

*•)  Sven  Briuft  monunienta  hcaiiensia.    vol.  2.  Lond.  goth.  1T48. 
**')  Otof  Cirau  heskrifiiing  öfver  Wastmanhnd.     Wäfteras  1754 

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108  WÜOTAN 

Odüisve^  vielleicht  gehört  uuser  niedersUchsisches  Wode« 
neswege  zu  diesem  ve^  nicht  zu  weg  (via)?  ebendaselbsT 
auch  ein  Odensjö  (Grau  p.  502.)  in  Upland  Odensala 
(Tuneid  1,  56);  Odensfors  (1,  144);  Onsike  (1,  144.) 
in  jVerike  Odensbacle  (1,  240.) 

Es  schien  nolhwendig  die  wichtigsten  dieser  Ortsna- 
men hier  nebeneinander  zu  stellen,  und  gewis  sind  mir 
noch  manche  entgangen  *),  in  ilirer  menge,  so  wie  in  ihrer 
ähuliclien  oder  gleichen  bildung  liegt  eben  der  volle  be- 
weis ihrer  bedeutsamlieit.  einzelne  dürfte  man  bezweifeln 
und  anders  auslegen,  sie  alle  zusammen  zeugen  imabweis- 
lich  für  die  grofse  ausdehnung  des  Odincultus. 

Kräuter  und  pflanzen  **)  sind  nach  diesem  gott  nicht 
benannt;  Isländer  imd  Danen  heifsen  aber  einen  klciueu 
Wasservogel  (tringa  minima,  inquieta,  lacustris  et  nataiis) 
Odliifishaniy  Odenshane  ^  Oder/s  fugl,  und  in  der  edda 
werden  ihm  zwei  kluge  raben ,  liuginn  und  ^luninn  bei- 
gelegt (hugr  auimus ,  munr  mens ,  voluptas) ,  die  sich  auf 
seine  schuller  niederlassen  und  ihm  meidungen  ins  ohi*  ea- 
gen.     Sicm.  42^  88»  Sn.  42,  56.  *♦*) 

Icli  bin  davon  ausgegangen,  dafs  die  anbetung  dieser 
gottheit  allen  deutschen  stammen  gemein  imd  keinem  fremd 
war,  eben  weil  wir  sie  für  die  allgemeinste  imd  oberste  an- 
erkennen müssen.  Wuotan  ist ,  insofern  es  gelingen  konnte 
aus  Überresten  des  alten  glaiibens  eine  idec  seines  vrescua 
zusammenzufassen,  die  allmächtige,  allwissende,  schaffende 
kraft,  von  welcher  jedes  gedeihen,  vorzüglich  aber  sieg ,  das 
wünschenswerlheste  gut  für  kriegerische  Völker,  abhieng. 
unter  allen  übrigen  gottern  tritt  er  am  meisten  hervor,  und 
darmn  haben  lateinische  schriftsteiler,  M^euu  sie  von  deutscliem 
cultus  reden,  iumier  am  ersten  Mercurs  zu  erwälinen  anlafs. 

Wir  wissen,  dafs,  aufser  den  Nordmannrern ,  SachscOf 
Alamannen,  Langobarden  diesen  gott  verehrten ;  wariuu  soll- 
ten Franken,  Golhcn  mid  die  übrigen  von  seinem  dienst  aus- 
geschlossen sein? 

Deutliche  spuren  zeigen  aber  auch  an ,   dafs  sein  cultus 


*)  einige  mir  fehlende  stehen  in  Fiun  Ma^nnssens  lex.  nijth.  648, 
dem  ich  aber  nicht  beistimme,  wenn  er  auch  die  hochd.  namen  Oden- 
wald, Odenheim  (wo  die  hochd.  form  Wuotan  völiig  mangelt)  dahin  suelit« 
oder  das  fiun.  Odenpä,  das  vielmehr  barenhaupt  bedeutet. 

**)  Dreyer  si|mi.  verm.  abtii.  2,  900  behauptet,   der  dnnme   lieitke 
(veriuutiicli  in  einer  niedersächs.  gegend ,  ich  finde  aber  niht  wo)  wöden- 
Jinf^en  wönletl  (glied)  und  die  spaiiue  zwischen  daumen  und  Zeigefinger 
M'Ödenspanne,     hierüber  ist  noch  nähere  aunkunft  zu  ^«uuscheu. 
***)  wie  in  chri.>iiit'heu  legenden  tauben  dem  pab^t. 


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WÜOTAN  109 

nicht  immer  und  nicht  in  allen  gegenden  überwog,  in  dem 
stidHchen  Deiitscliland  erlosch  er  frülier  als  in  dem  nördli* 
chen,  dort  haben  ihn  weder  Ortsnamen,  noch  die  benenniing 
des  vierten  wochentags  erhallen,  imlcr  den  Scandinaveu 
scheinen  ihm  weniger  Norweger  und  Schweden,  als  Got- 
länder  und  Danen  zugethan.  Die  altn.  sagen  gedenken  ver- 
schiedentlich der  Thorsbilder,  nie  eines  Odinsbildes;  nur 
8axo  gramm.  that  es  in  ganz  mythischer  weise  (s.  79), 
Adam  von  Bremen,  obwol  Wodan  unter  den  upsalischen 
gottheiten  nennend,  weist  ihm  nur  die  zweite,  Thor  die 
erste  stelle  an.  Späterhin  mag  in  Schweden  Freys  Vereh- 
rung vorgewaltet  haben. 

Ein  freilich  jüngerer  zusatz  zu  Olaf  des  heiligen  sage 
gewährt  eine  merkwirdige  äufserung  über  die  durch  ein- 
hihrung  des  christenthums  gestürzten  heidengötter.  ich 
will  sie  hier  beibringen,  um  im  verfolg  noch  öfter  darauf 
zurückzukommen;  Olafr  konüngr  krislnadhi  thetta  rtki 
aUt,  öll  blot  braut  hann  nidlir  ok  öll  godh,  sem  Thor  £n- 
gilsmanna  godh,  ok  Odhin  Saxa  godh,  ok  Skiöld  Skän- 
änga  godli,  ok  Frey  Svia  godh,  ok  Godhorm  Dona  godh. 
fornm.  sog.  5,  239.  Das  ist  nicht  genau  zu  nelimen,  al- 
lein es  scheint  mir  doch  darin  die  nachhaftende  erinnenmg 
an  alte  nationalgötler  ausgedrückt ;  wie  die  Schweden  Frey, 
80  zogen  die  Sachsen  walirscheinlich  Wuden  allen  übrigen 
gottheiten  vor.  waruni  wol  der  gewis  norwegische  Ver- 
fasser der  stelle  den  abgott  seiner  landsleute  ausläfst?  liier 
hätte  er  Thor  nennen  sollen,  statt  bei  den  Engländern, 
die  auch  dem  sächs.  Vöden  ergeben  w^aren. 

Indessen  darf  nicht  aufser  acht  gelassen  werden,  dafs 
in  der  abrenuntialio ,  einem  nicht  rein  sächsischen, 
doch  niederdeutschen,  vielleicht  ripuarischen  denkmal  des 
achten  jh.,  Tliunar  vor  f^uodan  genannt  wird,  und  Sax-- 
n6t  die  drille  stelle  einuimmt.  auf  jeden  fall  geht  daraus 
hervor,  dafs  auch  Thunars  Verehrung  in  diesen  gegenden 
herschte;  es  wäre  möglich  Waodana  ansprüche  auf  den 
obersten  platz  durch  die  annähme  zu  rechtfertigen,  dafs 
Jiicr  die  drei  guller  in  der  Ordnung  genannt  seien,  wie 
ihre  bildseulen  vielleicht  nebeneinander  aufgestellt  waren? 
fVuodan,  als  der  erste  unter  ilinen  stand  in  der  mittel 
wie,  nach  Adam  von  Bremen,  zu  Upsala  Thor ,  ihm  zur 
•eile  JVodan  luid  Fricco, 

Wenn  in  altn.  sagen  zwei  götter  genannt  werden, 
geht  gewöhnlich  Thorr  dem  Odhiun  voraus.  Laxdrelasaga 
p.  174  von  Kiartan :  at  hann  tliykist  eiga  meira  traust 
imdir  afli  stnu  ok  vdpnum  (vgl«  oben  s«  5)  heldr  enn  thar 


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110  WÜOTAN 

8em  er  Tlihrp  ok  Odhinn,  die  nemliclie  stelle  findet  sich 
forum,  sog.  2,  34.  Eyvindr  erzälilt  von  seinen  eitern, 
dafs  sie  vor  seiner  gebiirt  gelobt:  at  sa  madlir  skal  alt  til 
daudhadags  tbiona  Tliör  ok  Odhni.  forum,  sog,  2,  168.  *) 
Daraus  folgt  jedoch  nicht,  dafs  man  Thor  für  den  gröfs- 
ten  hielt,  Eyvindr  wurde  gerade  dem  Odhinn  geweiht, 
fornm.  sog.  5,  249  opfert  Styrbiörn  dem  Thörr,  Eirekr 
dem  Odhinn,  und  jener  unlerliegt. .  fornm.  sog.  1,  35  wird 
in  der  volksversamlung  zu  Tlirandlieim  der  erste  bechei- 
dem  Odhinn^  der  zweile  dem   Tliörr  gobraclit. 

Werden  die  drei  mächtigsten  gütter  genannt,  so  finde 
ich  Odliinn  vornen:  Odhinn^  Tliörr^  Freyr^  Sn.  eddn 
131.  nach  fornm.  sog.  1,  16  geloben  seefalirer  dem  Freyv 
geld  und  drei  tonnen  hier,  wenn  sie  guter  wind  nach 
Schweden,  aher  dem  Tliorr  oder  Odhinn^  wenn  er  sie 
heim  nach  Island  fülu^e. 

Etwas  anderes  ist,  wenn  Odliinn  in  altn.  denkmälem 
Thridhi^  der  di*itte  heifst;  dann  erscheint  er  nicht  neben 
Thurr  und  FrejT,  sondern  neben  Hdr  und  lafnhdr  (dem 
hohen  und  gleichhohen)  als  der  dritte  hohe.  **)  Sn.  7. 
Yiigl.  saga  52.  Sfcm.  46*.  Wiederum  in  verschiedner  be- 
ziehuug  tritt  er  auf  nehen  seinen  brüdern  V^ili  und  /^e, 
Sn,  7;  neben  Hoenir  und  Lodhr  Sicm.  3^  neben  Hcenir 
und  Lohiy  Saem.  180.  Sn.  135,  was  auf  älteren  mythen 
berulit,  die  wir,  als  dem  Norden  eigenthümlich ,  beiseite 
lassen. 

Ein  hauptzeugnis  für  die  tiefgewiu'zelte  Verehrung  die- 
ser gottlieit  legt  endlich  Wodans  Verflechtung  in  altsäch- 
sische  stammsagen  ab,  welche  ich  im  anhang  umständUch 
erörtere. 

Wir  erblicken  da  Wödan  überall  im  mittelpunct.  auf 
ihn  führen  sich  alle  beiden  und  königsgeschlechter  zurück, 
unter  seinen  söhnen  \md  vorfalu'en  sind  melu*ere  göttlich 
gefeierte,  namentlich  erscheinen  als  söhne  Bälden  und 
jener  noch  im  achten  jli.  in  dem  nordwestlichen  Dcutscli- 
land   un ausgerottete  Saxnöty    in    der   reihe    seiner  ahnen 


•)  auch  in  einer  ags.  honiilie  de  temporibns  Antichrist!  in  Wlielocs 
Beila  p.  495  werden  Thor  and  Eoudhen^  the  haethene  men  herjadh 
•vidlie,  und  Torher  Erculus  se  ent  (Hercules  gigas)  and  JpoUinis 
(Apollo),  the  hi  maerne  god  l^ton,  aufgezählt,  der  prediget  dachte  an 
die  nordischen  ^ind  griechischen  götter,  nicht  an  die  sächsischen,  sonst 
hatte  erThunor  and  Verden  gesagt,  auch  in  andern  fallen,  wo  bestimmt  tob 
nordisciien  göttern  die  rede  ist,  bedienen  sich  ags.  Schriftsteller  der  nor- 
dischen namensform.  F.  Magnussens  lex.  p.  919. 
••)  Aelfrics  glossen  56«  altanu9 :  Vdden, 


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WÜOTAN  111 

treten  Herembd  auf  und  Gedt^  welchen  diese  sagen  aus- 
drücklich fiii'  etilen  gott  oder  eines  gottes  solm  ausgehen, 
während  ilinen  PFSdan  seihst  mehr  das  liaupt  alJer  edlen 
geschlcchter  ist:  es  läfst  sich  aber  leicht  wahrnehmen,  dafs 
unter  einem  höheren  gesichtspunct  beide,  Gedtuni.  Wödan 
in  ein  wesen  zusammenfallen. 

In  diesen  genealogien,  die  sichtbar  von  mehr  als  einer 
Seite  in  die  älteste  epische  poesie  unseres  Volkes  greifen, 
mischen  sich  götter,  beiden  und  könige.  so  wie  beiden 
vergöttert  werden,  können  darin  auch  götter  von  neuem 
als  beiden  auftreten;  die  folge  und  Ordnung  der  einzelnen 
glieder  schwankt  unter  Wiedergeburten. 

Auf  die  geschichtlichen  könige,  in  welche  zuletzt  je- 
der Stammbaum  ausgeht,  fufsend  zurückziu*echnen,  und  nach 
menscheualtern  die  zeit  der  mytliischen  beiden  und  götter 
zu  ermitteln,  wäre  verkehrt,  die  ersten  historisch  sicheren 
angelsächsischen  könige  fallen  in  das  fünfte,  sechste  oder 
siebente  jh. ,  man  zalüe  vier,  acht  oder  zwölf  generationen 
hinauf  bis  zu  ViJden ,  er  würde  hiernach  nicht  früher  als 
in  das  dritte  oder  vierte  jh.  gesetzt  werden  dürfen. 

Solch  eine  rechnung  kann  die  annähme  seines  weit  äl- 
teren daseins  auf  keine  weise  gefährden,  seine  Verehrung 
mnfs  in  undenkliche  Zeiten ,  lange  über  die  erste  nachricht 
hinauf  reichen ,  die  uns  von  Römern  über  den  Mercurs- 
dienst  in  Germanien  mitgetheilt  worden  ist« 


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J 12  DONAR 


CAP.  Vm.      DONAR. 

Den  über  wölken  und  regen  gebietenden,  sich  durch 
vretterstralil  und  rollende  dounor  ankündigenden  golt,  des- 
sen keil  durch  die  lüfte  fährt  und  auf  der  erde  einschlägt, 
bezeichnete  die  spräche  des  altert luims  mit  dem  worte  Do- 
llar selbst,  alts.  Titan ar^  ags.  Thunor,  altn.  Tli6rr.  das 
letzte  scheint  zusammengezogen  aus  Thonar ;  *)  die  nalur- 
erscheinung  heilst  altn.  tliruma  oder  duua ,  beide  sind  weib- 
lich, gleich  dem  goth.  thcihvu,  das  vielleicht  aus  finnischer 
Sprache  übernommen  wurde,  dem  gott  legten  die  Gothen 
w^ol  den  namen  Thunra  bei  ?  das  schwcd.  tordün,  dän.  tor- 
den  (tonitru)  ist  aus  der  ben^nnung  des  gottes  und  jenem 
duna  zusammengesetzt,  altn.  Th6rdana  ?  ganz  auf  ähnliche 
weise  entspringt  der  schwed.  ausdruck  'ksha  (tonitru,  ful- 
men),  im  westgoth.  gesetz.  äsikkia**)  aus  asaka,  der  wagen 
oder  das  faliren  des  gottes,  von  as,  deus,  divus  und  aka 
vehere,  vehi,  schwed.  äka.  auf  Gothland  sagt  man  Tkor^ 
hkan,  Thors  fahren  für  donner,  und  das  altn.  reidh  be- 
zeichnet nicht  nur  veliiculum,  sondern  auch  tonitru,  reidhar- 
slag,  reidhartliruma  donnerschlag  und  blitz,  denn  das  fahren 
eines  wagens  über  ein  ge wölbe  kommt  dem  gerassei  und 
krach  des  donners  am  allernächsten,  diese  ^Vorstellung  ist 
so  natürlich ,  dafs  sie  sich  bei  mehrern  Völkern  ausgebreitet 
findet:  Sonsl  o;f7;/ta  tov  //tog  ^  ßgovirj  elvai.  Hesj- 
chius  8.  V.  i).aolßQovTa.  Thörr  wird  in  der  edda,  aufser  der 
benennung  Asathörr,  durch  Öluthdrr ,  d.  h.  wagcn- 
th^rr  (Sn.  25)  naher  bezeiclmet,  seinem  wagen  sind  zwei 
bocke  vorgespannt  (Sn.  26.)  zwar  haben  auch  andere  göt- 
ter  ihren  wagen, .  namentlich  Odhinn  und  ^reyr  (vgl.  s.  73« 
74.  102) ,  allein  Thörr  ist  in  eigentlichem  sinn  der  fahrend 
gedachte;  niemals  kommt  er,  gleich  Odlünn  reitend  vor, 
noch  wird  ihm  ein  pferd  beigelegt :  er  fährt  entweder  oder 
geht  zu  fufs.  es  heifst  ausdrücklich,  dafs  er  zu  gericht 
gehe  (Thörr  gengr  til  dumsins,  ok    vedhr  Ar,    und  watet 


*)  obgleich  ich  für  RR  aus  NR  sonst  keiife  analogie  weifs;  am 
RN  bildet  es  sich  oder:  ags.  steorra,  gotli.  stairod;  goth.  faim, 
afid.  ferne. 

*•)  vgl.  Onsike  (Odins  fnlirtV)  oben  s.  108. 


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DONAR  113 

durch    die   fiÜBse)   8n.    18.  *)     Noch  heiUe  pflegt  das  volk 
in  Schweden ,  "wenn  es  donnert,  zu  sagen :  godguhben  aker 
(der  gute  alte  fährt)  Ihre  696.  740.  926,  gofar  akar  (der 
gute  vater  fährt.)  aus  scheu  wiu-de  des    gottes   eigentlicher 
name  nicht  mehr  ausgesprochen,  oder  seine  väterliche  gute 
sollte  hervorgehoben  werden  (der  alte  gottj  oben  s.  1 5.)  Den 
blitz  nennt  der  Norwege  Thors  varnie  (Th.  wärme)  Faye  p.  6. 
Donner,    blitz  und  regen  gehen  unter  allen  naturer- 
scheinungen  vorzugsweise   von    gott   aus,  sie    werden    als 
seine  handlung,    sem   geschäft  angesehen.  **)     Bei  grofsem 
lärm  und  gepolter  ist  die  redensart  gewöhnlich :  man  könnte  - 
unsem  herrgott  vor  dem  tosen   nicht  donnern  hören;   in 
Frankreich:    le  bruit  est  si  fort,    qu'on  n^entend  pas  dieu 
tonner.    schon  im  roman  de  Renart  11898: 
fönt  ime  noise  si  gi*ant 
quen  ni  oist  pas  dieu  tonant. 
29143 :  et  commen^a  un  duel  si  grant, 
que  len  ni  oist  dieu  tonant. 
Besonders  aber  wird  der  donner  dem  zürnenden  und  stra^ 
fenden    gott  zugeschrieben,  Donar   gleicht  in  dieser  eigen-^ 
Schaft  des  zorns  und  der  strafe  vnederum   dem  Wuotan 
(s.  13.  100.)     bei  gewitter  pflegt  das  volk  den  kindern  zu 
sagen:    der  liebe  gott  zürnt;   in   Franken:    draufsen   ist 
gott,  der  zankt ;  in  Baiern :  der  himmeltatl  greint  (Schm. 
\y  462.)     in    Eckstorms   gedieht    zu   ehren   der   grafschaft 
Honstein.  1592.  CII«>  heifst  es: 

gott  der  Herr  mufs  warlich  from  sein 
dafs  er  nicht  mit  donner  schlegt  drein.  ***) 
die  nemliche  vorstelUmgsweise  bei  den  lettischen  und  fin- 
nischen Völkern,  lettisch:  wezzajs  kahjds,  wezzajs  tehws 
barrahs  (der  alte  vater  hat  sich  auf  die  füfse  gemacht,  er 
keift.)  Stender  lett.  gramm.  150.  chstnisch:  wanna  issa 
hüab,  wanna  essä  wäljan,  mürrisep  (der  alte  vater  brummt.) 
Rosenplänters  bejtr.  8,  116.  'unser  herr  gott  zankt';  'der 
himmel  fülu^t  krieg'.  Joh.  Christ.  Petris  Ehstland  2,  108. 
Ebenso  herscht   in    dem   lateinischen   Jupiter   (wört« 

*)  sein  dunkler  beiname  HlSnidhi  widerspricht  dem  schwerlich : 
dieses  ridhi  bezieht  sich  wol  auf  reidh  (wa<?en.)  hlörridhi  scheint  mir 
assimiliert  aas  hlödhridhi,  vgl.  cap.  X  bei  der  j^öttin  HIOdhyn. 

•*•)  ein  baner,  bei  der  procession  ermahnt  niederzufallen,  sagte :  ich 
glaube  nicht ,  dafs  unser  herrgott  dabei  sei,  ich  hörte  ihn  noch  gestern  oben 
im  Inmmel  donnern.     JVeidners  apophthegmata.     Amst.  1643.  ^  277. 

***)  in  einem  aus  liederanfaugen  zusammengesetzten  gedieht:  ach 
gott  vom  himmel  sieh  darein  und  werfe  einen  donnern t ein  ^  es  ist  ge- 
wislich  an  der  zeit,  dafs  schwelgerei  und  Üppigkeit  zerschmettert  wer- 
den  mausetodt !  sonst  sdirein  wir  bald  aus  tiefer  ooth. 

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114  DONAR 

icli  :  gott  vatcr,  diespiter)  die  idee  des  donnerers  vor;  den 
dichtern  gilt  Tonans  für  Jupiter  (z.  b.  Ovid.  heroid.  9,  7. 
fast.  2,  69.  metam.  1,  170)  und  die  lat  dichter  des  mit- 
telalters  bedieoen  sich  gern  dieses  namens  (z.  b.  Dracon- 
tius  de  deo  1,  1.  satisfact«  149.  Ven.  Forlunat.  p.  212. 
219.  258)  fdt  den  christlichen  gott.  dem  begegnen  nun 
ganz  die  ausdrücke  der  yulgarsprache :  celui  qui  fait  to- 
nePy  qui  fait  courre  la  nue  (s.  16*)  eine  inschrift  Jovi  to* 
nanti  hat  Gruter  21,  6.  der  griechische,  donner  und 
blitz  (xepat/roff)  sendende  Zeus  heilst  neQavvBiög* 

WeU  er  sie  aber  von  der  höhe  des  himmels  herab 
entsendet,  führt  er  zugleich  den  namen  aKQtOQy  und  wird 
auf  dem  berggipfel  {äxQig)  wohnend  gedacht.  Zeus  thront 
auf  dem  Ol7mp>  dem  Athos,  Lycaeus,  Casius  und  auf  an- 
dern bergen  Griechenlands  und  Kleinasieus. 

Ein  hoher  berg,  über  den  von  ältester  zeit  die  haupt- 
strafse  nach  Italien  zieht,  in  der  kette  zwischen  den  gra- 
jischen  und  penninischen  alpen ,    der   heutige   sanct  Bern- 
hard, hiefs  im  frühen  mittelalter  mons    Joi>is.      so  hä'ifig 
in  den  fränkischen  annalen  (Pertz  1,    150.  295.  453.  498« 
512.  570.  606.  2,  82.),  bei  Otto  fris.  de  gest  Frid.  2,  24^ 
bei  Radevicus  1,  25,  der  ilm  als  via  Julii  Caesaris,  modo 
mons  Joifis  bezeichnet;  bei  ags»  Schriftstellern  mw/i^ /o/«« 
(Lye  s.  V.),   in  Älfr.  ßoet.  p.  150  muntgiop ,   in   unserer 
kaiserchronik    SS^   monte    Job.      Benennung    und   cultus 
fähren  schon  auf  die  zeit  der  Römer  zurück;    die    alpen- 
bewohner  verehrten  einen  Penintts  deus,    oder  eine  Pe^ 
nina  dea:  neque  montibus  bis  ab  transitu  Poenorum  uHo 
Veragrl,  incolae  jugi  ejus,   nonint  nomen  inditum,   sed  ab 
eo ,    quem  in  summo  sacratiim    vertice   peninuuh  montani 
adpellant.  Liv.  31,    38.     quamvis   legatur   a  poenina  dea, 
quae  ibi  colitur,    alpes  ipsas  vocari.  Servius  zu  Virg.  Aen« 
10,  13.     eine  auf  dem  S.  Bernhard  gefundne  inschrift  (Jac 
Spon  misccllanea  antiq.  Lugd.  1685.  p.  85)  sagt  ausdrück- 
lich :  Lucius  Lucilius  deo   Penino,   opt.  max.  donum  de- 
dit,   und  hieraus  folgt,    dafs    man   unter  diesem  gott  sich 
den  Jupiter  dachte,     den   namen  mons  Jot-'is,   gebrauchen 
die  classiker  nie,    auch  die  tabula  Antonini  benennt  blofs 
den  sumnuis  Penninus  und  den  Penni  lucus ;  zwischen  dem 
4  und  7  jli.  scheint  dafür  Jo^is  mons  aufgekommen,  viel- 
leicht mit  rücksicht  auf  den  gallischen  oder  gar  deutschen 
sinn,  in  dem  dieser  gott  damals  aufgefafst  wurde,     man  er- 
innere sich   jenes  deutschen  tsarnodori  auf  dem  nicht  weit 
abgelegnen  Juragebii'ge  (s.  51.)  *) 

*)  zu  anterschelden   von  dem  mon»   Jopis    i«t  der  mons  gaudii^ 


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]H>NAR  115 

Mit  völliger  Sicherheit  dürfen  wir  solche  bergname» 
in  Deutschland  selbst  auf  die  Verehrung  des  einheimischen 
gottes  beziehen*  allbekannt  ist  der  Donnersberg  (mont 
tonnerre)  in  der  Rheinpfalz  an  der  grenze  der  alten  graf- 
schaft  Falkenstein,  zwischen  Worms,  Kaiserslautern  und 
Kreuznaclu  ein  andrer  Thuneresherg  liegt  in  Westpha- 
len  an  der  Diemel  unweit  Warburg  in  mitten  der  dürfer 
Wormeln,  Germete  und  Welda;  die  älteste  seiner  meidung 
thuende  Urkunde  ist  vom  j.  1100  (Schaten  mon.  paderb« 
\j  649.)  im  mittelalter  dauerte  da  noch  ein  grofses  volks- 
gericht  fort,  das  ursprünglich  sicher  an  die  heiligkeit  des 
ortes  geknüpft  wurde:  comes  ad  Thuneresberhc  (a.  1123) 
Wigands  feme  (222);  comitia  de  Dunrisber^  (a.  1105) 
Wigands  arch.  I.  1 ,  56  5  a  judicio  nostro  Tnonrsebercfi 
(a.  1239)  das»  58.  gerade  in  der  nälie  dieses  berges  steht 
die  heilige  eiche,  deren  s.  45  gedacht  wurde,  wie  das  ro* 
hur  Jotns  bei  dem  hessischen  Geismar  (s.  44)  unfern  von 
einem  PVuoiansberg  (s.  103.)  allem  auscheiu  nach  konnte 
beider  götler  cultus  dicht  nebeneinander  gepflogen  werden. 
Wahrscheinlich  sind  noch  in  andern  gegeuden  Deutsch- 
lands Donnersberge  aufzufinden,  eines  im  regensburger 
gebiet  gedenkt  eine^  urk.  von  882  unter  dem  namen  Tu^ 
niesberg.  Ried  cod.  dipL  num*  60. 

Auch  in  Scandinavien  mangelt  es  nicht  an  Thors  na- 
men tragenden  bergen  und  felsen :  T/iors  hlint  in  Ost- 
gotland,  T/iorsborg  in  Gotland ;  aus  Norwegen,  wo  dieser 
gott  vorzugsweise  verehrt  wurde,  sind  mir  jedoch  keine 
bekannt,  in  Vermland  pflegt  der  gemeine  mann  die  süd- 
westliche himmelsgegend ,  aus  der  im  sommer  die  meisten 
gewitter  aufsteigen,  T/iorsIäila,  des  Donners  hole,  zu  nen- 
nen.   (Geijer  Svearikes  häfder  1,  268.) 

Aber  die  slavischen  Donnersberge  sind  nicht  zu  über- 
sehen,    bei  Milleschau   in  Böhmen   ein    Hronwlan^    von 


unter  welchem  das  mittelalter  eine  hohe  bei  Rom  verstand  t  Otto  fri^ 
mg.  1.  c.  2,  22;  in  der  kaiserchronik  a.  a.  o.  heifst  es  wörtlich  ver- 
dentscbt  mendelberc.  in  romanischen  gedichten  d^s  12.  13  jh.  ist 
monjoie  das  französ.  feldgeschrei,  gewöhnlich  aber  mit  beigefügtem  S. 
Denis,  z.  b.  monjoyaj  monjoya  sant  Denis.  Ferabras  365;  monjoie  en- 
«eigne  S.  Denis.  Garin  108.  Ducange  in  der  eilfteii  dissertation  zu 
Joiii?iHe  erklart  monjoie  unstatthaft  für  eine  derainntlvform  von  mont 
da  es  in  andera  stellen  (Roquefort  2,  207)  allgemein  ort  der  Wonne 
nnd  freude,  paradies  l>ezeichnet,  so  darf  man  bei  der  wörtliclien  he- 
dentnng  stehen  bleiben;  es  müste  aber  in  mehrern  gegendcn  berge 
dieses  namens  gegehen  haben,  möglich  wäre,  dafs  auch  dieses  mon- 
joie aus  einem  alten  monjoi^e  (mons  Jovis)  hervorgieng:  mit  dem  göt< 
terberg  verband  sicli  zugleich  die  Idee  eines  Wonneaufenthaltes. 

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116  DONAR 

hrom,  doimei*,  nach  andern  dialecten  grom ;  in  Steiermark 
eui  Grimming^  d.  h.  slav.  germnik,  altsL  gr^'mnik  (don- 
nersbergy  vgl.  sloven.  gr'mi,  es  donnert ,  serb,  grmi)  einer 
der  steilsten  berge  steirischen  alpe,  nicht  weit  davon  ein 
Aufsehen  genannt  der  Donnersbach.  *)  Mit  einem  andern 
wort  also  dinicken  die  Slaven  gott  und  naturerscheinung 
aus,  )enen  altslav*  durch  Perun^  poln.  Piorun,  bOluu. 
Peraun'^  bei  den  Südslaven  scheint  es  frülier  ausgestor- 
ben, lebt  aber  noch  in  ableitungen  und  Ortsnamen  fort. 
Dobrowsky  (inst.  289)  führt  es  auf  die  würzet  peru,  fe- 
rio,  quatio  zurück,  und  vielleicht  hat  dieser  passende  simi 
eben  zur  entstellung  derechteren  wortform  beigetragen.**) 
ich  möchte  ihr  ein  ausgefallnes  k  zutrauen:  der  litthaui- 
8che ,  lettische ,  altprcufsische  donnergott  heifst  Perhunas^ 
Pehrlons,  PerkunoSy  und  eine  menge  von  Ortsnamen  sind 
damit  zusammengesetzt,  littli.  Perkunaa  grauja  (P.  don- 
nert), Perhunaa  musza  (P.  sclilägt,  ferit);  lett.  Pehrko/is 
sperr  (der  donner  scldägt  ein.)  das  slav.  perun  wird 
heutzutage  weniger  persönlich  verwendet,  imd  mehr  vom 
blitzstrahl  gebraucht.  Schon  Procop  (de  hello  goth.  3,  14) 
sagt  von  den  Scla\enen  und  Aulen  :  'd'eov  fdv  yu-Q  e'va 
üov  lijs  döTQanij g  ät] /tnovgy 6r  anuvTViv  niQiov 
ftovov  avTov  ro/Lii^ovaiv  elvcti ,  x«i  dvovoiv  avrü  ßoas 
%e  %al  leQeia  anavTa. 

Perkun  gemalmt  nun  an  jenen  morduinischen  donnergott 
Porgiiini  (oben  s.  18),  noch  merkwürdiger  an  einen 
gotb.  ausdruck,  der  freilich,  wie  er  bei  Ulfilas  erscheint, 
alle  persouification  eingebüfst  hatte,  das  goth.  neutruni 
fairguni (^ramm,  2,  175.  453)  bedeutet  berg,  oQog.  ***)  wie 
wenn  es  vorzugsweise  der  Donnersberg  gewesen  und' ein 
verlornes  Tuüguns  des  gotles  name  wäre?  man  dürfte 
die  bedeutuug  von  fairguni  =  mons  imverändert  behalten, 
und  in  das  niasc.  Fairgnna  oder  Fairguneis^  folghch  in 
Perkunas ,  den  sino  jenes  äxQiog  legen  ?  ein  scliickUcber 
neben  name  für  den  donnergott.  auch  das  alid.  virgun, 
*g8«  fi^^g^f^  j  in  Zusammensetzungen ,  ohne  welche  es  uns 
völlig  untergegangen  wäre,   kann    entweder  blofs  den  be- 


*)  Kiiiderniann  abrifs  von  Steiermark  p.  66.  67.  70.  81. 
••)  anders,  wenn  man  perun  und  xt^ai^oq  vergleichen  dürfte«   noch 
naher  dem  Perun  schiene  das  saascr.  Parjanyas^   weichen  namen  la- 
dras  als  Jupiter  pluvius  führt,    wörtlich:  befruchtender  regen,  donner- 
wolke,  donner. 

•••)  Matth.  8,  1,  Marc.  5,^  5.  II.  9,  2.  II,  I.  Luc.  8,  5.  4,  29. 
9,  87.  19,  29.  37.  I.  Cor.  13,  2.  bafrgahei  {y  oiittr^)  steht  Luc.  1,  39. 
65.  nie  das  einfache  buirgs. 


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DONAR  lir 

grif  des  bergigen ,  waldigen  enthalten  oder  auf  einen  ver- 
dunkelten gottesnamen  bezogen  werden,  wie  ee  darum 
stehe;  dafs  mit  fafrgunl,  virguu,  ürgen  göttUcliverehrte 
wesen  zusammenhangen^  ergibt  sich  offenbar  aus  dem  altn. 
Fiörgyn^  gen.  Fiörgynjar,  worunter  in  der  edda  Thors 
mutter,  die  göttin  Erde  verstanden  wird;  und  aufser  ihr 
tritt  noch  ein  männlicher  Biörgynn^  gen.  Fiörgvins,  Fiür- 
gyns  (Sn.  10.  Il8)  auf,  als  vater  der  Frigg,  Odhins  ge- 
mahlin.  in  allen  diesen  wörlern  muf's  man  fairg,  firg,  fiörg, 
als  Wurzel  annehmen ,  und  nicht  abtheilen  falr-guni,  fir- 
gttn,  fiör-gyn. 

Die  christliche  mythologie  hat  imter  slavischen  Völkern 
das  geschäft  des  donnerers  auf  den  propheten  tliaa  über- 
tragen, der  im  weiter  gen  himmel  föhrt,  den  ein  wagen 
mit  feuerrossen  in  empfang  nimmt ,  II.  buch  der  königc 
2,  11.  in  den  serbischen  liedern  2.  1.  2,  2  heifst  er  aus- 
drücklich gromoifnik  llija ,  *)  blitz  und  donner  (munja 
und  grom)  sind  in  seine  band  gegeben,  und  er  verschliefst 
snndhaften  menschen  die  wölken  des  himmels,  dafs  sie  kei- 
nen regen  zur  erde  fallen  lassen,  auch  dies  letzte  ist  dem 
AT.  gemäfs  (I  buch  d.  kön.  17,  1.  18,  41.  45.  vgl.  Luc.  4, 
25.  brief  Jac.  5,  17.)  und  ebenso  in  der  altdeutschen  dich- 
tuög  aufgefafst  worden,  0.  III.  12,  13: 
quedent  sum  giwdro,  Hellas  sis  ther  mdrOy 
ther  thiz  lant  so  tliarta^  ihen  himil  so  bisparta, 
Iher  iu  ni  liaz  in  nötin  regonon  tlien  liutin, 
thuangta  si  giwäro  harto  filu  suäro.  **) 
ivas  aber  besonders  beachtet  werden  mufs,  in  der  durcli 
das  ganze  mittelalter  verbreiteten  sage  von  erscheiuung  des 
Antichrists  kurz  vor  dem  weltende  (deren  auffallende  be- 
rührung  nut  dem  altn.  mythus  von  Surtr  und  Muspellsheim 
nocli  im  verfolg  besprochen  werden  soll)  nimmt  Hellas 
wiedenmi  des  nordischen  donnergotts  stelle  ein.  Tli6rr 
siegt  über  die  grofse  schlänge ,  hat  sich  aber  kaum  neun 
schritte  von  ihr  entfernt,  als  er  diu*oh  ihren  giftauhauch 
getroffen  todt  zu  boden  sinkt.  Sn.  73.  Nach  dem  ahd.  ge- 
dieht Müspilli  48 — 54  erliegen  zwar  der  Antichrist  und  der 
Icufcl ,  allein  auch  Elias  empfängt  im  kämpf  schwere  wunden : 


*)  1,  TT:  udri  gromoui,  gromovit  JUid  schlag  mtt  doiiuer,  don- 
Berer  Elias! 

**)  Greg.  tor.  vorrede  zum  zweiten  buch:  memiuerit  (lector)  siib 
Heliae  tempore,  qui  pluvias  cum  voluit  abstulit  ^  et  cum  libuK  areu' 
libu»  terrii  infuäit  etc. 


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118  DONAR 

doh  wftnit  des  vilu  gotmanno  *) 

daz  Elias  in  domo  wlge  arwartit  \ 

«Ar  86  daz  Elinses  pluot 

in  erda  kitruifit, 

SU  inprinnant  die  perga, 
von  seinem  auf  den  bodcn  triefenden  Wut  gerathen  die 
berge  in  brand  und  der  jüngste  tag  wird  noch  durch  andere 
zeichen  verkündet.  >vir  müsten  die  vorstelhmg  von  dem 
teufel,  dem  Anlichrist,  Klias  und  Enoch  in  ihrer  ganzen 
Vollständigkeit,  wie  sie  etwa  im  7  und  8  jh.  umgieng,^*) 
kennen,  um  diese  analogie  zwischen  Elias  und  dem  Donar 
der  Heiden  sicher  auffassen  zu  können,  in  der  clirisdichen 
Überlieferung  ist  nichts,  was  eine  Verwundung,  und  gar 
tödtliche,  des  Elias  anzunehmen  berechtigte.  Noch  merk- 
VTÜrdiger  wird  aber  die  vergleichung  dadurch,  dafs  auch 
halbchristliche  kaukasische  völker  den  Elias  als  donnergott 
verehren,  einen  blitzerschlagnenprchen  die  Osseten  glück- 
lich und  glauben,  Elias  (llia)  habe  ihn  zu  sich  genommen ; 
die  hinterbliebenen  erheben  freudengeschrei ,  singen  und 
tanzen  um  den  leichnam ,  alles  strömt  herzu ,  sclilicfst  sich 
dem  reihen  an  und  singt;  *o  Ellai,  Ellai  eldaer  tschop-« 
peÜ'  (o  Elias,  Elias  herr  der  felsengipfel.)  neben  dem 
Steinhaufen  des  grabhügels  wird  eine  grofse  Stange  mit  dem 
feil  eines  schwarzen  Ziegenbocks  aufgerichtet,  denn  auf  diese 
weise  opfern  sie  dem  Elias  überhaupt.  Sie  flehen  den  Elias 
an  ihre  felder  fruchtbar  zu  machen  iind  den  hagel  davon 
abzuhalten.***)  Schon  Olearius  berichtet,  dafs  die  caspischen 
Circassier  auf  Eliastag  ziegen  opfern  und  das  feil  an  ei^ 
ner  Stange  unter  gebeten  aufspannen,  f) 

Wie  nun  in  jenen  serbischen  liedern  die  Jungfrau  Jda- 
ria  neben  Elias  auftritt,  ist  sie  es  vorzüglich,  die  im  mit- 
telaller  um  regen  angefleht  wurde.  Die  Chronisten  geden- 
ken einer  rcgenprocossion  im  Lüttichschen  um  das  j.  1240 
oder  1244;  -j~[-)  ein  di'eimaliger  Umgang  des  clenis  und  volks 
(nndis  pedibus  et  in  Janeis)  blieb  ohne  erfolg,  weil  man  bei 
anrufung  aller  heiligen  der  mutter  goltes  vergessen  hatte, 
als  nun  der  chor  der  hefligen  sich  bei  gott  um  regen  ver- 
wendete, widersprach  Maria;  in  neuer  procession  wurde 

♦)  gofman  priester,  tlieolog?   vgl.  oben  «.  58. 
**)  auch  die  rabbiniäclie  sage  Dimmt  an,    dafi»  Elias  wlerlerkelircR 
und  den  bösen  Sammael  tödten  werde.     Eisenmengir  2,  696,  851. 
***)  Klaproths  reise  in  den  Kaukasus  2,  606.  601. 

+)  Ad.  Olearias  reisebeschr.  164T.  p.  522.  523. 
+1)  Aegidiiis  aureae   vallts  cap.    135  (Chapeaville   2,   267.    26a) 
rhron.  belg.  magn.  ad  a.  1244  (Pistorius  8,  263.) 


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DONAR  na 

ein  feierliches  salve  regina  gesungen :  et  cum  serenum  tem« 
pu8  ante  fuisset^  tanta  inundatio  pluviae  facta  est,  ut  fere 
omnes,  qui  in  processione  aderant,  bac  illacque  disperge* 
rentnr.  Das  heidenthum  richtete  vermutlich  die  bitte  um 
regen,  statt  an  Elias  und  Maria,  an  den  donnergott.  ich 
entsinne  mich  gleichwül  auch  aus  der  altn.  sage  keiner  stelle, 
worin  von  Verleihung  des  erflehten  regens  durch  Tliurr 
die  rede  wäre;  blol's  dals  er  unwetter  ^eniJieX^  wenn  er 
ziiiiit,  wird  Olafs  Tr-  saga  1,  302 — 306  erzälilt.  wir  dür- 
fen aber  seine  allgemeine  ähnlichkcit  mit  Zeus  und  Jupi^ 
ier  (dem  vitiosy  pluvius)  und  die  Verbreitung  des  votia 
imbrem  vocare  unter  benachbarten  Völkern  in  ansclilag 
bringen. 

Eine  beschreibung»  die  Petron  cap.  44  von  der  römi- 
schen regenprocession  macht,  trift  nahe  mit  der  vorhin  aus 
dem  mittelalter  gegebnen  zusammen:  antea  stolatae  ibant 
nudis  pedibus  in  clivum,  passis  capillis ,  mentibus  puris ,  et 
Joi^em  aquam  exorabant;  itaque  statim  urceatim  (als 
güss^  man  mit  mulden)  plovebat,  aut  tunc  aut  nunquam, 
et  'omnes  ridebant,  uvidi  tanquam  mures.  Das  einfach 
schöne  regengebet  der  Athener  hat  Mark  Antonin  (elg  iav- 
Tov5,  7)  aufbewahrt:   bvx'^  ^^^V^ctiiov,  vaov,  vaov,  ai 

SiiJU  Z«/,  jeaT«  TTjQ  agovactg  tijg  ^ji&t]valmf  ual  twv  yi  «- 
i(op,  ich  setze  ihm  das  ausführlicliere  ehstnische  an  die 
seile,  wie  es  noch  im  17  jh.  Gutslaff*)  einen  alten  baucr 
sprechen  hörte :  *lieber  ßonner  (woda  Picker),  wir  opfern 
dir  einen  ochsen  der  zwei  hörner  und  vier  klauen  hat, 
und  wollen  dich  bitten  um  unser  pflügen  und  säen ,  dafs 
noser  stroh  Htipferroth,  unser  getraide  goldgelb  werde. 
Blofa  anderswohin  alle  schwarzen^  dielen  wölken  über 
grofse  sümpfe,  hohe  wälder  und  breite  wüsten,  uns  pflü- 
gem  und  säern  gib  aber  fruchtbare  zeit  und  sdjsen  r^- 
gen.  heiliger  Donner  (pöha  Picken),  bewahre  unsern 
acker,  dafs  er  trage  gut  stroh  unterwärts,  gute  ähren  übei*- 
wärls  und  gut  körn  innenwärts'.  Picker  (vielleicht  druck- 
felilpr  für  Picken)  würde  im  heutigen  elistnisch  lauten 
Pitkne^  was  dem  finnischen  pitkäinen  donner,  vielleicht 
auch  Donner,  i^her  kommt,  in  Hüpels  ehstn.  wörterb. 
steht  indessen  pikkenne  donner ,  und  jpikne  donner.  ge- 
Yfölinlich  nennen   die  Finnen  ihren   donnergott  Ukko,   die 

*)  Job.  Gutslaff  kurzer  bericiit  und  Unterricht  von  der  falsch  hel- 
h  ReiMDdten  hachc  in  LiedaDd  Wtihhanda.  Dorpt  1644  p.  862— »64. 
<lie  fhstoischen  ausdräcke  des  gebets  waren  ihm  damals  schon  schwie- 
rlf,  verbfasert  gel>en  sie  Peterson  finn.  mylhol.  p.  17  und  Rosenpläu- 
tm  beitr.  beft  6,  p.  157, 


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120  DONAR 

Elisteu  aber  auch  TurriSy  offenbar  nach  dem  nordiscben 
Thörr.  *) 

Da  vom  regen  und  gewitter  fruchlbarkeil  der  flui'^n 
abhängt,  so  erscheinen  Fitkäinen  imd  Zeus  als  die  äl- 
teste gottheit  ackerbauender  Völker,  von  deren  giile  sie  das 
gedeilien  ihrer  Saatfelder  und  fruchte  erwarten,  ausdrück- 
lich legt  auch  Adani  von  Bremen  dem  Thor  donner  und 
blitz  verbunden  mit  der  herschafl  über  welter  iiud  früchle 
bei:  Thor,  inquiunt,  pracsidet  in  aere,  qui  tonitrua  et 
fulmina ,  ventos  imbresquc,  serena  ei  frmres  gubernaU 
hier  berührt  sich  also  seine  Verehrung  mit  der  des  Wuo- 
tan,  welchem  aus  andern  gründen  gleichfalls  die  ernter 
huldigten  (s.  104 — 108),  wie  auf  der  andern  seite  Thor 
neben  Odhinn  kriegsthaten  verrichtet,  und  seinen  theil  der 
beute  empfängt  (s.  95.)  In  der  ahn.  auffassung  haben  so- 
gar Xliors  siege  und  kämpfe  mit  den  riesen  sein  Medli- 
ches  amt  in  schatten  gesetzt. 

Gleich  Zeus  imd  Jupiter  wurde  ohne  zweifei  auch 
der  deutsche  donnergoft  mit  langem  harte  vorgestellt, 
noch  ein  dänischer  reim  nennt  ihn:  Thor  med  sit  laiige 
shiäg  (F.  Magnussens  lex.  957.)  in  den  altn.  sagen  er- 
scheint er  aber,  mit  näherer  bestimmung  überall  rotlibär^ 
tigy  was  auf  die  feurige  lufterscheinung  des  blitzes  bezo- 
gen werden  mufs:  wenn  der  gott  zürnt  bläst  er  in  seinen 
rothen  hart  imd  donner  schallt  durch  die  wölken,  fornm. 
sog.  2,  182  heifst  er  ein  schlanker,  schöner,  roth bärtiger 
Jüngling :  mikill  vexti  ok  üngligr,  frtdhr  synum  ok  raudh- 
sheggjadhr;  5,  249  maihv  raudsieggjadhr.  hilfsbedürf- 
tige menschen  riefen  seinen  rothen  hart  an:  landsmenn 
ti)ko  that  rMh  at  heita  ä  thetta  liit  raudha  siegg  (2, 
183.)  zumal  merkwürdig  ist  die  erzählung  von  Thors 
begegnung  mit  könig  Olaf  1,  303,  seine  macht  erscheint 
da  schon  halb  gebrochen  und  vor  der  neuen  lehre  wei- 
chend ;  als  die  Christen  nahten ,  ermalint  den  Thörr  ein 
anhänger  zu  tapferm  widerstand:  theyt  thü  \  mdt  theim 
sheggrödd  tliina  (blas  ihnen  deinen  bartruf,  die  stimme 
deines  hartes,  entgegen.)  \\\(^  gengu  their  At,  ok  bl^s  Thörr 
fast  t  kampana  ok  tlieytti  aheggraustina  (da  glengen 
sie  aus,  Tli.  blies  staik  in  den  hart,  und  eiTegte  die  sprä- 
che seines  barts) ,  kom  thd  thegar  andvidhri  möti  koiu^ngi 
svd  styikt,  at  ekki  mfttli  \idli  halda  (alsbald  kam  ein  Un- 
wetter gegen  den  könig,    dafs  ,er  sich  nicht  in  der  see  hal- 


•)  Ukko  ist  nach  Jumala  (den    ich   WHotaii  vergleiche)  der  höch- 
ste fiunitfche  gott.     piikainen  heir>t  ei^^entlich  der  ifluge,  hohe. 


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DONAR  121 

ten  konnte.)  Dieser  rotlie  bart  des  donnerers  ist  in  flüdien 
der  späteren  zeit  unvergessen,  und  zwar  unter  dem  friesi- 
schen voik^  ohne  allen  äul'seren  Zusammenhang  mit  der 
nordischen  Vorstellung:  *düs  ruadliiiret  donner  regür? 
(defs  walte  der  rotlüiaarige  donner)  rufen  noch  heute  die 
Nordfriesen  aus.  *)  wenn  in  der  island.  spräche  der  fuchs 
holtathdrr  (waldthörr)  genannt  wird  **),  bezieht  sich  das 
venuutlich  auf  sein  rothes  haar« 

Die  alten  sprachen  unterscheiden  drei  acte  der  natur- 
erscheinung :  das  leuchten,  fulgur ,  ao'CQant] ,  den  schall^ 
tonitrus,  ßQ^ttj^  und  das  einschlagen,  fulnien^  xegavvoQ* 

Den  leuchtenden  schein  nennen  wir  blitz,  die  ältere 
Sprache  gebraucht  sowol  das  einfache  plih  gl.  Doc.  229**, 
mhd.  blic  Iw.  649.  Wigal.  7284,  als  plecliazunga  (coru- 
scatio)  aus  plechazan,  dem  frec[uentativ  von  plecMn  (ful- 
gere  Diut.  1 ,  222.  224  abgeleitet ;  man  sagte  auch  ple^ 
diunga  Diut.  1,  222.  so  setzt  Wiazan  (micare,  coruscare) 
golh.  lauhatjan  ein  lijh^n,  goth.  lauhan  voraus,  der  Gotha 
bildete  von  derselben  würzet  sein  Iduhmuni  (^doTßany)^ 
der  Saclise  aus  blic  ein  hlicsmo  (fulgur.)  ags.  leoma  (ju- 
bar,  fiügur),  altn.  liomi,  schwed.  Ijungeld^  dan.  lyn. 

Aui'ser  donar  hätte  der  ahd.  spräche  zu  gebot  gestan- 
den tapr€h  (fragor^  von  prehhan  (frangere)  gl.  hrab.  963^. 
mhd.  dafür  öfter  krach',  von  krachen  (crepare):  mit  kra- 
che gap  der  doner  duz.  Parz.  104,  5 ;  und  da  krachen  sy- 
noaym  ist  mit  rtzen  (eigentlich  krachend  bersten),  steht 
auch  wolkenrfjB  (fem.)  für  donner,  Parz.  378,  11  Wh. 
389,  18  ;  reht  als  der  wilde  dunrslac  von  himel  kam  ge- 
rizzen.  Ecke  105.  das  goth.  theihuö  vergleiche  ich  dem 
finnischen  teuhaan  (strepo),  teuhaus  (strepitus,  tumullus), 
es  bedeutet  also  die  lärmende ,  tosende,  einige  niederd. 
mundarten  haben  die  benennung  grummel  für  donner 
(Strodtm.  osnabr.  77),  nach  dem  slav.  grom,  lu^om. 

Für  den  begrif  von  fulmen  besitzen  wir  nur  zusam- 


*)  der  geizbaU  auf  Silt    Flensburg  1809  p.  123.  2  ausg.    Son- 
derburg 1833  p.  113. 

**)  nacleus  latinitatis  in  asam  scholae  schallioltinae.    Hafaiae  1T38 
p.  206B. 

•••)  Ich  schreibe  plechazan,  nad  denke  an  pleckan,  plahta  (patere, 
■Bdari)  mild,  blecken,  blacte  Wig^al.  4890,  so  dafs  es  vom  himmel  ge- 
bfaodit  bedeutet:  die  wölken  thnu  sich  auf,  der  tiimmel  öfnet  sich, 
wie  man  noch  jetzt  von  blitzen  und  wetterleuchten  sagt.  vgl.  Lo- 
beogr.  p.  125;  reht  alsam  des  himeUbliss  vor  doiier  sich  erblecket,  Soll 
dies  plechan  mit  piih  (fulgur)  verwandt  sein,  so  hat  man  zwei  verha 
pithhan,  pleib  und  plehlian  plali,  letzteres  aus  ersterem  entsprungen 
tnauQehDien. 


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122  DONAR 

mensetzutigen  9  wo  nicht  das  blofs«  donner  in  dieser  be- 
deutung  steht:  sluoc  alse  ein  doner.  Roth.  1747;  hiure 
hdt  der  schär  (das  wetter)  erschlagen  helfst  es  irgendwo; 
gewölinlich  don ner schlag  y  blitzschlag,  ahd.  bligscuz^ 
fulgiiriim  jactus,  N,  cap.  13;  mhd,  blicteschoz  Bari.  2, 
26.  253,  27  blicschoz  Martina  205*;  fiiirin  dmcrstrdle 
Parx.  104,  1;  donreslac  Iw.  651;  ter  scuz  tero  fiurentün 
(lonersträlo  (ardentis  fulminis) ,  erscozen  mit  tien  doner» 
strä/dn.  N.  Blh.  18.  175;  mhd.  wetteratrahl,  blitzstraJil, 
donnerstrahL 

Wie  also  dem  blitzenden  gott  rothes  h&ar,  dem  don- 
nernden der  wagen,  so  wird  dem  einschlagenden  geschoi's 
und  waflFe  beigelegt,  hier  scheint  mir  aber  die  Vorstellung 
von  geschofsnen  pfeilen^  wo  sie  in  deutschen  gedickten 
vorkommt  (doners />^//<?.tumei  vom  Nantheiz  35.  150),  erst 
den  Griechen  und  Hörnern  nacligeahmt;  der  deutsche  Do- 
nar wirft  eigentlich  keilförmige  steine  vom  himmel  herab, 
ez  wart  nie  stein  geworfen  dar  (in  die  hohe  bürg),  er 
enkasme  von  der  schäre.  Ecke  203.  ein  plins  von  don* 
restr^len.  Wolfram  9,  32.  schärestein  Bit.  10332.  «cA<r- 
werstein  Suchenw.  33,  83.  in  der  heutigen  spräche 
donnerheil,  und  nach  dem  Volksglauben  fährt  mit  dem 
zündenden  blitz  aus  der  wölke  zugleich  ein  schwarzer 
teil  tief  wie  der,  höchste  kuxhthurm  *)  in  den  erdboden 
nieder,  so  oft  es  aber  donnert,  beginnt  er  der  Oberfläche 
näher  zu  steigen,  nach  sieben  jähren  ist  er  wieder  oben 
auf  der  erde  zu  iSnden.  jedes  haus,  in  dem  er  aufbew?dut 
wird,  ist  vor  gewitterschaden  sicher,  und  sobald  ein  ge- 
witter  naht,  fangt  er  an  zu  schwitzen.**)  solche  steine 
heifsen  auch  donneräxte^  donnersteine,  donnerhämmer, 
albncho/sej  strahlsteine,  teiifelsßnger]***)  in  beiden- 
gräbern  gcfundne  steiqhammer  und  steinmesscr  fähren  den- 
selben nameut  Saxo  gramm.  p.  236  äufsert  sich  ganz 
deutlich  so  darüber :  ^nusitati  ponderis  maileos,  qiios  yo- 
via/en  vocabant ,  .  .  .  prisca  virorum  religione  cultos  .... 
cupiens  enim  anticpiitas  tonitruonim  oausas  usitata  rerum 
aimilitudinc  coniprehcndere,  malleo.%  quibus  coeli  fragores 
cieri  credebat,  ingenti  aere  complexa  fuerat. 


*)  diese  tiefe  wird  io  andern  flächen  mannigfaltig  ausgedrückt, 
E.  1).  der  dooner  schlage  dich  so  tief  in  die  erde  als  ein  hase  in  liun- 
dert  Jahren  laufen  kann ! 

**)  Weddigens  westphal.  mag.  3>  713.     Wiganda  archiv  2,  320,  wo 
neun  jähre  stntt  tfiel»en. 

***)  die  gr.  beneunung  des  »teius  ist  ßtl^ftyit^«;^  geschofs^ 


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DONAR  128 

Die  nord.  mythologie  legt  dem  ThArr  ausdräcklich  ei« 
nen  wunderbaren  hammer  zu,  Miölnir  (tudes^  contun- 
dens)  genannt  9  den  er  gegen  die  riesen  schleudert.  Saem. 
57b  67b  §gb.  er  heifst  auch  thrüdhhamar  (starker  ham- 
mer) 9®m«  67*>  68*,  und  hat  die  eigenschaft  nach  dem 
warf  von  selbst  in  die  hand  (des  gottes  zurückzukehren. 
8n.  132.  diesen  hammer,  wenn  er  durch  die  luft  fährt 
(er  hann  kemr  Ä  lopt.  Sn.  16),  kennen  die  riesen,  seinem 
wurf  gehen  hlitz  und  donner  voraus:  thvl  naest  sä  hann 
(der  riese  Hriüngnir)  eldtngar  oc  heyrdhi  thrumur  stö- 
rar,  sä  hann  thä  Thdr  i  ismödhi  {in  göttlichem  zorn),  för 
hann  äkaflega  oc  reiddi  hamarin  oc  hastadhi.  Sn.  109. 
augenscheinlich  ist  es  der  nach  vorausgehendem  blitz  und 
donner  niederfahrende,  zerschmetternde  keil,  den  man  sich 
aber  als  die  dem  gott  immer  verbleibende  waffe  dachte. 
Saxo.  p.  41  stellt  ihn  als  eine  heule  (clava)  ohne  grif 
dar,  was  zu  der  eddischen  erzählung  von  der  Verfertigung 
des  hammers  stimmt,  wo  ihm  als  gebrechen  angerechnet 
vrffd,  dafs  sein  schaft  zu  kurz  sei  (at  forskeptit  var  heldr 
skamt.)  Sn.  131.  kunstfertige  zwerge*)  haben  ihn  geschmie- 
det, und  er  war,  jenes  felüers  unerachtet,  ihr  meisterstück« 
Der  göttliche  hammer  galt  für  ein  heiliges  geräth,  mit  dem 
braute  und  leichen  geweiht  werden  (Srem.  74**  Sn.  49. 
66) ;  das  Itammer zeichen  segnet,  **)  wie  bei  den  Christen 
das  zeichen  des  kreuzes,  und  der  einschlagende  blitz  galt 
\m  mittelalter  noch  lange  für  die  glückliche,  einweihende 
Vorbedeutung  eines  Unternehmens.  Vorzüglich  wichtig  und 
die  Verbreitung  des  altheidnischen  glaubens  bestätigend 
scheint  mir  aber  das  schöne  gedieht  der  edda  hamars 
heimt  (mallei  recuperatio)  "'**),  dessen  Inhalt  darauf  beruht, 
dafs  Thors  hammer  von  einem  riesen  entwendet  und  acht 
meilen  tief  in  die  erde  verborgen  vm*d :  *ek  hefi  Hlör- 
ridha  hamar  umfölginn  ätta  röstom  for  iördh  nedhan'. 
Stern.  71*,  das  hängt  unverkennbar  zusammen  mit  dem 
angeführten  Volksglauben,  der  donnerkeil  fahre  tief  in  die 

*)  wie  Coreteo  oder  Cyclopen  des  Zeus  blitz. 
'*)  im  altdeutschen  recht  lieili«rt  hnmmerwurf  den  erwerb. 
••*)  kein  andrer  gesang  der  edda  zeigt  aicli  so  fest  in  die  nordi- 
sche vollispoesie  verwachsen ;  die  dichtnng  lebt  in  schwedischen ,  nor« 
wetnschen,  dänischen  liedern  fort,  welche  sich  zu  jenem  eddischen.ver* 
balten,  wie  das  Volkslied  von  Hildebrand  und  Alebrand  zu  der  alten 
dichtnng.  Thor  tritt  nicht  mehr  als  ein  gott  auf,  sondern  als  Thorkar 
(Thorkarl)  oder  Thord  af  IJaffgoard^  dem  sein  goldtiammer  gestolen 
i«t.  vgl.  Iduna  8,  122.  Nyerups  ud^alg  2,  188.  Schade  beskrivelse 
arer  den  Mors.  Äalborg  1811.  p.  93.  Vgl.  die  merkwQrdige  sage  von 
TbofB  hanmar  und  it^eg  bii  Faye  norske  sagn.  Arendal  1838.  p.  5. 


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124  DONAR 

erde  und  brauche  sieben  (newn)  Jahre  um  wieder  a6f  die 
Oberfläche  zu  rücken ,  er  steigt  gleichsam  jedes  jähr  eine 
meile  aufwärts. 

Ein  anderes  zeugnis  für  die  gemeinschaft  des  mythus 
vom  donnergott  zwischen  Scandinavien  und  dein  übrigen 
Deutschland  kann  das  wort  hammer  selbst  ablegen.  Aa- 
mar  bedeutet  ursprünglicli  einen  harten  stein,*)  felsen, 
und  dann  erst  das  daraus  verfeitigte  gerätli;  das  altn.  ha- 
marr  hat  noch  beiderlei  sinn  rupes  und  malleus,  sahs 
Wiederum  ist  Steinmesser,  folglich  das  lat.  saxum.  Weil 
nun  des  gottes  hammer  einschlägt  und  die  fluche  'der  dfm" 
ner  schlage  dicli'  oder  *der  hammer  schlage  dich!'  gleich« 
viel  aussagten,  so  entsprang  in  einigen,  zumal  niederdeut- 
schen gegenden,  nach  dem  Untergang  des  gottes  Donar, 
eine  personificatiou  des  wortes  Hamar  mit  dem  begrüTe 
Tod  oder  Teufel.  *dat  diede/Za/wer/'  4  vor  den  HamerP 
*de  Hatner  sla!'  sind  noch  jetzt  unter  dem  volk  gangbare 
redensarten,  in  welchen  man  Hamer  mit  Düuel  vertau- 
schen kann ,  die  aber  sämtlich  auf  den  mit  dem  hamm^ 
einschlagenden  gott  zurückgeführt  werden  müssen,  ebenso 
heilst  es  *dat  is  en  Hamer,  en  hamershen  kerP,  ein  ver- 
teufelter, verwegener,  listiger  mensch.**)  Hemmerlein 
(malleolus),  meister  Hämmerlein  bedeutete  den  bösen 
geist,  den  teufcl.  hierbei  zu  erwägen  ist  a\ich  die  in  flä- 
chen übliche  Verbindung  der  nameu:  donner  und  teufell 
welche  beide  den  alten  gott  meinen,  in  Dänemark  ver- 
steht das  volk  unter  gammel  Tlwr  den  teufel. 

Alterthümlicher  war  die  Übertragung  einzelner  eigen- 
schaften  und  namen  des  heilands,  oder  jüdischclu'istlicfaer 
sagen  auf  den  heidnischen  gott ;  namentlich  der  mytlius 
von  Leviathan  auf  Iürmungandi\  wie  Christus  durch  sei- 
nen tod  die  ungeheure  schlänge  überwältigte  (Bari.  78, 
39 — 79,  14),  besiegte  Thörr  den  midgardsorm,  und  bei- 
den kommen  ähnliche  epilhcta  zu.  ***).  die  ähnlichkcit  der 
zeichen  des  kreuzes  und  hammers  dazu  genommen,  würde 
es  nicht  befremden,  wenn  die  neubekelu*ten  Deutschen  un- 
ter Christiis  sich  auch  noch  den  lierrn  des  doiiners  und 
Verleiher  des  regens  vorgestellt  hätten.  desto  leichter 
konnte  die  anwendung  auf  Maria^  gottes  mutter,  gemacht 


*)  slav.  kamen  (ittein),  iitth.  akmn,  gen.   akniens.      kam  :;=  liam. 

*•)  breni.  wl).  2,  5T5.  vgl.  Sriim.  2,  192;  dafs  dich  der  ham/ner 
iclilftK,  ein  {großer  haimner  Hchlag !  Abele»  kuuvtl.  uuordn.  4,  8.  gc- 
riclir>li.   I,  673.  'i,  7i>.  299.  382. 

•")  l'iim  MaguujMcn  lex.  484.  485. 


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DONAR  125 

werden  (s.  118);  wirklich  nennt  der  älteste  troubadour 
(Dlez  p.  15.  Raynouard  4,  83)  Christus  noch  den  herrn 
des  donnere  (Ihesus  del  tro.) 

Ein  neapolitanisches  marchen  im  pentamerone  5,  4> 
personificiert  donner  und  blitz  (truone  e  lampe)  als  einen 
schönen  iüngling,  den  bruder  sieben  spinnender  Jungfrauen 
und  den  söhn  einer  alten  bösen  mutter^  die  keinen  höhe- 
ren schwur  hat,  als  ^pe  truone  e  lampe.  auch  in  dieser 
Überlieferung,  ohne  dafs  ich  sie  äufserlich  mit  der  deut>> 
sehen  in  Verbindung  setzen  möchte,  *)  erhält  sicli  die  idee 
eines  gütigen,  wolthätigen  donn^gottes,  keines  feindlichen 
und  teuflischen. 

Der  grofse  kafer,  den  wir  hirschschröter ,  feuerschrü- 
ter  nennen ,  lucanus  cervus ,  taurus ,  heifst  in  einigen  süd- 
deutschen strichen  <2o/2/2er^ue^,  donner giigCy  donner puppe^ 
ton  gueg,  guegi  (käfer),  vielleicht  weil  er  sich  gern  auf 
eichen,  dem  donner  heiligen  bäiunen,  findet?  denn  er  führt 
auch  den  namen  eichochs,  schwed.  ekoxe,  aufserdem  aber 
feuerschröter ,  fürböter  (feueranzünder),  börner  (brenner), 
hausbrenner,  was  seinen  bezug  auf  donner  und  blitz  an- 
deutet, das  Volk  sagt,  er  trage  auf  seinen  hörnern  glüliende 
kohlen  in  die  dacher  und  stecke  sie  an ;  bestimmter  ist  die 
aberglaube  p.  xcvi,  705  angeführte  meinung,  dafs  das  wei- 
ter in  die  häuser  schlage,  worin  man  den  Schröter  getra- 
gen hat.     schwed.  wird  der  käfer  noch  genannt  horntrolL 

Unter  kräutern  und  pflanzen  sind  hervorzuheben  der 
donnerbariy  die  hausvrurz,  sempervivum  tectorum,  welche 
aufs  dach  gepflanzt  vor  dem  einsclilagen  des  blitzes  si- 
chert: ♦*)  barba  Jouis  vulgari  more  vocatin*  (Macer  Flori- 
dus  741),  franz.  Joubarbe  (vgl.  anhang  p.  Lvin;)  der  don^ 
nerbesen,  ein  struppiges,  verwirrtes,   nestartiges  gewächs 


*)  woher  hat  die  ital.  spräche  das  wort  frono  (neapol.  truono) 
Beben  tuonol  die  provenzalisclie  in  gleicher  bedeutang  trons?  ist  das 
Raosimsenii  donar  ebgemischt?  (vgl.  dröhnen),  oder  gien;^  der  be- 
grif  des  lat.  thronu9  über  in  den  von  himmel  und  donner?  jenes  Ihe- 
SOS  del  tro  könnte  auch  blofs  bedeuten:  herr  des  firmaments. 

**)  gleich  dieser  hauswurz  (liauswurzel,  abergl.  60)  ist  der  hagc- 
dorn  (albaspina)  Schutzmittel  wider  den  blitz  (m^m.  de  i'acad.  celt.  2, 
SIS),  l>ei  den  alten  Römern  der  lorheer  oder  die  um  das  haus  ge- 
pflanzte weifte  rebe\  vgl.  hrennetsel  (abergl.  836.)  *palmzi4/eige  auf 
kohlen  gelegt,  lichter  angezündet,  feuer  auf  den  heerd  gemacht,  ist 
gut  für  gewitter.'  (brannschw.  anz.  1760.  p.  1392.)  auch  der  kreuz- 
^ogel  (weil  sein  Schnabel  ein  kreuz  oder  hammerzeichen  bildet?)  schützt 
(abergl.  336.),  aber  das  nistende  mthkehlchen  oder  rothschwänzchen 
scbeiot  den  blitz  herbeizulocken  (abergl.  629.  704^ ;  war  es ,  des  ro- 
chen gefieders  wegen,  dem  rotlibärtigen  gott  heilig? 


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las  DONAR 

auf  baumäftten,  cledsen  erzeiigung  der  aberglaube  dem  bliu 
zuschreibt,  es  fiihrt  auch  den  namen  alpruthe\  das  don^ 
ner kraut   (sedum);    der    donnerßug   (fumaria  bulbosa); 
die  donnerdistel  (eryngium  caxnpestre) ;  dän.  tordenshrep^ 
pe  (klette.)     den  Südslaven   heilst  die  iris  perunikay   Pe- 
runs  blume,  den  Letten  der  hederich  pehrtonea.    Vor  aK 
len  bäumen  vrar  die  eiche  dem  Donnerer  geweiht  (s,  41. 
44);    den  Serben  heilst   eine  bestimmte   art   eichen   grm^ 
und  grmik  (qiiercetum),  olme  zweifei  in  nalier  Verwandt- 
schaft mit  grom   (tonitrus)  grmiti   oder  grmljeti  (tonare.) 
Vielleicht  gehört  eine  benennung  der  Schnepfe  (scolo* 
pax  gallinago)  hierher:    donnerziege^  donnerstagspjerd^ 
ninunelsziege^    capella  coelestis,   weil  sie  in  der  luft  me- 
ckern joder  wiehern  soll  ?  sie  wird  aber  auch  wetteruogel^ 
gewittervogel,  regenvogel  genannt,  man  behauptet,  dafs  ihr 
ilug  nahendes  gewitter  verkünde,     dän.  myrelieaty  schwed. 
Jwrsgjökf  isl.  hrosaagaukr  (pferdeguguk)  vom  gewieher: 
wenn  er  zum  erstenmahl  im  jähr  sich  hören  läfst,  zeigt  er 
den  menschen  ihr  Schicksal  an  (Biörn  s.  v.) ;  oiFenbar  haf- 
ten   abergläubische   Vorstellungen   auf   diesem  vogeL     aein 
lettischer  name  pehrkona   kaaa   (donnerziege) ,   pehrkona 
ahsis   (donnerbock)    stimmt   völlig    zu    jenem   deutschen. 
Nach  der  edda   hat  Th6rr   ein  gespann  bocke  vor  seinem 
donnerwagen:    zwischen  ihnen  und   dem  mytliischen  wet- 
tervogel,    der  als  bock  oder  pferd  (immer  als  ein  wagen- 
ziehendes thier)  vorgestellt  wird,  scheint  irgend  eine  halb- 
verdunkelte beziehung  zu  walten.     Ob  dem  deutschen  don- 
nergott  vorzugsweise  bocke  und  ziegen  (oben  s.  31.  32) 
geopfert  wurden?    das   altrömische,    etruscische  bidental 
(von  bidens,   lamm)  bezeichnet   die  stelle,    wo   der   blitz 
angeschlagen  und  einen  menschen  getödtet  hatte :  ein  lamm 
mufste  da  dem  Jupiter  geopfert  werden.     Wenn   die  Os- 
seten  und   Circassier   ihrem   donnerer  gerade    so   bei   der 
vom  blitz  getroffenen  leiche   eine    ziege   opfern    und    das 
feil  an   einer    stange  aufrichten  (vorhin   s.   118),    so 
wird   dadurch   noch   um   viel    wahrscheinlicher,    dafs    das 
langobardische    ziegenopfer  keinem  andern  als  dem  Donar 
gegolten  habe,     denn    der  gebrauch    des  fellaufhängens 
war  langobardisch  und   galt  auch  bei  anderm   anlafs,    wie 
demnächst  dargethan  werden  soll. 

Ortsnamen,  deren  Zusammensetzung  den  des  gottes  an 
sich  trüge,  bieten  sich,  aufser  dem  vorhin  angeführten 
Donne ruber g ,  in  Deutscliland  noch  einige  andere  dar. 
unweit  Oldenburg  liegt  ein  dorf  geheifsen  Donnerachu^ee^ 
früher  Donnerswehe,  Donnerswede  (Kohli  handb.  von  Ol- 


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,      DONAR  127 

denb.  2,  55),  das  an  Odinsve,  Wodeneswege  («.  107.  108) 
gemahnt;  ehdem  stand  darin  eine  jetzt  eingegangue  biirg. 
ein  dorf  Donnersreut  ist  in  Franken,  gegen  Böhmen  liin, 
anzutreffen^  ein  Donnersted  im  braunschw.  amt  Theding- 
hausen  u.  s.  w.  Viele  in  Scandinavieu,  z.  b.  in  Däumark 
Torslunde  (Thors  lundr)  Tminge  (Th<irs  engl)  *),  in«h. 
tete  in  Schweden.  Thdrsbiörg  und  Thörahöfn  in  Nor- 
wegen (forum,  sog.  4,  12,  343);  Thörsmörh  (ein  heUiger 
wald?)  Nialssaga  cap.  149.  150.**)  Einzehie  solcher  be- 
nennungen  könnten  von  dem  menscldichen  eigennamen  oder 
ton  der  naturerscheinung  hergeleitet  werden,  um  ihres  be- 
zugs  auf  die  gottheit  völlig  sicher  zu  sein,  müssen  histo- 
rische umstände  ihrer  heilighaltung  und  verehrimg  hinzu- 
treten. 

Donar  y  in  der  einfachen  form,  als  mannsname  kommt 
selten  vor;  ein  edles  geschlecht  um  Rliein  hiefs  Donner 
von  Lorfaeim  (Siebmacher  5,  144.)  auch  ableitungen  und 
composita  damit  sind  in  hochd.  spräche  imgewöhDlich; 
eine  kerlingische  urk.  im  cod.  lauresh.  num.  464  hat  Do^ 
narady  was  ich  für  das  altn»  T/tdrdhr  halte;  die  tradit. 
fijld.2,  23  j4lbthonary  dem  ahn.  umgesetzten  Thdrdlfr  ver- 
gleichbar. Desto  häufiger  erscheinen  solche  namenbildun- 
gen  im  Norden,  wo  sich  der  dienst  des  gottes  lange  aus- 
breitete: Tlibrarr  (ahd.  Donarari?),  Th6rir ,  Th6rdhr^ 
HiSrhallr^  Thörbljr^  Thöroddr  und  die  weiblichen  Thbroy 
Tlitrim^  TJwrarna  (gebildet  wie  dioma,  gramm.  2,  336), 
TkdrJiildr^  Thbrdts  u.  s.  w.  ich  sehe  den  grund  nicht 
em,  weshalb  die  herausgeber  der  formanna  sögur  den  ei- 
gennamen Thbr^eirr^  T/wrbiörn,  Thbrsteinny  Thdrhetill^ 
Thtrvaldry  Thörßnnr,  Tkbrgerdhr  u.  a.  m.  den  langen 
vocal  entziehen,  der  ihnen  gleich  den  vorhergehenden  zu 
gebühren  scheint;  mit  dem  abstracten  thor  (audacia)  sind 
sie  schwerlich  zusammengesetzt,  auch  wird  i.t  der  Nials- 
saga z.  b.  cap.  65  Th^rgeirr,  Thörkatla  geschrieben.  Der 
häufige  name  Thörketill  (verkürzt  in  Thörkell ,  dän.  Tor- 
küd),  wenn  er  kessel,  gefäfs  des  donnergottes  ausdrückt, 
gemahnt  an  jenen  opferkessel  Wuotans  (s.  34.)  in  der  Hy- 
misqvida  wird  besungen,  wie  Thörr  einen  grofsen  kessel 
herbeiholt.  Beachtenswerth  scheint  die  Verbindung  von 
^Ip  und  Donar  in  Albdonar  und  Thi5rdlfr,  weil  auch  der 
donnerkeil  alpgeschofs^  das  donnerkraut  alpruthe  heilst; 
es  mufs  ein  nahes  Verhältnis  zwischen    dem  gott  und   den 


•)  andere  verzeichnet  Suhm  krit.  hist.  2,  651. 
**)  Donneramarkt  ein  edles  gesell lecht  in  Sciitesien. 

/ 


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12B  DONAa 

Eiben  bestehen^  wenn  auch  von  selten  der  letztern  ein  un- 
tergeordnetes. 

Tliörr  galt  nach  Odhinn  für  den  mächtigsten  und 
stärksten  aller  gutter,  die  edda  stellt  ilin  als  Odliins  sohii 
dar  (Sn.  101),  was  ganz  von  der  römischen  auffassuog 
abweicht,  die  den  Jupiter  als  Mercurs  vater  annimmt  (oben 
8.  82);  Stammtafeln  lassen  freilich  den  Thorr  ab  ahneu 
Odhius  erscheinen  (anhang  xx.  xxi.)  Gewöhnlich  winl 
Thörr  gleich  Äeben  Odhinn,  zuweilen  vor  ihm  genannt  (s. 
109.  110),  vielleicht  war  er  noch  mehr  als  Odhinn  gefürch- 
tet, Regner,  bei  Saxo  gr.  11,  bekennt:  se,  llior  deo  ex- 
cepto,  uuUam  potenliani  expavere.  Er  ist  der  eigentliche 
landesgott,  landds  (patrium  numen)  der  Norweger.  Egüss. 
p.  365.  366;  seine  tempel  und  bildseulen  sind  in  Norwe- 
gen und  Schweden  die  häuiigsten,  und  damegirij  göttliche 
stärke,  wu'd  besonders  von  ihm  verstanden.  Eben  darum 
suchen  Überlieferungen,  die  noch  zur  christlichen  zeit  haf- 
teten ,  alles  gehässige  auf  ihn  zu  werfen  und  ihn  als  teuf- 
lisches Wesen  darzustellen,  von  schlimmerer  art  als  Odhinn, 
vgl.  Gautrekssaga  p.  13.  Finnr  schleppt  Thors  bildseule 
zu  Olaf,  spaltet  und  verbrennt  sie,  die  asche  mengt  er  in 
brei  und  gibt  ihn  den  hunden  zu  fressen :  ^es  ist  billig  dafs 
hunde  den  Thur  essen,  wie  er  selbst  seine  söhne  afs,' 
forum,  sog«  2,  163.  das  ist  schmäliung,  die  edda  weii's 
nicht  das  mindeste  davon ;  sie  erzählt  vielmehr,  dafs  Mödhi 
und  Magni  ihren  vater  überleben. 

Seit  der  bekanntschaft  mit  römischer  götterlehre  setzen 
die  schriftsteiler  den  deutschen  donnergott  und  Jupiter 
gleich,  nicht  nur  dies  Jouia  heifst  ags.  Thunres^Ag,  son- 
dern auch  Latona,  Jovis  mater  ThunresrxiMuv*  capitohum 
wird  von  den  Isländern  TA^r^hof  übertragen.  Umgekehrt 
versteht  Saxo  gr. .  p.  236  unter  Jupiter  den  einheimischen 
Thor.  Je  Kjr  kinderfressende  Thörr  scheint  fast  Verwech- 
selung mit  Saturn,  Jupiters  vater?  des  presbyter  Joifi  ma- 
ctans,  der  sacra  und  feriae  Jovia  (im  indicuL  pagan.)  ist 
s.  86  erwälmung  geschehen. 

Letzner  (bist.  Caroli  magni.  Hüdesh.  1603  ciq[>*  13  aoi 
schlufs)  erzählt:. alle  )ahr,  sonnabends  nach  laetare  kommt 
auf  den  kleinen  hildesheimer  domhof  ein  bauersmann,  son- 
derlich dazu  bestellt,  und  bringt  mit  sich  zufei  hölzer, 
jegliches  einer  klafter  lang,  daneben  zwei  andere  kleinere 
kegelförmig  gespitzte,  die  beiden  grofseu  setzt  er  gegen- 
einander in  die  erde,  die  kegel  oben  darauf,  bald  und  in 
der  eile  versammeln  sich  dahin  allerlei  buben  und  jimg 
gesiudlein  und    werfen  mit  steinen    oder  stocken  die  kegd 


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DONAR  129    V 

von  den  klotzen  herab;  andere  setzen  sie  wieder  auf  und 
das  abwerfen  geht  von  neuem  an.  unter  diesen  kegeln 
sind  die  heidnischen,  teuflischen  gützen  zu  verstehen,  wel- 
che die  christlich  gewordnen  Sachsen  niedergeworfen 
haben. 

Des  namens  der  gcitzen  wird  hier  geschwiegen,  *)  ei- 
ner davon  mufs  aber  damals  schon,  wie  noch  später,  Ji^- 
piter  geheifsen  haben,  **)  unter  den  bäuerlichen  abgaben 
zu  Hildeslieim  kommt  bis  auf  unsere  zeit  ein  Jupitersgeld 
vor.  das  dorf  Grosfenalgermissen  hatte  jalirlich  19  ggr.  4 
pf.  unter  dieser  benennung  an  den  todtengräber  der  dorn« 
kirche  zu  entrichten :  ein  algermisser  bauer  muste  jedes 
jähr  einen  vier  fufs  hohen,  fufsdicken,  achteckigen  klotz,  - 
in  einen  sack  gesteckt  auf  den  domhof  bringen,  die  Schü- 
ler bekleideten  diesen  klotz  mit  mantel  und  kröne,  grilTen 
den  nun  so  genannten  Jupiter  erst  von  der  einen ,  dann 
von  der  andern  seite  mit  steinwürfen  an  und  verbrannten 
ihn  endlich.  Das  nicht  selten  von  Unordnungen  begleitete 
Volksfest  wurde  mehrmahls  untersagt,  ausgestellte  wachen 
sollten  das  verbot  wirksam  machen ;  zuletzt  erlicfs  die  kü- 
nigliche  kammer  das  Jupitersgeld*  Jeiies  dorf  Algermissen 
hatte  sich  vielleicht  bei  einführung  des  christenthiuns  durch 
seine  anhänglichkeit  an  den  alten  glauben  die  stiafe  der 
abgäbe  zugezogen.  ***) 

Ich  betrachte  freilich  als  ganz  unausgemacht  ob  dieser 
Jupiter  bis  auf  den  Thctnar  der  alten  Sachsen  zurückge- 
führt werden  dürfe,  der  gebrauch  wird  nur  durch  proto- 
coHe  der  letzten  jh.  bewährt,  und  frühere  bestimmte  zeu- 
gen treten  dafür  nicht  auf;  aber  selbst  der  abweichende 
letznerische  bevicht  läfst  eine  uralte  volkssitte  vermuten, 
die,  wenn  auch  Jupiter  nichts  damit  zu  schaffen  hat,  der 
aafzeichnung    werlh    scheint,     die    Zeitbestimmung  laetare 


*)  in  der  corbeischen  chronik,  Hamb.  1590.  eap.  18.  meint  Letz« 
aer,  es  sei  der  gott  der  Irmenseale.  Letzner  bezieht  sich  auf  hss. 
nachricbten  des  Conr.  Fontaaiis,  eines  helmershäuser  beoedictiners  im 
13  jh. 

**)  ein  ZU  ende  des  14  oder  anfang  des  15  jh.  aufgesetztes  hil^ 
desheimer  register  hat:  Me  ahgotter  so  suniiabeudes  vor  laetare  von 
einem  hausmann  ron  Algermissen  gesetzet,  dan^or  ihm  eine  hofe  lan- 
des  gehört  zur  saukmeisterie ,  und  wie  solches  von  dem  hausmann 
nicht  gesetzt  worden,  gehört  cantori  de  hove  iandes.'  hannoversche 
kmdesblätter  1833  p.  30. 

***)  L&ntzel  die  bäuerl.  lasten  in  Hildesheim.  1830  p.  205..  han- 
nov.  mag.  1833  p.  693.  protocolle  von  1742.  1743  in  einem  aufsatze 
'über  das  steinigen  des  Jupiter*  (hannov.  landesbl.  1833  p.  30.) 

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ISO  DONAR 

erinnert  an  das  allgemein  in  Deutschland  vei^breitete  tod- 
austreiben, wovon  icli  im  verfolg  bandeln  w^erde. 

Unverkennbarer  üben^est  der  Verehrung  des  gottes  isl 
die  noch  bis  auf  die  neuste  zeit  unausgerottete  besondere 
heilighaltung  des  donnerstags  unter  dem  volk,  wie  sie 
schon  in  frühern  denkmälern  des  MA.  angegeben  ist:  ^niil- 
lus  dient  Jopis  in  otio  obscrvet'  (abergl.  p.  xxx)^  ^de  fe- 
rii8  quae  faciunt  Joi^i  vel  Mercurio'  (p.  xxxu);  ^quinlam 
feriam  in  honorem  Jovis  honorasti'  (p.  xxxvu) ;  donners- 
tags abends  darf  nicht  gesponnen  und  nicht  gcliaiien 
werden  (schwed.  abergl.  110  vgl.  deutsch,  abergl.  517. 
703.)  die  Ehslen  legen  dem  donnerstag  höhere  heiligkeit 
als  dem  sonutag  bei.  *) 

Wenn  Jupiter  auf  diese  weise  im  achten  jh.  gefeiert 
war,  wenn  das  capilulare  von  743  für  nuthig  fand,  ein 
'ec  forsacho  Thunart^  ausdrücklich  zu  gebielen ,  und  vie- 
les, was  sich  auf  seinen  dicusl  bezielit,  noch  später  unaHS- 
gerottet  fortdauerte ;  so  lafst  sicli  nicht  bezweifeln,  dafs  er 
auch  schon  finiher  von  luisern  vorfalircn  für  einen  wirk- 
lichen golt,  und  einen  ihrer  grüfsteuj  gehalten  wurde. 


•)  etwa»  ä!)er  die  Elisteh  p.  13.  14. 


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ZIU  131 


CAP.  IX.     ANDERE   GÖTTER. 

Darin  dafs  die  beiden  hauptgottlieitcn  deü  Nordens, 
Odlünn  und  Thön',  gerade  auch  bei  uns  noch  am  erkenn- 
barsten  vortreten ,  scheint  mir  ein  bedeutender  grund  für 
die  behauptete  Urgemeinschaft  der  deutschen  und  nordi- 
schen mythologie  zu  liegen,  wären  die  angeführten  viel- 
fachen spuren  des  glaubens  an  Wuotan  und  Donar  ein 
spiel  des  zufalls,  \rai*um  hätte  er  eben  sie,  und  nicht  an- 
dere gütter  von  geringerem  rang  betroffen?  ilire  Verehrung 
hatte  unter  den  heidnischen  Deutschen  tiefer  gewurzelt 
und  konnte  darum  nur  schwerer  und  langsamer  vertilgt 
Werden,  dennoch  lassen  sich  auch  noch  einzelne  der  übri* 
gen  götter  nicht  undeutlich  erkennen. 

In  den  ältesten  uns  überlieferten  n achrichten  der  Ru- 
mer und  Griechen  wird  Mars  oder  ^res  als  ein  haupt- 
gott  germanischer  Völker  ausgezeichnet  und  gleich  neben 
Mercur  aufgestellt,  die  Zeugnisse  sind  s.  27.  84.  85  ge- 
sammelt ;  bei  Tac.  bist.  4,  64  heifst  es  geradezu :  *commu- 
nibus  deis  et  praecipuo  deorum  Marti  grates  agimus*.  und 
noch  bestimmter  redet  Procop  von  der  Verehrung  des  j4q7jq 
bei  den  Nordbewohnern  "*) :  Itib)  S-eov  avroV  i^opi^ovai 
fiiyiGtov  elvai.  Jupiter  scheint  vor  ihm  zurückzutre- 
ten, einigemal  wird  er  statt  Merciu*s  genannt;  'ganz  be- 
greiflich, da  auch  Wuotan  als  siegverleiher  angerufen  wur- 
de (s.  96),  darum  konnte  der  s.  85  angeführte  glossütor 
Wuotan  durch  IVIars  übertragen,  die  nahe  berührung  bei- 
der götter  soll  sich  sogleich  noch  mehr  bestätigeii. 

In  goth.  mundart  mufs  der  gott  des  Sieges  jTVmä,  gen. 
TYpw,  geheilsen  haben,  in  ahd.  Ziu  oder  Zio,  gen^  ^m-^ 
ipesy  Zieu^es]  in  altiu  lautet  sein  name  Tfr^  gen.  ^I^s, 
ags.  2iV,  gen.  Tii^es.  diese  formen  entsprechen  haar-» 
scharf  dem  lat.  deusy  das  zur  allgemeinen  benennimg  aller 
götter  ward,  und  dem  ^r.Zavg,  gen.  z//off,  das  den  obersten 
gott  bezeichnet,  schon  dai^aus  folgt,  dafs  Tius,  Zio  einen 
der  hehrsten  götter,  dessen  namen  und  eigenschaften  in  die 


*)  BovliTiii  ist  ihm  ihr  allgemeiner  name,  er  rechnet  zn  ihnen 
über  namentlich  die  Fanroi^  die  Ihm  richtig  ein  anderes  volk  sind  aU 
die  rorOoi.  (vgl.  jiott.  aiiz.    1828,  553.) 

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132  ZIU 

des  Wuotaü  und  Donar  überliefen,  im  altn.  worte  ip' 
liegt  zugleich  der  begi'if  von  faina,  gloria.  das  alts.  ifr^ 
gen.  Ureas  (gloria)  Hol.  4,  15.  80,  9.  ags.  tir^  gen.  itres*), 
sind  weiter  mit  R  abgeleitet,  scheinen  aber  für  t'^r  zu 
stehen  =  ahd.  zior  oder  ziori,  gen.  ziores,  das  ich  nicht 
nachweisen  kann,  wol  aber  das  daher  abgeleitete  adj.  zion, 
zieri  (insignis,  famosus.)  in  zu^!)ünmensetzungen  verstärkt 
ttr  die  bedeutung:  tirfäst,  tireadig  (praeclariis ,  praedives), 
ttrmetod  Cädm.  143,  7  (summus  deus.)  es  ist  vorzüglich 
der  vom  alten  golt  abhängige  kriegsrulun:  äsclh*  (speer- 
ruhm)  Cädm.  124,  17.  äsca  ttr  127,  10. 

Den  Hochdeutschen  und  Sachsen  hat  sich  des  gotles 
andenken  deutlich  in  der  Übersetzung  des  lat.  dies  Martis 
(s.  87 — 89)  erhalten,  die  altn.  lehre  stellt  Tyr  als  eüicn 
söhn  Odhins  dar :  wenn  nun  Odhinn  selbst  Sigt^r,  Hröp- 
taty^r,  Gautat fr^  f^erat^r,  Farmat<[r^  Hdngatyr  ge- 
nannt wird  (Sicm.  30.  47.  248*  Sn.  94 — 96),  so  kann  mau 
darin  entw.  die  mythische  gleichlieit  des  vaters  mit  dem 
söhn  (s.  111  und  aiihang  s.  xvi.  note)  **),  oder  die  allge- 
meine bedeuluug  des  ausdrucks  t^r,  d.  h.  deus,  divus  fin- 
den. Kir  letzteres  streitet ,  dass  auch  ThoiT  unter  dem 
namen  Reid/iartyr,  Reid/iiCyr,  d.  h.  gott  des  Wagens,  de» 
donuers  auftritt. 

T^'r  ist  nach  der  edda  einhändig,  weil  ihm  der  wolf 
bis  zum  gelenk  (lYHlidlu*,  carpus)  die  rechte  hand  abgebis- 
sen hat  (Swm.  65*  Sn.  35.  36);  davon  zeigt  sich  in  deut- 
sclicr  sage  keine  spur,  die  Vorstellung  mufs  aber  selir 
gangbar  und  characteristisch  gewesen  sein,  da  auch  in 
der  altn.  runcnerklanmg  bei  dem  buchstab  T  gesagt  wird: 
*2'y/'  er  einhendr  Asa.'  dieser  buchstab  führt  des  gotte» 
namen;  auch  die  ags.  runen  nennen  ihn  ttr y  die  poetische 
deulung:  *Tir  bj^lh  tacna  sum,  healdeth  treova  vel  vith 
ädhelingas'  (tir  ist  ein  zeichen,  erhält  treue  unter  den 
menschen)  scheint  den  unpersönlichen  sinn  zu  meinen; 
an  Thurs  lianunerzeichen  darf  hier  gar  nicht  gedacht  wer- 
den,    die  ahd.  runen,  welche  den  namen  dorn  auf  D,  den 


*)  den  langen  vocal  zeigt  Cadm.  64,  2  91,  15.  124,  27.  197,  10. 
143,  7,  und  die  ags.  hss.  verwechseln  häufig  i  und  y  folglich  i  und  y. 
ancli  altn.  wird  tir  neben  tyr  geschrieben. 

*•)  liegt  in  diespiter  der  gen.  cT/o?,  so  muss  darunter  anfanglidi 
der  Zeus  vater  verstanden  worden  sein,  der  nachher  mit  dem  begrif 
des  sohns  zusammenfiel.  Christus  heilst  sowohl  ^ott  als  t^ot/es  söhn; 
bald  flrohtfn  bald  drohfines  barn  {H^\.  130,  6)  bani  godes  (.45,  20) 
sunu  drohthies  (115,  3.) 


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ZIU  138 

namen  tac  auf  T  aQweuden  müssen,  bedürfen  für  Ziu  des 
ilir  alphabet  scbÜefsendeu  bucbstabs  Z.  sobald  aber  ein 
ruaeuverzelclinis  thorn  für  TH,  dag  für  D  beibebält,  zeigt 
e«  auch  Ti  für  T  (wie  der  cod.  Isid.  paris.) ;  ini  8.  galler 
cod.  270  verhält  es  sich  eben  so,  nur  dafs  unrichtig  dorn 
ÄlaU  thorn,  tag  statt  dag  geschrieben  wird,  richtig  Tt  ne- 
ben T.  der  pariser  cod.  5239  gibt  dliron  (dliorn),  tac  und 
Ziu;  der  salzburger  dhoru ,  Ti  und  daeg;  überall  ge- 
währt U.15  die  form  Ziu  eine  hochdeutsche,  die  form  Ti 
ciue  niederdeutsche,  sächsische  aiifTassung.  zumal  bemer- 
keuswerth  ist  aber  im  \^ieuer  cod*  140  der  name  Tyz  bei 
T,  in  einem  aiphabet  das  gothische  buchstaben  gebraucht ; 
denn  Tyz  käme  der  oben  vermuteten  golh.  form  Tius 
ziemlich  nahe.  Die  beibehaltung  und  folgerechte  Verän- 
derung dieses  göttemamens  in  den  runen  verschiedner  deut^ 
scher  volksstänime  darf  als  ein  zweites  zeugnis  für  die 
frühere  ausbreitung  seines  cultus  angesehen  werden. 

Wahrscheinlich  waren  dem  Ziu,  wie  dem  Wuotan 
und  Donar,  berge  geheiligt.  Sigt^fs  berg  Saem.  248*  braucht 
nicht  gerade  auf  Odliinn  bezogen  zu  werden,  da  T5^r  gleich 
Odliiün  sieg  verleilit.  ein  ort  in  Seeland,  von  dem  volks- 
sagen  gehu,  heifst  Tybierg  (Thiele  2,  20^;  andere  seeläu- 
dische  örter  lYspelae  (Tis  quelle),  Ty8ting\  ein  jütischer 
'fystatlie,  Tiislunde.  schwedische  örter:  Tistad,  Tisby, 
Tihjöj  Tyifcd»  auch  einige  deutsche  können  lüerher  ge- 
liörcu:  die  weimarische  carte  hat  seclion  38  ein  TisdorJ , 
sect  48  Ziessberg. 

pflanzennameu.  altn.  Tyafiola^  wol  nach  dem  lat. 
\iola  Älarlis,  mäi»z\iole;  J^r/iialm  (aconilum),  sonst  auch 
T/iorhal/n,  Thorhat  (heim,  hut  des  Thor),  auf  deutsch 
sturmhut^  eisenhut,  dän.  troldhat,  ein  kraul  dem  Zauber- 
kräfte beigelegt  werden,  und  dessen  helmförmige  gestalt  an 
die  beiden  kiiegerischen  gölter,  T5'r  oder  Thön-  erinnerte ; 
Tyfifidhr^  dän.  Tyt^ed^  Tysped  (daphne  mezereuni),  hel- 
siogisch  tist^  tistbasty  der  kellerhals,  eine  schöne  giftblume. 

Noch  bt  eine  erläuterung  des  merkwürdigen  Unterschieds 
zu  versuchen ,  der  in  dem  Qamen  des  dritten  wochentags 
zwischen  dem  schwäbischen  und  bairischen  volksstamm 
statt  findet  (oben  s.  88.)  die  heutigen  Baiern  und  Öst- 
reicher,  olme  zweifei  andere  alldeutsclie  Völker  mehr,  die 
vyir  jetzt  nicht  angeben  können,  nennen  und  nannten  dle- 
p«n  lag  ertag,  irlag ,  iertag,  erctag,  (anhang  p.  Lvni.) 
klerin  scheint  nirlils  al«  eine  nebenbcnennung  des  kriegs- 
8*>ll»  Ziu  zu  liegen,  an  "A()i;i:,  Zeus  söhn,  darf  nicht 
znnäcli}»t  gedacht  werden,  wol  aber  an  einen  dcnlsihen  na- 


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134  ZIU        ER? 

men,  Er,  JSor,  Ir,  der  jenem  griecliischen  begegnete,  das 
vrichrigste  scheint  mir  nun,  daCs  in  den  hochdeutschen  und 
sächsischen  nmenv erzeich nissen  der  buchstab,  welcher  den 
namen  Ziu  führt,  hin  und  wieder  auch  JEor ,  Ear^  Aer 
genannt  wird  *),  ja  ags.  alphabete  fügen  geradezu  dem 
Ear  noch  ein  Tir  (oder  Tis!)  beL**)  graphisch  betrach- 
tet ist  der  buohslab  Z  (Ziu)  siclilbar  aus  T  (Ty)  entsprun- 
gen  ***),  durch  zwei  zu  beiden  selten  angeliängle  aufwärts 
gehende  striche,  die  Angelsachsen  hatten  kein  Z  in  ilirer 
spräche  uöthig,  wol  aber  die  Alamannen  und  Baiem ;  für 
das  zeichen  war  nur  die  (wir  wollen  annehmen  alaman- 
nische)  benennung  Ziu  sclücklich,  die  Baiern  (vielleicht  die 
IVJarcomannen  und  andere  mehr)  wandten  den  bei  ihnen 
vorhersehenden  vocalisch  anlautenden  namen  des  krieges» 
gottes  Er^  Eor  unpassend  darauf  a^.  angelsächsische 
Schreiber,  die  das  zelohen  aus  hochdeutschen  alphabeten 
entlehnten ,  müssen  gleichwol  die  bedeutung  des  namens  ge- 
kannt haben,  weil  sie  mit  Ear  das  synonyme  Tir  verbin- 
den, auf  die  poetische  auslegung :  *ear  b^th  egle  eorla  ge^ 
hvylcum'  u.  s.  w.  ist  gar  hichts  zu  geben.  Solchergestalt 
helfen  uns  die  alten  rimen  erklären,  warum  dies  Martis  in 
Hochdeutscliland  bald  durch  zistag  bald  durch  ertag  ausge^ 
drückt  wird.  Ich  nehme  gleichwol  an,  dafs  auch  unter 
niederdeutschen  stammen,  namentlich  den  Westfalen,  ein 
gott  Et*  bekannt  war,  und  beziehe  auf  ihn  den  namen  Eres-- 
htirg^  Aereshurg  (oben  s.  81 — 83),  wofiir  seit  dem  13  jh. 
in  lat.  Urkunden  die  benennung  mona  Martis^  in  deutschen 
Mersberg  erscheint,  f)  letztere  liefse  sich  aus  zusammen- 
ziehung der  Worte  ^in  dem  Eresberg'  deuten,  die  lateinische 
aber  lehrt  wenigstens  welchen  begrif  man  danials  danüt 
verband,  dieses  Eresberc  also  ist  ein  Zisberc.  in  einer 
andern  gegend  Westfalens  liegt  noch  ein  Marsberg.  -H") 

Freilich  sind  durch  diese  imtersuchung  nicht  alle  Schwie- 
rigkeiten gelöst:  für  den  Wochentag  sollte  man  Erestac 
erwarten ,    überall  aber  findet  sich  ohne  genitivisches  S  nur 


*)  der  cod.  Isid.  paris.  hat  et^^  der  hnix.  155  eo  (tafel  zu  Moaet 
quellen.)     beide  fehlerhaft. 

**)  Wh.  Grimm  über  deutsche  runen  p.  $5.  vgl.  taf.  3.  alph.  1. 11. 

♦••)  M/  aus  t. 
+)  Wigands  archiv  I.  1,  36.  37.  II.  143.  268.  die«  Eresburg  oHer 
Mersberg  gehört   in  den  pagus   Hessi  saxonicu«    (registr.   Saracliouis 
p.  42,  T35.) 

+f)  im  pngu»  Marstem,  bei  Marklo,  dirlil  an  der  Weser  (reg.  Sa- 
racli.  42,  727.)  vielloicht  kommt  aucli  das  thüriugische  Merseburg  iu 
betraclit. 


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FRO  135 

ErUg,  Eritag;  es  wäre  höchst  erwünscht  der  form  aus  alle- 
rer ^.eit  habhaft  zu  werden,  wie  wenn  Ere  den  Baiern 
eine  weibliche  gotlheit,  eine  Bellona  gewesen  wäre?  dabei 
denkt  man  leicht  an  den  dunkeln  ausdruck  ero  im  wesso- 
bnioner  gebet,  das  wahrscheinlich  von  einem  Baier  vcrfalst 
wurde :  neben  üphimil  müste  ero  einen  allgemeinern  begrif, 
der  den  christlichen  dichter  nicht  störte,  enthalten?  kein 
golh.  woii  liegt  so  nahe  wie  a/rus,  das  die  bedeutung  von 
minlius  erhallen  hat,  und  gleich  andern  subst,  der  drillen 
decl.   männlich  und  weiblich  zugleich  sein  dürfte? 

Der  nächste  golt,  an  macht  und  rühm,  ist  unbedenklich 
der  in  altn.  spräche  Fre.yr  genannte,  wie  sehr  verbreitet 
auch  unter  den  übrigen  deutschen  stammen  seine  Verehrung 
war,  thut  sein  name  selbst  kund ,  dessen  heiligkeit  noch 
nacli  annahmt  des  cliristenthums  fortwälirend  auf  das  höch- 
ste wesen  angewandt  werden  durfte,  es  mufs  in  dem  ua- 
men  ein  allgemeiner,  ausdrucksvoUer  sinn  gelegen  sein,  der 
ihn  für  die  besonderheit  eines  gottes ,  und  zugleich  für  den 
luufassenden  begrif  göttlicher  und  weltlicher  herschaft  über- 
haupt eignete,  während  die  benenniingen  der  übrigen  hel- 
dengötter  den  Christen  ein  absehen  vnirden,  konnte  jene 
noch  geraume  Zeitlang  unanstöfsig  bleiben  und  bald  den 
liinimlischen  herrn ,  bald  den  irdisclien  bezeichnen  helTeu. 
Freilich  liefse  sich  eben  darum  ein  zweifei  aufwerfen,  ob 
der  nordische  gott  nicht  blofs  aus  solcher  allgemeinheil  er- 
wachsen, und  den  andern  stammen  unbekannt  geblie- 
ben sei? 

Dem  nord.  Freyr^  gen.  Freys,  sieht  unverkennbar  das 
golh.  Fräuja ,  gen.  Frdujins  zur  seite ;  ein  ahd.  Frdufo^ 
Fruwin  oder  Frouwo  ^  Frouwin,  ist  zu  vermulen,  wovon 
aber  nur  noch  das  zusammengezogne  Fr6  üblich  ist;  die 
ags,  form  lautet  Fred,  gen.  Freän ,  für  Freaan  oder  Frear 
van,  die  alls.  Frahoy  gen.  Fralion  imd  verkürzt  wiederum 
Fl  6^  der  nord.  dialecl  pflegt  auch  in  andern  masc.  die  or- 
gaui&chschwache  biegung  mit  der  starken  zu  verlauschen 
(vgl.  goth.  brunna,  alln.  brunnr)  und  schon  der  umlaut  in 
Freyr  zeigt  an,  dafs  er  früher  Freyji  werde  geheifsca 
haben.*)  •  ^ 


*)  die  Übergänge  des  golh.  äa  in  av  und  des  äui  in  ai/iy  auj- 
sHid  «ug  der  »grammatik  bekannt.  Man  vergleiche  zu  ol>igen  formen 
<lie  ganz  ähnlichen  iauT,  tavi,  taujan,  ahd.  zonwan;  inavi,  m/iujOs.  nltn. 
mey,  mcyjar;  golh.  Iiavi,  haujis,  alid.  houwi,  altn.  hey,  heys;  ahd. 
««»a  (^insula^  altn.  ey,  eyjar,  ?  golfi.  Auja.  Saxo  gramni.  nennt  den 
Freyr  iVö,  ganz  nach  dan.  mundart,  die  da«  altn.  ey,  nioy  in  ö>  inö 

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136  pao 

r 

Bei  Ulfilas  ist  nun  frduja  der  gewolinliclie ,  auf  alkn 
bläUei  n  begegnende,  ausdruck    füi*  xvQtog ;    die  alid.  denk- 
mäler  setzen  lieber  Irnbltn,    und  nur  in  der  anredefonud 
fr6  mal  (0.  I.  5,  35.  II.  14,    27.  V.  ?•  35)  bat  sich  diese 
bcnennung  des   göllHcLen    und    weltlichen  heiTn    (vgl.    M 
niiu!  im  Ludw.  lied)  erlialteu ,  etwa  wie  auch  jenes  alter- 
tliümliche    sihora    luid    sire    (s.    18)    zulängst    in    anreden 
dauert,     in  andern  fallen  halle  man  noch  ein  ahd.  froiiwo 
(dominus)  zu  erwarten,     gerade  so  erscheint,   wenn  damit 
angeredet  wird,  im  HöUand  immer  die  gekürzte  wortform 
Jr6    min!     123,    13.  140,    23.    fr6  nun  tlie  gödo   131,  6. 
'134,    15.  138,    1,    7.     waldand  frö  miu    153,    8.     drolilin 
frö  min  15,  3;*)    aufserdcm  aber  das   volle  frahoy    119, 
14.  gen.  frahon  122,    9  oder  fraon  3,    24.  5,  23;    einige- 
mal wird  froIiOy  froliou  (3,  24)  geschrieben,    woraus  sich 
cjie  contraction  jro  Icichlcr  begreift.  **).   inzwischen  bedient 
sich  der  dichter  des  H(iliand  dieses  fraho,  froho  weil  selt- 
ner als  der  ungefähr  damit  synonymen  worte  drohlin  oder 
h^rro ;    er    stellt   immer  possessiva  dazu ,    keine   adj.  (wie 
muri   drohltn,    riki  drohlin,    ciaftag   di'ohtin,    liob   bdrro), 
noch  weniger  braucht    er   es   in    Zusammensetzungen   (wie 
sigidrohltn.)     das  ags.  jred  hat  noch  gröfsern  umfang,  und 
duldet  nicht  nur  adj.   neben  sich  [jred  älmihtis  Cädni.  1, 
9.   10,  1)  sondern  bildet  auch  composita  :  dgendfred  Cädnu 
135,   4.  aldorjred  218,   29.  falcfred,  111,   7;    ja  es  wird 
mit  dryhlen  verbunden:  f reddrihten  Cädm.  54,  29.  Beov. 
1585   (wo  freahdrihtnes)  515o   (wo    freodryhtne.)     von  ei- 
nigen andern  nachher. 

Ol)gleich  das  golh.  frduja  keinen  andern  sinn  ge- 
währt, als  den  von  herr  (und  ein  daraus  gebildetes  ver- 
bum  fraujmön  geradezu  herschen  ausdrückt),  so  stellt  es 
sich  doch  selbst  schon  als  blofse  ableitung  dar,  die  uns 
den  gchalt  der  wurzcl  verbergen  kann,  die  wurzel  mufs 
aber  lauten  fr  du,  welche  in  dem  ahd,  adj.  fr6  (gen.  frou- 
wcs),  ahs.  fra  (gen.  frahes),  mhd.  i^r^,  nhd,  froh  erscheinl: 
dieses  adj.  bedeutet  laetus,  blaudus,  nülis,   carus ;    dieselben 


wandelt,    ein  dän.  Volkslied  stellt  nebeneinander  Fri^rge,  Fru  og  Thor, 
mit  dem  dän.  frO  (semm^  altn.  frio ,   gotli.    fr&iv   hat   des  gottes  name 
nichts  zu  schnffen,  weim  er  schon  gott  der  fnichtbarkeit  ist 
•)  fehlerhaft  wird  geschrieben  fnio  143,  7. 

'•)  H  statt  \V  liebt  diese  mundart,  vgl.  kneohes  f.  kneoweis,  fra- 
tahun  (tapetibtis)  f.  fratawun ;  in  sAhun,  brahon  enisprictit  ü  dem  jrotii. 
HV  (s^hvnn,  brahvom),  aber  auch  ahd.  steht  sahnn  neben  sAwuii  uuH 
brahia,  braha  lantet  ahd.  prawa.  ob  alt»,  briiha ,  fräho  zu  schrtibea? 
wcifs  ich  nicht. 


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FRO  137 

dialecle  leiten  daraus  her  froiiwi  (gaudiiuii)  frouwau  (lae- 
luin  rcddere)  frouwida  (laeiilia)  u.  8.  w.  liiernacli  balle 
ich  fiir  die  urbedeutUDg  \ou  Jräuja:  der  gnädige,  cr- 
f reuende,  liebe,  und  jener  zweifei  schwindet ;  die  Gotheu 
durften  einen  reinen,  edlen  ausdruck,  der  für  den  lieidni- 
sclien  gott  und  herrn  gegolten  hatte,  auch  als  Christen  bei- 
behalten ,  wie  sie  gulh  selbst  und  andere  untadelhafle  cul- 
tiiswürlcr  (alhs ,  blölan)  forlbesleben  liefsen.  *)  die  iibn- 
gen  Deutschen  scheinen  noch  hinterher  das  heidnische  der 
beneunung  gewittert  zu  haben ,  daher  ilire  allmaliche ,  auf 
blofse  forniehi  bescliränkte  Seltenheit,  und  bald  ihr  ganzli- 
ches verschwinden. 

Ich  will  nicht  behaupten,  dafs  in  den  ersten  jb.  unserer 
Zeitrechnung  dieser  trduja,  Brouwo,  Fraho  von  den  Go- 
then,  Alaniannen,  Franken,  Sachsen  so  lebhaft  und  be- 
stimmt verehrt  worden  sei,  wde  noch  viel  später  Freyr  in 
Scandinavien ;  es  ist  möglich,  dafs  unter  den  südlichen  stam- 
men frühe  schon  aus  Frduja  die  abslraction  früuja  (wie 
unter  den  Römern  aus  Deus  ein  deus)  hervorgegangen 
war.  aliein  die  spaisamkeit  unserer  nachrichten  läfst  es 
auch  zu,  anders  zu  schliefsen,  und  wenigstens  hin  und 
wieder  einen  lebendigeren  cultus  des  gottes,  in  genauerem 
eiüklang  mit  dem  altnordischen  ,  zu  vermuten. 

Darauf  leitet  sogar  der  gebrauch  einzelner  eigenua- 
men**)  und  dichterischer  epilliete,  zumal  bei  den  Angel- 
sachsen, noch  die  späteren  Gothen  verwenden  Frdtija 
als  mannsnamen,  in  welchem  schwerlich  die  bedeutung 
von  herr  gesuclit  werden  darf:  ein  abgesandter  des  kü- 
nigs  Hadafus  an  Carl  den  grofsen  biefs  Froia  (Perlz  1, 
184.  2,  223)  oder  auch  Froila  (Fraujila),  einen  ahd.  Fre- 
wilo  zeigt  eine  urk.  bei  Neugart  num.  162.  die  angelsäch- 
sische gencalogien  bieten  dar  Vuscfred  (anhang  s.  vni), 
der  nanie  kommt  aber  sonst  noch  öfter  vor  (Beda  2,  14) 
und  scheint  auf  Vi^den,  den  gott  oder  herrn  des  Wunsches 
(oljcn  s.  lOO)  gerecht,  gleichwichtig  ist  mir  in  Beov. 
4708.  4853.  4871  das  poetische  freäi^ine  (freavine  folca), 
das  in  diesen   stellen  ein  bloiser  beiname  göttlicher,    gott- 


*)  gottemamen  dunkles  oder  übles  anklangs,  wie  V<)thaD8,  Tliunra, 
Tiiw  gewesen  wären»  niusten  vermieden  werden. 

**)  Beger  (spicil.  aniiq.  Colon,  brandenb.  1692.  p.  90)  macht  eine 
1557  zn  Ten  im  Lutticlüsclien  ^efnndne,  von  Pi<:liiiis  abgeschriebne 
iaschrift  bekannt,  welche  so  lautet:  D.  I.  M.  A.  P.  P.  Freio  et  Fri- 
atto  V.  S.  fi.  M.  nach  seiner  auäle^ung:  deo  invicto  Mitlirae  aram 
posuerunt  Freio  et  Friatto,  voto  soluto  libenter  merito.  J'mio  kann 
aber  nicht  den  formen  Frauja,  Frouwo,  Fraho,  Freä  entsprechen. 


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138  FRO 

geliebter  heldeu  oder  königc  ist.  die  -wessexische  stamni- 
reihe  bat  aber  aucb  iliren  Fredvine  aufzuweisen*);  abd. 
Urkunden  gewälu^en  den  eigennamen  Frdwin  (cod.  lauresb. 
712.  aber  722  Friowi/ii),  in  dem  bekannten  gescblccbt 
von  Hütten  bat  er  sieb  bis  auf  neuere  Zeiten  erbalten, 
das  merkwürdige  liicrbei  ist,  dafs  die  edda ,  gleicb  jenem  . 
ags.  jredvine,  nur  obne  zusaninienselzung ,  Freys  vinr 
(Sa?n».  219^)  von  einem  beiden  gebraucbt:  Sigurdbr  wird 
bier  Freys  freund  und  scbiitzling  gebeifsen.  auf  gleicbe 
weise  ist  der  ags«  und  altn.  poesic,  folglicb  mytbe,  gemcin- 
scbafllicb  der  ausdruck  fred   Ingvina    (gen.  pl.),    Ingvinar 

Sgen.  sg.)  freyr^  Ingunnar  Jreyr  (Siem.  65**)  Ingifreyr 
Thorlac.  obs.  bor.  spec.  6.  x>*  43.),  worunter  ein  beld  oder 
goU  (nicbt  aber  junior  dominus,  wie  Tborlac.  p.  68  meint) 
zu  versieben  ist.  icb  babe  dieser  dunkeln  verbind img 
zweier  mytbiscber  namcn  im  anbang  s.  xxvn  gedacbt,  und 
werde   auf  lugo  zunickkommen. 

In  der  wocbeugötler  reibe  erscbeint  Fr6  nicbt ;  mit 
einem  römiscben  namen  liefse  er  sieb  scbwer  übertra- 
gen, seine  gottbeit  mag  zwiscben  dem  begrif  des  bocbsten 
lierrn ,  und  dem  des  liebe  und  frucbtbarkeil  wirkenden 
Wesens  die  mitte  ballen,  er  bat  Wuotans  scböpferiscbe 
eigenscbaft,  aber  er  veiTicbtet  keine  kriegstbaten ;  pferd 
und  scbwert  gibt  Fre^nr  aus  seiner  band,  als  ibn  die  sebn- 
sucbt  nacb  der  scbönen  Gcrdbr  verzebrt,  wie  in  einem  der 
beiTÜclisten  liedcr  der  edda  gesungen  wird.  Snorri  sagt, 
dafs  von  Freyr  regen  und  Sonnenschein  (wie  sonst  von 
Wuotan  und  Donar,  s.  106.  120)  abbänge,  er  wird  \xxa 
fr  achtbar  Jceit  der  erde  und  frieden  angerufen  (Sn.  28, 
vgl.  Yngl.  saga  cap.  12).  die  Scbwoden  verelu*len  Um  als 
"einen  bauptgott,  und  nacb  Adani  von  Bremen  stand  zu 
Upsal  seine  bildseule  neben  der  von  Tbor  und  Wodan. 
Adam  nennt  ibn  FriccOy  was  der  öfteren  verwecbselung 
der  beiden  güttinnen  Freyja  und  Frigg,  wovon  künftig  die 
rede  sein  wii^d ,  ganz  gleicbkommt.  ei*  scbildert  ihn  aber 
als  einen  gott  des  friedens  imd  der  liebe:  tertius  est 
Fricco,  pacem  vobiptalemque  largiens  mortalibus,  cujua 
ctiam  sinuilacbnun  fiwgimt  ingenti  priapo ;  si  nupliae  ee- 

*)  «iiliang  p.  X.  XI ,  wo  bereits  auf  des  Saxo  gramm.  Froivimi* 
verwienen  ist.  er  nennt  ihn  Slosvicensium  praefectuä  und  erzählt  p. 
60—63,  wie  Frowins  beide  söhne  Keto  und  TVigo  den  tod  ilires  vn- 
101*$  am  scbwed.  könig  Ati^Ius  rächen,  tou  Keto  schweigt  die  vt^&, 
genealogie,  aber  den  Vig  nennt  sie  in  der  wesscxischen  reihe,  einstiui* 
inend  mit  Saxo,  rreäu'incs  söhn.  Frowinug,  Keto  und  Vigo  leben  zu 
Merniunds  zeit,  d.  \u  dt^s  Vseroiund  der  mercii>chen  geacblechtsreihe. 


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FRO  139 

lebrandae  sunt,  (sacrificia  oiTerimt)  Fricconi,  Hiermit 
stimmt  auch  noch  ganz  die  im  christlichen  siun^  zur  er- 
niedrigung  des  heidengottes ,  abgcfafste  erzahlung  von  der 
in  Schweden  auf  einem  wagen  durch  das  land  umgefiilir- 
ten  bildseule  des  Freyr  und  seiner  jungen  schönen  prie- 
sterin (fornm.  sog.  2,  73 — 78.)  die  umfahrt  geschieht :  thä 
er  hann  skal  gera  mönnum  arbdt]  das  voD^  strömt  dem 
wagen  entgegen  und  bringt  seine  opfer,  dann  klärt  sich 
das  Wetter  auf  und  alle  hoffen  fruchtbares  jähr.  Diese 
Opfer  neont  Saxo  gramm.  Fröbl6t\  es  wurden  lebendige 
tliiere  dargebracht,  namentlich  ochsen  (Vigagl.  saga  p.  5 6^, 
Islend.  sog  2,  348),  pferde  waren  ihm  geweilit,  ein  sol- 
ches hieÜB  Freyfaxi^  und  galt  für  heilig  (Vatnsd.  p.  140.) 
in  Schweden  fielen  ihm  roenschenopfer  (Saxo  gr.  42. j 
Freyr  besafs  einen  eher  Gullinbursti ,  dessen  goldborsten 
die  nacht  gleich  dem  tag  erheUlen,  der  mit  pferdes  Schnel- 
ligkeit rennte  und  des  gotles  wagen  zog  (Sn.  66.  132  vgl, 
8«m.  114*.)  in  Freys  cultus  erscheinen  darum  opfer  von 
sühnebern  (oben  s.  31)  und  ebergeliibde  (RA.  901);  das 
schwedische  volk  backt  auf  julabend  kuchen  in  eberge- 
statt,  vielleicht  hängen  damit  zusammen  die  formae 
aproruniy  die  bei  den  Aeslyern,  aber  nach  suevischer 
sitte,  im  brauch  waren?  Tacilus  Germ.  45  bezieht  sie  auf 
die  vereluning  der  mater  deum,  worin  man  einen  weibli- 
chen Freyr,  also  die  Freyja  sehen  könnte?  Auch  bei  den 
Augeisachsen  scheinen  solche  eberbilder  heilige  bedeulung 
zu  haben,  vgl.  Beov.  6o5  eoforltc  scionon  gehroden  ^olde ; 
2216  8vtn  ealgylderij  eo/or  Irenlieaid ;  2905  beseite  st^tn- 
Itcuni.  Auf  Frey  und  seinen  eber  möchte  selbst  noch  ein 
geldrischer  aberglaube  gehen  *) :  in  der  christnacht  lialt 
Deri  jnet  den  beer  (Dietrich  mit  dem  eber)  seinen  um- 
ritt, man  sieht  sich  vor,  alles  acte  rg  erat  he  unter  dach  zu 
schaffen,  sonst  tiapjjelt  der  eher  darauf  herum  und  macht 
es  imbrauchbar.  Wir  werden  sehen,  dafs  um  dieselbe 
Weihnachtszeit  frau  Ilolda  oder  Berhta  umziehen  und  nach 
pftug  oder  Spindel  schauen :  müllerliche  götlinncn  statt  des 
gottes. 

Ein  silbernes  bild  des  Freyr  wird  Vatnsd.  p.  44.  50. 

362  ange;fiihrt,  aber  nicht  näher  beschrieben ;  einen  Freys 

odl  (Frep  pontifex)  erwähnt  Nialssaga  cap.  96.   127,  die 

^reysgydlingar  im  landiiamabuk   (Isl.  sog.  1,    213)  aind 

nachkomnicu    eines    solchen    prieslers.      die    gewöhnliche, 


% 


*)  Staniip;  in  Mnemosyiic.   Leiden  1829.    1,  323  und  damas  We- 
ßteadorp  uuordäclie  niytliol.     Dordreclit  1830  p.  490. 


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140  NERDU? 

landoimabök  4,  7  (Isl.  sog.  1,  199)  aufbewahrle ,  eides- 
formel :  Ä  iaJpi  mer  sva  Ireyr  ok  Hiordhr  ok  liion  a/- 
viAtthi  dsV  stellt  iha  mit  seinem  valer  zusammen,  und 
mit  dem  allaiäclitigen  goll ,  worunter  etwa  Odhinn ,  oder 
lieber  Tliörr  verstanden  werden  mufs;  in  der  nemliclien 
Ordnung  werden  Egilss.  365  Freyr,  Niörd/ir  und  der 
landas  (Tliorr)  genannt,  imd  in  der  erzalilung  vom  Bri- 
singamcn  (anliang  zu  Sn.  354)  heilst  es,  dafs  Odhiim  den 
Freyr  und  Niördlir  als  opfergötter  bestellt  Labe. 

Beide  sind  nach  der  nordischen  Vorstellung  Vanir,  aber 
in  gesellschaft  der  ^sir  zugelassen.  Von  Niördlir  würde 
die  deutsche  mythologie  so  wenig  wissen,  als  Saxo  gramm. 
je  seinen  namen  nennt  *),  wenn  liier  nicht  die  berühmte 
stelle  aus  Tac.  Germ,  40  einschlüge,  mehrere  an  der  Ost- 
see wohnende  Völkerschaften  vereinte  gemeinschaftlich  eine 
göttin,  unter  dem  namen  Nerthtis,  d  i.  die  mutter  Erde, 
alle  hss.  und  alten  drucke  lesen  Nerthum,  woraus  die  un- 
befugteste critik  Herthum  gemacht  hat,  das,,  wenn  es 
Erde  bedeuten  sollte,  einmal  unaspiriert  sein,  dann  auf  A, 
nicht  auf  U  endigen  müste:  der  genaue  Rqmer  hätte  in 
diesem  fall  geschrieben  Ertham  (vgl.  goth.  afrtha,  ahd.  erda, 
ags.  eordhe,  altn.  iördh)  wie  er  das  deutsche  weibliche  A 
in  den  eigennamen  Aurlnia,  Veleda  beobachtet,  auf  der 
andern  seite  ist  die  form  Nerthns  grammatisch  untadel- 
haft,  feie  kann,  wie  alle  goth.  subst.  dritter  decl.,  für  beide 
geschlcditer  gleichlauleu,  masc.  oder  fem.  sein,  goth.  Nalr^ 
t/i US  (weihlich  wie  handus,  qvafrnus,  kinnus)  ahd.  Nerdu'f 
Dafs  nun  in  der  altn.  spräche  und  m}ihe  NiÖrdhr  wie- 
der männlich  genommen  wird,  erklärt  sich  schon  aus  der 
imsicherheit  und  Zweideutigkeit  jener  goth.  namensform.  In 
der  Sache  selbst  könnte  vielleicht  noch  einigen  ausschlag  ge- 
ben, dafs  der  von  Tacitus  gesclülderte  umzug  der  A^er- 
thus  auf  ihrem  wagen ,  den  sterblichen  friede  und  frucht- 
barkeit  zu  verkünden,  ganz  identisch  dem  des  Freyr  im 
Schweden  erscheint.  Wäre  Frduja  der  Nairthus  söhn 
gewesen  (wie  FreyT  des  Niördhr),  so  könnte  von  der  gött- 
lichen mutter  auf.  den  söhn  ungezwungen  der  gleiche  cullus 
übergegangen  sein  ?  auch  zwischen  Freyr  und  seiner  Schwe- 
ster Freyja    schwanken   einzeln^e  erschcinungen  ihrer  ver- 


*)  es  ist  von  genug  andern  bemerkt,  dafs  er  ein  Iiul>scfie8  lipd, 
das  in  der  edia  Niördlir  und  Skadhi  sin^^en,  p.  17.  18  dem  dan.  ktnii;ie 
Hadding  (alid.  Härtung?)  in  den  muud  legt,  der  name  Hadding  l<t 
übrigens  gesichert ,  sonst  möchte  man  auch  hier  eine  verweciisUing  i^i- 
^rhen  H  und  >i  niutmafsen  (Nadding,  Nartung?) 


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/ 


BALTAC? 

elimng.   nach  Yngl.  saga  cap.  11  glaubte  mV 
gleich  seinem  söhne  Freyr,  frieden,  fritchtöl 
thum  schaffe:    ^aiidigr  seni  Niördhr^  (reici 
sprichwörllich  von  einem  i?volhäbigen  manu. 

Übrigens  wurde  Niördhr  hauptsächlich^ 
die  am  seegestade  wohnten,  gefeiert:  nach  dei 
tet  er  über  wind,  see  und  feuer  (Sn.  27);  aus  ge? 
sehnt  er'sich  weg  an  kühle  ufer  zum  gesang  der  schwane, 
eine  Wasserpflanze  führt  den  namen  Niardharvötlr  (N. 
handschuh),  die  spongia  marina.  *).  auch  die  Nerthus 
des  Tac.  badet  im  see^  und  verschwindet  darin,  an  eine 
enträthselung  des  namens  wage  ich  mich  nicht:  vielleicht 
berührt  er  sich  mit  ahd.  nord  (septenlrio)  ags.  nordh,  altn. 
nordhr,  goth,  naurlhs  ? 

Wälirend  keine  spur  eines  ags.  Neordh  zu  entdecken 
ist,  erscheinen  die  beiden  folgenden  götler  in  den  genealo« 
gien,  als  Vodens  verwandte,  wiewol  nicht  als  brüder. 

Der  nord.  Baldr  und  Herm6dhr  sind  söhne  Odhins, 
ihre  geschichte  verflicht  sich.  Baldr  ^  gen.  Baldrs,  kann 
nicht  dem  adj.  ballr  (audax)  goth.  balths,  ahd.  pald,  wol 
aber  dem  ags.  subst.  baldor ,  das  einen  fürsten  oder  beiden 
ansdrückt,  verglichen  werden;  ein  alid.  pallor,  paltar kenne 
ich  nicht.  In  der  ags.  stammsage  heilst  aber  ein  söhn  Vu- 
dens  nicht  Baldor,  vielmehr  Baldäg,  und  über  die  identi- 
tät  dieses  Beldeg  mit  dem  nord.  Saldr  waltet  nach  dem 
formdli  der  edda  kein  zweifei  (anhang  p.  xxui.)  das  ags. 
Bäldäg  läfst  ein  ahd.  Paltac,  Baltac  erwarten,  das  ich 
auch  als  eigennameu  nie  gelesen  habe,  beide  dialecte  pflegen 
sonst  eine  menge  mannsnamen  mit  däg,  tac  zu  componieren, 
ahd.  Adaltac ,  Alptac ,  Ingalac ,  G^rtac,  Helmtac,  Hruodtac, 
Regintac,  Sigitac ;  sachsisch :  Alacdag,  Alfdag  (Albdag,  Pertz 
1,  286)  Hildidag,  Liuddag,  Osdag,  Wulfdag;  ags.  Vegdäg, 
Svefdäg;  selbst  dem  nord.  ist  der  name  Svipdagr  bekannt, 
wenn  nun  z.  b.  Regintac  und  Reginari  gleichbedeutig  sein 
könnten,  wären  es  auch  Baldagr  und  Baldr,  vorausgesetzt, 
dafs  Baldagr  und  Pallac  stehen  für  Balddagr,  Palltac? 

Den  schönen  mythus  von  Balders  tod  erzählt  Saxo 
gramm.  p.  39 — 43  in  einer  sehr  abweichenden  mehr  hi- 
storischen gestaltung,  die  eins  der  bedeutendsten  beitpiele 
fiir  die  fluctuation  der  göttersage  abgibt,  beide  erzählun- 
gen  scheinen  im  übrigen  Deutschland  ganz  verschollen )  et- 

*)  eioige  arten  der  orchis,    wep^en  ihrer  handformigen  wnrzel,  heis- 
wn  wa«scrtiand,   llebfrauenliand,     Mnrieiihand,   gottesfiand  (dän.  gudä- 


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142  BALTAC? 

wa  gemalint  Balders  hrunncii  füi'S  dürstende  beer  (Saxo 
42)  au  eine  alle  auf  könig  Carl  gezogne  sage  in  heidni- 
scher umgegend  (oben  8.  82.  104.) 

Der  Sachs.  Bäldäg  (oder  wie  einige  schreiben  Bel^ 
der 9  Beide  j  anli.  p.  x.  xi)  soll  zufolge  der  nord.  angäbe 
(s.  xx)  Westfalen  beherscht  haben.  Sein  vater  ist  V^den, 
wie  des  nord.  Baldr  Odhinn ;  sein  söhn  aber  heifst  Brondy 
dessen  die  edda  geschweigt.  Suhm  legt*)  dem  Baldr  drei 
söhne,  Brond,  Forgete  und  Vaga  bei,  Forseti  ist  sein  söhn 
nach  der  edda.  Vaga  ist  der  in  einigen  recensionen  des 
mercischen  Stammbaums  zwischen  Vöden  und  Vihtläg  ein- 
geschaltele  (anh.  p.  vu.  vm.) 

Saxo  knüpft  an  seine  crzählung  nachricht  von  örlcm, 
die  für  die  begcbenbeil  zeugen,  Baldera  brunnen  und 
helfen  (p.  41.  42.)  Baldersbrönd^  zwischen  Copenhagen 
imd  Roskiid  trägt  den  namen  noch  heute. 

Nach  der  Schönheit  und  glänzenden  färbe  des  gottes 
heifst  eine  pflanze  Baldrsbrd  (B.  braue):  bann  er  svä 
fagr  Älilum  ok  biarti»  sva  at  IJ^sir  af  honum,  oc  eilt  gras 
er  sva  hvht,  at  iafuat  er  til  Baldra  brdi'y  that  er  allra 
grasahvilast,  oc  thar  eptir  mattu  marka  bans  fegurdh  biedlii 
A  h4ri  ok  liki.  Sn.  2ß.  entw.  anthemis  cotula,  die  jelxt 
in  Schonen  entstellt  Balsensbro^  Ballensbra^  dän.  Bar- 
brogr'^  heifst;  oder  matricaria  maritima,  die  auf  Island 
jene  benennung  fortführt  **).  Aus  der  weifsen  färbe  möchte 
ich  Balders  namen  deuten ,  litth.  ist  baltas  albus  ^  lett. 
balts,  und  das  slav.  bjcl,  bei  hinzugehalten,  hätte  man  nicht 
nöthig  im  ags.  Bäldäg  ein  ausgefallnes  D  zu  mutmafsen. 
Bäldäg  ist  der  wie  ein  weifser  tag  leychtende^  der  weifsc 
gott  (slav.  bjclbog.) 

Seine  wohnung  hiefs  JSreidhablik,  Ssem.  41^  Sn.  21. 
27f  d.  i.  breiter  Schimmer,  glänz ;  gerade  dieser  ausdruck 
findet  sich,  zwar  nicht  von  einer  wob nstätte,  sondern  einer 
über  das  feld  anrückenden  schaar  schneeblanker  rosse  in 
einem  gedieht  des  12  jh.  wieder:  'do  bnlhte  Dietheriche« 
vane  zvencik  d&sint  lossam  in  breit  her  blicLin  über  lant-' 
Roth.  2645.  ***)  ein  ort  unweit  Roskiid,  bei  Lethra,  soll 
den  namen  Bredeblick  geführt  haben,  f) 

•)  tafel  81  des  tabellentlieiU  »einer  critisk  historie,  vgl.  1,  402.  499. 
♦*)  deutsche  benennunj^en  der  camille:  kuhaup:e,  rindsauge,  ochscn- 
ange;  dalekarl.  hvitetoja   (weifsauge),  in  Bäliuslän    livitapiga  (weifte 
Jungfrau.) 

•••)  oder  ist  zu  lesen:    in  breiten  blicken?  vgl.  Wh.  381,   \%  dtf 
blnot  über  Ate.  bliche  (luz,  über  die  goldgiänzeoden  gewänder? 
f)  Suhm  cril.  hist.  2,  63. 


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HERIMÜOT  t  HADU  ?  143 

Von  HerniSd/ir  ^  der  seineu  geliebten  brnder  ia  der 
Unterwelt  auUucbt,  weii's  schon  Saxo  nicbls  mehr;  die  Jigs. 
genealogie  versetzt  ihren  Heremdd  unter  Vudens  vorfali- 
ren,  uud  nennt  Sceldva  oder  den  sagberühmten  Sceaf  sei- 
nen söhn,  der  name  Herimuot  ist  in  ahd,  Urkunden 
nicht  selten.  Neugart  nuni,  170.  214,  244.  260  (a.  809. 
822.  830.  834.) 

Hödhr  (gen.Hadhar,  Sn.  103  acc.  Hödh,  Sn.  105)  *),  ein 
blind  dargestellter  gott  von  gewaltiger  stärke,  der,  ohne 
arg,  den  tödlichen  pfeil  gegen  ßaldr  abschiefst.  Saxo  nennt 
ihn  HotlieruSy  und  schildert  ihn  als  Balders  nebcnbuhler 
um  Nanna.  nanie  und  gott  müssen  aber  weiter  verbreitet 
gewesen  sein,  golh.  Hat/ius,  ahd.  Hadu^  ags.  Headho; 
es  sind  davon  noch  manche  Zusammensetzungen  übrig,  ahd, 
nur  in  den  eigennameu  Hadupralit,  Hadufuns,  Hadupald, 
Hadufrid,  Hadumur,  (vgl.  Catumerus  bei  Tac.)  auch  den  weib- 
lichen Hadupurc,  Hadidint,  Häduwic  (Hedwig)  u.  a.  m.  in  der 
ags.  poesie  haften  aber  die  dichterischen  beiwörter :  headhorinc 
(vir  egregius,  nobilis)  Cädm.  193,  4.  Beov.  737.4927.  headho- 
velm  (maximus  impelus)  Cädm.  21,  14,  187,  8.  Beov.  164, 
5633.  headhosvöt  (sudor  bellicus)  Beov.  2919.  3211.  3334. 
headhovecd  (vcstis  bellica)  Beov.  78.  headholac  (pugnae 
ludus)  Beov.  1862.  3943.  headhogrim  (atrocissimus)  Beov. 
1090,  6378.  lieadhosioc  (pugna  vulneratus)  Beov.  5504. 
headhosteap  (celsus,  vom  heim)  Beov.  2490.  4301.  und 
andere  mehr  (Kemble  p.  250.)  Wenn  in  solchen  ausdrü- 
cken die  bedeutimg  nicht  blofs  unbestimmt  erhöht  ist,  so 
«cheint  durch  headho-  der  begrif  von  kämpf,  sclüacht  her- 
vorgehoben, und  der  gott  oder  held  vorzüglich  als  ein  krie- 
gerischer,    verehrt  worden    zu    sein. 

Den  wunderbaren  mythus  von  Heimdallr  (gen.  Heimdal- 
lar)  dem  weifsen  gott  (hvili  as),  der  von  neun  Schwestern  ge- 
boren, und  mit  einem  haupt  todt  gescldagen  waude,  kennen 
nur  die  beiden  edden,  wie  es  scheint  unvollständig.  Sax.  gramm. 
berührt  nicht  das  mindeste  davon,  sein  name  ist  schwer  zu 
deuten :  in  einer  benennung  Freyjas  Mardöll  (gen.  IMai*- 
dallar)  mag  doli  gleichen  sinn  gewähren,  und  sich  auf  mar 
(luaie,  aequor),  wie  dallr  auf  heimr  (mundus,  domus)  be- 
ziehen: die  Verbreitung  des  cultus  bezeugen  norwegische 
Ortsnamen  :  Heimdallarvattn  ein  see  in  Guldbrandsdalen, 
IleinidalUhoug  y  ein  berg  in  Nummedalen ;  aufscrhalb 
Scandinavicn  ist  mir  nicht  die  geringste  spur  weder  des 
gollcs  noch  der  sage  bekaimt. 


*)  Sn:ni.    45a   «Jer  dat.  iloühi  f.  Hedhi. 

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144  FORASIZO? 

Bei  Bragi  wage  ich  kaum  zu  erinnern  an  den  in 
der  ags.  pocsie  nicht  seltnen  ausdruck  brego  (dux,  rex), 
da  die  form  niclit  genau  zulrift,  und  das  wort  vieileicht 
aus  einer  cellisclien  spraclie  liergenommen  wurde. 

Forseti  Sacm.  42^,  Baldrs  söhn  Sn.  31.  103,   ist  von 
jeher,  wolbefugt,    mit  dem  friesischen  gott  Fosite  zusam- 
mengehaUen  worden,  von  welchem  uns  einige  im  neuntca 
}h.    abgefafsle  lebensbcschreibungcn   ^schätzbare    künde   ge- 
ben,    die  vüa  sancli  Wilibrordi  (f  739),    wie  sie  der  be- 
rühmte Alcuin   (f   804)   geschrieben,    erzählt  cap.   10  fol- 
gendergestalt:  cum  ergo  pius  verbi  dci  praedicator  iler  age- 
bat,  pervenit  in  confinio   Fresonum  et  Danorum  ad  quam- 
dam  iusuläm,    quae  a  qitodam  deo  suo  Fosite  ab  accolia 
terrae  Fositesland  appellatur,  quia  in  ea  ejusdem  dei  fana 
fuere  construcla.     qui  locus  a  paganis  in  tanla  veneratione 
habebalur,  ut  nil  \\\  ea  vel  animalium  ibi  pascentium,  vel 
aliarum   qiiarumUbct   rerum  gentilium    quisqiiam  längere 
audebat,  nee  etiama  fönte  qui  ibi  ebulliebat  aquam  hau-' 
rire    nisi  tacens  praesumebat.     Quo   cum    vir  dei  tempe- 
state  jactalus  est,  mansit  ibidem  aliquot  dies,  quousque  se- 
positis  tempestalibus  opporlunum    navigandi   tempus    adve- 
niret.     sed  parvipendens  stultam  loci  illius  religionem,    vel 
ferocissimum  regis  animum,    qui  violatores  sacrorum  illius 
atrocissima  morte    damnare    solebat;    tres    homines   in   eo 
fönte  cum  invocatione  sanctaö   trinitatis  baptizavit.     sed  et 
animalia  in  ea  terra  pascentia  in  cibaria  suis  mactare  prae- 
cepit.     quod  pagani  intuentes  arbitrabantur,  eos  vel  in  fu- 
rorem  verti,  vel    etiam  veloci  morte   perire;    quos  cum  nil 
mali  cernebant  pali,  stupore  perterriti  regi  tamen  Radbodo 
quod  viderant   factum   retulerunt.     Qui    nimio   furore  suc- 
census  in  sacerdotem  dei  vivi  suorum  injurias  deorum  ul- 
cisci  cogilabat,  et  per  tres  dies  semper  tribus  vicibus  sor^ 
tes  suo  more  mittebat,  et  nunquam  damnatorimi  sors,  deo 
vero  defendente  suos,    super   sei'vum   dei  aut    aliquem   ex 
suis  cadere  potuit;    nee   nisi    unus   tantum  ex   sociis  sorte 
monstratus    marlyrio    coronalus     est.      Radbod    fürchtete 
Pippin,  den  fränkischen  könig,    und  enlliefs  den  bekehrer 
unverletzt.  *)     Was  Wilibrord  unausgeführt  gelassen  hatte, 
brachte  einige  zeit  nachher  ein  anderer  geistlicher  zu  stand, 
wie  die  vita  Liudgeri ,    al?gefafst  von  Altfrid   (f  849)  ziun 
jähr    785    berichtet:    ipse   vere    (Liudgerus)    .  *.  •   .  studuit 
fana   deslruere,    et  omnes  erroris  pristini   abluere  sordes« 


♦)  acta  sanctor.  Bened.  sec.  3.  paw  1.  p.  609, 

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FORASIZO?  145 

ctiravit  quoque  ullerhis  doclrmae  derivare  flumina,  et  coii- 
silio  ab  iniperatore  acccplo,  transfirelavit  in  confinio  Freso- 
num  atque  Danorum  ad  quandam  insulam^  qitae  a  nomine 

dei  sui  falsi  Fosete  Foseteslant  est  appellata 

pervenientes  autem  ad  eandem  insulain,  destruxerunt  om- 
nia  ejusdem  Fosetis  fana^  quae  illic  fiiere  constructa,  et 
pro  eis  Christi  fabricavenint  ecclesias.  cumque  liabitatores 
terrae  iilius  fide  Christi  imbueret,  baptizavit  eos  cum  invo- 
catione  sanctae  trinitalis  in  fönte,  qui  ibi  ebiiUiebat,  in  quo 
sanctus  Willibrordus  prius  homines  tres  baptizaverat,  a  quo 
etiam  fönte  nemo  prius  haurire  aguam  nisi  tacens  prae- 
snmebat.  (Pertz  2,  410.)  olTenbar  hatte  Altfrid  Alcuins  ar- 
beit zur  band,  die  inscl  nahm  seitdem  den  namen  hdleg-^ 
landy  Helgoland  an ,  den  sie  noch  heute  fortfülirt ;  den 
bckehrem  -war  auch  hier  daran  gelegen,  einen  auf  der  Stätte 
irohenden  begrif  der  heiligkeit  fnr  das  christenthum  zu  erhalten. 

Auf  einer  insel,  zwischen  Danemark,  Friesland  und 
Sachsen  gelegen,  dürfen  wir  sicher  einen  heidnischen  gott 
erwarten,  der  diesen  stammen  unter  einander  geme&  war, 
es  wäre  seltsam,  dafs  der  friesische  Fosite  den  Nordlän- 
dern unbekannt  gewesen,  und  noch  seltsamer,  dafs  der  ed- 
dische Forseti  ein  davon  ganz  versclviedner  gott  sein  sollte, 
fipeüich  hätte  man  bei  Saxo  grainm.  eine  erwähnung  gerade 
dieser  gottheil  erwartet,  der  ihrer  völlig  geschweigt;  allein 
er  gedenkt  mancher  anderer  nicht,  und  in  seinen  tagen 
mag  Fosites  name  unter  den  Friesen  verklungen  gewesen  sein. 

In  beiden  namen  ist  einige  abweichung,  wie  zwischen 
zwei  Völkern  natürlich:  altn.  Forseti^  gen.  Forseta^  fries. 
Fosite,  %en.  Fosites,  leichteste  annähme  scheint,  dafs  durch 
assünilation  aus  Forsite  Fossile,  Fosite  entsprang  oder 
fiel  R  aus,  wie  ahd.  mosar  f.  morsar,  nnd.  möser?  auch 
lafst  sich  sonst  Fosite  kaum  deuten,  forseti  ist  altn. 
praeseS;  princeps,  ahd.  forasizo,  forasezo?  die  edda 
stellt  ihn  dar  als  richter  und  schlichter  aller  Streitigkei- 
ten, forseti  bestätigt  zugleich  die  Verbreitung  des  Bal- 
dercultus,  als  seines  vaters;  vollständigere  ags.  genealogicn 
würden  vielleicht  auch  einen  Forseta  oder  Forsete  ^  Bäl- 
clägs  söhn  aufführen. 

Spätere  scliriftstellei*  haben  aus  diesem  Fosete  eine 
weibliche  göttin  Foseta,  Phoseta,  Fosta  gemacht,  um  sie  der 
röm.  Vesta  zu  nähern,  schon  aus  diesem  grund  sclu'^ibe 
ich  der  in  Clarkes  travels,  pars  3.  sect.  1  p.  8  herausge- 
gebnen carte  von  Helgoland,  auf  welcher  man  ein  templum 
Fosiae  vel  Phosetae  a.  768  und  ein  templum  Vcstae  a. 
692  angemerkt  findet,  geringes  alter  zu. 

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14«  AGI,    ÜOGI? 

Zuletzt  ervrälme  ich  zweier  götter  oder  lialbgöttelr^  die, 
ohne  zum  geschieclit  der  Aseu  zu  gehören,  mit  ihnen  iu 
vielfache  berühmng  treten,  und  in  gewisser  liinsicht  als 
elementai*götter  betraclitet  werden  können,  indem  sie  iks 
wasser  und  feuer  darstellen.  % 

(Egir ,  nach  der  edda  abkömmling  der  alten,  im  Nor- 
den vor  den  Äsen  einheimischen  riesen  (iötnar),  scheint 
nicht  einmal  ursprünglich  so  zu  heUsen*  in  dem  aufsatz  ^fimd« 
inn  Noreg^  (Sn,369.  fornald.  sog.  2, 17)  ist  die  merkv^ürdige 
äufserung  enthalten :  Forniotr  4tti  3  syni,  h^t  einn  /ß^r,  er 
ver  köllum  (Egi^  anuan*  Logi,  thridji  Kari.  Hl^r  (geu» 
Hl^s)  ist  also  der  name ,  den  er  unter  den  loten  selbst 
fühlte^  (Egir  (gen.  (£gis)  hatten  ihn  die  Äsen  benannti 
ich  schreibe  dies  wort  mit  oe,  weil  ich  ein  «5  darin  nicbt 
2ü  erklären  vermag:  wurzel  scheint  doch  agan,  dg  (ahd. 
uoc),  worin  der  begrif  des  sdiauerlichen,  schreckhaften 
liegt,  Uogo^  wol  auch  Uogi  ist  ein  ziemüch  häufiger  alio. 
eigenname;  man  darf  vielleicht  Öceanua,  ^Slxeavoe  hinzu- 
halten%  zur  bestatigung  jener  deutung  gereicht,  dafs  in  der 
edda  Gagishialmr  ausdrücklich  auf  die  grausenerweckendc 
gestalt  eines  heims,  *er  oll  qvikvendi  hroedliast  at  sid',  be- 
zogen wird*  Sn.  137.  Sieni.  188*.  ^bera  Q&gishialm  yfir 
einum'  bedeutet:  einem  furcht,  ehrhircht  einflöfsen.  Laxd« 
»aga  p.  130.  die  trad*  fuld.  1,  97  liefern  den  alid.  manns- 
nameu  Egihelm  (bei  Schannat  p.  286  num.  126  Eggi- 
liehn)  d.  h.  Agihelm,  identisch  mit  der  ablautenden  fonii 
Uogilielm,  die  ich  nicht  gefunden  habe«  Beide  formen  be- 
gegnen sidi  aber  in  der  analogen  benenn ung  eines  grau- 
sen vollen,  von  Zwergen  gescluniedeteu,  Schwertes  der  altd« 
liehiensage ,  das  iu  der  Kucit  Uokesahs  (man  darf  nichts 
ändern),  in  der  Vilkinasaga  Eckisax^  im  gedieht  von  Ecke 
*Jier  Echen  sa/ni*  heifst,  also  darauf  führt,  dafs  der  riese 
Ecke  oder  Uoche  jener  nord.  iöiunn  Oegir  sein  könne, 
im  Eggenltet  (Lafsbi  77— *83)  wird  die  Zubereitung  der 
kostbaren  wafl'en,  der  brünne,  des  Z^Z/tis  und  des  schwetU 
besungen»  Es  kommt  dazu,  dafs  auch  in  andern  helmna- 
men  der  einheimischen  sage  wiederum  der  begrif  des 
Schreckens  ausgedrückt  erscheint,  Otnits,  Dieterichs  heim 
heifsen  Wldegrün^  Hlldegrtn  *) ,  der  im  kämpf  furcht- 
bare, ja  das  Wort  gehl  in  allgemeine  poetische  bezeich* 
iiuiig  des  heims  über  (heldensage  p.  386.)  grima  ist  altn. 
larve,    heim,    ags.  egesgrtnia  hehn  des  Schreckens,   ahd. 


*)  wie  Isengrim  und  UengKd. 

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AGI,    ÜOGI?        FIRNEZ?  147 

egisgrtmoll  ein  fui^chtbares  ungeheuer,  nut  anspielung  auf 
den  aUen  -^i^  der  auch  die  namensform  JEgis  (gen,  Egi- 
sis)  oder  Egiso  (gen.  Egisin)  gefülirt  haben  konnte*  *) 
In  dem  gr.  aiyig  suche  ich  keine  wörtliche  Verwandtschaft, 
aber  dieser  schild  des  Zeus  und  der  Atliene  verbreitet 
furcht  und  schrecken  luiter-  den  feinden^  wie  CEgishialm 
und  Eckisahs ;  auch  an  den  unsichtbarmachenden  heim  des 
Pluto  darf  gedacht  werden,  später  werde  ich  zeigen,  dafs 
auch  Fasolt,  Eckes  bruder,  geist  oder  halbgott  ist. 

Lachmann  (critik  der  sage  von  den  Mb.  p,  23)  hat 
eine  beziehung  des  geisterhaften,  elbischen  jlgazio^  mhd. 
Agez  auf  den  nord.  iötunn  angenommen;  es  müste  ge- 
lingen eine  altn.  form  CBgti  oder  Egti  aufzufinden. 

Entsclüedner  ist  eine  örtliche  anspielung.  der  flufs, 
welcher  die  Sachsen  von  den  Normannen  scheidet,  die  Ei-- 
deTy  lüefs  im  achten,  neunten  jh«  bei  den  fränk.  annalisten 
Egidora,  jigadora^  jie^idora  (Pertz  1,  355.  370.  386. 
2,  620.  631.);  alln.  Aegisdyr  (forum,  sog.  11,  28.  31, 
wo  der  gen.  pLAcgisdura,  dyra)  **)  d.  h.  thüre  des  meers, 
ausgang  in  das  mcer,  vielleicht  auch  hier  mit  dem  neben- 
begrif  des  schreckhaften.  ***) 

Forniotr  (nicht  for-niotr,  primus  occupans,  wieBiorn 
meint,  sondern  forn-iotr,  alter  lotr),  des  Hl^r  oder  (Egir 
Vater,  gehört  zwar  noch  weniger  zu  den  Äsen,  sondern  in 
die  ähere  reihe  dämonischer  rtesen:  allein  er  bestätigt  sehr 
merkwürdig  meine  ansieht,  dafs  auch  diese  halbgötter  über 
Scandinavien  hinaus  unter  andern  deutschen  stammen  be- 
kannt gewesen  sein  müssen.  In  dem  ags.  liber  medicina- 
li«,  aus  welchem  Wanley  p.  176 — 180  ungenügende  ex- 
cerpte  gibt,  findet  sich  nach  Lyes  wb.  auch  eine  heilkräf- 
tige pflanze,  des  namens  Forneotes  folme^  Fornetes  folme 
(d,  h.  Forneoti  manus),  wie  die  Variante  lehrt,  mehrmals, 
angeführt,  da  keins  der  nord»  denkmäler  dieses  krauts 
gedenkt,    so  mufs  seine  benennung   aus  der  einheimischen 

*)  schon   die  goth*   spräche  leit^   mit  S  ab:    agis  (timor)    gen* 

BgUlJS. 

^*)  ebenso  in  der  von  Werlaaff  Copenli.  1821  heransgegebnen  geo- 
grapliie  eines  Nordmanns  p.  15. 

•••)  IFieglesdor  bei  Dietmar  von  Merseb.  ad  a.  ÖTS  (Wagner  p. 
50)  scheint  nicht  der  flufs,  sondern  das  im  Danavirkt»  d;  h.  der  am 
dan.  ufer  der  Eider  gebauten  befestignng  (fornm.  sog.  11,  31.  32) 
ge||ssene  thor,  wiewol  andere  hss.  (und  der  annalista  Saxo)  heggedor 
=  egidor  lesen,  soll  •fp'ieglesdor  synonym  mit  Egidor  sein,  so  ver- 
stehe ich  es  nicht;  wichel  ist  nach  dem  br.  wb.  5,  247  weidenbaum, 
das  thor  könnte  von  dabeistehenden  weiden  den  namen  fuhren.  Suhm 
(crit.  bist  1,  138>  erinnert  an  Ifoiiijr  If iglet, 

10* 

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148  LOHHO?        KRENTIL? 

mylliologie  des  säcks.  volkd  übrig  sein.  alid.  köunte  iler 
riese  Firnez ,  die  pflanze  FirnBzes  folma  gelieifscii 
haben. 

Logi^  ein  andrer  söhn  Forniols  (oben  s.  146),  offen- 
bar die  kraft  des  feuers ,  wird  in  einer  eddischen  Fabel 
dem  Lohi,  ein  wesen  aus  dem  kreise  der  riesen  dem  ge* 
seilschafter  der  Äsen,  zur  scite  gestellt .  8n.  54.  60.  logi 
ist  altn.  flamma,  und  einem  alid.  lolio,  goth.  lau  ha  vergleich- 
bar (gramm.  2,  50.)  aber  auch  der  asische  Loti  könnte 
dem  begriffenes  Logi  identisch  sein;  Tliorlacius  (spec.  7, 
43)  hat  nachgewiesen,  dafs  in  der  nord.  redensart:  ^JLoH 
fer  yfir  akra'  (L.  fälirt  über  die  äcker),  in  der  dänischen: 
^Locke  dricker  \and'  (L.  trinkt  wasser),  darunter  das  feuer 
und  die  brennende  sonne  gemeint  sein  müsse.  Ztoha  daim 
(Lokii  odor)  heifst  auf  Island  der  feuiige,  schwefeldim- 
st  ende  irwisch  (das.  44);  Loha  spcenir  sind  brennspäne; 
ein  böses  dem  vieh  schädliches  unkraut  (polyU'ichum  comm.) 
wird  in  Nordjntland  Lokkens  havre  genannt  und  mau 
sagt  sprichwörüich :  'nu  saaer  Locken  sin  havre'  (nun  säet 
Locke  seinen  hafer,  der  teufel  sein  unkraut.)  das  dän.  wb. 
übersetzt  Lokeshavre  avena  fatua.  ^at  höre  paa  Lockens 
eveutyr'  bedeutet:  auf  lügen,  fabeln  hören  (P.  Syvs  gamle 
danske  ordsprog  2^  72.)  wenn  das  feuer  knistert,  heifst 
es  *Lokje  gibt  seinen  kindern  schlage.'  Faye  p.  6.  der 
namc  wird  also  fär  feuer  und  teufel  gebraucht. 

Auf  der  aunalmie,    dafs   für   ein  älteres  Logi  später 
Loki  gesetzt   worden  sei,    beruht   nun    die   gleich    näher 
naclizuweisendc   spiu*  des   nord.  d^imons   bei  den  übrigeü 
deutschen  stammen,      wie   Logi    von    der    wurzel    linhan^ 
wäre  l^oki  von  lukan    (claudere)  abzuleiten,    lok  bedeutet 
altn    finis,    consiunmatio ,  loka  repagulum,  weil  der  riegel 
schliefst,     im  Beovulf  tritt  ein  feindseeliger,  teuflischer  gei*t 
auf,  namens  Grendel^  und  seine  mutter  (Grendeles  ni6doi\ 
Beov.  4232.  4274)    als  walirhafte   teufelsmutter.     vieUeicht 
hat  Thorkelin  s.  261  diesmal  getroffen,    dafs  sich  Grendel 
dem  Loki  vergleichen  lasse;    weil  ags.  grindel,    und  altn. 
loka  beide   einen    riegel    ausdrücken :    zwar   finde   ich  da** 
ungeheuer   niemals  Grindel    gesehrieben ,    und    für    grindel 
(obex)  Cädm.  24,    27  nicht  grendel,    es  könnte  aber  nalie 
berühning    beider     formen    stattGnden.      ahd.    heifst    obex 
krintiJ;    dem  Orcudel  entspräche  Krantil ^    Krentil?  >vie 
ihm  sei ;    das  ist  sehr  auffallend,  dafs  wir  npch  heute  eiuf n 
dritten  synonymen    an^^dnick  zur   bezeichnung  eines  teulü- 
schen  wesens,    froilicfi  in  der  verstärkenden  Zusammenset- 
zung mit  hulie,  verwenden :  höllriegely  liölienbraud,  teufel 


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LOHHO?       KRENTIL?  149 

oder  dem  teiifel  vciTallen ;  *)  dies  hellerigel  gebraucht 
schon  Hugo  von  Laugensteiu  im  13  jh.  (Martina  4^)  end- 
lich stehen  gl.  Doc.  208*>  die  ausdrücke  dremil  (d.  i.  tre- 
mil)  u:i4l  grintil  synonym  für  pessulus,  und  das  altn. 
trami  oder  tremill  bedeutet  cacodaeinon,  malus  daemon, 
vermutlicli  aber  auch  clathrum,  cancelli,  was  sonst  grind 
heilst  (gl.  edd.  hafn.  1 ,  684.  Biorn  s.  v.  trami.)  Sonach 
scheint  sich  von  mehrern  Seiten  wirklich  eine  bestätigiing 
des  mythischen  begrifs  von  riegel  und  böser  geist  zu  er- 
geben und  der  Übergang  von  Logi  in  Loki  bereits  ein  ho- 
hes alter  für  sich  zu  haben. 

Aufser  dem  asiscben  Loki  stellt  die  edda  noch  einen 
andern,  wahrscheinlich  früheren,  Utgardha  loki  als  kö- 
nig  auf,  dessen  künste  und  macht  sogar  den  göttlichen 
Thörr  täuschen,  und  dessen  bausgenosse  Logi  es  eben  ist, 
der  sich  selbst  jenem  LoH  überlegen  zeigt  (Sn.  54  ff.) 
Von  diesem  Ugarthilocus  berichtet  Saxo,  der  des  eddi- 
schen Loki  in  seinem  ganzen  werk  mit  keinem  worte  er- 
wähnt, s.  163 — 166  wunderbare  dinge:  er  schildert  ihn 
als  ein  riesenhaftes  in  entlegnem  lande  hausendes,  halb- 
göttliches ungeheuer,  das  im  stürm,  gleich  andern  göttern 
angerufen  wird  und  lülfe  leistet,  ein  mutiger  held,  na- 
mens Thorhill  besteht  die  abenteuerliche  fahrt  zu  Ugar^ 
thilocus  und  das  scheint  mir  nichts  als  eine  fabelhafte  Ver- 
änderung des  besuchs,  den  nach  Snorri  Tfidrr  bei  Ut- 
gai-dhaloki  abstattet,  hervorzuheben  ist,  dafs  ThorkiU  dem 
ilgartldlocus  eins  seiner  grofsen,  speerälinlichen  haare  aus- 
rauft und  mit  nach  haus  bringt  (Saxo  165.  166.)  üt^ 
gardfuir  sind  die  äulsersten  grenzen  der  bewohnten  weit, 
wohin  man  die  statte  der  riesen  und  ungeheuer,  die  hülle 
versetzte;  auch  dabei  könnte  an  den  begrif  des  riegeis 
gedacht  werden ,  der  gleichsam  den  eingang  Jener  unuah« 
baren  region  der  geister  und  dämonen  absperrt. 

Mag  es  nun  auch  einen  sächsischen  Lolo,  einen  ala« 
mannisctien  Loliho  y  oder  blofs  einen  Grendil^  Krentil 
gegeben  haben;  von  entscheidender  bedeutung  ist  die  wahr* 
zunehmende  übereinkimft  der  mythen  selbst^  durch  uusre  . 
kindermärchen  ist  der  zug  verbreitet  von  dem  haar ,  das 
dem  teufel  ausgezogen  wird,  als  er  auf  dem  scliofg  seiner 
grolbniulter  scldafl,    (kiuderm,  num  29.)     Der  noril.   Loki, 


*)  Hartmann  Tom  «egeiiftpreclien  p.  203.  Stieler  p.  i:>72  liai  fol- 
ffende:!:  hellrigf^el,  \i»cti*  inferosU»,  objectarulum  tartnn,  il«  per  roiivi- 
itum  »ppellaut  vetulam  defortnem  et  rixosam. 


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150  LOHHO  ?       KRBNTQi  ? 

zur  strafe  seiner  untbaten,  wird  in  fesseln  gelegt,  ans  de« 
nen  er  aber  am  weitende  wieder  frei  werden  soll;  eins 
seiner  kinder  tenrir'^)^  d.  h.  er  selbst  in  der  wiedei^e» 
burt,  verfolgt  in  wolfagestalt  den  mond,  und  diM)bt  ihn 
2u  verscblingen:  rndnagarmr  beil'st  der  den  mond  ver- 
scblingende  wolf;  nach  Sn.  12.  13  ist  es  ein  wolf  namens 
Stölly  der  die  sonne,  ein  andrer  Uati,  der  den  mond  ver- 
folgt. Dieser  Volksglaube  scheint  sich  allgemein,  und  sohon 
in  der  altesteA  zeit  durch  ganz  Deutschland  und  weiter 
zu  erstrecken,  noch  jetzt  sagen  wir,  wenn  unheilvolle, 
gefahrdrohende  Verwirrung  eintritt:  *der  teu/el  ist  los,  der 
teufet  ist  freieelassen',  wie  es  im  Norden  hiefs:  ^Lohi  er 
or  böndum^;  in  Göz  von  Berllchingen  leben  p.  201  :  Mer 
teufet  war  überall  ledig';  in  des  minoriten  Detmar  chro- 
nik  1,  298:  'do  was  de  duvel  los  geworden',  da  hersclile 
unordinimg  und  gewaltthat.  In  Burgund  pflegte  man  von 
einem  aus  weiter  ferne  drohenden  spöttisch  die  redensart: 
^dieu  gar  de  la  lune  des  loups*  zu  gebrauchen**),  d.  li, 
solche  drohungen  treffen  erst  am  ende  der  weit  ein ;  und 
ebenso  wird  in  dem  franz.  Volkslied  auf  Heii^rich  IV  das 
äufserste  ende  der  Zukunft  durch  eine  zeit  ausgedrückt,  vro 
die  zahne  des  wolfs  den  mond  erreichen  werden :  'jusqu'i 
ce  que  Ton  p renne  la  lune  at^ec  les  dents\  vom  ^i4^olf 
des  mons^  redet    an  mehrern  stellen  Fischart,  z.  h.  Garg, 

130^,  ausführlich  in  aller  practik  grofsmutter  p 'der 

halben  dürft  ihr  nicht  inehr  für  ihn  (den  mond)  betten, 
dafs  ihn  gott  vor  den  U^ölfen  wolle  behüten  ,  denn  sie 
werden  ihn  difs  jähr  nicht  erhaschen,'  ***)  Sonnen,  oder 
mondsfinslornisse  waren  vielen  heidnischen  Völkern  schauer- 
lich ;  die  eintretende  und  wachsende  Verfinsterung  der  leuch- 
tenden kqgpl  schien  ilmen  der  zeitpunct,  wo  sie  der  rächen 
des  wolfs  zu  verschlingen  drohe,  und  man  glaubte  durph 
lautes  geschrei  dem  monde  hilfe  zu  leisten,  ich  werde  auf 
diese  Vorstellungen  zqrückkommen. 

Eine  ganze  reilie  altn,  götter  ist  in  diesem  capitel  auch 
für  das  übrige  Deutschlaud  in  anspruch  genommen  wor- 
den, aus  gründen  wie  sie  theils  der  haftende  name ,  theils 
das  zusammentreffen  der  mythen  an  band  gibt,     nicht  alle 

*)  goth.  Fanareifl?  ahd.  Fanari,  Feniri?  doch  nicht  fkbnenträ$(er, 
paonifer?  ailein  die  nord.  spräche  scheint  das  dem  goth.  fana,  ahd.  fono 
eotsprechende  wort  in  früher  zeit  niclit  zu  Iieunen. 

*'*)  La  nionnaye  glossaire  zu  den  noei  horguignon,  Dijon  1 776.  p.  212. 

•••)  darf  hier  an  die  ttiierfabei  von  dem  wolf  erinnert  werdeu ,  der 
in  den  brunnen  steigt,  um  den  für  einen  liäse  gebaltoen  momi  zu  ver- 
:»chlingcn? 


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GÖTTER  151 

gelieferten  beweise    können  glelclien    grad  von  elärke  ha- 
ben ;  das  gewisse  mag  auch  das  verniulete  heben. 

Einzelne  eigenschaften  verschiedner  gütter  greifen  in 
einander^  was  hier  von  einem  derselben  gilt,  kann  dort  auf 
einen  andern  übertragen  worden  sein,  und  es  begreift  sich, 
wie  bei  einigen  volksstämmen  name  und  cultus  irgend  ei- 
nes gotts  feiden  durfte:  seine  besonderheit  fiel  dann  noch 
einem  älinlichen,  verwalidten  gott  zu.  so  werden  Wuotan 
Donar  und  Fro  sämtlich,  imter  gewisser  beziehung,  als  göt« 
ler  des  ackerbaus  und  der  frqchtbarkeit  der  eixle  gedacht, 
Wuotan,  Ziu  und  £r  als  lenkcr  des  kriegs.  Die  macht 
und  das  ansehen  männlicher  kann  aber  auch  auf  weibliche 
gottheiten  übergehn. 


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152  NtiRDU  ? 


CAP.  X.      GÖTTINNEN. 

Vor  abhandluog  der  göttinncn,  welclie  uns  die  nord. 
mythe  überliefert^  sind  alle,  unabliangig  davon ^  dem  allen 
Deutschland  beigelegten  oder  überwcisbareu  zu  untersucben. 
abvreichungen  in  geschlecht  und  uamcu  dürfen  wir,  zm- 
schen  beiden  hauptdialecteh ,  wie  für  andere  begriffe  und 
Wörter  auch  hier  zulassen^  ja  erwai^len. 

Tacitus  stellt  Nerthus  als  mütterliche  gottheit  der 
erde  dar;  nicht  allen  Germanen,  nur  den  Langobarden, 
Reudignem,  Avionen,  Angeln,  Varinen,  ]^udosen,  Suardo- 
nen  und  Vuithonen*)  legt  er  ilire  Verehrung  bei:  nee 
quicquam  notabile  in  «singulis,  nisi  quod  in  commune  iVer- 
fAi/m,  **)  id  est  Terrarn  matreni  coluut,  eamque  inter- 
venire  rebus  hominum,  tnvelii  populis,  ar1)itrantur.  Est  in 
insula  oceani  castum  nemus  /  dicatumque  in  eo  vehiculum, 
veste  contectum.  attingere  uni  sacerdoti  concessum.  is 
adesse  penetrali  deam  intelligit,  vectamque  buhua  feminis 
multa  cum  veneratione  prosequitur.  Laeti  tuuc  dies,  festa 
loca,  quaecunque  adventu  hospitioque  dignatur.  nou  bella 
ineunt,  hon  arma  sumunt ;  dausum  omnc  ferrum ;  pax  et 
quies  tunc  tantum  nota,  tunc  tantum  amata:  donec  idem 
sacerdos  satiatam  conversatione  mortalium  deam  teniplo 
reddat,  Mox  vehiculum  et  vestes,  et,  si  credere  vcJi», 
numen  ipsum    secreto  lacu   abluitur.    scrvi    ministrant, 


*)  lo  Viihones  die  wnrzel  der  elgennamen  Vithimer»  Yithirief 
(Nuithones  onstattliaft,  weil  des  Tac  ui  =  f/>  vgl.  Toisco,  Tvisec^ 
wie  sein  ua  =  va.)  Eudosesy  gotli.  luthasjds,  ladusjds?  gebildet  wie 
b^rasjOs?  ein  solches  us  auch  im  volksnamen  Sedusii  (Caesar  1,  51;) 
vgl.  altn.  iodh  (proles)  ond  die  liithnngi  bei  Dexippus  nnd  Ammifln. 
Marc.  Suardones  zur  wnftsel  des  ahd.  suert,  sgs,  sreord,  goth.  $yn\td 
(ensis)?  Rsudigni  goth.  Riudiggös,  ahd.  Riotingä?  zu  riot,  ags.  reod 
(arundo,  arundinetum)  ?  des  Tao.  eu  ist  =  goth.  tu,  ahd.  eo  (Teoio- 
nes,  Eudoses)  und  sein  ign  s==  goth.  igg,  ahd.  ing  (Marsigni.) 

**)  die  verglichenen  nss.  lesen  so,  eine  mhertum  (Mafsmann  in 
Aufsefs  und  Mones  anzeiger  1834.  p.  216;)  Nertus  wurde  ich  den 
Nerthus  vorzieiien,  weil  sonst  in  deuudieu  wurteni  Tacitus  kein  TH 
hat,  aurser  in  jenem  Vitliones, 


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NBRDU?        GAUB?  153 

quo§  staHm   idem  lacns  liaurit.    arcanus  liinc   terror  sau« 
ctaque  iguorautia,  quid  sit  illud,  quod  tantimi  periiiiri  \ideut 

Diese  scliöne  erzählimg  vertiägt  sich  mit  dem,  ^as 
andere  berichte  von  dem  ciiltus  einer  männlichen  oder 
weiblichen  gpttheit  enthalten,  der  man  friede  und  frucht- 
hai^eit  beilegte,  ebenso  zieht  der  nord.  Freyr,  solm  des 
Niördhr,  auf  verliülltem  wagen  in  Scliweden  umher,  das 
Volk  feiert  ihn  durch  gebet  und  feste.  Wuotan  und  Do- 
nar erscheinen  auf  ihren  wagen,  auch  sie  werden  um  ge- 
deihen der  frucht  und  um  milden  regen  angerufen;  ich 
habe  s.  73.  74  bei  dem  wagen  eines  gothischeu  gottcs,  des- 
sen name  Sozomenus  vorentliält^  a\jf  die  Verehrung  der 
Nerthus  gewiesen. 

Diesen  M'echsel  weiblicher  mid  männlicher  gottheiten 
der  erde  scheint  mir  willkommen  ins  licht  zu  setzen ,  dai's 
die  8.  104.  105  bei  Wuotan,  eben  in  solcher  beziehung 
angefiihrten  formein  und  reime  in  andern  niederdeutschen 
gegenden  geradezu  auf  eine  göttin  übertragen  werden, 
wenn  die  hausleute,  heifst  es,  den  roggen  mähen,  lassen 
sie  etliche  halqie  stehen,  binden  blumeu  dazwischen  und 
nach  vollendeter  arbeit  sammeln  sie '  sich  um  die  stehen 
gebliebeneu  büscliel,  fassen  die  roggenähr^n  an^  und  lieben 
di'eimal  an  zu  rufen: 

fru  Gaue^   haltet  ju  fauer, 
düt  jar  up  den  wagen, 
dat  ander  jar  up  der  leäre !  *) 
während  dort  dem  Wode   für   dies   jähr  schlechtes  fidler, 
fiir  das   nächste  besseres    zugesagt  ist,    scheint   hier    frau 
Gauen  eine   künftige   lierabsetzung  der  dargebrachten  gäbe 
voraus  angekündigt  zu  werden;     durch  beides  finde  ich  die 
scheu  der  ('bristen  über    die  beibehaltung  des    heidnisclien 
Opfers    ausgedrückt,      die   alten    göttcr  sollen,    wenigstens 
den  Worten  nach,  sich  nunmehr  gering  und  schlecht  stehen. 

In  der  umgegend  von  Hameln  hersdite  die  gewohnheit, 
dafs,  wenn  ein  Schnitter  beim  binden  eine  garbe  über- 
gieng,  oder  sonst  auf  dem  acker  etwas  stehen  liefs,  ilim 
spottweise  zugerufen  wurde:  ^scholl  düt  dei  gaiie  frue^ 
oder  /de  fru  Gauen  hebben  ?'  **) 

tlber  die  bedeutung  des  namens  fru  Gaue  fallt  es 
nicht  leicht  zu  entscheiden;  die  adjectivische  vorsetzung 
von  gauB  beruht  wol  auf  blofsem  misverstand^  man  wollte 
den  sinn  von  'gute   fraü'  in  die    worte  legen,     die  mund- 

*)  braoBsohw.  ana.  1751  p.  900.  Iiannov.  gel.  anz.  175t  p.  668. 
**)  baoib  gel.  aoz.  1751.  p.  726. 


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154  ISBROU? 

art,  welche  fauer  fiir  foer,  foder  gebraucht,  wird  auch 
Gaue  fiir  Godey  Guode  nehmen,  in  diesem  Guode  köunte 
nun  nichts  anders  stecken  als  Gwode,  Wode,  iind  fru  aus 
dem  älteren  fro  erklärt,  würde  fro  FF  öden  den  herrn 
und  gott,  keine  göttin  bezeichnen,  also  die  forniel  völlig 
mit  der  8.  104*  105  gegebnen  übereintreffen.  Zieht  mau 
den  wenigstens  spiiterhin  mit  der  beuennung  ft'u  offenbar 
verbundnen  begrif  einer  weiblichen  goltlieit  vor,  so  lieise 
sich  vielleicht  an  die  altn,  G6i  (Sn.  358.  fornald.  sog,  2, 
17)  eine  n^ytliische  Jungfrau  denken,  nach  welcher  der  fe^ 
brqar  altn.  benannt  wird.  Die  gr.  Fala  oder  ilj  mufs 
aus  dem  spiel  bleiben. 

In  den  anhang  s.  cxxvu  habe  ich  ein  ags.  formular  auf^ 
genommen,  das  zur  hersteliung  der  fruchtbarkeit  solcher 
äcker  gebraucht  wurde,  denen  ein  zauber  angethan  war. 
liier  kommen  zwei  bemerkenswerthe  anreden  vor;  einmal 
heilst  es :  ^erce^  erce,  erce^  eordhan  mödor*  und  es  scheint 
damit  nicht  die  erde  selbst,  vielmehr  ihre  mutter  gemeint, 
aber  der  ausdruck  erce  ist  räthselliaft.  in  der  ags.  Übersetzung 
des  N,  T.  wird  sonst  durch  erk,  gen.  erke  Luc.  17,  27 
das  lat.  arca,  also  schiC  oder  kästen  bezeichnet  (vgl.  altn, 
prk,  gen.  arkar,  cista.)  sollte  in  Erce  (gen.  Ercan)  ein 
verdiuikelter  eigenname  stecken ,  der  sich  mit  dem  alid« 
adj.  ärchan  (simplex,  genuinus,  germanus)  berührte?  wäre 
noch  genauer  zu  schreiben  Eorce?  mag  mau  sich  an  die 
in  unserer  heldensage  berühmte  frau  Erclie^  Herhja^  Her- 
die,  Helche  erinnern?  Das  anderemal  wird  der  erde 
sugerufen:  *h&l  ves  thu  folde^  fira  m6dor!\  heil 
sei  du  erdcy  der  niensohen  mutter,  was  zu  jenem  auch 
von  Tacitus  ausgedrückten  terra  mater  stimmt,  die  Ver- 
ehrung der  zeugenden,  nährenden  erde,  wiederum  der  er* 
denmutter,  war  ohne  zweifei  unter  unsern  vorfahrern  aus- 
gebreitet ,  und  mehrfache  benennungen  m{)gen  stattgefun- 
den haben;  wie  sich  bei  den  alten  der  Gäa  dienst  und 
ihrer  tochter  Rhea  nut  dem  der  Ops  mater,  der  Ceres  und 
Cybele  mischten.*)  Vorzüglich  beachtenswerth  scheint 
mir  die  ähnlichkeit  zwischen  dem  cultus  der  Nerthus,  wie 
ihn  Tacitus  schildert,  und  dem  der  phrygischen  göttermut- 
ter.  liucretius  2,  597 — 641  beschreibt  den  umzug  der 
nutg/ia  deurn  niater  auf  ihrem  löweubespaimten  wagen 
durch  die  länder  der  erde : 

•)  Op«  mater  =  terra  maier ;  Ceres  =  Gcres^  quod  f^erit  frugev 
autiqub  enini  C  qiiod  nunc  G.  Varro  de  ling.  lat.  ed.  O.  Müller  p. 
25.  der  Ceres  gr.  beneunung  Jfffi^tf^  iclieint  wieder  auf  y^  M^1{* 
zu  fuhren. 


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NEROU?       BRDA  15ä 

quo  nunc  insigui  per  magnas  praedita  tcrras 
hoirifice  ferlur  divinae  matris  imago.  — 
ergo  quom  primuin  magnas  invecta  per  urbeis 
niunificat  tacita  mortaleis  muta  salute, 
aere  atque  argento  sternunt  iter  omne  viarum, 
largifica  stipe  ditantes,  ninguntque  rosarum 
iloribus,  umbrantes  rnatrem  comitumque  catervani. 
Den  VI   cal.   apr.   benannten   die  Römer  lauatio    matris 
deum  und  begiengen  sie  festlich.     Ovid.  fast.  4,  337 : 
est  locus,  in  Tiberin  qua  lubricus  influit  Almo, 

et  nomen  magno  perdit  ab  amne  minor; 
illic  purpurea  canus  cum  veste  sacerdos 
Almonis  dominam  sacraque  lavit  aquis. 
Ammlan.  Marceil.  23,   3,   (Paris  1681,  p.  355):    ad  Calli- 
nicum,  — ^  ubi    ante    diem    sextum   kal.    quo  Romae  matii 
deonim  pompae  celebrantur  annales,    et  carpentum^  quo 
velutur  simulacrum ,    Almonis    iindis  ahlui  perhibetur; 
Vgl.  Prudentius  hymn.  10,  154: 

nudari  plantas  ante  carpentum  scio 
proceres  togatos  matris  Tdaeae  sacfis« 
lapis  nigellus  evehendus  essedo 
muliebris  oris  clausus  argento  sedet, 
quem  dum  ad  lavacrum  praeeundo  ducitis 
pedes  remotis  atterentes  oalceis 
Almonis  usque  perrenitis  rivulum. 
Gerade  so  wird  Nerlhus ,   nachdem  sie   im  land  umherge- 
zogen ist,  in  dem  heiligen  see,  auf  ihrem  wagen,  gebadet. 

Für  die  insel  des  oceans  hält  man  Rügen,  in  dessen 
mitte  noch  jetzt  ein  see  flegt,  der  schwarze  see,  oder  burg- 
•ee  genannt,  was  als  sage  umgeht:  vor  alten  Zeiten  sei 
dort  der  teufel  angebetet,  in  seinem  dienst  eine  Jungfrau 
unterhalten,  und  wenn  er  ihrer  überdrüfsig  geworden,  im 
schwarzen  see  ersäuft  worden*),  könnte,  so  arg  die  ent- 
stellung  ist,  aus  des  Tacitus  nachricht  entsprungen  sein, 
der  die  menschliches  Umgangs  gesättigte  göttln  im  seCy 
samt  den  dienern ,  verschwinden  lafst.  aber  selbst  diesjB 
Überlieferung,  falls  sie  schon  Jahrhunderte  im  gang  ist,  da 
sie  von  einem  teufel,  keiner  göttin  redet,  widerlegt  alles, 
"was  man  in  unserer  zeit  von  dem  Herlhacultus  auf  Rü- 
gen vorgebracht  hat. 

Den  namen  erde  treffen  wir  in  allen  deutschen  mund- 


*)  deutsche  sagen  oum.  132. 

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156        NKRDÜ?    FiaGüNIA?    HLUODANA 

arteii;  ßoth.  airt/iayOLhi.  er  da,  herda,  ags.  eordJie,  oitnJördli. 
die  altn.  lördh  tritt  persönlich  auf  als  Odliius  gemaMiu 
zugleich  und  tochter;  sie  war  Thors  mutier  (Su.  11.  39. 
123.)  gleichwol  ist  sie  ein  abstracteres  wesen,  als  Rindr^ 
die  ebenfalls  als  Odhins  gemahlin  imd  als  erde  voi^estellt 
wurde.  Jenes  ags.  Jolde '  (gen,  foldan)  könnte  auch  per- 
sönlich gewesen  sein?  aUs.  folda^  foldun  ,  alln.  fohl,  fol- 
dar.  *)  das  goth.  mulda,  alid.  molta ,  ags.  molde ,  allu, 
mold   enthält   nur  den  materiellen  begrif  der  erde,    staub, 

Es  sind  aber  noch  zwei  andere  altn.  benennungen  der 
erdgöttin  für  unsere  Untersuchung  vorzüglich  wichtig:  in 
skilldskaparm^  p-  178  heilst  sie  so^ol  Fibrgyn  als 
Hl^dhyn. 

Fiörgyn  ist  schon  s.  117  abgehandelt;  wenn  neben 
dieser  göttin  ein  golt  Fiorgynriy  und  ein  abslractes  neutrum 
fqlrguni  bestehen  konnte,  wenn  der  begrif  von  Thöi-s 
mutter  zugleich  in  den  des  donnergottes  selbst  iibergelit, 
wenn  Freyr  und  Freyja  denselben  gedanken  ausdiaickeu, 
so  wird  auch  eine  weibliclie  Nerthus  neben  dem  männ- 
lichen KerthutS  einzuräumen  sein, 

Hlbdhyn  hat  dieselbe  ableitung  yA^  Fiorg^^n ,  es  darf 
also  ein  goth.  Hldthunja,  alid.  Hluodunia  gefolgert  wer- 
den. Völuspä  56  wird  Tliör  genannt:  mögr  Hlödhynjar^ 
der  Hl.,  das  ist  der  erde  söhn,  hlödh  in  der  altn.  sprä- 
che bedeutet  einen  heerd  **),  der  name  der  göltin  also  schir- 
merin  der  feuerstätte ;  auch  die  Römer  verehrten  eine 
göttin  der  erde  und  des  feuers  unter  dem  gcmeinschaftli" 
eben  namen  Fornax^  dea  fornacalis,  ***)  In  niederrhei- 
nischem  boden  wurde  ein  anfanglich  zu  Cleve,  hernach 
zu  Xanten  aufbewahrter  stein  gefunden  mit  der  merkwiir? 
digen  inschrift:  DEAE  HLUDANAE  SACRVÄI  C.  TIBE- 
RIVS.  VERVS.  Hludana  ist  weder  eine  römische  noeb 
celtische  göttin ;  ilir  name  begegnet  vollkommen  dem  der 
altnordischen,  Sk.  Thorlacius  hat  das  verdienst  die  Identi- 
tät beider  anerkannt  imd  gelehrt  erwiesen  zu  haben,  f) 
ich  sehe  in  dieser  insclirift  ein  schlagendes  zeugnis  für  das 
zusanunentrelTen  nord.  und  deutscher  götlerlehr^.     Thorla- 


*)  y^\,  feld  (campus)  uad  ebstn.  pold,  gen.  pnllo  (camptis),  ungtr. 
fpid  (terra.) 

**)  eigeiitlicli  strues,   ara  von  hiatban,   liiötii  (struere)  gramin,  % 
10.  nuin  83. 

•••)  Ovid.  fast.  2,  613. 
f)  antiq.    bor.   «pec.  3,    Hafn.    1783.     Gotfr.   Stliütze    in   .seiaer 
scbrift  de  dea  Hludana,    Lips.   1748    verraoclite  zw«r   den   wertti  des 
Steins  einzuselin,  aber  nicbt  die  bewandtnis  d^t^  sacbe  aufzudecken. 


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DAMPANA?      MEHALENNU?      (ISIS)        167 

ciu8  vergleicht  nicht  uneben  A^d  und  Latoria.  Sollte 
nicht  Hwrridhi,  ein  beiname  Thors,  des  sohns  der  Hlddhyn 
aus  Hlödridhi  gedeutet  werden  können? 

In  dunkel  gehüllt  steht  eine  andere  göttin,  die  von 
Tacitus  und  in  einer  Steinschrift  genannte  Tanfana,  Tarn'» 
Jana  (TAMFANAE  8ACRUM>  oben  s-  50,)  ihr  name  ist 
gesichert,  wenn  er  auch  der  nord*  mjthe  völlig  abgeht; 
gewisse  besondere  gottheiten  wil^  jeder  volksstamm  vor- 
aus gehabt  haben,     der  ausgang  -a/za  wie  bei  Hhidana^ 

Auch  der  belgischen  oder  friesischen  dea  Nehalennia 
sei  hier  kurz  gedacht)  über  deren  benenniuig  mehrere 
gleichlautende  inschriftcn  "")  keinen  zweifei  zulassen^  Qir 
wesen  ist  uns  imbekannt,  ihr  name  gestattet  nur  gezwnn* 
gcne,  unbefriedigende  anknüpfiuigen.  in  andern  am  Nie« 
derrhein  gefundnen  inscrlptionen  kommen  Zusammensetzun- 
gen vor,  deren  ausgang  (-neliis  oder  ^nehahus  sind  <dat. 
pL  fem.)  das  nemliche  wort  zu  verkünden  scheint;  das  in 
Nehalennia  die  erste  hälfte  bildet.  **) 

Viel  bedeutender  ist,  weil  sie  sich  mit  lebendiger  über- 
ITeferung  eines  im  mittelalter  fortdauernden  cultus  verbinden  , 
läfst,  des  Tacitus  nachricht  von  der  Isis,  unmittelbar  nach- 
dem er  die  verelirung  des  Mercurius,  Hercules  und  Mars 
gemeldet  hat,  fugt  er  (cap.  9.)  hinzu:  pars  Suevonun  et 
laidi  sacrificat*  unde  causa  et  origo  peregrino  sacro,  pa- 
rum  comperi)  itisi  quod  signum  ipsum,  in  modum  libur^- 
nae  figuratum^  docet  advectam  religionem«  das  aus  der 
fremde  her  eingeführte  liegt  augenscheinlich  nicht  in  dem 
namen  Isis,  den  die  suevische  göttin  gar  nicht  führte,  so- 
wenig Mercur,  Hercules  und  Mars  unter  solcher  benen- 
nung  in  Deutschland  gefeiert  wurden :  wie  sie  bei  einem 
theile  der  Sueven  hiel's,  erfahren  wir  weder  durch  Tacitus 
noch  durch  andere«  fremdartig  schien  ihm  zeichen  und 
bild  des  schiffea ,  weil  dies  an  das  römische  napigium 
Isidis  erinnerte* 

Griechen  und  Römer  pflegten  beim  anbruch  des  früh- 
lings, wenn  das  im  vnnter   unbefahrne  meer  wieder  schif- 


*)  Montfaocon  ant.  expl.  2,   449.    Yredii  hist.  Flandr.  I,  XLIV. 
mte.  de  Tacad.  celt  1,  199  —  245.     Mone  heidentli.  2,  346. 

**)  man  hat  eioe  celti8cligermani«che  guttin  Slrona  aogenommeD, 
die  auf  Inschriften  (Gniter  37,  10.  11.  Orell.  2047.)  neben  Apollo  ge- 
nannt wird  und,  der  Diana  Tergleichbar ,  die  lieilkunst  geschützt  hal>eii 
soll.  F.  C.  Matthiae  de  Sirona  dea.  Francof.  1806.  Lehne  das  Si 
ronabad  bei  Nientein.  Mahiz  1827.  Syr  Ui  eine  beuennong  der 
Freyja,  Sn.  37,  aber  jenes  wort  scheint  |ateiniich  gebildet  wie  Latona, 
Epona. 


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198  (I»S) 

bar  wurde,  feierlichen  amgang  2u  halten  nnd  der  lais  ein 
schif  darzubringen,  es  geschah  den  5  mer2  (IIL  non 
Mart.)  und  dieser  tag  wird  im  kalendarium  rusticum  durch 
Isidis  navigium  bezeichnet.  '*')  die  haupizeugnisse  ste- 
hen bei  Apulejus  und  Laotantius  **) ,  zwei  schriest eüern^ 
die  jünger  sind  als  Tacitus ,  aber  die  sitte  mufs  in  ein 
höheres  alter  hinaufreichen.  Isis  erscheint  auf  alexandri- 
nisclien  miinzen  neben  dem  Pharüs  wandelnd  ^  ein  segel 
ausbreitend. 

War  der  Isisdienst  aus  Aegypten  nach  Griechenland, 
nach  Rom  gedrungen,  wie  liefse  sich  annehmen,  dafs  er^ 
im  ersten  jh.  oder  vorher,  einem  das  herz  von  Deutsch- 
land bewohnenden  einzelnen  volksstamm  zugeführt  worden 
sei?  es  rtiag  nur  ein  ähnlicher  cultus,  nicht  derselbe,  ^und 
vielleicht  noch  unter  andern  Deutschen  hergebracht  gewe- 
sen sein* 

Ich  will  einen  seltsamen  gebrauch,  der  mir  damit  zu- 
sammenzuhängen scheint,  aus  viel  späterer  zeit  nachwei- 
sen, etwa  um  das  j.  1133  wurde  in  einem  wald  bei  Inda 
(in  Ripuarien)  ein  schif  gezimmert,  unten  mit  rädern  ver- 
sehn und  durch  vorgespannte  menschen  zuerst  nach  Achen, 
dann  nach  Mastricht  (wo  mastbaum  und  segel  liinzukam), 
hierauf  nach  Tungern,  Looz  und  so  weiter  im  land  her-^ 
umgezogen,  überall  unter  grofsem  zulauf  und  geleite  des 
Volks,  wo  es  anhielt  war  freudengeschreip  jubelsang  und 
tanz  um  das  schif  herum  bis  in  späte  nacht.  die 
ankunft  des  schifies  sagte  man  den  Städten  an,  welche  ihre 
thore  Öfneten  und  ihm  entgegen  giengen. 

Wir  haben  darüber  eine  zwar  ausfohrliche  aber  nicht 
vollständige  nachricht  in  Rodulfi  chronicon  abbatiae  8. 
Trudonis  IIb.  XI,    welche  ich  aus  Dachery  spicil.  tom.  7 


*)  Gesner  si^ript.  rei  fast.  ed.  lips.  177S.  1,  886;  ebenso  im  ca- 
lend.  valleiue,  and  im  cal*  lambec.  (Graevii  thes.  8,  98.) 

**)  Apoleji  met.  Hb.  U  (Ruhnk.  p.  764.  765)  s  diem  qai  dies  ex 
ista  nocte  naicetar,  aeterna  mihi  nmicupavit  religio ;  quo  sedatis  hiber- 
nis  tempestatibas  et  lenids  maris  procellosis  fluctibus,  navigabili  Jim 
pelago  rudern  dedicantes  carinam  primitias  commeatas  libant  mei  sa- 
cerdotes.  id  sacrum  sollicita  nee  pfofana  mente  debebis  operiri.  nam 
meo  monitu  sacerdos  in  ipso  procincta  pompae  roseam  mann  deztra 
sistro  coliaerentem  gestablt  coronam«  incontanter  ergo  diniotis  torba- 
Ijs  alacer  continuare  pompam  meam,  volentia  fretns;  et  de  proximo 
dementer  velut  manum  sacerdotls  deoiculabandos  rosis  decerptiii  peusi* 
mae  mihique  detestabills  dadum  bellnae  istios  corlo  te  protinu 
ezue.  Lactantius  instit.  1 ,  27 :  certus  diea  habetur  in  fastfs ,  qao 
Tsidis  nauigium  celebratur,  qnae  res  doce^  illam  non  tranasse  sed 
navigasse. 


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(ISIS)  159 

(Paris  1666.  4.)  p.  501—505,  oder  tom.  2  (Ptir.  1723  fol.) 
p«  704 — 706  ihrer  Wichtigkeit  halben,  hier  eimaicke: 

Est  geiius  mercenarioruiw,  quorum  ofßcium  est  ex  lino 
el  lana  lexere  telas ,  lioc  procait  et  superbiim  super  alioa 
mercenarios  yulgo  repütatur,  ad  quorum  procacilatem  et 
superbiam  hiüniliandam  et  propriam  iniuriam  de  eis  ulci- 
scendam  pauper  quidam  rusticus  ex  viUa  nomine  Inda  *) 
haue  diabolicam  excogitavit  technam«  Accepta  a  judicibus 
£ducia  et  a  levibus  hominibus  auxilio,  qui  gaudent  jocis 
et  novitatibus,  in  proxima  silua  navem  composiiit^  et  eam 
rotis  suppositis  afflgens  vehibilem  super  terram  ^ffe- 
citf  obtinuit  quoque  a  poteslatibus ,  ut  injectis  funwus 
textorum  humeris  ex  Inda  Aqiusgranum  tralieretur, 
Aquis  suscepta  cum  utriusque  sexua  grandi  hominuni 
processione :  niliilominus  a  textoribus  Trajectum  **)  est  pro- 
vecta,  ibi  emendata,  malo  veloque  insignita  Tungris  est 
inducta,  de  Timgris  Los*  ***)  Audicns  abbas  (sancti  Tru- 
donis)  f)  Rodulfus  nai^im  illam  infausto  omine  com-* 
pactam  malaque  soiutam  alite  cum  hujiismodi  gentilita- 
tis  studio  nostro  oppido  adventare,  praesago  spirilu  homi- 
nibus praedicabat,  ut  ejus  susceptione  abstinerent,  quia  rrui' 
ligni  Spiritus  sub  hac  ludificatione  in  ea  traherentur,  in 
proximoque  sedilio  per  eam  moveretur,  unde  caedes,  in- 
cendia  rapinaeque  fierent,  et  humanus  sanguis  multus  fun- 
deretur.  Quem  ista  declamantem  omnibus  diebus,  quibus 
malignorum  spirituum  illud  simulacrum  loci  moraba- 
tur,  oppidani  nostri  audire  noluerunt,  sed  eo  studio  et  gau- 
dio  excipientes,  quo  perituri  Trojani  fatalem  equum  in 
medio  fori  sui  dedicavcrunt,  statimque  proscriptionis  sen- 
tentiam  accipiunt  villae  textores ,  qui  ad  profanas  hujus 
simulacri  excubias  venirent  tardiöres.  Pape,  quis  vidit, 
imquam  tantam  (ut  ita  liceat  latinisare)  in  rationalibus  ani- 
maÜbus  brutitatem  ?  quis  tantam  in.  renalis  in  Christo  gen-^ 
tilitatem  ?  Cogebant  sententia  proscriptionis  textores,  nocte 
et  die  napim  stipare  omni  armaturae  gener e ,  sollici- 
tasque  ei  excubias  nocte  et  die  continuare«  mirumque  fuit, 
quod  non  cogebant  eos  ante  navim  Neptuno  hostias  im- 
molare,  de  cujus  naves  esse  solent  regione,  sed  Neptunus 
eas  Marti  reservabat,  quod  postea  multipliciter  factum  est« 


')  laden  im  Jultchbchen,  spater  CornelimAnster,  anweit  Achen, 
^gl.  Pertz  ],  394.  488.  514.  593.    2,  299.  489. 
**)  Msstridit. 
•••)  l-ooz. 
+)  S.  Troa  zw,  Lütticli  u.  Löwen, 


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IGO  (ISIS) 

Textores  interiin  occiilto  sed  praecordfali  gemitu  deum 
justum  judlcem  super  eos  vlndicem  invocabant,  qui  ad  haue 
ignominiaiu  eos  detrudebant,  cum  juxta  rectam  vitam  anti- 
qaorum  Christiaiioriim  et  apostolicorum  virorum  manuum 
suarum  laboribus  viverent ,  uocte  et  die  operautes ,  irnde 
alerentur  et  ve^tirentur,  liberisqiie  suis  idipstuu  provide- 
rent.  quaerebant  et  conquerebaiilur  ad  invicem  lacryma- 
biliter  unde  Ulis  magis  quam  aliis  mercenarüs  haec  igno- 
minia  et  vis  contumeliosa,  cum  inter  Christianos  alia  plura 
essent  officia  suo  multum  asperuabiliora ,  cum  tarnen  nul- 
lum  dicerent  aspernabile,  de  quo  Ciuristiauus  posset  se  sine 
peccato  conducere,  iUudque  solum  esset  vitabile  et  ignobiie 
quod  immunditiam  peccali  Coutraheret  animae^  meliorque 
sit  rusticus  textor  et  pauper,  quam  exactor  orpbanorum 
et  spoliator  viduarum  urbanus  et  nobilis  judex.  Cumque 
haec  et  eorunl  simiiia   secum,    ut  dixi,  lacrymabiliter  con- 

Suererentur,  coucrepabant  ante  iilud  nescio  cujus  potius 
icam  Bacchi  an  P^ene'ris  ^  Neptuni  sive  Martis^  sed 
ut  verius  dicam  ante  omnium  malignoruni  spirituuni 
execrabile  domiciüum  genera  diversorum  niusicorum,  tur* 
pia  cantica  et  rcligioni  Cbrislianae  indigna  concinen^ 
tium.  Sancitum  quoque  erat  a  judicibus,  ut  praeter 
textor  es,  quicumque  ad  tactum  natfi  appropinquarent^ 
pignus  de  collo  eorum  ereptum  textoribus  relinquerent, 
nisi  se  ad  libitum  redimerent,  Sed  quid  faciam  ?  loquarne 
an  sileam  ?  utinam  Spiritus  mendacii  stillaret  de  labüs  meis : 
8ub  fugitiva  adhuc  luce  dlei  imminente  luna  matronaruni 
caterpae  abjecto  fennneo  pudore  audientes  strepitum  hu^ 
jus  vanitatis^  sparsis  capillis  de  stratis  suis  exilie- 
bant,  aliae  se/niriudae,  aliae  simplice  tantum  clamide 
circumdutae^  chorosque  ducentious  circa  napim  im- 
pudenter  irrumpendo  se  admiscebant.  Videres  ibi  ali- 
quando  mille  hominiun  animas  sexus  utriusque  prodigio- 
sunt  et  infaustuni  celeusma  usque  ad  noctis  medium 
celebrare.  Quando  vero  execrabiUs  illa  chorea  rumpeba- 
tur,  emisso  ingenti  clam.ore  vocum,  inconditarum  sexus 
uterque  hac  illacque  bacchando  ferebatur;  quae  tunc  vide- 
res agere,  nostrum  est  tacere  et  deflere,  quibus  modo  con- 
tingit  graviter  liiere.  Istis  tarn  nefandis  factis  plus  qua^n 
duodecim  diebus  supradicto  ritu  celebratis  conferebant 
simul  o^pidani  quid  agerent  amodo  de  dtducenda  scili- 
cet  nai^u 

Qui  sanioris  erant  consilii,  et  qui  eam  stcsceptam 
fuisse  dolebanty  timcutes  deum  pro  ]us  quae  facta  vidcrant 
et  audieraut,  et  sibi  pro  liis  futura  conjicicbant,  hortaban- 


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(ISIS)  161 

tut  ut  comburatur  (combureretur)  aut  isto  vel  illo  modo 
de  inedio  tolleretiir ;  scd  stulta  quonindam  coecitas  hnic  sa- 
lubri  consilio  contumeliose  renitcbatur.  Nam  maligni  Spi- 
ritus ^  qui  in  illa  ferebantuTj  dissemlnaverant  in  populo, 
quod  locus  ille  et  inhabitautes  probroso  nomine  amplius 
nötarenfur,  apud  quos  remansisse  inveniretur.  Dedii- 
cendam  igitur  eam  ad  villam^  qiiae  jiixta  nos  est,  Leiigiies 
decreverunt.  Iiiterea  Lovaiilensis  doniiiius  audiens  de  dae- 
monioso  navis  illius  ridiculo^  instructusque  a  religiosis 
Yiris  terrae  siiae  de  illo  vitando  et  terrae  suae  arcendo 
monstro^  gratiam  suam  et  amicitiam  mandat  oppidanis  no- 
stris,  commonefaciens  eos  humiliter,  ut  pacem  ülam  quae 
inter  illos  et  se  erat  reformata  et  sacramentis  confirmata 
non  infringerent,  et  inde  praecipue  illud  diaboli  ludibrium 
vidniae  suae  infeiTcnt^  quod  si  ludum  esse  dicerent,  quae- 
rercnt  alium  cum  quo  inde  luderent.  Qiiod  ei  ultra  hoc 
mandatum  committerent,  pacem  praedictam  in  eum  infrin- 
gerent et  ipse  vindictam  in  eos  ferro  et  igne  exsequere- 
tur,  Id  ipsum  mandaverat  Duracliiensibus  dominis,  qui  et 
homines  ejus  fuerant  manuatim,  et  interpositis  sacramentis, 
et  obsidibus  datis  sibi  confoederati.  Hoc  ciun  jam  tertio 
fecisset,  spretus  est  tarn  ab  oppidanis  nostris  quam  Dura- 
cliiensibus dominis.  nam  propter  peccata  inhabitantium 
Tolebat  dominus  mittere  super  locum  nostrum  ignem  et 
arma  Lovaniensium«  Ad  hanc  igitiu*  plebeiam  jatuita- 
tem  adjiuixit  se  dominus  Gislebertus  (advocatus  abbatiae 
8,  Trudonis)  contra  gcneris  sui  nobilitatem,  trahendam- 
que  decrevit  naivem  illam  terream  usque  Leugues  ultra 
Durachiensem  viUam,  quod  et  fecit  malo  nostro  omine 
cum  omni  oppidanorum  nostrorum  multitudine  et  ingenti 
debacchantium  vocijeratione,  Leuguenscs  oppidanis  no- 
stris prudentiores  et  Lovaniensis  domini  mandatis  obse-' 
quentes  portas  suas  clauserunt  et  infausti  ominis  mon^ 
strum  intrare  non  permiserunt» 

Lovaniensis  autem  dominus  precum  suärum  et  manda- 
torum  contemptum  nolens  esse  inultum,  diem  constituit 
comitibus  tanquam  suis  bominibus,  qui  ncqiie  ad  prlmum, 
neque  ad  secundum,  scd  nee  ad  tertium  venire  voluerunt. 
Eduxit  ergo  contra  eos  et  contra  nos  multorum  multitudi- 
nis  exercitum  armatorum  tam  peditum  quam  militum, 
Nostro  igitiu:  oppido  seposito  tanquam  firmius  munito  et 
bellicosorum  hominum  -pleno,  primum  impetum  in  Dura- 
chienses  fecit,  quibus  viriliter  resistentibus  castellum  nescio 
quare  cum  posset  non  obsedit,  sed  inter  Leugues  et  Du- 
rachium  pernoctavit,     Cumque  sequenli    die  exercitum  ap- 

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162  (ISIS) 

plicare  disponeret  et  ex  quatiior  partihus  tissultum  faceret. 
liabebat  enim  ingenlcm  nmltiludinem ,  supervenit  Adelbero 
MeteDsium  primiceriiia  filionim  Lovaniensis  doiniui  avun- 
culu8,  cujus  intervenlu ,  qtiia  conillissa  Durachiensis  eM 
soror  ejus,  et  Duracliiejise  erat  castellum  sancti  Laiiiberti, 
Lovauieiisis  dominus  ab  inipugiialione  cessavit  et  ab  obsi- 
dlone  86  amovit,  promisso  ei  qiiod  DuracLieuses  paulo  posl 
el  ad  justitiam  suam.educerentur«  Et  cum  ista  et  alia  de 
dominis  et  inter  dominos  traclarentiir,  peditos  et  mililcs  per 
omnia  nostra  circmnjacenlia  se  diffudcrunt,  vfllas  nosiras. 
ecclesias,  molendiua  et  quaecuuque  occurrebaut  combuslioni 
et  perdilioni  tradentes,  recedeules  vero  quae  loiige  a  nobis 
fuerant  prout  cuique  adjacebant  inter  se  diviserunt. 

Sichtbar  ist  iu  der  ganzen  crzälilung  alles  in  gehässi- 
gem liclit  aiifgefafst;  es  verleiht  aber  dem  hergang  gerade 
erst  volle  bedeulung,  dafs  er  den  geistlichen  entscliieden 
zuwider  Avar,  und  sie  ihn  auf  alle  weise  als  ein  sündhaf- 
tes heidnisches  werk  zu  hintertreiben  dacliten.  allein  die 
w^ollliche  Obrigkeit  liatle  den  Umzug  geslaüet  und  schützte 
ilin,  es  hieng  von  den  einzehien  orlschaflen  ab,  dem  her- 
aufahrenden  scliif  eiulafs  zu  gewalu'en;  wie  es  scheint  galt 
in  der  Volksmeinung  für  schimpUich,  es  nicht  weiter  ge- 
fördert  zu  haben» 

Blofser  tanz  und  gesang,  wie  sie  damals  bei  vielfacher 
gelegenheit  unter  dem  volk  üblich  sein  musten,  konnte  der 
geistlichkeit  keinen  solchen  ärger  verursachen,  sie  beiieniil 
das  schif  ^malignorum  spiriluum  simulacrnm',  'diaboli  hidi- 
brium',  nimmt  -an,  dafs  es  ^infauslo  ominc'  und  'genlilitatis 
sludlo'  aufgeschlagen  sei,  dafs  in  ihm  *maligni  Spiritus'  her- 
imizlehen,  ja  dafs  es  ein  schif  des  Neptun  oder  IMors,  des 
Bacchus  oder  der  Venus  hcifsen  könne  J  man  solle  es  ver- 
brennen oder  sonst  wegschaffen* 

Wahrscheinlich  lebten  unter  dem  gemeinen  volk  jener 
gegend  damals  noch  erinneruugen  an  einen  uralten  heidni- 
schen cullus ,  der  Jahrhunderte  läng  gehindert  und  einge- 
schränkt nicht  vollends  halle  ausgerottet  werden  können, 
ich  halte  dieses  im  land  umziehende,  von  der  zuströmen- 
den menscheiimenge  empfaugne ,  durch  festlichen  gesang 
und  tanz  gefeierte  schif  für  den  wagen  des  goltes,  oder 
lieber  jener  guüin ,  welche  Tacilus  der  Isis  vergleicht,  die 
den  sterblichen  (gleich  Nerlhus)  friede  und  fnichlbarkeit  zu- 
führle.  wie  der  wagen  verhüllt  -^ar,  so  mochte  auch  der 
eingang  in  das  imicre  schif  den  menschen  verwehrt  sein, 
ein  bild  der  goltlieit  brauchte  niclit  daiin  zu  sieben  iliren 
uamen  hatte  das  volk  längst    vergessen,    nur  itie  gelehrten 


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(ISIS)  163 

inöflche  ahnten  nock  ehvas  von  Neptun  oder  Mars,  Bac- 
clius  oder  Venus;  auf  das  äufserliche  der  alten  fcier  kam 
die  lust  des  volks  von  zeit  zu  zeit  wieder  zurück,  wie 
i^äre  der  bauer  im  waldc  zu  Inden  darauf  verfallen  ein 
sdiif  zu  bauen,  wenn  ihm  nicht  eriunerungen  an  frühere 
proccssionen,  vielleicht  auch  in  benachbarten  gegenden  vor- 
geschwebt hätten? 

Beachtehswerlli  ^st,  dafs  die  weher,  in  den  Niederlan- 
den ein  zahlreiches,  übermüligesj  aber  dem  gemeinen  häu- 
fen verhafstcs  handwcrk ,  gezwungen  wurden ,  das  schif 
mit  seilen  auf  ihren  schultern  zu  ziehen  und  zu  bewa- 
chen; dafür  durften  sie  dem  übrigen  volk  näheren  zutritt 
wehren  luid  pfander  nehmen* 

Rodulf  meldet  nicht,  was  zuletzt  aus  der  damals  um- 
gefiihrlen  'lerrea  navis'  wurde  ;  es  genügt  ihm  zu  erzäh- 
len ^  dafs  über  die  verlangte  und  ge weigerte  aufnähme 
Zwietracht  und  händel  ausbrachen,  die  in  offnem  kämpf 
gekühlt  werden  musten.  das  bezeugt  uns  die  lebhafte  theU- 
nahme  der  Zeitgenossen,  wie  sie  für  oder  wider  das  fest 
von  der  weltlichen  oder  geistlichen  parte!  angefacht  wor- 
den war. 

Es  sind  spuren  vorhanden,  dafs  auch  anderwärts  in 
Deutschland  zur  zeit  des  beginnenden  fiaihjalirs  solche 
schiffe  umher  gezogen  wurden,  namentlich  in  Schwaben, 
also  dem  späteren  sitze  jener  Sueven.  ein  ulmer  rathspro- 
tocoll  vom  Nicolausabend  1530  enthält  das  verbot:  *item 
es  sol  sich  nieman  mer  weder  tags  noch  nachts  verbuzen, 
verkleiden,  noch  einig  fafsnachtkleider  anziehen,  ouch  sich 
des  herumjarens  des  pflüg s  und  mit  den  schif en  ent- 
halten, bei  straf  1  gülden'.  *)  Noch  ausgebreiteter  scheint 
die  gewohnheit  des  pfli/gum Ziehens^  die  ursprünglich,  ohne 
zweifei,  zu  ehren  der  gottheit  geschah,  von  welcher  mau 
fruchtbares  jähr  imd  gedeihen  der  üussaat  erwartete.  Enoch 
Wiedemanns  chronik  von  Hof  meldet:  ^^fastnacht  Jährten 
bösebuben  einen  pflüg  herum^  und  spannten  die  mägdlein  dar- 
ein, welche  sich  nicht  mit  geld  lösten ;  andere  folgten  nach, 
säelcn  heckerling  imd  sägcsi)Une'.  **)  Pfeiffer  chrou.  lips.  lib*  2* 
J.  53 :  'mos  erat  antiquilus  Lipsiae,  ut  Uberalibus  (am  Bacchus- 
fest d.i.  fafsnachts)  personali  juvenes  per\icos  oppidi  aratruvi 
circum  ducerent,  puellas  obvias  per  lasciviam  ad  illius  ju- 
giirn  accedere  etiam  repugiiantes  cogerent,  hoc  veluli  ludi- 
cro  poenani  e:xpetente8  ab  iis,  quae  innuptae  ad  eum  usque 

*)  Carl  Jnger  schwab.  stadtewesea  des  Mi.  1,  525. 
•*)  Sachs,  provniz.  bl.  8,  34t. 

11* 


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164  (ISIS)        HOLDA 

diern  mansissent  *)  Von  diesen  und  ähnlichen  umziigcu 
wli'd  im  verfolg  noch  einiges  nähere  milgetheilt  werden, 
hier  wollte  ich  hlofs  zeigen,  wie  das  faliren  des  pßugs  mil 
dem  des  sein f 8  durch  die  landschaft  auf  einer  und  der- 
selben altheidjiischen  idee  zu  berulien  scheine^  die  sich  seit 
Verdrängung  der  götter  durch  das  christenthuni  nut  in  un- 
verständlichen rolksgebräuchen  forterhalten  und  allmälich 
verflüchtigen  konnte :  auf  der  sichtbarwerdung  elnef  wol-^ 
thätigen^  gütigen  gottlieit  beim  Wiederbeginn  des  ackerbaus 
oder  der  scliiffahrt  unter  den  menschen^  die  sich  ihr  alleut* 
halben  mit  freiidenbezeugungen  nahten«  So  müssen  die 
Siieven  zu  Tacitus  zeit  ihre  göttin  durch  umtragung  de« 
scliifs  gefeiert  haben.  Die  nöthigung  der  Jungfrauen  zur 
theilnahme  am  fest  gleicht  dem  zwang;  der  in  Ripuarieu 
den  Webern  augetlian  wurde. 

Nicht  allein  der  Isis  war  bei  den  Griechen  das  scliif 
geweiht,  auch  der  Athene,  in  den  Panathenäen  wurde  ihr 
heiliger  peplos  zu  schif  auf  die  Akropolis  geführt:  da» 
schij  9  an  dessen  niast  er  als  scgel  hieng,  im  Keramikos 
erbaut,  beu^egte  sich  zu  lande  durch  ein  unterirdisclics 
trieb  werk,  erst  zum  tempel  der  Demeter,  um  diesen  her- 
um, am  pelasgischen  vorüber  zum  pylhischen,  zuletzt  nach 
der  biu-g.     das  volk  folgte  in  feierlich  geordnetem  zug.  **) 

Sollte  der  name ,  unter  welchem  die  Sueven  die  von 
Römern  der  Isis  gleichgesetzte  güttin  verehrten,  sollte  nicht 
Wenigstens  eine  ihrer  üebenb6nennimgen  gewesen  sein 
Hohia? 

Dieser  name  hat  rcindculsche  bedeutung  und  noch 
heute  in  lebendiger  volksüberlieferung  festen  grund. 

Holdd  ist  die  freundliche,  mÜde,  gnädige  gcittin  und 
frau,  von  hold  (propitius)  goth.  hulths  (Luc.  18,  13)  altn. 
hollr;  die  goth.  form  würde  Hulthö  lauten.  Ulfilas  ver- 
wendet für  den  entgegengesetzten  begrif  feindseliger,  teuf- 
lischer Wesen  sowol  das  fem.  unhulthb  als  das  masc.  un- 
hultha^  voraus  ich  ein  hultha  neben  hulth6  folgere;  neue 
bestätigung  des  doppelgeschlechts ,  das  in  der  vorstellimg 
dieser  götter  waltet,  gewis  aber  konnten  mehrere  götter 
odör  geister  des  beinamens  theilhaftig  werden.  Notker  im 
Capeila  81  überträgt  verns  geuius  durch  'min  wÄrc  holM* 
auch  in  der  mlid.  spräche  mufs  holde  (fem.  und  masc.) 
für  geisterhaflc  weson    bekannt    und    gebräuchlich  gewesen 

*)  ScheflTer«  Haltans  202. 

••)  Pliilostrat.   de    vitis   sopliisf.  IIb.    2.    c«p.   1.     eJ.    pari.s.    1608 
p.  54i). 


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HOLDA  165 

sein.  Albreclit  von  Halberslacll  iu  seiner  bearbeituug  der 
ovidischen  metatnorphosen  hat  wazzerJiolde  (gen,  -en) 
für  nymplie ,  der  reiin  scliütjste  diese  ausdrücke  in  Wi- 
krams  iimdichtung,  *)  in  der  niederdeutschen  vielfach  er- 
weiternden überlragung  des  narrenschifs  (Narragonia ,  Ro- 
stok  1519.  96*)  findet  sicli  folgende  dem  hochd<  text  man- 
gelnde stelle:  *manuich  narre  luvet  an  vogelgesclirei  und 
an  der  giiden  hollen  (bonorum  geniorum)  gunst.'  Häu- 
figer begegnet  das  mhd.  unholde  (fem.)  nlid.  unhold 
(inasc)  im  sinn  eines  bösartigenj  finsteren,  jedoch  gewalti- 
gen Wesens. 

Das  älteste  zeugnis  für  den  bestimmteren  gebrauch  des 
namens  Ilolda  gewährt  mir  Biurchard  von  Worms  (aj^- 
hang  xxxvi);  die  merkwürdige  Variante  unholda  ist  aus 
dem  cod.  vindob.  univ.  633  geschöpft,  Burchard  hat  hier 
das  deutsche  wort  an  die  stelle  der  Diana  ^  Paganorum 
dea,  gesetzt,  die  sonst  gewöhnlich  in  gleichem  sinn  und  in 
der  nemlichen  Verbindung  genannt  w^ird  (vgl.  xxxiv.) 

Volkssagen  imd  märchen  lassen  frau  Holda  (Hul- 
da,  HoUe,  Hülle,  frau  Hol!)  als  ein  höheres  wesen  auftre- 
ten, das  den  menschen  freundliche,  hilfreiche  gesinnung 
beweist,  und  nur  dann  zürnt,  wenn  es  imorduung  im  haus- 
hält wahrnimmt,  diese  überliefer imgen  scheinen  unter  kei- 
nem deutschen  stamm  so  verbreitet  als  unter  Hessen  und 
ITiüringern,  (auch  der  wormser  bischof  w  ar  gebürtig  aus 
Hessen.)  indessen  komml  frau  Holle  vor  bis  ins  Voigt- 
laud,**)  über  die  Rhön  hinaus  im  nördlichen  Franken,***) 
in  der  VS  etterau  bis  ziun  Westerwald  •}•)  und  aus  Thü- 
ringen her  in  das  angrenzende  Niedersadisen.  Schwaben, 
Schweiz,  Baiern,  Ostreich,  Nordsachseu,  Friesland  kennt 
sie  nicht. 

Aus  dem,  was  uns  die  tradition  nochbcwalu*l  hat -ff), 
ergeben  sich  folgende  zügc. 

Frau  Holle  wiid  als  ein  himmlisches^  die  erde  um- 
spannendes  w^esen  vorgestellt:  wenn  es  schneit,  so  macht 
sie  ihr  bett,  dessen  federn  fliegen.  "H~l*).  die  vergleichung 
der  Schneeflocken    und   federn  ist  uralt,   die  Sc)1Lhen    er- 


*)  Frankf.  1631.  4«  171a  von  einer  wazzertiolden :  soldeu;    176« 
»ftzzerilolde :   sotde« 

*')  Jttl.  Schmidt  UeicIieiifelA  p.  152. 

'*')  Reiiiwald  tieniieb.  id.  1,  68.  2,  62.     Sdiitieller  2,  174. 
i)  Schmidt  westerwätd.  idiot.  73.  341. 

tt)  Winderni.  uo.  24.    deutsche  sagen  no.  4—8.     Fulkeiislelus  .thiir. 
clironica   1,  165.  166. 
ttt)  ff»M  Holle  »chQttelt  ihr  bett.     modcjouru.  1B16,  2H3. 


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}m  HOLDA 

klJirlen  die  nordliclie  weltgegend,   weil  eie  mit  federn  an- 
gefüllt sei,   für  unnAlibar,  (Herod,  4,  7  vgl.  31.) 

Sie  liebt  den    aufeutlialt   in  see   und    brunneni     zur 
miltagsstunde  sieht  man  sie,  als  scliüne  weifse  fraa,  in  der 
flut  baden  und  verschwinden,     sterbliche  gelangen   durch* 
den  bruimen  in  ilire  Wohnung,    vgl,  die  benennung   waz^ 
zerholde.  *) 

Auch  das  sllmnvt  zu  der  Nerlhus,  dafs  sie  auf  einem 
ivagen  einherfährt,  sie  liefs  ihn  von  einem  bauer,  der 
ihr  begegnete,  verkeilen,  die  aufgeraflen  späne  waren  gold**). 
ilir  jährlicher  umzug  bringt  dem  lande  fruchtbarheit, 
nicht  anders  scheint  Derk  mit  dcM  eher,  jener  niederlanr 
dische  Freyr  (s,  139)  umzuziehen  imd  nach  den  pflü- 
gen zu  schauen.  Gleich  Wuotan  fahrt  Ilolda  aber  auch 
schreckenhaft  durch  die  lüfte  und  gehört,  wie  der  gott, 
zu  dem  wütenden  beer,  daraus  folgt  die  einbildung,  dafs 
hexen  in  Hollas  gesellschaft  fahren;  schon  Biuxhard  weil's 
es,  und  noch  ist  Hollejahren  in  Oberhessen  gleichbedeu^ 
tig  mit  hexenfahrt,  *^*) 

Hieran  knüpft  sich,  dafs  sie,  statt  der  göttlichen  ge- 
»talt,  das  aussehen  einer  häjslichen^  langnaaigen,  grofs- 
zahnigen  alten,  mit  strupi>igem,  eng\  erworrenen  haar  an- 
nimmt« ^er  ist  mit  der  Holle  gefahren'  heifst  es  Von  ei- 
nem, dessen  haare  sich  imordentlich  wütcu  und  sträuben, 
und  80  werden  die  hinder  mit  ihr  geschreckt,  ilir  ge-t- 
folge  ist  niclit  weniger  greulich. -J-) 

IJolla  wird  fei-ner  als  spinnende  frau  dargestellt,  der 
flachsbau  ist  ilu*  angelegen,  fleiisigen  dirnen  schenkt  sie 
spindein  und  spinnt  ilmen  nachts  die  spule  voll;  faulen 
Spinnerinnen  ziindet  sie  den  rocken  an  o^qt  besudelt  um.  -J-f) 

•)  wenn  der  naine  brunnenhold  im  märchenbnch  von  Alb,  Lndw. 
Grimm  1,  221  echt  und  überliefert  ist,  so  bezeichnet  er  ^ea  bnu- 
neogeist. 

*')  ähnliche  sage  bei  Jul.  Schmidt  Reichenfels  p.  152. 
•••)  Estors  oberh.  idiot.  s.  v. 

f)  Erasm.  Alberus  fabel  16 :  'es  Icamen  auch  zu  diesem  heer  viel 
weibür,  die  sich  forchten  sehr>  und  trugen  sicheln  in  der  band,  frau^ 
Hulda  bat  sie  ausgesandt.*  Luthers  auslegung  der  episteln,  Basel 
1522  fol,  69*:  'hie  iiMi  fraw  UuUle  herfur  mit  d^r  potznasen^  die 
natur,  und  darf  irem  got  widerpelleu  und  in  iugeii  strafen,  hengt  urab 
sich  iren  alten  trewdeimarl£t,  den  stroharnfs  (strohharniscb)  —  hebt 
an  und  scharret  daher  mit  irer  geigen,"^  er  vergleicht  hier  die  gott 
\nderspenstige  uatur  der  heidnischen  Hulda  mit  der  ttirchterlichen  nase 
(Oberliu  s.  v,  pot^männchen) ,  wie  sie  i^  stroh  und  trödellumpeu  ver- 
mummt unter  geigenspiel- auftritt. 

ff)  cod.  pal.  355l> :  'ich  wen,  kain  schusel  (scheusal)  in  kaim  rocken 
wart  nie  als  hefslich  als  du  bist' 


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ÜOLDA  1G7 

dein  mäJcliei).  Jessen  spincicl  in  ihren  brunneu  fiel,  loluite 
sie  durch  begabnng.  wenn  sie  weiJi nachten  im  laud  ein- 
zieht^ werden  alle  Spinnrocken  reichlich  angelegt  ynd  für 
sie  stehen  gelassen;  fastuaclils  aber,  wenn  sie  lieimkehrt, 
imifs  alles  abgesponnen  sein,  die  rochen  stehen  dann  vor 
ihr  versteckt  (abergl,  6S3);  tiift  sie  alles  au,  wie  es  sich 
gehört,  $0  spricjit  sie  ihren  segen  aus,  im  gegen ihcil  ihren 
Buch,  die  formein  'so  manches  haai',  so  manches  gute  jähr!' 
*so  manches  haar,  so  manches  böse  jähr!'  klingen  aller- 
thümiich.  Verwechselung  scheint,  wenn  auch  er/ählt  wird, 
in  den  zwülfuachten  dürfe  kein  llachs  auf  der  die/se  blei- 
ben, ^onsl  konune  frau  Holla^  *)  das  verstecken  des  ar- 
beilsgeriithes  deutet  zugleich  auf  die  heiligkeit  ihres  feier- 
tages,  an  dem  gerastet  werden  soll,  den  ^samstag  der 
HullcC  wird  auf  der  Rhön  keine  läudliche  arbeit  verrich- 
tet, weder  gekehrt,  noch  gemistet,  nocji  zu  acker  gefah- 
ren, auch  im  Norden  soll  sich  von  jullag  bis  zu  neujalir 
weder  rad  noch  winde  drehen  (dän.  abergl.  no.  134.) 

Diese  Oberaufsicht  über  den  feldbau  und  die  etienge 
Ordnung  ini  hanshall  bezeichnet  ganz  da»  amt  eiuer  mili- 
terliclien  gotlheit^  wie  wir  sie  m  der  Nerlhus  und  Isis 
kennen  gelernt  haben.  Ihre  besondere  sorge  für  flachs 
und  spinnen  (das  wesentliche  geschaGt  deutscher  haus- 
fraueu ,  die  nach  splndel  und  kunkel  benannt  werden  **), 
wie  nach  Speer  und  schwert  die  mtinner)  führt  aber  un- 
niiUelbar  auf  die  alln.  Frigg^  Odhins  gemahlin,  deren  We- 
sen in  den  begrif  einer  erdgütlin  übergehl  und  nach  der 
ein  geslirn  des  himqiels,  Orions  gürtel:  Friggjar  roclr 
(Friggr^e  colus)  benannt  ist.  ?$war  gewälu^en  isländische  denk- 
niäler  iliesen  namen  nicht,  unter  dem  schwedischen  laud- 
volk  ist  er  im  gebrauch  geblieben  (Ihre  s.  v.  Friggeroct.) 
das  geslirn  heifst  aber  auch  Alariäroci ,  diin.  Marirok 
(Magnussen  gloss,  361.  37fi),  weil  die  Chrislen  den  alleu 
uanien  auf  Maria,  die  hinunlische  multer,  anwandten. 

Man  konnte  versucht  sein,  frau  Holda  aus  einer  ge- 
stalt  des  allen  teslamenls  herzuleiten.  II  Reg.  22,  14  und 
II  Paralip.  34,  22  ist  die  rede  von  einer  Wahrsagerin  ni^n 
Chuledda,  Chulda ,  wofür  Luther  Hulda  setzt;  die  LaX 
haben  'OA*«,  die  vulg.  Olda,  die  lat.  bibcl  yjteb..l521» 
nml  wahrscheinlich  andere  spätere  ITuhla,  mit  rücksicht 
auf  Luthern,  der  die  deutsche  *frau'  Holda  im  sinn  habend 


•)  hrauiiscliw.  anz,  17G0  no.  86.     diefse  \»i  der  eiiigebuuHiie  (luchs 
9m  rucken,     hrem.  wb.  5,  2H4. 
••)  RA.   163.  16».  470. 


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168  HOLDA 

die  jüdische  prophctin  popularisiert,  mehrmals  in  seiDen 
schrideu  gedenkt  er  des  heidnischen  wesens,  eine  stelle  ist 
vorhin  s.  166  aogezogen.  Ich  weifs  nicht,  ob  schon  andere 
vor  ilim  beide  namen  verglichen  haben,  sicher  aber  ist  die 
Vorstellung  von  frau  Holda  nicht  erst  aus  der  ganz  unbe- 
deutsam auftretenden  Olda  der  vulgata  geschöpft,  wie  die 
tiefere  wurzelung  jenes  namens  in  unserer  spräche,  seine 
allgemeine  beziehuug  auf  verschiedenartige  geister  imd  die 
uralte  negadou  unliolda  zeigen. 

Auch  um  der  Verwandtschaft  nordischer  Überlieferun- 
gen willen  w^ürde  man  jenen  gedanken  fahren  lassen, 
zwar  kennt  die  eddische  götterlehre  keine,  unserer  Holda 
entsprechende,  Holla;  allein  Snorri  (Yngl.  saga  c.  16.  17) 
gedenkt  einer  zauberin  (völva,  seidkona)  namens  Huldr^ 
und  eine  spätere  im  14  jh.  abgefafste  isl.  sage  erzählt  lun- 
ständlich  von  dem  zauberweib  Hulda^  Odins  geliebten,  und 
der  bekannten  halbgöttinnen  Thorgerdr  und  Yrpa  mutter.  *) 
Noch  wichtiger  scheinen  norwegische  und  dänische  volks- 
sagen  von  einer  berg-  oder  waldfrau  Hulla^  Huldray 
Huldre,  die  sie  bald  jung  imd  schön,  bald  alt  und  finster 
darstellen,  in  blauem  kleid  und  weifsem  Schleier  nalit  sie 
sich  den  Weideplätzen  der  hirten  und  dem  tanz  der  men- 
schen, an  dem  sie  flieil  nimmt  5  ilire  gestalt  wird  aber  durch 
einen  schwänz  entstellt,  den  sie  sorgsam  zu  verbergen 
trachtet,  nach  einigen  ist  sie  von  vornen  schön,  von  hin^ 
ten  liäfslich.  sie  liebt  musik  und  gesang,  ihr  lied  hat 
traurige  weise  und  heilst  huldreslaat,  in  den  vväldern 
sieht  man  Huldra  als  graugekleidete  alte  frau,  au  der 
spitze  ihrer  heerde,  den  meÖteimer  in  der  band,  eioher- 
ziehcn.  sie  soll  den  menschen  ungetaufte  kinder  fort- 
tragen, oft  erscheint  sie  nicht  allein,  sondern  als  herrin 
oder  könig^n  der  berggeister,  vrelche' huldrejolh  genannt 
we;:Jeu.**)  auch  auf  Island  weifs  man  von  diesem  Hui-* 
ditfolk^  von  den  Huldumerin  ^  und  hier  zeigt  sich  von 
neuem  die  berührung  mit  dem  deulsclien  Volksglauben,  der 
neben  der  frau  Holde  zugleich  holden  ,  d.  h.  freundhche 
geisler,  ein  stilles  uuterirdisclies  \olk  annimmt,  dessen 
filrstin  gleichsam  frau  Holde  ist.  Aus  diesem  grund  scliou 
wild  es  richliger  seiu,  die  nord.  beueunung  HuUa^  Hui- 


•)  Mullers  sagabibl.  1,  303^366. 

")  nälterc  nugabeu  findet  mau  in  Müllern  nagab.  1,867.  368.  HbI- 
lagei  p.  48.  Faxe  p.  39—43.  p.  10.  15.  2o.  26.  36.  Frigge,  n>t- 
HHisgave  lor  IKI3  p.  8.%.  StrOui»  Soiidmöf  1,  o38— 59.  ViU»e»  8pj- 
Hcberg  2,   411).     MiU«  iSilUjord  p.  250. 


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PBRAUTA  169 

ilra  aus  dem  altu.  ad},  holli'  (fidus,  fidells;  propiiius),  das 
dän»  und  scliwed,  huld  lautet,  zu  erklaren,  iiiclit  aus  dem 
altn.  hulJa  (obscurilas)  mit  bezieliung  auf  die  Avolinung 
der  berggeister  unter  der  erde,  walirscliciulicli  kam  der 
ausdi*uck  huldufulk  erst  aus  der  dänischen  oder  norwegi-^ 
sehen  spräche  in  die  isländische.  Schwerer  zu  deuten  ist 
das  in  den  formen  JJuldra,  Huldre  eingeschaltete  R  j 
sohle  es  aus  der  pluralform  hulder  (boni  genil,  Ijoller  yaet- 
tir)  herrühren?    oder  aus  einer  Zusammensetzung? 

Die  deutsche  Holda  steht  demjspinnen  und  ackerbau 
vor,  die  nordische  Bulla  der  Viehweide  und  dem  melken. 

Ein  ähnliches  wesen,  wie  Holda,  oder  ganz  dasselbe, 
imter  vei-schiedner  benennung,  erscheint  gerade  in  den 
oberdeutschen  gegenden,  wo  jene  aufhört^  in  Schwaben,  im 
Elsafs,.  in  der  Schweiz,  in  Baiern  und  Osterreich.  *)  es 
keifst  frau  ßerchte,  d.  i.  ahd.  Perahta,  die  leuchtende, 
glänzende,  hehre;  schon  dem  sinn  des  Wortes  nach  eine 
gütige,  freudebringende,  aber  nur  seilen  wird  sie  noch  so 
vorgestellt,  gewöhnlich  ist  die  grauenhafte  seite  liervorge- 
Loben,  sie  tritt  ab  ein  fürchterliclies,  hinderschrei  iende^ 
Scheusal  auf.  in  den  erzählungen  von  frau  Jierchta 
herrscht  die  büse  bedeulung  vor,  wie  in  denen  von  frau 
Holda  die  gute,  d.  h.  durch  die  christliche  volksaiisicht- ist 
Berchta  tiefer  als  Holda  herabgewürdigt. 

Ihre  Identität  ergibt  sich  am  deutlichsten  daraus,  dafs 
beide  zu  gleicher  zeit,  in  den  zwölften,  zwischen  Weih- 
nachten und  neujahr,  ihren  Umgang  halten,  docli  ist  für 
Berchta  ein  eigenthümlicher  tag  am  scldufs  dieser  periode 
bestimmt  worden,  den  ich  nie  nach  frau  Holda  benannt 
finde,     nicht  weniger  gleichen   sich  ihre  Verrichtungen. 

Berchta  führt,  wie  Holda,  aufsieht  über  die  spin-' 
nerinnen,  was  sie  am  letzten  tag  des  jahrs  uuabgesponuen 
findet,  verdirbt  sie  (abergl.  512.)  ihr  fest  muls  durch  eine 
allhergebrachte  speise  begangen  werden,  brei  und  fische. 
Thdrr  sagt  (Sseni.  75*),  dafs  er  ^sÜdr  ok  hafra'*  (heringo 
und  haber)  zu  nacht  gegessen  habe ;  die  weifse  Jrau  hat 
dem  landvolk  auf  ewige  zeiten  ein  gericht  ^«cAf^  luid  lui- 
hergrUtze  verordnet,  sie  züi^nt,  wenn  es  einmal  unter- 
Weibt  (deutsche  sagen  no.  267.)  den  letzten  lag  im  jähr 
bescidieisen  ^ie  Thüringer  im  Saalfeldischeu  mit  knd'd^l 
nui  herinnen,  fische  und  mehlspeise  galt  den  Christen  ge- 
zicüieud  für  die  faste.  **) 

*)  eio  tlieil  vou  Franken  und  Tliuringen  keuut  Berchta  uud  llolda ; 
weaiüüteuA  bt  hier  die  greuze  zwisclieu  beiden. 

**)  Q&ch   den  brauuhcliw.  auz.   1760  ]>.    1392  liolleu,    wenn   frau 


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170  PBRAHTA 

Seltsam  und  alteilln'imlich  klingt  tlie  räche  der  zürnen« 
den  Berchtay  wenn  lisclie  und  kiöfee  fclileu;  sie  schneidet 
dein  der  andere  speise  an  ilirem  tag  zu  sich  genommen  hat, 
den  leib  auf^  füllt  ihn  mit  heckerling  und  naht  mit  einer 
pßugscJutr  statt  der  nadel,  mit  einer  eiseniette  statt  des 
z>viru8  den  sclmitt  am  bauch  zu  (abcrgl.  525.)  *)  damit 
wird  auch  in  andern  ge^eudeu  gedroht,  im  gebirge  um 
Traunsteiu  sagt  man  den  kindcrn  am  Vorabend  epiphaniae, 
wenn  sie  bös  seien,  werde  die  Berche  kommen  und  ihnen 
den  bauch  aufschneiden,  an  diesem  tage  werden  fette  iu^ 
chen  gebacken  und  bei  den  knechten  heifst  es,  damit  müsse 
pian  sich  den  bauch  schmieren ,  dann  werde  Jrau  Berche 
mit  dem  niesser  abglitschen  (Selon,  1,  194,^  Vielleicht 
führt  sie  darum  den  uamcn  der  wilden  oder  eisernen 
Bert  ha  ?  Crusius  ann.  suev,  p.  2.  lib.  8.  cap.  7,  p,  266  er- 
zählt als  seine  vernuitung  über  des  namens  urspnmg,  Hein- 
rich 4  habe  der  Stadt  Padua  freiheiten  verliehen :  inde  in 
sigua  libertatis  armato  carrocio  uti  coeperuiU  in  hello  Ber^ 
tlia  nominato«  liiiic  dictum  hoc  ortum  puto,  quo  terrenlur 
iuqiüeti  pueri:  ^schweig,  oder  die  eiserne  Bcr/Äa kommt!'**) 
$m  andern  fränkischen  und  schwäbischen  orten  lififst  sie 
Hildaherta  (etwa  Verbindung  der  beiden  uamen  Holda  und 
ßcpta?)  oAqt  Bildaberta;  in  zottigem  haar  geht  sie  nachts 
um  die  hUuscr  und  zerreifst  böse  hüben,  ***) 

Frau  Precht  mit  der  langen  nas  wird  sie  von 
Vintler  genannt  (anhang  ui)  und  schon  ein  mhd.  gedieht, 
das  in  einer  hs.  überscjirieben  ist  'da:^  ma^^re  vqu  der  Stem- 


Holla  iu  den  12  nachten  nmgeht,  keine  hülsen  fruchte  genossen  wer- 
den, entw.  misverstanden,  oder  auf  bestimmte  hulsenfruchteznbezielieii. 
•)  im  Vüigtland  wird  fast  da8:»elbe  erzahlt  .von  der  Werre  oder 
fraa  Holle,  die  Iferre  hält  am  heiligen  abende  des  hohen  neuen  Jah- 
res genaue  revision,  ob  auch  alle  rocken  ahgesjtoniien  sind;  wo  « 
iiiclit  der  fall  ist,  Teranreint  sie  den  flachs,  auch  mufs  an  diesen 
abende  polse  ^  ein  aus  mehl  und  wasser  ei^en  bereiteter  dicker  brei 
genossen  werden;  wer  es  unterläfst,  dem  reifst  sie  den  leib  auf*  Jul. 
Schmidt  Reicheufels  p.  152.  Den  namen  tVerra  (von  den  gewirrten, 
sträubenden  liaarenV)  lehrt  schon  Thom.  Reinesius  lect.  var.  Altenb. 
1640  p.  579  (in  den  critischen  nnmerknngen  zu  Rhyakimis,  d.  i.  Audr. 
Rivinus  oder  Uachmann,  über  Kiranidum  Kirani.  Lips.  163B):  'no- 
jstrates  iiodieque  petulantioril>us  et  refractariis  manducum  aliquem  cnm 
ore  hiante  Irendeuteni  dentibus,  aut  fiiribundaro  silvescente  coma,  fe- 
qie  lurida,  et  cetero  habilu  terribilem  cum  romitatu  maenadura  U  ^r- 
rani  interminantur.'  Reinesius  war  aus  Gotha  (geb.  1587  f  1667), 
leble  aber  zu  Hof  im  Voi<(t1and. 

**)  v*(i.  Cruftius  p.  1.  lib,  12.  cap.  6.  p.  329 1  wo  er  an  pertiia, 
Carix  uiutter,  denkt. 

*'*)  Joacii.  Cnmerarius  chrouol.  Nicephori  p.  \%9, 


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PERAHTA  171 

i)cn',  lieifst  ia  einer  andern  ^von  Berchten  ?nit  der  lan-- 
gen  nas^  *)  was  daraus  hierher  geliört  vermag  ich  nur 
üadi  jeuer  (in  berichtigter  Schreibung)  mltzutlieiieu. 

jiu  merket  reht  waz  ich  iu  sage: 

nach  ^Y?hennaht  am  zwelften  tage, 

nach  dem  heiigen  ebemvthe  **) 

(gotgeb,  daz  er  uns  wol  gedüie) 

dd  man  czzen  solt  ze  nahte, 

vind  man  ze  tische  brähte 

allez  daz  man  ezzen  solde, 

swaz  der  wirt  geben  wolde, 

do  sprach  er  zcm  gesinde 

und  zuo  stn   selbes  kinde : 

^ezzet  litnte  fast  durch  min  bete, 

daz  iucli  diu  Stempe  niht  entrete! 

daz  kinlUn  do  von  forhten  az, 

ez  sprach  ^veterltn,  waz  ist  daz, 

daz  du  die  Stempen  nennest;* 

sag  mir,  ob  dus  erkennest.' 

der  vater  sprach:    ^daz  sag  ich  dh^, 

du  solt  ez  wol  gelouben  rair, 

ez  ist  so  griuwelich  getdn, 

daz  ich  dh'z  niht  gesagen  kani 

wan  swer  des  vergizzet, 

daz  er  niht  fast  izzet^ 

Af  den  humt  ez  und  trit  in} 
auch  liier  w^erden  kinder  und  knechte  vom  hauswirt  er-r 
mahnt,  die  aufgetragnen  gerichte  rein  zu  verzehren  imd 
mit  der  Stempe  tritten  bedroht,  von  dem  stampfen  (drü-^ 
cken,  treten,  ital,  stampare)  mufs  dieser  beiname  der 
Berchte  entsprungen  sein;  vielleiclit  ist  Stempje  zu  lesen« 
Im  salzbiirgischen  gebirg  wird  noch  bis  auf  heute  der 
frirchterlichen  Perchtel  zu  ehren  das  sogenannte  Perch^ 
tenlaufeuy  Perchtenspringen  zur  zeit  der  rauchflächte 
gcliaUcn.  im  Pinzgau  ziehen  dann  100 — 300  bursche  (sie 
iieifsen  die  Berchten)  bei  hellem  tag  in  seltsamster  ver«p 
mummung  mit  kuhglocken  und  knallcyidon  peitschen  be- 
^vafnet  umher.***)  im  Gastein  er  tlial  geht  der  zug,  den  rü- 
stige bursche  zu  50,  100  bis  300  anführen,  von  ort  zu 
ort,  von  haus  zu  haus,  durch  das  ganze  thal,  hüpfend  uud 


*)  V.  der  Hagens  grundrifs  p.  822.  329. 

**)  ebenweihtsg,    gleictibeilger    tag»   neujahr.     Schefie»  Haltaus 
p.  6a 

***)  reUe  durcli  OberdeutichU  p.  243.   Scbm.  1,  195. 


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172  PERAHTA 

spriageud.  *)  In  der  uördlichen  Schweiz,  wo  neben 
Berchtli  auch  die  weichere  form  ßechllij  Bechteli**) 
vorkommt,  ist  Bechtelistag  der  zweite,  oder  wenn  nen- 
jahr  auf  einen  Sonnabend  faUt,  der  ^dritte  jan.,  und  er  wird 
von  den  jungen  leuten  durchgeh^nds  in  gesellschaftlicher 
lustbarkeit  gefeiert,  man  nennt  es  her  cht  ein  j  bechteln, 
noch  im  16  jh.  herschte  zu  Zürich  der  gebrauch^  neujalirs 
einander  aufzufangen  und  zum  weingelien  zu  nüthigcn: 
das  hiefs  *'z\xvci Berchtold  führen,***)  Vielleicht  dafs  man 
sich  auch  einen  männlichen  Bercht  oder  Berchtolt  dach- 
te, woraus  dann  in  Schwaben  wieder  eine  Brecht  öl  terin^ 
Prechtölterin  wurde,  f)  Im  Elsafs  galt  das  hechten: 
knaben  und  handwerksgesellen  liefen  zur  weilmachts^eit 
$ius  einem  haus,  aus  einer  Stube  in  die  andere  und  lerm* 
ten.  ff)  Cunrat  von  Dankrozheim,  ein  elsässischer  dichter, 
in  seinem  1435  verfafsten  namenbuch :  ff f ) 
darnauch  so  komet  die  milte  Behte, 
die  noch  hat  gar  ein  grofs  gesiebte, 
er  nennt  sie  die  milde ,  den  menschen  gütige ,  vielver- 
ehrte, nicht  die  schreckliche. 

Als  ein  gutes,  günstiges  wesen  erscheint  sie  noch  in 
manchen  andern,  gewis  hoch  in  das  mittelalter  hinaufrei- 
chenden Vorstellungen,  die  weifae  fr  au  ist  ihr  schon  dem 
namen  nach  völlig  gleichbedeutig,  denn  peralit,  berht  di-ückt 
aus  glänzend,  leuchtend,  weil's.  diese  weU'se  frau  pflegt 
zwar  an  bestimmte  geschlechter  geknüpft  zu  werden,  aber 
^len  namen  Berta  fortzuführen,  z.  b.  Berta  von  Rosen« 
berg.  schneeweifs  gekleidet  zeigt  Aq  sich  nachts  in  fürst- 
lichen häusern,  wiegt  und  trägt  die  kinder,  wenn  die  am- 
men  scldafen:  sie  tritt  auf  als  alle  alminutter  des  ge- 
sclilechts. 

Es  hat  vieles  für  sich,  dafs  einige  in  unsern  Überlie- 
ferungen berühmte  frauen  dipscs  namens  mit  der  geister- 
hafteft  Berhta  zusammenhängen:  sie  sind  aus  der  götter- 
sage  in  die  heldensage  aufgenommen  worden.  Eine  weit 
zurückliegende  Vergangenheit  pflegt  mau  in  Italien  und 
Frankreich  durch  die  redenßart  zu  bezeichnen:  *nel  tempo 
ove  Berta  Jilat^a\  ^au  tems  que  la  reine  Berthe  filait  \ 
CS    ist  wieder   die  Vorstellung   der  spinnenden  hausmutter, 


*)  Muchar  Gaätein  p,  145.  147. 
*•)  wie  sonst  für  Berclitiuig  Bechtujtg, 
•••)  Stahl.  1,  150.  156. 
f)  Sclimid  scliwab.  wb.  93. 
f-f>  stellen  bei  Oberüii  s.  v.  Beeilten. 
fft)  Ad.  Walt.  Strubel»  beitr.  Strasb.  1827  p.  128. 


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PERAHTA  173 

Bertay  des  kütiigs  Blume  und  der  Weifsblume  tochter, 
liernach  gcmahlin  Pippins,  und  muMer  des  grofsen  beiden 
Carl ,  verleugnet  ibren  mylbiscbeu  Ursprung  uicbt.  sie 
heifst  ^Berhte  mit  dorn  fuoze*  Flore  309,  Berthe  au 
grand  pied ;  nacb  den  Real!  di  Franza  6,  1:  ^Berta  det 
gran  pie ,  percbe  ella  aveva  un  pie  im  poco  maggior  dell 
altro^  e  queUo  era  il  pie  destro,'  Adenez,  der  franz.  dich- 
ter,, scbeint  diese  misgestalt  absicbtlich  zu  mildern,  indem 
er  ibr  beide  füfse  gröfser  beilegt,  sie  ist  ibm  ^Berte  as 
grans  pies*  (Paris  ausg.  LH.  78,  104.)  aber  der  eine 
grofsfuCs  ist  echter  imd  gebt  aus  weit  älterer  Überlieferung 
hervor  von  einer  'reine  Pedauque*^  'regina  pede  aucae\ 
deren  bild  an  alten  kircben  in  stein  gehauen  stebt«  *)  es  scheint 
der  fufs  einer  schwanjungjrau  ^  den  sie  (wie  Huldra  den 
schwänz,  der  teufel  den  pfei'dfufs)  zum  zeichen  ilirer  höhe- 
ren natur  nicht  ablegen  kann«  Hätten  wir  in  Deutschland 
ältere,  genauere  bescibreibungen  von  ^frau  Berhta\  viel- 
leicht würde  dann  auch  dieses  fuXses  erwähnt. 

Es  ist  jet2t  noch  übrig  Ibr  näheres  Verhältnis  zu  ei- 
nem bestimmten  jahrstag  auseinander  zu  setzen.  Die  christ- 
licbe  kirche  feiert  dreizehn  tage  nach  Weihnachten,  also 
am  6  Jan.  das  fest  der  erscheinung  Christi  unter  dem  na- 
men  epiphania^  oder  theophania  (altfranz,  tiephaine,  ti- 
phagne.)  in  einer  ahd.  glosse  (emm.  394)  wird  theopha- 
nia gegeben  giperahta  naht,  die  leuchtende  nadit,  von  der 
himmlischen  erscheinung,  die  den  hirten  auf  dem  felde 
widerfuhr.  **)  Urkunden  des  MA.  datieren  mit  der  dativ- 
form: perchtentag,  perhtönnaht  (zi  demo  peralitin  taga,  zi 
dem  perahtün  naht);  diese  und  andere  verkürzte  formen 
belegt  Scheffers  Haltaus  p.  75  und  Schm.  1,  194.  hieraus 
konnte  sich  nun  ganz  leicht  die  personification  Perchten- 
tac,  Perchtennaht f  d.  h.  der  tag,  die  nacht  der  frau 
Perchte  entwickeln.  Conrad  von  Dankrotsheim  p.  123 
setzt  die  mute  Behte  auf  den  30  dec,  ***)  acht  tage  früher. 

Zwei  annahmen  bieten  sich  dar.  entw.  hat  sich  das 
fabelhafte  wesen  einer  Perhta  überhaupt  erst  zufällig  und 
durch  misverstand  aus  dieser  personification  ergeben,  oder 
die  analogie  des  leuchtenden  tages  ist  an  die  früher  vor- 
handne  Perhta  geknüpft  worden.  Frau  Perhta  läfst  sich 
freilich  erst  aus  dem  15  oder  14,    höchstens  dem    13    jh.. 


*)  Aw.  3,  4T.  48;   auch  Paria  verbindet  die  P^dauqae  mit  Berte 
(III.  IV.  198.) 

••)  Luc.  2,  9.   O.  I.  12,  3.  4.     H^l.  12,  8.    Maria  182. 
***)  28  dec.  nnacliuldige  kiuder,  29  dec.  Thomas,  31  dec.  Silvester. 


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174  (HBRODIAS) 

hacW eisen ;  aber  jene  Vermutung  würde  selbst  Jann  nicLl 
zu  weichen  braueben,  wenn  es  gelänge,  den  persönlicLen 
nameu  in  noch  altern  dcnkmalern  aufKUspüren.  auch  im 
9  jlu  könnte  aus  der  formel  pcrahtAn  naht  geworden  sein 
PerahtAu  naht*  Indessen  scheinen  'mir  die  beigebrachleu 
eigenheiten  einer  mythischen  Berta,  und  noch  mehr  ihre 
Identität  mit  Holda  für  den  andern  fall  zu  entscheiden, 
gab  es,  unabhängig  vom  christlichen  calender,  eine  llolda, 
so  wird  auch  die  Perahta  nicht  erst  aus  ihm  hervorgegan- 
gen sein;  vieimelu*  fülu-en  beide  adjectivische  benennungeo 
auf  eine  heidnische  gotthcit. 

Sehr  merkwürdig,  dafs  auch  den  Italienern  eine  unge- 
stalte,  kindersclu'eckcnde  fee  Befana  aus  epiphania  (befa* 
nia)  entsprang:  an  diesem  tage  setzen  frauen  und  kiuder 
eine  von  allen  lumpen  gemachte  puppe  ans  fenster:  sie  ist 
schwarz  und  häfslich  und  bringt  geschenke.  nach  einigen 
ist  sie  des  Herodes  tocJUer."^)  Berni  sagt:  *il  di  di  Be- 
fania  vo  porla  per  Befana  alla  feneslra ,  perche  qualain 
le  dia  d'una  balleslra',  **)  es  wäie  doch  seltsam,  wenn 
zweimal^  unter  verschiednen  Völkern,  ein  name  des  calen- 
ders  die  crfindiuig  eines  übernatürlichen  wesens  veranlafsl 
hätte ;  wahrscheinlicher  ist,  dafs  sich  in  Italien  wie  bei  uns 
ältere  Volksüberlieferungen  mit  jener  christlichen  benen- 
nung  zu  verschmelzen  suchten. 

Herodias,  an  die  uns  eben  Befana  gemahnte,  soll  das 
noch  mehr  erläutern,  die  erzalilung  von  Herodes  tochter, 
durch  deren  tanz  Johannes  des  täufers  enlhauptimg  her- 
beigeführt wiu*de,  mufs  in  der  früheren  zeit  des  ]MA.  ei- 
nen besonders  tiefen  eindruck  erzeugt ,  und  sich  auf  meJir 
als  eine  weise  mit  fabeln  gemischt  haben,  geistliche  dichter 
behandeln  diesen  gegenständ  ausführlich  und  mit  Vorliebe 
(Hol.  83^85),  Otfried  scheint  ihn  absichtlich  auszulassen« 
Man  wälmte,  ilirer  mehr  leichtsinnigen  als  boshaften  hand- 
lung  wegen  (denn  der  gedaiike  gieng  von  der  rachsüchtigen 
mutteraus),  sei  //erocZ/a«  (die  tochter)  vei-wünscht  worden,  in 
gesellschaft  der  bösen  und  teuflischen  geisler  umzuwandern, 
sie  wird  an  die  spitze  des  wütenden  heers  oder  der 
nächtlichen  hexenfahrten  gestellt,  neben  die  heidnische 
Diana,  neben  Holda  und  Perahta,  oder  an  deren  platz, 
im  anhaug  s.  xxxiv.  xlu.  lu  sind  stellen  angefülu-t,  wel- 
che  diesen  Volksglauben  erweisen  j    es   gibt  aber  noch  an- 


*)  Rankes  tiist.  seitsclirifl  1,  717. 
**)  Franc.  Berni  rime  103.    CruscA  s.  v.  befana. 


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(HERODIAS)  175 

dere  ausdrücklichere.  Johannes  sarisberiensis  (-}•  1182) 
im  polycr.  2,  17:  quäle  est,  qiiod  nocliliicam  quaiidam, 
vel  Herodiaderriy  vel  praesidem  noctis  doininam  concilia 
et  coaventus  de  nocte  asserunt  convocare^  varia  celcbrari 
convivia  etc.  Augerius,  episcopus  conscranus  (a.  1280): 
tiidla  mulier  de  nocturnis  equitare  cum  Diana,  dea  paga- 
norum,  vel  cum  Herodiade  seu  Bensozia,  *)  et  inhumera 
mulierum  mtiltitudine  profitealur.  Nicht  zu  übei'sehen  ist, 
dafs  dem  cullus  dieser  Herödias  ein  drittel  der  ganzen 
weit  eingeräumt,  also  die  auselmlichste  ausbi-eilung  zuge- 
standen wird.  Ratherius  (bischof  zit  Verona,  aber  ein 
Franke,  aus  Lobi  bei  Cambrai  gebürtig,  ■{•  974)  In  seinen 
praeloquiis  (Maitene  und  Durand  9,  798.  opp.  edit.  Bal- 
lerini p.  20.  21):  quis  enün  corum,  qui  hodie  in  talibus 
usque  ad  perditionem  animac  in  tantum  decipiunlUr,  ut 
etlam  ehy  quas  (Ball,  de  quibus)  ait  Gen.  **),  Herodiani 
illam  baptistae  Christi  iuterfeclricem,  quasi  reginam  imo 
deam  proponant ;  asserentes,  tettiam  iotius  mtindi  par- 
tem  illi  traditäm:  quasi  liaec  merces  fuerit  prophetae  ocf- 
cisi,  cum  potius  sint  daemones,  talibus  praesligiis  infelices 
Diulierculas ,  hisque  miiltum  vituperabiliores  viros,  quia 
pcrditissimos^  decipienles.  JNIerkwürdige  ausfüMicliere  nach- 
richten  von  dei-  tradition  des  ÄIA.,  die  an  Herodias  ge- 
knüpft wurde,  enthält  der  erst  neulieh  bekanntgemachte 
Reinardus  1,  1139  — 1164: 

praecipue  sidus  celebrant,  ope  cujus,  ubi  omnes 
defuerant  testes,  est  data  Roma  Pelro, 

Iraditaque  injuslo    Pharaildis  virgo  labori, 
sed  sanctifaciunt  qualiacunque  volunt. 

Hac  famosus  erat  felixque  fuisset  Herodea 
prole,  sed  infelix  hanc  quoque  laesit  amor: 

haec  virgo  thalamos  Baptistae  solius  ardens 
voverat  hoc  demto  nullius  esse  viri. 

oifensus  genitor,  coniperto  prolis  amore, 
iusontem  sanctum  decapitavit  atrox. 

|)OStulat  afferri  viigo  sibi  tristis,  et  affeit 
regius  in  disco  lerapora  trunca  eliens. 

mollibus  allatiun  stringens  caput  illa  lacertis 
perfundit  lacrimis,  osculaque  addere  avetj 


^)  Üacange  s.  t.  Diana  liest  ßenzoria,  hat  aber  die  riclitige  lesart 
<•  V.  Beiuozia  selbst ;  die  bedeutuug  scheint  bona  socia,  günstiges,  hol- 
des \ve:$en. 

**)  dies  Gen.  versteht  Ballerini  Hicht;  vielleicht  Gennadins  (massili- 
^Dsis)  ein  Schriftsteller  des  aasgehenden  5  jh« 


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176  (DIANA) 

oscula  captantem  caput  aujugit  atque  reaufßat^ 
illa  per  impluvlum  turbine  flantis  abit. 

Ex  illo  nimium  memor  ira  Johannia  eaudem 
per  vacuum  coeli  flabiils  urget  iter: 

mortuus  infestat  miseram,  nee  vivus  amarat^ 
non  tarnen  hanc  penitus  fata  perisse  sinunt« 

lenit  lionor  luchini;  minuit  reverentia  poenani> 
pars  hominuni  moestae  tertia  servit  herae* 

querciihus  et  corylis  a  noctis  parte  secunda 
usque  nigri  ad  galli  carmina  prima  sedet. 

nunc  ea  nomen  habet  Pharaildisj  Herodias  ante 
saltria,  nee  subiens  nee  subeunda  pari* 
hier  wird  Herodias  geschildert  als  die  moesta  hera^  cui 
pars  tertia  hominum  servit,  der  ehrenvolle  cultus,  des- 
sen sie  theilhaft  geworden  ist,  mindert  ihr  herbes  geschick, 
von  mitternacht  bis  zum  ersten  hankrat  sitzt  sie  auf  ei- 
chen und  haselstauden ,  die  übrige  zeit  schwebt  sie  durcli 
den  leeren  luf träum,  sie  war  von  liebe  gegen  Johannes 
entzündet,  die  er  nicht  erwiedertej  als  sie  das  auf  dem 
teller  getragne  haupt  mit  thränen  und  küssen  bedecken 
will,  weicht  es  zurück  und  hebt  heftig  zu  blasen  an;  die 
unselige  wird  in  den  leeren  räum  getrieben  und  schwebt 
ohn  unterlafs.  warum  sie  späterhin  (im  12  jh.)  Pharait* 
dis  hiefs,  errathe  ich  nicht,  das  leben  der  flandrischen  hei- 
ligen dieses  namens  (acta.sanct.  4  jan.)  hat  keinen  ähnli- 
chen zug;  aber  auch  was  die  kirche  von  Johannes  dem 
täufer  und  Herodias  berichtet  (acta  sanct.  24  jun.),  riilirt 
nicht  an  den  inhalt  jener  Überlieferung,  Herodias  ist  des 
Herodes  fraü,  die  tochter  wird  genannt  Salome. 

Es  leidet  keinen  zweifei,  dafs  der  christliche  mythus 
von  Herodias  schon  im  frühen  mitlelalter  mit  einheimi- 
schen heidnischen  fabeln  versetzt  wurde;  die  Vorstellungen 
von  frau  Holda^  dem  wütenden  beer,  und  den  nachtfahr- 
ten  der  Zauberinnen  griffen  ein,  der  jüdischen  künigstoch- 
ter  fiel  die  rolle  einer  heidnischen  göttin  zu,  wie  Rathe- 
rius  ausdrücklich  sagt;  ihr  cultus  fand  zahlreiche  anhän- 
ger.  auch  Diana  ^  die  nächtliche  mondgottheit ,  die  wilde 
jägerin,  bewegt  sich  in  diesem  kreise;  Diana,  Herodias, 
Holda  stehen  für  oder  nebeneinander.  Diana  wird  von 
Eligius  (anhang  p.  xxx)  aufgefülirt,  die  stelle  aus  den  con- 
cilienschlüssen  (xxxiv)  ist  hernach  in  manche  Schriften 
übergegangen  (^xlii.  lu),  gleich  der  Herodias  erscheint 
Diana  als  domina  und  hera.  das  leben  des  heil.  Caesai-iu» 
arelatensis  erwähnt  ein  ^daemonium,  quod  rustici  Dianam 
vocant',    die   benennung    mufs  ganz    volksmäfsig  gewesen 


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(ABÜNDIA)  177 

sein;  jener  bildseiüe  der  Diana  aus  Gregor,  tur.  8,  15 
habe  ich  s,  77  gedacht  *)  vorzüglich  Aviclilig  für  dieaiis- 
breitung  des  Dianacultus  scheint  aber  eine  stelle  aus  dem 
leben  des  heU,  Kilian,  des  bekehrers  der  Ostfranken  (f  689) : 
Gozbertus,  dux  Franciae  —  'volens  crebra  apud  se  trac- 
tare  inquisitione ,  ulrum  ejus,  quem  (Kilianus)  praedicabat, 
rd  Dianas  potius  cultus  praeferendus  esset,  Diana  nam- 
que  apud  illum  in  summa  veneratione  habebalur'.  (Surius 
4,  133  und  acta  sanct.  BoUand.  8  jul.  pag.  616.)  Da  frau 
Holda  in  Thüringen,  Franken  luid  Hessen  vorzugsweise 
fordebt,  80  ist  nicht  uuglaublich,  dals  schon  im  7  jlu  unter 
biana  in  der  gegend  von  Wirzburg  keine  andere  als  sie 
gemeint  wurde. 

Der  Herodias  oder  Diana  Zurückbeziehung  auf  g^e- 
fttalten  des  einheimischen  beiden th ums,  sei  es  des  cellischen 
oder  germanischeu ,  wird  endlich  noch  willkommen  bestä- 
tigt durch  die  sage  von  einer  domina  Abundia  **)  oder 
dorne  Habende  aus  franz.  quellen  des  JNlA.  Em  paiiser 
bischof  Guilielmus  alvernus  (Guillaume  d' Auvergiiej ,  der 
1248  starb,  redet  (opera,  Par.  1674  fol.  1,  1036)  von  nym- 
phen  und  lamien :  'sie  et  daemon,  qui  praetextu  mulierii^, 
cum  aliis  de  nocte  domos  et  cellaria  dicitur  frcqueritare,  et 
TOcant  eam  Satiam  a  satietate,  et  dominam  Abundiain 
pro  abimdanlia,***)    quam   eam   praestare   dicimt  domibus, 

3 aas  frequcntaverit ;  hujusmodi  etiam  daemones ,  quas 
ominas  vocant  vetidae,  penes  quas  error  iste  remansit, 
et  a  quibus  solis  creditur  et  somnialur.  dicunt  has  doini* 
nas  edere  et  biberc  de  escis  et  potibus,  quos  in  domibus 
inyeniunt^  nee  tamen  consumptionem  aut  imminutionem  eas 
facere  escanun  et  potuum,  maxime  sl  vasa  escarum  sint 
discooperta  et  vasa  poculorum  non  obstructa  eis  in  nocte 
relinquantiu*.  si  vero  operta  vel  clausa  inveniunt  seu  ob- 
structa inde  nee  comedunt  nee  bibunt,  propter  quod  infau- 
stas  et  infortunalas  relinquunt,  nee  satietatem  nee  ahun- 
dantiam  eis  praestaates'.  ähnliches  wird  p.  1068  wieder- 
holt, p,  1066  aber  heifst  es:  'sunt  et  aliae  ludificationes 
malignorum  spirituum,  quas  faciunt  iuterdum  in  nemoribus 

*)  vielleicht  ist  auch  die  aaf  insclirlfleii  erscheinende,  mit  einer 
b«oeooang  des  Schwarzwalds  zasammeuhänf^ende  uibnoba  als  Diana 
hier  zu  berücksichtigen.  Tgl.  Passow  zu  Tac.  Germ.  1  und  Creuzer 
altrom.  cnltor  p.  63.  65. 

**)  anklang  Ton  Abundia  an  die  in  der  vorausgehenden  anm.  ge- 
dachte Ahnnhn  scheint  zu  «gering,  um  darauf  gewicht  zu  legen. 

*")  anch  die  Römer  personificierten  ein  iiöheres  wesen  Ahundantia 
die  aber  nur  auf  münzen  vorkommt,  weder  tempel  noch  altare  hafte. 

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178  (ABUNDIA) 

et  locls  amoenis  et  froudosis  arboribus  ^  ubiapparent  in 
siinilitudine  puellarum  aut  matronarum  ornatu  muliebri 
et  candido,  interdum  etiani  in  stabuüs,  com  luminari- 
bu8  cereisy  ex  quibus  apparent  distillationes  In  comis  et 
coUis  equorum,  et  comae  ipsorum  diligenter  tricatae,  et  äu- 
dies  eo8,  qui  talia  se  vidisse  fatent\ir,  dicentes  veram  ce- 
ram  esse,  quae  de  lumiiiaribus  hujusmodi  stillaverat.  *)  De 
illis  vero  substantiis,  quae  apparent  in  domibus^  quas  do* 
minas  nocturnasy  et  principem  earum  vocant  dominam 
jibundiam^  pro  eo  quod  domibus,  quas  frequentant,  abun- 
dauliam  bonorum  temporalium  praestare  putantur,  non  ali- 
ter  tibi  sentiendum  est  neque  aliter,  quam  quemadmodum 
de  illis  audivisti.  Qwapropter  eo  usque  invaluit  stulti- 
tia  hominum  et  insania  vetularum^  ut  vasa  vini  et  recep- 
tacula  ciborum  discooperta  relinquant^  et  omnino  nee  ob- 
struant  neque  daudant  eis  noctibus,  quibus  ad  domos 
8U08  eas  credunl  adventuras,  ea  de  causa  videlicet,  ut  ci- 
bos  et  potus  quasi  paratos  inveniant  et  eos  absque  diffi- 
cultate  apparitionis  pro  beneplacito  sumant« 

Der  roman  de  la  rose  (Meon  18622  ff)  erzählt: 

qui  les  eine  sens  ainsinc  degoit 

par  les  fantosmes,  quil  regoit, 

dont  maintes  gens  par  lor  folie 

cuident  estre  par  nuit  estries 

errans  auecques  dame  Habonde^ 

et  dient,  que  par  tout  le  monde 

li  tieri  enfant  de  nacion 

sunt  de  ceate  condicion. 

qu'il  vont  trois  fois  en  la  semaine, 

si  cum  destinee  les  maine, 

et  par  tous  ces  ostex  se  boutent, 

ne  des  ne  barres  ne  redoutent, 

ains  sen  entrent  par  les  fendaces, 

par  chatieres  et  par  crevaces, 

et  se  partent  des  cors  les  ames 

et  vont  avec  les  bonnes  dames 

par  leus  forains  et  par  maisons, 

et  le  pruevent  par  liex  raisons: 

que  les  diversites  veues 

ne  sunt  pas  en  lor  Hz  venues, 

ains  sunt  lor  ames  qui  laborent 

et  par  le  monde  ainsinc  sen  corent  etc. 


*)  ?gl.  deutsche  sagen  nam.  128. 

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(ABÜNDIA)  179 

18686«      Dautre  paii,  que  li  tiers  du  monde 
aille  ainsinc  apec  dame  Habonde, 
ei  cum  fole»  vielles  le  pruevenl 
par  lea  visions  que  truevent, 
doDt  convient  il  sang  nule  fatUe 
que  trestoiis  li  mondee  i  aille. 
Wie  von  Katherius   und    dem   dichter    des  Reinardus    ein 
dritter  theü  der  ganzen  weit  dem  dicnste  des  Herodias  er^ 
geben  vorgestellt  wird,  so  ist  liier  das  nemUche  auf  dame 
Uabonde    angewandt.     Herodias  und  Abundia  sind  also 
einerlei,      man  pflegte   längst   die    bekannte    weit   in    drei 
theile  abzusondern.  *)     die  weijsgekleidete  domina    erin- 
aert  an  Perabta ,    die    bona  domina ,    bona  socia  **)    an 
Holda,    die  nachts   auf  eichen  hausende  Herodias   an  den 
altdeutschen  baumcultus.     Es  sind  ursprünglich  lauter  gü- 
tige wesen,     deren   erscheinung   den     menschen    gedeihen 
bringt  und  überllufs ;  daher  ihnen,  wie  befreimdeten  geistern, 
wie  göttern   zum   opfer,    speise  und  trank  bei  nächtlicher 
weile  aufgestellt  werden.  Holda,  Berhta,  Werra  scheinen  be- 
stimmte speise  zu  lieben  imd  an  ihrem  festtag  zu  gewarten« 
Wir  haben  bisher  die  namen  und  den  cultus  mehre- 
rer güttinnen    kennen   lernen,    die   von   gewissen   Völker- 
schaften Deutschlands   imter  verschieduen   namen    gefeiert 
wurden  (Nerdu,  Hluodana,  Tamfana,  Holda,  Berhta),  ei- 
nige ihnen  ähnliche  sind   uns  nur  in  ausländischer  beuen- 
Dung  bekannt  geworden  (Isis,  Diana,  Herodias,  Abundia); 
von  allen  erscheint  keine  einzige  l>ei  den  Angelsachsen. 

Der  angelsächsische  geschichtsschreiber  hat  uns  dage- 
gen die  namen  zweier  von  ilim  ausdrücklich  für  alte  güt- 
tinnen seines  volks  ausgegebner  wesen  gemeldet,  deren  da- 
sein umgekehrt  bei  den  übrigen  Deutschen  verschwindet, 
zum  klaren  beweis,  dafs  hier  wie  dort  das  heidcnthum 
erfüllt  war  von  vielgestaltigen,  vielnamigen  gottheiten,  de- 
ren eigenschaften  und  Verehrung  sich  dennoch  begegnete, 
warum  bei  den  weiblichen  göttern  diese  mannigfaltigkeit 
der  form  noch  mehr  überwiegt  als  bei  den  männlichen» 
scheint  aus  dem  gröfsern  ansehn  der  männlichen  haupt- 
gottheiten  gut  erklärlich:  sie  waren  zu  berühmt  und 
zu  hoch  gehalten'^    als   dafs  nicht   ihre  vorzüglichsten  be- 


*)  agitur  pars  tertia  mundi.  Ovid.  met.  5,  372 ;  tertia  pars  mandl 
foinaDs  perit  Africa  flamm».  Coripp.  1 »  47 ;  tertia  pars  orbis  Europa 
focatar.    Waltlmr.   1. 

**)  vielleicht  hängt  die  benennung  socia  zusammen  mit  der  Satia 
bei  Goilielmus  ak.? 

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180  HREDIA  ?      HRUODA  ? 

neanungen   alle   stamme    des    volks    durchdrungen    hftben 
sollten. 

Die  beiden  göttinnen,  welche  Beda  (de  tempornm  ra- 
lione  cap.  13)  ganz  kurz,  ohne  nähere  Schilderung,  blofs 
zur  crklarung  der  nach  ihnen  benannten  nionate  anlübrt, 
sind  EdfStre  und  Hrede  ^  von  dieser  hat  merz,  von  jener 
april  seinen  sächsichen  uanien.  ^  Rhedmonath  a  dea  illo- 
runi  Rlieda^  ciii  in  illo  sacrificabant ,  nominatur.'  ^anti- 
imi  Anglorum  populi  —  gens  mea  —  apud  eos  Aprilis 
Estarmonath^  qui  nunc  paschalis  mensis  interpretatur, 
quondam  a  dea  illorum,  quae  Eostra  vocabatur,  et  cai 
in  illo  festa  celebrantur^  nomen  habnit;  a  cujus  nomine 
nunc  pasdiale  tempus  cognominant,  consueto  antiquae  ob^ 
Hervationia  vocabulo  gaudia  novae  solennitatis  vocantes'.  *) 
Es  wäre  uncritisch,  dem  Kirchenvater,  der  sich  das 
heidenthum  überall  abhält  und  weniger  als  er  weifs  da- 
von niittheilt,  die  erfindimg  dieser  göttinnen  aufzubürden, 
sie  haben  nichts  unwahrscheinjiches ,  ja  die  zweite  dersel^ 
bcn  wird  durch  eine  deutliche  spur  in  dem  wortvorrath 
der  übrigen  Stämme  gerechtfertigt,  der  merz  heilst  sonst 
alid.  IcnzinmdnÄt,  vom  beginn,  des  frühlings  (lenzo,  len- 
gizo)  **) ;  er  könnte  aber  noch  andere  namen  gefülu*t  ha- 
ben, das  ags.  adj.  hräd  (velox)  entspricht  dem  ahd.  hrat 
(Diut.  1,  173)  altn.  hradhr;  Hrede  (gen.  -ean)  ahd.  Ure~ 
tia'i  wäre  die  sclmelle,  vielleicht  ein  der  Fortuna  ähnliches 
wesen,  deren  Sinnbild  das  rad  (alid.  lu-at  oder  hrad)  war? 
Obcrliii  bringt  aus  Chorious  ehrenkranz  der  teutscben 
sprach,  Strafsb.  1644  p.  91  Retmonat  für  merz  bei,  aber 
ilicse  form  mag  zuletzt  aus  Beda  selbst  hergellossen  sein. 
wenn  es  in  der  appenzeller  reimclironik  p.  174  heifst: 
in  dem  Redimonet 
die  puren  kanicn  donet, 
do  der  merzenmonet  gieng  herzu 
an  ainem  morgen  fru  , 

do  zimdentz  Rorschach  an, 
so  sclicint   hier  Redimonet^   nach  einer  in   monatsnamen 
gewühnlicl\,en  versclüebung,    der   dem  merz  vorausgebende 
februar;    von   Arx  hat   das    wort  ganz  anders,   wie  mich 


•)  nacii  einer  Iis.  (Koinieäeii  opiisc  p.  287,  dies  citat  gibt  Rath- 
lef«  Ho>a  11.  Diepholz  3,  16.):  'vcteres  auglicani  populi  vocaot  Estor- 
monatli  pa«ctiHleni  inenseiii,  idijue  a  dea  quadam^  coi  teutonici  popali 
in  paganisnio  8acriticia  fecerunt  tempore  mensis  aprilis,  quae  Bostra 
est  appe!lnta\ 

")  gramm.  2,  610.     laogez  Diut.  3,  88. 


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OSTARA  181 

dünkt  unpasiend,  yod  eiuem  berg  erklärt,  es  müsteu 
aber  noch  mehr  belege  für  die  seltue  form  de8  monatsna- 
mens  aufgefunden  werden  und  selbst  die  ags.  lesart  steht 
noch  nicht  fest  genug,  wäre  nemlich  hr^dhenionadh  zu 
schreiben  und  der  göttin  name  Hridhe  ^  von  lir^dhe  glo- 
riosus,  famosus  (Cädm.  136,  20,  198,  2),  so  ergäbe  sich 
die  ahd.  form  Hruoda  und  eine  ganz  abweichende  eiklä- 
nmg.  wirklich  kommt  im  ags.  menologium  z.  70  *Mar- 
dus  redhe'  vor,  d.  h.  hr^dlie.  *) 

"Den  april  benennen  wir  noch  heute  ostermonat^  und 
schon  bei  Egiuhart  findet  sich  Sstarmdnoth.  das  heilige 
fest  der  Cliristen,  dessen  tag  gewöhnlich  in  den  april  oder 
den  Schilds  des  merz  fällt;  trägt  in  den  frühsten  ahd. 
Sprachdenkmälern  den  namen  öatard  (gen.  -ün)  **),  mci- 
stentheils  steht  die  pluralform,  weil  zwei  ostertage  (^star- 
tagäy  aostortag^,  Diut.  1,  266*)  gefeiert  werden,  dieses 
Ostard  mufs  gleich  dem  ags.  Edstre  ein  hölieres  wescn 
des  heidenthums  bezeichnet  haben,  dessen  dienet  so  feste 
Wurzel  geschlagen  hatte,  dafs  die  bekehrer  den  nanieu  dul- 
deten und  auf -eins  der  höchsten  christlichen  jalu^sfeste  an- 
wandten, alle  uns  benachbarten  Völker  haben  die  benen- 
nung  pascha  beibehalten,  selbst  TIHilas  setzt  paska,  kein 
austrd,  obwol  ihm  der  ausdruck  bekannt  sein  muste,  ♦''*) 
gerade  wie  die  nord.  spräche  pdskir  (schwed.  pask,  dan. 
paaske)  einführt,  das  abd.  adv.  Sstor  bedeutet  die  rieh- 
Uiug  gegen  morgen  (gramm.  3,  205),  ebenso  das  altn.  ou,stf\ 
▼emmtUch  ags.  eästor,  goth.  austr?  wiurzelhaft  ist  nur  aus, 
ÖS,  eus  (orieus),  das  ich  ziun  gr.  ^w^,  dor.  uv)c:  (obgleirli 
hier  das  S  nomitiativisch  scheint)  und  zu  aurora  ^^f.  ausora?) 
halle;  die  lat.  spräche  hat  das  ganz  identische  aus f er  auf 
die  niittagsseite  (den  siid)  verschoben.  In  der  edda  führl 
ein  männliches  weseu,  ein  lichtgeist  den  namen  Aantri^ 
ebenso  könnte  ein  weibliches  Austr a  heiCsen ;  der  hoeiid. 
und  Sachs,  stamm  scheint  umgekehrt  nur  eine  Ostara^ 
Edstre  y   keinen   Ostaro  ^  Edstra   gebildet   zu    haben,  f) 


*)  vgl.  altn.  hrd^hr  (laus,  gloria)  und  das  ahd.  hruoda  frank. 
chrod  in  zuüammenst'tzungeu  («rramm,  2,  462.) 

••)  T.  157,  1.  3.  5.  O.  1.  22,  8.  111.  6,  26.  IV.  9,  8.  J.vmii. 
21,4.   fragm.  theot.  XIV,  17. 

"*)  er  wählt  für  oriens  urrnns,  für  ocridens  sag<|V«,  auf^anp:  und 
•»iedergmig  der  sonne,  kannte  aber  ohne  zwelfel  vistr  (versus  orcHen- 
icm).  Wurzel  vis  (rulie,  stille,  abend.) 

i)  zusammeu$(eäetzte  ei;i(ennanien:  Ot»troi>erht ,  Austroberln .  Aii" 
^trejrisil,  Ostrogotha,  wie  Vitfigotha,  Vistriuiund,  Weslaralp,  Suudarolt, 
^ordherahl  u.  a.  m. 


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183  OSTARA    ZISA 

hierin  liegt  deutlich  der  grund,  weshalb  die  NordlMndtf 
päskir  und  nicht  austrur  sagen:  sie  hatten  keine  götlin 
Austra  verehrt,    oder  ihr  cuitus  war  früher  untergegangen« 

Ostaruj  Edstre  mag  also  gottlieit  des  strahlende 
morgens,  des  aufsteigenden  lichts  gewesen  sein,  eine  freu- 
dige, heilbringende  ersch  einung,  deren  begrif  leicht  für  das 
auferstehungsfest  des  christlichen  gottes  verwandt  werden 
konnte«  freudenfeuer  wurden  zu  ostern  angezündet,  und, 
tiach  dem  lange  fortdauernden  Volksglauben,  thut  die  sonne 
in  des  ersten  ostertages  frühe,  so  wie  sie  aufgeht,  drei 
freudenspr'unge ^  sie  hält  einen  freudentanz  (abei^ 
81 3,)  wasser,  das  am  ostermorgen  geschupft  wird,  ist 
gleich  dem  weihnächtliclien ,  heilig  und  heilkräftig  (abergL 
775.  804);  auch  liier  scheinen  heidnische  Vorstellungen  auf 
christliche  hauptfeste  übei^gegangen.  weifsgckleidete  Jung- 
frauen, die  sich  auf  ostern,  zur  zeit  des  einkehrenden 
irühlings ,  in  felsklüften  oder  auf  bergen  sehen  lassen,  ge- 
malmen an  die  alte  güttiu. 

Auf  Bedas  nachrichten  von  Hrede  und  Eastre  soll  eine 
schwäbische  oder  bairlsche^  wenigstens  aus  dem  12  jh., 
walirscheinlich  aber  ältere  meidung  von  einer  im  beiden- 
thum  zu  Augsburg  verehrten  göttin  Ziaa  folgen. 

Der  cod.  monac.  lat.  2  (vom  j.  1135)  und  der  cod. 
emeram.  F.  IX  fol.  4*  (aus  dem  ^^13  jh.  enthalten  ein- 
stimmig: 'excerpta  ex  galiica  hystoria'.  *) 

'dum  hec  circa  renutn  geruntur  in  noricorum  (über- 
geschr.  bawariorum)  finibus  grave  vulnus  romanus  popu- 
lus  accepit.  qiüppe  germanorum  gentes  (übergeschr. 
aueui),  qne  retias  occupaverant ,  non  longe  ab  alpibus 
tractu  pari  patentibus  campis,  ubi  duo  rapidissimi  amnes 
(übergeschr.  licua  et  wertluiha)  inter  se  confluunt,  in  ip- 
sis  noricia  finibus  (übergeschr.  terminis  bawariorum  et 
suei^oruni)  civitatem  non  quidem  muro  sed  vallo  fossaque 
cinxerant,  quam  appellabant  Zizarim  ex  nomine  def 
Ciz^j  ^*)  quam  religiosissime  colebant.  cujus  templum 
quoque  ex  lignis  barbarico  ritu  constructum,  postquaiu 
eo***)  colonia  romana  dcducta  est,  inviolatum  permansit, 
ac  vctustate  coUapsum  uonien  f)  colli  servavit.  hanc  ur- 
bem  titus  annius  pretor   ad    arcendas   barbarorum  excur* 


*)  ich  danke  die  niittlieilung  Scliniellers  gute. 
**)  am  raud:    ^quem  male  pollaerat  cultiira   nefarla   dudum 

gallus  mohticaluDi   liunc  tibi  ctza  tulit\ 
'*•)  am  rand :  *post  coiidilam  arbem  augus/am  a  roinanU\ 

f )  raudiiutc :  *ut  usque  liodie  ab  incolb  cizunherc  iiomlDetur*. 


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ZISÄ  168 

* 

siones  kal.  scxtlUbii«  (ubergeschr.  cxacta  jam  estate)  exer- 
dtu  drcumvenit.  ad  merulianani  oppidi  parlem^  que  sola 
a  continenti  (übergesclip.  littoribus)  erat,  pretor  ipse  cum 
legione  martia  castra  operosisslme  communivit.  ad  occi- 
dtfttem  vero,  qua  barbarorum  adventus  erat,  duar,  bögU'- 
dii  regis  filius ,  cum  equitatu  omni  et  auxUidribus  mace» 
donum  copiis  inter  flumen  et  vallum  loco  castris  parum 
amplo  infelici  temeritate  extra  flumen  (überg,  wert/ui/ia) 
consedit.  pulchra  indoles,  non  minus  romania  quam  gre^ 
(ds  discipUnis    instructa.     igitur   qiiinquagesimo   nono  die, 

a^  eo  ventum  est,  cum  is  dies  dee  cize  apud  barbaros 
eberrimus,  ludum  et  lasciviam  magis  quam  formidincm 
ostentaret,  immanis  barbarorum  (überg,  suei^orum)  mul- 
titudo,  ex  proximis  silvis  repente  erumpens  ex  improviso 
castra  irrupit ,  equitatum  omnem ,  et'  quod  miserius  erat, 
anxilia  sociorum  delevlt.  apar,  *)  cum  in  hostium  pote- 
statem  regio  habitu  vivus  venisset,  [sed  que  apud  barba-^ 
roB  reverentia?]  more  pecudis  ibidem  mactatur,  **)  oppi- 
dani  vero  non  minori  fortuna  sed  maiori  virtute  pretorem 
in  auxilium  sociis  propei*antem  adoriuntur.  romani  haud 
segiiiter  resistunt.  duo  principes  oppidanorum  habino  ***) 
et  caccus  in  primis  pugnantes  cadunl.  et  inclinata  jam 
res  oppidanorum  esset,  ni  maturassent  auxilium  ferro  so- 
dl  in  altera  ripa  jam  vlctoria  potiti,  deniqiie  coadunatis 
viribus  castra  irrumpunt,  pretorem',  qui  paulo  altiorem  tu- 
muiiun  (überg.  perleih)  frustra  ceperat,  romana  vi  resi- 
stentem obtruncant.  legionem  f)  divinam  (überg.  marii' 
am)j  ut  ne  nuncius  cladis  supercsset,  funditus  delent. 
Verres  solus  tribunus  militum  amue  transmisso  in  |)roxi« 
mb  paludibus  se  occuUansff)  honestam   mortem   subter-* 

*)  randnote :  'ex  cujus  vocabulo ,    quia  ibi  mactatas  et  tumalatus 
wt,  chrikesaperon  nomeo  accepit.    grecus  enim  erat'.  * 

**)  am  rand :  Mioc  nomen  terris  bogudis  dat  regia  proles 
grecavar,     pecudii»  de  suevis  more  litatiu\ 
***)  am  rand:  ^refectus  habeno  se  victum  bicque  sepultum 
perpetuo  montis  nomine  notificat 
qni  juxta  montem  occisos  et  sepultns  nomen  monti  habenonherch  dedit, 
qnem  nisttci  baveaeobercli  dicimt'. 

t)  an  rand:  M«  liac  ibi  perdita  legione  adhnc  perleich  nomina- 
tar\    mit  kleinerer,  aber  gleiclizeitiger  sclirift: 

iodicat  liic  collis  romanam  nomine  cladem 

martia  quo  Ugio  tota  iimul  periit. 
subdidit  huuc  rome  prcpes  victoria  petro, 
hoc  sibimet  templum  qui  modo  constituit*. 
ff)  ttm  rand :  ^hic  quia  iu  paludibuü  adjaceniibus  latuit,  lacui  uerisse 
iiBc  ofque  nomen  dedit. 


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184  ZISA 

fiigU.  nee  mullo  post  sicilie  procousul  immani  ayandt 
turpem  mortem  promeruit«  nam  cum  se  magistratu  afodip 
caret  iiulicio  civiiim  damnatus  est'. 

Das  ßclbe  bruchslück,  nur  oJine  die  übergeschriebenen 
Worte  und  ohne  das  am  rand  hinzuge fügte ,  fiudet  sich  in 
Goldasls  rerum  suev,  Script,  aliquot  veteres  (Ubn  1727 
fol.)  p.  3  unter  der  rubrik:  ^J^elleii  Galli  fragmentum 
de  vicloria  Suevorum  contra  Romanos\  auch  wird  *dea 
Cisa^  und  ''Cisara*  geschrieben;  statt  Caccus  ^Cacua^ y  die 
übrigen  uamen  stimmen,  noch  finde  ich  für  loco  paruitf 
amplo  die  bessere  lesart  'apto\  die  parenthese  *8ed  qoae 
apud  barb.  reverentia'  fehlt,  und  am  schhifs  der  salz:  *nara 
—  damnatus  esl\  Ich  würde  glauben,  dals  Goldast  alles 
aus  Wolfg.  Lazius  reip.  rom.  libr.  XII.  francof.  1598  p. 
52  hergenommen  habe,  wenn  nicht  in  diesem  abdnick 
wieder  einige  abweichungen  vorkjünen;  die  Überschrift 
lautet :  'Velleii  excerpta  ex  gallica  historia' ,  es  wird  gele- 
sen 'Cifiara  aber  'CV^f';  *Habbino,  Caccus,  amplo\  ge- 
schlossen mit  promeruit.  Lazius  sagt:  ^quam  nos  lüstoriam 
in  ^  pervetuslo  codice  membrana  literis  antiquissimis  siri- 
plam  reperimus'.  hiermit  scheint  doch  eine  über  das 
zwölfte  jh.  hinaufgehende,  und  vielleiclit  beträchtlich  altere 
Schrift  angedeutet;  der  wiener  wahrscheinlich  noch  erhal- 
tene cod.  wäre  neben  den  beiden  münchnern  und  dem 
goldastischen  der  vierte  das  stück  enthaltende. 

Dieser  handschriften  eine  oder  die  andere  scheint  dem 
Otto  von  Freisingen  und  dem  Verfasser  oder  fortsetzer  der 
auersbe^ger  chronik  vorgelegen  zu  haben.  Jener  versucht 
aber  die  sage  an  den  Quintil.  Varus  (statt  an  Verres)  zu 
knüpfen,  er  fügt,  nachdem  er  dessen  niederlage  erzählt 
hat,  (chron.  3,  4)  lünzu :  ^tradunt  Augustenses  lianc  caedem 
ibi  factam,  ostenduntque  in  argumentum  collem  ex  ossibus 
mortuorum  compactum,  quem  in  vulgari  perleich^  eo  quod 
legio  ibi  perierit,  usque  hodie  vocant,  vicumque  ex  no* 
mine  Vari  appellatum  monstrant'.  Den  bericht  des  auers- 
berger  Chronisten,  obgleich  er  das  ältere  bruchstück  bei- 
nahe wörtlich  aufninmit ,  achte  ich  hier  zu  wiederholeD 
darum  für  nöthig,  weil  die  randglossen  eigen thümlicli  in 
den  text  verwebt  und  auf  gefundne  steininschrif^en  bezo- 
gen werden.  *) 

De  Augiista  Vindellcorum  vel  Rhetiae.  sicut  ex  scrip- 
tis  veterum  coUigitur  haec  civitas  tria  nomina  accepit«     Gcr- 


*)  chron.  Conradi  ursperg.  Argent.  1532  p.  308.  ed.  1609  p.  225. 

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ZISA  185 

maDomm  qulppe  gentes  primtim  considentcs  in  partibus 
Khedae^  qiiae  nunc  est  pars  Sueviae,  non  longo  ab  alpi- 
bus  in^planitie  loco  tarnen  munito  propler  concursum  du- 
oram  rapidorum  fluminum  lianc  urbem  construxerunt,  et 
non  muris  sed  fossatis  eam  iirmayerunt ,  et  ex  nomine 
(feßc  ZizaCy  quam  religiosissime  colebant,  Zizerim  eam 
aominabant.  hujus  qnoque  deae  teniplum  ex  lignis  bar- 
banco  rita  constructnm,  etiam  postquam  Romani  eam  io;- 
colere  coeperunt,  inviolatum  permansit,  at  vetustate  col- 
kpsum  nomen  colli  serVavit,  in  quo  postmodnm  in  lapide 
exsculpti  hi  versus  sunt  reperti: 

quem  male  polluerat  cultura  nefaria  du  dum 
gallus  monticulum  hunc  tibi  Ziza  lulit. 
unde  usque  in  praesens  ab  incolis  idcm  inonticulus  Zizen^ 
herg  nominatur.  apud  banc  urbem  Romaui  deletl  sunt 
magna  caede.  nam  Titas  Annius  praetor  ad  arccndas 
Barbarorum  excursioues  cum  excrcilu  in  kal.  Augusli  eam 
circundedit,  ipseqiie  ad  meridianam  oppidi  parlem,  quae 
sola  patobat,  castra  sua  cum  legionc  JMarlia  operosissime 
communivit.  ad  occidentem  vero  ultra  iluvhun,  ubi  Sue- 
\is  aut  Barbaris  aditus  patebat,  Ai^ar  Bogudis  rcgis  filius 
nim  omni  equilalu  et  auxilio  macedonico  cousedil.  igitur 
quiuquagesimo  noiio  die,  quam  eo  ventum  est,  cum  is  dies 
deae  Ziz^  apud  Barbai'os  celeberrimus  esset,  ludum  et 
lasciviam  magis  quam  formidinem  cives  ostentarunt.  tunc 
etiam  imniauis  Barbarorum  multitiido,  quae  de  partibus 
Sueviae  illuc  conveuerat,  de  proximis  silvis  repente  erum- 
peus  ex  improviso  castra  irrupit  et  Ai^aris  exercitum  de- 
levit.  ipsum  quoque  Avar  regio  Labilu  indutam  vivum 
cpinpreheiidenles  crudeliter  in  modum  pecoris  maclaverunt. 
a  quo  iu  loco,  ubi  mactatus  est,  vicus  usque  hodie  appel- 
lalus  est  Criechesaiferon^  in  quo  lii  versus  reperti  sunt: 
Ins  nomen  terris  Bogudis  dat  regia  proles 
Graecus  Avar^  pecudis  de  Suevis  more  litatus. 
oppidani  vcro  non  miuori  fortuna  sed  majori  \irtute  prae- 
torem  in  auxilium  sociis  properantem  invadunt,  quibus  Ro- 
mani band  segniter  rcsislunt.  in  quo  conlliclu  duo  prin- 
cipes  oppidanorum  Habino  et  Caccus  in  primis  pugnan- 
tes  cadunt.  et  inclinala  jam  res  esset  oppidanorum,  ni  ma- 
turasseut  auxiliiun  fen^e  Sueui  in  altera  ripa  victoria  jam 
potiti*  de  nomiiiibus  autem  illonim  principum  iutcrfeclo- 
nim  exstant  adliuc  lora  denominata,  nam  ruslici  de  Ha- 
hirfone  vocant  nionticulum  Habinoberg,  in  quo  hi  versn» 
repeili  sunt^ 


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186  ZISA 

praefectus  Habino  sc  viclum  alqiie  sepultum 
perpetuo  montis  nomiue  nolilicat. 
a  Carco  vero  dicunt  Gegginen  dcnominari.  denique  coa- 
dunalis  Suevia  et  oppidanis  castra  irrumpunt,  et  praeto- 
rem,  qui  paiüo  altiorem  tuniulum  frustra  ceperat,  romana 
vi  resistentem  obtruncant,  legionemque  divinam,  ut  nee 
nuncius  cladis  superesset,  fiinditus  delent.  de  hac  perdila 
legtone  adhue  perlaich  ^  quasi  perdita  legio,  nominatur, 
ubi  postmodiim  hi  versus  sunt  reperti: 

indicat  hie  coUis  romanam  nomine  cladem, 
mai-tia  quo  legio  tola  simul  periit. 
solus  Verres  tribunus  militum  amne  transmisso  in  proxi- 
mis  paludibus   se   occultans  honestam  mortem    subtcrfugit, 
lacui  Vernse  hucusque  nomen  dedit.  versus: 

das  nomen  lacui  Verres  quo  tu  latuisti. 
hie  tamen  non  midto  post  SicUiae  proconsul  effeclus  turpem 
mortem  promer uit.  nam  cum  se  magistratu  abdicaret  ju- 
dicio  civiimi  damnatus  est.  propter  huuc  V^errem  tradunt 
Augustenses  hanc  caedem  fuisse  eandem,  quam  sub  Au- 
guslo  faclam  quidam  describunt,  sed  Varum  illum  uonii- 
nant  bis  verbis:  ea  tempestate  Varus^  romano  more,  sü- 
perbe et  avare  erga  subditos  se  gerens  a  Germanis  dc- 
letus  est. 

Auch  einzelne  spätere  Schriftsteller  gedenken  der  Über- 
lieferung. Küchlin,  ein  geistlicher,  dichtete  imi  1373-1391 
für  Peter  Egen  den  jungen ,  büi'germeister  zu  Augsbxu^, 
der  sein  haus  mit  Vorstellungen  daraus  bemalen  lassen 
Avollle,  eine  geschichle  der  Stadt.  *)  darin  'heilst  es  cap.  2. 
fol.  99  voii  den  Schwaben: 

sie  bawten  einen  tempcl  grofs  darein 

zu  eren  Zise  der  abgöttin, 

die  sie  nach  haidnischem  sitten 

anbctten  zu  denselben  zeilen. 

die  stat  v^rard  genennt  auch  Ztsaris 

nach  der  abgöttin,    das  was  der  pris. 

der  tempel  als  lang  stund  uuvcrsert, 

bis  im  von  alter  was  der  val  beschert, 

und  da  er  von  alter  abgicng 

der  berg  namen  von  itn  empfieng, 

dainif  gestanden  was  das  werck, 

und  haist  noch  hiit  der  Zisenberd, 
Sigism.   INleisterlin    in    seiner  vom*  acliteii   cap.   des    ersleu 


*)  cod.  monac.  lat.  61 ;   wieder  Sclimellers  mitilieilaiig. 

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ZISA  187 

budis  an  gedruckten  augsburger  chronik  *)  handelt  cap.  5, 
6*  de»  ZAveiten  buchs  von  dieser  Ciaa.  im  uiigedriickten 
cap.  4  des  ersten  bezieht  er  sich  unverkennbar  auf  Küch- 
lio,  und  cap,  7  am  ende  wiederum:  'das  er  aucli  melt 
von  der  götty  CVsa,  die  auch  genent  wird  Cizais,  das  sy 
geert  habend  nach  jrem  sitten,  die  doch  aus  Asia  warend, 
dawider  seind  die  andern,  die  von  Oysa  schreibent,  die 
sprecheoty  das  sy  die  Yindelici  habend  nach  schwebischen 
Sitten  angebettet,  von  der  göttin  wirst  du  hernah  mer 
haben  ob  got  vVil  (buch  2.  cap.  5.  6.) 

Unheilbare  Widersprüche  jenes  Fragments  liegen  am 
tage.  Bogud,  ein  punischer  sdiifshauptmann ,  der  im  }. 
494  Roms,  also  260  vor  Chr.  lebte,  **)  ist  hier  iu  einen 
macedonischen  könig  umgewandelt,  und  Avar  sein  solm 
soll  dem  200  jähre  später  auftretenden  (ciceronisclien)  Ver- 
res,  oder  gar  dem  noch  jüngeren  Vanis  gleichzeitig  sein, 
welcher  Titus  Annius  unter  dem  praetor  gemeint  wird, 
errathe  ich  nicht;  ein  gleichnamiger  consul  findet  sich  im 
j.  601  und  626  der  Stadt,  123,  158  j.  vor  Chr.  Vellejus 
Paterculus  kann  dergleichen  nicht  verfafst  haben.***) 

Aber  all  der  unsinn^  den  sie  enthält,  hebt  den  werth 
der  merkwürdigen  Überlieferung  für  uns  nicht  auf.  schon 
der  reinere,  lateinische  Stil  thut  dar,  dafs  sie  nicht  erst  im 
zwölften  jh.  niedergeschrieben  sein  kann;  Lazius  und  Vel- 
ser  f)  sind  geneigt,  sie  in  das  carolingische  zcji alter  zu 
setzen,  zugleich  scheint  sie  von  einem  ausländer,  dem  die 
Deutschen  Heiden  und  Barbaren  waren,  abgefafst.  ich 
möchte  wissen,  ob  die  von  Lazius  eingesehne  vdener  hs., 
wenn  sie  vielleicht  dem  10  oder  9  jh.  angehört,  schon  die 
i*andg1ossen  der  niünchner  hss.  aufzuweisen  hat?  durch 
diese  glossen  wird  die  örtliche  anknüpfung  der  ganzen  tra- 
dition  an  Augsburg  und  die  umgegend  befestigt,  und  nicht 
blofs  die  lateinischen  verse,  auch  die  deutschen  formen 
werlhaha,  cizÄnberc,  habino,  habinonberc  scheinen  über 
das  12  jh.  hinaus  zu  reichen.  Habo,  Habino,  Habinolf  ist 
ein  urkundlicher  ahd.  mannsname;  ein  Cacus  kenne  ich 
nicht ,  sprachgemäfser  schiene  Cagan ,  Cacan ,  worauf  der 
verglichene  Ortsnamen  Geginen  leitet,  einzelne  der  ange- 
fahrten benennungen  haben  sich  bis  heute  erhalten.    Pe/'- 


*)  Augsb.  1522  fol.;  Meisterlln  schrieb  sie  im  j.  1456,  und  starb 
tta  1484.  • 

")  Niebuhr»  röm.  gesch.  3,  677. 
•••)  G.  Jo.  Votoiui  de  liist.  lat.  1,  24. 
i)  Marci  Vel«eri  rer.  auguatanar.  libri  6.  1594.  fol.  p.  45. 


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188  ZISA  • 

lach  heifst  fortwährend  die  anhühe  mitten  in  der  $(adr, 
nächst  dem  ratlihaus,  auf  welcher  im  j.  1064  das  stift  und 
die  kiiclie  S.  Peter  gegründet  wurde;  die  verse:  subdidit 
hunc  (coUem)  Roniae  praepes  victoria  Petro  scheinen  aUo 
später  gedichtet?  der  namc  perlei/f,  den  die  sage  auf  per- 
iens  oder  perdita  legio  zieht,  gemahnt  an  das  ahd.  eiki- 
leiiii,  aigilailii  (phalaux)  gl.  ker.  124.  Diut.  1,  223;  yieU 
leicht  war  der  hügel  mit  beeren  bewachsen, -pcri/ciA ,  leih 
ist  auch  in  andern  Zusammensetzungen  vieldeutig«  Zl^ 
senberg  und  Havenenberg  sind  heute  verschollen,  die  dür- 
fer P fersen  (Veriss^)  und  Kriegshaber  desto  bekannten 
auf  welche  weise  die  richtigere  alte  form  Criechesaveron 
immerhin  zu  erklären  sei,  es  leuchtet  hervor,  dafs  die  be- 
nenuung  des  orles  Criahhes  (graeci)  avard  (imago,  vgl« 
oben  8.  72.  81,  sonst  auch  prolcs)  den  Graerus  Ai^ar 
erst  erzeugt  hat,  wie  Habinonberc  den  beiden  Habino^ 
des  auei-sbcrger  Chronisten  angäbe,  die  lateinischen  verse 
seien  an  allen  diesen  orten  ciugehauen  gewesen,  ist  oline 
Zweifel  zu  verwerfen. 

Es  ergibt  sich,  dafs  die  Überlieferung,  nach  Uirer  weise, 
gegründetes  und  erdichtetes  mengte;  das  merkwürdigste 
was  sie  enthält  ist  aber  die  uachricht  von  einer  suevi- 
schen  göttin.  Cisa  scheint  ältere,  bessere  Schreibung,  Ci&d 
weniger  deutbar,  aus  der  göttin  namen  lälst  sich  indes« 
sen  Cisara,  als  benennung  der  Stadt,  schwerlich  herleiten, 
wenn  es  rein  deutsclie  formalion  sein  soll,  denn  nie  wer- 
den Ortsnamen  auf  solche  weise  aus  weiblichen  oder 
männlichen  eigenuamen  gebildet.  annehmlicher  schiene 
Cisara  =  Cisae  ara^  nach  dem  altar  und  tenipel  der  gott- 
heit ;  die  späteren  Schreiber  entstellten  Cisaram  in  Ziza^ 
rim,  Zizerim?  Cisa  wird  von  den  Sueven  aufs  eifrigsle 
(religiosissiüje)  verehrt,  ihr  Jahrestag  ist  ein  hauptfest,  dem 
spiel  und  der  freude  geweilit;  dieser  tag  wird  genau  als 
der  neunundfunfzigste  vom  ersten  august  an  beschrieben  : 
er  fiel  also  auf  den  28  sept.  zu  dieser  zeit  konnte  eiu 
fest  der  gotlheit  begangen  werden,  die  das  gedeihen  der 
eben  eingebracliten  ernte  verliehen  hatte.  den  29  sept« 
feierten  die  Christen  einen  iln^er  hehrsten  tage,  des  heil. 
Michael,  bcmerkenswerth  scheint,  dafs  die  Sachsen  ihr 
gi'ufses  heidnisches  fest  etwa  in  die  neinliche  zeit,  in  ute 
drei  ersten  octobertage  legten  (Wilerli.  corhej.  p.  683.)  in 
dieser  überlieferten,  siciier  echten  Zeitbestimmung  finde  ich 
diu  j;lsubwürdigkeit  der  sage  bestätigt. 

Wer  ist  nun  Cisa?  man  dürfte  an  des  Tacilus  sue- 
vJHihe    fsis    (s.    157)  denken,     deren    name     die    nächble 


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PRIKKA        PaOÜWA  189 

liliiilicheit  mit  der  deutschen  göttin  darbot,  doch  der 
Schwab.  Ciestagf  Zistag  (s.  68)  bringt  auf  eine  andere, 
vielleicht  vorzi^iclierc  nnilniafsung :  der  männliche  gott 
Ziu,  gen.  Ziwes,  Zies  (vgl.  Ziestag,  Zisara)  wäre  in  eine 
gättin  verdreht  woi'den?  oder  übergegangen?  das  8  in 
dem  frauennauien  unorganisch  eingeschoben  oder  zutre- 
tende ableitung?  Zi&unberc  gleicht  dem  Zisberc  (s.  133.) 
Dürfte  man  den  namen  der  ahn.  parze  Dis^  goth.  Deisj 
ahd.  also  Tis  vergleichen?  Entscheidet  man  sich  aber 
für  die  Schreibung  Ziza  oder  Ztza'i  so  wüste  ich  einmal 
das  ags.  Taetva  (anhang  p.  xvi)  und  etwa  Zeizenmüre  (Nib. 
.  1272,  3)  in  anschlag  zu  bringen. 

Die  Untersuchung  wendet  sich  nunmehr  zu  den  göt« 
tinnen  der  nordischen  glaub ensl clu'e ,  von  denen  sieh  auch 
im  übrigen  Deutschland  unzweideutige  spuren  ergeben. 

Zuerst  treten  uns  Frigg^  Odhins  gemahlin,  und  Freyjuy 
Freys  Schwester,  entgegen,  beide  nach  ihren  ähnlichen  na- 
men verwechselbar  und  oft  verwechselt,  ich  will  sehen, 
ob  eine  strengere  etymologie  sie  scheiden  und  auseinander 
halten  kann. 

Leichter  scheint  der  name  Frey  ja :  er  ist  olme  zwei» 
fei  moviert  aus  dem  männlichen  Freyr  (gramm.  3,335.)  da 
nun  Freyr  in  dem  goth.  frauja  erkannt  wurde  (s.  135), 
läfst  Freyja  ein  goth.  frauju,  gen.  fräujöns  erwarten,  sowol 
mit  der  allgemeinen  bedeuluug  von  donüna,  herrin,  als  in 
der  besonderen  eines  eigennamens  Frdujö.  der  begrif  von 
herrin  geht  uns  bei  Uiülas  ab.  desto  häufiger  drücken  ihn 
die  ahd.  denkmäler  aus  durch  frouwäy  fiöwd  und  mhd. 
haben  sich  Jrouwe ,  Jrou ,  nhd.  frau  allgemein  erhalten, 
während  das  mänidiche  fr6  vülhg  erloschen  ist.  ilirem 
sino  nach  stehen  frouwe  und  frau  vollkommen  dem'h^rre, 
herr  zu  seile  und  werden  gleich  diesem  in  der  anrede  und 
sonst  verwendet*  *)  unsere  minnesänger  streiten  über  den 
Vorzug  der  namen  frouwe  (donüna)  und  wip  (femina)  **), 
wtp  bezieht  sich  mehr  auf  das  geschlecht,  frau  auf  die 
vriurde ;    noch  heute  ist  uns  frau  edler  als  weib,    doch  be- 

*)  wie  nnsy><$,  fehlt  jetzt  das  altfranz.  dame  (dominus);  dorne 
(domiDa)  ist  gebliebeo ,  wie  unser  frau.  spau.  haftet  don  und  dvna^ 
ttai.  nur  donna,  den  niäuniiclien  begrif  drücict  die  roman.  spraclie 
durch  zwei  andere  Wörter  aus,  jenes  aire^  sieur  (s.  lö),  dann  durch 
*figneiin  sig/wre,  seZor,  d.  h.  i»eiiior,  woraus  itel.  signora^  spau.  senura 
»oviert  werden,  aber  kein  franz.  fem. 

•'}  Waith.  48.  49.  57.  Anigb.  45b  46%  m».  2,  182b  216*  Do- 
cell  mJAc  2,  278.  279. 


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190  FRIKKA       FROÜWA 

t 

zeiclinet  auch  (Jas  franz.  femme  manches,  vras  in  tinserm 
fi^au  liegt,  bemerkenswerth  scheint,  dafs  die  dichter  den 
Zusammenhang  des  Wortes  frau  mit  froh  und  freude 
(s.  136. 187)  hervorheben,  vgl.  Frfdank  106,5—8.  Tit.  15, 35.) 

Gerade  umgekelirt  haben  die  ags.  und  alts.  spräche, 
welchen  beiden  das  masc.  frei,  fraho  ungleich  geläufiger 
w^ar,  als  der  ahd.  frouwo,  kein  fem.  daneben  entwickelt 
die  mnl.  mundart  kennt  prautpe  ^  vrouwe  als  anrede  und 
tilel  (Huyd.  op  St.  1,  52.  356.  Rein.  297.  731.  803.  1365. 
1655.  2129.  2288.  2510.  2532.  2557.  2564  u.  s.  w.) 
seltner  in  andern  fallen  (Rein.  2291);  das  nnl.  i^rouw  hat 
seine  bedeutung  ausgedelmt  noch  über  die  grenze  des  nhd. 
frau. 

Allein  diesen  dialecten  sämtlich  gebricht  der  weibliche 
eigenname ,  im  gegensalz  zum  altn. ,  welcher  Ireyja  fast 
nur  als  namen  der  güttin  besitzt  und  kein  freyja  =  hera. 
doch  sieht  hus freyja  (hausfrau)  Swm.  212**  und  Snorri 
weif 8  noch,  dafs  freyja  ein  tignarnafn  und  von  der  göllin 
abgeleitet  ist,  *)  vornelmie  frauen,  rtkiskoftur  sind  freyjiir. 
Sn.  29.  Yngl.  saga  c.  13.  die  lesarten  frAr,  fi-uvor  schei- 
nen hier  verwerflich,  denn  die  isl.  form  fru  ist  offenbar 
aus  dem  dän.  frue^  schwed.  fru,  und  dieses  aus  Deutsch- 
land eingedrungen,  die  göttin  würde  schwed.  Fröa^  dän. 
Fröe  heifsen,  ich  bin*  ihnen  nirgends  begegnet,  das  schwed. 
Volkslied  von  Thors  hammer  nennt  Freyja  Fröyenbor^ 
(das  dän.  Fridlefsborg) ,  ein  anderes  dän.  hat  schon  Fru. 
Saxo  geschweigt  der  göttin,  wie  ihres  vaters,  überall,  er 
würde  sie  wol  auch  Fröa  nennen. 

Von  Freyja,  gen.  Freyju  wird  Frigg^  gen.  Friggfar, 
genau  gesondert,  tochter  des  Fiörgvin,  gattin  des  Odhinn; 
Saxo  gramm.  p.  13  hat  richtig  Frigga,  Otliini  conjux. 
in  formein  treten  beide  deutlich  nebeneinander  auf:  svl 
hialpi  ther  hollar  vaettir,  Frigg  ok  Freyja,  ok  fleiri  godb, 
sem  thA  feldir  mer  fär  af  hündom !'  Srom.  240**.  jenes 
dän.  Volkslied  ebenso  ^Frigge,  Fru  og  Thor'. 

Die  altn.  spräche  pflegt  GG  zu  haben  wo  die  ags.  CO, 
die  ahd.  CC  oder  KK,  d.  h.  wenn  nach  G  oder  K  ablei- 
tendes I  im  spiel  ist,  z.  b.  altn.  egg  (acies)  ags.  ecg,  alid. 
ekki;    alln.  bryggja  (pons)  ags.  brycge,    ahd.  prukka^  altn. 


*)  wie  von  Fr&njd  fraujd,  von  Freyja  freyja,  soll  nach  einem  ui- 
gedr.  Hede  Frauenlobs  in  der  Jen.  Iis.  von  einem  frank,  könig  ffippfo 
der  name  wip  stammen,  hallt  hier  ein  mythischer  Wippo,  Vibba  (aab. 
p.  viii)  nach?  die  deutnng  ist  so  faltch  wie  die  eddiicbe  des  wortec 
vtf  aus  veia,  vgl.  gramm.  3,  323.' 


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Fai&KA       FROUWA  191 

btygffc  (dorsum),  ags«  hrycg,  ahd.  hrukki.  folglich  ags. 
Frivg  t  aUd.  Frihha,  Irikkiay  abstehend  von  Frouu^äj 
noch  mehr  als  Frigg  von  Freyja. 

Aus  vei^wechselung  beider  wesen  erklärt  sich  nun- 
mehr,  Vfie  Adam  von  Bremen,  oder  seine  quelle,  dazu  ge- 
langte den  Freyr  statt  Fru  zu  nennen  Fricco  (oben  s.  138); 
fiir  Freyja  würde  er  gesagt  haben  Fricca.  Fricco,  Fric- 
cho,  Friccolf  sind  gangbare  ahd.  eigennamen. 

Femer  scheint  jetzt  erklärbar,  was  sonst  unerklärlich 
wäre,  warum  der  sechste  Wochentag,  dies  Veneris,  altn. 
genannt  wird  nicht  bloi's  Fre^judagr^  sondern  auch  Frta-- 
dagr,  ahd.  niemals  Frouwüntac,  sondern  I^riatacj  Fr  ige- 
tac,  nhd.  Frehagj  ags.  Frigeä'dg  (f.  Fricgedäg)?  vgl.  oben 
s.  88.  89.  farüisch  Frujggjaded  (Lyngbye  532.) 

Unter  den  angeführten  formen  hat  die  ags.  keinen  an« 
stofs,  in  dem  alid.  und  altn.  namen  befremdet  die  abwe- 
senheit  der  gutturale. 

AuEschlufs  gewährt,  wie  ich  glaube,  die  wichtige  stelle 
des  Paulus  Diac.  1,  8,  worin  AYodans  gemahlin  Frea 
heifst,  womit  nur  Frigg,  nicht  Freyja  kann  gemeint  sein, 
wie  denn  auch  Saxo  gramm.,  mit  ausdrücklicher  beziehung 
auf  Paulus,  sich  der  form  Frig  bedient  (Paulo  teste  au» 
clore  Frig  dea.)  *) 

Dies  langob.  Frea  stimmt  zu  dem  ahd.  Frta ,  ich 
haUe  es  für  identisch  mit  Frigg  y  ja  für  die  urform  de« 
namens ;  mit  Freyja  und  dem  £^.  masc.  frea  hat  es  nichts 
zu  schaffen,  wie  sich  ein  altn.  brü  (pons)  zu  bryggia  ver- 
hält, wird  sich  fri  verhalten  zu  frigg.  das  langob.  Frea 
ist  =  Frea,  Fria,  Frija,  Fria.  zu  seiner  wurzel  leiten  die 
Wörter  goth.  freis,  frijis  (Über),  ahd.  fri,  goth.  frijdn 
(amare)  ahd.  friun,  und  vorzüglich  darf  das  alts.  neutr.  frt 
(mulier^  Hdl.  9,  21.  13,  16.  171,  21.  172,  1.,  das  ags.  free 
(mulier)  Cädm.  29,  28  freolic  cven  (pulchra  femina)  Beov. 
1275.  freolic  faemne  Cädm.  12,  12.  54,  28**)  angeschlagen 
werden,  da  nun  frt  (über)  und  frech,  altn.  frekr  (proter- 
Tus,  impudens)  verwandt  scheinen,  so  zeigen  schon  diese 
adj.  formen  den  Übergang  der  substantivischen. 

Was  ich  auseinandergesetzt  habe  lehrt,  dafs  die  for- 
men und  sogar  die  bedeutungen  beider  namen  nalie  zu- 
sammenstofsen.  Freyja  sagt  aus  die  frohe,  erfreuende, 
liebe,  gnädige  göttin,  Brigg  die  freie,  schöne,  liebenswür- 
dige; an  jene  schliefst  sich  der  allgemeine  begrif  von  frau 

*)  die  ags.  chroDisten  s.  91  nelimen  Frea  ans  Paulus. 
**)  ?gL  mbd.  wipttch  wip.    Parz.  10,  17.    MS.  S,  182b  858«. 


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192  FRIKKA       FROÜWA 

fberriB),  an  diese  der  von  frl  (weib.)*)    Rolda  von  hoM 
(lieb)  gleicht  beiden. 

Desto  begreitticher  wird  die  mischung  der  mythen 
sein.  Saxo  p.  13  erzählt,  wie  Frigga^  um  gold  für  ihren 
schmuck  zu  erlangen,  ehliche  treue  verletzt  habe;  aus- 
führlicher uud  mit  abweichenden  umständen  scheint  die 
sage  von  Freyja  (Sn.  356)  dasselbe  ahenteuer.  indessen 
haltet  auch  bei  anderm  anlafs  auf  Frigg  die  schuld  des 
ehbruchs  (Saem.  63.  Yngl.  saga  cap.  3.)  Sn.  81  ist  vom 
valshamr  der  Freyja,  Sn.  113.  119  von  dem  der  Frigg 
die  rede,  fiir  jenen  streitet  Sasm.  70. 

Darum  schwankt  die  benennung  des  wochentags,  der 
ahd.  FrtaiViC  ist  deutlich  ein  altn.  Fnggjardag,r  j  der 
altn.  Frejjudsigr  wäre  ein  ahd.  Frouu^uniac,  Darum 
schwanken  die  benennungen  eines  gestirns  und  einiger 
pflanzen.  Orions  gürtel,  sonst  auch  Jacobsstab  und  spind<l 
(colus,  7;>LaxaT7;)  geuannt,  heifst  unter  dem  schwed.  volk 
Friggeroch  (colus  Friggae)  **)  oder  Fr ejeroh,  ***)  wie  schon 
8.  167  angemerkt  wurde,  orchis  odoratissima ,  satyiium 
albidum,  eine  ])Qanze  aus  welcher  liebestränke  gekocht 
werden,  isl.  Friggjargras ,  sonst  auch  hionagras  (herba 
conjugalis.)  f)  Die  spätere  christliche  ansieht  ersetzt  die 
heidnische  göttin  durch  Maria,  der  gemeine  mann  auf 
Seeland  benennt  jenes  gestirn  Mariärok,  Mariroh,  meh- 
rere arten  des  farrenkrauts,  adianthum,  polypodium,  asple- 
nium  heifsen  frauenhaar,  junglrauenhaar,  Mariengraa^  ca- 
pillus  Veneria^  isl.  Freyjuhdr,  dän.  Fruehaary  Venus- 
straa^  Venusgräs^  norweg.  Marigras  u.  s.  w.  sollten 
auch  hier  nord.  namen  aus  lateinischen  entsprungen  seia, 
sie  zeigen»  wie  man  Venus  durch  Frigg,  Freyja  und  Ma- 
ria übersetzte. 

Frigg  ^  als  des  höchsten  gottes  gemahlin,  hat  den 
rang  vor  allen  übrigen  göttinnen,  sie  weifs  der  menschen 
Schicksal  (Stem.  63^.  Sn.  23.  64),  nimmt  eide  ab,  diener- 
innen  vollziehen  ihr  geheifs,  sie  steht  den  eben  vor  und 
wird  von  kinderlosen  angefleht  (foruald.  sog.  1,  117.)  da- 
her jenes  hionagras  =  Friggjargras.     In  einigen  theilen 


*)  goth.  fri  =  sanskr.  pri;   saaskr.  prt  (amare)  goth.  frijöa,  alid. 
frindil,  mlid.   vriedel  (aniicus)   serb.   prijatel,    littli    prieteliis,    sHn.<kr. 
prija  (gratus).     Sclielling  (gotth.    von    Samotlirace   p.   65)    stellt  du 
per».   Peri  (fee,  guter  eagel)  mit  Freyja  zusammen. 
••)  Ihre  p.  663. 
***)  Finn  Magnussen  361*. 
t)  daselbst  378. 


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FBIKKA       FROUWA  193 

des  nürdliclieii  Eüglands^  in  Yorkshire;  sxunal  Hallam^ire 
zeigen  gebrüuclie  des  volks  Überreste  des  Fricgcultus*  m 
der  gegend  von  Dcnl  halten  zu  gewissen  jalirszeiten,  vor- 
züglich im  lierbst  die  landleute  einen  Umgang  und  führen 
verinumnit  alte  tanze  auf,  was  sie  den  riesentanz  heifsen: 
den  vornehmsten  riesen  nennen  sie  fVoden  und  seine  frau 
Frigga ,  die  haupüiandlung  des  Schauspiels  besteht  dar- 
in, dafs  zwei  schtverter  um  den  hals  eines  knaben  ge- 
schwungen und  geschlagen  werden,  ohne  ihn  zu  verletzen.  *) 
Noch  bemerkenswerther  ist  aber  die  deutliche  spur  der 
göttin  in  Niedersachsen^  wo  sie  unter  dem  volk  fru  Freie 
heüst,  **)  und  in  den  rollen  auftritt,  die  wir  s.  165.  166 
der  frau  Holle  überwiesen :  zugleich  die  triftigste  bcstäti- 
gung  der  göttlichen  natur  dieser  letzteren,  eine  vollstän- 
digere samlung  aller  noch  jetzt  in  England  und  Nieder- 
sachsen fortdauernden  Überlieferungen  von  Frigg  und 
Freie  wäre  zu  wünschen« 

Freyja  ist  nach  oder  neben  Frigtf  die  geehrteste 
göttin^  ja  ihr  cnltus  scheint  noch  verbreiteter  und  bedeu- 
tender gewesen  zu  sein,  sie  lieifst  ^agaetuz  af  Asynjum' 
Sn.  28,  und  'blötgydlija'  Yngl.  saga  cap.  4,  der  häufige 
Opfer  gebracht  werden*  Heidhrekr  opfert  ihr  einen  eher, 
wie  sonst  dem  Freyr,  und  ehrte  sie  vor  allen  gottern.  ***) 
Sie  v/ar  einem  manne  (keinem  gott,  keinem  As  wenig- 
stens) namens  Odhr  vermählt^  der  sie  aber  verliels  und 
den  sie,  thränen  vergiefsend,  in  der  weiten  weit,  unter 
fremden  Völkern,  aufsuchte«  ihre  thränen  waren  golden, 
das  gold  beifst  Freyjas  thränen,  sie  selbst  grutfagr  (schön 
im  weinen.)  Sn*  37*  119.  133.  Nach  den  ältesten  Zeug- 
nissen erscheint  sie  aber  auch  kriegerisch,  auf  einem  mit 
zwei  katzen  bespannten  wagen  (wie  Thorr  mit  zwei  bö- 
cken  fahrt)  f)    zieht  sie  zur  kampfstätte^    ^ridhr   til    vigs' 

*)  mittheilbog:  Von  John  M.  tCeniblä,  flu^  dem  tnünd  eines  'old 
Vorkshireman'.  das  schauert  beziehe  ich  abf  die  alte  anwendün^  die- 
»er  waffe  bei  hochzeiten,  t^l  RA«  426.  427.  481,  besondere  p.  167. 
16B  die  altfries.  sitte.  noch  im  18  jh^  trugen  in  Schwaben  die  braut- 
fulirer  groCse  Schwerter  mit  flatterndem  band  vor  der  braut  hc^  merk- 
würdig stimmt  der  ehstnische  brauch  (anhang  s.  cxx,  13.) 

••)  Eccard  de  orig.  Germ.  p.  398  i  ^cclebrator  in  picbe  sazonica 
fru  IWke^  cnl  eddem  mmiin  tribunntur^  quae  snperiores  Sazones  Hol- 
<lae  soae  adacribant'^ 

*'*)  Hervararsaga  ed.  rerel.  p  ISl8.  ed.  1785  p.  124;  in  der  ausff. 
der  fomald.  sog«  1,  463  ist  die  stelle  als  Unbestätigte  tariaote  in  die 
»ote  verwiesen« 

+)  Freyjahat  einen  wagen  wie  Nerthns(Ftejrsmntter?),  wieHoIda 
«od  Freyr  selbst,  Wuotan  and  l>onflr,  vgl.  s.  78.  74.  152«  153.  154. 
IM;  mir  grofsea  erhabnen  gottbeitea  gelahrt  der  iLÖnigliche  wagen. 

1» 


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194  FRIKKA       PROOWA 

und  tlieilt  sich  mh  Odhinn  In  die  erschlagnen  (oben  §•  95, 
vgl.  Seem.  42*  Sn,  28.  57)  sie  wird  genannt  *eigandi  val- 
falls'  (quae  sortitur  caesos  in  pugna)  Sn,  119;  valfreyja 
Nialssaga  p.  118.  ibrc  wohnung  führt  den  namen  Fölk- 
vÄngr  oder  Fölkvangar,  ilir  saal  Sessrymnir,  der  sitzrätt- 
mige,  die  menge  des  volks  aufnehmende:  sterbende  frauea 
glauben  nach  dem  tod  in  ihre  gesellschaft  zu  gelangen. 
ThArgerdhr  (Egilssaga  p.  603)  weigert  sich  irdischer  nah- 
rung,  sie  denkt  bald  bei  Freyja  zu  speisen:  ^ok  engan 
(n&ttverdh)  mun  ek  fyrr  enn  at  freyjü^.  Ihr  behagea 
aber  auch  liäbeslieder  und  liebende  sollen  sie  anrufen: 
'henni  Itkadhi  vel  mansöngr,  d  hana  er  gott  at  heita  tQ 
4sta\     8n.  29. 

In  so  weit  solche  yergleichungen  zulässig  sind,  würde 
ttigg  mit  Here  oder  Juno,  zumal  der  pronuba,  Jupiters 
gemahlin,  Frey  ja  mit  Venus,  aber  auch  der  nach  Osiris 
suchenden  Isis ,  auf  einer  linie  stehen.  Freyr  und  Freyja 
gemahnen  an  Liber  imd  Libera  (Dionysus  und  Proserptnt 
oder  auch  Demeter,  an  sonne  und  mond.)  Maria  konnte 
die  gBttermutter  ersetzen  und  die  göttin  der  schönhdt 
wörtlich  stimmt  Frigg  mehr  zu  Libera,  Adams  Ton  Bre- 
men FriccOy  als  gott  der  liebe,  dem  namen  nach  zu  Li- 
ber, im  begrif  zu  Freyr. 

Die  angeführte  stelle  des  Paulus  Diac.  ist  eins  der 
glänzendsten,  unablelmbarsten  Zeugnisse  iur  die  einstifli^ 
mung  der  nordischen  tmd  deutschen  mythologie.  ei& 
Schriftsteller  aus  Carl  des  grofsen  zeit  meldet  uns,  dafs  dii 
Langobarden  Wodans  gemahlin  Frea  nennen,  wie  sie  in 
der  edda  Frigg  heifst.  weder  hat  er  dies  geschöpft  aus 
nordischer  übeiiieferung,  noch  viel  weniger  ist  seine  nadn 
rieht,  durch  Saxos  vermittelung,  quelle  des  nord.  glaubens 
geworden. 

Aber  auch  für  Freyja  besitzen  wir  ein  wichtiges  Süs- 
seres Zeugnis,  nach  der  edda  war  ihr  ein  kostbares  hals- 
band  eigen,  Brtatnga  men  (Brisingorum  monile)  genannt, 
sie  heifst  ^eigandi  Srtatngamens*.  8n.  37.  119.  wie  si« 
das  geschmeide  von  zwergen  erworben,  vrie  es  ihr  von 
Loki  hinterlistig  geraubt  wurde,  (übrt  eine  eigne  erzähluDg 
aus.  Sn.  354 — 357.  Loki  heilst  darum  den  dichtem  BrU 
stngs  thiofr  (Thorl.  obs.  6,  41.  63);  ein  verlornes  cdda- 
^ed  enthielt,  wie  Heimdallr  mit  Loki  um  diesen  sclunudi 
gestritten.  Sn.  105.  Thorr,  als  er  zur  Wiedererlangung  des 
hammers  in  Frey^as  gewaud  gekleidet  wird,  unterlä&t 
nicht,  ihr  berühmtes  luJsband  anzulegen:  ^afi  hann  it 
mikla  men  Brtatnga  P  Saeni.  72.    Von  diesem  •cfamock 


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FaOÜWA       HBLLIA  195 

wdfs  nun  offenbar  andi  der  ags.  dichter  des  Beovulf  2399, 
er  nennt  ihn  Brosinga  mene,  ohne  bezug  auf  die  göttin. 
Ich  möchte  Brisinga  mene  lesen  und  das  wort  überhaupt 
ans  der  würzet  mhd.  brisen,  breis  (nodare,  nodis  constrin- 
gere)  herleiten :  die  halskette  war  aus  gelenken  geschhin- 
gen.  vielleicht  heiTsen  die  schmiedenden  zwerge  Brisin- 
gar?  Das  geschmeide  hängt  so  genau  mit  der  mythe  von 
Freyja  zusammen,  dafs  seine  erwähnung  in  der  ags.  poe- 
sie  aiit  Sicherheit  auf  die  Verbreitung  der  sage  von  Freyja 
unter  dem  sächs.  volksstamm  schliefsen  läfst;  imd  wenn 
die  Gothen  FrAujd  göttlich  verehrten,  werden  sie  auch  ein 
Breisigga  mam  gekannt  haben? 

Noch  unzweifelhafter  als  Frigg  und  Freyja  erscheint 
imter  den  übrigen  Deutschen  die  altn.  göttin  Hei  ^  gen. 
Ud)ar:  goth.  Halt,  gen.  HaljAs,  ahd.  Hel/ia,  gen.  HeUift; 
nur  dafs  sich  der  persönliche  begrif  allmälich  ganz  in  den 
localen  von  helle,  höUe,  aufenthalt  der  todten,  unterweit, 
ort  der  strafe  auflöste,  ursprünglich  ist  Hellia  weder  der 
tod  noch  ein  böses  wesen ;  sie  tödtet  und  verfolgt  nicht, 
sie  nimmt  der  al^eschiednen  menschen  seelen  in  empfang, 
nnd  -hält  sie  unerbittlich  in  ihrer  wohnung  fest 

Nach  der  edda  war  Hei  Lokis  und  einer  riesln  toch« 
ter,  Schwester  des  wolfes  Fenrir  und  einer  ungeheuren 
scblange.  Sie  ist  halb  schwarz  und  halb  menschenfarbig 
{hlA  Mlf  en  h&lf  medh  hörundar  lit)  8n.  33,  nach  art  der 
eisterfarbigen  leute  des  mittelalters ;  in  andern  stellen  vrird 
blofs  ihre  schwarze  färbe  verglichen:  bldr  sem  HeL 
Nlalss.  cap.  117.  forum,  sog.  3,  188.  vgl.  Heljarshinn 
lachenfarbe  der  haut.  Nialss.  cap.  96.  *)  JUire  wohnung 
ist  tief  im  dunkel  der  erde,  abwärts  unter  einer  wiirzel 
des  Yggdrasill,  in  Niflheim,  das  innerste  heifst  dartun 
I^iflhelf  da  liegt  ihr  hof  (rann)  und  ilire  säle.  Sfem.  6*> 
44*  94*   Sn.   4.    Ibre  Schüssel  heifst  hdngr  ^  ihr  messer 


*)  anch  die  alten  stellten  Demeter,  als  zürnende  erdgottin  schwarz 
dar  (pansan.  8,  42.  O.  Müllers  Eumeniden  168),  ja  zuweilen  ihre  der 
Unterwelt  verfallene  tocbter,  Perseplione,  die  schöne  Jungfrau :  Proser- 
proa /urt^a  (Censorin.  de  die  natal.  c.  17.)  der  schwarzen  Aphrodite 
(Melaais)  erwähnt  Pansanlas  2,  2.  8,  6.  9,  2f  und  Athenaeus  (boeh 
13) ;  beluuint  ist  die  ephesische  schwarze  l>iana  and  dafs  im  mittelalter 
schwarze  Marienbilder  geschnitzt  nnd  gemahlt  wurden,  die  beil.  jung- 
fraa  erscheint  dann  als  trauernde  erd  oder  nachtgöttin :  solche  bilder  zu 
Uretto,  Neapel,  Einsiedeln,  Wfirzburg  (A.  W.  2,  209.  286)  Ottingen 
(Göthes  briefw.  mit  einem  kinde  2,  184)  Pny  (Bfischings  nachr.  9. 
S12— .883)  nnd  anderwärts,  vgl.  endlich  die  schwarze  Befana  (oben 
s.  174)  lad  Uau0  (schwnrse)  HuMra  (a.  168.) 


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196  HELF.1A 

aultr ,  gleichbedeulige  namen,  ibi'C  uncrsottlicho  gier  ««•- 
zudrücken.  Die  todten  faliren  zu  ihr  nieder,  fara  til  Hei» 
jar^  eigentlich  nur  die  in  krankheitcn  und  vor  aller  ge- 
storbnen, nicht  die  im  kämpf  gefallnen,  Valhalla  eiiuieh- 
mendeii.  abgezogner  sind  schon  die  redensarten  t  hei  slä, 
berja  t  hei,  in  die  helle  schlagen,  zur  unterweit  senden 
tödten;  /  helju  vera,  in  der  unterweit,  todt  sein.  fomakL 
sog.  iy  233.  hieraus  ist  den  neunord.  dialecten,  ein  gauz 
abstractes  und  entstelltes,  schwed.  ihjäl,  dän«  ihiel  y  d.  k 
todt  entsprungen,  den  begrif  der  unterweit  geben  diese 
neueren  sprachen  nur  durch  eine  Zusammensetzung,  schwed. 
helvete,  dän.  helvede,  d.  L  altn.  heMti  (supplicium  infer- 
nale), abd.  hellawtziy  mhd.  hellewtze.  Die  unbarmher- 
zigkeit  der  eddischen  Hei  wird  ausdrücklich  bervorgeho* 
ben,  was  sie  einmal  hat,  gibt  sie  nie  zurück: 

haldi  Hei  tlivt  er  hefir.    Sn.  68 
gleich  dem  wolf  der  thierfabel  (Reinhart  xxxvi),    wie  ^ 
wölfischer    natur  und  herkunft  ist;    umgekehrt   wird  dem 
wolf  ein  höllischer  raclien  (guttur  infernale)  beigelegt« 

Saxo  gramm.  p.  43  gebraucht  für  Hei  ganz  passend 
das  lat.  Proserpina,  er  läfst  sie  Balders  tod  ansagen.  Nach 
dän.  Volksglauben  soll  Hely  als  dreibeiniges  pferd  umge- 
hend, pest  und  seuche  verkündigen;  ich  werde  im  verfolg 
davon  handeln. 

Auch  das  deutsche  mittelaller  hegte  dergleichen  vwr 
stellungen  von  einer  geCräfsigen,  hungrigen,  unersättlichen 
Hölle,  von  einem  Orcus  esuriens,  d.  h.  dem  menschen- 
fressenden ogre.  *diu  Hella  Jerslindet  al  daz  ter  lebet, 
sine  wirdet  niomer  8at\  N.  Cap.  72.  'diu  Helle  und 
der  arge  wän  werdent  niemer  sat\  welsch,  gast,  und 
noch  persönlicher  lautet,  dafs  ilir  ein  ^affender^  gähnen* 
der  rächen  zugeschrieben  wird,  gleich  dem  wolf:  bilder 
in  der  hs.  des  Cädmon  stellen  sie  durch  einen  blofsen  auf- 
gesperrten mund  dar. 

der  tobende  wuolerich 

der  was  der  Hellen  gelich, 

diu  daz  abgrunde 

hegenit  mit  ir  munde 

unde  den  himel  zuo  der  erden, 

unde  ir  doch  nilit  ne  mac  werden, 

daz  si  imer  werde  vol; 

si  ist  daz  ungesatliche  hol, 

daz  weder  nu  noch  nie  ne  sprah: 

'diz  ist  des  ih  niht  ne  mac\ 
Lampr.  Alex.  6322 — ^30.     Häufig  ist  in  den  alten  gedichtsn 


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RAHANA?  107 

fon  dem  abgrund  uad  den  thiiren  der  höDe  die  rede, 
y^  helligruoba,  hellagrunt,  helliporta  u.  8«  w.  grainni. 
2,458.    der   abgrunde  tunc^   der  tiefen  helle   tunc,     Mart 

Zunächst  liegen  hierbei  zwar  biblische  stellen  unter, 
namentlich  von  unersättliclikeit  der  Hölle  prov.  Salom.  27, 
20,  30,  16  (vgL  Freidank  lxmv))  vom  aufgethan  sein,  Hiob 
26,  6  und  vom  öfnen  ihres  mundes  Esaias  5,  14«  inzwi- 
schen haben  alle  diese  das  maso.  aS^g  oder  infernus,  und 
es  ist  schon  zu  beachten ^  dafs  die  deutsche  spräche,  ihrer 
eigenthümlichkeit  nach,  ein  weibliches  wort  gebrauchen 
ataste.  die  ideen  von  thüre,  abgrund,  öfnen  des  gähnenden 
Schlundes  scheinen  aber  bei  dem  begrif  einer  unterweit  so 
natürlich  und  uoth wendig,  dafs  sie  bei  verschiednen  Völkern 
immer  auf  ähnliche  weise  wiederkehren  werden. 

Das  wesentliche  ist,  die  Vorstellung  einer  weiblichen, 
limigrigen,  nie  zurückgebenden  gottheit ^festzuhalten,  *) 

Mit  Hei  hat  gewisse  ähnlichkcit  eine  andere  altn, 
göttin,  Rän,  beide  sind  zwar  nicht  dsynjur,  aber  aus  ei- 
nem älteren  geschlecht,  dessen  gesellschaft  sich  die  Äsen 
nicht  ganz  entzogen.  Ään  war  des  meergottes  Oegir  gat- 
tin  und  wohnte  in  den  fluten:  ertrinkende  menschen  fielen 
ihr  anheim,  wie  die  zu  land  sterbenden  der  Hei.  wie  fara 
til  Heljar  sterben,  so  bedeutet  fara  til  Rdnar  ?5ur  see  er- 
trinken, die  ertrunknen  zog  sie  in  einem  nets^  zu  ^ich, 
raubte  sie,  und  daher  erklärt  sich  ihr  name:  rdn  (neutr.) 
ist  rapina,  rcena  rapere,  spoliare.  Sie  zeugte  mit  Oegir 
neun  töchter,  die  wellen ,  die  in  der  edda  namentlich  auf- 
geführt und  Ränar  oder  Oegis  dcetr  genannt  werden.  **) 

Auf  die  nachweisung  Jenes  Wortes  rahanen  (spoliare) 
im  Hild.  lied  57  lediglich  stütze  ich  meine  ansieht,  dafs  es 
auch  ein  subst.  rahan  (rapina^  spollum).  und  eine  gölliu  Ra* 


*)  in  Sfidhollan«),  an  der  Maas  einflufs  ins  meer,  findet  sich  ein 
ort  Belvo€UluU,  ich  weifs  nicht ,  ob  altere  orkundlicbe  formen  die  in 
diesem  namen  liegende  idee  von  Höllenfufs,  fnfs  der  Bolle  bestätigten.  ^ 
die  Römer  haben  bierHelinm:  intet  Heliam  ac  Fievnm,  iU  appellan- 
tar  Ostia,  in  quae  effusos  Rhenus  ab  septentrione  in  lacas,  ab  occi« 
deute  in  amnem  MoMim  se  spargit,  media  inter  haec  ore  modiouro  no* 
miae  sao  cnitodiens  alveum.  Plin,  4,  29.  auch  Tac.  ann.  9,  6  lagtt 
immenso  ore,  vgl.  oben  a.  I4T  über  Aeprisdyr^  und  im  travellers  song 
85  Ftfeldor  (ostium  occaui),  wie  Boeth.  cap.  88  p.  114  fclfelstream 
(neeresstrom.) 

••)  Sam.    T9b    144*    153b   180.     Sn.    124.    129,   185,      Byrbvgg. 
»Sgl  p.  2U  «ad  index  •.  v,    Egibsaga  p.  616. 


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19B  8IPPIA 

liana  *)  in  andern  geg^iden  Deutschlands  g^eben  haben 
küune;  wie  einen  Uogi  =  Oegir.  vielleicht  folgt  die  sdk 
tenheit  und  der  untei^ang  jener  ausdrücke  aus  ihrem  heid- 
nischen anklang. 

So  sind  noch  einige  ändert  weibliche  substan^ve  der 
ahd.  und  ags.  spräche  allmälich  selten  geworden  und  zum 
theii  erloschen^  deren  abstraoterer  begrif  einen  älteren  per- 
sönlichen^  ganz  mit  den  namen  altn.  götlinnen  zusammen« 
trelFenden,  mutmafsen  LHfst.  Das  goth.  sibja^  ahd.  aippia,  sippa^ 
das  ags,  siby  gen.  sibbe  bedeuten  friede,  freundschaft,  Verwandt- 
schaft ;  ich-  folgere  daraus  eine  gottheit  Sippiay  Sib^  der 
altn«  Siff  gen.  Sifjar,  Thors  gemalüin  entsprechend,  denn 
auch  der  altn«  pl.  sif)ar  drückt  aus  cognatio,  siG  amicus 
(ahd.  sippio^  ^Ppo))  sift  genus,  cognatio.  diesem  wortsinn 
nach  scheint  SiJ ,  gleich  Frigg,  göttin  der  Schönheit 
und  liebe  9  und  wie  eigenschaften  des  Odhinn  imd  Thdrr 
zusammenstimmen  9  haben  auch  ihre  frauen  Frigg  und  Sif 
gemeinschaftliche  bedeutung.  das  formSli  der  edda  ver* 
gleicht  Sif  mit  Sibylla  (anhang  xx.)  Sif  heifst  in  der 
edda  die  schönhaarige  und  das  gold  Si/jar  haddr  (Sifae 
peplum),  weU  ihr  Loki  das  haar  abschnitt  und  ihr  hernach 
ein  neues,  schöneres  aus  gold  geschmiedet  wurde.  Sn.  119« 
130«  die  erklärer  sehen  hierin  die  vom  feuer  verbrannte, 
wieder  aufwachsende  goldne  fruclit  der  erde  und  halten 
Sif  zu  Ceres,  womit  übereinkäme,  dafs  die  altslav.  Siva 
Ceres,  dea  fnimenti  glossiert  (Hankas  glossen  5*  6*«  ^•); 
allein  S  scheint  hier  das  slav.  shivjete  =  SH  und  V  =  W, 
was  von  dem  deutschen  F,  B,  P  abführt«  Thdrs  mutter, 
nicht  seine  frau,  ist  die  erde, 

Nanna^  Baldrs  gemahlin,  würde  goth.  NanthSy  ali^. 
Nanddy  £igB.  Nddhe  d.  i.  die  kühne,  mutige  hcifsen,  vgl. 
goth.  nanthjan  (andere)  ahd.  ginendan,  ags.  gen^dhau,  altn. 
nenna ;  aber  die  weiblichen  einfachen  namen  sind  verschol- 
len, Procop  1,  8  hat  das  goth.  ©ivdavapS-af 

Gehört  die  altn.  Gefjon  zu  der  alts.  und  ags.  benen« 
nung  des  meeres  gebhan,  geofon?  selbst  dies  wort  ist  dem 
ahd.  dialect  unbekannt. 

Solche  Schlüsse  aus  ersterbenden  Wörtern  auf  erstor- 
bene gottheiten  lassen  sich  noch  vermehren;  es  ist  ntclit 
unnütz  sie  zu  versuchen  ,  weil  sie  den  blick  für  künftige 
forschungen    schärfen«      zu    beweisen    erheben    kann     sie, 


')  wie  Hluodana,  Tambna  s.  157. 

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6Ö1TJMNEN  199 

Mrenn   au«    der   $ag6  oder  eoiMther   ubereinttinunuiig    der 
lujtlien  aufgedeckt  wird. 

Im  ganzen  mag  auffallen ,  daTs  der  nachweisbaren 
göttinnen  fast  eine  gröfsere  zahl  ist  als  der  götter,  da  doch 
in  vollständigen  mytUologidU  diese  weit  überwiegen,  mir 
scheint;  sage  und  name  von  göttinnen  stellte  sich  der  christ- 
lichen ansieht  ungefährlicher,  imschuldiger  dar  imd  wurde 
mit  minderer  strenge  verfolgt,  zum  theil  waren  auch  die 
mythen  von  weibliclien  gottheiten  anmutiger,  und  in  der 
erinnerung  des  volks  unzerstörbarer. 


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200  HELDEN 


GAP.  XI.     HELDEN. 

Die  götter  sind  in  bestandigem  yerkelir  mit  den  men* 
sehen;  überall  bedürfen  die  menschen  der  götter.  Ver- 
mischungen beider  können  sich  auf  doppelte  -weise  zutra- 
gen, durch  Wandlung  der  götter  in  beiden  oder  der  beiden 
in  götter:  dort  sinkt  der  gott  herab  in  menschliche  natur, 
hier .  wird  der  mensch  erhoben  zur  göttlichen«  poesie,  sage, 
ja  der  glaube  selbst  schöpft  aus  beidem  wärme  und  leben, 
indem  das  göttliche  wcscn  den  irdischen  dingen  näber  ge- 
rückt, die  irdische  kraft  aber  verklärt  erscheint,  ohne  bei- 
den, aus  denen  noch  der  göttliche  funke  sprülit,  oder  die 
seiner  theilhaftig  w^erden,  kann  das  epos  nicht  auskommeo« 

So  viel  ich  sehe,  beruht  in  den  meisten  fällen,  wenn 
nicht  immer,  dieses  zweifache  Verhältnis  auf  leiblicher  vor* 
wandtschaft,  auf  einer  zwischen  unsterblichen  und  sterb- 
lichen wesen  stattgefundnen  Verbindung.  Hercules  wird 
vergöttert,  weil  ihn  Jupiter  mit  Alcmene  gezeugt  hal; 
die  halbgottheit  des  Perseus,  der  Dioskuren  geht  hervor 
aus  Jupiters  bund  mit  Danaä  und  Leda,  Romulus^  der 
göttliche,  ist  des  Mars  und  der  Silvia  kind.  den  nach  der 
mutter,  als  mensch,  geborneu  söhn  *)  zieht  des  vaters  himm- 
lische natur  aus  der  ärgern  band  in  die  bessere  wieder 
zu  sich.  Die  mjthen  sind  uns  verschollen^  aus  denen  vrir 
entnähmen,  welche  Jungfrauen  nach  Yiidens  umarmung  die 
vergötterten  beiden  Seaxneut,  Bäldäg,  C4sere  gebaren, 
(anh.  s,  ni.)  Wie  HeimdaUr  der  gott,  in  Rtgs  gestalt,  nie- 
ncr  zur  erde  stieg  und  sterbliche  nachkommen  zurücklicfs, 
erzählt  ein  eddischer  gesang,  aber  ihre  eigennamen  bleiben 
verschwiegen,  nur  die  appellativa  sind  genannt.  Den  über- 
menschlichen glan« ,  der  noch  auf  Sigufrit  fallt,  erklärt 
seine  abkunft  von  Sigumunt,  Sigi  ]xnA  Wuotan.  Es  kann 
im  einzelnen  fall  zweifelhaft  sein,  oder  nach  verschieden- 
heit  der  sage  abweichend  aufgcfafst  werden,  ob  ein  goit 
in  die  reihe  der  beiden,  ein  held  in  die  der  götter  tri«: 
im  Norden  gilt  Baldr  für  einen  voU^u  gott,  der  säphsisclie 


*)  partut  Sequilar  ventrem,  vgl.  RA.  824.  826. 

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HELDEN  901 

Baldag  war  wol  nur  halbgott.  Ja  selbst  jene  nordi- 
sche ansieht  ist  genau  betrachtet  nur  die  der  edda,  nicht 
^axos,  -welcher  den  Balder  p,  39  ausdrücklich  für  einen 
^aemideumy  arcano  superum  semiue  procreatum'  ausgibt, 
ich  bin  in  altn.  Sprachdenkmälern  nie  auf  die  beneunung 
hfilfgodh  oder  hdlfds  gestofsen^  obgleich  hdlftrüll,  hiilfrisi 
mehrmak  vorkommen.  ^$emidei^  setzt  auch  Jornandes 
(oben  s.  17.) 

Helden,  die  das  epos  mit  der  geschichte  gemein  hat, 
leiden,  nicht  leicht  Vergötterung,  -wie  umgekehrt  alle,  in 
die  dichtung  nicht  durch  die  geschichte  eingehenden,  irgend 
göttlichen  anklang  vermuten  lassen.  *)  so  Siegfried,  Rü- 
diger, vielleicht  Hagen  in  den  Nibelungen ,  w^älu-end  Diet- 
rich und  Etzel  die  grenze  des  menschlichen  einhalten,  den 
Griechen  konnte  Achilles  vergöttert  werden,  nicht  Agamemnon. 

Ein  merkmal,  götter  von  göttlichen  beiden  zu  unter- 
scheiden finde  ich  darin,  dafs  die  nameu  jener  in  sich  be- 
deutsam, d.  h.  ursprünglich  auf  ihr  inneres  wesen  selbst 
zu  beziehen  sind.  **)  den  namen  der  halbgötter  hann  diese 
bedeutsamkeit  fehlen,  wenn  sie  ans  der  menschlichen  na» 
tur  mit  übernommen  werden,  in  der  regel  sind  götterna- 
men  einfach,  heldennamen  oft  zusammengesetzt,  Donar 
ist  darum  ein  ursprünglicher  gott,  kein  zur  gottheit  erhöh- 
ter mensch:  seine  benennung  drückt  zugleich  seinen  cba- 
racter  aus.  derselbe  grund  streitet  gegen  die  ansieht,  dafs 
Wuotan  aus  der  schaar  der  menschen  sich  in  die  der  göt- 
ter eingedrungen  habe.  ***) 


*)  eiue  vergleichende  nntersnchung  der  griechischen,  roroischeo, 
nordischen  Vergötterungen  überschritte  die  mir  hier  gesteckte  schranke, 
ich  sondere  die  durch  poesie  und  sage  aliein  vollbrachten  von  den 
dnrcli  heidnische  priester  ausgesprochnen ,  der  ehristlichen  canonisation 
ibnlichen.    (hernach  ein  beispiel  in  dem  schwedisctien  Erich.) 

**)  ungefähr  wie  in  der  thierfabel  die  namen  ihrer  träger. 

***)  der  irthum  ist  aber  frühe,  und  durch  die  Christen  aufgekom- 
ntcn,  die  den  heidnischen  gott  herunterzuziehen  suchten»  indem  sie 
seiner  angcmafsten  gottheit  menschlichen  Ursprung  beilegten.  Schon 
bei  dem  ags.  Ethelwerd  p.  833  liest  man:  'Hengest  et  Horsa,  hi  ne- 
potes  fuere  IFoddan  regis  barbarorum,  quem  post  infanda  dlgnitate 
ut  deum  houorantes ,  sacrificium  obtulerunt  pagani  victoriae  causa  sive 
virtutis,  ut  humanitas  saepius  credit  hoc  quod  videt*.  AVilh.  von  MrI- 
mesbury  ahnliche  worte  sind  oben  s.  91  ausgezogen;  auch  er  sagt 
'deum  esse  delirantes\  Albericus  tr.  fönt.  1,  23  (nach  dem  j.  274) 
drückt  sich  so  aus;  in  hac  generatioiie  decimn  ab  incarnatione  du- 
mini  reguasse  iuvcuitur  quidam  Aiercurius,  in  Gottlandia  insula,  quae 
est  iüter  Daciam  et  Russiam  extra  romanuui  Imperium,  a  quo  Mercu- 
no,  qal  Wodeu  dictus  est,  descendit  gencalogia  Anglorum  et  multo- 
nuQ  aliomm'.    Mdit  viel  anders  stellt  Suorri  in  der  YngU  «aga  Od- 


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908  HELDEN 

Halbg^iUer  baben  für  das  Tolk  etwas  veHraulidMS 
zum  voraus,  aus  unserer  mitte  entsprossen;  in  unsere  nä- 
here gesellscbaft  eingelassen ,  sind  sie  es^  an  die  sich  ver« 
ebruug ,  gebete^  schwüre  am  liebsten  wenden :  sie  vermit» 
tebi;  erleichtern  uns  den  Umgang  mit  dem  höheren  gott« 
wie  es  dem  Römer  nahe  lag  'mehercle\  'mecastor%  ^eca« 
stor^,  ^edepoF  zu  schwören,  schwuren  auch  die  Qiristen 
des  mittelalters  häufiger  bei  besonderen  heiligen^  ala  bei 
gott  selbst. 

Wir  vermissen  naehrichten  über  die  art  und  weise^ 
wie  sich  der  heroencultus,  verschieden  von  dem  eigentli- 
chen götterdionst  9  unter  unsem  vorfahren  gestaltet  halte  ^ 
sogar  die  altn«  quellen  enthalten  darüber  nichts.  Bei  den 
Griechen  wichen  die  heldenopfer  ab  von  den  götteropfern« 
dem  gott  wurde  blofs  das  eingeweide  und  fett  der  thiere 
dargebracht,  der  aufsteigende  geruch  genügte;  dem  vergöt^ 
terten  held  das  fleisch  und  blut  selbst,  zum  genufs.  So 
sättigen  sich  die  in  ValhöU  aufgenommnen  emherjar  an 
Saehrimnir,  des  ebers,  gesottnem  fleisch^  und  trinken  mit 
den  äsen;  nicht  vrird  gesagt,  dafs  äsen  4uch  an  der  speise 
tlieü  genommen  hätten.  Ssem.  36.  42.  8n,  42.  die  edda 
lehrt,  dafs  Odhinn  selbst  keine  speise  genofs  (önga  vis! 
tharf  haun),  nur  wein  trank  (vtn  er  honum  baedhi  dryckr 
ok  matr),  gleich  Jupiter,  mit  der  ihm  vorgesetzten  speise 
nalirte  er  Geri  und  Freki,  seine  wölfe.  Sn.  42*  ^vidh  vtn 
eitt  vdpngöfigr  Odhinn  eo  lifir\  Sffim«  42^.  Läfst  sich  dar- 
aus eine  Verschiedenheit  der  opfer  folgern,  die  göttern  und 
halbgöttem  geschahen? 

Es  wird  einzelne  wesen  geben,  bei  denen  wir  unsi- 
cher bleiben  9  ob  die  vorzcit  mit  ihnen  den  begnf  eines 
vollen  gottes  oder  halbgoltcs  verband. 

Dafs  die  Germanen  dem  Hercules  'coucessa  anima- 
lia*  opferten,  dafs  ihm  ein  hain  geheüigt  war,  dafs  sie  beim 
beginn  der  scldacht  seinen  preis,  vor  dem  aller  andern  Jiel- 


bin  als  einen  ans  Alien  bergekommeneii  hofd/ngi  und  hermadhr  vor,  der 
sich  durch  seine  klugheit  die  Verehrung  der  Völker  auwege  gebracht  i 
auch  Saxo  gramni.  bekennt  sich  zu  einer  äiinlicben  meinung :  *ea  tem- 
pestate  cum  Oihinus  quitlam^  (Europa  tota,  faho  dwinitatis  tiluh  cea- 
seretur*  u.  s.  w.  AVelche  andere  idee  konnten  auch  damals  rechtgläu- 
bige Christen  von  dem  falschen  gott  ihrer  voreltem  fassen?  sie  nui- 
sten  der  abgötterei  geflissentlichen  betrug  unterscliieben ,  und  waren 
zu  begreifen  unfähig,  dafs  dem  heidenthum  etwas  ganz  anderes  zum 
grund  liegt ,  als  ein  historischer  wahn.  es  hat  so  wenig  eiiien  wirkli- 
chen mensch  und  konig  Odiiin  (geschweige  zwei  oder  drei)  gegeben 
als  einen  wirklichen  Jupiter  oder  Mercur. 


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(HBRCULBS)   SAHSNOZ      MS 

deD,  in  liedera  $angen ,  sagt  Tao.  Germ.  3.  9*  ■  ann.  2^  12. 
aber  welcben  einhelnusclien  held  bezeichnet  uns  diese  in* 
terpretatio  romana?  einen  aobn  Wuotans  vermutlich  ^  aU 
lein  welchen? 

Kaum  Donar 9  den  Init  der  erde  gezeugten,  obgleich 
dann  die  übergehung  Jupiters  anders  gedeutet  werden 
könnte,  als  ich  sie  s«  85  zu  deuten  suchte,  doch  waren 
Donar  uad  Jupiter  niemals  halbgötter.  Auch  Ziu  nicht^ 
den  hätte  der  Römer  Mars  genannt,  den  nord.  Baldr  oder 
Herm^dhr?  sie  sind,  nach  der  edda  wenigstens,  volle 
götter.  vielleicht  den  ags.  Seaxnedty  den  altsächsischen 
oder  altGränkischen  Sahsndt?  der  noch  sechs  Jahrhunderte 
später  neben  Wödan  und  neben  Thunar  angebetet  wurde 
mid  jedenfalls  eine  der  vorragenden  gottlieiten  war?  anh. 
8«  VJU  vu. 

Wie,  gedenken  nicht  mehrere,  und  eben  am  Nieder- 
rhein,  in  Lothringen  fast  in  den  gegenden  der  abrenuntia- 
tionsformel,  aufgefundne  inscriptiouen  eines  HERCULES 
8AXANVS  *)  ?  sahs  hiefs  in  imsercp  spräche  was  das  lat. 
9axum,  stein,  steinwaffe,  messer,  hammer,  Schwert  (s.  124.) 
tahsnöz  bedeutet  also  steingenofs.  **)  die  sage,  welche  uns 
diesen  namen  erläutert  hatte,  scheint  verloren,  es  könnte 
eine  ähnliche  gewesen  sein,  wie  die,  welche  man  zur  deu- 
tung  des  Hercules  saxanus  anwendet.  Hercules,  heim- 
idehend  mit  den  erbeuteten  rindern,  von  ligurischen  beiden 
überfallen  und  des  geschofses  ermangelnd  sei  im  kämpf  er* 
schöpft  auf  die  knie  gesunken ;  da  habe  ihm  Jupiter  steine 
aus  einer  wölke  regnen  lassen,  mit  welchen  er  bald  seine 
feinde  besiegte,  ein  steinbedecktes  feld  (campus  lapideus^  . 
zwischen  Massilien  und  der  Rlione  bezeuge  den  Vorfall.***) 
Indessen  kommen  in  allen  beiden  und  riesensagen  so  viel 
denkwürdige  steinwürfe  vor  f),  dafs  mir  diese  beziehung 
sehr  zweifelhaft  erscheint,  zumal  das  adj.  saxanus  uuclas- 


*)  Gruter  49,  3.  Orelli  no.  200r.  2009.  Hagenbnch  de  Hercule 
nxano,  Susati  1731,  Scliöpflin  Als.  ill.  1,441.  Canoegieter  de  rauta- 
tSone  roman.  nomiDom.  Lagd.  1774.  p.  165  —  174.  Joli.  Vih.  Brewef 
▼aterl.  chronik.  Köln  1825.  1,  15  —  36.  648.  649.  anf  den  HerculM 
tfuigu^nus  lasse  ich  micli  nicht  ein ;  (Canoegieter  I.  c.  161  ff.  stellt  iho^ 
obae  grond,   mit  Freyr  Kasammen,) 

**)  alid.  hüsgiiiOz,  ags.  bordgeaeat,  beodgeneät,  mhd.  bankgendz, 
stnolgen<^z«  spiezgenöz  u.  s.  w. 

***)  Strabo  IV.  I,  7,  worte  aas  des  Aeschylus  Prometheus  anfuln 
rend.  Dion.  Hai.  1»  41.  Hygin.  P.  A.  2^  6.  Tzetz.  chil.  2,  341. 
Kbol.  Lycophr.  648.    Pomp.  Mela  2,   5. 

f )  z.  b.  Sörli  und  Hamtli^r  werden  mit  steinen  todt  geworfen  (Sn. 
144),  die  dichter  brauchen  Uamtli^s  ok  Sörla  grand  für  stein. 


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904  ZVISKO 

^ftiscli  gebildet  Ist  *),  und  eher  die  nacliaLninng  einer  ger- 
mauischcn  ronii  sein  könnte,  sahsin  ?  Inscliriiten,  zur  zeit 
des  2.  3.  4  jh.  in  Germanien  eingebaiien,  mocbten  leicbt  dio 
schon  bei  Tacitus  und  seinen  gewäbrsmäniiern  bergebratlile 
interprelatioQ  des  göltlicbcn  beiden  der  Deutsclien  beibc 
halten  und  durch  das  zugefügte  adj.  genauer  beslinimeu? 
gilt  es  hier  die  edda  zu  ratbe  zu  ziehen ,  so  wäre  Salisnöt 

Sefuuden  in  Bari  (Sn.  7),  dem  manne,  den  Audhumla  aus 
\en  steinen  lecltj  einem  wahren  genofs  der  steine  und 
felsen.  Dies  ist  meine  Vermutung  über  Hercules,  HercU' 
les  saxanus  und  Sahsnöt ;  dafs  die  Sachsen,  deren  name 
unleugbar  von  salis  (slein  oder  steinwaffe)  herrülu^t,  solch 
einen  stammgolt  cigculliiimlich  feierlcn,  liegt  vor  äugen. 

TviscOj  der  einlgeborne  gott  (deus  terra  edilus)  ist 
schon  im  anhang  s.  xxix  besprochen,  an  Ziu,  Tius,  Mars 
darf  er  nicht  gemahnen,  Tacilus  v\'iirde  dann  EU,  nicht  VI 
setzen,  und  SC  wäre  auch  eine  bei  Ziu  ungebrauchlidio 
ableituug.  Nur  kann  es,  in  germanisclier  slammsage ,  noch 
andere  Zwillinge  ab  die  gegeben  haben,  die  der  Pionier  im- 
ter  Castor  und  Pollux  (Germ.  43)  meint,  deren  heiltlium  den 
örllichen  namen  Alx'(s.  39)  führte.  Baldr  und  llermodLr 
sind  blofs  brüder,  keine  gemini.  Tvisco  mag  der  sonst  ver- 
lorne,  damals  vorwallende  beiname  eines  der  gix)fscn  göt- 
ter  sein,  den  der  germanische  stamm  als  seinen  obersleu 
ahnherrn  und  Stifter  belrachtele.  am  Mahrscheinlichsten 
kein  andrer  als  Wuotan,  dessen  eigenuame  durch  jenen  ver- 
dunkelt wurde;  will  man  auf  die  baare  wurzcl  von  TM 
rücksicht  nehmen  und  den  bestimmleren  begrif  ,dcr  zwU* 
lingschaft  aufgeben,  so  liorse  sich  mulmaisen,  dal's  T\iscu  die 
eddischen  beinamen  Odiiins  Ti^eggi  (duplex)  und  J^^'/- 
blindi  (bis  coecus,  vgl.  einäugig  s.  101)  berühren  könne, 
wenn  es  anders  mit  ihnen  völlige  richtigkeit  hat :  ich  liiule 
sie  zwar  in  Resens  ausg.  der  kenuingar  bei  Odhinn  no. 
104,  105,  nicht  aber  in  Rasks  Snorraedda. 

Maatius^  des  Tvisco  söhn,  ein  sichtbar  cchldeutschcr 
name,  entspricht  dem  gotli.  man  (nicht  der  schwachen  form 
manna,  die  Tacitus  Manno  geben  würde) ,  ahd.  man ,  ags« 
man ,  mon,  altn.  madlir.  ohne  zweifei  hat  im  alterthum 
diesem  wort  ein  mytliischer,'  tieferer  sinn  beigewohnt  (vgl. 
0.  36  und  8.  xxvni  des  anhangs  über  die  wurzel),  erst  durch 


*)  lat.  adj.  auf  -antis  erwacliüeii  sonst  aus  ortAnamen  (niontaiius, 
*  foutauiis,  roinauus,  thebanus),   kaum  aus  neutralen ;   Sasum  mu^te  we* 
ni;;;steus  Hie  benennuog  des  steiiifelds  gewesen  stin,  um  davon  ein  sax- 
anus zu  formieren. 


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MAN        IN6  205 

ontiigung  des  ableitenden  ISK  entspringt  die  bedetilung 
homo.  Zwar  kennt  die  edda  keinen  söhn  Odhins  mit  dem 
Dornen  Madlir  ;  die  mutmassung,  dafs  Man  in  dem  7/er- 
mon^  Itrman  der  genealogien  stecken  könne,  ist  im  auLang 
geäiifsert  worden,  er  tritt  dort  als  ahn  oder  nachkomme 
oder  Wiedergeburt  Odhins  auf.  Selbst  das  jüngere  mitlelal- 
ter  kannte  noch  Überlieferungen  von  diesem  Stammvater  des 
deutschen  volks ;  Frauenlob^  dessen  bekanntschaft  mit  dem 
nythischen  könig  Wippo  icli  s.  190  anführte,  sagt  in  einem 
uügedruckten  liede  des  jen.  cod« 

Mennor  der  erste  was  genant, 

dem  diutischc  rede  got  tet  bekant^ 
webt  das  schliefsende  OR  auf  einen  nordischen  oder  frie- 
sischen durcligang  der  sage? 

Auch  des  Mannes  drei  oder  fünf  söhne  wurden  in 
die  zahl  der  halbgötter  aufgenommen  (anli.  s.  xxvi-xxvni) ; 
nicht  auf  alle  doch  auf  einige  wirft  die  uns  erhaltene  sage 
hin  und  wieder  schein,  ich  will  noch  einiges  nähere  von 
den  bei  Tacitus  ausgezeichneten ,  Ingo,  Isco  und  Uermino, 
abhandeln. 

Ing  oder  Ingo  hat  sich  im  andetiken  der  sächsischen 
und  nordischen  stamme  zulangst  erhalten,  ahd.  runenalpha* 
bete  schreiben  Inc.  im  ags.  runenlied  scheint  noch  etwas 
Yon  seiner  sage  nachzuklingen: 

Ing  väs  sßrest  mid  Eastdenum 

geseven  secgum,  odh  he  sidiidhan  edst 

ofer  vtEg  gev4t.  *)     vajn  äfter  ran. 

thus  Heardingas  thone  häle  nemdun, 
erst  hielt  sich  Ing  bei  den  Ostdänen  auf,  dann  zog  er  gen 
Osten  über  meer,  sein  wagen  rollte  hinten  nach,  wir  ha- 
ben schon  öfter  (s.  73.  193)  den  wagen  als  kennzeichen 
der  götter  gesehen.  *so  (nemlich  Ing)  nannten,  diesen  na- 
men  gaben  ihm  die  Hariunge\  Hartunc  im  heldenbuch 
heifst  ein  ionig  von  Reufsen  **),  im  Alphart  74  einer  der 
wulfiiigischen  beiden;  die  Härtungen  scheinen  ein  den  Dä- 
nen und  Schweden  östlich  gelegnes  volk,  unter  welcheni 
lag  eine  Zeitlang  gelebt  haben  soll,  zu  diesem  östlichen 
Wohnsitz  des  Ing  stimmt  auifallend  die  merkwürdige  Stamm- 
tafel, welche  das  Islendingabök  von  den  Ynglingen  liefert 
(Islend.  sog.  1,  19.)  daselbst  steht  ganz  oben  an  ein 
Yngvi  Tyrija  lonüngr  ***)  und  auf  ihn  folgen  Niördhr, 

•)  Cadm.  88,  12.  gevat  ofer  vonne  vaeg  st^an, 
••)  sonst  Hartnit,  Uertnit  voü  Riuzeo.    Whs.  heldensage  198.  253. 
•••)  gerade  so  heifst  sonst  Odliinn   Tyrkja  kunufif^r.   Su.  368  nad 
0.  zzi,  Tgl.  Tyrkir  Sa.  78.  88  nnd  form^ü  15. 


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a09  INO 

Frayr  (so),  Fiölnir,  Svegdhit  u.  8.  vr«  Die  YngKagasagt 
hingegen  beginnt  den  stamm  erst  mit  Niördhr  ^  welchem 
Freyr,  Fiölnir  u,  8.  w.  folgen  ^  und  bei  Freyr  wird  ange- 
geben, dafs  er  mit  anderm  namen  Yngvi  oder  aucli  Yng" 
vifreyr  (oben  8.  138)  heifse  und  nach  ihm  das  ganze  ge* 
schlecht  Yngltngar  genannt  werde,  richtiger  wäre  Ing^ 
ingar  oder  Ingvtngar^  wie  die  ahd.  und  ags.  Schreibung 
lehrt;  man  verwechselte  im  Norden  damit  ^nglingr  (juve- 
nis)  ahd.  jungilinc,  ags.  geongling ,  von  der  gar  nicht  hier- 
her gehörigen  wurzel  üngr,  junc,  geong.  abgesehn  davon, 
bestätigt  der  türkische  könig  Yngvi,  und  selbst  der  mu- 
sische Härtung  Ings  morgeuländischen  aufenthalt :  vielleicht 
muTs,  weil  den  .Nordmannen  Rufsland  Garrfrtrtki  hiefs,  für 
Hearding  Gearding,  für  Härtung  gelesen  werden  Gar-" 
iunc'i*)  Die  wichtigste  Wahrnehmung  ist  jedoch,  dafs  in 
jener  genealogie  lag  vi  vor  Niördhr  gesetzt  wird,  also 
Freys  grofsvater  ist,  wälirend  die  andere  rccension  ihn  in 
Freyr  gleichsam  wiedergeboren  werden  läfst  und  mit  Frey« 
namen  verschmilzt  davon  steckt  eine  spur  auch  in  dem 
ags.  frei  Ingvina.  mit  recht  aber  scheint  Iri^ui  oben  an 
der  spitze  eines  geschlechts  zu  stehen,  das  den  namen 
Ingvingar  =  Ynglingar  fülirt.  Was  nun  die  ahn.  stamm- 
sage nicht  höher  hinauf  zu  bringen  vermag,  als  zu  Ingvi, 
ergänzt  uns  Tacitus  auf  das  willkommenste.  In^  od^ 
Ingo  ist  ihm  des  Mannus,  dieser  des  Tvisco  söhn. 

Vollständig  wäre  dann  die  göttliche  reilie:  Tuisco, 
Mannus f  Ingus,  Nerthus,  Fra<^?  (Fravio?  oder  wie  ia 
römischem  mund  ein  dem  goth.  Friuja  ähnlicher  name  lau- 
tete.) des  erdensohnes  Tvisco  mutter  wiederholt  sich,  nach 
zwei  Zwischengliedern,  in  Nerthus,  wie  der  nord.  Ingvi 
bald  vor,  bald  nach  Wördbr  steht. 

Dies  zwischen  Niördhr  und  Ingvi  nacligewiesne  ge- 
lenke,  der  unverkennbare  haft  eines  nordischen  gottes  an 
einem  tacitischen  gotthelden  drückt,  wenn  ich  mich  nicht 
täusche,  der  lesart  Nerthus  das  siegel  auf.  Will  man  in 
die  götterreihe  keine  göttin  einlassen  ^  so  kostet  die  an- 
nähme wenig,  dafs  einzelne  deutsche  Völker  Nerthus  zur 
göttin,  andere  zum  gott  machten. 

Alles  dies  greift  nun  in  andere  altn.  und  eddische  my- 
then,  einzelne  lichter  streifen  in  das  tiefere  dunkel  der 
Vorzeit,  können  es  aber  noch  nicht  ganz  beleuchten  und 
verlieren  sich  oft  nur  in  räthselhaftem  Schimmer,    das  for- 


*)  HartimcsHaddli^^?  oben  s.  140. 

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INO       ISK  207 

mlH  der  eclda  p.  15  nennt  Odliinn  vatei^  des  Yngpi  and 
rt^Ut  ihn  als  obersten  alin  der  Ynglingar  auf:  man  sieht 
sich  von  neuem  befugt  fVuotan  mit  Mnnnua  oder  2V/«co 
gleich  zu  setzen.  *)  Noch  weiter  reicht  die  erzählung  fr4 
Formoti  og  hans  (ettmönnum  (forald.  sog.  2,  12):  zu  obcrst 
steht  Burri ,  wieder  könig  von  Tyrkland ,  auf  ihn  folgen 
Burr^  Odhinn^  Ireyr,  Niördhr^  Freyr,  Fiölnir  u.  s.  w., 
mithin  ein  doppelter  Freyr,  der  erste  an  Yngvis  stelle  (je- 
ner Yngvifreyr.)  Burri  und  Barr  sind  die  in  einer 
andern  reihe  (anhang  xxi)  dem  Finn  und  Frialaf  gleich- 
gesetzten, Burri  und  Bors^  wiederum  aber  die  in  Snor- 
raedda  7.  8  als  vorfahren  der  drei  briider  Odhinn^  Fili^ 
Ve  aufgeführten  Buri  und  Barr»  Buri  ist  der  Ton  der 
kuh  aas  den  steinen  geleckte  erste  mann  oder  mensch*  *^') 
Hiernach  scheinen  Burij  Bö'rr^  Odhinn  parallel  den  ni:r 
mit  andern  namen  genannten  Tvisco^  MannuSj  Ingu^j 
da  Yngvi  =  Odhinn :  dem  Ingus  stehen  zwei  brüder  (Is- 
tos,  Hermino)  zur  seite,  wie  dem  Odhinn  (Vili,  Ve),  Tvisco 
Mttfet  terra  genitus^  wie  Buri  aus  dem  stein  hervorgeht, 
oder  will  man  lieber  Buri  für  SahsnSz  nehmen  (vorhin 
8.  204),  Ich  weifs  nicht  ob  hier  sage  von  Sltercn  natur- 
g5t(ern  und  jüngeren  halbgöttern  unter  einander  rinnt; 
«wischen  ihnen  scheint  aber  die  eigenthche  gottheit  ( fVuO'- 
tan^  Odhinn)  immer  aufzutauchen.  Ich  fahre  fort  Taci- 
ttis  auszulegen. 

In  der  Vermutung,  des  Ingus  (oder  Ingo)  bruder 
könne  nur  Isco,  nicht  Isto,  geheifsen  haben  (anhang  s. 
xxvu.  xxvm),  bestärkt  mich  alles.  ***)  sollte  gar  die  eddi- 
sche erzählung  von  einem  ersterschafnen  ^skr  (S»m.  3. 
8n.  10)  und  jener  name  zusammenhängen,  wenn  auch  die 
ags.  Oesdngas  ans  dem  spiel  bleiben?  seltsam  scheint  schon, 
dafs  wir  in  den  runennamen  diesem  ask  (die  deutung  mag 
den  bäum  im  sinn  haben  oder  nicht)  neben  dem  z/zc,  jbzV/, 
er,  lauter  beiden  imd  göttern  begegnen,  aber  auch  der 
vocalwechsel  in  den  beiden  namensformen  trift  sich  gerade 
80  in  der  ableitungssilbe  -wi  imd  ^ask. 

Hier  mag  ein  verwegner  einfall  sich  luft  machen«    in 


^  0  verwirrend  ist  in  einer  hs.  des  formell  (p.  15  unten)  Odhinn  =s 
Jüordkr,    Seam.  •«  ein  Yngi^i  unter  zwergen. 

••)  Buri  wäre  alid.  Poro,  gotlu  Bora;  Börr  ahd.  Pam,  goth.  Ba- 
ras?  nahe  liegt  altn.  burr,  gen.  burar  (fiiiuO  ags.  byre  (fitius)  gotli. 
badri. 

***)  zn  meiner  freude  haben  selbst  hss.  Tscei^ones,  wie  ich  eben  ans 
Heu  var.  lect  In  Tac.  Germ,  eomment  8»  Hefanst.  1834.  p.  8  sehe. 


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aoe  iMHN 

unserer  spräche  vrird  das  abstanrunungsverhtiitiiis  hoapt- 
sächlick  durch  zwei  ableitungssilben  ausgedrückt:  IMG  uud 
ISK.  Jiiaiimiig  bedeutet  dea  von  man  stammeDdeu  sobn^ 
manni&k,  mannisko  fast  dasselbe,  ich  sage  nicht  ^  dafs  die 
gottgleichea  beiden  unserer  voreitern  aus  der  granunali- 
sehen  form  genommen,  noch  weniger,  dafs  die  granmiatische 
form  aus  den  heldennamen  entsprungen  sei.  ich  lasse  den 
tiefen  Zusammenhang  beider  unerklärt^  und  zeige  ihn  blofs  an. 

Des  Mannus  dritter  söhn  wird  uns  4änger  beschäftigen 
als  seine  brüder.  Erminos  nachkonimenschaft  vollen- 
det den  berühmten  cyclus  der  drei  grofsen  hauptstämme 
Deutschlands :  Ingaevones^  IJerminones,  Iscaei^ones.  ihr« 
Ordnung  scheint  gleichgiltig  und  ist  bei  Xacitus  blofs  von 
der  örtlichen  läge  entnommen. 

Die  aspiration  von  Tacitus  in  Herminones  und  ebenso 
in  Hermunduri  zugefügt,  ist  dem  deutschen  worte  eigent- 
lich fi'emd,  wird  aber  auch  von  lat.  schriflstelleru  des  mit- 
telalters,  in  eigennamen,  die  mit  dem  worte  Jmüu  com- 
poniert  sind,  häufig  beibehalten,  in  dem  namen  des  histo- 
rischen Arminius  läfst  sie  Tacitus  weg. 

golh.  Airman  (lateinisch  geschrieben  Erman);  aikd. 
Irmariy  Irmin^  Erman j  Ermin;  ags.  Eormeri;  altu.  /ör— 
muriy  wozu  jenes  Hermun  in  Hermunduri  stimmt  ^  viel- 
leicht auch  ein  schwachformiges  Atrniana^  Irmirto  u,s.\^,\ 
dieser  halbgott  mufs  eine  weil  ausgebrcitetere  Verehrung,  als 
des  Mannus  übrige  söhne,  genossen  haben,  mit  seinem  na- 
men sind,  unter  allen  deutschen  stäounen,  zahlreiche  be- 
nennungen  von  menschen,  tlüeren  und  pQanzen  zusam- 
mengesetzt: ilir  eigentlicher  begrif  empfängt  dadurch  ver- 
stärkte, erhöhte  bedeutung.  in  diesen  häufigen  anwea- 
dungen  hat  daher  Irmin  selbst  einen  verallgem einer ten, 
abstracten  sinn.  Irmin  mufs  in  dem  munde  des  volks  so 
gangbar  gewesen  sein,  wie  Hercules,  Castor  und  PoUux  un- 
ter Römern  .(s.  202.) 

Beispiele,  männliche  eigennamen:  goth.  Airmanareiks 
(Ermanaricus)  ahd.  Irmanrih,  Erminrih,  ags.  Eormenric, 
altn.  lörmunrekr;  ahd.  Irmandeo,  IrmandegaU;  Irmanpe- 
raht,  Irmanfrit,  Irminolt.  weibliche  Irmandrüt,  Irmangart, 
Irmansuint.  thiere:  altn.  lörmungandr  (serpens),  lörman- 
rekr  (taurus.)  pflanzen :  ags.  Eörmenvyrt,  Eormenleif  (mal- 
va),  ich  finde  jedoch  bei  Lye  und  bei  Mone  p.  322.  533 
nur  die  sclircibung  geormenvyrt,  geormenleif,  mit  unorga- 
nischem übertritt  des  vocalischen  eo  in  consonantisches  geo 
(vgl.  geong,  altn.  üugr.) 

Dann  aber  bei   appellativen  und    abstracten:    ahd»  ir- 

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I 


IRMIN  20» 

maiigot,  innansAl,  irmaniliot;  alts*  irminthiod^  irminman ; 
ags.  eormencyn,  eormeugrund,  eormenläfe ,  eormenslrynd ; 
aitn.  iürmuDgrund.     erforderliche  belege  oben  8.  83. 

In  allen  solcben  würtem  bat  das  yorsteheiide  irman-* 
nicbt  mebr  die  lebendige  bedeutung  eines  göttlich  verehr- 
ten Wesens,  \srie  schon  daraus  folgt,  dafs  es  eigentlich,  nicht 
uneigentlich  compouiert  wird,  eormenle^f  helTst  es,  nicht 
Eormenesledf,  wie  Forneoles  folme;  iimausAl,  nicht  Irma« 
nes  sAl,  wie  Wuotanes  wec  u.  s.  w. 

Die  verbindungsweise  gleicht  also  der  mit  got,  in  ei- 
gennamen  wie  Gotadeo,  Gotalint  und  andern ,  nur  scheint 
der  begrif  von  Irnian  noch  abgezogener  und  länger  ver- 
blichen, da  es  nicht  mehr  als  zweiter  theil  der  composi- 
tlon  vorkommt,  wo  sein  eigner  sinn  bestimmter  hervortre- 
ten miiste. 

Eine  jener  Zusammensetzungen  zieht  indessen  vorzüg- 
liche aufmerksamkeit  auf  sich;  von  ihr  wurde  bereits  s. 
81 — 83  gehandelt.  *)  zwar  bedeutet  irmansül  nichts  an- 
der« als  die  grofse  seule,  wie  irmangot  den  grofsen  gott, 
irmandiot  das  grofse  volk,  iürmungrund  die  grofse,  weite 
erde,  allein  die  mitgetheilten  stellen  der  Chronisten  thun 
zugleich  dar,  dafs  diese  seule  unter  den  Westfalen  und 
Sachsen  des  achten  ih,  noch  der  wirkliche  gegenständ  ei- 
ner göttlichen  Verehrung  war,  mag  nun  auf  ihr  das  bild 
eines  gottes  gestanden  haben ,  oder  der  gott  selbst  in  der 
blofsen  seule  angebetet  worden  sein,  einen  bestimmten 
gott  dachte  sidi  das  volk  ohne  zweifei  dabei,  wäre  dies 
aber  Wodan,  Thonar,  Tiu  gewesen,  so  hätte  die  seule 
schwerlich  eine  benennung  empfangen,  in  welcher  sich  der 
name  einer  andern  gotthcit  findet,  ich  bedenke  mich  da- 
her nicht  weiter  anzunehmen,  die  Irminsul  müsse  zu  eh- 
ren eines  göttlichen  wesens  Irmin^  Irman  aufgerichtet 
worden  sein,  desselben,  aus  dessen  althergebrachtem  cul- 
tus  die  abstraction  jenes  praefixes  hervorgieng.  wie  gud- 
liüis,  gotahüs  neben  gotes  h&s  (s.  39.  56)  mag  irmansAl 
für  Irmlncssiül  gesagt  werden,  die  corveier  clironik  redet 
geradezu  von  einem  idolum  Irmin  statt  der  seule. 

Und  Widekind,  wiederum  ein  corveier  eingebomer 
Schriftsteller,  läfst  uns  gar  keine  wähl,  er  bezeugt  ausdrück- 
lich Iiinina  j  oder  nach  seiner  Schreibung  Hirmins  per- 
sönliche gottheit.  die  worte,  _^deren  er  sich  bedient,  um  das 
siegftopfer  der  Sachsen  in  Thüringen  zu  schildern,  sind  s. 

*)  nach  einer  urk.  von  1298  (Barings  clavis  diplom.  p.  493.  no. 
IS)  ein  ort  Brmetuulen  (beute  Annen«eul)  in  Westfalen. 

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210  IRMIN 

78  ausgeboben ;  er  fügt  hinzu :  'ex  hoc  aesdaiatlonem  il- 
lorum  apparet  ulcunque  probabilejn,  gui  Saxones  origi- 
nem  duxisse  piitant  de  Graecis,  quia  Hirmin  vel  Heniies 
Graecis  Mars  dicitur,  quo  vocabulo  ad  laudem  vel  ad  vi- 
tUperium  usqiie  hodie ,  etiam  ignoranled ,  utiinur.'  *)  Die 
vergleicliUDg  der  griechischen  gütlcr  ist  mislungen:  auf 
Hermes  führte  der  gleichlaut  von  Hirmia,  soll  aber  dieser 
!Mercur  sein,  so  stimmt  JVIars  nicht,  und  es  wäre  gezwim- 
gen,  die  fälle,  wo  sich  "Wuotan  mit  Zi^i  berührt,  zur  hülfe 
zu  nehmen,  unter  Hirmin  denkt  sich  Widekind  den  INlars, 
wie  auch  aus  den  vorausgehenden  Worten:  'Marieni  e/ßgie 
columnarum  imitantes  folgt,  die  Sachsen  hatten  an  der 
Unstrut  ihrem  Irmin  eine  seule  errichtet,  wie  sie  in  der 
heimat  thaten. 

Für  die  identität  des  Mars  und  Irmin  liefse  sich  gel- 
tend machen,  dafs  Irmin  ein  nebcnname  des  Tiui^  Ziu 
imd  nichts  weiter  als  jene  zweite  benennung  des  kriegs- 
gottes  sei,  die  ich  s.  134  in  /r,  jEr,  nachgewiesen  habe, 
ich  will  diese  meinung  nicht  geradezu  verwerfen;  ja,  es 
könnte  scheinen,  Irman  zerlegt  in  Ir-man,  Er-man  trcle 
dem  einfachen  Ir,  Er  noch  naher,  doch  eben  eine  solclie 
Zerlegung  ist  wol  unzulässig  und  Irmao,  wenn  man  die 
formen  Irmin,  Eormcn ,  Ermun,  lörmun  erwägt,  ein  deri* 
valum ,  kein  compositum ;  niemals  erscheint  neben  Ertag, 
dies  INIartis,  die  form  Ermintag,  Irmiuestac.  ferner  Lat 
trniiny  als  söhn  des  Mannus,  neben  seinen  brüdern  Ine 
und  7.vr,  weit  eher  das  ansehen  eines  göttlichen  heros,  als 
eines  reinen  goltes.  Ich  glaube  einen  grundsatz  aufstellen 
zu  dürfen,  der  hier  entscheidet:  so  oft  volkstämme  nach 
einem  ihrer  berühmten  ahnen  den  namen  empfangen,  ist 
dieser  ein  vergötterter  mensch,  ein  halbgott,  niemals  eb 
reingöttliches  wesen.  es  gibt  Ingaevones,  Iscaevones,  Her- 
nünones,  Oescingas,  Scilfingas,  Ynglingar  (d.  i.  Ingtngar), 
Völsilngar,  SkiüldiVngar,  NIQüngar  **),  wie  es  Herakliden 
gab ;  keine  V^jdeningas  (Odhlningar),  Thunoringas  (Thurtu- 
gar)  u.  s.  w.  der  grund  leuchtet  ein.  den  namen  Vude- 
ningas    hätten  gewis    die   Angelsachsen  geführt,   an  deren 


*)  heifsen  die  letzten  wortej  wir  verwenden  das  verstärkende 
praefix  iV/wm-,  ohne  seinen  sinn  zn  verstehen,  hd  Wörtern  guter  und 
fibler  bedentung?  inniudiep  könnte  einen  erzdieb,  meiiterdieb  be- 
seiclmen. 

••)  die  patronymischc  ableitim^r  ist  nicht  nothwendig,  auch  di« 
Cautus,  Ge\ibüi,  .Suapd  benemien  sich  nach  Gauts,  (jievis,  .»Siiäp,  g"'tt- 
Uchen  held«;u. 


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IRMIN  211 

spitze  überall  VuJen  aufteilt,  wenn  es  silte  gewesen  wäre, 
nach  dem  gott  selbst  zu  heU'sen.  die  Völker  stammen  von 
dem  gott  ab,  allein  durch  vermiltelung  eines  halbgottes 
und  nach  diesem  letztern  nennen  sie  sich,  ein  volksname 
nach  dem  höchsten  gott  wäre  frevelhafter  stolz  gewesen 
nnd  dem  meuschlichen  gemüte  fremd.  Hiernach  halle  icJi 
für  gerechtfertigt,*  dafs  dem  Irmin  nur  halbgöttliche  natur 
einzuräumen  sei.*) 

Da  Niedersachsen,  vorzuglich  Westfalen  der  haupt- 
sitz  des  Irmiucultus  war,  so  dürfen  sich  wol  neben  Wi- 
dekinds  zeuguis  von  Hirmin  einige  spuren  seines  in  die- 
sem deutschen  landslrich  noch  immer  nicht  ganz  erlosche- 
nen namens  stellen.  Strodtmann  p.  85  verzeichnet  die  os- 
nabrückischen redensarlen :  *he  ment,  use  herre  gott  heet 
JFferm^  (sei  gütig ,  zürne  nicht) ;  *use  herr  gott  heet  nich 
Herrn 9  he  heet  leve  herre,  un  weet  wal  to  te  gripen'; 
darin  scheint  leise  Sehnsucht  nach  der  milden  herschaft 
des  alten,  heidnischen  gottes  unverhalten  im  gcgensatz  zu 
dem  strenge  richtenden  und  strafenden  christlichen  gott. 
Im  sächsisclien  Hessen  (an  der  Diemel),  im  Paderborni- 
sclien,  Ravensbergischen ,  im  bisthum  Minden  und  lierzog- 
ihum  Westfalen**)  lebt  unter  dem  volke  folgender  reim: 

Hermen,  sla  dermen, 

sla  pipen,  sla  trummen; 

de  kaiser  wÜ  kummen 

met  hamer  un  Stangen  ***), 

will  Hermen  uphangen. 
hermen  wird  hier  gleichsam  aufgefordert,  kriegerisches 
spiel  anzustimmen,  saitcn,  pfeifen  imd  trommeln  erschallen 
zu  lassen;  der  feind  nalic  mit  hämmern  und  Stangen  und 
wolle  Hermen  aufhängen,  nicht  unmöglich,  dafs  sich  in 
diesen  durch  die  lange  tradition  der  jalirhundertc  gegang- 
neu und  wahrscheinlich  entstellten  worlen  Überreste  eines 
lieds  erhallen  haben,  das  zu  der  zeit  erschoU,  als  Carl  -J-) 
die  Irmenseide  zerstörte.  Auf  den  noch  älteren  jinni' 
Tiiiis  und  die  Römer  lassen  sie  sich  viel  weniger  deuten. 

•)  de«  eiowaiids  versehe  ich  mich  nicht,  dftffl  Mars  ein  andrer  bm- 
der  des  Irmin  »ei;  er  ist  nicht  der  römische  Mars,  sondern  ein  deut- 
scher, von  dem  die  Marsi,  Mariiigni  und  Marsaci  (Tac.  hist.  4,  56) 
stammen. 

**)  Rommels  ^esch.  von    Hessen    1.  anm.  p.   66.  westfat.  provInz. 
blitter  oder  Westphalia  1.  4,  52.     Minden  1830. 

***)  Variante:    mit  Stangen  und  prangen,    beide  wörtef  sind  gleich' 
bedentig. 

t)  irawrscboninsehrnltendenkmnlem  furkönior,  vgl.  im  ags.  Roetli. 
p.  1 14  cap.  8.    käsert  von  Agamemnon,  nnd  anhang  vi  über  Cdsere. 

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212  IRMIN 

Zwar  der  name  Arminias  unterscheidet  sich  kaum 
TOn  Irmiu,  Ermin;  die  abweichende  Fassung  der  stamm- 
sage (anh.  p,  xxviii)  gibt  wirklich  Armeno  f.  Hcrmitta 
oder  Herminonea  des  Taciius,  obgleich  dieser  dem  mit  A 
anlautenden  wort  niemals  H  ertheilt,  also  beide  nanieu 
genau  von  einander  hält«  Fast  aber  möchte  ich  behaup- 
ten, dafs  der  geschichtschrelber  gerade  ann.  2,  88,  wo  er 
von  dem  Varusbesieger  sagt  z  'canitur  adhuc  barbaras  apud 
gentes'  irthümlich  beide,  den  halbgott  und  den  ganz  histo- 
rischen beiden  vermengt.  Als  Taciius  schrieb,  als  seine 
gewährsleute  jene  bemerkung  zu  machen  gelegenheit  hat- 
ten, war  noch  keine  sehr  lange  zeit  nach  der  Varus- 
schlacht verstrichen,  keine  die  ausgelangt  hätte,  epischen 
glänz  über  den  rctter  der  deutschen  Freiheit  zu  verbreiten« 
vyol  aber  war  die  uralte,  demPlinius  vor  Tacitus  bekannte 
stammsage  von  des  Manuus  sühnen  in  deutschen  liedera 
gesungen,  und  diese  werden  auch  Irmin  gefeiert  haben* 

Wir  haben  s»  102.  103  einen  Wuolans  weg  und  wa- 
gen, s.  112.  126  einen  Donners  wagen,  s.  127  vielleicht 
auch  einen  weg  nachgewiesen;  willkommen  wäre,  wenn 
sich  aus  einem  Jrmina  weg  und  wagen  ein  neuer  beweis 
für  seine  göttlichkeit  entnehmen  liefse.  weg  und  wagen 
beziehen  sich  auF  einander,  und  das  deutsche  heidenthum 
scheint  den  wagen  seinen  hauptgottheiten  wesentlich  bei- 
zulegen. 

Die  composita  irmanwec ,  irmansträza ,  irmanwagan 
wären,  nach  dem  vorhin  erörterten,  ganz  in  der  Ordnung; 
ich  habe  sie  nie  gelesen,  noch  erwünschter  würde  sein, 
auF  ein  Irmanes  wec,  Irmanes  wagan  zu  stoFsen.  *) 

Erst  die  späteren  ags.,  imd  die  altengl.  quellen  nen- 
nen, indem  sie  vier  groFse,  England  durchschneidende  wege 
anFühren ,  darunter  Ermingestrete^  von  Süden  nach  Nor- 
den der  insel.  **)  man  darF  aber  die  reinags.  Form  eor- 
menstrcet  mutmaFsen  (vielleicht  bestätigen  sie  unheraus- 
gegebne  hss.),  da  auch  eine  andere  der  vier  straFsen,  Voet- 


*)  ich  weiffl,  dafs  Leibniz  1,  9,  und  Eccard  fr.  or.  1,  883,  de 
orig.  Germ.  397  Irminswagen  für  arctus,  plaustnim  coeleste  angebeo, 
kenne  aber  keinen  beleg. 

••)  leges  Bdovardi  confess.  cap.  12  (Schmid  1,  281.)  lege«  yfiU 
belmi  nothi  cap.  30.  Robert  von  Glocester.  Oxf.  1724  p.  299.  Ra- 
nulph.  Highden  polycbron.  ed.  oxon.  p.  196.  John  Lelands  itinerary 
Oxf.  1744.  6,  108  —  140.  Gibson  in  app.  cbron.  sax.  p.  47.  Cam- 
dens  Brittannia  ed.  Gibson,  Lond.  1753  p.  lxxix.  auf  der  carte  so 
Lappenbergs  gesch.  von  Eagl.  i^t  die  richtunj,'  der  vier  wege  einge- 
traffttn. 


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IRMIN  213 

lingastroet  bereits  in  der  ags.  chron.  (Ingr.  p.  190,  Thor- 
pes  anal.  p.  38)  vorkommt  und  in  dem  friedensschlufs 
zwischen  könlg  Aelfred  und  Guthrun  (Schmid  1,  57.)  Ein 
solches  eormenstrcet  mag  bedeutet  haben  via  publica,  via 
regia;  es  ist  hier  kein  gen.  des  eigeimamenS;  wie  in  Vaet- 
liogaslraet  gebraucht. 

Oder  führt  jenes  Ermingeslret  auf  ein  ags.  earminga 
stroet  (via  pauperum,  mendicorum)?  von  earming  (miser) 
mhd.  arminc.  dann  läge  der  name  w^eiter  ab  von  dem 
hier  gesuchten.  *) 

Nicht  zu  übersehen  für  den  fortgang  meiner  Unter- 
suchung ist  nun,  dafs  eine  der  vier  slrafsen,  die  vorhin« 
genannte  J^cetlin gastrast  zugleich  an  den  himmel  ver- 
setzt vrird  und  dadurch  ein  ganz  mythisches  ansehen  ge- 
winnt, ein  völlig  bestimmter  landweg ,  von  Dover  nach 
Cardigan  sich  erstreckend,  bildet  am  himmel  die  milch^ 
Btrafse^  und  -wird  von  d^m  w^agen  irgend  eines  heidni- 
schen gottes  befahren. 

Chaucer  (hbuse  of  fame  2,427)  jene  gegend  des  him* 
mels  beschreibend  sagt : 

lo  there  (cpiod  he),  cast  up  thine  eye, 

se  yondiTy  lo,  the  galaxie, 

the  whiche  men  depe  the  milky  W8^y, 

for  it  is  white,  and  some,  parfay, 

ycallin  it  han  fVatlingeatretey 

that  onis  was  brente  wilh  the  hete, 

whan  that  the  sunn  Is  sonne  the  rede, 

which  that  hite  Phaeton,  wolde  lede 

algate  his  fatlürs  carte  and  gie, 
im  complaynt  of  Scplland  p.  90  vnrd  von  dem  comet  ge* 
sagt:    it  aperis  oft  in  the  quhyt  drole,   oallit  circulus  lac- 
teus,  the  quhilk  the  marynalis  callis  Vatlant streit,    im 
Vii^il  des  f)ouglas  p*  85 ; 

of  every  Sterne  the  twynkllng  notis  he, 

that  in  the  slUl  bevln  move  cours  vre  se, 

Arthurys  house  and  Hyades,  betaikning  rane, 

fVatlingstrete,  tlie  Home  aiid  ihe  Charlewanc, 

the  fcirs  Orion  wilh  his  goldin  glave. 
V^llinga  ist  der  gen.  pl.,   wer  die  Vcetlingas  wai-en,  auf 
welche  weise    sie  einer  irdischen    und  himmlischen  straise 


•)  Lyc  liat  irmingstrajt  neben  irniingsul,   beide  formen  aber  ohne 
beleg,   und   wie  e«   sclieiiit  aus   abliandlungen  über  den  weg  und  die 

•eole. 


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214  IRMIN 

die  Damen  gaben  >vl8sen  wir  niclit.  *)  Cliaucer,  der  es 
\iellelclit  noch  halle  erzählen  können,  spielt  lieber  auf  die 
griech,  sage  von  Fhaelhon  an.  dieser,  auch  eines  golles 
söhn,  als  er  sich  vermafs  den  sonnenwagen  seines  valers 
zu  lenken,  versengte  einen  streif  am  himmel  und  das  ist 
der  weg,  den  wir  die  niilchslrafse  nennen.  Nach  der  ge- 
wöhnlicheren \orslellung  der  GriecLen  war  es  Here,  die 
durch  iln'e  am  himmel  versprülzte  milch,  zornig  über  den 
jlu*  zum  säugen  untergelegten  Hermes  oder  Heraqles,  einen 
weifsglänzenden  kreis  bildete.  Es  leidet  keinen  zwcifel, 
dafs  auch  bei  andern  Völkern  phantasie  und  sage  die 
namen  irdischer  und  himmlischer  sti'afsen  unte^:  einander 
laufen  liefsen.  **) 

Einen  merkwürdigen  beleg  dafür  bietet  die  einheimi- 
sche Überlieferung  dar;  durch  sie  werden  wir  Irmin^  von 
dem  ys\v  ui^s  fast  entfernt  zu  haben  scheinen,  wieder  er- 
i'eichen. 

Widejiind  von  Corvei  ist  der  erste,  der  uns  aus  allen 
liedern  die  scliöne,  durchweg  epische  erzälilung  von  dem 
sieg  der  Sachseu  iiber  die  Thüringer  gibt.  ***)    Irmen/ried, 

•)  wäre  vätlingastraet  verderbt  ans  vadhlinjra  straat  (via  va^n- 
tinm)?  obgleich  ich  kein  ags.  vadholing,  nur  vadhol  (vagabundus,  er- 
raticns)  kenne;  dann  läge  earmingastraet  der  bedeutuug  ^anz  nahe, 
vgl.  die  folgende  anmerkung  über  pilgrimstrafse. 

**)  ich  beschranke  mich  anf  kurze  auHihrung  anderer  benenonngeo 
der  milchstrafse,  arabisch  beifst  sie  tarik  al  thibn  (via  straniiab)} 
syrisch  sc/iepil  tev^o  (via  paleae);  neuhebralsch  neiibat  theben  (se- 
mita  paleae) ;  pers.  rah  kah  ktshan  (via  stramen  trahentU) ;  copt.  pi- 
moit  ente  pitoh  (via  stntminis);  äthiop.  hasare  zamanegade  (sUpaia 
viae);  arab.  derb  eUithenin  (pfad  der  heckerlingtrager) ;  törk.  saman 
ughrisi  (paleam  rapiens,  paleae  für) ;  armen,  hartacol  oder  hariacogh 
(paleae  für);  alle  diese  namen  laufen  auf  verzettelte  spreu  hinaus:  ein 
flüchtiger  dieb  hat  sie  fallen  lassen.  Einfacher  ist  das  arab.  mad- 
scherra  (tractus),  iiahr  al  madscherra  (flumen  fractus),  oder  die  rö- 
mische Vorstellung  von  dem  iveg  der  galt  er  oder  zu  den  golirrn: 
auch  irokesisch  weg  der  seelen^  türk.  hadjiler  juli  (weg  der  wallet)» 
jeder  pilger  nach  Mecca  nnd  Medina  heifst  hadji,  hadschi.  Iiiemo 
schliefst  sich  der  im  mütelalter  übliche,  christliche  name  canäno  de 
Santiago^  cheinin  de  saiut  Jaques^  Jacohsfraße,  slov.  zesta  v*  Bi»^ 
(weg  nach  Rom)  von  den  pilgerftihrten  nach  Gallizien  oder  Rom,  Hie 
zum  himmel  führten.  Altn.  vetrarbraut  (winterweg.)  Finnisch  Uif 
nunrata  (vogelweg),  litth.  paukszcziä  kieles^  vielleicli^  weil  Seelen  und 
geister  in  gestalt  der  vögel  ziehen. 

***)  man  vgl.  die  abweichende  gleichfnils  alte  darstellung  ans  hochd. 
gegend  in  Goldast  Script,  rer.  suev.  p.  1  ->  3,  wo  Schwaben  die  stelle 
der  Sachsen  einneJimen.  den  Widekind  schreibt  die  auersberger  chro- 
nik  aus,  ed.  argent.  1609.  p.  146  —  148.  Widekinds  text  liest  Her- 
miftefredus  und  Iliringus\  ich  habe  nach  beiden  andern  receasiooeB 
•laji  II  flretil«'t- 


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IRMIN       IRING  215 

König  der  Thüringer,  bedrängt  von  Dietericli,  könig  der 
Franken,  rief  die  Sachsen  zuliiirc:  sie  erschienen  und  foch- 
ten tapfer,  Irmenfried,  in  seinei^  gesinnungen  wankend 
gemacht,  unterhandelte  insgelicim  friede  mit  den  Franken 
»ud  beide  Völker  wollten  sich  ni|n  gegen  der  Sachsen 
furchtbares  lieer  vereinen,  aber  des  verraths  inne  werdend 
kamen  die  Sachsen  zuvor,  von  dem  alten  Halhug4t  ange- 
führt, drangen  in  die  bur§  der  Thüringer  und  erschlugen 
alle;  die  Franken  standen  still  und  priesen  den  kriegs- 
nihm  der  Sachsen.  Irmenfried  entfloh,  doch,  trüglich  ge- 
lockt, kelu^te  er  In  Dieterichs  lager  zurück,  in  diesem  la- 
ger  weilte /r///^ ,  Irinenfricds  rathgeber,  durch  dessen  kluge 
anschlage  ihm  vormals  grolse  dienste  geleistet  worden  waren. 
Als  Irmenfried  vor  Dieterich  kniete,  stand  Irlnc  dabei  und 
erschlug,  von  Dieterich  gewonnen,  seinen  eignen  herrn. 
Nach  dieser  unthat  verwies  ihn  der  Frankenkünig  aus  sei- 
nen äugen,  Iring  aber  sagte:  'eh  ich  gehe,  will  ich  meinen 
herrn  rächen',  zog  sein  schwert.  erstach  Dieterich,  legte 
seines  herrn  leib  über  den  des  Franken ,  auf  dafs  der  im 
lebqn  besiegte  im  tod  überwände;  bahnte  sidi  weg  mit 
dem  Schwert  (Wiam  ferro  faciens')  und  entrann,  'mirari 
tarnen  non  possumus',  fügt  Widekind  hinzu,  in  tantum  fa- 
mam  praevaluisse,  ut  Iringi  nomine  ^  quem  ita  vocitant, 
lacleus  coeli  circulus  usque  in  praesens  sit  nolatus'^  oder 
nach  der  auersberger  ^hronik:  *famam  in  tantum  praeva- 
luisse, ut  lacteus  coeli  circulus  Iringis  nomine  IringeS' 
strdz,a  usque  in  praesens  sit  vocatus'. 

Zur  Bestätigung  liefern  ags.  glossen  von  Junlus  ge- 
sammelt (symb.  372)  Wia  secta:  Iringes  uuec\  daher 
entlehnt  ist  ^Iringes  veg^  via  secta'  bei  Somner  und  Lye. 
io  ahil.  glossen  bin  ich  ihm  nicht  begegnet,  wenn  nicht 
Junius  es  aus  solchen  unter  die  ags.  geschoben  hat,  wie 
fast  die  Schreibung  *uuec'  verräth. 

Im  Nibelungenlied  1285.  1965-2009  erscheinen  diese 
lieldeö  wieder,  es  sind  die  neniKchen ,  aber  verschieden 
gcfarst,  der  hochd.  recension  bei  Goldast  verwandter  *): 
Irnyrit  von  Dürinsen  und  Iriuc  von  Tencmarkc,  jener 
landgrnf,  dieser  markgraf,  beide  dlenslmanncn  Etzels.  das 
Hed  von  der  klage  fügt  hinzu,  in  des  reiches  acht  seien  sie 
gefallen  und  nj^ch  lliuieuland  geflohen ;  worin  sich  eine 
spur  der  Verweisung  zeigt,  die  Dietrich  über  hing  ausge- 
sprochen,    nach    den  gedieh  teu   des    13    jh.  ist   aber  Irinc 


*)  wie  schoa  ansgefülirt  ist  deutsch.  Leidens,  p.  117. 

^  Digitizedby  VjOOQIC 


2L6  IRMIN       DUNG 

niclit  rathgeber,  noch  weniger  verrätlier  und  mörder  Im- 
vrits:  beide  sind  verbundne  freunde ,  beide  erliegen  dem 
unwiderstebliclien  Hagene  und  Volker, 

Zu  allem  diesem  kommt,  dafs  die  Vilk«  saga  cap« 
360,  walirend  sie  Irnfrieds  geschweigt,  Irunga  letzten 
kämpf  mit  Hogni  berichtet  und  ihn  an  einer  Steinmauer 
niedersinken  lälst,  die  zur  erinnerung  an  den  beiden  bis 
lieute  ^Irdngs  veggr^  heifse.  der  nord,  bearbeiter  ver- 
wechselte \cgr  (via)  mit  veggr  (murus),  seine  deutsche 
quelle  mufs  gehabt  haben  Iringes  vec,  mit  bezug  auf  das 
*weg  bahnen'  bei  Widekind,  die  auslautende  tenuis  in  wec 
verleitete  zu  dem  irthum. 

Jetzt  erst  sind  schliifse,  die  wir  ziehen  wollen,  vorbe- 
reitet: die  deutsche  sage  wüste  von  einem  Iringes  wec 
auf  der  erde  und  an  dem  himmely  wie  die  ags.  von 
einer  doppelten  Vactlingastrset ,  oder  wie  der  weg  nach 
Rom  und  S,  Jacob  zugleich  an  das  firmament  gestellt  -wird, 
solche  Vorstellungen  von  weg  und  wagen  scheinen  sehr 
heidnisch  und  verkündigen  göttersagen.  Der  thüringische 
Irnprit  früher  Irmanjrit  ist  füglich  derselbe  mit  Irman^ 
Irmin  (vgl.  Sigfrit,  Sigmunt,  Sigi)  und  die  Hermundnri 
=  Irmanduri  hängen  deutlich  zusammen  mit  den  Du-- 
ringen  (Tliüringern) ,  so  dafs  Irman  in  thüringischer  tra- 
dition  vorzüglich  bedeutsam  wird,  redete  sie  von  einem 
Irmines  wec,  so  fügte  sich  a^les. 

Sie  redet  aber,  an  drei,  vier  stellen,  von  einem  /rm- 
^es  wec»  die  namen  Irinc  und  Irmin  haben  (aufser  der 
im  allen  lied  hier  gewis  wirksamen  allitcration)  nichts  ge- 
mein, jenem  gebührt  t,  *)  sie  allein  können  sich  nicht  ver- 
treten haben.  Entweder  hat  nun  die  sage  der  beiden 
freunde  in  einander  übergegriffen  und  Irmines  weg  auf 
Iring  übertragen,  oder  Iring  ist  für  sich  selbst  ein  ver- 
dunkelter halbgott,  der  gleich  Irmin,  seinen  eignen  weg  und 
wagen  hatte,  nur  scheint  Irmins  Verehrung  tiefer  begrün- 
det, wie  schon  das  bild  der  Irmansul  zeigt. 

Bis  hierher  aufgespart  habe  ich  einiger  nordisclien 
Überlieferungen  zu  erwähnen,  die  wenigstens  auf  die  irdi- 
sche heldenstrafse  in  bezug  stehen.  Es  war  althergebracht, 
dafs  ein  neuer  könig,  wenn  er  das  reich  übernahm,  auf 
der  grofsen  heerstrafse  durch  das  land  ziehen  und  dem 
Volk  seine  freilieiten  bestätigen  musle  (RA.  237.  238.)  in 
altschwed.  gesetzen  heilst  das  aber  ^Erihsgatu  lidha',  dea 

*)  Irinc  ist  das  spätere  Eiriog,  Eiering,  bei  Aventin  Emiog.  goth. 
wurde  Irinc  Eiriggs  (oder  Eisiggs)  lauten,  Irmio,  Afrmins,  AirmiBi. 

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IRMIN       IRING       ERIK  217 

Erichsweg  reiten.  *)  Schweden  zälilt  eine  menge  von  kö^ 
nigen  des  namens  JErit  (altn.  Eirikr),  doch  lal'st  sich  die 
sitte  auf  keinen  derselben  sicher  zurückfiihren  und  ein  mythi- 
scher Zusammenhang  mit  jenem  Iringesweg  schiene  nicht 
unmöglich,  zumal  auch  Riksgata  vorkommt,  was  viel- 
leicht anspielt  auf  Rtgr  ^  den  irdischen  namen  des  gottes 
Heimdallr.  diesen  läl'st  das  eddische  lied  ^grüne  weg^ 
(groenar  brauth)  der  erde  wandeln  ,  die  verschied nen  ge- 
sclilechler  der  menschen  zu  erzeugen  (Saem.  100.)  Selbst 
au  den  zuweilen  vorkommenden  Erctag,  Erichtag  (s.  88) 
statt  Ertag  (dies  Martis)  wäre  hier  zu  erinnern,  und  auf 
solche  weise  wirklich  berührung  zwischen  Ir  (Mars),  /r- 
min  und  Iring  herauszubringen.  ]\lit  dem  künigsnamen 
Erih  mufs  sich  den  Schweden  allerdings  schon  sehr  frühe 
die  idee  eines  gottes  oder  vergötterten  verknüpft  haben, 
die  \ita  Anskarii  hat  darüber  eine  merkwürdige  stelle 
(Perlz  2,  711.)  als  um  das  j.  860  dem  könig  Oslef  das 
clu^istentlium  angemutet  ward,  gab  ein  heidnischgesinnter 
vor,  *se  in  conpentu  deorum,  qui  ipsam  terram  possidere 
credebantur  et  ab  eis  missum,  ut  haec  regi  et  populis  nun- 
ciaret:  "vos,  inquam**),  nos  vobis  propitios  diu  habuistis, 
et  terram  incojalus  vestri  cum  multa  abundautia  nostro 
adjutorio  in  pace  et  prosperitate  longo  tempore  tenuislis, 
yos  quoque  nobis  sacrificia  et  vota  debita  persolvistis,  gra- 
taque  nobis  veslra  fuerunt  obsequia.  at  nunc  et  sacrifi- 
cia solita  sublrahitls  et  vota  ^pontanea  segnius  offertis  ***) 
et  quod  magis  nobis  displicet,  alienum  deum  super  nos 
inliü  ducilis.  si  itaque  vos  vobis  propitios  habere  vullis, 
sacrificia  omissa  augete  et  vota  majora  persolvite,  alterius 
quoque  dci  culluram,  qui  contraria  nobis  docet,  ne  apud 
vos  recipiatis  et  ejus  servitio  ne  iutendatis.  porro ,  si 
etiam  plures  deos  habere  desideratis,  et  nos  vobis  non  suf- 
ficimus,  Erictim,  quondam  regem  veslrum,  nos  unanimes 
in  collegium  nostrum  asciscimus^f)  ut  sit  unus  de  nu- 

*)  noch  im  15.  16  jh.  galt  der  ehrwürdige  branch;  ^statuta  pro- 
Tinciaiium  generöse  coDfirmavit  et  sigillavit  ia  equitatu,  qui  dicitur 
Erihgata.*  diariooi  yazstenense  ad  a.  1441  (ed.  Benzel,  Ups.  1721) 
p.  86.  'rex  Cbristoferus  Sneciae  et  Daciae  equitatura  fecit  qui  dicitur 
Jiriksgata  secuodum  leges  patriae',  ibid.  ad  a.  1442.  auch  Gusta? 
yfuB.  ritt  seine  Erilcsgata* 

**)  für  inquimus,  wie  sonst  inquit  für  inquinnt« 
•••)  was  der  einzelne  mensch   opfert  (votum),   gegenüber  dem  öf- 
fentlich und  gemeinsam  dargebrachten  (sacrificium),  vgl.  oben  s.  35. 

t)  so  wird  könig  Häkon  in  die  gesellschaft  der  götter  aufgenom- 
men, Herm^r  und  Bragl  gehen  ilim  entgegen  s  'siti  Häkon  medh 
beidhin  godh'.    (H&konarm&l.) 


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218  ERIK      FIN      SCOÜP      SCILTÜ 

mero  deorurr^.  ich  habe  die  gan^^e  slcUe,  weil  sie  vor- 
treQich  die  stimmuDg  der.  heidnischen  partci  und  die  schou 
verbreilelc  lauheit  für  das  heidenthnm  ausdrückt,  herge- 
schrieben: die  heldenpriesler  dachten  ihrer  göllersdiaar  ei- 
nen frischen  beiden  zuzugesellen.  *)  Hierdurch  scheinen 
jüngere  Eriche  vom  auspruch  an  die  Eriksgata  ausgeschlos- 
sen;  wahrscheinlich  mischten  sich,  -vveuigstens  bei  Rem- 
bert,  schon  damals  Überlieferungen  von  einem  gültlichen 
Erik  ein. 

Auch  die  Danen  kennen ,  nach  ihrem  alten,  geliebten 
könig,  einen  Voldemaravejy^^^  von  dem  ich,  zurcrklärung 
des  wütcHden  heers,  näheres  anführen  werde. 

"Wir  haben  nunmehr  die  bei  Tacitus  envalinten  oder 
angedeuteten  heldengötler,  Hercules,  IMarmus,  Inguio,  Isc- 
vio ,  Hermino,  und  was  sich  an  sie  schlofs  ,"  abgehandelt, 
über  Castor  und  PoUux  wird  es  schwer  fallen  ein  siche- 
res urtheil  zu  faJ'sen ,  was  s.  39  und  85  geaufsert  wurde 
kann  nur  eine  gewagte  Vermutung  bilden,  da  die  gülter- 
helden  Baldag  und  Hereniod  (s.  141.  143)  zwar  als  treue 
brüder,  nicht  als  Zwillinge  erscheinen;  auf  diesen  namen 
hiitle  eher  Tvisco  seinen  auspruch  (s.  204,  auhang  xxix.) 

Zu  eiuer  gröfseren  zahl  gülllicher  beiden  füliren  uns 
sachsische,  nordische,  gothlsche  slammsagen,  hin  und  wie- 
der aucli  noch  die  epischen  lieder  des  millelalters. 

Aufser  den  ags.  genealogien  im  anhang  verdient  Beo- 
viilf  und  das  gedieht  vom  wandcrer  hier  besondere  beach- 
liuig:  es  ist  auffallend,  dafs  hi  allen  kelue  namen  vorkom- 
men, die  sich  mit  Irmin  oder  Iring  verglidieu. 

Nach  anhang  s.  xu.  xv  sieben  Finti  und  Folct^cdda 
unter  Vodena  nahen  vorfahren,  statt  des  Folcvalda  nen- 
nen andere  reihen  einen  andern,  es  mufs  beiden  etwas 
gütlliches  ankleben,  schon  deshalb  weil  sie  dem  mythi- 
schen Huri  und  Borr  gleichgesetzt  werden  (vorhin  «. 
207.)     Sie  gehören  dem  friesischen  und  sathsischcn  slamni. 

Von  Sc^äffi  ni)ihus  hat  sich  ein  kleines,  Echünes 
bruclisuii'k  erhallen  (anh.  s,  xvic.  xvm);  der  schlafende 
Jüngling  wipd  von  den  Angeln,  zu  deren  küsle  ihn  ein  schif 
Irägt,  für  ein  wunder  empfangen;  seine  gültliche  abkiuifl 
scheint  noch  die  später  forlgepflanzte  sage  vom  schwan- 
ritler  anzuzeigen,  sie  folgt  auch  ohne  das  aus  seiner  ver- 
Vfandlschaft  mit  Vode.n^  Hererndd  und  Sceldt^a.  SeM- 
va,  Scildf  SkiölUr  ist  ahne  aller  SkiöldütJgai\,  bald  Vu* 


*)  Dalilmatin  mutmafät  auf  den  upsnli^eo  Erik  (f  604.) 
**)  amiqvariske  auualer  I,   15. 


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SCILPI    GOZ    SÜAP    WESTFALAH    PIL      219 

dßns  vorfahre,  bald  Odliins  söhn,  auf  ihn  haben  Dänen, 
auf  Scedf  Angeln  ciu  nälierreclit ;  nach  dem  licdc  des 
Wanderers  64  vielleicht  Langobarden ;  nach  fornin.  scig.  5, 
239  nicht  so  v\'ü1  Danep  und  Schweden  als  die  ein  wohner 
von  Schonen :  er  heiJ'st  ausdrücklich  Shdnunga  god  und 
i/fird  auf  jeden  fall  da  vorzüglich  verehrt  worden  sein. 
Aber  auch  Steiß r  ^  Scilfe^  ahd.  Scilpi?  von  dem  die 
Shilftngary  Scilfir/gas,  Scilpungd  stammen,  scheint  sich 
mit  Skiöld  zu  berühren  (s.  xxiv,  xxv.)  Odhinn  heilst 
SliMr/gr  Sn.  24. 

Gecit  (Gaulr,  Gduls,  Göz),  beiname,  söhn  oder  vor- 
fahre Vodeus,  kann  seine  göltliclieit  nicht  verleugnen,  auch 
Godifulf\  sein  söhn,  von  einigen  mit  jenem  Folcvalda 
vermengt,  scheint  mytliisch.  von  Gduts  leiten  ihr  Ge- 
schlecht die  GilutüS  (Gozu,  FavTOh  vgl.  s.  131)  d.  h.  an- 
dere als  die  Guthans  (Tac.  Gothones,  Fot&oi)  aber  iJiuen 
doch  zugewandt,  weil  eben  die  ^othische  genealogie  mit 
jenem  Gauts  obenan  beginnt. 

Sudp  der  Schwaben ,  Vandal  der  Vandalen  stamm- 
heer,  und  manche  ähnliche,  sind  uns  verdunkelt;  den 
schwäbischen  Vitta  (trav.  soug  43)  meint  schwerlich  das 
Viltu  irnüngot'  im  Ilild.  lied  z.  30,  Westfalah^  göttli- 
cher held  der  Westfalen,  taucht  nur  in  einzelnen  anfüh- 
rungen  hervor  (anh.  s.  ix.  vgl.  xx.  xxii.)  Noch  im  10. 
11  jli.  blühte  ein  berühmtes  gcschlecht  ^^v  Billinge,  BilU 
w//^e*);  es  mufs  wahrscheinlich  auf  einen  Stammvater  2?/7 
oder  BilÜ  zurückgeleilet  werden ;  Iravellers  song  hat  z. 
50  Billing  veold  Vernum  (den  Weriiicu,  Warinen.)  ge- 
fahrlich Avärc,  was  neuere  von  einem  sächsischen  gützcn 
Biel  fabeln  **)  hierherzunehmen. 

Heine  andere  geschichle  weifs  so  viel  beiden  an 
gütter  zu  knüjifen,  wie  die  nordische,  nach  dem  formali 
der  edda  p.  15  und  Yngl.  saga  c.  9  führte  Norwegen  sein 
ältestes  küulgsgeschlecht  auf  Scemfngr,  einen  söhn  Od- 
liins,  der  ihn  mit  Skadhi,  früher  Niürdhs  gfittin,  erzeugte. 
Skadlii  war  tochter  des  iütunu  Tliiassi,  in  Sigurdhardrapa 
heifsl  Sigurdhr  Ladhajarl  'afspringr  Tliiassa^  (Thiassi  pro- 
ßenies.)  Kormakssaga ,  Hafu.  1832  p.  279.  284.  Her- 
raudssaga  cap  1  läfst  Hringr  von  Gauti,  diesen  von  Od- 
hinn stammen.     Froger^  ein  norwegischer  held,  heifst  bei 

*)  der  erste  hiätoriscli  sichere  Billing  f  967;  man  nennt  einen 
iU>eF  hundert  jähre  älteren.  Wedekinds  Hermann  herzog  von  Sachsen. 
Lüneb.  1817  p.  60.  altn.  BilUngr  ein  zwerg  (Sxm.  3^1  23») ;  mbd. 
im  Renner  hillinc  eine  schelte. 

'*)  Stübner  gesch.  Blankenburgs  1,  197. 


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220      GORM    WELISUNGA    WITOGOUWO 

Saxo  p.  66  ausdrücklich  ^Othino  patpe  naiii8\  ilim  hat- 
ten, die  gölter  verliehen  im  kämpf  unüberwindlich  zu  sein, 
auCser  wenn  ihm  der  geguer  den  staub  unter  seinen  füfsen 
greifen  könne,  und  Frotho  besiegle  um  hintcrlislig.  Die 
göltliche  abkunft  der  Skiöldungar  und  Ynglingar  habe 
ich  schon  verhandelt.  Ein  'Danagodh',  ein  von  den  Dä- 
nen göttlich  verelu^tes  wesen  (oben  s,  109)  hiefs  GodJtormn 
ich  vermute  mit  Gormr  hinu  gamli,  Danakon&ngr  (forum, 
sog.  1,  2.  3.)  ganz  derselbe,  und  kann  mir  den  letzten  na- 
men  nur  durch  Verkürzung  des  erstem  erklären ;  schon 
Saxo  hat  Gormo.  Die  ags.  geuealogien  berühren  den 
stamm  der  Franken  nicht;  den  ags.  dichtem  vraren  all- 
fränkische sagen  wol  bekannt,  wie  uns  Välse^  Välsing^ 
Sigemund,  Fitela  im  Beovulf  cap.  13  beweisen.  Välsin» 
gas  sind  die  alln.  f^ölsungar^  ein  heldenstamm,  dessen 
göltlichkeit  nordische  quellen  aufser  zweifei  setzen  (anh.  p. 
xxui  und  die  aattaitala  ^n,  364.  365.    fornald.  ^ij^,  2,  10.) 

So  ist  der  weg  gebahnt  zu  länger  forlgetragnen  sagen 
von  Siegfried  und  den  Nibelungen  im  herzen  Deutsch- 
lands, oiegfrieds  ganze  nalür  hat  noch  deutliche  spuren 
des  übermensclilichen  an  sich:  er  wird  von  Regino,  einem 
alb,  erzogen,  von  Brun/ii/t,  einer  walkjrie,  geliebt,  von 
Gripir,  dem  weisen  mann^  über  sein  Schicksal  belehrt;  er 
trägt  den  unsichtbar  machenden  heim,  ist  unverwundbar 
und  besitzt  den  Nibelungenhort,  des  allen  fVelsiy  des 
slammnamens  JVelisungd  haben  die  lieder  vergessen,  aber 
andere  götterhelden  Irnvrit  und  Irinc  streifen  noch  in  die 
sage,  auch  Hagano^  einäugig  wie  W«olan  (s.  101),  im 
AVallhaiius  1417  spinosus  (von  hagan,  splna)  genannt,  ist 
*mehr  als  heroisch'.  *) 

Ein  gleiches  behaupte  ich  von  einzelnen  andern  bei- 
den der  einheimischen  sage.  Ecke  und  Faaolt  sind  zwar 
götterliaft,  doch  mehr  riesen  als  beiden,  dagegen  fallen 
ganz  hierher  ff^ittich  und  Heime^  beide  mehr  beiden  als 
riesen,  der  nord.  Überlieferung  fremd,  der  ags,  und  ver- 
mulacli  der  golhischen  bekannt.  Jenen  halte  ich  für  des 
Jornandes  Vidigoia  (Vidugauja),  die  ahd.  namensform 
scheint  fVitigoau>Oy  den  spätere^  irthum  in  zwei  brüdcr 
Willlcb  und  Wittichowe  (hcldensage  196.  288)  spaltet; 
mhd.  JVittegey  in  der  Vilkinasaga  Vidga^  ags.  Vudga 
(trav.  song  248.  260.)  der  name  bedeutet  silvicola,  vom 
goth.  vidus,  ahd.  wiUi,  ags.  vudu  (lignum,  silva),  und  sclion 
daraus  läfst  sich    auf  einen  die  grenze  menschlicher  natur 


*)  Lachmanns  kritik  der  sage  Ton  den  Nib.  p.  28. 

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WIOLANT       MIMI  221 

fiberschreitenden  waldbewohner,  einen  waUgoit  schliefsen. 
frau  M^dchih^  ein  merminne  (eine  wasserfrau),  ist  seine 
ahnmutter,  und  er  entflieht  zu  ihr  in  die  sce  (Heldensage 
209.  210.  Eggenliet  ed.  Lafsb.  198.)  von  seinem  grofs- 
Vater,  dem  riesen  fVäde  (ahd.  Wdto,  mhd.  W4te,  Vilk. 
saga  Vddi)  wüste  die  ahengL  Überlieferung  noch,  jetzt  ver- 
lornes, zu  erzählen,  aus  der  Yilkinasaga  wbsen  wir,  dafs 
Vilkinus  mit  jener  meerfrau  den  V4di,  dieser  den  Velint, 
Velint  den  Vidga  zeugle.  Velint^  alid.  fViolant,  nibd. 
tVielanty  ags.  Viland,  alln.  Völundr  ist  noch  um  ei- 
nige grade  mythischer  als  sein  söhn:  ein  kunstreicher 
schmid ,  mit  valkyrien  und  schw  an  Jungfrauen  verkehrend, 
hernach  am  fufs  gelähmt  und  im  federkleid  durch  die  lüfte 
fliegend:  er  darf  mit  Hephäst  oder  Vulcanus,*)  vielleicht 
mit  Dädalus  verglichen  werden,  unbedenklich  sind  Wale, 
Wielant,  Witlich  geisterhafte  wesen,  halbgötter  des  alt- 
deutschen Volksglaubens. 

Dies  findet  sich  durch  einen  besonderen  umstand  be* 
stätigt.  Yilkinasaga,  also  ein  deutsches  gedieht,  worauf  sie 
baut,  führt  noch  einen  andern  schmid  auf,  namens  Mtniir^ 
bei  welchem  nicht  nur  Velint  seine  kunst  erlernt,  sondern 
auch  Sigfrit  (gleichfalls  Schmiedelehrling)  auferzogen  wird, 
den  nemlichen  Mtme  weifs  die  spätere  dichtung  von  Bi- 
terolf  gelegentlich  zu  nennen  (Mtme  der  alte,  heldens.  p. 
146 — 148) ;  ein  ahd.  Mtmi  wird  noch  tiefer  in  spräche  und 
«age  verwachsen  gewesen  sein  5  **)  für  verwandt  halte  ich 
Memerolt  (Morolt  111.)  Aber  die  ältere  nordische  Über- 
lieferung kennt  ihn  nicht  weniger,  in  mehrfachem ,  abwei- 
chendem Verhältnis,  einmal  veiHtticht  Saxo  p.  40  einen  Mim.' 
ringua  'silvarum  satyrus',  der  schwert  und  geschmeide  be- 
«itzt,  in  den  mythus  von  Balder  und  Hother,  wodurch,  wie 
mich  dünkt,  jenes  vidig^uja  von  neuem  beleuchtet  wird^ 
noch  höher  stellt  aber  die  edda  selbst  ihren  Mtmir :  er 
hat  einen  brunnen ,  in  welchem  Weisheit  und  kluger  sinn 
verborgen  liegt,  jeden  morgen  ihn  trinkend  ist  er  der  wei- 
teste, klügste  mann.  Odhüin  kam  hin  zu  Mtmia  brunnr 
und  begehrte  einen  trunk,  allein  nicht  eher  empfieng  er  ihn, 
bis  er  sein   äuge  zum  pfand  setzte   und  in   den  brunnen 


*)  gemahnt  nicht  Fükinus,  Yelints  ahne,  an  Vulcanus^ 
**)  ^imoy  Mtmi/ult  sind  frauennamen  trad.  fuld.  489.  cod.  lanresh. 
•Ju;  der  echte  alte  name  von  Münster  in  Westphalen  war  Mtmigar- 
*/or4,  Mtmigemeford  (indices  zu  Pertz  l.  2.)  Mimigard  (A«egabök 
^U;  westph.  Minden  hiefs  nrsprünglicb  Mtmidun  (Perta  1,  368), 
Wemleben  nn  der  ünstrut  MtmiUba. 

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222  MIMI         UEMO 

verbarg  (Saem.  4^  Sn,  17.)  dies  Isl  ursaclie  von  OJIuds 
einäugigkeit  (oben  s.  101.)  Nach  Yngl.  saga  cap.  4  sand- 
ten die  Ascn  Mimir,  iliren  weisesten  manu,  zu  denVaucn, 
die  Vancn  liicben  ihm  das  liaupt  ab  und  gaben  es  den  Asea 
zurück.  Odliiun  sprach  einen'  zauber  über  das  haupt,  so 
dafs  es  nie  verweslc  und  immer  noch  redete;  Odhinn  liiclt 
gespräche  mit  ihm,  wenn  er  ralhs  bedurfte,  vgl.  Yngl.  saga 
cap.  7  iind  Saim.  8*  195*\  wen  Völuspd  unter  Miinta 
synir  versteht  (Saim.  8»)  weil's  icli  nicht;  Mtmameidlir 
(Sajm.  109*)  setzt  JMnni  (gen.  INlmia)  voraus,  der  wol  von 
Ältmir  unterschieden  ist.  Aliniir  ist  kein  Ase,  sondern  ein 
erhabenes  wesen,  mit  dem  die  Äsen  umgehen,  dessen  sie 
sich  bedienen,  ein  inbegrif  der  w^eisheit,  vielleicht  älterer 
naturgott.  spätere  fabeln  würdigen  ihn  zum  waldgeist  und 
klugen  schmid  herab,  seine  gemeinschaft  mit  beiden  ist 
geeignet,  gülllichen  schein  auf  diese  zu  werfen.*) 

Vuilga  und  llanm,  \Yitcgc  und  Heime  werden  immer 
zusammen  genannt.  **)  Heimo  soll  eigentlich  Studas  wie 
sein  valcr  (den  aber  andere  Überlieferungen  Adelg^r,  Äla- 
delgi^r  nennen)  geheifsen ,  erst  nach  erlegung  des  wurmes 
Heima^^^^  dessen  namen  angenommen  haben (Vilk.  saga  c 
17.)  als  einen  beweis  für  lleimos  annäherung  an  ein  äl- 
teres ricsen  oder  goltcrgeschlecht  hebe  ich  hervor,  dafs  ihm 
die  Überlieferung  vier  einbogen  beilegt  (heldensage  257); 
sie  mögen  nicht  mehr  dem  menschlichen  beiden  gerecht 
sein,  sind  aber  keine  Steigerung  (heldens,  391),  in  ihrem 
vregb leiben  liegt  eine  Schwächung  der  ursage.  Starkadlir, 
ein  berühmter  göttlicher  hqld  des  Nordens,  hat  drei  paar 
arme,  Thor  schneidet  ihm  vier  hände  ab  (Saxo  gr.  p. 
103);  Hervararsaga  (Rafn  p.  412,  513.)  legt  ihm  acht 
hände  und  das  vermögen  mit  vier  Schwertern  auf  eiomal 
zu  fechten  bei,  Sleipnir,  Odhins  pferd,  ist  mit  acht  fußen 
ausgestattet,  wie  Cerberus,  der  hüUenhund  mit  drei  liäup" 
fern,    vielhäuptigkeit  gibt    ein  kennz^ichen    der   alten  rie- 


*)  n%9.  mimor,  meomor,  gemimor  (tnemoriter  notns)  mimeriso 
(memoria  teoere),  nnd.  mimeren  (phantasieren)  brem.  wb.  3,  161.  dt 
hier  (^ie  In  Memerolt)  kurzer  vocal ,  so  mufs  man  die  erloschene  for- 
mel  gotl).  ansetzen :  meima ,  rndi/n^  mimunty  wozu  sichtbar  das  lat.  me^ 
mor  gehört,  und  fn^filofiaiy  vgl.  Ml/iag,  vielleicht  gebührt  einigen  eigen' 
nameu  der  vorigen  anm.  ein  kurzes  i. 

**)  trav.  song  248.  260.     heldensage  p.   146.   162.  244.  268.  284. 

***)  heimo  ist  sonst  grille  (Reinhart  cxxv) ,   wofür  eher  das  heutige 

diminutiv  heimelten   (würmclien?)    passen   würde,   so   dafs  heimo  or- 

apriiiiglich  wnrm  wäre,     auch  ein  berühmter  kerlingisclier  held  hiefs 

lieimu  (ii einhart  cciv.) 


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HEIMO  223 

Ben,  aber  atidi  der  alten  götler.  ein-thurs  thrihüJJhoJhr 
erscheint  im  eddisclien  Skirnislör  (Stern,  85^)  wie  ini  nihd. 
wahtelmacre  (einen  drtliottptigen  tursen.  JNIafsm.  deiikin. 
109.)  sehr  merkwürdige  einstinimung;  vgl.  den  sechshäitp' 
tigen  riesensolin  Sicm.  35*  (nach  der  Variante),  die  v/V/- 
Jiduptige  schaar  bei  dem  riesen  (Saem.  56»)  und  die  rie- 
sin  mit  900  häuptern  (Sfem.  53.)  Deutsche  lind  nordi- 
sche götler  zeigen  keine  solche  Vervielfachung  einzelner  glie- 
der,  desto  hergebrachter  ist  sie  in  slavischer,  indischer  und 
mongolischer  götterlehre:  Triglava  (wie  der  name  giht) 
"wird  mit  drei,*)  Svantevit  mit  vier,  Rugevit  mit  sieben 
häuptern  dargestellt,  der  indische  Brahma  ist  pierhaitp" 
tig,  Carticeja  Shiwas  söhn  sechshäuptig  und  zwölf liän-^ 
dig,  Ganesa  vierhändig  u.  s.  w.  auch  der  römische 
Janus  hat  zu^ei,  nach  andern  vier  häupter^  In  uraller 
zeit  mögen  die  deutschen  gottheilen  nicht  ohne  solche  aus- 
stattung  gewesen  sein,  und  Heimes  vier  ellenbogen  bezeu- 
gen seine  abkunft* 

Diese  mageren,  bröckelliaften  reste  sind  uns  aus  der 
heldensage  unseres  alterthums,  insoweit  sie  mit  göttersage 
zusammenhängt,  geblieben« 


*)  Hankas  altbohm.  glossen  p.  23a :    ^Trihlawy  qui  habet  capita 
tria  capreae'  vgl.  obea  a.  32. 


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224  WEISE  FRAUEN 


CAP.  XII.     WEISE  FRAUEN. 

Das  Verhältnis  der  frauen  und  maoner  zu  den  gut- 
tern  ist  sehr  verschieden,  und  ein  natürlicher  grund  da- 
von, dafs  männer  berühmte  geschlechter  bilden,  mit  frauen 
das  geschlecht  stirbt,  die  slammsage  bedarf  folglich  nur 
heldennamen;  alle  königstöchler  verschwinden  wieder,  so- 
bald sie  als  gemahlinnen  genannt  worden  sind,  eben  des- 
halb erscheinen  vergötterte  sühne,  nicht  vergötterte  tüchler, 
ja  aus  der  ehe  unsterblicher  mit  sterblichen  wurden  fast 
immer  söhne  geboren.  Den  beiden,  die  wir  im  vorherge- 
henden cap.  als  eine  misch uug  himmlischer  und  irdischer 
natur  betrachtet  haben,  lassen  sich  also  eigentlich  keine 
frauen  zur  seite  setzen.*) 

"Was  das  geschlecht  der  frauen  aber  hier  einbüfst  wird 
ihm  auf  anderm  wege  erstattet,  für  jene  besouderheit 
einzelner  heldenrollen,  die  in  der  sage  oft  unwirksam  un- 
tergeht, sind  ihnen  allgemeine  ämter  mit  vielbedeuligem, 
dauerndem  einflufs  überwiesen,  eine  ganze  reihe  anmu- 
tiger oder  furchtbarer  halbgüttinnen  vermiUelt  den  men- 
schen die  gottheit :  ihr  ansehen  ist  offenbar  gröfser,  ilir  cul- 
tus  eingreifender,  als  die  Verehrung  der  heroen. 

Auch  andere  mythologien  lassen  wahrnelimen,  dafs 
im  zweiten  rang  der  götter  weibliche  wesen  vorwalten, 
während  der  erste  männlichen  vorbehalten  bleibt,  und  jene 
göttlichen  beiden  nur  im  dritten  stehn.  Ich  habe  schon  s. 
199  die  längere  dauer  der  Überlieferung  von  einigen  göt- 
tinnen  mit  daraus  erklärt,  dafs  sie  bleibendere  eindrücke  in 
dem  gemüte  des  volks  zurückliefs. 

Nichts  scheint  bei  solchen  Untersuchungen  schwerer, 
als  zwischen  göttinnen  und  halbgöttiniien  zu  unterscheiden, 
eines  jeden  gottes  gemahlin  mufs  zugleich  für  wirkliche  göt- 
tin  gelten;  allein  es  gibt  auch  unverehlichte  göttinnen,  z. 
b.  Hei.  Halbgöttin  ist,  die  sich  weder  als  gemahlin,  noch 
tochter  eines  gottes  erweisen  läfst,  und  in  abhängigem  ver- 


*)  eine  ausnähme  werden  wir  bei  den  ralkyrien  antrefibo,  unter 
welche  auch  königstochter  aufgenommen  wurden. 


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WBISB  FRAUEN  225 

Laltnk  zu  höliercn  gottheltcn  steht.  Ein  eolcher  scUufs 
taugt  jedoch  nicht  überall  für  unvollständig  erhaltene  my- 
tliologieii ;  es  wäre  möglich,  dafs  man  weibliche  wesen  wie 
Holda,  Perahta,  die  ich  cap.  X  in  die  zahl  der  göttinnen 
aufgenommen  habe,  für  blofse  halbgöttinnen  anzusehen 
hätte,  eben  weil  halbgöltiunen  hoher  stehen  als  halbgöt- 
ter,  sind  diese  leichter,  jene  schwieriger  gegen  die  classe 
der  grofsen  götter  abzugrenzen.  Die  grenze  kann  sich 
endlich  dadurch  rerrücken,  dafs  einzelne  volksstälnme 
göttliche  weson  geringeren  ranges,  deren  cullus  bei  ihnen 
überhand  nahm,  zu  höherem  rang  erhoben,  welches  frei- 
lich auch  bei  dem  heldendienst ^  obwol  seltner^  eintre- 
ten magi 

Gescliäft  Und  bestimmuug  der  halbgöttinnen  ist  nun 
im  allgemeinen  so  zu  bezeichnen,  dafs  sie  den  oberen  göt- 
tern  dienen^  den  menschen  t^erkündigen* 

Es  ist  ein  bedeutsamer  zug  unseres  heidenthums,  dafs 
eu  diesem  amt  frauen  und  nicht  manner  auserlesen  wer- 
den, die  jüdische  und  christliche  ansieht  bildet  hier  einen 
gegensatz:  propheten  weissagen^  enget,  erscheinende  hei- 
lige verkündigen,  und  richten  gottes  befehle  aus;  die  grie- 
chischen götter  bedienen  sich  mäimlicher  imd  weiblicher 
boten.  Nach  deutscher  ansieht  scheinen  aussprüche  des 
Schicksals  im  munde  der  frauen  gröfsere  heüigkeit  zu  er- 
langen *)  und  vielleicht  hängt  damit  noch  zusammen ,  dafs 
die  spräche  tugenden  und  laster  durch  fi*aueu  allegorisiert. 
Wenn  es  in  der  natur  des  menschen  überhaupt  gelegen 
ist,  dem  weiblichen  geschlecht  eine  höhere  scheu  und  ehr- 
furcht  zu  beweisen ;  so  war  sie  den  .  deutschen  Völkern 
von  jeher  besonders  eingeprägt  (s.  63.)**) 

Auf  das,  was  die  götter  fiir  sich  selbst  auszurichten 
Ilaben,  kommt  es  in  unserer  betrachtung  nur  nebenbei  an ; 
liauptgesichtspunct,  unter  den  diese  vermittelnden  wesen  fal- 
len, ist  gerade  ihre  bestimmung,  den  sterblichen  menschen 
heil  oder  unhcil,   sieg  oder  tod   anzusagen«    Ihre  Weisheit 


*)  nur  als  ausnähme  treten  weissh^^ende  manner  auf  (spftmenn) 
«.  h.  Gripir  (s.  220)  und  Mimir  (».  221). 

*)  diese  frauenverehrung  erscheint  nicht  blofs  in  den  minnelie- 
dern,  sondern  auch  in  einer  merlcwürdigen  formet  des  deutschen  rit- 
terthnms,  wie  sie  Volkslieder  und  hofische  gedichte  enthalten:  'durch 
aller  frouwen  ^rc\  Morolt  2834.  Ecke  129.  Murcli  ander  maget  ^re' 
Gudr.  4863.  'darch  elliu  wtp'.  Parz.  136,  16.  'eret  an  mir  ellia 
^if  Parz.  88,  27.  ^allen  meidan  tiiot  ez  ze  ^ren'.  Gudr.  4858. 
Otfricd  druckt  es  \<^enigstens  negativ  aus:  'ui  nXi  irbolgan  wlbe'.  V. 
8. 58.    vgl.  oben  s.   136.  190  über  den  sina  der  worte  frau  und  weih. 

15 

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226  ZIS? 

erspäht ,  ja  sie  lenkt  und  ordnet  Verflechtungen  unseres 
Schicksals,  warnt  vor  gefahren  und  rätli  in  zwcifelliafter 
läge :  sie  heifseu  darum  kluge ,  weise  fronen ,  allu.  spA- 
lonor  (vgl.  spukr,  ahd.  spalii,  prudens),  mhd«  wtsiu  wip. 
Nib;  1473,  3.  1483,  4. 

Ich  schicke  noch  einen  ausdruck  voraus,  der  mir  ganz 
den  eben  entwickelten  sinn  ku  gewähren,  und  in  seiner 
allgemeinheit  sänimtliche,  hernach  naher  abzuhandelnde  be- 
sondere wesen  zu  umfassen  scheint.  Die  eigentliche  be- 
deutung  des  altn.  wortes  dis  plur.  citsir  war  bisher  ver- 
borgen geblieben;  man  begniigle  sich  ed  etwa  durch  uyiu- 
])ha  zu  übersetzen,  imd  unter  den  disir  sowol  nyniphac 
tutelarcs  als  hosliles,  bald  gülige,  bald  feiudhclie  wesen 
anzunehmen,  vgl.  Sa*m.  185^  195*  254^  273^  ein  bei- 
spiel  der  letztem  art  liclert  die  geschichte  von  'liauhraudi^ 
den  disir  umbrachten  (Nialssaga  cap.  97) ;  die  umständ- 
liche crzähiung  (forum,  sog.  2,  195)  nennt  sie  aber  blofs 
honuv  (frauen.)  spadisir  (uymphae  vaticiuantes)  Völsuug. 
saga  cap.  19  sind  niclils  anders  als  was  späko//ur]  die 
redensart:  *ecki  eru  allar  rfz'&7>  daudar  enn'  (Alfs  saga  cap. 
15)  sagt  ganz  allgemein:  noch  sind  nicht  alle  gulcn  geisler 
ausgestorben,  die  disir  waren  aber  geisterhafte  frauen,  die 
man  vereinte,  denen  man  opfer  brachte  :  üflcr  ist  die  rede 
von  disablot.  Egilssaga  cap.  44  p.  205.  Vigagl.  saga  cap, 
6.  p.  30;  bhlla  kumla  disir  (deabus  lumulalis  sacrificare) 
Egilss.  p.  207.  Herjans  dts  (Sicm.  213**)  ist  nympha  Odi- 
ni,  eine  in  Valhüll  wohnende,  zu  Odhins  gebot  stehende 
Jungfrau  ;  dis  Skiöldiinga  (Sjem.  169»  209»),  aus  dem  ge- 
schlecht  der  Skiöldunge  abstammende  göuiiclie  juughau, 
wird  sowol  Sigrün  als  Brynhild  genannt,  aber  selbst 
Fre^-ja  lieifst  Vanadin  (nympha  Vanorum)  Sn.  37  und 
Skadhi,  eine  andere  göttin,  öndardis  (die  in  holzschuhen 
gehende)  Sn.  28,  was  gleichviel  ist  mit  önduTgiid/h  meh- 
rere ^veibIiche  cigennamen  sind  mit  dis  zusammengesetzt: 
Thijrdis,  Hiördis,  Asdis,  Yigdis,  Ilalldts,  Freydfs.  Zu  die- 
ser alJgemeiiiheit  des  ausdrucks  scheint  nun  ein  erst  neu- 
lich aufgefundnes  golh.  adj.  deis  (callidus,  prudeus)  zu 
passen,  und  JJeis  ^vare  niclils  als  femina  piudens,  eine 
kluge  und  weise  frau  *) ;  die  belegstellcn  sind  schon  s.  66 
gegeben. 

Eine  andere,    viel  gewagtere  mulmafsung,  dais  in  den 
namen  der  ahd.  gÖttin  2!isa  ein  solches  deis  oder  dis  ver- 


*)  wie  alto.  soot  oder  snoira  (femina)  zum  adj.  snotr  (pradens) 
gehört 


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ALRUNB?  22r 

borgen  liegen  könne  (s.  189),  liabe  ich  hier  wenigstens  als 
möglich  %i\  rcchllerligen.  die  regel  der  laut  Verschiebung 
erfordert  zwar  für  golh.  deis  ein  ahd.  th,  aiisnaluns weise 
trill  aber  ahd.  Z  neben  goth.  D  auf  *)  und  eine  solche 
ausnähme  niüsle  denn  auch  hier  gestattet  sein. 

Im  fünften  cap.  ist  der  Zusammenhang  zwischen  die- 
sen Wahrsagerinnen  und  dem  priesteramt  gewiesen  worden, 
eingegangnc  vertrage  wurden  in  f^eledas  gegenwart  ge- 
heiligt; sie  weissagte  nicht  blofs,  sie  hatte  unter  dem  volk 
gescliäfte  zu  schlicliten  und  auszuführen.  Veltda  mag 
melu'  als  eigenname,  wirkliches  appellalivy  und  mit  dem 
altn.  Valay  vielleicht  mit  der  benennung  der  valkyrien 
verwandt  sein.  **) 

Vor  Veleda  soll  Auruiia  in  Deutscldand  berujimt 
gewesen  sein  (s.  64) ;  all  mag  unter  den  bänden  der 
Schreiber  sich  leicht  in  au  verderbt  liaben,  und  runa  in 
rinia:  so  hätten  wir  j4lirunay  wofür  freiUch  Tacitus  schon 
Alioruna  schreiben  durfte,  aber  die  oft  wahrgeuonunene 
einslimmung  mit  Jornandes  ist  auch  unverkennbar,  der, 
zur  erklärung  des  Ursprungs  der  I Innen,  von  Filimcr  dem 
gothischen  kunig  berichtet :  'repperit  in  popuJo  suo  quas- 
dam  magas  niulieres  ^  quas  pMrio  scrmone  aliorutnnas 
(al  alynimnas,  aliorunes,  aliuruncas)  ^**)  is  ipse  cognomi- 
nat,  easque  habens  suspeclas  de  medio  sui  proturbat,  lon- 
geque  ab  exercilu  suo  fugatas  in  soliludine  coegit  errare, 
quas  silvestres  homines,  quo«  faunos  ficarios  vocant,  per 
eremum  vagantes  dum  vidissent,  et  eariun  se  conq>lexibu8 
in  coitu  miscuissent,  genus  hoc  ferocissiminn  edidere'.  mit 
-rAn^  -nina  werden  viel  frauennamen  gebildet  (gramm.  2, 
517),  und  -rumnas  statt  -ninas  gesdirieben,  erhielte  man 
entweder  alioruna,  das  für  aljaru/ia  (gramm.  2,  628) 
stände,  oder  (y  =  v  i=  u)  aluru/ia,  das  vielleicht  mit  alus 
(cerevisia)  zusammengesetzt  wäre,  zu  letz  lerem  stimmt 
der  altn.  fraueuname  Olrun  ^  welcher  Sicm.  133.  134  ge- 
rade von  einer  weisen  fr  au  vorkommt,    und  unser  noch 


•)  goth.  du^  alid.  zi;  goth.  hagastald«,  ahd.  hagastalt,  nhd.  hage- 
«tolz;  altn.  dvergf,  mhd.  twerc,  nhd.  zwerg.  in  einzelneu  Wörtern 
schwaoltt  die  lid.  sc-hreibung  zwischen  D,  T,  Z:  scerdifedern,  scertife- 
<lera,  scherzefedcr  (Frtdank  p.  392)  und  im  Hild.  lied  scheint  umge- 
kehrt chludun  geschrieben  für  chluzun  (findebant,  iin<lebantur.) 

")  ich  finde  auch  JFaladeficMs  in  den  trad.  corb.  p.  364.  §.  213; 
«in  wildes  weib  heifst  Wolfdieterich  514  *die  wilde  waldin\  T35  'diu 
üt>el  walledeiri'.     das  scheint  aber  verderbt  aus  vdlandinoe. 

'**)  bei  dieser  lesart  fallen  mir  die  Auruni  und  Aurunci  (Niebuhrs 
'öa.  gesch.  1,  77.  88)  ein. 

15* 


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228  NORNI?       WÜRT 

gangbares  a/ra «72,  das  mehr  die  lebendige  volksSÄge,  als 
ältere  spraclidenkmäler  fortgepflanzt  zuhaben  scheinen:  es 
hat  die  bedeutung  eines  teuflischen  (weissagenden?)  gei- 
sles,  und  endlich  der  wnrzel  (mandragorä) ,  aus  welcher 
man  Um  sclmeidet,  angenommen.  Alle  diese  Vermutungen, 
so  zweifelliaft  sie  immer  sind,  durften  hier  nicht  ganz 
übergangen  werden,  wir  wenden  uns  zu  andern  benen- 
nuiigcn,  für  welche  die  quelle  der  Überlieferung  reicher 
fliefst. 

Von  den  drei  Schicksalsgötllnnen  enthält  die  edda  ei- 
nen abgeschlofsnen  tiefsinnigen  mjihus.  sie  heifsen  gemein- 
schaftlich nornity  einzeln  aber  Urdhr,  Verdhaiidi^  Siuld. 
Sacm.  4*  Sn.  18.  der  ausdruck  norn  (parca)  hat  sich  bis- 
her in  keiuem  andern  dialect  aufgefunden  *) ,  gehurt  je- 
doch ohne  zweifei  echtdeutscher  wurzel  an,  und  ist  wie 
körn,  horn.u.  s.  w.  gebildet)  ahd.  würde  man  norn,  pl. 
norm  gesagt  haben;  auch  die  schwcd.  und  daiu  spräche 
hat  ihn  verloren.  In  den  drei  eigeunameu  sind  die  for- 
men abstracter  verba  unmöglich  zu  verkennen:  Urdhr  ist 
aus  dem  pluralablaut  von  verdha  (vardh,  urdhum)  ent- 
nommeo,  Verdhandi  ist  das  fem.  part.  praes.  des  nem- 
L'clien  Worts,  Slculd  das  part.  praet.  von  skula,  d.  h.  dem 
worl,  mit  welchem  die  mangelnden  flexioneu  des  futunims 
umschrieben  werden,  es  ist  also  sehr  passeud  das  ge- 
wordne, werdende  und  werden  sollende ,  oder  vergangen- 
heil, gcgcnwart  und  Zukunft  bezeichnet  und  jede  der  drei 
parzen  in  einer  dieser  richlungen  aufgestellt,  zugleich  ihuH 
uns  die  nainen  dar,  dafs  die  lehre  von  den  nornen  ur- 
sprünglich unter  allen  deutschen  Völkern  einheimisch  war. 
eine  golhische  Vaürths,  Vairthandei,  Skulds,  eine  ahd. 
Wiirt,  Werdandi,  Sciüt  u.  s.  w.  müssen  als  persönhche 
Wesen  bekannt  gewesen  söin^  wir  vermögen  die  Persön- 
lichkeit der  ersten  norn  deutlich  aus  alts.  und  ags.  poe- 
sien  zu  beweisen,  'thiu  PVurdh  is  at  handun'  heifst  es 
Hei.  146,  2,  wie  *dud  is  at  hendi  92,  2:  parze,  töd  ste- 
hen so  nahe,  dafs  sie  den  ihnen  verfalln^  menschen  MÜt 
der  band  greifen  können***)  wir  würden  heute  ebenso 
sinnlicli  sagen :  'stehen  ümi  bevor^,  ^sind  vor  banden'.  *thiu 
TVurth  naliida',  nahte  sich.  ^TVurth  ina  benam'.  H^l. 
66,  18.  111,  4:    die    todesgöttin    nahm   ihn  weg.     lebloser 


*)  Nürnberg  (lAoos  noricns)  hat  nichts  damit  zn  schafien^  ist  anch 
keine  sehr  alte  stadt  (in  Böhmers  regest,  zuerst  no.  1007.) 

**)  mhd.  'er  hat  den  t^t  an  der  hanf.  Reinh.  1480.  1806.  Nib. 
1480,  4.    Morolt  29b.     Dietr.  29a.    pf.  Chuonrät  3860. 


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NORNI?        WÜRT  229 

kUngt  der  ausdniok  des  Hild.  liedes  48  ^w^u^urt  skibil', 
oder  vielleicht  getrennt  Sv^ !  wart  sklhit',  weil  'geschelieu' 
mehr  von  unsinnlichen  dingen  gesagt  wird,  desto  leben- 
diger sind  ags.  redensarten :  %e  thät  Vyrd  *)  geväf  (par- 
ca  hoc  mihi  texuit)  Couybeaies  illuslr.  p.  xxiv;  ^Vyrd  oft 
neredh  unfjegne  eorl,  thonne  his  eilen  dedh'  (ellan  tnoc. 
Hild.)  Beov.  1139;  *him  väs  Vyrd  ungemele  neah,  **)  se 
thone  gomelan  gielau  sceolde,  s^cean  slvlehord,  siindiir  gc- 
dielan  lif  vidh  lice'.  Beov.  4836 ;  *8vl  him  Vyrd  ne  ge- 
scrdf  (ita  ei  fatum  non  ordinavit,  decrevit)  Beov.  5145  vgl. 
Boelh.  ed.  Ra\vi.  p.  151;  *calle  ^rrf  forsveop  ***)  (alle  rifs 
die  parze  fort)  Beov.  5624.  iinsinnlicher  sind  die  stellen 
im  Cädm.,  doch  heilst  61,  12  die  T^yrd  'välgrim',  schlachl- 
gierig,  grausam.  Nicht  so  läfst  sich  die  persönliche  Ver- 
wendung der  beiden  andern  uamen  erweisen,  obgleich  der 
dritte  Sciilt  ^  ags.  Scyld  als  abstracles  fem.  scult,  scyld, 
mit  der  bedeutung  von  debilum ,  delictiim  überaus  häufig 
fortgebraucht  wurde.  IJino  einzige  benennung,  nachdem  das 
chrislenthum  die  heidnische  Vorstellung  verdrängt  halte,  ge- 
nügte, und  bald  erlosch  auch  sie,  um  neueren  ausdrücken 
wie  Schicksal,  Verhängnis  und  ähnlichen,  die  weit  unbe- 
quemer und  schwerfalliger  sind,  als  die  alten  ^  einfachen 
Wörter,  platz  zu  maphcii.  Am  längsten  scheint  die  engli- 
sche und  vorzüglich  schottische  mundart  den  ausdruck  ge- 
hegt zu  haben ;  bekannt  sind  die  ^weirdsisters*  in  Shak- 
speares  INIacbelh ,  die  er  aus  Holinshed  entnahm  5  auch  in 
Douglas  Virgil  80,  48  stehen  sie,  und  der  complaynt  of 
Scotland  (geschrieben  1548)  gedenkt  imtpr  mehrern  fabel- 
haften erzahlungen  der  'of  thp  ihre  vel'rdsystirs*  (Ley- 
dens  ausg.  Edinb.  1801  p.  99);  in  "Warners  Albions  Eng- 
land (zuerst  gedruckt  1616)  heifsen  sie  nhe  weirdehes\ 
es  süid  wol  die  drei  parzen  der  alten  gemeint,  eigen- 
thümlicher  scheint  'the  wel'rd  lady  of  the  u>ood&*  ^  wel- 
che um  rath  befragt,  aus  ihrer  hole  weissagt,  in  Percys 
reliques  3,  220—222.  f) 

Selbst   im   Norden   mufs    UrdJtr  bedeutsamer  als  die 


•)  mit  D,  nicht  TH,  obgleich  vcortfian,  vearth  geschrieben  wird, 
aber  der  plur.  nimmt  D  an,  vurdon;  eine  bestätigang  der  vorgetrag- 
neo  ableituug.   ebenso  alid.  Wurt,  weil  werdan,  wuttani. 

••)  *deÄdh  ungemete  neali'.     Beov.  5453. 

**0  so  lese  icli  für  ^fursveof  der  ausgaben,   vgl.  forovdpen  Cadm. 
25,9. 

+)  vg*«  Jamieson  8.  v.  ueird  (weerd,  weard.)  Chaucer  gebraucht 
*(^on  fatal  sustrin  «tatt  weirdsyster«  (Troiiuä  8,  T33.  leg.  of  good 
women  2619.) 


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230  NORM  ?        WÜRT 

beiden  aiiJcrn  gewesen  sein,  denn  der  brunnen  an  der 
heiligen  esche  lieifst  nach  ihr  Urclharbrunnr,  und  neben 
dem  brunnen  steht  der  saal,  ans  Avclchem  die  drei  nornen 
kommen ;  auch  wird  vornemlich  das  ^  Urdliar  ordh'  (Sicm. 
112^)  genannt,  und  einmal  ^grimmar  urdhir^  (dira  fala) 
abslract  gebraucht.  Sivm.  216^\  jyiQ^^a  drei  Jungfrauen  be- 
stimmen jedem  menschen  seine  lebenszeit  (skapa  niünnum 
aldr;  skop  t  ardaga)  Sn.  18.  Sfcm.  181*,  und  ich  liabe 
schon  (IIA,  750)  den  technisclien  bezug  des  ausdrucks  sha-' 
pa  aul*  das  riclilende,  urlheilende  amt  der  nornen  darge- 
than,  *)  denen  eben  darum  d6mr  und  qvidhr  (Sa;m.273**) 
beigelegt  whd.  ^nornir  heita  llirer  er  naudh  skapa*.  skald- 
skaparmal  p.  212«.  gleichl>e7.eichnend  ^nornir  visa*  Saem. 
88**,  sie  weisen  das  urlheil  und  sind  weise.  Jedem  neii- 
gebornen  kinde  nahen  sie,  und  fallen  über  es  ihr  urlheil; 
als  Helgi  geboren  war,  heifsl  es  Socm.  149; 

nött  var  i  boo,  nornir  qvdmo, 

thocr  er  ödhlingi  aldr  um  skSpo : 

tliann  badho  fyiki  frcrgstan  verdha, 

ok  bud!di\nga  beztan  thyckja, 

snero  thoer  af  atli  örld'gthdtto, 

thä  er  borgir  braut  1  BriUundi: 

thoer  um  greiddo  gullinatmo, 

pk  und  manasal  midlijan  festo. 

thoer  austr  ok  vestr  enda  fälo, 

tliar  atti  lofdhAngr  land  Ä  milÜ! 

brd  nipt  JSera  a  nordlirvega 

einni  jesti.  ey  badh  hon  lialda, 
in  dieser  merkwürdigen  stelle  wird  ausdrücklich  gesagt 
dafs  nachts  in  die  bürg  tretende  nornen  dem  beiden 
die  schicksalsfäden  drehten  und  das  goldne  seil  {thdttr 
=  diUit,  docht ;  slmi)  mitten  am  himmel  ausbreiteten,  eine 
norn  barg  ein  ende  des  fadens  gen  osten,  die  andere  ge» 
Westen,  die  drille  festigte  gegen  norden,  diese  dritte  wird 
genannt  'schwesler  des  I\eri\  **)  alles  gebiet  zwisclieo 
dem  üstlichen  und  w  csllichen  ende  des  seil  sollte  dem  jun- 

*)  vgl.  ajr«.  vyrda  ge.sveajt  Cadm.  224,  6.  alts.  wurdhgiscapu  (dc- 
creta  fati)  H^l.  113,  7  und  den  ahd,  ausdruck  scephfnid  (parca)  mhd. 
sclicpfe  (Ottoc.  119b)  und  sc/iepfer;  der  dichter,  auch  ein  vates,  liief« 
alid.  scuof,  alts.  scSp,  nach  derselben  wurzel.  N.  Cap.  50,  55  über- 
tragt pafca  durch  brieuara  (die  aufschreibende  ?)  Das  ags.  wort  md- 
ien  stelle  ich  zusammen  mit  metod  (schöpfer)  oben  s.  15.  im  Boetii. 
p.  101  (Rawlinson)  heifot  es  nach  der  Variante:  HUA  graman  ineiUm\ 
die  grausamen  parzen. 

••)  vgl.  '•nipt  Aöra'  KgilßSaga  p.  440. 


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NORM?  231 

gen  lielden  zufallen;  tliat  die  dritte  uom  dieser  gäbe  ein- 
trag  indem  sie  ein  ewigbaitendes  band  gegen  norden 
bin   warf? 

Das  scheint  gerade  characterisllsch  in  nornen  und  feen- 
sagen,  dafs  was  vorausgchoude  begabungen  güustiges  ver- 
helfsen,  durch  eine  nachfolgende  zum  theil  wieder  verei- 
telt wiixl. 

Nornage^tssaga  cap.  1 1  heifst  es :  im  land  fuhren  ^^»07- 
pur\  die  man  *',spdiornir^  uanule,  umher,  die  weissagten 
den  menschen  ihr  geschick  (^spadhu  müunum  aldr'  oder 
^örlög*.)  die  leule  culbolen  sie  zu  sich  ins  haus,  bewirte- 
ten und  bescheuklcn  sie.  Kinst  kamen  sie  auch  zu  Nor- 
nagests  vater,  das  kiud  lag  in  der  wiege,  über  ihm  brann- 
ten zwei  kerzen,  ijachdcin  die  zwei  ersten  weiber  es  be- 
gabt und  ihm  glückseligkeit  vor  andern  seines  gcschlechts 
versichert  hatten,  erhob  sich  zornig  die  dritte  oder  jüngste 
norn  (*liin  yngsta  nornin)  und  rief:  4ch  schairp,  dafs  das 
kind  nicht  länger  leben  soll,  als  die  neben  ihm  angezündete 
kei*ze  brennt'!  schnell  grif  die  älteste  votra  nach  der 
kerze,  löschte  und  gab  sie  der  mutter  vermahnend, 
sie  ^icht  eher  wieder  anzustecken,  als  an  des  kiudes 
letztem  lebenstag,  welches  davon  den  namen  Nornen  gast 
empfieng.  hier  ist  voha^  spdhon a  und  norn  vollkommen 
gleichbedeutig  ;  den  beiden  ersten  nornen  wird  wohvollende, 
der  dritten  üble  gcsinnung  zugeschrieben,  diese  dritte, 
folglich  Skuld,  heifst  'die  jüngste',  sie  wurden  also 
von  verschiednem  alter,  und  Urdhr  als  älteste  ange- 
nommen* 

Die  edda  lehrt  ausdrücklich,  dafs  es  gute  und  böse 
(gödhar  okular),  und,  obgleich  sie  ihrer  nur  drei  nam- 
haft macht,  noch  mehrere  gebe:  einige  nornen  stammen 
von  den  gültern  ,  andere  von  den  elben,  andere  von  den 
Zwergen.    Su.   18.  19.    Sjrm»  187,   188. 

JNlan  sieht  es,  in  dieser  ganzen  Vorstellung  sind  saclio 
und  personen  genau  getrennt,  das  Schicksal  selbst  heifst 
örlög  oder  auch  naudhr  (necessitas)  aldr  (aevum);  die 
nornen  haben  es  zu  verwalten,  zu  erspähen,  zu  verhängen 
und  auszusprechen.  Den  übrigen  dialeclen  wohnte  auch 
hier  der  nemliche  aüsdruck  bei:  ahd.  urlac ^  ags.  orlägy 
mhd.  urloac  (gramm.  2,  7.  87.  789.  790)  alls.  orlag^  or^ 
legi,  aldarlagu  (Hei.  103,    8.   113,  11.  125,    15)*)  und 


•)  ftller  walirsclieinliclikeit  uach  von  legan  (coiistituere) ,  wie  aga. 
läge,  altn,  log  (lex),  also  argesetz;  die  formen  urlouc  und  urlioge 
sind  verfaUclit 


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232  NORNI?       (FATAE) 

erst  nachdem  man  die  heidnischen  güttinnen  ausgestofeen 
halte,  verwirrten  sich  die  wortbegrüfe,  das  persönliche 
ipurty  wiirdh^  vyid  ficng  an  in  die  bedeutung  von  urlae 
überzugehen. 

Wie  norn  zu  örlog,  verhält  sich  parca  zu  fatum 
(von  fari,  gleich  jenem  qvidhr  von  qvedha),  uXuay  fioT^a 
zu  avay'iTj  (naudhr)  oder  et/tiag/Kiv^*  als  aber  die  par-. 
cae  in  der  eiabildung  des  volks  versohwimdon  waren,  bil- 
dete die  romanische  spräche  (nach  einem  umgekehrten  hev^  4 
gang,  als  dem  eben  bei  uns  nachgewiesnen)  aus  dem  saclb- 
Uchen  w^or^  ein  neues  persönliches,  aus  Jatum  ein  ital. 
fatUy  Span,  hada^  franz.  fee,  *)  ich  vvcifs  nicht,  ob  vom 
celtischen  glauben  nachhallcnde  weibliche  wesen,  oder  ein- 
Wirkung  germanischer  nornen  dazu  nüllügten.  diese  feen, 
urspriiuglich  von  Verkündigung  des.  Schicksals  benannt,  sind  v 
aber  bald  überhaupt  geistcrhafie  frauen  geworden  imd  das 
altn.  völvur  oder  dtsir  würde  ihnen  entsprechen.  **)  wie 
sehr  frülie  die  beneunung  in  Italien  gangbar  war,  bezeugt 
Procop,  der  (de  hello  goth.  1,  25.  ed.  bonn.  2,  122)  eines 
römischen  hauscs  gedenkt,  welches  tu  rgia  (pära  liiefs,  mit 
derbemerkung:  ovtw  yäg* Po)jua(Ot  rag  fioiQccg  vivo/tiUae^ 
xaXür»  ***)     damals  also  noch  neiitrum. 

Von  den  romanischen  fecn  geht  eine  menge  sagen,  die 
mit  dem  deutschen  Volksglauben  zusammentreffen,  tre  fate 
wohnen  unten  in  einer  felsenschlucht  und  begaben  Itiuab^ 
steigende  kinder  (pentam.  3,  10);  fate  erscheinen  bei  neu- 
gebor^nen ,  imd  legen  sie  an  ihre  brüst  (pentam.  5,  5) ;  es 
gibt  sieben  feen  im  land,  man  bittet  sie  zu  pathen  und 
bereitet  ihnen  elffensitze  am  tisch:  als  schon  sechse  platz 
genommen  hatten,  war  die  siebente  vergessen  worden,  die 
nun  erscheint,  und  während  jene  günstig  begaben,  ihre 
Verwünschung  murmelt  (la  belle  au  bois  dormant)  ^  im  deut- 
schen kindermärcheh  (Dornröschen)  sind  es  zwölf  weise 
frauen y  die  dreizehnte   hatte  man  übersehen.    Bei  Buj>- 


^)  vgl.  nata,  n^e;  amata,  alm^e;  lata,  Ide.  einige  mbd.  dichter 
sagea  feie  (Hartm.  Wolfr.),  andere  feine  (Gotfr.  Conr.) 

**)  altfranz.  diclitongeu  nennen  sie,  aufser  fees,  auch  divesses  (Ma- 
rie de  Fr.  2,  385)  duesses  (Meon  4,  158.  165);  puceles  hien  eurees 
(M^on  3,  ^\&)  franches  puceles  senees  (3,  419)5  sopaudes  (weise 
frauen,  von  sapere?)  Marie  de  Fr.  2,  385.  allen  wird  bezaubernde 
Hchunheit  zugeschriebea :  ^pus  bela  que  fada^  Ferabras  2767.  vgl. 
Troj.  16434. 

•••)  hiernach  leite  ich  fata  nicht  von  »^ur*?  (t<age)  oder  9>aToc,  ob- 
sclion  AsA  lat.  verbum  selbst  mit  fftnd  verwandt  ist )  vgl.  Ducaage  s.  T. 
Fadus  und  Lobecks  Agiaoph.  816. 


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NORNI?  23S 

chard  lieifsen  sie  noch  drei  Schwestern  oAqt  parzen,  de- 
nen im  hause  der  tisch  mit  drei  tellem  und  drei  messem 
gedeckt  wird  (anhang  p.  xxxvm)^gl.  das  ^praeparare  men- 
sas  ciun  lapidibus  vel  epulis  in  domo'  (p.  xxxv.  xxxvi.) 
In  den  meisten  erzäljungen  erscheinen  drei  feen,  wie  drei 
nomen  oder  drei  parzen;  einigemal  sieben  und  dreizehn^ 
aber  auch  einzeln,  gleich  jener  weirdlady  of  the  wood, 
imd  mit  besondern  eigennamen  treten  sie  auf.  *)  Niemals 
begegnet,  so  viel  ich  weifs,  in  romanischen  oder  deutschen 
volkssagen  die  nordische  vorslellung  von  dem  drehen  und 
festigen  des  seils,  noch  die  griechische  von  dem  spinnen 
und  abschneiden  des  lebensfadens,  nur  ein  dichter  des 
mittelalters,  Marner,  hat  sie  2,  173^ : 

jsuf6  schepfer  fldhten  mir  ein  seil 

dd  M  diu  dritte  saz^ 

diu  zebrachz;  daz  was  intn  imheiU 
ob  er  sich  dabei  auf  einheimische  Überlieferung   oder   auf 
die   antike    ansieht   gründet?   Nach  Ottocar  wiid  von   den 
»iiliepfen  alles  gelingen,  in  giileni  und  bösem,  auferlegt. 

Vergleicht  man  den  nordischen  und  griechischen  my- 
Ihus,  so  ist  jeder  in  unabhängiger  eigen ihümlichkcit  gestal- 
tet. YiXb)d^v)y  A^a^^o^Sy  "K.TOonos,  die  drei  jitoiQaip  haben 
in  den  n amen  nichts  gemein  mit  XJrdhr,  Verdbaudi,  Skuld ; 
sie  sind  Schwestern,  der  nacht  tüchler.  Clolho,  wiederum 
die  älteste,  spinnt  (von  xAwtfw,  ich  spinne,  zwirne),  La- 
chesis  loost,  entscheidet  (von  Xayeiv),  Atropos,  die  unab- 
wendbare, schneidet  den  faden.  )  jene  Idee  von  Vergan- 
genheit, gegenwart,  zukunft  bleibt  unberührt;  auch  die  des 
einspruchs  der  dritten  göltin  scheint  zu  mangeln^  merk- 
-wiirdige  ahnlichkeit  mit  Nornagestssaga  hat  eine  von  ]Me- 
leager,  bei  dessen  geburt  die  mören  weissagen;  Atropos 
bestimmt  ihm  so  lange  zu  leben,  als  das  auf  dem  heerde 
brennende  scheit  nicht  verbrannt  sei.  Althaea,  seine  mut- 
ter,  zieht  es  aus  dem  feuer.  ***)  Spatere  deutsche  mar- 
clien  verwandeln  hier  nornen  oder  parzen  in  den  tod 
(kinderm.  ijo.  44.)  ein  anderes  von  den  drei  Spinne- 
rinnen (no.  14)  schildert  sie  als  häfsliche  alte  weiber,  und 
kennt  ihre  hilfreiche,  nicht  mehr  ihre  weissagende  erschei- 


♦)  la  fafa  im  Guerlno  mescliino  p.  m.  223.  234 — 238;  fata 
M Organa^  Morghe  la  fee  (nouv.  ßenart  4810);  diu  frouwe  da  la 
rösche  hise  (vom  schwarzen  felsen),  die  gesach  nieman,  er  sciiiede 
dan  vrd,  riciie  nnde  witie.  Ueu.  144. 

**)  Hesiod  scliild  des  Herc  254.    vgl.  Hom.  Iiymn.  in  Merc.  550. 

•**)  Apollodor  I.  8,  2. 


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234  NORM? 

nuug»  anderwärts  weiesagen  drei  alte  weiher,  oLue  dafs 
sie  spinnea.  *)  eine  volkssagc  **)  führt  zu^ei  Jungfrauen 
ia  eiüer  bergliühle  spinnend  ein,  unter  ihrem  tisch  ist  der 
böse  (ich  denke  die  dritte  norn)  festgebunden ;  Aviederum 
wird  von  dem  hanfl^aum  erzählt,  auf  dem  xu  miiternacht 
eine  spinnende  frati  sitzt.  ***)  Nicht  zu  übersehen  ist 
der  eine  webende  norn  bezeichnende  ags.  ausdruck  'Vyrd 
ge^ä}  (s.  229.) 

Saxo  gramm.  p.  102  bedient  sich  des  lat  ausdrucks 
parca  und  nympha^  schildert  aber  unverkennbar  noruen: 
'mos  erat  anliquis  super  fuluris  libcrorum  eveutibus  par^ 
carum  oracula  cousultare.  quo  ritu  Fridlevus  OJavi  fiiii 
fortunani  exploraturus,  nuncupatis  solenniter  volis,  deonini 
aedes  precabundus  accedit,  ubi  introspcclo  sacello  7)  ter- 
nas  sedes  tolidem  nymphis  occupari  cognoscit.  cpijiruin 
prima  indulgentioris  animi  liberalem  puero  forniam ,  ube- 
remque  luunani  favoris  copiam  erogabat,  eirfeni  sevitnda 
beucficii  loco  liberalitatis  excellentiam  condonavit,  tertia 
vero  protcrvioris  iugenii  invidentiorisque  studii  femina  «o- 
roruni  indulgentiorem  aspernala  consensum,  ideoque  carum 
donis  officere  cupiens,  futuris  pueri  moribus  parsimoniae 
crimen  affixit'.  hier  heifseu  sie  Schwestern,  wie  icli  in 
altn.  quellen  sonst  nicht  gefunden  habe,  und  die- dritte 
nymphe  ist  wiederum  die  büsgesinnle ,  das  gescheiik  der 
beiden  ersten  verringernde,  abweichend  ist  nur,  dafs  die 
nornen  nicht  dem  neugebornen  nahen,  sondern  der  vater 
ihre  Wohnung,  ihren  tempcl  aufsucht,  -ff) 

Bisher  habe  ich  die  weisen  frauen  des  allcrlhums  n\w 
als  leukerinnen  menschlicher  scliicksale,  als  urlheilende 
nornen  abgehandeltj,  und  schreite  nun  zu  einem  andern  ih- 
rer ämter  fort:  sie  stehen  der  schlacht  vor,  sie  weissagen 
und  bringen  den  kampfern  sieg  oder  verderben.  Schon 
Jul.  Caesar  (de  hello  gall.  1,  50)  berichtet  die  germanische 
sitte  :  *ut  matresfamilias  eorum  sortibus  et  vatici/ia/io- 
nibufi   declarareiit,  utrum  proelium  conuiiitli  ex  usu  esset. 


')  Aw.   1.  lOr.  108.  109.  110. 

••)  deutsche  sajren  110.  9. 

♦♦*)  Jul.  Sclimidt  Reichenfeis  p.  140. 
f)  sie  hatten  also  einen  tempel^  in  dem  man  ihr  orakel  befrage. 

■|"j-)  die  Slaven  haben  keine  eigne  vor.>tellung  von  schicksnls^ttia- 
nen.  die  lettische  Laima  legt  dem  kind  l)ei  der  geburt  das  laken  un- 
ter nnd  ordnet  sein  glück,  auch  tiei  andern  anlassen  des  lebens  heif»! 
es:  'so  hat  es  Laima  gefügt',  sie  lauft  barlufs  über  die  berge,  drei- 
eaht  der  parzeu,  und  fadenspiunen  ist  den  Letten  unbekannt,  vgl. 
Stenders  gramm.  p.  264.  Rhesas  dainos  p.  272.  309.  810. 


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WALACHÜRIÜN?  285 

nee  ne\  hausfrauen  pflag<?n  der  weissagiing,  vielleiclit  be- 
fiooders  dazu  erwäblte  frauen,  von  Lolierem,  göttlichen  an- 
gehen wie  Veleda  ? 

Man  entsinne  sich,  welchen  götlern  hauptsächlich  an 
dem  ausgang  des  kanipls  ^'elegen  war:  OdJiinn  uud  Frey  ja 
zogen  alle  in  der  sc  hl  acht  gefallenen  an  sich,  Odhiun  iiaiim 
sie  in  seine  himmlische  wohnung  auf  (s.  95.  194.)  diese 
hofnung,  nach  dem  tod  gotllicher  gemeinschaft  theilhaftig 
zu  werden,  durchdrang  den  glauben  der  Heiden. 

altn.  valr ,  ags.  väl^  ahd.  wal  bedeutet  niederlage  der 
leicheu  auf  dem  Schlachtfeld,  inbegrif  der  erschlagenen :  den 
val  in  empfang  nehmen,  holen  nannte  man  iiosa,  kie- 
sen, überhaupt  scheint  dies  verbum  technisch  zu  stehen  von 
der  annähme  jedes  einem  höheren  wesen  geschehnen  Op- 
fers. *)  dem  Odhinn  dienen  aber  in  ValhüU  Jungfrauen, 
Uüd  sie  entsendet  er  in  jede  Schlacht ,  um  die  erschlagnen 
zu  kiesen.     Sn.  39. 

Hiervon  heilst  eine  solche  halbgöttliche  jpngfrau  val- 
lyrja,  und  es  ist  wieder  eine  der  erwünschtesten  einstim- 
mungen,  dafs  die  a^s»  spräche  den  gleichen  ausdruck  vä/- 
cyr/e  (välcjTge,  välcyrre)  zur  Verdeutschung  lat.  wörter  wie 
bellona ,  erinnys ,  Alecto,  Tisiphone  beibehalten  hat,  ja  für 
parca  und  venefica  verwendet,  ganz  sicher  folgere  ich  ein 
ahd,  walachuriä  (yvaiachuTrX);  valakusj6  wäre  die  goth. 
form.  **) 

Gleichbedeutend  mit  valkyrjur  ist  das  altn,  valmey- 
jar  (scldachtmädchen),  vielleicht  das  heutige  norw.  pa/rfo^er, 
«ach  Hällager  140^  schutzgeist.  noch  werden  sie^  genannt 
shia/dmeyjar,  hialmmeyjar,  weil  sie  gerüstet  unter  schild 
und  heim  ausziehen  (vera  und  hiabni^  Snem.  151*  192^); 
nonnor  fhrjans  (Sicm.  4^.)  ***) 

ancli  öskmeyjar  (wunschmädchen),  Sa»m.  243^.  Völs. 
saga  cap.  2.  ich  denke,  weniger  in  bezug  auf  ihr  kriege- 
risches wesen,  als  weil  sie  in  Odhins  diensten  stehen,  und 
Odhinn  Osli\  PVunsc  heifst.  Hierzu  tritt  noch  etwas  an- 
deres, das  ich  schon  s.  99.  100  hätte  sollen  anmerken,  eine 
bestätiguug  meiner  ansieht,,  dafs  Wuotan  den  namen  TVunsc 


*)  hauptstelle  Ssem.  141». 

*•)  von  valr^  wal  selbst  konnte  die  würzet  in  velja,  vnljan  (eli- 
gere)  pesnclit  werden ,  ^o  dafs  es  an  sich  schon  den  begrif  von  wfili' 
len  und  kiesen  enthalten  hätte,  der  auf  die  strages  angewandt,  niid 
«pater  verd«inkelt,  durch  ein  anderes  verbum  nochmals  ausgedrückt 
worden  wäre? 

•■•)  Mit  Odhinn    fahren   Frigg,    die   valkyrjur  nnd    die    raben    im 
wagen.    Su.  66. 


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236  WALÄCHÜRIÜN  ? 

fülirte,  liegt  iu  seiner  Identität  mit  Mercur,  denn  Merctir 
tragt  den  zaubcrslab  (caduceus),  der  sich  der  ppünsc/telruthe, 
alid.  wunsclligerta  vergleicht,  aus  einer  näheren  betrach- 
tiing  beider  stäbc,  die  ich  später  anstellen  werde,  soll  sich 
diese  analogie  bestimmter  ergeben :  sind  aber  W'iiotan  uud 
T'Vunscy  Odhinn  und  Osli  zusammenfallend,  so  läfst  sich 
vermuten ,  dafs  der  dorn  oder  sclilafdorn ,  vrelchen  Odhin 
in  das  kleid  der  valkyrja  Brynhildr  steckte  (Srcm.  192«), 
w^ieder  ein  wunschdorn  war? 

In  Valhöll  hatten  die  dshneyjar  oder  vallyrjur  das 
geschäft,  göltern  und  eiuherien  das  trinkhorn  zu  reichen 
und  den  tisch  zu  versorgen.  Hieraus  ergibt  sich  ihr  beson- 
deres Verhältnis  zu  Frey  ja  ^  die  gleich  ihnen  Sval  kieset', 
Valjreyja  heifst  (s.  194)  *),  und  gleich  ihnen,  beim  gc- 
lag  der  Äsen  (at  güdl  Asa)  einschenkt.     Sn.  108. 

Bedeutsamer  ist  ilu*  amt  im  krieg,  nicht  nur  das 
'kiosa  val',  ^kiosa  feigdh',  auch  das  'rAdha  vigiun'  oder  *si- 
gri',  also  ein  aussohlaggeben  liber  kämpf  und  sieg  wird  in 
ihre  band  gelogt.  Sn.  39.  sie  heilsen  ^görvar  at  iidlia 
grund',  görvar  at  rJdha  til  gotlhlhiodhar*.  Sfem.  4**.  In  ili- 
i'em  wesen  ist  unwiderstehliche  Sehnsucht  nach  diesem 
kriegerischen  geschäft  begründet:  daher  in  der  edila  ilire 
eigenthümlichsto  leidenschaft  ausgedrückt  wird  durch  das 
verbiun  MhriV  (desiderant)  Sa^m.  88*  Hhrddho*  (desldera- 
bant)  oder  'fystoz'  (cupiebant)  Sa?m.  134*.  **)  Gewöhn- 
lich reiten  neun  valkyrjur  zusammen  aus  (Sfcm.  142.  162), 
ihre  lauzen,  helme  und  Schilder  glänzen  (Sfem.  151*),  ihre 
pferde  scliültelii  sich  und  thau  fallt  zur  erde  (Sfvm.  145.7 
diese  neunzabl  ist  auch  in  der  sage  von  Tliidhrandi  (s. 
22()),  dem  erst  neun  dlsir  im  weil'sem,  dann  neun  andere 
in  schwarzem  gewand  erscheinen.  Swm.  44.  45,  und  dar- 
aus Sn.  39  werden  ihrer  dreizehn  genannt:  Hrist^  Mifft^ 
Skeggükl,  Skögul,  Hildr^  ThnUlUr,  lilöck,  Herßötr.Göü, 


•)  auch  iu  eiuem  faröischen  lied  Valfrygv  (Finn  Magn.  I«. 
Pf  80^-) 

*•)  die  empfangnahine  der  seeUn  im  augenblick  des  Sterbens  Hurrh 
Odhinn  und  Fre>ja,  oder  deren  boten  die  v&lkvrien,  scheint  mir  ein 
so  tiefgewurzelter  zug  unseres  heidenthums,  daU  man  ihn  wol  noch 
in  christlichen  tfaditionen  wiederfinden  darf,  dahin  gehört  der  streit, 
den  en^el  und  teufel  um  die  seele  anheben,  wie  er  in  der  von  Schmei- 
ler  aufgefttiidnen  dichtung  Muspilli ,  Geor«;  12^5.  1244.  6082—86  und 
Meon  1,  239.  4,  U4.  145  geschildert  wird;  eine  merkwürdige  stelle 
aus  Morott  werde  ich  cap.  xui  angeben,  will  man  diese  rorsteliuog 
aus  der  epistel  Judae  9  oder  dem  apocryphisdien  über  Euocb  her- 
leiten ? 


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WALACHÜRIÜN?  HILTIA  KüNDIA  DRÜD    287 

Geira7iodh{vl.Geirulu\).  Randgrtdh^  Rddgrtdh^  Regir/^ 
leif;  Sa»in,  ^haheTmxraechs:  Skuld,  Stögul,  Gunnr^  tiildr^ 
Göndul,  Geirstögul.  *)  die  i^rosa  Sii.  39  hebt  dref\ 
als  eigentlicli  walkiesende,  siegbebei^ßcliende  hervor:  Gud/ir 
Rola  und  Sku/d,  *norn  en  yngzla'.  das  berühmle  schlaclit- 
webeHed  der  Nialssaga  nennt  folgende:  Hildr^  Biörthri- 
mal,  Sangrtdhr  (1.  Kaugr^dbr),  Suipul,  Gunnr,  Gondul ; 
Hilkonarmdlt  Gqndol,  Skögol,  Geirshögol;  KrAkumM 
(ed.  Rafn  p.  121)  H/öch  und  Hildr.  Unter  diesen  ua* 
men  haben  einige  schon  jetzt  für  unsere  Untersuchung  r.us- 
»erordentliqhen  werth,  und  keiner  der  übrigen  wird  bei 
fortgesetzter  forscliung  aus  deü  äugen  zu  lassen  sein. 

Einmal  Skuhl\  es  geht  daraus  die  gemeinscbaft  der 
nornen  und  valkyrien,  zugleich  aber  ihre  Verschiedenheit 
hervor,  eine  dis  kann  beides,  norn  und  valkyrja  sein,  die 
Verrichtungen  sind  gesondert,  gewöhnlich  auch  die  perso- 
nen.  Die  nornen  haben  das  fatum  auszusprechen,  sie  sit- 
zen auf  ihren  stuhlen  oder  sie  erscheinen  unter  den  sterb- 
Hellen  und  festigen  ihre  faden,  niemals  hcifst  es,  dafs  sie 
reilen.  Die  valkyrien  aber  reiten  in  den  krieg,  bringen 
des  kanipfs  entscheidung  und  geleilen  die  gefallenen  gen 
hiramcl.  Blofs  Skuld,  die  jüngste  norn  (vgh  s.  231)  kann 
auch  valkyrja  sein:  dachte  man  sich  Urdhr  und  Verdliandi 
allzubejahrt,  oder  allzuwürdig  fiir  die  arbeit  des  kiiegs? 
und  taugte  das  schneiden,  abbrechen  des  fadens  (wenn  sich 
diese  idee  im  Norden  beweisen  läfet)  mehr  für  die  waf- 
fcDgeüble  Jungfrau  ? 

Hildr,  Gunnr y  Thrädhr  sind  deshalb  genauer  zu 
betrachten,  weil  ihre  persönlichkeit  auch  noch  in  andern 
deutschen  sprachen  durchbricht,  also  das  dasein  einzelner 
walachurien  das  ihrer  ganzen  gesellschaft  aufser  zweifei 
«etzt.  schon  das  altn.  Hildr  und  Gunnr  (=  Gudhr)  ab- 
strahieren sich  in  hildr  und  gunnr  (pugna,  proelium)) 
aus  bellona  wird  bellum*  luiigekehrt  steht  neben  dem  ags. 
hdd  und  giidh  noch  ein  persönliches  Hild  und  Güd/i : 
'g«f  mec  Hild  ninie'.  Beov.  899.  2962 ;  'Gudh  nimedh' 
ßeov.  5069;  wie  sonst  *gif  mec  deadh  nimedh'  Beov.  889 
oder  ^svylt  fornam'  Beov.  2872  oder  wie  (oben  s.  229) 
ryrd  forsveop' ;  vgl.  'Hilde  gräp'  Beov.  5009.  Die  ahd. 
formen  lauteten  Hiltia  und  Gundia  (Gildea),  beide  bie- 
tet, freilich  schon  in  abstracter  bedeiUung,  das  Hild.  lied 
^-  60;    zusammengesetzte  eigennamen  haben   -liilt,  -gunt. 

*)  angedrackte  stellen  der  skalda  liefern  29  oder  30  nameii  (Finn 
MagQ.  lex.  p.  803.) 


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238  WALACHÜRIÜN  ? 

die  sage  Ton  Hildr  ^  die  nachts  auf  dett  -wal  gelit  und 
durch  ihren  zauber  die  gefallnen  vneder  ins  leben 
-weckt,  hat  sich  in  der  edda  (Sn.  164.  165)  und  in  der 
altd.  dichtuug  von  Gudrun  erhalten,  wo  sie  Hilde  hciCsr.  *) 
T/irüdlir  endlich,  das  wiedennn  zum  appellativ  ihr  tut  hr 
(virgo)  wird,  und  in  vielen  ahd.  frauennamen  vorkommt 
(z.  b.  AlpdriW,  AYolchaudrüd,  Himildri\d,  K^rdriid,  JVllnii- 
di'üd,  SigidrAd,  die  leicht  an  geisterhafte  wesen  gemahnen )j 
hat  die  allgemeine  bedeuluog  von  hexe,  Zauberin,  unholde 
angenommen.  **)  sollte  nicht  bei  Vintlcr  (anh.  s.  lui)  itir 
tewte  tnvte  zu  lesen  sein?  Hans  Sachs  hat  mehrmals 
*alle  irute^  f.  hexe,  und  mit  den  Worten:  'schweig,  die 
drut  kommt !'  stillt  man  lermende  kinder^  ***)  so  dafs  sie 
hier  ganz  frau  Holla  oder  Bertha  (s.  166.  169)  vertritt  und 
desto  füglicher  die  alle  valkyrie  sein  kann. 

Aulser  den  angerührten  valkyrien  mufs  es  aber  man- 
che andere  gegeben  haben ,  und  die  zweite  abtheüung  der 
Swmundaredda  nennt  einige  als  gelieble  und  gemahlinuen 
edler  beiden,  so  sind  Si^cn^a^  Kdra^  Signin,  Sigrdrtfay 
iHid  heilsen  ausdriicUich  valkyrien  (Stem.  142^  145^  157. 
169.  194)  zugleich  erhellt,  dals  sie  menschlicher  abkunft 
und  königstüchler  waren,  8vava  des  Kylinü,  Sigriin  des 
Högni,  Kura  des  IlAlfdau,  Sigrdrifa  des  Budli;  Svava  lieble 
den  Helgi  lliörvardssohn,^  8igri\tt  den  Helgi  Hundiugsbani, 
Kiira  den  Helgi  Haddingaskadhi,  Sigrdrifa  oder  mit  anderm 
namen  Brynhildr  den*  Sigurdlir.  ihren  liebhabern  ver^ 
Heben  sie  sieg  und  schütz  im  kämpf  ('Sigri\n  hlifdhi  ho- 
nom  opt  Sidlian  J  orrostom'.  Sicm.  142^.)  auch  jene  llildp 
war  königs  Högni  (Hagene)  lochler,  und  Hedliins  verlobte* 
Odhinn  nalim  also  in  seine  valkyrienscliaar  sterbliche 
Jungfrauen  aus  königlichem  geschlecht  auf:  vergötterte 
frauen  den  vergötterten  beiden  zur  scite  stehend ;  doch 
glaube  ich  nicht,  dafs  alle  valkyrien  dieser  hcrkunft  wa- 
ren, sondern  die 'ältesten  und  b «"ü hm  testen ,  gleich  den 
nornen,  von  gültern  und  elben  slanmiten.  Bemerkcus- 
werth  ist  auch,  dafs  Kära  imd  ihr  Helgi  für  eine  wieder^ 
gehurt  der  Svava  und  des  älteren  Helgi  angeschen  wur- 
den. (Sa^m.  148**.  169.)  In  Völundarqvidha  erscheinen 
drei  andere  valkyiien  nebeneinander:  Hladhgudhr  Si^an^ 


•)  deutsche  heldensage  p.  32T  ff,  was  bedeutet  'Hilde  schnee*  in 
der  volkssage  von  Hildeslieim?  (deutsche  sagen  no.  456.)  etwa  plötas- 
licher  schuee?  (brem.  wb.  2,  631.) 

*')  Gcrdnit,  Gerdraut  halten  einige  für  einen  unchristlicheu  namen. 
**')  Flöge!  gesell,  des  groteske  kom.  p.  23. 


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WALACHÜRIÜN?  289 

hvit^  Hervor  alvitr  und  Olrün  *),  die  beiden  ersten  tücli- 
ter  könig  Ltidhveri*,  die  drille  Kiars :  sie  verbanden  sich  mit 
Slagfidbr,  Vülundr  und  Egili,  lebten  sieben  jabre  bei  ih- 
nen und  eutdolLen  dann,  'at  vilja  viga',  um  ihr  altes  kriegs- 
gewerbe  wieder  zu  treiben.  Überhaupt,  scheint  es,  schlug 
die  Verbindung  dieser  halbgöllinnen  mit  beiden  für  beide 
theile  nachlheilig  aus;  die  beiden  fanden  einen  frühen  tod 
oder  anderes  unlieil:  vielleicht  darf  angenommen  werden, 
dafs  die  erhebung  zur  valkyrie  unter  der  bedingung  des 
jungjräidichen  Standes  erfolgtei  **)  wenigstens  als  Od- 
hinn  auf  Sigrdrila  zürnte  j  die  seinen  Schützling  im  kämpf 
halle  unterliegen  lassen,***)  bestimmte  fer,  dafs  sie  nun 
vermählt  werden  sollte  (qvad  liana  giptaz  scyldo)  Sa^m. 
194».  Hladbgudhr,  Hervor  und  Olrün  waren  von  den 
männern  mit  gewalt  und  wider  ihren  willen  entführt 
worden. 

AVie  wenig  man  nornen  und  valhyrien  völlig  von 
einander  trennen  darf,  lehrt  auch  die  sage  dieser  drei  letzt- 
genannten Jungfrauen,  zu  geschweigen,  dafs  Hervor  den 
bcinamen  alvitr  (omniscia)  führt,  der  sich  mehr  für  eine 
norn,  als  für  eine  valk}TJa  schickt,  heif'st  es  von  allen 
dreien ,  dal's  sie  am»  seestrand  sal'sen  und  köstlichen  flachs 
spannen  y  ja  von  derselben  alvilr,  die  wiederholenllich 
Angä* ,  wie  Skuld  in  andern  stellen  genannt  ist,  dafs  sie 
^örlög  dr<fgja\  Schicksal  treiben  wollte  (Srem.  133*  134*.) 
Auch  die  entscheidung  in  der  schlacht  ist  ein  theil  des 
schicksols ,  wie  das  ahd.  uriouc  (falum)  im  mhd.  urlinge 
die  bedeutung  von  bellum  annimmt  (gramm.  2,  790.)  Un- 
streitig dachte  man  sich  nicht  blofs  die  nornen  spinnend 
und  webend^  sondern  auch  die  valkyrien.  dies  wird  durch 
dte  furchtbarerhabene  dichtung  im  158  cap.  der  Nialssaga 
am  sichersten  erläutert.  Dürrudhr  sieht  durch  einen  fel- 
»enspalt  singende  frauen  an  einem  geu^ebe  sitzen,  wobei 
ihnen  menschenhUüpter  äuui  gewicht,  därme  zum  garn  imd 


0  über  diesen  nameii,  der  freilich  nie  altn.  Appellativ  ist,  s.  227 
••)  Pompoo  Mela  3 ,  ft:  ^oraculi  numiais  gailici  aaüstites  perpe^ 
iaa  uif^initate  sanctae  numero  nofeni  esse  traduiitur.  gallicejias  vo- 
cant,  putaoique  uigeiiüs  siiigularibus  praeditas  maria  ac  ventos  couci- 
tare,  seque  in  quae  veliiit  animalia  vertere,  sanare  quae  apud  alios  in- 
nanabilia  sunt,  scire  Ventura  et  praeclicare  sed  non  nisi  deditas  navi- 
^ntibiis  et  in  id  tantnm,  ut  se  consulerint,  profectas'.  Die  ähniiclikeit 
dieser  neun  wahrsagenden  gallicenae  ist  unverkennbar,  einige  lesen 
Galli  Cenas,  vgl.  Tzschucke  not  crit.  p.  159 — 163. 

•••)  Juerkwurdig ,  gegen  Odhins  willen ,   der  also  amgangen  werden 
konnte,    das  Schicksal  stand  über  dem  gott. 


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240  WALACHORIÜN? 

wlft,  Schwerter  zur  spüle  ^  pfeile  zum  k^mm  dleiieni  ih 
ihrem  scljauerlichen  gesaug  bez.eichnen  sie  sich  selbst  all 
valhyrien^  ihr  gewebe  als  das  des  zuschauenden  Dür* 
rudhr.  *)  zuletzt  zerreifsen  sie  ihre  arbeit ,  besteigen  ilirc 
pferde,  und  sechs  reiten  gen  süden,  sechs  gen  nordcD» 
Hierzu  halte  man  die  webende  Vyrd  des  ags.  dicliters 
(s.  229.)  Wie  tbeilung  der  jimgfrauen  in  zwei  nach  ver- 
schiedner  Seite  reitende  häufen  ist  den  lijntereinander  aufziehen- 
den neun  schwarz  und  neun  Weifsgekleideten  ähnlich  (s.  236.) 

Ich  habe  die  notnen  und  /uoigai  zusammengestellt, 
gleich  treffend  lassen  sich  valkyrien  imd  X'^Qtg  nebenein- 
ander setzen:  auch  die  x't^g  erscheint  auf  der  walstatt  iE 
blutigem  gewaade,  verwundete  pflegend,  todle  fortziehend; 
schon  dem  ncugebornen  wird  eine  ut^q  zugetheilt,  Achill 
hatte  zwei  xi^geg^  zwischen  welchen  er  wählen  durfte,  und 
zwei  legt  Zeus  in  die  wagschale,  über  Achills  oder  Hec- 
tors  tod  zu  eiilscheiden.  **)  Die  spätere  ansieht  hebt  in  ih- 
nen den  begrif  des  unheilvollen  hervor* 

Nun  ist  aber  eine  neue  seile  der  valkyrien  zu  erör- 
tern, es  heifst  von  ihnen,  dafs  sie  durcJi  lujt  und  Was- 
ser ziehen,  'ridbii  lopt  ok  lüg%  SfCm*  142^  159  5  die  gäbe 
zu  fliegen  und  zu  schwimmen  ist  ihnen  eigen ,  mit  aadera 
Worten:  sie  können  die  gestalt  eines  schwans  aunebmen, 
und  weilen  gern  am  seeufer.  In  Völundarqvidlia  wird  ge- 
sagt: die  drei  frauen  safsen  am  Sti^and,  spannen  llaclis 
und  hatten  neben  sich  ihre  ä/plarhamir  ^  ihre  schwan- 
hemde;  um  augenblicklich  wieder,  als  schwane,  fortfliegen 
zu  können.  *meyjar  flugd*  imd  'settuz  at  hvilae  ^  stevar» 
Strönd'  5  eine  unter  ihnen  hat  sogar  den  beinamen  spo/z- 
hiftt  (schwauweifs)  und  trägt  schwanfedern  (svanfiadhrar 
AvK^.)  Jene  Kdra,  worin  nach  der  edda  Svava  wiederge* 
boren  ward,  tritt  in  der  Hrömundarsaga  (fornald.  sog*  2, 
375.  376)  als  zauberin  mit  schu?anhenid  (fiölkyngiskona 
t  ulftarham)  auf  und  schwebt  singend  über  den  beiden.  ***) 
Helgi  hatte  durch  ihren  beistand  immer  gesiegt,  es  geschah 
aber,  dafs  er  in  einem  kämpf  mit  dem  Schwert  zu  hoch  in 
die  luft  fuhr  und  seiner  geliebten  den  fufs  abhieb :  da  fiel 
sie  zu  boden,  sein  glück  war  zerronnen.  Brynhildr  gleicht 
dem  Schavan  auf  der  welle  (fot-nald.  sog.  1,  186.) 


•)  so  darf  man  wenigstens  j  *?indum  vindum  vef  Darradhai^  ver- 
stehen ,   wenn  anch  der  name  und  die  ganze  tolkssage  erst  auft  einem 
*vef  darradhiir^  (telam  jaculi)  entsprungen  wäre,   vgl.  ags*  deoredh  (jt- 
culum.)     bekantiicli  enthalt  Stnrlüngasaga  eine  sehr  ähnliche  erzahluog. 
••)  II.  9,  411.   18,  5B5— 540.  22,  210.  33,   79. 
***)  Rafu  hat  die  lesart  Lara  vorgezogen. 


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SCHWANJUNGPRAÜBN  241 

Diese  Ueblidien  ecliwan Jungfrauen  hat  deutsche  über- 
lieferuDg  sicher  sclion  lange  gekannt,  in  kühler  fiut  ba- 
dend legen  sie  am  ufer  den  schwanring  oder  das  schwan- 
hemd  ab :  wer  es  raubt ,  hat  sie  in  seiner  gewalt.  *)  ob- 
gleich es  nicht  ausdrücklich  gesagt  wird,  so  sind  die  drei 
weissagenden  meerweiber,  denen  Hagne  das  gewand  weg- 
genommen hatte,  eben  solche;  es  heilst  (Nib.  1476,  1): 

si  swebten  sam  die  vögele  vor  im  üf  der  lluot. 
Dem  mythus  von  Völundr  begegnen  wir  in  einer  altdeut- 
schen dichtung,  welche  statt  der  schwane  tauben  setzt :  drei 
tauben  fliegen  2u  einer  quelle,  als  sie  die  erde  berühren 
werden  sie  Jungfrauen^  Wielant  entwendet  ilmen  die  klei- 
der  und  erstattet  sie  nicht  eher,  bis  sich  eine  derselben 
bereit  erklärt,  ihn  zum  manne  zu  nehmen.  **)  In  andern 
gleich  verbreiteten  erzählungen  werfen  jüuglinge  hemd,  ring 
oder  kette  über,  die  sie  in  schwane  verwandeln.  ***)  kann 
die  Wiederannahme  menschlicher  gestalt  nicht  vollständig 
erfolgen,  so  behält  der  held  einen  schwanflügel  bei;  ei- 
nen beweis  des  hohen  alters  dieser  dichtung  liefert  ihr 
Zusammenhang  mit  der  heldensage  von  Scoup  oder  Sceaf 
(anh.  p.  xvm  und  vorhin  s.  218);  selbst  in  spätere  gene- 
alogien  hat  sie  sich  fortgepflanzt. +)  ^ixai  dem  suaneringe 
g4n'  bei  N.  ps.  79,  14  mag  überhaupt  das  vermögen  lliie- 
rische  gestalt  gegen  menschliche  zu  wechseln  bedeuten, 
und  der  schwanring  ist  dann  dem  ring  oder  gürtel,  mit- 
telst dessen  menschen  werwölfe  werden,  identisch.  W) 

Man  erzählt  von  einem  schwan,  der  auf  dem  see  ei- 
nes bohlen  berges  schwimmend  im  Schnabel  einen  ring 
halte,  und  wenn  er  ihn  fallen  lasse  gehe  die  erde  unter.  +++) 
auch  auf  dem  Urdharbrunnr  werden  zwei  schwane  un- 
terhalten (Sn*  20) ;  bezieht  es  sicli  auf  die  Schwangestalt' 
weissagender  frauen? 

An  schwaujungfrauen  schien  die  spinnende  Bertlia, 
und  die  gansjä/sige  künigin  fttt)  ^^  gemahnen  (s.  173.) 


*)  MnsaenB  Tolkstnahrchea  band  3 :  der  geraubte  Schleier. 
••)  deutsche  heldensage  401.  402. 
***)  kindenn.  no.  49.    dentsche  sagten  2,  299.  29ft« 
f )  vgl.  deutsche  sagen  no.  540   Mie  Schivanringe  zu  Plesse,   die 
schwafiJUfi-el  hi»d  ring  im  Wappen  fuhren,    eine  urk.  von   1441  (Wolfii 
Norten  uo^  48)  nennt  einen  Jobannes    SwaneßVgel,  decretorum  doctor 
decaniu  ecclesiae  majoris  hildesemensis. 

ff)  in  einer  flugsclirift  von  1617  die  redensart :  Mem  erdichten  na- 
men  ring  und  larve  abziehen. 

ff f)  Gottschalks  sagen.    Halle  1814  p.  22t. 
\f[\^  Uammer  (fundgr.  des  or.  6,  465)  vergleicht  Pedanca  mit  Sl- 

16 


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242  WALDFRAÜEN 

konnten  Jene  weissagenden  gallicenae  beliebige  thiergestal- 
ten  annehmen ;  so  mag  auch  den  Gelten  frühe  fchon  die 
Verwandlung  in  schwane  bekannt  gewesen  sein,  und  man 
darf  in  franz.  feensagen ,  was  sie  verschweigen ,  ergänzen ; 
»Won  3,  412: 

en  la  fontaine  se  baignoient 

trois  pucelea  preuz  et  sen^es, 

qui  de  blaute  sembloient  fdesi 

lor  rohes  a  tout  lor  chemises 

orent  desoz  un  arbre  mises 

du  bout  de  la  fontaine  en  haut 
die  hemde  werden  geraubt  und  die  Jungfrauen  aufgehalten. 
Bisher  ist  eine  stelle  des  Saxo  unerwogen  geblieben, 
worin  er  unverkennbar  von  valkyrien  redet,  obgleicli, 
seiner  weise  nach^  die  einheimischen  benennungen  gemie- 
den Sind,  in  der  von  ilun  überhaupt  so  abweichend  von 
der  edda  erzählten  geschichte  des  Hother  und  Baldr  heifst 
es  pag.  39 :  Hotherus  inier  venandum  errore  nebulae  per- 
ductus  in  quoddam  silvestrium  ifirginum  conclave  incl- 
dit,  a  quibus  proprio  nomine  salutatus,  quaenam  essen t, 
perquirit.  illae  suis  ductibus  auspiciisque  maxime  bei— 
lor  um  fortunam  gubernari  testantur:  saepe  enim  se  ne— 
mini  conspicuas  praeliis  interesse^  cla/tdestinisque  sub^ 
sidiis  optatoa  amicis  praeter e  successus;  quippe  con- 
ciliare  prospera,  adversa  infligere  posse  pro  libilu  memora— 
bant.  Nachdem  sie  ihm  rathschläge  ertheilt,  verschwinden 
die  Jungfrauen  und  ihr  haus  (aedes,  conclave)  vor  Holher» 
äugen.  Späterhin  p.  42 :  at  Hotherus  extrema  locorum  de- 
via  pervagatus  insuetumque  mortaUbus  nemus  emensus, 
ignotis  forte  ifirginibus  habitatunT'reperit  specum  :  ea»- 
*  dem  esse  constabat  y  quae  eum  insecabili  veste  quondam  - 
donaverant.  sie  berathen  ihn  jetzt  aufs  neue,  und  beifsen 
nymphae.  *) 

Dies  scheint  mir  nun  nicht  gerade  jüngere,  entstellte 
ansieht,  dafs  man  sich  die  in  Odhins  himmUscher  gesell- 
schaft  wohnenden,  durch  luft  und  ilut  ziehenden  scldacht- 
Jungfrauen  zugleich  in  wcddeshölen  hausend  dachte;  es 
mag  in  uralten  Vorstellungen  gegründet  sein,     wir  wissen^ 


bylla.  sollte  nicht  die  bekannte  fünfeckige  gestalt  ^ts  Drutenfujae^^  der 
Biicli  Mpfufs\\^\htt  »US  5Bwei  ^aiis  oder  schwanfufseu  entspringen?  die 
valkyrie  Dnit  steht  der  sch\ranjungfrau  ganz  nah. 

*)  gleidi  hernach  treten  aber  drei  andere  nymphen  auf,  die  dem 
Baldr  mit  schlangengeifer  zauberhafte  speise  bereiten,  p.  43.  einer  /*- 
mina  silv€strU  et  immanig  gedenkt  auch  Saxo  p.  125. 


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WALDFRAUEN  243 

Ms  liaino  und  bäiune  als  ort  des  aufenthalls  und  der  nähe 
der  gOtt^r  selbst  angesehen  wurden;  nichts  war  natürli- 
cher als  in  diesem  heiligen  räum  auch  halbgottliche  wesen 
den  sterblichen  erscheinen  zu  lassen.  Sollte  nicht  derVe- 
leda  hoher  thurm  auf  einem  felsen  des  waldes  gelegen  ha- 
ben?  wohnten  die  gotlu  aliorunen  nicht  im  wald  unter 
waldgeistern?  heilst  es  nicht  Srem.  133,  dafs  die  schwan- 
jangfrauen  durch  den  dunkeln  wald  (JVIyrkvidr)  flogen? 
also  durfte  sie  Saxo  silvestrea  nennen,  und  ihr.  gemach, 
ihre  hole  in  den  wald  setzen. 

Unsere  ältere  spräche  bietet  in  diesem  sinn  noch  ei- 
nige ausdrücke  dar,  in  denen  ich  die  Vorstellung  weiser 
waldjrauen  wiederfinde ,  nicht  blofs  eibischer  waldgeister. 
sie  heifsen  iPildiu  wtp  und  die  traditiones  fuldonses  ge- 
denken p.  544  eines  ortes  *ad  domum  wildero  wtbo\ 
meister  Alexander,  ein  dichter  des  13.  jh.  singt  (str.  139 
p.  143*>)  z  *nii  g^nt  si  vür  in  über  gras  in  wilder  wtbe 
w«te'.  Von  einem  wilden  wfbe  ist  Wdte  arzet%  hat  er 
die  heilkunst  gelernt  (Gudr.  2117.)  Maz  wilde  fröuwe^ 
IM.  Ecke  189.  den  gl.  mons.  335  ist  wildaz  wtp  lamia, 
lind  333  ivildiu  wip  ululae,  d.  h.  leichenvögel ,  todansa- 
gende frauen,  die  noch  späterhin  ilagefrauen,  klagemüt^ 
ter  genannt  werden  und  der  weissagenden  Berhta  (s.  172) 
gleichen,  in  hainen,  auf  bäumen  erschienen  weiTsgeklei* 
iete  dominae,  matronae,  puellae  (s.  178.  179.)  Die  vi- 
centinischen  Deutschen  verehren  eine  waldfrau,  haupt-* 
süchlich  zur  zeit  der  zwölften :  von  den  frauen  wird  ihr 
flachs  am  rocken  gesponnen  und  zur  sühne  ins  feuer  ge- 
worfen *) :  sie  ist  der  Holda  und  Berhta  vollkommen  ähn- 
lich. Als  Wolfdieterich  nachts  im  wald  an  einem  feuer 
»itzt,  naht  sich  die  rauhe  JSls^  das  rauhe  weib ,  und  ent- 
fährt den  beiden  in  ihr  land,  **)  sie  ist  eine  königin  und 
wohnt  auf  hohem  felsen  t  zuletzt  legt  sie  im  Jungbrunnen 
badend  ihr  rauhes  gewand  ab  und  heifst  frau  Sigeminne^ 
*die  schönste  über  alle  lande'.  Synonym  mit  wildaz  wtp 
geben  die  glossen  holzmuoja  (lamia  und  ulula) ,  die  im 
wald  klagende,  muhende;  holzräna  (gl.  mons.  335.  Doc« 
210*>)  von  gleicher  bedeutung,  aber  an  jenes  goth.  alio- 
ruiima  erinnernd. 

Eine  allgemeine  benennung  solcher  wesen  mufs  schon 


*)  deutsche  sagen  no.  150. 
••)  7>o/>,    vgl.   Ecke   öl,    nnd  EUentroje    deutsche    heldensage 

16* 

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244  MENNI 

im  hohen  alterrhiim  menni,  minni,  gewesen  sein;  sie  ge- 
hört zu  man  (hoino)  und  zu  dem  alln.  man  (virgo),-  kommt 
aber  nur  in  Zusammensetzungen  vor,    merimanni  (neutr.) 
pl.  merimanniu,  verdeutscht  sirena  oder  scylla  (reda  umbe 
diu  tier,  Hoffm.  fundgr.  19,  18)  w,eriminni  gl.  Doc.  225* 
mons.  333.*)     den  dichtem  des  13  jh.  ist  m.erminne  gleich- 
viel mit  m,erwtp^  m,erfrouwe,  aber  auch  mit  wildes  wtp* 
*diu  wtse  merminne'*    Diut.   1,   ä8,     ^gottinne  oder  mer^ 
minney  die  sterben  niht  ^nmohten\    Eneit  8860.     im  Wi- 
gamiür  tritt  ein  wildez  wfp  auf  (112.  200.  227  ff.)  das  in 
einem  holen  stein  des  meers  wohnt,  und  abwechselnd  mer- 
wip  (168.  338)  merfrouwe  (134)  Tnerminne  (350)  heifst. 
ags.  m^erewtf  ßeov.    3037.  mnl.  maerminne.    die  wisiu 
ti>fp  der  Nib.  werden  merwtp  genannt  (1475,  1.  1479,  l); 
sie  weissagen  und  warnen,  schon  dafs  sie  eigennamen  föh- 
ren ,  stellt  sie  den  nord.  valkyrien  an  die  seite :    Hadburc 
und  Siglint»    den   der   dritten  verschweigt  das  lied,    von 
Hagne  wird  sie  angeredet:    ^aller  wfseste  wfp !'    (1483,  4.) 
Wittichs  ahnfrau  (s.  221)  heifst  'frouwe  fVdchilt\  gleich- 
sam Hilde  der  wogen  >    ist  ein  merminne ,   und  wahrsagt 
dem  held  (Rdb.  964  —  974.)    auch    Morolt  hat  eine  mer- 
minne zur  muhme,  die  im  berg  Elsahi*^)  haust  und  über 
Zwerge  herscht ;  ihr  name  kommt  nicht  vor,  wol  aber  der 
ilu*es    Sohnes   Madelg^r,    und  wiederum    empfängt   IVIorolt 
ihren  weisen  rath  (Mor.  40*»  41*.)    im  ApoUonius  erscheint 
eine  hilfreiche  merminne   als  kiinigin  des  meers  (z.  5160. 
5294);   hier  lag  dem  dichter  eine  sirene,    im  sinn  der  al- 
ten, vor,    allein  meriminni  mufs  in  Deutschland  bekannt 
gewesen  sein,  bevor  man  von  Sirenen  hörte,     der  dän.  Dane 
Jlautet   maremind  (danske  viser  1,    118.  125.)     die   nord. 
sage  hat  uns    ein   ganz    entsprechendes  männliches  wesen 
aufbewahrt,  den  schweigstoien ,  weissagenden  marmennill 
(al.  maimendill,    marbendill),    der  aus  dem   meer   gefischt 
wird  und  vneder  hinein  gelassen  sein  will.  Udlfssaga  c.  7. 
(fornald.    sog.    2,    31—- 33.)  «nach  ihm  "heifst  die  koraUe 
^marmennils  smidhi*^  er  hat  sie  im  wasser  kunstreich  ge- 
schmiedet.    Späterhin  wurde  in  Deutschland  der  ausdruck 
^merfeV  gebraucht,   Staufenbergers  geliebte,  die  er  \m  wald 
angetroffen  hatte  ***) ,    die   schöne  Melusine  (eine  vieUeichl 


*)  seltsam  der  gen.  pl.  meriininndnd,  merimenndne ,  ein  fem. 
rimennia  erfordernd. 


'•)  vgl.  EUentroU  («.  24ä.) 
***)  deatscbe  sagen  no.  622.    vgl.  no.  70. 


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MBNNI  245 

noch  galUacbc  übcrUeferuiig)  sind  gerade  das  feenliafie  iPVe- 
scn,  welches  man  früher  meritnenni  nannte.  *)  gleich 
der  meriuinne  gab  es  aber  aucli  eine  waltminne,  mit  wel- 
chem ausdruck  alte  glossen  wiederum  lamia  übertragen 
(Diut.  3,  276.)  Sigeminne^  entweder  die  getaufte  Rau- 
cheis und  Wolfdieterichs  geliebte  (s.  243),  oder  Hugdiete- 
richs  gemahlin  **),  darf  mit  vollem  recht  als  waltminne 
oder  nierminne  betrachtet  werden. 

Aus  dieser  Zeugnisse  Zusammenstellung  geht  zur  ge- 
nüge hervor,  dafs  man  sich  unter  wildaz  wtp  und  menni^ 
.  minni  ein  höheres,  übermenschliches  wesen  dadite,  wie  es 
der  nordidcheu  norn  nnd  vallyrie  an  die  seite  gesetzt 
werden  kann,  aber  die  namen  stehn  .in  unserer  sparsamen 
Überlieferung  allzu  nakt,  feinere  Unterscheidungen  müssen 
uos  entgehn  und  die  grenze  der  götter,  halbgotter,  elbe  und 
riesen  lauft  in  mehr  als  einer  linie  durcheinander.  Gleich 
den  nornen  imd  valkyrien  (s.  233.  239)  spinnen  und  we- 
ben Holda,  Berhta,  Freyja»  die  göttinnen* 

Der  serbbchen  mytbologie  eigenthümlich  ist  die  schone 
dichtung  von  der  vile ,  einem  halb  feeuliaften ,  halb  elbi- 
8chen  wesen.  an  das  Verhältnis  der  valkyrie  zu  dem  mensch- 
lichen beiden  erinnert  die  Verbrüderung  der  vile  mit  Marko 
(Vuk.  2,  98.  2,  232  und  Danitza  für  1826  p.  108),  so  wie 
dafs  die  vileu  einzeln  auftreten  und  eigennamen  führen,  an- 
deres aber  nähert  sie  melu*  den  deutschen  eibinnen  des  fol- 
genden capitels :  sie  wohnen  auf  bergen ,  lieben  gesang  und 
reigen  (ir.  elfenm.  lxxxu),  erheben  sich  in  die  lüfte  und 
schiefsen  auf  menschen  tödlich  verwundende  pfeile.  'ustri- 
jeUla  ga  vila' ,  die  vila  hat  ihn  mit  dem  pfeil  erschossen, 
ilir  rufen  im  wald  gleicht  dem  gerausche  des  hackenden 
Spechts,  die  spräche  benennt  es  ^kliktati^ 


•)  doch  stellt  schon  merfeine   Diut.  1 ,   38.     ivazzerfeine  (Oberl 
I.  V.),  ja  merfetn   Ms.  2,  63a. 

•*)  deatsche  lieldeiuage  p.  185.  200.  201, 


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246  WICHTE 


CAP.  Xni.    WICHTE  UND  ELBE. 

Von  Jen  vergötterten  und  lialbgöttliclien  natuii^n  scLei- 
del  sich  eine  ganze  reilie  anderer  wesen  Lau|>tsäclilicli  darin, 
dafa  sie ,  wäluend  jene  von  den  menschen  ausgehen  oder 
mensclüichen  umgang  suchen,  eine  gesonderte  gesellschaft, 
man  könnte  sagen,  ein  eignes  reich  für  sich  bilden,  und 
nur  durch  zu  fall  oder  drang  der  umstände  bewogen  wer- 
den, mit  menschen  zu  verkehren,  etwas  übermenschliches, 
was  sie  den  gütteru  nähert,  ist  iliuen  beigemischt,  sie  be- 
sitzen kraft  den  menschen  zu  schaden  und  zu  helfen ;  zu- 
gleich aber  scheuen  sie  sich  vor  diesen ,  weil  sie  ilinea 
leiblich  nicJit  gewachsen  sind,  entweder  erscheinen  sie 
weit  unter  dem  menschlichen  waclisthum,  oder  ungestalt. 
fast  allen  *)  ist  das  vermögen  eigen  sich  unsichtbar  tu 
machen. 

Die  beiden  allgemeinsten  benennungen  sind  in  der 
Überschrift  angegeben ;  wir  würden  uns  heute  des  aus- 
drucks  geister  zu  bedienen  haben,  geist  **)  aber  ist,  wie 
das  gr.  Saifiuiv,  hier  zu  weil ,  indem  es  sich  auch  auf  die 
im  vorigen  cap.  abgehandelten  halbgöttinnen  ausdelmen 
Uefse.     genauer  träfe  das  lat.  genius* 

Der  ausdruck  wiht  scheint  in  mehrfacher  hinsieht 
merkwürdig,  des  wechselnden  geschlechls  und  der  dai^us 
entwickelten  abstracten  bedeutungen  wegen,  das  golb. 
paihts  ist  weiblich,  gen.  valhtais,  und  Ul£las  braucht  es 
nie  in  concretem  sinn;  Luc.  1,  1  überti'ägt  es  ihm  nQay 
fia^  viel  häufiger,  niitdernegation  verbunden,  ovJ^cV  (gramni. 
3,  8.  734.)  dadurch  wird  aber  nicht  ausgeschlossen ,  dafs 
sonst  bei  den  Gollicn  vaihls  eiuen  weiblich  gedaclilen 
geist  bezeichnet  haben  könne ;  denn  keiner  der  übrigen 
dialecte,  die  es  ebenwol  zur  Stärkung  und  festigung  der 
ncgation  verwenden,  ja  endlich  die  eigentliche,  einfache  ne- 
gatiouspartikel  dadurch  absorbiert  werden  lassen,  büfst  die 
lebendige  bedeutung  ein  5    alle   ahd.  dcnkmäler  schwanken 


*)  treilich  auch  gottinneii  {s.  160)  und  weisen  Trauen  (s.  242.)    . 

••)  atiil.  keUt^  agö.  gdat  ^  ait4.  />^Y  {yi\\r£,e\  ^ramnu.  2,  46);  goth. 

ahnui^  aiid.  dt  um  f.   aiiaduni,    verwandt  dem    goth.  aha  (nieni)  ahjafl 

(niemitiiiise ,  cogit^re)  wie  man  (homo),   tttan/tiska  und  mannt ^   miwa 

zu  niuiiau,  nihineik  ^^thöreii  (».  36.  204.  244.) 


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WICHTE  247 

zwischen  neu^.  und  masc,  jenes  gotL.  fem.  Ist  ihnen  fremd. 
0.  hat  ein  neutr.  wihty  mit  dem  coUecliven  pl.  wihtir^)^ 
zugleich  einen  andern  neutralen  pl.  u^i/Ui,  der  den  sg. 
wibti  fordert,  vgl.  armu  wihlir  IV.  6,  23.  armu  wihti  II. 
16,  17.  krumbu  wihli  III.  9,  5;  der  sinn  ist:  arme,  krumme 
gescbüpfe,  so  dafs  wiht  überhaupt  gleichbedeutend  mit 
Wesen,  creatur,  persona  erscheint  und  auf  menschen  oder 
geister  gehen  kann.  4n  demo  mere  siat  wunderUchiu 
wilUir,  diu  heizent  sirenae'  (Hoflm.  fundgr.  19,  17.)  mhd. 
bald  neutral:  unreinez  wiht.  Diut.  1,  13.  trügehaftez 
wiht.  Bari.  376,  11.  vil  tumbez  iPiht.  BarL  11,  2,  bald 
männlich:  boeser  wiht,  Bari.  220,  15;  Geo.  3508.  der 
mht.  Geo.  3513,  3536;  oft  das  genus  unkenntlich:  boese 
wiht.  Trist.  8417.  helle  wiht.  Geo.  3531,  in  jedem  fall 
aber  sowol  von  menschen,  als  geistern  gültig,  nlid.  setzen 
wir  wicht  männlich  und  bezeichnen  dadurch  geringschät- 
zig ein  elendes,  verächtliches  wesen,  kerl,  oft  mit  beige- 
fügter bestimmung:  elender  wicht,  bösewicht.  Tritt  die 
Verkleinerungsform  hinzu,  also  eine  Steigerung  des  begrifs 
der  kleinheit,  so  wird  es  nur  von  geistern  gebraucht: 
wichtlein,  wichtelmann'^  mhd.  diu  wi/iteL  MS.  1,  156% 
bcesez  wihtel  (elfenm.  cxvm);  kleinez  wihteltn.  Ls.  1, 
378.  380.  Wolfdietr.  788.  799;  ahd.  wihteltn  (penates), 
wihtelen  vel  helbe  (clbe)  lemures,  daemones  (gL  florian.) 
In  Niedersachsen  sagt  man  wicht  ganz  in  gutem  sinn  von 
kleben  kindern,  im  JVlünsterland  gilt  *dat  wicht^  vor- 
züglich von  mädchen.  Das  mnl.  neutnun  wicht  steht  wie 
das  hochdeutsche:  quade  wicht,  clene  wicht  (kind)  Huyd. 
op  St.  3,  6.  370;  nicht  anders  das  nnL  wicht,  pl.  wich' 
teren:  arm  wicht,  aardig  wicht,  gutmütig  gemeint.  Die 
ags.  spräche  stimmt  mit  der  gotlu  in  dem  weiblichen  ge- 
scblecht  überein:  piht,  gen. vihte,  nom.pl.  vihta;  später  vwA^, 
\ubte,  vuhta ;  die  bedeutung  sowol  concret :  yfel  piht  (phan- 
tasma)  leas  viht  (diabolus)  Cädm.  310,  16,  soeviht  (ani- 
mal  marinum)  Beua  1,  1 ;  als  völlig  abstract :  ding,  sache. 
engl,  wightf  im  sinn  des  nhd.  wicht.  Im  alln.  i^cett  oder 
pcettr,  welche  gleichfalls  weiblich  sind,  hat  sich  der  begrif 
eines  daemonisclien,  geistigen  wesens  rein  erhalten  (Sa*m. 
145»),  Mart^cettir  (genii  quicunque)8nem.  93*>,  hoUar  i^oe/^ir 
(genubenigni)  Saem.240^,  ragpcetiir  oder  meinucettir{geim 
noxii)  **),    landi^cettir  (genii  tutelares)  u.  8.  w.     auf  den 

*)  Wie  tlim  diufilir  111.  .U,  53  nebea  ther  diufal  HL  H,  108. 
•*)  Biörn  Diihmt  ein  masc.  (fem.?)  meinuoittr  und  ein  neiitr.  mein-' 
*^<^ti  ai;  mein  Ist  zwar  noxa,  malum,  aber  doch  erinnere  ich  an  da« 
Zwilche  mainjus  (spiritus  malus.) 


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248  WICHTE       ELBE 

Färöera  sagt  man :  *feftr  tA  t^ar  til  mainpittis  P  (fahr  zum 
teil  Tel.)  Lyngbye  p.  548,  dän,  i8t  t^ette  ein  Yreibliclier 
geist,  eine  waldnyniphe,  meinvette  ein  böser  geist  (Thiele 
6,  98.)  die  schwedische  spräche  besitzt  aufser  t^ätt  (ge- 
nius)  und  dem  gleichbedeutigen  neutr.  vätter  ein  nach  der 
deutschen  gebildetes  i4>iht  (Ihre  p,  1075.)  allen  diesen 
nmndarten  mangelt  auch  die  abstraction  nicht. 

Dieser  Übergang  der  bedeutung  wicht  auf  der  einen 
Seite  in  die  von  ding,  sache,  auf  der  andern  in  die  von 
teufel  stimmt  zu  mehrern  erscheinungen  der  spräche,  wir 
reden  auch  mit  ^ding*  kleine  kinder  an,  und  der  unke 
vrird  im  märchen  (no.  105)  zu  gerufen:  'ding,  ifs  brocken P 
wicht,  ding,  wint,  teufel,  vdlant  (gramm.  3,  734.  736)  hei* 
fen  alle  die  vereiuigung  steigern. 

Bestimmtere  farbung  hat  schon  das  alid.  mhd.  Wort 
alp  (genius) ;  ags.  «7/,  altn.  dlfr\  die  goth.  form  alba 
steht  zu  vermuten.  *)  vielleicht  galt  neben  dem  masc.  ein 
ahd.  neutr.  alp^  pl.  elpir,  wie  sich  ein  mhd.  pl.  diu  elb^P 
beweisen  läfst;  und  aus  dem  mhd.  dat.  fem.  elbe  (MS.  t, 
50^)  mufs  wol  ein  nom.  diu  elbe,  ahd.  alpia,  elpia,  goth. 
albij  gen.  albjös  gefolgert  werden,  weil  sonst  keine  rootion 
statlfEinde.  nach  einer  geläufigeren  motion  sagte  man  ohne 
zweifei  ahd.  elpinna,  mhd.  elbinne^  und  Albrecht  von 
Halberstadt  wählte  diese  noch  durch  Wikrams  ausarbeitung 
ei'scheinende  form  **) ;  ags.  el/en^  gen.  elfenne.  des  noni. 
pL  masc.  bin  ich  nur  im  altn.  sicher,  wo  er  dlfar  lautet, 
also  ein  goth.  albds,  ahd.  alpd,  mhd.  albe,  ags.  älfas  for- 
dern würde,  auf  eine  ahd.  elpt  (goth.  albeis)  führt  hinge- 
gen der  mhd.  pl.  elbe  (Amgb.  2*>.  wenn  dieser  nicht  von 
jenem  fem.  elbe  herrülirl)  und  der  ags.  nom.  pL  yl/e 
Beov.  223  gen.  pl.  ylfa  (anhang   cxxvu.)  ♦**)      die  engl- 


*)  j4lhila  ein  Gotlie.    Procop  ed.  bona.  2,  IST. 

**)  V^ikram  1,  9.  6,  9  (ed.  1631  p.  11«  199b);  die  erste  stell« 
lesen  alle  von  mir  vergUcimen  drucke  (1515  p.  3i)  fehlerhaft:  'ancb  tmI 
ewinnen  uiid  freyen\  im  reim:  zweyen.  Aibrecht  setzte  wol:  hril  elb- 
innen  und  feierC^  denn  aus  freien  wüste  ich  höchstens  eine  sehr  ge- 
wag^te  anspielung  auf  Frigg  und  Frea  (s.  191)  herauszubringen,  und 
froie  hat  mich  eben  (Reinliart  clxxii)  genug  geplagt. 

••*)  das  ags.  Y  genommen  wie  in  yldra,  ahd.  eldiro;  ylfet,  ahd.  el- 
piz ;  yrfei  ahd.  erpi.  da  inzwischjen  Y  auch  umgelautetes  O  sein  kann, 
z.  b.  orf,  yrfe  (pecus)  oder  umgelautetes  U,  z.  b.  vulf,  vylfen ;  so  will 
ich  ein  mhd.  ulj ,  pl.  ülve  nicht  unbemerkt  lassen ,  das  mit  alp  zieiM- 
lieh  gleichbedeutig  scheint  und  dem  ags.  y  If  verwandt  sein  könnte :  Von 
den  Ulven  eubunden  werden'.  MS.  1,  ÖU;  ^ulj'lheit  ein  suht  ob  allei 
uhten\  MS.  2,  135«.  vgl.  das  hernach  angeführte  ölp  bei  H.  Sachs. 


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ELBB  849 

fennen  elf^  pL  elveSj  die  Bchweclischen  elj^  pL  elfpar 
(niasc.  elfifor  (fem.),  die  dän.  elv ^  pL  elve  sind  ganz  in 
der  regel ;  in  der  dän.  Zusammensetzung  ellejolh^  ellekoner 
iü  assimilation  eingetreten,  ukd.  dauert  €up  mit  der  be- 
dentung  eines  nacbtgeistes  fort,  daneben  baben  scbrift- 
steiler  des  vorigen  jb.  die  unserer  mundart  ungereclite 
englische  form  elf  eingefübrt;  friiher  findet  man  nur  den 
rid^tigen  pl.  elbe  oder  elben.*)  H.  Sacbs  gebraucht  ölp 
*du  ölp,  du  dölp!^  I,  5,  525^.)  und  ölperiach  (IV.  3,  95«); 
vgL  ölpern  und  Ölpetrütach  bei  Schm.  1,  48,  elpentrötach 
und  tölpentrötscb  bei  Scbmid  (schwäb.  wb.  162.)  man 
denkt  sich  darunter  einen  linkischen  einfaltigen  menschen, 
dem  die  elbe  etwas  angethan  haben,  vras  sonst  auch  blofs 
elbisch  heifst  (fundgr.  365.)  elpesce  wehtCy  elbische  vfich- 
Xtf  lisst  man  gL  Jun.  340. 

Über  die  natur  der  elbe  ziehe  ich  vor  allen  andern 
die  altn.  quellen  zu  rath.  es  ist  schon  s.  17  angemerkt, 
dafs  die  ältere  edda  verschiedentlich  ossär  und.  dlfar  zu- 
sammenstellt,  gleichsam  als  den  inbegrif  höherer  wesen, 
und  dafs  geradeso  auch  die  ags.  ^s  und  yl/e  nebeneinander 
stehen,  hierdurch  scheint  den  elben  nähere  göltlicheit  als 
den  menschen  eingeräumt,  einigemal  treten  als  drittes  glied 
die  vanir  zu  (Saem.  83**.),  d.  h.  ein  von  den  aesir  ver- 
schtedner^  allein  durch  heirathen  und  vertrage  mit  ihnen 
in  bestimmtes  Verhältnis  getretener  volksstamm.  Hraiha- 
galdr  beginnt  mit  den  vrorten:  'alfödhr  orkar^  dlfar  skil- 
ja,  vanir  vita*  (Saem.  88*):  allvater,  d.  h.  der  4s,  hat 
macht,  dlfar  verstehen,  vanir  wissen.  Alvismdl  zählt  die 
abweichende  benennung  auf,  welche  gestirnen*,  dementen 
und  gewachsen  in  verschiednen  sprachen  zukommt  **): 
auch  hier  werden  assir  y  dlfar  und  vanir  berücksichtigt, 
aiiTserdem  aber  godh^  menn^  ginregin^  iötnar,  dvergar 
und  bewohner  der  Unterwelt  (Äe/.)  das  merkwürdigste 
für  uns  dabei  ist,  dafs  dlfar  und  dvergar  gesondert  ste- 
hen, ebenso  unterschieden  sind  dljar  und  dvergar  Ssem. 
8*»j  di^ergar  und  döchalfar  Sicm.  92** ;  dreierlei  arten  der 
nomir:  Äskungar,  Älfkungar  und  doetr  Dvalins'  (Saem.  188*) 
d  h.  von  anseu,  elben  und  zwergen  herstammende;  auch 
die  mild,    dichter    unterscheiden   noch  elbe  und  getaner c, 

*)  Besold  8.  V.  elbe*^  Ettoeri  hebamme  p.  910  alpen  oder  elhen, 
*^)  die  merkwürdigen  spracliunterschiede  dieses  gedicfiti  gemahnen 
g*nz  an  die  homerische  nuterscheidung  der  fünfter  and  men^rZ/r/rgprache. 
eittige  namen  (assen  sicti  noch  aus  unsern  heuti^i^en  ronndarten  eriiiutem. 
s.  b.  die  Bwerge  nennen  den  mond  skin^  wie  er  im  wirzburgit*cheu 
*chnn  beiist. 


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2ft0  BLBB       ZWBRGE 

wie  man  ans  Wikrams  Albrecht  6,  9  ersieht.  *)  verwandt 
gleichwol  scheinen  älfar  und  dvergar  schon  ueshalb,  weil 
unter  den  zwergseigennamen  (Seem.  2.  3)^  ein  Alfr  und 
Vinddlfr  vorkommen.  XiOki,  zwar  sonst  as  geheifsea 
(Sßf  23),  eigentlich  aber  nur  zu  den  äsen  gezäldt',  und  iö- 
tischer  abstammung  (Sn.  32),  empfangt  dennoch  die  anrede 
dl  fr  (S»m.  110^),  ja  Völundr,  ein  göiilicher  held  heifst 
^dlja  liodlii'  (alforum  socius)  ^visi  ^fa'  (alforum  princeps) 
Seem.  135**  •*.  ich  erkläre  das  nicht  historisch  (aus  seiner 
finnischen  abkuuft),  sondern  mythisch :  auch  nach  deutscher 
sage  ist  Wielant  könig  Eiberichs  gesell  und  mit  ihm  schmid 
im  berge  Gloggensachsen  (sonst  Göugelsahs,  Caucasus?) 
wir  sehen  also  das  wort  dl  fr  eingeschränkt  und  ausgedehnt. 

Jene  döchdlfar  (genii  obscuri)  fordern  einen  gegen- 
satz,  der  in  den  eddischen  liedern  nicht  ausgesprochen  ist, 
wol  aber  in  Snorris  prosa.  *in  Alfheim',  sagt  er  s.  21, 
^wohnt  das  volk  der  liosdlfar  (lichtelbe),  unten  in  der 
erde  wohnen  die  döchaljar  (dunkelelbe) ,  beide  einander 
imgleich  in  ausselien  und  kräften ,  liosdlfar  leuchtender 
als  sonne,  dÖchalJar  schwärzer  als  pech'.  liosdljar  be- 
wohnen des  himmels  dritten  räum.  Su.  22.  Synonym  mit 
döchaljar  scheint  auf  den  ersten  blick  der,  in  den  liedeni 
gar  nicht  vorkommende,  name  svartdlfar  (schwarzeibe)  **) 
und  diesen  stellt  SnOrri  ganz  offenbar  die  difergar  gleich: 
seine  duergar  hausen  in  Svartalfaheim  (Sn.  34.  130.  136.) 
einmal  widetslieitet  das  der  in  den  liedern  stattfindenden 
sonderung  der  dlfar  und  dvergar  ^  dann  aber  namentlich 
der  Verschiedenheit,  welche  Sa3m.  188*  zwischen  döckdljar 
und  duergar  angenommen  wurde,  ich  mag  die  dichter- 
sprache,  die  uns  sonst  überall  bestimmte  auskunft  über  den 
alten  glauben  ertheilt,  hier  nicht  als  allgemein  und  unbe- 
stimmt beseitigen. 

JNIan  findet  in  dem  gegensatz  der  lichten  und  schwar- 
zen elbe  den  dualismus>  der  auch  in  andern  mythologien 
zwischen  guten  und  bösen,  freundlichen  und  feindlichen, 
himmlischen  und  höllischen  geistern,  zwischen  engein  des 
lichts  und  der  finsternis  aufgestellt  wird.  Sollten  aber 
nicht  drei  arten  nordischer  genien  anzunehmen  seiu: 
liosdlfar,  döckdlfdr^  si^artdlfar?  ich  erkläre  damit  frei- 
lich Snorris   satz  ^döckdlfar    eru  svartaxi  en  bik'  für  irre- 


*)  der  Dorwegiiche  Volksglaube  hält  alfer  uod  dverge  gesoodert 
Faye  p.  49. 

••)  Thorlac.  spec.  7  p.  160  Iiat  für  liosalfar  auch  hvUdlfar  (weilt- 
elbe) }  aus  deu  quellen  kenne  ich  es  niclit 


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ßLBE       ZWERGE  9ftl 

leitend*  doclr  *)  scheint  mir  weniger  das  enUchieden 
schwarze,  als  das  trübe,  finstere;  nicht  niger,  sondern 
obscurus,  fuscus,  aquilus.  dann  bliebe  die  gleichstel- 
lung  der  zwerge  und  schwarzelbe  gültig,  aber  auch  jener 
alteddische  unterscliied  zwischen  zwergen  und  dunkeleiben 
gerechtfertigt. 

Dieser  trilogie  gebricht  es  aü  entscheidender  bestäti- 
gung;  einiges  -wird  sich  zu  ihren  gunsten  anführen  lassen. 
Noch  der  spätere  Volksglaube  nimmt  zwerge  in  grauer 
kleidung,  grauen  oder  braunen  nebelkappen  an,  die  schot- 
tische Überlieferung  broofniea^  braunfärbige  geister,  d.  h. 
eher  dückalfar  als  svart^far.  In  einem  auf  echt  deutsche 
sage  gegründeten  heldenlied^  in  dem  von  Morolt,  erschei- 
nen geradezu  drei  geisterscharen,  welche  der  im  kämpf  ge- 
fallnen  und  ihrer  Seelen  wahrnehmen :  die  weijse,  bleiche^ 
schwarze  (s.  28**),  was  erklärt  wird:  enget,  aus  der  un- 
terweit kommende  verwandten  der  Streiter,  und  teufel. 
eine  solche  kriegerische  rolle  spielen  freilich  die  nordischen 
41far  niemals,  nicht  sie,  sondern  die  valkyrien  haben  es 
mit  dem  kämpf  zu  thun,  aber  die  Überlieferung  mag  längst 
verworren  sein,  und  die  ämter  vermischen.  **)  an  sich  glei- 
chen liosdlfar  und  suaridlfar  hinreichend  den  christli- 
chen engein  und  teuf  ein,  die  bleiche  schar  ^äz  der  helle* 
sind  die  ^nidhri  t  iördhu^  wohnenden  döckdlfarj  ja  das, 
was  im  Alvtsm^l  nicht  ausdrücklich  benannt,  allein  mit 
den  Worten  *f  heljö*  bezeichnet  wird,  nun  kann  ich  es 
auch  so  fassen:  liosdlfar  wohnen  im  himmele  döckdlfar  in 
helj  der  heidnischen  hülle,  svartälfar  in  Suartdlfaheinij 
was  niemals  gleichbedeutig  mit  hei  (hülle)  gebraucht  ist. 
Seelen  verstorbner  menschen  sind  die  dunkeln  elbe  nicht, 
wie  der  jüngere  dichter  glaubte ,  nur  ihr  aufenthalt  ist  in 
den  regioucn  der  unterweit,  wie  der  lichten  in  denen  des 
himmels :  von  beiden  erzählt  die  edda  w^eniger ,  als  von 
den  schwarzen ,  mit  den  menschen  üfter  verkehrenden. 
wälu*end  svartdlfar  in  menge  genannt  werden,  kommt  nie 
ein  eigenname  der  liosalfar  oder  döckdlfar  vor. 

Festgehalten  werden  mufs  die  Identität  der  Si>artAlJar 
und  duergar. 

Duergr,  goth.  duatrgs'i  ags.  dveorg  y  ahd.  tuerc^ 
mhd.  tverc,  nhd.  zwerg  ***)  entspricht  dem  lat.  nanus  oder 
gr.  nvy/uidoei    neben   jenen    männlichen    formen    erscheint 

*)  vgl.  ahd.  tunriial,   mlid.  tuiikel,  nhd.  dunkel,  nl.  donker. 
•*)  streit  der  elbeiigesclilecliter   um  den  leichnam   (ir.  elfenm.  eß.) 
•*•)  in  der  Inusitz  querx^  im  Tfiüringerwald  querlich,    quervh  liat 
Jac.  von  Konigäbofeu  p.  89. 


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2»  ELBE       ZWBRGB 

gewöhnlich  die  mhd«  neutrale  geitperc  Nib.  98,  1.  335^  3* 
Ms.  2,  15*.  Wi§al.  6080.  6591.  Trist  14242.  14515.  daz 
fi^ilde  geiuferc\  Ecke  81,  82.  Wh.  57,  25.  darf  &iovQy6g 
(übernatürliche  dinge  verrichtend)  dazu  gehalten  werden  ? 
dem  begiif  nach  vergleichen  sich  die  idaeischen  dactyle  der 
alten,  cabiren  und  naraixoii  in  der  edda  sind  alle  oder 
die  meisten  dvergar  kimstfertige  schmiede  (Sn.  34.  48. 
130.  354.)  daher  scheint  sich  ihr  schwarzes ,  rufsiges  aus- 
sehen am  einfachsten  zu  erklären,  ihre  schmiede  liegt  in 
holen  und  bergen:  Sfartdljaheimr  wird  also  in  eine  ge- 
birgige gegend  zu  setzen  sein,  nicht  in  den  abgrund  der 
höUe. 

Hat  die   gegebne  Vorstellung  einiges  für  sich,    so  be- 
greift man  leicht,   vrie  sie   der  spätere  Volksglaube  verän- 
dern und    verwirren  konnte,    seit   ihm    die  unheidiiischen 
begriffe  christlicher   engel   und   teufel     zugeführt    wurden, 
teuflische  eigenheiten  haben  im  grund  alle  elbe,    selbst  die 
lichten ,  z.  b.   ihre  lust   menschen  zu  necken ;  aber  teufel 
sind  darum  auch  die  schwarzen  nicht,  sondern  oft  gutmütige 
wesen.    £s  scheint  sogar,   dafs  man  gerade  den  schwarzel- 
ben,  d.  h.  den  berggeistern,  die  in  manigfalte  beziehung  zu 
den  menschen  traten,   eine  bestimmte  Verehrung,  eine  arl 
von  cultCia  erwies,  dessen  spuren  noch  in  später  zeit  fort- 
dauern,   das  wichtigste   zeugnis  hierfür  findet  sich   in  der 
Kormakssaga  p.  216.  218,    mit    dem    blut   eines  erlegten 
Stiers  soll  (gleich  dem  altar  eines  gottes)  soll  der  hügel  der 
elbe  geröthet  und  aus  dem  fleisch  des  thiers  den  elben  ein 
mahl  zugerichtet  werden:    ^höU  einn  er  hcdhan   skamt  fi 
brott,  er  (Ufar  bua  1 5  gradhüing  thann,  er  Kormakr  drap, 
skaltu  fA,  ok  riodha  blödh  gradiingsins  k  hdlinn  utan,   en 
gera  älfam  veizla  af  slatrinu,    ok  mun  ther  batna\    ein 
wirkliches  dlfabldt.    Damit  verbinde  ich   den  abergläubi- 
schen gebrauch,  engein  speise  zu  kochen  und  hinzustel' 
len   (abergl.    no.   896.)     ebenso    wird    den    hausschmieden 
und  kobolden  der  tisch  gedeckt  und  ein  topf  speise  hin- 
gesetzt (deutsche  sagen  no.  37.  38.  71);  der  domina  Abun- 
dia  essen  und  trinken  (oben    s.    177) ;   den   unteru*dischen 
in  ihre  hole,   beim  vorübergehen,  geld  oder   brot   gdegl 
(Neocorus  1,    262.  560.)  *)     Wie  nach  güttern  sind  einige 
pflanzen    auch  nach  elben  benannt :  alpranle  t    alpfranke, 
al£u*anke,  alpkraut  (lonicera  periclymeu.,  Solanum  dulcani.). 


*)  auch  dem  altpreiUiibcben  uad  littli.  parstuk  (daiunliog) 
liiiigeiitellt 


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ELBE       ZWERGE  253 

was  sonst  gcUsblatt,    in  D&imark   troldbar,    in  Schweden 
tnillbär  heifst. 

Hauptziige  der  elbischen  natur  scheinen  mir  folgende« 
Nach  der  eddischen  darstelhing  gehen  riesen  und 
zweite  den  menschen  in  der  Schöpfung  voraus,  iötnar 
sind  die  ältesten  erdbewoliner,  sie.heifsen  *Är  of  bornir* 
(Völuspsl  2);  später  besclüossen  die  götter  auch  di>ergar 
za  schaffen :  'or  Brimls  holdi  ok  bl^i  leggjom',  aus  dem 
fleisch  und  den  schwarzen  knochen  des  riesen  Brtmir  (das. 
9.)  so  erwuchsen  Mdtsognir  und  Durinn,  die  berühmte- 
sten Zwerge,  und  diese  bildeten  aus  der  erde  viele  mensch- 
ähnliche zwerge  (das.  10.)  Snorri  p^  15  erzählt :  die  dpergoJ* 
seien  in  dem  fleisch  des  Ymir,  gleich  würmern  entsprun- 
gen, und  hernach  von  den  göttern  mit  menschlichem  ver- 
stand und  menschlicher  gestalt  begabt  worden,  diese  er*- 
schaffung  scheint  sich  blofs  auf  die  irdische  form  der  achwaf" 
zen  elbe  zu  beziehen.  Es  ist  beachtenswerth ,  dafs  dem 
Vorredner  unseres  heldenbuchs  noch  eine  aus  jetzt  verlor- 
ner quelle  genommene  künde  von  der  Schöpfung  beiwohn- 
te: zuerst  seien  zwerge  erscha£Pen  worden,  um  das  vniste 
land  und  gebirge  zu  bauen,  hernach  riesen,  um  die  unge- 
heuer und  würme  zu  erschlagen,  zuletzt  helden  j  um  den 
Zwergen  gegen  die  riesen  beizustehn.  Das  rechte,'  mensch- 
liche mafs  gab  den  aasschlag  zwischen  der  list  des  zwerge 
und  der  plumpheit  des  riesengeschlechts. 

Auch  die  gestalt  des  menschen  hält  mitte  zwischen 
der  des  riesen  und  des  albs;  so  weit  der  riese  über  die 
meoscldiche  gröfse  hinaus  ragt,  so  weit  steht  der  alb  unter 
ihr.  Alle  elbe  werden  klein  und  winzig  gedacht,  die  lieh» 
ien  aber  wolgebildet,  ebenmälsig,  die  schwarzen  häfslich 
und  misgestalt.  jene  strahlen  von  zierlicher  Schönheit  und 
tragen  leuchtendes  gewand;  das  ags.  älfsciene  Cädm.  109, 
23.  165,  11,  schön  wie  elbe,  altn.  *fridh  sem  dlJhona\ 
drückt  den  gipfel  weiblicher  Schönheit  aus.  Der  widrigen 
farbe  der  zwerge  tritt  noch  ein  übelgebauter  leib ,  ein  hö- 
cker  und  grobe  tracht  liinzu ;  seitdem  man  elbe  und  zwerge 
mengte,  geht  auch  die  anmutige  bildung  der  elbe  oft  auf 
«lie  zwerge  über,  doch  bleibt  ihnen  zuweilen  ausdrücklich 
die  schwarze  oder  gratie  farbe:  ^spart  i  synen'  (s.  258); 
*ein  kleines  schwarzes  männchen'  (kinderm.  no.  92.)  ein 
kleines  graues  männchen'  (Büschings  wöch.  nachr.  1,  98.) 
Ihre  gröfse  selbst  wird  verschiedentlich  bestimmt,  bald  er- 
reichen sie  das  wachsthum  eines  vierjälirigen  kindes,  bald 
ersclielnen  sie  weit  kleiner,  nach  spannen  oder  daumen 
gemessen,    ^küme  drier  spannen  lancj   gar  eislich   getin 


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254  ELBE       ZWBROE 

(elfenm,  cxvi);  zu^ei  spannen  lang  (deulsclie  sag.  no.  42); 
^diimeln  lanc^  (Ls.  1,  378.)  daher  däumling  (petit  pou- 
cet)  in  den  marcben  zwergartige  gestalt  bezeichnet,  nvy^ 
fMiOQ  von  nvyjnt/  (faust),  das  altpreufs.  pars  tut ;  persluh 
(zwerg)  vom  litth.  pirsztas  (finger)  slav.  perst,  prst  und 
eine  böhm.  benennuug  des  zwergs  pjdiniuzjh  (s|)ajiinen* 
männleiu)  von  pjd'  (spanne)  zu  leiten  ist.  *)  Von  der  un- 
form  ihrer  fäfsef  welche  denen  der  gänse  oder  enten  glei- 
chen sollen  (wie  die  der  königin  Berhta,  s.  173,  oder  der 
Schwanjungfrauen  s.  241),  gehen  besondere  erzählungen.  ^*) 


*)  für  zwerg  wird  gesagt:  'der  kurze  man*.  "Wigal.  6593.  6685. 
6710;  früher  auch  ^hurzibolt^  Pertz  2,  104,  was  'sonst  einen  kurzen 
rock  bedeutet  Hoffm.  gl.  36,  13.  Roth.  4576.  vgl.  auch  das  uründe 
(nanus)  gramm.  2,  789. 

**)  deutsche  sagen  no.  149;  icii  theile  sie  hier  in  getreuerer  auf- 
zeichnung  mit,  wie  ich  sie  hrn.  Hierou.  Hagebuch  aus  Arau  verdanke. 
Vo  de  hurdniändlene  uf  der  Ranisflue.  Binder  der  ärlisbacher  egg, 
zwilschenem  dörfle  Hard  und  dem  elte  Lorenzekapällele,  stoht  im  ene 
tliäle  so  ganz  eleigge  e  grusle  vertraite  flue.  se  sägere  dRamsflue. 
uf  der  hindere  site  isch  se  hohl,  und  dhöhle  het  numme  echlioe  igang. 
Do  sind  denn  emol ,  me  weifs  nid  äxact  i  wele  johrgänge »  so  rarige 
mändle  gsi >  die  sind  i  die  huhle  us  und  i  gange,  band  ganz  e  so  es 
eiges  labe  gfuehrt,  und  en  apartige  hushaltig,  und  sind  ganz  bsunderig 
derhär  cho,  w  wnrküch  gstaltet,  und  mit  «im  wort,  es  Isch  halt  kei 
tnönsch  usene  cho,  wer  se  denn  au  seige,  wohar  sc  cho  seige  ond  was 
se  tribe.  ämel  gkocfiet  händ  se  nüt,  und  wurzle  und  beer!  ggsä^o, 
ande  a  der  fiue  vorbi  lauft  es  bächle,  und  i  dem  bächle  band  die 
mändle  im  suramer  badet,  wie  tüble ^  aber  eis  vonene  het  immer 
wacht  gha,  und  het  pfiffe ,  wenn  öpper  derhär  cho  isch »  uf  em  fuefs^ 
wäg:  denn  sind  se  ame  gsprunge,  was  gisch  was  hesch,  der  barg  uf, 
dafs  ene  kei  haas  noh  cho  wer,  und  wie  der  schwick  in  ehre  höhle 
gschlojje.  dernäbe  band  se  kern  mönsch  nüt  zleid  tbo,  im  gagetheiJ, 
gfelligkäite ,  wenn  se  händ  chönne.  Einisch  het  der  Hardpur  es  fue- 
derle  ris wälle  giade,  und  \7-il  er  elei  gsi  isch,  het  ers  au  fast  nid  möge. 
K  sones  mändle  gsehts  vo  der  flue  obenabe  und  chunt  der  durab 
zhopperle  über  driese,  und  hilft  dem  pur,  was  es  het  möge,  wo  se 
do  der  bindbaum  wand  ufe  thue,  so  isch  das  mändle  ufern  wage  gsi 
und  het  gricbtet,  und  der  pur  het  fiberunde  azoge  a  de  bindcJmeble. 
do  het  das  mändle  sseil  nid  räciit  ume  gliret,  und  wo  der  pur  azieht, 
schnellt  der  bäum  los  und  trift  smandle  ane  flnger  und  hets  würst 
blessiert;  do  fuht  der  pur  a  jommere  und  seit  'o  heie,  o  beie,  wenos 
Dunenau  mer  begegnet  wer!*  do  seit  das  mändle  ^hhh^,  das  macht 
nüt,  salben  tho,  salben  gha'. +)  mit  dene  worte  springts  vom  wage 
Babe,  het  es  chrütle  abbroche,  hets  verchaflet  und  uf  das  bloetig  fin- 
gerle  gleit,  und  das  het  alles  ewäg  puzt.  do  springts  wider  ufe  wage, 
und  het  zum  pur  gseit ,  er  soll  sseil  nume  wider  ume  ge.  Mängiscli, 
wenn  räclitschafne  lüt  dum   tag  gheuet  oder  buiide  band  und   se  sind 


I)  Schwab,  «seil  thaun,  seil  haun'.    Scbmid  p.  628.  scbooer 
gedrückt  im  mlid.  'selbe  t»te,  selbe  bibe*.  MS.  1,  10b.  89«. 


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ELBE       ZWBaCfE  395 

man  wird  aych   an   die   blatevüeze   (Rother   1871.  Ernst 
3828)  erinnert. 

Die  dlfar  bilden  ein  volh  ^  wie  die  edda  ausdrücklich 
sagt  (Sn.  21),  daher  auch  im  Alvismdl  dlfar,  helbüar  (wenn 
ich  dies  wort  gebrauchen  darf)  und  dvergar  den  menschen, 
riesen,  göttern,  äsen  und  vanen  als  besondere  classe,  und 
mit  ihren  eignen  sprachen,  zur  seite,  stehn.  Ob  man  dar- 
aus ein  historisches^  in  bestimmter  gegend  gelegnes  reich 
folgern  darf,  lasse  ich  hier  unentscliieden.  d^fergmäl 
(sermo  nanorum)  ist  der  altn.  ausdruck  für  das  echo :  sehr 
bezeichnend,  weil  ilir  ruf  und  geschrei  in  den  bergen  wi- 
derhallt, dem  gegen  den  berg  hin  lautredenden  menschen 
der  zwerg  gleichsam  antwortet.  Herraudssaga  cap.  11  p. 
50:  'Sigurdhr  stilti  sv4  hdtt  hörpuna,  at  dpergmäl  qvadh 
t  höllunni',  er  spielte  so  hoch  auf  der  harfe,  dafs  es  im 
saal  widerhallte»  die  beiden  führten  laute  streiche:  'rft^ör- 
gamäl  sang  uj  qvörjun  hamrP,  echo  sang  in  jedem  fel- 
sen  (Lyngbye  p.  464.  470);  sie  hieben  stark  ^dvörgamdl^ 
saug  u)  fjödlun  echo  sang  in  den  bergen  (das.  468.)  sollte 
vielleicht  grceti  dl/a  (ploratus  nanorum)  im  dunkeln  ein- 
gang  des  Hamdismdl  (Saem.  269*)  elwas  ähnliches  meinen? 
aber  auch  in  unserer  einheimischen  heldenpoesie  mag  die 
nemliche  Vorstellung  gehaftet  haben: 

dem  fehten  allez  niXch  erhal, 

dö  beide  berg  und  ouch  diu  tal 

gdhen  ir  siegen  stimme.    Ecke  ed.  Hagen  161. 

daz  dd  beide  berg  und  tal 

von  ir  siegen  wilde  wider  einander  allez  haL  (das.  171.) 

nit  fertig  worde  bis  zobe,  und  shet  oppe  welle  cho  rägne,  so  sind  die 
hardmondle  cho ,  und  liäud  g[scI)afl;H  und  (^warnet  druf  ine,  bis  alles 
im  scliärme  gsi  isch.  oder  wenns  durt  dnacht  isch  cho  wattere,  fiänd 
«e  sheu  und  schom,  wo  dusse  gläge  isch,  de  lüte  zum  tenn  zue  träit, 
und  am  morge  het  halt  alles  grofs  ange  gmacht,  und  se  händ  nid 
gwüsst,  wers  tho  het.  den  händ  er^t  uo  die  mandle  kei  dank  begehrt, 
nunicnau,  dafs  me  se  gern  hat.  Amenim  winter,  wenn  alles  stei  und 
hei  ofrore  gsi  isch,  sind  die  mandle  \s  oberst  hus  cho  zÄrlispach ;  se 
händs  halt  gar  gnet  chönne  mit  dene  lüte,  wo  dert  gwohnt  band,  und 
siud  ame  durt  dnacht  ufern  ofe  gläge,  und  am  morge  vor  tag  händ  se 
«e  wieder  drus  gmacht.  was  aber  gar  gspässig  gsi  isch,  si  händ  ehre 
Jüefsle  nie  vüre  glo^  händ  es  scharlachrot hs  mäntele  iräit,  vom  hals 
his  ufe  hode  nahe»  jetzt  hets  im  dorf  so  gwunderige  meitle  und  buebe 
'^h?.  die  sind  einisch  znacht  vor  das  hus  go  gen  äsche  streue,  dafs  se 
gsäclie,  was  üle  hurdinännh  fsjr  füefsle  hebe,  und  was  händse 
gfunde  ?  sisch  frile  wunderle :  ante  und  geif&füefs  sind  in  der  asciie 
abdruckt  gsi.  Aber  vo  sälber  stund  a  isch  keis  man<Us  meh  cho,  und 
^  sind  au  nümme  uf  der  Ramsflue  bliebe ,  i  dkräche  händ  se  se  ver^ 
fchloß'f^  tief  id  geifsflue  hindere,  und  händ  keis  zeiche  me  von  ene  gc, 
and  cböme  aümme,  so  lang  dlüt  eao  boshaft  sind. 


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2SB  ELBE       ZWERiQE 

hier  heiTst  es  nicht  blofs,  die  berge  hallten  von,  den  schwert* 
schlagen  der  helden  wider,  sondern  sie  gaben  stimme  und 
antwort  von  sich,  d.  h.  die  in  ihnen  hausenden  zwerge»- 

Diesem  volk  der  elbe  oder  zwerge  steht  ein  könig 
vor.  zwar  aus  nord.  sage  kenne  ich  kein  belspiel,  deslo 
häufiger  sind  sie  sonst :  englische  Überlieferungen  reden  voa 
einer  eljqueen  ;  ich  denke,  weil  auch  in  gallischen  die  Vor- 
stellung weiblicher  feen  (fairys)  überwog,  die  altfiranz« 
Fabel  von  Huon  de  Bordeaux  kennt  einen  roi  Oberen,  d« 
i.  Auberon  für  Alberon,  also  schon  dem  namen  zufolge 
ein^n  alb\  das  königreich  der  feen  (royaume  de  la  iitr 
rie)  ist  sein  eigen,  unser  gedieht  von  Orendel  führt  einen 
zwerg  namens  Alban  auf.  im  Otnit  spielt  hiinec  jilbe- 
Hch^  Eiberich  9  *dem  manec  berg  und  tal'  unterthan  vsl, 
eine  bedeutende  rolle;  das  Nibel.  lied  macht  ihn  nicht  zu 
einem  könig,  nur  zu  einem  dienstmann  der  könige  Schub« 
ung  imd  ]\ibelimg.  ein  ungenannter  zwergkönig  erscheint 
.im  gedieht  von  Ecke  80;  anderwärts  könig  Goldemär 
(deutsche  heldens.  p.  174)  kÖnig  Sinneis  und  Ldurln 
(MS.  2,  15*.)  auch  die  deutschen  volkssagen  geben  dem 
Zwergvolk  einen  konig  (no.  152);  Heilin g  ist  ein  ßir»t 
der  zwerge  (no.  151.)  *)  Alle  diese  sind  könige  schwarzer 
elbe,  nur  den  Oberon  halte  ich  für  einen  lichten  alb.  Es 
scheint  dafs  menschliche  helden ,  indem  sie  sich  das  Ober- 
haupt der  elbe  unterwerfen,  zugleich  die  herschaft  über 
die  geister  erwerben:  in  solcher  meinung  kann  Völundr 
ptsi  Alfa  (s.  250)  heifsen. 

Von  den  wohnungen  der  lichtelbe  im  himmel  wissen 
die  volkssagen  nichts  mehr;  desto  häufiger  schildern  hie 
die  der  zwerge  in  den  scMnchten  und  holen  des  geblrges« 
*b;^  ec  for  iördh  nedhan ,  4  ec  undr  steini  stadh\  Saem* 
48*.  ^dvergr  sat  undir  8teininum\  Yngl.  saga  cap.  15«^ 
*d vergär  büa  t  iördhu  oc  i  steinum\  Sn.  15.  darum  heis-  * 
sen  sie  erdmännlein  j  erdtnanneken,  in  der  Schwel« 
härdmändle,  sonst  auch  unterirdische,  dan.  underjor- 
diske.  **)    über  fluh  und  tobel  springen  sie  und  ermüden 


•)  «der  honig  ist  todt'!  «ürban  ist  todtM'  MIe  alte  mutier  Paah 
pe*\  Buscliings  wocb.  nachr.  1,  99.  101.  *die  alte  Schumpe^X  (sage 
von  Bonikau.)     ^kÖm'g  der  erdmanncheri',    kinderm.  3,  167. 

**)  den  luneburger  Wenden  liiefsen  Ihre  anterirdisclien  geister  gor- 
zoni  (bergniännlein,  von  gora,  berg)  und  man  zeigt  noch  die  berge, 
wo  sie  gehaust'  haben  sollen,  sie  pflegten  von  den  menschen  baa- 
geräthe  zu  leiben,  und  deuteten  das  unsichtbar  au,  daun  stellte  man  ei 
ihnen  hinaus  vor  die  thüre.    abends  brachten  sie  es  zurück,  an  das  feo^ 


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BLBB       ZWERGE  357 

nidit  vom  steigen  d^r  jähen  wände :  *den  ivfiden  geiwer^ 
gen  w«re  ze  sligen  da  genuoc'  heifst  es  MSh.  57,  25  voo 
einer  felsengegeud.  *)  in  die  ritzen  und  spalten  der  berge 
scUäpfend  oder  schliefend  **)  scheinen  sie  plötzlich  zu 
▼enchwinden ;  überall^  wo  sie  hausen,  zeigt  man  solche 
iwergslöcJier  j  querlichslöcher.  in  diesen  holen  treiben 
sie  ihr  wesen,  sammeln  schätze  und  schmieden  köstliche 
Waffen ;  ihre  könige  bauen  sich  prächtige  gemacher  unter 
der  erde  aus,  Eiberich »  Laurin  wohnen  in  solchen  wun- 
derbaren bergen,  menschen  und  beiden  werden  zuweilen 
hinuntergelockt,  begabt,  entlassen  odet  festgehalten«  Diete- 
rich von  Bern  wird  am  ende  seines  lebens  von  einem 
Zwerg  abgeholt  (deutsche  heldens.  p.  300);  nach  dem  lied 
von  der  klage  2167  weifs  man  nicht,  *ob  er  sich  verslüffe 
in  locker  der  ateinwende,'*  ***)  wahrscheinlich  meint  die 
sage,  er  sei,  gleich  dem  Tanhäuser  und  dem  getreuen  £ck- 
hwt,  in  den  berg  geratlien,  in  welchem  frau  Venus  hause, 
von  diesem  frau  Venuäberg  wird  erst  seit  dem  15.  16  jh. 
erzählt,  man  möchte  wissen,  welche  ältere  Vorstellungen 
ihm  zum  grund  liegen:  ist  frau  Venus  an  die  stelle  ei- 
ner unterirdischen  elbkönigin,  oder  einer  göttin ,  wie  frau 
Holda,  Frikka  getreten? 

An  frau  Holda  gemahnt  noch  eine  andere  beziehung: 
yie  guten  holden^  (s.  165)  ^guedeholden^  penates  (Teu- 
tonista),  holdichen^  holdehen ,  holderchen  scheint  ganz 
gleichbedeutig  mit  *dic  guten  elbe';  holdo^  holde  ist  dem 
wort  nach  ein  freundliches,  günstig  gesinntes  wesen,  und 
auf  Island  wird  tiußtngar  (lieblinge)  und  huldufölhy  hui-» 
dumenn  (s.  168)  für  ^far  gebraucht.  Von  dieser  seile 
her  sind  die  elbe  gutmütig,  vvoltliätig  und  hilfreich:  sie 
heifsen  das  stille  polk  (deutsche  sagen  no«  30.  31),  the 
good  people,  die  guten  nachbarn,  die  friedlichen  Leute 
(schott.  doane  shi,  ir.  daione  maith,  walish  dynion  mad.) 
bleiben  sie  in  ihrem  stillen  treiben  imgcstört,  so  hallen  sie 
friede  mit  den  menschen ,  und  erweisen  (ihnen ,  wo  Sie 
Können,  dienstc.     Sie    bedürfen    auch  ihrerseits  des    rathes 

ster  klopfend  und  ein  brot  aus  dankbarkeit  hinznlegend.  (Jaglera  Wör- 
terbuch.) Auch  die  ehstuisclie  mythologie  hat  ihre  unterirdischen  (jna 
allused^  unter  der  erde.) 

*)  andere  belege  sind  gesammelt  ir.  elfenm.  lxxvi.  'den  here 
^itn  ii^ildiu  get$4/erc\    Sigenot  118. 

••)  sUefen  gilt  von  ihnen  wie  vom  fuchs  (Reinh.  xxxi) ;  unser 
<ibst  Schlucht  steht  für  sluft  (wie  beschwichtigen,  lucht,  kracht,  t 
iwiften,  luft,  kraft),  Schlupfwinkel. 

***)  vgl.  deutsche  sagen  no.  383  Ton  Theoderichs  seele^  wie  sie  ki 
^^  abgroad  des  Vulcans  gefikhrt  wird. 

17 

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aas  ELBE        ZWEEOG 

uui  beistands  der  mensclien  in  gewisser  läge;  dahm  sind 
besonders  drei  falle  zu  reclinen.  einmal  holen  sie  (trauen 
und   liebammen,  um   kreifsenden    Zwerginnen   bilfe   zu 

t gewähren  *) ;  dann  verständige  männer  zur  theilung  eines 
ßchatzesj  zur  Schlichtung  eines  Streites;**)  drittens  lei- 
hen sie  einen  saal  für  ihre  hoch  zeit;  ***)  immer  aber 
belohnen  sie  durch  geschenkte  kleinode ,  die  dem  haus 
und  den  nachkommen  des  menschen  glück  bringen.  Ib- 
nen  selbst  wohnt  mancherlei  kenntnis  verborgner  heükraile 
der  pflanzen  und  steine  bei.  f ) 

Indem  sich  die  zwerge  so,  und  noch  auf  andere  weise, 
zuweilen  dem  menschlichen  geschlecht  nähern,  scheinen  sie 


•)  Ranzsn,  Alveusleben ,  Hahn,  (dentscbe  sagen  no.  41.  68.  69.) 
vgl.  Thiele  1 ,  36.  Eine  sctiwedisciie  sage  mag  hier  noch  aus  Hdl- 
phers  Sämlingen  om  Jämtland.  We^teras  1775  p.  210  stehen,  ^r 
1660,  da  jag  tillika  med  min  hustru  var  gangen  til  faboderne,  som 
ligga  \  mil  itran  Ragunda  prästegard,  och  der  sent  om  qväilen  suttit 
orh  talt  en  stund ,  koni  en  Uten  uuin  iiigaende  genom  döreu ,  och  bad 
min  iiustra,  det  vilie  hon  hjelpa  hans  hustru^  som  da  lag  och  qvaldes 
vied  harn,  karten  var  eljest  liten  til  växten,  spart  i  synen^  och  med 
gamla  gra  kläder  försedd.  Jag  och  min  hustru  sntto  en  stund  ocli 
undrade  pa  deune  mannen,  emedan  vi  understodo,  at  han  var  et  troUf 
och  hört  borättHS,  det  sadane,  af  bondfolk  veijar  kailade,  sig  allid  i 
iabodarne  iippeliaila,  sedan  folket  om  hosten  sig  derifran  begifvit.  Men 
som  han  4  ä  5  ganger  sin  begärau  payrkade,  och  man  derhos  be- 
tankte, hvad  skada  bondfolket  berätta  sig  ibland  af  vet tarne  lidit,  da 
de  antingen  svurit  pa  dem,  eiler  elje^t  vist  dem  med  vranga  ord  til 
helvetet;  ty  fatlade  jag  da  til  det  radet,  at  Jag  laste  öfver  min  hu- 
stru nugre  böner,  välsignade  henne,  och  bad  henne  i  guds  nanin  foija 
med  honom.  Hon  tog  sl  i  hastighet  nägre  gamla  linkläder  med  sig, 
och  folgde  honom  ^t,  men  jag  blef  qvar  sittande.  Sedan  har  lion  mig  vid  ater- 
komsten  berattat,  at  da  hon  gatt  med  mannen  utom  porten,  tykte  hon  sig  Kk- 
som  luras  uti  vädret  en  stui^,  och  kom  sa  uti  en  stuga,  hvarest  bre- 
devid  var  en  liten  mörk  kamniare,  der  hans  hustru  lag  och  vandades 
med  bam  i  en  sang,  min  hustru  har  sa  stigit  til  henne,  och  efler  eo 
liten  stund  hjelpt  henne,  da  hon  födde  barnet,  och  det  med  lika  ät- 
börder,  som  andra  menniskor  pläga  fiafva.  Karlen  har  sedan  tilbudit 
henne  mat,  men  som  hon  dertil  nekade.  ty  tackade  han  iienne  och  fölgde 
henne  at,  hvarefter  hon  ater  likasom  farit  i  vädret,  och  kom  efter  ea 
stund  til  porten  igen  vid  passklockan  10.  Emedlertid  voro  cn  lioper 
gamla  .Sil ft^erske dar  lagde  pä  en  hylla  i  stugan,  och  fann  min  bustw 
dem,  da  hon  andia  dagen  stökade  i  vraame:  kunnandes  förstä,  at  de 
af  petlret  voro  dit  lagde.  At  sa  i  sauuing  är  skedt  vitnar  jag  med 
mitt  nnmns  uiidersättande.     Ragunda  d.  12  april  1671.       Pet.  Kahm.* 

*•)  Neocoriis  1,  542.  kinderm.  2,  43.  3,  172.  225.  Mb.  92,  J. 
Bit.  7819.     vgl.  dentsclie   heldens.  p.  78. 

**')  fioia  (deutsche  sagen  uo.  85.)  ßunikau  (Blisabeth  von  Orleaos. 
Strafsb.  1 789.  p.  133.  Leipzig  1820.  p.  386.)  ßüäclilags  wöcbeotl. 
nachr.  1,  98  vgl.  101. 

t)  0.  254  das  verwundete  härdmändle. 


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ELBE        ZWERGE  259 

doch  überhaupt  vor  ihm  zuriickzii weichen  und  machen  den 
eindruck  eines  unterdrückten,  bedrängten  yolkstamins,  der 
im  begrif  steht,  die  alte  heimat  den  neuen  mächtigeren  an- 
kömmlingen  zu  überlassen,  ihrem  charact er  ist  eiwai  scheues^ 
und  zugleich  heldniscliea  eingeprägt,  das  sie  dem  Umgang 
mit  Christen  entfremdet,  sie  grollen  der  menschlichen  treu- 
losigkeit,  *)  das  seil  wol  ursprünglich  heifsen,  dem  abfall 
Vom  heidenthum.  es  ist  ihnen  innerlich  zuwider,  wenn  kir- 
chen  gebaut  werden,  glocken getaute  (oben  s.  4)  stört  sie  in 
ihrer  alten  heimlicldeeit ;  auch  das  reuten  der  wälder,  dtfn 
ackerbau  und  neue  pochwerke  im  gebirg  hassen  sie,  **) 

Aus  solcher  abhangigkeit  von  den  menschen,  umge- 
kelirt  aus  geistiger  Überlegenheit  der  elbe  in  andern  stü- 
cken, folgt  nun  ein  feindseliges  Verhältnis  zwischen  bei- 
den, die  menschen  achten  der  elbe  nicht,  die  elbe  6cha-' 
den  den  menschen  und  necken  sie.  Uralter  glaube  war 
es,  dal^  von  den  elben  gefährliche  p feile  aus  der  luft  her- 
abgeschossen werden :  hier  sind  also  lichtelbe  gemeint ; 
auch  schweigen  die  zwergsagen  davon,  in  der  ags.  formel 
wird  ^sagescot  und  ylfngescvt  nebeneinander  gestellt,  die 
elbe  scheinen  mit 'ähnlichen  wafTen,  wie  die  gütler  selbst, 
ausgerüstet ;  ***)  der  göttliche  donnerkeil  heifst  auch  alb- 
svhofs  (s.  122.  127)  und  in  Schottland  el/arrou^,  elfßint^ 
elf  holt  ein  harter,  spitzer  keil,  von  dem  man  glaubt,  dafs 
ihn  die  geister  entsendet  haben;  rasen,  den  der  wetter- 
strahl aus  dem  boden  schneidet,  sollen  sie  herausheben,  f ) 
ich  habe  schon  8.  123.  127  gefolgert,  dafs  irgend  ein  nälie- 
rer  bezog  der  elbe  zu  dem  donnergott  da  gewesen  sein 
mufs,  der  uns  jetzt  entgeht :  sind  ihm  seine  keile  von  elben 
geschmiedet  Wrorden,  so  führt  das  wieder  auf  schwärzelbe. 

Ihre  berühr ung ,  ihr  anhauch  kann  inehscheh  und 
thieren  krankheit  oder  den  tod  verursachen ;  ff)  wen  ihr 
schlag  trift,  der  ist  verloren  oder  untüchtig  (danske  viser 
1»  238.)  dvergslagen  heifst  in  Norwegen  gelähmtes  vieh, 
dem  sie  es  angethan  haben  (Hallager  p.  iO);  der  benen- 
nwng  elbentrötsch  für  blödsinnige ,    geistesschwache  men- 


*)  Hans  Sachs  1,  701l>  ed.  kempten:  klage  Jer  holzleufe;  die  sich 
von  der  weit  untreu  in  den  wilden. wald  gezogen  haben. 

**)  nähere  änsf&hrtmg  in  den  ir.  elfenm  xciv.  xcv. ,  vgl.  Faye  p. 
|J*  18.  Ein  zwergfolk  Ileinclien  genannt,  durch  weidende  heerden  und 
lautende  glocken,  die  den  Schafen  anhienffeu,  vertrieben.  Yarlicift 
«,  101. 

•**)  pjeile  der  serbischen  uUe  (s.  245.) 
f )  irische  elfenmärchen  xly.  zlvi.  cti; 
n)  das.  CHI.  . .  , 

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260  ELBB       ZWERQE 

sehen,  die  ihre  rächende  hand  berührt  hat,  wurde  s.  249 
gedacht.  Als  wehende,  blasende  wesen  erschienen  sie  von 
jeher  schon  in  der  spräche:  wie  von  spirare  Spiritus  ist 
unser  geist  von  dem  alten  stamm  gtsan  (flari,  cum  iinpe- 
tu  ferri)  herzuleiten;  ahn.  bedeutet  guslr  flatus,  und  ein 
zwerg  heü'st  Gu.str  (Seem.  ISi^)-,  *)  andere  zwerge  Austri, 
Vestriy  l^ordhri,  Sudhri  (Srcm.  2»>.  Sn.  9.  15.  16)  be- 
zeichnen  die  vier  hauptwinde,  VinddLjr^  noch  ein  zwergs- 
name,  erklärt  sich  selbst.  **)  Gleich  dem  anhauch  hat  der 
blofse  blick  der  elbe  bezaubernde  kraft:  das  nennt  unsere 
alte  spräche  inisehan  (torve  intueri,  gramm.  2,  810)  mhd. 
ent sehen  X  4ch  h4n  in  gesegent,  er  was  entseheu^  (Erad. 
3334)  Won  der  elbe  wirt  entsehen  vil  maneger  man'. 
MS.  1,  50b.- 

Über  schwerfällige  menschen  erhebt  diese  leichten, 
luftigen  geister  das  vermögen,  zu  versohu>inden  oder  un* 
sichtbar  zu  werden,  kaum  erscheinen  sie,  so  sind  sie 
wieder  unsern  äugen  entrückt,  für  die  lichten  elbe  ver- 
steht es  sich  von  selbst,  aber  auch  den  schwarzen  ist  diese 
eigenschaft  unentzogen.  gewöhnlich  wird  die  unsicbtbar- 
keit  der  zwerge  in  ein  bestinuntes  stück  ihrer  kleidung, 
einen  hat  oder  niantel  gesetzt,  durch  deren  zufälliges  ab- 
legen oder  abwerfen  sie  plülzlich  si^tbar  werden,  der 
pileus  des  römischen  incubo  ist  ir.  elfenm.  s.  lxxv.  nach- 
gewiesen, heutige  zwergsagen  erzählen  von  nebelkappen 
(deutsche  sagen  no.  152.  153),  von  grauen  röchen  und 
rotlien  läppen  (Thiele  1,  122.  135),  von  scliarlachmän' 
teln  (vorhin  s.  255)  ***).  früliere  jalirhunderte  bedienen  sich 
der  ausdrücke  helkappe ,  helkepleiny  nebelkappe  (j\1S.  2, 
156^  Morolt  2922.  3932.)  und  tarnkapoe.  Kih.  98,  3. 
336,  1.  442,  2.  1060,  2  mufs  unter  tarnkappe  (oder  dem 
blofsen  kappe  335,  1)  Albertchs  und  nachher  Sigfrits  nicht 
die  kopfbedeckung  allein  verstanden  werden,  sondern  ein 
ganzer  mantel,  denn  es  steht  337,  1  auch  tarnhut^  die 
bergende   haut  5    aufser    der  unsichtbarkeit  verleiht   sie  hö- 


*)  uon?eg.  ahgusf^   eine  kraokfieit  durch  anhauch  der  elbe  eot- 
springend    (Hnllager  4l>.) 

**)  in  allfranz.  sage  heifät  ein  aib  Zepkyr;  ein  deutscher  Lausgeitt 
Blaserle  (Mones  anzeiger  1834  p.  260.) 

'•*)  Ol.  Wormins  vorrede  zu  Claussöns  dän.  übers,  des  Soorre. 
Kbh.  1633:  *derfor  sigi«  de  (dverger)  at  liafve  hat/e  paa,  liiionnid  de 
konde  giure  sig  usynlig'.  andere  Zeugnisse  sind  sclion  ge^iammelt  ir. 
elfenm.  lxxiv.  lxxv.  ein  sdiretei  trägt  ein  rdtez  kepf^el  an  (niciit  auf*) 
das.*  oxvi.  Rollenhagens  bergmännlein  tragen  weifse  hemdiein  und 
MpUzige  kappen,    Froschmeuseler  xx,  vH, 


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ELBE        ZWERGE  261 

here  leibcsstärke  und  zugleich  herscliaft  über  das  volk 
und  den  hört  der  zwerge.  Auderwärts  dachte  man  sich 
nur  die  mutze  :  in  einer  norw.  volkssage  hei  Faye  p,  30 
heifst  sie  uddeliat  (spitzer  hut?),  und  ein  liildesheimischer 
hausgeist  führte  von  dem  filzliut,  den  er  trag,  den  namen 
Hbdeken.  vermutlich  haben  das  ahd.  helotlielm  (iatibu- 
lum)  gl.  Hrab.  969»,  alts.  helUlihelni  H^l.  164,  29,  alln. 
hialtnr  huliz  (ein  eddischer  name  für  w^olke)  Seem.  50«,  *) 
^1%.  grtrnhebn  Cädm.  188,  27.  198,  20,  Beov,  666  ähn- 
liche bedeutung,  obgleich  schon  in  dem  einfachen  heim 
und  grime  der  begrif .  von  hülle  und  larve  steckt«  Ohne 
zweifei  trugen  auch  andere  höhere  wesen,  aufser  den  el- 
ben  \md  zwergen ,  das  imsichtbarmacliende  gewand.  vor 
allem  erinnere  ich  an  Odliins  gekremplen  hat  (s.  101),  an 
Mercurs  petasus,  an  den  hut  des  Wunsches,  der  noch  in 
unsern  märclien  wünschelhat  genannt  wird  **),  \u\i\  an  des 
Plulo  oder  Orcus  heim.  Die  zwerge  können  in  einer  be- 
sonderen, jetzt  verdunkelten,  beziehung  zu  Odhiu  gestan- 
den haben,  wie  die  huttragenden  patäken,  kabiren  und 
dloskuren  zu  Jupiter.- 

Aus  dieser  fabigkeit  ihre  gestalt  zu  bergen  und  aus 
ihrer  neckischen  natur  überhaupt  geht  nun  vielfacher  trug 
und  täuschung  hervor,  denen  der  mensch  hn  verkehr  mit 
den  elben  und  zwergen  ausgesetzt  ist.  'der  alp  triuget* 
heifst  es  fundgr.  327,  18 ;  *den  triuget,  weizgot,  nicht  der 
alp^  Diiit.  2,  34 ;  *die  mag  triegen  wol  der  alp\  Suchen- 
wirt XXXI,  12;  ^elbe  triegent^  Amgb.  2**;  ^diu  eiber  trie-- 
gent\  Herbort  5** ;  *in  bedühte  daz  in  trüge  ein  alp^  ir. 
elfenm.  lvu.  ^alfsche  droch.^  Reinaert  (prosa  lxxh«.)  gi- 
trocj  getroc^  dgetroc,  abegelrocy  bezeichnet  in  der  älte- 
ren spräche  vorzugsweise  teuflische ,  von  bösen  geistern 
ausgehende  täuschung  (gramm.  2,  709.  740.  741.)  ***)  und 
in  diesem  sinn  gelten  auch  von  den  elben  andere  nachthei- 
lige benennungen:  elbischez  getwds^  elbischez  ds^  elbi^ 
fchez  ungehiure,  wie  der  teufel  selbst  getwals  (fantasmaj 
und  ungeheuer  heilst,  ganz  in  gleicher  bedeutung  wird 
von  der  krankhaften  beklemmung  sclilafender  und  träu- 
mender gesagt :    Mer  teufel  hat  dich  geritten^ ,  *li!naht  r/- 


•)  fornm.  aog.  2,  141  von  Eyvinrlr  dem  Zauberer:  •giönlhi  theim" 
haUdshialm' t  machte  ihnen  nebel,  fiiiäternis.  hulinhiahnry  furoald.  sog. 
3,  219;  hußsh'dltr  das.  1,  9,  2,  J)0.    s.  Ua!*iiJ»  iudex  s.  v.  dul«erfi. 

**)  eine  wichtige  Verstärkung  der  gründe  für  Wuotaus  und  Mtr- 
carg  Identität,  vgl.  g.  236  ulier  die  wünuchelgerte. 

•••)  'daz  aualutte  des  üih  pergenten  trugetieveM.    N.  Bth.  44. 


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263  ELBE       ZWERGE 

teri  dich  satanas'  (fundgr.  170)  pder  der  nachtmaPy  *) 
der  alp :  Micli  bat  geriten  der  niar* ;  ^ein  alp  zoumet 
dicli\  Und  wie  frau  lioUe  gespinst  oder  hafire  verwirrt 
(s.  166),  selbst  verworrene  haare  trägt**),  ein  struppigei 
haar  Hollen zopf  ***)  heifst;  -wickelt  der  nacbtalb,  nacht- 
in ar,  haar  der  menschen,  mahne  und  schweif  der  pferde  ia 
knoten:  alpzopf f  dcutenzopj ,  wichtelzopf^  Weichsel- 
zopf  (wovon  nacjiher  noch),  in  Niedersachsen  mähren" 
locke  j  elfhloftte  (brem.  wb.  1,  302)  engl,  elßocls  (Nares 
8.  V.),  eii^ish  hrotSy  das  verb\im  elf  bedeutet  bei  Sh^- 
speare  die  haare  verfilzen :  'elf  s^  my  hair  in  knots\  Lear 
2,  3.  Auch  der  litthauische  alb,  aitwaras  genannt,  ver- 
filzt die  haare.  Einige  niedersachs.  gegenden  zwiscbea 
Elbe  und  Weser  g^ben  dem  vrichtelzopf  den  uamen  sei- 
lensteert  (brem.  w^b.  4,  749)  sellentost  (Uufelands  Jour- 
nal 11,  43),  vfaa  ich  yerstehe:  zopf  des  bausgeiste^  des 
gesellchens,  f) 

Alle  zwerge  und  elbe  sind  diebisch,  unter  den  eddischen 
zw^ergsnamen  findet  sich  Allhiofr  (Sa^m.  2**) ;  jilprisj  ricbü- 
ger  Alfrlkr  dvergr  (Vilk.  saga  cap.  16.  40 j  heilst  'hmn  mikli 
stelari',  und  im  Xiturel  27,  288  ein  berüchtigter  dieb,  d^r  die 
eier  unter  den  vögeln  wegsticlt,  Elbegast  (entstellt  Ele- 
gasty  Algast.)  andere  diebstäle  der  zwerge  sind  elfeDin. 
xcii.  xciu  gesammelt  und  von  ilu*em  verlangen  nach  kiudern 
und  blühenden  Jungfrauen  ist  s.  civ.  cv.  gehandelt,  zwergkö- 
nige  entfiUiren  Jungfrauen  in  ihre  berge  :  Laurin  die  schüne 
Similt  (Sindhilt?),  Goldemdr  oder  Volmar  eines  königs- 
toch^er  (deutsche  heldens.  l7-^)j   das  schwed.  yolkslied  'den 


*)  engl,  ntghfmaret  franz.  cauchemare^  cochemar,  anck  ehaudifi" 
piile ,  chauchi  vieilli  (meni.  des  antiq.  4^  399 ;  J.  J.  ClianipoUtoD  Fi- 
^enc  patoiä  p.  125);  ital.  pesaruolo^  spnn,  pesadilla^  hlifnnz,  appetart  i 
\€(\i  raucher  (calcare)  und  pesar  (drücken,  lasten.) 

**)  iin  kindermitirchen  3,  44  läfst  sich  Holle  ihre  furchtbaren 
haare,  die  ein  jähr  lang  nicht  gekämnit  waren,  aaskammeo.  ein  mad- 
dien,  das  sie  begabt,  kämmt  ans  seinen  locken  perlen  und  edelsteioe. 

•••)  hollezopp  Senniidt  westerw.  idiot.  341 ;  bei  Adelung  steht  hol- 
lenzopf,     pUca  polonfca,  poln.  koltim,  buhm.  koltauo. 

+)  Ogonczyk  Zakrzewski  geschichte  das  weichselzopfs.  Wien  1830, 
bemerkt  p.  IH  dafs  auch  seine  liei:ung  unter  abergläubischen  gebriu- 
chen  geschieht,  in  Podlachien  vrird  der  alpzopf  feierlich,  um- ostero, 
abgeschnitten  und  begraben,  bei  Krakau  In  der  gegend  von  Skawins 
wird  er  theilweise  mit  geglühter  scheere  beschnitten,  ein  stück  kop- 
fergeld  hineingebuqden  und  in  die  trümmer  einer  alten  bürg,  in  wei- 
cher böse  geister  hausen,  geworfen  ;  wer  es  thnt  darf  sich  aber  nicht 
umsehen  und  eilt  so  geschwind  als  möglich  nach  hause.  Abergläubi- 
sche formein  zur  .heilung  der  plica  aus  einer  altböhm.  hs.  von  13i6 
sind  von  Zakrzewski  p.  20  niitgetheitt. 


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ELBE        ZWERGE  2G3 

bergiagna*  erzählt  von  einer  Jungfrau,  die  aclil  jähre  lang  bei 
dem  berglÖnig  zubringt,  sieben  söline  und  eine  tocliler  mit 
ihm  erzeugt,  ehe  sie  die  ihrigen  wiedersieht  *)  Wolgeslalle 
kinder  der  menschen  enUverulen  sie  aus  der  wiege  und  legen 
ihre  eignen  häfslichen  oder  gar  «ich  selbst  an  deren  steile. 
Diese  untergeschobnen  geschüpfe  heii'sen  carnbiones  (an- 
hang  8.  XLvi),  ahd.  wi/iseli/iga  N.  ps.  17,  46.  cant.  deu- 
tcron.  5,  nhd.  wechselbälge,  scliw.  bytingar,  dän.  hyttin^ 
ger^  nhd.  auch  kielkröpfe  von  ihren  dicken  halsen  und 
köpfen ;  erzahlungen  stehen  bei  Thiele  1 ,  47.  2,  1.  Faye 
p.  20.  ir.  elfenm.  xli — xlv.  cv.  deutsche  sagen  no.  81. 
82.  87— *-90.  **)  Schon  im  gedieht  von  Zeno  (bei  Bruns 
p.  :27  ff.)  ist  es  der  teufel^  der  das  geraubte  kind  ersetzt. 


*)  aber  auch  Zwerginnen  verheirathen  sich  mit  menschon ;  ödman 
(Bahiislan  p.  78.  79)  berichtet  ganz  ernsthaft  und  die  ei^ennnmen  an- 
führend :  Rcors  foräldrar  i  Hogen  i  Lurssockn ,  «om  bodde  i  Fii^- 
lekärr  i  Svarteborgssockn ;  hvars  farfar  var  en  skOtt,  ok  bodde  vid 
et  berg,  tlier  fick  lian  «e  mitt  pä  dagen  sitjande  en  vacLer  pica  /.ä 
en  steiiy  ok  ther  med  at  fanga  henne,  kastade  han  st^  emcllan  berget 
ok  henne ,  hvarpa  hennes  far  gasmade  eller  log  in  i  berget ,  ok  opnade 
bergets  dürr,  tilfrägandefl  hononi»  om  han  vill  ha  hans  doUcr?  hvjiket 
lian  med  ja  besvarade,  ok  efter  hon  rar  helt  naken^  log  lian  siiia 
kläder  ok  hö.'gde  ofver  henne ,  ok  lät  c-liristna  henne.  vid  afträdet 
sade  liennes  far  til  hononi :  'aar  tu  skait  ha  bröllup,  skalt  tu  laga  til 
la  titnnor  öl  ok  baka  en  hop  bröd  ok  kiött  efter  4  stutar,  olv  klora 
til  jordhögen  eller  berget^  ther  jag  haller  til,  ok  när  brudskänken  skall 
ntdelas,  skall  jag  väl  ge  min';  hvilket  ok  skedde.  ty  när  de  andre  gäfvo» 
i^'fle  han  up  tacket  ok  kastade  en  ja  stör  pennin f;eposse  ther  i^^enom^ 
Bt  bäoken  sa  Dar  gadt  af,  ok  sade  tliervid:  'tlier  är  min  skaukM  ok 
ude  ytterli^are':  'aar  tu  skal  ha  tin  hemmagifta ,  skaitu  kiöra  med 
4  hüstar  hit  til  berget  ok  fa  tin  andeP.  Tä  han  sedermere  efter  hans 
begäran  kom  tit,  fik  han  kopparkätilar  then  ene  större  an  then  an- 
dre, tils  then  yttersta  störete  kattelen  blef  upfyld  med  andra  niindre. 
ilem  brandereatur,  som  voro  hielmeta,  af  hvilken  farg  ok  oreaturslag, 
8om  äro  stura  ok  frodrga,  the  an  ha  qvar  pä  rik,  i  Tanums  gäll  belan- 
get. Thenne  mannen  Reors  far  i  Foglekärsteu  benämd,  aflade  en  hop 
baro  med  thenua  sin  saledes  frän  berget  afliämtade  hustru,  biand  hvilka 
var  uämnemannen  Reor  pä  Hogen ;  sa  bar  ok  Ola  Stensoa  i  stora  Rijk 
varit  Reors  systerson,  hvilken  i  förledit  är  med  döden  afgik^ 

**)  dresd.  saml.  no.  15  von  des  mullers  sun.  ein  thörichter  mul- 
1er  bittet  ein  mädchen  ihn  der  liebe  süfsigkett  zu  lehren,  sie  lafst 
ilin  die  ganze  nacht  honig  lecken,^er  leert  einen  grofsen  topf  aus,  be- 
kommt leibweh  und  bildet  sich  nun  ein  schwanger  zu  sein.  Sie  be- 
schickt einen  häufen  alte'r  weiber,  ihm  in  seinen  kindesnOtlien  beizustehn. 
Ma  fragt  er  war  sein  kind  wer  komen?  ai  sprachen:  hastu  nit  verno- 
ß»euV  ez  was  »in  rehter  wislonhalk^  und  tett  als  ain  guoter  schulki 
<la  er  er«t  von  deinem  leib  kam ,  da  fuor  ez  pald  hin  und  eutran  hiu 
uff  zuo  dem  lurst  enpor.  Der  müiler  spracii :  pald  hin  uft*  daz  spor! 
varhent  ez!  pringent  ez  mir  herab!*  Sie  bringen  iluD  eine  schwalbe  lu 
verdecktem  topfe. 


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964  ELBE       ZWERGE 

Gegen  die  auBtaudchung  sichert ,  clafs  man  einen  schlnssd, 
oder  eins  von  des  vaters  kleidern,  oder  stahl  und  nähna^ 
dein  in  die  wiege  lege  (deutsch.  abergL  no,  484.  744« 
»chwed.  118.) 

Alle  elbe  haben  unwiderstehlichen  hang  zu  musii  und 
tanz,  man  sieht  sie  nachts  im  mondschein  auf  den  wie- 
sen ihre  reigen  führen  uad  erkennt  morgens  die  spur  ioi 
thau.  die  erscheinung  tanzender  berggeister  auf  den 
matten  zeigt  den  menschen  ein  gesegnetes  jabr  an  (deut- 
sche sagen  no.  298.)  ein  Ostreich.  Volkslied  (Schottity  p, 
102):  Hmd  duärt  drobn  afm  beargl,  dd  dänzn  zwoa 
zweargl,  de  dänzn  so  rar',  in  Laurins  berg,  in  frau  Ve- 
nus berg  rauscht  fröhliche,  verführerische  musik,  \uid  tänse 
werden  darin  getreten  (Laurin  24)  ;  der  eibinnen  gesänge 
locken  Jünglinge  auf  den  berg  und  es  ist  um  sie  gesche- 
hen (danske  viser  1,  235 — 240.)  *)  in  Norwegen  heifst 
eine  solche  musik  huldresldt  (oben  s.  168);  ein  unge- 
drucktes mhd.  gedicjit  (cod.  pal.  341,  357*)  enthält  die 
merkwürdige  stelle :  da  safsen  £deler  'und  vldelten  alle  den 
albleich\  es  mufs  eine  süfse,  entzückend^  weise  gewesen 
sein,  deren  erfinduug  man  den  elben  beimafs.  **)  Finn  Mag- 
nussen bezieht  den  namen  des  zwergs  Haugspori  (Saem.  2**) 
auf  die  dem  gras  eingedrückten  spuren  eines  bei  nächtli- 
cher weile  über  die  hügel  streifenden  albs, 

Diese  liebe  der  elbe  zu  den  tönen  und  tanzen  knüpH: 
ihr  geschlecht  an  höhere  wesen ,  vorzüglich  an  halbgött- 
inneu  und  göttinnen.  Auf  (der  Isis)  schiff  erschallt  nächt- 
licher freudengesang ,  und  das  volk  zieht  seine  reigen  dar- 
um her  (s,  160.)  in  frau  Holdas  wohnung,  in  frau  Venus 
bei^  ist  gesang  \md  tanz,  celtische  Überlieferungen  stel- 
len die  feen  tanzend  vor  (m^ni.  de  Tacad.  cdt.  5,  108); 
diese  feen  stehen  in  der  mitte  zwischen  eibinnen  und  wei- 
sen frauen.  ***)  Rein  wunder,  dafs  auch  4en  klugen  elben 
und  Zwergen  die  gäbe  der  Weissagung  zugeschrieben  wird. 
Andvari  der  zwerg  erscheint  ganz  so  in  der  edda  (Sa?m. 
181*»)  und  noch  mehr  Alvts;  im  altfranz.  Tristran  ist  der 
nains  (nanus)  Frpcin  ein  devin  (divinator)  und  er  deutet 
die  Sterne  bei  der  geburt  von  kindern  (z.  318 — 326.  632.) 
die  drei  haulemännerchen  (hölmänner^    erdmännlein)  des 


*)  Tolkssage  yom  Hanebierg  in  den  antiq^ariske  annaler  1,  331.  832. 
**)  vgl.  ir.  elfenm.  lxxxi — Lxxxun    Ihre  s.  v.  älfdans,  Arndt  reise 
nach  Schweden  3,  16. 

***)  gleich  den  aerbüchen    vilen^    die  am  herg  und  wiesen   ifaren 
tanz  haltca  (a.Vid.) 

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ELBE       ZWERGE/     BILWIZ  265 

kindermärohens  (no.  13)  nelimen  Aie  stelle  begabender 
feen  ein ;  annähendes  unhcil  oder  den  tod  verkündigen  sie 
den  menschen  voraus  (ir.  elfenm,  lxxxvi.)  In  dieser  hin- 
sieht ist  auch  nicht  ohne  bedeutung,  dafs  elbe  und  zwerge 
das  von  frau  Holda  und  Frikka  begünstigte  spinnen  und 
weben  treiben,  die  fliegenden  Spinneweben  im  herbst 
hält  der  Volksglaube  für  ein  gespinst  von  elben  und  Zwer- 
gen ;  von  den  Christen  wurde  es  Marienfaden,  Mariensom- 
mer genannt,  weil  man  sich  auch  Maria  spinnend  und 
webend  dachte,  schwed.  bedeutet  dverganät  (zwergs- 
netz)  ein  spinneweb.  *)  Die  altn.  saga  von  Samson  hinn 
fagri  erwähnt  cap.  17  eines  wunderbaren  mantels  (skickja), 
den  eibinnen  gewebt  hatten  (sem  älfkonurnar  Iiöfdliu 
ofit.)  Auf*inem  von  geistern  bewohnten  hügel  hört  man 
nachts  die  eibin  (das  mag  hier  troldkone  bedeuten)  spin-- 
nen  und  ihr  Spinnrad  schnurren ,  erzählt  Thiele  3,  25. 
Die  männlichen  zwerge  hingegen  schmieden  kleinode  und 
Waffen  (oben  s.  250.  252),  wie  schon  ir.  elfenm.  lxxxviii 
umständlicher  dargethan  ist-  **) 

Was  ich  über  die  natur  und  eigenheiten  der  elbe  zu- 
sammengestellt habe  wird  sich  durch  die  betrachtung  ein- 
zelner eibischer  wesen,  die  noch  unter  besondern  namen 
vorkommen,  bestätigen. 

Unter  ihnen  will  icli  einem  genius,  der  in  den  nord. 
mylhen  gar  nicht  auftritt,  die  erste  stelle  anweisen;  er 
scheint  dennoch  von  hohem  alter,  mhd.  gedlchte  erwali- 
nen  seiner  verschiedenthch : 

si  wolten  daz  kein  pilwiz 

sl  dd  schüzze  durch  diu  knie,     Wh.  324,  8. 

er  solde  stn  ein  guoter 

und  ein  pilewis  geheizen, 

davon  ist  daz  in  reizen 

di^  übelu  uugehiure.      Rüediger  von  zwein  gesellen 

(cod.  regimont.)  15**. 

dd  kom  ich  an  bulwechs  perg  gangen 

di  schiiz  mich  der  bidu^ems, 

du  schijz  mich  die  bulwechsin. 


*)  wallisisch  corr  beides,  spinne  und  zwerg. 

**)  hier  noch  eine  sage  aus  Odmnns  Bahusiän  p.  79:  thessiitan 
har  man  ätskillige  beratteUer  ok  sagor  om  s/nedar,  sa  i  hogar  som 
barg,  sltsom  har  i  Fossiimstorp  högar,  livarest  man  hordt,  at  the  :;midt 
liksom  i  en  annan  smiffja  oiD  aftonen  «A*''  ^^^^"^-"f  neder^lmfr ,  ok  cl- 
jett  mitt  pä  höga  middagen.  För  80  ar  «edan  gik  Dias  fadar  i  Siir- 
ton^,  benämd  Ola  Simaiisson,  liär  i  församlingen  fran  Slängevald  iiaf> 

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266  BJhyfJZ 

cl&  8cliÖ2  micli  als  ir  hingesind.   cod.  vindob.  2b i7,  71' 
von  öcbrabaz  pilwihten.     Timr.  27,  299. 
eeiu  part  het  manchen  pilbia  zolen^    Casp.  von  der 

Ron  heldeub.  156»». 
hieraus  ist  es  schwer,  die  echte  form  des  namens  zu  gewinnen. 
Wolfram  reimt  pilwiz  (var.  pilbiz,  bilwiz,  bilwitz)  auf 
biz  (morsus)  und  kurzen  vocal  in  der  letzten  silbe  scheint 
auch  pilwiht  und  bulwechs  anzudeuten  ,  so  wie  pilbis  in 
einem  gedieht,  das  sonst  pilbeis  geschrieben  hätte,  die 
wechselnde  gestaltimg  oder  Verunstaltung  des  worts  ver- 
rät h ,  dafs  man  es  schon  im  13.  14  jh.  nicht  melir  ver- 
stand ;  späterhin  wurde  es  noch  auf  andere  weise  entstellt. 
Ein  beichtbuch  aus  der  ersten  hälfte  des  15  jh.  (Hoflinanns 
monatsschr.  753)  hat  pelewysen  synonym  mit  hexen. 
Willkommen  ist  das  westphäl.  beleu^itten  im  Teutonisla, 
es  wird  von  Schuiren  gleichgesetzt  den  ausdrücken  guede 
hoicien  und  witte  vroutven  (penales.)  belivit  ist  also  pe- 
nas,  ein  freundlichgesinnter  hausgeist,  ein  guote  holde 
(oben  s.  165),  wie  es  bei  Huedigcr  heifst  ^ein  guoter  und 
ein  pilewiz^.  Der  ags.  spräche  ist  ein  ad),  eigen  h/'/i'ity 
blleifit  Cadm.  53,  4.  279,  23,  das  mansuetus,  siini>lex  er- 
klärt wird,  genauer  vielleicht  aequus,  justus  bedeuten 
kOunte.  *)  die  sclireibung  bilthOit  (Heda  5,  2,  13  wo  es 
simplox  übersetzt)  würde  auf  hvit  (albus)  führen  ,  folglich 
den  circuiiiilex  begehren ;  was  sollte  dann  aber  bil  bedeu- 
ten ?  ich  ziehe  das  ältere ,  bcglau])igtere  bile\>it  vor,  und 
nehme  \il  für  scius,  bUi>it^  alid.  pdan^iz^  pilwia?  für 
aequum  sciens,    aequus,  bonus,  obgleich  ein  adj.  vit,  wiz 


vandes  med  sig  en  hund,  hvilken  ta  lian  blef  varse  mitt  pa  dagen 
bär^smannen y  som  ta  smidde  pa  en  stör  stetig  skiaide  lian  pa  IiODoni, 
hvar  pä  bärgsmeden^  som  hade  en  liusgra  rak  ok  bl^uulen  fiatt^  be- 
gyate  at  snarka  ät  hunden,  .som  tillika  med  husbonden  fuasu  radelig»>t, 
at  lemna  honom  i  fred.  Tliet  gitVas  ok  annu  ibland  geniene  ni»a 
ama  crucifixer  af  metall,  som  gemeiiii^eit  halies  före  vara  i  furdmi  (i- 
der  smidde  i  .brirg,  hvilka  the  ofor^taiKÜge  bruka  at  hanga  pa  boj»kap, 
som  hastigt  ladt  ondt  ute  pa  marken,  eller  som  säges  blitVit  väder- 
slagne^  livarigenom  tro  them  bli  belbregda.  af  sadana  bär^smideii  har 
jag  ok  n^'ligen  kommit  öfver  ett,  som  ännu  ar  i  forvar,  ok  pa  ofveu- 
närade  satt  gik  i  lan  at  bota  siiikdunimar. 

•)  mhd.  hillick  (aequus)  Reinli.  ^54.  Iw.  1630.  5244.  5730.  6842. 
bilHchen  (jure)  Mb.  450,  2.  der  billivh  (aequitas)  Trist.  6429.  $>3i4. 
10062.  13772.  17787.  18027;  alid.  kenne  ich  hilliU  nur  aus  \V.  ixs 
27,  wo  die  leidner  hs.  bilithluJi.  in  der  ihat,  da  sich  die  bf»rill<s 
aequus,  aequalis,  simiiis  berühren  ist  bilidi,  pi'adi  aequaiitah,  Muiiiitu<io, 
altn.  likneski  (imago.)  das  einfache  ^/7,  ///  scheint  an  sich  schon  ae- 
quitas, jus;   ich  kpun  es  aber  in  keiner  deutschen  spraclie  naciiweiseo- 


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BILWIZ  267 

sonst,  so  yld  ich  weifs,  mangelt,  und  das  altn.  vitr  (gen. 
vitrs)  noch  ein  ableitendes  R  zufügt.  Sind  diese  etymolo- 
gien  haltbar,  so  ist  bila^iz  ein  guter  genius,  aber  elbisclier 
uatur,  er  hauset  in  bergen^  sein  gescho/s  wird,  wie  das 
des  albs  (s.  259)  gefürchtet,  er  verwirrt  und  verfilzt, 
gleich  dem  alp  die  haare  (s.  262.)  auf  die.  Verwandlung 
des  ausdrucks  biliviz,  biltvia  in  bilwiht  mochte  man 
leicht  gerathen,  da  auch  sonst  S  und  H,  S  und  HT  (lios, 
licht;  gramm.  1,  318)  ST  und  HT  (forest,  foreht;    gramm. 

1,  416)  tauschen,  die  Zusammensetzung  bilu>iht  aber  einen 
jMissenden  sinn  gewährte  (guter  wicht.)  gl.  blas.  87*  lie- 
fern wihsihtein  (penas),  ja  die  heulige  zwischen  weich- 
ielzopf ,  wichaelzopj  und  wichtelzopf  {Inchtelzopf) 
schwankende  benenuung  der  plica  (s.  262)  bestätigt  den 
Übergang  der  formen  bilweichs^  bilit^echs  und  &//- 
wicht;  ohne  zweifei  kommt  auch  bilweichszopf,  bilwiz- 
zopf  vor.  *) 

In  den  jüngsten  Jahrhunderten  hat  der  Volksglaube, 
Ate  alte,  edlere  bedeutiuig  dieses  geisterhaften  wesens  ver- 
lierend, gerade  wie  bei  alb,  wie  bei  IloUa  und  Uerhta, 
nur  die  feindseUge,  schädliche  seite  seiner  natur  festge- 
halten :  es  erscheint  als  plagendes ,  schreckendes,  haar  und 
hart  verwiJTendes,  gelraide  zerschneidendes  gespen^t,  meist 
in  weiblicher  gestalt ,  als  büse  zauberin  und  hexe,  schon 
Kilian  deutet  beleu^itte  durch  lamia,  strix.  die  Überliefe- 
rung haftet  Yornemüch  im  östlichen  Deutschland,  in  Baiem, 
Franken,  Vogtland,  Schlesien.  Hans  Sachs  gebraucht  6//- 
bitzßfi  vom  verwickeln  der  haarzöpfe  ,  pifmitz  von  ver- 
>vorrencn  haarlockeu  :  *ir  har  verbilblfzt  ^  zapfet  und 
stroblel,  als  ob  sie  hab  der  rab  gezoblct'.   I.  5,    509^,    IL 

2,  lOQd ;    ^pilmitzen  ,    zoten  und   fasen\   111.  3,   12*.     Im 


')  poln.  beifst  die  pllca,  niifser  koltnn,  anch  "noch  wieszczyce 
(Linde  6,  227)  und  der  volk&<;Ianbe  schreibt  sie  dem  Zauber  einer 
mfizczku,  d,  li.  weisen  frau,  weirtsagerin,  hexe  zu.  dieses  wieszczycc 
stimmt  zu  ireic/isclzopf  und  dem  -ifiz,  -u^eis  in  biiwiz.  Lief^e  sich 
«i»  compositum  bialowieszczka  (welfse  zauberin,  weilVe  fee)  nacli- 
weisen,  (icii  finde  es  aber  nir<i;ends,  aucli  nicht  bei  andern  Slaven); 
M  würde  starke  vermutun;;  für  die  lierkunft  unseres  bilunz  aus  dem 
slavi^chen  erwachsen,  und  ich  will  nicht  ganz  entscheiden,  zumal  der 
ausdnick  hauptsächlich  in  Baiern,  (Wreich,  Schlesien  gefunden  wird, 
vorläufig  scheint  mir  aber  seine  deutschheit  durch  die  abwesenheit  je- 
ner siav.  Zusammensetzung,  so  wie  durch  daä  ags.  bilvit,  nl.  belwitte 
und  die  ahd.  eigennamen  Pilihilt,  Pilikart,  Pilihetm,  Pilidröt,  Piiiram 
u.  s.  w.  gesichert:  übrigens  stammt  unser  wiz  aus  wizan,  das  potli. 
wieszcz  aus  wiedzi^c,  und  Verwandtschaft  beider  Wörter  erklärt  hicli 
Moll  ohne  entlelmuogea. 


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268  mumz 

ackcrmann  von  Böhmen  cap.  6  steht  pilu^is  gleichbedefilig 
mit  hexe.  *zauberer  pielweiser,  -walirsager'.  Böhmes  beiir. 
zum  schles.  recht.  6,  69.  *ao.  1529  (zu  Schweidnitz)  ein 
pieltpei/s  lebendig  begraben'.  HolFmanns  monatschrift  8. 
247.  *i582  (zu  Sagan)  zwo  ehrbare  franen  für  pilweifsen 
und  huren  geschollen  (das,  702.)  *du  pUeweifsin*\  A. 
Gryphius  p.  828.  *las  de  deine  hilbezzodn  auskampln* 
sagt  die  zornige  mutler  zum  kinde  (Schm.  1,  168)  4  den 
biltnezschedl  (struppigen  köpf)  get  nix  nei'.  piimeskind, 
eine  schelle  wie  teufelskind  (Delling  bair,  idiot.  1,  78.) 
bilhezsclwitt,  bilivezschnitt^  biljezschnitt  bezeichnet  ei- 
nen durchschnitt  im  getraidefeld,  den  man  als  werk  einei 
geistes,  einer  hexe  oder  des  teufeis  betrachtet. 

Dieser  glaube  geht  in  ein  hohes  aller  hinauf,  schon 
die  lex  bajuvar.  12  (13),  8:  *si  quis  messes  allerius  ini- 
tiaverit  maleiicis  artibus  et  inventus  fuerit,  cum  duodecim 
solidis  compouat ,  quod  aranscarti  *)  dicunt*.  ein  solcher 
übelthäter  hiefs  wol  damals  piliwiz^  pilawiz?  niederer 
bemerkt  zu  der  stelle  p.  202.  203 :  ein  ehrlicher  landmaon 
erzählte  mir  von  dem  sogenannten  bilmerschnitt^  bilher- 
schnitt  folgendes:  der  böse  mensch,  der  seinem  naclibar 
auf  die  gottloseste  weise  schaden  will  geht  mitternachts, 
ganz  nacket,  an  den  fufs  eine  sichel  gebunden ,  und  Zau- 
berformeln hersagend ,  mitten  durch  den  eben  reifenden 
getraideacker  hin.  von  dem  theil  des  feldes,  den  er  mit 
seiner  sichel  durchschnitten  hat,  lliegen  alle  kömer  in  seine 
Scheune ,  in  seinen  kästen,  liier  wird  alles  einem  von 
menschen  geübten  zauber  beigemessen.  Auch  Julius  Schmidt 
(Reichenfels  p.  119)  berichtet  aus  dem  Vogtland :  der  glau- 
be an  die  bilsen  oder  bilvemchnitter  ist  ziemlich  verbrei» 
tet,  ja  es  mag  gewisse  leute  geben,  die  welche  zu  sein 
meiner/;  diese  gehen  dann  am  Johannis,  mitunter  am 
Walpurgistage  vor  Sonnenaufgang  in  das  feld,  schneiden 
mit  kleinen  an  die  grofsen  zchen  gcbundnen  sicheln  die 
halme  ab,  wobei  sie  quer  durch  den  acker  treten,  dabei 
sollen  diese  leute  kleine  dreieckige  hüte  (bilsenschnitler- 
hütchen)  aufliaben ;  grüfst  sie  jemand  in  dem  gaug ,  so 
müfsen  sie  heuer  sterben,  die  bilsensvhnitter  glauben 
nun  die  liälfte  des  ertrag»  von  dem  fehle,  wo  sie  geschuit« 
ten  haben,  zu  bekommen ;  bei  manchen  leuteu  hat  man 
nach  ihrem  tode  kleine  sichel  förmige  instnimente  gefun- 
den,    wenn  der  eigentliünier   des  ackers    stoppeln  der  gc- 


•)  goth»  asans  (messis)  «fid.  aran^  «rn. 

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BILWIZ  269 

sdintttenen  halme  antril>,  uud  in  den  rauch  hängt,  so 
mofs  der  biUenschnitter  nach  und  nach  vertrocknen. 

Zufolge  einer  mlttheilung  aus  Thüringen  kann  man  den 
hinaenschneider ,  wie  er  dort  heilst ,  auf  doppelte  weise 
verderben*  entweder  setze  man  sich  auf  trinitatis  oder  Jo- 
haauis,  wenn  die  sonne  am  höchsten  steht,  mit  einem 
Spiegel  vor  der  brüst,  auf  einen  holunderstrauch ,  und 
schaue  nach  allen  enden  um,  so  kann  man  den  binsen^ 
Schneider  wol  entdecken;  jedoch  mit  grofser  gefabr:  denn 
wenn  der  aufpassende  eher  vom  binaenachneider  geseben 
irird,  als  er  ihn  erblickt^  so  niufs  er  sterben  Und  der  bin- 
senschneider  bleibt  leben,  er  müste  sich  denn  zufällig  selbst 
in  dem  Spiegel,  den  jener  vor  der  brüst  hat,  erschauen,  in 
welchem  fall  er  auch  noch  in  diesem  jähr  sein  leben  ver- 
liert. Oder,  man  trage  ähreu,  die  der  binsenschneider 
geschnitten  hat,  stillschweigends  in  ein  neuausgeworfenes 
grab,  die  ähren  dürfen  aber  nicht  mit  blofserhand  ange- 
fafst  werden:  würde  nur  das  geringste  dabei  gesprochen 
oder  käme  ein  tropfen  schweifs  aus  der  band  mit  ins 
grab,  so  mufs,  sobald  die  ähren  verfaulen^  derjenige  ster- 
ben, welcher  sie  hineinwarf, 

AVas  hier  men^hlichen  Zauberern,  *)  wird  anderwärts 
dem  teufel  beigelegt  (abergl.  no.  523)  oder  elbischen  ge- 
spenstern, die  sich  schon  an  ihren  kleinen  hüten  kundge- 
ben, sie  heifsen  bald  bilgenschneider,  bald  pili^er  oder 
hilpertaachnitter ,  bald  führen  sie  ganz  abweichende  be- 
nennungen.  Nach  Schm.  1,  151  bociachnitt,  weil  das  ge- 
spenst  auf  einem  bock  duixhs  getraidefeld  reiten  soll,  wo- 
bei an  Dietrich  mit  dem  eher  (s.  139)  erinnert  werden 
kann.  Der  osnabrückische  Volksglaube  läfst  die  iremae^ 
mutter  im  körn  umgehen :  sie  wird  von  den  hindern  ge- 
fürchtet, im  Braunschweigischen  heifst  sie  lormvif,  wenn 
die  kinder  kornblumen  suchen,  wagen  sie  sich  nicht  zu- 
weit ins  grüne  feld  und  erzählen  sich  vom  kornweib ,  das 
die  kleinen  raube,    in    der  Allmark    und    mark  Branden- 


*)  igt  aaf  diese  Zauberei  schon  eine  stelle  der  kaiserchronik  (cod« 
piL  861,  12c)  bezüglich? 

diu  mnoter  heizit  Rachel, 

diu  bit  10  geUret:* 

•wenne  sie  In  hiez  snfden  gi^n,- 

Sin  haut  incom  nie  dar  an, 

da  «ichil  sneit  schiere 

m^r  dan  andere  riere  i 

wii  er  darch  eioiu  berc  vaml, 

der  §Ui  inuner  m^r  in  gegen  im  üf  getln. 


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270     ^  BILWIZ        SCRAT 

'burg  wird  sie  genannt  roggenmöhme  und  man  schweigt 
schreiende  kinder  mit  den  Worten:  Cialis  maul,  sonst 
kommt  roggenmöhme  mit  ihren  schwarzen  langen  hit- 
zen  (?)  und  schleppt  dich  hinweg'!  *).  Ist  nicht  auch  die 
hairische  preinsvlieuhe  ein  solches  getraidegespenst  ?  im 
Sclirackeugast,  Ingoist.  1598  finden  sich  p.  73  ^preinscheu^ 
hen  und  merwuudcr'  p.  89  *wilde  larvenschopper  und 
preinscheuhen*  nebeneinander,  prein ,  brein,  eigentlich 
brei  (puls)  bedeutet  aucli  körnertragende  pflanzen  wie  ha- 
her,  hirse ,  panicum,  plantago  (Schm.  1,  256.  257)  und 
hreinschetihe  wäre  der  gelst^  den  das  volk  in  haber  und 
hirsen Feldern  fürchtet? 

Unverkennbar  dui^ch  alle  diese  Zusammenstellungen 
ist  die  Verwandtschaft  der  bilu^ifse  mit  göttlichen  und  el- 
bischen  wesen  imseres  heidenthums.  Sie  verfilzen  das 
haar  wie  frau  Holla,  frau  Berhta  und  der  alb,  sie  tragen 
den  kleinen  hut  und  führen  das  gcschofs  der  elbe,  sie  sind 
zuletzt,  gleich  Holla  und  Berhta,  zu  einer  kinderscheuche 
herabgesunken,  ursprünglich  ^gute  holden',  gesellige  wol- 
thätige  wesen  haben  sie  sich  allmälich  in  unholde,  teufli- 
sche gespenster,  Zauberer  und  hexen  verkehrt.  **)  Ihre  be- 
riihruug  mit  Holla  und  Berhta  ist  auch  darum  merkwür- 
dig, weil  alle  diese  wesen,  dem  eddischen  glauben  fremde 
eine  eigen thümliche  entwickelung  oder  vVendung  der  heid'^ 
nischen  religion  im  Innern   Deutschland  erkennen  lafsen. 

An  die  behaarten,  struppigen  elbe  oder  bilwifse  reiht 
sich  zunächst  ein  geist,  der  in  ahd.  Sprachdenkmälern  scrat 
oder  acrato ,  in  gleichzeitigen  lateinisclien  pilosiis  genannt 
wird,  die  gl.  mons.  333  haben  scratun  (pilosi),  gl.  herrad. 
200*^  waltschrate  (satyrus)  sumerlat.  10,  66  srate  (lares 
mali);  ebenso  mhd-  *ein  wilder  waltschrat  Bari.  25 £,  11. 
Aw.  3,  226.  *sie  istvillihte  ein  achrat ^  eingeistvon  helle'. 
Albr.  Titur.  1,  190;  dafs  ein  kleiner,  eibischer  geist  ver- 
standen werde ,  folgt  aus  dem  dim.  achretel ,  das  gleichbe- 
deutend mit  wihtel  in  der  artigen  fabel  gebraucht  ist ,  von 
welcher  die  ir.  elfenm.  cxiv — -xix  einen  auszug  liefern.  Vint- 
lers  stelle  vom  achrättlin  (anh.  lui)  bestätigt  es.  der  vo- 
cab.  von  1482  hat  achretlln  (penates),  Dasypodius  nacht" 
achrettele  (ephialtes)  5  spätere  schreiben  achrättele^  aclirät^ 


*)  Tgl.  deatsche  sagren  no.  89. 

)  sollte  nicht  das  umgehen  des  bilwifs,  der  kommahihe  im  ge- 
traide  eine  wolihätige  ursnclie  gehabt  haben,  so  dafs  diese  wesen  dem 
göttlich  verehrten  robigo  der  Römer,  der  den  brand  im  kom  Terlrin- 
derte,  Tergkidibar  wären? 


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SCRAT  271 

tel^  ßchretteley  schrötle,  vgl.  Stald.  2,  350.  Sclimid 
sdiwäb.  w'b.  478,  Auch  andern  deutschen  dialecten  scheint 
das  wort  bekannt:  ags.  scritta,  engl,  scrai  (hermaphrodl« 
tus)  *),  altn.  shratti  (malus  genius,  gigas) ;  ein  meeresfelsen 
heifst  shraltashar  {j^i^morum  scopulus)  forum,  sog.  2 ,  142; 
diese  formen  zu  jenen  hochd.  gehalten  vermisst  man  die 
lautverschiebung.  in  der  that  gewähren  andere  hochd.  for- 
men ihr  Z  statt  T :  screza  (larvae ,  lares  mall)  gl.  lindenbr. 
996*>5  jsrezze  \el  srale  (nicht  screzzol  scraito)  sumerl. 
10,  66;  ^unreiner  schraz*  Aw.  3,  170  (:  vraz.)  **)  auch 
oberdeutsche  wurterbücher  des  16  jh.  stellen  seiltet zel  und 
alp  zusammen,  Hofer  3,  114  hat  ^der  schretz\***) 

Wichtig  ist  die  einstimmung  slavischer  Wörter,  alt- 
bülim.  scret  (daemon)  Plankas  zbjrka  6*^ ;  screti^  scretti 
(peuates  intimi  et  secretales)  das.  16^ ;  bölun.  sakrjteh  (pe- 
nas,  idolum);  poln.  shrzot  und  strzitek ;  sloven.  fhkrdt^ 
fhkrdtiz^  Jhkrdtelj  (bergmäunchen.)  dem  serb.  und  russ. 
dialect  scheint  der  ausdruck  unbekannt. 

Ich  weils  weder  der  deutscheu  noch  der  slav.  form 
eine  wurzel.  f) 

Gehen  wir  dem  begrif  nach,  so  scheint  achrat  ein 
wilder,  rauher,  zottiger  waldgeist,  dem  lat.  faun  und  gr.  sa- 
lyr  vergleichbar;  schrätlein ^  synonym  mit  wichtel  und 
alp,  hausgeist,  bergmaunlein.  immer  kommt  aber  hier  das 
männliche  geschlecht  vor,  nie  das  weibliche ;  es  mangelt  also, 
wie  bei  den  fauhen,  der  verschönernde  gegensatz,  welcher 
in  den  eibinnen  und  bilwissinnen  da  ist.  eiuiger  bezie- 
buDgen  halben  lassen  sich  allerdings  die  am  schlufs  des  12 
cap.  abgehandelten  wilden  weiber  und  waldminnen  den 
Schraten  zur  seite  setzen. 

Auch  darin  unterscheiden  sich  die  Schrate  von  den  el- 
beo,  dafs  sie  kein  volk  bilden,  und  einzeln  auftreten. 

Die  glosse  bei  Hanka  7**  11*  hat  vilcodlac  faunus, 
nlcodlaci  fauni  £carii,  incubi;  dusii;  neuböhm.  form  wäre 


')  schon  Ssp.  1,  4  altvile  and  duerge  nebeneinander,  vgl.  RA.  410. 

•*)  oder  wäre  sehr  dz  (:  vrtz,  wie  sich  Tertheidigeu  läfst)  au» 
Khratvaz  verkürzt?  Gadr.  448  schrawaz  oder  merwunder;  schrabaz^ 
Albr.  Tit  27,  299  (neben  pilwiht);  schrawutzen  und  merwander. 
Casp.  V.  d.  Ron  Wolfdieter.  195. 

*")  Muchar  röm.  Noricum  2,  37  und  Gastein  147  erwähnt  eines 
launigen  berggebtes  schraneL 

t)  das  aittt.  skratti  soll  auch  terror  bedeuten,  schwed.  skratta, 
<iäo.  skratte  Ist  laut  lachen,  erlaubt  die  ags.  form  ücritta  das  ^r. 
ox^of,  einen  hupfenden,  springenden  kobold  oder  satjrr  (von  oxh^tumv 
Upfe),  za  vergleichen?  Lobecks  Aglaoph.  1311. 


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2T2  SCRAT       (PILOSÜS) 

wlhodlalf  wol (haarig;  den  Serben  ist  vuhodlah  der  vam- 
pyr  (Vuk  8,  y.)  Es  wird  nicht  auffallen  und  gewährt 
neue  berührung  zwischen  elben,  bilwissen  und  Schraten, 
dafs  in  Polen  dem  shrzot  dieselbe  verfilzung  der  haare 
zugeschrieben  und  nach  seinem  namen  benannt  wird ;  *) 
in     einigen    gegenden   Deutschlands   sagt  man   achröUein^ 

Öchoü  frühe  dadite  inan  sich  in  Europa  daemonische 
wesen  als  pilosL  die  vulgata  hat  Jesaias  13,  21  *et  pilosi 
saltabunt  ibi',  wo  die  LXX :  Sai/iiovia  ixet  o^x^®*'^®'' 
vgl.  34,  14.  **)  Isid.  etym.  8  cap.  ult.  (und  daraus  gl. 
Jun.  399):  pilosi  qui  graece  panitae,  läline  incubi  no- 
minantur,  —  hos  daemones  Galli  duaios  nuncupant.  queiri 
antem  vulgo  incubonem  vocant,  hunc  Römani  faunum 
dicunt.  Burcard  von  Worms  (anh.  xxxvn)  gedenkt  des 
abergläubischen  brauclis,  den  hausgeistern  in  keller  und 
Scheune  Spielsachen,  schuhe,  bogen  und  pfeile  hinzulegen,  ***) 
und  auch  diese  genien  heiCsen  satyri  vel  pilosi.  Der 
mönch  von  S.  Gallen  erzählt  im  leben  Carls  des  grofsen 
(Pertz  2,  741)  von  einem  pitosus^  der  das  haus  eines 
Schmiedes  besuchte  und  sich  nachts  mit  hammer  und  am- 
bofs  belustigte,  vgl.  ir.  elfenm.  cxi.  cxiu  Also  ein  spielen- 
der, fröhlicher,  tanzender,  launiger  hausgeist,  rauh  und 
haarig  anzusehen,  wie  die  heidelberger  fabel  sagt,  ^eislich 
getdn',  uad  mit  dem  rotlien  läppchen  der  zwerge  ausge- 
stattet, gern  in  küclie  und  keller  sein  wesen  treibend,  ein 
bild  ganz  vornen  im  cod.  pal,  324  scheint  ihn  darzu- 
stellen. 

Nur  nehme  ich  an,  dafs  man  in  älterer  zeit  dem  scJirat 
oder  waldschrat  eine  ernstere,  grüfsere  gestalt,  und  erst 
später  dem  schrettel  die  heitere,  kleinere  beilegte,  das 
scheint  auch  aus  der  ahn.  bedeulung  von  skratti  gigas,  riese 
hervorzugehn.  Diese  waldgeister  müssen  noch  im  6.  7  jh. 
eines  eignen  cultus  theilhaftig  geworden  sein  :  bäume  und 
tempel  waren  ihnen  heilig,     beweisende  stellcri   sind  schon 

•)  auch  hollki  heifst  der  weichselzopf,  und  IcoUki  sind  wiedemm 
(»oliiisclie,  russische  hausgeister.  .       •      • 

*•)  Luther  übersetzt /V/rf^tfw/>/ 5  das  hebr.  sagnir  bezeichnet  haarige 
bocicartige  wesen.  Radevicus  frising.  2.  13  ahmt  die  ganze  steile  des 
Propheten  nach :  'ululae,  upupae ,  bubones  toto  anno  in  tectis  fnnebria 
personantes  lugubri  voce  aures  omnium  repleverunt.  pilosi  quos  sa- 
tyrob  vocant  in  domibus  plerunque  auditi\  und  nochmalfl  2,  24:  m 
äedibus   tuis   lugubri  voce  respoudeant  ululae,  saltent  pilosP.  ^ 

•••)  80  wird  dem  jiLdel  (ich  meine  güeten  was  sonst  guptc  holde; 
spiel  werk  biogelegt,    abergl;  nö.  62  vgl.  4T3.) 


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SCRAT       (PAÜNÜS)  278 

8.  45.  54  dafür  angofSlirt:  'arbores  daemoni  dedicalae*, 
und  trnter  den  Wamsken,  einem  den  Baiern  verwandten 
stamm,  ^agrestium  fana,  quos  vulgus  faunos  vocai'. 

In  Eckeharts  lat.  Waltharius  kommen  merk>vürdige 
änfeerangen  vor.  Waltharind  redet  den  vierten  helden, 
der  ihn  bestehen  will,  Ekevrid  aus  Saclisen,  einen  landes- 
verwiesenen, darum  also  waltgengon  imd  im  wald  hausen- 
den *),  mit  den  bitteren  Worten  an : 

die  (ait),  an  corpus  vegetet  tractabile  temet^ 
sive  per  aärias  fallas,  maledicte,  figuras  ? 
Saltibus  assuetua  Jaunns  mihi  quippe  videris; 
Ekevrid  entgegnet  hohnlachend 

celtica  lingua  probat,  te  ex  illa  gente  creatum, 
cui  natura  dedit  reliquos  ludendo  praeire; 
at  si  te  propius  venientem  dextera  nostra 
attingat,  post  Saxonibus  memorare  valebis, 
te  nunc  in  Vosago  fauni  fantanma  videre; 
du  magst  einmal   den  Saclisen ,    meinen   landsleuten ,    von 
dem  Schrat  erzählen,    der    dir  im  Wosgau    erschienen   ist. 
Als  nun  Ekevrid  seinen   Speer   vergeblich    geworfen,   sagt 
Wallhari  nochmals: 

haec  tibi  ailvanus  transpöndit  **)  munera  Jaimus, 
ein  solches  waifen  wird  dir  wol  ein  waltschrat  zugelieferl 
baben;    jetzt  sollst  du  mein    (menschliches)   geschofs    ken- 
nen lernen* 

Hier  heifst  der  faun  ein  fantasma^  phantom,  ahd. 
giactn  T.  81  (Matth.  14,  21),  sonst  auch  sctnleih  (mon- 
slrum)  gl.  hrab.  969  *>.  Jun.  214.  ags.  sctnldc  (portentum) 
oder  gitroc  (s.  261.)  ^jantaaia^  quod  in  libris  gentilinm 
Jaunua  solet  appellari'.  Mabillon  analect.  3,  352.  Und 
gerade  so  in  altfranz.  gedicliten:  ^fantoame  nous  va  fau-- 
noiant\  M^on  4,  138.  ^fantoame  ^  qui  me  desvoie,  de- 
maine'.  das.  4,  140.  4,  402.  Solche  fauni  ficarii  und 
siheatrea  hominea  sind  es,  zu  welchen  Jomandes  die  goth. 
aliorunen  sich  gesellen  läfst  (s.  227.)  sie  streifen  aber 
auch  in  das  gebiet  halbgöttlicher  helden  über:  Mimring, 
siliHirum  aatyrua^  fVitugouwo  (silvicola)  scheinen  zu- 
gleich kunstreiche,  schmiedende  schrate  und  beiden  (s.  220. 
221.  222.)  mit  deoi  satyrhaften  Vülundr  verbindet  sich 
eine  valkyrie,  wie  mit  den  faunen  die  aliorunen,  wilde 
weiber,  waltminne  (s.  244.  245)  und  mlde  man  (Wigamur 

*)  RA.  p.  733. 

**)  praet.  von   transpoudeo  (d.  i.  traosspondeo)   welche«  ich  sonst 
Bie  gelesen  habe. 

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274  SCUOmSAL? 

203)  beriiliren  einander«  im  WoMäieteriA  ^?Hrd  ein  aol- 
cber  wilder  mann  waltluoder  genannt«  Die  altn,  mytho- 
logie  kennt  wilde  waldfrauen  unter  dem  namen  Mdjur 
(Sncm.  88*.  119*»)  und  iarnuidjur  (Sn.  13.)  von  der  hidja 
stellt  zu  eingang  des  Hrafnagaldrs  der  dunkele  aussprach 
*elr  Jvidja',  alit,  äuget,  parit,  gignit  dryas;  ividja  ist  abge- 
leitet von  einem  wald  oder  liain  Mdr,  dessen  Vöiuspa  1* 
erwälinung  thut:  <nio  man  ek  beima,  nio  ividi';  ebenso 
iarni>idja  von  iarnvidr  (eiscnwald.) 

In  den  romanischen  märchen  hat  ein  altrömischer  goU 
ganz  die  natur  eines  waldgeistes  angenommen ,  aus  dem 
Orcus  *)  ist  ein  ital.  orco  geworden,  neapoL  huorco^  iranx. 
ogre:  er  wird  schwarz,  behaart  und  borstige  doch  mehr 
in  grofser  als  kleiner  gestalt  geschildert,  fast  riesenmäfslg; 
im  wald  verirrte  kinder  stofsen  auf  seine  wohnung,  zu^ 
weilen  erscheint  er  gutmülig  und  begabend  ,  oft  rettet  und 
schützt  seine  frau  (orca ,  ogresse.)  **)  Deutsche  märchen 
übertragen  seine  rolle  dem  teufet^  der  auch  unmittelbarer 
aus  dem  alten  gott  der  unterweit  hervorgeht,  von  dem 
unsichtbarmachenden  heim  ist  dem  orco  nichts  übriggeblie- 
ben, dagegen  wird  ihm  characteristisch  eine  dämonische 
jeinheit  des  geruches  beigelegt,  er  spürt,  gleidi  seeunge« 
heuern,  die  anuäherung  menschliches  fleisches:  ^je  sens  la 
chair  fraische',  *ich  rieche,  rieche  menschenfleisch',  *ich  wittere, 
wittere  menschenüeisch',  *I  smell  the  blood'»  ^eg  lugter  det  paa 
min  hüire  haand'  ***)  gerade  wie  schon  die  meerminne  im 
Morolt  3924  sagt:  4ch  smacke  diutsche  tserngewant*. 

Das  goth.  neutr«  stShslj  womit  Uliilas  daifioviov 
INIatth«  8,  31.  Luc.  8,  27  (lüer  am  rand  beigeschrieben,  der 
text  hat  unhulth^)  I  Cor.  10,  20.  21  überträgt,  möchte 
ich  aus  einem  goth.  slöhs  (gen.  sköhis)  oder  lieber  shögs 
(skögis,  das  H  kann  blofs  durch  die  Verbindung  SL  ent- 
sprungen sein)  erklären,  skögs  entspräche  dem  altn.  sh6gr 
(silva);  in  allen  unsern  goth.  fragmenteu  bietet  sich  nie- 
mals der  begrif  von  wald  dar ,  aufser  vidus  (s.  220)  darf 
dafür  auch  jenes  skdgs  vermutet  werden.  Ist  nun  shöhsl 
waldgeist,  f)  so  kann  damit^  wie  mit  dclifiortoPj   die  idee 

*)  vgl.  anhang  p.  t\x  ^Orcum  invocare^,  neben  Neptun  und  Diana 
und  p«  Lui  bei  VintJen  'ich  hab  den  orken  gegeben'.  Beov.  224  orcneas, 
**)  pentamerone  1,1.  1^  5.  2,  8.  3, 10.  4, 8,  und  die  orca  2, 1.  2, 7.  4 
6.     6,  4. 

***)  Perrauf f 8  petit  poucet;  kinderm.  1,  152<  3,  410<   Mesaens  1, 
21.  dan&ke  viser  1,  220. 

t)  ein  ahd.  skuoh  und  sknobisal  sind  reiiich  noch  gewi(gter;  un- 
ser nhd.  Scheusal  (monstrttm) ,  wenn  es  ton  scheuen  (scinhan)  her- 
stammt,   hat  ganz  andern  vocallaiit,   en  kann  aber  ancfc  verderbt  sein, 


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NICHÜS  276  ^ 

^ed  hoHeren  halbgoUIIchen  od^r  selbst  gOulicben  Wesens 
Verbanden  sein.  Eriünert  man  sich  an  die  heiligen ,  un- 
Terletzbaren }  von  geistern  bewohnten  bäume  (scWed* 
äbergl.  no.  110,  dän.  no.  162),  an  den  germanischen  wald« 
cuhus  überhaopt  (s;  41.  42.  43.  82.  83.) ;  so  wird  begreif- 
lich, warum  vorzugsweise  waldgeiater  statt  der  elbischen 
natur  menschliche  und  göttliche  ^annehmen;    , 

Auch  die  Wassergeister  zeigeil  diese  dopt)eIte  seite. 
Weise  frauen,  valkyrien  erscheinen  als  schwane  auf  der 
flut,  sie  gehen  über  in  weissagende  nteenpeiber  und 
tneernUnnen  (s.  244.)  selbst  Nerthus  und  frau  Holla  ba- 
den im  see  öder  weiher,  in  Hollas  Wohnung  gelangt  man 
darch  den  brunnen  (kinderm.  no.  24.  79.) 

Der  allgemeinen  benennung  holde  ^  guoteh  holde  (ge- 
nins,  bonus  genitis)  steht  daher  auch  ein  Ufäzz^r/iölde 
(s.  165)  und  brunnenhoide  (s.  166)  zur  seile,  dem  allge- 
meineren minni  ein  meriminni.  Andere,  an  sich  selbst 
Yerständliche  namen  sind :  Tneerwunder;^  wasäermann  (slav. 
vodnik),  seejung fer  ^  miserweib;  ahn;  haffru^  sceiona, 
hafgfgr^  margfgr^  schwed.  luifsrhan,  ha/ß/ru,  beson- 
ders auch  atrömkarl  (stromgeist,  mann.)  die .  Vorstellung 
eines  wasaerkönig^  erhellt  aus  ufatercöninh  bei  Melis 
Sloke  2,  96. 

Ein  solcher  Wassergeist  Iiiefs  eigentlich  ,  ahd.  nihhus, 
nichus  (gen*  nichuses) ,  welches  ausdrucks  sich  die  glossa- 
toren  zur  Verdeutschung  von  crocodilus  bedienen,  gl.  mo'us« 
322, 412.  Jun.  270.  wirceb.  978^ ;  der  physiologus  braucht  ihn 
neutral :  daz  nihhue.  Diut.  3, 25.  Hoffm.  fundgr.  23.  später  sagte 
man  nichts  (gL  Jun.  270.)  ags.  finde  ich  mit  Verwandlung  des  S 
in  R  das  männliche  nicor,  pl;  niceras,  Beov.  838.  1144. 
2854,  es  werden  ungeheuere  geister  verstanden,  die  ini 
meer  hausen,  vgl.  nicorJiua  Beov.  2822.  Diese  ags.  förni 
bt  auch  die  mnl.  nicher  j  pL  nickers  (horae  belg.  p.  119),  . 
Reinaert  prosa  Mran*'  ^nickers  ende  wichteren',  necker  (Nep- 
tunns)  Diüt.  2, 224^.  nnL  hat  nikker  die  bedeutung  von  böser 
geist,  teufel,  ^alle  nikker e  uit  de  heP;  eben  so  gilt  das  engl,  ^old 
nick\  Bei  uns  dauert  die  S  form,  und  der  echte  begrif 
des  Wassergeistes  forty  eines  männlichen  nix  und  eines 
weiblichen  nlxCy  d.  h.  niks,  nikse  j  doch  hört  man  auch 
uickel  und  nickelmann*,  mhd.  verwendet  Conrad  o^ajs* 
zernixe  gleichbedeutig  mit  sirene :  ^heiz  uns  leiten  Az  dem 
bade  der  veii^en  a^az&ernixen^  daz  uns  ir  gedoene  iht 
8chade\    Ms.  2,  200^ 

kh  kenae  atu  älterer  spräche  nar  die  s.  166  unten  in  der  alhmerknog 
mitfetfaeilte  form  sc/tuseL    dt>€li  hat  TOCab.  1^82  seheüfie  (tar?a.) 

18* 

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276  NICHÜS 

Das  altn.  nilT  (gen.  niks?)  soll  Jetzt  nur  hippopata- 
mus  bezeidincn  *,  das  scUwcd.  nähj  nek,  das  dän.  nök^  not^ 
nocie,  drücken  ganz  unsern  Wassergeist  aus,  immer  aber 
einen  männlichen«  an  die  dän.  form  zunächst  sclilicbt 
sich  ein  mittellat.  nocca ,  speclrum  marinum  in  stagnis  et 
fluvUs.  Man  zieht  das  viel  ältere  neha  und  tiehalen" 
nia  (s.  157)  hierher,  ich  glaube  ohne  grund:  das  lat,  Or- 
gan hatte  nicht  Ursache  H  für  C  zu  setzen,  wo  es  in  deut- 
schen Wörtern  H  verwendet  (Vahalis,  Naharvali),  dürfen 
wir  keine  tenuis  gebrauchen;  sodann  deuten  die  bilder  der 
Nehalennia  schwerlich  auf  eine  flufsgÖttin. 

Richtiger  mag  es  sein,  den  Wassergeist  in  einem  na- 
men  Odhins  wieder  zu  finden.  Odhinn  heilst  nach  Sn.  3 
JSitarr  oder  Hniharr  und  Nikiiz  oder  Hnikudkr.  Seem« 
46*  b  steht  Hnikarr,  Hnikudhr\  91»  184»  ^  Hnikarr. 
Nikarr  entspräche  dem  ags.  Nicor,  Nikuz  dem  abd. 
Nichus.  die  Variante  ist  merkwürdig,  und  Snorri  niufs 
sie  aus  quellen  geschöpft  haben,  die  von  der  doppelform 
wüsten,  das  melrum  veranlafste  vielleicht  den  vortritt  der 
aspiration.  scharfsinnig  bemerkt  Finn  Magnussen  p.  438, 
dafs  Odhinn,  wo  er  als  Hnikarr  auftrete,  als  meergeist 
und  wellenbcsänfligend  erscheine.  Sonst  aber  werden 
in  keiner  edda  nickar,  wie  ulfar  oder  dvergar,  genannt. 

Wie  von  göttern  haben  pflanzen  und  steine  vom  nix 
den  namen.  die  nymphaea  heifst  nhd.  nixblame,  seeblu- 
me,  schwed.  näckblad,  dän.  nokkeblomster,  nökkerose] 
die  couferva  rupestris  dün.  nökkeskäg  (nixbart^;  die  halio- 
tis,  eine  muschel  sehwed.  näcköra  (nixohr) ;  der  tnf- 
stein,  tophus,  schwed.  näckebröd ,  brot  des  Wassergei- 
stes* die  Wasserlilie  wird  auch  genannt  Wassermann  lein 
und  mummelj  letzteres  glaube  ich  für  müemel,  mühmchen, 
wassermuhme,  wie  im  alten  lied  die  merminne  ausdrück- 
lich Morolts  ^liebe  muome^  angeredet,  und  noch  heule 
in  Westfalen  watermöme  ein  geisterhaftes  wesen  ist;  meh- 
rere von  nixen  bewohnte  seen  heifsen  mummelsee  (deut- 
sche sagen  no.  59.  331.),  sonst  auch  meumkeloch.  Man 
läfst  seegeister  in  bestimmten  w^eihern  und  tiüssen  hausen, 
z.  b.  in  der  Saale ,  der  Donau,  der  Elbe,  '•'')  wie  auch  die 
Römer  bärtige  llufsgötter  für  einzelne  fliisse  annahmen; 
vielleicht  hängt  der  name  des  Neckars  (Nicarus)  mit  un- 
serm  nicor  y  nechar  unmittelbar  zusammen. 

Biörn    gibt  auch  nennir   als  einen  altn.  ausdruck  für 

•)  Hie  Elbjiiiigfer  und   das  Saalwreibleiü   (deotscde  sageri  no.  60) 
der  Uufsgeist  in  der  Oder  (das.  uo.  62.) 


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NICHÜS  277 

hlppopolamus  an,  das  wort  sclieint  dem  namcn  der  gOttin 
Hanna  (s.  198)  verwandt.  *)  Dieser  nennir  oder  nihur 
soll  als  scliönes,  apfelgrauea  ros  am  meeresslrand  erschei- 
nen und  dai-an  zu  erkennen  sein  däfs  seine  liufo  verkehrt 
stehen  ;  besteigt  es  einer,  so  stürzt  es  sich  mit  seinem  raub 
in  die  ilut.  Man  kann  es  aber  auf  gewisse  weise  fangen, 
zähmen  und  eine  zeit  lang  zur  arbeil  abrichten  **),  Zu 
Morland  in  Bahus  warf  ihm  ein  verständiger  mann  einen 
künstlichen  zäum  über,  dafs  es  nicht  entlaufen  konnte, 
und  pflügte  nun  alle  seine  äcker  mit  ihm:  als  zufällig  der 
zäun  aufgieng ,  sprang  der  neck  wie  ein  •  feuer  in  die  see 
und  zog  die  egge  mit  sich  hinunter.***)  wenn  stürm  und 
gewitter  aufsteigen,  pflegt  sich  ein  grofses  pferd  mit  un- 
geheueren liufen  auf  dem  wasser  zu  zeigen  (Faye  p.  55.) 
Die  Wassergeister  haben,  manches  mit  berggeistern 
gemein,  aber  auch  ihr  eigenthümliches.  Gleich  dem  schrat, 
treten  die  männlichen. lieber  einzeln,  als  in  gesellschaft  auf. 
Gewölmlich  wird  der  Wassermann  schon  ältlich  und  lang'^ 
härtig  vorgestellt,  wie  der  römische  halbgott,  aus  dessen 
ume  der  flufs  quillt;  oft  erscheint  er  melirhäuptig  (vgl. 
8.  223).  Faye  p.  51,  In  einem  dän.  Volkslied  hebt  der 
nökke  seinen  nassen  hart  in  die  höhe  (vgl.  svenska  visor 
3,  127.  133)  er  trägt  grünen  hut^  und  wenn  er  den  mund 
bleckt  sieht  man  seine  grünen  zahne  (deutsche  sag,  no.  52.) 
zuweilen  hat  er  die  gestalt  eines  rauhhaarigen  wilden 
hnaben,  zuweilen  die  eines  gelblocl'igen^  mit  rother  mutze 
auf  dem  haupt.f)  JS^ixen  erscheinen  in  der  sonne  sitzend, 
ihre  langen  haare  kämmend  (sv,  vis.  3,  148),  oder  auch 
nih  dem  obertheil  des  leibs ,  der  von  hoher  Schönheit  ist, 
ans  wellen  tauchend.  den  untertheil  soll,  wie  bei  Si- 
renen, ein  fischartiger  schwänz  bilden;  doch  diese  Vorstel- 
lung ist  unwesentlich  und  wol  nicht  echt  deutsch,  denn 
nienjals  treten  geschwänzte  nixe  auf -j-*!-),  und  auch  die  nixen, 
wenn   sie   ans   land    unter   menschen   gehen,    sind    gleich 

*)  Mochar  Norikum  2,  37  und  Gastein  p.  145  erwähnt  eines  al- 
pengeistes  DonanaM;  stellt  hier  nadei  für  nandel?  ein  druckf.  für 
nadei  (madchen)  ist  kaum  anzunehmen. 

**)  laudnäniabok  2,  10  J[l8lend.  sog.  1.  74.)  Olafsens  reise  igien« 
Dem  htand  I,  55.    av.  vis  3,  128. 

•**)  P.  KaJms  westgöta  och  l>aliusländska  resa  1742.  p.  200, 

i)  auf  diese  kleinheit  geht  der  volksrelm:  *nix  in  der  grübe  ^  da 
bist  ein  böser  bube\  wasch  dir  deine  beinchen  mit  rotheii  Eiegel- 
steinchen  !* 

++)  wol  aber  nixe  die  oben  menschlich,  unten  wie  pjerde  gebildet 
^nd;  ein  waaser^i^eist  hat  den  namen  "von  seinen  aufgeschlitzten  obren 
(deutsche  sagen  no.  63.) 

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J 


278  NICHÜS 

meDsclilicLen  Jungfrauen  gestaltet  und  gekleidet;  nur  od 
dem  nassen  kleldersaum,  dem  nassen  zipfel  der  schürze  er« 
kennbar.*)  Hierdurch  berühren  sie  eich  mit  den  schwan« 
Jungfrauen,  und  wie  diesen  Schleier  und  kleider  wegge- 
nommen -werden  9  setzt  auch  sie  das  vorenthalten  der 
handschuhe  beim  tanz  in  Verlegenheit  (deutsche  sagen 
no*  58.  60.) 

Tanzy  gesang  und  musik  sind,  wie  der  elbe  (s,  264), 
auch  die  freude  aller  Wassergeister,  In  Schweden  erzahlt 
man  von  der  lockenden,  bezaubernden  weise  des  sirönz" 
harl :  der  strömkarlslag  soll  eilf  Variationen  haben ,  von 
welchen  man  aber  niu*  zehen  tanzen  darf,  die  eilfte  ge- 
hört dem  nachtgeist  und  seinem  heer ;  wollte  man  sie  auf- 
spielen ,  SQ  fiengen  tische  und  bänke ,  kannen  und  becher, 
greise  und  grofsmütter,  blinde  und  lahme,  selbst  die  kioder 
in  der  wiege  an  zu  tanzen.  **)  Dieser  spielende  strömr- 
harl  hält  sich  gern  bei  mühlen  und  Wasserfallen  auf.  da- 
von heifst  er  in  Norwegen  foasegrim  (fos,  schwed.  xind 
altn.  fors,  Wasserfall.)  es  ist  schon  s.  31  als  Überrest  heid- 
nischer opfer  angeführt  worden,  dafs  man  diesem  dämoni- 
schen wesen  ein  schu^arzes  lamm  darbrachte  und  von 
ihm  dafür  in  der  musik  unterrichtet  winde,  auch  der  fos- 
segrim  lockt  in  stillen,  dunkeln  abenden  die  menschen  durcl) 
seine  mü^ik,  und  lelirt  geige  oder  anderes  saitenspiel  den, 
der  ihm  donnerstagabends  mit  abgewandtem  haupt  ein 
iPeifses  böcklein  opfert  und  in  einen  nordwärts  strö- 
menden Wasserfall  wirft.  ***)  ist  das  opfer  mager,  so  bringt 
es  der  lehrling  nicht  weiter,  als  zimi  stimmen  der  geige, 
ist  es  aber  fett,  so  greift  der  fossegrim  über  des  spiel- 
manns  rechte  band,  und  führt  sie  so  lange  hin  und  her,  bis 
das  blut  aus  allen  iBngerspitzen  springt,  dann  ist  der  lehr- 
ling in  seiner  kunst  vollendet  und  kann  spielen,  dafs  die 
bäume  tanzen  und  die  wasser  in  ihrem  faU  still  stehen.  •}•) 

Obgleich  das  chrlstenthum  solche  opfer  untersagt  und 
die  alten  vfassergeisler  al9  teuflische  wesen  darstellt,  so  be- 
hält das  Volk  doch  eine  gewisse  scheu  und  Verehrung  bei 
^d  hat  noch  nicht  allen  glauben  an  ihre  macht  und  ihren 


*)  ia  Olaf  des  heiligen  saga  (fornm.  s5g.  4,  56.  5,  162)  wird  euiQ 
tnarg^gr  geschildert  als  schönes  weib,  vom  gürtet  an  In  einen  fisch 
«lisgenend,  mit  ihrem  süfsen  gesang  männer  einscliläfemd.  offenbar 
nach  dem  muster  der  römischen  siren. 

**)  Arndts  reise  nach   Scfiweden   4,   241  \    von  ahnlicben    tanzeq 
meldet  Herrnudgsäga  cäp.  11.  p.  49-^52. 
•^0  nordwärts,  pb^n  s.  22. 

t)  Faye  p.  6T.    vgl.  Thiele  1,  135  vom  kirkegrim: 


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NICBUS  279 

ebOuIt»  aufgegeben;  ea  sind  Ilim  unselige  wesen^  die  aber 
einmal  der  erlösung  theilhaftlg  werden  können.  Dahin  ge« 
liört  die  rührende  sage,  dafs  der  strönikarl  oder  neck  für 
ßeinen  Unterricht  in  der  nrnsik  sich  nicht  blofs  opfern, 
sondern  auch  die  aujer stehung  und  erlösung  verspre-- 
chen  läfst.  *)  Zwei  knaben  spielten  am  ström,  der  neck 
safs  und  schlug  seine  harfe,  die  kiuder  riefen  ihm  zu: 
Svas  sitzest  du  neck  hier  und  spielst?  du  wirst  doch  nicht 
«dig!'  da  fieng  der  neck  bitterlich  zu  weinen  an,  warf  die 
harfe  weg  und  sank  in  die  tiefe.  Als  die  knaben  nach 
haus  kamen,  erzähUen  sie  ihrem  vater,  der  ein  priesler 
war,  was  sich  zugetragen  halte,  der  vater  sagte :  *ilir  habt 
euch  an  dem  neck  versündigt,  geht  zurück  und  tröstet  ihn 
und  sagt  ihm  die  erlösung  zu\  Da  sie  zum  ström  zu- 
rückkehrten, safs  der  neck  am  ufer,  trauerte  uod  weinte, 
die  kinder  sagten :  'weine  nicht  so,  du  neck ,  unser  vater 
hat  gesagt,  dafs  auch  dein  eiloser  lebt';  da  nahm  der  neck 
froh  seine  harfe  und  spielte  lieblich  bis  lauge  nach  Son- 
nenuntergang. **)  Ich  wüste  nicht,  dafs  irgendwo  in  un- 
sern  sagen  so  bedeutsam  ausgedrückt  wäre,  wie  bedürftig 
des  christlichen  glaubens  die  Heiden  sind,  und  wie  mild  er 
ihnen  nahen  soll.  Auf  unseeligleit  und  Verdammung 
der  nixe  scheinen  sich  vorzüglich  die  mitleidigen  oder 
harten  beiwörter  2;u  beziehen,  die  ihnf  n  gegeben  werden.  ***) 
Aufser  dem  freiwilligen  Qpfer  für  Unterweisung 
in  seiner  kunst  forderte  der  nix  aber  auch  die  darbriugung 
grausamer  und  gezwungner  ^  deren  andenken  in  fast  al- 
len Überlieferungen  des  volks  fortdauert.  Man  pflegt  sich 
noch  jetzt,  wenn  ipenschcn  im  flufs  ertrinken,  auszudrü- 
cken: 'der  &\jSs^(dM  fordere  sein  jährliches  op/er^,  ge- 
wöhnlich 'ein  unschuldiges  tind,^  •[•)  Dies  weis^  auf 
wirkliche,  dem  nichus  in  uralter  heidnischer  zeit  gebrachte 
menschenopfer  hin.  Dem  Di^melnix  wirft  m(in  ^Ijährlich 
brot  und  Jruchte  lUnab. 

*)  ödman^  Baliu«läa  p.  80  s  om  speleman  I  liSgar  ok  forsar  liar 
man  ok  ätskilli«za  sagor;  för  15  är  tilbacka  har  man  här  uti  liügeu 
nader  Gänin  i  Tanums  galt  belägit  hört  spela  som  the  bäste  niusi- 
caater.  Tlieii  son^  bar  viol  ok  vül  lära  spela,  blic  i  öguableket  lärd, 
alleoast  han  lofyar  upst%ndelse\  en  soin  ^j  lofte  thet  fick  böra  buru 
tbe  i  bögen  slogo  sonder  sina  violer  ok  greto  hitterliga» 

**)  sy.  Tisor  3,  }28.  ir.  elfenm.  p*  24«  200-r-|a02  äJinlicbe  irisclie, 
icbottische,  däoische  Überlieferungen. 

•••)  V*r/4/f^  wastferpix^'  (s,  275) ;  Men  fula ,  stygga  necken'  iv. 
fii.  B,  147;  Men  usle  lia\frue\  *usle  maremiod',  Meu  arnie  mareviv*, 
^n  fule  og  ledt  spaaqvinder  danske  vUer  1,  110.  119.  125. 

f)  deutsche  sagen  no.  61.  62.    Faye  p.  61t 


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280  Nioaus 

überhaupt  ^eht  durch  die  wassergeistsagen  ein  sag 
von  grausanikeit  und  blutdurst,  der  bei  diimonen  der 
berge,  vrälder  und  häuser  nicht  leicht  vorkommt.  Nicht 
allein  menschen,  deren  der  nix  gewaltig  wird,  tödtet  er, 
sondern  er  übt  auch  blutige  räche  an  seinen  leuten,  die 
ans  land  gestiegen  sind ,  mit  den  menschen  lungehen  uod 
wieiler  zurückkehren.  Wenn  sich  die  seejungfern  beim 
tanz  verspätet  haben  ^  wenn  die  entführte  Christin  dem  cix 
ein  kind  gebiert,  wenn  des  Wassermanns  kind  seinem  rufe 
zu  spät  gehorcht,  so  sieht  man  einen  blutstrahl  aus  d«* 
tiefe  des  gewässers  empor  scliiefsen  zum  zeichen  der  voll- 
brachten unthat,  *)    gewöhnlich  vrar  drehen  ein  ^deres 

*)  deutsche  sagen  oo.  49.  58.  59.  60.  304.  306.  818,  1;  ich 
tlieile  hier  noch  eine  westfälische  sage  mit,  deren  anfzeichnung  Jch 
lierra  Seitz  aus  Osnabrück  verdanke:  dönken  von  den  smett  uppn 
Darmssen,  Dichte  bi  Braumske  liggt  en  lutken  see,  de  Darmssen;  do 
8tö!id  vorr  aulen  tien  en  k lauster  ane.  demiuukeäberin  den  kiauster  Ha- 
heilen  nig  nä  goddes  willen :  drumme  gönk  et  unner.  Nig  lange  na 
liiar  horden  de  buren  in  der  nauberskup ,  in  Epe,  olle  nachte  en  klop- 
pen un  liarmen  bi  den  Darmssen,  osse  wenn  me  upn  ambold  sl^t,  qo 
wecke  lüeseigen  wott  midden  up  den  Darmssen.  se  agepp^den  dr«p 
to ;  da  was  et  n  s/nett,  de  bei  ant  lif  inn  umter  seit,  mitn  h&mer  in 
de  filst,  damit  weis  he  jiimmer  up  denn  ambold,  un  bedudde  de  bs- 
ren,  dat  se  em  wot  to  smien  bringen  sollen.  Sit  der  tit  brochten  em 
de  lue  ut  der  bursknp  jümmer  isen  to  smien,  un  ninminske  luidde  so 
goe  plogisen  osse  de  Eper.  Ens  woll  Koatman  to  Epe  r^t  (ried, 
i»ciult*)  ut  den  Darmssen  hdlen,  do  feind  he  n  lülk  kind  annen  öwer, 
dat  was  ruw  upn  ganssen  Uwe,  f)  Do  sgreggede  de  smett :  ^nimm  mi 
minen  süennen  nig  weg  P  aber  Koatman  neim  dat  kind  inn  back  füll, 
un  löp  dermit  nä  hnse.  Sit  der  tit  was  de  smett  nig  mehr  to  sehn  or 
to  hören.  Koatman  farde  (futterte)  den  ruwwen  up,  un  de  wörd  lin 
beste  un  flitigste  knecht.  Osse  he  aber  twintig  jär  ault  wdr,  sia  he  to 
sinen  buren:  'bOr,  ik  mot  von  ju  gann,  min  vdr  liet  mi  ropen*,  'dat 
spit  mi  je\  sia  de  bür,  'gift  et  denn  gar  nin  middel,  dat  du  bi  mi  bliven 
kannst'?  'ik  will  es  (mal)  sehn',  sia  dat  waterktnd,  'glt  erst  es  (mal) 
no  Branmske  un  hält  mi  en  ni^geu  djangn  (degen);  mer  ji  mjöt  do 
förr  giebi^  wot  de  kaupmann  hebben  will,  un  jau  niks  afhannein\  De 
bür  gönk  no  Braumske  uii  kofde  en  djangn,  hanneide  aber  doch  wot 
nf.  Nu  gongen  se  to  haupe  non  Darmssen,  do  sia  de  ruwu^ei  'aa 
passt  upp,  wenn  ik  int  water  slae  un  et  künunt  bl6t^  dann  mot  Ik 
weg,  kümmt  mjalke^  dann  draf  ich  hi  ju  bliwwen*.  He  slög  int  wa- 
tery  da  kwamm  kene  mjnike  un  niik  k^u  blöd,  gaus  iargerlik  sprak  de 
ruu'we:  'ji  hebt  mi  wpt  wis  maket  un  wot  afliannelt,  dorümme  kommt 
k^u  blöd  un  kene  mjalke.  spöt  ju ,  un  kaupet  in  Braumske  en  ännero 
djangn'.  De  bür  gong  weg  un  kweimwir;  aber  erst  dat  drüdde  mal 
brachte  he  en  djangen,  wa  he  niks  an  awwehannelt  hadde.  Osse  de 
ruiiftve  da  mit  int  water  slog,  do  was  et  so  raut  osse  blody  de  rumt^ 
stö^ted^  sik  in  den  Darmssen,  un  niminsk«  lief  cn  wter  seho. 

f)  auch  bei  Casp.  von  der  Ron  p.  224.  225  hetfst  das  nerwaiider 
'der  rauhe,  der  rauche\    vgl,  vorhin  s.  271.  2T2.  2n. 


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NICÜÜS 

gÜBsUges  zeldiei)  (ehx  strahl  milcli^    ein  toller' 
apfel)  verabredet,  aas  dann  ausbleibt. 

Doch  dafs  ertrinkende  meuschcn  von  dem  nS  _ 
sich  gezogen  vrerden  hat  auch  eine  mildere ,  und  gleich- 
falls heidnische  wendung,  >vir  haben  s.  197  gesehn, 
dafs  ertrunkene  zur  gottin  Rdn  Jahren;  der  spätere 
Volksglaube  läfst  sie  in  der  behausung  des  nix  oder  der 
nixe  aufgenommen  werden.  Nicht  der  üufsgcist  tödtet  die 
im  elcDient  des  wassers  untergegaugnen  menschen^  gütig 
und  erbarmend  tragt  er  sie  in  seine  w^ohnung  und  herbergt 
ihre  seelen.  *)  Der  ausdruck  rdn  scheint  ursprünglich 
eine  allgemeinere  bedeutung  gehabt  zu  haben :  ^maela  rdn 
ok  regln"*  hiefs  eiuem  alles  übel,  alle  bösen  geisler  an- 
imisclien ;  mir  ist  eingefalleu ,  ob  nicht  das  sonst  uner- 
klärUche  schwed.  ra  in  der  Zusammensetzung  «/orä  (nix) 
slogsra  (schrat),  lomtrh  (hausgeisl)  aus  diesem  rdn  ent- 
sprungen sein  könne,  da  die  nord.  spräche  das  N  so  gern 
apocopiert?  TVfe  Hei  und  Hdn  hält  der  Wassermann  die 
seeien  der  im  wasser  amgelomninen  bei  eich  fest ;  nach 
dem  naiven  ausdruck  einer  söge  (no.  52)  'unter  umgekelir- 
tea  topfen^  die  nun  ein  ihn  besuchender  bauer  stülpt, 
augenblicklich  steigen  alle  seelen  durch  das  wasser  in  die 
höhe.  Von  ertrunknen  sagt  man:  *der  nix  hat  sie  an 
sich  gezogen',  oder  'hat  sie  gesogen',  weil  ieichen,  wenn 
sie  im  wasser  gefunden  werden ,  rolhe  nasen  zu  haben 
pQegen.  **)    RoUeuhagen  im  froschmeu seier  (Nn.  11^) :  'das  er 

elend  im  wasser  wer  gestorben, 

da  die  seel  mit  dem  leib  verdorben, 

oder  beim  geist  blieb,  der  ijnmer  frech 

dien  ersojnen  die  hels  abbrech\ 
Der  schwed.  Volksglaube  nimmt  an,  ertrnnkne  menschen, 
deren  Ieichen  nicht  au  den  lag  kommen,  seien  in  die  Woh- 
nung der  liajafr^  eingezogen,  (sv.  vis.  3,  148.)  Nach 
deutschen  marchen  (no.  79)  gerallien  ^kinder,  die  in  den 
bruunen  fallen,  in  die  gewalt  der  Wassernixe ;  gleich  frau 
Holla  gibt  sie  ihnen  wirren  llachs  zu  spinnen. 

Faye  p,  51  führt  einen  norwegischen  scgen  an  ,  den 
man  auf  dem  wasser  gegen  den  nix  aussprechen  solle: 


•)  W8hrsr.heiiilich  gab  es  auch  sn^en  voö  hilfreichen,  rettenden 
flufsgöttern,  wie  bei  den  Griechen  und  Römern  von  Theti«,  Inö,  I.eu- 
coUiea  (Odyss.  5,  333—353),  Albunea,  Matuta. 

*}  däfl.  Siökken  bar  taget  bam' ,  'nökken  bar  suet  dem'.  Tuliins 
ikrifter  2,  13. 


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282  NICBUS 

nyk,   nyk,    naal  i  vatnj 

jom&u  ]Maria  kästet  staal  i  vatn: 

du  8äk,    äk  flyt!  ♦*) 
ein    ähnlicher  für  badende  wird   schied«    abergl,   no,   7i 
mitgetheilt:     slahl    hemnit    einwirkende    gewalt    der    gei- 
sler (oben  «.  263). 

Dumpfer,  dem  todesächzen  ähnlicher  ruf  des  uix 
soll  ertrinken  weissagen  (Faye  p-  51.)  Überhaupt  legen 
scfion  sehr  alte  aufzeichnungen  den  Wassergeistern  weh- 
klagende  stimmen  und  gespräche  bei,  die  an  wcilieni 
luiJ  Seen  erschallen:  entweder  erzählen  sie  sich  ilire  ver- 
eilellen  anschlage,  oder  wie  sie  vor  den  Christen  das  land 
räumen  müssen.  Gregor,  turon.  de  glor.  confess.  cap.  31 
erinnert  sich  aus  seiner  jugend  eines  Vorgangs  ('apud  Ar- 
vernos  gestum\)  ein  frühe  zu  walde  ziehender  maiin, 
lälsi  sich  seine  morgeukost  vorher  segnen ,  eh  er  sie  zu 
sich  nimmt:  cumque  ad  amnem  adhuc  antelucanum  venift- 
set,  imposito  plaustro  cum  bobus,  in  poute  qui  super  na- 
vem  locatus  erat,  allerum  transmeare  cocpit  in  lillus.  ve- 
rum ubi  in  medium  amnis  devenit,  audivit  voccni  dlcen- 
tis  ^merge^  merge,  ne  moreris\  cui  respondens  vox  alia 
ait:  ^sine  tua  otlam  admonitione  quae  proclamas  fecissem, 
si  res  saora  meis  conatibus  nou  obslaret;  nam  scias  cuju 
eulogiis  sacerdolls  esse  munitum,  ideo  ei  nocere  non  pos- 
suni'.  In  der  vila  Godehardi  hiWesiensis  (erstes  viertel  de» 
XI  jh.)  cap.  4  (Leibn.  1,  492)  heifst  es;  erat  eliam  itt 
orienlali  parle  civitatis  noslrae  (Hildeneshem)  palus  horri^ 
fica  et  circummannentibus  omnino  plurali  formidine  in- 
visa,  eo  quod  ibi,  ut  opinabantur,  tarn  mcridiano  quam  et 
nocturno  tempore  illusiones  quasdam  horribilen  vel  au- 
dirent  vel  viderent,  quae  (sc.  palus)  a  fönte  salsuginis  quae 
ibidem  in  medio  buUiebat,  Suiza  dicitur.  qua  ille  (Goder 
hardus)  spectata,  et  illusione  etiam  phantastica ,  qua 
bruta  plebs  terrebatur, '  audila  j  eandem  paludem  seCunJo 
sui  aclventus  anno  cum  criice  et  reliquiis  sanctorum  inva- 
sit  et  habitationem  suam  ibidem  aptavlt,  et  in  medio  pcri- 
culo  Oratorium  in  honorem  s.  Bartliolomaei  apostoll  fun- 
davit,  quo  sequenli  anno  consummato  et  dedicalo,  omne 
daemonum  phantasma  (vgl.  s.  273)  exiude  fundltus  ex- 
stirpavit  et  eundem  locum  omnibus  commorantibiu  vol  ad- 
advenicntibus   gratum   et  sine  qualib^t  tentatione  habilabi- 


*)  sink  du^  Soli  gehe  fort!  so  ruft  Bryoliildr  Buletzt  der  riesio  n: 
^sefkstu  gjrgjar  kynV  Saem.  229*». 


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NICHUS  28S 

km  reddldit.  Die  dritte  stelle  ist  fortsetsung  der  e.  73  aus 
der  vita  8.  Galli  mitgetli eilten  (Pertz  2,  7):  volvento  dein- 
ceps  cursu  temporis  eleclus  dei  Gallus  retia  lympbae  laxa- 
bat  in  silentio  noctis ,  sed  inter  ea  audivit  demonem  de 
culmine  montis  pari.suo  clamantem,  qui  erat  in  abditia 
maris,  quo  respondente  'adsuin',  montanua  econtra, 
^surge'  inquit  4n  adjutorium  mihi,  ecce  peregrini  vene- 
nint,  qiü  me  de  teniplo  ejecerunt  (nam  deos  conterebant, 
qaos  incolae  isti  colebant^  insuper  et  eos  ad  se  converte« 
baDt)  veni,  veni,  adjuva  nos  expellere  eos  de  terri8^  pia^ 
rinus  demon  respondit: 

^en  unus  eoriim  est  in  pelago 

cui  nunquam  nocere  potero, 

volui  enim  retia  sua  ledere, 

sed  me  viclum  proba  liigere: 

signo  orationis  est  semper  clausus. 

nee  umquam  somno  oppressus'. 
plectus  vero  Gallus   b^ec  audiens    munivit  se  undiqne    sig- 
naculo  Cbrisli,  dixitque  ad  eos 

*in  nomine  Jesu  Cbrisli  praecipio  vobis, 

ut  de  locis  islis  recedatis, 

nee  aliquem  bic  lodere  preßumatis!' 
et  cum  festiuatione  ad  littus  rediit,  atque  abbat!  suo  quae 
audierat  recitavit.  qiiod  vir  dei  Columbanus  audiens,  con- 
Yocavit  fratres  in  ecclesiam,  soUtuni  Signum  tangens. 
Q  mira  dementia  diaboli !  voces  servorum  dei  praeripuit 
vox  Janta^matica,  cum  hejulatus  atque  ululatus  dirae 
vocis  audicbalur  per  culmina.  Man  lese  nocb  die  2,  9  fol- 
gende erzäbUiug  von  den  beiden  n^kt  am  ufer  stebendcu,  stein- 
werfenden  sßejrauen.  Überall  treten  hier  die  bekebrer  den 
Leidnischen  dämonen,  als  etwas  v^ij'klicbem,  mit  kreu^  und  se- 
gensformel  entgegen;  dem glockenrühren  weicht  das  klaggebeul 
der  geisler.  götjer  und  geister  werden  nicht  uiilersclüeden; 
der  aus  dem  tempel  geworfne  gott,  dessen  bildseule  zer- 
brochen wurde ,  sinnt  als  alb  oder  nix  auf  racjic.  picrk- 
yrürdig,  dafs  auch  berg  und  waasergeisfer  als  genossen 
(pares)  dargestellt  sind;  in  späteren  volksagen  scheint  ihre 
Verwandtschaft  untereinander  vielfach  begründet. 

Wir  haben  genien  der  berge,  wälder  und  fliifse  be- 
trachtet; CS  ist  übrig  die  zahb-eiche,  vielnamige  schar  der 
freundlichen,  vertraulichen  hausgeister  zu  muslern. 

Von  allen  stehen  sie  dem  menschen  am  nächsten,  weil 
sie  sich  zu  ihm  selbst  gesellen  und  ihre  wolmung  unter 
seinem  eignen  dach  oder  in  seinem  gehöfie  aufschlagen. 


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284  HAUSGEKT 

Was  Jeu  Römern  lar  *)  hiefs ,  lar  familiaris  (man 
sehe  den  prolog  zu  Plautus  Aulularia)  und  penas  j  ^ird 
in  unserer  allen  spräche  hüsing  oder  stetigot  (genius  loci 
genannt,  vgl.  liüsinga  (penates)  N.  cap.  51.  auch  das  span. 
duendey  duendecillo  (kobold)  scheint  aus  domus  herleil- 
bar,  dueiKo  ist  hauseigenthümer  (dominus,  verschieden  von 
don  s.  189)  und  duendo  häuslich,  eiugezogen.  altn.  be- 
deutet tüfl,  schwed.  tomt,  area  domus  vacua  imd  der  liaiis- 
geist  führt  den  namen  schwed.  tomtekarl,  tomtegubbe, 
(der  alte  im  gehöfte),  tomtra,  norweg.  tomteuältey  toft- 
vätte.  In  Deutschland  hin  und  wieder  gesell  (oben  s.  262 
seile,  selke),  gutgeselly  nachhar^  lieber  nachbar,  in  den 
Niederlanden  ^oe(/e  kir/d  (horae  belg.  119),  in  England  ^oo(J 
JelloiVf  in  Dänmark  god  drengy  hiäre  granne^  vgl.  bona 
sovia  s.  175.  179  und  guote  holde  (s,165.)  das  engl,  puch 
licfse  sich  zwar  dem  ir,  phuka,  welschen  pt^  cca,  **)  vielleicht 
aber  mit  mehr  fug  dem  dän.  pog  (junge)  vergleichen, 
welches  nichts  als  das  schwed.  pojke ,  altn.  püki  (puer)  ist 
und  aus  dem  finn.  poica  (filius)  herstammt ;  auch  in  Nie- 
derdeutschland  braucht  man  /woh  von  einem  im  wuchs 
zurück  gebliebenen,  schwächlichen  menschen  (br.  wb,  3, 
349.) 

Seit  dem  13.  jh,  (aus  früheren  gebrechen  uns  vielleicht 
nur  belege)  bis  auf  heute  gilt  die  benennung  kobold,  Con- 
rad von  Würzburg  MS.  2,  206*:  ^mir  ist  ein  löser  hove- 
schalk  als  ein  hobolt  von  buhse'  und  der  JNKsnaere  Amgb. 
48^ :  w^  den  hobolden ,  die  alsus  erstummen !  mir  ist  ein 
holzin  bischof  vil  lieber  dan  ein  stummer  herre'.  Es 
scheint,  man  schnitzte  damals  aus  buchsbaumholz  kleine 
hausgeister  und  stellte  sie  zum  scherz  in  dem  zimmer  auf, 
wie  noch  jetzt  hölzernen  nuisknackern  oder  anderm  blof- 
sem  Spielzeug  die  gestalt  eines  zwergs  oder  gützen  gege- 
ben wird;  doch  könnte  der  gebrauch  mit  einer  allheidni* 
scheu  Verehrung  kleiner  laren,  denen  im  innersten  der 
Wohnung  ein  platz  angewiesen  wurde,  zusammenhangen: 
der  ernst  wandelte  sich  in  scherz,  und  die  christliche  an- 
sieht duldete  die  beibehaltung  des  alten  brauchs.  ***)     Den 


*)  zu  lar  geliort  lorra  (jjpspenst,  dänion)  ,  wie  zu  arar©  amim, 
arvas.     der  monaclius  sangnll.  nennt  den  piiosus  (s.  272)  larra. 

")  Crokers  falry  legeiids  3,  230—232.  262. 

y*)  mau  sollte  dem  alter  und  der  gestalt  des  geräthes,  dac,  läapi 
als  blofäer  zierrat,  auf  ivaud.>(*iuiMike  und  tische  gesetzt  wird,  nacii- 
spüren ;  daraus  und  aus  altiiergebrachten  formen  des  barkwerks  lassei 
sich  einige  folgeningen  gewinnen  für  die  sitte  des  heideutliums,   götieo 


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KOBOLD  283 

stummen  lu^lzernen  kobold   bestätigt   auch   cler  vom  Mis- 
njcre  gleich   darauf  genatinte  hölzerne  bischof.  *)     In  dem 
öfter  angeführten  gedichte  Rüedigers  heifst  17^  der  königsb. 
hs.    *in   koboldes  spräche'.     Aw.  2 ,    55  'einen   ioholt  von 
walise  machen^   (anhang   s.   lvi.)      UofTni.    fuildgruben  ha- 
ben im  glossar  386  aus,  einem  vocabul.   des    14  }h.    opold 
für  kopold.     Hugo  von  Trimberg  gedenkt  verschiedentlich 
der  kobolde :  5064  ^und  l^rn  einander  goukelspil,  unter  de« 
mantel  er  lobolte  mache,    der  manic  man    tougen   mit  im 
lache^;  5576  *der  nidle  ein  andern  toboft  dar,  der  ungez- 
zen  bi  im  sitze';  die  folgenden  stellen  kann  ich  noch  nicht 
aus  dem  bamberger,    nur  aus  dem  alten  druck  beibringen: 
54*  'einer  siht    den  andern   an    als  hobolt  ii.  her  katlter- 
fiian^'j  56<5  'ir  (der  beiden)  abgot,  als  ich  gelesen  h4n,  daz 
waren  hobolt  und  hatherman  **) ;  60»  'got  mühte  wol  la- 
chen, solte  ez  Sin,  ^an  sine  iathermenneKn  s6  wunder- 
lich üf  erden  leben*,     gaukler  bringen  kobolde  unter  ihrem 
luantel  hervor,   kobolde  werden  an  die  wand  gcmahlt,  die 
heidengölter  waren  nichts    als    kobolde    und    kalermänncr, 
sich  einander  ansehen  wie  kobold  und  katermann  ;  überall 
erscheint    hier   der    kobold    als  ein  winziger,    trügerischer 
liausgeist.     Bei   Schriftstellern  des  17  )h.  finde   ich    die  be- 
merkenswerthe   redensart  'lachen  ah  ein  koboldJ*  Ettners 
unwürd.  doct.  p.  340  und   anhang  p.  53;    'lachst  du  doch, 
als  wenn  du    dich  ausschütten  wolltest,    We  ein  hoboW. 
Heimdich  p.  149.     entweder    soll  das    heifsen,    mit   aufge- 
sperrtem maule  lachen ,    wie  ein  geschnitzter  kobold ,    den 
man    vermutlich  so  darstellte,    oder  überhaupt  sehr   heftig 
lachen,  dafs  einem  davon  der  leib  schüttert.  ***)     Schweini- 
chen  1,  260  wird  von  einem  hell  und   laut  lachenden  pol- 
tcrgeist  erzählt;  es  kann  eine  fröhliche  oder  hülmiscli^  Ir- 
che  sein. 

Auch  in    den  Niederlanden  begegnet  'schon   frühe  der 
name  koubout  (pl.  coubouten,  horae  belg.  119);    nnl.    ia- 


zu  schüiteen  oder  zu  teigen  (vgl.  s.  11.  72.  T9.  80.);  teig  begreift  jede 
weiche  masse,  thoii,  wachs  oder  mehl. 

')  v^l.  über  papa  salignus,  Reiiih.  p.  xciv. 

**)  cod.  fraocof.  164a  *kobühJe  uade  katirman'. 

t)  *er  lachte  dafs  er  schütterte* ;  N.  Cap.  33  sagt:  *ta2  lahter 
sculia  sia',  Petronins  cap.  24  ^risn  dissolvebat  iiia  sua';  Reiiiardiis 
3,  1929  'cachinnog  viscera  fissuras',  und  noch  heute:  vor  lachen  ber« 
steo,  sich  krumm,  bück  lieh  ,  kurz  und  klein,  zu  stucken  lachen,  sich 
2u  einem  hulzliu  lachen  (Gryphius  p.  m.  877),  vor  lachetf  braun  oder 
dumm  werden;  einen  schubel  voll  lachen;  vor  lachen  vergehen,  ster- 
beo,  mbd.  *man  »windet  under  lachen'.    Ben.  330. 


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286  KATBRMAN 

boutf  In  Belgien    kaboi,   hahotermannehen  *)  \  ^le  Aordl- 
sehen  dialecte  haben  ihn  nicht. 

Er  ist  ein  fremdes  wort  und  wol  aus  dem  gr.  xo/?«- 
}.0Q,  lat  cobalus  **)  entsprungen,  T  hinzugefügt,  w^il  un- 
sere Sprache  für  ungeheuere,  geisterhafte  weSen  die  formen 
OLT  liebt,  die  franz.  hat  aus  cobalusy  das  auch  mittellat; 
gobelinus  lautet,  gohelin  gebildet,  yielleicht  liefse  sich  ein 
slav.  etymon  annelimhch  machen  ***),  hätten  nicht  auch 
slav.  denkmäler  die  unveränderte  deutsche  form.  Hankas 
altböhm.  glossen  geben  79**  gitulius  (getulius,  gaetulius) 
durch  hobolt  und  unmittelbar  darauf  aplinus  (1.  alpinus) 
durch  latrman:  hier  sehen  wir  also  Kobolt  und  tatf" 
man  nebeneinander  gestellt  gerade  wie  im  refnrier  loholi 
und  Jcaterman;  vielleicht  lesen  einzelne  der  vielen  hsSi 
taterman?  ich  weifs  aber  noch  nicht,  welche  der  beiden 
lesarten  leichter  zu  deuten  ist.  Jener  glossator  mag  sich 
unter  gaetulius  einen  africanischen  wilden,  unter  alptnos 
einen  barbarischen  tartar  (mhd.  sonst  auch  tatter,  tatelcr) 
denken;  er  könnte  hobolt  und  tatrman  in  deutschen  bä- 
chern gelesen  und  zum  theil  misverstanden  haben?  hater^ 
man  hingegen,  von  hater  (cattus)  abgeleitet^  wäre  mit  lieia^ 
zelman^  hinzelman^  dem  namen  eines  hausgeistes  f)  und 
Hinze f  dem  kater  im  Reineke,  zu  vergleichen?  der  ^e^ 
stiejelte  kater  im  märchen  spielt  ganz  die  rolle  eines  gut- 
artigen, hiin-eichen  kobolds;  auch  ein  anderer  lieifst  ftie^ 
fei  (deutsche  sagen  no.  77),  weil  er  einen  grofsen  stiefd 
trägt,  durch  den  Stiefel  werden,  wie  ich  glaube,  gefeite 
schuhe  der  älteren  sage  angedeutet,  mit  denen  es  möglich 
war  schneller  auf  der  erde  und  vielleicht  durch  die  Kfte 
zu  wandeln;  man  denke  an  die  meilenatiefeln  der  mär- 
ehen  und  an  des  Hermes  geflügelte  schuhe.  Den  namen 
Heinze  hat  im  froschmeuseler  ein  berggeist.  Heinze  ist 
Verkleinerung  von  Heinrich,  wie  man  in  Niederdeutsch- 
land einen  andern  poUergeist  mit  dem  diminutiv  von  Joa- 
chim Chimle  nennt  (vgl.  br.  v^b.  5,  379  dat  gimlen): 
die   erzählung  von    Chimmehen  (um    das  j.    1327)  findet 


*)  Scliayes  sur  lei^  üsages  et  traditioni  des  Beiges.  Loovaiflf 
1834  p.  230l 

••)  Lobeck  Agiaoph.  1308—1328. 
•'•)  Tgl.  kobila  («tute  imii  Heuschrecke). 

f)  deutsche  sageo  do.  75 ;  die  erzähl aag  ist  inn  100  jähre  j&D^i 
«15  die  abfaMung  des  Reioeke.  Uinzelmann  läfät  In  der  bettMatt  ein 
grüblein  zurück,  als  ob  eine  katze  da  gelegen  wäre,  früher  schoa 
melden  Lutlieni  tAcbreden  (cd.  1571  p.  44t 4)  ümiiche«  von  ein«* 
geist  ßeiiizUti, 


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HAUSGEISTER  287 

sicU  in  Kantisows  pomeranla  1 ,  333.  Noch  verbreiteter 
scheint  die  gleichartige,  ebenfalls  niederdeutsclie  benennung 
fVolterhen*  Sani.  Meiger  in  der  panurgia  lamiarum  (Hamb. 
1587.  4)  buk  3  cap.  2  handelt  *van  den  laribus  domesli- 
cis  edder  husknechtkens ,  de  men  ok  fVolterhen  nnde 
Chimhen  an  etliken  örden  noniel'.  dieser  fVolterhen 
erwähnt  auch  Arnkiel  (cimbr.  beiden ih.  1,  49),  in  den  Nie* 
derianden  heii'sen  sie  fVouters^  PVouterien^,  Tuinman 
2,  201  hat  das  Sprichwort :  'l'is  een  wilde  wouter\  denkt 
aber  dabei  unrichtig  an  wout  (silva) ;  Wouter,  Wolter,  ist 
nichts  als  der  dem  haiisgeist  beigelegte  menschliche  eigen- 
name  Walther,  Es  stimmt  ganz  zu  der  Vertraulichkeit  des 
Verkehrs  zwischen  menschen  und  diesen  geistern,  dafs 
ihnen,  aufser  den  üblichen  appellativen,  auch  noch  gewisse 
nomina  propria,  die  diminutiv  form  von  Heinrich,  Joachim 
und  Walther^  gegeben  werden.  Nicht  anders  nelnne  ich 
Aohin  und  Nissen  in  der  gewöhnlichen  benennung  des 
englischen  und  dänischen  kobolds  Bobin  good  fellow  und 
Nissen  god  dreng.  Robin  ist  die  französischenglische  form 
des  mannsnamens  Robert,  d.  i.  des  ahd.  Hruodperaht,  mhd« 
Ruolperht,  nhd.  Ruprecht,  Rupert,  und  Robin  fellow  der 
nemliche  hausgeist,  den  wir  in  Deutschland  Inecht  Ru^ 
precht  nennen  und  zu  Weihnachten  den  hindern  erschei- 
nen lassen.  Nisse,  Nissen  (nur  in  Dänmark  und  Nor- 
wegen, nicht  in  Schweden  gangbar)  mufs  man  aus  Niels, 
^Jf  eisen,  d.  h.  Nicolaus,  Niclas  *)  erklären,  nicht  aus  dem 
hd.  appellativ  des  Wassergeistes  nix,  womit  es  gar  nichts 
gemein  hat  und  der  dän.  nük,  nok  (s.  276)  lautet.  **)  Eine 
bestätigung  finde  ich  in  der  sitte,  dem  Niclaus,  Claus  oder 
Clobes  dieselbe  rolle  anzuweisen,  welche  Raprecht  in  an- 
dern gegenden  spielt,  auf  letztern  möchte  ich  schon  Gf- 
terdingens  worte  MS.  2,  2^  beziehen :  ^Rupreht  mtn  Ineht 
muoz  iu>ver  hdr  gelich  den  tören  schem*. 

Andere  benennungcn  sind  vom  geräusch  hergenommen, 
das  diese  geister  in  häusern  verursachen,  man  hört  sie 
leise  springen,  a^-den  wänden  klopfen,  auf  treppen  und  bo- 
den  poltern  oder  rumpeln,  soterai,  sotret  (springer)  mem« 
de  l'acadi  celt.  4,  91 ;  ekerhen  (eichhörnchen)  deutsche  sa- 


*)  neben  dem  familiennamen  Nielsen  ist  in  Danmärk  die  form 
Nissen  üblich,  nnd  kann  nur  dauöibe  bedeuten,  nicht  kobold  oder  nix. 

**)  ahd.  HS,  nhd.  CHS  wird  plattdeutscJi  zu  SS,  bleibt  aber  dä- 
nisch X  ^=:  KS,  z.  b.  sechs,  a||d.  sehs,  nnd.  ses,  sesse,  dän.  sex; 
wachs,  ahd.  wahs,  nnd.  was,  gen.  wasses,  dän.  vox  j  Sachse,  abd^  Sahso, 
und.  Sasse,  dän.  Sazer. 


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288  HAUSGEISTER 

gen  no,  78 ;  poUerffeisf,  nimpelgeisfj  im  kindermarchea 
(no.  55)  rumpelstilz,  bei  Fischart  rumpelstilt;  *)  ein  be-* 
stiminter  kobold  beifst  hlopfer  (deutsche  sagen  no.  76), 
vielleicht  ist  auch  in  dieser  bezieliung  hämmerlein ,  he- 
nierlein  (oben  s.  124)  auf  teuflische  liausgeister  angewen- 
det worden,  niederd«  bullinann,  buUermann^  butierka-^ 
tery  von  bullen,  bullern  (poltern.)  pophart ,  bei  FiscLart 
jenem  rumpelestilt  identisch,  ist  von  popeln,  popern  (schnell 
und  schwach  anklopfen,  pochen)  **)  abzuleiten ;  an  andern 
orten  popel,  pöpel,  popelmann  y  popanz,  gewöhnlich  mit 
dem  nebensinn  eines  kind erschreckenden  gespenstes^  selten 
von  lustigen  freundlichen  kobolden  gebraucht. 

Ahnliche  formübergange  erscheinen  in  den  namen 
mumJiart  (schon  Caesarius  beislerb.  7,  46  'mummart  mo- 
mordit  me'),  mummel,  mummelmann ,  mummanz^  ***) 
die  vollkonmien  denselben  begrif  ausdrücken,  mitnimeo, 
mummeln  bedeutet  einen  dumpfen  laut  von  sich  geben; 
oder  darf  man  an  muniel  j  muomely  den  namen  des  vras- 
sergeistes  (s.  276)  denken?  übrigens  ist  vermummen  (ver- 
kleiden), mummerei  (larva)  die  nachahmung  des  gespenstes, 
nicht  das  gespenst  von  der  Verkleidung  benannt. 

Schon  im  13  jh.  sagte  butze  dasselbe  aus,  was  mumm- 
art  und  poppart:  'ein  xxns^eiimreT  butze  Martina  116®  224*5 
*si  sehent  mich  niht  m^r  an  in  butzen  wts'  Walth,  28, 
37 ;  'den  butzen  vorht  er  kleine,  als  man  du  seit  von  kin- 
den' Albr.  Tit.X,  144;  'ein  Hnderbutze' hs.  1;  617;  'forfit 
ich  solchen  bützet  Ls.  1^  380^  wo  von  einem  wiiitel  die 
rede  ist.  schrecken  mit  dem  butzen,  den  butzen  (die  larvc) 
abzerren  ;  butzen  aatlüt ,  butzen  kleider  bei  Kaisersperg 
larva  (Oberlin  209.)  So  noch  heute  fast  in  ganz  Deutsch- 
land :  der  butz  kommt,  der  butzemann^  butzelmann^  im 
im  Elsafs  auch  butzniumniel,  was  blitz  oder  mummel  allein. 
butzenmann,  Fischarls  bienkorb  194»  butz  Garg23l*.  in 
Baiern  fasnachtbutz,  buzmann ,  buzibercht ,  mit  »jenem 
Berchta  oder  bercht  (s.  170. 171)  zusammengestellt;  der  iw^s- 
ipinkel  (Schlupfwinkel),  butzlfinster^  stockfinster,  so  dafs  die 
erscheinung  des  geistes  gefürchtet  wird;  'der  putz  würde 
une  über  berg  und  thäler  tragen'  (Sclim.  1,  229.  230);  der 
hutz^   der  vv^anderer  auf  abwege  führt  (IVluchar  Gastein  p. 


*)  stilt,  9t ih  das  alte  statt  in  zosamnensetzaiisen?  gnmiB. 
2,   527. 

'•)  SUld.  1,  204.    ScIim.  1,  292.  828. 

•••)  für  iiinmliaBs,  wie  popanz  f.  pophans,  deiiB  maii  «agte  tuen 
bllndhans,  grobhaus,  karstliaos,  scltarrhana  o.  a.  w.- 


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HAÜSGElSTEa  28» 

145.)  iaScUwaben  butzenmaiikler  (von  mauclieln,  heim- 
licbdiun)  btUzenraule,  bntzenrolle^  rollputz^  butzenbell, 
(weil  der  geist  mit  rollen  und  schellen  rasselt  und  klin- 
gelt), batzenbrecht  (Schmid  111.)  in  der  Schweiz  bootzi, 
bozi  (St*  1,  204.)  mehrere  vorstell angen  greifen  dabei  in- 
einander, bald  erscheint  ein  ungeheurer,  kinder  fortschlep- 
pender blitz  ^  bald  ein  winziger  bützely  daher  man  auch 
hützel^  butzigel  verächtlich  von  kleinen,  ungestalten  ge- 
schüpfen  sagen  hört,  auf  gleiche  weise  gilt  niederd.  bat 
Ton  kurzen,  dicken  kindern ,  buUen,  verhütten  heifsl  im 
wuchs  zurückbleiben,  verknorzen ,  der  popanz  aber  führt 
den  nanien  butte^  butle^  budde ,  buddele:  'dat  di  de 
hulte  uig  bit^  sagt  man  spöttisch  zu  kindern,  die  sich  im 
dunkeln  fürchten  (brem.  wb.  1,  173.  175),  und  der  Was- 
sergeist in  dem  kindermiirchen  uo.  19  butt  oder  buttje 
gehört  gewis  hierher,  die  benennung  ist  nur  auf  einen 
stumpfköpfigen  fisch  ^  den'  rhombus  oder  passer  marin us 
übertragen  worden.  wahrscheinlich  auch  buttemanriy 
huttmann  ;  häufiger  die  verkürzte  form  buman  (br.  wb. 
1,  153.)  nnl.  bytebauw  (f.  buttebauw),  das  ich  dem  nd. 
huba  (br.  wb.  1,  152)  vergleiche.  Es  ist  schwer  die  ab- 
stanunung  dieses  butze^  butte  anzugeben ;  ich  möchte  ein 
verlornes  golh.  biuta  (tuudo,  pulso),  baut,  butum ,  ahd. 
piuzu,  pöz,  puzum  annehmen,  wovon  das  alid.  anapoz  (in- 
cus),  das  mhd.  bözeu  (pulsare)  gebiuze  (pochen,  lärmen) 
Nib.  1823,  2.  fragm.  40,  186  ;  butze  bezeichnet  einen  ])0- 
chenden,  klopfenden  geist,  stimmt  also  ganz  zu  dem  bc^If 
von  mumhart  und  pophart,  *)  vielleicht  steht  auch  ein 
bözhart  oder  buzhart  nachzuweisen. 

Da^  franz.  follet^  ital.  folletto  ist  die  Verkleinerung 
von  /6/,  fou,  das  wie  foUis  (blasebalg)  von  einem  veral- 
teten follere,  follare  (sich  hin  und  lier  bewegen)  abgeleitet 
werden  mag.**)  lutin^  auch  Inton  y  vielleicht  vom  lat. 
luclus,  ein  wehklagender,  trauerkündender  geist?  das  span. 
/rrw^o '(kobold)  von  trasegar  umkehren,  umstürzen?  lilth. 
bildulhas^  bildunas^  bildziuhs  (poltergeisl)  von  bildenti 
(poltern,  rasseln);    grozdunäs   von   grüdzia  (es  poltert) J 


*)  weil  das  ungelieare  zugleich  das  widerwärtige  f  nnreiae  enthält, 
wird  nicht  befremden ,  dafs  butze  und  popel  beide  mticus ,  iinflat  ausf 
drücken  (Oberlia  210.  Scbm.  1,  291.)  ebenso  Schweiz,  böög  (St.  f, 
203). 

**)  Ratherias  ed.  Ballerini  p.  314:  'merito  ergo  follis  latiali  m- 
•ticitate  vocariü,   qaoniaoi  veritate  vacans.'  Wilhelm,  meteos.  ep.  3^ 
*foUem  me  nistico  rerbo  appelltsti.' 

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290  HAUSGEISTER 

sloven.  ftrapmih^  serb.  straschilo,  böhm.  strassidlo,  poln. 
straszydlo  von  sstrachati  (pollern)?    oder  strach  (lerror)? 

Doch  genug  der  namen,  sicher  waren  manche  andere 
anzufüliren:  es  ist  zeil  das  wesen  und  die  Verrichtungen 
dieser  Baiisgeister  selbst  zu  betrachten. 

In  geslalt^  aussehen  und  tracht  konunen  sie  den  elben 
und  Zwergen  gleich,  und  der  spitze  rothe  hut  mangelt 
nicht.  Hutcfiefiy  der  hildesheimische  kobold,  führt  davon 
seinen  namen.  ein  pilz  mit  breitem  deckel  heilst  dän. 
nissehat  (koboldshut.)  den  norwegischen  Nissen  steflt 
man  sich  klein  wie  ein  kind  vor,  aber  stark,  graugekleidct, 
mit  roiher  pechhaube  und  ein  blaues  licht  *)  bei  nacht 
tragend.  **)  Sie  können  sich  also  nach  gefallen  den  men- 
schen sichtbar  oder  unsichtbar  machen.  Ihrer  gejeiien 
schuhe  oder  Stiefel  wurde  s.  286  gedacht;  damit  ist  es  ih- 
nen leicht,  die  beschwerUchsten  wege  in  gröfster  schneBe 
zurückzulegen :  Hütchens  rennpfad  zog  sich  gerade  über 
gcbirge  und  wälder  hin  (deutsche  sagen  1 ,  100.)  ***)  Mit 
dieser  fufsautstattung  und  Schnelligkeit  verbindet  sich  hin 
und  wieder  thierische  gestalt  und  benennung:  Heinzc, 
Heinzelmann,  pollerkater,  katermann,  sticfelkater,  eicliliBrn- 
chen;  ihrem  schleichen  und  treiben  im  haus  gleicht  die 
nächtliche  unruhe  polternder  kalzen.  f)  Sie  wohnen  gern 
in  stall,  Scheune  oder  heller  des  menschen,  dem  sie  sich 
zugesellen,  zuweilen  auch  in  einem  dem  hause  nah  ste- 
henden bäum  (schwed.  boträ.)  von  solchem  bäum 
uarf  man  keinen  ast  abbrechen^  sonst  entweicht  der  zär- 
neiide  kobold  und  mit  ilim  alles  gluck  ans  dem  haus;  er 
kann  auch  nicht  leiden  dafs  donnerstags  abend  im  hof  ge- 
hauen oder  gesponnen  werde  (schwed.  abergl.  no.  110.)+i) 
In  den  hausgeschäften  erzeigen  sie  sich  freimdlich  und  zu- 
thätig,  vorzüglich  in  tüche  und  stall.  Sam.  Meiger  sagt 
von  den  wolterkens;  *se  vinden  sik  gemeinichlich  in  den 
hüseren,    dar    ein  god    vörrad   van    allen  dingen  is*    dar 


V     *)  Tgl*  da«   blaue  licht  dea  achwarzen  mäooclieos  (kioderm.  aa. 
116.). 

••)  J.N.  Wil»e  beskrivelae  over  Spydeberg.  Cliristiania  1779  p.  418. 
•••)  80  wird  vou  einem  chemin  des  fees   (mein.   celt.  4,  240),  fon 
einem  tröUaskeid  (curriculum  gigantum)  Laxd.  saga  66  geredet. 

t)  iiexen  nnd  feen  utiimen  oft  katzengestaU  an,  und  katxea  aiad 
beaonder«  verdächtige  zauberhafte  thiere. 

ff)  übereinstimmend  WiUe  a.  a.  o. :  temlegubben  skal  have  tia 
eilhold  under  gamle  iräer  ved  stuehuaet  (boefräer)  og  derfor  liar  nwi 
tj  tordet  falde  disae  gandsice.  auf  diesen  Zusammenhang  der  hau5gei- 
ster  mit  dem  baumcultus  soll  noch  im  verfolg  zurückgekommen  werdea. 


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HAUSGEISTER  291 

schOleu  se  srk  bedenstbaftigen  anstellen,  waschen  in  der 
koken  up,  böten  vür,  scbiiren  de  vate,  scbrapen  de  perde 
im  stalle,  voderen  dat  quik,  dat  it  ret  u.  glat  berin  geit, 
llieen  water  und  dragent  dem  vebe  vor.  men  kan  se  dea 
uachtes  boren  de  ledderen  edder  treppen  up  u,  dal  stigen, 
lacken,  wen  ae  den  megeden  efte  knecblen  de  decken  af- 
theen,  se  richten  to,  houwen  in,  jegen  dat  geste  kamen 
schulen,  *)  suiiten  de  wäre  in  dem  liuse  umme ,  de  den 
morgen  gemelnlikeu  darna  verköft  wert'.  Der  kobold  ist 
also  ein  diensamer,  fleifsiger  geist,  der  seine  freude  daran 
hat,  den  knecblen  und  mägden  in  der  bausarbeit  beizu- 
springen und  insgeheim  einen  tbeil  derselben  tu  verrichten, 
er  striegelt  die  pferde^  kämmt  ihre  mahnen  aus  **),  gibt 
dem  vieh  futter  vor  ***) ,  zieht  aus  dem '  brunnen  wasser 
und  tränkt,  mistet  den  stall,  den  mägden  macht  er  feuer 
ein^  spült  die  schusseln  aus,  spaltet  mid  trägt  holz,  kehrt 
und  fegt,  sein  dasein  bringt  glück  und  gedeil^n  ins  haus 
sein  abgang  entzieht  sie.  er  gleicht  den  hilfreichen  erd- 
männlcin,  die  in  der  feldarbeit  beistehen  (s.  254.)  Aber 
zugleich  führt  ei"  aufsieht,  dafs  alles  im  haushält  ordent- 
lich hergehe;  faules  und  ffilitlässiges  gesiude  hat  von  ihm 
(wie  von  Holla  und  Berhta  S.  166.  167)  zu  leiden,  er 
zieht  den  trägen  die  decke  vom  bett  ab «  bläst  ihnen  das 
licht  aus,  drelit  der  besten  kuh  den  hals  zu,  stufst  schlam- 
pigen melkmägden  den  kubel  um,  dafs  die  milch  verschüt- 
tet und  spottet  ihrer  durch  höhnisches  gelacht  er ;  seine  gut- 
mütlgkeit  wandelt  sich  in  neckerei  und  Schadenfreude ,  «r 
wird  zum  guälgeist  und  plagßgeUt,  der  j4gentund  \n\ 
Reinardus  4,  859  —  920  scheint  mir  nichts  als  ein  vom 
dichter  entstellter  und  übertriebner  hausdämon ,  der  die 
magd  im  schlaf,  melken  und  buttern  s^tört.  f ) 

Dienstboten,  die  sich  gut  mit  ihm  stehen,  setzen  von 
den  speisen  ein  besonderes  napfchen  bei  seite ,  was  wol 
noch  auf  kleine   opfer  deutet ,    die   ihm  im    alterthum  ge- 


*)  man  sagt,  es  zeige  gaste  at^,  wenn  sich  die  katze  den  bart 
putzt. 

••)  wie  die  weifse  frau  (Bertita),  ton  deren  Wachskerzen  in  die 
mahne  ^efällne  tropfen  früfrmorgeivs  d^en  nUchtUchen  besuch  anzeigen 
(deutsche  sagen  iio.  122.) 

••')  oft  hat  er  aber  eiiif  liebHuj^spferd ,  das  er  besonders  pflegt;  er 
almmt  den  andern  das  beii  aus  der  krippe  Weg  nnS  trägt  es  jenem  zu. 
Faye  p.  44, 

t)  die  Schilderung  Seiner  gestalt  (pferdemahne ,  habichtsschnabel, 
katzenschwänz,  ziegenbart,  octraenhömer  und  bahnfnfs)  mag  hinzu  er- 
funden seiki. 

19* 


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292  HÄUSGEISTER 

bracht  wurden  (s.  252.)  oft  gescliielit  es  aber  nur  an  fest- 
tagen  oder  einmal  wöchentlich,  er  ist  genügsam  und  ninunt 
mit  einer  schaale  grülze ,  einem  stück  kuchen ,  einem  glase 
hier  yorlieb ,  die  ihm  alsdann  hingestellt  werden ;  an  sol- 
chen abenden  hat  er  nicht  gern^  dafs  innerhalb  oder  au- 
fserhalb  der  thüre  eine  lärmmachende  arbeit  vorgenommen 
wird,  man  nennt  das  in  Norwegen  *at  holde  qvelvart* 
(qvcUsvart),  abendrulie  halten«  wer  ihn  sich  geneigt  wünscht, 
gibt  ihm  gute  worte :  *kiäre  g ranne  ^  giör  detP  (lieber 
nachbar  thu  das),  und  er  antwortet  in  gleichem  ton.  er 
suU  zuweilen  seine  Vorliebe  zu  dem  hausherrn  so  weit 
treiben,  dafs  er  aus  der  scheune  oder  dem  stall  ando^ 
bauem  heu  und  siroh  entwendet  und  es  jenem  zuträgt. 

Der  Nissen  liebt  den  mondschein,  und  zu  wintersxeit 
sieht  man  ihn  munter  über  den  hof  springen,  oder  in 
Schlitten  fahren,  auch  versteht  er  sich  auf  tanz  und  mu- 
sik,  und  man  ^erzählt  von  ihm,  was  von  dem  schwed. 
slrömkarl  (s.  278 j,  dafs  er  für  ein  graues  schaf  die 
leute  im  geigenspiel  unterrichtet.*) 

Er  führt  gern  lustige  streiche  aus,  und  wenn  es  ihm 
gelungen  ist,  möchte  er  sich  krumm  lachen  vor  ergötzen: 
daher  jenes  hoboldische  lachen  (s.  285)  und  hichera, 
aber  auch ,  wenn  er  schmollt ,  und  einem  übel  will ,  den 
er  in  noth  und  Verlegenheit  gebracht  hat,  erschallt  seiii 
spöttisches  gelächter  ans  vollem  hals.**) 

Als  getreuer  kr/echt  hält  er  es  mit  dem  hausherrn^ 
dem  er  einmal  zugethan  ist,  aus  in  freud  und  leid.^  seine 
anhänglichkcit  erscheint  aber  oH  lästig,  und  man  kann 
ihn  nicht  wieder  los  werden.  Ein  bauer  zündete  die 
Scheune  an,  um  den  darin  hausenden  kobold  zu  verbren- 
nen; als  sie  in  vollen  flammen  steht,  sitzt  der  geist  hin- 
ten auf  dem  karrn ,  in  welchem  das  gut  geflüchtet  wiutle 
(deutsche  sag.  no.  72.)  ähnliches  hat  Thiele  I,  136  und  ein 
irisches  elfenm.  p.  93.  ***) 


*)  wenn  nicht  Wilse  (a.  a.  o.  419)  Nissen  und  nocken  vermischt; 
doch  iftt  auch  Goldeimir^  ein  deutscher  kobold,  der  musik  koodig 
(ir.  elfenm.  lxxxiii.)  Wilse  und  Faye  p.  43  —  45  ^eben  die  l>es(e 
uactiricht  von  dem  uorweg.  Nissen ,  Thiele  1,  134.  135  von  dem  dä- 
nischen. 

••)  Walt.  Scott,  minstrehy  i,  cni.  civ  gedenkt  eines  schotti- 
schen kobolds  Shellycoat  (Schellenrock),  eines  nordenglischen  ßrog 
oder  Barguesf  i   *he  usually   pnded  his   mischievous  frolics  wilh  a  her- 

*"•)  der  alraun  oder  das  gal^enmännchen  (deutsche  sag.  no.  83« 
B4)  ist  kein  eigentlicher  kol>oId ,  ,  sondern  ein  aus  einer  Wurzel  g^e- 
schnitstes   halbteuflisches   wesen   von  ganx  kleiner  gestalt»   so  dafs  es 


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HAUSGEISTER  203 

Es  gibt  auch  kobolde^  die  gleich  den  nixen  oder 
waldgeistern  in  keines  menschen  dienst  stehen^  sondern 
unabhängig  leben,  wird  ein  solcher  gefangen,  so  bietet 
er  geschenke  an  oder  weissagt,  um  wieder  in  freiheit  ge- 
setzt zu  werden.  Von  dieser  art  ist  der  butt  im  kinder- 
märchen  und  der  f ölet  bei  JNlarie  de  Fr.  2,  140,  welcher 
drei  wünsche  (oremens)  gewährt,  ebenso  thut  der  gefangne 
marmennil  (s.  244)  oder  die  meerfrau. 

Feindselige  poltergeiste/\  plagegeisier^  quälgeistery 
die  ein  haus  besessen  haben,  unterscheiden  sich  von  den 
freundlichen,  gutmütigen  dadurch,  dafs  sie  gewöhnlich  eine 
ganze  bände  bilden,  die  den  hauseigenthümer  durch  nächt- 
Uches  poltern  und  pochen  in  seiner  ruhe  stört  und  auf 
vorübergehende  vom  dach  herab  steine  wirjt.  Eine  franz. 
comödie  des  16  jh.  ^les  esprits' *)  stellt  kobolde  vor,  die 
in  einem  hause  poltern,  bei  nacht  singen  und  spielen,  bei 
tag  ziegeln  auf  vorübergehende  u^erfen/^  feuer  macht 
ilinen  ireude,  wenn  der  hausherr  ausspeit,  toben  imd 
lermen  sie  heftig.  **)  Auch  bei  Gervas.  tilber.  cap.  18 
werfen  die  folleti  mit  steinen  ^  und  solchen  steinwürfen 
werden  wir  schon  in  alten  teufelssagen  begegnen;  über- 
haupt erscheinen  in  dieser  beziehung  die  poltergeister  melir 
teuflisch  und  gespenstisch^  als  elbisch:  es  ist  eine  der 
christlichen  ansieht  angemessene  Verfinsterung  und  entstel- 
lung  ihrer  ursprünglichen  natur. 

So  erklärt  es  sich  endUch,  wie  der  alte  trauliche  und 
getreue  hausfreund  des  heidenthums  allmälich  zum  schreck- 
bild  und  gespötte  der  kinder  herabgesunken  ist:  ein  loos, 
das  er   mit  göttinnen   und   göttern  der  vorteil  theilt.    In 

in  einem  glas  renrahrt  werden  kann;  es  mnfs,  wie  ein  gotze»  ge- 
bji<let  nod  gepflegt  werden,  darin  aber  gleicht  es  dem  hausgei«t,  dafs 
es  auch  nicht  von  seinem  besitzer  weicht,  und  selbst  weggeworfen 
immer  wieder  zurücltkehrt ,  es  sei  denn ,  dafs  es  wolilfeiler  erkauft 
^erde ,  als  es  erstanden  ist,  der  letzte  käufer  mufs  es  bebalten. 
Siiupliciss.  2,  184.  203, 

')  comedies  facecieuses  de  Pierre  de  TArivey,  champenois,  Lyon 
1597.     Rouen  1611  p.  242  ff. 

'•)  legenda  aurea  cap.  177 j  'hujus  Lndovici  tempore,  anno  do- 
mini  856,  ut  in  quadam  chronica  habetur,  in  parochia  maguntina 
malignus  s^irituit  parietes  domorum  quasi  malleh  puhando,  et  ma- 
nifeste loqnendo  et  discordias  seminandp  ädeo  homines  Infestabat,  nt 
quocumqne  intrasset,  statim  illa  domus  exureretur,  presbyteris  au- 
tcm  letanias  ageutibus  et  aquam  benedictam  spargentibus  inimicus  /a- 
lides  jactahat  et  multos  cruentabat.  tandem  aliquando  conquiescen« 
confessus  est,  se,  quando  aqua  spargebntur,  suh  capa  talis  sacer- 
dotfs  quasi  fandliaris  sui  latuisüe,  accusaus  eum  quod  cum  Ali« 
procnatorif  in  peccatum  lapsus  fueriL* 


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294  HAUSGEISTER 

der  Normandle  droht  man  den  kindern :  ^le  gobelin  vbus 
mangera,  le  gobelin  vous  attrapera*.  Nicht  mehr  als  klei- 
nes bützel,  sondern  als  ftipchterlioher  butzemann  scheucht 
er  (gleich  der  roggenmuhme,  s.  270) ;  es  ist  bemerkenswerth, 
dafs  zu  Weihnachten  kriecht  Bupert,  inecht  Nicolas,  ^ye- 
nigstens  in  einigen  gegenden,  nicht  für  sicli  auftreten,  son- 
dern neben  dem  eigentlich  bescherenden  Christkind,  oder 
neben  frau  Berhta :  während  diese  ihre  gaben  austheilen, 
erscheinen  sie  mit  ruthe  und  sack  und  der  drohung,  un» 
gehorsame  kinder  zu  sclilagen,  ins  wasser  zu  tragen,  ih- 
nen die  äugen  auszublasen  (rockenpliilos.  6,  353.)  Ihre  pos- 
sen,  ihre  rauheit  ist  die  folie  des  milden,  höheren  We- 
sens ,  von  dem  die  gaben  ausgehen ;  sie  sind  dem  fest  so 
nothwendig  wie  dem  alt^n  histspiel  der  hanswurst,  ich 
kann  mir  wol  denken ,  dafs  schon  ipi  heidenthum  der 
gottheit ,  deren  erscheinung  gluck  und  heil  verkündigte, 
ein  histiger  alb  *oder  zwerg,  als  diener ,  zur  seile  stand, 
und  ihre  Segnungen  dem  gemeinen  häufen  versinnlichte. 
In  christlicher  zeit  mochte  man  zuerst  dem  Christkind  oder 
der  muttergottes ,  bei  ihrer  gabenspende,  einen  heiligen 
zugesellen,  der  aber  unvermerkt  wieder  in  den  alten  ko- 
bold,  und  in  einen  vergröberten,  ausartete.  Nicolaus, 
Ruotberht  haben  sich  in  einen  knecht  Clobes  und  Rupert 
verwandelt;  der  Ostreich.  Orampus  (Höfer  1,  313.  Schni. 
2,  110)  ist  vielleicht  aus  Hieronymus  ^u  deuten,  ich  weifs 
nicht  wie  der  schweizerische  Schniutzli?  (Stald.  2,  337.) 
Statt  Grampus  auch  Bärthel  (Bartholomäus?)  und  Klaub-- 
aujy  rasselnd,  polternd,  nüsse  werfend  (Denis  lesefr.  1, 
131.) 

So  bricht  einigemal  noch  ein  früheres  verband  durch 
zwischen  göttem,  weisen  frauen  und  genien.  der  pfeil- 
sendende alb  ist  diener  oder  gehUlJe  des  hohen  don- 
nergottes,  der  kunstreiche  zwerg  hat  die  donnerkeile  ger 
schmiedet;  sie  tragen  göttliche  hehne  der  unsichtbarkeit, 
des  hausgeistes  füfse  sind  noch  mit  wunderbarem  gcschühe 
versehen;  Wassergeister  können  die  gestalt  von  fischen 
und  seerossen,  hausg^ister  die  von  katzen  anne|imen. 
Dem  weinenden  nix  wie  dem  lachenden  kobold  ist  das 
geheimnis  zauberhafter  töne  kund  und  sie  eutluiilen  es 
auch  dem  opfernden  menschen,  von  altem  genien  und 
dämonencultus  zeugen  opfer^  die  den  geistern  der  berge, 
des  Waldes,  der  seen,  des  hauses  gebracht  wurden,  ko- 
bolde  geleiteten  vermutlich  die  erscheinung  einzelner  goll- 
heiten  .  unter  den  menschen,  voraussieht  des  künftigen, 
weissagende  gäbe  war  den  meisten  genien  eigen;   ihre  ua- 


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GEISTER  295 

versiegliclie  heiterkelt  steht  z\^isc1ieB  der  götter  erhaben- 
Iieit  und  dem  crust  der  sterblichen,  zu  den  menschen 
fühlen  sie  sich  hingezogen  und  von  ihnen  zurückgeslofscn. 
der  Untergang  des  heidcnlhums  mufsle  vieles  in  dem  her- 
gebrachten Verhältnis  ändern:  die  geister  erschienen  fürch- 
terlicher ,  gespensterhaft ,  als  diener  und  boten  des  teu- 
feis. *)  einige  nehmen  wilderes,  riesenmafsiges  aussehen 
an,    zumal  die  waldgeister. 

Durch  das  ganze  wesen  der  elbe,  nixe  und  kobolde 
geht  ein  leiser  grundzug  von  unbefriedigung  und  trostlo- 
sigkeit:  sie  wissen  ihre  herrlichen  gaben  nicht  recht  gel- 
tend zu  machen,  und  bedürfen  immer  der  anlehnung  an 
die  menschen.  Niclit  nur  streben  sie,  ihr  geschlecht  durch 
lieiralh  mit  mensclien  zu  erfrischen,  sie  haben  auch  zu 
ihren  angelegenheilen  des  rathes  und  beistandes  der  men- 
schen vonnölhen.  obgleich  geheimer  heilkräfte  der  steine 
und  kräuter  in  höherm  grade  als  die  menschen  kundig 
(8.254),  rufen  sie  dennoch  zu  ihren  kranken,  und  krei- 
fsenden  frauen  menschliche  hilfe  (s.  25  ) ,  leihen  von  den 
mcnsclicn  back  und  braugeräthe  (s.  256)  und  feiern  selbst 
ihre  hochzeiten  und  Feste  in  sälen  der  menschen,  daher 
auch  ihr  zweifei,  ob  sie  der  erlüsung  theilhaftig  werden 
kounen,  und  der  unverhaltne  schmerz,  wenn  verneinende 
autwort  erfolgt. 


•)   bruder  Rausch    (friar   Rußh)     ein    leibhafter    kobold,     wir«i 
gcradezB  aus  der  höUe  unter  die  moncbe  abgesandt. 


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296  RIESBDf 


CAP.  XIV.    RIESEN, 

Das  Verhältnis,  in  welchem  die  riesen  zu  den  zweiten 
und  menschen  stelin,  wuixle  schon  s.  253  angegehen.  so  weit 
an  leiblicher  gröfse  und  starke  der  mensch  dem  alb  oder 
zwerg  überlegen  ist,  bleibt  er  hinter  dem  riesen  zurück; 
dagegen  hat  das  geschlecht  der  elbe  und  zwerge  aufge- 
weckteren geist,  feineren  verstand  als  das  der  mcasclien, 
und  wiederum  sind  darin  die  riesen  tief  gestellt  unter  die 
menschen.  Die  rohe,  derbe  riesennatur  trotzt  auf  das  ge- 
fühl  ihrer/  sinnlichen  gewalt  und  kraft,  der  schlaue,  scheue 
zwerg  ist  sich  seiner  geistigen  Überlegenheit  bewiist.  Dem 
menschen  ist  eine  glückliche  mitte  beschieden  worden,  die 
ihn  der  unbändigkeit  des  riesen,  wie  der  list  des  zwerge 
Überhebt,  und  er  steht  als  sieger  zwischen  beiden.  Der 
riese  begeht  und  leidet  unrecht,  weil  er  in  seiner  unge- 
schlachtheit alles  geringschätzt  und  sich  selbst  an  den  göt- 
tern  vergreift;  dem  verschlagnen  zwerg,  welcher  gut  und 
böse  unterscheidet,  gebricht  der  wahre  mut  freier  und 
unabhängiger  handlung.  In  der  Schöpfung  ist  der  riese, 
als  das  sinnliche  dement,  vorangegangen  und  hernach  erst 
das  geistige  der  elbischen  natur  gefolgt,  zuletzt  durch 
das  menschengeschlecht  ein  gleichgewicht  hergestellt  wor- 
den, die  abstufung  mindert  und  schwächt  sich  aber  von 
beiden,  selten  in  häufigen  Verbindungen  der  riesen  oder 
zwerge  mit  den  menschen,  und  zum  deutlichen  beweis, 
wie  weit  sich  die  dichtung  des  alterthums  von  starren  ge- 
gensätzen  fern  hält,  auch  den  frühsten  riesen  wird  sinn 
und  klugheit  beigelegt. 

Es  gibt  eine  reihe  alter  benennungen^  die  dem  begrif 
unaeres  heutigen  riese  entsprechen. 

Die  älteste  und  allgemeinste  nordische  lautet  iö'tunn, 
pl.  iötnar  (nicht  jötunn,  Jotnar);  ihr  zur  Seite  steht  ein 
ags,  eoten  (pl,  eotenas  Beov.  223  eotena  cyn.Beov.  836. 
eotonisc  5953.)*  oder  eted  (Lye  s.v.)  altengl.  elin^  eitia 
(Nares  s.  v.)  schott.  ettyn  y  eytt^n  (Jamieson  s.  v.);  ein 
alts.  etan^  eben  läfst  sich  mit  sicheriieit  folgern  aus  dem 
urkundlichen  Ortsnamen  Etanasfeld ,  Etenesfeld  (campus  gi- 
gantis)  Wigands  archiv  I.  4,  85.  noch  mehr,  das  wort 
mufs  selbst  in  späterer»  bis  auf  die  neueste  xeit  foürtseiebt 

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EZAN?       DURS  297 

haben,  dena  ich  finde  das  fem.  eteninne  (rlesin)  wenig- 
stens in  kindermärchen  beibehalten.  Lauremberg  *)  (ed. 
casseL  1750  p.  29)  hat  *de  olde  eteninne\  und  ein  ande- 
res rostoker  buch  aus  dem  beginn  des  18  jh.  **)  Mie  alte 
eteninne*'^  ich  möchte  -wissen,  woher  Adelung  s.v.  mum- 
mel  nimmt;  dal's  man  in  Westphalen  ein  fürchterliches 
weib,  mit  dem  kinder  gesclireckt  werden,  etheninne 
heifse?  gewis  ist  es  richtig.  Das  Sachs,  etan  gestattet  ein 
ahd.  ezan,  üzzan ,  ein  gorh.  i'tans  zu  mutmaisen ,  die 
vrurzel  ist  zu  suchen  in  dem  altn.  eta,  ags.  etan,  ahd.  ez- 
zan,  goth.  'itan,  die  bedeutung:  edo  (gen.  edonis),  man- 
ducus,  no).v(payog^  fresser.  INun  fragt  sich  aber,  ob  noch 
ein  anderes,  der  ableitung  N  entbehrendes  wort  hierher- 
genommen werden  darf,  das  altn.  iotr  ***)  ags.  eot ,  wel- 
ches in  der  Zusammensetzung  Forniotr,  Forneot  (s,  148. 
149)  und  in  dem  volksnamen  lotar  (Juti)  übrig  ist?  da- 
für scheint  eine  Unterdrückung  des  N  in  dem  schwed.  jätte 
(gigas)  dän.  jette  pl.  jetter  zu  streiten,  und  man  wäre  be- 
rechtigt, iötnar  =  iotar  (goth.  itaniJs,  itös?)  setzend,  den 
namen  Jotar,  Jotland  aus  alteren  riesenliaften  ein  wohnern, 
die  von  nachrückenden  Deutschen  verdrängt  wurden ,  zu 
erklären,  -j-)  dann  hefse  sich  ein  alts.  et,  etcs,  ein  ahd.  ez, 
ezes,  mit  der  bedeutung  rlese  erwarten.  -H*)  Vielleicht 
galt  neben  iötnnn  ein  altn.  iötull,  ahd.  ezaL  (edax);  dar- 
aus erklärt  sich  der  heutige  norwegische  ausdruck  für 
riese:  jötul ,  jiitul  (Hallager  5C.   Faye  7.) 

Auch  eine  andere  benennung  gemahnt  wieder  an  eines 
Volkes  namen.  das  altn.  tliars  scheint  von  iotunn  nicht 
wesentlich  verschieden;  8n.  6  wird  Ymir  Stammvater  al- 
ler hrtmthurse  genannt  ^  Saem.  118*  führen  sich  alle  iötnar 


•)  Hans  Wilmsen  Rost,  elo  Rostoker,  gb.  1597.  f  l^^^-  ^'« 
erste  aas<^.  seines  gedichts  erschien  um  1650. 

•*)  Krn.  Joach.  Westphal  de  consuetudiae  ex  sacco  et  libro. 
Rost.  1726.  8.  p.  224.  225;  da»  liier  gegebne  Verzeichnis  alter  wei- 
bergeschichten  wird  ausgesctirieben  in  Joh.  Pet.  Schmidt  fastelahends- 
samlungen.  Rostok  (1742)  4.  rep.  1752  p.  22  wo  aber  fehlerhaft 
steht  'von   der  alten  Arden  lnn\    »Utt  bei  Weitplial  'von  der  alten 

•••)  für  iotr,   wie  miolk  fiir  miolk   (gramm.  1,  298.) 
i)  Beda  1,  15  hat  Juti,   die  ags.  Version   aber  fälschlich  Geätas 
(altn.  öantar) ;    besser  steht  in   der  ags.  chronik   (Ingr.  p.  14)  lotum 
(lutis)  lutnacyno  (Jutorum  gens.) 

tt)  sollte  die  pfälzische  Jettha  (s.  64)  entstellt  sein  aus  Eta, 
Ezn?  dieser  Jettenbühel  bei  Heidelberg  erinnert  doch  an  den  bairi- 
•chen  Jetienherg  (mon.  boica  2,  219.  a.  1317)  und  den  berg  Jetten 
in  Reinbotec  Georg  1717»  wo  unricbtig  Setten  gedruckt  steht. 


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998  DUR8 

auf  iha  zurück,  io  einzelne]^  liedem  oder  Verbindungen 
hat  das  eine  oder  das  andere  appellativ  den  vorzug;  8o 
heifsen  bei  der  dialectaufzählung  im  Alvismal  die  riesen 
uniner  iötnar,  nie  thursar,  und  für  lötunheimr,  lötna- 
lieimr  ist  kein  Thursaheimr  gebraucblicU ;  aber  Tbrjruir, 
obscbon  in  lötoabeim  wohnend,  wird  dennoch  thursa 
druUinn  (Saem.  70.  71)  und  nicht  iötna  drottinn  genannt, 
er  ruft  aber  die  iötnar  auf  (73*)  und  heilst  iötunn  (74*.) 
Srcm.  85^  sind  iötnar  und  hrimthursar  hintereinander  auf- 
gerufen, es  mufs  also  zwischen  beiden  ein  feiner  unter- 
scliied  liegen,  den  ich  hier  in  dem  vorgesetzten  brim 
suche:  nur  hrimthursar,  keine  hrimiötnar  kommen  vor; 
eine  erklärung  dieses  hrimthurs  soll  hernach  versucht  wer- 
den. Statt  thurs  begegnet  häufig,  zumal  in  jüngerea 
Sprachdenkmälern,  die  assimilierte  form  thusSy  vorzüg- 
lich in  dem  pl.  thussar,  hriinthussar ;  ein  dämonisches 
wesen  späterer  sagen  heifst  Tliusselin  (Müllers  sagab.  1, 
367.  368),  ja  die  dän.  spräche  hat  in  ihrem  ^o«««  (plum- 
per riese ,  tölpel)  eben  diese  assimilation  festgehalten  y  *) 
ein  norwegischer  dämon  führt  den  namen  tusseL  das 
altn.  thurs  ist  zugleich  benennung  des  runbuchstabs,  der 
bei  den  Angelsachsen  thorn  heifst,  vgl.  'thurs  rtsla'  Saem. 
86*;  eine  merkwürdige  abweichung,  da  der  ags.  spräche 
jener  ausdruck  gar  nicht  fehlt,  nicht  nur  Beov.  846  liest 
man  thjrrSj  auch  in  dem  menologium  bei  Hickes  (gramm. 
ags.  p.  207) :  Hhyra  sceal  on  fenne  gevunjan';  und  ander- 
wärts überträgt  thyra  y  pl.  thyrsas,  das  lat.  cydops,  orcus. 
Ahd.  sollte  stehen  durSy  pl.  dursd,  oder  duris,  gen.  duri- 
ses,  welches  letztere  in  einer  glosse  für  das  lat.  dis,  ditis 
vorkommt  (Schm.  1,  458);  doch  schreibt  N.  ps.  17,  32 
tnrs  (daemonium)  pl.  tursa,  und  mhd.  gilt  tursCy  gen« 
tursen  (Aw.  3,  179),  vielleicht  türse^  türsen,  wie  MaTsra. 
denkm.  109  türsen:  kürsen;  selbst  türstCj  gen.  türsten 
(iMs.  2,  205*),  dagegen  in  Albr.  Tit.  24,  47  'spil  von  ei- 
nem där8en\  und  Ls.  3,  564:  *des  kunt  der  dürsch  u. 
spricliet  schuo!'  hier  herscbt  die  bedeutung  von  satyr  und 
wilder  mann  Ts.  273)  vor.  in  dem  Ortsnamen  Tursi/iriul, 
Tursenriut  (urk.  von  1218.  1219  in  Längs  reg.  2,  88. 
94)**)  ist  der  ausdruck  unverkennbar,  ich  denke  auch 
iu  dem  älteren  Tuzzinwanc  bei  Neugart,  das  für  2^s- 
üinwancj  lursinwanc  (campus  gjganlis)  steht  imd  das 
heutige    Dussriang    ist.      qicht    viel    gewagter    scheint    es 

•)  dän,  fos,  fowen,   «Itn.  fors, 
•')  vgU  SJclini.  1 ,  468. 


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DURS       HUN  2» 

Strabos  QovßvdXia  (7,  !•  Tzwli.  2,  328.)  durch  Thureliilda, 
Thusshüda,  Thursinfailda  auszulegen,  obschon  ich  keine  altn. 
Thurshildr  nachweisen  kann,  in  der  Schweiz  ist  dar  st 
noch  heute  der  wilde  Jäger  (St.  1,  329),  auf  der  salzbur- 
gbchen  alp  ein  nachtgeist  dusel  (Muchars  Gastein  p.  145), 
in  ISlederdeutschland  dros  oder  drost  teufel,  tülpel,  riese.  *) 
Gothisch  hätte  das  wort  zu  lauten  thaüra  plur.  thaürstjs 
(tfasiirsis,  thaiirs)ds?  thaürsus,  thaursjus?  thaürsja,  thadrs- 
jans?)  und  diese  formen  geben  uns  die  herleitung 
des  namens  an  hand.  das  goth.  thaiirsus  bedeutet  sircus, 
tliaürsjan  sitire,  thaürstei  sitis;  aus  thaürsus,  thaürsis 
wird'alid.  durri  f.  dursi  (wie  aus  airzis,  irri  =  irsi),  in 
dem  subst*  durst  haftet  das  S ,  wie  in  unserm  durs ,  und ' 
ib  dem  altn.  thurs^  neben  thurr  (aridus.)  thaüra^  thursj 
dur9  drucken  also  aus  entw.  weingierig,  durstig  oder  trun* 
ken,  und  das  schickt  sich  treflich  zu  dem  entwickelten 
sinn  Yon  Iftans,  iütunn.  beide  riesenappellative  bezeich« 
nen  unmäfsige  gier  nach  speise  und  trank,  ganz  wie  sie 
sich  in  dem  homerischen  cyclopen  kund  gibt. 

Wie  nun  die  Juten,  ein  deutscher  stamm ,  den  na- 
men  der  älteren,  verdrängten  einwohner  behielten ,  **)  und 
dies  die  eigentlichen  lötnar  oder  Itanös  waren;  so  kün-> 
nen  auch  die  thursar,  die  durs^,  in  ihrer  mythischen 
gestalt ,  mit  einem  abgelegnen ,  in  früher  vorzeit  nach 
Italien  eingewanderten  stamm  zusammenhängen,  ich  habe 
schon  s.  17  auf  mögliche  berührung  der  thaursös  mit  den 
TvQOfjyoly  TvQ^fjvoiy  Tusci,  Etrusci  gewiesen;  das  laut- 
Terschiebungsgesetz  trift  genau  zu,  und  selbst  alle  assimi- 
htionen,  die  rersetzung  des  R  finden  sich  wieder.  Nie- 
buhr  hält  Tyrrhener  und  Etrusker  von  einander,  wie  ich 
glaabe,    mit  unrecht. 

Erscheint  doch  in  einer  dritten  riesenbenennung  eben- 
faüs  ein  volksname.  Niederdeutschland,  vorzüglich  West- 
falen, gebraucht  hiine  gleichbedeutig  mit  riese;  in  allen 
▼olksiiberlieferungen  der  Wesergegend  herscht  jenes  wort, 
es  erstreckt  sich  bis  nach  Gröningerland  und  Drenthe; 
riesenhügel,  riesengräber  heifsen  hiinebedde,  hunebedderiy 
hett  gilt  dort  von  grab,  der  ruhestätte  todtor.  'grot  as  en 
hdne^  bezeichnet  riesenmälsigen   wuchs.     Schürens  Teuto- 


*)  brem.  ivb.  1,  257.  Richey  s.  ▼•  drans,  Schatze  s.  v.  drost, 
Strodtnann  s.  ▼.  droostt  Mat  di  de  droost  sla!*  in  der  Altniark:  'det 
di  de  drme  lial!*;  anderwärts  *de  dr6s  in  de  lieUe\  zu  erwägen 
bleibt  indessen  das  hochd.  dmos»  truos,  pe«it,  beule. 

*0  ein  öfter  vorkommender  fall ,  die  Bnicm  s.  b. ,  ein  deutsches 
▼olk,  heifsen  nach  den  celtischen  Bojen. 


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MO  HUN 

niftta  verbindet  re«e  und  huynCn  aucli  hoclid.  »cliriftstel* 
1er  des  16.  17  }b.  haben ,  wiewol  seltner,  /leune*  Mathe* 
81115 :  "Goliath  der  grofse  heune*]  vocab,  von  1482  schreibi 
heufne*  Der  ausdnick  ist  aber  schon  mhd.  Herbort  (cod. 
pal.  368,  9*):  *gWiz  alsam  em  hunei  mit  starkem  gelüne'j 
Trist.  4034:  ^an  geliden  und  an  geliune  gewahsen  als  ein 
laurif^. "")  In  ahd.  denkmaleru  kann  ich  diese  bedeutung 
nicht  nachweisen;  allein  mlid.  bezeichnet,  ohne  allen  ne- 
bensinn  leiblicher  gröfse,  zugleich  Hiane  (gen.  -en)  ei- 
nen Unger,  in  den  Nib.  einen  uoterthan  Elzels  (1110,  4. 
1123,  4.  1271,  3.  1824,  3.  1829,  1.  1831,  1.  1832,  l), 
was  in  lat.  Schriften  des  MA.  Hunnua  richtiger  Hunus 
Cliunus  heifst.  diesem  Uiune  würde  ein  ahd.  üünio  ent- 
sprechen;  ich  trelTe  nur  die  starke  form  an:  Hun,  pL 
Hüni,  gen.  Hiinio,  HAneo,**)  mit  welchem  viele  Ortsna- 
men zusammengesetzt  sind,  z.  b  Uiiniofeld,  ein  fuldischet 
Städtchen ,  heute  Hünfeld ,  so  wie  männliche  eigennamen 
K.  b.  Hiinolt,  Hiinperht,  HüinrAt,  Althün,  Folchün  u.  s.w. 
Das  dLgs.Hu/ia  cyuing  (Beda  1,  13)  fordert  einen  sg.  H6n; 
dem  altn.  nom.  pl.  Hunar  soll  ein  schwachformiger  sg, 
Hüni  gebühren  (gl.  edd.  hafn.  2,  881.)  Offenbar  sind  nun 
diese  Hiini  nach  ort  und  zeit  ein  höchst  schwankende 
begrif,  bald  dachte  man  sich  Pannonier,  bald  Avaren, 
bald  Wandalen  und  Slaven  unter  ihnen,  immer  ein  volk, 
das  durch  nachbarschaft  und  krieg  mit  Deutschland  in  viel- 
fache bcrührung  kam.  das  Hiuii'enlant  des  13  jh.  (Nib. 
1106,  3.  1122,  3)  kann  unmöglich  das  Hunaland  sein, 
welches  die  eddischen  lieder  für  Sigurds  heimat  ansehen 
(deutsche  heldens.  6.  9.)  Als  die  mannsnamen  HünrÄt,  Hün- 
perht  zuerst  entsprangen,  war  wol  noch  kein  gedanke  an  ein 
ausländisches,  pannouisches  oder  wendisches  volk,  aber  es  mag 
schon  in  frühster  zeit  künde  und  sage  von  einem  uralten,  myr 
thischen  stamm  umgegangen  sein,  der  den  nam^n  Hi!ln!  führte 
und  den  man  in  irgend  einer  uasioheren  gegend  wohnen  liefs, 
etwa  wie  lütnar  und  Thursar.  Meine  mutmafsung  geht 
also  dahin,  dafs  der  begrif  von  riese ,  den  wir  in  Hün 
freilich  erst  seit  dem  13  )h.  nachweisen  können,  lange 
vorher  müsse  darin  gelegen  haben :  durch  solch  einen  ne- 
bensinu  scheint  auch   erst  jenem  von  Hadubrai^t  ausgeruf- 


*)  Wolfliietr.  66 1  stellt  für  riese  hoene :  .  sohoene ,  aber  an  der 
fiteile  d^s  alteu  verüeiu^^cliuitt^ ;  früher  wird  aUo  hiune  gele^eo  wer- 
deu  seia. 

'*)  im  Hild.  lied  ^Hüiieo  trulitiir  und  'alter  HAn';  Diut.  2,  182 
Munt  (Pannouii)^  S,  353t>  Uäni  f.  üün  (üttauä)$  2,  370  HiinI 
(Vaudali.) 


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ENZ         GIGANT  8D1 

nen  ^$hir  Hiin^  bedeutsamkeit  verlielien«  Gotfried,  als  er 
hiune  für  riese  setzt,  wüste  sicher,  dafs  Miune  damals 
auch  einen  Unger  bezeictinete ;  ebenso  wenig  schliefst  die 
bestimmtheit  des  \oiks,  das  alid.  glossen  durch  Hiünt  über- 
setzen, zu  jener  zeit  das  bestehen  einer  mythischen  be- 
deutung  des  namens  aus.  sie  kann  hier  und  da  lebhafter 
oder  schwächer  gewesen  sein:  das  altn.  hünar  ist  nie  sy- 
nonym* mit  jötnsur  u.  thursar*  die  wurzel  lasse  ich  unan- 
gerührt, nur  sei  bemerkt,  dafs  ein  eddischer  name  des 
boren  hänn  lautet  (Sn,  179.  222»),  nach  Biürn  hun  und 
hünbiörn  catulus  ursinus. 

Ein  ags.  ausdruck  für  riese  ist  ent,  pl.  entas,  Alfred 
im  Orosius  p.  48  überträgt  Hercules  gigas  durch  *Ercol  se 
enL^  die  dichter  setzen  das  wort  gern,  wenn  von  allen 
bauten  und  arbeiten  die  rede  ist:  ^efita  geveorc,  enta  ajr- 
geveorc,  eald  enta  geveorc'  Beov,  3356.  5431.  5554.  Co- 
nyb.  illustr.  230.  253;  ^entisc  heim'  Beov.  5955.  anch 
die  gl.  des  Lipsius  geben  einiisc  avitus ,  was  aus  der  Ur- 
zeit der  riesen  herrührt.  In  der  bairischen  Volkssprache 
erscheint  ein  verstärkendes  praefix  enz^  enzio  (Schm.  1, 
88),  was  aber  aus  dem  gen.  von  end,'  ent  (Schm.  1,  77) 
«wachsen  könnte?  oder  darf  selbst  dieses  ent^  mit  dem 
begrif  von  ungeheuer,  riesenhaft,  als  ausnähme  von  der 
lautverschiebung ,  hierher  genommen  werden?  man  sagt 
enterisch  und  enzerisch  für  ungeheuer,  seltsam.  Und  was  ist 
der  JS'/2£c/z6crc]VlS.2,  10^?  ein  Riesenberg?  was  die  eigenna- 
mtnE/Jznwfp  (Meichelb.  1233.  1305)  ürizeman  (Ben.325)? 
Wenn  Hüini  au  AV enden  und  Slavcn  gemahnten,  wird  es  ge- 
staltet sein  entas  und  die  alten  jintes  zusammenzuhalten. 

Die  ags.  dichter  bedienen  sicli  zugleich  des  gr.  lat.  *) 
tind  romanischen  appellalivs  gigant,  pl.  gigantas  Beov. 
225.  giganta  cyn  Beov.  3379.  gigantmacg.  Cädm«  76, 
36  vgl.  iltal.  Span,  gigante,  provenz.  jayan  (Ferabr.  4232) 
fvhnz^  gSant,  enghgiant.  Unverwandt  hiermit  scheint  mir  das 
gewöhnlich  verglichene  altn.  nur  für  riesinnen  giltige,  nnd 
des  NT  ermangelnde  fem.  gfgr^  gen.  gj^gjar  (Stern.  39. 
8d.  66.  68).  den  übrigen  deutschen  dialecten  gebricht  es, 
^ürde  aber  ins  goth.  übersetzt  lauten  giugi  oder  giugja ; 
ich  bringe  es  zu  der  wurzel  giugan  und  vergleiche  die  gr. 
2,  50  no.  536  angeführten  Wörter. 

Dem  ahd.  riso,  (N.  ps.  32, 16)  mhd.  t'ise^  mnd.  rese  (En. 
7096)  nhd.  riese^  altn.  risi^  (in  der  altern  edda  nur  Gröltas.  12) 

*)  seltsam,  dafs  die  lat  spräche  keio  eigrnes  wort  fnr  den  be- 
grif riese  hat,  oad  das  gr.  gigas,  titan,  cyclops  borgen  mufs;  gleich« 
wol  besitzt  Italiea  eigene  Yolkssageo  von  campanlschen  riesen. 


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ao2  luso 

schwed.  reae^  dän.  rise,  mnl.  rese  und  /'a*«  (Hujri  op 
St.  3,  33.  306),  nnl.  reus^  sollte  ein  gotlu  ri^a  entspre- 
chen; bei  Ulf.  hat  sich  aber  gar  kein  ausdruck  für  dies^ 
begrif  erhalten,  mit  mehr  Sicherheit  darf  der  maogel  ei- 
nes ags.  risa  aus  dem  gebrauch  von  gigant,  und  dem  ab- 
gang  eines  ähnlichen  engl,  worts  geschlossen  "werden.  Di« 
-yrmzeX  suche  ich  in  dem  goth.  reisan  (surgcre,  eiferri,  ex- 
tolli),  risa  ist  elatus,  superbus,  excelsus,  sowol  der  leibli- 
chen gröfse  nach,  als  dem  Übermut,  ^der  michel  ÄA/afie'Iw.SOSe. 

Aufser  jenem  g^gr  gelten  noch  einige  altn.  blofe  für 
riesinnen  gangbare  ausdrücke :  shaaa  (neutr.)  Sesm.  154*' 
sk^saa  (fem.);  grtdhr  (fem.);  mella  (fem.);  gip'  (fem.) 
8i«m.  143»>  norw^g.  jy^^ri  (Hailag.  53)  oder  gy^ri j  gtirri 
(Faye  7.  10.)  dieses  gifr  mag  frech,  trotzig,  gierig  bedeuten. 

Troll  (neutr.)  gen.  trölls,  schwed.  troll,  dän.  Irold 
wird  zwar  häufig  von  riesen  gebraucht^  ist  aber  ein  all- 
gemeinerer ausdruck,  der  auch  von  andern  geistern  uud 
zauberhaften  wesen  vorkommt,  und  dem  sinne  nach  uii- 
serm  ungeheuer,    ungethüm  entspricht. 

Lilth.  heifst  ein  riese  wrliinas,  milünis,  lett.  nul- 
sis,  milaenia.  Böhm,  obt ,*)  altpoln.  obrzymr'^*)  pola. 
olbrzym.  keins  dieser  Wörter  begegnet  deutschen ,  und 
das  nordslav.  obor,  obr  ist  auch  den  Südskven  fremd. 
Sanscr.  rähachasas^  welches  weder  mit  unserm  rieae, 
nach  mit  dem  ahd.  recchio,  mhd.  recke,  einer  beneii- 
nung  menschlicher  beiden  kann  verglichen  werden* 

Eigennamen  altn.  riesen  und  riesinnen  sind  in  mecge 
aufbewahrt ;  einzelne  scheinen  bedeutsam,  z.  b.  Hrungnu 
gemahnt  an  das  goth.  hrugga  (virga)  und  das  nhd.  ruuge 
(brem.  wb.  3,  558);  Herbort  cod.  pal.  368,  9«»:  'gn>» 
alsam  ein  runge.'  In  jnhd.  dichtuncen  gehen  riesennamea 
gern  auf -o/^  aus,  Witolt,  Fasolt ,  Memerolt  "•»•"• 

Eine  grofse,  über  menschliches  mafs  hiiiaüsrageBde 
gestalt  wird  allen  riesen  zugeschrieben ;  nie  einäugigkerf, 
wie  den  cyclopen.  dagegen  sind  sie  oft ,  gleich  den  grie- 
chischen riesen  ***) ,  mit  mehrern  händen  und  AäM/>- 
tern  aösgestÄttet }  ich  habe  8.222.  223  merkwürdig«  bet- 
spiele angeführt,  aber  nicht  aUe.  der  Brana  vater  U^ 
drei  (unsichtbare)  häupter  (fornald.  sog.  3,  574)  j  ebenda 
heifst  es:   'thä  feil  margr  tMöJdhadhr  iülunn.'     auch  m 

*)  sloVttkMcb  o6or,   »vnii  pismo.     Gran  1829.   1 ,  952.  . 

'^)  pMiter  der  königin  Margareta.  Wien  1834.  p.  17b:  atrum; 
das  "im  wie  kt  eycsym,   pielgnt^m.  ,  ,. 

♦••)  Briareus  oder  Aegaeou  ist  hundertarnug  (^xatuy/^i^^o?.  n* 
1,  402)  aad  fttii&igli&uplig»   Geiyoa  dreihäuptig^  sec/uhändig. 


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RUSSEN  803 

Schottland  kannte  mau  die  erzäbluDg  ^of  the  reyde  eye- 
tyn  vitht  the  thre  heydisy  \oni  rolhen  rieeen  mit  den 
drei  häuptern  (coni[>layi]t  p.  98)  und  Lindsays  dreme  (ed. 
1592.  p.  225  gedenken  der  ^histoiy  of  reid  etin^  ob  sich 
die  rothe  färbe  auf  haut,  haar  oder  tracht  bezieht^  müste 
die  fabel  selbst  lehren,  schwarze  leibfarbe,  wie  sonst 
Zwergen  (s.  258)  und  dem  teufel,  wird  riesen  nicht  bei- 
gelegt, doch  war  die  halbschwarze  Hei  (s.  195)  riesischer 
abkunft.  Hrüngnir,  ein  eddischer  riese,  hat  ein  haupt 
von  stein.  Sasm.  76^  Sn.  109 ;  ein  andrer  riese  heilst 
larn/iaus  (eisenschädel)  fornald.  sog.  3,  578.  Meist  aber 
scheinen  die  riesen  wolgebildet  und  von  vollkommnem 
wuchs;  riesentöchter  sind  der  höchsten  Schönheit  fähig, 
£.  b.  Gerdhr ,  von  deren  glänzenden  armen ,  als  sie  die 
hausthüre  schliefst,  luft  und  wasser  widerleuchten.  Saem. 
82»  Sn.  39. 

In  den  riesen  überhaupt  waltet  volle ,  ungebändigte  na- 
turkrafk,  die  jene  Überschreitung  des  leiblichen  mafses,  tro- 
tzigen Übermut,  also  misbrauch  des  sinnlichen  und  geistigen 
Vermögens  zur  folge  hat,  und  zuletzt  ilircr  eignen  last  er- 
liegt, daher  heilst  der  iötunn  in  der  edda  shrautgiarn 
(faslosus)  Sa;m.  117**;  sa  inn  dtndtthi  (praepotensj  S«m. 
41*>  82*»;  storudhgi  (magnanimus)  Saem.  76^;  tiirAng^ 
modhgi  (superbus)  Srom.  77*;  hardrädhr  (saevus)  Sa;m. 
54»;  was  diese  epitheta  ausdrücken,  habe  ich  in  dem 
begrif  unseres  appellativs  riso  selbst  gefunden^  auf  gleiche 
weise  bestätigt  sich  die  erklärung  der  namen  iötunn  und 
thurs  in  poetischen  beiwörtern  uuil  Schilderungen :  iost» 
moilhr  iüUinn  (cibo  gravalus)  Saem.  56^ ;  'ölr  (ebrius)  ertu 
Geirrodhr,  helir  thü  ofdruccit'  (ninüurii  potavisti)  Saem.  47». 

Dennoch  ist  in  den  liedern  auch  ein  den  riesen  gün- 
stiger zug.  sie  stellen  ein  untergegangnes  oder  untergehen- 
des geschlecht  dar,  dem  mit  der  kraft  auph  die  Unschuld 
und  Weisheit  lies  alterthums,  mehr  eine  ob)ective  und  an- 
ö^chafne,  als  selbster worbne  Vernunft  beiwohnt.  Diese 
halbwehmütige  atiffassung  herscbt  vorzüglich  in  einem 
der  schönsten  eddischen  gedichte^  in  H5'misqvidha.  U^^- 
»tir  *)  heilst  forn    iötunn    (der  alte)  54»,    wie  ein  andrer 


•)  altn.  Ist  hüm  crepnscolam ,  Iiöftni  ve»pcniTCcre  ^  fi;^ilia  dorihi- 
tarife,  H^mtr  der  trage,  schläfrige ?  ahd.  Iliumi?  wie,  wenn  da» 
mild,  hiune  (s.  901)  aiM  einem  alid.  Iiinmi  entsprängfe?  da  sicti  M  oft 
in  N  verdüunt,  zumeiit  das  auslautende,  oder  inlautend  for  geAvissen 
euusonanten  (kauft,  Vernunft  f.  chumft,  farnmnft)  hin  nnd  wieder 
al>er  auch  im  anlmit  oder  inlinit  vof  vociilen  (madidos,  narts,  na^),  das 
paiaeiidste  beiapiet  ist  alid.  aiiumi,    sniumi  (celet>  mlid.  fikufte»  fllia- 


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804  lUESEN 

riese  gerade  den  elgennamen  Forniotr,  Forneot  führt 
(s.  147);  aber  auch  hundi^tss  (muUiscius)  52**,  Mie  sonst 
Lodlüun  (Saem.  145*),  Geirrödhr  (Sn.  113)  und  Starkadiir 
(fornald.  sog.  3,  15.  32.)*)  Oegir  wird  Sajin.  79  genannt 
jiölkunnigr  (vielkundig),  Hyuiir  aber  auch  barnte'Ur 
(froh  -wie  ein  kind)  52*;  Thrymr  sitzt  da,  und  legt  sei- 
nen hunden  goldbander  an ,  streicht  die  mahnen  seiner 
rosse.  Saem.  70^.  Ein  anderes  lied  beruht  auf  dem  ge- 
spräch,  das  Odhina  selbst  mit  einem  verstand  igen  riesen 
über  gegenstände  des  alterthums  (4  fornom  stöfum)  zu  füh- 
ren begehrt:  Vafthrüdhnir  heifst  wiederum  *ifm  alsvinni 
iülunu'  30*  35^;  Orgeimir  und  Bergelmir  'sa  inn  Jrodhi 
iötunn.'  Saem.  35*  ^  ;  Fenja  und  Menja  sind  framvisur 
(Gruttas.  1,  13.)  Wenn  den  riesen  das  verbum  'threyja' 
Siem.  88*  eigenthümllch  beigelegt  wird,  das  sonst  exspe- 
ctare,  desiderare  ausdrückt,  so  mag  darin  ein  dumpfes 
brüten,  halbtruukne  behaglichkeit  imd  beharrlichkeit  lie- 
gen, gegenüber  der  regsamen  natur  des  menschen,  der 
listigen ,    verschlagnen  des  zwergs. 

Ein  solches  wesen  ist  in  seiner  ruhe  gutmütig  und 
plump  **) ;  aufgereizt  aber  wild,  tückisch  und  heftig,  die- 
sen riesenzorn  nennt  die  nord.  sage  iötanmbdlir^  der  sich 
dem  Äsmodhr,  dem  zorn  der  götter  trotzig  widersetzt. 
Wenn  die  riesen  von  wut  entbrennen,  6o  schleudern  sie 
felsen,  reiben  ilamme  aus  steinen  (Roth.  1048),  reifsen 
bäume  aus  (kinderm.  no.  90)  und  stampfen  mit  dem  fufs 
bis  ans  knie  in  die  erde  (Roth.  943.  Vilk.  saga  cap.  60): 
in  diesem  zustand  werden  sie  von  den  beiden ,  denen  sie 
dienstbar  sind ,  in  fesseln  gelegt ,  und  nur  im  krieg  ge- 
gen den  feind  losgelassen,  so  Witolt  oder  Witolf.  Roth. 
760.  Vilk.  saga  cap.  50. 

Zu  den  göttern  und  menschen  stehen  sie  bald  freimd- 
lich,  bald  feindlich.  Einzelne  götter  sind  mit  riesinnen 
vermählt:  Niördhr  mit  Skadhi,  tochter  des  Thiassi,  Thorr 
mit  larnsaxa,  Freyr  mit  der  schönen  Gerdhr,  tochter  de« 
G^mir.  Gunnlödh  eine  riesin  ist  Odhinns  geliebte.  Ge- 
fiun ,  die  asin ,  zeugt  söhne  mit  einem  riesen ;  Börr  hei- 
ratet Beöla,    Bölthörns  des  riesen  tochten    Loki,   der  un- 


nic,  nhH.  sclilennij?.  daraus  erklarte  sich,  warum  keine  «pnr  des  na- 
mens hiune  im  altn.,  dann  muste  aber  auch  alle  wesentliche  berühmog 
mit  dem   volksnamen  Hün   aufgegeben  werden. 

•)  fiund  (centum)  verstärkt  die  bedeutungen:  hundmargr  (pennul- 
tus)  hund<;aman  (steinalt.)  xi  u    *  ^    t 

••)  ungeordnet;  mhd.  gilt  von  riesco  unget^üege.  JS'ib.  «6,  L 
Iw.  444.  5051.  6717. 


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RIESEN  305 

tei*  den  aseh  wohnt ,  ist  solin  des  riesen  Farbauti ,  Angr- 
bodha,  eine  riesln,  seine  frau.  Mit  Oegir  dem  iötunn 
Yerkehren  die  götter  und  werden  von  ihm  zu  gaste  ge- 
laden. Aber  auch  riesen  streben  nach  asinneii^  Thrymr 
nach  Freyja,  Thiassi  raubt  Idhunn,  Starkadhr  ist  dienst- 
mann nordischer  könige;  könig  Frödhi  hatte  zwei  riesen- 
juDg&auen,  Fenja  uad  Menja,  zu  mahnägden;  in  Rothers 
heer  kämpfen  die  riesen  Aspriiln  (Asb,iüm)  und  Witolt. 
Unter  den  a^en  ist  Thörr  der  gröfste  riesenfeind,  er 
Schlägt  ihnen ;  wie  Jupiter^  donnerwunden,  sein  harn- 
mer  hat  vielen  die  liäupter  zermalmt;  wenn  Thörr  nicht 
wäre,  sagt  ein  nordisches  Sprichwort,  so  würden  die  riesen 
überhand  nehmen:  ei*  besiegt  Hrüngnir,  Hj^mir,  Thrymr, 
GeuTödhr.  auch  der  heiL  Olaj  verfolgt  das  riesenge- 
scLlecht  auf  das  heftigste.  In  der  heldensage  unterliegen 
Sigenöt,  Ecke  und  F'asolt  Dietrichs  menschlicher  stärke; 

Ymir,  oder  nach  der  riesen  spräche  Orgelmir,  war 
der  ersterschnjne  ^  und  aus  seines  leibs  ungeheurer  masse 
>\urde  hernach  erde,  wasser,  berg  und  wald  erzeugt. 
Ymir  selbst  entsprang  aus  gefrornem  reif  oder  thau  (ht*m), 
8eu  fliegende  Muspillsfunken  tropfend  gemacht  hallen.  *) 
davon  heifsen  alle  riesen  hrtnithursar  ^  rcifriesen  (Sn.  6« 
8?Bm.  85*- M;  hrimkäldr  (reifkalt)  ist  beiwort  für  i^lunn 
üder  tfiurs  (Sa;m.  33*»  90»),  sie  triefen  noch  von  thauen- 
dem  reif;  Hrtmnir,  Hrtnigrtmr  ^  Hrirngerdhr  sind 
riesische  eigeauamen  (Seem.  85*  86»  144.  145.)  da  lirim 
zugleich  fuligo  bedeutet,  darf  vielleicht  Ymir  mit  dem  dun- 
keln mhd.  oni,  ome  (rubigo)  zusamniengehalleu  werden 
(granim.  3,  733.) 

Nach  riesen,  wie  nach  götteru,  führen  kräuter  und 
gestirne  den  namen.  thuraaskegg  (fucus  filiform is)  rie- 
senbart;  norw.  tuasegras  (paris  quadrifolia) ;  Brönugras 
(satynum),  was  sonst  Friggjargras  (s.  192),  weil  es  eine 
riesin  Brana  ihrem  Schützling  Halfdan  aJs  zaubermittel 
schenkte  (foruald.  sog.  3,  576);  Forneotes  Jolme  (s.  147); 
Tkiassis  atigen  warf  Odhinn,  On^andils  jujszehe  Thöix 
als  leuchtende  gestirne  gen  himmeh   Sn*  82*  83.  lli; 


*)  das  ganze  niittelalter  trug  sich  mit  einer  scherzhaft  gewende- 
ten fabel  TOB  einem  kind,  das  aus  schnee  oder  eis  hervorgieug;  schon 
in  10  jli.  hatte  man  den  modus  Licbinc^  ein  altfranz.  gedieht  steht 
hei  M^on  3,  215,  ein  mhd.  Ls.  3,  513;  in  scherz  und  ernst  cap. 
251  hcifst  das  kind  cissihmarre  (eisbissen)  vgl.  Bure.  Waldis  4,  71 
und  Weisen«  erznarren  p.  23.  Wieder  anders,  und  ernsthaft,  fassen* 
Uuderfflarchen  die  idee  von  schnee  uad  blut 

2a 

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303  RIBSBN 

Die  riesen  bilden  eia  gesondertes  volk,  dfid  8ic!i  "^(A 
•wieder  in  stamme  zertlieilte.  Thiymr  heilst  HhursadrSt- 
tinn*  Sf«m.  70  —  74;  Hhuraa  thiodh*  wird  107*  genannt, 
als  ihr  gewöhnlicher  aufentlialt  aber  iötunheimr  bezeich- 
net, noch  das  gedieht  von  Rother  767  gibt  ein  risenlant 
an,  auf  der  grenze  des  riesengebietes  lagen  griottuna 
gardhar  (Sn,  lOS.  109.)  die  vorhergehende  Untersuchung 
lehrt,  dafs  sich  die  meisten  benennungen  der  rieaen  an 
alte  völkernamen  schlössen« 

Man  dachte  sich  die  riesen  auf  f  eisen  und  bergen 
hÄüsend;  ihre  ganze  natur  hängt  mit  dem  steinreich  «a^ 
sammen.  sie  sind  belebte  Steinmassen  ^  oder  versteinert^ 
fi^ühei^  lebendige  geschöpfe. 

Hierher  gehören  erst  folgende  benennungen :  bergrm 
Sn.  18.  26.  30.  45.  47.  66.  Gröttas.  10.^24.  Egilss.  22*); 
bergbüi  (fornald.  rög.  1,  412);  hraunbui  (»axicolff)  Saun. 
57b  145a.  hraunlwalr  Sl^\  thusain  af  biargi  (forn^d. 
sog.  2,  29);  bergdanir  (giganles)  Saem.  54»>;  bergma 
brädhr  ^^  mcer  bergrisa^  Gröttas.  10.  24  vgl.  das  griecb. 
OQSiag.     Thrymheinir  liegt  auf  bergen.    Ön.  27. 

Rieseueigennamen  -weisen  auf  stein  und  metall,  z.b. 
larnsäXa  (die  eisens  lein  ige) ,  larn/iaus  (eisenschädel); 
vielleicht  darf  man  die  noch  jetzt  fortlebende  Zusammen- 
setzung steinalt  (gramm.  2,  555)  aus  dem  hohen  aller 
der  riesen  erklaren,  das  dem  der  berge  und  felsen  hak 
kommt,  'gifur  rata'  (gigantes  pedes  lUudunt  saxis)  sagt 
man  im  Norden. 

Steine  und  felsen  sind  des  riesengeschlechts  wajfen] 
es  gebraucht  nur  sleinkeulert ,  steinschilde ,  keine  Schwer- 
ter. HrAugnis  waffe  heilst  kein ;  als  sie  geworfen  in  der 
luft  mit  Thiirs  hammer  zusammehfuhr,  brach  sie  und  ein 
tlieil  fiel  zii  boden:  davon  kommen  alle  *hcinbei% 
(schleifsteinfelsen)  her.  8n.  108.  109.  Spätere  sagen  l^n 
den  riesen  Slälllstangen ^  von  24  eilen,  zu.  Roth.  6S7. 
1662.  hürn.  SJfr.  62,  2.  6»,  2.  Sigenöt  (Lafsb.)  14  (Hag.) 
69.  75.  Iwein  5022  {ruote  5058.  lolhe  6682.  672«.) 
Trist.  15980.  16146;  tsenstange  Nib.  460,  1.  dem  Pan- 
durus  und  Kiias  (Aen.  9,  672)  verleiht  Veldek  rieseö- 
natur  und  tserne  kolven  (En.  7089);  lolben  stälielln 
führt  das  riesige  beer  könig  Gorhands,  Wh.  35,  21.  395, 
24.  396,  13;  eine  staahtang  riese  Langben  (danske  vi- 
ser 1,  29.)     Wahrscheinlich    aber   wird    unter    dem   *eaW 

*)  hälfbergrisi  ^  hdlfrisi  ^  hAlf troll  bei  gemiseli£er  abkiMÄ. 
gramm.    2,  633. 

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RIE2SEN  dor 

ht^eord  ieotonisc^  Beov.  5953  ein  sleinernfes  vei-slandea;  auch 
der  'entisc  helrn^  Beov.  5955  mag  ein  solcher  seifa.  Viel- 
leicht hängt  damit  zusammen,  dafs  kein  eisenschwert  auf 
die  riesen  einschneidet  2  blofs  mit  dem  sthwerthnöpj 
mögen  sie  erschlagen  werden  (Eckö   178.) 

Bauten  der  vorzeit,  von  seltsamer  sttuctur,  die  lange 
jiihrhunderte  überdauert  haben  und  die  das  heutige  ge- 
schlecbt  nicht  mehr  untei'nimmt,  pflegt  das  volk  den  rz>- 
sen  oder  dem  teufel  zuzuöcht'eiben  (vgl.  s.  55  die  anm. 
über  teufelsmauern.)  das  sind  die  ^enta  geveorc^  (s;  301), 
und  so  nannten  die  Griechen  cyclopische  mauern  waÄ  au8 
nngeheueru  stücken  gefügt  war.*) 

Rieseribergey  riesenhügel,  hiinenhette  konnöö  öo 
heifsen  weil  die  volkssage  dahin  eines  riesen  grab  versetzt, 
öder  eine  äholichkeit  des  felsehs  mit  der  riesengestalt  an- 
nimmt, oder  davon  ausgeht,  dafs  der  riese  den  berg  oder 
hügel  an  diese  stelle  gebracht  habe. 

Von  der  letzten  art  hatten  wir  eben  ein  bei^piel :  die 
cdda  erklärt  alle  heinfehen  aus  dem  zur  erde  gefallnen 
theil  einer  riesenteule,  die  von  glattem  wetzstein  gefer- 
tigt War.  In  diesen  volkssagen  herscht  anmulige  mannig- 
faltigk^it,  die  mir  näherer  künde  werth  scheint,  weil  da- 
dorch  die  lebendige  Vorstellung  von  dem  wesen  der  riesen 
gut  bezeichnet  wird.  Eine  auf  der  insel  Hveu  umgehende 
^age  macht  Grimild  tind  Hvenild  zu  zwei  riesinnen  und 
Schwestern,  die  auf  Seeland  wohnen.  Hvenild  will  stücke 
voll  Seeland  nach  Schonen  tragen  und  gelängt  mit  einigen, 
die  si^  iii  ilire  schürze  nimmt,  glücklich  hinüber;  als  sie 
aber  das  nächstemal  ein  allznigrofses  forlschlcj)pt,  bricht 
das  schürzband  mitten  in  der  see,  sie  verliert  ihre  ganze 
last,  und  so  entsteht  dk  die  insel  Hven.  **)  Fast  dasselbe 
meldet  eine  jütische  sage  von  dem  Ursprung  der  kleinen 
insel  Wörsoekalv  (Thiele  3,  66.)  Abweichende  umstände 
gewähren  pömmersche  Überlieferungen:  einen  riesen  auf 
Ragen  verdriefsts,  dafs  er  immef  durch  dad  meer  nach 
Pommern  waten  inufs;  er  will  einen  dämm  hinüber  zum 
festen  land  bauen,*  bindet  eine  schürze  um,  und  füllt  sie 
mit  erdö.  als  er  mit  der  tracht  bis  über  Rodenkirchen 
gekommen  istj  reifst  ein  loch  in  die  schürze,  und 
aus  der  erde,  die  herausfällt,  werden  die  neun  berge 
bei  Rambin.  er  stopft  das  loch  zu,  und  geht  weiter,  bis 
Oustow  gekommen,   reifst  wieder   ein  loch     und  dreizehn 


*)  irfi.  NiebnliK  rSm.  gcsch.  I,  192.  193. 
**)  Sjdborgs  nomenklatur  p.  84. 

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808  RIESEN 

kleine  berge  fallen  beraUs^  mit  der  noch  übrigen  erde 
gelangt  er  ans  meer  und  gieist  sie  hinein:  da  wird  der 
prosnitzer  hacken  und  die  halbinsel  Drigge.  aber  es  bleibt 
immer  ein  fchmaler  räum  zwischen  Rügen  und  Pommern 
und  der  riese  ärgert  sich  darüber  so  sehr,  dafs  er  Yon 
einem  schlagdufs  hinstürzt  und  stirbt:  so  ist  denn  sein 
dämm  nie  fertig  geworden.  *)  Umgekehrt,  will  sich  ein 
riesenmädchen  von  Pommern  aus  eine  brücke  nach  Rügen 
machen:  ^damit  ich  übers  Wässerchen  gehn  kann,  ohne 
mir  meine  pantöffelchen  zu  netzen.'  sie  nahm  eine 
schürze  voll  sand  ans  ufer  eüend«  aber  die  schürze 
hafte  ein  loch,  hinter  Sagard  lief  ein  theü  der  ladung 
aus  und  bildete  einen  kleinen  berg  namens  Dubberworth. 
^ach'  sagte  das  hünenmädchen,  'nun  wird  die  mutter  schel- 
tenV  hielt  die  band  unter  und  lief  was  sie  konnte,  die 
mutter  schaute  über  den  wald :  ^martiges  kind,  was  treibst 
du?  komm  nur,  du  sollst  die  ruthe  haben!'  da  erschrak 
die  tochter,  liefs  die  schürze  vollends  gleiten,  aller^  sand 
ward  umher  verschüttet  und  bUdete  die  dürren  hügel  bei 
Litzow.  **)  Ein  riese  in  Fladsöe  war  feindlich  gesinnt 
gegen  einen  in  Nestved  wohnenden,  er  nahm  seinen  ran- 
zen, füllte  ihn  am  ufer  mit  sand  und  dachte  ganz  Nest- 
ved  zu  vcrscliütten.  unterwegs  aber  lief  der  sand  durch 
ein  loch  im  such  aus,  so  dafs  eine  reihe  Sandbänke  da« 
von  zwischen  Fladsöe  und  Nestved  entstand,  erst  als  der 
riese  zu  der  stelle  kam,  wo  vordem  Husvald  lag,  merkte 
er,  dafs  das  meiste  verschüttet  war,  und  ärgerlich  warf 
er  das  übrige  gegen  Nestved,  wo  man  noch  eine  einzelne 
Sandbank  gewahrt  (Thiele  1,  79.)  Zu  Sonnerup  war  ein 
andrer  riese,  namens  Lars  Krands,  den  ein  dortiger 
bauer  beleidigt  hatte,  er  ging  zum  Strand,  füllte  seinen 
handschuh  mit  sand  und  trug  ihn  zu  des  bauern  hof,  wo 
er  ilm  ausschüttele,  so  dafs  der  ganze  hof  zugedeckt 
wurde ;  was  durch  die  funffingerlöcher  im  handschuh 
gelaufen  war,  bildete  fünf  hügel  (Thiele  1,  33.)  In  den 
Niederlanden  wird  der  hügel  von  Hülegersberg  durch  den 
sand  lier vorgebracht,  der  einer  riesin  durch  ^ecn  scharte" 
lleed*  fallt.***)  Solche  erzählungen  sind  aber  nicht  blofs 
unter  dem  deutschen  volksstamm  verbreitet,  sie  gehen  auch 
bei  Finnen,  Celten  und  Griechen  im  schwang.  In  Tawa- 
stoland    bei  Päjände,    in    llattulasockcn    liegen  steinfclsen, 

*)  E.  M.  Arndt  märclieu  1,  156. 
••)  Lothar«  volksageu.     Leipz.  1820.  p.  65. 
•••)  Weitendorps  m^thologie  p.  187. 


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RIßSEN  809 

welche  ehdem  von  riesentöchtern  in  der  schürze  getra- 
gen ,  und  in  die  hohe  geworfen  sein  sollen.  *)  Franzö- 
sische Überlieferungen  setzen  die  heilige  Jungfrau  an  die 
stelle  der  riesinnen.  Notre  dame  de  CMry,  als  es  ihr  in 
der  kirche  von  Mezi^rps  nicht  gefiel,  beschlofs  den  silz 
ihrer  anbetung  zu  verlegen,  nahm  erde  in  ihre  schür ze, 
und  trug  sie,  verfolgt  von  Judas,  auf  eine  benachbarte 
anhöhe;  um  aber  dem  Verfolger  auszuweichen,  fafsle  sie 
einen  theil  der  erde  wieder  auf^  und  legte  ihn  nicht 
M'eit  davon  an  einer  andern  stelle  nieder:  an  beiden  stat- 
ten wurden  bethäuser  gebaut.**)  In  der  Charentegegend, 
im  bezirk  Cognac  und  der  gemeinde  Saintfort  am  Ney- 
flüTschen  liegt  ein  ungeheurer  stein;  man  erzählt  die  heil. 
Jungfrau  habe  ihn  dai)in  auf  ihrem  köpf,  und  zugleich 
vier  pfeiler  in  ihrer  smürze  getragen:  als  sie  aber  über 
den  Ney  ging,  entfiel  ihr  ein  pfeiler  in  den  sumpf  von 
Saintfort.***)  Nach  einer  griech.  sage  wollte  Athene  zur 
befestigung  der  Acropolis  einen  berg  von  Pallene  herbei- 
holen, liefs  ihn  aber  unterwegs,  erschrocken  über  die 
Verkündigung  einer  krähe,  hinfallen^  und  da  blieb  er 
(der  Lykabettos)  liegen,  f) 

Gleich  der  göttin,  gleich  den  riesen  lädt  sich  der  teu- 
fel  solche  lasten  auf.  in  Oberhessen  wurde  mir  folgendes 
erzählt:  zwischen  Gofsfelcjen  und  Wetter  lag  vormals  ein 
jetzt  ausgestorbnes  dorf  Eibringhausen;  die  bauern  lebten 
darin  so  üppig,  dafs  der  teufel  gewalt  über  sie  bekam, 
und  sie  aus  ihrer  guten  erde  auf  einen  sandigen  boden,  den 
die  austretende  Lahn  jährlich  überschwemmt,  zu  verse- 
tzen beschlofs.  er  nahm  also  das  ganze  dorf  in  seine 
külze,  und  trug  es  durch  die  lüfte  dahin,  wo  jetzt  Sa- 
renau  steht:  er  fing  an,  die  einzelnen  häuser  zu  langen 
und  der  reihe  nach  aufzustellen,  unversehens  stürzte  ihm 
die  hötze  um^  und  der  ganze  plunder  fiel  durcheinander 
zur  erde;  daher  rührt,  dafs  zu  Sarenau  die  sechs  ersten 
häuser  in  gerader  gasse  stehen,  alle  übrigen  untereinander. 

Weit  umgehend  ist  die  artige  fabel  vom  pflügenden 
achermann f    den    eine    riesentochter   aufnimmt,    und   in 


•)  Gananders  finn.  myth.  p.  29.  30. 
••)  iiiem.  de  I'acad.  oelt.  2,  218. 
**')  mein,  des  antiqunires  T,  31. 
t,)  Antij?oni    CaVystü    liist.   mirab.    cap.  12.     Lips.    1791    p.  22: 

vr^v  t^iialv  uTtavrijaai  xal  ^Irifti',  ort  ^EqixO-ovioq  h  tpavfQti'  rtjv  <^> 
tlxovaaaay  ^itput  to  oQoq^  önov  vvv  iaci'  rn  &^  ytoQtavfj  <Sta  rijv  k«- 
nayYtllav  nnttv  y    w^  <k  «x^o.toA*»'  oi*  iÖ^//*«?  uvr^  Vorui  d^txia&a*. 

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310  RIBSBN 

ihrer  schürze  dem  yater  heimträgt,  am  ecfaönslen  m 
der  elsassischen  sage  von  bürg  Nideck: 

Im  waldsclilor$  dort  i^m  vfasserfoH 

siDQ  dVitt^r  rise  ffsion; 

a  mol  kunimts  fraule  Iirab  ins  tbal, 

uoD  geht  spaziere  drinn. 

sie  tliut  bis  scfiier  noch  Haslacfi  gehn, 

vorm  wald  im  acicerfeld 

do  blibt  sie  voll  verwundrung  steba 

umi  sieht,  wies  fel4  ward  bstellt. 

sie  luegt  dem  ding  ä  wil  so  zu: 

der  pßüi,    die  rqs  ^    die  lütt 

ischer  ebs  neus;    sie  geht  derzp 

nnn  denict  ^die  nimm  i  inttt/ 

Drno  huurt  si^  an  de  bode  biq    . 

unn  spreit  ihr  furti  u/s, 

fangt  alles  mit  der  band,   thu(9  niin, 

unri' lauft  gar  froh  noch  hns. 

sie  springt  de  felswöi  nuf  ganz  frisch. 

dort  wo  der  berg  jetzt  isch  so  gab, 

unn  me  so  krattle  mufs  in  dböb, 

macht  sie  nur  eine  schritt. 

Der  ritter  sitzt  just  noch  am  tiscl) : 

'min  kind,   was  bringste  mit?        '  • 

dfreud  luegt  der  zu  de  äuge  nufs; 

se  krom  nur  gschwind  din' furti  u&; 

was  he^t  so  zawelichs  drin?* 

*o  vatter,  spieldirt^s  gar  ze  nett, 

i  'ha  noch  nie  ebs  schöns  so  ghett\ 

iinn  stelltera  atles  hin. 

Ünn  af  de  tisch  stellt  sie  de  pfiuiy 

dburet  unn  ihri  ros^ 

(auft  dnim  herum  unn  lacht  der^u, 

ihr  freud  isch  gar  ze  ^rofs. 

'Ja  kind,  difs  isch  k^n  spieldinss  nitt, 

dö  best  ebs  schöhs  gemacht* 

saht  der  berr  ritter  glich  and  lacht, 

'geh  nimms  nur  widder  mit! 

die  l^ure  sorje  uns  für  brot, 

sünsch  sterbe  mir  de  hungertod; 

trah  alles  widder  fürt  l' 

sfräule  krint,   der  vatter  schilt: 

^ä  bur  mir  nitt  als  spieldings  gilt, 

i  lud  nit  dafs  me  murrt 

pack  alles  sachte  widder  iln 

unn  tcahs  ans  nemli  plätzel  bin, 

wo  des  geuumme  he^t. 

baut  nit  der  bur  sin  ackerfeld 

se  fehlts  bi  uns  an  brot  unn  geld 

\A  unseiim  felsennest.^ 

ÄliiiHclie  erzählungen  vom  Harz  und  aus  dem  OdenwaU 
8le]ieu  deutsch,  sag.  no.  319.  324.  In  Hessen  wird  die 
rieseutocliter  auf  den  Hippersberg  (zwischen  Külbe,  Welirda 


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RIB8BN  811 

und  Oofafelden)  verlegt:  ihr  vater  schilt  sie  heftig  aus 
und  setzt  den  pflüger,  mit  lobspiKicheu,  wieder  iu  fi^eiheit. 
Zu  Dittersdorf  unweit  Biaukeuburg  (zwisdien  Rndolstadt 
und  Saalfeid)  geht  dieselbe  geschiohte  um«  am  eiugang  des 
Sckwarzathals  auf  der  Hunenkoppe  wohnte  eiue  hüuiu 
mit  ilu-er  tochter.  die  tochler  fand  auf  dem  gemeindeberg 
einen  feld pflügenden  bauer,  that  ihn  mit  pßug  und  och- 
$€n  in  ihre  schürze  und  trug  der  mutter  ^den  kleinen 
lerl  mit  seinen  hätzchen^  hin.  zornig  befalil  die  mutier, 
mann,  thiere  und  pflüg  augenblicklich  wieder  an  ort  und 
8teUe  zurück  zu  tragen:  ^sie  gehören  zu  einem  volke,  datf 
den  hünen  grofsen  schaden  zufügen  kann.'  bald  darauf 
veriiefsen  beide  die  gegend.  *)  Diese  misbilligung  scheint 
alterthümlicher,  als  der  grund  des  elsassischen  riesen^  und 
stimmt  mehr  zu  einer  ffhuischen  volksage«  In  Remispckenr 
wohnten  riesen;  vor  zwanzig  jähren**)  lebte  in  Rouw- 
wanjemi  eiue  alte  frau  namens  Caisa,  die  erzählte:  eine 
riesenjungfrau  (kalewan  tyttären)  nahm  in  ihren  schofs 
pferd,  pflüger  und  pßug  (hev^osen  ja  kyntajän  ja  au- 
ran) ,  trug  sie  ihrer  mutter  hin  und  fragte :  Svas  für  ein 
täjer  (sontiainen)  mag  das  sein,  mutler,  den  ich  da  fand 
in  der  erde  wülüen?'  die  mutier  sprach  Uhus  weg^  mein 
kiöd,  wir  müssen  fort  aus  diesem  land,  und  sie  werden 
lüer  wohnen,'  Den  ackerbauenden  menschen  mufs  das 
alle  riesengeschlecht  weichen,  der  ackerbau  ist  ihm,  gleich 
den  Zwergen  (s.  259),  verhafst.  Die  unschuldige  derbheit 
der  riesen ,  welchen  der  mensch  ein  winziges  thierchen, 
ein  im  koth  wühlender  käfer  erscheint,  aber  doch  heim- 
licli  vor  ihm  bangt,  kann  nicht  glücklicher  geschildert 
werden,  als  in  diesen  wenigen  zügen.  Ich  glaube,  dafs 
die  Überlieferung  noch  in  vielen  andern  gegeuden  zu 
haus  ist. 

Nicht  weniger  häufig  und  naiv  ist  die  sage  von  dem 
wandernden  riesen  >  den  unterwegs  ein  steinchen  im 
ßvhuh  drückt:  er  schüttelt  ilm  endlich  aus,  und  ein  hü- 
gei  oder  fels  bleibt  da  liegen.  Die  braunschweiger  anzei* 
gen  von  1759  berichten  s.  1636:  *ein  bauer  sagte  mir  ein- 
mal, da  ich  in  seiner  begleitung  vor  einem  hügel,  der 
am  Elme  lag,  vorbeireisete :  herre,  hie  sagen  die  leute 
Itabe  ein  hüne  seine//  schuh  reine  gemacht,  daher  sei 
der  hügel  entstanden.'     lu    dem    buch:    die   kluge  trödel- 


*)  L.  A.  Waltliers  eiiil.  in  die  tiiur.  schwarzb.  gesch.     (RudoUt,) 
1T88  p.  52. 

**)  zu  Gaoandeu  seit  (finn.  mytij.  p.  80.) 


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312  RIBSBN 

frau,  von  E.  J,  C.  P.  N,  1682.  p.  14  wird  eines  groCseü 
Steins  im  wald  erwähnt  und  gesagt:  ^e?  vrere  einstcn  ein 
grofser  riese  vorbei  gegangen ,  den  hatte  in  dem  schuhe 
ein  steinleiu  gedrückt,  und  als  er  den  Schuck  aufgebun" 
den  sei  dieser  stein  l^erfiusgefaljen.'  So  geht  noch  heute 
die  sage  von  einem  kahlen  felsen  hei  Goslar,  den  habe 
der  grofsc  Christoph  mit  sich  im  schuh  getragen  imd  zu- 
letzt am  drücken  vermerkt,  habe  den  schuh  ausgezogen 
und  umgekehri ,  dfi  sei  der  stein  an  die  stelle  gefaUen, 
wo  er  noch  liegt.  Am  Solling  bei  Uslar  liegt  ein  pa» 
grofser  Feldsteine,  16 — 20  schuh  lang,  6  —  8  dick:  vor 
undenklichen  jähren  gicngcu  zwei  riesen  über  das  laadl, 
der  eine  sprach  zum  andern  *es  drückt  mich  etwas  ha 
schuli,  es  müssen  wol  grandkörnchen  sein.'  damit  stog 
er  den  schuh  ah  und  schüttette  die  sieine  heramn 
Auch  diesem  mythus  traue  ich  weite  verbreitimg  zu,  deul« 
sehe  sagen  no.  323.  steht  er  von  einem  stein  bei  IlfeU; 
man  weifs  ihn  sogar  von  einem  blofsen  menschenschlag 
zu  erzählen :  die  westf«ilischen  Sauerländer  sind  brave, 
tüchtige  leute.  einer  soU  einmal  nach  Cöln  gegangen  sein 
und  vor  dem  thor  augelaugt  seinen  reisegefahrten  ersudit 
haben,  einen  augenblick  zu  warten,  er  wolle  im  sduil 
nachsehn,  was  ihn  die  ganze  zeit  so  gedrückt  habe,  ifü 
andere  aber  sprach  'ei  nun  warte  vollends,  bis  wir  zar 
herberge  kommen.'  der  Saucrläncjer  liels  es  geschehn  und 
beide  wanderten  durch  die  langen  stiai'sen.  auf  dem  marftt 
wurde  ihm  doch  der  druck  zu  arg,  er  zog  den  schih 
ab,  und  warf  einen  groben  stein  heraus y  der  lange 
Zeiten  daselbst  zum  Wahrzeichen  gelegen  hat. 

Die  edda  nieldet  wunderbares  von  dem  riesen  Skry- 
mir;*)  in  dem  däiimling  seines  handschuhs  hatte  ThiJrr, 
der  gott,  eine  nachtlang  geherbergt,  Skrj^mir  entschläft 
unter  einer  eiche  und  schnarcht;  alsThörr  mit  dem  hammer 
auf  sein  haupt  schlagt,  erwacht  er  und  fragt  ob  ein  blatt 
laub  auj  ihn  herabgefallen  sei  ?  der  riese  legt  sich  un- 
ter eine  andre  eiche  sclilafen  und  schnarcht,  dafs  es  da- 
von im  walde  rauscht;  Thörr  schlägt  härter  und  tiefer 
auf  den  riesen,  'fiel  mir  eine  eichel  ins  gesicht?^  ruft 
der  erwachende,  zum  drittenmal  entschläft  Skr^'mir  uöd 
Th^lrr  wiederholt  den  schlag  noch  tiefer;  der  riese  wacht 
auf,  streicht  sich  über  die  wange  und  spriqlit:  'über  mir 
im  bäum  müssen  vögel  sitzen?  als  ich  erwachte,  däuchtc 
mich,    ihr  rnist  falle  von  den  zweigen  auf  mein  haupt' 

•)  vgl.  faröiftcli  SkrujmsU,    Lyngbye  p.  480. 
» 

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RIBSBN  31S 

Sd,  5i— *53.  DIeee  zöge*  sind  ecbtriesenmäCsig^  und  in 
ganz  andrer  gegend  anzutreffen,  nach  einer  böhmischen 
sage  schlaft  Scharmak  der  riese  an  einem  tiiurm^  den 
seine  feinde  untergraben,  dafs  er  über  ihm  zusammen- 
stürzt; er  rüttelt  sich  auf  und  ruft;  'hier  ist  übel  ruhen, 
iiepögel  besclimeifsen  einem  den  hopfJ^  nachher  schlep- 
pen drei  eine  grofse  glocke  auf  den  eiclibaum,  unter  dem 
Sdiarmak  schlaft,  und  so  stark  schnarcht,  dafs  sich  die 
blätter  rühren;  die  glocke  wird  abgeschnitten  und  pras- 
selt auf  den  riesen  herab,  er  wacht  nicht  einmal  auf. 
Ein  deutsches  kindermärchen  (1,  307)  hat  vollkommen 
ähnliches;  in  einem  andern  werden  mühlsteine  auf  den 
riesen  im  brunnen  hinabgeworüen  und  er  ruft:  *jagt  die 
liüner  weg,  die  da  oben  im  sand  kratzen  und  mir  iör- 
ner   in   die   äugen  schmeifsen !'  (2,  29.)  *) 

Rabelais  **)  und  Fischart  haben  die  fabel  von  Gar- 
gantua  verherHcht.  ursprünglich  war  es  eine  alte ,  etwa 
sdion  celtische,  riesensage,  deren  echte,  einfache  ge- 
stalt  sich  vielleicht  jetzt  noch  aus  haftenden  volksüber- 
lleferungen  gewinnen  llefse.  ***)  Gargantua,  ein  ungeheu- 
rer fresser  und  saufer,  steht  mit  jedem  fufs  auf  einem 
)iohen  berg  und  trinkt,  sich  niederbeugend,  den  da- 
zwischen  herlaufenden  flufs  aus.  Das  weifs  wieder 
auch  eine  westfälische  Wesersage :  am  SoUing ,  unweit 
dem  Eber^tein  liegt  der  Hünenbrink,  ein  freier,  kegelför- 
iniger  berg.  wenn  der  hüne^  der  hier  vorzeiten  hauste, 
sich  morgens  das  gesiebt  waschen  wollte,  blieb  er  mit 
einem  fufse  auf  seinem  berg  stehn,  mit  dem  andern 
schritt  er  eine  halbe  stunde  weit  hinüber  zum  Eichholz, 
und  schöpfte  aus  dem  durch  das  thal  fließenden  bach. 
that  ihm  der  hals  weh  vom  bücken  oder  drohte  zu  bre- 
chen, so  streckte  er  seinen  arm  aus  und  grif  über  den 
Burgberg  nach  Lobach,  Negenborn  und  Holenberg  sich 
zur  stütze. 


*)  vgl,  die  morgenl.  sage  vom  riesen  Andsch  in  Hammers  rosenol 
1,  114.   115. 

**)  Rabelais  eotnahm  seinen  stof  aus  einem  älteren  buch,  das 
schon  im  J5  jh.  gedruckt  und  im  16  öfter  aufgelegt  wurde:  les  chro* 
niques  admirables  du  puis^ant  roi  Gargaotua.  «.  1.  et  a.  (gotliique)  8; 
la  plaisanf^et  joyeuse  liistoire  du  grand  Gargantua.  Valence  1547.  8, 
suictzt  als  Toltisbncli:  la  vie  du  fameux  Gargantua,  le  plus  terrible 
g^nt,   qui  ait  jamais  paru  sur  la  terre.    k  Troyes. 

***)  ein  anfang  gemacht  Ist  in  den  traditions  de  Tancien  dnch^ 
de  Retz  sur  Gargantua  (m^ro.  de  Tacad.  celt  5,  392  —  95)  und  in 
Tolkssagen  aus  dem  Greyersland  (Alpenrosen  1824  p.  57.  58.)  aus 
letztem  entlehne  ich  was  oben  steht. 


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314  RIBSBN 

Zyvei  htinen  ^olinten  der-  eine  auf  dem  EberstotD, 
der  andere  auf  Homburg,  sie  hatten  zusammen  nur  eine 
^xt,  mit  welcher  sie  ihr  hol»  spalteten,  wollte  der  ebcr- 
steiuer  hüne  an  die  arbeit  gehn ,  so  rief  er  liinüber  nach 
d^r  llombiu-g,  die  anderthalb  stunden  ferne  lag;  sogleich 
i4;arf  der  homburger  hüne  die  axt  herüben  ebenso  ge- 
schah e^  un^gekehrt,  wenn  sich  die  axt  auf  dem  Eber- 
steine fand.  Ebenso  erzäliit  eine  gleiclifalls  west^EÜiscbe 
Überlieferung  von  dem  hünen  am  Hünenkeller  und  an  der 
Porta,  die  sich  ihr  einziges  heil  zua^arfen,^)  Die  hü- 
nen des  ßrunsbergs  und  Wütbergs  zwischen  Godelheim 
und  Amelunxen  warfen  sich  grojse  kugeln,  als  bälk, 
iiber  die  Weser  (deutsche  sagen  no.  16,)  Nachbarn  waren 
aiich  der  riese  auf  dem  Weifsenstein  und  Remberg  (in 
Oberhessen.)  sie  hatten  einen  backofen  beide  gemdn- 
schaftlich,  der  mitten  im  felde  lag,  wenn  sie  nun  teig 
kneteten,  warfen  sie  einander  steine  zu,  auf  dies  zei- 
chen sollte  holz  zum  ofenheia;en  von  des  nachbars  bürg 
gebracht  werden,  einmal  geschalis,  dafs  beide  zu  gleicher 
zeit  warfen  ui^d  die  steine  in  der  luft  zusatnnienjuh^ 
Ten ,  **)  die  liegen  noch  heutiges  tags  mitten  im  feld  ober- 
halb INIichelbach,  jedwedem  steht  eine  grofse  riesenhand 
eingedrückt,  ein  andres  zeichen  gab  der  riese  damit,  dafs 
er  ßich  am  leib  kratzte:  es  war  80  laut,  dafs  man  es 
jenseits  deuljith  hörte.  -  Oberhalb  Nettelstadt  am  berge  liegt 
der  Hünenbrink :  hier  haben  vorzeiten  hünen  gewohnt, 
•>velche  n>it  iju^es  gleichen  auf  dem  Stell  (eine  stunde  wei- 
ter) gute  gemeinschaft  hielten,  wenn  die  einen  buken, 
und  die  andern  wollten  ein  b rot  mit  gar  haben,  so  war'» 
Jen  sie  es  nur  herüber.  Auch  a[u  Hüverdingsen,  an  der 
^üdscite  des  schwarzen  sees  wohnte  ein  hüne ,  an  der 
nordseite  s^u  HiUe  ein  andr.er,  und  beide  pflegten  ihr  brot 
ZMsammpn  zu  backen,  eines  morgens  glaubt  der  hüyer- 
dingser  hüne  zu  hören,  dafs  sein  nachbar  den  backtrog 
ausgeräumt  habe  und  fertig  sei;  hurtig  erhebt  er  sich  vom 
Jäger,  nimmt  seiucu  teig  und  springj:  über  dei^  see.  allein 
der  nachbar  halte  sich  nur  atn  bein  gekratzt:  das  war 
das  gcräusch  gewesen.  In  AltehüfiPen  hausten  hünen,  de- 
nen nur  ein  einziges  messer  zu  gebot  stand,  mitten  im 
dorfe  ist  ein  stamm  gewesen,  darin  hat  das  messer  ge- 
gcsleckl;  wer  es  brauchte,  holte  es  da,  und  brachte  es  wieder 
an  seinen  ort.     die  slcUe,    vw)  der  bfium   gestanden,  wird 


*)  Redekers  westfälische  sajren  no.  36, 

**)  vrie  Ht^ugnis  hciu  und  Thors  hammer  (s.  306). 


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HIESBN  315 

pocli  geaeigt«  diete  hünen,  die  man  auch  dutten  nannte, 
sind  gar  einfältige  leute  gewesen,  und  von  ihnen  schreibt 
sich  das  Sprichwort  her  'AltehiÜTien  dumme  dutten?  Als 
die  gcgend  umher  ipfi^ner  mehr  angebaut  wurde ,  gefiel  es 
den  hiinen  nicht  mehr  unter  den  neuen  ankömmlingen 
und  sie  zogen  sich  zurück,  damals  haben  auch  die  dut^ 
ten  zu  AltehüiFen  den  entschlul's  gefal'st  auszuziehen,  sie 
wollten  aber  hin,  und  den  eing^g  in  den  hinimel  suchen« 
yrie  es  ihnen  unterwegs  gegangen,  das  ist  nicht  bekannt 
geworden,  zum  spott  wird  ihnen  aber  nachgesagt,  sie 
wären  endlich  auf  ihrem  zuge  an  ein  grofses,  stilles,  heU 
les  Wasser  gekommen,  ^vorip  sich  die  klare  luft  spiegelte: 
da  hätten  sie  geglaubt  sich  in  den  himmel  zu  stürzen, 
yrären  hineingesprungen  und  ertrunken,*)  Unverkennbar 
geht  aus  so  merkwürdiger  einstimmung  **)  hervor,  dafs 
die  riesen  polkartig  zusammenhielten  imd  auf  bergen  im 
)and  angesessen  waren,  dafs  sie  aber  dem  menschenge- 
schlecht,  welches  man  als  ein  nachrückendes  volk  betrach- 
ten kann,  allmälich  wichen.  Ihre  steinwafBen  wandelt 
die  sage  in  holzbeile  und  mesger,  ihr  kriegsgeschaft  in  die 
friedliche  handthierung  des  brotbacl^ens.  Ein  alter  brauch 
war ,  Schwerte  oder  messer  in  einen  mitten  im  hof  stehen- 
den bäum  einzustecken  (fornald.  sog.  1,  120.  121),  an  dem 
einhauen  des  beils  in  den  stock  erprobte  man  des  mannes 
stärke  (RA.  97.)  Da^  springen  in  den  blauen  see  ist  mär- 
chenhaft und  wird  sonst  in  andern  fälbeln  vorgetragen 
(kinderm.  1,  343.  3,  112,) 

Dieser  sagen  von  geworfnen  steinen ,  hämmern ,  und 
dem  harten  fels  eingeprägten  riesenfingern  sind  allerwärts 
14  Deutschland  so  viele,  dafs  ich  nur  einzelne  auslesen 
kanUf  die  den  ton  aller  übrigen  angeben.  Trümmer  einer 
bürg  bei  Homberg  in  Niederhesaen  zeigen  die  wohnung 
einer  riesin  s^n{  zwei  stunden  seitwärts  neben  dem  dorf 
Gombpt  liegt  ein  stein ,  den  sie  in  einem  wurf  von  Hom- 
berg dahin  schleuderte  und  die  finger  ihrer  hand  sieht 
man  dem  stein  eingedrückt  Den  Scharf enstein  bei 
Gudensberg  hat  ein  riese  im  zorn  hingeuforjen.  Am 
Tyrifjordens  Strand  bei  Buru- in  Norwegen  liegt  ein  grofser 
stein  ^  den  ein  jutul  im  streit  mit  einem  andern  quer 
iiber  die  bucht  geworfen  haben  soll:    in  dem    stein    ste- 

*)  die  vier  letzten  sagen  bei#Redeker  no.  37.  39.  38.  40.  wenn 
duiten  appellativisch  zu  nehmen  isti  verstehe  ich  es  nicht,  aus  dus- 
u/i  verderbt  sejn   kann  es  kauip* 

t*)  ich  wüste  nicht,  dafi^  eiq  andrer  strich  in  Deutschland  reicher 
an  rieiensagen  wäre,  als  Westfalen  und  Ues^n. 


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81«  RIESBN 

heu  deutliche  spuren  seiner  finger  (Faye  p.  15.)  Eine 
stunde  weit  von  Dieren  im  Meifsnischen  liegen  ein  quarz^ 
block  und  ein  granitatein:  jenen  warf  der  riese  von 
Wantewilz  gegen  'den  von  Zadel,  diesen  der  riese  von 
Zadel  gegen  den  wantewitzer ;  doch  beide  fehlten,  und  die 
steine  fielen  weit  vom  ziel  nieder.  *)  Ebenso  warfen  zwei 
kämpfer  zu  Refnäs  und  Asnäs  ungeheure  steine  gegen  ein- 
ander, der  eine  stein  heifst  sortensteen^  der  andere  blak^ 
und  in  letzterm  stehn  noch  die  finger  des  werfenden 
(Thiele  1,  47.)  Ein  gewisser  schieferslein  heifst  nach  Hal- 
lager  53*  in  Norwegen  Jypritling,  weil  ihn  die  riesin 
(jyvri)  mit  butter  überschmiert  haben  soll,  und  man  noch 
die  spur  ihrer  finger  daiauf  sieht.  Zwei  riesen  zu 
Nestved  versuchten  sich  im  Steinschleudern^  der  eine 
warf  nach  Riislövkirche,  doch  der  stein  erreichte  sie  nicht; 
von  dem  andern  wurde  mit  solcher  gev^alt  geworfen,  dafs 
der  stein  über  den  steinwald  wegfuhr  und  noch  jetzt  an 
der  landstrafse  von  Nestved  nach  Ringsted  zu  sehen  ist, 
(Thiele  1,  80  vgl.  176.)  Im  wald  bei  Palsgaard  liegt  ein 
ungeheurer  stein,  ein  jette  ipar/*  ihn  dahin,  weil  ihm  die 
boffrau  %\k  Palsgaard,  um  die  er  buhlte,  abschlägige 
antwort  ertheilt  hatte,  andere  erzählen,  ein  jettemäd- 
chen  habe  den  stein  aus  Fühnen  in  ihrem  Strumpfband 
herüber  geschleudert  (Thiele  3,  65.  66.  vgl.  42.) 

Feindliche  riesen,  wenn  einer  in  Verfolgung  des  an- 
dern begriifen  ist,  springen  schnelles  laufs  über  dörfer 
weg,  und  ritzen  die  grofse  zehe  an  der  thurmspitze, 
dai's  das  blut  in  bogen  sprützt  und  eine  lache  bildet  (deut- 
sche sag.  no.  325.)  beimr  sprung  vom  steilen  fels  läfst  ihr 
fufs ,  oder  der  huf  ihres  rosses  spuren  im  stein  (das.  no. 
318.  319.)  Auch  des  auf  steinen  ausruhenden,  an  felsen 
sich  anlehnenden  riesen  gestalt  prägt  sich  der  harten  ober- 
flache  ein,    z.  b.  Starcathers  bei  Saxo  gr.  111.**) 

Als  schmiede,  gleich  den  cyclopen,  werden  in  un* 
serer  volkssage  die  riesen  niclit  geschildert,  und  das  schmie- 
den der  waiFen  bleibt  den  zwergen  vorbehalten.  Nur  in  der 
heldensage  schmiedet  der  riese  Aspriän  schuhe  (Roth.  2029), 
und  Vade,  der  riese,  läfst  seinen  söhn  Velint  erst  bei 
Mimir,    dann  bei  zwergen  schmieden  lernen. 

-Allein    smidhr    bedeutet    in    der   altn.    spräche  nicht 


*)  Preiuker  in  Kruses  deutsch,  alterth.  III.  3,  37. 
••)   Herod.  4,82:   i'/ro? 'if|^«xJl#off  q>aivQvai>   h   rtSrfii^   hhv,u 


nova^ov,    io  Scytiiieo. 


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R1E3GN  817 

fab^,  sondern  überhaupt  künstler,  und  nam<^ntlich  bat^ 
meist  er:  als  kimslreiche  baumeister  stellen  sich-  die  rie- 
sen ,  die  urheber  jener  colossalen  bauten  des  alterthuuis 
(8.307)  wesentlich  dar*  An  den  neun  rlesensäulen  bei 
Äliltenberg  sieht  das  volk  noch  die  handgrilTe  der  riesen, 
die  damit  vorhatten  eine  brücke  über  den  Main  zu  bauen 
(deutsche  sag.  no.  1^.) 

Die  bedeutsamste  erzählüng  steht  in  der  edda  selbst. 
ein  iötunn  war  zu  den  äsen  gekommen,  hatte  sich  für 
einen  Schmied  ausgegeben  und  anheischig  gemacht,  in  firist 
von  anderthalb  jähren  eine  feste  bürg  zu  bauen  ^  wenn 
man  ihm  Freyja  und  dazu  sonne  und  mond  bewilligen 
wolle.  Nachdem  die  götter  zu  rath  gegangen  waren,  ent- 
schlossen sie  sich  auf  das  anerbieten  einzugehen,  wenn 
der  riese  den  bau  in  einem  winter^  ganz  allein  ohne 
mannes  hülfe,  zu  vollfuhren  unternehme:  sei  den  ersten 
ftommertag  etwas  an  der  bürg  unfertig,  so  werde  er  alier 
seiner  anspräche  verlustig.  Auf  welche  weise  der  schmied 
den  bau,  blofs  mit  seinem  starken  pferd  SpadJiilfari^ 
beinahe  vollbrachte,  durch  Loki  aber  gehindert  und  von 
Thörr  erschlagen  wurde,    meldet  Sn.  46.  47. 

Dieser  mythus  ist  nun ,  nach  jener  wunderbaren  fluc* 
tuation,  die  in  echten  Volksüberlieferungen  oft  wahrge« 
nomnien  wird .  neugestaltet  in  andern  zeiten  und  gegenden 
forllebend.  Ein  deutsches  märchen  setzt  den  teufet  an 
die  stelle  des  r lesen ,  wie  in  einer  ganzen  reüie  von  sa- 
gen der  teufel,  nicht  anders  als  der  ältere  riese,  bauten 
ausführt  und  steine  schleudert:  der  teufel  soll  einem  bauer 
ein  haus  bauen  und  dafür  seine  seele  erlangen ;  aber  ehe 
der  hahn  Iräht,  mufs  er  vollenden^  sonst  ist  der  bauer 
frei,  der  teufel  verfallen.  Schon  nalit  sich  das  werk  dem 
ende,  eine  einzige  ziegel  bleibt  noch  aufzudecken,  da  ahmt 
der  bauer  den  halmekrat  nach,  plötzlich  erkrähen  alle 
hähne  in  der  runde,  und  der  menschenfeind  verliert  die 
wette.  Allerthümlicher  lautet  eine  norrländische  sage  *) : 
König  Olaf  von  Norwegen  gieng  in  tiefen  gedanken  zwi- 
schen berg  und  thalj  er  hatte  im  sinn  eine  kirche  zu 
bauen,  deren  gleichen  sich  nicht  finden  sollte,  allein  er 
sah ,  dafs  er  den  bau  nicht  zu  stand  bringen  könnte  ohne 
sein  reich  sehr  zu  beschweren.  In  dieser  kümmernis  be- 
gegnete ihm   ein    maun^    seltsames    ansehens,    und    fragte, 

Olaf   offenbarte    ihm 


')  aus  Zetterströms  samlnng  mitgetheilt  im  dritten  heft  der  Idon«. 
zweite  auU.    Stokb.  1816  p.  60.  61. 


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818  RIESEN 

teih  Vorhatten,  und  der  riese  (troll)  erböl  sicli  binnen 
gewisser  teit  ganz  allein  den  bau  zu  vollbringen,  zum 
lohn  bedung  er  sich  aber  sönnä  und  hiörtd ,  oder  den 
heil,  Olaf  selbsti  Olaf  gieng  darauf  ein ,  entwarf  aber 
einen  solchen  plan  zu  der  kirche,  dessen  aus  Führung  ihn 
unmöglich  dauchte:  die  kirche  Sollte  so  grofs  sein,  dafs 
sieben  priester  auf  einmal  darin  predigen  könnten,  ohne 
einander  zu  stören,  die  pfeiler  imd  zierrate,  auswendig 
und  inwe*ndig,  sollten  aus  hartem  flinö  gearbeitet  werden 
u.  s.  IV.  Bald  stand  eine  solche  fertig  da ,  blofs  dach  und 
spitze  felilten.  Neubekümmert  über  den  eingegangenen 
bandet  wandelte  Olaf  wieder  durch  berg  und  thal;  auf 
einmal  hörte  er  in  einem  berg  ein  kind  weinen  iind  eine 
rieseöfrati  (jätteqvinna)  es  mit  diesen  wollten  stillen:  'zifs, 
Äifs!*)  morgen  kommt  fVind  und  fVetter  dein  valer 
heim  und  bringt  mit  sich  sonne  und  riiönd,  oder  den  heil. 
Olaf  Selbst!'  Olaf,  froh  über  diese  cntdeckung**)  (denn 
mit  des  bösen  geistes  uailien  vernichtet  man  seine  macht) 
kehrte  nach  haus;  alles  war  fertig,  die  spitze  eben  auf- 
ges'etzt.  Da  rief  Olaf:  ^Vind  och  Veder  l  du  har  satt 
spiran  sneder!'*^*)  sogleich  fiel  der  riese,  mit  erschreck- 
lichem krach ,  von  dem  kämm  der  kirche  herab  und  zer^ 
brach  in  viele  stücke,  welches  lauter  flinssteine  waren. 
Nach  abweichenden  erzähhingen  Mefs  der  }ätte  Bläster 
Und  Olaf  rief: 

BlSster!    sStt  spiran  Vä^ter! 
oder  er  hiefs  Slätty    und  Olaf  soll  gerufen  haben: 

Slätt!  satt  spiran  rättlf) 
In  Norwegen  selbst  geht  die  nemliche  sage  um,  der  rie$^ 
heifst  aber  Shalle,  und  zu  Nidarös  erbatite  er  die  präch- 
tige kirche ;  in  SchonÄi  von  dem  riesen  Finn ,  der  diei 
kirche  zu  Lund  erbaut  und  durch  den  heil.  LaurentiüS 
in  stein  verwandelt  wird,  ff) 

Von  einer  andern  Seite  berührt  sich  aber  mit  der 
^ddischen  fabel  folgende  Überlieferung  aus  Kurland.  In 
dem  dsenVenschen  Kintegesinde  liegen  alte  tnäuersteine  in 
bedeutender  länge  und  breite  sich  erstreckend  und  dasvolk 
erzählt:    vor    der    pest    (d.  h.  vor    undenklichen    jähren) 

')  die  interjection  nehme  ich  aas  H.  Sachs  IV.  3,  8b ;  der  schweA 
text  hat:  tyst,  tyst! 

**)  fast  ebenso,  und  mit  gleichem  erfolg,  kommt  im  kbdeTB. 
55  der  name  Rampenstilz  heraus»  vgl.  3,  98. 

•••)  Wind  und  Wetter,  du  hast  die  spitze  schief  gesetzt! 
•f)  B^läflter,  setze  die  spitze  nach  wesf  en !  Slätt,  setze  die  spitze  recht! 
ff)  Finn  Magnussen  lex.  myth.  351.  352. 


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RIESEN  »19 

wohnte  in  dör  gegehd  von  Hase'npöt  im  dser  wen  sehen 
Kintegesinde  ein  starker  mann  (riese)  mit  nanien  Kinte, 
CT  konnte  ungeheure  eleinmasen  hauen  und  glätten,  und 
selbst  die  gröfsten  blocke  fülu'te  et  mit  einer  einzigen 
weifsen  stute  Zusammen,  sein  w^ohnhäu^  bautö  er  auf 
felsen^  seine  felder  zäunte  er  mit  stein^ällen.  Einmal  hhtte 
er  streit  mit  feinem  libauschen  kaufmann:  um  sich  an  ihm 
zu  rächen  lud  er  einen  stein  TÖn  zwölf  füdern ,  spaiinte 
Seine  weiße  siute  vot,  und  fuhr  nach  Libau  in  der  ab- 
sieht, den  fels  vor  des  kaufmanns  thüf  zu  wälzen.  Vor 
der  Stadt  angelangt  durfte  er  aber  nicht  über  die  brücke, 
man  fürchtet^,  sie  würde  unter  der  last  brechen,  und 
verlangte,  er  solle  den  stein  aus  dem  Stadtgebiet  weg- 
schaffen. Voll  verdrufs  that  es  der  starke  mann,  und 
^arf  den  stein  an  dem  weg  ab ,  der  über  Battenhöf  nach 
(jrobin  führt;  Da  liegt  er  noch  bis  auf  heute ,  vorbeifah- 
tende  Leiten  zeigen  und  'staunen  ihn  an.  *)  Des  Kinle 
weii'se  stute  gleieht  dem  Svadhilfari  des  nord.  8(^hmieds; 
die.  Störung  des  riesen  in  seinem  bau  erfolgt  auf  andre  weise, 
König  Olaf  bestand  noch  manches  abenteuer  mit  rie- 
sen und  riesinnen.  Als  ei*  in  Hornsherred  den  hohen 
slrandhügeln ,  wo  eine  riesin  wohnte  >  vorbeisegelte,  rief 
sie  ihn  an  i 

S.  Olaf  med  dit  rode  skiäg, 

du  Seiler  for  när  ved  min  kjelderväg! 
Olaf  zürnte,  und  stfett  das  scbif  durch  die  klippen  zu  len- 
ken,   drehte  ers  gpgen  den  berg,   antwortend: 

hör  du  kjerling  med  ro'k  og  med  tecn, 

her  skal  du  sidde.  og  blive  en  steen ! 
kaum  hatte  er  ausgeredet,  so  barst  der  berg,  die  riesin 
wurde  in  einen  siein  perwandelt  und  man  sieht  sie  noch 
an  der  östlichen  bergmauer  mit  roden  und  spindel  si- 
tzen; an  der  entgegengesetzten  mauer  entsprang  eine  hei- 
lige quelle.  **)  Nach  einer  schwed.  erzälilung  wollte  Olaf 
durch  Värmeland  über  den  Vanersee  nach  Nerike  segeln, 
der  troll  rief  entgegen} 

kong  Olof  med  dit  pipuga  skägg^ 

du  segiar  för  när  min  badstugu  vägg! 
Olof  versetzte:    du  troll  med  din  räk  och  ten 

skal  bli  i  sten, 

oeh  aldrig  mer  göra  skeppare  men! 


*)  mitgetbeilt  von  Watson  in  den  jahresrerhaiidl^  der  karl.  ge- 
seUsch.  a,  311.  dl2. 

**)  danske  viser  2,  12^  18.    Thiele  1,  32. 


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320  RIESEN 

die  riesin  u>urde  zu  steifiy  der  könig  errichtete  ein  kreut 
zu  Dalbykifche  in  Elfdals  lierred.  *)  den  dän*  reim  führt 
mau  uucii  folgendefmafsen  an: 

liör  du  Oluf  rodeskjäg, 

hvi  seiler  du  igjennem  vor  stüeväg? 
und       etat  du  der  og^  bliv  til  steen, 

og  ingen  dannemand*  mere  til  meen.**) 
Die  norweg.  sage  selbst  lautet  so:  das  gebirge  Horneleii 
auf  Bremanger  Meng  vormals  mit  Maröe  zusammen,  wird 
aber  jetzt  durch  einen  sund  davon  getrennt.  S.  Olaf  kam  da- 
her gesegelt  und  gebot  den  klippen  sich  zli  sondern,  damit  er 
hindurch  fahren  könne,  es  geschah;  doch  augenblicklidi 
sprang  eine  riesin  aus  dem  berg  und  schrie: 

sig  du  mand  med  det  hvide  skjäg 

hvi  Splitter  du  saa  min  klippeväg? 
Olaf  entgegnete:    stat  trold  nu  evig  der  i  steen, 

saa  gjör  du  ei  nogen  mand  meer  meen.  • 
so  geschahs  und  das  Steinbild  steht  noch  auf  der  felsen-^ 
mauer  (Faye  124.)  Olafs  rother  hart  gemahnt  an  dea 
des  riesenfeindes  Thurr  (s.  120);  pipuga  skägg  scheüaC 
gleichviel  mit  pipsiägg ,  keilförmiger,  spitzer  hart,  \rjrf 
Ihre  anführt,  der  norweg.  reim  hat  den  weifsen  harti 
solche  abweichungen ,  und  die  Varianten  kellermauer, 
badstubenmauer,  klippenmauer  verbürgen  der  tradition 
ihre  volksmäfsigkeit.  es  wird  nicht  befremden,  w^enn  ich 
ein  noch  älteres  Vorbild  der  ganzen  Überlieferung  in  der 
edda  selbst  nachweise.  Als  Brynhildr  mit  ihrem  geschmück- 
ten wagen  den  *helveg'  fuhr,  kam  sie  an  einer  g^gr  Woh- 
nung vorüber;  die  riesin  trat  ihr  mit  den  Worten  ent- 
gegen: skaltu  i  gögnom  g4nga  eigi 

grioti  studda  gardha  mina!     Saßm.  228* 
und  nun  entspinnt  sich    eine  wechselrede,    die  von  Bryn- 
hildr mit  dem  ausruf  geschlossen  wird 

seykstu  g^^gjarkyn  (vgl.  obeti  s.  282) 
das  haus  der  riesin  ist  aus  steinen  kunstreich  gefügt;  die 
späteren  reime  reden  von  keller  und  badstubc ,  die  rierfn 
erscheint -als  hausfrau  mit  roden  und  spindeL  recht  und 
heiligkeit  des  hausfiiedens  werden  gekränkt,  wenn  fremde 
hindurchfahren. 

Dicht  an  Romsdalshorn  in  Norwegen   liegt  ein  bei^, 
Troldtinder  genannt,   dessen  vorragende  zacken  von  riesen 


')  Fernows  Vänneland  p.  323. , 

**)  N>erups  karakteristik  af  Christian  4.  p.  IT. 


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RIESEN  321 

hermliren,  welche  Olaf  in  steine  verwandelte,  als  sie 
ihn  hindern  wollten  in  Romsdal  das  christenthum  zu  pre- 
d^en.*) 

Nach  Saßm.  145*>  scheint  es,  dafs  die  rlesen,  gleich 
den  Zwergen,  das  tageslicht  zu  scheuen  hahen,  und  vom 
aabrechenden  tag  überrascht  in  steine  verwandelt  wer- 
den. *dagr  er  nü',  ruft  Atli  der  Hrlmgerdhr  zu,  «hafnar 
mark  thyckir  hloegligt  vera,  thara  thu  t  steins  liki 
stendr,^ 

Seltsame,  menschähnliche  gestalten,  die  sich  am  tropf- 
stein,  flins  und  sinter  im  kleinen,,  an  basalt  und  granit- 
frfsen  im  grofsen  bilden,  haben  eine  menge  solcher  vor- 
stelkmgen  von  versteinerten  riesen  erzeugt  und  genährt* 
die  alte  und  volksmäfsige  gebirgsteiminologie  bedient  sich 
überall  der  benennungen  einzelner  theile  des  leibs,  und 
den  bergen  wird  haupt,  hals,  rücke,  achsel,  bein,  fufs 
beigelegt  (RA.  541.) 

Hier  treten  auch  mehrfache  beruhrungen  und  ver- 
scäiicbangen  der  sage  von  zwergen,  wald  und  Wassergei- 
stern mit  den  riesen  ein,  wie  schon  der  allgemeinere  aus- 
druck  troll  in  nordischer  Überlieferung  anzeigt,  ber^voh- 
nende  zwerge  unterliegen  gleich  den  riesen  der  Verwand- 
lung in  steine.  Rosmer  havmand  (meermann)  springt 
oier  fliegt,   wie  es  sehr  bezeichnend  heifst,  in  stein.**] 

Vorzüglich  aber  läfst  sicli  keine  scharfe  grenze  ziehen 
zwischen  riesen  und  den  wilden,  rauhen  waldgeistern^ 
die  s^270 — 274  abgehandelt  wurden,  im  walde  der  bin- 
genheimer  mark  sieht  man  die  steinsilze  der  wilden  leute^ 
die  ^a  vorzeiten  hausten ,  und  ilu-e  handgriffe  an  den 
steinen  (deutsche  sag.  no.  166.)  Im  gasteiner  thal,  erzählt 
Muchar    s.  137,     wohnten    bei     menschengedeuken     noch 


*)  Faye  124  nach  Sciionings  reise  2,  128.  Sanct  Olafs  saga  pä 
svenske  rini  ed.  Hadorpli  p.  37:  'ett  troll,  som  draap  X  man,  liun  ^/or- 
dit  i  stena,  och  gtander  an;  flere  troll  han  och  bortdref,  sidan  fol- 
<^kit  i  frijd  blef.'  Gewisse  runde,  topffonni^e  löcher,  die  man  in 
bergen  findet,  sind  nach  dem  norweg.  Volksglauben  von  riesen  gebil- 
det, sie  heifsen  jätteßrjter ,  troldgrj^ler,  aber  auch  S.  Öles  gryter, 
(Hallager  53b). 

'*)  danske  viser  1,  223  Mian  sprang  saa  vildt  i  bjerget  om»  og 
hUp  til  Jlinieslen  sorte.'  1,  233  *Btt9L  ßöj  han  bort  i  roden  ßinf,  og 
blev  saa  borte  med  alle.'  1,  185  von  einer  bösen  Stiefmutter:  'hun 
sprang  hört  i  ßintesteen.  Aber  auch  H.  Sachs  sagt  IIJ.  3,  3l.i  'vor 
Zorn  zu  einem  stein  springen^;  das.  53b  »vor  sorg  zu  eim  stein  sprio'- 
gen';  IV.  3,  97d  'vor  leid  wol  zu  eim  stdin  möcht  springen.'  Hef- 
tig erschütternde  gemütsbewegungeu  machen  das  leben  erstarren  und 
verkehren  es  in  kalten  stein. 

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822  RISSEN 

wilde  männer  j  defen  gescUecht  seitdem  auaatarb.  einer 
der  letztem  versicherte,  er  habe  den  Saliesenwald  am 
Slubnerkogel  neunmal  *mair  werden'  (absterben  und  wie- 
der aufgrünen)  sehen:  es  gedenke  ihm,  wie  der  Bock- 
steinkogl  im  Kötschachthal  die  gröfse  eines  kranawetvogk, 
das  mächtige  Scliareck  die  eines  semmelweckens  gehabt 
Jene  männer  besafsen  riesenstarke :  eine  pßugsc/uir  üb^ 
das  ganze  t/ial  zu  werfen  vrar  ihnen  leicliter  wurf. 
einst  lehnte  ein  solcher  mann  seinen  stock  an  das  reiter- 
bauernhaus,  und  das  ganze  haus  bebte,  Sie  wohnten  in 
einer  unzugänglichen  hole  am  linken  Acheufer  zu  eingang 
der  Klamm;  vor  ihrer  hole  standen  apfelbäume,  mit  den 
äpfeln  warfen  sie  scherzhaft  auf  vorbeiziehende  Wande- 
rer, man  sieht  noch  Überreste  ihres  hausrats«  sie  waren 
den  thalbewohnern  mehr  hold  als  feindlich,  und  stellten 
ihnen  oft  butter  und  milch  in  menge  vor  die  liausthüren. 
Dieser  letzte  zug  stimmt  eher  zum  wesen  der  zwei^ge  und 
elbe  als  der  riesen« 

In  die  riesenart  greift  aber  ganz  ein ,  was  s.  274  über 
den  menschenjr essenden  liuorco  oder  ogre  mitgetheft 
wurde,  gleich  ihm  gelüstet  es  den  steinschleudernd« 
cyclopen  in  der  odyssee  nach  dem  fleisch  der  menschen; 
und  wiederiun  ist  ein  tartarisclier  riese  Dep4gh6z  (sdiei- 
telauge)*)  zwischen  Polypheni  und  G<irgantua  in  der 
mitte  stehend,  als  kind  saugt  er  alle  ammen  aus,  die  ilun 
ihre  brüst  reichen ;  dem  erwachsuen  müssen  die  Oghuzier 
täglich  zwei  mensdien  und  500  schafe  liefern.  Bissat  der 
held  brennt  ihm  mit  einem  geglühten  messer  das  äuge  aus. 
der  blinde  riese  setzt  sich  vor  die  thüre  und  fühlt  jeden 
hinausgehenden  bock  an.  ein  pfeil,  auf  seine  brüst  abge- 
schossen, drang  nicht  durch,  er  ruft  *was  quält  niicb 
hier  eine  fliege?'  Auch  im  indischen  Mahabharata  wird 
Hidimbaa  ein  riese  (rdkschasas  **) )  als  menschenfresser, 
misgestalt  und  rothbärtig  vorgestellt:  menschen  fleisch  wit-- 
tert  er  von  weitem  ***)  und  befiehlt  Hidiniba,  seiner 
Schwester,  es  herbeizuholen,  die  sich,  wie  in  den  kindtf*- 
märchen  die  frau  oder  tochter  des  Ungeheuers,  des  schla- 
fenden beiden  erbarmend  annimmt. 


*)  von  Diez:  der  neuentdeckte  oghnzische  cyklop  verglichen  mit 
dem  liomerUclien.    Halle  und  Berlin  1815. 

*')  Tevetats  Wiedergeburt  (Reiuliart  cclxxxi)  eine  rakscbasi,  rie* 
■in,   kein  tliier. 

••')  'ütark  wirkt  menschengenicli  wahrhaft,  erquikt  weidlich  Hie 
nase  mir.'  Arditcimnafl  rei^e  von  Bopp  p.  18.  ebenso  in  unsem  när- 
cben  (oben  8.271.) 


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RTB6EN  328 

Von  soldier  grausamen  blutgicr  wissen  die  deutschen 
riesensagen  nichts^  selbst  der  nord.  iötunn  ^vlrd  nirgends 
als  mensch enfresser  vorgestellt,  wie  der  griechische  und 
morgenländische  riese^  unsere  rlesen  sind  um  ein  gutes 
theii  treuherziger,  der  menschenhüdung  an  gestalt  und 
sinnesai^t  näher:  ihre  Wildheit  übt  sich  am  liebsten  jn 
mSchiigen  steinwürfen,  bergversetzungen  und  Ungeheuern 
bauten. 

In  lebendiger  volkssage  hat  sich  die  eigenlieit  der 
einheimischen  riesennatur  am  treusten  fortgepflanzt;  die 
riesen  der  dichter  sind  weit  weniger  anziehend,  und  zu- 
mal in  den  aus  romanischer  poesie  entlehnten  fabeln  im- 
mer nur  mit  allgemeinen  zügen  geschildert.  Harj>in,  ein 
riese  im  Iweiu  fordert  eines  ritters  tochter,  hängt  ihm  die 
söhne  auf  und  verheert  das  land  (4464.  4500)  *) :  als  er 
getödtet  wird,  fällt  er  wie  ein  bäum  zu  boden  (5074.}**) 
noch  unbedeutender  erscheinen  zwei  riesen  6588  ff.  Auch 
im  Tristan  ist  die  beschreibung  des  riesen  Urgan  (15923) 
wenig  mehr  belebt,  er  verlangt  zins  Von  rindern  imd 
Schafen;  seine  abgehaune  hand  will  er  wieder  anheilen 
(16114.)***)  Schon  hessere  färbe  haben  die  riesen  in  den 
gedichten  aus  dem  kreis  der  heldensage.  Kuperan  (Cii- 
priän,  lieldens.  171)  im  hüra.  Sifrit  herscht  über  tausend 
riesen ,  er  hält  eine  geraubte  königstochter  eingeschlossen, 
den  riesen  im  könig  Rother  gehricht  es  nicht  an  treffen- 
den zügen  (vgl.  8.  306) ,  auch  nicht  Sigen^t ,  Ecke  und 
FasoU  (s.  146.)  wenn  der  schlafende  riese  alhmet,  biegen 
sich  die  baumäste  (Sigen,  60),  er  rauft  häume  aus  in  dem 
tann  (73.  74),  bereitet  pfundige  schübel  (wieken)  von  lei- 
nen zum  hinden  der  wtmden  (113),  nimmt  den  held  un- 
ter die  uclmen  imd  trägt  ihn  fort  (110.  158.  Hag.  9 
Lafsb.)  Eine,  riesin  im  Wolfdiet.  trägt  Iield  und  rosy 
gleich  dem  eichhorn  springend ,  72  meilen  übers  gebirg 
in  ihre  riesenklause ;  die  riesin  im  Volkslied  (Aw.  1,  161  j 
mann  und  pferd  auf  einen  meilenhohen  bergy   vro  zwei 


*)  ein  rUe  Min^el  al  der  lande. ^    Bit.  6482. 

••)  zu  bemerken  ist,  dafg  sein  gebein  vor  dem  hurgthor  aup^e^ 
wahrt  wird  (5851),  wie  Fiscliart  Garg.  41*  *«agt  man  von  risen  lAd 
hfliloen,  zeigt  ihr  gebein  in  den  kirchen,  unter  den  ratsheusern.* 
So  bangt  in  der  kirclie  der  heidenjungfrau  tropfende  rippe  (deutsche 
Mg.  140)  und  ihr  gelblockiges  haar  (das.  no.  317);  man  bewahrt  im 
scblofs  den  rieaenknochen  tdas.  no.  324.)  Höruer  eines  riesenrinds  in 
der  Vorhalle  de«  tenipels  angenagelt  (Niebuhr  rum.  gesch.  1 ,  407.) 

•••)  häufig  sind  die  romaniscliea  riesen  pfortner  und  brücken- 
wächter. 

21* 


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824  RIESEN 

gesotten  liegen  und  6iner  am  spiefs  (also  doch  spur  von 
andropliagen) :  sie  bietet  dem  lield  ilire  tochter  an,  und 
als  er  entrinnt,  schlägt  sie  mit  einer  keule,  dafs  alle 
blumen  und  blätter  des  waldes  zittern.  Rütze,  des  riesen 
Welle  Schwester  im  heldenbuch  nimmt  einen  bäum  für 
eine  Stange,  mit  wurzeln  und  ästen,  dafs  zwei  wagen  sie 
nicht  gefahren  hätten;  ein  anderes  weib  *von  wil- 
der art'  geht  über  alle  bäume  und  bedarf  zweier  rindes 
häute  zu  ihrer  beschuhung.     Riese  Langbein    (danske  vis. 

1,  26)  schläft  im  wald  und  wird  von  den  beiden  auf- 
geweckt. 

In  Überlieferungen  des  norwegischen  und  schwedischen 
Volks  wird  noch  manche  unbekannte  und  ungesammehe 
riesensage  *)  fortleben ,  und  auch  bei  uns  in  Deutschland 
einiges  aus  mündlicher  erzählung  zu  gewinnen  sein,  aus 
bächern  weniger.  Der  thurgauer  Eishere  (d.  i.  Egisheri, 
terribilis  exercitus)    bei   dem    möncli   von  S.  Gallen   (Perti 

2,  756)  ist  ein  riesenmäfsiger  held,    kein  riese. 

Von  opfern,  die  riesen,  wie  freundlichen  elben  und 
liausgeistern ,  gebracht  worden  wären,  von  einem  riesen- 
cultus  nirgend  mindeste  spur,  nur  in  beschwürungen  vird 
Fasolt,  der  riese  des  Sturms  angerufen:  er  kann  dann 
aber  für  einen  halbgott  gelten,  gleich  Thorgerdfar  und 
Irpa,    die  im  Norden  augebetet  wurden. 


*)  Hülphers  3,  47  erwähnt  in   Herjedal  Möjlige  berättelser  ob 
fordna  jätiat\   oiiue  darauf  einzugehen. 


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ELEMENTE  325 


CA.P.  XV.    ELEMENTE. 


NacLdem  wir  gütler,  lialbgötter  uod  heroen,  die 
ganze  schar  freundlicher  oder  femdlicher  wesen  betrach- 
tet haben  ^  die  den  menschen  geistig  oder  leiblich  überle- 
gen zwischen  ihnen  und  der  gottheit  eine  mitte  ausfüllen; 
richtet  sich  unser  blick  auf  einfache  erscheinungen  der 
natür,  welche  von  jeher  durch  ihre  stille  gröi'se  unver- 
kennbare, unmittelbare  gewalt  über  das  menschliche  ge- 
müt  ausüben,  diese  alldurchdringenden ,  alles  in  sich  auf- 
nehmenden, überall  vortretenden  urstofTe  müssen  ihm 
schon  an  sich,  ohne  dafs  sie  in  nähere  beziehung'zu  gött- 
lichen wesen  gesetzt  werden,  heilig  sein,  ein  solclier  be- 
z«g  bleibt  in  keiner  mythologie  aus,  er  kann  aber  nicht 
hindern ,  dal's  den  elementen  eine  gewissermafsen  davon 
unabhängige  eigenthümliclie  Verehrung  zugewendet  werde. 

Auf  der  andern  seite  erwäclist  aus  dem  grund  und 
boden  dieses  elementardienstes  niemals  die  eigentliche  re- 
ligion  eines  Volkes ;  der  glaube  selbst  entspringt  vielmehr 
in  der  geheimnisreichen  fülle  übersinnlicher  ideen,  die 
mit  jenen  stofPen  nichts  gemein  hat,  sondern  sie  sich  un- 
terwirft. Aliein  der  glaube  duldet  die  heiUghaltung  der 
demente  in  seinem  geleit,  er  nähert  und  vermischt  sie 
mit  sich,  und  sie  kann  sogar,  wenn  er  untergeht  oder 
vergröbert  wird,  unter  dem  volke  fortwähren  und  länger 
anhalten.  Der  gemeine  häufen  läfst  seine  grofsen  gotthei- 
ten  fahren  und  beharrt  doch  noch  eine  Zeitlang  in  dem 
cultus  vertraulicher  hausgütter;  auch  ihnen  entsagt  er, 
und  behält  seine  scheu  vor  den  elementen.  Die  geschichte 
des  heidnischen  und  christlichen  glaubens  Jehrt,  wie  lange 
nach  Vertilgung  jenes  und  befestigung  dieses  eine  menge 
abergläubigcher  gebrauche  fortdauerten,  ja  heute  fortdauern, 
die  mit  Verehrung  der  demente  zusammenhängen,  es  ist 
der  letzte ,    kaum  auslilgbare  heidnische  Überrest. 

In  solchem  sinu  habe  ich  mich  bereits  oben  (s.  68 — 
70)  über  einen  nalurcultus  unserer  vorfahren  erklärt,  den 
rrtUic  Zeugnisse  beglaubigen,  die  man  verkehrterweise  ge- 
gen gütler  des  heidentluuiis  zu  gebrauchen  pllegt.  die  göl- 
ter standen  und  fielen  aus  andern  Ursachen. 


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S26  ELEMENTE 

Das  lautere,  linuende,  quellcDde  und  versiegende 
w asser,  das  leuchteDde,  erweckte  und  erlöschende  feaer, 
die  nicht  den  äugen,  aber  dem  ohr  und  geriihi  yeruehm- 
bare  luft ,  die  nährende  erde ,  aus  welcher  alle«  wächst 
und  in  welche  alles  gewachsene  aufgelöst  wird,  erscheiDeo 
dem  menschlichen  geschlecht  von  fi*üher  zeit  an  heilig  und 
ehrwürdig;  gebrauche,  geschäfte  und  ereignisse  des  lebens 
empfangen  erst  durch  sie  ihre  feierliche  weihe,  weil  sie 
in  unablässig  reger  thätigkeit  und  kraft  auf  die  gesamte 
nalur  einwirken,  widmet  ihnen  der  kindliche  mensch  Ver- 
ehrung, ohne  dafs  uothwendig  ein  besonderer  gott  da- 
zwischen tritt,  noch  heute  erweckt  die  herrlichkeit  und 
macht  dieser  urstoffe  unsere  bewunderung;  wie  hätte  sich 
das  alterlhum  seines  anstaunens  und  anbeteus  erwehren 
können?  solch  ein  cultus  ist  einfacher,  freier  und  wür- 
diger als  das  dumpfe  niederknien  vor  bildern  und  göfzen. 

Dieselben  demente  gewährten  reinigung,  hedung,  be- 
fricdigung,  der  beweis  durch  gottesurtheile  beruht  grofsen- 
theils  auf  ihnen ;  der  mensch  aber  muste  sich  ilirer  in  der 
lautersten  gestalt  und  zur  gelegensten  zeit  versichern. 

Wir  wollen  alle  der  reihe  nach  erwägen« 
I.    WASSER.*) 
stellen ,    welche    ergeben ,    dafs    Alamannen    und    Franken 
flüsae  und  quellen  verehrten ,    sind  s.  68.  69.  70    und  im 
anli.  XXX — xxxYU  beigebracht.**)    das  Volk  betete  am  ufer 


*)  goth.  vat6^  altn.  vatn^  ahd.  wazar,  alts.  watar,  tLgs.väter; 
dem  lat.  aqua  entspricht  goth.  a/ua,  ahd.  o/m,  ags.  ed,  altu.  tf, 
aber  die  bedeutuDg  ist  fluvius.     goth.  i^^gs^  ahd.  wäc  ist  fluctiu,  flut. 

**)  wenn  ich  mich  der  bui chardisclieu  samloDg  liier,  nnd  bei 
andrer  gelegeoheit,  für  den  deutschen  aberglauben  bediene,  so  über- 
lefce  ich  wol,  dafs  sie  in  den  meisten  fölleu  (nicht  überall)  aus  cofl- 
cilien  schöpft,  die  uicht  in  Germanien,  sondern  in  Gallien,  Italieo, 
Spanien  gehalten  worden.  Erwägt  man  inzwischen ,  dafs  bis  zum  H. 
9  jli.  deutsche  Völker  sich  durch  alle  diese  länder  ergossen  hatten,  daf^ 
die  ags.  und  laugob.  gesetze,  der  capituinrien  zu  geschweiften ,  ^Icidi 
jenen  concilienschlüssen  gegen  wasser,  bäum  and  steincnltus  eifen, 
dafs  ihn  Agathias  und  Gregor  von  Tours  ausdrücklich  den  Alamaun«« 
und  Frauken  zur  last  legen  ;  so  ergeben  sich  diese  superstitioneo  aU 
etwas  gemeinschaftliches  für  italische,  gallische,  germanische  Völker- 
schaften, wovon  sich  weder  die  eine  noch  die  andere  ausschlie&ea 
läfst.  Man  hat  aus  Agathias  und  Gregor  erweisen  wollen,  unsere  vor- 
fahren hätten  blofsen  natnrdienst,  keine  götter  gehabt,  für  gleir^ 
uncritisch  wurde  ich  lialten ,  wenn  man ,  gewissenuafsen  umgekehrt, 
Agathias  und  Gregor  verdächtigen  wollte,  ihre  behauptungen  aus  kic- 
chen verboten  hergenommen  zu  haben,  die  ursprünglich  Deutschland 
•rar  nicht  aiigiengen.  In  die  weltliclien  gesetze  scheinen  solche  ver- 
böte erst  durch  die  capitulariou  geratheu;    die  äkeru  volksrechte  hat- 


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WASSER  HEILAWAC  327 

des  flusses,  am  raiid  der  quelle,  zündete  lichter  an, 
stellte  opfergaben  hio.  es  beifst:  fontibus  veneratiouem 
exhibere,  ad  foutanas  adorare  (vgl.  leg,  Liutpr.  6,  30), 
ad  fontes  votum  facere ,  reddere ,  exsolvere ,  orare  ad 
fontes ,  offerre  ad  fontes ,  munus  deferre ,  ad  fontes  lu- 
minaria  facere,  candelam  deferre.  dies  letzte  gescbab  wol 
mir  9  oder  hauptsäcldich  abends  und  nacbts,  "wo  die  wi- 
derscheinende flamme  in  der  flut  den  schauer  der  anb«- 
tuog  erhöhen  musle.*)  Auch  die  Sachsen  waren  fonticolae^ 
in  den  ags.  gesetzen  werden  vyllaa  und  flödväter  als  ge- 
genstände der  Verehrung  genannt ;  ob  man  aus  der  s.  70 
angezognen  altn.  sage,  die  der  uötn  erwähnt,  auf  einen 
Avirklicheu  wassercultus  in  Scandinavien  schÜefseu  darf, 
\veifs  ich  nicht:  fast  scheint -die  stelle  ejner  lat.  ausländi- 
schen nachgeahint.  an  sich  selbst  ist  die  heilighaltung  des 
Wassers  unbez weifelbar.  ein  eddisches  lied  hat  gleich  im 
beginn  die  merkvfürdigen  worte:  *hnigo  heilög  vötn  af 
himinfiullom.' 

Vorzugsweise  verehrte  man  den  ort,  wo  das  wunder- 
bare element  aus  dem  schofs  der  erde  hervorspringt;  quelle 
heilst  in  der  alten  spräche  ursprinCj  aber  auch  prunno**) 

Wasser,  zu  heiliger  zeit,  mitte^achts  vor  Sonnen- 
aufgang, in  feierlicher  stille,  geschöpft,  führt  noch  spä- 
terhin den  namen  heilawäc,  heilu>Acj  heilu^asge,  die 
erste  form,  mit  haftendem  compositionsvocal  nach  langer 
sUbe,  zeugt  für  das  alter  des  ausdrucks,  dessen  bedeu- 
tung  ihn  gegen  änderung  sicherte.  MS.  2,  140*>:  %an  seit 
von  heilawdge  uns  vil,  wie  heil,  w^ie  guot  ez  st,  wie 
gar  vollekomen  der  ^ren  spil,  wie  gar  sin  kraft  verheilet 
swaz  wundes  an  dem  man  vers^ret  ist.'  Martina  116: 
<got,  du  fröude  flüzzic  heilatpäc*,  und  in  ähnlichem  sinn 
248.  283.  mit  anwendung  auf  Christus  und  das  kreuz 
Mar.  224;  ^er  boum  ist  gemeizzen,  da  daz  heilu^cege 
von  becliumet,  daz  aller  werlte  gefrumet.'  allgemeinere 
anführungen  'ein  heilwdge^  Diut.  1,  352  und  noch  in 
Anshelms  berner  chronik  1 ,  308  ^heilwag^  unter  andern 
Segen  und  zaubermitteln.  zuletzt  bei  Phil.  v.Sitlew.  (Strafsb. 
1677)  1,  483:   *das  fliefsend  brunnwasser,   so  man  in  der 


ten  keloe  bafse  fftr  abgütterei,  nur  die  ags.  ddmas  des  Vilitned  cap. 
13  setzen  sie  auf  deofol^ild  im  allgemeinen. 

*)  Weihnachten  schaut  man  mt  lichtem  in  den  brunnen  (abergl. 
XLVII,  14.) 

••)  von  prinnan  (ardere) ,  wie  s6t ,  ein  anderes  wort  fftr  brunne, 
von  siodan  (fervere)  und  welle  (fluctus)  von  wallan  (fervere)  kommt, 
sual  (subfrigidtts)  von  suelan  (ardere)  vgl.  gramm.  S,  29.  84. 


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328  WAS&ER  HBILAWAC 

heil,  welbnacht,   60  lang  die  glock  rwülfe  sclilägt,   eamkt, 
und   heiliPag   genannt    wird,    ist  gut    wider    nabelwebe' 
(abergl.  804.)      In   diesem   heilawäc    zeigt   sich   uralte  mi- 
scliuug    heidniscber     brauche    mit    clu*istlicben.      das  yolk 
glaubt,    bis  auf  unsere  tage,    zu  Weihnachten   oder  ostern 
nachts  um  XII ,   oder  zwischen  XI  und  XII ,    wandle  sidi 
hrunnencvasser  in  wein  (abergl,  54.  792);  diese  annähme 
leitet  sich  auf  die  vorslclluug  zurück,    dal's   die    erste  ma- 
nifestalion  der  gotlheit    des  heiiandes  bei   der  hochzeit  zu 
Cana,    wo    er  wasser    in  wein   verwandelte^    geschehen 
sei;    Weihnachten    aber   begieng  man   epiphanie  oder  iheo- 
phanie  (s.  173),    gehurt  und  taufe,   und  verband  damit  die 
erinnerung    an   jenes    wunder:    dafür   galt    der    besondere 
ausdruck  betphania.*)  Schon  Clirjsostomus  predigte  im  jähr 
387  auf  epiphaniastag  zu  Antiochien,   dafs  man  an  diesem 
fest  mitternachts  wasser  schöpfe  und  jahrelang  als  ein 
immer' frisches,    unverderbliches  (ohne  zweifei  zu  wnmder- 
thätigcm   gebrauch)    aujhehe**)      abergläubische    Chrislen 
ualimen  also  zweierlei   an,    heüigimg   des   wassers    in  der 
mitternacht    des  tauftages    und    Verwandlung  in   wein    zur 
zeit    der  belliphanie;    solches   wasser   nannten    die    Deut- 
schen hei/awdc***)^    und   legten  ilim  hohe  kräfle    zu,   es 
sollte  kraukheilen,  wunden  heilen    und  nicht  verderben. 

Vielleicht   wurde    schon    in    Syrien   ein    altheidnbches 
<vasserschüpfen    durch    jene     deutungen    verschleiert.      In 


*)  Christi  erste  crscheinnng  war  seine  gehurt,  die  aweite  seine 
taufe  (liclitmesse) ,  die  dritte  jene  canische  hochzeit:  Tertia  apparitio 
fuit  postea  simiiiter  eodem  die  anno  revoluto  cum  esset  30  annoram 
et  13  dieruro,  sive  qnando  raauifestavit  se  esse  deum  ffcr  mutationem 
atjuae  in  vinum^  quod  fuit  primum  miraculum  apertum,  quod  domi- 
nus fecit  in  Cana  Gaiilaeae,  vel  simpliciter  primum  quod  fecit  et 
haec  apparitio  dicitiir  betliphania  a  i^z/iw,  quod  est  domns,  et  ap«- 
yffv,  quod  est  apparitio,  quia  ista  apparitio  facta  fuit  in  domo  in 
nuptiis.  de  his  tribns  apparitionibus  fit  solemnitas  in  hac  die.'  Da- 
rantis  ration.  div.  ofßc.  G,  16.  Die  kirche  vereinigte  drei  erscheinuu- 
geu  in  eines  festes  feier. 

••)  toni.  2.  (ed.  Montfanc.  Par.  1718)  p.  369:  önt  to*  tovto  x«» 
ftfaovvHTl({)  xaree  ri)v  toorrjv  ravr^y  unuvT  f  g  vd  Qft'anfKr<^* 
oVxu&i  Tce  vafiura  nrtorlO-fvrat^  xul  tig  tvtuvroy  oXoxiUfQQf 
qtvXuTTonaiVj  uri  dij  oruu{jov  ayiaaO^iyrwv  tüv  vddrtay  xul  %o  tf^- 
futov  ylvtTtu  huQyiq  ov  dt.aq>0-fi,Qotikvrjq  rijq  rüv  v6aTi0r 
lxfivit}v  ipvafon;  rot  fttjxn  rov  /^>o*'oii,  liJLA'  flq  hiavvov  oloxkr^itof 
xnl  Ji'/o  xul  TQia  noXluxiq  trij  rov  at^fifQov  dvrXrjd-tyroq  ilxfQttiov  xai 
VHtQov  nhoviog^  xul  /ifrd  luöuvrov  XQorotf  roVg  uqtp  itav  nijyftiif  ^^^ 
nuaf/ifoti'  vduoiv  u^iXXo)/ifyov. 

•••>  auch  heiltiivin?  Frauenlob  MS.  2,  2l3b  von  dem  ^heüit^in 
trngt'udeu  j^arten/ 


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WASSER  HEILAWAC  829 

Deutschland  weisen  andere  umstände  unversteckt  auf  heid- 
nische heiligkeit  des  wassers,  das  aber  nicht  zur  mitter* 
nachtstunde,  sondern  frühmorgens  vor  Sonnenaufgang 
geschöpft  werden  muste,  stromabwärts  und  stillschwei- 
gends  (abergl.  89.  775),  gewöhnlich  am  ersten  ostertage 
(775.  776),  auf  den  jene  auslegungen  weniger  gerecht  sind: 
dieses  wasser  verdirbt  nicht,  verjüngt,  heilt  ausschlage, 
kräftigt  das  junge  vieh.*)  Zauberwasser,  zu  unchristlichlr 
Weissagung  diensam,  soll  sonntags,  vor  Sonnenaufgangs 
an  drei  fliefsenden  brunnen ,  in  ein  glas  gesammelt 
werden ;  und  vor  dem  glas  wird ,  wie  vor  einem  göttli- 
chen wesen,  eine  herze  angezündet  (anh.  s.  lx.)  **)  Hier- 
her nehme  ich  auch  eine  s.  36  berührte  hessische  volks- 
sitle.*  am  zweiten  ostertag  wandeln  jüngÜDge  und  Jung- 
frauen zum  holen  stein  des  gebirges,'  schöpfen  wasser  in 
der  lulden  quelle,  das  sie  in  trügen  heimtragen^ 
und  werfen  blumen  zum  opfer  hin.  Wahrscheinlich  war 
dieser  wassercultus  zugleich  celtisch:  im  wasser  des  fel- 
senbrunnens  Karnant  wird  ein  zerbrochnes  Schwert  wie^ 
der  ganz,    aber 

*du  muost  des  ursprlnges  han 

uuderm  velse,  ^  in  beschin  der  tacJ*  Parz.  254,  6. 
anhang  p.  cxix,  29  ist  mit  merkwürdigen  gebrauchen  ge- 
schildert, auf  welche  weise  sich  am  ersten  maimorgen 
junge  mädchen  (der  pyrenäengegend)  in  dem,  quellwasser 
u^eissagen]  das.  no.  33  wie  wasser,  mitternachts  auf 
Johcinnis  geschöpft,    fieberhcilende  kraft  hat. 

An  die  eigeuthümlichkeit  der  gesund  brunnen  ***) 
braucht  hier  nicht  gedacht  zu  werden;  es  ist  die  allge- 
meine kraft  des  erfrischenden,  stärkenden,  ncubeleben- 
den  Clements,  x)  viele  örler  in  Deulschland  heifsen  Heil- 
bitinn,  Heilborn,  Heiligenbrunn,  von  der  verjüngenden 
Wirkung  ihrer  quellen  oder  den  wunderbaren  heiluiigen, 
die  sich  dabei  zugelragcn.     Heilbronn  am  Neckar  wird   in 


*)  Jiil.  Schmidt  Reiclienfels  p.  121. 

*•)  der  gebrauch  könnte,  wie  anderes  von  Hartlieb  nnjrefulH-te, 
dem  clagjiischen  alterthuni  gehören.  ■  auch  bei  der  ynnTQOftavifla^  der 
Wahrsagung  aus  einem  wasserangefullten ,  baurliigen  gefiifs  (/«or(>//) 
kommt  die  fackel  und  der  iniheßeckle  knahe  vor.  Potters  archaeol. 
1,  764.     F'abrioii  bibliogr.  antiq.  ed.  3.  p.  600. 

V)  auf  die  man  schon  zur  Römerzeit,  und  wahrscheinlich  frü- 
her,   achtete,    vgl.  Luxeuil  oben  s.  54. 

t)  ein  mensGh  von  der  otter  gebissen  stirbt  nicht,  wenn  er  eher 
als  die  otter,  über  das  nächste  wasser  springt,  Lenz  schlangen- 
kuode  p.208. 


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830  WASSBR  HEILAWAC 

den  öltesten  Urkunden  Heilacprnnno  genannt.*)  aber 
einzelne  quellen  und  bninnen  können  vorzugsweise  in  an* 
8elin  gestanden  haben.**)  berühmt  ist  der  altn.  l/rrfAr- 
hrunnr  (8.230.)  ein  dän.  Volkslied  (1,  318)  gedenkt  der 
JUaribokilde,  durch  deren  lauteres  wasser  stücke  eines 
zerhauenen  leibs  wieder  zusammengefügt  werden,  des 
altfries.  briinnens,  aus  welchem  stillschu^eigends  ge- 
8?liüpft  werden  muste,  ist  s.  145.  146  erwähnt.  Das  niit- 
tclaller  unterhielt  die  Vorstellung  von  einem  Jungbrun- 
nen ***) :  wer  darin  badet ,  heilt  von  krankheiten  luid 
wird  davor  bewalirt ;  Raucheis  legt  darin  ilirc  haut  ab 
und  wandelt  sich  in  die  scliüne  Sigeminne  (s.  245) ;  ein 
solcher  brunne  hat  auch  die  kraft^  das  geschlecht  der  ba- 
denden zu  verändern.  •{•) 

In  einer  quell  j  bei  Nogeut  badeten  abends  uor  Jo^ 
hannis  männer  und  frauen  _(anh.  cxix,  33.);  Holbergs 
histspiel  'kilderejsen'  gründet  sich  auf  die  sitte  des  kopen- 
hagner  volks ,  *«S.  Hans  ajten^  nach  einer  benachbarten 
quelle  zu  wallfahrten,  und  sich  in  ihrem  wasser  zu  hei- 
len und  zu  stärken.  Wich  liger  ist  die  einstinunende  be- 
schreibung  Petrarchas  von  einem  noch  zu  seiner  zeit  Ler*- 
gebrachten  bade  cülnischer  frauen  in  dem  Rhein:  sie  ver- 
dient ausführlich    eingeschaltet    zu   werden  ff),    weil  sie 


*)  Böhmers  reg.  Karolor.  nr.  740  (a.841);  Ecc  Fr.  Orient  2, 893* 

**)  legften  Heiden  die  wunderkrafl  einer  quelle  ihren  wiild  oder 
wassergeifftern  zu,  so  übertrugen  Christen  sie  nachher  auf  ihre  heilt* 
gen.  ein  beispiel  nehme  ich  ans  den  miraculis  S.  Agili,  die  im  12  jh. 
niedergeschrieben  wurden:  an  dem  hack  des  heiligen  jigilus  gescha* 
hen  wunderbare  heilungen.  sed  Interim  quorundam  vesaniae  occurrere 
Übet,  qui  in  digito  dei  nequaquam  haec  fieri  aestimantes,  daemonia^ 
coe^  pro  nefas,  attribuunt  potestatL  cumque  miracula  diffiteri  ne- 
queunt,  id  solum  in  causam  calumniae  adiumunt,  quod  in  agresH 
fiunt  loco ,  ubi  nullus  dei  cultus ,  ubi  nnllae  sanctorum  memoriae. 
u  prudentiam!  verentur  homiue«  sublimi  ingenio,  ne  ad  ludibriom 
mortalium  a  faunis^  nymphis  vel  satyrist  ceterisve  ruris  numinibus 
res  geratur  ejusmodi.  nam  ut  de  fabulis  taceam,  apud  quos  historia- 
graphurum  veterum  seu  modernoium  iegitur  daemones  visum  coecia, 
roenteni  amentibus,  manus  debiübus,  gressum  claudicantibus  restau- 
ras^?     (acta  Bened.  sec.  2.  p.  333.) 

•••)  gleichbedeutig  das  alid.  quecjtrunno,  mhd.  quecprunne  Pars. 
613,  9.    fragm.  18,  267. 

f)  vgl.  die  im  mus.  f.  altd.  lit.  1,  260  —  63  aus  Montevilla,  dem 
Titurel  und  H.  Sachs  angeführten  stellen. 

ff)  Franc.  Petrarchae  de  reb.  familiär,  epistolae  lib.  1.  ep.  4 : 
Aquis  digressum,  sed  prius,  unde  ortum  oppidi  nomen  putant,  aquis 
bajano  more  tepentibus  ablutum  excepit  Agrippina  Colonia,  quae  ad 
sinistrum  Rheni  latus  sita  est,  locus  el  situ  et  flumine  clarus  et  po- 
puio.    luirum  iu  terra  barbarica    quanta  cifilitas,  quae  orbis  specie«. 


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WASSBft         HBELAWAC  i»l 

deutlich  lekrty  da£s  dieser  cultus  nicht  hlofs  in  einzehien 
quellen,  aondern  in  Deutschlands  gröfstem  fiusse  statt  fand« 
Aus  des  Italieners  unbekanntschaft  mit  ^em  hergang  soUte 
mau  folgern  y  dafs  er  in  dem  lande ,  von  welchem  alle 
kirchlicheu  gebrauche  ausgiengen,  fremd,  also  überhaupt 
uncbrlstUch  und  heidnisch  gewesen  sei.  vielleicht  aber 
hatte  Fetrarch  keine   genaue  kimde    aller  sitten  seines  va- 


(]uae  virorum  gravitas,  quae  manditiae  matrouanim.  Forte  Johannis 
baptistae  i^igilia  erat  dum  itluc  applicni,  et  jam  ad  occideutem  sol 
vergebat:  coufestim  aoiicorum  monitu  (nam  et  ibi  amicos  prius  milii 
fama  pepererat  quam  nieritum)  ab  bospitio  traducor  ad  fluvium  insigne 
spectaculuiu  Visums,  nee  faltebar.  vmräs  euini  ripa  praeclaro  et  in^ 
geuti  muUerum  agnune  tegeüaiur»  obstupui,  dii  boni,  quae  forma, 
quae  facies,  quis  babitus!  amare  potuisset  quisquis  eo  non  praeoccu- 
patom  animum  attulisset.  In  loco  paullum  altiore  coustiteram,  nnde 
in  ea,  quae  gerebantnr,  iutenderem.  incredibilis  sine  offensione  con- 
cnrsus  erat,  vicissinique  alacres,  pars  herbis  odorifttrU  incinctae, 
reductisijue  post  cubitum  manicis  ^  Candidas  in  gurgile  manus  ac 
hrac/iia  lapabmtt ,  nescio  quid  blagdum  peregrino  murmure  colloquen- 
itüf»  Vix  nnnquam  clarius  intellexi,  quod  Ciceroni  placet,  et  veteri 
proverbio  dici  solet:  inter  linguas  incogoitas  omnes  propemodum 
surdos  ac  mato«  esse  unum  mihi  solatium  gravissimorum  interpretum 
iioD  deerat  nam  et  boc  inter  cuncta  mirabere,  coetum  illud  Spiritus 
pierios  alere,    itaque  dum  miratur  Juvenalis  quod 

Gallia  causidicos  docuit  facunda  Britannos, 
niirctur  itidem :  doctos  quod  argutos  aluit  Germania  vates. 
at,  ne  me  auctore  fallaris,  scito  ibi  nullum  Maronem  esse,  Nasones 
plorimos,  ut  dicas  verum  fitisse  praesaginm,  quod  in  fine  libri  me- 
tamorphoseos  multnm  vel  posteritatis  gratiae  vel  iugenio  suo  fidens 
poQit.  siquidem  qua  romana  potentia,  seu  verius  qua  romanum  nomen 
domito  orl)e  se  porrigit,  plausibiliter  nunc  faventis  populi  ore  per- 
le;^itur.  His  ego  comitibus,  ubi  quid  audiendum  seu  responden- 
dam  incidit,  pro  lingua  et  pro  auribus  usus  sum.  Unum  igitur  ex 
eo  numero  admirans  et  ignarus  rerum  percuactatus  vergiliano  illo 
Tersiculo 

quid  vult  concursos  ad  amnem, 
quidve  petunt  animaeV 
responsum  accepi:  pervetuaium  geniis  ritum  esse  ^  TUlgo  persuasum, 
praesertim  femineo,  omnem  iotius  anni  calamitatem  imniineniem 
jßut/iali  illius  diei  ablutione  purgari  et  dcinceps  laetiora  succedere, 
itaque  lustrationem  esse  annuam^  inexhanstoque  seniper  studio  cultam 
colendamque.  Ad  baec  ego  subridens  'o  nimium  feliccs*  iiiquam  ^R/ieni 
accolae,  quoniam  ille  miserias  purgat,  nostras  quidem  nee  Padus 
noquam  valuit  purgare  nee  Tiberis,  vos  vestra  mala  Britannis  Rheno 
Tectore  transmittitis ;  nos  nostra  libenter  Afris  atque  lllyriis  mittere- 
remus,  sed  nobis  (ut  iiitelligi  datur)  pigriora  sunt  flumina.'  com- 
moto  riäu  sero  tandem  inde  discebsimus.  Die  spiritus  pierii,  welche 
damals  (Petrarcli  mufs  vor  1340  zu  Cöln  gewesen  sein)  den  gast  zum 
Rliein  fülirteu*  sind  verschollen,  erst  1388  liam  die  Cölner  Universität 
auf;  lauge  voriier  lebten  in  dieser  Stadt  gelehrtere  geistliche.  Unter 
Maro  aud  Kaso  versteht  er  wol  bandscbriiteo  Virgils  und  OvidsY 


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88i  WASSBa         HBILAWAC 

ferlands;  aas  späterer  zeit  wenigsteus  lä&t  steh  die  la- 
stratton  am  Johimnistag  aucb  dort  nachweisen,  des  Bene- 
dict de  Falco  descrizione  de  luoglii  antiqui  di  Napoli  (Nap. 
1580)  enthält  die  angahe:  'in  una  parte  popuiosa  d^iU 
citta  giace  la  chiesa  consegrata  a  8.  Giovan  hatlista,  chia- 
mata  S.  Giovan  a  mare.  era  un  antica  usanza^  hoggi 
Bon  al  tutlo  lasciata,  che  la  vigilia  di  S.Gioi^ane,  verso 
lar  sera  e'i  securo  del  di,  iutti  /uiomini  e  donne  an- 
dare  al  rtiare^  e  nudi  lai^arsi:  persuasi  purgarsi  de  loro 
pcccati,  alla  foccliia  degli  antichi^  che  peccando  andavano 
.ai  Tevere  lavai'si.'  Und  lange  vor  Fetrarch,  zu  Augiistins 
zeit  herschte  der  gebrauch  in  Libyen,  dieser  kirchenvater 
eifert  dagegen  und  nennt  ilin  heidnisch:  ^natali  Johannii 
de  solemnitate  superslitiosa  pagana  Christiani  ad  mare  ve- 
niebant^  et  se  baptizabant'  (opp.  Paris  1683  tom.  5  p* 
903);  und  anderwärts:  *ne  ullus  in  festivitate  S.  Johann 
nis  in  fontibus  aut  paludibus  aut  in  ßuminibus ,  no- 
cturnis  aut  matutinis  horis  *se  lauare  praesumat,  quia 
haec  infelix  consuctudo  adhuc  de  Paganorum  ^bservatione 
remansit.'  (append.  zu  tom.  5.  p.  462.)  Allgemein  gebil- 
ligt von  der  kirche  war  sie  sicher  nicht,  aber  geduldet 
konnte  sie  doch  hin  und  wieder  sein,  als  nicht  impaa- 
sende  erinnerung  an  den  täufer  im  Jordan ,  und  wenn  sie 
früher  heidnisch  gewesen,  auf  ihn  gedeutet.  Weite  aus- 
breitung  mochte  sie  leicht  gewinnen,  nicht  nur  als  christ- 
liche fcier,  sondern  auch  als  heidnische:  Johannistag  be- 
zeichnete unsern  vorfahren  die  festliche  Jahresmitte,  wo 
sich  die  sonne  wendet,  und  vielfache  brauche  konnten 
damit  verbunden  sein.  -  ich  gestehe,  wenn  Petrarch  das 
iliifsbadeu  an  einem  kleinen  deutschen  ort  wahrgenommen 
hätte,  würde  ich  eher  auf  echtgermanischen  brauch  schhe- 
ii^eii]  in  Cöln,  der  heiligen,  ihrer  heiltluimer  wegen  be- 
rühnilen  Stadt  vermute  ich  eine  erst  diu-ch  christliche  Über- 
lieferung eingeführte  gewohuheit.*) 


•)  in  Polen  und  Schlesien ,  vielleiclit  anch  in  einem  theile  Rufs- 
lands werden  am  zweiten  osttr/age  niädclien,  welche  die  frühmett« 
vrr><'hlafen ,  von  den  burschen  f^ewaltsani  mit  ivasser  begossen  nod 
mit  birkenruthen  ^eschla<ren ;  oft  reifst  man  sie  bei  nacht  aa&  deu 
betten,  schleppt  sie  in  n'ineii  fluj's  oder  röhrt ro^,  in  eine  u.'atsergt' 
Jii/lfe  kripjte,  und  laf^^t  sie  das  bad  aushalten.  Die  Schlesier  nennen 
das  sc/imu^os/ern,  die  Polen  sollen  es  dyh^Oii^ac^  den  wasser«:iif'' 
djyrigus  nennen,  welche  ausdrucke  ich  in  keinem  poln.  wb.  finde,  di« 
nähere  im  reichsanz.  1805  no.  181.  1808  no.  250,  vgl.  Kamui»ia  K 
75.  In  der  russisciien  landschaft  Archangelsk  baden  ^gn  23  juni  die 
leute  i/H  fluß  aud   streuen  kupaluitza  (rauunculus  acrld)    Karannsia  It 


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WASSBRMBSSEN      .  883 

Es  gibt  Seen  und  brimnen,  deren  Wasser  zu  bestunm« 
ter  zeit  versiegt  oder  emporsteigt :  aus  beiden  ersehet* 
irangeo  wird  unbcil  geweissagt,  sterbfall  und  annahende 
tlieuerung.  Wenn  des  laudeslürsten  tod  bevorsteht,  soll 
der  flufs  in  seinem  lauf  einhalten  und  gleichsam  trau  er 
zu  erkennen  geben  (deutsche  sag.  no.  110);  versiegt  der 
brunne,  so  stirbt  bald  darauf  der  herr  des  ge^chlechts 
(das.  no.  103.)  Eine  auslaufende  oder  trocknende  quelle, 
welche  theuerung  ansagt,  pHegt  zu  heifsen  hungercjuelle^ 
hungerbrunnen  (Stald.  2,  63.)  solch  eine  hungerqueiie 
fand  sich  bei  Halle  an  der  Saale;  'wenn  die  bauern  zur 
Stadt  giengen  schauten  sie  danach ,  und  lief  sie  aus ,  so 
sagten  sie:  *heuer  wird  es  Iheuer.'  älinliches  erzählt  man 
von  brunnen  bei  Rosia  im  Sienesischen,  und  bei  Chateaudun 
im  Orleanischen.  Von  dem  see  Glomazi  in  dem  slavischen 
Elbland  füge  ich  Dietmars  von  Merseburg  bericht  ein : 
Glomazi*)  est  fons  non  plus  ab  Albia  quam  duo  miliaria 
positus,  qui  unam  de  se  paludem  generans,  mira,  ut  in- 
colae  pro  vero  asscruut  oculisque  approbatum  a  multis, 
saepe  operalur.  cum  bona  pax  indigenis  profutura  suum- 
que  haec  terra  non  mentitur  fructum,  tritico  et  apena 
(IC  glandine  refertus ,  laetos  vicinorum  ad  se  crebro  co//- 
fluentiunu  efficit  animos.  quando  autem  saeva  belli  lem- 
pesias  ingrueril,  sanguine  et  vinere  cerlum  fuluri  exitus 
indicium  praemonstrat.  hunc  omnis  incola  plus  quam  ec- 
desias,  spe  quamvis  dubia,  veneratur  et  timet.  Aber 
ohne  rücksicht  auf  bestimmte  brnnuen  wird  aus  dem  blo*- 
fsen  wassermesseri  theui^e  oder  wolfeile  zeit,  abnähme 
oder  zunähme  der  guter  erforscht,  je  nachdem  das  in  ein 
gefiifs  gegofsne  wasser  steigt  oder  fallt  (abergl.  xlix,  43 
und  no.  953  aus  Praetors  saturnalien  p.  407.)  das  scheint 
mir  ein  gebrauch  des  hohen  alterthums.  Saxo  gramm.  p. 
320  meldet,  des  rügischen  gottes  Svantovit  bildseule  habe 
ia  der  rechten  band  ein  hörn  gehalten:  quod  sacerdos  sa- 
crorum  ejus  peritus  annuatim  mero  perfundere  consueve- 
rat,  ex    ipso    liquoris    habitu    sequentis   anni    copias 

Pfospecturus postero   die  populo  prae  foribus  excu- 

bante  detractum  simulacro  poculum  curiosius  speculatuS; 
»i  quid  ex  inditi  liquoris  mensura  subtractum  fuisset, 
ad  sequentis  anni  inopiam  pertinere  putabat.  si  nihil 
ex  consuetae  foecunditatis  habitu  diminutum  vidisset^  ven- 

73-  74.  überall  der  glaube  aa  die  heiligkeit  des  osterbades,  wie  des 
Johannisbadeg. 

*)  aL  Glomuzi,  Zkinicl;   es  ist  die  heutige  lommat^clier  pflege. 


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334  MÜLRADWASSER 

tura  agrorum  nbertatis  tempora  praedicabat.  der  nvein 
vrarde  ausgeschüttet  und  dem  liom  wasser  eingegossen. 

Es  ist  hinlänglich  bekannt^  dafs  schon  vor  dem  chri- 
stenthum  und  vor  einführung  der  taufe,  eine  heih'gung 
des  neugebornen  kindes  durch  wasser  unter  den  nordi- 
schen Heiden  galt;  man  nannte  das  vatni  ausa,  mit 
Wasser  begiefsen,  vermutlich  fand  auch  dieser  ritus  unter 
den  übrigen  Germanen  statt ,  und  vielleicht  legte  man  dem 
dazu  gebrauchten  wasser,  wie  unter  den  Christen  dem 
taufivasaer  y  eine  besondere  kraft  bei  (schwed.  abergl. 
116.)  auffallend  ist  die  ehstnische  gewohnheit,  das  tanj- 
Wasser  an  den  w^änden  in  die  höhe  zu  schütten  (cxxn, 
47),  um  dem  täufling  ehre  und  würden  zu  wege  zu 
bringen. 

Weit  verbreitet  war  eine  seltsame  >  abergläubische 
Verblendung  des  aufgefangnen  in'ulradivassers^  das  von 
den  schaufeln  abspringt,  schon  llarllieb  erwähnt  dieses 
gebrauchs  (s.  lxi)  und  der  Volksglaube  bestätigt  ihn  (no. 
471.  766.)  den  Serben  heifst  solches  wasser  oniaja^  d.i. 
abprall,  von  omanuti,  omahnuti  (abprallen.)  Vuk ,  unter 
dem  wort,  bemerkt,  dafs  es  frauen  in  der  frühe  des 
Georgitages  (23apr.),  um  sich  darin  zu  baden,  zumal  von 
der  kleinen  bachmüle  (kaschitschara) ,  auffangen,  einige 
tragen  es  den  abend  zuvor  nach  haus  und  streuen  aller- 
hand abgebrochne  grüne  kräuter  hinein:  sie  glauben,  alles 
böse  und  schädliche  werde  von  ihrem  leib  abprallen^  wie 
das  wasser  vom  mülrad  (Vuk  s.  v.  Djurdjev  dan.)  Nicht 
unähnlich,  obwol  gerade  umgekehrt,  ist  die  wamung  nach 
frühem  waschen  das  wasser  nicht  abzuschleudern ,  weil 
damit  das  glück  verschleudert  werde   (abergl.  21.) 

"War  der  himmel  verschlossen,  das  feld  in  dürre 
schmachtend,  so  hieng  zwar  die  Verleihung  des  regen» 
ziinächst  von  der  gottheit  ab,  von  Donar,  oder  Maria 
und  Elias,  die  darum  angefleht  wurden  (s.117.  118.  119.) 
Man  bediente  sich  aber  noch  eines  eignen  zaubers,  der 
unausbleiblich  regenwasser  schafte  und  die  götter  gewis- 
sermafsen  nöthigte  es  zu  gewähren,  ein  junges  mädclien 
wurde  ganz  entkleidete  nachdem  bilsenhraut  an  den 
kleinen  finger  seiner  rechten  band ,  an  die  kleine  zelic 
seines  rechten  ftifses  gebunden  war,  von  den  andern 
Jungfrauen  feierlich  zum  nächsten  flufs  geführt  und  mit 
der  flut  besprengt  (anh.  s.  xl.)  Dieser  um  den  beginn 
des  11  jh.  am  Rhein  oder  in  Hessen  geltende  brauch  er- 
scheint bedeutsamer,  da  er,  mit  characlerislischer  Ver- 
schiedenheit,   die  alle  unmittelbare  entlehuung   ausschliefet, 


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REGBNWASSBR  333 

noch  heute  unter  Serben  und  Neugriechen  lebt.  Die  eer- 
bUche  eitle  beschreibt  Vuk  u.  d.  w.  dodole.  dodola  heifst 
das  mädchen,  welches  naht  ausgezogen^  aber  mit  gras^ 
Iräutern  und  blumen  dergestalt  umu^unden  wird,  dafs 
von  der  haut  und  selbst  dem  gesiebte  gar  nichts  zu  selien 
ist.*)  im  geleite  andrer  Jungfrauen  zieht  nun  dodola  von 
haus  zu  hause )  vor  |edem  bilden  sie  einen  reigen,  dodola 
steht  in  der  mitte  und  tanzt  allein,  nun  tritt  die  hausfrau 
vor  und  schüttet  eine  mulde  wasser  über  das  immer 
fort  tanzende  und  sich  umdrehende  mädchen  aus,  die  be- 
gleiterinnen  singen  lieder  und  schalten  jeder  zeile  den 
ausruf  'oj  dodo,  oj  dodo  le!'  ein.  das  zweite  dieser  re- 
genlieder  (pjesme  dodolske)  inVuks  saml.  no.  86 — 88  lau- 
tet: zu  gott  flehet   unsre   doda,     oj  dodo  oj  dodo  le! 

dafs  thauregen  sich  ergiefse,   oj  dodo  oj  dodo  le! 

dafs  nal's  werden  alle  ackrer,  oj  dodo  oj  dodo  le ! 

alle    ackrer,     alle   graber,       oj  dodo  oj  dodo  le! 

selbst  im  hause  alle  knechte,  oj  dodo  oj  dodo  le! 
man  ist  sicher,  dafs  unmittelbar  regen  erfolge.  In  Grie- 
chenland, wenn  es  vierzehn  bis  zwanzig  tage  lang  nicht 
geregnet  hat,  beobachten  die  einwohner  in  dörfem 
und  kleinen  Städten  folgendes,  die  kinder  wählen  unter 
sich  eines  von  aclit  bis  zehn  jähren,  gewöhnlich  ein  ar- 
mes Waisenkind ,  das  sie  naht  ausziehen  und  mit  hräu-" 
tern  und  Humen  des  fehles  von  hopf  bis  zu  den  ßi-^ 
fsen  anputzen  und  verhüllen,  dies  kind  heifst  nvgnfj" 
Qovva.  dann  ziehen  die  andern  kinder  damit  im  dorfe 
herum,  singen  ein  lied,  die  hausfrau  mufs  einen  , ei mer 
Wasser  über  das  haupt  der  uiVQTir^Qovva  ausgiejsen 
und  den  hindern  einen  para  (Vipfcnning)  reichen,  das  neu- 
griech.  lied  findet  sich  in  Theod.  Kinds  iQaywdicc  rijs  Vfug 
^EXXudog  Leipz.  1833  p.  13.  Warum  das  regenmädchen 
dodola  (in  der  schmeichelform  doda)  und  nvQnrjQoiva 
genannt  wird,  weils  weder  die  slavische  noch  die  grie- 
chische spräche  zu  deuten**);  wahrscheinlich  hätte  uns 
auch  Burchard  eine  verdunkelte  deutsche  benennung  mel- 
den können.  Aber  der  sinn  der  handlung  ist  klar,  wie 
aus  dem  eimer  das  wasser  auf  die  dodola,   soll  regen  vom 


*)  soll  darch  das  verhüllen  blofs  die  sittramkeit  des  entkleideten 
mädcliens  geschont  werden?  oder  hat  es  noch  einen  andern  {rnindV 
wir  werden  im  verfolg  sehen,  dafs  die  darstellungen  des  fiühlin«;^ 
ond  sommers  genau  dasselbe  laubumhüllen  beobachteten. 

**)  Kind  fuhrt  s.  86.  87  abweichende  formen  an.  alle  erklamn^ren 
scheinen  mir  gezwungen,  beide  namen,  der  griech.  und  serbisdie, 
haben  volksraäfsige  reduplication. 


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336  WASSBRTAUCBE 

himmel  auf  die  erde  niederströmen :  es  ist  die  geheininis- 
Yolle,  echtsymbolische  beziehung  des  mittels  auf  den 
zweck ;  .  gerade  so  sollte  der  absprang  vom  niülrad  das 
übel  absprengen,  oder  die  lustration  im  fiufs  alle  künftigen 
ki*ankheiten  abwaschen.  Vielleicht  darf  man  aus  der  re- 
densart  ^urcealim  pluit',  ^es  regnet  als  gösse  man  mit  mul- 
den',  weite  Verbreitung  der  sitte ,  symbolisch  wasser  za 
schütten,  folgern.  Unter  den  kräulern,  womit  das  kind 
umwunden  wurde,  fanden  sich  vermutlich  zauberkräftige; 
jene  Verwendung  der  bilse  ist  mir  sonst  unbekannt.  Der 
dodola  und  pjTperuna  vollkommen  identisch  scheint  end- 
lich der  bairische  wassen^ogeL  den  knecht ,  der  pfingst- 
munlngs  am  spätesten  ausgetrieben  hat  *),  führen  die  übri- 
gen bursche  in  den  nächsten  wald  und  bin  den  ihn  um 
und  um  mit  laub,  zuneigen  oder  schilf  ein,  dann 
wird  im  triunif  das  dorf  durchritten,  und  alles  was  junge 
bcine  hat ,  folgt  dem  zug  zum  teich  oder  bach ,  wo  der 
wasser^^ogel  vom  pferd  herab  feierlich  ins  wasser  ^'^- 
worfen  wird  (Seh  in.  1,  320.)  Ebenso  wählen  in  Ostreirb 
die  dorl)ungen  einen  pfingslkönig ,  Heiden  ihn  mit  grü- 
nen zweigen^  schwärzen  ihm  das  angesicht  und  wtr-^ 
fen  ihn  in  den  bach.  (Denis  lesefr.  1 ,  130.)  Das  volis 
vocare  imbrem  ist  hierbei  ganz  weggefallen  und  durch  eine 
blofse  pfingsllusl barkeit  mit  dem  faulsten  knecht  erselKt; 
ich  z weide  aber  nicht,  dafs  jener  zweck  im  hintergrund 
der  sitte  liegt.**) 

Unter  den  göttinnen  wird  die  badende  Nerthus  und 
Holda  zunächst  auf  wassercultus  zu  beziehen  sein,  Holda 
wohnt  in  brunnen  (s.  166.  275);  dann  gehören  hierher 
Schwanjungfrauen,  meermiunen  (s.  244),  wasserholdcn, 
brunnenholden  (s.  166),  wassermuhmen  und  nixen.  Ihnen 
allen  können  einzelne  flüsse,  bäche,  weiher,  quellen  ge- 
weiht und  zum  aufenthalt  angewiesen  sein ;  im  meer  wal- 
teten Oegir  (s.  147)  und  Rdn  (s.  197.  281),  die  weUen 
heifsen  ihre  töchter ;  dadurch  empfangt  die  Verehrung  de« 
elements  einen  besondern  character.  Von  dieser  an  sich 
natürlichen  aber  nicht  wesentlichen  Vereinigung  des  ein- 
fachen, rohen  wasscrcuilus  mit  dem  glauben  an  höhere 
wesen  will  ich  noch  einiges  anführen. 


•)  wie  da«  verschlafene  mädcben  ostern  gebadet  wird  (vorhia 
«.  332.) 

•*)  in  Spanien  führte  man  bei  anhaltender  dürre  das  jichmutzhe- 
deckte  bild  der  heil,  juiijffrau  (Iniagen  cubierta  de  Intu)  feierlich  durch 
die  dorfer,    regen  zu  erllelien.     Don  Uiiixote  ed.  Ideler  8>  43&. 


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PEILIGB  WA<S8ER  337 

Wie  man  beim  üb.ersciiifien  des  Stroms,  beim  überschrei- 
ten der  brücke  die  gewalt  des  da  liausenden  dämons  sclieiil 
(«.  282) ;  so  ist  es  nach  schwed,  Volksglauben  (no.  40)  rathsam, 
dal's  man  im  finstern  über  ein  wasser  gehend  dreimal  speie^ 
und  damit  aller  bösen  einwirkung  zuvorkomme.*)  Auch  beim 
bruunenschüpfen  wird  vorsieht  beobachtet.  Neugriechen  zu 
MykoQo,  bevor  sie  schöpfen,  grüfsen  dreimal 9  um  den 
Teloni  (brunneogeist)  zu  ehren.**)  Die  vita  S.  Sulpicii 
biluriceusis  (f  644)  erzälüt  (acta  Bened.  sec.  2  p.  172): 
'gurges  quidam  erat  in  Virisionensium  situs  agello  (Vier- 
zon,  in  ßiturigibus),  aquarum  mole  copiosus,  ytpote  dae-^ 
nionibus  co/isecratua ;  et  si  aliquis  causa  quaÜbet  ingre- 
derctur  eundem  ,  repcnte  fnnibus  daemonicia  circumple- 
XUS  amittebat  crudeliter  vitanu'  Merkwürdiger  für  den 
wassercultus  selbst  zeugt  des  Greg.  tiu*.  erzählung  vom 
See  bei  dem  berg  Heianus  (de  gloria  confess.  cap.  2):  'mons 
erat  in  gabalitano  territorio  (Gevaudan)  cognomento  Heia- 
BUS,  lacum  habens  magnum.  ad  quem  certo  tempore 
rouliitudo  rusticorum,  quasi  libamina  lacui  Uli  exhi-^ 
hensy  linteamina  projiciebat  ac  pannos  qui  ad  usum  ve- 
stimenti  virilis  praebentur : .  nonnulli  lanae  vellera,  plurimi 
etiam  formas  casei  ***)  ac  cerae  vel  panis,  diversasque 
species,  unusquisque  juxta  vires  suas,  quae  dinumerare 
perlongum  puto.  veniebant  aut^m  cum  plaustris  potum 
cibumque  deferentes,  mactantea  animalia  et  per  tri-- 
duum  epulantea.  quarta  autem  die  cum  discedere  debe- 
rent,  anticipabat  eos  tempeatas  cum  tonitruo  et  corusca- 
ttone  valida,  et  in  tantum  imber  ingens  cum  lapidum 
violentia  descendebat,  ut  vix  se  quisqnam  eorum  putaret 
evadere.  sie  fiebat  per  ainguloa  annoa^  et  involvebatur 
iusipiens  populus  in  errore.'  Hier  tritt  kein  gott  und  kein 
geist  auf,  die  jälirlichen  opfer  werden  dem  see  unmittel- 
bar gebracht;  am  Schlüsse  des  fests  erfolgt  aiurm  \inä  ge- 
mtter.  Gervasius  tilberiensis  (bei  Leibniz  1,  982)  er- 
zählt von  einem  aee  auf  dem  berge  Cavagum  in  Catalo- 
njea:  'in  cujus  summitate  lacus  est  aquam  continens  sub- 
J^igram  et  in  fundo  imperscrutabilem.  illic  viansio  fertur 
esse  daemonuin  ad  modum  palatii  dilatata  et  janua  clausa; 
facies   tarnen    ipsius    mansionis    sicut    ipsorum    daemonum 


•)  ausspeien  ist  den  geistern 'zuwider  (oben  8.293.) 
^  **)  Yilloiflon   in  Maltebnin   aouales  des  voy.  2,  180.     Artemidor 
oneirocrit.  2,  2T   (Reiff  1^  189)   nimmt  brunuennymphen  an:   yiW«* 

**')  formages»   woraus  fromages. 

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338  fißtLIGB  BÄCHä 

vulgaribud  est  incognita  ac  invisibilis.  in  lacnm  si  quiö 
aliquam  lapldeam  aiit  alias  solidam  projecerit  Bfiatcriam, 
statin!  tanqaam  offensis  daemönibus,  iempestcts  eräem- 
pitJ*)  Darauf  die  geschichte  eines  mäddiens ,  das  von 
den  "Wassergeistern  entfuhrt  und  eieben  jahf  im  see  gehal- 
ten vrird« 

Nach  ehstniscber  sittc  wirft  die  nötfe  ehefraö  in  den 
hrunnen  des  hauses  ein  geschenk;  diesem  volkstanun 
scheint  der  -wassercultu»  vorzüglich  eigen,  es  gibt  eine 
umständliche  nachriclit  von  der  heiligen  TVohhanda^  d- 
nem  bache  in  Liefiand.  sie  entspringt  bei  Ilmegerve,  einem 
dorfe  des  bezirks  Odenpä,  in  Ehstland  und  ergiefst  sich^ 
nach  ihrer  Vereinigung  mit  der  Medda,  in  den  Peipus«  sie 
liegt  in  einem  Jieiligen  hain  ^  in  dessen  umkreis  niemand 
einen  bäum  zu  hauen  oder  eine  ruthe  zu  brechen  iragl: 
wer  es  thut,  stirbt  also  fort  in  dem  fahr^  bach  uöd 
quellbrunn  werden  rein  gehalten  und  fährlich  gesäubert; 
wird  etwas  in  den  quell  oder  den  kleinen  see,  weldiea 
er  durch fliefst,  geworfen,  §o  entstellt  Unwetter. 

Als  im  }alir  164-1  Hans  Ohm  auf  Sommerpahl,  eia 
ansläudischer,  durch  die  Schweden  ins  land  gekommoer 
gutsbesitzer,  in  dem  bach  eine  müle  baute  und  einige 
jähre  unfruchtbare  Witterung  anhielt;  mafsen  es  alle  Eh- 
•^ten  der  entweihung  des  JieiL  bachs  bei,  der  keine  heili- 
mung  in  sich  leide,  sie  überfielen  die  müle,  brannten  sie 
nieder  und  zerstorlen  alle  grundpfäle  im  wasser.  Ohm 
erhub  klage  und  erlangte  der  bauern  verurtheilung ,  um 
sich  aber  neuer  und  schwerer  Verfolgung  zu  entziehen, 
veranlafste  er  den  pastor  Gutslaff,  gleichfalls  einen  Deut- 
schen, in  einer  besonderen  schrift**)  diesen  aberglaiiben 
zu  bekämpfen«    man.  erfährt    dadurch   gewis   nur  die  ge- 


*)  diese  aofregung  des  stamis  darcli  steinwurf  in  den  see  oäer 
hrunnen  ist  deutscher,  celtischer  und  finnischer  Volksglaube,  wie  die 
angeführten  beispiele  lehren,  der  wassergebt  rächt  die  entweihmi^ 
der  heHigen  flut.  Hierher  gehört  die  sage  vom  niummel«ee  (deutsclie 
sag.  no.  59.  Simplic  5^  9.)  vom  Pilatussee  (Lothars  voikss.  S3S. 
Dobenek  2,  118«  Gutslaff  p.  288)  vom  see  Camarina  in  Sicilieo  (Cs- 
niarinam  movere)  und  besonders  von  dem  brunnee  im  Iwein  553  — 
672 ,  wo  aber  brunnenwasser  auf  den  brnnnenstein  gegossen  den  sturm 
erregt;    vgl.  die  von  Beneke  p.  814  aus  Pontus  angeföhrte  stelle. 

**)  kurzer  bericht  u.  Unterricht  von  der  falsch  heilig  genandtes 
buche  in  Liefland  'Wöhhanda.  daraus  die  unchristliche  abbrenoonge 
der  sommrrpnh Ischen  möhlen  geschehen  ist.  aus  christlichem  eifer  we- 
gen des  unchristiichen  n.  heidnischen  aberglaubens  gegeben  von  Joh. 
(ru/sftrß\  pomer.'  pasturn  zu  ürbs  in  Licfland.  Dorpt  1644.  407  $s. 
in  8  {ahne  xueign    und  vorr.) 


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HEILIGE  SEEN  839 

iras8igen  züjge  des  lieidnisclien  cultud«  Auf  die  frage ,  w  ie 
von  brumien,  bächeu  und  seen  gutes  oder  böses  weiter 
abhüDgen  könne?  versetzten  die  Ehslen:  'es  ist  unser 
aller  glaube,  die  alten  baben  uns  also  gelebret  (s.  25.  258), 
schon  mehr  mülen  seien  an  diesem  bache  abgebrannt  (s. 
278),  er  vertrage  keine  Stauung.'  ebstnisch  beifse  er*  pöha 
jiügg«'>  lettisch  *schwmi  ubbe',  d.  i.  heiliger  bach.  man 
vermöge  durch  ihn  das  wetter  zu  stellen  und  habe,  be- 
dürfe man  re^ens ,  nur  etwas  hineingeworfen  (s.  25). 
als  einmal  drei  ochsen  im  See  ertranken,  sei  schnee  und 
frost  entstanden  (s.  2Q,)  zuweilen  steige  'ein  herl  mit 
blauem  und  gelbem  strumpfe^  aus  dem  bach  hervor, 
also  der  geist  ofes  baclic.s.  .     .       , 

Eine  andere  ehstnische  sage  gedenkt  des  eees  JEirii^ 
der  sein  bett  veränderte«  wilde  böse,  menschen  wohnten 
an  seinem  ufer,  sie  mähten  die  wiesen  nicht , .  die  et 
wässerte,  besäten  die  äcker  nicht,  die  er  frudilbat 
machte,  sondern  raubten  und  mordeten,  dafs  die  klare 
flut  durch  das  blut  der  erschlagnen  getrübt  wurde.  Da 
trauerte  der  see;  eines  abends  berief  er  seine  fische  alle 
und  hob  sich  mit  ihnen  in  ^  die  lüfte.  Als  die  rauher  das 
tosen  vernahmen,  riefen  sie:  'der  Eim  ist  aufgestiegen, 
iaist  uns  seine  fische  und  ßchätze  sammeln.^  abelr  die  fisclie 
waren  mit  gezogen  und  nichts  fand  sich  in  dem  grund  als 
schlangen,  molche  und  kröteß,  die  stiegen  heraus  und 
yrohnten  bei  dem  räubergeschlecht.  Aber  der  Eim  stieg 
immer  höher  und  kühner  und  eUte,  einer  weifsen  wölke 
gleich,  durch  die  luft;  die  Jäger  in  den  wäldern  spra- 
chen: 'welch  ein  dunkles  wetter.  zieht  über  uns?',  die 
hirten  :  'welcher  weifse  schwan  fliegt  in  der  höhe  ?'  die 
ganze  nacht  schwebte  er  unter  den  Sternen,  am  morgen 
erblickten  ihn  die  Schnitter^  wie  er  sich  senkte,  und  aus 
dem  schwan  ein  welTses  schif,  und  aus  dem  schiiTe  ein 
dunkler  Wolkenzug  ward«  und  es  sprach  aus  den  gewäs- 
sem:  'hebe  dich  von  dannen  mi^  der  ernte,  ich  will  woh- 
pen  bei  dir.'  Da  hiefsen  sie  ihn  willkommen,  wenn  er 
ihre  .  acker  und  wiesen  bethaüen  wolle ,  und  er  senkte 
sich  nieder  und  breitete  inl  netten  lager  sich  aus  nach,  al- 
len enden.  Sie  ordneten  sein  bett,  zogen  dämme,  pflanz- 
ten junge  bäume  ans  ufer,  seine  wellen  zu  kühlen.  Da 
machte  er  die  gan^^e  gegend  fruchtbar,  das  gefilde  grünte  nn^ 
sie  tanzten  um  ihn,  dafs  der  alte  jugendlich  froh  ward.'*') 

*)  Fr.  Tbiersch  im  tasehenbuch  faf  liebe  and  freandichaft  1809 
p-  179; 

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340  FEUER 

Römer  und  Griechen  personlficierten  ihre  flüsse  in 
männliche  wesen;  ein  bärtiger  greis  giefst  aus  seiner  iinie 
die  strömende  quelle  (s.  276,  277.)  kleineren  bächen  stan- 
den nymphen  vor.  in  unserer  spräche  sind  die  meisten 
ßufsnamen  weiblich  (gramm.  3,  384  —  86),  es  werden 
also  auch  weibliche  flufsgeister  gewaltet  haben.  Niemak 
ist  in  einheimischer  Überlieferung  von  einem  damon  des 
Rheins  die  rede,  man  glaubt  den  flufsgott  visucius  in  dem 
pfälzischen  wisgdz  \vieder  zu  finden*)^  der  heutige  name 
ist  weschnitz.**) 

IL  FEXJER-***) 
gleich  dem  wasser  gilt  das  feuer  für  ein  lebendiges  wesen, 
und  jener  benennung  quecprunno  (s.  330)  entspricht  quec^ 
fiur^  daz  quecke  fiwer.  Parz.  71,  13;  serb.  vatra  s/iiua 
(Vuk  1,  xLvi.)  TO  nvQ  ^fjQiov  ^(Aifwiov  bei  Aegypteni, 
Herod.  3,  16;  ignis  animal.  Cic  de  N.  D.  3,  14,  also 
ein  fressendes,  hungriges,  nimmersattes  thier,  vorax 
flamma,  frekr  (avidus)  Saem.  50»>,  bitar  fiur.  H^l.  78,22, 
bitar  logna.,  79,  20.  grddag  logna.  130,  23  grim  endi 
grddag.  133,  11,  es  leckt  mit  der  zunge.  Anrede  bezekh- 
net  lebendige  dinge:  ^heitr  ertu  hripudhr!'  (heifs  bist  da 
feuer)  Scem.  40».  Schon  den  Persern  war  es  ein  golt, 
und  das  ind.  Agni= ignis  wird  für  einen  gott  angeseho. 
Nach  der  edda  ist  das  feuer  bruder  des  winds  und  des 
nieers ,  darum  selbst  belebt  und  göttlich.  Sn.  126.  Das 
volk  vergleicht  dieses  element  ehiem  von  haus  zu  haus 
fliegenden  hahn :  *ich  will  dir  einen  rotften  haJm  aufc 
dach  setzen'  ist  drohung  des  mordbreuners. 

Dennoch  scheint  ein  eigentlicher  feuerdienst  von  be- 
schränkterem umfang,  als  die  Verehrung  des  wassert ; 
nxxr  in  der  stelle  des  ags.  Verbots  (s.  70)  finde  ich  des 
J euer 8  9  nicht  in  den  übrigen  gedacht,  auch  mag  ein  theil 
des  ihm  gewidmeten  cultus  in  dem  der  leuchtenden  uud 
wärmenden  sonne  begriffen  sein,  ^wie  schon  Jul.  Caesar 
(oben  s.  7l)  sol  und  f^ulcanuSj  und  die  edda,  beide  als 
das  höchste  preisend,  Jeuer  und  sonne ^  nebeneinander 
nennt:  eldr  er  beztr  med  yia  sonum  ok  sSlar  s^n.*  Saeni. 
18**;  feuer  ist  das  beste  für  die  menschen,  (nach  Pindar 
wasser  das  beste.)  Die  observatio  pagana  in  foco  (ank. 
xxxu,  17)  beziehe  ich  auf  die  flamme  des  heerds  oder 
ofens;    wo   heerdfeuer   brennt,    schlägt  kein  gewitter  ein 


•)  Crcnzer  altröin.  cirit.   p.  61.  62. 
*')  Dumbeck  jj^eogr.  pa^oram  67. 
***)  beuenaiuigea  gr.  3,  352;   eddi'jfclie   Sam.  50^  So.  187.  18S 


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NOTFEÜER  841 

(abergl.  136),  wo  es  prasselt,  da  entsteht  streit  (no.  322. 
534.)  man  halte  die  norwegische  deutung  (s,  148)  dazu; 
so  lange  ein  kin4  ungetauft  ist,  soll  man  das  feuer  nicht 
löschen  (schwed.  abergl.  22)  vgl.  iasta  eld,  iaga  i  el- 
dm  (das.  24.  25.  54.  68.  107.) 

Die  Ehsten  werfen  in  das  feuer,  wie  ins  wasser, 
gesvhenhe  (abergL  11)^  sie  opfern  zuweilen  dem  feuer 
ein  hiihn  (no.  82.) 

Man  scheint  wolthätfges  und  feindseliges  feuer  un- 
terschieden zu  haben;  in  altfranz.  gedichten  finde  ich  oft 
die  verwünschiuigs Formel:  mal  feu  arde!  Tristr.  3791. 
maus  feu8  et  male  flanibe  m'arde!  M^on  3,  227.  29  7. 
dies  böse  feuer  stellt  der  nord.  Loki  dar  (s.  148.) 

Für  unrein,  unheilig  galt  feuer,  das  eine  Zeitlang 
tmter  den  menschen  gebraucht  worden  war,  und  sich  von 
brand  zu  brand  fortgepflanzt  hatte«  Das  reine,  zu  heili- 
gem geschaft  dicnsaine  feuer  muste ,  nach  löschung  des  ahen, 
neu  geweckt,  unmittelbar  aus  holzreibung  hervorgegan- 
gen sein,  ein  solches  hlefs  notfiur.  entsprang  es  zufällig, 
x.b.  unter  der  band  des  Zimmermanns  beim  einschlagen 
des  nageis  in  die  zusammengefügten  balken  des  neuen  hau- 
ses,    so  ist  es  vorbedeulsam  (abergh  411.  500.  707.) 

Schon  der  indic.  superstit.  15  meldet  *de  igne  fri- 
cato  de  ligno  id  est  nodfyr^y  das  capitulare  Carlomanni 
von  742  {.  5.  (Georg.  489)  verbietet  'illos  sacrilegos  ignes 
quos  nedfratres  vocant\  und  letztere  stelle  ist  in  die  gro^ 
fse  capit.  samlung  5,  2  (Georg.  1407)  eingegangen,  bei 
Bahiz.  1,  148.  825  dieselben  lesarten;  man  hat  unbedenk- 
lich zu  bessern  nedfyr ,   f^^^fy^^^ 

Die  Zubereitung  des  notfeuers  wird  verschiedentlich 
beschrieben;  ich  halte  es  der  mühe  werth,  die  mir  be- 
kannten erzählungen  hier  zu  sammeln.  Lindenbrog  im 
glossar  zu  den  capitularien  sagt:  rusticani  homines  in  mul- 
tis  Germaniae  locis,  et  festo  quidem  S.  Johannis  baptistae 
die  palum  sepi  extrahunt  ^  extracto  funem  circumli- 
li^ant^  illumque  huc  illuc  ducunt ,  donec  ignem>  con- 
npfat:  quem  stipula  lignisque  aridioribus  aggestis  curate 
fovent,  ac  cineres  collectos  supra  olera  spargunt,  hoc  me- 
dio  erucas  abigi  posse  inani  superstitione  credentes.  cum 
ergo  ignem  nodfeur  et  nodfyr  y    quasi  necessarium    ignem 


•)  aas  ntdfri ,  wie  einige  hss.  lesen ,  machten  unkundige  »chrei- 
ber  nedfratres,  da  die  abkürzung  ff,  fS  frater,  fratres  ausdrückt; 
en  cod.  liest  niedfeor. 


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342  NOTPBÜBR 

vocant  Job.  Reiskius  *)  Untersuchung  des  notfeners. 
Frankf.  u.  Leipz.  1696.  8.  p.  51:  *wenn  nun  sich  etwan 
unter  dem  grofsen  un^  kleinen  vieh  eine  böse  seuche  hat 
herfürgetban  un4  die  beerde  dadurch  bereit  grofsen  scha- 
den erlitten,  werden  die  bauren  scjilüssig,  ein  noihjür 
oder  noihfeuer  anzumachen,  auf  besllpimten  tag  mufs 
in  heinem  hause  noch  auf  dem  beerde  sich  einzige 
flamme  findet^,  aus  jedem  hause  mufs  etwas  von  stroh 
und  Wasser  und  buscbbolz  herangebracht  werden,  darauf 
\Yird  ein  starker  eichen  pfähl  in  die  erde  feste  geschla^ 
gen  und  ein  loch  durch  diesen  geboret,  in  dasselbe  wird 
pine  fiplzerne  winde  eingestecket,  mit  wagenpecli  und 
iheer  wolgeschmieret ,  auch  solange  umgedrehet,  bis  es 
nach  lieftlger  hitze  und  nothzwang  feuer  geben  kann,  sol- 
ches wird  sofort  mit  materialen  aufgefasset,  durch  stroh, 
beide  und  buschholz  gemehret,  bis  es  zu  einem  vollen. 
nothjeuer  ausschlaget^  dieses  aber  piufs  in  die  länge 
zwischen  wänden  oder  zäunen  sich  etwas  ausbreiten,  und 
c|as  viehe  nebenst  denen  pferden  mit  stecken  und  peitschen 
drei  oder  zweimal  hindurch  gejaget  werden.  Andere  schla- 
gen s^nderswo  zwei  durchborete  p/äle ,  stecken  in  die 
lücher  eine  walle  oder  winde  nebst  allen ,  fetlbeschmicr-r 
ten  lumpen,  andere  gebrauchen  einen  harnen  oder  ge- 
meinen dichten  strick,  suchen  neunerlei  holz  zusammen, 
und  halten  so  lange  mit  gewaltsamer  bewegung  an,  bis 
feuer  herabfalle,  vielleicht  mögen  noch  mehr  arten  bei 
dieses  feuers  generation  oder  anzündung  sich  finden^  alle 
dennoch  werden  blofs  auf  die  cur  des  viehes  eingerichtete 
Nach  drei  oder  zweimaligem  durchgang  wird  das  viehe  zu 
stalle  oder  in^  feld  getrieben,  und  dpr  zusammengebrachte 
holzh^qfo  wiedcrqin  zerstöret,  jedoch  solchergestalt  an 
etlichen  orten ,  dafs  jedweder  hausvaler  einen  brand  mit 
sich  tragen,  in  der  wä^ch  oder  spültonne  ablöschen  und 
9olche4  in  die  krippe,  worin  das  vieh  gefüttert  wird,  auf 
einige  zeit  beilegen  lasse,  die  zum  nothzwang  des  feuers 
eingßsphlagnfsn  pfale  und  das  zur  winde  gebrauchte  hol* 
wird  bisweilen  zuq  (euermatprifdien  mitges^ogen,  bisweUcii 
verwjihrlich  beigelcget,  wenn  zuvor  mit  dem  viehe  die 
dreim^ig^  jagd  durch  die  llamme  ist  yollfülirt  worden-' 
Folgende  sclüld^rMng  ist  die  neuste  und  aus  Hohenhameln, 
im  hildesheimischen  amt  Baldenberg  mitgetheilt :  in  vielen 
yrt^n  Niedersachsens;   zumal  des  gebirges^   herscht  die  go- 

*)  rector  der   schule  zu  Wolfenbüttel,  v^l.  Gericken  Schottclk» 
Mlostrata«.    Lp.  1716  p.  66.   Eccard  Fr.  or.  1,  425. 

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NOTPBÜBR  343 

wolinkeity  um  vlebseuchen  yorzubeugen ,  das  sogehannte 
wilde  feuer  zm  bereiten,  durch  welches  dann  zuerst  die 
Schweine^  dann  die  iii/ie,  zuletzt  die  gänse  gelrieben 
werden.*)  das  dabei  hergebrachte  verfaliren  ist  dieses, 
bauerjmeister  und  gemeinde  versammeln  sich,  jedem  eiu- 
wohner  wird  angesagt ,  alles  Jeuer  in  sßinem  hause  so 
völlig  zu  löschen^  dafs  auch  nicht  ein  funke  im  ganzen 
dorle  breuuen  bleibt,  dann  wandert  jung  und  alt  an  ei- 
nen Lolweg ,  gewöhnlich  gegen  abend ,  die  weiber  linnen, 
die  männer  holz  und  werg  tragend,  zwei  eichne  pfäle 
werden  anderthalb  fufs  von  einander  in  die  erde  getrie- 
ben, jeder  pfal  hat  eine  gegeneinander  über  stehende 
Vertiefung,  in  welche  ein  armdicker  quer  stock  passt«  die 
vertiehingen  sind  mit  linnen  gefällt  und  der  querstock 
wird  nun  so  fest  als  möglich  eingedrängt,  stricke  hallen 
die  pfäle  oben  zusammen,  den  runden,  glatten  querstock 
umwindet  ein  seily  dessen  lange  zu  beiden  seite^  blei- 
beudiJ  enden  von  mehrecn  leuten  gefafst  werden,  diese 
ziehen  nun  den  qnerstock  auf  das  schnellste  hin  und  her, 
80  dafs  durch  die  reibung  das  linnen  in  den  vertiefuogen 
sich  entzündet,  die  funken  des  linnens  werden  alsbald  in 
werg  oder  heede  gefangen  und  so  lange  im  kreise  herum- 
geschleudert ^  bis  die  helle  lohe  daraus  schlägt,  an  sie 
wird  Stroh  gebracht,  und  mit  der  strohflammp  das  im 
holweg  schiclitenweise  geordnete  reisholz  angezündet,  Ist 
dieses  holz  in  vollen  brand  geratlien  und  hat  es  beinahe 
ausgebrannt ,  so  eilt  das  volk  zu  den  hinten  wartenden 
lieerden  und  treibt  sie  niit  gewalt,  eine  nach  der  andern 
durch  die  glut.  Sobald  alles  vieh  hindurch  ist,  fallen  die 
jungen  leute  mutwillig  über  asche  und  kohlen  her,  ein- 
ander bestreuend  und  schwärzend;  die  am  meisten  be- 
streut und  geschwärzt  erscheinen,  ziehen  als  sleger  hin- 
ter dem  vieh  ins  dorf  ein ,  und  waschen  sich  lange  nicht 
ab.**)  Falls  das  linnen  nach  langer  relbupg  nicht  fangen 
will,  so  vermutet  mau,  djifs  noch  irgendwo  feuer  im 
dürfe  sei,  was  das  element  abhalte,  sich  in  der  reibung 
zu  oflFenbaren  :  dann  erfolgt  strenge  hausdurchsuchung ,  das 
eingetroffene  feuer  wird  gelöscht  und  der  hauseigenthümer 
gestfaft  odpr  gescholten.    Pas  yfM^  feuer  mufs    aber  un- 


♦)  von  schafeh  ist  keine  rede;  wenn  vielleicht  auch  höhn  und 
hüner  durch  die  kohlen  mnst^n ,  so  erklarte  «ich  ein  noch  unerklär- 
te! sprieliwort  (Reinh.  xciv.) 

")  wird  nicht  nnpli  ein  brnnd  oder  licht  zur  fgucraust Heilung  im 
dorfe  mit  nach  haus  genommen? 


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344  NOTPBDBR 

erlofsHch  durch  reibung  hervorgebracht ,  und  darf  iii<^t 
mit  stahl  und  stein  geschlagen  werden.  Einige  Ortschaften 
bereiten  es  nicht  jährlich,  um  der  Viehseuche  vorsubeu- 
geu,    sondern  erst  bei  deren  vrirklichem  ausbruch. 

Diesen  genauen  angaben  entgeht  dennoch  mancher 
kleine  umstand,  auf  dessen  beachtung  wenigstens  in  an- 
dern gegenden  gesehen  vi^ird.  So  müssen  im  Halberstädti- 
schen die  stricke  der  holz  walze  von  zwei  ieuachen  Ina- 
ben gezogen  werden."^)  Im  nördlichen  Deutschland  ist  das 
notfeuer  länger  und  häufiger  im  gebrauch  geblieben**), 
doch  auch  dem  südlichen  nicht  imbekannt.  Schmeller  and 
Slalder  geschweigen  seiner,  doch  im  appenzeller  land  be- 
steht noch  das  kinderspiel,  dafs  sie  ein  seil  auf  einem 
stücke  holz  so  lange  reiben,  bis  ea  feuer  fängt ^  das 
nennen  sie  aber  'de  tiifel  häle\  den  teufel  entmannen, 
ihm  seine  kraft  rauben.***)  das  könnte  wieder  auf  Loki, 
den  teufel  und  feuergott,   anspielen  (s.  148.  341.) 

Die  benennung  läfst  sich  aus  nijt  (necessitas)  herleiten, 
sei  es,  weil  das  feuer  gleichsam  genöthigt  wird  zu  er- 
scheinen, oder  das  vieh  die  glut  zu  betreten,  oder  seine 
bereitung  in  zeiten  der  noth,  der  seuche,  erfolgt,  nichts 
desto  weniger  will  ich  eine  andere  erklärung  versuchen, 
notfiur,  nodfiur  könnte  stehen  für  ein  älteres  hnotfiur, 
hnodfiur  j  von  der  vmrzel  goth.  hniudan,  ahd.  hniotan, 
altu.  hnioda ,  quassare ,  terere ,  tundere  +) ;  es  wäre  ein 
durch  gewaltsames  stofsen,    reiben,   schütteln  gelocktes. 

Gerade  so  heifst  es  in  Schweden  vrideld  oder  gnideld 
von  vrida  (torqiiere,  circumagerc)  ags.  vrtthan,  ahd.  rl- 
dan,  mhd.  riden,  und  von  guida  (fricare)  ahd«  knttan, 
ags.  gnidan  (conterere,  Mcare,  depsere.) 

*)  Büscliiiigs  wöchentliche  narhr.  4,  64* 

**)  vgl«  Couriog  epiüt.  ad  Baluz.  xui.  Gericken  Scbottelias  p. 
70.     Dahnert  s.v.  noodfur. 

•••)  Zellweger  gesch.  von  Appenzell.  Trogen  1830.  1,  63,  wel- 
cher bemerkt,  dafs  man  mit  der  asche  des  solchergestalt  eneeugtea 
feuere  die  felder  bestreue,  um  sie  vor  Ungeziefer  zu  schützen. 

t)  ahd.  pihnintit  (excutit)  gl.  ker.  251.  hnotdt  (quassat)  das.  329. 
hnutten  (vibrare)  das.  282;  N.  hat  vnotdn  (quassare)  ps.  109,  6.  Btli. 
230 ;  vgl.  nieten  (stofsen)  anh.  p.  xlix.  altn.  lebt  hnioda  (tnndere) 
hnod  (tudes ,  malleus)  hnoda  (depsere)  bnudia  (snbigere.)  man  dürfte 
hnotfiur  und  hnotfiur  (hnutfiur)  schreiben,  je  nachdem  der  ablaat  des 
itg.  oder  pl.  dabei  waltete,  vielleiclit  wäre  nicht  elamal  auf  dem  U  n 
bestehen,  sondern  das  ahd.  niuwan  altn.  nüa  (terere,  fricare)  xo  er- 
wägen, aus  dem  sich  dnrch  ableitung  ein  subst.  n^t  entwickelt  Iwtte. 
ja  man  konnte  weiter  zu  der  annähme  fortgehn,  dafs  ndt,  nautlis, 
unudlir  (necessitas)  ursprünglich  den  begrif  von  drang  und  druck 
eulhalte  '< 


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NOTFEUER  S45 

Bereitet  wurde  es  wie  bei  uns,  durch  das  heftige 
aneinanderreiben  zweier  hölzer,  in  einzelnen  »chwed.  ge- 
genden  noch  gegen  den  scldufs  des  vorigen  jh.;  bisweilen 
nahm  man  aste  von  neunerlei  holz  dazu.'*')  der  von  gnid- 
eid  aufeteigende  rauch  galt  für  heilbringend,  Obstbäume 
und  netze  damit  geräuchert    wurden  fruchtbar    und  fien- 

,  gen  viele  fische,  von  diesem  räuchern  mit  vriden  eldy 
vom  austreiben  des  viehs  über  solchen  rauch  vgl.  schwed. 
abei^l.  no.  89.  108.  Man  sieht,  des  notfeuers  anwen- 
dung  mufs  unter  den  Heiden  weit  manigfaltiger  gewesen 
sein:  in  Deutschland  zeigt  sich  nur  ein  rest  devon  im  ge- 

i     brauch  für    das   erkrankte  vieli.     doch    die  abergläubische 

[  gewohnheit  der  mädchen»  feuer  von  neunerlei  holz  zu 
entzünden  (no.  956)  bestätigt  uns,  den  ausgedehnteren  be- 
grif  des  alten  notfeuers. 

Auch  in  dem  schottischen  hochland  (namentl.  in  Caithness) 
bedient  man  sich  heute  des  notfeuers  hauptsächlich  als  eines 
miUels  wider  übernatürliche  durch  zauber  hervorgebrachte 
vielikrankheiten.**)  To  defeat  the  soroeries,  certain  persons 
wlio  have  the  power  to  do  so  are  sent  for,  to  raise  the  need-- 
fire,  upon  any  small  river,  lake,  or  island,  a  circular 
booih  of  stone  or  turf  is  erecled,  on  which  a  couple,  or 
rafter  oj  a  hirchtree^    is  placed,    and   the   roof  covered 

I  over.  In  the  centre  is  set  a  perpendicular  post ,  fixed 
by   a  wooden   pin   to   the    couple,    the   lower  end    being 

1     placed  in    an    oblong   groove    on  the  floor;    and  another 

'  pole  is  placed  horizontally  ^  between  the  upright  post 
aud  the  leg  of  the  couple,  into  both  which,  the  ends, 
being  tapered,  are  inserted.  this  horizontal  timber  is 
called    the    auger    (bohrer),     being    provided    wilh    four 

I     Short  arms>    or  spokes,   by  which  it  can  be  turned  round. 

I  As  many  men  as  can  be  collected  are  then  set  to  work, 
having  first  divested  themselues  of  all  hinds  of  metal, 
and  iwo  at  a  time  continue  to  turn  the  pole  by  means  of 
the  levers,  white  others  keep  driving  wedges  under  the 
npright  post  so  as  to  press  it  agaiost  the  auger ,  which 
by  the  friction  soon  becomes  ignited.  From  this  the  need- 
fire  is  instantly  procured,  and    all  other  fires   being  im- 


*)  Ihre  de  superstit.  p.  98  und  im  glossar  s.  v.  wredeld.  Finn 
Magn.  tid«kr.  for  nord.  oldk.  2,  294  nacfi  Westerdahl. 

**)  ich  entlehne  die  weise  seiner  bercitung  aus  James  Logan: 
the  scottish  Gael  or.  ceitic  manners  as  preserved  among  the  High« 
landen.  Lond.  1831.  2,  64,  der  aber  hier  fast  wörtlich  Jaroiesons 
buppleraent  to  the  acotisch  dict  s.  ▼•  ueidfyre  aasschreibt. 


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949  flOTPPüBII 

mediately  quenched,  tliose  tltat  are  rehindled  botli  in 
dwelliugliouse  and  oiüces  are  accaunted  sacred,  and  the 
catüe  are  succeseively  mad  to  smell  tbem.  Tbis  practice 
iß  believed  to  bave  aris^n  from  tbe  baaltein  or  hoXj  fire« 
ol'  tbe  druids.  Nocb  ia  dem  beutigen  galiscben  und  üir 
scbep  dii^lect  beifst  d^r  erste  mai  U-beal-tin,  d.i.  tag  des 
balfeuersy  das  feuer  aber  fin-egin,*)  liier  mag  nocb 
![Martiiis  eigentbümlicbe  bescbreibung  **)  räum  finden:  tha 
iubabilanls  bere  did  also  make  use  of  a  fire  called  tin-i 
egin y  i.e.,  a  forced  fire,  or  fire  of  necessity '"**) ,  wbich 
tiiey  used  as  an  antidote  against  tbe  plague  or  murrain  in 
catlle ;  and  il  was  performd  tbus:  all  ihe  fir^a  in  tbe 
parisb  were  extinguishd^  and  tben  eighty-one  (9X9) 
manyd  mßß  belüg  tbougbt  tbe  necessary  number  for  ef» 
fectiug  tbis  design,  took  two  great  planhs  of  wood, 
and  nine  of  'em  were  employd  by  tums,  wbo  by  tbeir 
re|)eated  elTorts  rubbd  one  oj  the  planhs  against  Üie 
oiher  until  tbe  beat  thereof  producd  fire;  and  (firom 
tbis  forcd  fire  each  jamily  is  supplyd  tvith  nem 
fire,  wliicb  is  no  sooner  kindled  tban  a  pol  Juli  of 
water  is  quiokly  sei  on  it^  and  afterwards  sprinkled 
U[>on  tbe  people  infected  witb  tbe  plague  or  upon  tbe 
cattie  tliat  bave  tbe  murrain.  and  tbis  tbe  all  say 
tbey  find  successfull  by  experience:  it  'vras  practisd  on 
tbe  moinlaad,  opposite  to  tbe  soutb  of  Skie,  witbin 
tliese  tbirty  ye^s.  Wie  bier  auf  dem  reibfeper  wasser 
gekocht^  und  dieses  mit  gleicber  Wirkung  gesprengt  wird, 
ßo  erzablt  Eccard  (Fr.  or.  1,  425),  er  babe  eines  pfingstn 
morgens  pferdeliirten  feuer  aus  holz  reiben  und  dabei 
ibren  iohl  kochen  seben,  in  der  meinung,  dafs  sie  durch 
dessen  genqfs  das  jabr  iiber  frei  votn  fieber  bleiben 
würden, 

Obne  aweifel  war  das  notfeuer  andern  Völkern ,  au«? 
fser  den  germaniscben  und  celliscben,  beilig.  Pie  Krihks 
in  Nordamerika  begeben  ein  jälirlicbes  crntefest,  das  mit 
dreitägiger  strenger  fasle  anbebt,  wälirend  welcber  in  al- 
len bäusern  die  feiger  gelöscht  werden,  am  vierten  moiv 
gpu  zündet  der  oberpriester  durcb  zusammen  reiben  zweier 
trockger  bolzslücke,  neues,  reines  Jeuer  an,  das  in  alle 
^ohuunger}  yertheilt  u^frd,   nun  erst   Uagen  die  weiter 


^)  Borlase  antiq.  of  Cornwall  p.  130. 
**)  descr.  of  the  weaterii  islanH«  p.  113. 
***)  dies  scheint  (ur  die   alte  erkläruog  von  nothfeuer; 
nicht  gerade  aus  dem  engl,  ueedfire  übersetzt  ist. 


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NOTPBUBa  Mt 

^as  frtscfaö  getraide  und  die  neuen  firitcfate  vom  erUte^ 
feld  Leim.*) 

Noch  anziehender  ist  es  aher,  die  einstimmung  altrö- 
mischer  yxnA  griechischer  sitje  zu  vergleichen,  excerpta 
aus  Festus  sagen:  Hgnis  Vestae  si  quando' interstinctus 
esset  >  virgines  verheribus  afBciebantur  a  pontiüce,  quibus 
mos  erat,  tabulam  felicis  materiae  tarn  diu  terebrare, 
quousque  exceplum  ignem  oribro  aeneo  virgo  in  aedem 
ferret.'  Das  erloscfiene,  heilige  fener  der  göttin  diu:ft« 
nicht  anders  angefacht  werden,  als  durch  frische  erzeu- 
gung  des  reinen  Clements,  ein  breit,  von  auserlesnem 
holz ,  wurde  solange  gebohrt ,  d.  h.  eine  walze  in  ilun 
umgedreht,  bis  funken  entsprangen«  Nach  Plutarch  im 
Nunia  9  gewann  man  neues  Jeuer  nicht  durch  reiben, 
sondern  auffangen  der  Sonnenstrahlen  in  bestimmten,  thöf- 
nernen  gefäfsen.  Die  Griechen  verehrten  Hestia  als  die 
reine  heerdttamme  selbst.**)  Aber  Lemnos  das  eiland,  auf 
welches  Zeus  den  himmlischen  feuergott  Hephästos  herab-» 
geworfen  hatte ,  ***)  hegte  eigenthiimlichen  feuercultus, 
neun  tage  im  jähr  wurde  alles  feuer  gelöscht^  bis  aus 
Delos  her  ein  schif  neues  vom  heiligen  heerde  Apollos 
brachte:  einige  tage  treibt  es  auf  dem  nieer,  ohne  lan- 
den zu  können ,  sobald  es  eingelaufen  ist ,  wird  jedem 
feuer  zum  häuslichen  gebrauch  mitgetheilt,  und  dann  ein 
neues  leben  begonnen.  Das  alte  feuer  war  nicht  mehr 
heilig  genug;  indem  seiner  die  menschen  eine  weile  ganz 
entbehrten,  sollten  sie  die  wolthat  des  Clements  recht  er» 
kennen  lernen. +)  Auch  der  heiligen  Brigida  in  Schottland 
(-|-  518  oder  521)  wurde,  gleich  der  Vesta,  bei  Kildar 
ewiges  feuer  unterhalten,  ein  geflochtner  zäun  umgab 
es  ,  welchem  mäuner  nicht  nahen  durften ;  es  anzublasen 
war  nur  mit  bälgen  gestattet,  nicht  mit  dem  munde. •}-+) 
seine  erzeugung  ist  nicht  angegeben. 

Wir  haben  nunmehr  von  einem  andern  feuer  zu  haur 
dein,  das  zwar  nicht  durch  reibung  hervorgebracht,  son- 
dern   ?iuf   die   gewöhnliche  weise    entzündet    wurde,    von 


0  Fr.  Majer  mythol.  tasch«nb.  1811  p.  llO. 
**)  nee  tu  aliud  Vestam  quam  vivam  iutellige  ^amoi^m.     Ovid. 
fest  6,  295, 

**^)  nach  der  finnischen  mythe  föllt  das  von  den  göttern  erzeugte 
feuer  in  kuaueln  herab  zur  see,  wird  vqn  einem  lachs  verschlun* 
gen  und  hernach  von  den  menschen  im  gefangnen  fisch  gefunden, 
tiinen  p.  6  — 22. 

f)  PtiilQstrat  beroic.  p.740.    Welckers  trilogie  p.24T.  248. 
ff)  acta  sanctor.  calend.  febr.  p.  112b. 


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SIS  OSTBRFEUER 

dem  osierfeuer  und  Johanniafeuery  dorea  gebrauch  in 
das  heidenlhum  zurückgeht. 

JMöglicli  wäre ,  dafs^  auch  diese  feuer  ur^rÖDgllch 
noifeuer  waren,  dafs  wenigstens  die  Überlieferung  beider* 
lei  arten  mengte,  der  galische  tinegiu  wird  am  ersten 
mai,  das  deutsche  notfeuer,  nach  Lindenbrog,  auf  Jo< 
hannis  bereitet,  jährliche  i'euerfeste  iiälten  dann  die  ei- 
gentliche bestimmung  gehabt,  das  heilige  eiement  den 
menschen  für  das  laufende  jähr  zu  erneuern. 

Die  sitte  dieser  jährlichen  feuer  erstreckt  sich  weil 
über  Deutschland  hinaus  in  das  übrige  £iut>pa.  nicht  an- 
wichtig ist  es  wahrzunehmen,  dafs  sie  im  nördlichen 
Deutschland  auf  oster n ,  im  südlichen  auf  JohAnniu  statt- 
finden, dort  bezeichnen  sie  des  frühjahrs  eintritt,  hier 
die  mitte  des  sommers  (sonnenwende.)  Ganz  Niedersach- 
sen,  Westfalen  und  JNiederh essen,  wahrscheinlich  auch 
FHesland,  Jütland ,  Seeland  kennt  osterfeuer;  am  Mein, 
in  Franken,  Thüringen,  Schwaben,  Baiem,  Ostreich,  Schle- 
sien gelten  Johannisfeuer. 

Osterfeuer.  in  allen  Städten,  flecken  und  dürfem 
des  landes  wird  gegen  abend  des  ersten  (zuweilen  dritten) 
ostertags  auf  bergen  und  liugeln  ein  grofses  feuer  aus 
Stroh,  wasen  und  holz  unter  Zulauf  und  frohlocken  des 
Volks  jährlich  angezündet,  an  der  Weser,  zumal  im 
Schaumburgischen  pflegt  man  ein  theerfafs  auf  einer  stroh- 
umwundnen  tanne  zu  befestigen,  und  es  in  der  nacht 
zu  entzünden,  kneclite,  mägde  und  wer  dazu  kommt  tau» 
Ken  jubelnd  und  singend  um  die  flamme,  hüte  werden  ge- 
schwenkt, tücher  in  das  feuer  geworfen,  alle  gebirge 
im  umkreis  leuchten,  an  einigen  orten  zog  man  mit  wei- 
fsen  Stäben  auf  den  berg,  stimmte  christliche  osterheder 
an,    und  schlug  beim  halleluja  die  Stäbe  zusammen.*) 

Für  diese  ignes  paschales  kenne  ich  kein  zeugnis 
über  das  16  jh.  hinauf:  sie  müssen  aber  weit  älter  sein, 
schon  des  gegensatzes  7a\  den  Johann is feuern  halber,  welche 
in  den  norden  Deutschlands  nicht  eindringen  konnten,  weil 


•)  Jofi.  Timeus  vom  osterfeuer.  Hamb.  1590,  wieder  abgcdr. 
hinter  Reiske  vom  nothfeuer ;  Letzners  historia  S.  Bonifacii.  Hilde^b. 
1602.  4.  cap.  12;  Leukfeld  antiq.  gandersh.  p.  4.  5;  Eberh.  Uarin; 
beschr.  der  (lauensteiiier)  Saala  1744.  2,  9(i;  hamb.  mag.  26,  3(»i 
(1762);  hannöv.  mag.  1766  p.  216;  Rathlefs  Diepholz.  Bremen  1767 
»,  36  —  42.  Bragur  VI,  1,  35  In  Dänemark  hei&t  das  o«terfeu<^r 
jaaskehluSf  paaskeblust  \  ob  es  in  Schweden  gebrauchlich  ist,  weifi 
icii  nicht.  Oiaiu  Magnus  15,  5  behauptet  scandiuavische  Johanoe«- 
feuer.    auffallender,  dafs  selbst  in  England  keine  spur  von  osterfeoer. 


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OSTfiRFEDBR  9<9 

man  hier  an  den  osterfeiiern  hieng.  da  nun  die  Johannis- 
feuer  mit  der  clirislHclien  kirche  eiier  zusammenlfMngen  als 
die  osterfeuer,  so  ist  es  nicht  luigereiint,  diese  noch  auf 
den  cultus  der  heidnischen  Ostara ''')  zu  beziehen ,  wel- 
che mehr  sächsische  und  anglische,  als  eine  im  übrigen 
Deutschland  verehrte  gottheit  gewesen  zu  sein  scheint, 
ihren  namen  und  ihre  feuer  verlegte  man,  nach  bekeh- 
ning  der  Sachsen,  auf  das  christliche  fest.**)  aus  der 
osterkerze,  die  an  demselben  tag  in  der  kirche  entzün- 
det wurde,  lassen  sich  die  gebirgsfeuer  des  volks  schwer- 
lich ableiten :  zwar  Bonifacius  ep.  87  (Würdtw.)  nennt  sie 
ignis  paschalis  ***),  und  solcher  osterlichter  geschieht 
noch  im  16  jh.  meidung. -|-)  Bedeutender  ist  die  feuer 
und  Scheiter  weihe  auf  osterabend,  deren  Jäger  (Ulm  p. 
521)  gedenkt. 

Jo/iannisfeuer.'j^)    in    unsre^    alten    spräche     wird 
die  festlichste  jahrszeit,  wo  die  sonne  ihren  gipfel    erlangt 


*)  zu  8.181  hole  ich  nach,  daf«  mir  dstara  und  das  altsla?. 
utroi  utrie^  sloven.  jutre^  serb.  poln.  jutro^  böhm.  giiro  dasselbe 
wort  scheint,  die  slav.  ausdrücke  bedeateii  morgen;  den  Sorben  ist 
aber  jutry  aoch  ostern,  den  länebnrger  Wenden  justroi,  gostroi  ostern 
ficcard  bist  stud.  etym.  277.  und  Juglers  wb.,  diese  letzte  form  bat 
völlig  das  ST  des  deutschen  worts.  sloven.  juterniza,  poln.  jutrzcnka 
ihorgeusteru ;  jutribog  der  niorgengott.  dem  litth.  ouszra  morgen- 
rothe ,  auszrinne  morgenstem  mangelt  das  T,  den  slav.  ausdrücken 
das  S  der  deutsclien;  das  lat  aurora,  griech.  uvQtov  haben  auch 
kein  T,  gleich  jenem  Visogothi^Yestrogothi.  ähnlich  veriialten  sich 
Iftt.  <i>ror^=2Sosor,  litth.  set^u,  goth.  svistar  ^  slav.  sestra*  sollte 
osiara  verwandt  sein  mit  Vesta  und  'iiarta?  Hyde  (de  rel.  vet.  Pers.) 
will  in  usta,  vosta',  avesta  den  begrif  von  feuer  finden:  ob  dies  zu- 
lässig ist  oder  nicht,   müssen  wir  erst  von  Burnouf  lernen. 

*')  Letzner  a.  a.  o.  sagt,  nachdem  Bonifacius  zwischen  Brun- 
stein und  Wibbrechtshausen  den  heidnischen  götsen  Reto  (er  köimte 
aa  Bedas  Rheda  erinnern)  gestürzt ,  habe  dwi  volk  auf  diesem  Ret- 
herg  ^m  ostertage,  mit  der  sonnen  Untergang,  noch  bei  menschen 
gedenken,  das  osterfeuer  gehalten,  welches  die  alten  hockst  hörn  ge- 
heifsen.*  am  rande  ist  wieder  sein  gewährsmann  der  verlorne  Conra- 
dos  Pontanus  (oben  s.  129.)  Wie  das  osterfeuer  selbst  zu  der  be- 
neftoung  bocksdom  kommen  soll,  ist  schwer  einzusehen:  so  heifst 
MMist  eine  stände  oder  pflanze,  die  Tgayuxuy&^a,  unser  heutiges  tra- 
gaut.  wurde  bocksdom  in  die  osterflamme  geworfen?  wie  in  das  Jo- 
liannisfeuer  bestimmte  kräuter. 

***)  merkwürdig,  dafs  einige  behaupteten,  die  osterkerze  sei 
durch  brennspiegel  oder  chrystalle  angesteckt  worden  (Serarrius  ad 
epist.  Bonif.  pag.  343);   gleich  jenem  feuer  der  Vesta. 

f)  Franz  Wessels  beschreibung   des  päbstlichen  gottesdienstes  In 
Stralsund  (Rühs  pomm.  denkw.  p.  183.  184.) 

ff)  beste  abh.  ist:  Franc.  Const.  de  Khautz  de  ritu  ignis  in  na- 
tali  S.Joannis  bapt  accensi.     Vindob.  1759.  8. 


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hat  und  0un  wieder  herübsink^n  mufe,  mnnewendß 
(solstiliuni)  geoanat,  gewöbnlicli  in  der  pluralform,  we3 
dieser  höbe  stand  der  sonne  mebrere  tage  anbält:  'ze  ei* 
nen  sunewenden'  Nib.  32,  4;  zen  nsebsten  sunewendea' 
Nib.  1424,  4;  Wigal.  1717;  ^vor  disen  sunewenden'  Kib. 
678,  3.  694,  3;  'ze  sunnewenden.  Trist.  5987;  ^an  suiMy 
•wenden  dbent  Nib.  1754,  1;  auch  Iw.  2941  würde  ich 
die  lesart  'nach  den  sunnewenden'  vorziehen.  *)  Da  hier* 
mit  Johannistag  zusammeutrift,  beifsen  jene  feuer  in  ober- 
deutschen urk.  des  14.  15  )b.  Bunu^entfeuer ^  sunherU- 
fewr  **),  und  noch  jetzt  unter  dem  Ostreich,  nnd  bair. 
volk  sunäweisfoir  ^  6unu>ent&feuet\  Die  bescbreibungen 
der  Jobannis  stimmen  zu  denen  der  osterfeuer ;  ^einiges 
abweichende  wird  sich  ergeben.  Zu  Gernsbeim  (im  maiu* 
auscheii)  wird  das  entzündete  feuer  von  dem  pfarrer  g^ 
segnet  y  und  solange  es  brennt,  gesungen  und  gebetet; 
erlischt  aber  die  flamme,  30  springen  die  kinder  über 
die  glimmenden  hohlen^  ehmals  thaten  es  auch  die  er- 
waclisnen.  Reiske  a.a.O.  p,  77  sagt:  *das  feuer  wird  uu- 
ter  freiem  himmel  angemacht,  vom  jungen  und  gemeinen 
Volke  darüber  geipriingen,  allerhand  hraut  darein  gi- 
worjen :  gleich  ihm  möge  alles  ihr  Unglück  in  feuer  und 
rauch  *aufgehn.  An  etlichen  orten  steckt  man  n^achts  ans 
den  kammern  latemen  au  und  bekleidet  sie  mit  klaprosea 
oder  klatschen,  damit  ein  heller  glänz  entstehe.*  Zu 
Nürnberg  betteln  die  bubeu  holzscheiter  zusammen,  fah- 
-ren  sie  an  den  bleicherweiher  beim  spitteltbor,  zünden 
sie  an  ^  und  wenn  das  holz  brennt ,  springen  sie  darii^ 
her.  man  erhält  dadurch  gesundheit  aufs  ganze  jähr  (vgl 
abergl.  918.)  sie  laden  auch  vorübergehende  zum  sprungt 
ein,  die  einige  kreuzer  für  die  erlaubnis  geben.  Am  Jo- 
bannisabende  vmrde  allenthalben  lustig  über  die  sonnen-- 
wendefeuer  gesprungen^  und  dabei  muste  metb  seiib 
erinnert  sich  Denis  aus  seiner  jugend  (lesefr.  1,  130.)  Zu 
Ehingen  in  Schwaben  k'odite  man  erhsen  am  entzündeletf 
feuer,  welche  aufbewahrt  und  bei  quetschungen  und  wun- 
den heilsam  erachtet  wurden  (Schmid  Schwab,  id.  167); 
vgl.  das  kochen  beim  notfetier  (s.  346-)  Greg.  Strigcni- 
tius  (geb.  1548  f  1603)  in  einer  auf  Jobannis  gebalinen 
predigt,    die    Ecc.   fr.  or«  1,  425    anfülirt,    bemerkt,   das 


*)  f3r  ze  flunnewendeo   heifst  es  aocb   'zu  sungihtenJ    Sdieffen 

Haltaas  p.  109.  110. 

**)  Hahn  moDOnr.  2,  693.   Satnera  beriditigungen.  Hüachan  179^ 

p.  107.  (a.  1401.) 


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tölk  (in  Meilaen  oder  Thnringen)  iafize  iinA  äingd  urh 
äie  Johannisfeu^t :  einer  habe  ein  pferdehaupt  iri  di^ 
flamme  geworfen ,  und  dadirrch  die  hexen  Kwingen 
wollen,  von  deili  feüer  füi*  sicli  zu  hdlen.  Seb.  Frank 
im  weltbüch  51^:  *än  S.  Johänstag  mächen  si  ein  ^itn^t-^ 
feuer^  tragen  attch  Ai%€xi  tag  sundere  hrerie  äöf,  ^eif^ 
liicht  and  ^aä  aberglaub eti ,  von  beifufs  xtnA  eisenhfdUt 
gemacht,  und  hat  »chier  ein  jedet  ein  btaU  htautj  rit^ 
teraporn  genant  ^  in  der  hand:  u^elches  dar  durch  in 
das  feuet  eihet^  dem  tbut  dis  ganz  jähr  kein  ang  -weh; 
wer  vom  feur  heim  iu  häts  weg  wil  gehn,  der  witft 
dis  sein  kraut  in  das  feur,  sprechende »  *es  geh  hinw^eg 
tmd  werd  verbrennt  mit  diseüi  kraut  al  mein  Unglück.'*) 
In  früherh  zelten  nahm^  ober  auch  die  ffeine  -^elt  an  die* 
Äen  (reudeu Feuern  theil,  fursten  und  könige^  des  Petr. 
Herp  ann.  francof.  erzählen  ad  a.  1489  (Senkenb.  seh  2, 
22):  'in  vigilia  S.  Job.  bapt.  rogus  ingens  fuit  factus  ante 
donium  consulum  in  foro  (francofurtensij,  fueruntque 
ftialla  vexüla  depicia  posita  in  struem  lignorum  et  vexillum 
regis  in  supremo  positum,  et  cirCa  ligna  ranii  virentes 
posili,  fuitque  magna  cliorea  dominörum  rege  inspiciente.* 
Zu  Augsburg  zündete  1497,  in  kaiser  Maximilians  gegen- 
*^art,  die  schünö  Susanna  Neithard  das  Johannisfeuer 
mit  einer  fachel  an,  und  machte  dann  zuerst  den  r  ei  gen 
Um  die  flamme  an  Philipps  band.**)  In  einer  raünchner 
iirk.  von  1401  wird  berefchnet:  *umb  gras  und  knechten, 
die  dy  pänk  ab  d^m  haws  auf  den  margt  trugen  an 
der  sunbentnacht ,  da  herzog  Stephan  u.  sein  gemache! 
tmd  das  frawel  auf  dem  margt  tanzten  mit  den  par- 
gerinen   bei  dem  sunbentfu^n^***}    im  >.  1578   lieft   der 


0  am  20jun.  1653  erlief«  def  rath  zu  Näraber^  folgendes  man- 
Hat:  Demnach  bifshero  die  erfahrnng^  bezeugt,  dafs  alter  heidnisdier 
böser  frewohnheit  nach  jährlichen  an  dem  Johannestag  auf  dem  land, 
»owol  in  Städten  als  dörftfrn  von  Jungen  leuten  geld  und  holz  gesam- 
iet  mid  darauf  das  sogenant  sonnenwendt  oder  zimmetsfeuer  angezün- 
det, dabei  gezecht  u.  getrunken,  um  solch  f euer  gedanzetj  darüber 
gf^tprun^erit  mit  anzündung  gemsser  hräuter  und  hlumen^  und  ste^ 
clung  der  hrand  aus  solchem  (euer  in  die  f eider  %  und  sonsten  in 
tlelerjeiweg  allerhand  aberglänbische  werk  getrieben  worden  —  als  * 
hat  em  E.  E.  rath  der  Stadt  Nürnberg  nicht  unterlassen  sollen  m)ch 
können,  solche  und  andere  Ungeschicklichkeiten,  abergläubische  nnd 
heidnische  werk  und  gefährliche  feur  bei  bevorstehendea  Joh.  tag  abzu- 
rtellcii.  (neuer  IFt.  anz.  180r.  p.318.) 

*')  Gasseri  am»,  mlgiist  ad  a.  1497,  Tgl.  Rankes  roman.  u.  germ. 
▼olk.  1,  102. 

***}  Sotaers  bericlitigungen  p.  107. 


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308  JOHANMiaFfiüBlt 

herzog  von  Liegnits  Johannisabeiids  eio  fi^eudcAfeuer  auj 
dem  Kynast  halten,  wobei  er  selbst  mit  seinem  hof  su- 
g^cD  war  (Schw einleben  1,  347.) 

Ausfübrlicber  ist  die  beschreibung  des  JohannisCeoers 
im  jähr  1823  zu  Konz,  einem  lothringische/i ,  aber  deut- 
schen dorf  an  der  Mosel,  unweit  Sierk  und  Thionvüle. 
jedwedes  haus  liefert  ein  gebund  stroh  auf  den  gipfel  des 
Strombergs,  wo  sich  gegen  abend  männer  und  bursdie 
versammeln;  frauen  und  madchen  sind  beim  burbadier 
brunneu  aufgestellt,  nun  wird  ein  mächtiges  rad  derge- 
stalt mit  Stroh  bewunden ,  dais  gar  kein  holz  mehr  su 
sehen  ist,  und  durch  die  mitte  eine  starke,  zu  beidea 
seilen  drei  fufs  vorstehende  stange  gesteckt,  weldie  die 
lenker  des  rads  erfassen  3  aus  dem  übrigen  stroh  bindet 
man  eine  menge  kleiner  fackeln,  auf  ein  vom  maire  zu 
Sierk  (der  nach  altem  brauch  dafür  einen  korb  kirschen 
empfängt)  gegebnes  zeichen  erfolgt  mit  einer  fackel  die 
anzündung  des  rads,  das  nun  schnell  in  bewegung  gesetxt 
wird,  Jubelgeschrei  erhebt  sich,  alle  scJiwingen  fädeln 
in  die  luft ,  ein  theil  der  männer  bleibt  oben ,  ein  theü 
folgt  dem  rollenden,  bergab  zur  Mosel  geleiteten  feuer^ 
rad.  oft  erlischt  es  vorher;  gelangt  es  brennend  in  die 
flut,  so  weissagt  man  daraus  gesegnete  Weinernte  ^  und 
die  Konzer  haben  das  recht  von  den  lunliegenden  Wein- 
bergen ein  fuder  weifsen  weins  zu  erheben,  vrährend  das 
rad  vor  den  frauen  und  madchen  vorüber  lauft,  brechen 
sie  in  h^udengeschrei  aus,  die  männer  auf  dem  berg  ant- 
worten; auch  die  einwohner  benachbarter  dörfer  haben 
sich  am  ufer  des  flusses  eingefunden  ^  und  mischen  ihre 
stimmen  in  den  allgemeinen  jubeL"*) 

Ebenso  sollen  jährlicli  zu  Trier  die  metzger  ein  feuer' 
rad  vom  gipfel  des  Paulsbergs  in  die  Mosel  hinabgelas- 
sen haben.**) 

*)  m^m.  des  antiquaires  de  Fr.  5,  383  —  886. 
**)  zur  erinneruiijsc  »11  den  einsiedler  Paulus,  welcher  om  die 
mitte  des  7  Jb.  von  dem  Gebennaberg  bei  Trier  den  götzen  Apoll« 
in  die  Mo^el  gestürzt  habe,  meint  der  verf.  des  aufsatzes  über  Kons 
p.  387.  388.  Wenn  hierfür  Trithem  de  viris  illnstr.  ord.  S.  Beoed. 
4,  201  gewähr  leisten  soll,  so  finde  ich  wenigstens  p.  142  der  opp. 
pia  et  spirit  '  Mogunt  1605  nnr,  dafs  Paulus  Trier  gegenüber  aif 
dem  Cebenna  wohnte  und  dieser  nach  ihm  mons  Pauli  benannt  warde; 
▼on  Apoll  und  dem  feuerrad  kein  wort,  ob  die  cölner  ausg.  des 
buchs  de  vir.  illustr.  Ben.  von  1576  mehr  enthalt,  bezweifle  ich.  dem 
auch  das  compendium  annal.  de  orig.  Francor.  unter  Clodoveos  (Dt- 
goberts  söhn)  sagt  nichts  mehr  und  nichts  weniger,  desgl.  die  acta 
sanctor.  unterm  8febr.  p.  170,  die  acta  Beued.  sec  3,  p.  268— 276 
und  Browers  annal.  trev.  lib.  7.  p.4i6  (Colon.  1626.) 


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JOflANNISPMJBR  353 

Die  «Ute  der  Johannisfeuer  und  rSder  In  Frankreich 
bezeugen  schon  schriftsteiler  des  12  und  13  jh.^  Joh.  Be- 
leih, ein  pariser  theolog,  der  um  1162  eine  summa  dd 
divinis  ofiiciis  schrieb,  und  Wilh.  Durantis,  geb.  unweit 
Beziers  in  Languedoc  um  1237,  gest.  1296 ,  der  bekannte 
verf.  des  rationale  divinor.  offic.*)  in  jener  summa  (gedr. 
zu  Dillingen  1572)  cap.  137.  fol.  256  und  daraus  entlehnt 
im  rationale  lib.  7  cap.  14  heifst  es:  'ferüntür  mioqtie  (in 
festo  Johannis  bapt.)  brandae  seu  faces  araentes,  et 
fhint  ignea^  qui  significant  sanCtum  Johannem,  qtii  fuit 
iumen  et  lucerna  ardens  praecedens  et  präeöursor  verae 
laeis  •  • .  rota  in  quibusdam  locis  volviiur ,  ad  signiiican- 
dam,  quod  sicut  sol  ad  altiora  sui  circuli  pervenit,  nee 
altzQS  potest  progredi,  sed  tunc  sol  descendit  in  circtilo^ 
sie  et  farna  Johannis,  qui  putabatur  Christus,  descendit, 
secundum  quod  ipse  testimonium  perhibet  dlcens:  me 
oportet  minui  illum  autem  crescere.*  Weit  älter  ist  das 
freilich  unbestimmte  zeugnis  des  Eligius  (anh.  p.  xxx.) 
-  In  grofsen  Städten,  "Wie  Paris,  Metz  und  vielen  än- 
dern, -wurde  der  Scheiterhaufen  noch  im  15.  16.  17  jhw 
auf  öfTentlichem  platz  vor  dem  rüthhaus  errichtet,  mit 
lanb  und  blumen  geschmückt,  und  von  dem  maire  selbst 
angezündet.**)  Viele,  besonders  sudliche  gegenden  haben 
die  gewohnheit  heute  beibehalten.  Zu  Aix,  zu  Marseille, 
werden  auf  Johannistag  alle  strafsen  und  platze  gereinigt, 
das  landvolk  trägt  frühmorgens  blumen  in  die  städt,  je- 
dermann kauft  sich,  alle  häuser  sind  mit  blumen  ge- 
schmückt^ denen  heilsame  kraft,  wenn  sie  vor  Sonnen- 
aufgang gebrochen  wurden,  beigelegt  wird:  *aco  söün 
dherbas  de  San  Jean.*  einige  dieser  krautet  witjt  man 
in  die  flamme^  und  die  jungen  leute  springen  dariibetj 
vorbeigehende  werden  mit  zundern  Und  versteckten  Schlan- 
genfeuern geneckt,  oder  mit  wasser  aus  den  fenstern  be- 
sprützt  und  beschüttet,  in  den  dörfern  reitet  inan  auf 
eseln  und  mäulem>  angebrannte  tanneniu^eige  in  der 
band  tragend.***) 

An  vielen  orten  tragt  man  Von  deti  ausgeglühten 
branden  und  hohlen  mit  nach  haus:  es  sollen  heilsame, 
ja  zauberhafte  Wirkungen  davon  abhängen  (franz*  abergh 
27.  30.  34.) 

In   Poitou    springen  sie    dreimal    um  das   feuer^ 


•)  geschrieben  1286^,    tgl.  lib.  8  pars  2  ciip.  3  de  epact«. 
♦♦)  m^ift.  de  l'acad.  celt  2,  TT.  78.   8,  447. 
•*•)  Miliin  voy.  dtas  te  midi.  8^  28.  841— 846i 

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aS4  JOBANMSFEUBE 

einen  nufszweig  in  der  hand  (m^m.  des  antiq.  8,  451.) 
hausvüter  streifen  mit  einem  büachel  Wollkraut  (bouiUon 
blanc)  und  einem  nujtibanmlaubast  dttrcL  die  flanune, 
beide  werden  naclitier  aber  die  thüre  des  pielistalls  be- 
festigt'^ >välirend  die  Jugend  tanzt  und  eingt,  legen  sich 
greise  von  der  kohle  in  ihre  liolzscliuhe,  als  schutEmiüel 
gegen  unzahlige  übel  (das.  4,  110.) 

Im  ddpartement  des  liautes  pyr^n^es  wird  am  1  mai 
von  jeder  gemeinde  der  höc/iste  und  schlankste  bäum 
ausgesucht  9  auf  den  bergen  eine  lichte  oder  tanne,  iu 
den  ebenen  eine  pappel;  nachdem  alle  äste  abgehauen 
sind,  schlägt  man  eine  anzalil  fufslanger  keile  hinein  iiad 
bewahrt  ihn  bis  zum  23  juui  auf.  unterdessen  spaltet  er 
sich  rautenförmig  wo  die  keile  eingeschlagen  sind»  und 
wird  nun  auf  einen  berg  oder  hiigel  gewälzt  und  getragen, 
alsdann  ertheilt  ihm  der  priester  den  segen ,  man  raDimelt 
ihn  in  die  erde  und  setzt  ihn  in  flammen  (das.  5,  387.) 
Der  Johannisfeuer  in  England  gedenkt  Strutt  *) :  sie  währ- 
ten bis  zu  mittemacht  (nach  midsummer  eve),  oft  bis  zum 
hankrat  9  die  Jugend  tanzte  um  die  flamme  bekränzt  mit 
motherivort  (mutterkraut)  und  ^erpaine  (verbena),  peU-- 
ohen  in  den  bänden« 

Italien  kannte  olme  zweifei    in  mehrern  gegenden  Jo« 
hannnisfeuer ;    zu  Orvieto  nahm  man  sie  von   dem  verbot 
andrer  feuer  aus.'^*)     Für  Spanien  mag  eine  stelle  aus  dem 
romance  de  Guarinos  (silva  p.  113)  vielleicht   zeugen: 
Tanse  dias,   vieneii  dias,   venido  eia  et  de  sant  Juan^ 
doade  Cliristiaaos  y  Moros  hazen  gran  soleaidad: 
los  Chrisiianos  echan  juncia,  y  loi  Moros  arraylian^ 
los  Judios  echan  eneas^   por  la  fiesta  nias  liourrar. 

hier  ist  des  feuers  geschwiegen,***)    aber   gesagt,   dafs  die 
Christen    binsen,    die    Mohren   myrten,    die   Juden  schilf 

*)  ttie  Sports  and  pastimes  of  the  people  of  England  by  Joseph 
Strutt    new  edit  by  AVilliam  Hone.    Lond.  1830    p.  359, 

**)  statata  urbevetana  a.  1491.  3,  54:  quicunque  sine  Ii€cad4 
oOAcialis  fecerit  ignem  in  aliqua  fesUvitate  de  nocte  in  civitate,  in 
XI«  sol.  denarior.  puniatur,  excepta  festivitate  S.  Joliannis  bapt.  de 
mense  jnnii,  et  qui  in  illa  nocte  l'iiratus  fuerit  vel  ab^stulerit  ligna  vel 
tabulas  alterius  in  IIb.  x.  den.  puniatiir. 

***)  bestimmter  redet  davon  um  das  j.  1510  Martinas  de  AHe«, 
canonicus  von  Pampeluna,  in  seiner  abhandl.  de  superstitionibos  (trtct. 
tiactatttOm  ed.  lugd.  1544.  9,  13:i):  cum  in  die  S.  Joannis  pruplef 
JDcanditatem  multa  pie  agnntur  a  ridelilms,  puta  pulsatio  caiiipauaruni 
et  ign^s  jucuntlitatis y  similiter  sununo  niaiie  exeunt  ad  coHigcodtf 
herbas  odoriferas  et  optimas  et  mediciiiales  ex  sua  natura  et  ex  pleiH~ 

tudine  virtutnni  propter  tempus quidam  ignes  accenduut  in  co<b- 

pitis  viarum,    iu   agris,    ue  iude   tiortilegae    et  ttial<;ficae    itia  nocte 


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JOHASaNIBF^mi  965 

streuen ;  und  das  werfen  von  blumen  und  kraut  in  die 
ilamme  sclieint  der  feierlicbkeit  wesentlich,  vgl,  beifufs, 
eisenkraut^  rittersporn  (8.351)  wolikr«ut:  und  niifslauch 
(8.354,)  daher  die  samlung  solcher  Johanniskräuter  in 
Deutscliland  (abergl,  157,  189.  190)  und  der  S.  Hans  ur- 
fer  in  Dänemark  (abergl.  126)  wie  in  Frankreich  (abergl. 
4.)  Nach  Casp.  Zeumer  de  igne  in  feeto  S.  Johannis  ac- 
cendi  solito,  Jenae  1699,  wurde  an  diesem  tag  das  kraut  «A/- 
dfia(f)  sorgsam  gesucht  und  über  den  thüren  aufgehängt. 

In  Griechenland  entzünden  abends  vor  Johannis  die 
weiber  ein  feuer  und  rufen  darüber  springend  aus :  ich 
lasse  meine  »ünden.  In  Serbien  hält  man  dafür,  das  fest 
sei  so  hehr,  dafs  die  sonne  dreimal  vor  ehrfurcht  still 
siehe.*)  den  Vorabend  binden  die  hirlcn  birkenrinde  zu 
fackeln  und  umschreiten  mit  den  brennenden  zuerst  Schaf- 
hürden und  ochsenzäune,  dann  steigen  sie  auf  die  berge 
und  lassen  sie  verbrennen  (Vuk  s.  v.  Ivan  dan.) 

Bei  diesen  feuern  mul's  es  noch  im  hohem  grade 
zweifelhaft  sein ,  als  bei  der  wasserlustration  (s.  328.  332), 
ob  sie  heidnischen  od«*  christlichen  Ursprungs  waren,  die 
kirche  hatte  sie  schon  sehr  frühe  sich  angeeignet ,  und, 
wie  Beleth  und  Durantis  darthun,  auf  Johannes  gedeutet ; 
einigen  theil  nahm  die  geistlich  keit  an  der  feier,  obschon 
diese  nie  ganz  in  ihre  bände  übergieng,  sondern  wesent- 
lich von  der  weltlichen  obrigkeit  und  dem  volke  selbst  ^ 
geleitet  wurde. 

Paciaudi^*)  müht  sich  zu  zeigen,  dafs  die  Johannis- 
feuer  nichts  mit  weit  älteren  heidnisclien  feuern  zu  schaf- 
fen haben  und  aus  dem  geist  des  christlichen  gottesdienstes 
hervor  gegangen  seien. 

VMos.  18,  10  und  II  Paralip.  28,  4  wird  des  heid- 
nischen gebrauchs  erwähnt,  söhne  und  töchter  durch  ein 
feuer  gdin  zu  lassen.  -Theodoret,  bischof  zu  Cyriis 
(t458)  bemerkt,  in  beziehung  darauf,  zu  IV Reg.  16,  3: 
^liov  yaq  iv  %iqi  noXeoiP  ana^  tov  irovg  Iv  Tuts 
nXarelaiS  änro/tuvag  nvQccg  xal  tavrag  rivag  vtcsq^ 
aXXo i^ivovs  HUI  Ttr^dtävius  ov  fiovov  itaidag  ctXXa 
xai  uvdQag.  ra  di  ys  ßgifpVj  nagärwr  f$7]TiQ<av  na- 
QQ^ego/nsra  dia  vtje  (pXoYog.    iäoxei  dh  %omo  ano-^ 

traiMltam   faciant,  ut   e^o  proprio    oculU  vidi,    alii  herbas  collectas 
m  ilie  8.  Joamrii  incendent^x  contra  ful^riira ,    touitrua    et  tempe^tates 
credunt  sulit  funiigatiuiiibiui  Brcere  daemoiies  et  tenipestates. 
*)  wie  sie  auf  ostern  dreimal  springeo  soH  (s.  182.) 
**)  de  cuitu  S.  Johannis    baptistae.      Roiaae    1755.      dUaert.  8 
cap.  l.  2. 

23' 

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356  (PALTLIA) 

rgoTtiaa/ioe  dvat  %ai  ua&agais*)  er  sagt  nur  'aUfflfr- 
licli',  ohne  angäbe  des  tags,  der  uns  zeigen  vriirde,  ob  die 
Sitte  von  Rom  aus  nach  Syrien  verpflanzt  -war.  am  21 
aprily  dem  tage  seiner  Stiftung,  feierte  Rom  die  palilien^ 
ein  uraUes  hirteufest,  zu  ehren  der  Pales,  einer  mütter- 
lichen gottlieit,  die  an  Ceres  und  Vcsta  erinnert.**)  diese 
zeit  fallt  nicht  mit  der  sonn envr ende ,  wol  aber  mit  der 
des  osterfeuers  zusammen ;  doch  der  ritus  selbst»  das  sprin- 
gen über  die  flamme,  das  treiben  des  viehs  durch  die 
glut  ist  ganz  wie  bei  dem  Joliannisfeuer  und  notfeuer. 
aus  Ovids  Schilderung  im  vierten  buch  der  fasti  führe  idi 
nur  einige  zeilen  an: 

727.   certe  ego  transilui  positas  ier  in  ordine  fiammas. 
781.   moxque  per  ardentea  stipulae  crepitantis  acervos 

tra}icias  celeri  strenua  membra  pede. 
795.    pars  quoque,   quum  saxis  pastores  saxa  feribant, 

scintillam  subito  prosiiuisse  ferunt: 
prima  quidem  periit;    stipulis  excepta  secunda  est. 

hoc  argumentum  ßamma  palilis  habet. 
805*   per  flammas  saluisse  pecus ,  saluisse  colon&s; 

quod  fit  natali  nunc  quoque,  Roma,  tuo. 
die  flamme  w^ar  von  den  hirten  aus  dem  stein  gesdüageo, 
und  in  Strohhalmen  aufgefangen  v^orden;  indem  sie  duidi 
dieses  feuer  sprangen,  glaubten  sie  sich  zu  sühnen,  tu 
reinigen^  und  ihre  heerde  vor  allem  übel  zu  bewabren, 
Dafs  hinder  von  den  müttem  in  die  gliU  gelegt  wor- 
den seien,  v^ird  hier  nicht  erzählt;  man  vreüs^  dafs  Ce- 
res den  Säugling  Demophoon  oder  Triptolem,  um  ibm 
Unsterblichkeit  anzueignen,  vvrie  Thetis  den  Achilles,  int 
feuer  legte.***)  Dieser  feuercultus  scheint  in  Canaao, 
83rrien,  Griechenland  und  Rom  eigenthümlich  verbreitet, 
ohne  dafs  man  befugt  w^äre,  ihn  irgendwo  für  entlehnt 
und  übertragen  zu  halten*  Es  ist  daher  schwer  zu  be- 
stimmen ^  aus  welcher  quelle  später  die  Christen  sdtöpf- 
ten,  um  ihn  auf  ihr  oster  und  Johannisfest  anzuwendeo, 
oder  bei  noch  andern  veranlassungen,  schon  der  canon 
65  des  concils  vom  ).  680  enthält  ein  verbot  dieser  aber- 
gläubischen feuer  zur  zeit  der  neumonde:  Tag  iv  ^afs 
vovfi/ijviaiß  vno  Ttvwv  nQo  %viv  oixeiwv   iQyaari^flm  ^ 

*)  opp.  ed.  Sirmond,    Par.  1642.    1,  352. 
**)  da  Pales  aoch   männlicJi  vorkomnit,   so  erionert  er  aa  <iea 
slay.  hirtcngott  nus.  Folos ,   l>oiim.  //  eles. 

•••)  vgl.  das  abergläobisdie  ^filium  in  fornacem  ponere ,  pro  •«- 
nitata  febriiim\  und  ^ponere  iafaatem  juxta  ignem\  (abergl.  xxiv. 
xxxn.) 


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ANDERE  FEUER  Wf 

o^ai  viv^s  %a%a  to  id'os  aQ)(^alov,  inij^ctQovGip ,  dno 
nagoPTos  xccTCCQyfjd^jvcti  nQogra^vofJtev»  damals  wurde 
untersagt  -was  man  hernach  wenigstens  am  Johannestag 
duldete  y  und  auf  gewisse  weise  mit  kirchlichen  ein- 
richtungen  verband. 

Wäre  nun  auch  das  beinahe  allgemein  in  Europa  ver- 
breitete Joliannisfeuer,  gleich  dem  Johannisbad^  zu- 
nächst von  der  kirche  ausgegangen,  und  hätte  sie  es  in 
Italien  unnuttelbar  von  den  römischen  palilien  her  über- 
kommen; so  folgt  noch  nicht,  dafs  unsere  oaterfeuer 
im  nördlichen  Deutachland  eine  blofse  modi£cation  der  Jo- 
hannisfeuer  sind,  sie  können  geradezu  aus  feuern  des  ein- 
heimischen heidenthums  hergeleitet  werden,  dafiir  spricht 
die  Verschiedenheit  des  festtags,  vielleicht  auch  ihre  rohere 
form,  bei  dem  osterfeuer  ist  berg  und  hügel  wesentlich, 
das  sonnwendfeuer  wurde  häufig  auf  markten  und  in  stra- 
Isen  angezündet,  des  springens  durch  das  feuer,  der  blu- 
nien  und  kränze,  finde  ich  bei  jenem  kaum  gedacht. 

Ich  darf  nicht  unerwähnt  lassen»  dals  verschiedent- 
lich auf  Weihnachten  und  in  der  fastenzeit,  wie  auf  ostern 
und  Johannis,  feuer  angezündet  wurden.  In  Frankreichs 
ist  noch  heute  die  souche  de  noel  oder  das  trefui  üblich 
(franz.  abergl.  1.  28.),  für  Deutschland  weise  ich  die 
gleiche  sitte  bereits  aus  dem  12  jh.  nach.  in  einer 
xx^i  von  1184  (Kindl.  münst.  beitr.  II  urk.  34)  heifst  es 
von  dem  pfarrer  zu  Ahlen  im  Münsterland:  et  arborem 
in  nativitate  domini  ad  feativum  ignern  auum  adducen« 
dam  esse  dicebat.  Seb.  Frank  (Weitbuch  51*)  gibt  fol- 
gende fastnaclitsgebräuche  aus  Frankenland  an:  ^an  andern 
orten  ziehen  sie  ein  Jeurinen  pflüge  mit  einem  meister«* 
liehen  darauf  gemachten  feur  angezündet,  bifs  er  zu  trüm- 
mern  feit  (vgl.  oben  s.  163.)  item,  sie  flechten  ein  alt  wa- 
ganrad  voller  slrow,  tragen  es  auf  einen  hohen,  gehen 
berg,  haben  darauf,  so  sie  vor  kelte  mögen  bleiben,  den 
ganzen  tag  ein  guten  mut,  mit  vüerlei  kurzweil,  singen, 
springen,  danzen,  geradigkeit,  und  anderer  abenteur. 
Umb  die  vesperzeit  zinden  sie  das  rad  an  uud  lassen  es 
mit  vollem  lauf  in  das  thal  laufea,  das  gleich  an  zu 
sehen  ist,  als  ob  die  sunn  von  dem  himmel  lief.'  dieses 
Bv/ieibent reiben  auf  fasten  gedenkt  Schm.  1 ,  544 ;  der 
tag  keifet  Jtmkentag^  im  Rheingau  hall  feuer.  In  Frank- 
reich:   la  f^le  des  orandons,^)    Vei*niiUiich  kommen  auch 

*)  fmnz.  abergl.  16.    mem.  deä  aiitiq    1 ,  236.   4,  S7i. 

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356  ANDERE  FEDER 

bei  der  Weinlese  liin  und  wieder  solche  freudenfeiier  tot. 
Im  Voigtland  sieht  man  Walpurgisabends  auf  den  meisten 
1>ergcn  feuer  j  und  kinder  mit  brennenden  besen  (Jul. 
Schmidt  Reichenf.  118.) 

In  Rufsland  sollen  emtefeuer  dem  Kupalo,  einem  gott 
der  fruchte  zu  Kiew,  gegoUen  haben.  Jünglinge  und 
mädchen,  blumenbekränzt  imd  mit  heiligem  kraut  um- 
gürtet, versammehen  sich  den  24  juni,  zündeten  feutr 
an,  sprangen  und  führten  die  her  de  darüber,  und 
sangen  lieder  zu  des  gottes  preis,  sie  glaubten  dadnrHi 
ihr  vieh  vor  den  leschien  (waldgeislern)  zu  schützen.  Nodi 
)etzt  hat  die  heilige,  deren  fest  der  griech.  ritus  an  die- 
sem tage  begeht,  den  beinamen  kupalnitza,  und  selbst 
brennende  holzhau fen  werden  so  genannt,  nach  Karam- 
sin  die  blume,  welche  man  auf  Johannestag  ausstreut.*) 
Ob  auch  bei  den  koljaden  oder  koleden,  die  ganz  Sla- 
venland  zu  Weihnachten  und  neujahr  feiert ,  feuer  bren- 
nen,  ist  mir  unbekannt.**) 

Heidnisch  deutsche  feuer  lassen  sich  auf  verehntng 
der  göttin  Ostara,  die  sicli  vielleicht  schon  im  namen  mit 
Vesta  (8.349)  oder  mit  Pales  vergleicht,  beziehen,  aber 
auch  noch  auf  andere  ergreifende  ereignisse  z.  b.  Bälden 
Scheiterhaufen  zurückführen,    das  sind  blofse  mutmafsnngen. 

Wäre  im  mittelalter  eine  Vermischung  der  beiden  Jo- 
hannes, des  täufers  und  des  cvangelisten ,  vorgegangen, 
so  möchte  ich  die  eigentlich  nur  letzteren  betreffende  sittc 
der  Johannesminne  (oben  8.37)  mit  dem  Johannisfeuer 
in  berührung  setzen.  Es  ist  dabei  allerdings  von  keinem 
feuer  die  rede,  aber  dem  altnord.  minnetrinken  waren 
feuer  wesentlich;  die  Sueven  bei  ihrer  bierkufe  («.43) 
brannten  wol  auch  feuer?  in  der  saga  HÄkonar  göda  cap. 
16  wird  gesagt:  ^eldar  scyldo  vera  k  midjo  gölfi  t  hofino, 
oc  thar  katlar  yfir,  oc  scyldi  füll  oj  eld  bera\  und 
sollte  man  die  becher  rings  um  das  feuer  tragen.  Sefcr 
merkwürdig  scheint  mir  das  in  einem  theile  Schweden» 
und  Norwegens  fortübliche  ^dricka  eldborgs  stkV  (schwed. 
abergl.  122.  123.)     zwei   grofse   lichter  werden   zur  licht- 


*)  Popow  p.  28.  Kayssarow  p.  65.  66.  Karamsin  1,  73.  81.  284. 
Nach  Dobrowsky  im  SInvin  p.  409  ist  kupalo  nnme  des  feste« ,  aielit 
eines  götzen,  von  kupa,  heahaufe;  er  fügt  hinzu,  dafs  aach  ia 
Böhmen  Jotianniäfeuer  ut>lich  waien  und  man  kiUie  darüber  fikrlt^ 
um  sie  vor  hexerei  zu  bewahren. 

**)  man  leitet  koljada ,  bölim.  koleda  vom  ht  calendae  oder  tiw 
cotenda ;  sonst  bexeictiaet  dies  fest  die  dem  Johannistag  gegenäbenle- 
heude  wiuteräoniienwende ,    und  vergleicht  sich  dem  nord.  julfest 


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OPBN  359 

messe  aufgestellt  ^  }ede8  glied  des  hauses  sitzt  der  reihe  nach 
zwiscLen  ihneu  nieder  und  thut  aus  hölzernem  becher  einen 
trank,  nach  dem  trinken  vrird  die  schale  rückwärts  über 
das  haupt  geworfen,  stellt  sie  sich  niederfallend  um,  so 
stirbt  der  werfende ;  steht  sie  recht  auf,  so  bleibt  er  am 
leben.*)  Frühmorgens  hat  schon  die  hausfrau  fener  in 
den  backofen  gemacht  und  versammelt  nun  in  einem  halb- 
kreis  vor  dem  ofenloch**)  ihr  gesinde;  alle  biegen  die 
knie,  essen  einen  bissen  kuchen  imd  trinken  eidbor g»^ 
slAl,  was  von  kuchen  und  getränke  übrig  ist  wird  in 
die  flamme  geworjen»  Eine  unverkennbare  spur  heid- 
nischer feuerverehrung ,  auf  das  clirislliche  fest  der  ker- 
zeoweihe,  welches  die  meiste  ähnlichkeit  damit  gewährte, 
verlegt. 

Das  nhd«  ofen,  mhd«  open,  ahd.  opan*  altn.  6n 
entspricht  dem  goth.  aüfma,  altschwed.  omn^  ofn^  ogn^ 
neuschwed.  ugn,  dän.  oi^n;  alle  bedeuten  fornax,  a.h. 
das  im  behälter  eingescldofsne  feuer,  ursprünglich  aber 
war  CS  des  feuers  name* selbst,  slav.  ogan,  ogen^  böhm. 
oheny  litth.  ugnis^  lett«  ugguns^  lat.  ignia,  sanskr.  agniy 
der  gott  des  feuers.  Wie  nun  das  schwed*  volk  vor  dem 
ugnhol  niederkniet^  so  ist  in  deutschen  märchen  und 
sagen  der  zug,  vor  dem  ojen  zu  knien,  und  ihn  anzu^ 
beten j  erhalten;  unglückliche ^  verfolgte  wenden  sich  zum 
ofen  und  klagen  i/w  leid^  enthüllen  ihm  ein  geheimnis, 
das  sie  der  weit  nicht  anvertrauen.***)  was  sonst  abge- 
schmackt scheinen  würde,  erklärt  sich:  es  ist  die  vom 
uralten  feuercultus  übrig  gebliebne,  unverstandne  form 
mid  formeL  Auf  ähnliche  weise  wird  der  mütterlichen 
erde,  oder  einem  stein,  einer  pflanze,  geklagt  und  ge- 
beichtet, diese  personiücation  des  ofens  hängt  zusammen 
mit  Vorstellungen  des  mittelalters  von  dem  orcus  und  der 
hölle,  ab  orten  des  feuers.  vgl.  Erebi  fornax  (Wallliar. 
^4)  und  was  oben  s.  156  über  Fornax  gesagt  wui*de. 


*)  bei  anderoi  anlab  äliuliches  rückwartswerfen  des  ausgeleerten 
glaües  (abergl.  61 4.  707.) 

**)  ^for  ugiistiotet^;   so  ist  s.  cxin  zu  lesen. 

•••)  Imas  lind  kinderro.  2,  20.  3,  221.  deutsche  sagen  no.513. 
Im  kinderspiel  der  reim :  lieber  ofen  ich  bete  dich  an ,  hast  du  eine 
ino,  hätt  kii  einen  mannT  In  dem  lustspiel  Mer  ehrliciieu  Trau 
Sctilanipaiiipe  leben  und  tod'  Leipz.  1696  und  1750  heifst  es  act.3. 
sc. 8:  ^komni,  wir  wollen  liiiigelien  und  por  den  ofen  knien,  vicl- 
leidit  erlioren  die  gotter  unser  gebet.'  Ein  im  j.  15.58  beraubter,  der 
•üUschweigen  gelobt  hatte,  erzählte  im  wirtäliaus  seine  geschidite  dem 
kacheiofeth    RojiinieU  bess.  gesell.  4.  aiim.  |>.  420. 

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dm  FRBDMaWBUBR 

Da8  leuchtende  element  gestatlete  ein  fest  in  die  nadrt 
zu  verlängern,  feuer  waren  von  jeher  ausdruok  von  freu- 
denbezeugung.  wenn  der  cuUus  in  freudenfeuer  über* 
gieng,  ignes  jocunditatia  ^  Jeux  de  joie^  engl.  honfire9\ 
konnten  diese  auoh,  ohne  bezug  auf  göttliche  Vereh- 
rung,  bei  andern  frohen  aolässen,  namentlich  dem  ein- 
zug  des  königs  oder  Siegers  vorkommen,  so  liefs  man 
dem  küuig  einen  fachelti>agen  folgen ,  hernach  den  vra- 
gen  anzünden ,  wie  beim  Jobannesfest  pflüg  und  rad«* 
(EIA.  265.)  Von  dem,  was  wir  jetzt  illumination ^  d.ii. 
erleuchtung  der  strafsen  und  baumgänge ,  nennen ,  gibt  «6 
wahrscheinlich  ältere  beispiele,  als  die  ich  anführen  kano. 
Von  kleinen  kerzen  manec  sohoup  geleit  Af  ölboume  loup^ 
Parz.  82,  25.  Detmar  (ed.  Grautoff  1,  301)  beim  einsog 
kaiser  Caiis  in  Lübek:  ^des  nachtes  weren  de  luchten 
bernde  ut  allen  husen  imde  was  so  licht  in  der  nacht  ids 
in  dem  dage.'  Auch  die  kirche  geleitete  mit  fackelziigea: 
^cui  (abbati)  intranti  per  noctis  tenebras  adhibent  faces  et 
lampadaSt'  ChapeaviUe  2,  532  (12  jh.)  ^Hirimannus  dtix 
susceptus  est  ab  arcliiepiscopo  manuque  deducitur  ad  eccle« 
siam  accensis  luminarlbus,  oimctis<|ue  sonantibus  campa- 
nis.'    Dietm.  merseb.  p.  35. 

III.  LUFT, 
die  begrüFe  luft^  u>ind^  weiter  berühren  sich^  auch  oft 
in  den  ausdmcken.*)  alle  sind  wiederum  als  ein  beweg- 
tes, lebendiges  wesen  gedacht,  wir  haben  gesehn,  wie 
die  Wörter  animusy  Spiritus,  geisi  auf  genien  gedeutet 
werden:  auch  das  slav.  dach  ist  hauch,  athem,  geist. 
Gustr,  Zephyr^  Blaser  (s.260),  Bläsier,  fVind  yaäi 
Jf^etter  (j^diS)  eigennamen  von  zwergen,  elben,  riesen. 
dem  ah4.  i^etar,  alts.  wedar,  ags.  veder  (tempestai) 
entspricht  das  slav.  ueter^  vjetar  (aer,  ventus);  dem 
goth.  vinds^   ahd.  u>int  das  lat.  uentus. 

Die  personification  bricht  hier  schon  in  appellativHi 
durch,  in  den  mythischen  vorstellMngen  selbst  ist  sie  auf 
das  mapigfaltigste  ausgesprochen. 

Holzschnitte  und  büder  pflegen,  halbsymbolisch,  die 
winde  ?il«  blasende  gesichter  und  häupter  aufzufassen, 
wahrscheinlich  von  sehr  früher  zeit  an,  man  wird  da- 
durch des  wehender^  Johannishauptes  erinnert,  das  die 
Herodias  in  den  leeren  räumen  des  himmels  herumtreibt 
(s.  176.)     Die  winde   der  vier  hauptseiten    treten  als  mr 

*)  lujt  neliiiie   ich  unter   die  warnet    liuban  oo.  530  derea  %A^ 
deutuog  nodi  duuWcl  ist,  vgl.  kliuban,  kluft;   skiubaa«  akiUt 


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WIND  961 

JHnerge  a»f  (8.260)^);  nadi  griedi,  darstelhing  als  rieaen 
miibrüden:  Zephyrus,  Boreas,  Notua  (Hes.  theog.  371)9 
auck  des  Boreas  söhne  Zetea  und  Calais  sind  geflügelte 
mnde  (ApoUonius  Argon.  1,  219.)  jieolus^  ursprünglich 
beld  und  könig^  vrurde  zum  göttlichen  beherscher  und 
lenker  der  winde  erhoben*  Nach  russischer  volksüberlie- 
ferung  sind  die  vier  winde  söhne  einer  mutier**)^  das  alt- 
ru8s.  Igorlied  redet  den  wind  mit  ^herr'  an^  und  die  winde  hei- 
hmStribogs  eniel***)^  dessen  göttliche  natur  sein  name  kund 
gibt  Ebenso  wird  in  märchen,  und  von  morgenländischen 
dicktern  der  wind  redend  und  handelnd  eingeführt,  f) 

Die  altn.  stammsage  macht  Forniotr,  den  göttlichen 
uniesen  (s.  147)  zum  vater  des  Kdri  (stridens),  ^der  über 
die  mnde  her  seht. "^  Kdri  zeugt  löiul  (glacies),  lökul 
Snar  (nix)  den  könig,  dessen  kinder,  ein  sphn  IViorri, 
und  drei  töchter  Fönn^  Drtja,  Miöll  heifsen,  lauter  per- 
sonificierle  benennungen  einzelner  erscheinungen  von  schnee 
und  eis  (Sn,  ä58.  fornald.  sog.  2,  3.  17.)  Kdri  ist  aber  bru- 
d»  des  Hl^r  (s.  146)  und  Logi  (s.  148),  des  wassers  und 
feuers,  wodurch  die  nahe  Verwandtschaft  der  luft  mit  den 
beiden  andern  elementen  ausgedrückt  wird,  in  diesem 
sinn  steht  einer  höheren,  asischen  gottheit,  dem  Niördhr, 
die  herschafi  zugleich  über  wasser,  wind  und  feuer  zu 
(8. 141.) 

Wenn  noch  in  unserer  heutigen  spräche  eine  art  des 
Sturmwinds  genannt  wird  Windsbraut  (venti  conjux)  und 
Mbon  in  der  älteren  so  hiefs  (gramm.  3,  391);  so  schei- 
Dfu  nur  die  eigennamen  verloren,  die  verderbten  formen 
wiotsprout  (Frauend.  21)  wintspraut  (Suchenw.  41 ,  804) 
"windbraufs  (bei  späteren,  z.  b.  Matthesius)  sind  aus  dem  be- 
streben hervoi^gegangen ,  dem  unverständlichen  mythischen 
begrif  eine  andere  deutung  unterzulegen. 

Aufser  solchen  mehr  allgemeinen  Vorstellungen  scheint 
aber  eine  besondere  über  des  winds  Ursprung  fast  durch  ganz 
Europa  zu  reichen,  zufolge  der  edda  heifst  Hrcesi^elgr 
ein  riese ,  der  in  adlergestalt  W)  ^^  des  himmels  ende 
sitzt:  von  seinen  flilgeln  hojnmt  aller  wind  über  die 
menschen  (Sium.  35***)     Snorri  bestimmt   es   noch  genauer: 

•)  daram  sind  auch  SstrSni^  westrdni^  sunftrSnij  nordrdni  maim- 
liehe  substantiva;   die  gotli.  formen  würden  lauten  dtistrSneis  u.s.w. 
**)  roM.  Tolktfmarclien.    Leipz.  1831  p,  119, 
***)  Srjetrje  yjetrilo  gospodine.*    Hankas  aiisg.  p.  12.  36* 
i)  z.  b.  X4alo8  p.  180  (Bopps  2  ausg.)  KM.  no.  88« 
ff)  den  amar  harn  nehmen  die  riesen  öfter  an  sich:   Thiazi  (Sa. 
^.82)   Suttüngr  (Sn.  86.) 

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382  WIND 

er  sitzt  an  der  nord«eIte  des  himmeb^  und  ipenn  er  die 
flUgel  schwingt  (beinir  fing),  erheben  sich  unter  ihnen 
die  winde  (Sn.  22.)  und  in  der  forme!  des  trjgdamH 
(GrÄgäs  2,  170)  heifst  es:  ^svä  vidha  sem  valr  flj'gr  vär- 
langan  dag,  oc  standi  byrr  undir  bddha  vaerigV^  so 
weit  der  habicht  einen  sommeriangen  tag  fliegt,  wenn 
ihm  günstiger  wind  unter  beiden  schwingen  steht*  licichte, 
sturmdrohende  wölken  nennt  man  auf  Island  kldsigi 
(Biörn  schreibt  klusegi)  d.  i.  klauensenkuug ,  nach  Gunnar 
Pauli,  weil  der  adier  durch  niedersenkung  der  einen  klaue 
Sturm  veinirsache  (Finn  Magn«  p.  452.)  *) 

Nun  soll  man  auch  aul  den  shetläudischen  iusdn  den 
Sturmwind  in  der  gestalt  eines  grofsen  adlers  bescliwo« 
ren.**)  Aber  noch  im  12  jh.  kannte  man  in  Deuta<dilaiid 
den  Zusammenhang  des  windes  mit  dem  adler,  Veldek 
singt  MS.  1,  21«:  *}Ärlanc  ist  reht,  da»  der  ar  winke 
dem  vil  süezen  wiride\  heuer  soll  uns  der  adler  müden 
wind  zuführen.  Wie  viele  gangbare  Vorstellungen  des 
mittclalters  sind  uns  verloren,  da  unter  allen  dichteniy 
die  iinzUhligemal  von  luCV,  wind  und  stürm  reden,  nur 
ein  einziger  auf  diesen  mythus  anspielt«  Aber  nicht  bkfii 
aquila  und  aquilo***)y  vultur  und  vullurnus  YreiBen  auf 
einander,  auch  avs/iog  und  aero^,  von  der  wurzel  im, 
äij/ti.i)  nach  Horapollo  2,  15  stellt  ein  sperber  mk 
ausgebreiteten  schwingen  den  wind  vor.  adler,  habicht, 
geier,    sperber  sind    lüer  identische   raubvögel.  ff)     au<^ 

*)  auch  den  tAg  dachte    man  sich    als  einen  vogel,    der  seite 
lüaaen  in  die  wölken  schlägt. 

**)  Walter  Scotts  pirate.     Edinb.  1822. 

***)  Festus:  aquilo  ventus  a  Tehementissimo  volata  ad  instar  aqtd' 
lae  appeltatnr. 

f)  Wackemagel  über  ablaut  p.dO.   Eustatliius  sar  11.87,  15  IUmi. 
f-f)  ^OT,  Haupt  führt   mir   aus  Brantomes   vies  des  hommes  illa- 
stres,   tonie  1  p.  40    der  neunten   pariser  ausg.    ein  franz.   dixain  aaf 
kaifter  Carl  des  5  africniiiächen  zu^  an: 

J/aigU  voulant  tromper  la  salamandre 
et  la  snrprendre,   parurent  antonr  d'elle 
les  foens  ardans,  qui  ia  scenrent  deffendre. 
parquoy  craignant  de  brnsler  lä  son  aesle 
reprit  en  mer  nne  voie  nouvelle. 
inais  ne  pouvant  aux  siens  dissimuler  ■ 
son  double  coenr,  qu'elle  vouloit  celer, 
tut  d^eux  battne,    et  baignee  de  «orte, 
quVlIc  ne  pent  nullement  revolter 
et  presqu'  autaut  luv  vnlust  estre  motte. 
*j*ay  trourö',   sagt  Brantome,   ^cestc   rynie   dans  de   vicux   papiers  de 
nostre  maison*,     und   schon    der   herausg.   von  1740  maciit   um  sieta 
die  aunierkung:   ^i^nis^  apparement.' 


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WIND  STÜRM  363 

dfld  A,T.  (lenkt  sich  die  *vrlnde  gefitriclit,  ohne  (Icn  vogel 
aiKBugeben:  11.  Sam.  22,  11  schwebte  auf  den  fliigeln 
der  winde;  ps.  18,  11.  104,  3  volavit  super  pennas 
pentorum»  N.  verdeutscht:  uberfloug  die  vettacha  dcro 
windo,  und  Martina  7«  heifst  es  mit  bezug  auf  den  bi- 
blischen redegebrauch:    Mer  Af  der  winde  vedern  saz,' 

Den  Finnen  ist  holcho  (kotka)  der  adler,  aber  ein 
Bed,  das  den  nordsiurm  schildert,  beginnt:  *kain  der 
adler  her  aus  Turja,  senkt  von  Lappmark  sich  ein  vogeP 
und  schliefst:  'unterm  flügel  hundert  männer,  lausende 
auf  Schweifes  spitze,  zehn  in  jeder  spule  stehn.'*)  Und  in 
einem  neugriech.  Volkslied  ruft  der  sperber  (wie  bei  Ho- 
rapoilo)  die  winde  an ,  sich  zu  beschwichtigen :  ^ino  tu 
tfixo^a  ßovva  legaxc  iavQS  XaXta'  na^psT,  aeQeSy  nd^ 
ijme  iniijfe  xäXXfjV  fjtmv  ßgadia**)  die  winde  stehn 
unter  des  vogels  befehl  und  gehorchen  ihm. 

Hroeevelgr   (ahd.  Hr^osuelah?)    bedeutet   leiclienver- 
schlinger ,    was  auf  raubvögel ,   die  vom  aas  zehren ,    geht, 
aber  auch  auf  die    luftreinigenden  winde   und  stürme   be- 
z(^en  werden  dsorf.     sie  tilgen   die  ausdünstung    der  unbe* ' 
graben  liegenden  leichen. 

Ist  darin  der  wahn  begründet,  wenn  sich  einer  ouß^ 
hänge,  dafs  dann  Sturmwind  entstehe?***)  der  raubgie- 
ge  vogel  nahet  hastig,  um  sich  des  todten  zu  bemächtigen, 
der  ihm  verfallen  unbeerdigt  am  bäum  schwebt?  Oder 
tobt  die  luft,  weil  sie  den  Selbstmörder  nicht  in  sich  dul« 
det?  Neujahrsturm  soll  pest  ankündigen  (abergl.  330. 
910),  im  voraus  leichengeruch  verbreitend. 

Den  Sturmwind  stellt  sich  das  volk  vor  als  ein  gefrä^ 
fsigesy  hungriges  wesen^  (folglich  als  riesen,  nach  dem 
begrif  von  iötunn  s.  297)  und  sucht  ihn  durch  in  die  luft 
geschüttetes  mehl  zu  beschwichtigen,  f)  ich  halte  dies  für 
einen  uralten  aberglauben. 

In  den  beiden  wetterscgen  (anh.  cxxx)  werden  Mer^ 
nteut  und  Fasolt  als  böse  geister  und  urheber  der  stürme 
»ngerufen.     Fasolt    ist    der    aus   unserer   heldensage    be- 

•)  finnische  roncn.     üp«.  1819  p.58— 60. 
••)  Ffturiel  2,  236.     Wli.  Müller  2,  100. 

***)  abergl.  343.  Kircbliofers  Schweiz,  spr.  327.  CI.  Brentano 
Libosia  p.432. 

i)  at>ergl.  282.  Pnietoriiifl  weltbesclir.  I,  429:  zu  Bnniberjr, 
als  starker  wind  wütetet  fafste  ein  altes  weib  ihren  m^Usack  und 
schüttete  ihn  ans  dem  fenitter  in  die  luft,  and  sprach  dazu  die  worte: 
't^ge  dich,  lieber  wind,  bring  das  deinem  kindf  Sie  wollte  damit 
^n  hunger  des  winds,  als  eines  frafsigen  löwen  oder  grimmigen 
v«»l&  stillen. 

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364  WIND  STURM 

kannte  rlese,  EdLes  bruder,  welcher  sdbst  gott  der  flu- 
ten und  wellen  war  (s.  146*  147.)  beide  brüder  haben 
verwandte  beslünmung,  sie  gebieten  dem  grausenhaften 
nieer  und  dem  wetter«  Die  auskunft  )ener  beschwörungs- 
formel  über  Fasolt  scheint  mir  von  höchster  wichligkek 
luid  ein  schlagender  beweis  für  die  identität  des  Ecke  und 
Oegir:  denn  wie  Hl^r  und  Kdri,  sind  auch  Ecke  und 
Fasolt  brüder  und  riesen;  wie  Hl^r  dem'meer,  Rari  dca 
winden,  so  gebietet  Ivcke  dem  gewässer,  Fasolt  deot 
Sturm,  der  wind  heiTst  den  nord.  dichtem  Forniots  sonr, 
Oegis  briklhir/)  Da  nun  Hl^r  bei  einem  andern  volk 
Oegir,  d.i.Uogi9  Ecke  hiefs,  kann  auch  K^  Fasdft 
geheifsen  haben.  Fasolt  mul's  schon  darum  ein  altes  -wort 
sein,  weil  es  sich  aus  unserm  dialect  nicbt  mehr  erklärt; 
altn.  ist  fas  superbia,  arrogantia,  der  name  scheint  rie« 
seulinften  Übermut  auszudrücken.  Mermeuf,  was  sonst 
nirgends  vorkommt,  könnte  aussagen:  im  meer  tosend^ 
murrend?  Schm.  2,  552.  656  hat  maudem,  mutem, 
murmurare. 

Diese  halbgötter  und  riesen  verhalten  sich  xu  Donar» 
dem  höchsten  lenker  der  wölken  und  wetter^  wie  Äolns 
oder  Boreas  zu  Zeus. 

Die  Letten  nahmen  einen  gott  der  winde  und  stürme 
Okhipeernis  an,  und  glaubten,  dafs  diese  von  seiner  stlme 
den  himmel  herab  zur  erde  kommen.'*'^) 

In  einer  ahn.  saga  (fornald.  sog.  3  9  122)  tritt  riese 
Grtmnir  auf,  dessen  vater  und  brüder  Grfmdlfr  und  Grf- 
marr  heifsen ,  eine  art  Polyphem ,  welcher  stürm  und  gw» 
ten  wind  erregen  kann.  Halbgbttliche ,  in  eignen  tem« 
peln  und  durcli  blutige  opfer  verehrte  wesen  waren  die 
riesentöchter  2^iorgerdtir  und  Irpa  (oben  s.  66.)  sk^d- 
skaparmdl  154  heilst  Thorgerhr  Hölgabrudhr^  d.i.  toch- 
ter  des  königs  liölgi,  anderwärts  hörgahrudhr  oder  Acfr- 
gatröll  (fornald.  sog.  2,  131),  sponsa  divum,  immanissima 
gigas,  was  vielleicht  an  )enes  tvindsbra^it  erinnert,  beide 
Schwestern  saudien,  wenn  sie  darum  angefleht  wurden, 
Unwetter^  stürm  und  hagel^  forum,  sog.  11,  134 — 137, 
Aufser  ihnen  werden  in  altn.  sage  noch  andere  fraueu 
genannt,  die  unwetter  und  nehel  schallen,  z.  b.  lieidhi 
und  llamglöm  (fornald.  sog.  2,  72)  lugibiörc  (das^  3» 
442.***) 


•)  Forniots  sefflr=  aieer  und  wind.    Sacra.  90»». 

'*)  okka,  snn*(t  auka,  stürm;  peere  stirne.  Steaders  granmi.  266« 

")  vgl.  s.  261  bulizhialmr. 


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WIND         STÜRBI  865 

Was  man  ursprünglich  göllern,  halbgöttern  und  rie- 
sen  beilegte,  die  liervorbriugung  von  wind,  stürm  und 
hagely  vrurde  späterhin  menschliclien  zauberern  zuge- 
schrieben, ich  mufs  hier  einem  der  folgenden  cap.  vor- 
wegnehmen, wodurcli  die  vorsteUung  des  heidenthums  von 
einigen  hifterscheinungen  erläutert  w^erden  kann. 

Carl  der  grofse  hatte  schon  im  capit«  von  789  cap.  63 
verordnet,  'ut  nee  cauculatores  et  incantatores ,  nee  tem-» 
pestarii  vel  obligatores  non  iiant,  et  ubicunque  sunt 
emeudentur  vel  damnentur.'  bald  nach  des  königs  tod, 
SU  anfang  der  regierung  Ludwig  des  frommen,  schrieb 
bischof  Agobard  (f  840)  contra  insulsam  vulgi  opinionem 
de  grandine  et  tonitruis.  aus  dieser  Schrift  ziehe  ich^  nach 
Baluzens  ausg.  der  werke  Agobards,    einige  stellen. 

1,  145.  in  bis  regionibus  pene  omnes  homines,  no- 
bües  et  ignöbiies,  urbani  et  rustid,  senes  et  juvenes,  pu- 
tant  grandines  et  tonitruw  hominum  libitu  posse  fieru 
dicunt  enim,  mox  ut  audierint  tonitrua  et  viderint  ful- 
gura:  ^aura  lei^atitia  est.'  interrogali  vero,  quid  sit 
aura  levatitia?  alii  cum  verecundia,  parum  remordente 
conscientia,  alii  aulem  confidenter,  ut  imperitorum  mo- 
ris  esse  seiet,  confirmant  incantationibus  hominum,  qui 
dicuntur  tempestarti  ^  esse  lepatam^  et  ideo  dici  leifa^ 
titiam  auram. 

1,  146.  plerosqiie  autem  vidimus  et  audivimus  lanta 
dementia  obrutos,  tania  stultitia  alienatos,  ut  crcdant  et 
dicaut,  quandam  esse  regionem,  quae  dicatur  Magonia^ 
ex  qua  naves  veniant  in  nidnbus,  in  qtiibus  frugesj 
quae  grandinibus  decidunt  et  tempestatibus  pereunt^ 
vehantur  in  earideni  regionem  f  ipsis  videlicet  nautis 
aireis  dantibus  prelia  tempestariis ,  et  accipientibus  fru- 
menta  vel  ceteras  fruges«  £x  bis  item  tarn  profunda  stul- 
titia excoecatis,  ut  hoc  posse  fieri  credant,  vidimus  plu- 
res  in  quodam  conventu  hominum  exhibere  vinctos  qua- 
tuor  homines,  tres  viros  et  unam  fenrinam,  quasi  qui 
de  ipsis  naifibus  ceciderint:  quos  scilicet  per  aliquot 
dies  in  vincuUs  detentos  tandem  coUecto  conventu  homi- 
num exhibuerunt,  ut  dixi,  in  nostra  praesentia,  tanquam 
lapidandos.  sed  tarnen  vincente  verilate  post  multam  ra« 
tiocinationem  ipsi  qui  eos  exliibuerant  secundum  prophe- 
ticnm  illud  confusi  sunt  sicut  confunditur  für  quando  de- 
prehenditur. 

1,  153.  nam  et  hoc  quidam  dicunt,  nosse  se  tales 
tempestarios  ^  qui  dispersam  grandineni  et  late  per 
regionem  decidentem    faciant   unum    in    locum   ilumiuis 


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308  WIND         STÜRM 

aat  sUvae  iolructuoeae,  aut  super  unam^  ut  aliint,  cupam, 
sub  qua  ipse  lateat,deiluere.  frequeoter  certe  audivimus  a 
miiUis  dici  quod  lalia  nossent  ce^is  in  locis  facta,  sed 
necduiu  audivioius,    ut  aliquis  8e  haec  vidisse  testaretor, 

1 ,  158*  qui  mox  ut  audiunt  tonilrua  vel  cum  levi 
flatu  {fenti  dicunt  Hei>atitia  aura  est',  et  maledicunt  di- 
ceutcs:  %aledicta  liiigua  illa  et  arefiat  et  jam  praecisa  es«e 
debebat ,   quae  hoc  facil !' 

1,  159.  uostris  quoque  temporibus  videmus  alicjuiuiido 
coUeclis  niessibus  et  vludeuiiis  propter  siccitatem  agricolas 
Seminare  non  posse.  quai^c  uon  obtinetis  apud  tempesta- 
rios  vestros,  ut  mittaut  auras  leuatitias ,  quibus  terra 
iurigetur,    et  postea  seuiinare  possitis? 

1,  161.  isli  autem,  contra  quos  sermo  est,  osteo- 
dunt  nobis  homunculos,  a  sanctitate,  justitia  et  sapientia 
alienos,  a  £de  et  veritate  nudos,  odibiles  etiam  proxiniis, 
a  quibus  dicunt  vehemeittissimoa  imbres,  aonantia 
aquae  tonitrua  et  lei^atiiias  auras  posse  fieri. 

i,  162.  in  tautuni  nialum  istud  jam  adolevit,  nt  in 
plerisque  locis  sint  homines  misenimi,  qui  dicant,  se 
uon  equidem  uosse  immittere  tempestates,  sed  nosse  ta- 
men  defendere  a  tenipestate  Jiabitatores  loci,  bis  ha- 
bent  statutum,  qttantum  de  frugihus  suis  donent,  et 
appellant  lioc  canonicum.  Viele  sind  säumig  in  zehnten 
und  almosen,  canonicum  autem,  quem  dicunt,  suis  de- 
fensoribus  (a  quibus  se  defendi  credunt  a  tempesiate) 
nulio  praedicante,  nullo  admonente  vel  exhorCantc  sponie 
persolifunt^  diabolo  inliciente«  denique  in  talibus  ex 
parte  magnam  spem  habent  vitae  suae,  quasi  per  illos 
vivant. 

£s  lag  nali,  die  ziehenden  hagelwolken  einem  über 
den  himmel  fahrenden  schif  zu  vergleiclien ;  unsere  mj- 
thologie  pftegt  ihre  götter  mit  wagen  und  schiiTen  ausisiH 
statten.  Wenn  aber  die  wettermacher  durch  ihre  be- 
schwömug  das  luftschif  herbeiriefen  oder  heranzogen,  so 
sind  sie  mehr  diener  und  geltilfen,  als  urlieber  des  Sturms, 
der  eigentliche  herr  des  wetters  nimmt  das  niedergehagelte 
getraide  zu  sich  ins  schif  und  lohnt  den  zauberem,  die 
man  seine  priester  nennen  könnte,  das  christliche  vo!k 
sagte:  die  zauberer  verhandeln  das  geti*aide  dem  luftschif- 
fer,  der  es  wegführt.  Welches  mythische  land  steckt 
aber  in  Magonia?  man  weifs  nicht,  ob  Agobard  in 
Deutschland  oder  Gallien  geboren  war,  sein  fränkisches 
oder  burguudischcs  gcsclilochl  zeigt  schon  der  name ;  eben 
so  wenig  ist  bekannt,    ob  er  die  abhaudiung  zu  Lion  oder 


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WIND         STÜRM  367 

frölier  an  eluem  andern  orte  Diedei^schrleb.  aber  die  be- 
ueamiug  INIagonla  selbst  scbeiut  auf  eine  gegend  zu  rüii- 
ren,  avo  lat.  spräche  herscLte,  \venn  man  dabei  an  ma- 
gu8^   und  an  ein  zauberland  denkeü  darf. 

Späterhin  finde  ich  dieses  nehehchißes  nicht  gedacht 
auTser  bei  H.  Sachs ,  der  II.  4 ,  89<^  in  dem  schwank  von 
den  Lappenhäusern  erzählt,  sie  hätten  aus  federn  und 
Stroh  ein  schif  gebaut  und  es  auf  den  berg  getragen^  um, 
wenn  der  nebel  falle,  darin  abzufahren.  Fischart  redet 
Garg.  96^  ganz  abgebroclien  von  des  Plüioxen  (des  gast- 
freundes oder  Zeus?)  nebelachija  segel^  in  einer  stelle, 
der  nichts  bei  Rabelais  entspricht. 

Im  späteren  mittelalter  gieng  eine  sage  von  den  wind- 
verkaufenden  einwohnern  Yinlands  um,  die  ich  aus  des 
Glanvil  oder  Bartholomaeus  anglicus  gegen  1360  abgefafs- 
tem  werk  de  proprictalibus  rerum  15,  172  mittheiie:  gens 
(Vinlandiae)  est  barbara,  agrestis  et  saeva,  magicis  arti- 
bus  occupata.  unde  et  navigantibus  per  eorum  litora  vel 
apud  eos  propter  venti  defectum  moram  conti^ahentibus 
Pen  tum  renalem  oiTcrimt  atque  vendun  t.  globum  enim 
de  filo  faciunt  et  diuersos  nodos  in  eo  connectentea  mä- 
que  ad  tres  nodos  vel  plures  de  globo  extrahi  praeci- 
piunt,  secundum  quod  voluerint  ventum  habere  fortiorem. 
quibus  propter  eorum  incredulitatem  illudentes  daemones 
airem  concitant  et  ventum  majorem  vel  minorem  exci- 
tant,  secundum  quod  plures  nodos  de  filo  extrahuni 
vel  pauciores,  et  quandoque  in  tantum  commovent  ventum, 
quod  miseri  talibus  fidem  adhibentcs  iusto  )udicio  submer« 
gunlur.  Dieses  wind  verkaufeus  in  Wilandia  (wie  er  es 
nennt)  erwähnt  auch  Seb.  Frank  im  weltbucli  60*,  ohne 
art  und  weise  anzugeben.  Unter  Yinland  ist  ein  theil 
der  von  Norwegern  und  Isländern  frühe  schon  besuchten 
grönländischen  küste  zu  verstehn,  welche  in  altn«  sagen 
bald  Yinland,  bald  Yindland  heifst^);  mit  der  letztem 
form  mag  die  fabelhafte  windbereitung  selbst  zusanunen« 
hängen,  deren  sowol  die  altn.  denkmäler,  als  Adam  von 
Bremen  **)  geschweigen.  Wol  aber  erzählen  andere  das 
nemliche  von  den  Finnen  (OL  Magnus  3,  15);  es  scheint 
ebe  allgemein  im  Norden  verbreitete  Überlieferung. 

Die  noixlischen  sagen  nennen  zauberisch  hervorge- 
brachtes welter  ^örntngai^edlir.    Ügautan  halte  einen  wet^ 


*)  fornm.  sog.  2,  246.     Isl.  sog.  1,  9.    100.    151.    vgl.  Torfaeus 
iHft  Yiolaudiae  antiqiiae.     Uafo.  1703. 

**)  de  Sita  Daniae  p.  159  (ed.  belnist.  1670.) 

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368  ERDE 

terbalg  (redhrfcelgr),  wenn  er  ihn  schuUeke^  6o  brtdi 
Sturm  und  wind  aus  (fornald.  sog.  2^  412);  ebenso  Mön- 
duU  (das*  3  9  338.)  Eirikr,  ein  schwed.  könig,  führte  den 
beinamen  li^edArA/i/^r  (ventosi  pilei):  u>ohin  er  seinen 
hut  kehrte,  daher  vreble  erwünschter  wind  (Saxo  gramm. 
175.  Ol.  Magnus  3,  13.)  In  der  edda  steht  der  auadrud 
vindhidlmr  (Saßm.  168**),  was  mich  an  den  ahd.  eigen- 
namen  fVindheltn   (trad,  fuld.  2,  167)    erinnert. 

Schön  ist  die  eddische  Vorstellung,  dafs  sieben  und  swuh 
zig  (3X9,  vgl.  S.236)  valkyrien  durch  die  luft  reiten,  und 
wenn  sich  ihre  rosse  schütteln  aus  den  mahnen  thau  in 
die  tiefen  thäler,  Juigel  auf  die  hohen  bäume  niedertrieft: 
ein  zeichen  fruchtbares  jahres  (Sasm.  145.)  so  fallt  jeden 
tag  morgentJiau  ^f  die  erde  aus  dem  schäumenden  ge« 
bifs  des  rosses  Hrimfaxi  (thaumähne)  Sn.  11. 

Schneegestöber  erklärten  sich  die  Scythen  ans  flie- 
genden federn,  unser  volk  sieht  in  den  flocken  bettfedern 
der  göttinn  (s.  165.  166.)  lettische  räthsel  'putns  skreen, 
spahrni  pilP,  'putns  skreen,  spalwas  putt'*)  deuten  regetk^ 
wölke  und  schneewolte. 

IV.  ERDE, 
von  der  göttih,  und  ihren  benennungen,  ist  bereits  ge- 
redet:  Nerthus  (s.  152),  Erda  (s.  156),  Fafrguni  s.  116. 
117.  156),  Erce  (?  s.  154),  Hludana  (s.  156)  und  an- 
dere,  in  welchen  sich  die  begrüTe  der  allen  von  Terra, 
Gäa,  Ops,  Rhea,  Cybele,  Ceres  wiederholen.  Aber  auch 
das  blofse  element  für  sich,  die  molte  (pulvis),  wurde 
heilig  gehalten:  aus  dem  schofs  der  nährenden  erde  stei- 
gen fruchte  und  bäume  iiervor,  in  ihn  werden  die  lei- 
chen  begraben,  in  staub  und  asche  kehren  die  verbrann- 
ten zurück.  Auf  diese  Verehrung  weisen  alte  gebrauche; 
die  bedeutendsten  haben  zulängst  in  der  gerichtlichen  an- 
Wendung  gedauert.  Eine  nähere  erläuterung  des  altfrän- 
kischen ,  eingeständlich  heidnischen  chr^uecrud  **)  ist  RA. 
8.  110  gegeben:  ich  will  einiges  hinzufügen,  wie  die  Rö- 
mer ^herba  purcC  sagten  wir  noch  im  mittelalter  Msx 
Iw.  6446,     und    der  dichter   des  H^L  73,  7 


*)  vogel  fliegt,  flugel  triefen;  vogel  fliegt,  federn  stiebea. 
Stender:}  ^ranim.  260. 

**)  kti  entscheide  mich  jetzt  ganz  ffir  das  nentnim.  in  der  Aber' 
ichrift  *de  chrenecnida*  steht  der  dati? ,  und  wenn  es  im  text  seltut 
heifst  'chrenecrnda  jactare',  so  erinnere  man  sich ,  dafs  die  l>fgriff« 
werfien,  streuen,  säen  in  der  goth.  und  altn.  spräche  (warum  oirtH 
In  der  fränkischen?)  mit  diesem  casus  verbunden  werden,  gotb.  vafr* 
ptn  hriinjakruda. 


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ERDE  369 

sagte  ^hrincurnU  Im  sanskr.  ist  durba  granien  sacrum, 
altn.  torf^  ahd.  zurba.  Im  nord.  recht  hat  sich  das 
*glnga  iindir  iardar  men*  erhalten.  RA,  118.  119.  Die 
sille,  dafs  besiegte,  zum  zeichen  ihrer  unterwerfting, 
erde  und  wasser  darreichten,  erstreckt  sich  in  das  höch- 
ste alterthum:  wenn  die  Perser  krieg  ansagten,  so  He- 
fsen  sie  durch  einen  herold  beide  demente  von  den  Völ- 
kern, deren  laud  sie  überziehen  wollten,  fordern.*)  Ei- 
desablage geschah,  indem  sich  der  schwörende  erde  oder 
rasen  auf  das  haupt  legte;  so  bei  Ungern  (RA.  120)  und 
Slaven  (Böhmes  beitr.  5,  141.)  Noch  unsere  landsknechte 
des  16  jh.  warfen,  in  die  Schlacht  gehend,  eine  erd-' 
schölle^  zum  zeichen  aller  lossagung  yon  dem  leben.**) 
Auch  den  Griechen  war  ergreifung  de!"  schölle  zeichen 
von  landbesitznahme  und  zumal  bei  auswanderungen. 
Euphamos  sitzt  auf  der  Argo  yordertheil,  Triton  in  mensch- 
licher gestalt  erscheinend  reicht  ihm  eine  erdscholle  dar 
als  gastgeachenk.  Euphamos  nimmt  die  zeichenhafte  erde 
{ßm,a%a  ^cu/uoviav),  und  gibt  sie  seinen  leuten  aufzuhe- 
ben, diese  aber  lassen  sie  ins  meer  fallen,  wo  sie  aufge- 
löst wird,  wäre  sie  bewahrt  und  im  Tainaros  niederge- 
legt worden,  so  würden  des  Euphamos  nachkommen  das 
ihm  bestimmte  land  (Cyrene)  im  vierten  grad  erworben 
haben,    jetzt  erwarben  sie  es  erst  im  siebzehnten.***) 

In  der  s.  cxxva  mitgetheilten  ägs.  formel  werden  vier 
stücke  rasen  ausgeschnitten,  mit  öl,  honig,  hefe,  der 
mUch  von  allem  vieh  beträuft  und  von  je^chem  bäum, 
der  auf  dem  land  gewachsen  ist,  harte  bäume  ausgenom« 
menf),  von  jedem  kraut,  das  darauf  gewachsen  isl^  klette 
ausgenommen,  darauf  gethan,  und  dann  erst  wird  der 
Segen  darüber  gesprochen.  Unter  den  samen  mengt  man 
erde  von  driei  erbäckern  (abergl.  477);  auf  den  einge- 
senkten sarg  werden  drei  erdschollen  geworfen  (das.  699) ; 
mit  dem  ausgeschnittnen  rasen;  auf  dem  fufsstapfeü  ste- 
hen,   kann  Zauber  geübt  werden  (524.  556.) 

Heilige  berge  und  hügel  gab  es  in  menge;  doch 
scheint  dabei  kein  elementarischer  cultiis  zu  walten:  man 
verehrte    sie    wegen  der   gottheit,     die   darauf  ihren    sil^ 


•)  BriflsoDins  de  regno  Pers.  3,  66—71.  Herod.  4,  127.  5,  18. 
Cnrtras  111.  10,  8.  Aristot.  rhet.  II.  22,  37.  auch  Judith  2,  7 
htttiiw^nv  fijv  x«i  vdut^  (cod.  alex.  ed  August!.) 

**)  Bartholds  Frundsber^  p.  58.  59. 

•••)  Pindar  Pytii.  4,  21—44.    O.  Müllen  Orcliom.  352.   prolag. 
142 tr.     Dorier  l,  85.   2,  585. 

+)  bloft  ?oa  weichholz,   nicht  von  hartliolz.    RA.  506. 

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370  BERGE 

hatte,  vgl.  s.  103.  114.  115  Wuotans  und  Donners  belöge. 
Wenn  bei  Agathias,  oline  solchen  Bezug,  Xocpot  und  ^c- 
QccyysS  (hügel  und  Schluchten)  als  gegenstände  des  cnllus 
genannt  werden  (s.  68) ;  so  kann  die  Beobachtung  unvoll- 
ständig ,  und  ein  ^vasse^  oder  feuercullus  an  den  bci^  ge- 
knüpft gewesen  sein.  Unter  den  Gothen,  welchen  fair- 
guni  berg  bedeutet  (s.  116),  dürfte  man  am  ersten  reine 
bergverehruug  suchen,  wenn  der  vorgetragene  zusamnieD- 
hang  dieses  ausdrucks  mit  dem  götternamen  seine  richtig- 
keit  hat.  Dietmar  von  Merseburg  gibt  ein  beispiei  von 
slavischem  bergcultus  p.  237:  posita  autem  est  haec  (civi- 
tas,  nemlich  Nemzi,  Nimptsch)  in  pago  silensi,  vocabulo 
hoc  a  quodam  monte,  nimis  excelso  et  grandi,  olim  sibi 
indito:  et  liic  ob  qualitatem  suam  et  quautttateni ,  aim 
execranda  gentilitas  ibi  vcneraretur,  ab  incolis  omnihm 
nimis  honorabatur.  es  soll  nach  den  auslegern  der 
schlesische  Zobtenberg  sein. 

Hin  und  wieder  standen  einzelne  steine  und  feUtn^ 
oder  mehrere  nebeneinander,  zuweilen  kreisförnu'g,  geord- 
nete in  Verehrung ,  (anh.  s.  xxxni.  xxxnr  vota  ad  Infi* 
des,  besonders  aber  xxxv  lapides  in  ruinosis  et  sUvestri- 
bus  locis  venerari.)  Dieser  steindienst  zeichnet  eigenthiim- 
lich  den  celtischen  glauben  aus,  weniger  den  deutschen. 
in  Deutschland  waren  heilige  steine  entweder  mahlsteinc 
der  gerichte  oder  opfersteine:  eide  wurden  abgelegt  *at 
ursvölum  unnar  steini*^  ^at  enom  huUa  he/ga  steini» 
Saem.  165»  237^* 


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BAUME  S71 


CAP.  XVl.     BÄUME  UND  THIERE. 


Da  nach  der  ansieht  des  heidentfaums  die  ganze  na- 
tur  für  lebendig  galt  *) ,  unter  allen  geschöpfen  aber  viel- 
facher Wechsel  und  Übergang  der  gestalten  geglaubt  wurde  j 
80  folgt  von  selbst,  dal's  einzelnen  ein  höherer  werth  bei- 
gelegt, ja  dieser  bis  zur  göttlichen  Verehrung  gesteigert 
werden  konnte,  gölter  und  menschen  wandelten  sich  in 
bäume,  pflanzen  oder  thiere,  geister  und  elemente  nah- 
men tliierformen  an;  es  lag  ganz  nahe  den  cultus,  des- 
sen sie  theilhaft  waren,  der  abgeänderten  besonderheit  ih- 
rer erscheinung  nicht  zu  entziehen«  unter  diesen  gesichts- 
punct  gebracht  hat  eine  Verehrung  der  bäume  oder  thiere 
nichts  befremdliches.  roh  geworden  ist  sie  nur  dann, 
wenn  im  bewustsein  der '  menschen  das  höhere  wesen 
hinter  der  angenommenen  form  schwand  und  diese  nun 
allein  es  zu  vertreten  hatte; 

Von  göttlich  verehrten  gewachsen  und  geschöpfen  zu 
unterscheiden  sind  aber  solche,  die  heilig  und  hoch  gehal- 
ten wurden  ^  weil  sie  in  näherem  bezug  zu  göttern  oder 
geistern  standen.  dahin  gehören  zum  opfer  dienende 
pflanzen  oder  thiere,  bäume,  unter  denen  höhere  wesen 
wohnen,   thiere,  welche  sie  begleiten. 

Beiderlei  arten  lassen  sich  kaum  trennen,  weil  unge- 
naue, unvollständige  nachrichten  nicht  zu  erkerinen  geben, 
welche  gemeint  sei. 

In  wie  hohem  ansehn  WÄLDER  und  BÄUME  bei 
den  heidnischen  Deutschen  standen  hat  schon  das  vierte 
cap.  gezeigt,  einzelnen  gottheiten ,  vielleicht  allen  ,  waren 
haine,  in  dem  hain  vermutlich  noch  besondere  bäume  ge- 
weiht, ein  solcher  hain  durfte  nicht  von  profanen  betre- 
ten,   ein  solcher  bäum   nicht  seines  laubes,   seiner  zweige 


•)  am  beziehimgsvollsten  druckt  es  der  eddische  roythas  von  Baldr 
ans:  um  dem  geliebten  gott  alle  drohende  gefahr  abzuwenden,  nahm 
Frigg  eide  von  wasser,  feuer,  erde,  steinen,  gewachsen,  thieren, 
vögeln,  gewürmeu,  ja  von  den  persönlich  gedachten  seuchen,  dafs 
sie  seiner  schonen  wollten ;  einem  einzigen  strauch  erliefs  sie  den 
«cliwur,  weil  er  zu  jnng  war.  Sn.  64.  Um  den  todtea  Baldr  weinen 
hernach  alle  geschüpfe,  menschen,  thiere,  pflanzen,  steine.    Sn.  68. 

24*  ^        , 

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S72  BÄUBfB 

beraubt  und  nie  umgehauen  vrerden.'^)  Auch  einzelnen 
dämonen,  elben,  wald  und  bausgeistern  sind  bäume  ge- 
heiligt (s.  290.) 

Nähere  schilderiuigen ,  /wenn  sie  auf  uns  gekommen 
wären ,  würden  manches  wissenswerthe  von  der  hegung 
und  Unterhaltung  heiliger  wälder,  \on  den  darin  begang- 
nen oprern  und  festen  mittheilen.  Im  indiculus  pagania- 
rum  heilst  es  ^de  sacris  silvarum ,  quae  nimidas  vocant' 
der  deutsche  ausdruck  scheint  mir  unverderbt,  aber  darum 
nicht  weniger  unverständlich:  es  ist  ein  plur«  masc.  vom 
sg.  nimid**)y  wir  mästen  von  sämtlichen  bedeutungen 
unterrichtet  sein,  deren  das  einfache  verbum  neman  ver 
alters  fähig  war,  um  den  sinn  des  wortes  zu  treffen»  ist 
das  deutsche  nimu,  wie  es  allen  anschein  hat,  einerlei 
mit  vi/may  so  mag  sich  auch  nimid  dem  gr.  riftog  und 
lat.  nemus  vergleichen:  weidetHrt,  wald,  mark^  sacrum 
silvae.***) 

Unter  einzelnen  heiligen  bäumen  hat  gevfls  eine  Zeit- 
lang nach  der  bekehrung  das  voik  fortgefahren  lichter  an- 
zuzünden und  kleine  opfer  darzubringen,  wie  es  sie  noch 
heute  bekränzt,  und  reigen  Barunter  führt  (s.  36.)  das 
hiefs  in  den  kirchlichen  yerboten:  vota  ad  arbores  facere 
aut  ibi  candelam  seu  quodlibet  munus  deferre,  arborem 
colere,  votum  ad  arborem  persolvere  (anh.  xxKni.  xxxiv); 

*)  sacrum  nemus^  nemus  castum  bei  Tadtns.  Orid.  amor.  IlL  1,1: 
stat  vetus  et  mnltos  incaedua  siha  per  anoos, 

credibile  est  illi  namen  iaesse  loco: 
fons  sacer  in  medio,  speluncaque  pumice  pendens, 
et  latere  ex  omni  dulce  quernntur  aves. 
Lncan.  pliars.  8,  399:    lucus  erat  longo   nunquam  violaius  ab  aefü. 
So  der  semnonische  wald,    daa  nemas  der  Nerthua,   der  alaviache  in- 
cos  Zutibure,   der  preusaische  haia  Romowe.     bei   dea  Bbstea  gitt 
i&r  ruchlos,  in  heiligen  haioeo  etwas  abzubrechen:  so  weit  sein  schat- 
ten reicht  (ut  umbra  pertiagit.  RA.  57.  105.)  uehmen  sie  nicht  einoial 
eioe  erdbeere  weg;   manche  begraben  heimlicJi  ihre  todtea  dahia  (Pe- 
tri  Ehstland  2,  120.) 

**)  wie  helid  (heros)  gimeinid  (communio)  fnimid  pl.  fnuaiHai 
(ags.  frymdbas,  primitiae),  barid  (ciamor,  das  ich  ans  Tac  baritat 
folgere.) 

*'*)  spätere  mutmafsung.  konate  nicht  nimid  heidnischer  aosdrodi 
sein  f&r  opfer?  ahnemen  heifst  im  13  jh.  mactare^  schlachten  (voa 
Vieh  gebraucht)  Berthold  p.  46,  wie  wir  noch  heute  ahthun^  ahschnei- 
den  sagen ,  Ulf.  ufsneithan ;  Schmids  Schwab,  wb.  405  abnehmen^  fe> 
flügel  abschlachten,  diese  bedeutung  kaun  nicht  in  der  vorgesetsUn 
Partikel  liegen,  sondern  mufs  im  worte  selbst  beruhen:  nimao,  »e- 
mau  also  achneiden,  schlachten,  theilen.  nimidas  wfiren  im  heil,  baia, 
unter  bäumen  geschlachtete  opfer.  vgl.  was  im  text  s.373  über  des 
langobard.  opfcürbaum  gesagt  wird. 

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BÄUME  373 

arhores  daemonibua  consecratas  colere,  et  in  tanta  vc- 
neratione  habere,  ut  yulgiis  nee  ramum  nee  surculum 
audeat  amputare  (xxxv.)  Die  acta  Bened.  8ec.2.  p.  841, 
berichten :  'adest  quoque  ibi  (zu  Lutosas ,  heute  Leuze) 
non  ignoti  miraculi  fagusy  suhter  quam  luminaria 
saepe  cum  accensa  absque  hominum  accessu  videimis,  di-* 
Yiai  aliquid  fore  suspicamur.'  so  nutzte  die  kiraie  den 
aberglaubeu  für  ihre  wunder:  an  der  stelle  des  baums 
wurde  ein  kloster  gestiftet.  Von  den  heutigen  Ehsten 
wird  in  Rosenplänters  beitr.  19,  12  erzälüt:  noch  vor 
eioigeo  jähren  opferten  sie  im  kirchspiel  Harjel  in  der 
Georg,  Johannis  und  Michaelisnacht  unter  einigen  hau-' 
men ,   d.  h.  sie  schlachteten  ein  schwarzes^  huhn.*) 

Bei  den  Langobarden  kommt  die  Verehrung  des  soge- 
nannten hlutbaums  oder  heiligen  bäume  vor  (oben  s. 
69.)  genaueres  davon  meldet  die  vita  sancti  Barbati  in 
den  actis  sanclor.  vom  19  febr.  p.  139.  Der  heilige  (geb. 
um  602,  -}-  um  683)  lebte  zu  Benevent,  unter  den 
königen  Grimoald  und  Romuald,  das  langobardische 
Tolk  w^ar  getauft,  hieng  aber  noch  an  abergläubischen  ge- 
brauchen :  quin  etiam  non  longe  a  Beneventi  moenibus 
deyotissime  sacrilegam  colebant  arborem ,  in  qua  sus- 
penio  corio  cuncti  qui  aderant  terga  vertentes  arbori  ce- 
lerius  equitabant,  csdcaribus  cruentantes  equos^p  ut  unus 
altenim  posset  praeire,  atque  in  eodem  ciu^su  retroversia 
manibus  in  corium  jaculalmntur.  sicque  particulam 
niodicam  ex  eo  comedendam  superstitiose  accipiebant.  et 
quia  stulta  iWic  persolpebant  vota^  ab  actione  illa  nomen 
loco  illi,  sicut  hactenus  dicitur,  potum  imposuerunt. 
Barbatus  predigt  vergebens  dawider:  illi  ferina  coecati 
dementia  nil  aliud  nisi  sessorum  m^ditantes  usus,  Optimum 
esse  fatebantur  cultum  legis  major  um  suprum^  quos 
nominatim  bellicosissimos  asserebant.  Als  Romuald  nach 
Neapel  zieht,  repenle  beatissimus  Barbafus  securim  acci- 
piens  et  ad  potum  pergens  suis  manibus  nefandam  ar- 
borem,  in  qua  per  tot  t empor is  spatia  Langobardi  exi- 
tiole  sacrilegium  perficiebant,  defossa  humo  a  rädicibiis 
incidit  ac  desuper  terrae  congeriem  fecit,  ut  nee  indicium 
ex  ea   quis  postea   valuerit  reperire.**)     Die^e  nachricht 

•)  nach  dem  aberglaab^n  der  lansitzischen  Wenden  gibt  c«  w8l- 
«'«r,  die  jährlich  ein  menschenopfer  fordern  (gleich  den  flusaen,  oben 
8.279):  es  murs  jährlich  ein  mensch  darin  sein  leben  lassen,  (lan- 
sitz,  nion.sclir.  1797  p.  7^.) 

••)  eine  andere  vita  Barbati  (das.  p.  143)  erznhit  foIj?enderge- 
sialt:   aam  quid  despicabilius  credeudum  est,  quam  ex  mortuis  anioia- 

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374  BÄUME 

vom  niederhauen  des  baums  klingt  prahlerisch  und  un- 
vrahrsclieinlich,  die  beschreibung  des  heidnischen  ge- 
brauch^  mag  aber  getreu  sein,  ich  habe  s.  118  gewiasen, 
dafs  von  Osseten  und  Circassiern  8tange(i  mit  thierhäar- 
ten  zu  ehren  göttlicher  wiesen  aufgerichtet  wurden,  nach 
Jomandes  bei  den  Gothen  dem  Mars  ^exuviae  truncit 
suspensae^  (oben  8.48),  dafs  überhaupt  thiere  an  opfer- 
bäumen  hiengen  (s.  46.  48);  w^ahrscheinlich  .war  aodi 
dieser  bäum  einem  gotte  durch  opfer  heilig  d.  h.  durch 
votivopfer  einzelner*),  der  ganze  ort  hiefs  davon  *ad  Vo- 
tum.' Welche  bedeutung  der  apeerwurf  durch  die  /län- 
gende haut  hatte,  ist  nicht  klar;  auch  im  Norden  pflegte 
man  durch  aufgehängte  rohe  ochsenhäute  zu  schiefsen 
(forum,  sog.  3,  18.  4,  61),  es  -war  zeichen  von  kunst 
und  stärke,  dafs  es  rückwärts  geschah,  erhöhte  die 
Schwierigkeit,  und  ist  ganz  alterthümlich.*^)  warum  das 
herausgeworfne  Stückchen  haut  genossen  wurde?  ist 
schwer  zu  sagen;  sollte  dadurch  verstattete  theilnabme  an 
dem  Opfer  (s.  27.  28)  zu  erkennen  gegeben  werden  ? 

Nicht  blofs  bäume  unter  welchen  geopfert,  aufwei- 
chen haupt  oder  haut  des  geschlachteten  thiers  aufgehan- 
gen wurde,  galten  für  heilige;  auch  stamme,  die  auf 
opßerthieren  erwuchsen,  die  satzweide  auf  dem  todten 
füllen  oder  kalb  soll  nicht  versebrt  werden  (abei^l.  838); 
sind  das  nicht  völlig  des  Adam  von  Bremen  ^arbores  ex 
morte  pel  tabo  imtnolatorum  divinae'?  (oben  8.47.) 

Unter  den  geheiligten  bäumen  steht  oben  an  die  eiche 
(s.  41.  44.)  Auch  der  hollunder  (sambucus)  genofs  aus- 
gezeichneter Verehrung,  ahd.  holantar  oder  holantera? 
(gramm.  2,  530)^  holan  für  sich  bedeutet  schon  einen 
bäum  oder  eine  Staude  (ags.  cneovholen ,  ruscus.)  in  Nie- 
dersachsen heifst  äie  sambucus  nigra  eHorn^   ellhorn?^) 

libas  non  carnem  sed  coriom  accipere  ad  esum  comestioDis,  at  pn^o 
errori  bubjecti  Longobardi  fecerunt?  qui  suanim  festa  solennitatom 
equis  praecurr' ntibus  unus  altero  praecedente ,  sicat  mos  erat  gtnti- 
lium^  arhori  ludificae  procul  non  satis  Benevento  vota  sua  solpebant. 
Siispensa  itaque  putredo  corii  in  banc  arhorem  dipam  equonun  sesso- 
res  versis  post  tergam  bracbiis  iguomiiiiam  corii  certabant  lanceotis  n> 
brare.  ciimqae  lanceolis  esse  vibrnta  pellis  mortiia  cerneretur,  veluti  prore 
iiiedio  animae  ex  hac  illusione  corii  partis  mediae  factam  recisionem  ^^vsta- 
bant.  ecce  quali  ridiciilo  vanae  inentis  bomioes  errori  sabjacebant  pestifera. 
*)  oben  s.  217;  votum  nicht  blofs  das  gelubde,  aach  die  obla- 
tio  rei  votivae.     votare  pueriim  bei  Pertz  2,  93  was  sonst  offerre. 

*")  so  muste  das  beste  haupt  iunterrücks  angerührt  werden,  RA* 
369;  so  wird  abgewandtes  haupts  geopfert  (s.  27B),  rückwärts  ülier 
das  haupt  geworfen  (s.  359.) 

***)  ags.  eilen,    die  canones  editi   sab  Kadgaro   rege   reden  op« 


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BÄUfifB  dm 

Amkiel  erzählt  1,  179  unverdächtig:  also  haben  unsere 
vorfahren  den  ellhom  auch  heilig  gehalten  ^  wo  sie  aber 
denselben  unterhauen  (die  äste  stutzen)  musten»  haben 
sie  vorher  pflegen  dis  gebet  zu  thun:  \frau  JEllhorn,  gib 
inir  was  von  deinem  holz ,  dann  will  idi  dir  von  meinem 
auch  was  geben,  wann  es  wächst  im  walde,'  welches 
theib  mit  gebeugten  knieen,  entblöfstem  haupte  thid  ge- 
falteuen  bänden  zu  thun  gewohnt,  so  ich  in  meinen  iun- 
gen  )ahren  zum  öftern  beides  gehört  und  gesehen.  Dazu 
halte  man,  was  von  den  liollunderstangen  (abergl.  866), 
vom  pflanzen  des  hollundera  vor  stallen  (das.  1691 
vom  giefsen  des  wassers  unter  den  liollunder  (das.  864) 
und  der  liollundermutter  (dän.  abergL  162)  geradeso  ge- 
meldet wird.*)  Auch  in  Südermannland  war  ein  knecht 
eben  im  begrif  einen  schönen,  schattenreichen  Wacholder 
abzuhauen,  als  eine  stimme  erscholl:  ^hau  den  Wacholder 
nicht!'  er  kehrte  sich  nicht  an  die  Warnung  und  wollte 
von  neuem  hauen ,  da  rief  es  noch  einmal :  4ch  sage  dir 
hau  den  bäum  nicht  ab!'  erschrocken  entfernte  sich  jetzt 
der  knecht.'^'*')  Etwas  ähnliches  liegt  dem  kindermärchen 
no.  128  zum  grund,  nur  dafs  es  eine  scherzhafte  Wendung 
empfangen  hat;  dem  holzhauenden  ruft  eine  stimme  aus 
dem  bäum  entgegen,  ^wer  haspeUiolz  haut,   der  stirbt.' 

Das  leben  der  griech.  dryaden  ***)  und  hamadryaden 
ist  an  bäume  gebunden ,  mit  dem  verwelken  und  ab- 
sterben der  bäiune  nehmen  sie  ab  und  hören  sie  selbst 
auf;  jede  Verletzung  der  äste  und  zweige  empfinden  sie 
als  wunden,  und  gewaltsames  umhauen  macht  ihnen  plötz- 
lich ein  epde.  naht  sich  das  frevelnde  beil^  so  ertönt  ihr 
weh  voller  ruf. 

Dieser  glaube  an  geisterbewohnte  bäume  war  nicht 
weniger  unter  Gelten  einheimbch«  Sulpicius  Severus  (aus 
dem  beginn  des  5}h.)  meldet  im  leben  des  heil.  Martinus 
ed.  Amsterd.  1665  p.  457 :  dum  in  vico  quodam  templiun 
antiquissimiim  diruisset,  et  arborem  pinum^  quae  fano 
erat  proxima,  esset  aggressus  excidere,  tum  vero  antistes 
illius  luci  ceteraque  gentilium  turba  coepit  obsistere.  et 
cum  iidem  iUi,   dum  templum  evertitur,    imperante  domino 

16  (Wilkins  p.  83)  von  der  zanberei  die  getrieben  werde  ^on  eljmum 
and  eac  on  othrum  mislicnni  treovam'  (in  ulmis  et  in  aliis  variis  ar- 
boribns).     läse  man  eltenum^  so  wäre  es  sambucis. 

•)  Posciiknit,  der  gott,  wohnt  nnter  dem  hottunder^  die  Let- 
teo  legten  ihm  brot  und  hier  neben  den  banni.    Thom.  Hiärn  p.  49. 

**)  Locceniui  autiq.  sueog.  I,  3  soll  dies  erzählen;   in  der  ausg. 
TOR  1647  steht  es  nicht,    violleicht  iu  einer  späteren. 
**')  wird  ags.  glossiert:   vuduelfeitne ^  waldelbinnen. 

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876  THIERB  PFERPE 

quievissent;  auccidi  arborem  non  patiehantur.  iUe  eos 
8edulo  commönere,  nihil  esse  religionis  in  sdpite,  denn 
potius  cui  serviret  ipse,  sequerentur«  arborem  illam  ex- 
scindi  oportere,  quia  esset  daemoni  dedicata  u*  s«  w* 

Von  eigenthümlicher  bescbaffenheit  war  der  nord. 
iveltbaum  Yggdrasil,  auf  den  ich  in  einem  andern  cap. 
zu  sprechen  kommen  werde. 

Unter  den  heiligen  THIEREN  nenne  ich  zuerst  die 
pferde^  das  edelste,  klügste,  vertrauteste  hausthier,  mit 
dem  der  held  freundliche  gespräche  fuhrt,  das  seinen 
kummer  mitfühlt  und  sich  seiner  siege  miterfreut.  Wie 
sich  beiden  nach  dem  pferd  benennen  (Hengest,  H(m^ 
anh.  s.  it)  ,  so  erhält  es  vielfache  eigennamen ;  in  der 
nord.  mythologie  ist  beinahe  jedem  gott  sein  besonderes, 
mit  vmnderkräften  ausgestattetes  pferd  zugewiesen«  Odhins 
ros  hiefs  Sleipnir  (s.  104),  es  war,  gleich  riesen  und 
beiden  achtfüfsig  (s.  222.  302)  Saem.  44"^  Sn.l8  werden  die 
übrigen  pferde  der  äsen  aufgezählt,  aber  ohne  angäbe,  wi- 
chen sie  zustanden,  mehrere  benennungen  sind  mit  faxi 
(comatus ,  abd.  vahso)  gebildet ,  z.  b.  Shinfaxi  (Stern.  32. 
8n.  11}  Gulljaxi  (8n.  107.  110)  Hrtmfaxi  (Seem.  32.  9t. 
8n.  11)  Frey  faxi  (Vatnsd.  140.  141.)  Gullfaxi  ^dasgold- 
mähnige)  gehörte  dem  riesen  Hi'üngnir,  Skinfaxi  (aas  ^anz- 
mähnige)  war  das  ros  des  Tags ,  Hrtmfaxi  (das  thaumäh- 
nige  vgl.  oben  s.  368)  das  der  Nacht.  Faxi  ist  aber  auch 
für  sich  schon  name  von  pferden ,  z.  b.  fornald.  sog.  2, 
168.  508.  Artfahr  (der  fiiih wache)  und  AUifidJir  (der 
alUduge)  rosse  des  sonnenwagens  (Saem.  45.  Sn.  12);  aaf 
Arvakrs  ohr,  auf  Alvinns  huf  standen  runen  geschriebeD.*) 
Svadhilfari  lüefs  das  pferd  des  bauenden  riesen  (Sn.46.) 
Auch  die  heldensage  überliefert  uns  viele  namen  berulim- 
ter  rosse. 

Jenes  Frey  faxi  der  Vatnsdoelasage  war  im  besitz  ei- 
nes mann  es  namens  Brandr,  Von  dem  man  sagte ,  dafs  er 
es  göttlich  verehrte  (at  hann  hefdi  &triünadh  k  Faxa)  und 
der  darum  Faxabrandr  hiefs.  Hrafnkell,  dessen  uo^ 
druckte  saga  mir  niu*  aus  Müllers  bibL  1,  103  bekannt 
ist,  hatte  auch  ein  solches  pferd  Frey  faxi  (Freirfara 
druckf.),  und  es  zum  halben  tbeil  an  Freyr  geschenkt, 
zugleich  das  gclübde  gethan,  den  mann  umzubringen,  der 
es  gegen  seinen  willen  reiten  würde,  ich  kann  die  stelle 
aus  Job.  Erici  de   plülippia   apud    priscoe  boreales.    Ups* 

*)  erinnert  an  die  deutsche  thierfnbel  (Reinlh  oglxui.)  nit  ■»- 
recht,  glaube  idi,  zieiit  Rafh  fornald.  sog.  I,  I6i>  die  leaait  äöfdhi  for. 


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PFERDE  Sn 

1755  p.  122  mittlieilen:  Hrafnkell  &td  thann  grip  t  elgo 
sinni,  er  hdnom  th^ui  betri  enn  annar,  that  var  Lestr 
bleikaldttr  at  lit,  er  bann  kalladi  Freyfaxa^  bann  gaf 
Frey  vin  stnom  *)  thenna  liest  lidlfann,  d  tbessom  be- 
8ti  bafdi  bann  svd  mikla  elsko,  at  bann  strengdi  tbess 
heit,  at  bann  skyldi  tbeim  manni  at  bana  verdba,  er 
theim  besti  ridi  ^  bans  vilja.  Brands  ätrftnadbr  bezog 
sich  obne  zweifei  auch  darauf,  dafs  das  ros  dem  gott 
geheiligt  und  gelobt  war.  Ein  merkwürdiges  zeugnis  da« 
fiir  bietet  Olafs  Tr.  sonar  saga**):  dem  konig  war  Terküu« 
det  worden,  dafs  die  Tbraendir  (Drontbeimer)  sieb  wieder 
2u  der  Verehrung  Freys,  dessen  bildseule  noch  bei  ihnen 
»(die,  gewendet  liätten.  auf  des  königs  gebeifs  dieses 
bild  zu  zerbrechen  versetzten  sie:  ^ei  munum  ver  briota 
Uknesli  Freys  ^  thviat  ver  böfum  leingi  bönum  thionat, 
ok  hefr  oss  vel  d^gat.'  Olafr  berief  sie  zu  einer  versam- 
lung  und  entscblofs  sich  den  götzen  selbst  zu  zerstören, 
er  schifte  zu  der  küste  bin,  wo  der  tempel  (hof)  erricli- 
tel  war;  als  er  landete,  weideten  da  des  gottes  p/erde 
(thd  sdtt  bans  menn  stödhross  nockr  vidb  vegin,  er  their 
sögdu  at  bann  Freyr  aetti.)  der  künig  bestieg  den  hengst 
und  liefs  seine  boflcute  die  Stuten  nehmen,  so  ritten  sie 
wi  dem  tempel,  Olaf  trat  vom  pferd,  gieng  hinein,  warf 
die  götzen  (godhin)  um***),  nahm  aber  Freys  bild  mit  sich 
li^g.  Als  die  Thraendir  ihre  götter  geschändet  und  Freys 
bild  fortgeführt  fanden,  merkten  sie  wol,  dafs  es  der 
könig  getban  hätte,  und  giengen  zur  versamlung.  der 
künig  liefs  das  bild  im  tbing  aufstellen  und  fragte  das 
Volk:  kennt  ihr  diesen  mann?  es  ist  Freyr  unser  golt, 
antworteten  sie.  wie  bat  er  euch  seine  macht  erwiesen? 
er  hat  oft  mit  uns  geredet,  das  zukünftige  geweissagt, 
frieden  und  fruchtbarkeit  verlieben  (veitti  oss  dr  oc  fridh.) 
der  teufel  redete  mit  euch,  sagte  der  könig,  nahm  eine 
axt  und  rief  dem  bild  zu:  hilf  dir  jetzt  und  wehre  dich, 
wenn  du  magst.  Da  Freyr  fortwährend  schwieg,  hieb 
ihm  Olafr  beide  bände  ab,  und  predigte  darauf  dem  volk, 
wie  diese  abgötterei  aufgekommen  sei.     Die    ganze    erzäh- 

*)  nannte  der  lieide  einen  gott  den  er  vorzuglich  verehrte  sei- 
»eo  freimd  (Ww)?  mir  fällt  auf,  daf«  der  aasdruck  vinr  gerade  bei 
Freyr  aoch  sonst  vorkommt  (s.  13T.  138):  ist  Frejs  vinr^  Freävine 
dieses  gottes  schutzlin?? 

••)  cd.  skalh.  1698.  1690.  2,  190  cap.  49;  fomm.  sog.  2,  189 
\^i  dies  cap.  weggeblieben.  Wenn  auch  neuerer  zusatz  hatte  es  als 
bedeutsame  uberllefernng  im  anhang  platz  verdient. 

***)  es  standeo  also  noch  andere  bilder  aufser  Freys« 


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378  PFERDE 

liing  trägt  späteres  gepräge  an  sich ,  ist  aber  doch  aus  der 
iiord.  tradition  hervorgegangen  uud  bestätigt  uns,  dafs 
dem  Freyr  pfercle  geheiligt  wui*den_,  die  man  in  dem 
geweihten  wmirez«  seiner  tempel  unterhielt.  Vermut- 
lich hatten  auch  die  tempel  andrer  götter  solche  pferde? 
die  thiere,  welche  Wilibrort  in  Fosetes  heiiigthum  wei- 
dend antraf  (8.144),  waren  scliwerlich  pferde,  weil  er 
sie  sonst  nicht  zur  speise  h.^ttc  schlachten  lassen;  aber 
die  sitte,  den  göttern  geweihtes  vieh  aufzuziehen,  wird 
dadurch  nichtsdestoweniger  bezeugt.  Einzelne  thiere,  sclieint 
es,  Avurden  aufserdem  von  besonderen  Verehrern  des  got- 
les  unterhalten,        .o- 

Diese  zucht  reiner  und  geweihter  rosse  diente  zu  hei- 
ligen gebrauchen,  namentlich  zu  opfern,  Weissagungen 
und  für  den  umzug  der  gölterwagen.  liire  mahnen  wur- 
den sorgsam  genährt,  gepOegt  und  geschmückt,  wie  die 
benennung  Faxi  anzeigt ;  vermutUch  wand  oder  flocht 
man  gold,  silber  und  bänder  in  die  locken  {GidlJaxL 
Skinfaxi);  mün  glöar  ()uba  splcndet)  Ssßm.  92»  Ij^sir 
mön  af  mari  (lucet  juba  ex  equo)  Saem^  32^,  wie  das  lat. 
}ubar  an  )uba  erinnert,  weil  die  mahne  strahlt  und  das 
licht  haarartige  strahlen  wirft.  Gulltoppr^  Siljrintoppr 
hiefsen  rosse,  deren  schweif  (toppr)  mit  gold  oder  silber 
bewimden  war.  Sn.  44.  Gyllir  und  Gier  (golden,  glän- 
zend) Sn.  44  können  sie  davon  oder  auch  von  dem  gold- 
nen  beschlag  ihrer  hufe,  von  Vergoldung  des  zaums  und 
satteis  genannt  sein.  Unter  allen  färben  galt  die  iPeifse 
für  die  edelste,  auch  könige  zogen  auf  weifsen  rossen 
ein  und  belehnten  sMi  wei/sen  rossen  sitzend. 

Tacitus  (Germ.  9.  lo),  nachdem  er  gesagt  hat  Incos 
ac  nemora  consecrant',  fügt  hinzu :  *propriiun  gcntis,  egno-- 
rum  quoque  praesagia  ac  monitus  experiii.  publice 
aluntur^  iisdem  nemoribus  ac  lucis,  candidi  et  nullo 
niortali  opere  contacti,  quos  pressos  sacro  curru  sa- 
cerdos  ac  rex  vel  princeps  civitatis  comitantur,  hinni- 
tusque  ac  fremitus  observant.  nee  uUi  auspicio  major 
fides  non  solum  apud  plebem,  sed  apud  proceres,  apud 
sacerdotes:  se  enim  ministros  deorum,  illos  conscios 
putant.  diese  heiligen  tliiere  sind  mitwisser  der  götter  und 
können  deren  rathschläge  oiTenbaren.  Noch  der  indiciilu« 
paganiarum  cap.  xiu  redet  de  auguriis  equorum ,  ohne 
sie  näher  zu  schildern  ;  pferdegewielier  ist  heübriDgcndes 
zeichen  (abjrgl.  no.  239.)  *) 

*)  was  det  athem  des  schwetos  verunreinigt  hat»   Mellt  der  ^^ 

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PFERDE  379 

Uod  wie  in  Miiiiirs  abgehaueuem  kaupte  seine  Klug- 
heit forrdaiierle  (s.  222) ,  scheint  das  heidentluim  mit  ab- 
geschnittenen,  aufgerichteten  pferdehäuptern  vielfachen 
Zauber  getrieben  zu  haben,  in  einem  kindermärchen  (no. 
89)  wird  des  treuen  Falada  haupt  über  das  thor  gena- 
gelt  und  die  künigstochter  führt  mit  ihm  gespräch.  dieses 
abschneidens  und  aufslellens  der  pferdehäupler  habe  ich 
schon  8.  27.  28  ervväimt  als  einer  uralten  deutschen  sitte. 
Id  Scandin»vien  steckte  man  pferdehäupter  auf  Stangen 
und  richtete  den  mit  hölzern  aufgesperrten ,  gähnenden 
rächen*)  nach  der  gegend,  woher  der  angefeindete  mann, 
dem  man  schaden  wollte,  kommen  muste.  das  hiefs  neid-- 
slaoge,  Saxo  gramm,  p.  75:  immolati  diia  equi  ab- 
scissum  Caput  conto  excipiens  suhjectis  stipitibus  dis- 
tentos  jaucium  rictus  aperuit^  sperans  se  primos 
Erici  conatus  atrocis  spectaculi  formidine  frustraturum. 
arbitrabatur  enim  ineptas  barbarorum  mentes  oblatae  cer- 
vicis  terriculamento  cessurasi  et  jam  Ericus  obvium  illis 
iter  agebat.  qui  prospecto  eminus  capite  obscoenitatis  ap- 
paratum  intelligens,  silere  socios  cautiusqiie  se  gerere  ju- 
1)et,  nec^  quemquam  temere  praecipitare  sermonem,  ne 
incauto  effamine  ullum  maleficiis  instruerent  locum,  ad)i- 
ciens  si  sermone  opus  incideret  verba  se  pro  omnibus 
habiturum.  jamque  medius  illos  amnis  secreverat,  cum 
magi,  ut  Ericum  pontis  aditu  deturbarent ,  contuni^  quo 
equi  Caput  refixerant  ^  fluvio  citimum  locant.  ille  ni- 
hilominus  pontem  intrepide  aggressus,  *in  lalorem'  inquit 
'gestaminis  sui  fortuua  recidat,  nos  melior  consequatur 
eventus.  male  malcficis  cedat,  iofaustae  molis  gerulum 
onus  obruat,  nobis  {lotiara  tribuant  omina  sospitatem!' 
Nee  secus  quam  optabatur  evenit:  continuo  namque  ex- 
cassa  ccrvice  ruens  ferentem  stipes  oppressit.  Egilssaga  p. 
389:  Egill  tök  t  hönd  ser  heslis  staun g  ^  ok  gcck  k 
bcrgsnaus  nockura,  thii  er  vissi  til  laiids  inn.  tha  tök 
bann  firosshöfudy  oh  setti  upp  d  staun gina.  sidan 
veiui  hann  formAla  ok  mielti  sva:  'her  set  ek  upp  nidh^ 
staung  ok  sny  ek  tliessu  nidhi  d  hönd  EirJki  koni!ingi  ok 
Oimnhildi  dröttntngu.'  hann  sneri  hrossliöfdinu  inn  d 
larid.     Andere  mal   »urde  ein    menschcnhaupt  (aus  holz) 


jjferds  wieder  her  (abergl.  820.  gcliwed.  92),  das  pferd  ist  ein  rei- 
nes thier,  einer  gebälirenden  hilft,  dafs  das  pjerd  aus  ihrer  schürze 
fresse  (abergl.  337.) 

•)  aacb  wolfshäupter  wurden  so  mit  haselstahen  gesperrt  und 
aufgehangen,  Isengrim  646.  647.  648.  Reinardus  3,  293.  312. 
Reiuhart  eiuleitung  s.  lxix. 


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380  PFERDE 

geschnitzt;  auf  eine  Stange  befestigt^  diese  aber  in  die  brnst 
eines  geschlachteten  pfcrdes  gesteckt*)  Vatnsd.  p.l42:  lö- 
kiiU  skar  karls  höfiit  d  sülu  endann  okristi  SrAnar  med  öllum 
tbeim  forin^a  sem  fyrr  var  sagdr,  sjdhan  drap  lökull  mer  eina, 
ok  opnudu  bana  bia  briostinu,  ok  fcerdu  d  eüluna,  ok  l^ii 
borfa  bein)  A  Borg.  Es  ist  der  beacbtung  wertb ,  dafs  bis 
auf  den  beutigen  tag  in  einem  tbeiie  Niedersacbseus  (Lü- 
neburg und  Holstein)  die  bauembäuser  auf  dem  giebei 
geschnitzte  pferdeköpfe  baben :  man  siebt  es  als  blofse 
auszierung  des  dacbgebälkes  an,  die  sitte  kann  aber  vreit 
binauf  reicben  und  mit  dem  beidniscben  glauben  zusam- 
menbängen,  dafs  durcb  die  auswärts  scbauenden  häupter 
von  den  bäusern  unbeii  abgebalten  werde.**)  Fraetoriu» 
(weltbescbr.  2,  162.  163)  erzäblt,  die  undeutscben  leute 
(Wenden)  pflegten  zur  abwebrung  und  tilgung  der  Vieh- 
seuchen inn  ihre  stalle  herum  häupter  von  todten  pf er- 
den und  hallen  auf  zaunstaken  zu  stecken;  auch  ihren 
pferden,  welche  nachts  vom  mahr  oder  leeton  matt  und 
müde  geritten  würden,  einen  pferdekopf  unter  das  futter 
in  die  krippe  zu  legen,  das  hemme  die  macht  des  geistes 
über  das  tbier.  Wahrscheinlich  meint  das  abergläubische 
vergraben  des  todtenkopfs  im  stall  (no.  815)  den  eioei 
pferdes.***)  Auch  das  werfen  des  pferdehaupts  in  die 
Johannisflamme  (s.  351)  sollte  zauberhaft  wirken,  f) 

Des  Praetorius  nachricht  zeigt,  dafs  die  Slaven  mit 
den  Deutschen  in  diesem  pferdecultus  übereinstimmten, 
hierfür  fehlt  es  aber  nicht  an  merkwürdigeren  äheren 
Zeugnissen.  Dietmar  von  MersebvTg  (Wagner  151)  meldet 
von  den  Luitizern  d.  h.  den  Wiizen :  terram  cum  tremore 
infodiunt,   quo  sortlbus   emissis  rernm  certitudinem  dubia- 

*)  vgl.  abergl.  838  das  setzen  der  weide  In  das  maul  des  tod- 
ten füllen«. 

**)  aus  der  heidnischen  sitte  des  thierhanptaufsteckens  deotea 
sich  uralte  Ortsnamen  in  Deutschland  und  Frankreich ,  z.  b.  Berhaup- 
teilt  THerhauptejiy  Roshaupten  (Schm.  2,  223.)  ad  locum  qui  noB- 
cupatur  Caput  cahallinum  (Pertz  2,  278.)  ad  locum  qui  vocatir 
Caput  equi  (vita  S.  Magni ,  bei  Canisius  lect  ant  1 ,  667),  bei  Gold- 
ast (scr.  rer.  alem.  1.  2,  198)  mit  dem  zusatz:  et  idcirco  vocatos  eit 
ille  locus  Caput  equi,  quia  omnes  venatores  reliquerant  ibi  suo8  ca- 
ballos  et  pedestres  ibant  ad  venandum :  offenbar  eine  falsche ,  spätere 
deutuiig ,  wie  denn  üherhaupt  dieses  leben  des  heil.  Magnus  (Mag- 
noald,  Mangold)  mehrfach  interpoliert  ist,  vgl.  Mabillon  acta  Beoed. 
sec  2.    p.  605. 

***)  vgl.  fomald.  sog.  2,  1^8.  300  was  von  dem  hrosshaus  des 
Faxi  erzählt  wird. 

f)  wozn  haben  die  manche  im  kloster  ein  caput  cabaUinam? 
Reinardus  9,  2032.  2153. 


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PFBADE  881 

rum  perquiraQt.  qulbtis  finitis  cespite  viridi  eas  aperien- 
le»,  equimij  qui  maximus  inter  alios  habetur,  et  ut  sa-^ 
cer  ab  hia  vener atur,  super  fixas  in  terram  duortim 
euspides  liastiliuni  inter  se  transmissoritfn  supplici 
obsequio  ducunt,  et  praemissis  sortibus ,  quibiis  iJ  ex- 
plicavere  priiis,  per  hunc  quasi  äii^inutn  deuuo  augur- 
rantur;  et  si  in  duabus  bis  rebus  par  omen  apparet, 
factis  compietur;  sin  autem,  a  Irislibus  populis  hoc  x>ror- 
8U8  omittilur.  Die  vtta  beati  Ottonis  episcopi  bainbergen- 
BiB,  verfafst  von  einem  gleichzeitigen  ungenannten  (bei 
Canisius  111.  2,  70)  erzälilt  lib.  2  cap.  22  umständlicher 
von  den  Pommern,  welche  Otto  im  j.  1124  bekehrte: 
habebant  caballutn  mirae  magnitudinis  ^  et  pinguem, 
nigri  coloris ,  et  acrem  valde.  iste  toto  anni  tempore 
vocabaty  tantaeque  fuit  sanctitatis  ^  ut  nulluni  diguare- 
lur  sessorem;  liabuitque  unum  de  quatuor  sacerdotibus 
templorum  custodem  dUigentissimum.  Quando  ergo  itinere 
len'estri  contra  hostes  aut  praedatum  ire  cogilabant^  even- 
tum  rei  hoc  modo  solebant  praediscere.  hastae  novem 
disponebanUir  humo,  spatio  unius  cubili  ab  iuvicem  se- 
paratae.  stiato  ergo  caballo  atque  frenato  sacerdos,  ad 
quem  pertxnebat  custodia  ilJius ,  tcutum  freno  per  jacen^ 
tes  liastas  transversam  ducehat  ter  atque  reducebat. 
quod  si  pedibus  inoiTensis  hastisque  indisturbatis  equus 
trausibat  9  Signum  habuere  prosperitatis,  et  securi  per- 
gebant,  sin  autem,  quiescebant.  Hiernach  wiu»de  durch 
neun  ellen^eit  von  einander  liegende  Speere,  nach 
Dietmars  älterer  meidung  über  die  Spitzen  zu^eier  ver- 
schränkter Speere  das  heilige  ros  geleitet;  es  kann  aber 
bei  den  Lutizeru  damit  anders  gehalten  worden  sein  als 
bei  den  Pommern.  §axo  gramm.  p*  321  erzählt  die  Sa- 
che von  den  rügischen  Slaven  wieder  anders  ♦  praete- 
rea  peculiarem  albi  coloris  equum  titulo  possidebat  (nu- 
men),  cujus  y^^6ae  aut  caudae  pilos  convetlete  nefarium 
ducebatur.  hunc  soll  sacerdoti  pas(^endi  insidendique  jus 
eratj  ne  divini  anininlis  usus  quo  frequentior  hoc  vilior 
baberetur.  In  hoc  equo^  opinioue  Rugiae,  Sifdntoviiua 
(id  simulacro  vocabulvim  ei*at)  adversum  sadrorum  suorum 
hostes  bella  gerere  credebatur.  cujus  rei  praecipuum  ar- 
gumentum exstabat,  quod  is  noclurno  tempore  slabulo 
iusistens  adeo  plerumque  m^e  sudore  ac  luto  resperöus 
videbatur*),  tanquam  ab  exercitatione  veniendo  magnorum 

*)  wie  das  vom   nachtgiii^t  gerittene  pfcrd  frahmorgens   staubig 
uad  »chweiföig  dasteiit  («,  380.) 


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882  PFERDE 

idnerum  spada  percuirisset.  Ausqyicia  quoqae  per  eun- 
(lem  equum  hujusmodi  sumebantur.  cum  bellum  adver- 
8um  aliqiiam  provinciam  suscipi  placuisset,  ante  faniim 
triplex  hastarum  ordo  ministroriim  opera  disponi  solc- 
bat,  in  qiiorum  quolibet  blnae  e  transi^erso  junctae^ 
conversls  in  tcrram  cuspidibus  figcbantur,  aequali  spacio- 
rum  maguitudine  ordiues  disparante.  ad  qnos  eqnus  du« 
ctandae  expeditionis  tempore  solenni  precatione  praemissa 
a  sacerdote  c  vestibulo  cum  loramentis  productus ,  si  pro* 
positos  ordines  ante  dextro  quam  laepo  pede  transcen* 
deret,  faustum  gerendi  belli  omen  accipiebatur.  sin  lae^ 
vum  vel  seniel  dextro  praetulisset ,  petendae  provinciae 
propositum  mutabatur.  Diese  Schilderung  ist  noch  genauer; 
das  heilige  hier  der  gouheit  selbst,  die  es  zu  nacht  be^ 
steigt,  beigelegte  ros  "wird  dreimal  über  zwei  gekreuzt  ein- 
gesteckte, also  über  sechs  Speere  geführt,  und  mul's  je* 
desmal,  ^yenn  die  bedeutung  glücklich  sein  soll,  mit  dem 
rechten  fufs  zuerst  vorschreiten:  hat  es  nur  in  einer  reihe 
den  linken  vor  dem  rechten  erhoben,  so  steht  unheil  bevor, 
die  färbe  des  rosscs  wird  weifs  ^  wie  bei  Tacitus,  niciit 
sc/uparz,  wie  bei  dem  lebensbeschreiber  Ottos  angegeben. 

Nach  der  chronica  augustensis  ad  a.  1068  (bei  f reher 
1 ,  349)  halle  der  halberstädler  bischof  Burcard  den  Lu- 
tizern  ihr  heiliges  pferd  weggenommen  und  war  seihst 
darauf  nach  Sachsen  heim  geritten:  Burcardus  halbersta-» 
tensis  episcopus  Luiticiorum  provincian'i  ingressus  inceadit, 
vastavit,  avectoque  equo^  quem  pro  deo  in  Rheda*)  co^ 
lebant^    super  eum  sedens  in  Saxoniam  redüt. 

Darf  man  nun  folgende  Vorstellung  fassen :  Dietmar 
und  der  augsburger  annalist  meinen  des  Radigast  zu  Rbe- 
Ira,  8axo  und  der  airtor  der  vita  Ojtonis  des  Svatovit  zu 
Arkona  heiliges  pferd?  jedem  dieser  gotter**)  waren  ros« 
geweiht  und  vielleicht  noch  andern.  So  mögen  auch  in 
Deutschland  mehrern  gottheitcn  rosse  geheiligt  und  Weis- 
sagungen unter  ähnlichen  gebrauchen  damit  gepflogen  wor- 
den sein,  namentlich  dem  Frouwo  (s.  376.  377)  iind  Wuo-* 
tan  (s.  104.) 


•)  nicht  *ln  rheria'  (Wedeliinds  noten  1,  173.)  Rhetra,  ein  hanpl- 
ort  des  »lav.  heidenthums,  nach  Adam  von  Bremen  im  lande  der  Re- 
tliarier,  wo  des  Redigost  tempel  steht;  Dietmar  ^ibt  der  Lutiier- 
Stadt,   im  gau  Riedera,    selb.st  den  namen  Riedegost. 

*•)  ßadigast  ist  Mercur  oder  Wuotan;  Perun  ist  Jnpiter  oder 
Donar;  Stfjatouit  ist  Mars  oder  Ziu  (Hankas  altböhm.  gl.  p.  12.  13. 
1 4.)  Letztem  hat  man  vermengt  mit  dem  heil.  Vitas,  sam^^tus  Yltin»' 
vgl.  acta  sanctor.  15  jmi.  p.  10)8. 


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PFERDE  868 

Eiiiige  nachriclitcu  von  verehmng  heiliger  pferde  in 
Ditmarsen  scheinen  bedenklich.  .  Der  Kiqjswold  oder  Rie- 
ßumwold  an  der  grenze  zwischen  Nordor  und  Süderdit- 
marseu  soll ,  der  sage  nach ,  ein  heiliger  wald  gewesen 
sein,  worin  mensche nop Ter  stalt  fanden,  und  weifse^  den 
gÖllern  geweihte  pferde  genährt  wurden.*)  das  ist  nichts 
als  unbefugte  an  Wendung  der  tacitischen  stelle  auf  eine  be- 
stimmte gegend.  Eigen thümlicher  klingt  was  Bolten  1,  262 
dem  verdächtigen  Carsten  nacherzäldt,  bei  Windbergen 
habe  ein  dem  Hesus  (!)  geheiligter  hain  gestanden,  noch 
heute  genannt  Hese  oder  Heseholt.  in  dem  hain  seien 
dem  golt  zwei  weifse  p/erde ,  ein  junges  und  ein  altes, 
gefuttert  worden,  welche  niemand  besteigen  durfte,  aus 
deren  gewieher  und  springen  gute  oder  böse  zeichen  ent- 
nomaien  wurden,  einige  reden  von  zehn  oder  zwanzig 
rossen,  ein  priester  des  gottes  steckte  Stäbe  in  die  erde, 
fährte  das  gezäumte  ros  heran,  und  licfs  es  durch  ge- 
wisse gänge  langsam  über  die  stäbe  springen.  Job.  Adolfi 
d. i.  Neocorus ,  auf  den  sich  dabei  bezogen  wird,  hat 
aber  nichts  von  allem  dem. 

Für  die  heidnischen  Liven  aber  lafst  sich  die  slavi* 
sche  gewohnheit  beglaubigen,  das  chronicon  livonicum 
vetus  meldet  ad  a.  1192  (bei  Gruber  p.  7):  coUigitur  po- 
pulas,  voluntas  deorum  de  immolatione  (fratris  Theoderici, 
cisterciensis)  sorle  inquiritur.  ponitur  lancea,  calcat 
equua :  pedem  uitae  deputatuni  (d.  i.  den  rechten)  nutii 
dei  praeponit.  orat  frater  ore,  manu  benedicit.  ariolus 
deum  Christianorum  equi  dorso  insidere  et  pedem  equi 
ad  praeponendum  movere  asserit,  et  ob  hoc  equi  dorsuai 
tergendum,  quo  deus  elabatur.  quo  facto,  dum  equus 
vitae  pedem  praeponit,  ut  prius,  frater  Theodoricus  vi- 
tae  reservatur«  Hier  traf  also  ein  heidnisches  und  clu:ist- 
liches  wunder  zusammen. 

Auch  altpreussisch  war  dieser  cultus:  Prussorum  ali- 
qui  equoe  nigros^  quidam  albi  coloris,  propter  deos 
«uos  non  audebaut  aliqualiter  equitare.   (Dusburg  3,  5.)**) 

Der  pferddt*pjer  und  des  davon  unzertrennlichen 
pferdeßeischessens  geschah  schon  s.  23 — 30  erwähnung; 
Strabo  berichtet,  dafs  die  Veneter  dem  Diomed  ein  wei- 
fses  pferd  opferten  (V.  1,  9.  Siebenk.  2,  111.)  Die  lu- 
der bringen  mit  feierlicher  zurüstung  grofse  pferdeopfer: 
Merkwürdig  scheint,  was  von  den  Kalmüken  erzählt  wird. 

*)  Falks  samlung  von  abhaiidlungen.   5i  103.    Tondcrn  1828. 
**)  daf«  die  Elifltea  dem  pferd  weissagende  kraft  aiucbreiben  lehrt 
abergl.  no.  35. 


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384  RINDER 

bei  iliDen  sieht  man  eine  menge  aufgestellter  gerüste  mit 
pferdeliäuten  iipd  köpfen  f  Überbleibsel  gebrachter  opfer. 
die  richtung  des  pferdelopjs  nach  osten  oder  westen  be- 
stimmt, ob  das  opfer  einem  guten  oder  bösen  geist  ge- 
bracht wurde.*)  es  gemahnt  einmal  an  jenes  opfermäfsige 
aufstecken  der  pferdehäupter  in  Deutschland  in  bestimmter 
richtung,  das  nach  einführung  des  christenthums  für  bos- 
haften Zauber  galt,  dann  aber  auch  an  die  pira  equinis 
sellis  constructa  des  Attila  bei  Jomandes  und  das  (nj/ta 
der  scythischen  könige  bei  Herodot  (HA.  676.) 

Von  heilighaltung  der  rinder  weifs  ich  -viel  \reniger 
mitzutheilen  ^  wiewol  auch  sie  hin  und  wieder  vorkommt, 
und  schon  darum  nicht  zu  bezweifeln  ist,  weil  rinder 
geopfert  wurden  und  stiere  den  fränkisclien  königswagen 
zogen  (RA.  262.)  während  aber  von  den  pferden  der 
hengst  mehr  als  die  stute  verehrt  wird,  scheint  unter  den 
rindern  die  kuh  den  vorzug  zu  haben,  hühe  waren  vor 
der  Nerthus  wagen,  die  edda  gedenkt  einer  kuh  nameits 
jdudhumla^  welche  bei  dem  ersten  menschengeschleclit 
eine  grofse  rolle  spielt  (8n.  7) ,  und  sicher  für  ein  heiliget 
ihier  galt.  Jenem  glauben  an  pferde  (s.  377)  steht  ein 
'dtrdnadhr  k  kü'  zur  seile,  könig  Eysteinn  von  Schweden 
glaubte  an  eine  kuh,  die  Stbilja  hiefs:  'hun  var  sv4 
miök  blotin,  at  menn  m4ttu  eigi  standast  lut  hennar', 
sie  wurde  mit  in  die  Schlacht  geführt  (fornald.  sog.  1,254 
260.)  könig  Ogvaldr  führte  eine  solche  heilige  huh  über- 
all mit  sich,  zu  wasser  und  zu  land ,  und  trank  bestän- 
dig ihre  milch  (forum,  sog.  2,  138.) 

Wie  die  mahnen  der  pferde  schmückte  man  die  hör^ 
ner  der  kühe  mit  gold :  gallhyrndar  \i^r  (Sasm.  73*  141*  ) 
noch  heute  ziert  der  alpenliirt  die  hörner  des  rinds  mit 
bändern  und  blumen.  den  opferrindern  wird  diese  aus- 
staltung  nicht  gemangelt  haben. 

Das  sanskr.  gdus  (vacca),  thema  gd,  acc.  g4m,  pere; 
ghau,  ghö,  entspricht  dem  ahd.  chuOf  ags.  l-m,  altn.  k^r. 
Ijber  die  Verehrung  der  kühe  imd  rinder  bei  den  Indern, 
Aegy[)lcrn  und  Römern  verweise  ich  auf  A.  W.  Schlegels 
gelehrte  abhandlung.**)  auch  die  Israeliten  brachten  das 
brandopfer  einer  rotheu  kuh  (goth.  kalho),  auf  welche 
noch  kein  joch  gekommen  war.     Mos.  IV,  19^. 

Eber  und  bock  Waren  heilige  opferlhiere  (s.  30.  31),^ 
der  eher  dem  Freyr  (s.  139)y  bücke  und  biegen  demThurt 

*)  Ledebour  reise  nach  dem  Altai.    Berlin  1830.  2,  54.  95: 
**)  ittd.  bibh  2,  288  —  295; 


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BAR         WOLF  t» 

(1.12«)  gewidmet  Auch  die  Slaven  Bchemeii  den  eher 
Yorehrt  zu  liaben:  Hestatur  idem  antiquitas^  errore  dehisti 
Tsrio,  ü  qnando  hls  saeva  longae  rebellionid  asperitas  im- 
mineat,  ut  e  jnarl  piti^diclo  (nahe  bei  Kiedegost)  aper 
magnus  et  candido  dente  e  spumis  lucescente  exeat, 
seque  in  volutabro  delectatuni  terrlbili  quaesatioue  mliltis 
Ö3tendat;'    Diün.  inerseb.  p.  151, 

Nur  hausthiere  ^waren  opferbar.  unter  den  wilden 
waldthieren  gab  es  gleichlrol  einige,  die  der  mensch  mit 
dcheu  betrachtete,  denen  ei*  ehrerbietung  bezeigte:  vor  aU 
len  6a>,  td^olf  und  fuchs*  ich  habe  dargethan,  dais 
diesen  dreien^  nach  weit  und  frühe  in  Europa  verbreite- 
ter sitte,  schtneichelnämen  beigelegt  wurden^),  und  dafs 
imsem  ahnen  der  bar  für  den  köriig  der  tfiiere  galt.**) 
Eine  urk.  v^n  1290  (liangs  reg.  4,  467)  liefert  den  bei- 
bamen  Chuonrat  ^der  fi€iligbär\  wozu  man  den  älteren 
manns  und  frauennämen  altn.  A^biötn^  ags.  Oabeorn^  ahd« 
Jnaperb  und  altn.  jäabirna.,  ahd.  Anspirin  (im  Waltli. 
Ospkn)  halte;  damals  scheinen  noch  imter  dem  volk  sa- 
gen von  der  heiligkeit  des  thiets  im  gang  gewesen«  Es  ist 
uicht  zu  übersehen,  dafs  einzelne  thierfabeln  in  mensch- 
liche mjlhen  verwandelt  werden  oder  umgekehrt,  z.  b»  die 
rolle  des  baren  oder  JuchseB  auf  einen  riesen  oder  den 
teufel  übergeht,  so  findet  sich  die  ehstnische  erzähliuig 
von  dem  mann  der  mit  dem  baren  rüben  und  haber  auf 
(lern  acker  baut  (Reinhart  ccLxxxvui)in  morgenländischer  sage 
von  den  Arabern  und  dem  teufel.***)  dieses  incinander- 
streifen  des  thiermärchens  und  der  übrigen  traditionen  ist 
eine  neue  gewähr  für  die  epische  natur  jenes.  Zwei  wölfe, 
Gtri  und  Freki;  waren  dem  Odhinn  heihg,  ilmen  gab 
CT  2u  fressen  was  ihm  von  speise  vorgesetzt  wurde  (So. 
4),  sie  wären  gleichsam  des  gottes  hunde.  ich  möchte 
wissen,  woher  H.  Sachs  den  bedeutenden  Zug  entnommen 
Hat,  dafs  gott  der  helr  der  wolfe,  als  seiner  Jagdhunde, 
»iA  bedienet)?     Ein  söhn    des   Loki,    def    Fenrisuljr, 


*)  Reinh.  p.  Lv.  cc>  n.  446 ;  überraschend  !«t  die  in  Victor  Ha- 
^  notre  dame  de  Paria  2,  272,  nach  einem  hoch,  oder  mündlicher 
vberliefernng  mitgetheilte  nachricht,  dafs  die  zigenner  den  fuchs 
]>ieäbUu;  coureur  des  hoisj  den  woK  piedgris,  pieddore^  den  baren 
i'Uiue  oder  grandpere  nennen. 

'*)  das.  8.  XLvin  flf.  ccxcv. 

'**)  R&ckerts  gedichte.  Erlangen  1834  p.75;  ans  welclier  arab« 
qaellef 

t)  1$  4Ö9b  ed.  1560:  *die  wolf  er  im  erwelen  gnnd  und  het  sie 
^  ihm  mr  jaghnnd.* 

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886  FUCBS         ADLER         HAHN 

tritt  in  wolJBgestdlt  unter  Jen  göttern  auf}  äberliaupl 
kennt  unser  adtertlium  keine  häufigere  Verwandlung  als 
die  der  menschen  in  werwölfe.  Bär  und  vrolf  sind  sehr 
oft  in  Wappen  aufgenommen,  mit  ihnen  ist  eine  menge 
von  menschlichen  eigeunamen  zusammengesetzt;  keins  von 
beiden  findet  statt  bei  dem  Jitvhs.  dalier  sich  auch  kaum 
mit  dem  fuchs  mythische  vorslelhmgen  verknüpfen;  einige 
spuren  sind  Reinh.  ccxcvi  nachgewiesen/) 

Götter  und  gottinnen  püegen  sich  gern  in  vögel  »u 
verwandehi,  aber  auch  den  riesen  war  diese  gäbe  eigen. 
Tarapila,  der  ehstnische  golt,  fliegt  von  einer  statte  la 
der  andern  (s.  48) ,  die  griechische  vorsteHung  hat  g^flä-' 
gelte  götter,  die  }niische'  geflügelte  cugel,  die  alldcol^ 
sehe  Jungfrauen  mit  schwaaflägeln.  Nordische  götto' 
und  riesen  legen  ein  adlerkleid,  «r//rtr/m/n' an  (s.  361\ 
göttinnen  ein  falkenkleid,  vahliam  (s.  192.)  Der  wind 
wird  als  riese  und  adler  dargestellt  (s.  362.) 

Von  Opferdiensamen  hausvögeln,  namentlich  dem  hakn 
und  der  gans,  sind  mir  wenig  mythische  bezüge  bekaotft. 
Das  feuer  wird  als  rother  haha  geschildert  (s.  340),  H. 
Sachs  sagt:  *den  roten  han  aufs  stadel  setzen^;  ein  däni- 
sches Sprichwort:  *den  rode  hane  galer  over  taget'  (der 
rothe  bahn  kräht  auf  dem  dach,  d.h.  die  flamme  prasselt.) 
rothe  hähne  musten  vorzugsweise  gezinst  (vielleicht  fro- 
her geopfert)  werden  (RA.  376.)  VuluspÄ  54  wird  Fii- 
larr  aufgeführt,  ^fagurraudhr  hani',  im  walde  singend, 
ein  goldkammiger  bahn  erweckt  die  beiden ,  ein  dunkel- 
farbiger kräht  in  der  unterweit.  Vidhofnir,  ein  andrer 
eddischer  bahn  sitzt  auf  Mhnameidhr  (Saem.  109*);  Finn 
Magnussen  (lex.  myth*  824.  1090)  vergleicht  ihm  den  bahn, 
der  auf  maibäume  gesteckt  zu  werden  pflegt.  Die  Wen- 
den errichteten  nach  ihrer  bekehrung  kreuzbäume,  bracL- 
ten  aber  ^  heimlich  noch  heidnisch  gesinnt ,  üt>er  dem 
kreuz   zu  oberst   auf  der   Stange  emen.  ^{fetterhahn  an.**) 


*)  Klaproth  Iiat  aus  japanisclien  bucliero,  dafs  man  in  Japao 
den  fuchs  (iuari)  als  schutzgult  terehrtj  in  vielen  liaiuern,  äuimI 
gerin«?erer  leute ,  sind  ihm  kleine  tempel  gewidmet,  sie  fragen  Uia 
in  schwierigen  dingen  um  rath,  und  atelten  ihm  abends  reis  od^r 
bohnen  hin.  felilt  morgens  etwas  daran,  so  glauben  sie,  der  fucb 
habe  es  verzehrt  und  ziehen  gute  Vorbedeutung  daraus;  das  gegei- 
tlieil  ist  ein  übles  zeichen,  (uouv.  annales  des  voyages.  d^reoibre 
1833  p.  298.)  Sie  halten  ihn  für  einen  kamt,  d.h.  für  die  seele  eia«s 
▼erhtnrhuen  guten  menschen  (das.) 

**)  annalen  der  churbr.  hannoi*.  lande  8  jabrg.  p.  284.  einige  be- 
—         ziehen  den  hahn  auf  Petrus  Verleugnung. 


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VÖGBL  9&t 

In  einem  märchen  (ho.  108)  slWA  HabBineiiiigels  /lalin  auf 
einem  bäum  des  waldes.  Ich  weifs  nicht  genau,  Mrohn 
die  goldnen  häline  auf  hirchthärmen  zuerst  eingeführt 
wurden,  blofse  wetlerfaJmen  sollten  sie  ursprünglich  kaum 
sein.  Guibertus  in  vila  sua,  Hb.  1  cap.  22,  gedenkt  eines 
solchen  gallus  super  turri ;  lin  beginn  des  12  jh*  hersciUe 
also  die  sitte  in  Frankreich,  aber  schon  zwei  Jahrhunderte 
vorher  im  südlichen  Deutschland.  Eckehard  erzälilt  vom 
einbrach  der  Ungern  in  S.  Gallen :  duo  ex  illis  accenduut 
campanariuni,  cujus  eacuminis  gallum  auteum  putantes, 
deumque  loci  sie  vocatum^  nou  esse  nisi  carioris  me- 
taHi  materia  fusum,  lancea  dum  uuus  ut  eum  revellat,  se 
yaliduB  protendit,  in  atrium  de  alto  cecidit  et  periit  (Perta 
2,  105.)  den  Ungarn  erscheint  dieser  hahn  als  gottheit 
des  orls,  -vv-orin  vielleicht  noch  das  zusammentrcil'en  der 
namen  des  heiligen  Gallus  mit  dem  des  vogels  bestärkte; 
sie  verlassen  sogar  aus  scheu  vor  ihm  hernach  das  klo- 
slo::  monasterio,  eo  quod  Gallus^  deus  ejuSy  ighipo- 
tens  Sit,  tandem  omisso  (ibid.  106.)  Zwar  ist  der  hahn 
Symbol  der  Wachsamkeit^  und  dem  Wächter,  damit  er 
alles  überschaue,  gebührt  der  höchste  standpunct'^);  mög- 
lich aber  wäre,  dafs  die  bekehrer,  einen  heidnischen 
brauch,  hahne  auf  gipfeln  heiliger  bäitme  zu  befestigen, 
schonend,  ihnen  auch  eine  stelle  auf  kirchthürmeu  ein- 
iSamten,  und  dcMn  deichen  hernach  nur  eine  allgemeinere 
christliche  deutung  unterlegten; 

An  der  spitze  des  wilden  gevögeis  steht  der  adler  als 
iönig.  In  den  fabeln  scheint  der  rabe  die  rolle  beider, 
des  wolfs  und  des  fuchses  zu  übernehmen,  er  besitzt  die 
frefsgier  jenes  neben  der  klugheit  dieses.  Gleich  den  zwei 
vfölfen  sind  auch  zwei  raben,  HitgInn  xini  Munin n, 
Odhins  beständige  begleiter;  ihre  namen  drücken  denk- 
kraft  und  erinnerung  ausf  die  tragen  ihm  nacliriqht  von 
allen  ereignissen  au.**)  In  Volksliedern  versehen  vögel  ge- 
vföhnlich  bolendienst,  sie  bringen  künde  von  dem  was  vor- 
gegangen ist  und  werden  mit  meidungen  entsendet.    ^ 


♦)  Muoters  Sinnbilder  der  alten  Christen  ^..55.  Da  Gregor  der 
gTofse  gallus  durcli  praedlcator  auslegt  (opp.  Paris  1705.  1,  959.  961) 
und  audi  den  specnlator  auf  den  praedicator  bezieht,  so  könnte  er 
ia  folgender  stelle  an  den  hahn  gedacht  liabeU)  obgleich  er  ihn  nicht 
nennt:  speculator  semper  in  altitudine  stat,  ut  quidquid  venturum  sit 
longe  prospiciat  (ibid.  1 ,  1283.) 

•*)  in  einem  slovenischen  marchen  besitzt  jemand  einen  raben 
(»^(ino),  der  allwissend  (j/idesK)  war  und  ihm,  wenn  er  heimkehrte, 
alles  erzählte    Miirkos  slo?en.  deuUches  wb.     Orätz  1833.  p.  696. 

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im  SPECHT         SPERBER 

In  den  sagen  reden  vögel  untereinander  voh  dem  g^ 
scliick  der  menschen  und  weissagen,  toben  Yerkündigen 
dem  blinden  das  mittel,  wodurch  er  wieder  zu  seinen 
äugen  gelängt,  hausvögel  be8[n*echen  sich  von  dem  be- 
vorstehenden Untergang  der  bürg  (deutsche  sag.  1,  20Z) 
Ein  weiser  vogel  (fugl  fiödlihugadlir)  wird  in  der  Hei* 
gaqvidha  (Sa^m.  140.  141)  redend  und  weissagend  einge- 
iüiirt  und  er  fordert,  wenn  er  mehr  aussagen  solle,  von 
dem  menschen  opfer  und  tempeL  In  jener  deutschen 
sage  erwirbt  sich  der  mensch  das  Verständnis  der  vögtL^ 
spräche  durch  den  geuufs  einer  weijaen  schlänge*)  Si* 
gurdhr  versteht  sie^  sobald  des  drachen  Fafnir  herzblut 
von  den  fingerspitzen  auf  seine  zunge  kommt:  es  sind 
schwalben  (igdhoi)^  die  ihm  rathschlag  ertheilen  (Ssem« 
100.  19  t.)  Schwalben  zu  tödteu  bringt  unheil^  nach 
abergl.  378  verursacht  es  vierwochenlangen  regen« 

Den  alllat.  Völkern  wai*  der  specht  besonders  heil^ 
er  galt  für  den  vogel  des  Mars;  den  Sabinern  weissagte 
ein  auf  hölzerner  seule  {inl  xeovos  ^vkh'ov)  stehender 
specht  im  hain  bei  Matieua  (oder  Matiera  Dion«  hal«  1,  14. 
Reiske  p.  40.)  Dem  Romulus  und  Remus ,  als  der  wüifin 
milch  nicht  genügte^  trug  er  andere  nahrung  herbei  (Ovid* 
fast.  3,  37.  54  vgl.  INiebuhr  1,  245.)  Nach  Virg.  Aen.  7, 
189.  Ovid.  metam.  iA,  321  war  Picus  söhn  des  Saturu, 
vater  des  Faunus,  und  wurde  in  den  vogel  verwandelt 
In  unsei^n  thierfabeln  ist  dem  specht  keine  rolle  ange- 
wiesen, nur  in  einer  alles  Zusammenhangs  entbehrenden 
erzäblung  (Reinh.  419)  wird  er  mit  dem  wolf  sich  unter- 
redend aufgeführt.  Die  Wotjaken  erzeigen  dem  baumh^ 
ckenden  specht  göttliche  ehre,  damit  er  ihren  wäldem 
nicht  schade.**)  den  Serben  heifst  das  geschrei  des  bauBi« 
hackenden  Spechts  (zhunja)  klitschi,  kliknuti,  kliktatit 
gleich  dem  der  vila  (oben  s.  245.)  Die  ehter  (pica)  ist 
ein  dem  specht  (picus)  nahstchender  vogel.  in  Foitou 
dauert  noch  eine  spur  des  cultus  fort,  welcher  ihr  vor 
alters  gezollt  wurde,  auf  den  gipfel  eines  hohen  baoms 
wird  ein  slraufs  von  beide  und  lorbeer  der  elster  su  eh" 
ren  angebunden,  weil  sie  den  einwohnern  durch  ihr  ge- 
schrei den  nahenden  wolf  anzeigt:  porter  la  cröpe  ä  la 
pie.     (mcm.  des  antiq.  8,  451.) 

In  altböhmischcn  liedem  ist  der  sperber  (krahui,  kra- 
buicc)    ein   lieiliger  vogel    und    wird    im  göltcrhaiu   gehegt 

•)  audi  KM.  1.  no.  17. 

**)  Rytsclikows   rcUc   durch   das    rass.  reich,    üben,   vob  Oase. 
Riga  1774  p.t24. 


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KUKUK  '  889 

(kSnlgbli.  h«.  72.  80.  J60.)  auf  den  ästen  der  eiche, 
die  au8  dem  grabe  de»  ersclüagnen  spriefst,  sitzen  heilige 
Sperber,    und  verkünden  den  moixl. 

Keinem  andern  vogel  yriv^  a]}ev  allgemeiner  die  gäbe 
der  vreissagnng  beigelegt  als  dem  tutuk*),  dessen  laute, 
gemessene  stimme  im  neubelaubten  hain  erschallt.  Den 
beginn  des  lenzes  drückt  im  altdeutschen  recht  die  Formel 
»US  'wann  der  gauch  gu}:eV  (RA.  36),  wie  nach  Hesiods 
hauslehren  der  rufende  kukuk  die  zeit  des  fallenden  saat- 
regens  verkündet.  Zwei  alte  Heder  schildern  ,den  frühlings 
und  winters  Wettstreit  über  den  kukuk,  und  der  hirten 
kluge  um  ilmi  der  frühling  pi-eist,  die  tMft  hiems  schilt 
den  vogel,  die  hirten  stellen  ihn  als  geraubt  oder  ersäuft 
dar,   merkwürdig  ist  die  zeile 

tempus  adestWeris,  cuculns  modo  rumpe  soporem.**) 
Er  kündigt  durch  seinen  ruf  die  lieblichste  zeit  des  jahres 
an,  dafs  er  den  menschen  weissage  wird  hier  niclit  ge- 
sagt. Noch  jetzt  aber  dauert  der  Volksglaube,  wer  im 
frühling  zum  erstenmal  das  sdirelen  des  kukuks  vernehme, 
könne  von  ihm  die  zahl  seiner  übrigen  lebensjahre  erfra- 
gen (abergl.  197.  schwed.  1^9.  dän.  128.  146.)  in  Nie- 
dersachsen  ruft  man  ihn  an : 

kukuk  vam  häven, 

wo  lang^  sali  ik  lev^n? 
lind  dann  gibt  man  acht    und  ssählt:    wie  vtelmal  der  vo- 
gel nach  der  anfrage  ruft,    $oviel   jähre   sind    dem   fragen- 
den übrig  zu  leben  (Schütze  holst,  idiot.  2,  363.)     In  an- 
dern gegenden  ***)  lautet  der  spnich: 

kukuk  y    beckenknecht, 

0  gptli.  gäaks?  ahd,  gQuli  (Hoffin.  5,  6)  ags.  geAc,  aKiL  gaukr, 
Iplid.  goucli  MS.  2,  13|l>,  daiiebeu  gucgouch  MS.  I,  132a,  gng- 
goach  MS.  1,  166«,  abd.  gukuk>  kukuk,  oberdeutsch  guggaucb, 
gnUgoBch. 

••)  beide  eclo^en  in  Doraavii  amphitbeatrum  466.  45Tj  wo  sie 
dem  Beda  beigelegt  sind ,  ein  gleiches  ge^ciueJit  bei  (^eyser  p.  207» 
nach  welchem  sie  zuerst  iu  der  fraiikf.  ausg.  der  pvldischen  amatorien 
Yon  1610  p.  190  gedruckt  worden  sein  sollen,  indessen  theilt  Oudin 
(die  Script,  ec^es,  2,  327.  328  ed.  Ups.  1722)  den  conflictus  veris  et 
|i|eii]is  mit  unter  dem  ni^men  des  3i//o  sancti  Amandi  elnoneiisis  mo- 
nacl^us  (ans  der  ersten  Irnlfte  des  9  jli.^  und  das  zweite  gediclit  de 
morte  cuculi  findet  sich  in  Mabillons  anal.  1^  369  als  uilcuini  versus 
de  cuculo.  Immerhin  fallen  beide  in  das  8  oder  9 Jh.;  in  correption 
der  penultimnr  vo^  cnculus  stimmen  sie  zu  Reinardus  3,  528. 

•••)  Äegi<L  Albertini  narreohatz,  Augsb.  1617  p.  95:  inmassen 
jenem  alten  weib  beschehen,  welche  einen  guguck  fragte,  wie  vil 
jar  sie  noch  zu  let>eu  hette?  der  guguck  fleug  au  flinfmal  guguck  zu 
•iogen ,  da  vermaiate  sie  daCi  sie  noch  fünf  jar  zu  leben  bette  u.  f.  w. 

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am  KURUK 

sag  nur  reckt, 

wie  viel  jalir  ich  leben  toll? 
der  vogpl,  wird  erzählt,  sei  ein  veryKinscht^r  beeker 
oder  iiuillerknecht ,  und  trage  darum  fahles,  melübc- 
staubtes  gefied^r.  in  theurer  »eit  habe  er  den  aroien  leu- 
ten  von  ihrem  teig  gestolen,  und  wenn  goll  den  teig  im 
ofen  segnete,  ilm  herausgezogen ,.  bezupft;  und  jedesmal 
dabei  gerufen  *gukuk!'  (ei  sieh!)  darum  strafte  ihn  gott 
der  herr  und  verwandelte  ihn  in  einen  raubvogel,  der  un- 
aufliörlich  dieses  geschrei  wiederholt.*)  Gewis  wurde  die 
sage  von  der  Verwandlung,  die  uralt  sein  mag,  früher 
ganz  anders  erzählt,  mit  jener  theuerung  kann  zusammen- 
hängen, dafs  des  kukuks  ruf,  wenn  er  nach  Johannis 
vernommen  wird,    theuerung  bedeute   (abergl.  228.) 

In  Schweden  weissagt  er  ledigen   mädchen,    wie  viel 
jähre   sie    unverheu'atet    bleiben   sollen:  *^ 
göh^  göh^   silk  pä  quist, 
säg  mig  vist, 
hur  manga  är 
jag  ogift  gär? 
ruft  er  öfter  als  zehnmal,    so    sprechen    sie,    er  sitze  ^/Ä 
galen  qutsi;\   auf  einem'  nän*ischen  (verzauberten)  zweige, 
und    achten    seiner   Prophezeiungen    nicht.     Auch  soll  auf 
die  hioimelsgegend  viel  ankommen,   aus  welcher  man    den 
kukuk  zuerst  hört,     man    soll   im  frülüing  genau  acht  ge- 
ben :    hört  man    ihn  von   norden  (d.  h.  der    unglückücben 
Seite),   80  wird    man    des  jahrs    trauer  haben,    von  osten 
und  Westen  bedeutet  sein  ruf  glück ,  von  süden  her  ist  er 
der  bu  Herausrufen    ^östergök  är  tröstegök,    vestergök  är 
bästagök,    norrgö'k  är  sorggök,   sörgök  är  smörgok.'**) 

In  Gölhes  frühlingsorakel  verkündet  der  prophetische 
vogcl  einem  verliebten  paar  nahende  hochzeit  und  zahl 
der  kinder. 

Auffallend  genug,  dafs  die  dichter  des  13  jh.  in  ihre« 
liedern  den  kukuk  nicht  wahrsagend  einfülireii^  die  Sache 
war  ohne  zweifei  damals  scKon  allgemein  bekannt.  Cae- 
sarius  heisterbac.  5,  17:  narravit  nobis  anno  praelerito 
(?  1221)  Theobaldus  abbas  eberbacensis ,  quod  quiilam 
couversus,  cum  ue&cio  quo  tenderct  et  avem,  quae  t-wrtf- 
las  dicitur  a  vQce  nomeu  liabcns,  crebrius  cantantttii 
iiiulu'el,  viccs  iiUerruplionis  numeravit,  et  viginti  du« 
iuvenieus,    easque    quasi   pro   omiue    acoipiens  pro  annu 


•)  vgl.  Piaetorius  wellbeschr.  1,  656.   2,  491. 
**)  Arndts  reiae  durch  Scliwe<ictt  4,  6  —  7. 


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RUKUK  m 

totidem  vlces  easdem  aibi  computapit:  ^eia'  inquit  ^ceiie 
Tigiuti  duobus'annis  adliuc  vivam,  ut  quid  tanto  tempore 
mortificem  me  in  ordine?  redibo  ad  seculum,  et  seculo 
deditus  vigintl  annis  fruar  deliciis  ejus,  duobus  annis, 
qui  8upei*suat,  poenitebo.'  Im  couronnemens  Renart  ver- 
nimmt der  fuchs  des  vogels  stimine  und  legt  ihm  die  frage 
vor:  a  cest  mot  Renart  le  cucu 

entent,   si  jeta  un  faus  ris, 

*>ou  te  conjur',    fait  il  ^de  cria, 
215     ciTcua,   qae  me  dies  le  voir, 

quans  ans  jai  ä  pipre?  savoir 

le  veil',*)   cttcu,    en  preu  cucU| 

et  deus  cucu^    et  trois  cucu^ 

quatre  cucu,    et  cluc  cucu, 
220     et  sis  cucu^  et  set  cucu, 

et  uit  cucu,   et  uuef  cucu, 

et  dis  cucu,    onzc  cucu, 

douze  cucu,    treibe  cucu* 

ataut  se  taist,    que  plus  ne  fu 
225    11  oisiaus  illuec,    ains  s'envoUe; 
erfreut  briogt  Renart  seiner  frau  die  nacbricht,    dal's  ihm 
der  vogel  noch  ^treize  ans  d'ad'  zugesprochen  habe. 

Den  Polen  heilst  der  vogel  zezula,  den  Böhmen  ze- 
ätliule  (beidemal  fem,)  in  der  altpoln.  chronik  des  Pro- 
ko6z,**j  p.  113  der  lat.  ausg,,  findet  sich  folgende  merk- 
würdige  erzählung  von  dem  cullus  des  slav.  gotles  Zywie : 
divinitati  Zywie  fanum  exslruclum  erat  in  monte  ab  ejus- 
dem  nomine  Zywiec  dicto,  iibi  primis  diebus  mensis  maji 
ianumerus  populus  pie  cönveniens  precabatur  ab  ea,  quae 
yitae***)  auclor  habebatur,  longam  et  prosperani  valetudi-. 
nem.  Praecipue  tarnen  ei  litabatur  ab  iis,  qui  primum 
cantum  cuculi  audipissent,  ominantes  superstitiose ,  tot 
annos  se  victuros^  quolies  vocem  repetiisset.  Opinaban- 
tur  enim  supremum  hupe  univerjsi  moderatorem  transfi^ 
gurari  in  cuculum^  ut  ipais  annunliaret  vitae  tempora; 
unde  crijiuni  ducebalur,    capilalique  pocna  a  magistratibus 


•)  hier  scheint  eine  zeile  zu  mangeln,  worin  gesagt  ist,  dafs 
der  vogel  seinen  schrei  beginnt,    en  preu  cucu,   als  kluger  Icnlcuk. 

**)  kronika  polska  przez  Prokosza.  Warsz.  1825  und  lateinisch 
clironicon  slavpsarniaticuni  Procosii.  Varsav.  1827;  angeblich  ans  dem 
JOjIi.  Ein  so  hohe«  alter  kommt  ihr  niclit  zu,  aber  Dobrowsky 
(wicn.jb.  32,  7T— -80)  geht  zu  weit,  wenn  er  sie  ganz  für  err 
äich.ung  ausgibt;  es  liegen  ihr  auf  jeden  fall  ftl^e  Überlieferungen 
»um  gründe. 

**')  zywy  lebendig,  z>'wic  das  leben  erbalten,   nührea. 


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KDRUK 

afficiebatur  qui  cuculum  occidissof.  Hier  ist  ieae  wabta« 
gende  yogel  ein  verwandelter  goti  ^  'wie  er  in  jenem 
sächslschea  reim  kukuk  *vam  häven^  hiers* 

Im  eddisclien  Grottasaug  vrlrd  den  malmägden  nicht 
länger  ruhe  und  schlaf  gestattet,  als  während  der  lutuk 
Bcliweigt  (enn  gaukrinn  thagdi.) 

Er  kann  glück  und  Unglück  weissagen  \  man  soll  aich 
gegen  iiin  (wie  gegen  andere  «aubervögel,  eule  und  elster) 
mit  Worten  und  fragen  hüten,  dafs  man  sich  nicht  ver-» 
stricke/)  Ihn  ohne  ursach  zu  tödt^n  bringt  gefahr,  sein 
anhang  könhte  es  rächen.  Er  vermag  die  menschen  zu 
necken^  zu  beihören ^  das  nennt  der  schwedische  abcr-r 
glaube  dära,  der  dänische  gante^  In  einem  mhd.  gedieht 
(fragm.  38*»):   pelcrltn  und  loach 

hdt  begucket  mir  de»  gouch^ 
Sein  erscheinen  ist  böser  Vorbedeutung.  Paulus  Diac.  6, 
55  meldet  von  dem  langobardischen  könig  Hildeprandi 
cui  dum  contum^  sicut  moris  est  traderent,  in  ejua 
conti  aujnmitate  cuculus  aifis  volitando  venieps  inaedit^ 
tunc  aliquibus  prudentibus  hoc  portento  visum  est  sigoifi» 
cari  ejus  principatum  inutUem  fore. 

Wie  jene  slavische  allernährende  lebpnsgottheit  gestak 
des  kukuks  an  sich  nimmt,  hat  sich  auch  der  griech, 
Zeus  in  ihn  verwandelt  ^  als  er  sich  zuerst  der  Here 
naht.  Der  götlin  sitzendes  bild  zeigt  einen  liikuh  auf 
dem  Stab,  ein  die  hochzeitsprocession  des  Zeus  imd  der 
Ucre  vorstellendes  basrelief  läfst  auf  des  Ztens  zepter  ei« 
nen  kukuk  sitzen;**)  dieser  vogel  ist  also  in  die  Vor- 
stellung der  heiligsten  ehpfpiev  verflochten ,  und  man  be- 
greift, warum  er  Verheiratung  und  ehesegen  weissagt. 
Der  bcrg  aber,  auf  welchem  Zeus  und  Here  zusammen* 
kanten,  früher  Qgopai  (von  S-QovoQf  sitz  des  donnerers? 
Vgl.  oben  8.125)  oder  0o^a|  geheifsen,  erhielt  nachher 
den  namen  oqoq  xoxxvyiOPf***)  Kukuksberge  haben  wir 
nun  auch  in  Deutschland,  z.  b.  unweit  Kreuznach  liegt 
ein  Gauchsberg  (Widders  Pfalz  4,  36),  in  der  Schweiz 
ein  Guggisberg  (Joh.  JNlüller  1,  347.  3,  82  Tschachtlaa 
p.  2) ;  die  beaennuug  würde  siqh  ganz  natürlich  aus  dem 
rufen   des  vogels,     das   vom   berg  her  vernommen  wird, 

•)  Arndt  a.a.O.  3,  18. 

**)  Welcker  zu  Sciiwettck  269.  270.  Kaqn  die  gestalt  des  kakoks 
und  adlers  oicht  deutlich  geschieden  werden,  so  nennt  aucli  nocii 
heute  das  volk  in  Balera  den  preufbischen  adler  sdierzweise  gukexer 
(Schm.  2,  27.) 

***)  Creuzen  Symbolik  2,  585.    Gruben  mjtJiol.  ^h.  2,  314. 


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KUKUK 

#ridireii;  wenii  nicht  auoh  noch  andere  überliere|ting«n 
damit  zmainmeabiengen.  Freidank  ^82;  8  und  fiatt  ebenio 
Bonerius  65,  55 

vrtsiu  wort  unt  tiimbiu  werc 

diu  habent  die  von  Goachesberc  f 
LIer  werden  die  leute  vom  Gauchsberg  als  weise  redend 
aber  einfaltig  handelnd  dargestellt,  Gauchsberg  ist  gleich- 
viel mit  Narrenberg/)  schon  im  zehnten  )h.  hat  gouh  die 
neben bedeutung  von  narr  (N.  ps,  48,  11.  93,  8*  urheizkouh 
N.  Bth.  175,  kriegsnarr),  und  so  überall  im  dreizehnten 
(Wahh.  22,  31.  Trist.  8631.  18215),  obgleich  gewßhn- 
lieli  noch  ein  ad),  oder  ein  gen.  pL  beigefügt  steht:  ich 
tuinber  gouch  MS.  1,  65^  tumber  denn  ein  gouch  Troj. 
8126  tiunber  gouch  Bari.  319,  25  gouch  unwtse  Bari. 
238,  32  sinnelOser  gouch  319,  38  rehter  witze  ein  gouch 
MS.  2,  124*>  der  mfere  ein  göichelin  Ben.  209,  wo  auch 
das  augmentativ  gouchgouolt,  Altn.  gaukr  zugleich  arro- 
gaas  morio*  H.Sachs  verwendet  einigemal  Gauchberg**) 
in  gleichem  sinn,  11.  4,  110*  (Kempten  IL  4,  220«)  ausz. 
von  Göz  1,  52.  Dertnöch  mag  bei  Gauchfiberg  Ursprung* 
lieh  an  den  vogel  selbst  in  einer  uns  jetzt  verdunkelten 
ominösen  bedeutung  gedacht  worden  sein. 

Der  kukuk  steht  auch  sonst  in  üblem  ruf,  er  gilt 
für  einen  ehbrecher,  der  seine  eier  im  fremde  nester  lege, 
weshalb  den  Römern  cuculus  gleichviel  mit  moechus  war 
(Plautus,  schlufsscene  der  Asinaria,  zweimal)  und  in  un- 
serer spräche  vor  alters  gouch ,  gö'ucfielin  unechtes  kind, 
bastard  ausdrückt  (Nib.  810,  1.  Aw.  1,  46.)  in  der 
Schweiz  heifst  gugach  ein  ungebetner  nebenbuhler  bei  der 
liebsten«  Ja  er  erscheint  als  teuflisches  thier  oder  als  teu- 
fel  selbst  in  den  allgemein  hergebrachten  pedensarten !  das 
weifs  der  huluk!  des  huiuhs  werden,  der  huhuk  hat 
ilm  hergebracht,  und  ähnlichen,  wo  überall,  mit  gleicher 
bedeutung,  teufel  gesetzt  werden  könnte.  Das  scheint 
mb  auf  alte,  heidnische  traditionen  hinzuweisen «  denen 
altmälich  erst  der  teiiflische  anstrich  gegeben  wurde;  da- 
hin zähle  ich  auch  die  in  Niedersachsen  verbreitete  formel 


•)  dalier  auch  ein  andermal  dafür  gesetzt  wird  JJfenherc  (Do- 
cens  niisc.  2,  187.)  Tliiere,  welchen  schon  die  alte  spräche  dnmm- 
heit  beimiftft,  sind  oclis;  esel,  äffe,  l>ock,  gans,  ganch  und  helier. 
X  ps.  57 ,  II  hat  ruoh  (stultus)  d.  i.  Iirooh ,  ags.  hruc  (graculus, 
gmnim.  3,  361.) 

**)  weit  liänfiger  Schalksberg,  in  der  redensart  *in  den  schalks- 
perg  hawen'  I  6,  624a.  HI.  S,  28d.  54b.  ly.  3,  20d.  31c.  40*,  de- 
rea  arsproug  ich  nicht  kenne. 


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KUKUK 

^der  iukuh  und  sein  lüster*^  unter  diesem  kuster  md, 
nach  brem.  vrb.  2,  858  der  wiedhopj  gemeint ,  ein  TOgel, 
der  gleichfalls  durch  Verwandlung  seine  gesttdt  erhalten 
haben  soll,  näher  vermag  ich  die  fabel  vom  kuhuk  und 
wiedhopj  nicht  anzugeben.  Von  dem  kibitz  gehen  älm- 
liehe  sagen  und  redensarten. 

Der  Schaum  auf  weiden,  den  die  cicada  spumaria 
hervorbringt,  heifst  kukuksspeichel ^  Schweiz,  gugger^ 
speuy  engl,  cuckowspit,  cuckoospittle ,  dan.  giögespyt, 
anderwärts  hexenspeichel,  norweg.  troldkiaringspye  *) ,  also 
auch  hier  berührung  des  vogels  mit  zauberischen  weseo, 
einige  ptlauzennamen  versichern  uns  seiner  mythischen 
uatur.  acetosa :  ahd.  gouchesampfera,  Schweiz,  gugger-- 
aauer  t  agg.  geäcessure,  dan.  giögemad,  giogesyre^ 
man  glaubte^  dafs  er  sie  gern  fresse;  nhd.  kukuksorot 
gauchlauch^  franz.  pain  de  coucou^  panis  cuculL  wie- 
senkresse:  kukuksblume  ^  gauchblume,  flps  cuculL  ani" 
gallis:   gaucliheil  u.s.w. 

Den  Slaven  hat  der  vogel,  den  sie  stets  weiblich  vor- 
stellen, nichts  böses,  nichts  teuflisches,  zezhulice  klagt 
auf  der  eiche  über  des  frühlings  Vergänglichkeit  (königinb. 
hs.  174.)  die  serbische  kukavitza  war  'eine  }ungfrau» 
welche  ihres  bruders  tod  so  lange  beweinte,  bis  sie  in 
den  vogel  verwandelt  wurdq;  ^sinja  kukavitza'  (die  graue) 
Yuk  3,  66.  auch  in  kleiurussischen  liedern  vogel  der 
traucr  und  Schwermut,  und  russische  volkssagen  lassen 
wiederum  ein  junges -mädchen  durch  eine  Zauberin  ver- 
wandelt werden  (Götzes  serb.  üeder  s.  212.) 

Von  dem  storch ,  der  schwalbe  und  einigen  andern 
vögeln  wird  ein  folgendes  cap.  bei  gelegenheit  des  an- 
gangs  handeln. 

Sclilangen  scheinen  durch  »die  Schönheit  ihrer  form, 
durch  die  gefahr  ihres  bisses  vor  andern  thieren  scheu 
und  ehrfurcht  zu  gebieten;  ehie  menge  sagen  erzählt  von 
verlauschung  dergestalt  zwischen  menschen  und  schlangen: 
hierin  liegt  fast  ein  untriegliches  zeichen  des  cultus.  vre* 
sen^  die  aus  der  menschlichen  in  thierische  bildung  über- 
gegangen sind  und  den  umstanden  nach  in  jene  zariick- 
kehren  können,  ist  das  heidenthuoi  heilig  zu  hallen 
geneigt. 

Dieselbe  vita  Barbati,  der  wir  künde  dos  langobar- 
dischen    baumcullus    verdanken    (s.  373),     meldet   sugleich 

*)    Sommersprossen      bairiscb    gugkerMchegken ,       kuLuksfledea. 
Sclim.   2,  27. 


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S0HIiAI»3B  m 

von  einer  aclilangenverehrung:  his  vero  diebus  qnamviB 
Sacra  baptismatis  uuda  Langobardi  abluerentur,  tarnen 
priscum  gentilitatia  rituni  teneDtes^  sive  bestlali  meiite 
degebant,  beatiae  aimulachroy  quae  vTÜgo  vi  per a  nomir 
natur,  flectehant  colla ,  quae  debite  suo  debebant  flectere 

creatori. praeterea   Komuald   ejusque   sodales,    prisco 

coecatl  eiTore^  palam  se  solum  deum  colere  fatebantur» 
et  in  abditis  viperae  simulachriim  ad  suam  perniciem 
adorabant.  BarbatuB  in  des  künigs  ab  Wesenheit  ersuelit 
Theodorada,  Romualds  gemahlin,  ihm  das  sclüangenbüd  zu 
verschaiTeD.  illaque  respondit :  'si  hoc  perpetravero ,  pa- 
ler, veraciter  scio  me  morituram.'  er  läfst  aber  nicht  ab 
und  bewegt  sie  endlich;  sobald  das  bild  in  seinen  bänden 
ist,  schmelzt  er. es  ein  und  übergibt  die  masse  goldschmie» 
den,  um  Schüssel  und  kelch  daraus  zu  fertigen.  Aus  die- 
sea  goldgefärsen  wird  dem  könig  nach  seiner  heimkehr 
dag  christliche  sacrament  gereicht,  und  Barbatus  gesteht 
ihm,  dafs  das  kircheugeräth  aus  dem  eingeschmolznen 
bild  geschmiedet  sei.  repente  unus  ex  circumstantibus  ait: 
*si  mea  uxor  talia  perpetrasset ,  nullo  interposito  momento 
abscindcrem  caput  ejus.'  Aus  der  andern  vita  gehört  noch 
diese  stelle  hierher:  quin  etiam  viperatn  auri  metallo 
formatani  sumnii  pro  magnitudine  dei  supplici  devotione 
venerari  videbantur.  unde  visque  hodie,  sicut  pro  voto 
arboris  votum,  ita  et  locus  ille  census ,  devotiones*)  ubi 
viperae  reddebantur,  dignoscitur  appellari.  Über  votum 
habe  ich  mich  8.374  erklärt,  census  drückt  unbedenklich 
das  golh.  gild  oder  gilstr^  ahd.  hält  oder  kelstar  aus 
(oben  s.  24  und  RA.  358.)  beide  Wörter  votum  und  cen- 
sus zeugen  nicht  wenig  für  die  echtheit  und  das  alter  der 
lebensbeschreibung.  Hier  haben  wir  nun  ein  merkwürdi- 
ges beispiel  eines  aus  goid  geschmiedeten  götzenbilds  und 
wiederum  das  bestreben  des  bekehrers,  den  heiligen  stof 
beizubehalten»  aber  in  christliche  form  umzugestalten. 
Welches  höhere  wesen  die  Langobarden  sich  unter  der 
Schlange  vorstellten?  läfst  sich  freilich  niclit  bestimmen, 
schwerlich  die  alles  umschlingende  weltschlange,  den  mid- 
gardhsormr,  iörmungandr  der  nordischen  mythologie? 
keine  spur  verratli^  dafs  dieser  im  Norden  selbst ,  oder 
anderswo,  bildlich  dargestellt  und  verehrt  wurde.  Die  ei- 
genthümlichen  Ursachen  des  schlangencultus  bei  dem  lango- 
bardischen  volksstamm   entgehn    uns   gänzlich.     Wenn    der 


*)  gednickt  stellt:   locus  Ule  census  devotlonis,   ubi  viperae  red- 
debantur. 


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80BLAN0B 

O^sdruck  Yipera  mit  bedacht  gewählt  Ist^  so  kmsn  nur 
^ne  kleinere  sdilangenart  (cohiber  berus)  yerstaDden  -vrer- 
den,  wiewol  d&8  simulaoruin ,  iius  dessen  gold  sich  scliÜ9* 
$el  und  kelcb  sobmieden  lieiseni  auf  bedeutendere  gröfse 
hinweist. 

Die  langQbardiscb^  sage  erzählt  ^bep  aiich  sonst  noch 
von  scblfmgen,  und  gerade  von  kleinen,  im  heldenbuch 
-^ird  der  kämpf  eines  feuerspeienden  thierleins  am  Gar« 
tensee  (lago  di  Garda)  mit  einem  löwen  und  Wolfdieterich, 
denen  beiden  es  zu  schaffen  macht,    gesohildert: 

i)un  liörent  durch  eia  waifder,    wfe  das  tfericio  ist  genant  i 
es  lieifst  9U  welscli  ein  zunder^    zu  teusch  ein  $aribajU^ 
in  Sitteleniaud  nacli  ereo  ist  es  ein  vipper  geoiMIt, 
und   weiter   folgt,    dafs   immer    nur    zwei   soloher  vipern 
leben,  indem  die  jungen  bald  nach  der  geburt  ilire  elteni 
fiufTrcssen.    dies  stimmt  nahe   zu  den  angaben  im  ph)'sior 
logus  (üiut.  3,  29.  30.  Hoflin.  fundgr.  28.)     s^undei'  weif« 
ich  aus  keiner  italienischen   mundart   ?u    erklären,     sarir 
hant  ist  das  mhd.  serpant  Trist,  B984,   Sittelenland  halte 
ich  für  WalUserland,  dessen  hauptstadt  Sitten,  hier  konnte 
leicht  das   romanische  viperß  im  gebrauch  bleiben  (grau- 
bündn«  vipra,    viyra.) 

Von  IhauBschlc^ngen  und  unien"^)  gehen  noch  Jetit 
überlicferungei)«  Auf  wiesen  und  weiden ,  auch  in  hSui» 
Sern  kommen  schlangen  zu  einsamen  kindem,  saufen  mit 
Uinen  mÜoh  aus  der  sehüssel,  tragen  gpldkronen,  die  sie 
beim  milchtrinken  vom  haupt  auf  die  erde  uiedersetzeD, 
und  manchmal  beim  weggehn  vergessen ;  sie  bewachen 
die  kinder  in  der  wiege  und  den  ^öfseren  weisen  m 
schätze;  sie  siu  tödten  bringt  ungluch.  Jedes  dorf  welfs 
von  eignen  schlangen«  So  wird  in  Schwaben  erzahh. 
hessische  sagen  sind  kinderm.  no,  105  gesammelt,  eise 
üsfreipliische  steht  in  Ziskas  Volksmärchen  (Wien  1822  p. 
51),  fast  alle  h^ben  den  zug  des  milchtrinkens  und  der 
goldkrone«  hierher  gehört  auch  die  soldangenkönigin  (deut- 
sche sagen  nOt220)  und  eine  merkwürdige  erzählung  in 
den  gestis  Romanorum  cap.68, 

E|ie  sciilange  erscheint  als  ein  heilbringendes,  unver^ 
letzliches    Uiier,     und    vollHqmpien    für    den    heidnischen 


*)  inlid.  unht  ufike^,  MS.  2,  206a;  von  kupfer  sc!ieidet  nnn 
daz  goU  fiiit  eines  unkeii  esclieo  (cinere);  darum  hiefs  ein  alchjnist 
unkenbrenuer  (Felix  Malleolu^  de  nohilitate  et  ru2»ticitate  caD.SO.) 
Unter  unke  Yiitd  eigentlich  die  mna  portentosa,  pft  aber  auch  schlänge 
allgemeio  verstanden,  das  volk  neoiit  sie  euphemibUsch  mucwel^t 
miiemel.    Sciim.  2,  576. 


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aOOhäBHM  S0f 

cuUos  geeignet  Auch  die  Litthäü^  Verehrten  9eMangMy 
hegten  sie  im  haus,  Uud  brachten  ihnen  opter/)  den 
ägyptischen  sdilangendienst  bezeugt  Herodot  2,  74. 

Man  brachte  schlangen  als  zauber  in  Schwertern  und 
Hof  helmen  an! 

liggr  niedh  eggjo  ormr  dreyrfödhr^ 
enn  4  valbösto  verpr  nadhr  haltt*    Sacm,  142^- 
Vilege   hiefs  *mit  dem  stcingen?  von  seinem    helmzeichen 
(heldcnsage  p»  148.)     Die   helme   erhielten   dadurch    festig- 
kelt,    die   klingen   kraft.     Nicht    Unähnlich    scheint,     dafs 
fulirleute  in  iJire  peitsche  Otterzungen  ilechten  (abergl.  174.) 


*)  Seb.  Frankes  weltbucli  55t>.    Mones  heidenthum  1 ,  98. 


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MS  HfStMBL 


CAP.  XVn.    HIMMEL  UND  GESTIRNE. 

Die  ersclielnuugen  des  hmimels  greifen'  \ielseitig  in 
den  lieidnisclien  glauben  ein ;  nicht  nur  ist  die  woLnung 
der  gotter  und  der  ihnen  naher  stehenden  geister  im  him- 
niel,  sondern  auch  irdische  wesen,  nach  iTiret  auflösung, 
werden  dahin  erhoben,  ausgezeichnete  beiden  und  riesen 
leuchten  als  gestirne.  von  dem  himmel  steigen  die  götter 
herab  zur  erde  nieder,  an  dem  himmel  fahren  sie  her, 
imd  durch  den  himmel  beschauen  sie  unsichtbar  das  trei- 
ben der  menschen.  Wie  sich  alle  pflanzen  nach  dem  himm- 
lischen licht  kehren,  alle  Seelen  zum  himmel  wenden,  so 
steigt  der  rauch  des  Opfers  und  das  gebet  der  menschen 
in  die  höhe* 

Der  himmel  deckt  die  erde  und  das  wort  staAimt  ans  der 
Wurzel  hima  (lego,  involvo,  gramm.  2,  55.)*)  den  Oothen  und 
alten  Nordländern  ist  die  form  himins^  himinn^  allen  übrigen 
Deutschen  hitnil  gemein ;  schwed.  diin.  wieder  himmeL  eigen- 
thümlich  dem  sächsischen  volk  sind  daneben  zwei  andere  aus» 
drücke,  alls.  hsbhan,  hSvan^  ags*  liSofon^  engl,  heat^eri^  noch 
jetzt  in  Niedersachsen  und  Westfalen  heben ,  heven,  liäven^ 
liäiven.  ich  habe  die  grenze  zu  ermittelo  gesucht,  bis 
zu  welcher  sich  diese  benenuung  erstreckt  (gramm.  1,  xiv.) 
luiler  den  Friesen  war  sie  nicht  gangbar,  denn  noch  die 
heulige  west  und  -nordfriesische  volksspraclie  kennt  nw 
hininicl.**)  auch  die  niederländische  mundart  hat  sie  nicht; 
sie  findet  sich  aber  in  Westfalen,  Niedersachsen,  bis  nach 
Holstein  und  über  die  Klbe  hinaus  in  Meklenburg  und 
Pommern.  Den  Angelsachsen  und  heutigen  Engländern 
mangelt  sogar  der  ausdruck  himel  völlig;  die  Altsachsen 
gleich  den  jetzigen  Niedersachsen  und  Westfalen  verwen- 
den himil  und  hövan  abwechselnd,  wie  es  scheint  so,  dafs 
hevaii  mehr  den  sichtbaren,  himil  den  übersinnlichen 
himmel  bezeichnet.  Reinolt  von  der  Lippe  häuft  beide 
Wörter:  ^himel  unde  hüben  von  vreuden  muz  irkradien/ 
man  sagt :    *de  heilen  steit  nümmer   to',    'wenn    de   heuert 


•)  litth.  daiigus  (coeluni)  dengiu  (tcgo.) 

••)  )umel4  lapekoer  fen  «abe  »croar,  DImter  1834  p.  101.  103. 
hemniel^  HaaseDs  geizhaU.  Sooderburg  1833  p;  I4ö.  hiituty  fne^cbe 
wetten  348.    himul^  As.  274. 


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ttik,  U^s^  ^er  all  \innet\  «de  8tei*reii  an  dem  häuen\ 
in  Westfalen  bedeutet  'liehenscheer^  iimzognen  himmel 
ohne  regen,  ja  heben  drückt  wölke  aus.*)  bei  häven^ 
hüne  (s.  105; ,  bei  kukuk  vam  häi^en  (s.  389)  hericht  der 
sinnliche  begrif ,  dagegen  würde  man  kaum  anders  sägen 
als:  'in  den  himel  komen\  oder  himelrik.  Diese  Unter- 
scheidung mag  sich  gleichwol  erst  später  festgesetzt  haben, 
und  wie  das  ags.  heofon  ganz  abstract  steht,  wechselt 
auch  der  dichter  des  H^l.  ab  zwischen  himilHH  149,  8 
und  hebanrthi  143,  24,  Jiiniilfader  145,  12  und  hsban*- 
cuning  143,  20.  hiniil  hat  auch  ursprünglich,  und  über- 
all ini  hochd.,  zugleich  die  sinnliche  bedeutung,  daher 
üphiinil  Hol.  88,  15,  wie  upheofon  Cädm.  270,  24.  Wur- 
zel von  hebhan,  hevan,  heofon  scheint  ein  verlornes  goth. 
hiba,  haf;  das  ich  dem  lat.  capio  vergleiche,  also:  der 
fassende,    allumfassende  himmel.**) 

Ein  andrer  sächs.  ausdruck  läfst  sich  dem  begrif  des 
gr.  al&r^Q  an  die  seit^  setzen,  während  hiniü  und  hevan 
dem  ovQavog  entsprechen  s  alle.  radui\  ogs.  rodor.  Cädm. 
bietet  dar  rodor  183,  19.  207,  8.  uprodor  179,  10.'  182, 
15.  205,  2;  rodor tungol  100,  21.  rodorbeorht  239,  10. 
In  den  späteren  dialeclen  fehlt  dieses  wort,  dessen  Wur- 
zel (h  ad)  noch  im  dunkel  liegt,  völlig,  ich  möchte  altn. 
rodidl  (sol)  hinzuhalten,  das  niclils  mit  raudhr  (ruber) 
zu  tbun  hat. 

Eddische  benennungcn  Srom.  49^  Sn.  177;  alle  männ- 
lich, einige  unverkennbar  auf  personification  gegründet, 
der  himmel  wird  als  mann,  die  weibliche  erde  umfassend^ 
gedacht;  in  die  reihe  der  götter  ist  er  aber,  gleich  O^- 
(>ai/off,  nicht  aufgenonnnen ,  während  die  Erde  unter  den 
göllinnen  steht,  himmel  bezeichnet  uns  den  blofsen  räum 
und  aufenthalt  der  güllen 

Für  den  begrif  des  gestirns  (sidus)  ist  unserer  älteren 
«prache,aufser/^^>/^/7^€^c//a/2,  der  ausdrutk  alid./jimi/xiw/iP-fi 
Diut.  1,  526»>  gl.  Doc.  249.  alts,  liimiltungal  Hdl.  18,  2, 
ags.  heofontun^ol^  rodor t an g ol ,  altn.  himintängl  eigen". 
ags.  sieht    auch   das    einfache    tungol  mit   gleichem    sinn, 

0  slav.  nebo  (coelnm)  tat.  nübes,  fiebultf;*  lett.  debbes  (coelom) 
debbefä  (nubes^.) 

••)  himmdberge  sind  hohe,  mit  ifirem  gipfel  in  die  wölken  rei- 
chende,- oft  bestimmter  berge  eigenuameu»  himinfiöll  Sjfem.  148»  Yngi, 
saga  cap.  39.  HiminhiÖrg  Saem.  4it>  92l>  ein  göttlicher  wohusitz; 
HiiniUnberg  (mons  coelins),  auf  dem  geinter  hausen  (Pertz  2,  10); 
HimileMbtfrg  in  Hessen  (Küchenbecker  anal.  II,  137);  Himmehberg 
ia  Vestgötlaod  and  (augeblich  der  heimdalische)  m  Ualland. 


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408  GESTIRMB 

allü.  b^zeldinet  tdngl  den  inoiid»  ciiea  neiitt.  tungil,  Mh 
gol>  tüugl  ist  yOu  tUDga  (luigaa)  abzuleiten ,  Wie  das  an-* 
abgeleitete  ahd.  himilzungd  zeigt  t  der  mdnd  und  dnige 
pLaueten  in  ihrer  theilweisen  erleuchtung  erscheinen  Sichel 
oder  zungförmig/)  kh  kenne  aus  andern  sprachen  nichts 
ähnliches^  daneben  besitzen  rrlr  den  gevtröliulichen  aus- 
druck  stairnS^  stSmo^  steorta^  »tiarna  (gramm^  3^392.) 

Die  beiden  hauptsterne  sind  sonne  und  mund,  über 
deren  geschlecht  und  benennung  ich  mich  gramm.  3 ,  349* 
350  geäufsert  habe^  es  ist  der  herTorhebuug  werth,  dafs 
unter  den  eddischen  namen  des  moudes  einige  noch  in 
oberdeutschen  Yolksmtindarten  fortleben,  die  zwerge  het- 
fsen  den  mond  akin  (jubar),  nicht  anders  die  ostliclien 
Franken  schein  (Keinwald  henneb.  id.  2.  159.)  in  der 
unterweit  führt  der  inond  den  näinen  hi>erfahdi  Itvei, 
drehendes  rad ,  in  Steiermark  (zumal  dem  brucker  kreis) 
gmoarat  (Sartori  Steiermark  p.  82) ,  wenn  ich  dies  roU 
communis  überseti^en  darf^ 

In  der  eddä  treten  sonne  und  mond  ids  geschtristet 
trad  kinder  eines  mythischen  Mundilföri  auf.  Noch  aiH 
dere  vcilket'  aufser  den  Lilthauern  und  Arabern  (das.  3, 
d51)  stellen,  gleich  uns,  den  mond  männlich,  die  sonoe 
weiblich  vor.  so  ist  der  mexican*  it/eÄ^/i  Quna)  ein  mann  f 
der  grönland.  mond  Anningat  Verfolgt  Mallina,  die  sonne, 
seine  Schwester,  in  einem  iial.  märchen  (pentam.  j,  5) 
sind  die  geschwistef  ^ote  und  Lima  kinder  der  Tiäia 
(bei  Perratllr  heifs^  sie  Jour  und  Aurore.)  Den  Slaven 
ist  der  mond  Alännlich,  der  Stern  weiblich,  die  sonae 
neutral^  daher  z.  b.  in  einem  serb.  lied  (Vuk  1,  134)  golt 
die  sonhe  (suntze)  sein  kind  (tschedo)  nennt,  und  der  mond 
(mesetz)  ihr  bruder,  der  stern  (zvezda)  ihre  Schwester  lieifst 

Das  Volk  pflegte  sich  bis  auf  die  spätere  zeit,  von 
sonne  und  mond  redend,  gern  auszudrücken  ^frau  sonnet 
•herr  mond.'**)  Äventin  19">:  Jrautv  Sonne  geht  *u  rtst 
und  gnaden,  auf  dem  land  zwischen  Inn  und  Salzscb 
heifst  es  'der  h4r  Mdn^  ganz  einfach  für  mond  (Sdini.  2, 
230.  582.)  Gesner  im  Älithridates  Tur.  1555  p.  28 :  audio 
veteres  Germanos  Lunnm  quoque  deum  coluissö  et  appel- 
lasse  IxettnOnf  id  est  döm.inuln  Lünum,  quod  forte  pa- 
rum   animadrertentes   aliqui   ad   Üerinann  i.  e.  INIcrcurium 

•)  tfder  ist  da«  gltminern,  die  zticikcnife  bewegnng  der  gesür^ 
glcficlisam  ein  züngeln?  daxu  stimnit  niclit  das  ruhige  moudlirtt, 
noch  die  ahd.  form,   ohne  L. 

**)  daher  altfranz.  Solaus  ^  ohne  artikel.     Befeker  au  Feratirai 


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byGoögk 


SOMNQ         MOND  401 

ti'aiiBtuleniiity  die  letzte  Vermutung  schlägt  fehl-  Hulderic. 
Ejrbea  de  tiiulo  iiobilU.  Heimst.  1677.  4  p.  136:  qua 
etiam  ratioue  in  veteri  idololatrico  luna  non  domina^  domi^ 
nua  appellatur: 

bis  gottwillkommen  neuer  morif   holder  herr^ 

mach  mir  meines  geldes  mehr!*) 
So  auch  bei  Nicolaus  IMagni   de  Gawe  (anhang  xliv):    ve- 
tulam  novi,    quae  credidit  solem  esse  deam,    vocans  eam 
sanctam  dominam;     und   noch   früher   bei   Eligius    (an- 
hang  xxx)  nullus  dominos  solem  aut  lunam  poceL**) 

In  diesen  anreden  haftet  die  letzte  spur  einer  heid* 
machen  Verehrung;  vielleicht  auch  im  sonnenlehn  (RA. 278)? 
der  bedeutsamen  nebeneinanderstellung  von  Sol,  yulcanus 
und  Luna  bei  Caesar ,  von  eldr  und  s6l  in  der  edda  habe 
ich  8.71  und  340  erwähnt;  des  neigens  vor  der  sonne 
8.20,  des  fluchs  ^der  sannen  hak  varn*  $.14,  wo  sie 
einer  gottheit  gleichgestellt  ist.  ähnliches  hniebeugen  und 
hutabziehen  geschah  vor  dem  neumond  (anhang  p.  xur.) 

Sonne  und  mond^  in  ihrem  unablässigen,  unauflialt* 
Samen  lauf  durch  den  räum  des  himmels  scheinen  zu  ilie« 
lien  imd  einem  Verfolger  zu  weichen,  zwei  wülfe  sind  es^ 
die  ihnen  nachstellen,  ShölL  fährt  hinter  der  sonne,  Hati 
lanter  dem  mond  her;  sie  stammen  aus  einem  rlesenge- 
schlecht,  und  Mdnagarmr  (mondhund)  der  mächtigste 
unter  ihnen,  wie  es  scheint,  nur  ein  andrer  name  für 
Hau,  wird  einmal  den  mond  erreichen  und  iferschlin-' 
gen.  wie  ausgebreitet  diese  Überlieferung  herschte  ist  schon 
8. 150  dargethan  worden.***)  Eine  nebensonne  (vädersol) 
beifst  schwed*  soharg,  solid/ {soxmenwolL)  Ihre  dial.  lex,  165* 

Nichts  war  den  Heiden  fürchterlicher  als  die  nahende 
Verfinsterung  der  sonne  oder  des  monds,  womit  sie  die 
Zerstörung  aller  dinge  und  den  Weltuntergang  in  Verbin- 
dung brachten;  sie  wähnten,  das  ungeheuer  habe  schon 
einen  theil  des  leuchtenden  gestirns  in  seinen  rächen  ge« 
fafst  und  suchten  es  durch  lauten  zuruf  wegzuschrecken. 
Daher  eifert  Eligius  (anh.  xxx):  nullus,  si  quando  luna 
obscuratur  ^  voviferare  praa^umat.  dieses  geschrei  »V/a/cc 
iutmP-f)  meint  der  iudicul.  paganiar.  cap.  21  de  lunae  de- 

*)  er  beruft  sich  dabei  auf  Dynkelspahl  tract  1.  praec  1.  p.29. 
ist  dies  ^licolaus  de  Diokelspuel  bei  Jöcher? 

•*)  vgl.  s.  861  die  anrede  herr  für  den  wind,  und  dobropan  (s.93.) 
•••)  aus  Fischarts  Garg.  130b  trage  ich  nach:  'sah  den  wolf  des 
monsJ    Rabelais  1 ,  11  hat :   la  lune  des  loups, 

j)  das  wäre  ahd.  karlh  mono!  gotti.  jiukiii  ni^oal  aber  auch 
später  wird  nie  so  etwas  angeführt. 

26 

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409  FIN8TBRNIB8E 

fectione,  und  Burchard  (anh.xxxvi)  durch  das  clamon^ 
bu8  aut  auxillo  aplendorem  lunae  deficieniis  restaurare. 
in  den  nord.  denkmälern,  die  doch  das  drohende  yer- 
schlingen  am  ausfulirlichsten  erzählen ,  geschiehi  des  ge- 
schreis  keine  meidung;  vielleicbt  war  es  unter  Gehen  und 
Römern  gebräuchlicher  als  unter  Deutschen.  ^  8.  Maximut 
von  Turin,  kirchenvater  des  5  jh.,  predigt  in  einer  homi- 
lia  de  defectu  lunae:  cum  ante  dies  plerosque  de  vestrae 
avaritiae  cupiditate  pulsavenm^  ipsa  die  circa  vesperam 
tanta  vociferatio  populi  exstitit,  ut  irreligiositas  ejus  pe* 
netraret  ad  coelum.  quod  cum  requirerem,  quid  sibi 
clamor  hie  velit,  dixerunt  mihi,  quod  laboranti  lunae 
vestra  vociferatio  suhueniret  ^  et  defectum  ejus  suis 
clamoribus  adjupareiJ^)  laborare  verwendet  auch  Ja- 
yenal  6,  442 

}am  nemo  tubas^  nemo  aera  fatiget^ 
una  laboranti  poterit  auccurrere  lunae**) 
Mit  Sicherheit  darf  ich  annehmen ,  dafs  äbnliche  aber^ao« 
bische  gebrauche  bei  Verfinsterungen  unter  alten  und  neuen 
Völkern  vorkommen.  Ein  reisender  Engländer  erzählt  von 
den  africanischen  Maureu:  als  die  Sonnenfinsternis  ihren 
höchsten  grad  erreicht  hatte,  sahe|i  wir  das  volk  vrie  un- 
sinnig hin  und  her  laufen,  und  flinten  nach  der  sonne 
abfeuern,  um  das  ungeheuer  zu  schrecken y  welches 
das  gestirn  des  tages  ihrer  meinung  nach  verze/wen 
wollte»  in  den  ebenen  und  auf  den  höhen  von  TripolU 
ertönte  todesgesang  (ein  gesclu*ei  ^wuUiali  wul)  und  so 
längs  der  ganzen  küste.  die  weiber  schlugen  kupjerge^ 
räth  aneinander  und  machten  damit  einen  Lernif  der  stun* 
denweit  gehört  wurde.***) 

Nach  einem  mongolischen  m)rthus  wollten  die  gütter 
den  Aracho  für  seine  unthaten  strafen,  er  hatte  sich  aber 
so  gut  versteckt,  dafs  niemand  seinen  Schlupfwinkel  aus- 
findig machen  konnte,  man  fragte  daher  die  sonne,  sie 
gab  unbefriedigende  antwort,  als  man  den  mond  fragte, 
entdeckte  er  Arachos  aufenthalt.  Aracho  wurde  nun  her- 
vorgezogen und  gezüchtigt  5  zur  räche  dafür  verjolgt  er 
soäne  und  mond^  und  so  oft  er  mit  der  einen  oder 
dem  andern  in  handgemenge  geräth,  entstehen  verfinster  J 
rungen.     um  die  himmelslichter  aus  ihrer  noth    zu  retten 

*)  die  stelle  hebt  Darang^e  6,  1618  s.y.  Tinceliina  aas;  In  ab- 
drack  der  liomilia  Maximi  taurin.  'de  defectu  lunae*  bei  Mabillon  ■><• 
ital.  tom.  ].  pars  2  p.  19.  20  steht  sie  nicht. 

**)  ygl.  Tac  annal.  1 ,  28 

***)  morgenblatt  1817  p.l59a.  Tgl.  Niebnhrs  beschr.  Arab.ll9.iaO. 


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SCNHNB         MOND  iOS 

wird  mit  niiuikalisclien  und  andern  instrumeiften  lernten^ 
des  getöse  gemacht  y  wodurch  sich  Aracho  zurückschre* 
cken  läfsU*)  Ein  merkwürdiger  zug  ist  auch  hier  die 
nachfrage  bei  sonne  und  mondj  welche  die  weit  über- 
schauen, denen  nichts  verheimlicht  werden  kann,  ebenso 
wird  in  unsern  deutschen  märchen  von  dem  suchenden 
gefragt  bei  sonne,  mond  und  Sternen  (KM.  no.  25.  88 
vgl,  3,  218.  219),  bald  erscheinen  sie  hilfreich  und  mit^ 
leidig,  bald  aber  grausam  und  menschenfressend.  In  den 
serbischen  liedern  unterhalten  sich  mond  und  morgen-^ 
Stern  (danitza)  von  den  begebenheiten  der  menschen 
(Vuk  3,  3.) 

Bei  mondsßnsternisBen  tragen  die  Grönländer  kisten 
und  kessel  auf  das  dach  ihrer  häuser  und  schlagen  heß- 
tig  daran  *'^) 

Während  einer  Sonnenfinsternis  (ich  weifs  nicht,  ob 
auch  bei  Verfinsterung  des  monds)  pflegt  man  die  bnmnen 
zu  verdecken,  weil  sonst  ihr  wasser  unrein  werden  würde 
(abergl.  589.) 

Da  sich  nach  dem  mondwechsel,  der  mehr  augenfäl* 
lige  absclmitle  darbietet,  die  zeit  leichter  als  nach  der 
sonne  berechnen  läfst,  so  scheinen  unsere  ahnen  neben 
dem  sonnenjahr  für  den  gemeinen  gebrauch  ein  mondjahr 
gekannt  zu  haben,  dessen  dreizehn  monate  den  zwölfen 
des  Sonnenjahrs  entsprachen.  Die  wiederkehrende  periode 
von  28  tagen  hiefs  darum  m^ndths,  mdnöd  von  m^na, 
mÄno.  aus  gleichem  grund  war  es  sehr  natürlich  nach 
nachten  zu  zählen,  nicht  nach  tagen:  nee  dierum  nu- 
merum  sed  noctiuni  computant,  sie  constituunt,  sie  con- 
dicunt,  nox  ducere  diem  videtur.  etwa  wie  man  auch 
das  jalir  nach  dem  winter  nannte,  der  sich  zum  sommer 
gleicli  der  nacht  zum  tag  verhält. 

Hiervon  hängt  nun  weiter  ab,  dafs  die  erscheinungen 
des  mondes  entschiednen  einflufs  auf  gewisse  geschähe  und 
Unternehmungen  hatten,  zwar  alle  arbeiten  und  Verrich- 
tungen waren  durch  tag  und  sonnenzeit  bedingt,  sowol 
der  krieger  (RA.  297)  als  der  knechte  (das.  353),  vor- 
züglich auch  der  gerichte  (das.  814 — 816.)  Sollte  hingegen 
etwas  neues  und  wichtiges  gepflogen  werden ,  so  richtete 
i^n  sich  nach  dem  mond;     das  hat  nicht  den  sinn,    dafs 

*)  Benj.  BergmaDDs  nomad.  streifereien  3,  41.  Nach  Georgü 
aipbab.  tU>etan.  p.  189  sind  es  ungeheuer  namens  Tracehn,  oben  wie 
Bienschen,  unten  wie  schlangen  gestaltet,  die  sonne  und  mond  nach- 
»teilend  ihre  Verfinsterung  veranlassen. 

**)  Crana  Grönland  3,  294. 

26* 


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4M  MONDLICHT 

die  berathung  bei  nacht  gebalten,  die  haQdhmg  bei  üdcbt 
begonnen  wurde,  sondern  es  geschah  an  tagen,  deren 
niichte  günstiges  mondiicht  hatten:  coeunt,  nisi  quid  for- 
tuitum  et  subilum  iuciderit,  cerlis  diebus,  quum  aut  io- 
choatur  luna  aut  implelur.  nam  agendis  rebus  höc  auq)i* 
catisslnium  initium  credunt. 

Der  mond  gewährt  nun  zwei  bestimmte  erscheinun« 
gen ,  die  von  Tacitus  in  der  angeführten  stelle  bezeichnet 
sind:  er  beginnt  seinen  lauf,  oder  er  hat  die  fülle  seines 
lichts  erreicht,  von  jenem  punct  an  nimmt  er  unaufkör- 
lieh  zu,  von  diesem  an  unaufhörlich  ab.  alle  in  der 
mitte  liegenden  gestalten  sind  für  die  sinnliche  wahmeh* 
mung  minder  verlässig. 

Völlige  unsichtbarkeit  des  monds  ist  nur  in  der  einen 
nacht  zwischen  dem  verschwinden  des  letzten  und  dem 
aufgehn  des  ersten  vierteis,  ebenso  besteht  der  voUmond 
nur  von  dem  augenblick  an,  wo  die  reine  Kugelgestalt 
sich  aus  der  des  gewaclisnen  ersten  vierieis  entwickelt,  bis 
zu  dem  zeit^junkt,  in  welchem  sie  wieder  aufliürt.  Die 
gemeine  ansieht  rechnet  aber  jene  nox  iilunis  schon  iii 
dem  neuen  licht,  und  umgekehrt  läfst  sie  die  abnähme 
gleich  mit  dem  voUmond  beginnen. 

Im  Norden  scheint    eine    abweichende  Vorstellung  zu 
walten,   von  dem  neuen  licht   wird  nicht  das  volle  unter- 
schieden,   sondern  jene  dunkelheit  (nox  iilunis.)     Sie  hci- 
fseu  nf  ok  nidh^   gütige  götter  schufen    beide    den  men- 
schen zur  jahrzäldung:    ^/zy*  ok  nidh  sköpo  nj'l  regin  öl- 
dum  at  drtali',  Saem.  34»*),    und  auch   hier  tritt    personi- 
ficatioh  ein:  ^Mdrii  st^rir  göngu  ttingls  oc  rredhr  N^jum 
oc  Nidhuni*,  Sn.  12,    Muni    lenkt    des  mondes  lauf  und 
waltet    über   die   N^^jar  und    Nidhar.      JNfji  und  Nidhi 
sind  nach  Völuspd  1 1  (Saem.  2**)  zwerge ,    d.  h.  himmlische 
geister,    die   mit  jenen    monds  Veränderungen   rr^  ok  nidh^ 
wir   wissen    nicht    näher   wie,    zusammenhängen,     ny  ist 
offenbar  novum,    und   nidh  von    einem   verlornen   stamlii 
nidha,  nadh,    aus   dem    die   partikel  nidhr  (deorsum)  und 
das  subst.  nädh,    ahd.  ginuda  (quies)    herrührt,    nidh  be- 
deutet folglich    das    untergegangne ,     ruhende   licht>    inter* 
lunium,    nidhamyrlr   tenebrae     interluniorum ,     luna   si- 
lens.     man  sagt   'that  gengr  eptir   n^um   ok  nidhum^    res 
alternalur,    et  subit  lunae  vices.     altschwed.  gesetze  haben 
die  formel  ^ny  oc  nidhar^  für  allzeit,    unter  jedem  niond- 

*)  nach  AIvtsmal  nennen  die  &lfar  darum  den   mond  drtali  (M' 
järzalo?)   Saem.  49t>. 


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HONDUCHT  ilf^y 

Wechsel  y  GuUlagli  p.  108.  *i  ny  ok  nidluC  Suilli, 
32.  Upl.  vidh.  28 ,  1.  Vestg.  tbiuw.  22,  1 ,  hier 
im  zweiten  wort  das  neutr.  aufgegeben  und  das  peraö: 
che  masc.  eingetreten,  neuschwed.  ny  och  nedarjj 
nye  og  noßSy  det  gaaer  efter  nye  og  noee^  hverken  i  nye 
eller  noe ^  d.  i.  niemals,  altdäu.  auch  ned y  need.  nidh 
kann  nicht  den,  vollmond  bezeichnen ,  da  man  auch 
schwed. nedmörk  für  stockfinsl^v  gebraucht;  ist  aber  nidk 
die  zeit  des  abweseuden  Scheins ,  so  mufs  n^  anders  als 
bei  uns  neumond  gefafst  werden,  n^"  ist  das  beginnende 
erste  viertel ,  das  spitzeste  himmelszünglein ,  n5^  der  al- 
lererste stand  des  mondes,  während  nach  unserm  begrif 
neumond  den  anfange  vollmond  die  hälfte  seiner  bahn 
ausdrückt,  neumond  und  vollmond  stehen  14  tage  von 
einander  ab,  n^  und  nidh  rühren  unmittelbar  zusammen, 
d.  h.  vl^  des  neuen ,  nidh  des  alten  monds.  läfst  sich  viel- 
leicht nachweisen,  dafs  nidh  überhaupt  den  abnehmenden, 
Dj^  den  zunehmenden  mond  benenne,  so  begreift  wenig- 
stens nidh  die  gänzliche  Verdunkelung  in  siqh,  wälu'end 
unser  neumond  mit  ihr  anföngt."^) 

Unsere  Sprachdenkmale  li^ern  mir  kein  ahd.  niuwi  für 
niuw^r  mdno  N.  ps.  80,  4 ,  doch  hat  Dasypodius  ^das  newe^ 
interlnnium';  ein  ahd.  nid  ist  nach  jener  Verschiedenheit 
der  ansieht  gar  nicht  zu^  erwarten.  Hingegen  gilt  für  voll- 
mond**), wahrscheinlich  von  frühe  an,  und  weit  ver- 
breitet, ein  andrer  ausdruck  ahd.  wadal?^  ags.  vadliol^ 
mM.wedeli  'des  m^nen  wedeP  Martina  181«^;  nhd.  wadef, 
wädel,  aber  mehr  unter  dem  volk  und  bei  den  Jägern,  als  in 
der  Schriftsprache.  Pictorius  480  und  Stald.  2,  426  haben 
wädel  vollmond ,  wädeln  volhnond  werden ,  wann  seine 
börner  zusammenstofsen ,  d.  h.  die  runde  sich  ausfüllt. 
Keiserspergs  postille  138**  i  4elz  so  ist  er  nüw,  ietz  fol, 
ielz  alt,  ietz  die  erst  qvart,  ietz  die  ander  qvart,  ietz 
ist  es  wedeP,  hier  scheinen  vollmond  und  wedel  dasselbe, 
altmond  mag  mehr  das  letzte  viertel  bezeichnen;  in  einer 
andern  stelle  Keiserspergs  (Oberlin  1957)  ganz  deutlich 
vom  merz :  *wan  es  ist  sein  (Pedel,  sein  volmoo.'  üasy- 
podius  *plenilunium ,  der  volmon,   ^äV/e/.'***)     Aber  auch 

*)  spätere  isländische  benennungen  sind:  hldn^  (scliwarzes  neu, 
interlonium)  pritn  (nova  lona)  auch  n^^qveikt  töngl ;  hälfvcixid  iängl 
(mtes  viertel);  fällt  tünfrl  (pleniluuium 5)  hdlfthrotid  tängl  (letz- 
tes viertel.)  hiernach  ist  der  alte  name  nidh  entbehrlich. 
**)  mhd.  daz  volmxne.  Trist  9464.  11086,  11513, 
***)  ft.  V.  luna  hat  er  aber:  ^plenilunium  vollmon  oder  bruch\ 
ebenso  s.v.  brach;  das  bedeutet  abbrnch,  defectus,  uud  bestätigt, 
<lafc  wir  vom  vollnioud  aa  die  abnähme  recbnea. 


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408  MONDLICHT 

lü  Niederdeutscbland  ist  das  wort  bekannt,  brem.  vrh.  5, 
166  wanl  YoWmonA ,  für  wadel  (wie  aal  f.  adel,  sumpf); 
Kilian:  waedel ,  Senium  lunae«  Im  ags.  lied  von  der 
fiunesburger  Schlacht  z.  14  (Kemble):  *nu  scinedh  thes 
möna  vadliol  uuder  volcnum',  was  vollmond  ausdrückt, 
aber  bei  Hickes  und  Lye  übersetzt  wird  luna  erratica. 
freilich  scheint  das  ahd.  wadalön  (fugari,  iluctuare)  gl.  Doc. 
242»  ein  adj.  wadal  (profugiis)  zu  fordern,  und  Diut.  3, 
58  steht  wadalere  in  gleichem  sinn;  ich  denke,  der  volle, 
abnehmende  mond  hiefs  eben  der  sinkende,  fallende,  flüch- 
tige?*) Nach  der  au sdrucks weise  abergl.  973,  die  aber 
verwirrt  sein  kann,  sollte  man  wädel  für  eine  allgemeine 
benenniing  des  monds  halten ,  sei  er  wachsend  oder  ab- 
nehmend? In  jener  ags.  stelle  erscheint  vadhol  deutlich 
als  ad}.,  substantivisch  genommen  bietet  das  mhd.  nlid. 
wadel  einen  doppelten  sinn  dar.  entw.  wäre  es  flabrum, 
flabellum,  cauda  und,  wie  tftngl,  zungä,  auf  den  spi- 
tzen schweif  des  abnehmenden  lichts  zu  beziehen,  oder 
es  bezeichnete  den  bündel  reisholz  (fasciculus  ramorum), 
der  im  vollmond  sichtbar  wird  und  drückte  ganz  eigent- 
lich die  runde  geslalt  des  mbndes  aus.  von  dieser  letzte- 
ren Vorstellung  nachher  noch.  Verfehlt  ist  die  deutung 
von  wadel  bei  Frisch  und  Oberlin  aus  wan^  das  in  einer 
stelle  der  sächs.  reimchronik  (Leibniz  3,  127)  defectus  hi- 
nae,  wie  sonst  häufig  defectus,  bezeichnet,  vgl.  Hdl.  lli,  8. 
Litth.  jdunas  menu  novilupium,  pilnatis  plenOa- 
nium,  puspilis  (erstes  v.),  pusdylis  (letztes  v.),  delczia 
(luna  decrescens),  tarpijos  (interlunium)  von  tarp  (inier), 
puspilis  bedeutet  halbvoll,  pusdylis  halbstumpf  und  ge- 
hört zu  delczia ,  abstumpfung ,  abnähme ;  lett.  jauns  meh" 
nes  novilunium,  pilna  mehnes  plenilunium,  mehnes 
punte  luna  accrescens ,  wezza  mehnes  f**)  luna  sene- 
scens.  Finn.  uusihuu  novilunium,  täysihuu  plenilunium, 
ylihuu  luna  accrescens ,  alahuu  decrescens ,  gebildet  mit 
uusi  novus,  taysi  plcnus,  yli  superus,  ala  inferus,  wo- 
durch die  erklärung  des  altn.  nidh  bestätigt  wird.  Die 
Serben  unterscheiden  von  mijena  (novilunium)  mladina* 
(luna  accrescens,    das    erste  viertel) ^  puna  (plenilunium), 


•)  ob  vadliema  streäm  Cadm.  20T ,  24  zu  Tadhol  gehört ,  wwlk 
ich  nicht;  sicher  hat  vddhe  Cadm.  256,  93.  257,  26  nichts  daiHt 
gemein ,  *v7de  vddhe'  vergleicht  aich  dem  mhd.  witeweide  (Gramm.  2, 
655)   und  ^of  vadhe  cvom*  dem  aitn.  *kom  af  veidJii'  Saero.  1S6>* 

'*)  wezza  me/mcsj   der  alte  mond.     iu  einer  sdioUischen  ballsde: 
4  8«w   tlie   rt€n/    moon   late   yestreea   wF  the  auld  moon  iu  her  \ 
Jamiesoo  1 ,  159.    Percy  1 »  78. 


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UONDLICBT  m 

uscfUap,  (L  decresceDB«)  sloven,  mlaj  ^  mlad  (junget 
licht,  novUunium),  polna  (plenilunium)  ship  (plenilunium, 
wol  auch  luna  decretscens  und  einerlei  mit  dem  serb« 
uschtap?);  poln*  nofi^y  bühm.  nowy  (novilunium)  poln. 
pelnia^  bühm.  auplnek  (plenilunium.)  Auch  hier  ist 
wieder  wahrzunehmen^  dafs  unter  roheren  stammen 
mehrfache,  lebendigere  ausdrücke  der  naturerscheinungen 
bestehen,  unter  den  gebildeten  aber  abstracte,  einförmige 
an  deren  stelle  treten,  ohne  zweifei  besafs  auch  die  deut- 
sche spräche  in  ihren  verschiednen  zweigen  vor^  alters  noch 
andere  benennungen  als  nidh  und  wadeU 

Tacitus  sagt  uns  blofs  dafs  die  Germanen  ihre  ver^ 
Sammlungen  zur  zeit  des  neuen  oder  vollen  monds  hielten, 
nicht  aber  ob  diese  beiden  perioden  für  alle  Unternehmun- 
gen ohne  unterschied  gleich  günstig  erachtet  wurden.  Ver- 
mutlich eigneten  gewisse  dinge  sich  für  den  neumond,  an- 
dere für  den  Vollmond. 

Soviel  ich  aus  den  späteren  Überresten  des  aberglau- 
bens  entnehme,  ist  der  neumond y  der  auch  vorzugs- 
weise holder  herr'  genannt  wurde  (s.  401),  eine  heUbrin- 
gende  zeit,  eben  sollen  in  »ihm  gesclilossen,  häuser  in 
ihm  auferbaut  werden,  ^novam  lunam  observasti  pro  domo 
facienda  aut  conjugUs  sociandis'  (anh«  xxxvi),  letzteres 
ganz  so  im  ehstn.  abergl.  no.  1.  bei  neumond  soll  man  in 
ein  ^eues  haus  ziehen  (abergl.  429)  nicht  bei  abnehmen- 
dem (498);  im  neumond  geld  zälden  (223),  er  mehrt  den 
vorrath  (vgL  s.40i),  dagegen  schadet^  wenn  er  in  leeren 
beutel  scheint  (t07.)  Überall  herscht  die  Vorstellung,  dafs 
geld ,  eheglück  und  haussegen ,  gleich  dem  licht  des  him- 
mels  wachsen  und  zunehmen  werden.  Nicht  anders  ge-» 
schiebt  haar  und  nägelschnitt  im  neumond  (franz.  abergl* 
no.5,  Schütze  holst,  id.  3,  68)  damit  sie  wieder  nach- 
wachsen; vieh  wird  im  zunehmenden  licht  entwöhnt 
(no.757),  im  schwindenden  würde  es  abmagern;  nach 
htth.  abergl.  no.  11  sollen  mädchen  in  abnehmendem^  kqa-* 
ben  in  vollem  licht  entwöhnt  werden,  wahrscheinlich  lun 
Jenen  eine  schlanke,  zierliche,  diesen  aber  starke  gestalt 
zu  verschaffen.  Wenn  es  no.  764  heifst,  dafs  trauungen 
im  Vollmond  erfolgen  sollen,  238,  dafs  man  im  zuneh- 
menden oder  vollen  mond  neue  wohnung  beziehen  müsse, 
so  scheint  dann  vollmond  fülle  des  wachsenden  lichts, 
ohne  nebenbegrif  der  beginnenden  abnähme  zu  bedeuten. 

Bei  Vollmond  (im  gegensatz  zu  neumond)  d.h.  bei 
abnehmendem  licht  sind  geschäfte  zu  verrichten,  die  tren- 
nuug   oder    auüösuug,    föUen    oder   erlegen   beabsichtigen. 


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40»  MONDLICBT 

so  ^iirde  z,  b#  eine  ehe  geschieden ,  ein  haus  abgebrodiCB 
werden  müssen  im  abnehmenden  mond ,  falls  ich  recht  ver- 
mute* Hierher  gehört  die  Vorschrift  holz  im  wald  zu  fallen 
wenn  >vadel  ist,  gleichsam  damit  das  gefällte  holz  trockne« 
in  einem  Slrafsb.  1511  bei  Hupfuff  gedruckten  calender: 
^es  ist  gut  holz  anheben  abzuhauen  mit  des  mondes  wedeL' 
so  wird  noch  in  vielen  neueren  forstbüchern  gelehrt,  der 
volhnond  heifst  darum  Jio/zwadel]  bei  zunehmendem 
mond  '(im  bösen  wädel)  soll  man  kein  holz  schlagen 
(abergL  973.)  Keisersperg  menschL  bäum  Strafsb.  1521« 
19 :  *es  ist  al wegen  im  wedel  bäum  abzuhauwen  und  gc- 
wild  zu  scliiefsen*'  gi*as  im  neulicht  nicht  zu  mähen, 
sondern  im  vollmond  (litth.  abergL  7)',  damit  das  heu 
schnell  dürre?  Wenn  man  bei  wachsendem  mond  fedon 
in  ein  bett  füllt,  so  haften  sie  nicht  (no.  372.  914);  audi 
dies  geschäft  fordert  abnehmendes  licht,  gleichsam  um  die 
gerupften  federn  vollends  zu  ertödten  und  zur  rast  xa 
zu  bringen.  Yuk  s.  v.  mijena  erzählt ,  dafs  Serbinnen 
im  neumond  kein  hemd  waschen,  die  ganze  leinwand,  be- 
haupten sie,  würde  sich  im  wasser  vermonden  (omijenili), 
d.  i.  aufbauschen  und  schnell  «lerreii'sen ;  man  könnte  tn^ 
dafür,  dais  im  abnehmenden  mond  wasche  zu  halten  sei, 
den  grund  geltend  machen  >  gleich  dem  schwindenden 
licht  solle  Uecken  und  Unreinheit  weggenommen  werden. 

Ich  habe  versucht  hinter  abergläubischen  gebrauchen 
einen  sinn  zu  entdecken,  der  vielleicht  nahe  an  ihre  ur- 
sprüngliche bedeutung  trift.  solche  analogien  zwischen  ab- 
sieht und  mittel  waren  wenigstens  dem  alterthum  überall 
nicht  fremd;  das  heilige  wasser  schwemmt  alles  unheil 
mit  sich  fort  (s.331),  der  absprang  sprengt  alle  krank- 
heit  ab  (s.  335.)  So  stellt  sich  der  leidende  gegen  den 
abnehmenden  mond  und  fleht:  wie  du  abnimmst  mögen 
meine  sdunerzen  abnehmen  (no.  245) ,  es  kann  aber  auch, 
in  andrer  Wendung,  dem  neumond  zugerufen  werden: 
du  magst  zunehmen,  mein  übel  mag  abnehmen!  (no.  492.) 
Das  kehren  des  antlitzes  gegen  das  gestim  halte  ich  fv 
eine  spur  heidnischer  mondsverehrung.*) 

Diese  art  des  aberglaubens  ist  längst  schon  in  die  en- 
geren scluranken  des  ackerbaus  und  der  Viehzucht  zurück- 
gewiesen ;  wir  würden  sie  deutlicher  erkennen ,  wenn  uns 
ihre  anweudung  auf  das  öffentliche  leben  aus  dem  alter- 
thum   gemeldet    wäre.       auf   opfer,    loose,     kriegführung 


*)  wer  dem  moitd  im  spiel  den  rücken  zukelirt   kat  lui^lück  (so* 
BOi.)     Tgl.  Buhaiig  Lvi  z.  1 1   V.  u. 


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MONDSFLBCKBN  40» 

ivird  die  beachtuug  des  mondwecliseb  manigfach  eiDgeflos* 
8en  baben.  Manches  erscheint  verwirrt,  weil  wir  nicht  alle 
tiQistände  überschauen,  manches  wird  auch  nach  den  Völ- 
kern verschieden  gewesen  sein.  Des  hausvaters  tod  im 
abnehmenden  mond  gilt  nach  deutschem  abergl.  (856)  für 
ein  Unheil,  man  wiilmt,  dafs  nun  das  ganze  geschlecht 
abnehmen  werde;  die  ehstnische  ansieht  (41)  hält  sterb- 
fälle  im  neumond  für  unglückbringend,  etwa  weil  noch 
mehrere  folgen?  Früchte,  die  über  der  erde  wachsen, 
sind  in  zunehmendem,  die  unter  der  erde^  in  abneh- 
mendem licht  zu  säen  (Jul.  Schmidt  p.  122);  bei  Westen- 
dorp  p.  129  aber:  dat  boven  den  grond  wast,  by  afne- 
lucude  maan,  dat  onder  den  grond  wast,  by  toenemende 
maan  te  zaaien.  Der  satz  in  des  Eligius  predigt  (s.  xxx) : 
nee  luna  nova  qubquam  timeat  aliquid  operis  arripere^  ist 
UDverständlicli ,  solange  man  nicht  weifs,  welche  art  von 
Verrichtungen  darunter  gemeint  wird. 

Die  flecken  und  schattigen  Vertiefungen  im  licht  des 
Vollmonds  haben  bei  mehrern  Völkern  ähnliche  mytholo- 
gische Vorstellungen  hervorgebracht,  dem  indischen  Volks- 
glauben erscheinen  sie  wie  ein  hase,  nemlich  Chandras^ 
der  goU  des  monds  trägt  einen  hasen  (sasa)  und  der 
mond  heilst  darum  sasin  oder  sasdnka  (hasenmahl,  fle- 
cken.)*) Auch  nach  mongolischer  lehre  zeigen  die  mond* 
schatten  eines  hasen  gestalt.**)  Bokdo  Dschagdschamuni 
(andere  nennen  ihn  Schigemuni),  der  oberste  regent  des 
himmels,  halte  sich  einst  in  einen  hasen  verwandelt,  blofs 
um  einem  verhungernden  wandersmann  zur  speise  zu  die-  * 
Den;  zu  ehren  dieser  tugendhaften  handlung  setzte  Chur- 
musta,  den  die  Mongolen  als  mächtigen  tängäri  verehren, 
die  figiH*  eines  hasen  in  den  mond.  Folgendes  erzahlea 
die  einwohner  von  Ceilon:  während  Budlia,  der  grofse 
gott,  als  einsiedler  auf  erden  weilte,  verirrte  er  sich  ei- 
nes tags  im  wald.  nach  langem  imiherwandern  begegnete 
er  einem  hasen ,  der  Ihn  anredete :  'kann  ich  dir  nicht 
helfen,  schlag  den  pfad  zur  rechten  band  ein,  ich  will 
dich  aus  der  wildnis  geleiten.'  'dank  dir',  versetzte  Budha, 
'aber  ich  bin  arm  und  hungrig,  ich  vermag  deine  gelal- 
ligkeit  nicht  zu  belohnen.'  'bist  du  hungrig',  sagte  der 
hase,  ^so  zünde  ein  feuer  an,  tödte ,  brat  und  ifs  mich.' 
Budha  machte  feuer;  gleich  hüpfte  der  hase  hinein. 
Nun  bewies   Budha    seine    göttliche    kraft,    rifs    das  tliier 


*)  Sdilegeis  Ind.  bibl.  1,  217. 

'*)  Bergmanns  streifereien  3,  40.  204.     Majers  myth.  wb.  1,  540. 


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410  MONDSFLECREN 

aus  Aen  flammen  und  versetzte  es  in  den  mond.  satdoii 
ist  in  dem  mond  immer  ein  base  zu  sehn.'*')  Der  phanta- 
sie  des  Gröniönders  jBind  diese  flecken  spuren  der  finget 
Malinas,  womit  sie  den  schönen  rennthierpelz  des  An- 
ninga  berührte  (Majers  m3rth.  taschenb.  1811  p.  15.) 

Eine  alte  fabel  erzählt:  MAb\  (der  mond)  nahm  zwei 
kinder,  Bil  und  Hiuki  von  der  erde  weg,  als  sie  eben 
aus  dem  brunnen  Byrgir  wasser  schöpften  und  den  eimer 
Srogr  an  der  Stange  Simul  auf  ihren  achseln  trugen.  Diese 
kinder  gehn  hinter  dem  Mdni  her,  wie  man  noch  von  der 
erde  aus  sehen  kann  (svd  sem  sid  md  af  iördhu.)  Sn.  12« 
Dafs  hierunter  nicht  die  phasen  des  monds  sondern  seine 
flecken  verstanden  wurden ,  folgt  schon  aus  dem  bilde 
selbst.  der  mondwechsel  kann  nicht  die  vorstellang 
zweier  linder  mit  dem  wassereiiner  auf  ihren  schul- 
fern  erzeugen,  dazu  kommt ,  dal's  das  schwedische  voDc 
bis  auf  heute  zwei  leute,  die  einen  grofsen  eimer  auf 
der  Stange  zusammen  tragen ,  in  den  mondsflecken  er- 
blickt.**) Was  aber  das  wichtigste  scheint,  aus  dieser 
heidnischen  eihbildung  vom  kinderstehlenden  mondsmann, 
welche  auch  aufserhalb  dem  Norden  in  ganz  Deutsclüand 
und  vielleicht  weiter  im  schwang  gewesen  sein  wird,  htt 
sich  hernach  eine  christliche  modification  ergeben.  Man 
erzählt,  der  mann  im  mond  sei  ein  liolzdieh,  der  am 
heiligen  sonntag  unter  der  kirche  waidfrevel  verübt  habe 
und  nun  zur  strafe  in  den  mond  verwünscht  worden  sei: 
da  erscheint  er  mit  axt  auf  dem  rücken  und  reishoU" 
hdndel  an  der  hand.  ganz  deutlich  hat  sich  die  wasser- 
Stange  des  heidnischen  märchens  in  den  axtstiel,  der  g^ 
tragene  eimer  in  den  dornbusch  umgewandelt;  die  idee 
des  diebstals  wurde  beibehalten,  vorzüglich  aber  heiüg- 
Laltung  des  christlichen  feiertags  eingeschärft;  der  mann 
leidet  weniger  strafe  darum,  weil  er  brennholz  gehaueo, 
als  dafs  er  es  sonntags  gethan  hat.  die  untergeschobne 
geschichte  stützte  sich  auf  nrMos.  15,  32  —  36,  wo  von 
einem  mann  erzählt  ist,  der  am  sabbat  holz  gelesen  und 
den  die  israelitische  gemeinde  zu  tod  steinigte,  alles  ohne 
erwähnung  des  monds  und  seiner  flecken.  Wann  dic«c 
fabel  in  Deutschland  zuerst  erschien  vermag  ich  nicht  nach» 

*)  Douce  illiutr.  of  Sliakf peare  1,16  aus  dem  mund  eines  frti- 
zosischen  reisenden,  dem  auf  Ceilon  die  eiowoliner  oft  sein  ferar«lir 
abgefordert  hatten,   um  damit  den  hasen  im  mond  zu  betrachten. 

**)  Daiin  I,  158:  men  ännu  fing  den  meningen  bland  vär  almofe- 
Lings  eddoroas  sinnebaldslära  li  78  enthalt  vermutlich  bestiouDtere 
ausM^o. 


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MONDSFLECKEN  411 

zuweisen  9  jetzt  ist  sie  fast  allgemein  hersdieod*);  wire 
die  Benennung  des  Vollmonds  wadely  wedele  im  sinn  von 
reiserbändel**),  selbst  aus  ihr  zu  erklären  (s.  406),  so 
gebührte  ihr  schon  ein  hohes  alter,  das  erste  mir  be- 
kannte Zeugnis  liefert  Fischart  Garg.  130*>:  'sah  im  mon 
ein  männlin^  das  holz  gestohlen  hett\  und  noch  be- 
stimmter sagt  Praetorius  weltbeschr.  1,  447:  die  abergläu- 
bischen leute  gaben  vor,  die  schwarzen  flecken  im  mond- 
Kcht  seien  der  mann,  der  am  sabbat  holz  gelesen  und 
darüber  ist  gesteinigt  worden.  Die  holländische  volkssage  läfsl 
den  mann  ^ßm^9e  stehlen,  mit  dem 'bundel  moes'auf  den  schul- 
tern zeigt  er  sich  im  mond  (Westendorp  p.  129.)  Ziemlich 
alt  scheint  die  englische  Überlieferung.  Chaucer  im  testament 
of  Creseide  260 — 64  schildert  den  mond  als  lady  Cynlhia: 

her  gite  was  gray  and  fu!  of  spottis  blake» 

and  00  her  brest  a  chorU  paintid  fol  even 

bering  a  bush  of  thornis  on  bis  bake^ 

whiche  for  his  theft  might  clime  no  ner  the  beven. 

der  dornbuscliträger  wird  seines  diebstals  wegen  nicht  in 
den  himmel  gelassen  und  mufs  im  mond  bleiben.  Ritsons 
ancient  songs  (Lond.  1790)  p.  35  enthalten  'a  song  upon 
the  man  in  the  moon',  welcher  beginnt: 

moB  in  the  mone  stond  and  strit, 

on  is  bot  forke  is  burthen  he  bereth^ 

bit  is  Diuche  wonderi  that  he  na  doun  slyt, 

for  doutelesse  he  valte,   he  shoddreth  and  shereth, 

when  the  forst  freseth,  mache  chele  he  byd, 

the  thornes  beth  kene,   is  hattren  to  tereth» 

auf  einer  traggabel  schleppt  er  zitternd  vor  kälte,  eine 
last  d<$rner,  die  ihm  das  gewand  zerreifsen,  er  hat  sie 
gehauen  und  ist  vom  flurhüter  gepfändet  worden;  das 
schwere,  oft  unverständliche  lied  stellt  ihn  als  faulen 
alten  dar,  der  bald  stille  steht,  bald  fortschreitet  (strit)  und 
dazu  betrunken  ist:  der  sonntagsentweihung  wird  nicht 
gedacht.  Shakspeare  redet  einigemal  'von  dem  mann  im 
»ond,  seinem  hund  und  seinem  dornbusch:  tempest  2,  2. 
I  was  the  man  in  th'  moon,    when  time  was  ....    I  have 


•)  ein  schönes  lied  davon  Iiat  Hebel  gedichtet,  ansg.  5.  p.  86— 89: 
*mc  het  em  gsait  der  Dieterle\  wobei  Schm.  2,  583  fragt:  ist  hier 
IHeterich  von  Bern  auf  classische  weise  in  den  himmel  versetzt?  man 
nnlste  nar  erst  Tersicbert  sein,  dafi  der  dichter  den  namen  aus  der 
tttdition  empfieog. 

**)  im  Uennebergischen  bedeutet  «^arie/  reisig,  gebundne  reis- 
^lie,  zumal  von  tannenzweigen ,  wadeln  reisholz  machen  (Reiowald 
2,  137),  was  freilich  auch  datier  rühren  kann,  dafs  man  im  toII- 
Btond  liolz  baut. 


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411  MONDSFLECKBN 

8een  thee  in  her ,  and  I  do  adore  thee,  my  mistrefs  shewd 
me  thee  and  thy  dog  and  thy  bush.  midsiimmem.  5,1: 
onc  must  come  in  with  a  buah  of  tliorn8  and  a  lant- 
horn  and  say  he  come  to  present  the  person  of  moon- 
shine.  auch  bei  Giypiiius  bindet  der  den  mond  vorstel- 
lende Schauspieler  einen  husch  um  den  leib.*) 

Zwei  andere  abweiciiende  deutungen  der  mondsfle- 
cken  haben  gleichfalls  biblische  ankuüpfung.  Einmal 
soll  es  Isaac  sein,  der  ein  biindel  holz  selbst  jra  seiner 
Opferung  auf  den  berg  Moria  trägt**)  dann  aber  Kaio, 
mit  einer  bürde  dornen  auf  den  schultern  ^  um  golt 
dem  herrn  die  geringste  gäbe  seines  feldes  darzubringen.***) 
hierfür  zeugt  schon  Dante,  parad.  2,  50: 
che  sono  i  segni  bui 

di  questo  corpo,   che  laggiuso  in  terra 

fan  di  Cain  favoleggiare  allrui? 
und  inferno  20,  126:  Caino  e  le  spine. 
Landino  sagt  zu  dieser  stelle:  ^cioi  la  luna,  nella«quale 
i  volgari  vedendo  una  certa  ombra,  credono  che  sia  Caino^ 
c^habbia  in  spalla  una  forcata  di  pruniJ*  ein  andrer 
commentator :  ^accomodandosi  alla  favola  del  volgo,  che  sieno 
quelle  macchie  Caino ,  che  inalzi  una  forcata  di  spine. 

Alle  diese  auslegungen  treflFen  darin  überein,  dafs  si« 
eine  menschengestalt  in  den^mondsÜecken  annehmen,  die 
etwas  auf  der  schulter  trägt ,  sei  es  den  hasen ,  die  Stange 
mit  dem  eimer,  die  axt  mit  den  dornen  oder  die  blofse 
dornentast. 

Es  mufs  noch  andere  Überlieferungen  gegeben  habeo. 
ein  niederländ.  dichter  des  14  jh.  redet  von  den  dunkete 
streifen  y   welche  stehen 

recht  int  midden  van  der  mane, 

dat  men  in  duitsche  heet  ludergheer ; 
an  einer  andern  stelle  heifst  es  lendegher.f)  beide  for- 
men sind  unverstäudlich ,  ich  weifs  nicht  ob  in  dem  letz- 
ten theil  des  Wortes  der  begrif  beer  (exercitus)  oder  gbcer 
(jaculum)  liegt.  Eine  schöne  geistliche,  gewis  nicht  von 
ihm  ersonnene  deutung  überliefert  uns  Berthold  145:  A^ 
mond  sei  Maria  Magdalena,  die  flecken  seien  ihre  reuig 
vergossenen  zähren« 


*)  vgl*  <las  irische  elfenmärchen  no.  20. 

••)  Praetorios  wcltbesclir.  1,  447. 

•••)  auf  die  bekehrten  Heiden  scheint  die  sage  von  dem  erite« 
bmdennörder  vorzuglich  tiefen  eindruck  gemacht  zu  haben;  sie  ^' 
ken  sich  ihn  als  einen  bosen  riescn,  vgl.  Beov.  213  ff*. 

+)  van  Wyn  avondstunden  1,  80Ö. 


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SOMNB  418 

Ungleich  geringeren  einflufs  auf  abergläubische  vor* 
Stellungen  und  gebrauche  als  der  mond  hat  die  sonne. 
zauberkraftige  kräuter  müssen,  wo  nicht  bei  inondschcin, 
wenigstens  t^or  Sonnenaufgang  gebrochen  werden  (s.  353), 
heilbringende  wasser  vor  .Sonnenaufgang  geschöpft  (s. 
329.)  Die  aufsteigende  sonne  verscheucht  allen  zauber, 
und  zwingt  die  geister  in  ihre  unterirdische  wohnung. 
Daher  auch  aufser  dem  was  von  der  Sonnenfinsternis  ge- 
sagt w^orden  ist,  nur  wenige  auf  die  sonne  bezügliche 
Überlieferungen  anzuführen  bleiben. 

Zweimal  des  jahrs  wendet  die  sonne  ilircn  lauf,  im 
Sommer  um  zu  sinken,  im  winter  um  zu  steigen«  diese 
Sonnabenden  feierte  das  beiden thum,  das  sommerliche  fest 
wird,  noch  jetzt  durch  Johannisfeuer  begangen  (s.  350.) 
Je  höher  im  Norden  hinauf,  desto  stärkeren  eindruck 
muste  jedes  solstitium  hervorbringen  ^  zur  zeit  des  som- 
merlichen herscht  fast  beständiger  tag,  zur  zeit  des  win- 
terlichen beständige  nacht.  Schon  Procop  (ed.  bonn.  2> 
206)  beschreibt  es,  wie  nach  ihren  35  tagen  nacht  die 
Thuliten  berggipfel  erklimmen  und  die  nahende  sonne 
erspähen,     dann  feiern  sie  ihr  heiligstes  fest. 

Tacitus  meldet  (cap.  45),  über  die  Suionen  hinauf- 
wärts  lasse  die  untergegangne  sonne  so  lichten  glänz  hin- 
ter sich,  dafs  er  bis  zum  morgen  die  Sterne  bleiche,  so^ 
nutn  insuper  audiri ,  forinas  deorum  et  radios  capi^ 
tis  aspiciy  persuasio  adjicit.  Diese  stelle  hätte  ich  cap.  6 
ior  das  dasein  germanischer  götter  geltend  gemacht,  wenn 
nur  nicht  glau^jüch  seidene,  dafs  dergleichen  nachricliten 
zu  den  Römern  weniger  aus  Deutschland  selbst  gedrun- 
gen, als  durch  aUgemeinere  reisgsagen  unter  ihnen  ver- 
breitet waren.  Strabo  3,  1  (Tsch.  1,  368)  führt  aus  Po- 
sidonius  eine  sehr  ähnliche  erzählung  von  dem  rauschen 
der  untergehe/iden  sonne  in  dem  meer  zwischen  Spanien 
und  Africa  an:  /nel^u)  dvpHV  tov  ijXiov  iv  Ty  nagfaxfa^ 
vi%idt  /luvcc  yjotpov  naQanXfjaiias  >  daavsl  qIi^ovtog  '^ov 
neXa^ove  ^dTci  oßiaiv  avrov  diä  to  ijunimsiv  ^ts  lov 
ßv^ov.  aber  auch  unter  den  Deutschen  kann  schon  da- 
mals die  mcinung  verbreitet  gewesen  sein;  die  strahlen^ 
den  häupter,  gleichsam  der  heiligenschcin ,  sind  noch 
besonders  merkwürdig.  Im  folgenden  cap.  wül  ich  diesen 
wunderbaren  klang  der  auf  und  untergehenden  sonne  wei- 
tÄ*  besprechen.  Merkwürdig  ist  auch  in  dem  alten  ags. 
Zwiegespräch  zwischen  Saturn  und  Salomon  (Thorpes  anal. 
p.  lOO)  die  deutung  der  abend  und  morgeoröthe :  *saga 
me  forhvan  bydh  seo  suune  read  on  oejen  V  *ic  the  secge, 


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414  GBSTIRNB 

forthon  heo  locadh  od  helle.*  ^aga  me^  btt  ednedh  heo 
8V&  redde  on  tnorgene?^  4c  tlie  secge,  forthon  hyre 
tvynadh  hvädher  heo  mag  the  ne  mag  thisDe  middaneard 
eondscinan  8vd  hyre  beboden  is.'  abends  ist  sie  roth,  weil 
sie  zur  hölle  blickt,  moi^ens  in  der  ungewisheit,  ob  sie 
ihren  lauf  voUfiihren  möge. 

Darf  eine  spur  von  heidnischem  mondcultus  darin  ge* 
sucht  -werden,  dafs  man  zur  grcnzbezeichnung  auf  feken 
und  steine  das  Inld  des  monds  einhauen  liefs?  RA.  542. 
951  ist  eine  alamanuische  urk.  von  1155  angegeben,  vrel- 
che  diesen  gebrauch  auf  könig  Dagobert  ziu'ückführt 
Noch  in  westfälischen  Urkunden  des  17  jh.  finde  ich  lialf* 
mo/2c{«schnad steine  *) ,  falls  hier  der  ausdruck  lialfmond 
nicht  etwas  anders  (soviel  wie  halbscheid?)  aussagt. 

Der  Volksglaube  denkt  sich  die  gestirne  in  beziehung 
auf  den  einzelnen  menschen  hold  oder  Jeindlic/i.**)  wel- 
che consteliation  ihm  bei  der  gehurt  leuchtete,  die  nimmt 
ihn  sein  ganzes  leben  hindurch  unter  ihren  schütz;  das 
heilst:  unter  einem  guten,  glücklichen  stern  geboren  wer^ 
den.  aus  dieser  richtung  und  diesem  eiti Verständnis  wal« 
tendcr  gestirne  wird  das  Schicksal  geweissagt. 

£s  ist  fromme  gewohnheit  abends  beim  schlafengeka 
die  leuchtenden  gestirne  zu  grüfsen  (abergl.  112),  oder 
wenn  der  abendstern  aufgeht  ein  gebet  zu  verrichten  (neu- 
griechische sitte.) 

Sterne,  mond,  sonne  gelten  für  äugen  des  himmelfi; 
dies  hangt  mit  Vorstellungen  von  menschähnlicher  geslalt 
der  götter  und  von  vergötterten  ipenschen  zusammen  (abergt 
614.)  mau  soll  nicht  nach  mond  und  Sternen  fingerden- 
ten,  aus  furcht,  engein  in  die  äugen  zu  greifen  und  sie 
zu  verletzen  (abergl.  334.  937.) 

Nach  der  edda  waren  alle  gestirne  feuerfunken  aus 
Muspellsheim ,  die  in  dem  lunraum  herumflogen,  bis  ih- 
nen die  götter  sitz  und  gang  anwiesen.   Sn.  9.   Smm.  1. 

Entzündete  dünste  >  welche  bei  gestirntem  himmel, 
feurigen  faden  gleich,  schnell  durch'  die  luf^  niederfalleD, 
lat.  trajectio  stellae,  Stella  transvolans,  ital.  Stella  cadente, 
franz.  <^toile  filante,  span,  estrella  vaga,  schwed.  stjemfallt 
dän.  stiernskud,  was  die  Griechen  diaynv  (überführen,  traJK 
cere)  nennen,'  werden  bei  uns   von  dem   volk  einem  rei* 


•)  veitlieidigung   der  burg  zu  Wulften,    in   den  beilageo.    Wies 
1766  pag.  71.  72.  162. 

*')        swem  die  steinen  werdent  gram, 

dem  Wirt  der  mäne  Hüte  alsam.    Frid.  108,  3. 


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QBSTIRNB  415 

oi^n   des    stemenlichts   zugeschrieben:    sie  gleichen    dem 
feuerfunken ,    den  man  von  einem  geputzten  licht  nieder- 
wirft,    schon  Wolfram  sagt  Wh.  322,  18 
'dehein  sterne  ist  so  lieht, 
ern  färbe  sich  etswenne.*) 
daher    noch   heute:     die   Sterne   putzen,    schneutzen    sich, 
im   subst.   sternputze  ^    Sternschnuppe.     Diese   fallenden 
Sterne  sind  vorbedeutsam**),    wer    sie    erblickt,    soU    ein 
gebet  sprechen  (abergl.  595);    dem   armen  mädchen  fallen 
geldstücke  damit  herunter  (KJVI.  no.  153.) 

Die  Überlieferung  unseres  heideuthums  von  einzel- 
nen gestiruen  ist  gröfstentheils  verschollen  und  selbst  die 
namen  sind  durch  die  gelehrtastronomischen  benennungen 
fast  verdrängt  w^orden:  nur  wenige  haben  sich  in  altn. 
sage,    oder  unter  dem  gemeinen  volk  erhalten  können. 

Ob  die  planeten  nach  den  grofsen  göttern  genannt 
-waren,  wissen  wir  nicht;  es  ist  keine  spur  davon  auzu« 
treffen,  selbst  nicht  im  Norden,  planetarische  tagnamen 
scheinen,  wiewol  sehr  frühe,  aus  der  fremde  eingeführt 
(s.  87ff.)  An  sich  ist  es  kaum  denkbar,  dafs  die  Heiden, 
wenn  sie  einzelne  fixsterne  durch  eigenthümliche  benen« 
nungen  hervorhoben,  nicht  auch  die  gröfseren  Wandel- 
sterne, deren  erscheinung  und  Wechsel  weit  mehr  ins 
äuge  fiel,  hätten  unterscheiden  und  benennen  sollen.  Die 
abendliche  und  morgenliche  Venus  heifst  abendstern, 
morgenstern,  ahd.  äpantsterno,  tagaaterno***),  wie 
im  lat.  Vesper  und  lucifer.f)  gl.  trev.  22^  haben  stelbdm 
hesperus,  das  ist  wol  steUbaum?  imd  verschieden  von 
stallbaum  (zwisclienbalke  in  Pferdeställen),  aber  ich 
kenne  den  grund  der  benennung  nicht.  Den  Angelsachsen 
lilefs  er  st^äna  steörra  (bubulcorum  stetig,  weil  die  hir- 
ten»  sobald  er  aufgieng,  heim  trieben.  Auch  für  den 
polarstem  gibt  es  keine  einheimische  namen. 

Zweier  gestirne  Ursprung  wird  in  der  edda  gemeldet^ 
aber  niemand  weifs  jetzt,  welche  cqnstellation  darunter 
gemeint  ist.     Thörr  trug  den   riesen   Orvandil  aus  lötun- 


*)  D.  liest  SAbere  sich.'    schon  ahd.  farban  (mnndare,  expiare.) 
**)  schon  bei  den  Griechen  (Reinh.  fucha  p.  lxxii);    in  einem 
gedieht  Ton  B^ranger:    'mon  enfant»    un    mortel    expire,    &on   etoile 
tombe  k  l'insUnt.' 

^  *'*)  N.  Bth.  223   für  letztern  auch  ähtosterno  von  ahtA,    fi^oth. 
«bivd  crepusculum. 

t)  in  einem  alten  kircheulied  wird  dem  Lncifer  ein  wagen  bei- 
gelegt: cumis  jam  poscit  phospboros  (relta  giu  fergdt  tagasteru) 
byauL  2,  3. 


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416  GESTIRNE         WAGEN 

heim  in  einem  korb  auf  seinem  rücken,  eine  fufszehe 
hatte  hindurchgeragt  und  war  erfroren.  Thörr  brach  sie 
ab  uud  warf  sie  gen  himmel:  daraus  ward  ein  stern  Or- 
vandils  tä.  Sn.  111.  Die  äsen  hatten  den  riesen  Thiassi 
getodtet  und  musten  ihn  seiner  tochter  Skadlii  büfscn. 
Odhinn  nahm  des  Thiassi  angen  und  warf  sie  an  den 
himmel,  wo  sie  zwei  slerne  bildeten.  Sn.  82.  83.  diese 
augu  Tkiassa  mögen  zwei  dicht  nebeneinander  stehende 
Sterne  sein,  an  licht  und  gröfse  gleich,  etwa  die  Zwil- 
linge? zugleich  bestätigt  sich  hier  jener  zusammenhaDg 
der  Sterne  mit  den  äugen. 

Von  der  milchstrafse  und  ihrer  beziehung  auf  Irmin 
habe  ich  s.  213  —  215  gehandelt. 

Unter  allen  lixsteruen  unseres  himmels  treten  in  der 
anschauung  des  volks  drei  hervor:  ursa  major,  Orion  und 
die  Plejaden.  für  sie  alle  gibt  es  auch  noch  einheimisclie 
uamen ,  ich  werde  zugleich  die  slavischen ,  litthauiscLen 
und  finnischen  beneunungen.  anführen,  da  diese  Völker 
geradeso  dieselben  stcrne  auszeichnen. 

Der  grofse  bar  hiefs  wol  schon  vor  der  bekehrung 
iinsern  vorfahren  wagen ;  ein  name ,  der  ihnen  unent- 
lehnt  mit  urverwandten  Völkern  gemein  war,  darum  dauert 
er  noch  bis  heule  als  der  volksmäfsige  fort.  0.  V.  17,  29 
setzt  den  pl.  wagand  gistelli,  weil  er  den  grofsen  und 
kleinen  wagen  zugleich  ausdrücken  will,  letztern  (die  ursa 
minor)  nennt  Berthold  das  wegeltn,  das  bild  grüadet 
sich  auf  lebendige  betrachtung  der  constellation ,  deren 
drehung  überall  vier  räder  und  eine  abstehende  deichsei 
erkennen  lafsl,  weshalb  auch  die  Angelsachsen  zuweilen 
blofs  thtsl  setzen,  pcenes  thtsla  Boeth.  Rawlins.  192^ 
belege  sind  s.  lOÄ*),  und  gründe  angegeben  für  die  Ver- 
mutung, dafs  Wuotans,  des  höchsten  gottes  wagen,  ge- 
meint sei.  zwar  bezieht  eine  allschwed.  chronik  den 
schwed.  namen  iarlwagen  auf  Thörr,  der  seinen  'wagen 
besteigend  die  sieben  Sterne  in  der  band  halte,  und  ich 
will  dies  nicht  entschieden  leugnen;  doch  werden  gerade 
wuotanische  sagen  auf  den  fränkischen  Karl  angewandt 
(s.  103.)  Wenn  gl.  Jun.  188  Arturus  wagan  vei^eulscht 
wird,  so  erklärt  sich  das  aus  naher  berührung  jenes  Sterns 
mit  dem  schwänz  des  grofsen  baren,  wie  sie  sclion  der 
name  uQmovQog  zeigt. 

Den  Griechen  waren  beide  benennungen  geläufl^^ 
Sqxioq  (ursa)  und  li/ua^Uy    den  Römern    ursa  und  plnw 

*)  IchhAn  den  glänzen  liimelwagen  und  daz  gestirne  beaeheo.  Troj.lS9l>* 

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GBSTIRNE         ORION  417 

itruniy  daneben  'noch  septentrio  (von  irio,  pflugocLs)  oder 
septentriones.  Franz.  cJuir^  charriot  y  ital.  span.  carro. 
Yohi.woz  (pldustruni)  woz  niebieski  (himm el wagen) ,  böhm. 
wos'^  den  illyrisclien  Slaven  hola,  pl.  von  kolo,  rad, 
also  rader,  d.h.  wagen,  ich  finde  aber  auch  tola  rodina 
und  rodohola  *) ,  worin  mir  der  bcisatz  rodina  und  rodo 
undeutlich  ist;  litlh.  gryzulio  ratSy  gryzdo  rats,  von 
ratas  (rota),  das  erste,  von  Mielcke  unerklärte  wort  nnifs 
den  begrif  wagen  oder  himmel  enthalten  **)  5  lett.  ratti, 
d.h.  räder;  ehstn.  wanlri  täliliedy  d.i.  wagensterne,  von 
wanker  (currus) ;  ungr.  göntzöl  szelere,  von  szeker(curru8.) 
Die  Finnen  abweichend  otawa^  was  sonst  lachsnetz  bedeutet. 

Niemals  weder  in  altd.  Sprachdenkmälern,     noch    bei    ■ 
Slaven,  Litthauern,  Finnen  die  von  dem  thier  (ursa)  her- 
rührende  benennung ,     obschon    gerade    diese   Völker   den 
bär  in  sage  und  vielleicht   in  cultus  auszeichneten  (s.  385.) 

Den  carro  menor  heifsen  die  spanischen  hirlen  bocina 
(hiefhorn.)***)  die  Isländer  aber  fiosalonur  d  lopti 
(melkweiber  am  himmel.)     Biöm  s.v. 

Das  band  hellglänzender  Sterne,  welches  die  Griechen 
zn  dem  bild  des  Orion  f)  veranlafste ,  fahrte  mehrere 
deutsche  benennungen,  deren  grund  uns  jetzt  nicht  immer 
klar  ist.  Einmal  heifsen  die  drei  nebeneinander  gereihten, 
den  gtirlel  Orions  bildenden  Sterne  in  Scandinavien  Frig^ 
gjarroclr^  Friggerok  (oben  s.  167.  192),  nach  einer 
umdeutung  auf  Maria  zugleich  Mariäroh,  Marirok  (bei 
Pfeder  Syv  in  den  danske  digtek.  middelald.  1,  102);  hier 
ist  deutlicher  Zusammenhang  des  Sternbilds  mit  heidnischer 
gütferkhre.  dieselben  drei  Sterne  führen  unter  dem  volk 
in  Oberdentschland  bis  auf  heute  den  namen  der  drei 
mader  y  weil  sie  drei  auf  der  wiese  neben  einander  ste- 
henden mädern  gleichen,  eine  einfache  benennung,  wie 
die  des  wagens,  in  der  kindlichen  phantasie  eines  hirien- 
volks  entsprungen.  Ahd.  glossen  nennen  den  Orion  pfluoc 
(aratmm.)  Ags.,  vielleicht  mehr  alts.,  glossen  übertragen 
Orion  durch  eburdhring,  eburdhrungy  ebirdring 
(gl.  Jun.   369.   371 +t)),    reinags.    vnirde     stehen     eofor- 

•)  m  der  zu  Ofen  1831  gedrackten  bosnigchen  bibel  3,  154. 
223.  roda  beifst  bei  Vok  storcli  und  davon  yrWd  das  adj.  rocUn  ge- 
bildet, aber  was  soll  das?  roda  scheint  wiederum  rota,  rad. 

^  ••)  die  litth.  bibel,  Königsb.  1816  hat  Hiob  9,  9   gryzo  weziin- 
tnasy  und  wezimmas  ist  wagen. 

•••)  Don  Quixote  1,  20  (ed.  Ideler  1,  232  vgl.  5,  261.) 
f)  unsere  mhd.  dichter  behalten  Oridn  bei.   MS.  1  ,  37». 
t+)  in  der  letzten  stelle  eburdnung,  ein  beweis  für  das  alter  der 
hs.,    da  der  zug  des  r  sich  dem  n  nähert 

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418  GESTIRNE         ORION 

dhiyng,   efordfaring;   der  sinn  mufs    sein  eberhaufe,    denn 
dhryng   ist  ags.  ein    dichter,    gedrängter    häufe,     torba*); 
warum  man  in  der  Sterngruppe    einen    tnipp  wilder   eher 
sah,    und    welche   Sterne   des  Orion   ihn    bildeten?     vreifs 
ich  nicht,     die    griech.  sage   von    dem    wilden    }äger   kann 
dabei  aus  dem  spiel  bleiben ,    schon  weil  weder  sie ,    noch 
das  griech.  gestirn  gejagte  ihiere  hervorhebt;    die  eher  des 
deutschen   bildes    mögen    ganz    andern   bezug    haben    und 
etwa  blofs  auf  einfacher  yergleichung  beruhen,     ahd.  glos- 
sen   geben  uns   kein  epurdrunc.     Das  spätere    mittelalter 
nennt  jene  drei  mader  oder  den  nord.  Mariarocken  Jacobi* 
Stab]   gleich   der   heidnischen  Irmiustrafse  (s.  214)    wurde 
-die  heidnische  Spindel  übertragen   auf  den  heiligen  apostel, 
der  nun  mit  seinem  Stab    auf  der    alten  himmelsbalm   eio- 
herzieht.     Den  Ehsten  heifst  Orion  warda  tälüied^    steroe 
des  Speers,   von  wardas,   spiefs,  vielleicht  auch  stab,    an 
Jacobsstab  gemahnend.     Den  Litthaueru  szenpjuwisj  hea« 
gestirn?,    von  szeu  (foenum),    wie   szenpjutis    den    augast 
bezeichnet,  weil  das  gestirn  zur  heuernle  aufgeht?    wahr- 
scheinlich  auch   in  bezug   auf  die   drei  heumäher?    deoo 
gerade  so  geben  auch  mehrere  slavische  volker  den  namen 
iosip  d.  i.  Sensen  y    poln.  iosy  (Linde  1092^)  sloven.  ioni 
(Murko  142.)    andere    slav.  benennungen    des  Orion   siad 
shtapka  (bosn.  bibel  3,  154),  wofür  aber  gelesen  werden 
mufs  shtapka  j    bei  Vuk    shtaha^    knicke,     bischofssrab, 
nach  unserm  Stäbchen,    bei  StuUi   babini  sctapi^    altwei- 
berstäbe;  und  kruzilice**\  ,YfBA  ich  nicht  zu  deuten  wage. 
Zwischen  den  schultern   des  Stiers   ist   eine  dicht  mit 
Sternen  besäte  stelle  sichtbar,  in  welcher  vnederum  sieben 
(eigentlich  sechs)  gröfsere  zu  erkennen  sind ;    davon  heifst 
sie  Siebengestirn ,    ahd.  thaz  sibunstirri  0.  v.  17,  29.  gl. 
Jun.  188   (wo  es    mit  den    hyaden   verwechselt  wird,  die 
nicht  weit  davon ,  im  hauptc  des  Stiers  stehn.)  ***)     Aufser 
dieser  blofs  zählenden  benennung    gibt  es   andere  lebendi- 
gere,    griech.  Tlkeiaisgy  Jon.  IlXi^i'aöeQ  y  sieben  töchter  de» 
Atlas  und  der  Plelone,  welche  Zeus  an  den  himmel  erbob 
(II.  18,  486.   Od.  5,  272),   gleich  jenem  nord.  Tliiassi  mä 
Orvandiil,    aus  dem    riesengeschlecht ;     einige    deuten   sie 
aber  aus  ncXcidg   (wilde  taube)  was    sonst    niXsia  heifct 

')  vgl«  •?••  dhrang,  engl,  ihrong^  mittellat  drungus. 

••)  Dobrowskys  Slaviu  p.  423 ;  das  poln.  kruzlic  ist  krflglÜB. 
Hankas  altbötim.  glossen  hab.  n  66,857  krusljk  circulea,  99,  l<rl 
knisslyk  lix,   was  icli  nicht  verstehe,     wäre  es  kruckeV 

***)  oocb  weniger  darf  man  dies  Siebengestirn  mit  den  aiebd 
•temen  de«  wagens  vermischen. 


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GESTIRNE         PLBJADEN  419 

röm.  Vergiliae^  wovon  Feslus  eine  ungenügende  erklä* 
rung  liefert.*)  Schwer  deutbar  ist  der  nur  im  äufsersteu 
Norddeutscbland  übliche  name  des  Siebengestirns,  in  Me- 
tdenburg  duming  **),  im  Holsteinischen  dunip  (Schütze  1, 
270);  man  müsle  ältere  formen  besitzen,  um  seinen  sinn  si« 
eher  zu  ralhen.  dumpein  heifst  auf  dem^vasser  schweben,  tau- 
chen, nnl.  dompelen,  tümpfel  nhd.  gurges^  vorago;  sollte 
das  untergehende  gestirn  von  seebewohnern  nach  seinem 
tauchen  ins  meer  genannt  werden?  vgl.  dumpf,  dümpfel, 
tümpfel  Schm.  1,  273.  und  wäre  der  ^sich  bergende'  tun-^ 
leUterne  MS.  1,  38*>  gleichfalls  das  Siebengestirn,  da  tun- 
ken so  viel  wie  tauchen,  und  tunc,  tunkel,  ahd.  tunchul 
gurges,   abyssus  (gramm.  5,  526)? 

Zumeist  verbreitet  unter  dem  volk  in  Deutschland, 
fast  in  ganz  Europa,  ist  das  bild  einer  kenne  mit  sieben 
hüchlein^  was  schon  an  jene  sieben  tauben  ***)  der  griech. 
sage  erinnert,  die  kluchey  hlucherin^  lluchhenne,  brut- 
kenne  mit  den  hünlein;  dän.  aftenhöne  Tabendhenne) 
aftenhönne  (dansk.  digtek.  middelald.  1,  102;;  engl,  the 
hen  with  her  Miene;  franz.  Isl  poussiniSre,  in  Lothrin- 
gen poucherosse  oder  covroase  (couveuse,  brulhenne,  qui 
conduit  des  poussins)  f ) ;  graubündn.  cluotschas  oder 
cluschas  die  klucken;  ital.  gallinelle'y  bohm.  slepices 
hurdtky  (henne  mit  den  küchlein);  ungr.  ßastik^  fia-^ 
Btyuk,  Die  Spanier  nennen  das  Siebengestirn  las  siete  cor- 
brillaa  Tsieben  zicklein)  ff) ;  die  Polen  baby  (alle  weiber), 
Russen  baba  (altes  weib)  Linde  1,  38*  Serb.  vlaschitzi 
(Vuk  78)  vlaachnitzi  (bosn.  bibel,  Ofen  1831  3, 154.  223); 
sloyen.  gostosevzi y  gostoshirzi^  die  dichtgesäten?  die 
letzte  benennung  hängt  zusammen  mit  der  litth.  und  fin- 
nischen ansieht,  das  gestirn  ist  ein  sieby  das  eine  menge 
löcher  hat  oder  einen  häufen  körn  aussiebt:  litth.  setas^ 
leit.  setinechf  ehst«  sööl  oder  sog  gel  ^  finn.  eeulay  seu^ 
lainen. 

Vielleicht  lassen  sich  noch  volksmäfsige  namen  andrer 
Sterne  nachweisen,  f^-f)     Litth.  heifsen  die  böcklcin  artojia 

•)  ein  deutscher  dichter  schreibt  pirUie,    Amgb.  42^. 
•')  das  mekleob.  duming  hat  Adelung,    ich   weif»  nicht  trohfer; 
▼iellcicht  riclitiger  dumpingl 

***)  vgl.  pentam.  4,  8  li   sette  palommielle,    sieben  verwandelte 
kinder. 
*     t)  m^iii.  des  antiq.  4,  376.    6,  121.  129. 

ff)  Don  Quixote  2,  41  (Idel.  4,  83  vgl.  6,  242.) 
ttt)  kymriifche   und    galische  bibeln   behalten  Hiob  9,  9  die  lat. 
Btinen  der  vulgata  bei;  es  scheint  also  in  diesen  sprachen  an  eignen 
Btemnamen  zu  gebreciien« 

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420  GB8TIRNB 

au  Jduczeis  (pflüger  mit  den  ochsen),  die  capella  nesz^ 
walgio  (essenträgerin.)  Auch  benennungen  der  Hja^ 
und  der  Cassiopea  waren  zu  erwarten.  Mehrere  werden 
aber  oft  verwechselt,  die  Plejadcn  mit  den  Hyaden  oder 
mit  Orion,  selbst  mit  dem  wagen  und  mit  Arctur*);  was 
durch  blofse  glossen  bewahrt  ist,  kann  nicht  für  sielicr 
gelten.  So  betrachte  ich  niclit  als  ausgemaclit,  dafs  die 
angeführten  nameu  pflüg  und  ehiirdrung  wirklich  dan 
Sternbild  Orion  zukonuiien.  die  irish  fairy  tales  2;  123  La- 
ben plough  eher  für  den  wagen,  als  für  Orion ,  und  wer 
weifsy  ob  unter  dem  häufen  eher  nicht  die  *Ta<fctf  (von 
ig)  und  die  lat.  Suculae  gemeint  werden? 

Noch  unsicherer  und  schlüpfriger  ist  es  die  Sternbilder 
und  namen  des  Orients  zu  vergleichen,  denen  schon  eine 
lehr  vcrschicdue  anschauung  des  himmels  zum  gründe  Hegt 
Hiob  9,  9  werden  drei  gestirne  genannt  u?y  (asch)  WS 
(kimeh)  ^"^JDS  (hsü),  woraus  die  LXX  machen  nXBiaäti^ 
k'anBQOS  und  uqtovqoq,  die  vulg.  arcturus,  Orion  und 
hyades,  Luther  den  wagen  am  himmel,  Orion  und 
die  glucke.  Hiob  38,  31  kimeh  und  ksil,  in  den  LXX 
TfXeiaStg  und  ^HglioVy  in  der  vulg.  pleiadea  und  arcturus, 
bei  Luther  Siebenstern  und  Orion ;  Jesaias  13 ,  10  ksil, 
in  den  LXX  'ilgliov,  vulg.  durch  splendor  umschriebeo, 
Luther  Orion;  Amos  5,  8  kimeh  und  ksil,  in  den  LXX 
umgangen,  in  der  vulg.  arcturus  und  Orion,  bei  Lutlu 
die  glucke  und  Orion.  IVIichaeUs  stellte  über  die  bedeutung 
dieser  Sterne  seine  86  frage,  und  Niebuln*  erhielt  von 
arabischen  Juden  die  verschiedenste  auskunft  **) ;  zuletzt 
ergab  sich  als  das  wahrscheinlichste :  asch  sei  das  arabische 
Sternbild  om  en  ndsch,  kimeh  (chima)  das  arab.  torije, 
ksii  das  arab.  s/teil  (silili^l)  und  sie  entsprechen  dein  wa- 
gen, den  plejadcn,  dem  sirius.  Sieht  man  auf  den  wört- 
lichen sinn,  so  dioickt  nasch j  das  einige  Araber  auch  in 
asch  verändern,  aus  ferelrum,  bahre  ***),  ein  mit  wagen  nah- 
verwandter begrif;  kimeh,  kima  scheint  einen  häufen  steroe 
zu  bezeichnen,  was  etwa  auch  in  jener  benennung  sieb  h^; 
ksily  thöricht,  gottlos,  ein  frevelnder  riese,  folglich  Orion. 

Ihrem  Ursprung  nach  kann  man  überhaupt  zwei  arten 
von  Sternbildern  annehmeh.  die  eine  gebraucht  mehrere 
Sterne,    um    sie    in    die    gestalt   eines  dings,    eines  thiers 

•)  Keisersperg  postil  206:  *der  meerstern,  oder  der  wagen,  oder 
die  heim  mit  den  himlein^    wie  ir  es  lieifsen.' 

**)  bekehr,  von  Arabieu  p.  114.  hier  findet  man  p.  112— 116  Bocb 
andere  arab.  steninanien  gesammelt 

•••)  Bocharli  hieross.  cd.  Rosenmuller  2 ,  680. 


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GESTIRNE  421 

oder  menschen  einzuscUiefsen ;  die  sterno  geben  dann 
den  grund,  gleichsam  die  knocheu  her,  um  welche  die 
ToUe  von  der  einbildungskraft  erschaute  figur  gezogen 
■wird,  so  bilden  drei  nebeneinander  erscheinende  Sterne 
den  Jacobsstab  y  einen  rocken  oder  gürtel;  sieben  Sterne 
fügen  sich  in  den  umrifs  eines  baren,  wieder  andere  iu 
den  eines  riesen  Orion.  Die  zweite  art  ist,  wie  mich 
dünkt,  einfacher,  küliner  und  älter:  in  einzelnen  Ster- 
nen wird  ein  ganzes  thier,  ein  ganzer  mensch  ersehn, 
ohne  riicksicht  auf  eigenthümliche  gestalt,  welche  in  der 
ferne  ohnehin  verschwindet;  rückte  uns  der  kleine  punct 
näher,  so  würde  sie  sich  von  selbst  entfalten,  so  sind 
die  nemlichen  drei  Sterne  drei  mähende  männcr;  die  sie- 
ben Sterne  derplejaden  eine  hcnne  mit  iliren  jungen ;  zwei 
Sterne,  die  in  gleicher  enlfernung  zu  beiden  selten  um  ei- 
nen mattschimmernden  Sternhaufen  stehn ,  nach  altgriech. 
Vorstellung,  zwei  esel  an  der  krippe.  hierbei  erscheint 
die  Phantasie  viel  freier  und  ungezwungner,  jene  umrisse 
fordern  schon  mehr  abstraction,  doch  mufs  auch  für  sie 
Buttmanns  treffende  bemerkang*)  gelten,  dafs  man  nicht 
damit  anhob,  die  vollständige  gestalt  am  himmel  zu  ent- 
werfen, sondern  dafs  es  genügte  ein  stück  davon  heraus- 
zufinden: das  übrige  blieb  unbestimmt  oder  wurde  später 
willkürlich  ergänzt.  Auf  diese  weise  ist  der  bär  vielleicht 
zuerst  an  den  drei  Sternen  des  Schwanzes  gefunden  wor- 
den, die  vier  andern  gaben  dann  den  leib  her.  unser 
wagen  gewährt  die  Vereinigung  beider  arten:  die  dcichsci 
eolsland,  gleich  jenem  schwänz,  durch  umrifs,  die  vier 
rgder  waren  aber  in  einzelnen  Sternen  bestimmt. 

Die  erscheinung  des  regenbogens  am  himmel  erzeugte 
mehrfache  mythische  Vorstellungen,  den  gewölbten  bogen 
nimmt  die  edda  für  eine  himmlische  brücke  ^  über  welche 
die  götter  wandeln:  sie  lieifst  daher  Jsbru  (Saem.  44*), 
gewöhnlich  Bifrost  (das  wäre  ahd.  piparasta),  die  be- 
bende, zitternde  strecke,  denn  röst,  goth.  ahd.  rasta 
drückt  eine  bestimmte  ferne  aus,  unser  stunde  oder  meilc; 
sie  ist  die  beste  aller  brücken  (S«;m.  46*),  aus  drei  fär- 
ben" stark  gezimmert,  aber  doch  wird  sie  dereinst  beim 
Vrelluntergang,  wenn  Muspclls  söhne  darüber  fahren,  zn- 
sammenbrechcn  (Sn.  14.  72.)     der  schweif  dieser  brücke**) 

*)  eot«teliaDg  der  Sternbilder  auf  der  griecb.  sfare  (abb.  der  berl. 
acadcniie.   1826  p.  19 — 63.) 

••)  bruarspordr^  wie  wir  noch  jetzt  der  brücke  einen  köpf  7.u- 
•«hrelben  (t4te  de  pont)»  gleich  als  Italte  sieb  ein  tbier  über  den 
flafis  gelegt,    köpf  und  scbwanz  auf  beide   u(cr  stützenti.    aber   auch 


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423  REGBNBOGBN 

reicht  an  Himiubiörg ,  Heimdalls  wohuang  (So.  2i)  und 
Heimdallr  ist  zum  Wächter  der  brücke  gesetzt:  er  hütet 
sie  *)  vor  den  lu-imthursen  und  bergriesen ,  damit  diese 
nicht  über  die  brücke  in  den  liimmel  dringen  (Sn.  18.  30.) 
Die  ganze  ansieht  stimmt  zu  den  wagen,  auf  welchen  die 
götter  am  himmel  fahren  und  den  straTsen,  die  sich  durch 
ihn  hinziehen.  Das  christenthum  verbreitete  die  vorsteU 
lung  des  A.  T. ,  zufolge  weicher  der  himmlische  bogen 
ein  zeichen  des  bundes>  den  gott  mk  den  iiienBcheh  nach 
dem  regen  der  grofsen  Wasserflut  geschlossen  halte ^  war: 
ahd.  reganpogo^  SLgs.^ acürboga  Clidm.  93,  5.  Indessen 
haften  noch  einige  abergläubische  Überlieferungen,  das 
volk  wähnt,  an  der  stelle,  wo  der  regenbogen  aufsteht, 
sei  eine  goldne  schussele  oder  liege  ein  schätz  verbor- 
gen; aus  dem  regenbogen  fallen  goldmünzen  oder  pfen- 
iiinge  nieder,  gefundne  goldbleche  heifsen  regenbogen-- 
scfuisselein.  In  Baiern  nennt  man  den  regenbogen  Jiiminel" 
ring^  jene  münzen  himmelring schusseln  (Schm.  2,  196.) 
Die  Römer  meinten,  der  aufstehende  bogen  trinke  wasser 
aus  der  erde :  bibit  arcus ,  pliiet  hodie.'  Plaut,  curcul.  1, 
2;  'purpureus  pluvias  cur  bibit  arcus  aquas?'  Propert. 
III.  5,  32.  Tibull.  I.  4,  44.  Virg.  Georgic.  1,  380.  Auf  den 
regenbogen  darf  man  nicht  mit  jingern  deuten  **), 
so  wenig  als  auf  geslirne.  zimmern  oder  bauen  auf  dem 
regenbogen  bezeichnet  eitle,  vergängliche  unternehmen 
(anm.  zu  Freidank  p.  319.  320),  setzen  auf  den  regenbo- 
gen (Bit.  2016)  einen  grofser  gefahr  preisgeben?  Die  SU- 
ven  nennen  den  regenbogen  poln.  serb.  russ.  duga,  /!«• 
beshja  duga^  böhm.  dulia^  d.  h.  eigentlich  daube  (ta« 
bula,  wie  an  iassem);  in  Serbien  sagt  man,  alles  männ- 
liche, das  unter  dem  regenbogen  durchgehe,  wandle  sieb 
in  weibliches,  und  was  von  weiblichem  geschlecht  durch- 
gehe, wandle  sich  in  männliches  (Vuk  s.v.)***)  Ein  paar 
slovenische  benennungen  liefert  Murko:  md%>ra^  mdvriia, 
was  sonst  eine  schwärzlich  gestreifte  kuh  bedeutet,  und 
boshji    stolez,     das    göttliche    slüldchen.      Lett.  warra- 

der  name  spordr  (eigentl.  cauda  piacis)    ist   niclit  zu  überselin ,    wie 

rost,  rasta  ein  gewisses  Stadium,  so  drückt  das  gotb.  spaürds^  iIkL 

spurt  den   Zwischenraum    aus,    ganz  im   abstracten  sinn  unseres  mal. 

daher  frngm.  theot.  15,  19   dhrim  spurtim   (tribus  vicibus)    was  aoch 

rastOm  lieirsen  dürfte. 

*)  oft  werden  sonst  riesen    zu  bruckenhütem   bestellt  (s.  SS3) 

M6dgndhr  die  jungfran  hütet  glallarbrü  (Sn.  67.) 

•*1  braunschweiger  anzeigen  1754  p.  1063.  ^ 

***)  abergl.  167  derselbe  umgekehrte  einflufs  der  constellatioo  m 

beide  geschlecbtcr. 


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REGENBOGEN  4S3 

wiJiksne,  dem  sinn  nach:  die  mächtige  buche?  Litth. 
Laum^sjosta,  gürtel  der  Lauma  oder  Laima^  einer  göN 
tin ,  aufserdem  dangaua  joata  (liimmelsgiirtel)  hiloinnis 
dangaua  (hiiumelsbogen)  ^  urorykszte  (wetterrulhe.)  finn. 
taiwancaari  (arcus  coelestis.)  In  einigen  gegenden  Lo- 
thringens courroie  de  &  Lienard,  couronne  de  S. 
Berofird. 

Den  Griechen  war  die  IgiSf  wie  im  A.T.,  zeichen 
der  götter  (U.  11^  27) ,  zugleich  eine  halbgottin  ^^i^,  die 
vom  himmel  als  botin  entsendet  wird.  Die  lüder  erkaun« 
ten  den  farbigen  bogen  des  himmels  ihrem  gotte  Indras  zu. 


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4M  TAG  UND  NACBT 


CAP.  XVni.    TAG  UND  NACHT. 


Lebendigere  vorslelluugen  des  alterlhiims  von  dem 
tag  und  der  naclit  greifen  in  die  von  den  gestirnen,  beide 
sind  heilige,  göttliche  wesen,  den  göttern  nah  verwandt, 
die  edda  läfst  den  tag  erst  ans  der  nacht  erzeugt  werden. 

Norvi  ein  iütunn  hatte  eine  tochter  namens  ^6tt^ 
schwarz  und  dunkel,  wie  ihr  geschlecht  (svört  oc  dock 
sem  hon  ätli  eett  tu)*);  mehrere  männer  wurden  ihr  zu 
theU,  Naglfari,  dann  Anar  (Onar)  ein  zwerg,  mit  dem  sie 
eine  tochter  lürdh  zeugte,  die  hernach  Odhins  gemaUin 
und  Thors  mutter  wurde,  ihr  letzter  mann  war  asiscber 
lichter  abkunft  und  hicfs  Dellingr,  dem  sie  einen  solm 
Dagr  ^  licht  und  schön  wie  sein  väterliches  geschleclit, 
gebar.  Da  nahm  der  Allvater  die  Nacht  und  ihren  solm 
Tag  ^  setzte  sie  an  den  himmel,  und  gab  jedem  ein  ros 
und  einen  wagen,  mit  w^elclien  sie  in  gemessner  zeit  die 
erde  umfahren  sollten,  die  rosse  hiefsen  das  thaumaboige 
und  glänzmähnige  (s.  376.) 

Im  namen  Delltngr,  assimiliert  aus  DegUngr^  liegt 
auch  der  des  sohns  Dagr,  und  weil  -Ung  gerade  ab- 
stainmung  ausdrückt,  mnls  entweder  schon  ein  früherer 
aline  Dagr  angenommen  werden ,  oder  die  reihefolge 
hat  sich,    wie  oft  in  alten  genealogien,    umgedreht. 

Für  das  wort  dags,  dagr,  tac  habe  ich  gramm.  2,  44 
eine  wurzel  gesucht  und  mufs  noch  immer  die  verglei- 
chung  des  lat.  dies  abweisen,  da  lautverschiebung  fehlt, 
der  deutsche  ausdruck  g  entwickelt  und  sein  a  in  o  (t'Oj 
ablautet.  Dagegen  läfst  sich  an  dem  lat.  diea^  und  allem 
was  ihm  in  andern  sprachen  gleicht,  das  ineinandergreifen 
der  bcgrilTe  tag ,  himmel ,  gott  nicht  verkennen.  Wie  Tag 
luid  Donar  beide  von  der  Nacht  abstammen,  so  faÜcD 
Dies  und  Dens  (Zeus)  der  nemlichen  wurzel  zu.  Deus 
ist    unser  Tiv,    Ziu    (s.  131),    denn    die    einzelneu    götler 


*)  diese  steile  ist  s.  303  nicht  erwogen ;  dafs  die  Nacht  und  <fie 
Haija  schwarz  sind,  versteht  sich  von  selbst,  und  es  kann  darans  noch 
kein  scIiluHi  für  die  riesen  überhaupt  gezogen  werden,  bemerkenswerth 
aucli  die  Verbindung  ""svört  ok  döck\  vgl.  250.  251.  offenbar  spielei 
hier  riesen  und  zwerggencalogicn  in  ein^der  über. 


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TAG         NACHT 

sieben  wechselseitig  gleiche  namen  an  sich;  auch  dieses 
Ziu  bestätigt^  wie  fern  hier  unser  Tag  steht;  selbst  für 
coelum  besitzen  wir  nur  abliegende  Wörter  (s.  398.  399.) 
dafs  aber  in  dies^  deus^  divus  die  ideen  gottheit,  hiinmel 
und  tag  sich  durchdringen ,  folgt  aus  dem  sanskr.cZ/p  oder 
diuo  (coelum\  lat.  divum^  dium  (der  freie,  ofhe  hinunel) 
sansk.  djuy  ainay  (dies),  d^uas  (deus),  litth.  diewaSj  lett« 
deu^Sj  lat,  deus ,  divus  (divinus),  gr.  TiBVQf  aeol.  A^^, 
gen.  Aioff,  für  den  abstracten  begrif  deus  hat  sich  aber 
A  in  @  verwandelt,  S-eog,  vgl.  &€iog  (divinus)  mit  dem 
sinnlicheren  äioß  (cocleslis.)  bedeutend  ist  die  slav.  form 
den  oder  dariy  poln.  dzien  für  tag,  litth.  diena^  lett.  . 
deena^  das  ableitende  n  erklart  sich  wie  in  Tti^v^  Zäv, 
Diana ,  \nav7j,  Janas ,  Juno  (f.  Jovino ,  Juvino)  und  an- 
dern Wörtern  derselben  wurzel.*)  Die  ind.  und  lat.  spräche 
hat  aus  ihr  manigfache  namen  für  götter,  tag  und  him« 
mel  gewonnen,  die  griech.  für  götter  und  himmel,  nicht 
für  tag,  die  litth.  für  gott  und  tag,  nicht  hinunel,  die 
slav.  nur  iür  tag,  weder  für  gott  noch  himmel,  endlich 
unsere  nur  für  einen  gott,  weder  für  himmel  noch  tag. 
auch  hier  zeigt  sich  die  vorzügliche  berührung  des  sanskrit 
mit  dem  latein,  in  deren  reichthum  sich  die  übrigen  spra- 
chen auf  verschiedne  weise  llieilten.  das  gr.  7;//«^  und 
"^juiga  halte  ich  für  nahbeschlechtet  dem  deutschen  himins» 
himU,    und  auch  'H/tuga  ist  eine  tagesgöttin. 

Ebenso  einstimmend  in  den  verglichnen  sprachen 
zeigt  sich  der  name  der  nacht:  golh.  nahts^  ahd.  naht^ 
ags.  nilitj  ahn.  ndtt  (f.  nalt),  lat.  nox,  noctis,  gr.  vvi, 
Virnroß^  litth,  naltis,  lett.  nakts^  poln.  böhm,  noc  (spr. 
notz)  slovcn.  nozhy   serb.  notjy    sanskr.  nishd. 

Der  tag  heifst  der  heilige,  wie  den  Griechen  Uqov 
rifiaq,  *sam  mir  der  heilte  tac)^  Ls.  2,  311  wie  ^s4  mir 
daz  heilige  lieht!*   Roth,  ll**- 

Nach  jener  nord.  Vorstellung  falu»en  Nacht  und  Tag, 
gleich  andern  göltern  in  wagen,  aber  auch  die  Sonne  hat 
ihren  wagen,  dem  mond  wird,  meines  wissens,  keiner  zu- 
geschrieben. Naclit  und  Tag  spannen  jeder  nur  ein  pfcrd 
vor,  die  Sonne  liat  zwei  pferde.  man  daclite  sich  folglich 
den  lag  als  etwas  von  der  sonne  unabhängiges,  so  wie 
der  mond  gerade  die  dunkle  nacht  erleuchtet,  wahrschein- 
lidi  liefs  man  den  wagen  des  Tags  dem  der  Sonne  voraus- 


*)  Bopps  gloss.  sanscr«  p.  80.  85.    Potts  etymolog.  forscbangen 
p.  98-102.     O.  Müller  iu  deo  gott.  anz.  1834  p.795.  796. 


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426  SONNBNAUFGANQ 

gehen ^)^  hinter  der  Nacht  her  den  Mond  folgen.  Nicht 
bedeutungslos  mag  der  Wechsel  des  geschlechts  sein,  dem 
mänolichen  Tag  zur  seite  steht  die  weibliche  Sonne,  der 
weiblichen  Nacht  der  männliche  Mond,  Der  grieclu  my« 
thus  verleiht  dem  Helios  und  der  Selene  wagen,  keine 
den  gottheiten  des  tags  und  der  nacht;  doch  gebraucht 
Äschylus  in  den  Persern  vom  tag  XetmomaXoS}  er  läfst  ihn 
mit  wei/aen  rossen  reiten. 

Gleichwol  wird  von  unsern  dichtem  tagesanbruch 
durch  aufgang  der  sonne,  vorzüglich  gern  nachtsanbruch 
durch  ihren  Untergang  ausgedrückt;  nicht  beginn  und 
ende  der  nacht  durch  den  mond,  dessen  auf  und  nieder^ 
gang  nur  selten  damit  zusammentrift.  Die  altesteten  for- 
mein will  ich  hier  miltheilen. 

Die  sonne  geht  auf,  steigt:  goth.  sunna  urrinnith 
Marc.  4,  6.  16,  2.  ahd.  arrinnit'^  darauf  irran  diu 
sunna  N.  ps.  103,  22;  mhd.  si  was  üf  errunnen.  Mar. 
189.  altn.  iha  rann  dagr  upp.  Ol.  helg.  cap.  220.^  rw- 
nan  bedeutet  eigentlich  laufen  und  flieisen,  hier  zeigt  sich 
entschiedue  analogie  des  altröm.  Sprachgebrauchs,  der 
ebenso  manare  von  der  aufsteigenden  sonne  verwendet: 
diei  principium  mane^  quod  tum  manat  dies  ah  Oriente. 
Varro  6 ,  4  (0.  Müller  p.  74.)  manare  solem  antiqui  di- 
cebant,  cum  solis  orientis  radii  splendorem  )acere  coe- 
pissent.  Festus  s.  v.  urreisan  (surgere)  sagt  Ulfilas  nicht 
von  der  soune.  Spanisch  wird  der  aufgehendeu  sonne  ein 
stechen  (apuntar)  beigelegt:  yxie  el  sol,  dios  que  fer- 
moso  apuntaba.  Cid  461;  quando  viniere  la  mauana, 
que  apuntare  el  sol.     Cid  2190. 

Die  sonne  siukt,  fallt:  goth.  gasagq  sauil  Marc.  1,  32« 
sagqt^  sunnd  Luc.  4,  40.  dissigqvdi  (occidat)  Eph.  4,  26 ; 
ahd.  sunnä pi/eal  (ruit)/7zW//ac  (occidil)  gl.  Ker.  254.  Diut.  i, 
274«**);  inhd.sfget,  diu  sunne  siget  hin  Trist.  2402.  diu  sunne 
was  ze  tal  gesigen  Wh.  447,  8.  nu  beguud  diu  sunne  sigen 
Aw.  1,  41;  altn.  sdlarjalt,  sölsetr,  engl,  sunset,  der  letzte 
ausdruck  sagt,  dafs  sie  sich  niedersetzt,  es  wird  ihr  daher 
sitz  oder  stul  beigelegt,  in  welchen  sie  sich  nach  beendigter 
fahrt  begibt,  ihr  Untergang  heifst  ahd.  sedalkanc  hymn. 
18,  1.  ags.  setelgong***)  setlrdd  Cädm.  184. 19;  sedal  ira 

*)  d.  h.  ta(^  oder  morgen  sind  da  i^or  der  sonne ,  die  sonne  an- 
terstützt  sie  gleichsam:  .unz  das  diu  snnne  ir  lielitez  sciiinen  hdt  den 
morgen  über  berge.     Nib.  1564,  2. 

**)  nbd.  uiederschldgeu,    zu  boden  schlagen  (intrans.) 
**')  aber  audi   alle  übrigen   steme  habeu  ihren  sitz,    iiir  g<*steU, 
ihr  gerüste  (sterrdno  girusti  O.I.  17,  10),   weshalb  ihnen  gl«icli&lls 


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SONNENUNTERGANG        ^7 

kAt  (occa8iim  suum  graditur)  hymn.  14,  2.  all8.  s^g  sunne 
td  sedle  H^l.  86,  12.  sunne  ward  an  sedle  H^l.  89,  10. 
geng  thar  dband  tuo,  sunna  ti  aedle  H^l.  105,  6.  scr^d 
vrester  dag,  sunne  te  sedle '^  dän.  for  vesten  gaaer  solen 
til  aäde.  Dv.  1 ,  90 ;  mbd.  diu  sunne  gie  ze  sedele* 
Diut.  3,  57,  als  diu  sunne  in  ir  geaedel  solde  giln.  Mo- 
rolt  58>,  was  ist  das  aber  für  ein  ort,  der  in  demselben 
gedicbt  14^  binzugenannt  wird:  ze  Geildt^  dA  diu  sunne 
ir  geaedel  bat?  die  bauptstadt  von  Indien.  Gleichviel  mit 
sedai  wäre  hadam\  mhd.  gaden  (cubiculum,  geniacb% 
Mor.  15S  wenn  nicbt  ze  gnslden  gelesen  werden  mufs« 
Die  sonne  war  wegemüd,  begierig  nach  rube:  dö  bete 
diu  müede  sunne  ir  liebten  blic  binz  ir  gelesen.  Parz.  32^ 
24,  sie  gebt  in  ibr  bett  und  scblafgemacb.  dan.  seien 
ganger  til  senge.  Dv.  1 ,  107.  solen  gik  til  ht^ile.  Dv.  1, 
170 ;  mbd.  diu  sunne  gerte  Idzcn  sieb  zuo  reste.  Ernst 
132*^,  diu  sunne  do  ze  reste  gre.  Ecke  (Hag.)  110,  nu 
wolte  diu  sunne  ze  reate  u.  ouch  ze  gemache  nider  g4n. 
Dietr.  14^;  altengl.  uutil  tbe  sun  was  gon  lo  rest,  Iwan 
3612.  Unser  beutiges  suhst,  gnade,  mbd.  gendde,  abd. 
kin&da  bedeutet  eigentlicb  neigung,  Senkung,  berablassung, 
robe(s.404),  daraus  erklärt  sieb  die  redensarl:  diu  sunne 
giene  ze  gnaden  (dat.  pO  Mor.  37»'  Wolfdietr.  1402;  schon 
Agricola  verstand  es  (spriebw.  737)  nicbt  vollkommen, 
wenn  er  sagt:  *es  werete  bifs  die  sonne  wolt  zu  gnaden 
gen ,  d.  i.  undergebn  und  der  weit  ire  gnade  u.  schein  ver- 
sigen (!)  und  zu  ruhe  geben.^  Aventin  (ed.  1580  p.  19*>) 
macht  davon  eine  anwendung  sogar  auf  unser  frühstes 
heidentbum,  die  sonne  sei  als  königin  des  bimmels  ver- 
ehrt worden:  *dorft  keiner  sagen  sie  gienge  unter,  must 
sprechen,  sie  gieng  zu  röst  u.  gnaden^  wie  dann  noch 
etwan  das  närrisch  gemein  volk  meint.'  blofs  die  letzten 
Worte  sind  zu  beachten;  der  aberglaube  kann  weit  hin- 
aufreichen, dafs  es  frömmer  sei,  hier  wie  in  andern  fal- 
len den  geraden  ausdruck  zu  meiden  und  einen  alten, 
halbverständlicben ,  euphemistisch,  zu  brauchen. 

Lye  bringt  eine  ags.  redensart  bei:  «r  sun  go  to 
gUde,  und  übersetzt:  priusquam  sol  vergat  ad  occasum, 
lapsum.  dann  wäre  zu  schreiben  glad,  und  wirklich  wird 
glidan  (labi)  von  der  wandelnden  sonne  gesagt:  beofones 
gtm  gldd  ofer  grundas.  Beov.  4140.   allein  gongan  td  gldde 


■edelgnng  l>eigelegt  wird.  N.  Bth.  210  sagt  ron  Bootes,  daHi  er 
*tri^o  ze  sedtle  gange',  nnd  Hia  zeichen  begänt  niebt  in  sedeP, 
Tgl.  2». 


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SONNEBiUNTEEGANG 

be&emdet;  rieUeicht  darf  man  ein  ag8.  suhsU  gläde  anneh- 
men mit  der  doppelten  bedeutung  splendor  und  gaudium. 
nicht  nur  das  altn.  gladr,  auch  das  a)id.  klat  drückt  aus 
einmal  splendidus,  dann  hilaris,  wie  diese  begriffe  oft 
in  einander  übergehn.*)  0.  II.  1,  13  ^r  wurti  »unna  so 
glat  (eh  sie  so  leuchtend  würde.)  nun  reichen  aber  auch 
die  YorstelhiDgen  freude,  wonne,  ruhe,  gemach  aneinan* 
der,  folglich  glänz,  wonne.  die  untergehende  sonne 
strahlt  in  erhöhtem  glänz,  sie  geht  zu  ihrer  wonne  ein, 
das  könnte  gongau  tö  gläde  sagen  wollen.  Ihres  dialect- 
lex.  p.  57*  165*  lehrt,  dafs  in  Vestgötland  gladas  vom 
untergehen  der  sonne  gilt:  solen  gladas ^  glaas  (sol  oc- 
cidit)  solegladning^  solglädjen  (occasus),  das  kann  be- 
deuten :  die  untergehende  sonne  freut  sich  oder  glänzt. 
Hiernach  lege  ich  aus,  was  Stald.  1,  463.  2^  520  an- 
führt :  die  sonne  geht  vergoldet ,  für  geht  unter ,  d.  i. 
glänzt  vor  freude.  Weil  aber  die  aufgehende  den  glei- 
chen schein  des  lichts  darbietet,  so  läfst  sich  nunmehr 
deuten  9  warum  dieser  das  volk  an  feierlichen  tagen  freu^ 
denspriinge  und  tanz  beilegt  (s.  183.)  ja  auch  dabei 
möchte  ich  noch  nicht  stehen  bleiben,  sondern  aus  einem 
tiefen  Zusammenhang  der  begrüTe  des  liclits  und  schalt, 
der  färbe  und  des  tons  (gramm.  2, 86. 87)  jenes  geräiisch, 
jenen  klang  verstehen,    welchen  man  der  auf  und  unter- 

fehenden  sonne  zuschrieb  (s.  413.)  Thomas  Kingo,  ein 
Sn.  dichter  des  17  jh.,  und  wahrscheinlich  andere  seiner 
landsgenossen,  läfst  die  aufgehende  sonne  pfeifen^  d.h. 
einen  durchdringenden  ton  von  sich  geben:  bist  piper 
solen  frem,  giv  gud  en  lyksom  dag!**);  in  einem  schot- 
tischen lied  (minslrelsy  2,  430):  the  sun  began  to 
peep***)  Genauer  beschreibt  es  aber  eine  Strophe  in  Al- 
brechls  Titiirel: 

darnach  kund  sich  diu  sunne 

wol  an  ir  zirkel  rideu  (drehen): 

der  süeze  ein  überwunne, 

ich  waen  die  süeze  nieman  möht  erlMen 

mit  äöne  dö  diu  sunn  ir  zirkel  ruorte; 

seitenklanc  und  vogelsanc 

ist  alsam  glich  der  golt  g^n  kupfer  fuorte. 
die  süfsen  töne  der  aufgehenden  sonne    übertrclTcu   sailen- 
klang  und  vogelgesang  wie  gold   das  kupfer.     Wer   denkt 

*)  vgl.  z.  b.  unser  heiter^    (sereDUS  nnd  bilaris.) 
**)  Rahbek  ojc  Nyeriip  den  danske  digtekiiasts  middelalder  1, 235. 
'**)  Mer  mond  pfeiji  sein  liebt  aufj  Gryphius  p.  m.  740. 


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SONNBNUNTBROANG 

hier  nicht  an  die  uralte  Überlieferung  von  der  Memnona-^ 
seutCf  die  beim  aufgang  der  sonne  einen  laut  ertönen 
hßhy  gleich  als  springe  eine  saite,  nach  einigen  beim  auf- 
gang einen  fröhlichen^  beim  Untergang  der  sonne  einen 
traurigen/)  Wir  werden  aber  hernach  noch  andere  Vor- 
stellungen des  anbrechenden  tags,  der  einbrechenden  nacht 
auf  licht  und  ton  zurückführen  können. 

Wohin  aber  wendet  sich  die  abendsonne  zur  ruhe, 
wo  ist  ilur  gemach  gelegen?  nach  dem  ältesten  ausdruck 
taucht  sie  ins  meer,  gleich  jenem  sinkenden  gestirn  (s.419.) 
Im  ags.  Bth.  (RawL  193^)  'and  theäh  monnum  thyncdh, 
thät  hio  on  mere  gange,  ander  soe  svife,  thonne  hio 
on  setl  glidedh.'  So  sagten  auch  die  alten  von  der  sonne 
und  den  gestirnen  Svvai  und  mergere,  Boeth.-4  metr.  5 
von  Bootes:  cur  niergat  seras  aequore  flammas  und 
metr.  6:  nee  cetera  cernens  sidera  mergi  cupit  oceano 
tingere  flammas ,  was  N.  223  verdeutscht :  alliu  zeichen 
sehende  in  sedel  gdn  niomer  sih  ne  geröt  kebadön  in  demo 
merewazere.  Der  ausdruck  liegt  aber  allen  bewohnern 
der  sceküste  zu  nahe,  als  dafs  er  entlehnt  zu  sein  brauchte, 
altn.  hiefs  es:  söl  gengr  /  oegi^  z.  b.  forum,  sog.  2,  302. 
mhd.  der  «e,  dti  diu  suoue  üf  g^t  ze  reste.  MS.  2,  66**- 
Einwohnern  des  inneren  lands  säumte  ein  wald  den  hori- 
zont,  hiefs  es:  söl  gengr  til  uiclar  (Biörn  s.  v.  vidr), 
solen  gär  ander  vide  (Ihre  s. v.) **)  Wir  sagen:  die  sonne 
geht  hinter  die  berge ;  ein  dän.  Volkslied :  solen  gik  til 
iorde  Dv.  1,  170,  nieder  zur  erde;  Ecke  (Hagen)  129: 
diu  sunne  üz  dem  himel  gie.  auch:  die  sonne  ist  liin^ 
unter  ^  mhd.  der  sunne  (hier  männlich)  hinder  gegdt. 
MS.  2,  102^- 

Nun  wollen  wir  weiter  die  formein  betrachten,  wel- 
che den  anbruch  des  tags  oder  der  nacht  ohne  beziehung 
auf  die  sonne  ausdrücken  und  für  die  erläuterung  heidni- 
scher Vorstellungen  von  tag  und  nacht  wichtiger  sind. 

Vor  allem  merkwürdig  scheinen  mir  spuren,  dafs 
man  sich  den  tag  in  thiersgeatalt  dachte,  das  gegen  den 
morgen  an  dem  himniel  vorrückt.  Wolfram  hebt  ein 
schönes  wächterlied  mit  den  worten  an :  stne  klauben 
durch  die  u>olken  sint  geslagen ,  er  sttget  üf  mit  gro- 
zer  kraft,  ich  sih  in  grdwen  den  tac;  und  im  dritten 
theil  von  Wh.  (cass.  317*):    daz   diu   wölken   wÄren    grii 


*)  Pausaa.  1,42.  Philostr.  vit.  Apoll.  6,  4.   heroic.  4  n.  a.  in. 
*')  eli»tn.  pääw  katsub  metsa  ladwa,   die  sonne  geht  am   wipfel 
das  Waldes. 

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430  TAGESANBRUCH 

und  der  tac  stne  cid  he^e  geslagen  durch  die  naht, 
I^t  ein  vogel  geineint  oder  ein  vierfüfsiges  tbier?  denn 
beiden  gibt  unsere  spracbe  klauen,  jene  sturmregeade 
klauensenkung  (s.  362)  läfst  einen  adler,  die  überrascbende 
gleiclibeit  eines  mor^nläjidischen  bilds  aber  den  künig 
der  tbiere,  bei  uns  den  baren  vermuten.*)  Ali  Dschelebi 
scbildert  in  seinem  bumajunnameb  (Diez  p.  153)  den  be- 
ginn des  tags  mit  folgenden  schwülsligen,  aber  ohne  zwei- 
fei überlieferte  Vorstellungen  wiedergebenden  Worten:  'als 
der  falke  des  nestes  des  firmaments  die  naehtvögel  der  flat- 
ternden Sterne  von  der  wiese  des  himmels  zerstreut  hatte, 
und  vor  dem  aublick  der  klauen  des  löwen  des  tags 
das  reh  der  bisamduftenden  nacht  vom  felde  des  daseins 
in  die  wüste  des  nichtseins  entflohen  war.'  die  naclit, 
ein  schüchternes  reh,  entweicht  vor  dem  starken,  mäch- 
tigen tliiere  des  tags;  gewis  ein  schönes,  lebendiges  bild. 
Auch  in  einem  andern  Hede  läfst  Wolfram  den  tag  mit 
unwiderstehlicher  gewalt  vordringen« 

Der  tag  heifst  unsern  dichtem  der  rtche,  wie  gott 
selbst  (s.  15):  rMte  also  der  tac  MS.  1,  163*  riche  muo- 
tes  alsam  der  tac  Wigal.  5222  der  tac  wil  geriehen  (sie- 
gen ,  walten ,  herschen)  MS.  1  •  27*»,  er  ist  nicht  zurück- 
zuhallen  und  vertreibt  die  nacht:  der  tac  yv'd  niht  erwin-- 
den  MS.  1,  147^  morgen  fruo  als  der  tac  erstarb  t 
Eracl.  734,  du  die  naht  der  tac  vertreip.  Frauend.  47. 
58.  Er  stürzt  sie  vom  thron  und  nimmt  ihn  selbst  ein: 
*ez  taget,  diu  naht  muoz  ah  ir  tröne^  den  sie  ze  Krie- 
chen hielt  mit  ganzer  vröne,  der  tac  wil  in  besitzen! 
MS.  l,  2b. 

Die  romanischen  sprachen  (nicht  unsere)  pflegen  den 
aubnich  des  tags  durch  ein  wort  zu  bezeichnen,  das  sie- 
chen bedeutet,  franz.  poindre,  span.  puntar y  apuniar, 
itaU  spuntare.  Jt  la  pointe  du  jour,  mit  tagesanbmch. 
das  läfst  sich  freilich  von  dem  ersten  vordringen,  gleicli- 
sam  spitze  darbieten  verstehen,  vielleicht  aber  auch  auf 
den  reitenden  tag ,  der  sein  pferd  spornt ,  beziehcb, 
oder  auf  ein  thierisches  rennen  und  traben,  poindre.**) 

Noch  bedeutsamer  scheinen  die  redensarten,  welche 
mit  dem  tagesanbmch,  mit  der  morgenröthe  wiederum  die 
idee  einer  erschütterung ^  eines  geräusches  verbinden: 
ganz  jener  klang,    den  dgs  licht  der  auf  und  niedergehen- 

•)  die  Araber  nennen  den    ersten  morgenschiromer   schueif  dtt 
wolfs,    Ruckerts  Hariri  1,  215. 
**)  Reiuiiart  p.  xxxix. 


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TAGESANBRUCH  431 

den  sonne  von  sich  gibt«  diesen  sinn  wage  ich  einer  alt- 
frans. Formel,  die  blofs  in  kerlingischen  diclitungen  vor- 
kommt unterzulegen;  niemand  hat  versucht  sie  zu  deuten. 
Gerard  deViane  1241  4üu  matin  par  son  Vaube  esclarcie'; 
cod.  reg.  7183,  3*  *un  matin  par  son  Vaube  ^  quant  el 
fu  aparue'*,  das.  5*  'un  matin  par  son  Vaube  ^  quant  li 
)or  esclaira';  das.  161^  ^au  matin  par  son  Vaube,  si  con 
chante  li  gaus'  (gallus);  cod.  7535,  69*5  'a  matin  par  son 
Vaube?  was  heilst  das?  ich  denke:  per  sonitum  auro- 
rae.*)  oder  wie  kann  man  es  anders  deuten?  Englisch 
sagt  man  für  tagesanbnich  the  peep  of  day,  das  stimmt 
zu  jenem  the  sun  began  to  peep  (s.  428)  und  freilich  wird 
das  hervorblicken  dadurch  ausgedrückt,  zugleich  aber  un- 
verstanden das  rauschen  und  klingen. 

Selbst  unser  anbrechen  verkündigt  getöse  und  er- 
schütterung.  mhd.  sd  dö  der  ander  tac  üf  brach.  Frauend. 
53.  109;  engl,  the  breah  of  day.  span.  el  alva  ronipe. 
altspan.  'apriessa  cantan  los  gallos  e  quieren  quebrar  al- 
bores.'  Cid  235;  *ya  quiebran  los  albores,  e  vinie  la 
mafiana.'  Cid  460;  trocida  es  la  noche,  ya  quiebran  los 
albores.'  Cid  3558;  altfranz.  ^l'aube  criei^e^  Ren.  1186. 
*ja  estoit  Taube  crevee'  Ren.  1175.  ^tantost  con  Taube  se 
cret^d^  Ren.  16057;  prov.  ^can  lalba  fo  crevada^  Ferabr. 
3977.  Dieses  romper,  quebrar,  crevar  (lat.  crepare)  ist  das 
dem  Sonnenaufgang  vorausgehende  zittern  und  erschüttern  der 
luft,  von  einer  empfindlichen  kühle  begleitet ;  im  lat.  cre^' 
puscnlum  liegt  derselbe  sinn,  die  Spanier  sagen  auch: 
el  alva  se  rie  (lacht)  und  die  Araber:  der  morgen  niest  **^ 

Wir  müsten  die  alte  benennung  der  morgenröthe  ahd. 
iagarod  gl.  Jun.  187.  194.  Hrab.  956**  mons.  327.  hymn. 
2 ,  2  (wo  deutlich  masc.)  3 ,  8.  ags.  dägred  (Cädm.  289, 
27.  294,  4),  mnd.  dagerdt  (fem.)  En.  11®,  mnl.  daghe- 
raet  (Huyd.  op.  St.  2,  496)  genauer  verstebn  (gramm. 
2  ,  75.  253) ,    um  darin  vielleicht    einen  ähnlichen  sinn  zu 


*)  gFBmma tisch  wird  man  nicbt  einwenden,  dafs  hier  das  zweite 
abhängige  subüt.  im  acc. ,  statt  A^  gen.  steht;  so  tliut  die  altfranz. 
spräche  öfter,  z.  b.  en  coste  la  royne  (Berte  p.  18)  zumal  bei  prae- 
positiooell  gcwordoen  subst. ,  z.  b.  lez  les  niurs,  psrmi  les  pres  (per 
medium  pratorum)  prov.  per  mieg  los  pratz  Ferabr.  2918,  und  so 
regieren  noch  heute  chez,  parmi  den  acc. 

*')  Räckerts  Hariri  1 ,  357.  In  den  novelas  der  Maria  de  Za>as 
1y  3  befriiiut  ein  lied:  si  se  rie  el  alva,  und  anderwärts  sagt  sie: 
quando  el  alva  muestra  su.  alegre  risa ;  vgl.  oben  285  über  das  tscliüt- 
temd«  lachen,  ital.  lieifst  'fare  ridere  una  botta'  sehr  bezeichnend 
ein  fafs  so  scliuttelu,    dafs  es  überlauft. 


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432  TAGESANBRUCH 

finden.*)  Man  sagte  mnl.  auch  dacJigrahSf  dagherake 
(fem.)  und  graJcen  vom  grauen  des  tags.  Dies  grauen 
ist  von  der  färbe  hergenommen,  wenn  sich  die  schwärze 
der  nacht  in  grau  erhellt:  mhd.  der  grdwe  tac,  das 
grdwe  lieht  JMS.  2,  49»,  der  tac  wil  grdtven  Wolfr.  4, 
11.  Ahn.  dagsbrun  (extremitas,  gleichsam  supercilium  diei.) 

In  der  griech.  poesie  wird  'Hw^  höchst  lebendig  vor- 
gestellt, sie  ersteigt  aus  dem  bett  (Jk  Xey^itßVj  wie  unsre 
sonne  zu  bette  geht ,  s.  428)  des  Tithonos ,  ihres  gemahls 
(Od.  5,  l)  heifst  die  frühgeborne  {rjQiyev^ia) ,  rosenfin- 
grige  (QoSoduxTvXoQ ,  II.  1,  477):  ihre  röthlichcn  finger 
greifen  in  die  wölken  gleich  jenen  klauen  des  tags  (s.  429); 
auch  ^Qvao&QOPOS  wird  sie  genannt,  wie  Here  und  Ar- 
temis. Die  Slaven  scheinen ,  statt  der  göttiti,  einen  gott 
der  morgenröthe  gehabt  zu  haben ,    Jutribog  (s.  349.) 

Wir  sahen,  dafs  die  aufgehende  sonne  freudig  er- 
-  tönte  (s.  428),  die  rauschende  morgenröthe  /acA^c  (431); 
hierzu  stimmt  eine  vielfach  wiederholte  Vorstellung,  der 
tag  bringe  wonne ,  die  nacht  trauer,  *froh  wie  der  tag' 
heifst  es;  Pieinolt  von  der  Lippe  sagt:  *er  uerbltde  als 
der  dag',  INIS.  2,  192  von  dem  scheidenden  tag:  der  tac 
stn  ivunne  verldt.'  Zumal  aber  drücken  die  vögel  ihre 
freude  über  den  nahenden  tag  aus.  'gast  inne  sväf  oth 
that  hräfn  bMca  heofenes  vynne  blidhheort  bodode.' 
Beov.  3598 ,  die  himmelswonne  die  der  frohe  rabe  ver-^ 
kündigt  ist  der  anbrechende  tag.  ich  bin  so  froh,  w*ie  die 
habichte ,  wenn  sie  thaubenetzt  den  tag  anbrechen  sehen^ 
^dögglitir  dagsbrun  sidJ*  Siem.  167**;  'nu  verdbr  bann 
svd  feginn,  sem  fugl  degi\  Vilk.  saga  cap.  39  p.  94; 
^Horn  was  as  fain  o  fight,  as  is  X\\q  foule  of  the  light,  wlien 
it  ginneth  dawe'.  Hörn  and  Birnen.  64  p.307;  ich  warte  der 
frouwen  m}n  relit  als  des  tages  diu  kleinen  vogellin^ 
MS.  1,  51»;  fröit  sich  min  gemüete  sam  diu  kleinen  i-o- 
gelUriy  sd  si  sehent  den  morgenachinJ*  MS.  2,  102'*- 
Eine  menge  epischer  formein  schildert  darum  den  anbre- 
chenden tag  durch  geschrei  der  hahne  oder  nachtigallen« 
Biarkamdl  im  anfang:  ^dagr  er  upp  komiun,  dynja  hanar 
fiadlira',  die  hähne  schwingen  ihre  flügel  zum  gesang.  i 
la  maiiana,  quando  los  gallos  cantaran'.  Cid  317.  *li  coc 
contoient,  pres  fu  del  esclairier.'  Taube  est  pcrcie,  se- 
sclere  la  jornee,  eil  oiscllon  chantent  en  la  ramee.'  ^i« 
des  morgens  vruo,    daz  diu  nahtigal  rief  En.  12545. 

*)  sollte  die  wjurzel    zu  tagarud  (=niod)  jenea   rap  sein,    von 
dem  rador,  rodur  (coelum)  stammt?   vgl.  a.399. 


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^  NACHTEINBRÜCH  433 

Die  nachl  wird  vorgestellt  als  scluiell  und  imvcrse- 
hens  einbrechend,  überfallend,  &oi}  vv^,  sie  fdllt  oder 
sinkt  vom  himmel  nieder,  la  nuit  tombe,  h  la  tom-- 
hie  de  la  niiit,  sie  bricht  ein,  während  der  tag  an- 
bricht, sie  rückt  auf  einmal  nahe,  sie  überfällt.  In  der 
alten  spräche  gilt  von  nacht  und  abend  das  verbum  ana 
gdn  oder  fallan:  dband  unsih  ana  geit.  0.  V.  10,  5; 
in  ane  gdenda  naht  N.  Bth.  31;  der  ^bent  begimde 
me  gdn.  Mar.  171;  schiere  viel  dd  diu  naht  an. 
Roth.  2661;  unz  der  dbent  ane  gie.  Flore  3468.  Ls. 
1,  314.  Wigal.  1927.  6693;  als  der  dbent  ane  g4t. 
Wigal.  4763;  biz  daz  der  Äbent  «/?e  lac.  Ls.  1, 
243;  diu  naht  diu  gdt  mich  an.  Wolfd.  1174;  diu  naht 
gei  uns  vaste  zuo.  livl.  chron.  62*-  Ebenso  aber  auch 
tigern  dö  dec  dbent  zuo  seic.  Diut.  3,  68;  also  iz  zuo 
deme  dbande  seic.  das.  3,  70;  nü  seig  ouch  der  dbent 
2^0.  Frauend.  22.  44;  ze  tal  diu  sunne  was  genigen  u.  • 
der  dbent  zuo  gesigen.  Diut.  1,  35  t;  diu  naht  begunde 
^Igm  an.  Mor.  1620.  3963*);  diu  tageweide  diu  wU  hin, 
der  dbent  siget  vaste  zuo.  Amgb.  2a;  der  tach  is  ouch 
an  uns  gewant,  uns  atget  der  dvent  in  die  hant.  8sp. 
vom  193;  und  noch  heute:  bis  in  die  sinkende  nacht, 
gleichviel  üt:  nü  der  dbent  zuo  geß6z.  Troj.  13665. 
üies  einbrechen  und  niedersinken  erfolgt  aber  auch  leise 
wndheindich,  wie  eines  diebes:  diu  naht  begunde  «//- 
chen  an.  Dietr.  68i>;  nft  was  diu  naht  geslichen  gar  über 
dazgevilde.  Christoph  413;  do  nü  diu  naht  her  sleich- 
und  dm  vinster  in  begreif,  das.  376;  sd  thiu  naht  bif^nff. 
M.  129,  16.  /     6 

Offenbar  ist  in  allen  diesen  zügen  die  nacht  aufge- 
faJst  üXs  feindliche^  böse  gewalt ,  im  gegensatz  zu  dem 
gütigen  wesen  des  tags,  der  in  gemächlicher  ruhe  langsam 
"ber  die  berge  emporsteigt;  so  schnell  daher  die  nacht 
mederfäUt,  so  allmalich  endet  sie:  *diu  naht  gemechlich 
ende  nam.'  Frauend.  46. 

Beide  tag  und  nacht  stehen  im  streit  miteinander,  die 
nacht  herscht  erst,  wenn  der  tag  seinen  kämpf  aufgegeben 
bat:  <unz  der  tac  liez  stnen  strW  Parz.  423,  15.  *der 
*ag  der  nam  ein  ende,  die  nacht  den  sieg  gewann.'  Wolfd. 
2025.  *dö  der  tac  verquam^  und  diu  naht  daz  lieht  nam.' 
i*-!!.  7866.  ^nu  begunde  ouch  strüchen  der  tac,  daz  sin 
sclim  vil   ndch  gelac,    unt   daz    man    durch   diu  wölken 

.     ')  beidemal  stellt  segen ;   wSre  es   st  gen  an  (Tincere)   so  liefse 
*'C'>  kaum  der  dativ  dem  tage  eutbehren. 

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434  NACHT 

sacli  des  man  der  naht  ze  boten  Jach;  manegen  stern  der 
halde  gienc,  Mrand  er  der  naht  herberge  vienc.  n£ch  der 
naht  baniere  kom  sie  selbe  schiere.'  Parz,  638,  1 — 8.  .  in 
dieser  anmutigen  besclireibung  gehn  die  abendsteme  als 
ansagende  9  fahnentragende  herolde  der  nacht  selbst  vor- 
aus, wie  umgekehrt  der  morgenstern  des  tages  hole  war  *) 
Vorhill  s.  428  ist  ein  Sonnenaufgang  aus  Tilurel  ent- 
lehnt worden,  auch  die  unmittelbar  vorher  gegebne  Schil- 
derung des  erliegenden  tags  verdient  hier  zu  stehn: 

dd  diu  naht  zuo  sltchen 

durch  nieman  weite  l&zen, 

und  ir  der  tac  entwichen 

muoste,   er  fuor  sä  wester  hin  die  str&zen, 

alsd  daz  man  die  erd  in  sach  versUnden^ 

unz  er  ir  möht  empfliehen, 

dö  kunder  sich  von  örtent  üf  winden, 
die  erde  verschlingt  den  weichenden  tag. 

Bei  den  älteren  dichtem  finde  ich  mehr  die  Vorstel- 
lung der  dunhellieit.  thö  warth  dband  cuinan,  naht  mid 
neflu.^  H^L  170,  25.  ^die  ßnstere  ragende  nacht.'  Schre- 
ckensgast Ingoist.  1590  p.  114;  ^nipende  niliL'  Beov.  1088. 
1291 ,  vgl.  genip  (caligo);  ^scaduhelni^  Beov.  1293;  ^nihU 
Jielm  gesvearc  deorc  ofer  dryhtguman.'  Beov.  3576.  sie  tragt 
gleichsam  eine  finstere  nebelkappe.  noch  schöner  ist  das 
schwarze  äuge  der  nacht  bei  Aschylus  (Pers.  426.) 

Alle  dichterischen  bilder,  die  ich  zusammengestellt 
habe,  lassen  ahnen,  dafs  in  ältester  vorzeit  Tag  und 
Nacht  lebendiger  und  göttlicher  auftraten,  aber  schon  sehr 
frühe  mufs  unter  den  Deutschen  diese  vorstellungs weise 
geschwächt  worden  sein,  seit  sie  dem  namen  des  tags  eat- 
sagten,  der  seine  gemeinschaft  mit  den  göttem  in  sich  trug. 


*)  Locifer  ioterea  praeco  scaadebat  olympo.    Waltbar.  IlSf. 


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JAHRSSSEITEN  435 


CAP.  XIX.    BOMBIER  UND  WBXTER. 

Ungleich  frischer  und  erkennbarer  hat  sich  die  Per- 
sönlichkeit der  jahrszeiteu ,  welche  wie  lag  und  nacht 
von  nälie  oder  ferne  der  sonne  abhängen ,  erhalten,  ihr 
langsamer  Wechsel  erfolgte  feierlich,  während  der  häufige 
des  tags  und  der  nacht  bald  das  andenken  an  die  allen 
-gütter  verwischte. 

Tag  und  nacht  gleichen  dem  sommer  und  winler 
auch  darin,  dal's  den  anbruch  des  lags  und  den  ein- 
tritt des  sommers  die  vögel  mit  freudigem  gesang  begrü- 
fsen,  nachts  und  winters  aber  still  trauern,  daher  die  ed- 
dischen kenningar  gledi  fugla  (laelitia  volucrum)  für 
sommer,  aüt  ok  strtd  fugla  (dolor  et  angor  avium)  für 
winter.  dies  nalurgefühl  spricht  sich  in  den  liedern  un- 
srer  minnesänger  unzähligemal  aus. 

Den  begrif  des  ganzen  jahrs  finde  ich  kaum  persön- 
lich hervorgehoben,  aufser  in  betheuerungen,  segen  und 
Verwünschungen,  'sam  mir  daz  /leilec  järV  Ls.  1,  287. 
*ein  scelec  jdr  gang  dich  an!'  Ls.  3,  111.  und  ^daz  dich 
ein  veigez  jdr  müez  ane  komen!'   Ls.  1,  317. 

Nachdem  Tacitus  gesagt  hat,  dafs  die  Germanen 
blofs  getraide  bauen,  weder  wiesen  noch  gärten  hegen, 
fügt  er  hinzu :  unde  annum  quoque  ipsum  non  in  tolidem 
digerunt  species:  Jüeins^  et  ver^  et  aeatas  intellectum  ac 
vocabula  habent;  auctunini  perinde  nomen  ac  bona  igno- 
rantur.  Deutlich  wird  hier  auclumnus  auf  obst  und  nach- 
heu (grummet)  bezogen,  der  kornschnitt  in  den  sommer, 
die  aussaat  in  den  frühling  verlegt.  Erwägt  man  aber, 
dafs  das  nördliche  Deutschland  noch  jetzt,  bei  gemildertem 
clima,  getraide  erst  im  august  und  September,  wenn 
schon  die  sonne  niedriger  steht,  einerntet,  und  dafs  au- 
gust zwar  der  eigentliche  erntemonat  *) ,  September  der 
herbstmonat,  zuweilen  aber  September  die  augstin,  october 
der herbstmonat  genannt  ist;  so  kann  jene  ansieht  schon  in 
ältester  zeit  nicht  allgemein  gültig  gewesen  sein.  Auch 
scheint  das  ahd.  Jierpist,  herbist  y  ags.  hearfest  nicht  ge- 
rade jünger  als  andere  sehr  alte  Wörter.  Richtiger  wäre 
zu  bemerken,  wie  je  weiter  nach  Norden  hin  nur  zwei 
jahi^szeiteu ,   sommer    und  winter y    vortreten,     je   weiter 

*)  ahd.  araiinidn<^t,    von  arao  (messis)  gotli.  asans$    die  Altsach- 
Mn  ugten  beivdd  od«r  beo.     Hei.  78,  14.  79,  14;    nnl.  buutvt  boutvd, 

28* 


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436  JAHRSZEITEN 

nach  Süden  vier  oder  fünf*)  unterschieden  werden  kön- 
nen. Für  mythische  bezüge  gehen  nur  jene  zwei,  obwol 
sie  zuweilen  durch  früliling  und  winter,  oder  durch  früh- 
ling und  herbst  ausgedrückt  werden.**) 

In  der  edda  sind  beide  nun  gh  ich  genealogisch  ein- 
geführt. Sumar  ist  ein  söhn  des  Sifdsiidhr  (Sncm.  34'* 
Sn.  23.  127),  welcher  name  von  svds  (carus,  propriiis, 
domeslicus) ,  golh.  svds,  ahd.  suus  hcrslamnit :  er  ist  ein 
seeliger,  freundlicher  mann,  nach  dem  alles  frohe  und 
liebliche  heifst  (svaslegt,  blitt.)  Der  vater  des  T^etr  hin-' 
gegen  führt  den  natneu  Vindlöni  oder  Vindsvnlr  (der 
windbringende,  windkühle)  und  dessen  vater  hiefs  VA- 
aadhr  (Spem.  34^»  Sn.  23.  127),  der  feuchte,  nasse:  ein 
grimmiges,  kaltbrustiges  geschlecht.  Beide  stellen  sidi 
aber,  wie  zu  erwarten  ist,  als  riesen  dar,  S^dsadhr 
und  Sumar  von  guter,  freundlicher,  ydsadhr ,  Kind" 
S{^ali\  Vetr  von  böser  art,  so  dafs  sich  auch  hier  wie- 
der die  doppelte  natur  der  riesen  (s.  304)  einleuchtend  er- 
weist, skdldskaparmal  verzeichnet  sie  unter  den  alten 
iötnar:  209»>  Somr  (al.  Sdmir)  ok  SifAsudhr,  210*  Vind- 
Bvalr  und  Vidharr  (1.  Vetr.)  Noch  Jetzt  sind  uns  iSo/n- 
nier  und  TVinter  häufige  eigennamen,  und  vermutlich 
waren  sie  es  von  anfang  an,  eben  weil  sie  sich  mit  aus- 
drücken urverwandter  sprachen  nicht  berühren. 

Nun  will  icli  aber    die    dAitlichen  spuren    ihres  per- 
sönlichen Verhältnisses,    wie   sie    sich   in   redensarten  des 


*)  die  Spanier  unterscheiden  das  fiuhjalir  in  primavera  nnd  ve- 
rano  (den  groHien  fruhling)  vgl.  Don  Quixote  2,  53  und  Ideler  5, 
305.    auf  verano  folgt  estio. 

••)  auch  der  slavischen  volksanschanung  treten,  zwei  hauptadtea, 
sommer  nnd  winter  vor,  der  sommer  ist  sogar  wörtlich  von  dem  be- 
griffe jähr  nngeschieden,  beide  heifsen  leto^  d.  h.  das  alte  jähr  wird 
mit  dem  winter  abgethan,  das  neue  mit  dem  sommer  begonnen,  die- 
ses leto  ist  (gleich  unserm  jähr)  nentrum ,  folglich  unpersönlich,  den 
winter  nennen  sie  zima  (fem.)  sollen  nun  die  Zwischenzeiten  tnsge- 
drückt  werden ,  so  sagen  sie  für  früliling  podleti ,  für  herbst  podum. 
Allein  es  sind  auch  nodi  andere  benennungen  gangbnr  geworden :  bobn. 
garoy  poln,  iaroj  mähr,  wesna,  poln.  wiosna;  sloven.  vigred  {egf^ 
diens,  in  Dentschkärnten  der  ausipärt)^  mlado  leio  (junger  sotomer), 
rnladUtje^  pomlad,  spomlad,  sprotUtje  (von  sprot,  gegen)  alle  vax 
bezeichnung  des  frühlings,  vorzüglich  fühlten  die  Südslaven  das  be- 
dfirfnis  frühling  nnd  sommer  zu  trennen.  Der  herbst  heifst  scrb.  jesem^ 
sloven.  jefen^  anch  predsinta.  Wie  nun  leto  (annus)  nnd  leto  (som- 
mer), Bo  ist  sichtlich  unser  ^Vr,  jdr  (annus)  das  poln.  iaro^  gr.  *«^ 
lat.  ver\  und  das  lat.  hiems^  gr.  /fiM^v,  wiederum  das  slav.  zimtu 
unser  winter  und  sommer  liegt  aufser  aller  Verwandtschaft,  wogegen 
sich  unser  lenz  (ver)  dem  slav,  ieio ,  iato  nähert. 


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SOMMER         WINTER  437 

Volks  lind  in  dicbterlscheu  weuduugeu  lange  erhallen  lia- 
ben,  aufdecken.  Wir  sagen  tägllcli:  der  Sommer^  der 
JVinter  ist  vor  der  thür,  tritt  ein,  kehit  ein.  H.  Sachs 
IV.  3,  21»  'bis  dafs  der  Sommer  einher  tritt.'*)  Mhd.  wird 
jener  gewöhnlich  lieb,  dieser  leid  genannt :  ^der  liebe  Sumer 
urloup  genam'  Ben.  344.  'urloup  nahm  der  PVinder*  Ben. 
362.  beiden  gefolg  und  dienerschaft  zugeschrieben:  ^Sumer, 
dine  holden  von  den  huoben  sint  gevarn'  Bon.  304  *&^- 
mer  dln  gesinde*  Ben.  406,  mtn  sanc  süle  des  Winters 
wdpen  tragen'  MS.  1,  178^-  ^  TV  Inder  ist  mit  stnen 
vnunden  komen'  Ben.  414,  offenbar  sind  sie  mit  ihren 
leuten  aufgezogen,  weil  sie  sich  verjagen  und  bekriegen 
wollen.  *der  leide  Winder  hdt  den  Sumer  hin  verjaget' 
Ben.  381.  ^fVinder'^*)  hdt  ez  hie  gerümet'  Ben.  437. 
Weil  aber  der  sommer  mit  dem  mai  beginnt,  steht  auch 
ein  Mai  als  repräsentant  des  Sommers  da,  ganz  auf  glei- 
che weise  in  lebendiger  persönlichkeiu  der  Mai  hält  sei- 
nen einzug.  ^sö  der  Meige  in  gät.'  meist.  Alex.  144^- 
*der  Meie  ist  in  diu  lant'  Ben.  364.  'der  Meie  löste  bluo- 
nien  üz  Rtfen  bände'  Ben.  437.  ^der  Meie  hat  brieve 
für  gesant,  dafs  sie  künden  in  diu  lant  stne  kiinft  den 
vruoten.'  Ben.  433 ,  gleich  einem  konige ,  der  nach  langer 
abwesenheit  siegreich  heimzieht^  kündigt  er  seine  ankunft 
voraus  durch  briefe  an.  *da  ist  der  Meie  und  al  sin  ki^aft, 
er  und  stn  geselleschaft  diu  (s.  1.)  ringent  manige  swaere. 
Meie  bat  im  (dem  Winter)  angesiget.'  Ben.  449.  ^ob  der 
Meige  ze.velde  lac'  Ls.  1,  199.  'so  der  Meige  alr^rst  In 
gÄt'  Frauend.  14.  'der  Meie  vüeret  den  walt  an  stner 
hende*  MS.  2,  81^,  es  werden  ilim  bände  beigelegt  (wie 
dem  Wunsch  s.  99.)  er  wird  von  den  menschen  mit  dank 
und  neigen,  gleich  einem  gott  oder  könig,  verehrt: 
^Meie  ich  wil  dir  nigen'  Ben.  398.  *^rent  den  Meien.^ 
Ben.  184.  Mer  Meie  habe  des  danc!'  Ben.  434.  Mai  und 
Sonnner  legen  ihr  grüulaubiges  kleid  an :  Mer  Meie  ist 
üf  sin  grüenez  zwl  gesezzen.'  MS.  2,  75«-  Mer  Sumer 
sneit  sin  kleit.'  Ben.  159.  Mer  Meie  sendet  dem  walde 
kleider.'  Ben.  436.  Mer  Summer  gab  diu  selben  kleit 
Abrelle  maz,    der  Meie  sneit.'  MS.  2,  04'*- 

Vorzüglich  ab^r  mufs  man  auf  den  Gegensatz  ach- 
ten. Im  gefolg  des  Winters  ziehen  ReiJ  und  Schnee^ 
wiederum  persouifiialionen ,    und    alle    riescn.     sie  künden 

•)  alse  die  Somer  quam  int  lant.  Rciiiaert  2151:  alse  de  Sommer 
qntine  int  lant.    Reincke  2311. 

••)  oiiue  artikel,  also  unappeüativi^ch  (vgl.  s.  400  Solans.) 


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438  SOMMER  WINTER 

dem  Sommer  krieg  an:  *dir  hat  widerseit  beidiii  RiJ 
und  Sn^  Ben.  398.  *der  Meie  luste  bluomen  Az  Rtjen 
bände.'  Ben.  437.  Das  wichtigste  ist^  dafs  sich  in  einem 
Kode*)  sogar  der  mytliische  uame  des  relfriesen  bewahrt 
hat:  er  heifst  Aucholf ,  ganz  mit  der  ableitung  olf  ge- 
bildet, die  gleich  dem  olt  für  ungeheure,  geisteriiaHe 
Wesen  dient  **);  die  wurzel  auka,  alid.  ouhhu  drückt 
auS  augeo,  es  kann  also  in  Oucholf  die  bedeutung  des 
übergrofsen,   rlesenmäfsigen  liegen.***) 

Sommer  und  Winter  stehn  im  kämpf  gegeneinander 
gerade  wie  Tag  und  NacTit;  Sommer  und  Tag  erfreuen, 
Nacht  und  Winter  betrüben  die  weit. 

Die  ankunft  des  Sommers,  des  Mais,  oder  wie  wir 
jetzt  sagen  des  Frühlings,  wurde  nun  vor  alters  festlich 
begangen,  das  hiefs  im  mittelalter:  die  ztt  empfd/ien, 
ÄIS.  1,  200»  2,  78*>  Ben.  453;  den  Sumer  empjdhen: 
^Sumer  wis  enpjangen  von  mir  hundert  tftsent  stiint.* 
Ben.  328 ;  'helfent  grüezen  mir  den  Meien?  MS.  1,  102»'; 
61  (diu  vogelUn)  wellent  alle  grüezen  nu  den  Meien! 
MS.  2,  S4\ 

Das  eintreffen  des  Sommers  erfolgte  aber  nicht  auf 
einen  bestimmten  tag  des  Jahrs,  sondern  wurde  nach  zu- 
fälligen zeichen  wahrgenommen  ^  aufblühenden  blumea 
oder  anlangenden  vögeln. 

Wer  *den  Ersten  ptoV  schaute,  zeigte  es  an;  das 
ganze  dorf  lief  hinzu,  die  bauern  steckten  die  blume  auf 
eine  Stange  luid  tanzten  darum,  auch  hiervon  hat  Nithart 
ein  lied  gedichtet,  dieselbe  feier  beschreibt  H.  Sachs  IV. 
3,  49  ff;  um  die  erste  sommerblume  wird  getanzt  und 
gesungen. 

Ebenso  wird  die  erste  sc1m>albe^  der  erste  storcli 
als  frählingsbote  {uyysXoß  eagog)  begrüfst  und  empfaD- 
gen.  der  schwalbe  rückkehr  feierten  schon  Griechen  und 
Römer.  Athenaeus  8,  15.  p.  360  theilt  ein  j^eXiiovtofia 
milf),  das  auf  Rhodos  die  kinder  absangen,  eine  schwalbt 
herumtragend  und  efswaai'en  sammelnd.  Noch  heute  lebt 
der  gebrauch  in  Griechenland,    am  ersten  merz  lauft  die 

*)  Nithartfl,  Ben.  88^.  dteser  dichter  liefert  uns  Torzagsweiie 
belebte  bilder  von  Sommer  ud<1  VViater. 

••)  grnmm.  2,  334—340  vgl.  JNahtolf,  Biterolf,  Egi^grfmolt  {*- 
147)  Fasolt  (s^d3)  Mimerolt  (s.  221)  kobolt  («.286.) 

••*)  eiD  mbd.  dicliter  schildert  den  kämpf  zwischen  Mai  uad 
Herbst  in  einer  artigen  ecBabluog  (Fragm.  29),  die  aber  voa  defl 
mythischen  gebiet  abliegt. 

f)  ligen  opusc.  philol.  1,  165.    ZeWs  ferienichr.  1,  53.  88. 


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SOMMGRBMPFANG         48» 

Jagend  zusammen ,  durchzieht  alle  strafsen  und  singt  ein 
liebliches  frühlingslied :  die  sänger  tragen  eine  aus  holz 
geschnitzte  schwalbe^  die  auf  einem  cylinder  stehend 
dabei  umgedreht  wird.*)  %irandine  -primcC  sagt  Horat. 
epist.  L  7,  13«  Dafs  man  auch  bei  uns  schon  im  mittel« 
alter  auf  die  erste  schwalbe  achtete»  lehrt  die  abergläu« 
bische  gewohnheit  (anh.  s.  liu,  abergL  no.  217)  bei  ihrer 
erblickung  kohlen  aus  der  erde  zu  graben.  Das  schwedi« 
sehe  landvolk  be willkommt  sie  mit  dreimaligem  jubelruf.**) 
Beide  schwalbe  und  storch  gelten  für  heilige,  unverletzliche 
thiere.  Wer  bei  den  Griechen  die  einkehr  des  Storchs 
zuerst  ansagte  empfieng  botenlohn.  Noch  im  vorigen  jh. 
waren  die  thürmer  mancher  Städte  Deutschlands  angewie- 
sen, den  nahenden  frählingsherold  anzublasen,  wofür 
ihnen  ein  ehrentrunk  aus  dem  rathskeller  verabreicht 
wurde.***)  Ein  epigramm  von  Joach.  Olearius  beginnt: 
ver  laetum  rediit,  redlitque  ciconia  gratap 
aspera  dum  pulso  frigore  cessat  hiems.f) 
auch  der  kukuk  kann  als  ansager  des  frühlings  betrachtet 
werden  (s.  389.) 

Diese  sommenferiilndigung  durch  gesänge  der  Ju- 
gend findet  noch  Jetzt  oder  fand  wenigstens  in  den  letzten 
jhh.  in  deutschen  und  slavischen  länderu  statt,  die  ge- 
brauche und  lieder  sind  manigfalt.  ff)  Oft  wird  blofs  ein 
kränz,  eine  puppe,  ein  thier  im  korb  herumgetragen  und 
non  haus  zu  haus  die  gäbe  eingefordert.  Hier  tragen  kin- 
der  einen  liahn ,   dort   eine  krähe  oder  einen  fuchs  um« 


^  Faoriel  2,  256.  disc  pr^liok  zxvni;  vollständiger  bei  Theod» 
Kind  p.  12. 

*0  \¥esterdabl  p.  55. 

***)  alpenrosen.  Bern  1817  p.49.  vgl.  Hebet»  lied  der  storch, 
t)  Rostock  1610,   Tgl.  Job.  Praetorii  Storchs   ond  scliwalben- 
winterqnartier.     Fraiicf.  1676  p.  185. 

ff)  aoi  fleifsigsten,  wiewol  sehr  serstreot  nnd  unordeatUch,  bat 
sie  gesamnielt  Christ.  Heinr,  Schtnid  zu  Giersen:  Im  Journal  von 
und  für  D.  178T.  1,  186—198.  480  —  485.  1T88.  1,  566  —  671.  2, 
409  —  411.  1790.  1,  310  —  314.  1791,  1002)  in  der  deutschen  mo- 
Batschrift  1798  2,  58  —  67;  dabei  werden  eine  menge  älterer  und 
neuerer  Schriftsteller  zur  bewährnng  angegeben.  Auch  ist  noch  ein 
früherer  aufsatz  im  Journal  von  und  für  D.  1784.  1,  282  zu  verglei- 
chen. Einzelnes  findet  sich  in  Krünitz  encydop.  58,  681  ff.,  Graters 
Idunua  1812  p.  41 ,  in  Büschings  wöch.  nachr.  1,  183  —  186.  3,  166 
und  an  andern  orten,  die  ich,  wo  es  darauf  ankommt,  weiter  an-" 
führe.  Die  beiden  frühsten  abliandlungen  sind  von  Paul  Christ  Hü- 
scher  de  ritu  dominicae  laetare»  quem  vulgo  appeüant  den  tod  aus- 
treiben. Lips.  1690  (deutsch  1710)  und  Job.  Casp.  Zeumer  de  domi- 
nica  laetare.  Jena  1706. 


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440  SOMMER  UND  WINTER 

lier'*');  wie  man  in  Polen  zur  zeit  der  colfda  d.h.  neu« 
{ahrs  einen  ausgestopften  wolf  gesclieuke  sammelnd  umträgt 
(Linde  s.v.  koUda.)  das  sind  keine  wanderthiere ,  und 
ich  lasse  unentschieden,  mit  welchem  fug  sie  die  schwalbe 
oder  den  storch  vertreten,  oder  ob  sie  überhaupt  etvras 
anders  bedeuten  sollen,  des  angehenden  sommers  -wird 
nur  in  einigen  Worten  und  Wendungen  des  lieds  oder  gar 
nicht  gedacht.  Oft  aber  bildet  die  einsamlung  der  gaben 
nur  den  scldufs  einer  vorausgehenden  sinnvolleren  hand« 
iung,  woran  auch  Jünglinge  und  Jungfrauen  theil  nehmen. 
Ein  vermumter  Sommer  und  fVinter^  jener  in  epheu 
oder  Singrün,  dieser  in  st  roh  oder  moos  gekleidet,  tre- 
ten auf  und  kämpfen  solange  miteinander,  bis  der  Somr- 
mer  sie^t.  dann  wird  dem  zu  boden  gewor&en  Winter 
seine  hülle  abgerissen,  zerstreut,  und  ein  sommerlichar 
kränz  oder  zweig  umhergetragen.  Hier  ist  also  wieder 
die  uralte  idee  eines  kriegs  oder  Streits  zwischen  beiden 
Jahrsgewalten,  aus  dem  der  Sommer  siegreich  hervorgeht, 
in  dem  der  fVinter  unterliegt:  das  volk  gibt  gleichsam 
den  zuschauenden  chorus  ab  imd  bricht  in  den  preis  des 
überwinders  aus. 

Die  eben  geschilderte  sitte  lebt  ihauptsächlich  in  ge- 
genden  des  milderen  Rheins,  jenseits  in  der  Pfalz,  dies- 
seits zwischen  Neckar  und  Main,  im  Odenwald.  Aus  den 
gesungnen  liedern  tlieile  ich  blofs  die  beziehungsvoUen 
stellen  mit: 

trarira,   der  Sommer  der  ist  da; 

wir  wollen  hinaus  in  garten 

und  wollen  des  Sommers  warlen. 

wir  wollen  hinter  die  hecken 

und  wollen  den  Sommer  wecken. 

der  fVinter  hats  verloren, 

der  Winter  liegt  gefangen^ 

und  wer  nicht  dazu  kommt 

den  schlagen  wir  mit  Stangen, 
anderwärts:  jajaja,  der  Sommertag**)  ist  da, 

er  kratzt  dem  Winter  die  aitgen  aus 

und  jagt  die  banern  zur  stubc  hinaus, 
oder:  Stab  aus!  dem  Winter  gelin  die  äugen  auSj***) 


•)  Reinhart  einlcit.  p.  ccxix.    eioer  amgetragaea  krähe  (»titt  der 
4cliwalbe)  gedenkt  auch  Athenacus  a.  a.  o. 

••)  für  Sommer?    vgl.  Baitag  (*.  Ul)  für  Balt. 
••')  auch  ''stam  aus*  oder  *sta  maus',    und  '/leib  aus,  treib  «w, 
dem  Winter  ist  ein  aug  aus» 


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SOMMBft  UND  WINTER  441 

Veilchen ,    roaenb/umen, 

liolen  wir  den  Sommer 

schicken  den  fVinter  übern  Rhein 

bringt  uns  guten  kühlen  wein, 
auch:  piolen  und  die  blumen 

bringen  uns  den  Somm>er, 

der  Sommer  ist  so  keck 

und  wirft  den  Winter  in  den  dreck. 
oder:  stab  aus,  stab  aus, 

blaa  dem  Winter  die  äugen  aus! 
Solche  gesänge  sind  sicher  durch  lange  jalu^hunderte  gegan- 
gen; was  ich  vorhin  aus  unsern  dichtem  des  13  jh.  an- 
geführt habe,  setzt  sie  ihrem  wesentlichen  inhalt  nach 
voraus,  alles  ist  ganz  heidnisch  gedacht  und  gefal'st:  der 
herbeigeholte,  aus  seinem  schlaf  geweckte,  tapfere  Som-^ 
mer,  der  überwimdne,  in  den  koth  niedergeworfne ,  in 
banden  gelegte,  mit  Stäben  geschlagne,  geblendete,  aüsge- 
tiüebne  Winter  sind  halbgötter  oder  riesen  des  alterthums. 
Der  veilclien  wird  erwähnt  in  deutlichem  bezug  auf  den 
empfang  des  Sommers.  An  einigen  orten  ziehen  die  kin- 
der  mit  weifsen^  geschälten  [Stäben  y  hölzernen  gabein 
und  dcgen  aus,  entweder  in  der  absieht  dem  Sommer  zu 
helfen  und  mit  auf  den  feind  loszuschlagen,  oder  es  kön- 
nen auch  die  stabträger  des  Winters  gefolge  darstellen 
sollen,  weil  nach  altem  gebrauch  besiegte  und  gefangne 
mit  weifsen  Stäben  entlassen  werden  (RA.  134.)  Einer 
aus  dem  häufen  der  knaben,  ein  erwachsner  an  ihrer 
spitze  in  st  roh  gehüllt  stellt  den  Winter  ^  ein  andrer 
mit  epheu  per  ziert  den  Sommer  vor.  erst  kämpfen  beide 
mit  ihren  holzstangen,  bald  werden  sie  handgemein  uti^ 
ringen  so  lange,  bis  der  Winter  niederliegt  und  ihm  das 
Strohkleid  abgezogen  wird,  unter  dem  kämpf  singen 
die  übrigen     stab  aus,    stab  aus, 

stecht  dem  Winter  die  äugen  aus! 
das  ist  noch  völlig  das  rauba  birahauen ,   hrusti  giwinnan, 
caesos   spoliare    armis    der    heldenzeit;    das  grausame  aug- 
aosstechen  tritt  noch  tiefer  in  'flas  alterdium  zurück. 

Nach    beendigtem   kämpf,    wenn    der  Winter   in   der 
flucht  ist ,   wird  an  einigen  orten  gesungen : 
so  treiben  wir  den  Winter  aus 
durch  unsre  Stadt  zum  thor  hinaus, 
hin  imd  wieder    die  ganze  handlung  zusammengedrängt    in 
das  wiederholte  geschrei: 

Sommer  rein,    Winter  naus! 
Jcmehr  man  sich  über  den  Odenwald  zurüdi  dem  iu- 


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442  TODAUSTRAGEN 

uern  Franken ^    dem  Spessart  und  der  Ktiön  nähert,    pfle- 
gen schon  jene  worte  zu  lauten: 
Stab  aus,   stab  aus, 
stecht  dem  Tod  die  äugen  aus! 
und  so  heilst  es:   wir  haben  den  2hd  hinausgetrieben 
den  lieben  Sommer  bringen  wir  wieder 
den  Sommer  und  den  Meiert 
mit  blümlein  mancherleien. 
Der  Tod  tritt  an  die  stelle  des  fVinters;   man  kann    sa- 
gen, weil  im  wintcr  die   natur  scblummert  und  ausgestor- 
ben scheint;  vielleicht  liat  aber  auch  frühe  schon  ein  heid- 
nischer    name    des   Winters    der    christlichen    Vorstellung 
von  dem  Tod  weichen  müssen r 

In  tief  fränkischen  liedern,  z.  b.  dem  nürnbergM*, 
wird  nun  aber  des  Sommers  gar  geschwiegen  und  der  ge- 
danke  des  ausgetriebnen  Todes  desto  stärker  hervorge- 
hoben.*) Zu  Nürnberg  durchziehen  landmädchen  von  sie- 
ben bis  achtzehn  jähren  in  ihrem  gröfsten  putz  die  strafsen 
der  ganzen  Stadt  und  vorstadt ;  auf  oder  unter  dem  linkm 
arm  tragen  sie  einen  kleinen  ofnen  sarg,  aus  welchem 
ein  leiclienluch  herabhängt,  unter  dem  tuch  liegt  eine 
puppe,  ärmere  kinder  tragen  nichts  als  eine  offene  schach- 
te! ,  worin  ein  grüner  buchenzweig  liegt  mit  in  die  hohe 
gcriclitetem  stiel ,  woran  ein  apfel  statt  des  kopfs  steckt, 
ihr  eintöniges  lied  beginnt: 
heut  ist  mitfasten 

wir  tragen  den  Tod  ins  wasser,  wol  ist  das. 
unter  anderm:    wir  tragen  den  Tod  ins  wasser 
tragen  ihn  nein  und  wieder  raus**)^ 


*)  Seb.  Frankes  weltbuch  51«  schildert  den  irankiseheB  ümI- 
nachtsbraucli  so:  ^hallen  auch  ir  vier  ein  lellacli  bei  den  Tier  zipM« 
und  ein  ströinen  angemachten  hutzen  in  hosen  und  wamnies  mit  einer 
larven,  wie  ein  todten  man,  schwingten  si  in  mit  den  tner  zipfeiM 
auf  in  die  hohe  und  entpfahen  in  wider  in  das  leilach.  das  treibe« 
si  durch  die  ganz  Stadt.  Zu  mitterfasten  machen  si  an  etlidien  oriea 
ein  ströinen  man  oder  butzen^  fangetlion  und  zugericht  wie  eia  iod^ 
den  tragen  die  versanileten  jungen  in  die  na/und  gelegnen  dörftr* 
dise  werden  von  etlichen  schon  empfangen  und  mit  dürren  hatslea, 
milch  und  erbifs  gelabet  und  gespeist  von  den  andern,  die  es  lor 
ein  anzeichen  zukuuftigs  todi  lialten,  übel  empfangen,  und  von  irea 
hofstaUen  getriben  mit  scheltworten  und  etwan  mit  streichen.' 

**)  hierdurch  scheint  angedeutet,  dafs  die  gottbeit  des  To4es 
bei  der  wassertäuche  nicht  vernichtet,  sondern  ihr  nur  die  Unzufrie- 
denheit des  Volks  fühlbar  gemacht  werden  soll,  der  grausame  Tod 
hat  das  jähr  Ober  manche  opfer  (reholt,  jetzt  wollen  sich  die  oua- 
sehen  gleichsam  au  ihm  rävhen*    Dies  greift  in  die  eben  i.  14  aage- 


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TODAUSTRAOEN  448 

tragen  ihn  vor  des  bledermanns  haus, 
wollt  ihr  uns  kein  schmalz  nicht  geben 
lassen  wir  euch  den   Tod  nicht  sehen, 
der  Tod  der  luit  ein  panzer  an. 
Ähnliche  gebrauche  und  lieder  herschten  im  übrigen  Fran- 
ken, in   Thüringen,    Meifsen,    Vogtland,  | Schlesien    und 
Lausitz,     der  eingang  des  lieds  wechselt: 
mm  treiben  wir  den  Tod  aus*), 
den  alten  weibern  in  das  haus! 
oder:  hinters  alte  hirtenhaus **). 
hernach:    hätten  wir  den   Tod  nicht  ausgetrieben 

war  er  das  jähr  noch  inne  geblieben.***) 
Gewöhnlich  wurde  eine  puppe,  ein  strohernes  oder  Äo/- 
zernes  bild  herumgetragen,  ins  wasser,  in  einen  tum-' 
pfel  gei4H)rJen  oder  verbrannt^  war  die  figur  weiblich, 
so  trug  sie  ein  knabe,  war  sie  männlich,  trug  sie  ein 
mädchen.  Man  stritt  darum,  wo  sie  gemacht  und  gebun- 
den werden  sollte,  aus  welchem  haus  sie  hervorgebracht 
vurde,    in    dem   starb   das  jähr   über   niemand.     Die  den 


deutete  idee:  wenn  ein  gott  den  erwartungen  nicht  entsprochen  hat, 
so  wird  ihm  gedroht,  sein  bild  mit  i;oth  beworfen  (s. 336),  Ins  wns- 
6er  {getaucht  So  warfen  die  Franklander  beim  niiswachs  des  welns 
S.Lrrbans  bild,  weil  er  keinen  wein  geschalt  hat  (Fischarts  Garg.  11) 
in  den  hach  oder  in  den  koth  (Seb.  Frank  6lb),  oder  in  den  was- 
*^rtrog^  selbst  schon»  wenn  keine  reiche  weiniese  erwartet  wird  (.4.^ 
Sricolas  sprichw.  no.498.  Graters  Idnnna  1812  p.  87.)  Nicht  anders 
warfen  die  Baiern  den  heil.  Leonhard  bei  seinem  feierlichen  umziig 
mitanter  in  den  back  (Schm.  2,  473.)  Bekannt  ist,  wie  die  Neapoli- 
taaer  noch  heotzutag  mit  ihrem  San  Gennaro  verfahren,  oder  die 
•chiffer  im  starm  S.Jacobs  bild  mlshandelu,  anderer  beispiele  za  ge- 
schweigen. 

*)  Latber  hat  das  lied  auf  die  aastreibong  des  pabsts  parodiert 
Jem.  T.  n.  f.  D.  1787.  2,  192.  193. 

**)  dem  alten  Juden  in  seinen  baach,  dem  jungen  in  den  rucke, 
das  ist  sein  ungelücke,  treiben  ihn  über  berg  und  tiefe  thal,  dafs  er 
nicht  wiederkommen  soll ,  treiben  ihn  über  die  beide ,  das  thun  wir 
den  schafem  zu  leide,  wir  gieagen  durcli  den  grünen  wald,  da  sun- 
p^  die  Vögel  jung  und  alt.  Den  alten  Juden  will  Finn  Magnussen 
(edda  2,  135)  (ur  einen  iötunn  gehalten  haben. 

***)  J.  F.  Herrl  über  einige  in  der  gegeud  yon  Erfurt  gefnndae 
aHertliumer  1787  p.  28  hat  die  zeile:  'wir  tragen  den  Krodo  ins  was- 
«er*,  gesteht  aber  nachher  (joum.  v.  u.  f.  D.  1787.  483.  484),  dies  be- 
denkliche wort  als  eigenmaciitige  Vermutung  in  den  text  aufgenommen 
tu  haben.  Um  so  verdäclitiger  ist  in  Ilellbachs  nacht  rag  zum  archiv 
von  und  für  Schwarzburg.  Uildburgh.  1789.  p. 52  folgende  Strophe: 
Ertragen  den  alten  thor  hinaus,  hinters  alte  hirtenhaus,  wir  haben 
Bu  den  Sommer  gewonnen  und  Krodes  macht  ist  weggekommen.' 
•Ue  amadrfteke  der  letzten  zeile  verrathen  erdichtang. 


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444  SOMMBRFEST 

Tod  weggeworfen  hatten,  liefen  schnell  davon,  aus  furcht, 
dafs  er  sich  wieder  aufraffe,  und  hinter  Urnen  her  komme, 
begegnete  den  heimkehrenden  vieh,  so  schlugen  sie  es 
mit  Stäben ,  im  glauben,  dafs  es  dadurch  fruchtbar  werde. 
In  Scldesien  wurde  häufig  ein  blofser  tannenbauni  inil 
strohhelten^  gleichsam  gefesselt,  umliergeschleppL  Hio 
und  wieder  trug  ein  starker  mann,  mitten  unter  kindem, 
einen  maienhauni**) 

Einige  der  angegebnen  landschaften  haben  in  dem 
letzten  )h.  das  alte  fest  dieser  sommerverkündigung  durch 
besieguug  des  winters  untergehen  lassen ,  einige  noch  ge* 
gcnwärtig  erhalten.  Frühere  jhh.  mögen  es  in  andern 
deutschen  strichen  gesehn  haben,  in  welchen  es  selbst 
nicht  historisch  nachzuweisen  ist.  wolirscheinlich  entgcLn 
mir  auch  einzelne  n achrichten.  Ich  habe  nicht  die  ge- 
ringste spur  davon,  weder  in  Süddeutschland ,  Schwabeo, 
Schweiz,  Baiern,  Ostreich,  noch  auf  der  andern  Seite  in 
Niederhessen,  Niedersachsen,  Westfalen, .Niederland,  Fries- 
land ermitteln  können,  ob  es  sich  über  die  Pfalz  hinaus 
in  das  Trierische,  Lothringische^  nach  Frankreich  erstreckte, 
weifs   ich    eben    so    wenig.**)     Klar  ist,    dafs   weder  die 


*)  zu  Leipzig  war  das  fest  im  17  jh.  so  herabgewürdigt,  dtü 
man  die  Strohpuppe  durch  liuren  umtragen  und  ius  wasser  werfeu  Itetii. 

••)  C.  H.  Schmid  hat  freilich  im  jonm.  v.  u.  f.  D.  1T90,  314. 
315  ein  verzeiclmis  der  länder  und  örter  aufgestellt,  wo  Winter  oder 
Tod  ausgetragen  werde,  darin  sind  auch  niedersachsische ,  meklea- 
burgische,  ja  friesische  gegenden  namhaft  gemacht,  bewahmag  daftr 
mangelt  aber,  und  andere  ähnliche  gebrauche,  denen  ganz  die  it- 
dividuaiität  des  hier  abgehandelten  fehlt,  werden  damit  vermischt 
Aug.  Pfeiffer  (gb.  zu  Lauen»tein  1640,  gest.  zu  Lfibek  1698)  in  deo 
evang.  erquickungsstunden  Leipz.  1 698  p.  gedenkt  des  Sommer  ead 
IVinterstreits,  aber  ohne  den  ort  zu  bestimmen ,  und  er  wolmte  lange 
in  Sv-Iilesien  und  Leipzig.  Heiir.  f^ubbert  (prediger  zu  Bohlenderf 
bei  Lübek,  gb.  1640  gest.  1703)  schildert  iu  seinem  fastnacbtsteufel 
p.  6  einen  merzaufzug ,  keinen  niailichen ,  hebt  aber  die  weseotlicbeo 
zöge  nicht  genug  hervor,  ich  setze  die  stelle  (aus  Joh.  Pet.  Schmidts 
faittelab.  p.  132)  her,  weil  sie  das  gewis  nicht  unwirksame  eifern  der 
geistlichen  gegen  die  lustbarkeiten  des  volks  fast  so  clwracteristitck 
zeigt,  wie  die  s.  159.  eingeschaltete,  um  560  jähr  altere,  dedanM- 
tion.  Hm  vorigen  jähr  dominica  quiuquagesima  (vier  wochen  vor  lae- 
tare)  bat  ich  nbermalen  einen  jeden  öffentlich)  man  möchte  doch  ein- 
mal solches  heidnische  wesen  einstellen,  aber  ich  muste  leider  er&ii- 
ren ,  dafs  es  die  gottlosen  weltkinder  noch  ärger  als  zuvor  machten. 
Da  giengen  niclit  allein  die  hindert  lange  mit  grünem  laub  hen^tuf 
dene  stecken  tragend  in  den  häusern  herümb,  und  sungen  allerhaad 
liederliche  possen,  sondern  sonderlich  die  knecJue^  unter  wdiJitt 
einer  mit  einem  grünen  weiberrock  f>ehangcn  war,  giengen  in  ztvetM» 
Parteien  mit  einem  dudelsack  durchs  dorf  vou  hauä  zu  bans,  mgeS) 


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TODAUSTRAGEN  445 

protestantische  noch  die  calholisohe  ansieht  auf  die  län- 
gere fortdauer  oder  das  frühere  erlöschen  der  silte  einflofs. 
Allerdings  fallt  aiif^  dafs  sie  sich  gerade  durch  die  mitte 
Deutschlands  zieht  und  hinten  an  slavische  ländcr  lehnt, 
die  ihr  gleichfalls  huldigen,  daraus  darf  aber  nicht  gefol- 
gert werden,  dafs  sie  slavischen  Ursprungs  war  und  von 
Slaven  bis  über  den  Rhein  hin  eingeführt  wurde.  Wir 
müssen  erst  diese  slavischen  gebrauche  näher  betrachten. 

In  Böhmen  ziehen  die  kinder  mit  einem  Strohmann,  der 
den  Tod  vorstellen  soll,  ans  ende  des  dorfs,  und  verbren- 
nen ihn,    dazu  singen  sie 

giz  nesem  Snirt  ze  wsy, 

nowe  Leto  do  wsy; 

wiley  Leto  libezne, 

obiljcko  zelene! 
d.h.  schon  tragen  wir  den  Tod  aus  dem  dorf,  das  neue  jähr 
(den  neuen  Sommer)  in  das  dorf;  willkommen  lieblicher  Som- 
mer, gi-ünes  getraidelcin !  Die  Sorben  in  der  Oberlausitz  fer- 
tigen dae  bild  aus  stroli  und  hadern^  die  die  letzte  leiche 
gehabt,  mufs  das  hemde,  die  lelzte  braut  aber  den  Schleier 
und  die  übrigen  lumpen  dazu  hergeben*);  das  scheusal 
vrird  auf  eine  hohe  Stange  gesteckt  und  von  der  gröfsteu, 
stärksten  dirne,  in  vollem  lauf,  fortgetragen,  dabei  sin- 
gen alle:       lecz  höre,   lecz  höre, 

jatabate  woko 

pan  dele,  pan  dele! 
d*  1.  flieg  hoch ,  flieg  hoch ,  drehe  dich  um ,  fall  nieder, 
fall  nieder!  Alle  werfen  mit  steinen  und  stecken  nach 
ilun,  wer  den  Tod  trift,  slirbt  das  jähr  über  nicht,  so 
'wird  das  bild  zum  dorfe  hinaus  an  ein  wasser  getragen 
und   darin  ersäuft,     oft  bringen  sie  auch  den  Tod    bis  zur 

frenze  des  nächsten  dorfs  und  werfen  ihn  hinüber  ^  je- 
er  bricht  sich  ein  grünes  zweiglein,  das  er  auf  dem 
heimweg  fröhliches  mules  tiägt,  bei  erreichung  des  dorfs 
aher  wieder  von  sich  wirft,  zuweilen  lauft  ihnen  die  Ju- 
gend des  benachbarten  dorfs,  über  dessen  grenze  sie  den 
Tod  gebracht  hatten,  nacli,  und  wirjt  ihn  zurück ^  weil 
ihn    niemand    dulten    will;     hierum   gerathen  sie   leicht  in 


soffen,  tanzeten  nod  raseten  in  den  Iiausern  als  ansinnige;  naclihin 
thaten  sie  sich  zusammen,  soffen,  tanzeten,  lenneten  etliche  nachte 
durch  und  durch,  dafs  man  kaum  davor  schlafen  kunte.  Bei  solciiem 
gottlosen  nachttanze  funden  sich  auch  einige  leichtfertige  mägde,  und 
wohnten  dem  verfluchten  handel  bei.' 

■)  indicui.  superstit  27.  de  simulacris  de  pannis  factis,  28,  quae 
per  campos  portant. 


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44«  TODAUSTRAGEN 

wortwecbsel  und  schlage.*)  An  andern  lausitzi&clien  orten 
sind  blofs  Frauen  mit  dieser  tod  aus  treibung  bescbäftigt,  und 
leiden  dabei  keine  männer.  alle  gelm  des  tags  in  trauere 
Schleiern  und  binden  eine  puppe  aus  siroh^  der  sie  ein 
weifses  hemd  überziehen,  in  die  eine  band  einen  besen, 
in  die  andere  eine  sense  geben,  diese  puppe  tragen  sie 
singend  und  von  steinwerfenden  hüben  verfolgt,  zur 
grenze  des  nächsten  orts,  vro  sie  sie  zerreifsen.  darauf 
hauen  sie  im  wald  einen  schönen  bäum,  hängen  das  hemd 
daran,  und  tragen  ilin  heim  unter  gesängen.'*'*)  Dieser 
bäum  ist  ohne  zw^eifel  siunbild  des  eingeführten  Sommers 
statt  des  ausgetragnen  Todes.  Solch  ein  geschmückter  bäum 
wird  auch  sonst  von  knaben,  nachdem  sie  den  Tod  fort- 
geschalTt  haben,  im  dorf  herumgetragen  und  dabei  sam- 
meln sie  gaben  ein.  Anderwärts  tragen  sie  die  puppe 
herum,  geschenke  fordernd.  Hin  und  wieder  lassen  sie 
den  Strohmann  den  leuten  in  die  fenster  gucken:  in  ei- 
nem solchen  haus  wird  der  Tod  das  jähr  über  jemand  ab- 
holen, doch  kann  man  sich  mit  geld  lösen  und  die  Vor- 
bedeutung zeitig  abwenden.  In  Königshain  bei  Görlii 
zog  das  ganze  dorf,  jung  und  alt,  mit  strohfackeln  auf 
einen  nahen  berg ,  der  todtenstein  genannt,  wo  sonst  ein 
götzenhil^  gestanden  haben  soll,  zündeten  oben  die  fa- 
ckehi  an  und  kehrten  singend  heim,  unter  beständiger 
Wiederholung  der  worle:  den  Tod  haben  wir  ausgetrie- 
ben,  den  Sommer  bringen  wir  wieder.***) 

Nicht  überall  aber  scheint  man  sich  unter  diesem  aus- 
getriebnen götzenbild  den  Winter  oder  den  Tod  voi^steMt 
zu  haben ;  namentlich  in  Polen  ist  es  vielmehr  die  /le/W- 
nische^  dem  christenthum  weichende  gottheit^  welche 
das  Volk,  in  halber  trauer,  imter  angestimmten  klage- 
liederu,  von  sich  ausstöfst.  Dlugoss  f )  und  nach  ihm  an- 
dere berichten ,  auf  könig  Miecislaus  geheifs  seien  alle 
götzen  im  land  zerbrochen  und  verbrannt  worden,  zur  er- 
innerung  daran  pflege  mau  in  mehrern  polnischen  örtem 
jährlich  einmal  oilder  der  Marzana  und  Zietvonia  an 
Stangen    befestigt   oder   auf   schleifen,    traurige  lieder   sin- 


*)  laasitz.  mag.  von  1770  p.  84.  85  ans  einer  hs.  6e%  Abrab. 
Frencel. 

**)  Christ.  Arnolds  anhang  zu  Alex.  Rossens  nnterscbiednem  got- 
tesdienst.     Ueideib.  1674  p.  135. 

•••)  Antous  erster  versuch  über  die  alten  Slaven  p.  73.  74. 

+)  bist.  Polun.  Hb.  2  ad  a.  965.  Mattli.  de  Mecliovia  chron.  Po- 
lort. 11.  I,  22.  Mart.  Cromer  üb.  3.  ad  a.  965.  Mart.  Hanke  de  Si- 
le:>ioruni  noniinibas  p.  122.  123. 


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SOMMBaFBST  4i7 

gend  f  feierlich  zum  sumpf  oder  flujs  tu  fahren  und  zu 
ersäufen  *) ;  gleichsam  die  letzte  ihnen  erwiesne  huldigung« 
Marzana  \Bi  nach  Dlugoss  erntegöttin,  nach  Frencel  und 
Schaffarik  **)  todesgöttin^  für  unsre  Untersuchung  gleidi viel, 
wenn  nur  eine  göttin. 

Tag  dieses  festes  war  die  quarta  dominica  quadrage- 
simae,  d.h.  der  sonntag  laetare,  oder  mitt fasten ^  halb- 
fasten, auf  welchen  gerade  auch  in  Böhmen,  Schlesien 
und  der  Lausitz  das  todaustreiben  fällt,  die  Böhmen  nen- 
nen den  tag  smrtedlnay  die  Sorben  Jsmerdniza  ^  todten- 
sonntag,  er  geht  den  ostern  drei  wocben  voraus,  wird 
also  fast  immer  im  merz  eintreten,  einige  verlegen  ihn 
eine  woche  früher,  auf  oculi,  andere  (zumal  in  Böhmen) 
eine  woche  später  auf  judica.  auch  in  der  Rhein  und 
Maingegend  ist  aber  laetare  tag  der  feier,  und  heifst  dort 
sonwiertag. 

Diese  Übereinkunft  in  der  zeit  des  festes  ist  unab- 
weisbar, den  alten  Slaven,  welche  ihr  neues  jähr  im 
merz  begannen ,  bezeichnete  sie  den  an  fang  des  jalirs, 
zugleich  des  Sommerhalbjahrs,  folglich  ihres  leto.  den 
Deutschen  die  ankunft  des  sommers  oder  frühjahrs,  im 
merz  kehrt  ilinen  storch  und  schwalbe  heim,  blüht  das 
erste  Veilchen.  Allein  die  Slaven  kennen  keinen  kämpf 
ihres  unpersönlichen  leto  mit  dem  Smrtj  sondern  dieser 
abgehende,  ausgetriebene  gott  hat  dabei  die  hauptrolle. 
unseru  ahnen  war  eben .  der  beiden  riesen  streit  das  we- 
sentliche des  festes,  und  nur  der  verlierende  PFinter 
gleicht  jenem  Sinrtj  der  siegreiche  Sommer  steht  ungleich 
lebendiger  da.  Aufser  dieser  bedeutenden  Ungleichheit  der 
slavischcu  feier  mit  der  deutschen,  wie  sie  am  Rhein  und 
Neckar  statt  hat,  wäre  auch  schwer  zu  begreifen,  wie^ 
sich  eiue  slavische  volkssitte  bis  in  den  Odenwald  und  in 
die  überrheinische  Pfalz  hätte  verbreiten  sollen,  so  erklär« 
licli  sie  an  dem  oberen  Main,  im  Fuldischen,  in  Thürin- 
gen und  Meifsen  sein  würde.  Noch  entscheidender  ist  je- 
doch die  Wahrnehmung,  dafs  sie  auch  nicht  allen  Slaven, 
sondern  eben  nur  den  Schlesiern,  Lausitzern  und  Böhmen, 
mit  bedeutender  abweichung  der  Polen,  hingegen  gar  nicht 
den  Südslaven  bekannt  war,  wahrscheinlich  auch  nicht  den 


*)  auch  der  rassische  Wladimir,  nach  geiner  bekehrung,  befiehlt 
Penins  bild  an  eiaeo  pferdeschweif  za  biodeo,  zu  schlagen  und  in 
den  Dnieper  zu  werfen.  Als  man  hernach  den  nowgonnier  Perun 
ebenso  in  den  JVolchoiv  geworfen  hatte,  begann  dieser  im  ström  über 
die  ondankbarlieit  des  Volkes  laut  zu  jammern. 

**)  gesch.  der  slav.  spr.  p.  12  Marzana »  Morjana, 


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448  MAIRITT 

ia  Pommern,  Mcklenbiirg  und  Lüneburg  ansässigen«  Wie 
den  Baiern,  Tirolern  gehl  sie  den  Rrainern,  Sieiermärkcrn, 
Slovaken,  ich  denke  auch  den  IVIährern  ab;  wie  den 
Pommern  den  Niedersachsen.*)  Unter  Slaven  und  Deut- 
schen hat  sie  nur  ein  mittler  strich  des  landes,  ohne  Zwei- 
fel aus  gleicher  Ursache^  bewahrt.  Ich  leugne  nicht ,  dafs 
sie  im  höheren  alterthum  allen  slavischen  stummen,  wie 
allen  deutschen  gemein  gewesen  sein  könne,  ja  für 
Deutschland  ist  es  mir  beinahe  imzweifelhaft,  einmal  weil 
Nitharts  und  anderer  ältere  lieder  schon  für  Ostreich  zeu- 
gen ,  dann  aber,  weil  in  Scandinavien ,  England  und  stel- 
lenweise in  Norddeutschlaud  die  sitte  des  Mairitts  er- 
scheint, die  sich  vollkommen  dem  rheinischen  sommertag 
im  merz  identificiert. 

Olaus  Magnus  15,  4  meldet»  die  Schweden  und  Go- 
then  haben  feinen  brauch,  dafs  in  den  statten  die  ober- 
keit  den  ersten  tag  meiens  zwei  geschwader  reuter  von 
starken  jungen  gesellen  und  männern  versammeln  läfsl, 
nicht  anders  als  wolt  man  zu  einer  gewaltigen  sclilacht 
ziehen,  das  ein  geschwader  hat  einen  rittmeisler,  welcher 
unter  dem  nanien  des  fi^inters  mit  vil  pelzen  und  ge- 
futterten hleidern  angethan  und  mit  einem  winterspiefs 
bewapuct  ist:  der  reitet  hoffertiglicU  hin  und  wiedar,  wirft 
schneeballen  imd  eisschemel  von  sich ,  als  wolle  er  die 
kelte  erlängern,  macht  sich  ganz  unnütz,  hergegen  hat 
das  ander  geschwader  auch  einen  rittmeister,  den  heifst 
man  den  Bluniengraven  ^  der  ist  von  grünem  gezfveig^ 
taub  und  blumen^  bekleidet,  auch  mit  andern  Sommer- 
kleidern angethan  und  nicht  fast  werhaft,  reitet  mitsampt 
dem  winlerhauptmann  in  die  sladt  ein,  doch  ein  jeder  an 
seinem  besondern  ort  und  Ordnung,  halten  alsdann  ein 
ofPentlich  siechen  und  turuier,  in  dem  der  Sommer  den 
fVinter  überwindt  und  zu  boden  rennet.  Der  Winter 
und  sein  gefolge  werfen  um  sich  mit  ascho  und  funken, 
das  sommerliche  gesinde  wehrt  sich  mit  birkenmaien  und 
ausgeschlagnen  lindenruten ;  endlich  wird  dem  Sommer 
von  dem  umstehenden  volk  der  sieg  zugesprochen. 

Hier  ist  gar  keine  anspielung  auf  den  Tod,  alles  w^ird 
nach  deutscher  weise  blofs  zwischen  Sommer  und  fVin- 
ter  abgelhan,    nur  hat   sich   der   einfache  aufzug   unserer 


•)  jene»  holsteinisclie  iimgelin  (omgaan)  mit  Hern  fudis  («.4.^) 
soll  nncli  Sclintze  8,  165  im  sommer,  also  nicht  auf  lätare  gefrli«lia 
3ciD,  und  (lau  gcsuiigoe  Hed  hat  keinen  ausdrücklichen  t>ezag  auf 
soamer  und  winter. 


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MAIRITT  449 

landleute  mehr  in  ein  turnierartiges  geprSnge  des  reicheren 
Stadtlebens  verwandelt;  dafür  nimmt  sich  dieses  führen 
des  Mais  in  die  sladt  (schonisch  ^Jora  somma  i  by)  rein- 
licher, stattlicher  aiis^  als  der  ärmliche  aufzug  bettelnder 
kinder,  und  ist  in  der  that  eine  höchst  poetische^  das  ge- 
müt  ergreifende  Vorstellung.  Solcher  maispiele  gedenken 
altschwedische  und  dänische  chroniken,  stadtordnungen 
und  urivunden  öfter  als  einmaL  Adel  und  könig  nahmen 
uicht  selten  theil  daran,  es  war  eine  grofse  allgemeine 
volkslustbarkeit.  der  majgrefve  (maigraQ  zog  blumenbe* 
kränzt  unter  mächtigem  geleit  durch  strafsen  und  dürfer, 
gastmale  und  reihentanz  folgten.  In  Dänmark  begann  der 
ziig  auf  walburgistag,  man  nannte  es:  den  Sommer  in 
das  land  reiten^  at  ride  Sommer  i  bye,  die  jungen  män- 
ner  ritten  voran ,  dann  der  maigraf  (floriger) ,  mit  zwei 
kränzen,  über  jede  Schulter,  das  übrige  gefolge  nur  mit 
einem  kränz;  in  dem  ort  wurden  lieder  gesungen,  alle 
Jungfrauen  bilden  einen  kreis  um  den  maigrajen  und  er 
vrälilt  sich  eine  darunter  zur  majindey  indem  er  den 
kränz  auf  sie  wirft,  des  Winters  und  seines  Streits  mit 
dem  Mai  gedenken  die  schonischen  und  dänischen  feste 
nicht  mehr,  in  manclien  Städten  hatten  sich  förmliche 
mctjgrevegilde  gebildet.*) 

Dieses  mai reiten,  diese  mmgrafen  waren  nun  auch 
in  Niederdeutschland  althergebracht;  das  scheint  eben  die 
Ursache,  warum  dort  jen^s  mitteldeutsche  Sommerankün* 
digen  auf  laetare  nicht  im  schwang  gieng.  in  nördlichen 
gegenden  konnte  das  erst  mit  an  fang  mais  einkehrende 
frahjahr  nicht  schon  im  merz  gefeiert  werden.  Vielleicht 
war  auch  die  maifeier  in  älterer  zeit  allgemeiner  in 
Deutschland,  oder  greift  die  Unterscheidung  bereits  in  den 
Wechsel  der  merz  und  maiversamlungen  des  volks?**) 
Des  maigreifen  zu  Greifswalde  iin  j.  1528,  auf  ersten 
mai  9  erwähnt 'Sastrow  in  seiner  lebensbeschreibung  1,  65. 
66  beiläufig;  genauere  nachrichten  über  die  fortdauer  des 
mairitts  zu  Hfldesheim,  wo  der  schöne  brauch  erst  im 
18  jh.  erlosch,  sind  neulich  gesammelt  worden.***)     Sobald 

*)  Ihre  s.  T.  mfijgrerve.  ikräordning  for  Knntsgillet  i  Lund  a. 
1586  $.123  —  128  in  Briogs  monum.  scaneosia  p.  207  — 210;  uiul  für 
Malmo  ebendas.  p.2U.  Er.  Tegel  Iiisturia  Gustavi  I.  1«  119.  Nye- 
rup  danskc  digtek.  1,  246.  2,  136.  143.  Thiele  1,  145—158.  vgl. 
200;  der  maigreven  in  Ribe  gedenkt  Terpager  in  Ripis  cimbricis  p. 
723  und  iu  Wildas  gildewesen  p.  285  ge«cliielit  des  aalborger  maigre- 
vea  aus  einen)  «tatut  des  15  jh.  erwahnung. 

'*)  vgl.  RA.  821  —  826  über  die  geridiUzeit. 
***)  Kokens  und  Luntzels  mittheiluugen  2,  45  —  61. 

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4S0  MAIOITT 

der  maigreve,  gegen  pfingsten,  erwählt  war,  batten  die 
holzerben  in  der  Ilse  aus  sieben  dörfern  den  maifvagea 
zu  hauen :  alles  gehauene  buschwerk  mufs  aufgeladen,  im 
walde  dürfen  nicht  mehr  als  vier  pferde  vorgespannt  wer- 
den, ein  feierlicher  zug  aus  der  Stadt  holt  den  wagen  ah, 
burgermeister  und  ratli  empfangt  von  den  holzen  den 
maikranz  und  übergibt  ihn  dem  maigreven.  der  wagen 
enthält  60  —  70  bunde  mai,  wekhe  dem  maigreven  zu- 
kommen und  dann  weiter  ausgetheilt  werden,  klöster  und 
kirchen  empfangen  grofse  bunde,  auf  alle  thürme  wird 
davon  gesteckt,  der  boden  der  kirche  ist  mit  geschoraem 
buchsbaum  und  feldblumen  bestreut,  der  maigreve  bewir- 
tet alle  holzerben,  mufs  ihnen  aber  nothwendig  krebse 
vorsetzen,  tjberall  ist  hier  nur  von  dem  einholen  des 
maiivagena  aus  dem  wald  in  die  Stadt  unter  fi^erlichem 
geleite  des  maigrafen ,  nicht  mehr  die  rede  von  den 
kämpf,  den  er  gegen  den  Winter  zu  bestehn  hat.  Wie 
sollte  dieser  kämpf  in  älterer  zeit  gemangelt  haben? 
gewis  war  er  da,  und  erst  allmälich  liefs  ihn  die  aitte 
weg.  ja  sie  wurde  noch  genügsamer:  in  holsteinischen 
kirchspielen  begeht  man  den  an  fang  des  mais  so,  dafs 
man  einen  bursch  und  ein  mädchen  mit  laub  und  blo- 
men  bekränzt  und  unter  musik  in  ein  Wirtshaus  geleitet» 
wo  gezecht  und  getanzt  wird:  sie  heifsen  maigreu  und 
maigrön  d.  i.  maigräfin  (Schütze  3,  72.)  In  Schvraben 
gehen  die  kinder  mit  Sonnenaufgang  in  den  w^ld,  knaben 
seidne  tücher  an  Stäben,  mädchen  bänder  an  zwdgen 
tragend;  ihr  fuhrer  ist  ein  maihönig^  der  sich  eine  kö- 
nigin  wählen  darf.  Noch  jetzt  läfst  man  sich  im  übrigeB 
Deutschland  zu  pfingsten*)  maibüsc/ie  in  die  häuser  tragen: 
man  holt  sie  nicht  selbst,  noch  geht  man  ihnen  entgegen. 

Auch  England  hatte  bis  in  das  16.  17  jh.  ähnliche 
mqygames  oder  mayinga.  am  ersten  maitag  zogen  kurz 
nach  mitternacht  knaben  und  mädchen ,  Jünglinge  und 
Jungfrauen,  mit  musik  und  hornbläsern,  in  einen  nahen 
wald,  wo  sie  äste  von  den  bäumen  brachen  und  sie  mit 
sträufsen  und  blumenkränzen  schmückten,  dann  kelirten 
«ie  heim  uud  pflanzten  bei  sonnenaufgangVcliese  maibüsche 
in  thüren  und  fenster  der  häuser.  Vor  allem  aber  brach- 
ten sie  aus  dem  wald  einen  grofsen  gehauenen  maibaum. 
maiepole  oder  maipoll  genannt,  mit  nach  haus:  zwan- 
zig oder  vierzig  joche   ochsen ,    jeder    ochs    mit    einem 

*)  daher  schon  im   mtttelalter  die  mai  oder   pfingsthofhaltansei 
Reinaert  41  if. 


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SOMMBRFEIBR  451 

blumengtraofs  zwischen  den  hörnern,  zogen  ihn;  dieser 
bäum  wurde  im  dorf  aufgerichtet  und  um  ihn  herum  ge- 
tanzt, den  Vorsitz  über  das  ganze  fest  führte  ein  eigens 
erwälüter  lord  of  the  7nay ,  dem  dann  noch  eine  lady 
of  the  may  beigegeben  wurde.*)  Rein  Winter  und  kein 
Zweikampf  mit  dem  Mai,  auch  kein  aufzug  zu  pferde; 
aber  der  mal  pole  ist  ganz  der  niedersächsische  maiwagen, 
der  lord  of  the  may  der  maigraf. 

£s  sind  also  überhaupt  vier  verschiedene  weisen  des 
ftommerempfangs,  die  wir  kennen  gelernt  haben«  in  Schwe- 
den nud  Gothland  kämpf  des  Winters  und  Sommers,  feier- 
licher einzug  des  letztern.  in  Schonen,  Dänniark,  Nie4^r- 
sachsen  und  England  blofser  mairitt  oder  einholung  des 
jnai Wagens,  am  Rhein  blofser  kämpf  zwischen  Winter 
und  Sommer,  ohne  wassertauche**),  ohne  den  pomp  des 
einreitens.  bei  Franken,  Thüringern,  Meifsnern,  Schle- 
siem,  Böhmen  blofses  austragen  des  winterlichen  Tods, 
ohne  kämpf  und  einführung  des  Sommers.***)  Die  erste 
und  zweite  feier  fallt  in  den  mai^  die  dritte  und  vierte 
in  den  merz,  an  beiden  ersten  nimmt  das  ganze  volk 
theil,  in  ungeschwächter  freu  de ;  an  beiden  letzten  nur 
der  geringe,  urme  stand.  Die  erste  und  dritte  weise  hal- 
ten aber  noch  die  volle  idee  des  aufzugs,  den  Wettstreit 
der  jahrsge walten  fest,  während  die  zweite  und  vierte  des 
gegensatzes  entbehren«  dem  mairitt  geht  der  Winter,  dem 
todaustragen  der  Sommer  ab,  dort  ist  die  feier  zu  fröh- 
lich, liier  zu  traurig  geworden.  In  allen  drei  ersten  wei- 
sen wird  aber  das  gefeierte  höhere  wesen  durch  lebendige 
personen,   in  der  vierten  durch  eine  puppe  repraesentirt. 

Nun  kann  sich  ein  blick  noch  nach  andern  Seiten 
hin  aufthun. 

Des  kampfs  zwischen  T^etr  und  Sumar  geschw eigen 
altn«  Überlieferungen-}-),    wie    manches  andern,   das  unter 


*)  näbere  bescbreibang  bei  Jos.  Stnitt  ed.  Lond.  1830  p.  351 — 356 
**)  verschieden  ist  also,  wenn  vor  alters  alljährlich  am  lichtmesse 
(2  febr.)  von  den  frankfurter  knaben  und  mädchen  ein  ausgestopftes 
ileid  in  den  Main  geworfen  und  dazu  gesungen  wurde;  'Reuker 
Uder  schlug  sein  mntter,  schlug  ihr  arm  und  bein  entzwei,  dafs  sie 
mordio  schrei.'    Lersners  chron.  p.  492.     das  lied  lasse  ich  unerklärte 

***)  wiewol  der  gegensstz    des  Sommers  in    den  böhmischen    und 
Uusitzisclien  liedern  oder  gebrauchen  einigemal  deutlich  henorbricht 

f)  Biun  Magnussen,  überall  geneigt,  mytiien  naturerscheinungen 
nnterznlegen ,  findet  den  gegensatz  zwischen  sommer  und  winter 
mehr  als  einmal  in  der  edda^  versteckt:  in  FiölsvinnsmAl  und  Har- 
bardsliod  (th.  2,  135.  3,  44  deiner  edd»),  in  der  sage  von  Oller  und 
Othin  bei  Saxo  (th.  1,  196.   lex.  765),   in  der  von  Thiassi  (lex.  887.) 

29' 


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452  SOMMERFEIER 

dem  Tolk  fortlebte.  Die  idee  des  einziehenden^  hAbrfan» 
genden^  alles  neubelebenden  aommergottea  ist  ganz  im 
geist  unseres  frühsten  altertliums :  ebenso  sieht  Nerihoa 
in  das  land  (s.  152),  Freyr  (s,  139),  Isis  (s.  158),  Halda 
(s.  165),  Berhta  (s.  171),  Cisa  (s.  188),  Fricg  (s.  193)  und 
andere  gotthehen  mehr,  deren  vragen,  deren  schif  dai 
freudige  volk  jubelnd  einholt,  yrie  den  wagen  des  Mai. 
Alle  diese  götter  und  göttinnen  erschienen  2u  bestiaimtett 
Zeiten  des  jahrs ,  eigenthümliche  gaben  verleihend.  Dt« 
älteste  mir  bekannte  spur  eines  wettkamnfes  der  jahrsaBei* 
ten  unter  uns  ist  aber  Jener  conüictus  niemis  et  tßerie^ 
der  sich  um  den  kukuk  dreht  (s.  389.) 

Den  Griechen  und  Römern  war  die  idee  nicht  fremd; 
in  einer  äsopischen  fabel  (Cor.  422.  Für.  380)  hadern 
j^H/udp  tmd  ^ag  untereinander.*)  die  Latiner  feierteu  tbä 
per  sacriim  (Liv.  22 ,  10),  das  zumal  dem  Mars  gefaeil^ 
war,  wie  sie  auch  im  frühjahr  zu  felde  zogen.  Dieses 
ver  begann  schon  mit  dem  7  febr.,  die  erste  schwalbe  traf 
ihnen  ein  den  26  febr.,  während  sie  bei  uns  gegen  ende 
merz,  in  Schweden  anfangs  mai  ankommt/*)  Ich  bin 
nicht  unterriditet,  welche  frühliugsgebräuche  bis  auf  heute 
sich  in  Italien  erhalten  haben.  Polyd.  Vergilius  (aus  Ur^ 
bino  in  Umbrien)  erzählt  (de  invent.  rer.  5,  2) :  est  coa* 
suetudinis,  ut  Juventus  promiscui  sexus  laetabunda  cal.  maji 
exeat  in  agros^  et  cantitans  inde  viridea  reportet  arborum 
ranio9t  eosque  ante  domorum  fores  ponat^  et  deniqne  unusqois- 
que  eo  die  aliquid  viridis  ramusculi  vel  herbae  ferat,  qiiod 
non  fecisse  poena  est,  praesertim  apud  Italos,  ut  madefiat; 
also  auch  wassertauche,  ein  solches  maifest  kann  doit  keta 
einholen  des  frülilings  sein,  der  früher  im  merz  erscheint. 

Viel  merkwürdiger  ist  der  italienische  und  spanische 
gebrauch,  zu  mittfasten,  auf  jene  dominica  laetare,  eine 
puppe  zu  binden,  welche  das  älteste  weib  im  dorfe  vor- 
stellt, von  dem  volk,  zumal  den  kindern  binausgefioiiTt 
und  mitten  entzwei  gesägt  wird,  das  heifst  segare  la 
pecchia.  In  Barcellona  laufen  an  diesem  tag  die  knaben 
zu  dreifsig  oder  vierzig  durch  alle  strafsen,  einige  mit  sä- 
gen ,    andere  mit  scheitern ,  andere   mit  tüchern  in  weldie 


bei  letsterm  gründet  sich  alle  Ähnlichkeit  daninf,  dafii  Odhioa  des 
getödteten  riesen  äugen  gen  himmel  «etat  (s.  416),  dem  Winter  aber 
die  aogen  ausgestocfien  werden  sollen  (s.  441)  $  ich  habe  es  keia 
hehl,  solche  vergleichnngen  widerstehn  mir. 

*)  Creuzer  symb.  2,  429.  494  macht  (nach  Hermanns  namendes^ 
tsog)  aus  dem  riesen  Briarens  einen  kämpfenden  winiermnhold^ 

**)  Tiedemanns  Zoologie  3,  ^4. 


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DIB  ALTE  SÄGEN  458 

man  ibnen  geschenke  legt,  sie  singen  in  einem  liede,  dafa 
sie  die  aller  älteste  Jrau  der  staät  suchen,  um  sie,  zu 
ehren  der  mittfasten  durch  den  leib  entzwei  s^u  «ä- 
g'en.  sie  thun  endlich,  als  hätten  sie  die  alte  gefunden 
und  beginnen  etwas  entzweizusagen  und  hernach  zu  ver- 
brennen.*) Die  nemliche  gewohnheit  findet  sich  aber 
auch  bei  Südslaven.  In  der  fastenzeit  erzählen  die  Croa* 
teo  ihren  hindern ,  um  die  mittagsstunde  zersäge  man 
aufsen  vor  den  thoren  ein  altes  weib**)]  und  in  Krain 
heilst  es  viriederum,  zu  mitt  fasten  werde  ein  altes  weib 
aus  dem  dorf  geführt  und  mitten  durchsägt***)  Dies 
zersägen  und  verbrennen  der  alten  frau  scheint  nun  ofil^n- 
bar  identisch  mit  dem  austragen  und  ersäufen  des  Tods, 
und  wenn  unter  diesem  der  Winter,  ein  riese  verstanden 
■wurde,  könnten  sich  romanische  und  südslavische  Völker 
die  hiems ,  die  zima ,  als  ein  altes  weib  (slav*  baba)  ge* 
dacht  haben  ?t)  Dazu  kommt,  dafs  auch  in  meifsnischen, 
schlesischen  dörfern  das  ausgeti^agne  strohbild  zuweilen  die 
gestalt  einer  alten  frau  hat  (s.  443)  und  darunter  jene 
polnische  göttin  Marzana  (s.  446)  gemeint  sein  könnte? 
Ks  sollte  mich  nicht  wundern,  wenn  in  bairischen,.  tiro- 
lischen, schweizerischen  gegenden  ein  ähnliches  durchsä- 
gen der  alten  frau+f)  nachgewiesen  würde. 

Aber  auch  in  Niederdeüischland  zeigt  sich  noch  eine 
andere,  nicht  weniger  bedeutsame,  annäheruug.  oben  s« 
128.  129  ist  der  hildesheimer  gewohnheit  meidung  ge? 
schehn,  auf  Sonnabend  nach  laetare  den  sieg  des  christenr 
thums  über  die  heidnischen  götter  durch  ein  niederwer^ 
fen  hölzerner  klotze  darzustellen.  Schon  die  einstim^ 
niende  zeit  dieser  feierlichkeit  mufs  darauf  leiten  sie  jener  . 
altpolnischen,  und  dann  auch  dem  todanstragen  an  die 
Seite  zu  setzen;  man  braucht  gar  nicht  einmal  die  Ver- 
drängung der  alten  götter  mit  der  Vertreibung  des  Winters 
in  berührung   zu  bringen.    In  des  Geo.  Torquatus  (unge- 

*)  Alex.  Lsborde  itineraire  de  rBspagne  1,  5T.  68, 

**)  AntoDS  versQcli  über  die  Slaven  2,  66. 

•••)  Linharts  gesell,  von  Krain  2,  2T4. 
f)  doch  ital.  invernoi  span.  inviemo  männlich. 

•ff)  in  Schwaben  und  der  Schweiz  hat  man  ans  fr6ofasten  (d,  i. 
den  qnatembern,  Scbeifers  Haltaus  p.  53)  eine  frau  Faste  ^  gleichsam 
eioe  pereoBification  der  fastenzeit  gemacht  (Stald.  1,  894.  Hebel  s.v.) 
sollte  jenes  entzweischneiden  der  Mittfaste  ein  zertheilen  der  fastenzeit 
bezeichnen?  ich  glaube  nicht  Was  bedeutet  die  redensart  and  der 
gebrauch,  dessen  ein  auCiats  über  den  caUiol.  aberglauben  des  ]6jh. 
(Porstemaons  urk.  b«di  des  aogsb.  rekbstajss  von  1530.  Halle  1888 
d.  101)  gedenkt:   ^der  Fakten  den  hals  brechen'^ 


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454    KLOTZABWERFEN       FLIEG.  SOMMER 

druckten)  annal.  magdeb.  et  halberst.  part.  3.  libr.  1  cap. 
9  wird  erzahlt,  dafs  man  auch  zu  Halberstadt,  wie  dort 
zu  Hildesheim,  alljährlich  auf  dem  markt  einen  Hotz  hiu- 
gestellt  und  ihm  den  topf  abgeworfen  habe,  euien  be- 
sDndern  namen,  wie  der  hildesheimer  Jupiter,  führt  der 
klotz  nicht;  es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  dafs  in  der 
richtung  dieser  beiden  Städte  auch  noch  an  andern  orten 
eine  gleiche  silte  herschte.  Zu  Halberstadt  dauerte  sie  bis 
auf  den  markgrafen  Johan  Albrecht. 

Diese  niedersächsische  abwerfung,  jene  polnische  ab- 
dankung  der  alten  gotter  hängt  also  nicht  nothwendig  mit 
dem  einbringen  des  sommers  zusammen ,  so  passend  es 
sein  würde,  das  eingeführte  christenthum  dem  milderwär- 
menden sommer  zu  vergleichen,  ich  finde  in  dem  polni- 
schen gebrauch  wenigstens  keinen  solchen  bezug  ausge- 
sprochen. Dagegen  war  den  Polen  die  Vorstellung  des  ein- 
gebrachten sommers  sonst  nicht  unbekannt.  Eine  cracaiii- 
8che  sage  enthält,  dafs  Lei  und  Polel^  zwei  göttliclie 
Wesen   des  lieidenthums,    sich   auf  dem  felde  herumja" 

fen,  und  den  Sommer  bringen;  von  ihnen  komme 
er  fliegende  sommer  her.*)  man  müste  die  ganze  Über- 
lieferung genauer  kennen,  um  ihr  die  rechte  stelle  anzu- 
weisen. Lei  und  Polel  werden  gewöhnlich  mit  Castor  und 
PoUux  verglichen  (Linde  I.  2, 1250^),  denen  sie  wenigstens 
darin  ähnlich  sind,  dafs  ihre  namen,  schon  in  alten 
Völksliedern,  eine  blofse  interjection  abgeben**),  wie  den 
Römern  jene  halbgötter  eine  betheuerung  (s.  202.)  Flie- 
genden sommer  y  flugsommer,  sommerflug,  gras  wehe 
nennen  wir  die  weifsen  faden,  womit  im  beginn  des  früh- 
lings, zumal  des  herbstes  die  felder  .bedeckt  sind;  das 
frühlingsgewebe  heilst  auch  m.ädchen sommer y  Mariengarn, 
Marienfaden  (s.  265),  das  herbstgewebe  nachsommer, 
herbstgarn,  atteweibersommer  ^  doch  gewöhnlich  werden 
beide  arten  ohne  unterschied  mit  einem  oder  dem  andern 
namen  belegt,  niederd.  slammetje  (brem.  wb.  4,  799)  das 
Schleppmädchen? 5  engl,  gossamer  (gottes  schlepp,  schlei- 
fendes kleid),  auch  blofs  samar^  simar  (sclilepp.)  scliwed. 
dvärgsnät  (zwergsnetz) ;  böhm,  wldcka  (die  egge,  weil 
die  faden  den  grund  wie  eine  egge  durchstreifen?);    poln. 


*)  hall.  allg.  1z.  1807  no.  2f>6.  p.  807. 

**)  poln.  lelam ,  poleliim ;  serb.  lele  ^  leljo ,  lelja  (Vok  i.  t-) 
walach.  lenim  (?gl.  liromlanim,  verba  efTutitla.)  Bedenklich  scheiit 
ee  mir,  sie  für  söhne  der  Lada  so  erklären,  ¥^e  Oiiftor  und  FoUin 
söhne  der  Leda  sind. 


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LAUBEINKLEIDUNG  456 

lato  8wlf  to  maränskie ,  d.  h.  Mariensomnier.  der  lieOigen 
Jungfrau  name  scheint  auch  hier  zum  ersalz  oder  zur  Ver- 
drängung heidnischer  begriffe  gewählt ,  und  man  sieht  ein, 
"Wie  die  Slaven  das  gespinst  von  einem  ihrer  gülter  über 
die  erde  gebreitet  glauben  konnten.  Zugleich  aber  heifjt 
das  herbstliche  poln.  habie  latOj  aller  w^eiber  sommer, 
böhm.  babske  leto^  oder  blofs  babj^  w^bei  man  sich 
-^eder  jenes  gegensatzes  des  alten  w^eibs  zum  sommer  (s. 
453)  erinnere,  im  hinter  herscht  die  alte,  im  sommer 
der  gott«  sollten  sich  auf  das  in  der  luft  fliegende  gewebe 
vielleiciit  die  worte  des  s,  445  angeführten  wendischen  ge- 
sangs  deuten  lassen? 

Ich  hoiTe  das  alter  und  die  bedeutsanikeit  der  vor- 
sleliungen  von  Sommer  und  Winter  hinlänglich  gewiesen 
SU  haben,  ich  möchte  nur  einen  punct  näher  ausführen. 
Das  einkleiden  der  beiden  Vorkämpfer  in  laub  und  blu- 
meny  in  st  roh,  und  moos,  ihre  wahrscheinlich  geführten 
-wechselreden,  der  zuschauende  begleitende  chor  zeigen 
uns  die  ersten  rohen  behelfe  dramatischer  kunst,  und  von 
solchen  aufzügen  mäste  die  geschichte  des  deutschen  Schau- 
spiels beginnen.  Die  volkssitte  bietet  noch  eine  menge 
abänderungen  dar,  hier  hat  sie  ein  stück,  dort  ein  ande- 
res des  älteren  ganzen  bewahrt.  In  der  niederhessischen 
grafschaft  Ziegenhain,  bei  WiUingshausen,  wird  ein  kuabe 
über  und  über  mit  laub  bedeck^  grüne  zweige  sind  ihm 
an  den  leib  gebunden:  andere  knaben  haben  ihn  am  seil 
und  lassen  ihn  als  baren  tanzen,  dafür  wird  eine  gäbe 
gereicht,  die  madchen  ti^agen  einen  bügel  mit  blumen  und 
bändern  ausgeziert,  merkwürdig,  dafs  auch  bei  jenem  ke- 
gelabwerfen zu  Halberstadt  (s.  454)  ein  bär  und  ein  knabe 
mit  Schwert  (vgl.  oben  s.'i93)  in  der  procession  erscheint.*) 
Wildepur  (alis.  Wildefor),  ein  alter  held,  in  bärenhaut 
verkleidet,  wird  von  einem  spielmann*  herumgeführt  und 
tanzt  zur  haffe.**)  Von  der  laubtferkleidifng  hatten  wir 
s.  335.  336  beispiele,  denen  ich  hier  noch  einige  hinzu-» 
fuge.  Auch  Schmid  (sohwäb.  wb.  5 IS*')  gedenkt  des  augs- 
burger wasservogels :  ein  junge,  von  kopl  bis  auf  die  füfse 
mit  schilfrolir  umflochten^  wird  zur  pfingslzeit  von  zwei 

*}  Scheffers  Haltaos  p.218  aus  dem  ODomasticon  des  Johaooes 
TitiaDus,   monacbos  piroea^iis. 

**)  Vilk.  saga  cap.  120,  121;  niclit  zu  überselin,  dafs  ihm  der 
tpielmaau  deu  namen  ^vitrUo*  (kluger  löwe)  beilegt,  was  offeabar 
^vitrhionC  beifäeo  sollte,  deoii  eia  bär  bat  zwölf  mäaner  verstand 
(Reiob.  p.  445.) ,  der  volksmäfsige  wird  mit  dem  gelebrteu  tbierköaig 
Terwechseit. 


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456  LAUBEIN&LBIBUNG 

andern  y  die  birlenzweige  in  Uuiden  halten ,  darch  die 
Stadt  geführt«  wieder  eine  feier  im  mai,  nicht  im  merz, 
dafs  dieser  'wasservogel  in  den  bach  oder  flufs  getaucht 
werden  soll,  zeigt  sein  name;  ob  aber  hier  der  Sommer 
Statt  des  Winters  stehe,  ob  der  schilfknabe  den  \'\'inter, 
cm  andrer  laubkuabe  vielleicht  den  Sommer  bedeute,  oder 
der  verkleidete  regen  erwirken  solle?  lasse  ich  unent- 
schieden. Auch  thüringische  brauche  weisen  auf  die  pfingst- 
zeit:  dort  wählen  sich  die  dörfer  am  dritten  festtag  den 
grünen  mann  oder  latticlitönig ;  ein  junger  bauer  wird 
m  den  wald  geleitet,  in  grüne  husche  und  zuneige  ge- 
hüllt  ^  auf  ein  pferd  gesetzt  und  jubelnd  zurückgeführt, 
im  dorf  steht  die  gemeinde  versammelt:  der  Schulze  inuTs 
dreimal  rathen,  wer  in  der  grünen  hülle  verborgen  s^? 
fehlt  er,  so  hat  er  sich  mit  hier  zu  lösen.*)  AnderwärU 
wird  schon  am  ersten  pfingsttage  der  knecbt,  der  seiJi 
vieh  am  spätesten  zur  weide  treibt,  in  tannen  und  hir^ 
heri zweige  gehüllt  und  unter  lautem  geschrei  'pfingstsclilä- 
fer^  pfingstschläfer !'  durch  das  dorf  gepeitscht.  abends 
folgen  bierzechen  und  tanze.  Im  Erzgebirge  klatscht  der 
am  ersten  pfingsttag  zuerst  austreibende  hirte  mit  der  peit- 
sche, der  zuletzt  erscheinende  wird  verlacht  und  'pfingrt- 
lümmel'  gescholten:  so  auch  in  jedem  haus,  der  zuletzt 
im  bette  augetroflene.  Das  verschlafen  der  hehren  fest- 
lichen zeit  (vgl.  8.  332.  336)  und  die  damit  verbiindne 
strafe 9  den  bulzen  zu  agieren,  der  ins  wasser  getaucbt 
wird,  scheint  mir  nur  nebensache,  welche  man,  nacbdem 
die  hauptfeier  untergegangen  war^   zulängst  aulrecht  ludt» 


')  reiciisanz.  1796  no.  90.   p.  947. 


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ZBIT  45r 


CAP.  XX.    WELT. 

Im  Torigen  cap.  haben  wir  mylhen  erwogen  ^  die  sich 
auf  den  -Wechsel  der  zeit,  auf  die  erscheinungen  des  jahrs 
beziehen,  unsere  spräche  selbst  gibt  hier  einen  Übergang 
ans  dem  begriffe  der  zeit  in  den  des  raums  an  band. 

Neulich  erst  ist  der  ausdruck  gefunden  worden ,  des- 
sen sich  Ulfilas  für  die  fortschreitende,  rollende  zeit  be- 
dient; bisher  kannte  man  nur  das  goth.  jh^l^  xatgoGf 
zeibnafs,  und  hveila^  ygovog  im  sinn  von  wga,  weile; 
aber  jmovoQ  tempus  (oder  xaigogy  wenn  es  diesem  ent- 
spricht) heifst  theihsy  gen. .  theihsis  (Thess.  5,  1.  Rom.  13, 
11)  eine  form,  die  uns  bisher  entbehrte  aufschlüsse  über 
die  Wurzel  des  worts  gewährt,  dafür  halte  ich  unbedenk- 
lich theihan  (crescere,  proficerej,  wovon  das  subst.  gebil- 
det ist,  wie  von  veihan  (pugnare)  veihs,  veihsis  (propugna- 
culum,  vicus,  castrum.)  aus  goUi.  veihs  wird,  mit  unter- 
drücktem S,  ahd.  wih,  folglich  könnte  jenem  theihs  ein 
ahd.  dlh  entsprechen ;  allein  wir  finden  mit  andrer  ablei- 
tung  und  verrückung  der  consonanzstufe  zti^  altn.  ttd 
oder  itdhy  welche  unzweifelhaft  für  ahd.  dtt  y  altn.  thfd 
stehen*),  d.h.  goth.  tJieihatha'i  ein  fem.  gleichbedeutig 
dem  neutr.  theihs.  hiernach  steht  aber  ferner  das  ags. 
masG«  ttmaf  altn.  ttmi  für  th/ma,  dieses  für  thismu 
(goth.  theima=theisma)  wie  bMma  =  blösma,  und  nahe 
liegt  das  ahd.  deismo  (goth.  thaisma?)  profectus.  nun  er- 
gibt sich  auch,  nach  den  stufeh  t.  tu.  d,  die  Verwandt- 
schaft des  lat.  tempus^  tlieihsma,   dthamo. 

Lange  dauer  der  zeit  drückt  das  goth.  div,  gr.  almv, 
lat.  aepum  aus»  was  sich  mit  dem  begriffe  von  aeculum, 
ahd.  weraltj  ags.  pitroldf  altn.  pärald  berührt,  diese 
letaten  bedeuten  eigentlich  aetas,  zeit,  gehen  aber  in  den 
räomlichen  gedanken  von  mundus  über,  gerade  yne  secu- 
lum,   Si^cle  zuweilen  gleichviel  sind  mit  mundus,  monde. 

Ulfilas  hat  noch  kein  vafralds,  wol  aber  wechselt  er 
unmittelbar  hintereinander  mit  den  Wörtern  fairhvus  und 
tnanaaStJiSj    um  noofios  zu  übertragen«**)    beide   müssen 


')  vgl.  oben  s.  227  die  anm.  ober  verirrungen  des  t.  d.  a. 
**)  vgl.  B.  b.  Jairhpus  Joh.    17,   5.    6.   II.    12.   14,  15.  24   «ud 
manatiihM  Joli.  17,9.  18.  14.  18.  21.  25. 


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458  WELT 

dem  Gotlicn  ganz  geläufig  gewesen  selrty  der  letztere  scheiiH 
zu  bedeuleu:  mcnsclicnsaat.  fairhvus  halte  ich  für  uafa- 
verwaudt  dem  ahd.  färah,  ags.  feorh,  mhd.verch,  so  dafs 
es  wiederum  ausdrückte:  lebenszeit,  jenes  aevum;  auck 
gehört  dazu  der  ahd.  pl.  firaht  (homines);  faIrh?U8  wäre 
coelus  hominum  viventium,  dann  der  räum,  in  dem  sie 
leben.*)     fairguni  (erde,  berg)  scheint  abseits  zu  Hegen. 

Wie  aoGfioe  eigentlich  did  geordnete,  im  mafs  gehal- 
tene >  mundus  die  geschmückte,  glänzende  -weit  bedeiitet, 
so  ist  auch  den  Slaven  svjetj  8Pet,  swiat  erst  licht,  glänz, 
helle,  dann  weit,  das  ofhe,  öffentliche,**)  gleichsam  alles 
was  die  sonne  bescheiut  und  erleuchtet,  wie  das  lett 
pasaule  (unter  der  sonne)  weit  ausdrückt,  von  der  slar. 
spräche  entlehnt  ist  das  litth.  swietaa^  altpr.  awitai,  weh. 
gleich  dem  lat.  mundus  geht  auch  das  slav.  svjet  über  in 
den  begril  von  seculum,  vjek  (Dobr.  inst.  149.)  Die  il- 
teren  Slaven  gebrauchten  aber  für  weit  mir  und  ve^ndr 
(Dobr.  a.  a.  o.)  mir  bedeutet  sonst  friede ,  ruhe ,  und 
scheint  verwandt  mit  mira,  mera,  mafs,  Ordnung?  Den 
Finnen  heifst  die  weit  m.aaHlm,a^  den  Ehsten  ma  ilm^ 
von  ilma  leerer  luftraum  und  maa  erde. 

Altn.  Äei/wr,  die  bewohnte  weit,  heimahrtngla ,  or- 
.  bis  tcrrarum.  Ulf.  gibt  oUovfiivfj  Luc.  2 ,  2  durch  wirf- 
jungarda^  dem  das  ags.  middangeard  (Cadm.  9,  3.  177, 
29.  ßeov.  150.  1496)  ahd.  mittingart  Is.  540.  385.  386. 
408.  fragm.  theot.  17,  6.  mittigart  fragm.  theot.  17,  3.  20, 
20.  25,  9.  mittiligart  gl.  Jun.  216.  T.  16,  1.  mittilgart 
ar.  155,  1.  178,  2.  179,  1,  alts.  m/rfrfi7^ard  entspricht; 
altn.  mid/igard/ir  Seenu  1*>  45»  77»>  90*  114»^  115*>  Sn.9. 
10.  13.  45.  61;  noch  ein  schwed.  Volkslied  1^  140  hat 
medjegHrd.  altengL  middilerd^  medilearthy  wie  dai 
gr.  /iteaoyala*  Fischart  setzt  Garg.  66*  mittelhreifs.  Dit 
ganze,  gewis  uralte,  Zusammensetzung  ist  darum  so  merk- 
würdig, weil  sie  unsern  frülisten  ^rachdenkmälcrn  ge- 
mäfs  und  zugleich  genau  eddisch  ist.  Aufserdem  lieifit 
aber  auch,  in  ähnlicher  einstimmung  die  weit  alln.  Oe^ 
gieheimr  S»m.  124*>  125*  ahd.  merigarto ,  mhd.  met' 
garte ^    d.i.  die  vom  ocean^    vom   meer   umflossene,  vgL 


*)  darf  man  das  romaniscbe  parcus  (ital.  parco,  frana.  parc)  d.ik 
eiogebegter  räum ,  garien ,  thiergarteo  vergleichea  ?  ags,  peQrroc  {sa^ 
tiis,  clausura,  septom  ferarum)  parch  lex  Bajuv.  ix.  2,  3.  die  erde 
und  weit  hcifiit  nü^ysxngards  und  paradis  soll  garten»  tliiergartes 
bedeuten«    warum  aber  braucht  Ulf.  fiairhvus  nicht  fär  paradis? 

**)  etwas  ans  licht  geben,  der  weit  mittbeilen,  serb.  na  iv^ 
izdatl.    auch  ungr,  pildg  lux  und  mondus. 


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WBLT  459 

gotb.  marisam  (ocean)  iid3  meriherti  (aellieruira)  *)  Diiit. 
1,  250.  Endlich  alid.  woroltring  O.  IL  2,  13.  III.  26, 
37.  IV.  7,  11.  V.  1,  33.  19,  1.  erdring  0.  I.  11,  47. 
mhd.  etdrinc  Mar.  198.  199. 

Nach  der  edda  windet  sich  eine  ungeheure  schlänge^ 
der  midhgardhs  ormr^  um  den  erdkreis;  oifenbar  das 
•Weltmeer.  Als  Alexander,  der  sage  zufolge,  von  greifen 
hoch  in  die  lüfte  getragen  wurde,  seilten  ihm  das  meer 
gleich  einer  achlange  sich  um  die  erde  zu  llecliten.  Fi- 
6  Charts  Garg.  221*>'  Jene  weltschlange  war  aber  kind  des 
Loki,  bruder  des  Fenrisülfr  und  der  Hei;  sie  hiefs  lör^ 
mttngandr  (Sn.  32) ,  die  grofse,  göttliche  (vgl.  s.  208)  und 
sperrt ,    gleich  der  Hei ,   den  rächen  (8n.  63.) 

Aus  allem  erhellt ,  dafs  sich  die  Vorstellungen  zeit, 
Zeitalter^  weit,  erdkreis,  erde,  licht,  luft,  wasser  manig- 
fach  mischen;  ring  in  erdring  weist  hin  auf  die  kugel* 
gestalt  der  ^e  und  auf  planetarische  drehung.  Das  goth. 
jnanasSihs  und  wol  auch  das  ahd.  wSralt  zeigen  deut- 
lich auf  räume  und  Zeiten  hin^  die  von  menschen  er- 
fällt werden. 

Von  erschaffung  der  weit  und  der  erde  haben  sich 
keine  bestimmten  nachrichten  aufserhalb  dem  Norden  er- 
halten,   daher  übergehe  ich  auch  die  nordischen. 

Insofern  weit  oder  heim  blofs  im  afigemeinen  aufent- 
haltsort  bezeichnen,  sind  verschiedne  weiten  denkbar, 
Völuspd  (Ssem.  1*)  nimmt  neun  weiten  und  neun  firmof 
mente  (Ividhir)  an,  vgl.  8aem.  36*^  49»,  wie  auch  neun 
himmel  (Sn.  222*>)  gelten,  das  stimmt  zu  der  vorwalten» 
den  heüigkeit  der  neunzahl,  im  mittelalter  wurden  neun 
düire  der  engel  behauptet  (fundgr.  101,  40),  was  ich  hier 
absichtlich  ni^ht  weiter  ausführe. 

Von  diesen  weiten,  die  nicht  aufenthalt  des  lebendi- 
gen menschengeschlechts  sind,  fordern  nähere  Untersu- 
chung: die  ilammenwelt,  die  todtenwelt  und  das  paradies. 
alle  aber  stehn  mit  der  oberweit,  d.  h.  der  menschbe* 
wohnten  in  gewisser  Verbindung,  und  es  finden  Übergänge 
atatt  aus  einer  in  die  andere. 

Die  altn.  lehre  nimmt  einen  weltbaum  Yggdrasil 
an,  der  himmel,  erde  und  hölle  verknüpft,  der  gröfste, 
heiligste  aller  bäume,  es  ist  eine  esche  (askr),  deren  äste 
dui*ch  die  ganze  weit  treiben  und  über  den  himmel  hinaus 
reichen,  drei  wurzeln  breiten  sich  nach  drei  enden  aus, 
die  eine  schlägt  nach  den  aseu^    in  den  himmel,    die  an- 


*)  jenes  finaisclie  ilma% 

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460  WBLTBAUM 

der«  nach  den  hrtmthursen,  di#  drittt  nacli  der  unfer- 
-weit,  unter  jeder  Wurzel  quillt  ein  wunderbarer  bninne, 
nemlich  bei  der  himmlischen  wurzel  Urdfiarbrunnr  (s. 
230),  bei  der  riesischen  Mtmiabrunnr  ^  bei  der  hölti- 
sehen  Hvergelmir  (oder  gemlir)  d.  i.  der  rauschende  oder 
der  alte  kessel,  olla  Stridens,  vetus.  alle  diese  bnmnoB 
sind  heilig:  am  Urdharbrunnen  halten  die  äsen  und  wsr» 
nen  ihr  gericht,  des  riesenbrunnen  hütet  ein  weiser  mann 
namens  Mtmir  (s.  222),  ich  weifs  nicht  ob  selbst  alt- 
kluger riese  oder  held?  aber  fast  ein  halbgöttliches  weses. 
jeden  tag  schöpfen  die  nornen  wasser  aus  ihrem  bnui- 
nen^  und  begiefsen  damit  der  esche  Sste:  Am^  waner 
ist  BO  heilig y  dafs  es  allen  dingen,  die  in  den  brunoen 
kommen y  eiweifse  färbe  mittheilt;  von  dem  bäum  trtelt 
bieneu nährender  thau,  das  nennt  man  hunängsfail  (b»- 
nigfall.)  Auf  den  ästen,  an  den  wurzeln  des  baums  sitvesn 
und  springen  thiere:  ein  adler,  ein  eichhorn,  vier  bir- 
•che,  schlangen,  sämtlich  mit  eigennamen  ausgestattet, 
die  der  hirsche  stehn  sonst  auch  zwergen  zu,  besonders 
Ddinn  und  Dvalinn.  I^tdfüiöggr  (male  pungens,  cae* 
dens)  heifst  die  schlänge^  sie  liegt  unten  bei  Hvergelmir 
und  nagt  die  Wurzel,  zwischen  ihr  und  dem  oben  sitzen- 
den adler  sucht  Ratatöahr*)^  das  auf  und  nieder  lau- 
fende eichliom,  zwist  zu  stiften,  des  adiers  name  bleibt 
ungenannt,  er  ist  ein  kluger,  vielwissender  vogel,  inmit- 
ten seiner  angen  sitzt  ein  habicht^    yedrjölnir**) 

In  dieser  ganzen  vorstdlung  ist  altes  geprfige,  aber 
lange  nidit  vollständig  scheint  sie  entfaltet,  wir  erfahren 
etwas  von  dem  feindlichen  Verhältnis  zwischen  adler  und 
schlänge  und  dafs  es  durch  Ratatöskr  unterhalten  wird,  nidils 
von  der  bestimmung  des  habichts  und  der  hirsche.  Versuchte 
deutungen  des  Yggdrasil  gehen  mich  nichts  an ;  ich  habe  hier 
niu*  die  seltsame  ***)  einstimmung  einer  tieforientalischen  tni- 
ditiou  anzugeben.  Im  arabischen  Calila  und  Dimna  wird  das 
menschengeschlecht  einem  manne  verglichen,  der  einen  de* 
fanten  fliehend  sich  in  tiefem  brunnen  birgt:  oben  hält  ec 
sich  mit  der  band  an  dem  zweig  eines  Strauchs,  unten 
stellt  er   die    füfse    auf  einen  schmalen  rasen,     in    dieser 


*)  in  dem  w<Nrt  liegt  rata  (eltbi,  permeare)  goth.  vraiSn^  wak 
viellekiit  taska,  pl.  töskur,  perai  peram  pefoiaaas?  Nadi  der  he«^ 
gen  volles« n^chaunng  von  wäMern  tritt  das  eichhom  weseatUcb  tierror, 
vgl.  RA.  497. 

**)  des  adle»  freund,  denn  haukr  t  homi  (habidit  im  winkeO 
bedeutet  einen  verborgnen  ratligeber. 

***)  von  mir  schon  AW.  1,  77— 80  walirgeaommne. 


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l¥fiLTBAUM  461 

aogBtvoIltD  sleDung  sieht  er  zwei  mause  ^  eine  «(^warze 
und  -weifse  die  würze!  des  Strauchs  benagen,  tief  unter 
seinen  iüj'sen  einen  schrecklichen  drachen  den  Schlund 
aufsperren  9  oben  am  raud  den  elefanlen  harren ,  aus  der 
wand  vier  wurinhäupter  ragen,  die  den  rasen  unter« 
graben ;  zugleich  aber  trieft  aus  einem  aale  der  Staude 
Ihonigseun  ^  den  fangt  er  gierig  mit  seinem  munde  auf/) 
Hieraus  wird  ein  tadel  des  ieichlsinns  gezogen,  wenn  der 
mensch  in  gröfster  bedrängnis  doch  nicht  dem  reiz  eines 
kleinen  genusses  zu  widei^stehn  vermag.  Die  fabel  ist 
nun  nicht  nur  durch  die  hebräische,  lateinische  und  grie- 
chische Übertragung  des  ganzen  buchs  frühe  und  weit  ver- 
breitet worden**),  sondern  hat  auch  noch  andere  wege 
eingeschlagen.  Joh.  Damasceuus  nahm  sie  (um  740)  in  sei- 
nen Ba^Aaa/4  %a\  'Iwaaa^)  ***)  auf,  v?elcher  bald  diurch 
eine  lat.  bearbeitung  allgemein  bekannt  wurdest)  nach 
ilim  dichtete  unser  Rudolf  seinen  Barlaam  und  Josaphat, 
-w^orin  das  beispiel  s.  116.  117  zu  lesen  ist;  abgesondert 
Stricker  (Ls.  1,  253.)  Eine  so  ansprechende  Überlieferung 
konnte  unbedenklich  sehr  früh  im  mittelalter  auch  nach 
Scandinavien  gelangen,  falls  nur  die  ähnlichkeit  selbst  gröfser 
^wräre,  um  den  schlufs  auf  einen  unmittelbaren  zusammen- 
bang beider  mythen  zu  rechtfertigen.  Mir  scheint  gerade 
die  ferne  berührung  beider  daiB  wichtige,  eine  nahe  hat 
keineswegs  stattgefunden.  Die  altn.  fabel  ist  viel  bedeut- 
samer und  gründlicher,  die  morgenländische  aus  einem 
uns  verlornen  ganzen  losgerissen,  wahrscheinlich  entstellt, 
sogar  die  haiiptidee  des  weltbaums  mangelt  ihr  beinahe^ 
nur  das  zutreiTen  einzelner  nebenumstände  überrascht,  des 
triefenden  hunigs,   des  wiirzelnagens  und  der  vier  thiere. 

l^iflheimr  j  wo  Nidhhöggr  und  viele  andere  (Saenu 
44^  Sn.22  genannte)  schlangen,  um  den  brunnen  Hvergel- 
mir,  hausen,  ist  der  todesgöttin  Hei  (s.  195)goth,  üTaZ/aff) 
grausenhafter  Wohnort,  (Scem.  94»  bezeichnet  'or  heljo' 
klar   das  räumliche,    unpersönlidie),    dunkel   und  schwarz 

*)  Calila  et  Dimna,  ed.  Silvestre  de  Sacj,  m^m.  hiit.  p.  28. 
29.  ed.  Koatclibull  p.  80.  81,  vgl.  mit  der  etwas  abweicbeoden  auf- 
fahrung  in  den  exempeln  der  alten  weisen  p.  m.  22. 

**)  auch  im  Orient,  vgl.  divan  des  Dschelaleddin  in  Hammers 
per»,  redeic.  p.  183. 

***)  znerat  herausgegeben  in  Boissonades  anecd.  graec.  tom.  4. 
Pans  1882  p.  1—365. 

f)  historia  duomm  Christi  militnm    (opera,  Basil.  1575  p.8l5 — 
909)    und    besonders   gedruckt  Antv.  s.  a.   (wo    das   beispiel   p.  107.) 
nach  einer  andern  version  bei  Surins  7»  858  0.  die  parabel  p.  889. 
^    tt)  1  Cor.  15,  55;  nieht  also  Hau  (s.  195.) 


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462  HOLLB 

yrie  sie  selbst  (uad  die  ihr  identische  indisdie  Kali):  daN 
um  Nebelfieim^  kaltes  schattenland,  aufenthalt  der  abge- 
scliiednen*),  niclit  aber  ort  der  quäl  und  strafe,  nadi 
christlicher  ansieht,  die  sich  selbst  nur  allmälich  entwi- 
ckelte. Uifilas  gibt  halja  blofs  für  das  gr.  ä&f^g,  mitfi 
her  (Matth.  11,  23.  Luc.  10,  15.  16,  23.  I  Cor.  15.  55) 
wo  die  vulg.  injernus  hat;  mvo  aber  der  text  yi^way 
die  vulg.  gehenna,  bleibt  auch  ein  goth.  gafa^nna  (Matth. 
5,  29.  30.  10,  28);  der  Vorstellung  entspricht  kein  goth. 
w^ort.  der  ahd.  Übersetzer  T,  gibt  infernus  durch  heüa 
(Matth.  11,  23),  gehenna**)  durch  hellafiur  (Matth.  5, 
29.  30)  oder  liellau^izi  (Matth.  10 ,  28)  und  nur  filium 
gehennae  hella  sun  (23,  15) ;  richtiger  die  neulich  au%e- 
fundne  ältere  Verdeutschung  qudlu  sunii,  bei  dem  ^nidhar 
steig  zi  helliiC  (desceudit  ad  inferna)  des  glaubensbekeant- 
nisses  dachte  man  sich  nicht  die  wohnung  d«r  gepeiDigten, 
strafe  leidenden.  Vom  4  bis  10  jh.  war  also  halja^  hella 
unterweit,  todtenreich,  der  begrif  von  quäl  und  peinigung 
wurde  durch  ein  anderes  wort,  oder  wenigstens  eine  Zu- 
sammensetzung ausgedrückt;  und  dazu  stimmt  vollkom- 
men ,  dafs  noch  bei  Widekind  von  Corvei  sächsische  dich- 
ter, eiuen  sieg  der  Sachsen  über  die  Franken  besingesd, 
wahrscheinUch  kein  anderes  wort  als  hella  vom  aufent- 
haltsort  der  todten  brauchten:  *ut  a  niimis  declamaretur, 
ubi  tantus  ille  infernus  esset,  qui  tantam  multitudinem 
caesorum  capere  posset?'  Im  13  jh.  hatte  srch  gleichwol 
bereits  die  heutige  bedeutung  festgesetzt:  aufenthalt  der 
verdammten^  z.  b.  Iw.  1472  heifst  *got  versperre  dir  die 
helle\  er  nelime  dich  in  den  liimmel  auf,  nicht,  er  be- 
wahre dich  vor  dem  tod. 

Nur  in  gewissen  gegenden,  auf  dem  land,  unter  dem 
Volk ,  behielt  helle  zuweilen  seinen  alten  sinn  bei.  z.  b.  in 
Westfalen  nennen  die  weisthümer  den  weg,  worauf  lai- 
chen zum  begräbnis  geführt  werden,  hellweg  (RA.  552), 
d.  i.  weg  zum  tod ,  zur  todtenwelt,  nicht  zur  hülle  in  ge- 
wöhnlicher bedeutung  der  Schriftsprache.  Nach  der  altB. 
dichtung  reiten  oder  fahren  die  verstorbnen  zur  unter- 
weit, fara  til  heljar  oder  til  Heljar^  zur  todesgötUn: 
nachdem  Brynhildr  verbrennt  ist ,   fahrt  sie  auf  einem   ge- 


•)  der  Nibeliinge  Stammvater  hiefs  wol  iHehel  (fornald.  sog.  2,  9. 
11  Nficfiil  f.  Nefill):  ein  der  Unterwelt  und  frühem  tod  vcrfallue«  iiel- 
dengesclileclit. 

**)  bekaimtlich  entspringt  ans  gehenna  das  franz.  geliene,  g^> 
d.h.  snpplice,  jetzt  aber  mit  ganz  gemildertem  sinn. 


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HÖLLE  4m 

•dbmiiekten  wagen  zur  Hei,  'ok  medh  reidhinni  ft  heltf€g\ 
das  ganze  lied  fuhrt  den  nameu  helreidlu  Sajm.  227.  Bei 
Freidank  105,  9.  151,  12  bezeichnet  aber  'zer  helle  varn* 
und  ^dri  struze  zer  helle  gänt'  66,  5  den  christlichen  begrif. 

Anfangs  behielten  die  AUsachsen,  eben  weil  ihnen  ihr 
hellia  noch  zu  heidnisch  vorkam,  gern  das  biblische  «/2- 
fern^  gen.  infernes  bei,  z. b.  Hdl.  44,  21,  ja  sie  kürzten 
es  in  ein  blofses  fern  H^L  103,  16.  104,  15  und  jener 
von  Widekind  angezogne  dichter  könnte  wirklich  infern 
8tatt  hellia  gesagt  haben. 

Die  heidnische  hellia  lag  tief  unten  nach  Norden  hin ; 
als  Hermödhr  nach  Baldr  gesandt  wurde,  ritt  er  neun 
nachte  laug  durch  duhLle^  tiefe  thäler  (dökva  dala  ok 
diupa),  das  sind  die  von  den  dunkelelben  bewohnten 
ort  er  (s.  251),  und  gelangte  zu  dem  flusse  Giöll  (strepens), 
über  den  eine  mit  leuchtendem  gold  gedeckte  brücke  lei- 
tet; der  brücke  hütet  eine  Jungfrau  >  Modhgudhr  genannt, 
sie  sagte  ihm,  dafs  tags  zuvor  fünf  fylki  todter  männer*) 
über  die  brücke  gekommen  waren,  und  dafs  der  'helvegr' 
voiji  dieser  brücke  an  immer  noch  tiefer  und  nördlicher 
ziehe:  *nidhr  ok  nordhr  liggr  helvegr?  Das  verstehe  ich 
von  der  eigentlichen  halle  und  wohnung  der  göttin ,  wo 
sie  selbst  anzutreifen  ist,  denn  die  ganze  region  war 
schon  ihr  reich,  diese  halle  umgeben  gitter  (helgrindar.) 
Sn.  67.  Ihr  reich  aber  führt  den  namen  Niflheimr  oder 
Niflhel,  es  ist  die  neunte  ipelt  (der  läge  nach)  und  war 
lange  Zeiten  vor  der  erde  erschaifen:  mitten  in  ihm  liegt 
Jener  brunne  Hi^ergelmir  (cacabus  strepens)  und  aus  diesem 
rinnen  zwölf  flüsse,  unter  welchen  Giöll  zunächst  an  der 
gütlin  wohnung  reicht.  Sn.  4.  Hieraus  folgt  klar  was  ich 
sagte:  wenn  Ävergelmir  die  mitte  des  Niflheimr  bildet, 
-wenn  GiüU  und  die  übrigen  ströme  lauter  höllische  sind, 
so  kann  die  herscbaft  der  Hei  nicht  erst  an  den  helgrin- 
dum  beginnen,  sondern  mufs  sich  über  jene  dunkeln,  tie- 
fen thäler  ausdehnen.  Doch  habe  ich  auch  nichts  wider 
folgende  Vorstellung:  diese  dunkeln  thäler  sind,  gleich 
dem  finstern  Erebos  der  Griechen,  ein  durchgangsort,  um 
des  Aides,  der  Halja  wohnung  zu  erreicheu.  Wie  aus 
dem  persönlichen  Hades,  dem  römischen  Orcus,  wurde 
aus  unsrer  Halja,  der  göttin,  allmalich  die  räumliche  Vor- 
stellung eines  aufenthalts   der  todten    entwickelt,      anfangs 


•)  ein  ji'Iki  betragt  50  (RA.  207),  'also  Baldr  war  in  begleitun;? 
FOD  250  liinabgeritten,  welche  zalil  eiae  hs.  verdoppelt:  'reidh  Baldr 
b^r  medb  500  maona.' 


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464  HÖLLE 

dachte  man  eich  die  verstorbenen  bei  ihr,  hernach  in  ihr 
wohnend.  In  den  Zugängen  hausten,  schwebten  die  dun- 
kelelbe. 

mflheimr  9  die  Nebel  weit,  war  also  ein  unterirdi- 
scher, von  ewiger  nacht  bedeckter  räum,  welchen  zwölf 
rauschende  wasser  durchströmten  und  leuchtendes  gold, 
d.  i.  feuer ,  nur  stellenweise  matt  erhellte,  ein  solcher 
niufs  traurig  und  freudenleer  sein*),  von  strafen  und  quä- 
len seiner  bewohner  ist  aber  nie  die  rede;  eigentlich  sind 
es  auch  nicht  böse  menschen,  die  nach  ihrem  leben  daliin 
versetzt  werden,  sondern  alle  und  jede,  selbst  die  edel- 
sten und  treflichsten ,  wie  das  beispiel  der  Brynhild  und 
des  Baldr  lehren.  Ausgenommen  scheinen  blofs  die  im 
kämpf  fallenden  beiden,  welche  Odhinn  zu  sich  nach 
VallhöU  nimmt. 

Hiermit  in  Widerspruch  steht  eine  andere,  meiner 
meinung  nach,  spätere,  b^  Sn.  4  vorgetragene  ansiclit: 
allvater,  der  höchste  gott,  hat  allen  menschen  unsterb- 
liche seele  verliehen,  obgleich  ihr  leichnam  in  der  enle 
fault  oder  zu  asche  verbrannt  wird;  alle  guten  menschen 
(r^tt  sidhadhir)  kommen  zu  ihm  nach  Gimlir  oder  VingulF, 
alle  bösen  (vdndir)  nach  Niflheimr  oder  in  die  Jiölle^  vgK 
Sn.  21.  75,  welche  stellen  noch  hernach  zu  besprechen 
sind.  Das  ist  schon  christliche  idee^  oder  eine  ihr  höchst 
ähnliche. 

An  die  stelle  der  altheidnischen  bleichen  und  düstem 
hölle  setzten  die  Christen  einen  mit  flammen  und  pech 
erfüllten  pfuhl,  worin  die  seelen  der  verdammten  ewig 
brennen,  zbgleich  pechschwarz  und  gluterhellt,  gehenna 
wird  erklärt  hellafiuri  ^  mhd.  hellefiwer  Parz.  116,  IH; 
da  wo  der  dichter  des  Holland  diese  schwarze  und  bren- 
nende hölle  lebhaft  schildern  will,  wandelt  er  das  alle 
fem  in  ein  masc:  an  thene  hStan  Jiel  76,  22.  an  thene 
suartan  hei  103,  9.  Ja  bei  0.  und  andern  ahd.  Schrift- 
stellern wird  geradezu  heh  (pix)  für  hölle  gesetzt**),  eine 
weit  in  Europa  verbreitete  Vorstellung ;  noch  heute  nennen 
die  Neugriechen  die  hölle  nloaa,  ein  Sprichwort  des  Alex. 
Negri  lautet:  a^n  nlaoav  y^al  vraQuSetGor ,  hölle  und 
himmel   nebeneinander    setzend.    Diese     pechhölle    mögen 


*)  noch  C8<lmon  schildert  dns  vItehAs  (liaus  der  strafe)  deof, 
dre&ma  le&s,  sinnlhte  beseald. 

••)  citate  in  meiner  ausg.  der  hymn.  p.  Äl.  hinzu zaf5g:en  MuspHK 
5,  wo  Schm.  die  zeile  des  Walafrid  anführt:  at  secum  Infeüx  i'ic^ 
»patiatur  aperno. 


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aöLLB  465 

SlaTCjL  den  Griechen  ziigebraclit  haben,  das  aliüav.  pello  be- 
deutete pech  und  hülle  (Dobr.  instiL  294)  und  so  ist  böhm.  pe- 
klo  hölle,  poln.  piehloy  serb.  pahao^  sloven.  pehel,  dem  ge- 
scbleclit  nach  entw,  neutral  oder  männlich.  lAXih.pdklä  (fem.) 
allpreufs.p/ci////«Ä(im  catechism.  p.  10  istpickullien  der  acc), 
und  der  teufel  selbst  heilst  liXih.  pyculas^  altpreufs.  pickuls. 
von  den  Slaven  borgten  die  Ungarn  ihr  pohol  (höUe),  wie 
von  Griechen  und  Römern  unsre  vorfahren  gaiafnna  und 
iüfern.  mit  der  heii'se  des  siedenden  pechs  war  zugleich 
unausstehlicher  geruch  verbunden;  Reineke5918:  4t  stank 
dar  alse  dat  heische  pehj  vgl.  überhaupt  En.  2845.  3130. 

Seit  der  bekelirung  zum  christenthum  hängt  also  an 
dem  begrif  der  liöUe  zugleich  der  von  strafe  und  pein. 
Ivölheimr  (muudus  supplicii)  im  sölarh  53  (Seem.  127*) 
ist  unverkennbar  clirisüiche  Idee,  das  ahd.  hellawizi^ 
alts.  lielliu^tti  Höh  44,  17.  ags.  hellepüe  drückt  aus  sup- 
plicium inferni;  danach  bildete  sich  das  isl.  Ae/^f ^/,  schwed. 
Iitl%>ete,  dän.  hel^edcj  was  ganz  einfach  höUe  bezeich- 
uet;  von  den  Schweden  empfiengen  die  getauften  Finnen 
ihr  helivetti  (orcus),  von  den  Baiern  die  Slovenen  in  Kraiu 
und  Sleier  ihr  vize  (purgatorium),  die  kirche  hatte  zweier- 
^J  feucr  unterschieden,  ein  höllisches,  und  ein  reinigendes 
(fegefeuer)  im  millelzustand  zwischen  höUe  und  himmel.*) 

Ich  füge  noch  andere  benennungen  hinzu,  sämtlich 
auf  christliche  ansieht  gegründet.  Die  höUe  ist  ein  ab- 
gruod  (abyssus):  heiligrund  H^l.  44,  22;  in  af gründe 
gän.  Roth.  2343.  ir  verdienet  daz  ajgrunde,  Roth.  1978. 
hiervon  war  schon  s.  197  die  rede.  Ags.  se  neopla  grund 
(imu8  abyssus)  Cädm.  267,  1.  270,  16;  thät  neovle  genip 
(profunda  caligo)  Cädm.  271,  7.  275,  31.  in  den  alten 
Widern  zum  Cädmon  wird  die  hölle  blofs  durch  einen 
geojneien  mund  dargestellt,  und  in  einer  ags.  glosse 
(Mone  887)  bedeutet  müdh  (d.  i.  os)  orcus.  dieselbe  glos- 
sensamlung  verzeichnet  742  seddh  (d.  i.  puteus,  barathrum) 
für  hölle  ^  und  2180  cvis  tartarus,  1284  cuishuale^t  wo- 
für ohne  zweifei  zu  lesen  cvissusle.  cpis  kann  ich  durch 
nichts  deuten,  als  das  altn.  qi^ia  (calumnia),  susl  scheint 
tormentum,  supplicium,  die  Wörterbücher  haben  keinen 
grund ,  ihm  den  sinn  von  sulphur  (ags.  svefel)  beizulegen ; 
*8U8le  geinnod'  Cädm.  3,28  verstehe  ich:  supplicio  clausum. 
Christlichheidnische  Vorstellungen  von  den  strafen  der 
unseligen   vermischt    finden  sich     im    eddischen   sölarliodh 


*)  die  Ebsten  sagen  von  einem   im    fegfeuer:    ta  on  kahiie  ilma 
wahhel,  er  ist  zwischen  zwei  weiten, 

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466  MUSPILU 

(§aini.  128.  129.)  Sdilangen,  nattern,  draclien  wdhnen 
in  der  christlichen  liölle  (Cädm.  270.  271)  wie  an  des 
Hvergehnir  wurzel  (8.460.)  Dante,  in  seinem  pnrgalorio 
und  iuferno,  mengt  was  ihm  mittelalter  und  classisdie 
literatur  tibcrliefcrtcu.  man  lese  den  schlufs  des  CadmoB, 
fundgr.  202,  und  im  Barlaam  310  Rudolfs  kurze  aber 
dichterische  Schilderung  der  hülle. 

Dafs  die  hciduisclie,  im  Norden  liegende  Nebelwdl 
nicht  von  feuer  erfüllt  war,  folgt  am  deutlichsten  aus  einer 
ilir  entgegengesetzten  südlichen  flammenweit,  welche  in 
der  edda  Muspell  oder  Muspellsheimr  genannt  wird. 
Sn.  5  sie  ist  licht  undheifs,  glühend  und  brennend*),  nur 
eingeborne  können  es  in  ihr  aushalten,  daher  keine  men- 
schen aus  xmsrer  weit  in  sie  übergehen,  wie  in  die  kalte, 
nördliche  weit,  Ihrer  hütet  ein  golt  namens  Surtr,  tra- 
ger des  leuchtenden  schwerts. 

Ein  überraschender  beweis  für  das  Vorhandensein  alt- 
nordischer Vorstellungen  in  dem  übrigen  Deutschland  liegt 
wieder  in  jenem  nämen.  nicht  allein  der  sächsische  He- 
iland hat  79,  24  müdspelli^  133,  4  mutspelli^  auch  ein 
hochdeutsches,  wahrscheinlich  in  Baiem  verfafstes  gedieht 
z.  62  muspi/li  (dat.  muspüle.)  zugleich  welch  erwünschte 
bestätigung  des  alters  der  edda,  und  ihrer  grundlage,  aus 
sächsischen,  bairischen  handschriften  des  neunten,  achten 
jh.  Sonst  überall  ist  der  ausdruck  erloschen ,  weder  Is- 
länder, noch  die  übrigen  Scandinaven  verstehn  ihn;  bei 
den  Angelsachsen  hat  er  sich  noch  nicht  entdecken  lassen, 
alle  späteren  hoch  und  niederdeutschen  Sprachdenkmäler 
kennen  ihn  nicht  weiter,  sicher  ein  uraltes,  heidnisches 
wort. 

Welchen  sinn  es  im  allgemeinen  habe  scheint  unzwei- 
felhafl ;  keinen  andern  als  des  feuers,  der  flamme,  jene 
stellen  des  H^l.  besagen:  mudspelles  megin  obar  man 
ferid',  die  gewalt  des  feuers  fahrt  über  die  menschen; 
^mutapelli  cumit  an  thiustrca  naht,  al  siJ  thiof  ferid  domo 
mid  is  dddiun',  das  feuer  kommt  in  der  dunkeln  nacht 
heimlich  und  plötzlich  wie  ein  dieb  geschlichen**);  und 
der  ahd.  dichter  sagt:   'ddr   ni   mac    denne    mÄk    andreoio 


•)  Muspells/teimr  ist  weder  der  liimmel,  noch  sind  die  Maspdb- 
fohne  gleichviel  mit  den  im  himmel  wohnenden  Uchtelben  (8.250.251); 
nachdem  Surtr  den  himmel  und  die  erde  verbrannt  hat,  liegt  ober 
diesem  himmel  ein  zweiter,  namens  Andldn^r  ^  über  ihm  ein  dritter 
himmel ,  namens  Vidhblditm ,  und  darin  wohnen  jetzt  allein  lichielbe^ 
sagt  Snorri  22. 

••)  11  Petri  3,  10. 


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MU8PILLI  m 

helfan  vora  dc»mo  miuipiUe^  denne  daz  prelta  wasal  alla2 
varpreDnit*),  enti  viur  enti  luft  ollaz  arfurpit',  da  kann 
kein  freund  dem  andern  helfen  vor  dem  feuer,  wenn  der 
breite  glutregen  alles  verbrennt,  feuer  und  luft  alles  reinigen. 

Es  niufs  ein  compositum  sein^  dessen  zweiter  theil 
spilliy  spellif  spell  sich  etwa  dem  alln.  spiöil  (corruptio)  spilla 
fcorrumpere)  ags.  spiilan  (perdere)  engl,  spill,  ahd.  spildan 
(perdere)  vergleichen  liefse  **) ;  altn.  bedeutet  mannspiöU 
clades  hominum,  LxspiöU  (Nialss.  cap.  158)  vielleicht  bel- 
lum? was  aber  in  mud^  mu  (mü?)  steckt,  ist  eher  zu 
ralhen  als  nachzuweisen,  ich  denke  entweder  der  begrif 
von  erde,  land,  oder  von  holz,  bäum:  im  letzten  fall 
ist  niudspelli  poetische  Umschreibung  des  feuers,  das 
liolzverderbende ,  baumverzehrende  darf  es  heifsen,  wie 
sonst  eddisch  bani  vidhar  (percussor,  inimicus  ligni) 
grand  vidhar  (perditio  h'gni)  Sn.  126;  die  lex  alam.  96, 
1  gibt  medela,  medula  im  sinn  von  lancwitu,  lancwit 
(gt*amm.  3,  455),  die  lex  Rothar.  305  modulay  wie  es  scheint 
für  quercus,  robur,  altn.  ist  meidhr  arbor,  litth.  media 
arbor,  lignum.  im  ersten  fall  wäre  feuer  landverderb, 
vreltverheerung,  ich  kenne  aber  noch  weniger  ein  deut- 
sches wort  für  land ,  erde  was  Jenem  mud  oder  mu  gli- 
che, man  ist  befugt,  darin  eine  altverdunkelte,  vielleicht 
entsteUte  form  zu  finden. 

Surtr  (gen.  Surtar)  ist  der  schwarzbraune ,  von  der 
glut  gebräunte»  verwandt  mit  svartr  (niger)  und  doch  ver- 
schieden davon***);  es  kommt  noch  sonst  als  cigenname 
vor,  z.  b.  fornald.  sog.  2,  114.  Islend.  sog.  1,  66.  88.  106. 
151.  206,  merkwiird^  Surtr  enn  hvttij  das.  1,  212.  Man  # 
wird  aber  auch  gesagt  haben  Surti ,  gen.  Surla,  weil  in 
beiden  edden  das  compositum  Surtalogi  vorkommt,  Sicm. 
37''  Sn.  22.  76.  90.  Eine  gewisse  harzige,  verkohlte  erde 
heifst  im  Norden  noch  heute  Surtarbrandr  (Biürn  s.  v. 
F.  Magn.  lex.  730.)  Surti  titio ,  diese  benennung  verkün- 
digt, gleich  den  pflanzennamen  nach  gottern,  ein  höheres 
wesen.  vulcanische  felsenhölen  in  Island  heifsen  Surtar-* 
hellir  (F.  Magn.  a.  a.  o.  729)  und  landndmabök  3,  10  (isl. 
sij^  1,  151)  gedenkt  eines  Thörvaldr,  der  zu  des  iötunn 
Surtr  hole  ein  auf  ihn  gedichtetes  lied  brachte:  'thä  f<5r 
hann  upp  til  hellisina  SurtSy    oc  foerdhi  thar  drdpu  thA, 

*)  80  lese  ich  statt  varprinnit,  weil  sich  wasal  anders  nicht  deuten  Infst. 

•*)  ahd.  LD  =  altn.  LL,  vgl.  wildi,  kold  mit  villr,  gull;  warum 
aber  dan»  nicht  muspildi  im  nlid.  {gedieht? 

•••)  Surtr  möchte  sich  zu  Svartr  verhalten,  wie  ein  goth.  narae 
Svartoft  zum  adj.  svarts. 

30* 

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408  MUSPUIil 

er  hann  hardhi  ort  um  iotuninn  t  htllinum**^  dieser  18- 
tUDQ  der  späteren  zeit  bedeutet  ^  wie  F.  Magnussen  be- 
merkt, den  filteren  gott,  dessen  gunst  das  hingetragene 
lied  erwerben  sollte;  eine  spur  des  früheren  cultus.  Diese 
brandhölen,  diese  branderde  weisen  auf  einen  feuergewal- 
tigen,   in  feuer  sich  offenbarenden  gott. 

Was  ist  nun  jene  flammenweit  und  welche  bestimmung 
steht  ihr  zu?  Beide,  der  Verfasser  des  U^L,  und  der 
des  ahd.  gedichts,  zwar  Christen,  aber  noch  in  heidiusche 
poesie  eingeweiht,  lassen  muspilli  beim  Untergang  der 
weit,  bei  der  annliherung  des  jüngsten  gerichts,  ^treten: 
dann  wird  die  erde  und  alles,  was  sie  enthält,  von  dem 
feuer  verzehrt  werden.  Gerade  so  schildert  auch  die  edda 
das  weltende:  Surtr  erhebt  sich  mit  den  muspellssöhnoi, 
überzieht  alle  götter  mit  krieg  und  besiegt  sie,  die  ganze 
weit  vergeht  von  seinem  feuer.  8n.  5.  Wann  er  mit  sei- 
nem leuchtenden  Schwert  von  Süden  herfahrt,  wanken 
die  felsen  der  berge,  die  riesinnen  fliehen,  die  mensdien 
gehen  den  todtenweg,  der  himmel  spaltet  sich.  Saenu  8^; 
die  Äsen  kämpfen  mit  Surtr  und  seinem  beer  auf  eine« 
holm,  namens  Oskopnir  (Säm.  188*},  alle  erliegen  und  die 
weit  geht  unter. 

Den  Surtr  nennt  blofs  die  edda;  unsere  ahd.  poesie 
scheint  aber  einige  züge  von  ihm  in  die  kirchliche  voi^ 
Stellung  vom  Antichrist  zu  weben  und  aufzunehmen,  ich 
habe  diese  Vermutung  schon  8.117.  118  geäufsert.  der 
mythus  vom  Antichrist  gründet  sich  ursprünglich  auf  das 
eilHe  cap.  der  opocalypse,  und  ist  hernach  in  jüdisch- 
christlichen  ideen  weiter  ausgebildet  worden,  den  namei 
haben  beide  briefe  des  Johannes  (L  2,  18.  4,  3.  IL  7); 
nicht  die  Offenbarung,  in  welcher  er  unter  dem  vielhäup- 
tigen  tliier  gemeint  wird,  zu  seiner  zeit  sollen  za^ei  weis- 
sagende zeugen  vom  himmel  auf  die  erde  gesandt»  aber 
von  ihm  besiegt  und  getödtet  werden,  auch  ihre  nunea 
fehlen;  dafs  es  Eliaa  und  Euock  sind,  folgt  schon  aus 
der  ilmen  beigelegten  macht,  den  regen  zu  verschKelsen, 
ist  auch  von  den  kirchenvätern  ausdrücklich  aneikannt.*) 
imbeerdigl  liegen  ihre  leicheu  in  der  strafse:    nach  diesem 


*)  Joitinus  Diartyr  dial.  ctnn  Trypli.  ed.Sylb.  p.  208;  TertaUiaB 
de  anlma  cap.  50.  de  resnrrect  carn.  cap.  68:  Hippolytus  im  Iv;^ 
ntf^i  rJjq  avmtktia^  row  xoa/iov  uai  nt^l  rov  urTixQiüxov ;  DorpUwtti 
tyriufl  de  vlta  propliet  cap.  18;  Ambrosins  in  apocal.  cap.  11;  Aa^ 
stin.  de  ci¥.  dei  20,  29;  Gregor  magn.  in  moral.  15»  18.  Au  «^ 
terer  seit  sind  so  ¥gl. Burcard,  wormat  20,  93—97;  diacip.  de  Imi- 
pore  im  serino  10. 


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MOSPILU  469 

rieg  eirekhl  die  gewalt  des  Anticbmfs  iliren  gipfd ,  er 
steigt  endlich  auf  den  ölberg,  um  gen  liijnmel  zu  fahren; 
da  erscheint  Micliael  der  engel,  und  gpaltet  ihm  das 
haupt.*) 

Unser  altbairlscher  dichter  hatte  nun  durch  gelehrte 
männer  (weroltrehtwls^)  künde  von  dieser  erzählung  ge- 
nommen,  es  schweben  ihm  aber  auch  noch  bilder  des 
heidnischen  Weltuntergangs  vor,  wenn  muspilli  herannaht, 
darum  hebt  er  die  flammen  heraus  iwd  lafst  von  dem 
zur  erde  triefenden  blute  des  todwunden  Ellas  alle  berge 
entzündet  werden;  in  keiner  einzigen  christlichen  tradi- 
tion  begegnet  dieser  zug.  der  himmel  glüht  in  lohe 
(suüizAt  lougiii)  die  erde  brennt  (prinnit  mittilagart)  und 
lenes:  'dar  ni  mac  denne  mdk  andremo  helfan  vora  demo 
mu$pille*  klingt  wie  ein  eddisches 

broedhr  muno  berjaz  ok  at  bönom  verdha^ 

muno  systrAngar  si^um  spilla, 

min  ecki  madhr  ödhrum  thyrma*  Stem.  7^  8^ 
es  heilst  'mino  fallit',  wie  dort:  söl  tekr  sortna,  hverfa 
af  himni  heidhar  stiörnur.  Auch  Sn.7l:  th4  drepaz 
broedhr  firir  dgirni  sakar^  oc  engl  thynnir  iodhr  edha 
syni  i  mann  dripum  oc  sifjasliti.  Noch  der  mhd.  dichter 
des  12  jh.  (fundgr.  194):  sd  ist  danne  nilit  triuwe  diu 
Irowe  der  diuwe^  noch  der  man  dem  wlbe:  si  lebent 
alle  mit  ntde ;  so  hazzet  der  vater  den  sun  u.  s.  w.  Wel- 
chen heidnischen  >gott  der  Baiem  und  Alamannen  Anti^ 
chrlsto  vertrat»  möchte  man  wissen ,  vermutlich  war  es 
ein  dem  nord.  Surtr  noch  ähnlicheres  wesen.  Antichristo 
erscheint  als  teuflischer  beuchler,  Surtr  zwar  als  Wider- 
sacher der  Äsen,  doch  wird  er  nicht  unedel  gesclüldert : 
er  ist  ein  die  weit  reinigender  gott,  nach  ihm  beginnen 
neue,  selige  zelten.  aUe  muspellssynir  bilden  gesonderte, 
weifsglänzende  heerschaai^en ,  sie  und  Surtr  bewirken 
durch  ihren  kämpf  eine  höhere  Weltordnung,  während  der 
Antichrbt  nur  vorübergehend  siegt  und  zuletzt  von  einer 
mächtigeren  gewalt  gestürzt  wird. 

Was  der  ganzen  vergleichung  neue  stärke  verleiht  ist 
die  cap.  8  erörterte,  aus  andern  gründen  gewisse,  Ver- 
wandtschaft zwischen  Donar  nud  jElias.  dem  achten  jh. 
konnte  Elias  noch  über  den  jüdischen  prophet   hinaus  als 


0  berichte  des  12.  ISjh.  vom  AntichrUt  findet  man  t»ei  Otto  fri«. 
cbron.  8,  1—5,  im  hortut  dehciarum  der  Herrat  von  Landsberg  (bei 
Engelhard  p.48),  Im  cod.  vind.  653,  121.  122,  fiind^^r.  195.  196  und 
ausfahrtich  in  Martina  191  ff.;  vgl.  auch  elnl.  zu  Freidauk  lxxi.  i«xjlu. 


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470  MUSPILLl 

göhlicher  helJ,  als  gotthelt  erscheinen.  In  der  c3da  käm- 
pfen alle  Äsen,  Odfunn,  Th6rr ,  Freyr  und  TJ^r,  mh 
vereinten  kräften,  wider  die  flammensöhne  und  deren 
verbündete,  ziehen  aber  gleich  Elias  und  Enoch  den  kur- 
zem, ich  behaupte  nicht,  dafs  auch  Enoch  einem  beslimm- 
ten  heidnischen  gott  vergleichbar  sei;  es  wäre  möglich. 
Eine  ags, ,  von  Wheloc  zu  Beda  p.  495  ausgezogne  homi- 
lic  de  temporibus  Anlichristi  (oben  s.  110)  enthält  merk- 
würdige äufseningeu.  der  übermütige  Antecrist^  beifsl 
es  dariu,  streitet  nicht  nur  wider  gott  und  gottes  knechte, 
er  stellt  sich  auch  höher  als  alle  heidnischen  götter:  *hc 
Ahefdh  hine  silfne  ofer  ealle  th4  the  ha^thene  men  cv^edon 
thät  godas  beon  sceoldon ,  on  heelhene  visan,  svylc  stä 
väs  Erculus  sa  ent,  and  jipollinis  y  the  hi  macrne  god 
leton^  Dhör  eac  and  Eovdhen,  the  hasthene  men  heriadh 
svidhe.  ofer  ealle  thäs  he  hine  aenne  up  dhefdh,  fordhan 
iie  loet,  thät  he  dna  st  streu gra  thonne  hi  ealle? 
AVozu  sagt  das  alles  der  prediger?  hatte  auch  in  sächsi- 
schen liedcrn  man  die  ankunft  des  Antichrists  mit  heidni- 
schen Überlieferungen  zusammengehalten,  und  seinen,  wie 
des  Surlr,  sieg  über  Vodhen  und  Thunor  anerkannt? 
die  xuisächsischen  formen  Eovdhen  und  Dhör  deuten  auf 
dänischen,    nordischen  einflufs. 

Wer  geneigt  ist  die  eigen thümlichkeit  unserer  vorzeit 
überhaupt  auf  römische  und  christliche  Überlieferung  zu- 
rückzufahren, könnte  den  wahrgenommenen  anklang  bei- 
der Vorstellungen  vom  Weltuntergang  leicht  zu  der  bebanp- 
tung  misbrauchen,  selbst  die  eddische  lehre  sei  erst  aus 
jenen  ti^aditionen  von  dem  Antichrist  hervorgegangen,  das 
würde  ich  für  ganz  verkehrt  halten,  die  nordische  crzSh- 
lung  ist  einfach,  und  im  Zusammenhang  mit  dem  übrigen 
Inhalt  der  edda;  der  mythus  vom  Antichi'ist  verworren, 
ja  künstlich  in  einander  gefügt,  beide  hauptgestalten,  Surtr 
imd  der  Antichrist  haben  völlig  abweichenden  character. 
wie  hätte  man  im  Norden  eine  menge  bedeutsamer  neben- 
Vorstellungen,  gerade  die  von  muspell,  hin^uerdacht,  wie 
ein  hochdeutscher  nach  zeit  und  ort  wiederum  unabhängi- 
ger dichter  eben  sie  anschlagen  lassen? 

Was  die  edda  von  Surlr  und  seinem  krieg  mit  den 
Äsen  meldet  ist  der  schlufs  einer  ausführlicheren  Vorstel- 
lung von  dem  ende  der  well,  die  aufserhalb  der  gren« 
meiner  Untersuchungen  liegt,  weil  sich  keine  weiteren  berüh- 
«rungspuncle  damit  in  dem  innern  Deutschlands  erhalten 
haben,  liier  sei  nur  bemerkt,  dafs  der  eintritt  jener  gro- 
fsen  Veränderung  aldar  roh  (Sajm.  36*)  aldar  ruf  (SxtoL 


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WELTUNTERGANG  471 

167  )  *)  gewöhnlich  aber  ragna  röl  (Srcm.  7«  96b 
166^)  oder  ragna  röhr  (Sa;m.  65*  Sn,  30.  36.  70. 
88.  165)  beUst,  d.  L  däinmerung,  Verfinsterung  der  zeit 
und  der  Abhaltenden  gütter  (oben  8.  17.)  Alsdann  bre- 
chen alle  9  bis  dahin  in  bann  und  zwang  gebaltnen  böse 
vresen  los  und  streiten  -wider  die  götter:  ein  wolf  ver- 
schlingt die  sonne,  ein  andrer  den  mond  (s.  401)^  die 
8terne  fallen  vom  himniel,  die  erde  bebt,  die  ungeheure 
weltsclilange ,  iörniungandr,  ergriffen  von  riesenwut  (iö- 
tunonddhr  s.  304)  hebt  sich  aus  dem  gewisser  ans  land^ 
FenrisüÜfr  wird  los  (s.  150),  Nagl/ar  flott,  ein  aus  den 
nageln  todter  menschen  gefertigtes  schif.**)  Loki  führt  die 
Lrimthursen  und  das  ge folge  der  Hei  (Heljar  sinnar)  herbei, 
die  ganze  höllische  und  wölfische  Sippschaft  hat  sich  ver- 
eammelt.  Aber  die  gröfste  gefahr  naht  den  göttern  aus 
jener  flammenwelt :  Surtr  .und  sein  leuchtendes  beer  reitet 
über  Bifröst,  den  regenbogen  (s.  421)  mit  solcher  macht 
heran,  dafs  er  zusammenbricht.  Die  einzelnen  kämpfe 
sind  so  vertheilt:  Odhinn  gegen  Fenrisülfr,  Thörr  gegen 
lörmungandr,  Freyr  gegen  Surtr,  Tj'r  gegen  Garmr***), 
Ueimdall  gegen  Loki;  überall  unterliegen  die  allpn  götter, 
obgleich  auch  Garmr  und  Loki  fallen,  Fenrisülfr  durch 
Vidhar  getödtct  wird.f)  Dafs  Loki  und  sein  geschlecht 
den  flaininensöhnen  verbündet  au  (tritt,  folgt  aus  seiner 
eignen  natur,  er  selbst  ist  ein  gott  des  feuers  (s^  148.) 
Surtr  aber  erscheint  als  der  eigentliche  Sieger,  als  der 
mächtigste^  wie  ilin  Hyndluliodh  bezeichnet,  ohne  sei- 
nen namen  auszusprechen  (Saem.  119*-)  Nach  dem  weit- 
brandf  dem  Surtalogi,  erhebt   sich  eine    neue,  seligere 

*)  ro/,  ruptara,  wie  man  sagt  regin  riu^faz^  dji  rampaator, 
die  weit  rergelit 

f*)  dadurch  soll  die  angehenre  ferne  and  das  langsame  zustand-  * 
kommen  des  weitendes  aasgedrückt  sein:  bis  ein  solches  schif  aus 
•cbmalen  nägelscbnitzeo  der  leichen  zusammengesetzt  wird,  verstreicht 
lange  lange  zeit,  und  sie  leidet  npcii  durch  die  warnende  Vorschrift 
ß|if«chub,  allen  todteu  die  nägel  vor  der  bestattong  oder  Verbrennung 
sorgsam  zu  schneiden.  Ähnljch  ist  die  Vorstellung  des  bergs  der  ewig- 
keit,   dem  alle  hundert  jähre  ein  vogel  nur  ein  sandkom  zuträgt 

'*0  OarniTy  der  gröföte,  ungeheuerste  aller  hunde  (Saem.  46*), 
ohne  zweifei)  m^  KkqßtQoq^  nur  verwandelter  riese,  scheint  gleich 
öieaem  in  der  unterweit  einheimisch:  als  Odhinn  nach  Niflhel  fahrt, 
*fnsetti  bann  hvelpi  theim  er  or  heljo  kom'  (Saem.  94**)  er  liegt  ge- 
bunden und  bellt  *for  Gnypahellir  (Saem.  7a  8»-)  der  liölleuhund 
(cbi  Istlicher  sage  steht  dem  nord.  wolfe  näher  («.  folg.  anm.) 

f )  Vidhars  sieg  über  den  wolf^  in  dessen  rächen  e^  mit  einem 
Hijtliisch  gescliuhten  fufs  tritt  (Sn.  73) ,  gleicht  der  Schilderung  cbristl. 
tnuiUl4Mi6o  von  der  bekämpfung  des  hölienhund^t,  vgl.  ftuidgr,  178. 179. 


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1 


472  SINFLÜOT 

erde,  mit  Terjcingteo  gittern,  die  "wiederum  Aeair  htt- 
fsen.  Stern.  10.  Ein  sclüufs,  der  unbestreitbare  ähnlicfa- 
keit  liat  mit  dem  jüngsten  gericht  imd  dem  neuen  Jenisa- 
lern  der  Christen,  str.  65  der  Völuspd,  die  de«  regiodiJmr 
ausdrücklich  erwähnt ,  hat  man ,  weil  sie  in  einigen  hss. 
mangelt,  für  eingeschoben  erklärt,  die  interpolation  kann 
aber  nicht  nach  dem  blofsen  inhalt  crmessen,  sie  müsle 
auch  durch  formelle  gründe  unumstöfslich  erwiesen  wer- 
den, selbst  wenn  sie  statt  fand,  wird  damit  nicht  das 
heidenthum  des  mythus  noch  das  alter  der  dichtung  übei^ 
haiipt  verdächtigt  Denn  wie  unter  frühbekehrten  stammen 
der  heidnische  glaube  nicht  auf  einen  schlag  vertilgt 
wurde*),  können  auch  einzelne  christliche  lehren  schon 
zu  Völkern  vorgedrungen  sein,    die  noch  Heiden  waren. 

Dem  Untergang  der  weit  durch  feuer^  welchen  Hei- 
den und  Christen  **)  als  zukünftig  erwarten ,  entgegen 
steht  der  durch  wasser^  welchen  die  geschichte  beider 
als  pergangen  schildert.  Gleich  der  wasserfllut  soll  aaefa 
der  weltbrand  nicht  für  immer  zerstören,  sondern  reini- 
gen und  eine  neue,  bessere  weltordnung  nach  sich  ziehen. 

Überlieferungen  einer  alten  Wasserflut  haben  sich  bei 
vielen  heidnischen  Völkern ,  in  eigenthümlicher  gestallang 
erhalten.  Wer  wollte  die  eddische  sage  von  Ymir  und 
Bergelmir  (Su.  8)  ableiten  aus  der  erzählung  des  A.  T.? 
auch  hier  ist  unentlehnte  einstimmung.  Unter  den  andern 
deutschen  Stämmen  hat  sich  keine  künde  jener  Über- 
schwemmung fortgepflanzt.  Ulfilas  verdeutscht  xaraxiv- 
ajuog  midjasveipdins  y  zu  welcher  Wortbildung  ihn  we- 
der das  griech.  wort,  noch  das  lat.  diluvium  veranlassen 
konnte,  was  bedeutet  ihm  sveipa,  sveip^ida?  kaum  icAr^e», 
das  midja  gemahnt  an  die  Zusammensetzungen  mit  gards  (s. 
^  458.)  Auch  das  ahd.  sinfluot  (gramm.  2,  554)  mag  ein 
uralter ,  eigner  ausdruck  sein ;  aber  alle  traditionen  von 
allgemeiner  Wasserflut  sind  verschollen,  nur  den  Untergang 
einzelner  sündhafter  örter  und  bürgen  weifs  das  volk  zn 
berichten:  immer  erfolgt  dieser  im  wasser,  niemals  im 
feuer,  vgl.  deutsche  sagen  no.  111  Arendsee  (bei  Perlz  it 
357  Arns^o),  no.  131  Sccburg.  in  diesem  sinn  werden 
auch  theUweise  fluleu,  diu*ch  wolkenbrüche  oder  austritt 
des  meers  über  seinen  dämm,    als  strafen  des  himmels  an- 


•)  iu  Leyden«  complaint  p.  98  wird  gerade  eine  fiibel  von  de» 
u^olf  und  dem  weitende,  *tiie  tayl  of  the  volfc  of  tlie  vnrldis  t»d' 
genannt,  die  noch  zar  seit  dei»  15  jh.  in  Sctiottlaud  lUBgieog. 

••)  llPctrI  8,  12;    vgl.  Freidauk  179,  4. 


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ERDBBMSN  47» 

gc^ehn ;    desto    leichler    konnte     sich .  der   begrif  sinfluol, 
sintfluot  in  den  von  sündtlut  entstellen. 

Die  kirchliclie  Überlieferung  des  mittelalters  nimmt 
fiinfzehn  zeichen  an,  die  dem  jüngsten  tag  (suonatac)  voraus- 
gehen sollen "");  unter  ihnen  mangelt  auch  nicht  das  erdbeben 
Ulfilas  gibt  acia/itos  durch  das  fem.  reird,  er  sagt  Wrtha 
peiraida',  alts.  ^ertha  hii^dda'  H^l.  168,  23 ,  ahd.  *erda  bi' 
bindta*  0.  IV.  34,  1 ;  im  subst.  heifst  es  erdpipa,  erd- 
bibunga,  erdgiruornessi.  der  altn.  ausdruck  ist  landahialjtj 
und  4ördh  skalf.'  Auch  vor  dem  nord.  ragnarökr  erfolgt 
diese  naturerscheinuug :  'griotbiörg  gnata,  gn^'r  allr  iö- 
tuoheirar'  Saem.  8^*  Reinardus  1,  780  -wird  zusammenge- 
stellt: nee  tremor  est  terrae^  judiciiue  dies* 
Doch  ist  das  erdbeben,  wie  die  sinflut,  öfter  als  ein  ver- 
gangnes ereignis  dargestellt,  dem  manigfalte  Ursachen  un- 
tergelegt Virerden,  die  griech.  fabel  leitet  es  her  von  ein- 
geschlofsnen  cyclopen  oder  titanen ,  die  nordische  aus  den 
Zuckungen  des  gefesselten  Loki,  wenn  gifttropfen  auf  sein 
antlitz  niederfallen  (Sasm.  69.  Sn^  70.)  Den  Indern  ent- 
steht erdbeben,  wenn  einer  der  acht  elefanten,  die  den 
erdball  tragen,  seiner  last  müde,  einmal  das  haupt  schüt- 
telt.**) Die  Japaner  sagen ,  wenn  die  erde  bebt:  ^es  ist 
wieder  ein  wallfisch  unter  unserm  lande  fortgekrochen'; 
die  Otaheiter:  *gott  schüttelt  die  erde',***)  die  Letten: 
'Drebkuls  prügelt  die  erde,  dafs  sie  zittert',  gerade  wie  die 
Griechen  ihren  Poseidon  'Ewoalyato^,  *TSipvoaidas  nennen« 
Einheimbche  sagen  in  Deutschland  sind  nich^  übrig. 

Den  himmel  dachten  sich  unsere  ahnen  nicht  blofs  als 
die  decke  der  erde  (s.  398)^  sondern  auch  als  ein  himmel- 
reich,  als  der  götter  und  der  von  ihnen  aufgenommnen 
seeligen  menschen  wohnung.  in  ihn  führt  die  brücke  des 
himmlischen  bogens  (s.  421)  und  die  milchstrafse  (s.  214.) 

Einzelnen  göttern  schreibt  aber  die  edda  besondere 
räume  zu.  keiner  unter  ihnen  ist  berühmter  als  die  odi- 
nische V^alhöll  (ahd.  Walahalla?),  deren  name  sichtbaren 
bezug  hat    auf   des  goltcs  eigne  benennung  Valfodhr  und 

*)  Thomas  Aquinas  (•{'1274)  in  libnim  4  sententiar.  Petri  Lotnb. 
dist.  48.  qu.  1.  art.  4  (Tliomae  opp.  Venet.  13,  442.)  AsegabOk  273. 
S74.  HoflTm.  fondgr.  196.  197.  Amgb.  39.  Mafsm.  Henkm.  6.  Berceo 
(<|-I268)  de  los  signog  que  aparecer&n  ante  del  joicio,  in  Sanchez 
coleccion  2,  273.  Thomas,  AsegabOk  und  Berceo  beziehen  sich  auf 
Hieronjmas,  in  dessen  werken  eine  solche  znsammensteliung  der  funf- 
seiin  aeklien  nirgends  vorkommt.  Karl  89«  bei  Rolands  tod  ähnliche  zeichen. 

*')  Sclilegöis  ind.  bibl.  heft  2. 

**')  Zimmennanas  tasehenb.  f.  reisen,  jahrg.  9.  abth.  2;  Adelaogs 
Miüirid.  1 ,  634. 

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474  WALAHALLA?         GIMLI 

auf  die  valhyrien.*)  in  diese  Mrohnong  haben  ihm  dit 
kriegsJuDgfrauen  alle  von  beginn  der  weit  in  der  schlachte 
im  valr  gefallnen  beiden  zugeführt,  er  nimmt  sie  zu  kin- 
dern  an,  sie  heifsen  oahasynir  (Sn,  24),  angcwüuschle, 
adoptierte  und  zugleich  sühne  des  Wunsches  (s.  99.)  Ilir 
andrer  namc  ist  einlierjar ,  d.  i«  egregii,  divi,  wie  Odliinn 
selbst  Herjan  und  Herjafodfir  genaunt  wird,  da  «ich 
noch  das  ahd.  nom.  pr.  Einheri  fiudet  (s.  b.  Meichelbeck 
no.  241.  476.  Schannat  137),  so  folgere  ich  das  frühere 
Vorhandensein  des  mytliischen  terminus.  yalliöll  ist  mit 
Schilden  gedeckt  f  Su.  2)v  und  zählt  540  thüren,  deren  Je- 
gliche auf  einmal  800  einherien  durchgang  gestattet;  mit- 
ten darin  steht  Ljeradhr^  ein  mächtiger  bäum,  von  des- 
sen laüb  die  zIege  Heidhrun  abbricht,  aus  der  ziege  eu- 
tor  fliefst  täglich  ein  gefafs  voll  melh,  der  alle  eioherieo 
vollkommen  nährt.  Eikthyrnir  der  hirsch  beifst  von  des 
baumes  ästen,  aus  des  hirsches  hörnern  trieft  unaufhör- 
lich Wasser  hinab  in  Hvergelmir  und  bildet  die  ströjae 
der  unterweit  Diesen  seeligen  aufenthalt  ersehnten  sich 
alle  tapferen  männer  nach  ihrem  tod ;  einem  übelthätar 
war  es  verschlossen:  ^mun  sÄ  madhr  braut  rekinn  ur 
f^alhöllu  ok  thär  aldrei  koma.'  Nialss.  cap.  S9.  ValhöU 
heifst  auch  Vingolj  (Sn.  14.  24)  d.  i,  freudenhaus,  gleidi- 
viel  mit  Gladheimr^  was  Sn.  13  davon  unterschiedeo 
wird,  aus  Saem.  41*  erhellt  aber,  dafs  dadsheimr  der 
allgemeinere,  Valliull  mit  in  sich  fassende  räum  ist. 

Gimlir  endlich  (es  steht  gewöhnlich  der  dativ  'i 
.Gimle')  bezeichnet  nicht  den  ödinisehen  aufenthaltsort,  viel- 
mehr den  neuen  himmel,  welcher  nach  dem  grofsea 
weltbrand  von  den  seeligen  bewohnt  werden  soll  (Stern. 
10^  Sn.  4.  21.  75.)  es  scheint  der  weniger  sinnliche  be- 
grif  einer  späteren  lehre,  annäheruug  an  die  christUche, 
obgleich  schon  frühe  und  vor  der  bekehrung  stattfindend. 
ValhölL  empfieng  blofs  waiTentodte  männer  (v^pndaudha 
Vera),  Gimlir  nimmt  alle  gerechten  und  guten  menschen 
auf.  Hei  nunmehr  alle  bösen,  strafbaren;  während  die 
alte  Hei,  als  gegensatz  der  ValhöU,  wohnung  aller  nicht 
im  kämpf  gestorbnen  männer  und  der  frauen  war,  ohne 
dafs  sie  darum  für  sündige,  strafbare  galten.  In  einer 
Variante  Sn.  75  ist  es  bestimmt  ausgedrückt ,    dafs  man  'I 


*)  vermutlich  gehört  aurh  Valaskialft  der  silbergedeckte  smI, 
in  die^e  reihe  (Siem.  41«  So.  21)  womit  man  BUdhskialf  (i.  97) 
vergleiche,  skialf  druckt  die  zitternde  bewegung  der  lu(UtäUe  as^ 
wie  bif  in  Bifröst. 


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PARADIS  475 

Ginili  medhr  Surti^  wohne,  bei  Surtr,  nicht  mehr  bei 
Odliinn.  Übrigens  wird  auch  Giinlir,  wie  sonst  ValhöU, 
Vingtlj  genannt  (8n.  4),  ein  ort  der  ireade  und  wonne. 

Wir  wollen  sehn,  was  von  diesen  lieidnischen  Vor- 
stellungen noch  in  den  christlichen  haften  blieb,  oder  da- 
mit zusammentraf.  Den  namen  ValhöU,  Walalialla  scheint 
man  gemieden  zu  haben""),  desto  merkwüi^iger  steht  ein- 
mal bei  Cödmon  283,  23  sceldbyrig  (schUdbnrg)  für  him- 
mel,  ganz  )ene  mit  goldschilden  gedeckte  heldenwohnung. 
pinsele  (nicht  vtnsele)  könnte  wol  vom  himmel  gesagt  sein 
und  dem  nord.  ving^lf  begegnen;  ich  finde  es  blofs  von 
irdischer  wohnung  (Cädm.  270,  21.  Beov.  1383.  1536. 
1907.)  dagegen  brauchen  noch  unsere  späteren,  selbst 
geistlichen  dichter  unanstöfsig  den  ausdruck  freudenaal 
für  himmel,  ganz  wie  gladsheimr  oder  vingÄlf,  da  die 
himmlische  freude  auch  christlich  ist.  Das  christenthum 
kennt  einen  doppelten  ort  der  wonne,  einen  vergangnen 
und  künftigen,  dieser  ist  der  aufenthalt  der  seeligen  bei 
gott,  jenen  verscherzte  der  ersten  menschen  sünde,  und 
er  wird  als  ein  garten  Eden  dargestellt.  Beide  übertra- 
gen die  LXX  nagafieioog ,  wonach  das  paradisus  der 
vulg.,  was  ein  pers.  wort  sein  soll,  ursprünglich  garten, 
thiergarten,  park  aussagend,  wie  das  armen,  bardez  (hor- 
tus)  bestätigt.  In  der  eineigen  stelle,  die  wir  bei  Ulfilas 
nachsehen  können,  II  Cor.  12,  4,  stehet  vagga  (campus 
amoenus,  hortus.)  ahd.  Übersetzer  behalten  entweder  pa- 
Tadtai  bei  (fragm.  theot  41,  21),  oder  gebrauchen  wun^ 
nigarto  (gl.  Jun.  189.  217.  hymn.  21,  6)  wunnogaito 
N.  ps.  37,  5,  vgl.  thaz  wunniaama  feld  0.  IL  6,  11;  af- 
ter  paradtses  wurmen  Diut.  3,  51.  diese  benennung  wun* 
nigarto  könnte  noch  auf  das  nord.  vingbljy  das  ags.  vin^ 
ade  anklingen,  da  sich  wunna  =  wunia,  golh.  vinja,  und 
^ini  (amicus)  nah  berüliren.  Seltsam  ist  der  ags.  ausdrudi 
neorxenauong ,  neorxnavong  Cädm.  11,  6.  13,  26.  14, 
12.  115,  23,  von  welchem  ich  gramm.  1,  268.  2,  267. 
3,726  gehandelt  habe:  es  scheint  feld  der  ruhe**),  darum 
auch  der  wonne,  und  vergleicht  sich  dem  goth.  vagga^ 
alts.  hebenwang  (Hei.  176,  1);  an  die  altn.  nornen  ist 
kein  gedanke,  um  so  weniger  als  auch  in  altn.  dichtun- 
gen  der  himmel  niemals  nornavIUigr  heifst.  Allen  Slaven 
heilst  das  paradis  ra'i ^  serb.  raj y  poln.  ray ,  böhm.  rag. 


•)  sollte  aber  niclit  in  der  mhd.  heldeiipoesle  der  aa«dnick  weU 
rede  Rab.  636.  635.  811.  850.  923  auf  die  erkornen  eiolierjar  gdin? 
**)  die  ^ijtoTij  ßiory.  Od.  4,  565. 


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4m  BLYSIDM 

wohio  auch  das  Uuh.  rojus  gehört  ^  wonebeü  rojaiM  s6- 
das  (paradUgarten)  und  darzaa  (garten)  gesagt  wird,  rai 
aus  paradisus  (span.  parayso)  wäre  fast  zu  starke  kür- 
zung;  nach  Anton  (versuch  über  dieSlaven  1, 35)  soll  aucB 
das  arab.  arai  paradis  bedeuten.  H^L  85,  21  steht  ein- 
mal bdashim  (domus  felicitatis)  für  himmelreich. 

Wie  ValhöU  ist  das  griech.  elysium,  ii^imov  nedlor, 
kein  allgemeiner  aufenthalt  aller  verstorbnen ,  sondern  nur 
auserwählter  beiden;  auch  den  Griechen  hieng  höchste 
aeeligkeit  ab  von  tapferkeit  des  kriegers.  Und  nicht  ein- 
mal alle  beiden  gelangten  dahin,  Menelaos  als  Zeus  eidam, 
Od.  4,  561;.  andere,  sogar  berühmtere  hausen  im  A% 
A^des.  Achilles  wandelt  auf  der  bluntenwiese^  dem  ar 
üfpodeXos  Xeijimv  der  unterweit,  wohin  die  seelen  der 
erschlagnen  freier  Hermes  geleitet  Od^  11,  539.  24,  13; 
vgl.  Virg.  Aen.  6,  638. 

Von  dieser  aue  der  seeligen  weifs  auch  unsre  einhei- 
mische dichtung  imd  sage,  kinder,  die  in  brunnen  fallen, 
gelangen  durch  grüne  wiesen  in  das  haus  der  freundlichen 
frau  Holla.  In  Flore  19^  (ob  schon  im  franz.  original?): 
*swer  im  selber  den  tot  tuot,  den  geriuwet  diu  vart,  und 
ist  im  ouch  verspart  diu  Ufise^  dar  dA  komen  wilt,  an 
der  Blanchefiür  spilt  mit  andern  genuogen,  die  sich  nibt 
ersluogen.'  Selbstmörder  bleiben  ausgeschlossen  von  sol- 
chem ort  der  seeligkeit. 

Das  paradis  ist  ein  verlornes  tmd  ein  künftiges ,  der 
neugrün  aus  der  flut  steigenden  erde:  dem  Idhat^öllr*), 
in  dessen  grase  die  götter  goldtafeln  (zum  spiel)  finden 
(Ssem.  9**  10*),  steht  ein  geschwundnes  goldnes  Zeitalter 
gegenüber,  worin  milch  und  honig  flössen.  Untergang  und 
erneuernng  folgen  sich  in  kreisendem  lauf  und  die  identität 
der  begriffe  zeit,  weit  und  Schöpfung,  wovon  ich  ausgieng, 
leuchtet  ein.    zeit  und  räum  fallen  hier  ineinander. 


*)  vgl.  dag  goih.  ith ,  id^  ahd.  // ,  Sn  der  zusammensetsang  itOt 
agf.  ed  (gramm.  2,  757.  758),  Wiederkehr  and  festliche  eroeoeniBg 
aasdr&ckend.  idimdl  (solemnia)  Diut  1 ,  274**  Itaherga  r.  pr. 
(Perts  1 ,  316.) 


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SEELE         BLUMEN  477 


CAP.  XXI.    SEELEN. 

Die  lebende  9  belebende  seele  ist  den  sprachen  ein 
sanftes  weibliches  wesen:  goth.  sdwalay  ahd.  s^ola^  s^la, 
mhd.  s^le^  ags.  sdt^l^  engl,  soul,  altn.  säl,  schwed.  däu. 
själy  und  daher  finn.  sielu;  gr.  ^Injyrj't  lat.  itaL  anima^ 
(ranz,  dme,  all  franz.  zuweilen  arme^  span.  alma ;  serb. 
dusahaj  sloven.  du/ha  ^  böhm.  dußse,  poln«  dusza^ 
Utth.  duszia,  lett.  du^ehaele.  davon  unterscheiden  sie  alle 
den  männlichen  athem  und  geist,  Spiritus,  den  stärker, 
fühlbarer  aus  und  eingehenden;  oft  liegen  sich  beide  be- 
nennungen  ganz  nahe,  wie  im  lat.  animus  und  animoy 
im  slav.  duch,  du  und  duscha."^) 

Aber  auch  in  den  mythen  zeigt  sich  dies  band,  die 
aus  des  leibes  fessel  gelöste  seele  gleicht  jenen  luftigen, 
geisterhaCten  wesen  des  xm  cap.  (vgl.  s.  246.  360.)  sie 
schwebt  mit  derselben  leichtlgkeit ,  ersch#int  und  ver- 
schwindet, oft  nimmt  sie  bestimmte  gestalten  an,  in  de- 
nen sie  eine  zettlang  zn  verharren  genütliigt  ist. 

Zwei  anmutige  Vorstellungen  sind  es,  welche  die 
entweichende  seele  als  blume  aufblühen,  als  vogel  aufflie- 
gen lassen«  beide  hängen  zusammen  mit  der  Verwandlung 
in  pflanzen  und  thiere  überhaupt  (s.  321.) 

Den  Übergang  in  die  blume  kann  ich  nur  folgern. 
Ein  kiud  trägt  eine  rosenknospe  heim,  die  ihm  der  engel 
uu  wald  geschenkt  hat :  als  die  rose  erblüht,  ist  das  kind 
todt  (KM.  2,  295.)  Nach  dem  lied  von  Runzlfal  wächst 
aus  den  leichen  der  gefallnen  Heiden  ein  sch(varzdorn 
(hagen)y  neben  dem  haupt  der  gebliebnen  Christen  eine 
weifse  blume.  Karl  ii8*>-  Aus  dem  grabe  hingerichteter 
spriefseu  weifse  lilien  zum  zeichen  ihrer  Unschuld ,  aus 
dem  des  mädchens  drei  lilien  .^  die  kein  andrer  als  der 
geliebte  brechen  soll,  aus  den  hügeln  liebender  winden 
sich  blumensträuche ,  deren  äste  sich  verflechten«  Im  lied 
von  fair  Margaret  und  sweet  William: 

out  of  her  brest  there  sprang  a  rose 
and  out  of  his  a  briar; 

*)  insofern  seele  lebeo  und  lebenskruft  bedentet,  steht  dafür  das 
Beatram  alid.  ferah ,    mhd.  perch ,   ags.  feorh ,  alto.  ßÖn 


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498  SBBLBN         VÖOBL 

tbey  grcw  tili  the  grew  unto  tlie  churcblopi 
and  tliere  they  tyed  in  a  true  lovers  knot.'^) 
in  der  sage  von  Tristan  halle  ich  schon  für  spätere  Ände- 
rung, daCs  rose  und  rebe^  die  sich  über  ihrem  grab  zu- 
sammenw^inden ,  erst  darauf  gepflanzt  werden«  Ein  serb. 
Volkslied  läfst  aus  dem  leichnam  des  jünglings  einen  grü- 
nen  tannenbatini  (zelen  bor)  aus  dem  der  Jungfrau  eine 
rothe  rose  (rumena  ruscbilza)  wachsen  (Vuk  1  no.  137), 
so  dafs  sich  auch  in  den  blumen  das  geschlecht  forter- 
häit'*''^),  um  den  tannenbaum  windet  sich  die  rose,  i^ie 
um  den  straufs  die  seide«  Alle  diese  beispiele  sehen  die 
blome  nur  symbolisch  an,  oder  als  nachwirkung  der  in- 
nersten gesinnung  des  todten:  die  aufgehende  rose  gleicht 
dem  aufgehenden  geist  des  kindcs.  ursprünglich  mag  aber 
die  idee  eines  unmittelbaren  Übertritts  der  seele  in  die 
gestalt  der  blume  zum  grund  liegen,  wie  aus  blofsen  blul^ 
tropfen,  die  nur  einen  kleinen  theil  des  lebens  enthalten, 
eine  blume  entspringt,  im  blut  hat  die  seele  ihren  silJS 
mit  seinem  verströmen  fliebt  sie  hin. 

Ebenso  gilt  sie  der  kindlichen  fantasie  des  volks  für 
einen  vogely  der  aus  des  sterbenden  munde  geflogen 
kommt,  darum  sind  in  alten  grabsteinen  häufig  tauben 
eingehauen,  die  der  christliche  glaube  noch  näher  auf  den 
geist  bezieht.***)  Ein  scbif  versinkt,  vom  meeresufer  gewahrt 
mau  der  untergeganguen  seelen  in  gestalt  weifser  tauben  aus 
der  flut  gen  himmel  steigen.f )  Aus  dem  machandelbom  (K3I. 
47)  fliegt  das  geschlachtete  brüderchen  als  vogeL  In  der  un- 
terweit fliegen  versengte  vö'gel,  die  seelea  waren  (svidhnir 
fuglar  er  s4h*r  voro)  gleich  fliegenschwärmen  (Saem.  127*) 
Nach  der  ansieht  der  heidnischen  Böhmen  schwebte  die 
seele  als  pogel  aus  des  sterbenden  munde  solange  irr  auf 
den  bäumen  herum,  bis  der  leichnam  verbrannt  war: 
dann  erlangte  sie  ruhe.  Finnen  und  Litlhauer  nennen  die 
milchstrafse  den  weg  der  pb'gel  (s.  2 14)  d.  i«  der  seelen. 

Vor  Mahomed  glaubten  die  alten  Araber,  aus  dem 
blut  eines  ermordeten  werde  ein  klagender  vogel,  der  um 
das  grab  fliege,    bis  für  den  todten  räche  genommen  seu 

*)  Percy  3,  123.    Variante  bei  Rob.  Jamieson  I,  83.  34. 
••)  darum  gehört  der  rehe   auf  Tristans   grab,   diu  rSse   auf  \*^ 
tens,    wie  im  Volksbuch   und    bei  Eilhart;   Ulrich  utfd  Heinrich  ver- 
wechseln die  pflanzen. 

*••)  Servati  Lupi  vita  S.  Wigberhti  cap.  1 1 :    verum    hora  exitw 
ejuf  —  circomstantibus  fratribus,  vi»a  est   apis  quaedam  5pecie  p«!- 
rlierrima  supra  ejus  corpusculum    ter  advolasse^     nusquamqiie  poaK* 
comparuisse.    weniger  die  seele  selbst,  als  ein  sie  geleitender  gei«^ 
f)  Maerlant  2,  217,   aus  lateio.  quelle« 


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SEELBN         WIESE  47» 

Auch  der  griecli.  volksoDsIcht  erscbien  die  Seele  als 
ein  geüligeUes  wesen,  ifwxv  nvtvna  %al  ^wvtpiov  mr^- 
yw*),  sagt  Hesych,  aber  ein  Schmetterling  ^  und  das 
ist  noch  treffender  als  der  vogel,  weil  sich  das  insect  aus 
der  larve,  wie  die  seele  aus  dem  leichnam,  entwickelt. 
flfvyrfj  heifst  daher  schinelterling.  Eine  in  Spanien  ge- 
faudne  röm.  grabschrifl  hat  die  worte:  M.  Porcius  M. 
haeredibus  mando  etiam  cinere  ut  meo  volitet  ebrius  pa^ 
pilio,**)  Wir  werden  diesen  Schmetterlingen  noch  als 
irwischen  (ziebold,  veilia),  und  im  cap.  von  den  hexen 
als  elbischen  wesen  begegnen. 

Von  den  irakischen  wird  ein  folgendes  cap.  handeln; 
gleichbedeutig  damit  finde  ich  wiesenhüpfer ,  u^iesen^ 
liiipferin  9  z.  b.  in  dem  1688  gedruckten  magdelob  p.  46. 
die  erklärung,  weil  sie  auf  sumpfigen  wiesen  hüpfen  ist 
ganz  passend,  vielleicht  aber  zu  eng.  Hans  Sachs  denkt 
nicht  an  irltchter^  wenn  er  sich  mehrmals  der  formel 
bedient:  ^mit  im  schirmen  (fechlen)  dafs  die  aeel  in  dem 
gras  umbhapjen^  III.  3,  13»-  IV.  3,  28»,  *und  Schmitz 
ihn  in  ein  fiderling,  dafs  sein  seel  mufs  im  gras  lan^ 
hupfen^  IV.  3,  51^  er  will  nichts  sagen,  als  dafs  ihm 
die  seele  ausfahrt,  dafs  er  stirbt.  Wieder  also  der  volks« 
glaube,  dafs  die  seele  des  sterbenden  (als  vogel  oder 
Schmetterling)  auf  der  wiese  flattre,  Ah.  der  iviese  der 
unter  weit ,  von  welcher  ich  s.  476  redete.***)  gerade  so 
lassen  die  Böhmen  die  seele  auf  bäumen  fliegen  (könig- 
inh.  hs.  p.  89.  107.),  darum  tanzen  und  weben  seelen 
und  elbe  nachts  auf  den  wiesen. 

Dies  sind  die  einfachsten,  wenn  man  will  rohesten 
Vorstellungen  von  dem  wesen  der  seele,  denen  ich  ein 
hohes  alter  beimesse. 

INIelir  ausgebildet,  tiefer  in  alten  mythen  wurzelnd 
ist  die  meiniing  von  einer  überfahrt  der  seelen  in  das 
gebiet  der  unterweit  durch  ein  wasaer,  welches  das 
reich  der  lebenden  menschen  von  dem  der  todten  trennt. 

Die  nordische  erzählung  von  Baldrs  tod  hat  den 
merkwürdigen  zug,  dafs  die  Äsen  seine  leiche  auf  ein 
schif  braciiten ,    in  dem  schif  den  Scheiterhaufen  errichte- 

•)  v»7»7  c>'^«  awftuTog  Xnrij.  batrach.  207  ^vx^  6\  fnUmp 
mnrtj.    211. 

*')  zaeret  in  Ambrosio  de  Morales  antigindades  de  las  ciudades 
de  B^pajia.  Alcala  1575.  fol.  81i>,  darans  bei  Gruter  und  in  Spons 
iniscell.  enid.  antiq-.   p.  8. 

***)  die  weder  selig  tiocii  rerdammt  sind,  Icommen  auf  die 
grünt  wiest»    Heinses  Ardioghello  1,  96. 


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480  ,  SEBLBN  ÜBERFAHRT 

teten^  anzuudetcn  und  8o  Ae^r  flutenden  see  überlief sett, 
Sil,  66.*)  Nicht  anders  wird  der  leichnam  des  vergölterteft 
lielden  Scild  (8.219)  geschmückt  auf  das  sdiif  getragen^ 
das  schif  uon  dem  meer  weggetrieben  ^  niemand  weifs 
wohin.  Beov.  55—105.  Sigmundr  trägt  des  Sinfiötli,  sei- 
nes geliebten  sohnes  leichnam,  am  seeufer  hält  ein  mann 
mit  einem  kleinen  uachen,  und  erbietet  sich  zur  über- 
fahrt; Sigmundr  legt  den  todten  ins  schiff  da  -war  e« 
voll  geladen,  der  unbekannte  stufst  ab  vom  ufer  und 
fahrt  mit  der  leiche  dahin.  Saem.  170.  171.  fornald.  sog. 
i,  142.  Im  altfranz.  roman  Lancelot  du  lac,  ed.  1591  p* 
147  verfügt  die  demoiselle  d^Escalot,  wie  es  mit  ihrem 
leichnam  gehalten  werden  solle:  le  pria,  que  son  corps 
Jdt  mis  en  une  nejy  richement  equtpp^e,  que  Von  lots- 
seroit  aller  au  grd  du  vent  sans  conduite.**)  Herscbie 
der  glaube,  dafs  die  leiche,  preisgegeben  dem  heüig<'n 
meer  und  den  winden  von  selbst  einlaufen  würde  in  das 
menschlicher  führung  unnahbare  land  des  todes? 

Hier  werden  die  leichuame  selbst  übergeschift»  in  an- 
dern sagen  blofs  die  von  dem  leib  eutbundnen  seelen. 

Nach  dem  griechischen  glauben  fährt  Charon  die  See- 
len in  einem  schmalen,  zweirudrigen  boot,  über  den 
Styx,  Acheron  oder  Cocytus  in  das  reich  der  unterwell, 
er  empfangt  dafür  ein  fährgeld  und  darum  legte  man  den 
todten    einen     obelos     (die    danaka)     in    den    mund.***) 

*)  wie  feste  wurzel  dieser  gebrauch  im  Norden  gefafst  hatte, 
darf  man  daraus  entnehmen,  dafs  leichen  auch  im  schif  begraben 
wurden ,  ohne  zweifei ,  damit  sie  auf  ihrer  reise  in  die  unterweit  da, 
wo  sie  an  ein  wasser  kommen  wurden ,  das  fahrzeug  zur  band  hätten. 
4]Akon  kondngr  t<>k  tlmr  skip  öU,  er  Att  lidfdho  Eiriki  synir,  ok  \H 
draga  k  land  upp;  thar  Ut  Häkon  leggja  Egil  Dllserk  /  sldp,  oc 
medh  hänom  alla  i\\k  menn,  er  af  theirra  lidhi  böfdlio  fallit,  Ut  bera 
ihar  ai  iörd  oc  griot,  Häkon  konüngr  Ut  oc  ßeiri  skip  nppsetja,  oc 
bera  ä  valinn.'  saga  H.  gdda  cap.  27.  'Unnr  var  ISgdh  t  skip  f  haa- 
ginum»*  Laxd.  p.  16.  *Asmundr  var  heygdhr  ok  t  skip  lagdhr\  tlineW 
bans  lagdhr  /  annan  stafn  skipsins.'  Islend.  sog.  1 ,  66.  'Creirmondr 
heygdhr  ok  lagdhr  t  skip  thar  Atl  sköginn  fra  gardbi.'  das.  1,97* 
Wahrscheinlich  legte  man  vornehme  leichen  erst  in  eine  kiste  oid 
setzte  diese  ins  schif,  dann  erfolgte  die  bestattung  im  bögel.  G«- 
drun  sagt:  *knÖr  mun  ek  kaupa  ok  kisto  steinda.'  Sann.  264^*  l" 
alten  grabhugeln  des  innern  Oeutsclilands  sind,  meines  Wissens,  w» 
sciiiflfe  gefunden  worden. 

**)  cento  novelle  antiche  81 :  la  damigella  di  Scalot;  die  aan- 
cella  sanza  vela,  sanza  remi  e  sanza  neuno  sopra  sagliente  wird  oadi 
Camalut,  an  den  hof  des  re  Artu  gefuhrt. 

***)  Diodor  1,  90.  l-nrip.  Ale.  253.  441.  Aen.  6,  298.  ta 
Hermione  in  Argolis,  von  wo  es  nicht  weit  zur  unterweit  geglaubt 
wurde,   gab  man  den  todten  kein  geld  mit.    Strabo  8   p.373. 


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SEßLEN  ÜBERPAORT  481 

Diese  Sitte  dem  lelchnam  eine  kleine  münze  in  den  mund 
zu  ]egen  kommt  auch  unter  Deutschen  vor,  vgl.  abergl, 
no.  207 ,  wo  ihr  ein  spaterer  falscher  grund  untergescho- 
ben ist:  ursprünglich  sollte  das  geld  nichts  anders  als 
jenes  uaulum  sein. 

In  stürmischer  nacht  w^eckt  eine  mönchsgeslalt  einen 
schlaflrunknen  schilFer,  legt  ihm  Aen  fähr  lohn  in  die  hand 
und  verlangt  über  den  ström  gebracht,  erst  steigen  sechs 
mönche  in  den  nachen,  kaum  aber  ist  er  gelöst  und  auf 
der  flut,  als  ihn  plötzlich  eine  menge  schwarzer  und  wei- 
Iser  herren  füllt  und  der  fälirmann  fast  keinen  räum  für 
sich  behält,  mit  mühe  rudert  er  hinüber,  die  ladung  steigt 
aus  und  das  fahrzeug  wird  von  jähem  stürm  zurück  ge- 
worfen an  die  stelle  der  abfalirt,  wo  schon  wieder  neue 
reisende  harren,  welche  den  kahn  einnehmen,  und  deren 
vorderster  mit  eiskalten  fingern  dem  schiffer  den  fährgro- 
sehen  in  die  hand  drückt,  die  rück  fahrt  des  schifs  er- 
folgt auf  die  selbe  gewaltsame  weise.*)  Ähnliches,  minder 
vollständig,  wird  erzählt  von  mönchcn,  die  nachts  bei 
Speier  über  den  Rhein  fahren  (deutsche  sag.  no.  275.)  In 
beiden  geschichten  ersieht  man  keineu  zweck  des  über- 
schifTens :  es  scheinen  uralte  heidnische  erinnerungen ,  die 
um  nicht  ganz  zu  erlöschen  sich  veränderten. 

Procop  de  hello  goth.  4,  20  (ed.  bonn.  2,  567)  von 
der  insel  Brittia  redend  meldet  eine  sage,  die  er  selbst 
öfters  aus  dem  mund  der  einwohner  vernommen  hatte. 
Sic  glauben,  dafs  die  seelen  verstorbner  menschen  nach 
jener  insel  übergefahren  werden,  am  ufer  des  festen 
landes  wohnen  unter  fränkischer  oberherschaft,  aber  von 
alters  her  aller  abgaben  entbunden,  fischer  und  ackerleutc, 
denen  es  obliegt  die  seelen  überzuschiffen**)  das  anit 
gellt  der  reilie  nach  um.  welchen  es  in  jedweder  nacht 
zukommt,  die  legen  sich  bei  einbrechender  dämmerung 
schlafen,  mitternachts  hören  sie  an  ihre  thüre  pochen  und 
mit  dumpfer  stimme  rufen.  Augenblicklich  erheben  sie 
sieb,  gehen  zum  ufer,  und  erblicken  dort  leere  nachen^ 
fremde,  nicht  ihre  eigne,  besteigen  sie,  greifen  das  rü- 
der und  fahren,  dann  merken  sie  den  nachen  gedrängt 
^oll  geladen^   so    dafs   der  rand   kaum  fingerbreit    über 


•)  nene  Volksmärchen  der  Deutschen.    Lelpz.  1792.   3,  45—47. 

••)  TU  /*y  uXJiu  fPijuyytov  xuri^Koot  ovnq,  gioQoi»  fiivTOk  uTiuya)- 
yjjv  ov^fTnanort  7iaQaoxof**yoi  ^  vyxtfifvov  uinotq  fn  nuXiuov^  rovdf  rov 
ItxOovg^    vnov^yiaq  Ttyos,    w?  q^uaiv,  fV*x«,      Xtyovatv  ol  tmi/t//  «v^^>w- 

31         ^        , 

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482  SEBLBN         ÜBERFAHRT 

dem  Wasser  steht.  Sie  sehen  jedoch  Diemand,  und  landen 
schon  nach  einer  stunde,  während  sie  sonst  mit  ibrem 
eignen  falirzeiig  nacht  und  tag  dazu  bedürfen ,  in  Briuia. 
angelangt  entlädt  der  nachen  sich  alsogleich  und  wird  m 
leicht,  dafs  er  nur  ganz  unten  die  flut  berührt,  "weder 
bei  der  fahrt  noch  beim  aussteigen  sehen  sie  irgendwen,  * 
hören  aber  eine  stimme  jedem  einzelnen  namen  und  Vater- 
land laut  abfragen.  schilTen  fraucn  über,  so  geben  diese 
ihrer  galten  namen  an. 

Briuia  liegt  dem  Procop  nicht  weiter  als  200  sladien 
von  der  küste,  zwischen  Britannia  und  Thule,  der  RheiiJ- 
mündung  gegenüber,  drei  Völker  Angeln,  Friesen  uud 
Britten  wohnen  auf  ihr.  unter  Britannien  versteht  er  die 
westliche  küste  des  gallischen  festlandes,  deren  eines  ende 
noch  jetzt  Bretagne  heifst,  die  sich  aber  im  6jh.  weiter 
über  die  spätere  normandische  und  flandrischfriesische  gegead 
bis  zur  mündung  der  Scheide  und  des  Rheins  hin  ausdebnle; 
Brittia  ist  ihm  Grofsbritannien ,  Thule  Scandinavien. 

An  welcher  stelle  die  todtenüberfahrt ,  ob  sie  längs 
der  ganzen  gallischen  küste  statt  hatte?  lasse  ich  unent- 
scliieden.  In  Bretagne,  am  flusse  Treguier  in  der  gemeinde 
Piouguel  soll  auf  den  heutigen  tag  die  sitte  herschen,  die 
leichname  in  einem  nachen  nach  dem  kirchhof  über  ci- 
-nen  kleinen  arm  des  meers,  passage  de  Pen/er  genannt, 
zu  schiffen^  statt  sie  den  kürzeren  landweg  dahin  so 
tragen;  und  in  ganz  Armorica  glaubt  das  volk  überdem, 
die  Seelen  der  verstorbnen  begeben  sich  im  augenblick 
ihrer  trennung  zu  dem  pfarrer  von  Braspar,  dessen  himd 
sie  nach  Grofsbritannien  geleite ;  in  der  lujt  hört  man 
die  räder  des  wagena  knarren^  der  mit  seelen  über- 
laden ist,  ein  weifses  tuch  deckt  ihn,  er  heifst  carr 
an  ancou ,  carrikel  an  ancoii^  seelen  wagen.*)  Lauter 
höchst  volksmärsige  abweichungen.  es  war  den  Chrislcu 
längst  nicht  mehr  gestattet,  ihre  leichcu  nach  der  insel 
Überzufallren  :  wenigstens  bringen  sie  sie  noch  zu  wasscr 
nach  dem  kirchhof  und  lassen,  in  ihrer  tradition,  die 
überfahrt  statt  im  schif  «durch  die  luft  auf  einem  wa^o 
vor  sich  gehn.  Nähere  forschungen  müsten  lehren,  ob 
sich  in  der  Normandie,  in  Flandern  uud  Frieslatid  ähn- 
liche sagen  erhalten  haben?  mir  fallt  dabei  wieder  jenes 
Helium  uud  Helvoet  (s.  197)  ein. 

Procops  nachricht  wiederholt  im  12  jh.  Tzetzes  lum 
Lycoph.  1204,   aber  schon  früher,    im  beginn  des  fünHen 

*)  niem.  de  l'acad.  ceit.  3,  14  t. 

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SBeLBN         ÜBERFAHRT  488 

wust«   Claudian,    dafs    jene  gallischen   ufer   ein    Sammel- 
platz der  wandernden  seelen  seien: 

est  locus,  extremum  qua  pandit  Gallia  littus^ 
oceani  praetentus  aquis,  ubi  fertur  Ulixes 
sanguiue  libato  populum  movlsse  silentem. 
illic  umbrarum  tenui  Stridore  volantuni 
flebilis  auditur  questus.  simulacra  coloni 
pallidaj  defunctasque  vident  migrare  figaras. 
▼an  der  gegend  liege  Britannien,  das  land  der  Senonen 
und  der  Rhein  nicht  fem/)  dies  leise  rauschen  der  ilie^ 
genden  seelen  stimmt  fast  zu  dem  luftwagen  der  Bretagner, 
Gleichen  sinn  zu  haben  mit  der  reise  der  seelen  zu 
schif  über  den  ström  oder  das  gewasser  der  unterweit 
scheint  es,  wenn  sie  die  brücke  des  Stroms  überschreit 
ten.  Merkwürdig  sind  die  worte  der  brückenhüterin  zu 
Hermödhr:  *unler  dir  einem  (lebendigen)  tont  meine  brü- 
cke mehr,  als  unter  den  fünf  häufen  todter  männer^  die 
gestern  darüber  ritten.'  Sn.  67.  Ich  finde  darin  die  grofste 
ähnlichkeit  mit  dem  sachten  getrippel  der  fortziehenden 
Zwerge  über  die  brücke  ^  und  die  Verwandtschaft  der 
seelen  mit  den  elbischen  wesen  zeigt  sich  auf  das  deut- 
lichste. 'Als  die  Zwerge  aus  dem  Voigtland  zogen >  setzten 
sie  eine  ganze  naclit  hindurch  i^er  die  allster  (Jul. 
Schmidt  p.  143.  148.)  bei  ihrem  abzug  vom  Harz  war  man 
übereingekommen,  dafs  sie  über  eine  schmale  brücke  bei 
Neuhof  gehen  und  jeder  in  ein  aufgestelltes  gefäfs  einen 
zoll  werfen,  aber  kein  landeseinwohner  zugegen  sein 
sollte,  neugierige  standen  jedoch  unt^r  der  brücke  und 
hurten  stundenlang  ihr  getrappel ,  als  gienge  eine 
heerde  schafe  darüber  (deutsche  sagen  no.  152.  153.)  Auch 
der  geldzoll  gemahnt  an  das  fährgeld  der  seelen.  Und 
zu  allem  dem  halte  man  nun  die  fabel  von  dem  nachts  im 
kahn  überschiffenden  alb  (deutsche  sag.  no.  80.) 

Eine  genaue  Untersuchung  der  vielfachen  leichenge- 
bräuche  bei  europäischen  Völkern,  die  ich  hier  nicht  be- 
absichtige, würde  noch  mehr  aufschlüsse  über  die  altheid- 
uischen  Vorstellungen  vom  wese»  der  seele  und  ihrem 
Schicksal  nach  dem  tode  gewähren.  So  wurde  den  leichen, 
aufser  dem  fährgeld  änd  dem  schiff  auch  ein  besondrer 
todtenachuh^  altn.  helskS^  zum  antritt  der  langen  Wan- 
derung mitgegeben  und  an  die  füfse  gebunden,  in  der 
Gisla  Surssonarsaga  heifst  es:  that  er  ttdska  at  binda 
mönnum  helskö,    sem    menn    skulo   d  g^nga    til  Valhallar, 

*}  in  Rufiomn  1,  123  — 133 

31* 

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48«  SI^LBN         IM  8TJIEIT 

ok  mun  ek  Vesteini  that  giöra/)  Im  HeniieBer^idNB 
und  vielleicht  an  andern  orten  nennt  man  nodi  jetzt  die 
dem  verstorbnen  erwiesne  letzte  ehre  den  todtenacliuh^*\ 
ohne  dai's  der  gebrauch  selbst  fortdauerte,  ja  das  leicheo- 
mal  wird  so  geheifsen.  Auch  das  abfahren  der  leiche  auf 
einem  nicht  hergebrachten  vvege  schadet  der  seele  des  ver- 
storbnen.     Ledeburs  archiv  5,  369. 

In  den  dichtungen  des  miltelaUers  wird  verschiedeDtUch 
ein  streit  der  enget  und  teufel  um  die  ausfahrende  sede 
geschildert ;  beide  wollen  sie  in  empfang  nehmen.  Wor  dem 
tievel  nam  der  s^le  war  der  ei*zengel  ^erubtnJ  Wh.  49, 10» 

ldz4  lÄz4  tengelu! 

Aä  wart  von  der.  engein 

manec  s^le  empfangen 

i  der  strit  was  zegangen. 

daz  weinete  manec  amie: 

von  wölken  wart  nie  snie 

also  dicke  sunder  zal 

beidiu  äf  bergen  und  ze  tal, 

als  enget  unde  tievel  fingen, 

die  d6  ze  widerstrite  zugen 

die  s^ie  her  und  widere 

d'  einen  üf,    die  ander  nidere.     Geo*  1234. 

der  enget  fürste  Michahil 

empfienc  des  marcgräven  s^l 

und  manec  enget  liehtgevar, 

die  kämen  mit  gesange  dar 

und  fuorlen  in  vroeliche 

inz  schoene  himelrtche.  Geo,  6082« 
eine  noch  wichtigere  «teile,  worauf  ich  schon  s.  251  ^ 
wiesen  habe ,  findet  sich  Morolt  28*-  *>,  hier  treten  drei 
schaaren,  die  schtparze,  weifse  und  bleiche  auf:  *den 
strtt  mahtu  gerne  schouwen,  dens  lunb  die  sele  suln 
hdn.'  Auch  die  alleren  franz.  dichter  beschreiben  ähnli- 
ches,  vgl.  M^on  1,  239.    4,  114.  115. 

Und  schon  im  8.  9  jh.,  gleich  zu  eiugang  des  bruch- 
atücks  von  Muspilli: 

wanta  sär  s6  sih  diu  s^la  in  den  sind  arhevit 
enti  si  den  Itlihamun  likkan  Mzit, 
8Ö  quimit  ein  heri  fona  himilzungalon 
daz  andar  fona  pehhe;   dar  pägant  siti  umpi. 
ich    habe   schon   8.236    gezweifelt,    ob    dieser   'puc  iuni>^ 


*)  V9\'  M&llera  sagabibl.  1,  171. 
**)  Reinwald  1 ,  165. 


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SEELEN         IM  STREIT  485 

(K«  s^ft'  zwischen  dem  lieer  des  Tiimmels  und  der  liolle 
aus  cliristlicher  Überlieferung  stamme,  zwar  der  brief  Ju- 
dae  T*  9  erzählt  von  einem  zank  des  erzengels  Michael 
und  der  teufel  um  den  leichnam  Mose*),  und  daraus 
scheint  wenigstens  jener  christliche  Vorkämpfer,  Michael, 
herzuleiten,  eifersucht  und  streit  über  die  theilung  der 
Seelen  kann  aber  auch  schon  als  heidnische  Vorstellung 
angenommen  werden,  da  sich  im  Norden  Odhinn,  Thurr 
und  Freyja,  jedes  gewisse  theile  der  gefallnen  aneigneten. 
Nach  einem  irischen  märchen  führen  die  geistcr  des  stillen 
Tolks  am  kreuzweg  drei  nachte  langen  heftigen  streit,  auf 
welchem  kirchhof  eine  menschliche  leiche  begraben  wer- 
den solle.**) 

Dies  leitet  zu  einer  näheren  betrachtung   der  Vorstel- 
lungen von  dem  tod. 


*)  die  gtelie  soll  sich  gründen  anf  ein  verlornes  buch  ^drußaaiq 
Moyses'  genannt.  Tgl.  Hu^o  Grotins  ad  S.  Jadae  ep.  9  und  Fabricii 
cod.  pseudepigr.  V.T.  p. 899. 

*')  irische  elfenmärcheu  p.  68. 


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486  TOD 


CAP.  XXn.    TOD. 

Dem  alterthiim  war  der  tod  kein  tödtendes  wesen, 
blofs  ein  in  die  unterweit  abholendes,  geleitendes,  die 
Seuche,  das  Schwert  tödteten,  der  Tod  trat  als  böte  einer 
gottheit  auf,  ihr  die  abgeschiedne  seele  zuzuführen,  ster- 
ben wird  durch  seine  erscheinung  angekündigt,  nicht  ver- 
ursacbt.  so  hat  in  jenem  märchen  der  todesengel  dem 
kind  die  blumenknospe  gegeben:  wenn  sie  erblüht  sei, 
wolle  er  wiederkommen. 

Hierzu  stimmt  die  jüdische,  vom  christenthum  beibe- 
haltne  Vorstellung,  des  armen  mannes  seele.  wird  von  eo- 
geln  gottes  abgeholt  und  in  Abrahams  schofs  getragen,  Luc. 
16,22;  wie  sich  der  dichter  des  H^l.  103,  5  ausdrückt: 
godes  engilös  andfengon  is  ferh,  endi  Idddon  ine  an  Abra- 
hämes  barm,  als  gegensatz  malt  er  das  Schicksal  des  rei- 
chen mannes  weiter  aus  103,  9:  l^lha  wihli  bisenkidun  b 
s^ola  an  thene  suartou  hei,  teufel  versenkten  seine  seele 
in  die  schwarze  liölle. 

Nicht  wesentlich  wich  davon  die  ältere  heidnische 
ansieht  ab.  Halja^  Hely  die  todesgöttin,  bringt  nicht  um, 
sie  empfängt  den  todten  menschen  in  ihrem  haus  und 
hält  ihn  darin  unerbittlich  fest,  tödten  heifst  ilu*  einen 
zusenden,  weder  erscheint  Hei  die  ihr  verfallnen  seclen 
abzuholen*),  noch  entsendet  sie  boten  nach  ihnen,  die 
lange,  dunkle  reise  anzutreten  bleibt  den  toSten  selbst 
überlassen:  schuh,  schif,  iahrgeld,  diener,  pferde  und 
kleider  nehmen  sie  aus  ihrer  heimat  mit  auf  den  heUveg. 
einige  reiten,  andere  fahren,  ganze  häufen  seelen  rotten 
sich  zusammen,  kein  geleitsmann  kommt  ihnen  entgegen. 

Es  waren  noch  andere  götier,  die  sich  der  seelen  be- 
mächtigten. Ran,  die  meeresgöttin ,  zieht  alle  in  ihrem 
gebiet  ertrunknen  leichen  mit  einem  netz  an  sich  (^ 
197.)  überhaupt  scheinen  Wassergeister  gern  seelen  fest- 
zuhalten (s.  281);     selbst   frau  Holle,    zu    deren  wohnung 


*)  nur  im  traumgesicht  tritt  sie  auf:  postera  nocte  eiHe« 
Proserpina  per  quieteoi  ad:itare  aspecta  postridie  se  ejus  coniplexu 
U5uram  deuunciat.  nee  inane  somnii  praesagium  fult  Saxo  gramfli. 
p.  43. 


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TOD  487 

ertrinkende  gelangen  (s.  166.  476)  hat  mit  Hei  gewisse 
Sbnlichkeit, 

Ganz  anders  steht  es  um  die  nach  Valhöll  bestimmten 
Seelen.  Odhinn  entsendet  die  valhyrien^  alle  im  kämpf 
gefalhien  helden  zu  empfangen  und  in  seinen  himmel  zu 
geleiten  (s.  235.  474);  wunschjungfrauen  holen  seine 
wunschsöline.  *thoer  hiosa  feigdh  d  menn.'  Sn.  39.  heiT- 
lich  wird  im  H/ikonarmAl  ihr  geleit  und  der  empfang  der 
helden  dargestellt,  aber  diese  botinnen  nehmen  sich  schon 
der  lebenden  helden  an  und  beschirmen  sie  bis  zum  tod : 
sie  sind  Schutzengel  und  toclesengeh  wie  schön,  dafs 
der  gütige  gott,  bevor  er  sie  ruft,  seinen  auserwälüten 
einen  geleitenden  geist  zur  verherlichung  ihrer  irdischen 
bahn  verliehen  hat. 

Ich  erkenne  eine  berührung  zwischen  valkyrien  und 
Hermes ,  der  den  stab  des  Wunsches  trägt  (s.  236)  und 
Seelen  zur  unterweit  geleitet  {tfwyccymyoct ,  ynr/ono/itnoep 
pexQono/iinos*)  jene  Jungfrauen  sind  Odhins  boten ,  wie 
Hermes  götterbote,  ja  Hermes  ist  Odhinn  selbst;  dem 
die  Seelen  gehören,  also  auch  in  dem  Verhältnis  des  got- 
tes  zu  den  todten  eine  bestätigung  der  Identität  zwischen 
fVuotan  und  Mercur,  ein  unterschied  zeigt  sich  darin, 
dafs  Hermes  zum  Hades  geleitet,  so  viel  ich  weifs  nicht 
ins  elysium;  umgekehrt  holen  die  valkyrien  ab  nach  Val- 
höll, nicht  zur  Hei.  aiu^h  die  eigenschaft  des  schutzgel- 
stes  mangelt  dem  Hermes, 

T3iese  idee  des  schutzgeistes  zeigt  sich  mehr  in  dem 
personificierten  Thanatos  des  griechischen  Volksglaubens, 
er  wird  dargestellt  als  ein  genius,  der  nachdenksam  die 
hand  an  seine  wange  hält,  oder  den  fufs  auf  die  psyche 
stellt,  gleich  als  habe  er  sie  in  besitz  genommen,  oft 
kreuzt  er  seine  bände  über  der  ausgelöschten  fackel.  zu- 
weilen erscheint  er  schwarz  (wie  Hei,  s.  195)  oder 
schivarzgeflügelt  (atris  alis):  tov  dh  neoov^a  ciks  f^i- 
Xag  &araTog^  V^XV  ^^^  ow/uaTog  enTfj  (batrach. 
207)*)  und  aXsvctio  7cf;$a  ftiXaivav  (das.  65.)  Ge- 
wöhnlich aber  wird  der  scheidende,  abschied  nehmende 
todte  zu  pferd  dargestellt,  das  ein  genius  fuhrt",  die 
offenstehende  thär  bezeichnet  die  ausreise,  wie  wir  noch 
jetzt,  wenn  einer  stirbt,  thür  oder  fenster  a^ifmachen 
(abergl.  664.)    symbolisch  kann  die  blofse  thur^  der  blofse 


*)  nadi  dieser  stelle  sollte  man  glauben ,  der  Tod  habe  nnr  den 
leichnam  des  gefallnen  an  sich  genommen,  die  seele  sei  in  die  unter- 
weit  entflogen,  denü  es  beifst  von  ihr  235  ^viio<idt  ßißijiti». 


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488  T09 

pferdelopf  das    abführen    der    seele    ausdrucken.*)     Der 

rumische  todesgenius  scheint  durch  thäranhlopfen  sein 
uahen  oder  die  stiwde  des  abschieds  zu  verkündigen**); 
nächtliches  klopfen  und  pochen  (s.  293)  ist  geisterhaft  und 
Vorbedeutung   des  Sterbens. 

Weiblich,  wie  man  aus  dem  genus  von  mors  folgern 
sollte,  bilden  römische  kunstwerke  den  Tod  nie,  sicher 
dachte  ihn  sich  das  volk  ursprünglich  nicht  anders;  die 
slavische  smrt  (dasselbe  wort)  ist  überall  weiblich ;  das 
litth.  smertia  wird  männlich  und  weiblich  gebraucht,  das 
lett.  nahwe  nur  weiblich. 

Diese  benennuDgeu  klingen  an  deutsche.  scJimerz  haben 
wir  in  dem  gemilderten  sinne  von  pein,  ursprüglich  war  es 
wol  nur  todespein,  wie  quäl  zu  quellan,  ags.cvellan,  engl.kül 
gehört.***)  das  ahd.  smerza  ist  weiblich,  das  mhi.  sinerz  und 
srnerze  männlich,  stets  unpersönlich,  nahwe  stimmt  zum  gotL 
mdAC.  ndus,  pl.  naveis,  funus,  Svie  auch  &av(tTos  leiche  be- 
deuten kann.f)  das  gr.  wort  hat  aber  gleiche  wurzel  mit 
dem  goth.  dduthus,  ahd.  tSd  (früher  tödii);  die  £oth. 
Wurzel  lautet  diva,  diu  (morior),  was  sich  zu  &vi^ax(i»i 
S'd'ovov  wie  das  golh.  Tiv  zum  slav.  dan  verhält  (s.  435.) 
das  ahn,  daudhi  finde  ich  nur  für  den  zustand  (z.b.  Snem. 
231''),  nie  für  die  person ,  letztere  aber  drückt  schon 
das  goth.  dduthus  1  Cor.  15,  55  aus. 

Der  Verwandtschaft  der  Wörter  entsprechen  auch  ähn- 
liche Vorstellungen,  die  hauptsächlichsten  unserer  allen 
dichter  scheinen   folgende. 

Wie  alle  geister  plötzlich  nahen  ff) ,  so  der  Tod; 
kaum  hat  man  ihn  genannt  oder  gerufen,  ist  er  da.  er 
stellt  gleichsam  im  hintergrund  und  harrt  des  rufes  oder 
ivinles  (Freidank  177,  17.)  er  ist  wie  das  fatum,  nah 
und  zur  hand  (s.  228.  229.)  ähnliche  redensarten  galten 
von  der  wart,    wahrscheinlich    auch    von  der  walaciiuria. 

wie  ein  verfolgender  kobold    oder   irwisch   hockt    er  den 

•  « 

*)  O.  Müller«  arcliaol.  2  ausg.  p.  604.  696.  wegen  des  pfenie- 
kopfs  vgl.  Boekii  corp.  inscr.  no.  800,  marm.  oxod.  p.  2.  no.  63.  67. 
R.  Rochette  nionum.  ined.  1,  126.   Pausanias  Vll.  25,  7. 

••)  Horat.  carm.  1.  4,  13:  pallida  mors  aequo  pulsat  pcdc  pan- 
pemm  tabcrnas  regiimque  turres. 

**')  die  bedeutiing  der  herbsten  ansdrficke  mindert  der  lange  ge- 
brauch ;    eiu  beispiel  war  s.  462  das  franz.  gene. 

f)  goth.  Icik  (corpus,  caro) ,  leiche ,  leichnam  (cadaver) ;  iM. 
hreo^  ags.  hra'v i  mlid.  r4  (cadaver,  funus)  goUi.  hräiv  (wo»oii  hr«i- 
vadubö,  klagtaube)  =  tat.  corpus  (worio  das  p,  wie  in  tempus,  vgl* 
a.457,    nicht  zur  wurzel  gehört) 

f  t)  Heinhart  s.  liii.  cxxx. 


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fettten  auf  dmn  hals:  'der  Tot  mir  aitxet  üf  dem  kragen J 
Kol)cz.  174,     'stet  vor  der  tür:   Diut.2,  i53* 

Der  Tod  nlninit  die  seele  und  fülirt  sie  weg.  'hirta 
fuartanan  Tud.'  0.  1.  21,  1.  *wauA  Tot,  du  nim  mich 
hin!'  Ecke  14.5,  *do  quam  der  Tot  \u  natn  ihn  hin,'*  Lo- 
hengr.  186.  'er  begrijet\  Gregor  13.  404.  Diut.  3,  53, 
ein  ausdruck,  der  auch  von  dem  überfallenden,  bewältigen- 
den  Schlaf,  des  Todes  bruder,  gebraucht  wird:  'der  Sldf 
in  begreift  pf.  Chuonr.  7076.  er  bringt  in  sein  haus,  dessen 
thür  geöfnet  steht:  *gegen  im  het  der  Tut  stnes  hüses  tür 
entlocken.^  Bit.  12053.  *du  in  der  Tut  heim  nani  in  sin 
gezinimer\  'brüht  heim  in  sin  gemiureJ'  Lohengr.  143. 
150.  das  sind  schon  abweichungcn  von  der  ursprüngli- 
chen idee,    die  ihm  keine  eigne  wohnung  zuschreibt. 

Wahrscheinlich  trägt  er  wie  alle  boten  (RA.  135)  und 
wie  Hermes,  der  seelengeleitende,  einen  Stab,  zum  zei- 
chen einer  reise  oder  der  ihm  verliehnen  gewalt.  nut  die- 
sem Stab,  mit  dieser  rutlie  (des  Wunsches)  berührt  er, 
was  ihm  verfallen  ist:  4a  Mort  de  sa  verge  le  touclia! 
M^on  4,  107.*) 

Dem  Tod  wird  eine  wol  geebnete  und  in  bau  erhaltne 
straf se  zugeschrieben,  auf  der  die  todlen  mit  ihm  wan- 
dern, 'des  Todes  pfat  wart  gebenet:  Turl.  Wh.  22*  23*>- 
'da  moht  erboutven  der  Tot  sin  strdzeJ*  Bit.  10654.  Wie 
ein  behilflicher,  geschäftiger  diener  schmiert  er  dem  men- 
schen, welchen  er  abholt,  zu  der  grofsen  reise,  vorher 
die  schuhe;  in  Burgund  drückt  man  die  ankunft  des 
Todes  aus  durch  die  phrase:  *quan  la  Mor  venre  graisse 
no  bote\  quand  la  Mort  viendra  graisser  nos  bottes  (noei 
borguignon  p.  249.) 

Ganz  heidnisclier  zug,  dünkt  mich,  ist,  dafs  er  zu 
pferd  erscheint,  wie  die  valkyrien  reilen.  er  holt  zu 
pferd  ab,  setzt  die  todten  auf  sein  pferd»  in  einem 
weitverbreilelen  Volkslied  naht  der  ferngeslorbne  und  be- 
grabne  bräutigam  nütternachts  und  führt  seine  geliebte 
mit  sich.**)  vielleicht  soll  jener  p/erdekopf  (s.  488)  mehr 
des  Todes  als  des  todten  pferd  bezeiclmen?  Der  Hei  und 
ihrem  boten  wird  gleich  andern  gottern  ein  pferd  zuge- 
standen haben,     das  bestätigen  noch  redensarten  und  mei- 

*)  danse  Macabre  p.  m.  55  fuhrt  der  Tod  trois  i^erges» 
*•)  'der  inond  flcheiot  hell,  die  todten  reiten  schnell,''  Burgers 
l«beB  p.37.  WH.  2,  20.  H  maautje  schijut  zo  hei,  mijii  paardtjes 
lope  so  «nel.  KM.  3,  77.  mänan  skiner,  dödman  rider,  sv.  vis.  1» 
i-ui.  man  vgl.  das  neugr.  lied  bei  Wh.  Muller  2,  64  uud  Vuk  I 
no.  404. 


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4»  TOD 

Illingen,  die  hin  und  wieder  bei  dem  volk  Iiaßen.  Wer 
von  schwerer  krankheit  genesen  ist  pflegt  zu  sagen:  'jeg 
gatf  Döden  en  skiäppe  havre"  (Thiele  1,  138),  er  hat 
dem  Tod  für  sein  ros  einen  schelTel  haber  geopfert  und 
ihn  damit  besänHigt.  wie  die  Helden  dem  Wuotan  ($• 
104),  der  frau  Gaue  (s.  153),  die  Slaven  ihrem  Svantevit 
und  Radegast  (s,  382)  die  rosse  futterten.  Von  einem 
schwer  und  polternd  auftreteoden  heifst  es  gleichfalls  ia 
Dänmark:  *han  gaaer  soin  en  helltest*  (dansk  ordb.  2, 
545»«)  von  diesem  helltest  erzählt  man  noch  andere 
dinge/  er  soll  dreibeinig  auf  dem  kirchhof  umgehn  und 
den  Tod  herbeiführen,  nach  einer  volkssage  wird  auf 
jedem  kirchhof,  ehe  er  menschliche  leichen  empfängt,  ein 
lebendes  pferd  begraben:  dies  sei  das  umwandelnde  tod* 
tenpferd  (Thiele  1,  137);  allein  ursprünglich  war  da« 
nichts  anders  als  die  umreitende  todesgöttin.  Arnkiel  1,  55 
führt  den  schleswigischen  aberglauben  an,  dafs  in  pestzei* 
ten  die  Hei*)  auf  dreibeinigem  pferde  umreite  und 
menschen^ würge;  wenn  dann  bei  nächtlicher  weile  hunde 
bellen  und  heulen  (weil  hunde  geistersichtig  sind)  heiTse 
es:  'die  Hell  ist  bei  den  hunden\  wenn  die  seucbe 
aufhöre:  ^die  Hell  ist  ve'rjagt\  wenn  ein  todkranker 
genese  'er  hat  sich  mit  der  Hell  abgejunden^  hier  ist, 
wie  in  andern  fällen ,  der  begrif  des  Todes  mit  der  per- 
sonificirtcn  seuche  zusammengeflossen.  In  den  gedichten 
unsers  MA.  wird  niemals  dieses  umreiten  des  Todes  ge- 
schildert, wol  aber  dafs  er  die  Seelen  auf  sein  ros  lädt* 
Bei  beschreibung  einer  schlacht  heifst  es:  'seht,  ob  der 
Tut  dd  iht  sin  soumer  lüede?  jd  er  was  unmüezec  gar.' 
Lohengr.  71.  'daz  ich  des  Todes  puoder  mit  in  lüed 
und  vazzet.  Oltocar  448»-  Die  Neugriechen  haben  den 
alten  fergen  Xaßwf  in  einen  todesboten  yHqog  umgewan- 
delt, den  man  mit  seiner  schwarzen  schaar  über  das  ge- 
birge  ziehen  sieht,  er  selbst  reitet^  vor  ihm  her  gehen 
die  Jünglinge,  hinter  ihm  folgen  die  greise,  die  zarten 
kinder  sind  an  seinen  sattel  gereiht**)  Der  Jübekcr 
todlentaoz  (Bruns  334.  352)  läfst  den  Tod  auf  einem  /ö- 
wen  reiten,  und  so  stellt  ihn  auch  ein  biid  dar  (Douce 
p.  160.) 


•)  er  schreibt  *'der  Hell';  wie  kann  aber  in  hoIsteioscble«wi^. 
plattdeutBcli  ein  andrer  artikel  stebn  alt  </e?  wag  aowol  der  als  ^ 
bedeutet 

••)  Ttt  TQXffftt^u  nuMnovXu  *a  xtjv  aM  d^^a^iaofiira,  Fwiriel  % 
226.   >Vh.  Müller  2,  8. 


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TOD  i»l 

Die  todteii  gehn ,  wie  gefangne ,  in  des  Todes  han^ 
den;  auch  nach  der  indischen  vorsteUung  jiHirt  er  sie 
gebunden  fort.*)  'ei,  waz  nü  dem  Tode  geschicket  wart 
an  ein  seil!  Lohengr.  115.  ^maneger  quam  an  des  To- 
des 'seiV  das.  123.  *in  T<)des  sil  sttgen!  liS.  3,  440. 
'zuo  dem  TMe  wart  geseilet!  Geo.  2585.  V^  dir  Tötl 
dtii  sloz  und  dtn  gehende  bindet  u.  besliuzet!  Wigal. 
7793.     'der  Tot  hdt  mich  gegangen!  Karl  81»^- 

Jemehr  die  alte  gottheit  der  unterweit  zurück  und 
der  Tod  eigenmächtig  auf  trat,  mu^te  sich  eine  herbere 
auffassung  seines  wesens  ergeben,  aus  dem  stillen  boten, 
der  nur  strenge  seines  amtes  wartet,  wird  er  ein  gewinn- 
süchtiger, gieriger  feind,  der  für  seine  rechnung  handelt, 
den  sterblichen  fallen  stellt.  Schon  0.  V.  23,  260  legt  ihm 
listiges  besuichan  (decipere)  bei,  Conrad  strih  und  «c— 
tzegarn  Troj.  12178,  was  an  jenes  netz  der  Run  (s.  486) 
gemahnt.  Noch  heutzutage  ist  für  ihn  das  bild  eines  vög- 
let^ oder  fischers  hergebracht,  der  dem  menschen  schlin- 
gen legt  oder  nach  ihm  angelt,  'do  kam  der  TOt  als  ein 
diep  und  stal  dem  reinen  wibe  daz  leben  üz  ir  lUbe.' 
Wigal.  8033.**)  Ef  übt  aber  auch  ofne  gewalt,  er  suo^ 
chet,  roubet  Nib.  2161,  3.  2163,  1;  jaget  Roth.  2750; 
bekrellet  (fafst  mit  krallen  ?)  ftiudgr.  196,  20;  sein  boten- 
stab  hat  sich  in  einen  speer  verkehrt,  den  er  wirft,  in 
einen  pjeil^  den  er  vom  bogen  entsendet.  Hieraus  geht 
die  idee  hervor  seines  förmlichen  kämpf  es  und  ringens 
mit  dem  menschen,  den  er  überwältigt  und  erlegt.  *er 
widersaget  äne  sper'  Freid.  177,  24  scheint:  er  kündigt 
das  leben  auf,  ohne,  wie  sonst  geschieht  (RA.  163)  den 
krieg  durch  einen  speer  feierlich  anzumelden,  'jiüt  dem 
Tode  vehteh*  MS.  2,  82*>;  der  Tut  wil  mit  mir  ringen\ 
Sloufenb.  1126;  *do  ranc  er  mit  dem  Tode'  Nib.  939,  2; 
wir  benennen  noch  jetzt  so  die  agonie  des  sterbenden, 
ohne  etwas  persönliches  dabei  zu  denken.  In  einem  neu- 
gr.  lied  ringt  ^  auf  glattem  marmor,  ein  kecker  jüngling 
mit  Charos ,  von  morgen  bis  zu  miltag:  in  der  abend* 
stunde  wirft  ihn  der  Tod  nieder,  ein  andermal  wandelt 
sich  Charos  in  eine  schivarze  schwalbe  und  schiefst  einer 
Jungfrau  den  pfeil  ins  herz.***)  Auch  luisere  nilid.  dichter 
verleihen  ihm  pfeil  und  Streitaxt:  'des  Todes  strdle  het 
si  gar  versniten.   Tit.  3770.     'w4  suidet   des  Todes  harte* 


*)  Bopps  suiidflut  p.  87.  50. 

**)  lebensdiebt  leuteschlachier ,  Hamen  des  Todei. 

•••)  Wb.  Mutier  a,  4.  6. 


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litt  TOD 

Wli.  3,  220  (cod.  cas8.)  die  isernporte  eine«  meistere- 
»angs  aus  dem  14  jh.*)  ist  wol  tsernbarte?  hier  yerheifst 
der  Tod,  wenn  ihm  sein  gegner  obsiege,  tausendjährige 
friste)  '  ^ 

In  solchem  krieg  und  streit  mufs  der  Tod  aber  ds 
an  Führer  eines  grojsen ,  sich  ohne  nnlerlafs  stärkenden 
heera  erscheinen,  sciion  den  Griechen  heifsen  die  todten 
ot  nXioveg  und  ig  nXiorwv  iniü&m  bedeutete  was  i^ 
"AiSov  in  die  wohnung  des  grofsen  hauiens,  zur  grofsen 
schaar  gelangen,  im  ackermann  von  Böhmen  wird  der 
Tod  genannt  ''hauptmann  vom  berge\  etwa  weil  er,  wie 
im  griech.  liede  (s.  490)  mit  seinem  heerzug  das  gebirge 
deckt?  4n  des  Todes  schar  varnJ  Wh.  v.  Orl.  2113. 
W'iewol  nicht  mitkämpfend  scheinen  die  todten  ein  heer- 
zeichen (fahne)  zu  tragen,  das  er  den  sterbenden  gleich- 
sam anheftet,  womit  er  sie  berührt  imd  seinem  beer  ein- 
verleibt.***) so  verstehe  ich  Mes  Todes  zeichen  tragen^ 
Nib.  928,  5.  2006,  1;  es  kann  aber  auch  den  nebenbe- 
grif  enthalten,  todeswunde  empfangen  haben,  die  dann 
für  sein  zeichen  und  wapen  gilt,  darum  h^st  es  Nib. 
939,  3  'des  Todes  zeichen  ie  ze  s^re  8neit\  wo  eine  hs. 
wdfen  darbietet,  wie  auch  sonst  gesagt  wird  ^eines  wd- 
Jen  tragen/  Parz.  130,  4.  Freidank  74,  18.  Wigal.  7797, 
ja,  'des  lüdes  wdpen  tragen'  Wh.  17,  16.  'Trislandes  zei- 
chen viieren^  Heinr. Trist.  2972  bedeutet:  gleich  ihm  ver- 
wundet sein.  Schon  Älfired  Boeth.  p.  16  (Rawl.)  gebraucht 
'Deadhes  tdcnung.^\) 

An  die  idee  der  botschaft  und  des  grofsen  haufens 
schlössen  sich  nun  noch  andere^  w^ahrscheinlich  weit  hin- 
auf reichende,  boten  zu  sein  pflegten  im  alterthum  fiedle 
und  spielleute:    es   lag  nalie,  den  Tod  mit  seinem  gednde 


•)  Hag^ens  niHs.  2,  188. 

**)  uiisern  dichtem  ist  anch  der  gcdfinke  nicht  fremd,  difs  der 
Tod  seinen  anspriich  auf  den  menschen  geric/itlich  verfolge,  Mo  be- 
gtinde  der  Tut  einen  grAven  bedagen  und  mit  gewalte  tiffingen  se 
nötigen  dingen.'  Iw.  5625  AT.  der  graf  lieifst  Mer  verlorae ,  wiadcr 
niuose  im  ze  suone  geben  beide  sin  gesunt  n.  sin  leben.'  Ebenso  iit 
Iw.  7161  die  rede  von  dem  ''gelten  vur  des  Todes  scMlen,^  viellt*icbt 
gehört  hierher  Nib.  2017,  3  'der  Tot  hdt  Af  si  gesu^orn,^  Im  arker- 
mann  aus  Böhmen  ist  hingegen  der  Tod  ein  beklagter  nnd  der  ehe- 
mann,  dem  er  seine  frau  geraubt  hat,  klager.  ihnUdie  recfatslnuidel 
fängt  der  Teufel  hn, 

•••)  vgl.  einem  des  Tode»  nmoder  (mieder)  tniden.   Titar. 
f)  merkwürdig;  spricht   in  jenem    mei^tergesang   (mus.  S,  18?) 
der  Tod:  'und  aist  bereit,  wenn  ich  dir  niine  boten  (die  krankbeitM) 
send,  die  dir  die  zeichen  geben\  die  didi  %h  den  BAeioigen 


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TOB  49t 

einen  reihen  auffiilireii  zu  laMen,  er  wirbt  sich;  durch 
pfeifen  und  geigen  ^  nachfolger.  eigentlich  eine  heitere^ 
die  harte  des  Sterbens  mildernde  Vorstellung:  abgeschiedne 
Seelen  treten  alsbald  ein  in  tanz  und  fest.  Schon  die  Rö« 
mer  behaupteten  gesang  und  tanz  im'  elysischen  gefilde*) 
und  es  stimmt  zu  der  ähnlichkeit  seeliger  geister  mit  mu« 
8tk  und  tanzliebenden  elben  (s.  264.)  unsere  dichter  des 
13  )h.  reden  indessen  noch  rfe  vom  todtentanzy  der  seit 
dem  15.  16  zu  den  populärsten  Vorstellungen  gehörte,  in 
der  häufigen  redensart  'er  hat  den  16t  an  der  hant* 
Nib.  1480,  4.  1920,  4.  1958,  4.  Wigal.  2453.  4700. 
Alph.  286«  345.  359  scheint  nicht  anfassen  zum  tanz  ge- 
meint,  blofs  zum  wegführen  (vgl.  8.228.) 

Da  des  lebens  Vergänglichkeit  schon  in  der  h.  schridt 
dem  gras  und  heu  verglichen  wird,  konnte  man  leiclit 
in  dem  Tod  einen  mäder  oder  Schnitter  sehn,  der  men- 
schen wie  blumen  und  halme  niederhaut,  messer,  siehe/, 
sense  sind  ihm  in  dieser  beziehung  beigelegt.  4st  ein 
sclinitter,  heifst  der  Tod,  hat  gewalt  vom  höchsten  gott, 
heut  wetzt  er  das  messer,  es  schneidt  schon  viel  besser; 
hüte  dich  schönes  blümelein!'  worte  eines  kirchenlieds. 
ältere  dichter  geben  ihm  nie  diese  Werkzeuge;  wol  aber 
wird  das  bild  des  ausgetragnen  Todes  zuweilen  mit  einer 
sense  ausgestattet  (s.  446.)  es  könnte  auch  späterhin  die 
harpe  des  griech.  Kronos  **)  eingewirkt  haben,  'einen  den 
blumen  gesellen,  ins  gras  beifsen  lassen'  Lohengr.  138 
gilt  auch  von  andern  siegern  als  dem  Tod.  er  jälet  die 
pflanzen  aus :  *in  lebens  garten  der  Tot  nu  jat\  Turl. 
wh,  23»>- 

Eh  ich  einige  andere  Vorstellungen  erläutere  mufs  ich 
die  beinamen  und  benennun^en  des  Todes  in  unserer  al« 
ten  poesie  aufzählen. 

Gewöhnlich  heifst  er  der  grimme^  Roth.  2750.  Mar. 
218.  Flore  1931.  Troj.  2317.  2325.  10885.  Ls.  3,  124***); 
der  ferchgrimmey  Morolt  4059,  eine  glücklich  ver- 
wandte Zusammensetzung,  da  es  der  Tod  auf  ferch  und 
leben  abgesehn  hat;  der  grimmige ^  Roth.  517.  Reinh. 
360.  1248.  Berthold  303;  der  bitter  {jiiy.qoq  &avaTog), 
Diut.  3,  89.    Mar.  206.    Alex.  (Lampr.)  820.  1097.  3999, 

*)  Virg.  Äen.  6,  644  pars  pedibns  plaarfont  ehoreas  et  carmina 
diciot.     Tibuü  1.  3,  59.  Iiic  choreae  ca/ttusque  vigent. 

**)  O.  Mullers  archaol.  p.599. 

***)  der  grimme  tdf ,  nanie  eines  messers,  Wolfd.  1313,  merk* 
wfirdig,  da  der  Hei  messer  tultr  hieCs  (s.  195),  Toa  svelta  (esurire). 
<tei  tm  gotik  MuUtofi  (ktt  l^grif  bat  von  mori. 


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«94  TO» 

4782.  gr.  RiioJ.  C^  15.  Wigal-  1113;  der  hiilerlieke, 
Troj*  3521.  22637;  der  sure,  Parz.  643,  24;  der  irre, 
Amgb.  29^  bei  Wizlau,  also  wol  erre,  mit  dem  sinn  der 
zornige?;  der  gemeine  (qui  omues  maoet)  En.  2081.  Lai« 
ter  epitheta  entuommeii  von  seiner  unvermeidlicbkeit,  grau- 
samkeit,  herbUeit,  nicb(s  persönliclies  über  seine  gestak 
verratUeod.  niemals  findet  sich  der  schwarze,  der  bleiche, 
nach  dem  lat,  mors  atra,  mcl's  pallida.  Hieber  TOt'  -wird 
er  in-  einem  liede  angeredet  (Hagens  mus.  2,  187);  Mer 
heilig  Tod'  nennt  ibn  H.  Sachs  I.  5,  528^;  Hier  Tol^: 
auch  blois  in  der  anrede ;  ApoUonius  295  und  oft  im 
ackerman  aus  Böhmen. 

Wichtiger  für  die  Untersuchung  wird,  dafs  im  Rei- 
nardus  3,  2162  eine  knöcherne  geige  ^ossea  ut  dominus 
Blicerö*  heifst,  worunter  nichts  anders  als  der  Tod  kann 
gemeint  sein,  bezeichne  das  den  bieichen  oder  den  ble- 
ckenden, oder,  was  ich  vorsiehe,  sei  es  der  eigenoaime 
Bltdg^r^  Blicker  mit  blofser  andeutung  jener  begrüTc. 
ein  knöcherner  pjerdekopj  wii'd  hier  dem  wolf,  als  spieler- 
fahrnem (joculandi  gnarus)  spöttisch  zur  geige  gereicbt,  bei- 
nern wie  ein  todtengerippe.  Nun  liefse  sich  jenes  s.  380  un- 
erklärte Caput  caballinurn  in  der  that  als  Symbol  des  Tode« 
(s.  489)  und  des  todlenrosses  (8.488)  deuten,  wie  die  Aloster- 
geistlichen  zur  erinueruug  an  das  sterben  menschliche  tod- 
tenköpfe  im  gemach  aufstellten,  mochten  sie  auch  pferde- 
Schädel  innerhalb  der  mauern  aufbangen?  einem  altern 
heidnischen  brauch  (s.  379)  war  wiederum  christliche  be- 
trachtung  untergelegt?  Hat  dies  grund,  so  begreift  sieb, 
wie  den  flandrischen  dichter  das  pferdehaupt  auf  den  Tod 
leitete,  ja  es  könnte  sein,  dafs  fantastische  bildner  den 
Tod  auf  ihm  statt  einer  geige  oder  pfeife  spielen  liefseo? 

Auf  alle  fälle  lehrt  dominus  Blicero^  dafs  in  der 
mitte  des  12  jb.  die  Vorstellung  des  Todes  durch  ein  gerippe 
gäng  und  gäbe  war.  eine  frühere  spur  kenne  ich  nicht, 
halte  es  aber  für  sehr  möglich  sie  aufzufinden,  man  weils, 
dafs  bereits  den  Römern  fleischlose,  verschrumpfte  larven 
öder  Skelette  zur  bezeichnung  des  Todes  dienten.*)  Aof 
grabsteinen  des  MA.  werden  schon  frühe  leichen  als  ganxc 
oder  balbe  gerippe  dargestellt  sein,  dichter  des  13jli* 
schildern  die  fr  eh  als  ein  vornen  schöngebildetes  veib, 
dessen  rücken  von  schlangen  und  nattern  erfüllt  wird.*') 
auch  dieser  gedanke  mag  ein  höheres   alter   haben;    oahe 


*)  O.  Müllers  areliäol.  696.  697. 
**)  das  gedieht  ist  vor  dem  Wigalais  abgedruckt 


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TOD  495 

irerwftBdt  ist  ibm  die  dlclitang  von  drei  lebenden  und  drei 
todten  königeil.*) 

Diese  bald  allgemein  hergehende  vorstellungsweise  des 
Todes  steht  den  antiken  abbildungen  wie  der  allheidni- 
schen ansieht  schrof  entgegen,  den  lieblich  gestalteten, 
dem  schlafe  gleichen,  genius,  den  kindlichen  todesengel 
hat  ein  grälsliches,  der  Wirklichkeit  im  grabe  verwese- 
ner  leichname  abgesehenes  bild  verdrängt;  und  doch  zeigt 
sich  hier  die  Wirkung  der  alles  ergreifenden,  alles  besänf- 
tigenden poesie.  die  älteren  Vorstellungen  des  wegfüJi" 
renderiy  anfallenden  9  tanzenden  Todes  auf  solche  lai^ 
ven  angewandt  haben  eine  fülle  echt  volksmafsiger ,  naiver 
und  humoristischer  bildwerke  hervorgebracht ;  ja  ihr  reich- 
thum  ist  von  den  künstlern  noch  lange  nicht  erschöpft, 
ohne  den  rippenhaften  Tod ,  welcher  tracht  und  gebärde 
der  lebenden  nachäift**)  und  gegen  das  blühende  leben 
grell  absticht,  gienge  der  reiz  und  die  eigenthümlichkeit 
dieser  eriindungen  verloren.  Weniger  ergötzend  müssen 
processionen  gewesen  sein,  welche  zur  zeit  des  15  jh., 
und  vielleicht  früher,  in  Frankreich  für  solche  darstellun- 
gen  üblich  waren:  damals  entsprang  dort  eine  besondere 
benennung  des  todtentanzes :  chorea  Machabaeorum, 
franz.  la  danae  Macabre,  vermutlich  weil  man  in  den 
grofsen  reihen  die  sieben  zugleich  gemarterten  beiden  des 
A.  T.  als  hauptpersonen  einflocht.***) 

Eine  andere  weit  jünger  als  Blicker  scheinende,  jetzt  aber 
allgemein  bekannte  benennung  des  Todes  ist  freund  Hein 
oder  Hain;  ich  kann  sie  nicht  einmal  bis  zur  mitte*  des 
vorigen  jh.  hinaufführen,  f)     an  sich  sieht  sie  alt  und  pas- 


*)  Stapliorst  I.  4,  263.  Bragor  1,  369.  altfranz.  les  trois  mors 
et  les  trois  vis.  Roquefort  2,  780.  catat.  de  ia  Vaili^re  p.  285.  286. 
vgl.  Douce  p.  31  ff.  und  cataiogne  of  manuscrlpts  in  tlie  british  mu- 
aeum  vol.  1.  Lond.  1834  p.22.  (cod.  arundel.  no.83  sec.  iciv)  samt  der 
abbildung  auf  pl.  7. 

*')  wie  ia  der  fabel  die  tliiere  der  menschen. 
**')  neuste  Schriften  über  den  tddtentanz:  Peignot  recherches 
sur  les  danses  des  morts.  Dijon  et  Paris  1826.  Francis  Douce  the 
dance  of  death.  Lond.  1833.  der  letztere  leitet  Macabre  von  dem 
beil.  Macarius^  dem  in  einer  vision  drei  todtengerippe  erscheinen. 
ich  begreife  nicht,  wie  daraus  chorea  Machabaeorum ,  was  in  den 
ältesten  Zeugnissen  geschrieben  steht,  geworden  wäre»  vgl.  Carpentier 
8.V.  (a.  1424.  1453.) 

f)  Musaeus  (volksm.  1 ,  16),  Claudius,  Gotter  bedienen  sich 
ihrer,  uacli  der  vorrede  J.  R.  Schellenbergs  siu  freund  Hein«  erschei- 
uuügen.  Winterthur  1785  wäre  Asmas  erfinder  des  namens,  was  leb 
sehr  beseweifle;  verbreitet  liat  er  iho. 


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496  TOD 

send  genug  aus.  nach  der  vielfachen  berübrung  zwischen 
Tod  und  andern  geistern ,  kann  füglich  der  name  Heiue^ 
Heinz  ^  Heinzelmann  auf  den  Tod  wie  auf  den  koboM 
passen  y  und  der  beisatz  jreund  entspricht  dem  geseU, 
nachbar,  holde  jener  geisler  (s.  257.  284.)  vgl.  Heinchen  8. 
259.  der  Tod  ist  hier,  nach  aller  ansieht,  aufgefafst  alswol- 
woUeades,  freundliches  wesen.  eine  voigtländische  sage  vom 
gotte  Hain  (Jul.  Schmidt  p.  150)  mag  ich  v\reniger  auf  ihn  an« 
wenden*),  und  noch  geringern  anspruch  hat  die  oberbess. 
benennung  des  mortuariums  hainredit**),  die  wahrscbeio- 
lieh  aus  heimrecht,    heimfall  entspringt. 

Im  deutschen  schlemmer,  einem  drama  des  16  jb., 
heifst  der  Tod  der  bleiche  Streckefufs  oder  Strechebeinj 
auch  Gryphius  (kirchhofsged.  36).  nennt  ihn  StreckfuJ's, 
weil  er  den  sterbenden  die  glieder  streckt,  löst  (^Xvöi/ueX^s) 
schon  in  dem  mehrangeführten  meislergesang  des  14  jh. 
*er  hat  kein  ru ,  er  hab  gestrecket  mir  das  felP  (mus, 
2,  18H.)  Christ.  Weise  (drei  erzn.  314)  hat  BleckezaliH 
und  Streckebein r,  anderwärts  finde  ich  Dürrbein,  Klap- 
perbein j  namen  des  Skeletts,  die  beziehung  von  kupjef" 
bickel  (ackermaun  p.  34)  ist  mir  unklar. 

Es  ist  übrig  einiger  ausgebildeteren  mythen  zu  geden- 
ken ,  die  sich  von  dem  Tod  erhalten  haben,  und  gewis 
von  hohem  alter  sind. 

H.Sachs  bedient  sich  von  dem  nahenden  Tode  des 
ausdrucks,  er  zucke  dem  menschen  das  stüUein^  er 
stofse  ihm  den  stul  um,  dafs  er  zu  boden  stürzen  miife. 
er  nimmt  ihm  sitz  und  stelle  unter  den  lebenden ;  ich  vcr^ 
mute  davon  eine  ausführlichere  erzählung.  Noch  gewölm- 
licher  heifst  es  in  gleichem  sinn:  der  Tod  hat  ihm  das 
licht  ausgeblasen y  weil  die  begriffe  licht,  leben,  aufent- 
halt  unter  lebenden  übereinlreffen.***)  Die  lebenskraft 
war  gebunden  an  ein  licht,  an  eine  kerze,  an  ein  scheit, 
mit  deren  verzehren  der  tod  erfolgt  (s.  231.  233.)  Hier 
hängt  nun  die  idee  des  Todes  tief  zusammen  mit  der  vofl 
dem  fatum.  der  genius  senkt  die  Jackel,  dreht  sie  um,  und 
das  licht  des  lebens  ist  erloschen,  schon  dem  neugeb(»r- 
neu  kind  hat  die  norn   ein   licht   gezündet^   woran  sein 


•)  Holzmeier  für  Tod    las   ich  irgendwo,   da«  könnte  an  hedn 
(wald)  erinnern. 

••)  Mittermaiers  privntreclit  §.  77  no.  27, 

*")  Wh.  416,  14  bl  lichter  sonnen  di  verlasch  manegem  Sarr«- 
ztn  stn  lieht}  Lohengr.  133  er  siuoc  in,  daz  im  ttittose  daz  lieht 
erlischen» 


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TOD  m 

lebensfaden  gebundeu  ist;  vielleicht  bezieht  skh  darauf 
noch  das  kerzenentzÜDden  bei  geburtslagsbescheruDgen  ? '^) 
Wir  besitzen  ein  tredich  ausgedachtes  märchen  von  dem 
gemalter  Tod  (KJM.  no.  44),  dessen  schUifs  eine  unlerir- 
duche  hole  darstellt,  worin  tausend  und  tausend  lichter 
in  unübersehbarer  reihe  brennen,  das  sind  die  leben  der 
menschen,  einige  noch  in  grof'sen  kerzen  leuchtend >  an- 
dere schon  zu  kleinen  endchen  heruntergebrannt:  aber 
auch  eine  lange  kerze  kann  umfallen  oder  umgestülpt  wer- 
den. Vorher  geht,  dafs  der  Tod  einem  armen  mann  zu 
gevatter  gestanden  und  seinen  pathen  mit  der  gäbe  be- 
schenkt hat,  ihn  wenn  er  sich  kranken  nahe  leiblich  zu 
erblicken,  und  aus  seiner  stelhmg  zu  entnehmen,  ob  der 
sieche  genese  oder  nicht.**)  Der  pathe  wird  arzt  und  ge- 
laugt zu  ehren  und  reichthum:  wenn  der  Tod  an  des 
kranken  haupt  steht,  so  ist  er  ihm  verfallen,  steht  er  zu 
seinen  füfsen,  so  kommt  der  kranke  davon,  einigemal 
drelit  der  arzt  den  kranken  um,  und  überlistet  den  Tod, 
zuletzt  aber  rächt  sich  der  Tod  und  läfst  seines  pathen 
licht  unversehens  umfallen.***)  In  dieser  ganzen  fabel  er- 
scheint der  Tod  freundlich,  vertraulich  und  schonend,  erst 
wenn  die  äufserste  noth  da  ist,  vollstreckt  er  sein  amt, 
daher  auch  seine  gevatterftcliajt\)  zu  dem  menschen, 
die  sichtbar  der  alterlhümlichen  einkehr  der  nornen  im 
hause  des  neugebornen  und  deren  begabung  (s.  231)  ent- 
spricht ,  wie  in  andern  kindermärchen  feen  zu  pathen 
gebeten  werden. f+)  Also  ein  uralter,  heidnischdeutscher 
mythus«  bei  dem  man  sich  bis  in  die  spätere  zeit  den  Tod 
nicht  als  ein  geripp  dachte,  sondern  als  einen  menschlich 
oder  gültlich  gebildeten.  Es  darf  nicht  verwundern,  dals 
die  sage  mit  vielfachen  abweichungen  vorkommt,  welclio 
KM.  3,  72  noch  unvollständig  angeführt  sind:  nach  einigen 
stellt  der  Tod  seinem  pathen  einen  ring  zu,    mit   dem   er 


*)  im  kindenpiel  Stirbt  der  fuchs  «o  gilt  der  balg'  (KM.  2, 
xTiii)  wir<l  «io  brennendes  holz  heramgereiclit,  dessen  erlöficheu  ent- 
scheidet. ,      1       j  . 

••)  wie  der  sich  zo  oder  abwenHendo  bück  des  von^els  charndrioj 
über  leben  oder  tod  entscheidet.  Freidaiik  einl.  l\xicvi,  wo  eine 
Strophe  des  Titnrel  and  der  altfranz.  bestiaire  (Roquef.  s.  v.  caladrio) 
unaii^efuhrt  sind. 

•••)  vielleicht  stiefs  jener  nmgeworfne  stuhl  zugleich  das  licht  um? 
+)  lieifst  der  Tod    auch   bruder   des  menschen?    'bmoder  tdt' 
Ben.  262  ist  fratrU  mors. 

f  i-)  die  halbguttlichen  nornen  und  feen  schützen  und  beschenken 
wie  die  christlichen  pathen. 

32 

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498  TOD 

(Uc  krankheilen  beurtlieilu  *)  Schon  Hugo  vonTrimperg  er- 
zählt am  sclilufs  seines  werks  *von  dem  2^6de  wie  er  ein 
kint  huop\  hat  aber  eine  sehr  unvollständige  auffassung: 
der  Tod  verspricht  seinem  gevatter,  ehe  er  ihn  abhole^ 
sefne  boten  zu  sentlen  (wie  in  dem  meislergesang  s.  492\ 
diese  sinii  ohreiiklingen,  augeiiniefscn,  Zahnschmerz,  haut- 
schrumpfen  y  bartergrauen,  die  gevatterschaft  allein  ver- 
bürgt den  Zusammenhang  mit  dem  spateren  märchen.  ao^ 
faltend  ist  der  anklang  des  ahd.  toto  (gevatter,  patbe)  mhd. 
tote  (Fans.  461,  10.  Wh.  7,  21)  au  t6t  (mors),  wiewol  die 
quautität  der  vocale  beide  Wörter  genau  sfeheidet  und  erst 
ein  ablautsverhältnis  sie  wieder  vereinigen  mäste ;  ans  dem 
Wortspiel  erwuchs  die  sage  nicht.**) 

Gleich  ausgezeichnet,  aber  heiterer,  ist  das  miirchefl 
vom  Tod  und  dem  Spielhansel  (no.  82.  vgl.  3,  135 — 14«), 
der  jenen  auf  einen  bäum  festbannt,  so  dafs  sieben  jähr 
lang  niemand  in  der  weit  stirbt,  hierzu  hat  Weicker  aus 
Pherekydes  nachgewicseu  ***) ,  wie  Zeire  dem  Sisyphos  den 
Tod  auf  den  hals  schickt,  der  ihn  mit  starken  banden 
fesselt,  und  wie  nun  niemand  sterben  kann ;  Hades  kommt 
selbst,  macht  den  Tod  frei  und  überliefert  ihm  den  Sisy- 
phos. Die  deutsche  fabel  verwebt  den  y Teufel  in  die 
geschichte.  Seit  der  ler/fel  in  den  besitz  der  höUe  ge- 
setzt war,  muste  er  sich  mit  dem  Tod  berühren,  auch 
den  Litthauern  und  lietten  wandelte  sich  fVeinas,  PVeh^ 
ihr  ursprünglicher  todesgott,  in  den  Teufel.  Der  christli- 
chen ansieht  gemat's  empfiengen  engel  die  seeleH  der  from» 
men,  teiifel  die  der  gottlosen  (s.  486),  der  abholende 
Tod  spaltete  sich  also  in  eine  doppelte  gewalt,  je  nach- 
dem er  dem  engel  oder  dem  teufet  glich,  als  englischer 
hüte  steht  er  dem  christlichen  MicJuiel  zunächst,  des- 
sen amt  es  w«r,  «eelen  zu  empfangen  (MoroU  2660. 
2715.) 

Meine  ausRihrungen  werden  nicht  zweifelhaft  lassaVf 
dafs  der  heidnische  Tod  in  die  zweite  Ordnung  dergötter 
gehört ;  weshalb  er  sich  auch  vorzüglich  berührt  mit  den 
halbgüttlichen  valkyrien  und  noruen;  er  hängt  ab  von 
Odhinu  -und  Hei;  unter  den  griedi.  güttern  stehen  ihm 
zunächst  Hermes  und  Hades,  Persephone  samt  Cliaron  dem 
fährmann.  sein  wesen  ist  aber  auch  dem  der  elbe ,  der 
hausgeister  und  genien  nicht  unverwandt. 


*)  Ettficrs  iinwürd.  doctor  p.  190. 

•*)  vpl.  obeu  8. 65  über  die  Verwandtschaft  zwbchen  got  und  godt 
•••)  aiiliaiig  zu  Scliweack  p.323.  324. 


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TOD  M9 

Wie  er  alch  mit  einer  zeitgottkeil  des  Jahres,  dem 
W'iiiler,  mengte,  erörtert  cap.  xix  *);  darum  mag  er 
einigemal  an  Kronos  gemahnen. 

In  unserm  heldenbuch  kommt  der  Tod  als  ein  abgott 
vor,  dem  der  Heide  Belligan  vor  andern  göttern  dient, 
und  dessen  hild  Wolfdieterich  zerbricht,  ich  weifs  dies 
sonst  nicht  bestimmt  anzuknüpfen:  es  wird  ein  teuflisches 
v^esen  verstanden  sein. 


*)  er  bridit  wie  Nacht  und  M^inter  plötzlich  herein. 


23* 

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SOQ  SCHICKSAL 


CAP.  XXm.    HEIL  UND  SCHICKSAL. 

liier  soll  eine  genauere  helrnclitung  allerihiimlicber  ai> 
siclilen  von  glück  imd  Schicksal  eingefügt  werdeu ,  als  m 
sich  im  zwölften  cap.  vornehmen  liefs^  wo  der  halbgött- 
lichen leukcrinnen  menschliches  geschickes  gedacht  wurde, 
auch  greift  das  eigentliche  fatum  genau  in  die  Vorstellun- 
gen von  geburt,  vorzüglich  aber  von  tod,  welclie  ebeo 
erst  auseinander  gesetzt  worden  sind,  ein  mensch,  über 
den  naher  unausweichlicher  tod  verhängt  ist,  heilst  in  der 
allen  spräche  /eig» 

Unsere  vorfahren  scheinen ,  gleich  andern  Heiden, 
einen  unterschied  gekannt  zu  haben  zwischen  Schicksal 
und  glück,  ihre  götter  verleihen  heil  und  sccligkeit,  vor 
allen  ist  Wuolan  gebcr  und  Verleiher  jegliches  gulef, 
Schöpfer  und  Urheber  des  lebcns  und  Sieges  (s.  99.)  Aber 
auch  er.  samt  den  übrigen  gottheiten,  vermag  uidits  ge- 
gen eiue  höhere  wcUordnung,  die  ihn  selbst  nicht  von 
dem  allgemeinen  Untergang  ausnimmt  (s.  471.)  eiuzeloes 
entscheidet  sich  wider  seinen  willen  (ein  beispiel  s.  239.) 

Diese  urbeslimmung  und  nothwendigkeit  aller  wer- 
denden f  bestehenden  und  vergehenden  dinge  hiefs  mit  ei- 
ner pluralform  aUn.  sköpj  alts.  giscapUj  ags.  gesceafm: 
ein  ahd.  hiscaf  in  gleichem  sinn  habe  ich  nicht  angemerkt, 
die  spätere  isländische  spräche  verwendet  das  masc.  skap- 
nadhr^  die  dän.  ahiebne  (altn.  skepna,  forma,  indolc^) 
verstärkt  wird  der  begrif  alts.  durch  pracfixe  wurdigi- 
acapu  Hol.  103,  7.  reganogiscapu  (oben  8,18),  decrcU 
fall,  superorum.  Der  alln.  pl.  neutr.  lüg  (statuta)  gilt 
nicht  vom  Schicksal, -wol  aber  verbunden  mit  der  Par- 
tikel ör  (für  or)  örlög  ^  welches  in  den  übrigen  dialec- 
ten  zum  sg.  wird,  ahd.  urlac  (neutr.?,  bei  N.  ist  urlag 
masc,  pl.  urlaga),  alts.  orlag ^  ags.  orläg,  luid  urfe^- 
Setzung  bezeichnet,  weil  aber  den  Heiden  der  ausgang  des 
kriegs  wichtigster  moment  des  geschickes  war,  frühe  in 
den  begrif  von  bellum  überlrat.  das  alts.  compositum  al- 
darlagu  (vilae  decreliun)  Hei.  125,  15  hat  noch  die  alle 
pluralform.  a/rfr,  aldar  ist  eigentlich  aevum,  das  Iwtihy 
ahd.  hutla  temptis,  zugleich  aber  vilae  lempus,  dalier 
auch  diese  ausdrücke  in  den  bcgiif   des  fatums  einfliefseo» 


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scercRSAL  501 

vgl.  alU.  orlagJwila  IU\.  103,  8,  alid.  Iinf/sdfida*)  die 
Dhd.,  erst  spät  elngefiibrlen  heDennuugeii  Schicksal  (von 
schicken  apiare,  vgl.  gescliiclit  aptiis),  verhätignis^  Ju'^ 
gung  komnren  den  alten  weder  an  kraft  nodi  einfacli- 
Iieit  bei. 

Jenem  scapii  und  lagu  entsprechen  die  vcrbalausdriicke 
schaffen  und  legen  ^  welche  technisch  von  den  anordmm- 
gen  des  Schicksals  gellen,  (s.  230.)  man  sagte  aber  auch 
altn.  (etia  (doslinare),  einem  etwas  zudenhbn.  ahd.  ahtdn 
(vielleicht  auch  ahtildn),  mhd.  ahten  und  beslahten  (weil 
ahte  und  slahle  sich  nahe  stehn.) 

Das  Schicksal  hat  es  hauptsächlicli  mit  dem  beginn 
und  dem  schlul's  des  menschlichen  lebens  zu  thun.  die 
geburtsstunde  entscheidet  über  seinen  verlauf  imd  ausgang. 
beinerkenswerlh  sind  die  im  anhang  s.  xxx  und  xxxvni 
mitgetheilien  stellen,  äqualem  nascentia  attulit  talis  erit.' 
*Parcae,  dum  aliqitis  nascittir,  valent  cum  designare 
ad  hoc  quod  volunt.'  Wie. die  eintretenden  nornen  oder 
fecn  begaben y  wie  sie  schaffen,  danach  fügt  sich  der 
ganze  lebenslauf  des  neugebornen. 

Es  ist  abweichung  von  dieser  ältesten  ansieht,  wenn 
die  bcslimmung  des  Schicksals  in  die  liande  der  gütter  ge- 
legt wird,  aber  auch  eine  sehr  alte.  Gcwis  setzte  frühe 
schon  vieler  menschen  glaube  den  höchsten  gott  an  die 
spitze  aller  wcltordnung  und  licfs  jene  weisen  frauen  nur 
seine  befehle  verkünden,  im  schofse  der  götter  ruht  die 
Zukunft,   S'mv  iv  yovvaüt  ^tetrac. 

Die  Gautrekssaga  meldet  (fornald.  sog.  3,  32)  Hross- 
liÄrsgrani  **)  habe  um  mitternacht  seinen  pflegesohn  Star- 
kadhr  geweckt  und  im  boot  mit  sich  auf  eine  insel  ge- 
frihrt.  hier  safsen  in  einem  wald  eilf  männer  zu  gericht, 
der  zwölfte  stuhl  war  leer;  ihn  nahm  Hrosshdrsgrani  ein 
und  wurde  von  allen  als  Odliinn  begrüfst.  Odhinn  sprach, 
die  richler  sollen  Starkadhrs  Schicksal  bestimmen  (do- 
mendr  skyldi  doema  örlug  St.)  da  hub  Thor  an,  welcher 
der  mutter  des  Jünglings  zürnte:  ich  schaffe  ihm,  dafs 
er  weder  söhn  noch  tochter  haben  und  seinen  stamm  en- 
den soll.  Odhinn  sprach:  ich  sdiaffe  ihm,  dafs  er  drei 
mannesalter  leben  soll.  Thor:  in  jedem  aller  soll  er  ein 
'ntdhtngsverk'  thun.  Odhinn:  ich  schaffe  ihm,  er  soll 
die  besten  waffen  un^  kleider  haben.     Ihor:    er  soll  we- 


')  wihdlda  (fortiiiin)  N.  Cap.  20.  23.  25.  53.  tr.  müd.  wUswlde 
kaiscrchr.  cod.  pal.  361  ,  18  ff.   Geo.  61»- 

**)  d.h.  Grani,   der  bärtige,  Odliins  beioame. 

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503  SCHICKSAL 

der  land  noch  grund  Iiaben.  Odhinn:  ich  gehe  itim^  dafs 
er  viel  geld  niid  gilt  habe.  Thor:  ich  lege  ihm,  dafs  er 
uie  genug  zu  liaben  meine.  Odhinn:  ich  gebe  ihm  sieg 
und  tapferkeit.  Tliör:  ich  lege  ihm,  in  jedem  kamnf 
soll  er  schwere  wunden  empfangen.  Odhinn:  ich  ge^e 
ihm  die  gäbe  der  diclitkunst.  Thur:  was  er  dichtet,  soll 
er  nicht  behalten  können.  Odhinn:  das  schaff  ich  ihm, 
dafs  er  den  edelsten  und  besten  männem  werth  erscheine. 
Thor:  dem  volk  soll  er  verhafst  sein.  Da  sprachen  die 
richter  alles  dem  Starkadlur  zu,  was  bestimmt  war,  das 
gericlit  hatte  ein  ende  und  Hrosshilrsgrani  mit  seinem  zug« 
ling  gieng  zum  boot. 

Thor  spielt  hier  ganz  die  rolle  der  feindlichen  fee 
(s.  232)  und  sucht  jede  gäbe  durch  eine  üble  znthat  zu  min» 
dern.  nicht  dem  neugebornen,  vielmehr  dem  anwachsenden 
knaben,  in  seiner  gegcnwart,  wird  das  Schicksal  gcschafTen. 

Ich  finde  nicht,  dafs  in  unserm  ältesten  heidenthum  das 
fatum  aus  den  gestirnen  bei  der  geburt  beurtheilt  wurde, 
diese  Weissagung  (8.414)  scheint  erst  dem  spateren  MA.  be- 
kannt. Radnlphus  ardens  (ein  aquitanischer  geistlicher  des 
11  jh.)  sagt  in  seinen  homilien  (Antverp,  1576.  p.  41'*): 
cavete,  fratres,  ab  eis  qui  mentiuntur,  qiiod  qnando  quis« 
que  nascitur,  Stella  sua  secnm  nascitur,  qua  fatiun 
ejus  constituiiur ,  sumentes  in  erroiis  sui  argumentum, 
quod  hie  in  scriptura  sacra  (beim  stem  der  magier)  dicitur 
'Stella  ejus.'  Ein  beispiel  liefert  Klinsors  sternschau ung 
auf  der  Wartburg. 

Einzelnen  menschen,  wie  ganzen  geschlechtern  imd 
Völkern  war  also  dauer  und  heU  im  voraus  angeordnet.*) 
aber  die  ausspräche  der  nornen  und  gotter  lagen  gehüllt 
in  dunkel,  welches  sich  nur  vor  den  blicken  weiser  männer 
und  frauen  entdeckte  (s.  225.)  das  volk  glaubte  an  vor- 
herbestimmung der  geschicke,  wie  an  gewisheit  des  todes. 

Den  ü\\n,  fatalismns  bezeugen  folgende  stellen,  ^lagt 
er  alt  /or.'  Stern.  175*>-  *era  mcdh  löstom  lögdh  rcfi  ther.' 
das.  'sid  mun  gipt  lagidh  ft  grams  Bßfi.  179*»-  'nuinat 
slöpom  vinna.'  179**-  *var  ther  that  shapat,^  164^-  4liat 
verdlir  hverr  at  vinna  er  oetlat  er.'  *that  man  verdba 
fram  atkoma,  sem  cetlat  er.'  *ecki  man  mer  that  stodha, 
ef  mer  er  daudhinn  cetladhr.^  'koma  man  lil  min  feig" 
dhin  hvar  sem  ek  em  staddr,  ef  mer  verdhr  thefs  audhit^ 

*)  nicht  selten  an  den  besitz  gewisser  Sachen  gebunden :  ein  hori 
zieht  das  ganze  geschlecht  der  Nibehinge  ins  rerdirrben,  die  giibe, 
das  kleinod  der  zrverge  (s.  256)  l»edingt  den  glüokAtand  eiozeiaer 
famillen. 


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FATALISMUS  SOS 

Nialss«  p.  10»  23.  62.  103.  So  in  oincm  däo.  Volkslied: 
'bver  ekal  nyde  shiebnen  sin.^  DV.  1^  193. 

Nicht  anders  bei  mlid.  dichtem:  ^SAvaz  sich  8ol  Jüer 
gerif  wer  niac  daz  understdn?'  Nib.  1618,  1;  MÄ  sterbent 
wan  die  veigen^  Nib.  149,  2;  'ez  sterbent  uiuwan  die 
veigeriy  die  Itügen  doch  dd  heime  tiit.'  Wi^al.  10201;  *di 
veigen  fielen  dar  nider.'  Lanipr.  2031;  hinntrstiibet  ninian 
wan  di  veige.n^  pf.  Chuonr.  8403;  ^then  velge/i  inac  nie- 
man  behuoten,  tliiu  erlhe  ne  mag  in  niht  i^T  gehaven,  scol 
er  tba  werlhen  geslagen,  er  sliirve  thoh  thahoime,*  fr,  belli 
42**;  *8\vie  ringe  er  ist  der  veige  man,  in  inac  ros  noch 
enkan  nilit  vürbaz  getragen.'  Karl  72^;  Mie  veigen  muo- 
sen  ligen  lul.'  livl.  chron.  59**;  *der  veigen  mac  keiner 
genesen.^  das«  78»;  ich  enslerbej  niht  vor  mtnem  tac^ 
Herb.  53^;  'nieman  sierben  sol  wan  ze  siiiem  gesatten 
zilJ*  Ulr.  Trist.  2308;  *daz  aver  scol  werden  daz  rieniac 
nienian  er  uzenden.'*  Diut.  3,  71;  ^gemach  erwenden  niht 
enkan  swaz  dem  mau  gtsehehen  sol.^  Troj.  58*^;  *daz 
muose  weaen  daz.  geschach.'  Orl.  11167;  ^ez  geschiht 
swaz  geschehen  solJ*  Orl.  14312;  *ez  ergdt  doch  niht 
wan  als  ez  sol'  Trist.  6776;  ^swaz  geschehen  sol  daz 
füeget  sich.'  Fraueud.;  ^swaz  ich  getuon,.  bjin  ich  ge^ 
nislichy  icli  genise  woly  bin  ich  dem  \alle  ergeben, 
son  bilfet  mich  mtn  woltuon  nicht  ein  hdr.'  MS.  2,  129*; 
'ez  muose  sin  und  ez  was  mir  heschaj^en.^  AIS.  2,  134**; 
*diu  mjiget  was  in  beschaffen?  Wig^al.  ^002 ;  'ez  was  im 
hes/aht,^  Eracl.  2394;  *ez  was  uns  in  teile  getan.''  Herb. 
tl9**;  'ez  bl  mich  angebofn.^  Herb.  6^-  beschaffen  Mud 
heslaht  sind  identiscli  dem  altn.  slapat  und  astlat ,  und 
diese  gleichheit  der  worte  zeigt  noch  den  Zusammenhang 
mit  der  heidnischen  lelire.  selbst  hcu,ic  herscht  unter  dem 
gemeinen  mann  häufig  die  fatalistische  ansieht  (Jul.  Schmidt 
p,  91.  163.)  'fatuqi  in  vulgari  dicitur:  das  ist  mir  6e- 
scheert  j  ego  autem  addo:  das  besclieren  und  verdienen 
laufent  mit  einander.'  sermones  disc.  de  tempore,  sermo21; 
*was  bescheert  ist  entlauft  nicht.'  Schweinichen  3,  249.*) 

Au  sich  nun  schlössen  die  gaben  des  Schicksals  jegli- 
ches irdische  glück  ein.  allmiilich  aber  fieng  man  an,  was 
aufser  der  gcburt  und  dem  lod  im  uicnschlichen  leben 
heil  oder  unheilbringend  schien,  besonderen  wesen  zuzu- 
schreiben, wie  Grieclieu  und  Römer  neben  fiolQa  und 
fati^m  eine  eigenlliii milche  TtJ^fiy  und  Fortuna  behaupteten. 

*)  aiialiclies  glauben  die  Utthauer  und  Letten,  ihr  fatum  heif^t 
Vkkitnas^  liktens^  von  likt  (le^en,  ordnen.)  Äie  la^en  'tai  buwo  jo 
likkims*,!  ^tas  jaa  bija  winiiani  llktz",  das  war  iltni  bestimmt,  geordnet. 


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504 '  HBIL^         SMLDE 

Die  altn.  8praclie  unterscheidet  ein  fem,  heill  (feKctiaft) 
YOD  dem  neiitr.  heil  (omen),  ebenso  stellt  das  ags.  fcAi. 
haßlu  (salus)  von  dem  neulr.  lit^l  (omen),  das  ahd.  fem. 
heili  (salus)  von  heil  (omen.)  das  mhd.  neutr.  heil  verei- 
nigt beide  bedeulungen.  pcrsonificationen  dieses  begrifs 
kenne  ich  kaum  ,  es  müste  denn  eine  mir  unklare  stelle 
in  Ottoc.  683*>  darauf  beruhen,  wo  als  gemeines  spricli- 
vrort  angegeben  ist:  *chum  hail  hauenstain!*  JMS.  2,  130*: 
waz  ob  iuwer  heil  eime  andern  kumet  an  sin  seil.'  schon 
O.II.  18,  13  niiaz  heil  ni  gifahit  iuwilü' 

Desto  gew^öhnlicher  kommt  bei  den  dichtem  des  13  jk. 
scelde  (fortuna),  als  ein  weibliches  wescn  vor,  und  das 
ist  nicht  etwa  den  romanischen  nachgeahmt:  schon  das 
ahd.  sdlida  erscheint  in  gleicher  beziehung.  ein  ahd.  htiÜ- 
sdlidaj  mild.  wiUcelde  drückte  fatum,  fortuna  aus.  0. 1. 
26,  4  von  der  taufe  Christi  im  wasser  redend  bedient  sich 
der  merkwürdigen^  durch  keinen  geistlichen  schriflsLellcr 
in  ilim  angeregten  phrase:  Sid  wach^ta  all^n  mannoii  (biu 
Sdlida  in  tli^n  undon.'  wachen  setzt  leben  voraus,  noch 
deutlicher  geht  die  personificalion  aus  den  4  jhh.  jüngeren 
dichtem  hervor,  ^mser  Scelde  wachet.''  Parz.  550,  10; 
^zaller  zit  des  Saelde  wachet:  MS.  1,  16»»;  ^unser  Sielde 
diu  wil  wachen:  Trist.  9430;  <des  noch  stn  Soehle  wa- 
chet: Ernst  5114;  <ir  Scelde  wachet:  Am«b.  35*;  'dax 
mir  Scelde  wache:  das.  43»;  4ch  wten  sin  Scelde  shlfe? 
das.  44*;  *sd  ist  ijn  al  diu  Scelde  ertaget:  TrisU  9792; 
4u\ver  Scelde  wirt  erwecket:  Lohcngr.  19.  nicht  zu  über- 
sehu  in  allen  diesen  mhd.  belegen  das  possessiv  oder  der 
gen.,  die  S<eldc  eignet  sich  beslimmten  menschen,  schirmt 
und  beglückt  sie,  während  .sie  schlafen^  wie  mau  sagt: 
das  glück  ist  mir  im  schlaf  gekommen,  eine  so  gangbare 
redensart  brauchte  nicht  immer  zu  personificieren :  Maz  im 
sin  heil  niht  slief.'  Troj.  9473;  Tristans  gelücke  da  niht 
slief.'  Ileiur.  Tr.  2396.  ja  sie  wwde  auf  ähnliche  begriJe 
erstreckt :  des  wachet  sin  dre  u.  ouch  sin  lop.'  Amgb.  47'; 
•ir  miltc  wachet.'  Amgb.  12*»;  'ir  genilde  mir  muoz  v-i- 
chen.'  MS.  1,  33*;  'mtu  schade  wachet.'  Ben.  121;  *d^ 
kraft  mit  eilen  dö  niht  slief.'  Para.  85,  24;  obgleich  einige 
dieser  begriffe  persönlich  gemeint  sein  können ,  wie  im 
Tit.  720:  <nnn  Sorge  slafet,  8*5  dfn  Scelde  wachet:  Vid- 
leicht  ist  schon  in  der  edda:  ^pilhiörg  scal  vaha^  S««. 
46*,  so  gemeint,  man  mag  deuten  jucuuda  salus ^  oder  ein 
noni.  pr.  annehmen.  Frudhi  lafst  Fcuja  und  IMciija  goldt 
frieden  und  ghick  (gull,  fridh  oc  stclu)  malen  und  gesUl- 
tcl  ihnen   nur    kurze    nächtliche   ruhe:    sie    waclien^   uro 


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SiBLDB  505 

guck  zu  malen ,    wie  hernach  unheil  (salz)  für  M^tngr. 
Sb.  146.  147. 

Das  ist  aber  lange  nicht  die  einzige  anwendung  dieser 
personificatiou.     Saslde    heilst  frau^    sie  erscheint,   begeg- 
net,  neigt  sich  ihren  günstlingen  mit  dem  antlitz,  hürt  sie 
an  (wie  ein  gott  erhört),    lacht  ihnen  zu,    wen    sie    nicht 
mag,   den  meidet  und  flicht  sie,    dem    kehrt    sie  den    rü- 
cken zu.     wiederum  sagt  schon  0.  IL  7,  20    ^thiu  Sälida 
in   tliar  gagantä*   (eis  occurrit.)     Walther    singt  55,  35: 
\f"rd  Scelde  teilet  umbe  sich   und    l^ret   mir  den    riig^e 
Ziw,   si  st^t  ungerne  gegen  Tiiir,    sin  ruochet  mich  niht 
an  gesehen^;     ^vr6  Scelde    wil    dtn   pflegen.'     Ecke  160; 
*ob  vrouu^e  Scelde  mines  heiles  welle  ruochen.'  Ben.  425; 
'höBie  mir  diu  Scelde  ir  öre  baz  geneiget. ^  MS.  2,  220*>; 
*dö  was  mir    Scelde   entrannen.^  Parz.  689,  8;    ^Scelde 
was  »in  geleite'   Wigal.  8389;     'über  frö  Soelden    stec 
gäü.'  fragni.  46*;  'diu  Saide  folget  stnen  vanen.'    Lampr. 
2089;    mir   enwil    diu    Scelde   ninder  folgen    einen  fuoz.' 
Ben.  367;    *mir  ist  diu  Scelde  gram.'*  Gregor.  2341.  Diut. 
1,   10.     vgl.   En.    7659.      [frouu^e    Scelde    lachet    mir.' 
Ernst    4334;      ^Fortune   wolt   im   dd    niht    m^    gennedec- 
liclien    lachen,^    Troj.  5754;     ^daz    iuch  jrouwe    Scelde 
müeze  behullen^  (fövere).   Lohengr.  101 ;    und  gewis  noch 
in  ähnlichen  Wendungen,    die   wir   aus    den   heutigen  ent- 
nehmen :    das  glück  ist  ihm  hold ,   kehrt  bei  ihm  ein  y  ver* 
folgt  ihn  11.  8.  w.     auch  hier  findet  sich  schon    bei  den    al- 
ten dichtem  das  unbestimmte  neutrum :    *gelücke    hat    den 
nuwen  (nacken,  rücken)  mir  gek^ret'  LS.  1,238;    *hÄt  den 
luiwen   fioch   gegen   mir  endecket;    enblecket  gdii  mir   si- 
nen    zan;     zer    rechten    hende    griffen.'  LS.  3,  539;      *dd 
k^rte  von  im    u.  vlöch  gelücke.'   Troj.  5750.     Wir  sagen: 
'mein  glück  blühet,   wächst',  gleich  als  sei  es  gebunden  an 
einen  bäum»    ein  kraut,     'mein   glücke    das  blühele    nur.' 
Schweinichen  1,   170;    'gelücke  wahset    mit  genuht.'  Troj. 
5686;    *uns  ist  niht  wol  erschozen   gelücke.'   Troj.  12438; 
*got  wil  uns  sailde  lAzen  wahsen.'  Lohengr.  66.    der  si)rnch: 
Mas  glüuk  kommt  von  ungefähr   wol  über  neunzig  stau» 
den  her.'     Simplic.  2,  158  drückt    sehr  gut   die   plötzliche 
begegnung    und    Überraschung,   den  zufall    des  glucks  aus, 
worauf  sich  selbst  der  name  rv'/y  (von  Tvyuv,  Try^arhiv) 
und  fortuna  (von  fors)  gründet,   waiirscheinlich  sind  manche 
jener  rcvlensarten    von    den  alten    zu  uns  gekommen    oder 
wü*  haben  sie  mit  ihnen  gemein. 

Für  entlehnt   halte   ich    die    überaus   verbreitete    Vor- 
stellung des  glucks  auf 'binem  sich  wälzenden  rade  (x(/A/»'- 

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SOS  füMum 

igos)i  welches  derTyche  und  NemesU  beig^gt  wurde.*) 
^stans  in  orbe  dea.'  Ovid.  ep.  ex  Ponto  II.  3,  56;  '/or- 
tunae  rotam  perdmescebaf ,  Cic.  in  Pison.  10.  Aus  unsem 
1\IA.  habe  ich  erst  beispiele  seit  dem  12  jh.  angemerkt: 
^orbita  Fortunae  ducit  utroque  rolarnJ  Reinard.  1,  1494, 
wo  aber  die  bessere  Variante:  ^orb'ita  Fortunae  ducit  ö- 
tramque  viam.'  Wolubilis  Fortunae  rotnJ*  ßodulfus  chroa. 
Trudonis  p.  381.  'swaz  ie  geschult  daz  st^t  an  gliukes 
rade.^  Freid.  110,  17;  *daz  im  der  sceleteit  rat  mit  wil- 
len umbe  lief.'  Troj.  9471;  *jä  walzet  ir  (der  Sielde)  ge- 
lUt'kes  rat  vil  slscleclich  Af  und  nider,  her  u.  hin,  dan 
u.  wider  loufet  ez.'  Iroj.  2349;  *im  dienet  daz  ge/iicles 
rat,  daz  im  nüch  ^ren  umbe  lief.'  Troj.  7229;  ^gelückes 
rat  louft  uns  die  sumer  und  die  winder.'  Lohcngr.  119; 
min  schtbe  gat  ze  wünsche.'  Ben.  353;  *dem  g^t  sin 
schfbe  enzelt.'  Ben.  360;  Vol  gie  tr  schtbe.'^  Lohenfr. 
146;  *gie  für  sich.'  das.  189;  *si  vuoren  üf  geläcies 
rade^  Flore  844*  Inzwischen  wallet  ein  wesentlicher  un- 
lerschied  ob.  die  alten  dachten  sich  ihre  göttin  auf  dem 
rade  sleheud**),  den  ful's  auf  das  rad  stellend,  und  darum 
unstät;  im  miltelalter  nahm  man  an^  Saslde  setze  die 
menschen  auf  das  rad,  und  lasse  den  begünstigten  oben 
schweben ,  den  elenden  unten.  *s6  stige  ich  üf  u.  ninder  abe.' 
Parz.  9,  22;  ^gelücke  ist  rehte  als  ein  5a/,  swer  sliget 
der  sol  vürhten  val.'  Freicl.  115,  27;  so  hangen  ich  an 
dem  rades  teile,  da  maneger  hanget  Ane  triist.'  Ben.  88; 
*^  daz  der  Scelden  ***)  schtbe  mich  liin  verdrücke  gar  zuo 
der  verzalten  schar.'  Ben.  91;  'si  wären  höhe  gar  gestigen 
uf  des  ....  gelliches  rat,  nü  müezens  leider  von  der  stat 
aber  nider  rücken.'  Flore  6124;  *swer  hiute  sitzet  uj  dem 
rade  der  sigct  morgen  druuder.'  Troj.  18395;  ^Fortuna 
diu  ist  sii  getun,  ir  schtbe  lilzet  si  umbe  gdn ,  umbe  lou- 
fet ir  rat  ^  dicke  vellet  der  da  vaste  saz.'  Lampr.  Alex. 
3066.  Weiter  ausgebildet  stellt  diese  ansieht  vier  oder 
zwölf  männer  zugleich  auf  das  glücksrnd  in  bestandigem 
Wechsel:  ^geläckes  rat  treit  vier  man,  der  eine  sltgel  üfj 
der  ander  stiget  abe ,  der  dritte  ist  obe,  der  vienle  der 
ist  under.'  MS.  2,  221»;     W'igal.  p.  41   wird  erzählt,    dafs 


•)  O.  Müllers  archäol.  60T. 

••)  auch  peiitam.  5,  9  eine  'veccliia  seduta  ncoppa  na  rata'  »1« 
Fortuna. 

•'•)  gen.  sg.;  zeichen  der  personification  ist,  dafs  das  sonst  stork- 
rörmige  fem.  saelde  als  name  schwache  form  annioioit,  da  voraHscb 
ausgehende  weibi,  namen  nur  schwach  declinieren,  vgl.  Scelden  Paii. 
688,  30.    Troj.  2344. 


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SMLÜE  S07 

sicli  jemand  in  seinem  liaiie  ^in  solches  rad  aas  gold  habe 
giefsen  lassen  und  immer  gUickseelig  gewesen  sei  (wie  Frode 
mit  seiner  gHicksniiile,  die  gleichfalls  gedreht  wurde): 
^eia  rat  enmitteu  üf  dem  sal»  daz  gie  üf  und  ze  tal,  dd 
w^ren  bilde  gegozzeii  an,  iegelichez  geschaiTen  als  ein  man. 
hie  sigen  diu  mit  dem  rade  nider,  so  stigen  diu  ander  Af 
wider,  daz  was  des  geluchea  ratJ**)  Im  Renart  le  nou- 
vel  7941  —  8011  erhebt  Fortune  den  fuchs  oben  auf  ilir 
rad  und  verheifst  ihm  es  nicht  zu  drehen.  Hierher  auch 
die  sage  von  den  zwölf  landsknechten  oder  Johannesen 
auf  dem  giuckarad  (deutsche  sag.  no.  209.  337.)  Bund, 
mit  verbundnen  äugen,    wird  Saslde  nie  dargestellt. 

Viel  bedeutsamer  als  dieses  rad,  das  die  ältere  Sä- 
hda  wol  noch  nicht  hatte  (einen  ganzen  wagen  ihr  beizu- 
legen wäre  heidnischer),  scheint  mir,  dafs  sie  kinder  an~ 
nimmt,  ihre  lieblinge  für  ihre  söhne  erklärt.  *ich  bin 
euch  in  frd  Salden  svhöz  geleiV  fiagm.  45**-  ein  schofs- 
lind  des  g/iickes,  ein  gluckskindy^ein ,  dem  glück  im 
nchofse  sitzen  bezeichnet  vorgegangne  adoption  (goth* 
frasüsibja,  Rom.  9,  4.)  vgl.  RA.  160.  463.  464.  solch  ein 
auserwählter  heifst  Mer  Saslden  harn!  Bari.  37,  36.  191, 
38.  Wie  nun  Wuotan  die  stelle  der  begabendeu  norn  (s. 
501),  so  vertritt  er  auch  die  der  Stelde,  er  selbst  ist 
alles  heiles  Spender;  er  nimmt  kinder  in  seinen  schofs 
auf  (s.  474),  darum  ist  völlig  identisch  mit  Saelden  harn 
*daz  IV arisches  harn^  an  dem  der  fVunsch  was  volle 
varn.'  Orl.  3767;  'der  Wunsch  im  niht  gebrechen  liez, 
dd  von  man  des  TVunsches  kint  den  stolzen  hiez.'  Lo- 
hengr.  157 ;  'der  TVunsch  ist  ir  ze  kinde  vru'  (oben  s. 
100);  *des  Wunsches  ein  ameige.^  Wolfdielr.  970.  Sd^ 
lida  kann  hiernach  als  ein  blol'ser  ausflufs  des  Wuotan 
(s.  99.  100)  betrachtet  werden. 

Glückskind  war  Fortunat,  dem  in  einem  bretagni- 
schen  wald  Fortuna  erscheint  und  ein  gefeites  seckel 
schenkt,  der  auch  das  wünschhüt/ein  (souhaitant  chapeau), 
durch  dessen  aufsetzen  man  augenblicklich  an  einen  fernen 
ort  verschwinden  kann,  erwirbt.  olTenbar  der  hut  des 
Wunsches  oder  fVuotans  (s.  261),  der  federhul**)  Her^ 
Tnesj  des  gebers  alles  guten,  aller  sailde.***)  An  die 
wünschelruthe    aber    erinnert    die     synonyme    bcnennung 

*)  'hier  geht  die  weit  auf  and  nieder*  Reineke  5804  bezieht  sich 
wahrscheiulich  aaf  das  glucksrad,  nicht  aber  das  Mi  ans  vet,  li  au- 
tre«  vient*  Reiiart  6H99.  14352. 

*')  nhaaoq^  vgl,  nhofiai  und  nxtQov, 

***)  dmxmQ  tatav,    O.  Muüers  archäol.  p.558. 


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608        GLÜCKSHAUBE       SCHUTZENGEL 

»alles  helles  ein  wiinsclielrta^  Troj.  2216;    des  JVunschet 
bluome:  Bari.  274,  25. 

Das  volk  hält  für  glUchahinder  die  um  ibr  häupllein 
eine  haut  gewunden  mit  auf  die  weit  bringen,  diese  haut 
heifst  glücta/uiube ,  wehmutterhäublein^  und  wird  sorg- 
sam aufgehoben  oder  in  ein  band  vernäht  dem  kind  um- 
gehäogt.*)  Fischart  Garg.  229*»  nennt  sie  hinderpdglin^ 
den  Isländern  aber  führt  sie  den  namen  fylgjci  und  sie 
wähnen,  in  ihr  habe  der  schulzgeist  oder  ein  iheil 
der  seele  des  hinds  seinen  sitz :  die  hebammen  hüten 
sich  sie  zu  scliädigen  und  graben  sie  unter  die  schwelle 
ein,  über  welche  die  mutter  gehn  mufs.  wer  diese  haut 
sorglos  wegwirft  oder  verbrennt,  entzieht  dem  kind  sei- 
nen Schutzgeist.**)  ein  solcher  Schutzgeist  heifst  ß'lgj^ 
(weil  er  dem  menschen  folgt)  oder  hamingja  (felicitas) 
von  hamr,  induviae,  ja  dieses  hanir  für  sich  scheint  das 
uemliche  zu  bedeuten:  ^hamr  Atla',  genius  Atlii,  Saem. 
253**-  nach  Ihre  (de  superslit.  p.  24.  25)  bezeichnet  das 
schwed.  Jianin  einen  genius,   der  jedem  menschen  folgt. 

Der  wesentliche  begrif  eines  Schutzengels  ist  das 
angeborensein  y  dadurch  unterscheidet  er  sich  voq  dem 
liausgeist  (genius  familiaris),  der  sich  einem  einzelnea 
menschen  ergibt,  aber  nicht  von  der  geburt  an.  Berlliold 
predigt  (p.  209):  'als  daz  kint  lebende  wirt  an  siner  iiaio- 
ter  libe,  so  giiizet  im  der  engel  die  sile  in^  der  al- 
mehlige  got  giuzet  dem  kinde  die  s4le  mit  dem  engel 
in";  und  Bernardus  (sermo  12  in  psalm.  qiü  habitat):  *q«o- 
ties  gravissima  cernitur  urgere  tentdlio .  et  tribulalio  vehc- 
meus  immminere,  invoca  custodem  tuum^  doctorem  tuuuu 
adjutorem  tuum.  in  opporUinitatibiis,  \\\  tribulatione,  in 
quovis  diversorio,  in  quovis  angulo  angelo  tuo  reveren- 
tiam  habe,  tu  nc  audeas  illo  praesente^  quod  videale 
nie  nou  auderes.'  ich  will  noch  eine  stelle  aus  ]V.  Cap. 
137  herschreiben:  'all^n  menniskön  wirdet  suuderig  unde 
gemeine  huotdre  gesezzet.  ten  heizen t  si  ouh  ßi/itäre 
(p (lichter),  wanda  er  alles  werchcs  fliget.  ten  gemeinen 
belunt  tie  liute  samcnt,  uudc  Ane  dat  iogelih  ten  sinen. 
föne  diu  heizet  er  genitts ,  wanda  er  genitis  sdr  gfg^ 
ben    wirt    ze   flilile.       tiser   huotäre    unde     diser   getri^^o 


•)  Kttners  iKbamme  p.  534.  Journal  v.  u.  f.  D.  1788.  1,  Ä«** 
in  Holland  »ny^i  man  *'met  den  heim  geboren  zio'»  solche  kiurier  fc*" 
lien  itie  gäbe  ge^pe.ister  zu  seilen,  ein  ham  (ovum)  worin  ein  HjUeo 
%nr  weit  kam,   hängt  man  in  einen  hohen  bäum.  Westendorp  p. 51S. 

**)  edda  Ssm.  hafoieo».  2,  653. 


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SCHUTZENGEL  509 

braoder  beliuotet  iro  sdlil  unde  iro  sinna  allero.  wandä 
er  oiicli  tougeue  gedaiiclia  gote  cliuudet,  pediu  iiiag  er  ioli 
aiigelus  heiaeil.'*)  Diese  von  der  kircbe  zum  iLeil  bei- 
behaUuc  lehre  scheint  sich  mit  jenem  gröberen  eiuheinü- 
sclien  aberglaubcu  von  schütz  und  folgegeistem  gemengt 
zu  habün.  Caesar,  heisterb.  8,  44  nimmt  einen  guten  und 
hösen  engel  jedes  mensclien  an,  der  iJim  heil  oder  uu- 
beil  zu  scbalTen  suche,  in  gewissem  belracht  waren  auch 
die  valhyrien  schutzgeisler  der  beiden  (s.  487.)  von  den 
erschlagnen  heifst  es  (klage  922):  Hr  engel  vil  wol  wi- 
8len  war  ir  sde  soUen  komen.'  ^zuo  im  was  geweteii 
ein  engel,  daz  im  niht  geschach.'  Geo.  3205;  'als  im  stn 
engel  gap  die  löre.'  Kolocz.  148;  *daz  iuch  min  engel 
griieze!'  das.  102  und  anderwärts:  *daz  iuwer  mtn  engel 
waUe!'  schöne  ausdrücke  für:  ich,  im  innersten  meiner 
Seele.**) 

Nialssaga  cap.  101  lafst  sich  ein  Heide  taufen,  erst 
aber  zusichern ,  dafs  der  h.  Micliael  (der  seelenemp fanger 
8. 484)  durch  die  taufe  sein  fylgju  engill  w^erde. 

Ein  dem  tode  naher  schaut  vorher  seinen  engel:  ^thu 
manl  vera  feigr  madhr ,  oc  munt  thü  s^dh  hafa  fylgjiff 
tliina^  Nialss.  cap,  41.  ganz  folgerichtig,  da  durch  des 
menschen  tod  das  band  zwischen  ihm  und  seiner  fylgje 
gelöst  wird.  Nach  norwcg.  Volksglauben  zeigt  sich  die 
folgte  gern  in  der  gestalt  eines  thiers,  das  zu  der  Sin- 
nesart eines  menschen  stimmt,  dem  sie  angehört.  Faye 
p.  77.  Sollte  nicht  in  der  nord.  grammatik  die  eigenthüm* 
Uchkeit  beim  schmeicheln  und  schelten  das  possessive  slalt 
des  persönlichen  pron.  zu  setzen  aus  dieser  idee  von  fol- 
gegeistem herzuleiten  sein? 

Ob  sich  die  nord,  benennung  fylgjci  in  dem  fyelgie 
eines  ostdeutschen  volksdialects  wiederfindet,  wodurch 
mummerei,  Verkleidung  in  einen  geist  bezeichnet  wird***)i 

*)  die  lat.  worte  lauten:  et  generalis  omnium  praesul,  et  tpe<- 
Cialis  8ingulis  mortalibiis  genius  admovetur,  quem  etiam  praeslitem^ 
quod  praesit  gerundis  omnibus,  vocaverunt.  nam  et  poptili  genio, 
quam  generalis  poscitur,  supplicant,  et  unusquisque  guberuatori  pro- 
prio depeudit  ob^equium,  ideoque  genius  dicitur,  q«oniani  tjuutn 
V«M  hominufti  genilus  fueritt  tnox  eidem  copulotur,  hie  tutelator, 
tidissimusque  germanus  auimos  omnium  mentesqae  cuätodit.  et  quo* 
niam  cogitationum  arcana  superae  annuntiut  potestati,  etinm  angelt/s 
potent  uuorupari.  vgl.  Porpliyrius  in  vita  Piotini  p.  14.  Plutarch  in 
Vita  Antonini  p.  430. 

")  vgl.  H.  Sachsens  gedieht  'die  engeU  hat'  ond  Men  lockigen 
knaben'  in  Hebels  karfuukel. 

**')  Meinerts  kubländchen ,   vorr.  p.  111. 


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510  SfiLDE 

bleibe  dahingestellt.  Sicherer  bin  ich,  dafs  [die  altn.  Aa- 
mtngjor ^  die  schon  Saeni.  37**  93^  vorkommen,  unserer 
persouificierlen  soelde  sehr  nahe  stehen:  auch  hamingja 
bedeutet  foitnna,  felicitas,  hernach  aber  ein  beglückendes, 
begabcndes  wesen,  das  zwischen  parze  und  Schutzgeist 
die  mitte  hält,    vgl.  Laxd.  saga   p.  441. 

Auch  den  Siaven  reichen  die  begrilFe  glück,  zufall, 
Schicksal  nahe  an  einander,  wesen,  den  parzen  und  nor- 
nen  vergleichbar,  entbehrt  ihre  mythologie.  für  glück 
haben  die  Serben  sretja^  die  Slo venen  yre^Aa  und  per- 
sonificieren  wiederum :  dobra  Sretja  (bona  Fortuna)  ist 
ihre  aya&'^  Tvyfjf  ihre  fru  Saelde.*)  nähere  umstünde 
müste  uns  erst  Viik  aufzeichnen.  Mehr  entspricht  die 
lettische  Laima  (s.  234)  der  parze  oder  möre.  sie  heifst 
mahmina,    d.Lmutter,    göttin. 

Die  schicksalsgöttin  hat  sowol  gutes  als  böses  in  ih- 
rer band,  es  bedarf  keiner  eignen  Vorstellung  des  Un- 
glücks, unsere  älteren  dichter  pflegen  aber  auch  dieses 
mehr  oder  weniger  persönlich  aufzufassen,  ^unscelde  hat 
Af  mich  gesworn.'  Gregor  2341  (wie  der  Tot,  s.492); 
^unacelde  hÄt  mich  beddht.'  Troj.  17105;  ^dln  heil  sin  w/?- 
gelUcke  begonde  erwecken  harte.'  gold.schm.  1306;  ^überin 
het  ge-sworn  siues  Itbes  unlieiV  klage  1240.  Näherer  angäbe 
werth  ist  eine  besondere  dichtung:  ein  armer  ritter  sitzt 
im  wald  spärliche  kost  verzehrend,  da  erblickt  er  über 
sich  auf  dem  bäum  ein  uneeheures  wesen,  das  ihm  zq« 
ruft  ^ich  bin  dtn  ungelüclce.^  er  lädt  es  ziun  mitessen 
ein,  kaum  aber  ist  es  herab  gestiegen,  so  packt  ers  fest 
und  schliefst  es  in  einen  ^eicher'  (holen  eichbaum?)  von 
nun  schlägt  ihm  alles  zu  glück  an  und  er  macht  kein 
hehl  aus  der  begebenheit.  einer  seiner  neider,  um  ihn 
wieder  ins  elend  zu  stürzen,  geht  in  den  wald,  und  ent- 
bindet das  Unglück]  statt  aber  sich  von  ihm  forttragen 
zu  lassen,  hockt  es  auf  des  verräthers  eignem  hals,  völ- 
lig in  koboldischer  weise« 


*)  ein  übler  irtham  hat  sich  ihretweg;en  eingeschlichen,  in  As- 
tons  versacli  1,  50  wird  eine  dalmatische  gOttin  Dobra  Frichia  anfge- 
fQhrt,  nach  ihm  von  Karamsin  (original  1,  85.  fibers.  1,  69)  w 
wer  weirn  von  andern,  dies  beruht  auf  einem  drackfehler  der  verdent- 
ichung  von  Fortis  viaggio  in  Dalmazia.  Venei.  1774;  der  ital.  teit 
hat  1 ,  74  ganz  richtig  Dohrasrichia,  Ich  warne  also ,  die  fiUscbe 
Frichia  unserer  fru  Freche  (s.  198)  za  vergldcfaen. 


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GESPENSTER  511 


CAP.  XXIV.    GESPENSTER. 

Das  XXI  cap.  hat  die  seelen  im  zustande  ihrer  tren- 
nung  von  dem  leib,  und  ihrer  überfahrt  nach  einem  an- 
dern aufentlialt  betrachtet:  das  sind  die  beruhigten ^  in  die 
unterweit  oder  den  himmel  aufgenommnen  seelen.  fortan 
steliu  sie  nur  in  einer  allgemeineren  Verbindung  mit  der 
erde  und  den  lebenden ;  ihr  andenken  wird  durch  feste, 
walnsclieinlich  wurde  es  im  alterthum  auch  durch  opfer 
gefeiert.*) 

Hiervon  unterscheiden  sich  solche  geister,  die  nicht 
oder  nicht  vollkommen  der  seeligkeit  und  ruhe  theilliaft 
geworden  sind,  sondern  zwischen  hünmel  und  erde  schwe- 
ben, zuweilen  aber  an  die  alte  statte  ihrer  heimat  zurück- 
kehren, diese  erscheinenden,  wiederkommenden  seelen 
nennen  wir  gespenster. 

Jene  ruhigen,  seeligen  geister  der  verstorbnen  benennt 
der  rümische  Sprachgebrauch  nianes^  die  unheimlichen, 
quälenden  erscheinungen  hingegen  leniures  oder  lan^ae; 
obwül  der  ausdruck  '^^'r'inVitiiiiimJ  7'"^^  - — •"^^  gespenstige 
Wesen  bezeichnen ,  lemures  allgenWfiBi^iijIgmeo  werden 
kann.**)  lari^a  verrath  berührung  mit  lar  (T.  2S^^»uuä, 
die  freundlichen,  gütigen  lares  wurden  häufig  als  manes, 
als  seelen  abgeschiedner  vorfahren'  gedacht.  Auch  in  un- 
serm  deutschen  Volksglauben  läfst  sich  Übergang  der  see- 
len in  gutmütige  hausgeister  oder  kobolde  nachweisen  ***), 
noch  liäuliger  hängen  quälgeister  und  gespenster  zusammen.-}-) 

*)  zwischen  dem  ctiristliclien  allerseeleniag  (2  oov.) »  an  dem  das 
Volk  die  Icirchhöfe  bej»uciit  und  die  gräber  bekränzt,  und  den  römi- 
seilen  drei  festtagen,  an  welchen  sich  die  unterweit  öfnete  (^mundus 
potei)  und  die  manes  emporstiegen  (Creuzer  2,  865.  O.  Müller 
Btnisk.  2,  97.),  erscheint  ein  Zusammenhang. 
••)  Creuzers  syrab.  2,  830  —  866. 

***)  ich  beschränke  mich  hier  auf  eine  hessische  volkssage.  Kurt^ 
ein  Pächter  zu  Hncfiborn,  wich  auch  nach  seinem  tode  nicht  von  dem 
gehörte  und  mischte  sich  als  guter  geist  in  die  feldarbeiten.  in  der 
Kheune  half  er  dem  knecht  die  garben  vom  gerüste  werfen,  wenn  der 
knecht  eine  geworfen  hatte,  warf  Kurt  die  andere,  als  einmal  ein 
fremder  knecht  hinauf  gestiegen  war,  half  er  jedoch  nicht,  und  auf 
den  nif  «Kart  wirf!'  ergrif  er  den  knecht  und  warf  ihn  die  tenne 
benib,   dafs  er  die  belne  brach. 

f)  Isengrim  rerwandelt  sich  in  Agemond  (8.291.) 


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513  GESPENSTER 

Da«  alid.  fem.  lispanst  liiefs  eigeutlich  eingebung  (s^ 
gestio 9  von  spanan  suggerere),  da  aber  in  den  beichtfor- 
meln  viel  von  teuflischer  eingebung  und  Verlockung  gere- 
det wurde*),  gewöhnte  man  sich  an  die  bedeutung  vou 
geisterhaftem,  täuschendem  trug.  Boner  94,  54  setzt  'diu 
gespensf  (warum  iiiclit  gcspanst?)  für  fantom,  geislercr- 
scheinung.  Wann  spälerJiin  das  neurrum  geapenst  auf- 
kam, vermag  ich  nicht  genau  zu  bestimmen:  Keiserspcrg 
(omeifs  39)  hat  schon  das  gespenst  (praestigium),  erst  in 
den  letzten  jhh.  wurde  der  ausdruck  recht  gewöhnlicli, 
einige  schrieben  gespengst**) 

Wir  sagen  auch  spuk;  das  ist  ein  nd.  wort,  dem  ich 
zuerst  in  dem  chron.  saxon.  bei  Eccard  p.  1391  begegne, 
wo  spöhne  steht;  heute  sp6h,  nnl.  spook^  spootze/, 
scliwed.  spok,  dän.  spögelse  (spectrijm)  ^pög  (jocus);  wo- 
für also  ein  mhd.  spuochy  nhd.  spuch  er>varlet  werden 
sollte,    aber  nirgends  vorkommt. 

Bezeichnender  ist  das  altn.  fem,  aptragdnga  (Laxd. 
saga  p.  224),  gleichsam  auima  rediens,  dän.  gienpird^ 
gienganger^  franz.  rei>enant\  vgl.  die  redensart:  es  gdit 
um  (es  spukt);  at  hann  gengi  eigi  daudhr.  fornald.  sog. 
2,  346. 

Das  eigentliche  altn.  wort  ist  drarrgr  (forum,  sog.  3, 
200),  Odhinn  heifst  draiiga  drottinn  (Yngl.  saga  cap.  7\ 
der  grabhügcl  drayj^Iui^  (Saim.  169*'-.)  diese  beuenouug 
hat  sich  in  Schweden  und  Dänmark  verloren,  dauert 
aber  im  norwcg.  droit ^  droug  (Hailager  20<^)  drangt 
scheint  gleicher  würzet  mit  dem  ahd.  gitroc  ^  mhd.  ge-* 
troc,  d.i.  trugerscheiuung,  trugbild,  fantom,  welches  von 
elblschen,  teuflischen  wesen  gilt  (s.  261),  aber  ein  verbnm 
driuga,  triegen  (fallere)  ahd.  triokan  ,  tr^c  geht  der  nord. 
Sprache  ab.***)  Die  edda  bietet  auch  das  analoge  svii 
(fallacia,  frans)  im  sinn  einer  gespenstigen  gaukelci  dar. 
S(cm.  166*>  167^«  Nichts  anders  bedeuten  die  s.  273  an- 
gegebnen ausdrücke  ^««rf/z ,  und  scfnleih,  sie  können 
sich  auf  gespensler  wie  auf  waldgeister  beziehen. 

Die  glossen  liefern  manche  alle  Wörter  für  das  Itt. 
larva.  schon  die  florent.  982*»  talamasga  und  eine  sp8* 
tere   mnl.  samlung   Diut.  2,  220    talmasge^    auch  Kilian 


•)  von  de«  tenfels  gespcnste  (Oberlins  bihtebnoch  36.) 
••)  Frisch  2,  302a,   liem  al)er  das  lat.  spectrum  verwandt  Sfhdnt 
•••)  dai  buchstäblich  eoteprecheude  ag».  dreogan,   dreali  bedeutet 

nie  fallere,  sondern  agerei  patrare,   tolerare,    aad  dazu  stimoit  du 

aftn.  driugr  (frequens.) 


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GESPENSTER  IRWISCHB:  61S 

bat  talmaache  larva,    talmaschen  larvam  induere,  es  iai 
das  altfranz«  talmache  und  tamaache  bei  Roquefort»    der 
es  masque,     faux  visage    erklärt,     talmache    de   vaisseau 
beifst   ein    am    schif  angebrachtes   bild/)      andere  glossen 
geben  yZa//ie,    und  acrat^   scraz   (8.271.)     mummel   ist 
larve  und  kobold  (s*  288.)     alles    was    nicht   geheuer   und 
schreckhaft    drohend  ist,    monstruoi,    prodigium,   porten- 
tum 9   praestigium  erreicht  auch  den  begrif  eines  gespensts. 
getwäs  (s.  261)  stimmt    zu   dem  litth.  du^ase   (gespenst.) 
Martina  10  liest  man:  daz  geschnideL     Slald.  2,  27.   59. 
64   hat   das  nachthur.i^    das  ghiidi,     altn.  ist  vofa  spe- 
ctrum,   von  vofa  ingruere,    iraminere;    der   draugr    heifst 
auch  dölgr  (£eind)  fornald.  sog.  2,  368.    forum,  sog.  3,  200. 
Merkwürdig  ist    nun,    dafs   schon   die    altn.    draugar 
von  feuer    umgeben    dargestellt    werden:     'hauga   eldar 
brenna.'  fornald.  sog.  1.  434;     üupu  upp   hauga  eldarnir.' 
das.  1,  518.     Noch   jetzt    ist   in  ganz  Deutschland   Volks- 
glaube,     dafs    Seelen,    die    der    himmlischen    ruhe    nicht 
tbeilhaft  geworden  sind,  in  feuriger  gestalt  **)  bei  riScht- 
licber  weile,  gleich  irrendem  gevögel  (s.  478),  auf  feld  und 
wiesen   schweifen,    vgl.   wieaenhäpfer  s.  479.     den  wan- 
dersmaiin,    der   sie    für  dorflichter  nimmt,    leiten   sie   ab 
vom    rechten   weg,    bald    sich    entfernend,    bald    wieder 
nähernd:    wie  kobolde   hocken  sie  auf  (abergl.  611)   ui^d 
schlagen  über  dem  menschen   ihre  flügel   zusammen  (deut- 
sche sag.  no.  276) ;    sie  füluren  id  sümpfe,  auf  falsche,  irre 
spur,    hirrligapor  (St.  2,  45),   gerade   wie    der   butz    (s. 
288«)     der  wanderer  sucht  wenigstens   mit  einem  fufs   im 
wagengeleise  zu  bleiben  und  setzt  dann  sicher  seinen  weg 
fort,    denn  die  irwische  haben   nur  macht  auf  fufssteigen. 
Diese  erscheinung    hat  eine   menge   namen.     der  gewöhn- 
lichste ist  irlicht  oder  irwiach  von  der  älinlichkeit  bren- 
nender Strohwische,  am  Rhein  auch  heerwiacht  östr. /ew- 
riger  mann^    fuchtelmann    (Höfer  1,  251)    von    fuchteln, 
bin  und  her  bewegen,  eigentlich  die  flammende  klinge.'^**) 


*)  Ducange  s.v.  talamasca^  nhfta,  delasio  imaginaria,  dazu 
wird  angeführt  Hincmar  in  capit.  ad  presb.  dioec.  cap.  14.  Regino  1, 
213  und  Barchardus  wormat.  2,  161  wo  es  heifst:  larvas  daemonam, 
qau  Tulgo  talamascas  dicant  ante  se  ferri  consentiat.  geschöpft  ans 
dem  concil.  namnetensi  cap.  10.    vgl.  Schmeller  2,  640. 

**)  in  der  Lausitz  heifst  feuermann  was  sich  bei  nachtzeiten  nm 
die  Wipfel  der  waldbaume  sdiwingt,  Ignis  lambens.  lans.  monatsschr. 
179T   p.T49. 

***)  solche  feurige  dünste  setzen  sieb  auch  anf  den  nuut  der 
schiffe^  die  spieße  der  krieger,    jenes  nannten  die  alten    nach  den 

83 


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SU  IRWISCHE 

bei  Pictoriüs  p.  534  zensier ,  Ton  zeuseln ,  zusein ,  mit 
feuer  tändelu,  sonst  auch  z'dnsler y  zündler y  bei  Fisdiarl 
zunselgespenst  (Garg.  231^  vgh  Höfer  s.v.  ziuserl.  jN'ie- 
derd.  glöiniger  (glühender)  man ;  l'uckeboUl,  tiikkebode, 
nicht  von  tücke ,  bosheit ,  sondern  von*  tuk  (hastige  hewc- 
gung,  Reinh.  p.  109)  oder  zucken^  hin  und  herfahren, 
vgl.  das  hd.  ziebold  (Schmetterling.)  westfäl.  smalgenfdr^ 
was  ich  kaum  verstehe,  allgemeiner  bekannt  sind  du^er- 
licht  (wirbelnde  flamme),  eljlichly  dtvellicht  (von  dwe- 
'  len,  dwalen,  irre  gehn),  nnh  du^aallic fit ^  drog licht  (wie- 
der: triegendes)  drogjachel ;  dän.  lygtemand  (leucble- 
mann)  und  i'ä/^e/y«  (geislerlicht),  schwed.  lyseld  und 
lyktgubbe ;  engl,  mit  dem  bezug  auf  menschennamcn,  der 
auch  bei  hausgeistern  gilt  (s.  287)  fVill  with  a  wisp 
(Strohwisch),  Jach  in  a  lanthorn,  lat.  ignis  Jatuus  (ann. 
corbei.  a.  1034),  ir;iaz.  feu  Jollet  (folUs  6.2S9),  Ja rJadeU 
aauteraiy  nach  den  mem.  des  ant.  4,  406  auch,  mir  un- 
verständlich, quela.  sloven.  vejha  (Schmetterling,  hexe), 
8inotaua  (von  smota,  error),  slep  ogeni  (blindes  feuer); 
böhm.  s(v^.tylko  (lichllein),  bludicka  (von  blud  errw), 
poln.  blcdnica$  lausitz.  bludne  swieczke.  Aus  unsrer 
alten  spräche  weifs  ich  die  nameu  nicht,  es  müste  denn 
irreganc  und  girregar  in  einer  königsb.  hs.  (gnmdr. 
345)  hierher  gehören?  aber  Ls.  2,  314  ist  Irreganc  was 
anders.  Nahe  bcrührung  mit  wichten  und  elben  zeigen 
vättelys  und  elj lichte  uild  das  scheinen  die  ältesten  aus- 
drücke. 

Früher  hatten  diese  irlichler  ohne  zwei  fei  eine  wei- 
tere bedeutung,  heute  wird  sie  hauptsachlich  auf  zwei 
arten  unseliger  geister  eingeschränkt,  auf  die  seelen  ange^ 
taujter  kinder*)  und  solcher  menschen,  die  bei  ihren 
lebzeiten    am    ackerjeld   j regelten  j    die    heüigkeit    der 


Dioskoren,  den  neueren  heifst  es  fea  de  S.Elme.  für  die  flamaMH 
Speere  habe  icli  alte  Zeugnisse:  'signa  railitum  arsere^  'pila  miliiwi 
arsere'  Tac.  ann.  12,  64.  15,  7;  Muae  poerorum  ianceae  emissis 
flammis  lumen  euntibus  praeboerunt,  ibantqiie  fulgurantes  bastae.' 
Greg.  tur.  mirac.  Mart.  1,  10.  Miyr  hann  heitir,  enn  bann  lenj^i  moB 
ft  brodds  oddi  bifaz.'  Saem.  110^;  <af  geirom  geislar  stddbo.^  Sc»- 
151b.  ein  jfingeres  beispiel  in  Zeillers  miscell.  Nurnb.  1661  s.  143. 
144.  deutsche  sag.  no.  279.  bezug  auf  seelen  ist  hier  nirgesds. 
wol  aber  gelten  die  ßtegenden  slerne  für  seelen  (s.  415).  selbst  d« 
Grönländern  (Majers  myth.  lex.  2,  240)  und  Mongolen  (BergotBo 
3,42.) 

*)  brannschw.  anz.   1760.   no.  86,  35.    Praetorii  weltbescbr.  1, 
202.  269.    lausitz.  monatsschr.  1797  p.  747. 


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WÜTENDES  HEER  516 

grenze  nicht  achteten.'^)  Ungerechte  landmesser  sieht  man 
mit  langer  feuerstange  in  den  furchen  auf  und  ab  schwe- 
ben und  gleichsam  das  vermessene  nachmessen  ;  wer  sei- 
nem, nach  bar  abgepflügt,  wer  den  stein  verrückt  hat,  den 
trift  der  iluch  umzugehn  als  irwisch.  beim  pflügen  zwei- 
felhafler  schnate  hört  man  daher  unter  dem  volk  die  re- 
densart:  4k  mag  nüt  spuken  gan\  vgl.  deutsche  sag.  no. 
284.  285.     Thiele  1,  58. 

Ungleich  fruchtbarer  für  unsere  Untersuchung  wird 
eine  andre  art  gespenster,  die  nicht  als  einzelne  feuer  an 
dem  erdboden  her  schweifen,  sondern  in  ganzen  hau^ 
fen**)  mit  schrecklichem  tosen  durch  wald  und  lüfte  fah- 
ren, das  ist  die  weilverbreitete  sage  von  dem  wütenden 
heer,  der  wütenden  jagd,  welche  in  hohes  alterlhum 
hinaufreicht,  und  sich  bald  mit  göttern  bald  mit  beiden 
verwebt. 

Die  Christen  hatten  dem  glauben  an  die  götter  ihrer 
vorfahren  nicht  so  schnell  und  so  völlig  entsagt,  dafs  ih- 
nen jene  heidnischen  gestalten  mit  einem  mal  aus  dem  ge* 
dächtuis  entfallen  waren,  sie  wiesen  den  zum  theil  noch 
festgehaltnen  nur  eine  andere  stelle^  weiter  in  dem  hin- 
tergrund,  an.  der  alte  gott  verlor  sein  zutrauliches  We- 
sen, seine  nahen  züge;  und  gieng  in  den  begrif  einer 
finsteren,  schreckenden  gewalt  über,  welcher  immer  noch 
gewisse  einwii^kung  verblieb,  den  menschen  und  ihrem 
(lienste  gleichsam  abgestorben  irrte  und  schwebte  er  in 
den  lüften,    teuflisch  und  gespenstig. 

Es  ist  schon  s.  95  Zusammenhang  zwischen  dem  wü^ 
tenden  heer  und  fVuotan  behauptet  worden,  ein  unge- 
drucktes gedieht  des  Rüdiger  von  Munir  enthält  unter  an- 
dern beschwörungsformeln  auch  die  'bi  Wuotunges  her*'* 
Wuotunc  und  Wuotan  waren  namen  gleicher  bedeutung. 
Wuotan,  der  gott  des  krieges  und  sieges  (s.  95  —  97),  zieht 
an  der  spitze  dieser  lufterscheinung;  der  meklenburgische 
landmann,  wenn  er  ihr  getöse  vernimmt,  drückt  sich 
noch  heute  aus :  *de  Wolle  tüC  Adelung  s.  v.  wüthen ; 
'Wode  jaget'  (s.  105.)  ebenso  in  Pommern  und  Holstein. 
Wuotan  erscheint  reitend ,  fahrend,  jagend,  wie  in  nor- 
dischen sagen,    in  seinem  geleit  valkyrien    und   einherien: 


•)  QOgerechte  siebner.     Mosers  patr.  phant.  3,  309.  ^filrig  mar- 
cher^  in  Hebels  gedieht  die  irlichter.    Westendorp  p.  511. 

••)  doch  kommea  auch  einzelne  brausende  geister  vor,  z.  b.  Jung- 
fer Eli  im  Davert  (deutsehe  sag.  no.  121.)  den  namen  brausende 
geister  gewälirt  Pütts  nachr.  von  Wetter  p.  42. 

33*   . 

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516         WÜTENDES  HEER         WfJOTAN 

der  aufzng  gleicht  einem  heer.  Völlige  Sicherheit  uher 
die  Identität  dieses  jagenden  PVode  mit  dem  heidnischen 
gott  empfangt  man  durch  einstimmige  scandinavische  yoüu- 
5agen  und  redensarteu.  Die  naturerscheinimg  des  heukfi- 
den  windes  wird  Odhins ,  wie  die  des  donners  Thon 
wagen  beigelegt,  bei  nächüichem  lärm,  wie  von  pferdeo 
und  wagen,  heifst  es  in  Schweden  ^Oden  jar  jörbi^^ 
in  Schonen  wird  ein  vielleicht  von  seevögcln  an  novem- 
ber  und  decemberabenden  verursachtes  geräusch  ^Odent 
jagt^  genannt.**)  In  Thüringen,  Hessen,  Franken,  Schwa- 
ben ist  der  ausdruck  ^ as  wütende  heer*  hergebracht,  (schon 
Reinfried  von  Br.  4^  hat  ilm),  in  der  Schweiz,  Baiern  und  Ost- 
reich gelten  andere  namen.  Geiler  von  Keisersperg  predigle 
über  das  wütede  oder  wätische  heer.***)  H.  Sachs  hat  ein 
eignes  gedieht  vom  wütenden  heer  (HäsL  ausz.  p.  157),  eifie 
mansfeldische  sage  davon  erzählen  Agricola  und  Eiefisg. 
Nicht  zu  übersehen,  dafs  (nach  Keisersperg)  alle  eines 
gewaltsamen  todes  ('e  denn  das  inen  got  hat  ufgesetzf), 
(nach  abergl.  660)  alle  ungetaujt  sterbenden  kinder  ios 
wütende  heer  kommen  ^  wie  sie  irwische  werden  (s.  514): 
der  cliristliche  gott  hat  sie  sich  nicht  angeeignet  >  darusi 
verfallen  sie  dem  alten  heidnischen,  das  scheint  mir  we- 
nigstens der  ursprüngliche  ideengang. 

Während  sich  der  gemeine  mann  hier  noch  lange 
fVuotan  dachte  oder  ihn  passend  in  ein  verwandtes  vtf- 
bum  versteckte;  war  es  ganz  in  der  Ordnung,  dafs  gebil- 
detere frülie  schon  an  seine  stelle  den  teujel  setzten,  'si 
bliesen  unde  guUen,  vreisliche  si  hüllen,  s6  daz  diu  helle 
wägete,  aUe  der  tuvel  da  jagete'  sagt  Veldeck  En. 
5239.  Caesarius  heisterb.  12,  20  erzählt  von  einer  eitleii 
frau,  die  sich  in  schönen,  neuen  schuhen  hatte  begraben 
lassen,  deren  seele  dafür  von  dem  ^infernalis  penator' 
gejagt  wurde,  t)     Das  volk  in  Baiern  läfst  den  teujel  auf 

*)  Loccenii  antiq.  sveog;.  cap.  3.  Geijer  St.  bafd.  1,  268. 

*')  NiissoD  slcandinavislc  faana  2,  106. 

***)  omeifs  36 ff.  seine  scliildernng  verdient  hier  eine  stelle:  nuä 
die  die  also  laufen,  die  laufen  allermeist  in  den  fronfasten  und  Toreft 
in  der  fronfasten  vor  weihenachlen  ^  das  ist  die  heiligest  seit,  oad 
lauft  ietlicher  als  er  ist  in  seinem  cleid.  ein  bauer  als  ein  bauer,  «■ 
ritter  als  ein  ritter  und  laufen  also  an  einem  seil  und  tregt  einer  dai 
krüs  Tor  im .  der  ander  den  köpf  in  der  hand  und  lauft  einer  por- 
ufs^  der  schreiet:  'flfihe  ab  dem  weg,  das  dir  gott  das  leben  gebf 
also  redt  der  gemein  man  darron.    ich  weifs  nut  darron. 

f)  Joacli.  Camerarii  liorae  snbsec.  cent.  2.  cap.  100  p.  390:  ce- 
terum  negari  non  potest  diaholum  varia  ludibria  com  alias  tum  prae- 
sertim  in  venatione  leponun  saepeonmero  exercere,  cam 


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WÜTENDES  HEER       HACKBLBERND     617 

aschermittvroch  das  holzweiblein  jagen  (abergl.  914^*)  An 
den  teufel  aber  echliei'st  sich  die  Vorstellung  eines  unge« 
heuern  riesehf  der  sowol  ihn  als  Wuotan  vertreten  kann, 
und  diese  ansieht  herscht  in  der  Schweiz«  die  wilde  jagd 
heifst  dort  därstengejeg  (von  dürst,  durs  8.299),  das 
Volk  hört  den  dürst  in  den  Sommernächten  am  Jiu*a  jagen 
und  die  hunde  mit  seinem  hoJio  an  frischen:  unvorsiclitige, 
die  ihm  nicht  aus  dem  wege  weichen,  überrumpelt  er.*) 
Schm.  1,  458  führr  eine  alte  glosse  an,  welche  mit  duris 
(gen.  durisis)  das  lat.  Dis,  Ditis  wiedergibt,  also  einen  un« 
terirdischen ,  hollischen  gott  meint« 

In  Niedersachsen  und  Westfalen  wird  aber  dieser 
wilde  Jäger  auf  die  bestimmte,  historische  person  eines 
Jagermeisters  bezogen,  die  auslegung  schwankt,  westfäli- 
sdbe  Überlieferungen  nennen  ihn  Hachelbärend  ^  Hachel- 
berg,  Uackelblock*  Hachelbärend  war  ein  jäger,  der 
auch  sonntags  auf  die  jagd  zog,  dieser  entheiligung  we- 
gen wurde  er  nach  seinem  tode  (wie  der  mann  in  den 
mond  8.410)  in  die  luft  verwiesen,  wo  er  mit  seinem 
hunde,  ohne  sich  auszuruhen,  tag  und  nacht  jagen  mufs« 
nach  einigen  jagt  er  nur  in  den  zwölf  nachten,  von  Weih- 
nachten zu  den  heiligen  drei  königen,  nach  andern  immer, 
wann  der  Sturmwind  heult,  weshalb  ihn  einige  den  joU 
7fl^cr  (von  jolen,  heulen)  nennen.**)  Auf  einem  umzuge 
liefs  Hachelberg  zu  Isenstädt,  in  Fehrmanns  Scheune, 
einen  seiner  hunde  zurück«  das  ganze  jähr  lag  der  liund 
da,  jeder  versuch  und  alle  gewalt  ihn  wegzubringen  war 
vergebens«  als  aber  das  folgende  jähr  Hackelberg  mit  sei- 
ner wilden  hetze  wieder  vorüberfuhr,  sprang  der  hund 
plötzlich  auf  und  rannte  dem  beer  bellend  und  klaffend 
nach.***)  Zwei  bursche  giengen  abends  von  Bergkirchen 
durch  den  wald  ihre  braute  zu  besuchen«  da  hörten  sie 
über  sich  in  der  luft  wildes  hundegebell  imd  eine  stimme 
dazwischen  rufen  ^hoto^  IwtoC  das  war  Hackelbloch^  der 
wÜde  Jäger,  mit  seiner  jagd.  einer  der  bursche  erdrei- 
stete sich  ihm  nachzusprechen  ^hoto,  hotoT    da  nahte  //a- 


appareant  tripedes  claudicanies  et  igneis  oculis^  illisque  praeter  mo- 
rem  depeodentibiu  yIIHs,  atque  veaatorei  ioseqiientes  abducere  Student 
▼el  ad  praecipitia,  vel  ad  palndosa  aliaque  periculosa  loca.  ioio  visa 
fiiDt  phantasmata  et  in  terra  et  in  nubibos  infegras  veiiationes  cum 
canibus,  retibus,  clamoribas  raucis  tarnen,  alüsque  iostrumentis  ve^ 
naticis  instituere  praeferentia  formas  hominum  longe  ante  defunctonim. 

*)  Itdef.  V.  Arx  Buchsgau.  p.  230   Stald.  1 ,  808. 

**)  Weddigeus  westfal.  mag.  bd.  3.  no.  18. 

***)  Redekers  westfal.  sagen  uo.  48. 


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518     WÜTENDES  HEER       HACKELBERND 

chelbloci  mit  seinen  hunden  und  hetzte  die  ganze  mente 
über  den  verwegenen,  von  dem  unglücklichen  ist  hernach 
auch  nicht  eine  spur  gefunden  worden.*)  So  in  Westfalen. 
Nach  niedersäclisischer  sage  war  Hans  von  Hackeinberg 
braunschweigischer  oberjägerm eisler  und  ein  gewaltiger 
Weidmann,  er  soll  1521  geboren,  1581  gestorben  sein, 
drei  stunden  von  Goslar,  im  garten  eines  Wirtshauses, 
genannt  der  Klepperkrug,  liegt  sein  grabstein.  eines  nachts, 
in  schwerem  träum ,  dauchte  ihn ,  er  kämpfe  mit  einem 
furchtbaren  eher,  und^  unterliege  ihm  zuletzt.  wiikJich 
traf  er  bald  hierauf  das  thier  und  erlegte  es  nach  hartem 
kämpf;  in  der  siegesfreude  stiefs  er  mit  dem  lufs  nach 
dem  eher  und  rief:  ^hau  nun,  wenn  du  kannst!*  er  hatte 
aber  so  heftig  gestofsen,  dafs  des  ebers  scharfer  zahn 
durch  den  Stiefel  drang  tmd  Hackeinbergs  fufs  ver- 
letzte.**) anfangs  achtete  er  die  wunde  wenig,  aber  der 
fufs  hub  an  zu  schwellen,  dafs  der  Stiefel  vom  bein  ge- 
schnitten werden  muste  und  ein  schneller  tod  eintrat.  Nach 
andern  liegt  er  zu  Wülperode  unweit  Homburg  begra- 
ben.***) Hachelnberg  'fatscht'  in  stürm  und'  regen ,  mit 
wagen,  pferden  imd  hunden  durch  den  Thüringerwald, 
den  Harz,  am  liebsten  durch  den  Hackel  (zwischen  Hd- 
berstadt  und  Dornburg.)  eine  nachteule  fliegt  ihm  voran, 
vom  Volk  die  tutosel  (tutursel)  genannt.  Wanderer,  de- 
nen er  aufstöfst,  werfen  sich  still  auf  den  bauch  und 
lassen  ihn  vorüber  ziehen,  sie  hören  hundegebell  und  den 
weidruf  Qiuhu!'  tutosel  soll  eine  nonne  gewesen  »ein, 
die  sich  nach  ihrem  tod  dem  Hackeinberg  gesellte  und  ihr 
htliuP  mit  seinem  ^huhuP  vermischte,  f)  Wieder  nach 
andern  hauste  HacJcelberg  im  SöUing,  unweit  Uslar.  er 
liatte  gottselig  gelebt,  aber  so  sehr  am  weidwerk  gehan- 
gen, dafs  er  auf  dem  todbett  gott  flehte,  für  sein  theil 
himmelreich  ihn  bis  zum  jüngsten  tag  am  Sölling/a- 
gen  zu  lassen,  sein  wünsch  wurde  ihm  verhängt,  und  man 
hört  oft  in  diesem  wald  zu  liacht  hundsgebell  luid  greuli- 
ches   hörn  blasen.      sein   grab   liegt    auch  im  Sölling,    die 


•)  Redekere  westlal.  «agen.  no.  4T. 

••)  Sigurdhr  iarl  drap  Melbrigda  Tonn,  ok  hkit  höfut  bans  vidh 
glagölar  ser  oc  laust  kykqva  vödva  siuom  k  tönniaa,  er  skagdbi  or 
höfdino,  kom  thar  i  blAstr  i  fotion,  oc  feck  hann  af  thvi  baoa.  Hin 
aaga  etis  härf.    cap.  22. 

***)  Otmars  volkssagen  249.  250.    Weidmanns  feierabende.    Marh. 
1816.  2,  4.     freimutiger  1815  no.  143.    jugendzeitmig  1812  00.104. 
t)  Otmar  241.    deutsche  sagen  no.  311. 


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WÜTENDES  HEER   HACKBLBERND  51» 

richtung  der  steine  wird  genau  beschrieben,  neben  ihm 
ruhen  zwei  schwarze  Imnde.*) 

Schon  die  unvereinbare  Verschiedenheit  der  örtlichen 
anknüpfiing  zeigt  dafs  hier,  den  grabsteinen  ini  Harz  und 
Solling  zum  trotz,  ein  mythisches  wesen  gemeint  wird, 
ich  bin  geneigt,  den  westfälischen  namen  Jtackelberend 
für  die  älteste,  echteste  form  zu  erklären,  das  ahd.  hah- 
hul,  ahn.  hökull  (masc.)  und  hekla  (fem.),  ags.  hacele 
ffeoi.)  bedeutet  gewand,  mantel,  kutte,  rüstuug**),  Aaio/— 
oerand  also  im  alts.  dialect  einen  gerüsteten,  geharnisch- 
ten mann ,  vgl.  alts.  wdpanberand  (armiger\  ags.  äscberend, 
garberend,  helmberend,  sveordberend  (gramm.  2,  589.) 
Nun  aber  erinnere  ich  an  Odliins  kleidung  (s.  101),  der 
gott  erscheint  in  breitgekremptem  hut,  schwarzem,  fle- 
ckichtem  mantel  {hekla  bld,  flekkOtt):  liaholberand  ist 
unverkennbar  ein  alts.  beiname  des  heidnischen  gottes, 
des  fVddan^  den  man  allmälich  in  Hakkelberg,  Hak- 
kelblok  entstellte«  wir  gewinnen  hierdurch  nicht  nur  ein 
wichtiges  zeugnis  für  den  Wuotancultus  mehr,  sondern 
auch  neue  bestätigung  der  vom  wütenden  beer  gegebnen 
deutung.  zugleich  leuchtet  ein,  warum  sich  die  volkssage 
vom  Hackelberg  vorzüglich  in  Niedersachsen  und  Westfa- 
len (wo  das  beiden thum  länger  haftete)  ^  nicht  aber  in 
Sttddeutschland  erhielt« 

E.  M.  Arndt  ***)  erzälilt  die  sage  von  dem  wilden  Jäger 
ohne  namen  folgendergestalt:  in  Sachsen  lebte  vor  langen 
Zeiten  ein  grofser,  reicher  fürst,  dem  die  jagd  über  alles 
gieng  und  der  jeden  waidfrevel  an  seinen  unterthanen  auf 
das  härteste  strafte,  einem  knaben,  der  eine  weide  ge- 
schält hatte,  um  sich  eine  Schalmei  zu  machen,  liefs  er 
den  leib  aufschneiden  und  seine  gedärme  um  den  bäum 
treiben  f);  einen  bauer,  der  auf  einen  hirsch  geschossen 
hatte,  liefs  er  auf  den  hirsch  festschmieden.  •  Zuletzt 
brach  er  selbst  seinen  hals  auf  der  jagd,  indem  er  gegen 
eine  buclie  anrannte,  und  nun  hat  er  im  grab  keine  ruhe, 
sondern  mufs  jede  nacht  im  walde  jagen,  er  reitet  auf 
einem  Schimmel,    dessen  nüstern  funken  sprühen,     gerü- 


*)  Rirchhofi}  wendanmut  no.  283.  p.  842.  deutsche  sag.  no.  171. 
nach  den  braunschw.  anz.  1747  p.  1940  liegt  der  wilde  jager  Hackein- 
berg  im  Steinfelde,  unter  einem  stein,  worauf  ein  maulesel  und  Jagd- 
hund gehauen  sind. 

**)  ahd.  missaliahul  (casula)   gl.  sgall.  203.    mlisehachil   gl.  her- 
rad.  186b  messgewand. 

***)  märchen  und  Jugenderinnerungen  1,  401  —  404. 
t)  RA.  519.  620.  690. 


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SM  WDTBNDBS  HEER 

•let  und  peitsclkknallend,  ein  Schwann  zabUoscr  hundt 
folgt;  sein  ruf  lautet:  ^iPod  wod,  hohOj  hallo P*)  er 
hält  sich  in  wäldern^  auf  öder  heide,  und  meidet  ordent- 
liche strafsen;  trift  er  zufällig  in  einen  kreuzweg,  so 
stürzt  er  mit  dem  pferd  zusammen,  und  raft  sich  erat 
fenseits  wieder  auf;  er  jagt  und  verfolgt  alles  unheimlidie 
gesindel,  diebe,  rauber,  mörder  und  hexen. 

Im  mittlem  Deutschland  heifst  diese  geisterhafte  er* 
scheinung  blofs  der  ipilde  Jä^er,  oder  es  werden  noch 
andere  neuere  namen  angeknüpft.  Bei  Wallrod,  unweit 
Schlüchtern  im  Hanauischen,  sieht  man  im  walde  groTse 
zertrümmerte  basaltküppen  emporstehen,  vor  zeiten  war 
da  des  wilden  mannea  haus  und  noch  heute  schaut  mm 
ihn  in  grauer  riesiger  gestalt  durch  den  wald  über 
heide  und  feld,  unter  krachen  und  gebrause,  seine  runde 
machen.  Jenes  bairische  jagen  des  Itolzweibleins  enthSk 
eine  thüringische  sage  deutlicher,  der  wilde  Jäger  stcfll 
den  moosleuteriy  den  holzweibchen  nach**),  er  bleibt 
unsichtbar,  aber  man  hört  ihn  toben  in  der  luft,  dafs  es 
^knistert  und  knastert.*  einen  bauer  aus  Amtschgereule 
bei  Saal  Feld  trieb  sein  vorwitz,  als  er  schall  und  hunde- 
gebell  im  wald  vernahm,  mitzuhelfen  und  das  geschrei 
der  Jäger  nachzuahmen :    am  andern  morgen  fand  er  vor 


*)  ''hoho,  weit  guiP  AW.  3,  144.  145.  wod  und  woit  hch^ett 
mir  auf  Wodaa,  AVaotan  aoziispielea,  weil  die  ansrufe  gern  gotter- 
namea  enthalten. 

**)  diese  moosleute  und  holzweibel  gehören  za  den  waldgeisleiB 
{8.273)  und  bilden  einen  ubergang  zu  den  zwergen:  das  meiste  Toa 
ihnen  weifs  die  voigtlandische  sage  (Jul.  Sclimidt  141  —  14B.)  sie 
gieiclien  dreijährigen  kindem  und  verkehren  freundlich  mit  dea  men- 
schen, die  von  ihnen  geschenke  erhalten,  oft  helfen  sie  heu  maobee, 
futtern  das  vieh  und  setzen  sich  mit  zu  tische»  gezählte  sacben  ^vh- 
fen  sie  nicht  nehmen,  kummel  im  brot  können  sie  nicht  leiden:  ^küm- 
melbrot,  unser  tod!'  bei  der  flachsemte  pflegt  der  landmann  drei 
Hände  voll  flachs  für  die  holzweibel  in  dem  felde  liegen  zu  lauen 
(vgl.  oben  s.  252.  291)  und  beim  baumfallen  während  der  zeit,  1a 
welcher  der  schall  des  abgesägten,  niederfallendeo  baoms  gciidn 
wird,  drei  kreuze  in  einem  zwickel  auf  den  stamm  zu  htiumiu  ii 
die  mitte  dieser  kreuze  setzen  sich  die  holzweibel  und  haben  dam 
ruhe  vor  dem  wilden  Jäger ,  der  auf  allen  seinen  wegen  dem  krcvs 
ausweicht  (vgl.  deutsche  sagen  no.  47.)  nacli  voigtländiscber  fiberiie- 
ruug  soll  aber  der  wilde  Jäger  selbst  die  gestalt  eines  Ideinen  graulich 
bemoosten  mannes  besitzen  und  sich  in  einem  engen,  stundelangc« 
tliale  umgetrieben  haben  (Jul.  Schmidt  140.)  Im  Rieseagebiri^  s^U 
der  nacht geist  die  rütteliueibchen  vor  sicli  her  treiben,  die  blofk  uii' 
ter  einem  bäum ,  bei  dessen  niederhauen  ^^ott  walts'  (uiclit  aber  *waila 
gott')  ausgesprochen  wurde,  vor  ihm  schütz  finden  (d 
no.  270.) 


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WOTENPBS  HEER  ffiU 

der  thüra  eeines  Pferdestalls  das  viertel  eines  gruneii 
moosiA^eibcJiens  aufgehängt ,  gleichsam  zum  lohn  seiner 
)agd.*)  Den  grund,  warum  der  luftjäger  das  holzweiblein 
verfolgt 9  verschweigt  die  deutsche  Überlieferung**);  bei 
dem  oberdeutschen  volk  spielen  diese  wilden  weiber  in 
den  zwölf  nachten  und  in  den  fasten  eine  entsclüedne 
rolle  y  sie  gehören  zu  dem  heidnischen  gespensterspuk. 
Selbst  unter  den  vicentinischen  und  veronesischen  Deut- 
schen***) wagts,  um  die  angegebne  zeit,  der  kühnste 
Jäger  nicht  die  wildbahn  zu  besuchen ,  aus  furcht  vor  dem 
mlden  mann  und  der  waldfraiu  kein  hirte  treibt  dann 
vieh  aus  9  die  heerden  werden  im  stall  getränkt  und  kin- 
der  langen  das  wasser  in  irdnen  gefäfsen  aus  der  nächsten 
quelle,  der  waldjrau  aber  spinnen  die  weiber  ein  stück 
har  (flachs)  am  rocken  und  werfen  es  ihr  zum  sühnopfer 
ios  feuer.****)  Das  volk  fürchtet  den  verkehr  mit  den 
mächtigen  geistern,  und  wer  diese  scheu  bricht,  hat  es 
hart  zu  büfsen.  Schlimmer  als  der  saalfeldische  bauer 
fuhr  der  westfälische  (s.  518)  oder  der  Schneider  im  Mün- 
sterland >  über  dessen  haus  die  wilde  jagd  brauste«  als  er 
des  Jägers  spottend  sein  ^huhu^  hliJklafP  dazwischen 
rief,  kam  ein  pferdefufs  durch  das  fenster  und  schlug  ihn 
vom  tisch  herab:  'wilistu  mit  mir  jagen,  sollstu  mit  mir 
knagen!'   erscholl  eine  fürchterliche  stimme  aus  der  luft.-{-) 

Eine  meifsnische  volkssage  nennt  das  gespenst 
Hans  Jagenteufelf  und  stellt  ihn  dar  wie  einen  gestiefel- 
ten und  gespornten  mann,  der  in  langem  grauem  roch^ 
ein  hiefliorn  über  dem  rücken,  aber  ohne  topf,  auf  ei- 
nem grauschimmel  durch  den  wald  reitet,  ff)  Man  er^ 
zählt  auch  von  einem  wilden  Jäger,  geheifsen  Mansberg, 
ich  weii's  nicht  aus  welcher  gegend«  Schwäbische  sagen 
von  dem  jagen  des  JEibendrotsch  ffY),  von  dem  Muotea 
heer-\\\\)  möchte  ich  ausführlicher  kennen;  eines  badi- 
schen wilden  Jägers,  junier  Märten,   schlofs   stand    am 


*)  deutsche   sagen    no.  48.  Jal.  Schmidt  p.  143;    vgl.  do.  301, 
wo  der  zwerg  dem  Jäger  eine  gemse  vor  die  thfir  häagt 

**)  man  sehe  unten  die  sage  aus  Boccaccio  und  von  Grönjette. 
***)  deren  Ursprung,  spräche  und  sitte  Schmeller  bald  völlig  ins 
lidit  setzen  wird. 

••••)  Hormayrs  Tirol,  1,  141. 
f )  deutsche  sagen  no.  172. 
ff)  das.  no.  309. 
ff  f )  CIrätersIdunna  1813  p.88.1814  p.l02 ;  vgl.  elbentrotsch  oben  s.259. 
ffff)  Wagners  madame  Justitia  p.22.  Schmids  wb.  391.  aus  PFuoUm 
heör  absichtlich  verändert?    wie  potz  und  kotz   (s.  11.)  oder  muot 
(ira)  ~  wuot? 


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522    WOT.  [lEBft       BBRCHTOLO      HOLDA 

dorre  Singen  bei  der  Pfinz ,  und  in  einer  capelle  auf  dem 
weg  nach  Königsbach  wird  sein  grabstein  gewiesen,  nachts 
erscheint  er  mit  seinen  hunden  den  leuten  im  Bahnwald.*) 
Aber  schon  Michel  Beham  (geb.  1421)  dichtete  einen  mei- 
stergesang  von  Eberhart  grafen  zu  Wirlenberg,  der  im 
wald  einen  'schnellen  saus  und  ungefügen  braiis^  vernahm 
und  ein  gespenst  erblickte,  das  ihm  die  Ursache  seiner 
Verdammung  erzählte,  bei  seinen  lebzeiten  war  es  ein 
herr,  der  nie  jagens  sa^t  wurde  und  zuletzt  an  gott  die 
bitte  richtete ,  ihn  bis  zum  jüngsten  tag  jagen  zu  las- 
sen ;  gott  willfahrte  und  so  jagt  er  schon  fünfthalbhim- 
dert  jähre  einem  hirsche  nach,  ohne  ihn  je  zu  erreichen; 
sein  antlitz  war  wie  schwamm  verrunzelt.**)  das  ist  nidiU 
als  eine  Variation  der  niedersächs.  Hackelbergssage. 

Im  16  jh.  stellte  man  aber  auch  in  Schwaben  ein  ge- 
spenst namens  Berchtold  an  die  spitze  des  wütenden 
heersy  und  dachte  sich  ihn  weifs  gekleidet  auf  weifsem 
pjerde  sitzend,  weifse  hunde  am  strick  leitend,  ein  hran 
am  hals  tragend.***) 

Diesem  Berchtold  sind  wir  schon  s,  172  begegnet  w 
war  die  männliche  gestaltung  der  weifsgekleideten  ßerhta* 

Hier  öfnet  sich  ein  neuer  gesichtspunkt.  so  gut  AViio- 
tan,  oder  ein  andrer  gott,  können  auch  heidnische  göttin- 
nen  das  wütende  heer  anführen,  aufser  Berahta  kommen 
Holda,  Diana  und  Herodias  in  betracht.  Berahta  und 
Holda  erscheinen,  gleich  Hackelberend  (s.  517),  in  den 
zwölften ,  zwischen  Weihnachten  und  neujahr.  Job.  Ue- 
rolt,  ein  dominicaner,  der  zu  anfang  des  15  jh.  die  ser- 
mones  discipuli  de  tempore  et  de'sanclis  verfafsle,  sagt 
im  sermo  11  (in  die  nativitatis) :  sunt  quidam,  qui  in  bis 
duodecim  noctibus  subsequentibus  multas  vauitates  exer- 
Cent,  qui  deam,  quam  quidam  Ißianani  vocant,  in  vul- 
gari  *die  Jrawen  unhold\  dicunt  cum  suo  exercitu  am- 
bulare»  solch  ein  nächtliclies  herumschweifen  sagen  auch 
die  s.  176.  178.  179  und  anhang  p.xxxiv.  xlu  von  Diana^ 
Herodias  und  j4bundia  angezognen  stellen  aus.  Es  ist 
ganz  die  neben  dem  vicentinischen  wilden  mann  auftre- 
tende waldfraUy  der  das  volk  noch  gaben  darbringt. 
Und  wie    im  Salzburgischen    der  Berhtacultus    zum    freu- 


*)  Mones  anzei^er  1834  p.  363. 

**)  von  der  Magens  u.  s.  w.  Sammlung  n.  s.  w.  1,  43.  44. 

*••)  iiistorie  Peter  Leuen  des  andern  Kalenbergera  von  Achill«« 
Jason  Widman  (aus  schwäbisch  Hall)  Nürnb.  1560,  wieder  abgedr.  ii 
Hagens  narrenbuch  p.  353.  Peter  Leu  spielt  hier  p.  894  bauenlevUB 
einen  betrug,  indem  er  sieb  in  Berchtold  verkleidet. 


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wOT.  a     PosTEau    bcrhart     m    ' 

den  fest  des  volks  (s.  171)  geworden  ist,  hat  sich  auch  im 
Entlibuch  eine  vom  volk  selbst  dargestellte  Posterlr'jagd, 
donnerstag  vor  Weihnachten ,  ^  als  sitle  eingeführt,  unter 
dem  Posterli  *)  denkt  man  sich  ein  gespenst  in  gestalt 
einer  allen  frau  oder  einer  ziege.  abends  versammeln  sich 
die  jungen  bursche  des  dorfs  und  ziehen  unter  lautem  ge- 
schrei  und  getöse  an  einander  geschlagner  bleche,  geblase- 
ner alphörner,  geläuteter  kuhglocken  und  ziegenschellen, 
knallender  geifseln  über  berg  und  thal  in  ein  anderes 
d<Nrf ,  dessen  Jünglinge  sie  mit  gleichem  lärm  empfangen. 
einer  im  häufen  stellt  das  Posterli  vor  oder  es  wird  in 
puppengestalt  auf  einem  schütten  nachgeschleift  und  in  ei- 
ner ecke  des  fremden  dorfes  stehn  gelassen;  dann  stillt 
sich  der  lärm  und  alle  kehren  heim  (Stald.  1,  208.)  An 
andern  orten  der  Schweiz  spukt  in  der  fronfastnacht  mitt- 
woch  vor  Weihnachten  die  Sträggele  und  plagt  die  mäd- 
chen ,  wenn  sie  ihr  tagwerk  nicht  gesponnen  haben« 
(Stald.  2,  405.)  In  Thüringen  zieht  das  wütende  beer  ini 
geleite  der  frau  Holla**)  Zu  Eisleben  und  im  ganzen 
mansfelder  land  fuhr  es  alle  jähr  auffastnacht  donnerstae 
vorüber,  das  volk  versammelte  sich  und  sah  der  ankunn 
des  heers  entgegen,  nicht  anders  als  sollte  ein  mächtiger 
könig  einziehen,  vor  dem  häufen  trat  ein  alter  mann 
einher  mit  weifsem  stabe,  der  treue  Eckhart,  der  die 
leute  aus  dem  wege  weichen,  einige  auch  heim  gehen 
hiefs:  sie  würden  sonst  schaden  nehmen,  hinter  ihm  ka- 
men etliche  geritten ,  etliche  gegangen ,  man  sah  darunter 
neulich  verstorbne  menschen.  Qmevvht  ;ml  ztv  eibeinigem 
pjerde***),  einer  lag  auf  ein  rad  gebunden,  das  sich  von 
selbst  bewegte,  andere  liejen  hopflos,  oder  trugen  ihre 
Schenkel  auj  den  achseln.  ein  trunkner  bauer,  der 
dem  beer  nicht  ausweichen  wollte,  wurde  ergriiTen  und 
auf  einen  hohen  felsen  gesetzt,  wo  er  tagelang  harren 
muste,  bis  man  ihm  wieder  herunter  helfen  konnte. +) 
In  dieser  darstellung  macht /raw  Holda  an  der  spitze  ih- 
res geisterheers  vollkommen  den  eindruck  einer  im  land 
einziehenden  heidnischen  gottin:  das  volk  lauft  zusammen 
tmd  geht  ihr  entgegen,  wie   dem  Freyr  (s.  139)    der  Ner- 


•)  gleichbedentig  mit  frau  Faste  (s.  453)  uach  dem  slavischen 
post  =  faste  ,*  jejoniam  ? 

**)  deutsche  sagen  do.  T. 
•*•)  auf  dreibeinigem  die  Hei  (s.  490.) 

+)  AgTicola  spr.  667.  Eyering  1,781—786.  die  kopflosen 
f^estalten,  die  zwei  oder  dreibeinigeu,  feuerglühendeu  Uiiere  in  vielen 
^eistenagen. 


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iM     WOT.  a       VENUSBBRG     DIETRICH 

tlius  (8. 152.)  Eckhart  mit  dem  weifsen  stab  versieiit 
dos  amt  eines  herolds,  einea  kämmerlingd ,  der  ihr  dea 
vreg  au&äamU  ihr  lebendiges  gefolge  hat  sich  verkehrt  m 
gespenster« 

Eckhart 9  der  getreue^  eine  gestalt  aus  dem  krdst 
altdeutscher  heldensage,  greift  in  die  göttersage  über«  nad 
dem  anhang  oder  der  vorrede  des  heldenbuchs  soll  er  vor 
dem  Venuaberg  sitzen  und  die  leute  vrarnen,  wie  er 
sie  vor  dem  wütenden  beere  w^arnt.  um  so  vreniger  lafat 
sich  auch  hier  sein  geschäft  und  die  bedoutung  des  Ven«is- 
bergs  verkennen,  dieser  berg  (nach  einigen  der  Jlosd^ 
berg^  Horselberg  bei  Eisenach)  ist  frau  Hollen  hoflial- 
tung,  aus  der  man  im  15.  16  jh.  frau  f^enus  machte.*) 
seit  dem  christentlium  hauset  sie  in  unterirdischen  holen, 
stattlich  und  prächtig  gleich  zwergkönlgen ;  einzelne  men- 
schen finden  sich  noch  bei  ihr  ein  und  leben  da  io 
vronne.  man  erzählt  von  dem  edlen  Tanhäuser,  der  hinab 
gegangen  vrar,  ihre  wunder  zu  schauen^*);  eine  der  an- 
ziehendsten sagen  des  mittelalters ,  in  welcher  die  Sehn- 
sucht nach  dem  alten  heidenthum  und  die  härte  der  christ- 
liehen  geistlichkeit  rührend  geschildert  sind.  EctJiarLi 
vielleicht  ein  heidnischer  priester,  ist  hofinann  und  be- 
gleiter  der  göttin,  wenn  sie  zu  bestimmter  zeit  des  |ahres 
ausfährt,  ich  könnte  ihn  auch  mit  seinem  Ufj^tmeio^  vbobl 
psychopomp  des  reitenden  todtenheers  (vgl.  den  in  der  Inft 
knarrenden  seelenwagen  s.  482)  machen ;  er  geleitet  d>er 
nicht  die  scheidenden,  vielmehr  die  wiederkehrenden  tod- 
ten^    und  jene  ansieht  halte  ich  für  richtiger. 

Wenn  theilnalmie  Dietericha  pon  Bern  an  der  wü- 
den  jagd  näher  zu  beweisen  steht  ^  so  wäre  er  neben 
Eckhart  hier  der  zweite  einheimische  held.  die  Lausitscr 
sollen  nun  den  wilden  Jäger  Dietrich  Bernhard  nennen; 
oft  haben  alte  Wenden  seine  jagd  gehört  und  wissen  m 
erzählen  von  den  unschmackhaften  braten,  die  er  dabei 
austheilt.***)  Von  Fichte  aber,  dessen  heimat  die  Lausitz 
war,  leitet  sich  die  meidung  her,  dort  heifse  knecht  ItO' 
precht  (s.  287)  Dietrich  pon  JBern.j;)  Beide  auslegun- 
gen  lassen  sich  genau  erwogen  verbinden,  knecht  Bm" 
precht  erscheint  neben  frau  Berhta,   als  diener  und  be- 

*)  Tgl.  oben  8.257.  Venusherg  in  dem  niederl.  TÖiksboch  Mar- 
gareta  van  Limburg  cap.  56.  82.  84  und  in  der  Morin.  Keiieia|»«ig 
(omeirs  36)  läfst  die  hexen  in  frcui  Fenusberg  faren. 

**)  deutsche  sagen  no.  170.  vgl.  mit  177  and  5. 
***)  laus.  mouatMchr.  1797  p.  749. 

t)  deutsche  hekleoMge  p.  40. 


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WÜTENDES  HEER  S8S 

glelter  (s.  294);  ^iweilen  statt  Ihrer,  und  wie  sie  als  ein 
schreck  der  kinder.  es  kommt  dazu,  dafs  beide  Hu-^ 
precht  und  Berhta  Weihnachten  auftreten;  doch  was  am 
meisten  entscheidet  ist,  dafs  in  Meklenburg  /^Vode,  wie 
in  Schwaben  Berhta,  durch  den  flachs  am  Spinnrocken 
fahrt,  luid  fVode,  wie  Ruprecht  und  Niclas,  den  kin« 
dem  gutes  oder  böses  beschert.*)  Dietrich  von  Bern  (s.257) 
ist  also,  gleich  dem  treuen  Eckhart,  berechtigt  in  Wuo- 
tans,  Holdas  oder  Berhtas  geleit  zu  erscheinen,  oder  ihre 
stelle  einzunehmen«  Auch  wird  bei  andrer  veranlassung 
Dietrich  auf  feuersprühendem  gespenstigem  rosse  über- 
menschlich dargestellt.  Vielleicht  ist  endlieh  der  niederländ« 
Derk  met  den  beer  (s.  139)  hier  zu  erwägen,  ohne  dafs 
ich  den  beinamen  aus  einem  misverstandnen  Dietrich  von 
Bern  herleiten  möchte. 

Wir  haben  das  wilde  beer  in  zwei  hauptbeziehungen 
keimen  gelernt,  als  nächtliche  jagd  männlicher,  als  feier- 
lichen umzug  weiblicher  gottheiten,  beide,  den  letzteren 
zumal,  an  gewisse  jahrszeiten  gebunden.  Der  bestimmtere 
einn  des  ausdrucks  'beer'  läfst  schon  eine  dritte  bedeutung 
erwarten:  es  zieht  aus  als  kriegshecr  und  weissagt  aus- 
breclienden  krieg. 

fVuoian  (der  alle  heertfater^  s.  474),  Hachelbernd^ 
Berhlolt^  auf  weifsem  schlachtrosse,  gewafnet  und  ge- 
spornt,  erscheinen  noch  als  oberste  lenker  des  kriegs^ 
den  sie  gleichsam  dem  menschengeschlecht  verstatten.  £s 
gibt  mehr  als  eine  sage  von  verwünschten  bergen,  in  de- 
ren iunerui  von  zeit  zu  zeit  waifeuklang,  trommeln  und 
pfeifen  hörbar  werden;  ein  altes  geisler  und  götterheer 
ist  darein  verschlossen,  das  sich  zu  seinem  ausbruch  rü- 
stet. Keine  schönere,  vpllständigere  sage  kenne  ich  in 
dieser  beziehung  als  von  dem  niederhessischen  Odenberg^ 
und  dazu  liegt  er  unmittelbar  in  der  nähe  von  Gudens- 
bergy  d.  b.  Wuolansberg,  aber  unterschieden  davon,  so 
dafs  man  Odenberg  nicht  aus  der  altn.  form  Odhinn  deu- 
ten darf:  der  name  mag  von  öd  (felicitas)  vielleicht  von 
odi  (desertus)  geleitet  werden.  Das  volk  knüpft  diesen 
Odenbei^  längst  nicht  mehr  an  die  heidnische  gottheit, 
sondern  an  den  heldenkönig  Carl,  ja  an  kaiser  Carl  5. 
Seiner  händel  mit  landgraf  Philipp  wegen  hat  Carl  der 
fünfte  bleibenden  eindruck  in  Hessen  zurückgelassen, 
^Karle  Quintea^  mit  seinen  Soldaten  haust  im  Odenberg, 

*)  Frankefl  alt  and  neu  Meklenb.  1 ,  57.  In  Schlesien  schweigt 
nun  die  kinder  mit  dem  nacht jä^er.    deutsche  sagen  no.  270« 


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SM  ,WCt;HBBR       CARL 

und  wie  die  Schwäbin  ihrem  kind  mit  der  eisernen  BerbU 
droht  (8.170),    schweigt    es   die   Hessin,     in  diesem    land- 
strich,    durch  den  zuruf  *du,  der  0"iö*®  kommt!'     Früh« 
meinte  man  Carl  den  grofsen,    wie  schon  die  den  auna- 
listeh  bekannte  sage    von   dem    durstigen  beer  beweist    (s, 
104);    ein    niederschlag    noch   älterer    heidnischer   mylhen, 
Carl  war  mit  seinem  beer  in  die  gebirge  der  gudensberger 
landschaft    gerückt ,    siegreich ,    wie   einige  erzählen ,     nach 
andern    fliehend ,    von   morgen    her    (aus  Westfalen.)       die 
krieger  schmachteten  vor  durst,  der  könig  safs  auf  ÄcA«ee- 
weij'sern  schimmele    da  trat  das  pferd   mit    dem  huf  auf 
den  boden  und  schlug  einen  stein  vom  felsen ,    aus  der  of- 
nuqg  sprudeile  die  quelle  mächtig.*)   das  ganze  beer  \vurdc 
getränkt,     diese  quelle  heifst  Glishorn,   iiirer  külilen,  kla- 
ren   flut   milst    das    landvolk    gröfsere    reinigungskraft    bei 
als  gewöhnlichem  wasser,     und   aus    umliegenden   dörfcm 
gehen  die  weiber  dahin  ihr  leinen  zu  waschen,     der  stein 
mit  dem  liufliilt,    in  die  gudensberger  kirchhofmauer   ein- 
gesetzt,  ist  noch  heute    zu  sehn.     Nachher  schlug    könig 
Carl   eine  grof.se  schlackt    am  fufse    des  Odenbergs.     das 
strömende    hlnt    rifs    tiefe   furchen   in    den  boden,    (oft 
sind  sie   zugcdämnit  worden ,    der  regen    spült   sie   immer 
wieder  auf,)  die  fluten  *wulchen'   zusammen   und   ergossen 
sich    bis    Bessa    hinab ;    Carl     erfocht    den    sieg ;     abends 
that  sich  der  fels  auf,  nahm  ihn  und  das  ermattete  kriegs- 
vollv    ein    und    scblofs    seine  wände,     in    diesem  Odenberg 
ruht  der  könig  von  seinen  heldenthaten  aus.     er   hat    ver- 
heifsen   alle  sieben    oder   alle   hundert  jähre  hervorzukom- 
men;  tritt  eine  solche  zeit  ein,    so  vernimmt  man  waf^ 
fen  durch  die  lüfte  rasseln^  pferde  getvieher  und  huj^ 
schlage    der  zug  geht  an  den  Glisborn,    wo  die  rosse  ge- 
tränkt   werden,    und  verfolgt    dann    seinen    lauf,    bis   er, 
nach  vollbrachter  runde,    endlich  wieder  in  den  berg   zu- 
rückkehrt.    Einmal   giengen  leute  am  Odenberg   und  ver- 
nahmen trommelschtag,   ohne  etwas  zu  sehn,     da  hiefs  sie 
ein  weiser  mann    nach  einander  durch  den  ring  schauen, 
den    er    mit   seinem    in  die  seite  gebognen  arm  bildete: 
alsbald    erblickten   sie    eine    menge   kriegsvolk,    in  wafTen- 
übungen  begrilFen,  den  Odenbjrg  aus  und  eingehn.**)   Hn* 


*)  des  rosses  hnfsclilag,  des  heiligen  «Üb,  zwingt  ans  d«n  fel- 
sen wasser,  geweihtes,  wunderthätiges.  so  schlug  den  Griechen  Pe- 
gasus die  Hippocrene,  den  Israeliten  Moses  stab  die  quelle,  und  auf 
dem  Rammelsberg  scharrte  das  ros  die  goldader  auf. 

••)  ich  verdanke  diese   und  andere,   getreu  aus  dem  munde  des 


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WUT.  OBER       HELLEQÜIN  «27 

zelne  menschen ,  die  zufällig  in  das  in^venclige  des  berga 
gelangen,  werden  darin  beschenkt;  wie  bei  frau  Holla 
in  den  thüriugischen  bergen. 

Abuiich  diesem  odcnberger  heer  ist  der  auszug  des 
Rotlienthalers  im  Aargau*),  des  Roden steiners  nach 
dem  Schneller ts  **),  vermutlich  noch  anderer  in  andern  gegen- 
den.  Nach  Heimreichs  nordfries.  chron.  2,  93  sah  man 
im  j.  1637  vor  Tondern  kriegsheere  in  der  luft  aufziehen 
imd  mit  einander  bei  hellem  welter  slreilen.***)  Eine  iri- 
sche volks^age  bericlilet  von  O^ Donoghue  dem  allen  her- 
scher, der  jährlich  am  ersten  mai,  auf  milchweifsem 
pferde  sitzend,  aus  dem  gewässer  eines  sces  steigt,  sein 
reich  zu  besuchen.  In  einer  augustnacht  aber  zeigt  sicli 
ein  graf  von  Kildare  gerüstet  auf  prächtigem  slreilros 
uod  mustert  die  schatten  seiner  krieger  (elfenm.  192.  193. 
233.)  Den  Letten  sind  johdi  oder  murgi  gespenster, 
Seelen  verstorbner ;  wenn  ein  nordlicht  flackert  sagen  sie : 
johdi  kaujahs  (geister  schlagen  sich),  karru  lauschu  dweh- 
seles  kaujahs  (gefallner  krieger  seelen  schlagen  sich.)f) 
liier  wird  der  gespeustertumult  auf  die  leuchtende,  wie  bei 
den  Deutschen  auf  die  tönende  naturerscheinung  bezogen ; 
es  erinnert  auch  an  den  krieg,  den  unsere  landsknechte 
noch  im  himmel  erheben. 

Aber  den  romanischen  und  nordischen  Völkern  ist  die 
Überlieferung  vom  luflheer  nicht  weniger  bekannt  und  ein- 
zelnes trift  mit  der  deutschen  genau  zusammen. 

In  Frankreich  führt  ein  solches  luftgebilde  kämpfen- 
der geister  die  benennung  Hellequin  (Koquef.  s.v.),  in 
Spanien  exercito  antiguo,'^'^)  Guilielm.  alvernus  p.  1037: 
Me  equitibus  vero  noclurnis,  qui  vulgari  gallicauo  Helle-- 
quin  9  et  vulgari  hispanico  exercitus  antiquus  vocantur, 
UQudum  tibi  satisfeci,   quia  nondum  declarare  intendo,   qui 

rolks  verzeichnete  saj2;en  dei'  freundschaftlichen  mittheilung  eines 
karhessischen  artillerieofticiers ,   herru  Pbtor. 

*)  Wjpfs  reise  ins  berner  Oberland  2,  420 

••)  deutsche  sagen  no.  169.  Snellerts  =  haus  des  Snellert,  Snel- 
hart,    ein  ungeheurer  geist  heifst  Snellaart  in  Margr.  van  Limb.  7b. 

•**)  Guicciardini  bist,  d'ltalia.  1583  p.  22:  risnonava  per  tutto 
hl  fama,  essere  nel  territorio  d'Arezzo  passati  visibilmente  molti  di 
]>er  Varia  infiniti  huomini  armati,  sopra  grossissimi  cavalli  e  con 
terrihile  strepito  di  suoni  di  tromhe  e  di  tamhuri,  vgl.  die  dän. 
sage  vom  ausziehenden  Klintekönig  und  Ellekönig,  Thiele  1 ,  9H. 
3,  53. 

+)  Stenders  lett.  gramm.  1783  p.  262.  266. 

it)  d.  h.  die  grofse  menge  der  todten  (oben  8. 492.)  he  geit  int 
olde  haer  -=•  er  itirbt,    Narragonia  84 b. 


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528  WOT.  HEER        BBLI^QDIN 

afnt;   nee  tarnen  certum  est  eos  malignos  spirituft  esse,  1o- 
quar  igitur  tibi  de  bis   in  sequentibiis.'    p.  1065:  -'de  sub- 
stantiis  apparentibus  in  similitudine  equitantium  et  bella- 
toruniy   et    in  similitudine  exercituurn  innurnerabiliuwy 
interdum  autem  et  paucorum  equitum^    p.  1073 :  *nec  ic 
removeat  aut  conturbet  uUatenus  vulgaris   illa  Hispanorum 
nominatio^   qua   malignos  spiritus,    qui   in   arniia  ludere 
ac  pugnare   videri    consneverunt ,    exercitum  antiquum 
nominant,    magis  enim  anilis  et  delirantium  vetulanim  do- 
minatio  est  quam  veritatis.'     Radulfus    de  Presles    ad  libr. 
15  cap.  23    de    civ.   dei:    *la  mesgn^e   de   Hellequirij    de 
dame    Habonde  (s,  177),    et    des    esperis    quils     appeUenl 
fees,'    Carpenlier  s.v.     Wabrscheinlich    erzählt  auch  Vin- 
cent, hello V.  eine  hierher  einschlagende  geschichte,   die  ich 
jetzt  nicht    finden  kann.     Keisersperg  (omeifs  37)   berichlct 
von    einem    gewissen    Natalis,    der  nach  seinem   tode  er- 
schien   und    auf   die  frage    nach   dem  wütenden  beer  ver- 
kündete,   es  habe  aufgehört,    seit   Carolas  quintus   seme 
bufse  geleistet,     hier  wird    dem  wütenden  beer  der  name 
Caroloquinti   oder  nach  andern  jillequinti  beigelegt,  vrt« 
ofTenbar  mit  Jenem  Hellequin^  vielleicht  mit  dem  hessiscbtii 
Karlequinte  im  Odenberg  (s.  525)  zusammenhängt.     Gleich- 
wol  scheint  es  falsche    deutung    des  älteren,    schon   im  13 
jh.  bekannten  ITellequin,    der  nicht  den  franz.  könig  Carl 
5  aus  der  zweiten  häl^e  des  14  jh.   meinen   kann.*)    Wie 
ihm  sei,    dafs    man   auch   in  Frankreich   mit   dem  wüten- 
den beer  Carl   den  grofsen   in   Verbindung    brachte,    zeigt 
ein    burgund.   gedieht   des  17  jh,,    nach   welchem    C/uirie- 
magne  auf  seinem  pferd  an  der  spitze  der  lufterscheinuog 
reitet,    und  Roland   die   fahne  trägt.**)     Zu  Tours  heifst 
sie  la  chasse  briguet  und  le  carosse  du  roi  Hugon*^)'^ 
des  königs   Hugo  Capet    wagen   vertritt   auch    hier    einen 
heidnischen  götterwagen;    in   Poitou  sagt   man   la  chass0^ 
gallerie.  Im  walde  von  Fontainebleau  soll  *le  grand  ve- 
neur^  jagen. 

In  den  englischen  wäldern  rauschte  schon  zu  des  G«r- 
vasius  tilberiensis  zeit  iönig  Artus  nächtliche  jagd;  ei- 
nige vom  zuge  meldeten,  sie  seien  des  königs  verwandte. 
Shakspeare  (merry  wiv.of  Winds.4, 4)  gedenkt  eines  *  Herzte 
the  hunter\  der  mitternachts  um  eine  alte  eiche  wandert« 


*)  auch    bei    harlequin   (arleccliino)    hat   man   an  Charieiqwit 
gedacht. 

**^  Journal  des  savans  1832  p.  496. 
***)  m^m.  des  antiq.  8,  458.    noei  borgnignons  p»  237. 


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WUT.  HEER        WALDEMAa  529 

Boccaccio  (decam.  5,  8)  hat  die  geschichte  eines  ge- 
spenstes ," das  seine  gelieble,  die  ihm  treulosei'  weise  den 
lod  bereitet  hatte,  jeden  freitag  nackend  durch  den  wald 
jagt  und  von  seinen  hunden  zerfleischen  läfsl :  so  oft  sie 
erlegt  wird,  steht  sie  wieder  auf  und  die  grausame  jagd 
beginnt  von  neuem.  Die  fabel  soll,  nach  Manni,  aus 
Heh'Dand  genommen  sein;  sie  könnte  aufsclilufs  über  die 
Verfolgung  des  holzweibchens  durch  den  wilden  jager  (s, 
520)  geben,  wenn  man  auch  die  motive  des  noveliistcn, 
"wie  billig,  erst  auf  den  einfachen  grund  einer  volkssage 
zurückzuführen  hätte. 

Unversteckter  liegen  die  bezöge  der  nord.  auf  deutsche 
sagen,  den  Dünen  ist  TValdemar^  ihr  beruh  niler,  gelieb- 
ter köuig,  zum  wilden  Jäger  geworden,  die  seeländische 
fabel  läfsl  ihn,  gleich  Carl  dem  grofsen,  durch  einen  zauber- 
riug  zu  cuier  Jungfrau  und  nach  deren  tod  zu  einer  Wald- 
gegend heflig  hingezogen  werden,  er  wohnt  im  Gurre 
wald  und  jagt  da  nacht  und  tag*),  ganz  wie  Hackelbcrg 
äufsert  er  die  vermefsnen  worte:  *gott  möge  sein  himrnel^ 
reich  h ehalten ,  wenn  ich  nur  in  Gurre  immerdar  jagen 
kaaq!'  Nun  reitet  er  jede  nacht  von  Burre  nach  Gurre; 
^venn  das  volk  sein  hohorufen  und  peitschenknallen  von 
Meilern  hört,  stellt  es  sich  seitwärts  unter  die  bäume, 
voran  im  zug  laufen  kolschwarze  hunde,  denen  glühende 
Zungen  aus  dem  hals  hängen ,  dann  erscheint  fVolmar^ 
auf  weifsem  pferde^  zuweilen  sein  eignes  haupt  unter 
dem  linken  arm  tragend  (vgl.  abergl.  605.)  stöfst  er  auf 
leute,  besonders  alte,  so  gibt  er  ihnen  hunde  zu  halten, 
er  fährt  einen  bestimmten  jagdweg,  alle  ihüren  und  schlüs- 
ser springen  vor  ihm  auf,  seine  strafse  lieifst  TVolniars» 
Straße  (s.  218.)  Denen  die  ihm  die  hunde  gehalten  haben 
schenkt  er  scheinbar  geringe  Sachen,  welche  sich  hernach 
in  gold  verwandeln,  für  hufeisen  gibt  er  ducaten  (Thiele 
1,  89  —  95.)  diese  sagen  gemahnen  zugleich  an  Carl  den 
grofseu,  Hackelberg  und  frau  Holla. 

Auf  der  insel  Mön  liegt  ein  wald  namens  Grünewald, 
in  ihm  jagt  der  Grönjette  jede  nacht  zu  pferd,  das  haupt 
unter  dem  linken  arnij  einen  sj)iers  in  der  rechten,  eine 
meuie  hunde  um  sich  herum.  Zur  ^rnieztii  legen  ihm 
hauern  ein  gebund  haber  j'ur  sein  pferd  hin,  dafs  er 
des  nachts  nicht  ihre  saaten  niedertrete;    an  diesem  einen 

*)  auf  dieser  jagd  übt  er  grausamkeiten  gegen  die  bauern  (Thiele 
l,  46.) 

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530  WUT.  HEER       GRÖNJETTB 

zug  wird  Wuotan  (s.  104.  105)  **)  vielleicht  audi  Frey  {$. 
139)  ei^cennbar.  Jette  heifst  er  liier,  wie  in  der^ Schwell 
diirst  (8.517.)  OröDL  erkläre  ich  nicht  durch  die  grooe 
färbe  der  Jägerkleidung,  lieber  durch  das  altn.  gröo  (baihi), 
6rön Jette  =:  ahn.  graniötunn,  der  bärtige  riese^  und  Grani 
(barbatus)  ist  Odhins  name  (s.  501.)  Grönjette  läfst  avck 
die  bauern  seine  liunde  halten,  er  jagt  nach  der  meerfrau 
(wie  der  wilde  Jäger  nach  der  holzfrau);  ein  baoer  sak 
ihn  zurückkehren,  wie  er  die  meerfrau  todt  quer  aber 
seinem  pferd  liegen  hatte:  'sieben  jähr  jagte  ich  ihr  nach, 
auf  Falster  hab  ich  sie  nun  erlegt\  dem  bauer  schenkte 
er  das  band,  woran  er  die  hunde  gehalten  hatte;  solange 
das  band  in  seinem  besitz  blieb,  nahm  er  zu  an  rdcb- 
thum  (Thiele  1,  95  —  97.) 

Auf  Fühnen  jagt  Palnejäger^  d.  i.  der  altn.  Pdlna-' 
toll  (forum,  sog.  11,  49  —  99.)    Thiele  1,  110. 

In  einigen  dänischen  gegenden  wird  statt  Weimer  nur 
gesagt  Men  flyuende  jäger*  (der  fliegende  jäger)  oder  *den 
flyvende  Markolfu8\  in  der  gegend  von  Kaliundbor^  hat 
das  Yolk  einem  jungem  könig  die  jagd  übertragen:  Chri* 
stian  der  zweite  reitet  auf  weifaem  pferd  mit  schufttr» 
zen  hunden  (Thiele  1,  187.) 

Im  Schlcswigischen  )^i.hönig  jibeli  in  eo  loco,  nbl 
sepultus  est  —  venatoris  cornu  inflantis  vocem  et  sonum 
exaudiri,  multi  fide  digni  referunt  et  affirmant  usque  adeo 
similem,  ut  venatorem  ibi  venari  quis  diceret,  idque  saepe 
a  vigilibus,  qui  Gottorpii  nocte  vigilare  solent,  audiri:  sed 
et  Abelem  multis  nostra  aetate  apparuisse  et  visum  esse 
constans  omnium  est  rumor,  ore  et  corpore  atruniy  equo 
pusillo  pectum^  comitatum  canibus  tribus  venaticis,  qui 
et  saepe  specie  ignea  et  ardere  visi  sunt.  Cypraei  ans. 
episc.  slesvic.  p.  267.   vgl.  Thiele  2,  63.142. 

Schwedische  Überlieferungen  vom  wilden  jäger  sind 
mir  nicht  bekannt,  ich  folgere  sie  aber  schon  nach  deia, 
was  s. 278  von  dem  strömkarlslag  gesagt  wurde,  dessen 
eilfte  Variation  dem  nachtgeiat  und  aeinem  heer  gehört 


*)  Docli  näher  trift  was  Thiele  p.  192  meldet:  in  alten  ta^ca 
herschte  auf  der  Insel  Mön  der  «berglaube ,  wenn  man  einerntete,  A 
letzte  gebundne  habergarbe  hin  auf  den  acker  za  werfen  mit  dea 
Worten:  'das  ist  für  den  jode  von  Upsala,  das  soll  er  haben  >•/- 
abends  für  sein  pferd/*  thaten  das  die  leute  nicht,  so  starb  ihr  Tiek. 
Der  jötunn  von  Vpsala  bezeichnet,  in  christlicheni  euphemismos »  Od- 
hinn  oder  Wodan,  dessen  götterbild  zu  Upsala  aufgestellt  ist  Yieft- 
Iclcht  entsprang  die  redensart  zu  einer  zeit,  als  D^imark  sehen  be- 
kehrt,  Schweden  noch  heidnisch  war. 


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WÜTENDES  HEER       GÜRO  531 

Reichen  gehalt  hat  eine  norwegische  eage.  Seelen,  die 
nicht  soviel  gutes  thun,  dafs  sie  den  himmel,  nicht  so 
viel  böses,  dafs  sie  die  hölle  verdienen,  trunkenbolde,  spot- 
ter, feine  betrieger,  sollen  zur  strafe  bis  an  das  ende  der 
weit  umreiten.  An  der  spitze  des  zugs  fölut  Guroryase 
oder  Reiaaroifa  mit  ihrem  langen  schwänz,  woran  man 
sie  vor  den  übrigen  kennt,  nach  ihr  folgt  eine  ganze  menge 
beiderlei  geschlechts.  von  vornen  angesehen  haben  reit  er 
und  pferde  stattliche  gestalt,  von  hinten  sieht  man  nichts 
aU  Guros  langen  schwänz,  die  rosse  sind  kolschwarz, 
mit  glühenden  äugen ,  sie  werden  mit  feungen  Stangen  und 
eisernen  zäumen  gelenkt  ^  von  ferne  vernimmt  man  den 
lärm  des  haufens.  sie  reiten  über  wasser  wie  über  land, 
kaum  berühren  die  hufe  die  Oberfläche  des  wassers.  wo 
sie  den  sattel  auf  ein  dach  werfen ,  in  dem  haus  mufs  flugs 
ein  mensch  sterben,  wo  sie  Schlägerei,  mord  und  trinkge- 
lag  erwarten,  da  kommen  sie  und  setzen  sich  über  die 
tliür.  solange  noch  keine  unthat  begangen  wird,  halten  sie 
sie  sich  ruhig,  erfolgt  sie  aber,  so  lachen  sie  laut  auf  und 
rasseln  mit  ihren  eisenstangen.  Ihr  zug  hat  gewöhnlich 
statt  um  die  julzeit,  wenn  grofse  trinkgelage  gehalten 
werden.  Hört  man  ihn  nahen ,  so  mufs  man  aus  dem 
weg  weichen  oder  sich  platt  au/  den  boden  werfen  und 
sdilafeud  anstellen,  denn  es  gibt  beispiele,  dafs  der  zug 
lebende  menschen  mit  sich  schleppt,  ein  rechtschafPener 
mensch,  der  jene  vorsieht  gebraucht,  hat  nichts  zu  fürch- 
ten, als  dafs  jeder  aus  den  häufen  auf  ihn  speit:  ist  der 
zug  vorbei,  so  mufs  er  wieder  ausspeien,  sonst  würde  er 
schaden  nehmen.  In  einigen  gegenden  heifst  dieser  gespen- 
stige aufzug  aashereia^  aasherejy  aaskereida,  an  andern 
ho&kelreia*j  jenes  scheint  verderbt  aus  dsgardreida,  ds" 
gardreid^  der  asgardische  zug,  die  fahrt  der  seelcn  gen 
himmel  oder  auch  die  fahrt  der  götter,  der  valkyrien, 
welche  die  erde  heimsuchen,  zuweilen  sieht  man  den  zug 
nicht,  hört  ihn  blofs  sausend  durch  die  lüfte  fahren,  wer 
in  den  drei  julnächten  seine  stallthüren  nicht  bekreuzt, 
der  findet  am  morgen  seine  pferde  schweifstriefend  (s. 
380.381)  und  halbgeplatzt,  weil  sie  mitgenommen  waren 
(Faye  70  —  72.) 

Guro  scheint  dasselbe  was  sonst  gurri,  d.  L  altn.  gifr 
(riesin,  s.  302) ;  gurri  ist  aber  auch  Yiuldra  (Faye  10)  und 
diese  wird  als  ein  schönes  weib  mit  häfslichem  schwänz 
geschildert  (Faye  25. 39.)  Huldra  darf  unserer  Holda 
schon  deshalb  verglichen  werden,  weil  sie  ungetaufte  kin- 
der  mit  sich  führt  (s.  168.)     Guro  als  anführerin  des  wü- 

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532  WÜTENDES  HEER       GüRO 

tenden  heera  enlspriclit  also  völlig  den  übrigen  bisher  ent- 
wickelten vorslellungen.  *) 

Überschauen  wir  nun  die  gesanimte  reihe  der  deut- 
schen und  nordischen  sagen  vom  wütenden  beer,  so  dran- 
gen sieb  folgende  bctrachlungen  hervor.  Der  niylhiis  zeigt 
uns  götler  und  göll innen  des  beiden thums.  Unter  dco 
gutlern  PVuotan  und  vielleicht  auch  Fro,  wenn  ich  auf 
ibn  den  Berhtolt  auslegen  darf.  Wuotan  erscheint  noch 
in  seinen  beinamen  des  gemantelten  und  des  bärtigen^ 
die  man  hernach  misverstand  und  in  eigennauten  uinschnf» 
bei  Saxo  gramm,  p»  37  heilst  Olhin:  ^albo  cljpeo  tectus 
et  album  (s.  1.  statt  altum)  flectens  equum,'*  Heeranfali- 
rende  güttin,  statt  des  gottes,  ist  Holda^  seine  gemahlin; 
ich  überzeuge  inich  iininer  fester,  dafs  Holda  nichts  anden 
sein  kann,  als  der  milden,  gütigen  Fricha  beiname. 
Berhta^  die  leuchtende,  fällt  wiederum  mit  ibr  zusammen, 
oder  wenn  es  auf  Frouwa  anwendbar  ist,  berübrt  sieb 
mit  ihr,  wie  die  nord.  Freyja  mit  Frigg.  Merkwürdig, 
dafs  die  norweg,  sage  wieder  Frigg  noch  Freyja,  sondern 
auch  Huldra  nennt. 

Diese  gottheiten  stellen  sich  auf  doppelte  weise  d^. 
entweder,  menschlichen  äugen  sichtbar,  zu  heiliger  )ahrs* 
zeit,  in  das  land  einziehend,  heil  und  segen  mit  sich  füh- 
rend, gaben  und  opfer  des  entgegen  stromenden  voiks  in 
empfang  nehmend,  oder  unsichtig  durch  die  lüfte  schwer 
bend,  im  gebraus  und  heulen  des  windes  vernehmbar;  ein 
aufzug  der  weniger  an  bestimmte  zeit  gebunden  mehr  die 
naturerscheinung  erklärt.  Beide  züge  halte  ich,  ihrer  idce 
nach  für  gleich  alt,  und  sie  greifen  in  einander,  die  vor^ 
Stellungen  \on  der  milchstralse  haben  uns  gezeigt,  wie  die 
wagen  und  wege  der  götter  sowol  am  liimmel  als  auf  der 
erde  gehn. 

Seit  dem  Christen thum  muste  eine  Verwandlung  der 
fabel  eintreten,  statt  des  götterzugs  erscbien  nunmehr  ein 
grausenliaftes  gespensterbeer  mit  finstern,  leuüiscben  zo- 
tliaten  entstellt.  Vermutlich  hatten  schon  die  Heiden  ange- 
nommen, dafs  in  dem  zuge  der  gottheiten  die  geister  sce- 
liger  beiden  mitfahren ;  die  Clu'isten  versetzten  jetzt  in 
das  beer  uugetaufte  kinder,  trunkenboldc,  Selbstmörder, 
die  in  gräfslicher  zerstümmelung  auftreten.  Aus  der  holden 
ward  eine  unholde ,   nur  noch   von  vorne   schöne,   hinten 


'*)   sollte  der  wald  Gurre  io  Waldemars  sage   hier  zu  berücksich- 
tigen sein?    in  Schmidts  fastelabendsanil.  p.  76  werden 
stellt   *der  ff^ooty  die  Goor,  der  wilde  Jäger** 


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WÜ'rBNDES  HBER  5S3 

geschwänzte  g(^ttin.  *)  was  ihrem  alten  bilde  nicht  ganz 
entzogen  werden  konnte,  wurde  als  verfülirerisch  und 
eündhaf^  aufgefafst:  so  erzeugte  sich  die  sage  vom  Yenus- 
berg.  Auch  die  allen  Opfer  liefs  das  volk  nicht  völlig 
faliren,  es  beschränkte  sie  auf  die  habergarbe  für  des  gol- 
tes  ros,  wie  es  den  Tod  (den  gleichfalls  jagenden,  s.  491) 
mit  einem  scheifel  haber  abfindet  (8.490.) 

Bei  den  meisten  Umgestaltungen  heidnischer  mythen 
waren  die  götter  günstiger  gestellt  als  die  göttinnen.  diese 
musten  also  gleich  in  geisterhafte  wcsen  übergehn,  denen 
zwar  noch  gewisse  macht  verliehen  blieb,  aber  alles  milde 
und  freundliche  benommen  **)  und  ein  höllischer  anstrich 
zugegeben  wurde.  Götter  hingegen  konnten,  als  helden 
wiedergeboren,  ihren  reinen,  ursprünglichen  character  un- 
getrübt behaupten.  So  sehen  wir  diesem  umzug  Dietrich, 
JEkfiartf  Jlrtus,  Carl,  fValdemar,  Palnatoice  ^  ja,  Chri" 
stian  2  einverleibt,  ohne  dafs  ihrem  ansehen  unter  dem 
volk  das  geringste  entrissen  wird.  Daneben  macht  sich 
aber  auch  eine  andere  ansieht  geltend  *  welche  die  gölter 
in  teufel,  wie  göttinnen  in  unholde  und  hexen  verkehrt: 
der  teufel  konnte  hier  leichfaus  dem  älteren  rieaen  ent- 
springen. 

Letzte  niedersetzung  der  fabel  war,  dafs  sie  sich  an 
einzelne  Jäger  und  jagdliebhaber  der  jüngeren  zeit  heftete, 
wie  Hactelberg,  ]\\nkev  Mar then,  Mansberg  \u  a.  diese 
sehen  beinahe  wie  historische  pcrsonen  aus ,  näher  betrach- 
tet vrerden  sie  immer  in  mythische  aufgelöst. 

Der  gleiche  gang,  den  die  geschichte  des  mythus  im 
Norden  wie  in  Deutscldand  genommen  hat,  verbürgt  uns 
von  neuem  den  Zusammenhang  des  heidnischen  glaubens 
hier  und  dort.  Sachsen,  Westfalen,  Hessen  haben  noch 
einzelne  züge  mit  dem  Norden  gemein ,  die  Süddeutschland 
weniger  festhielt.  Zugleich  bricht  berührung  mit  cellischer 
sage  durch,  während  ich  keine  mit  slavischer  entdecke,  es 
müste  denn  der  nachts  umreitende  Svantovit  (s.  381)  hier- 
her gehören. 

Noch  ist  eine  mit  griechischer  fabel  unerwähnt  geblie- 
ben/ aus  der  sich  das  hohe  alter  der  Vorstellung  eines 
riesen  und  Jägers  zu  ergeben  scheint.  Orion  war  den 
Griechen  ein  riesenhafter  (neXojQiog)  Jäger,  der  noch  in 
der  unterweit  9   auf  der  Asfodeloswiese  das  wild  verfolgt 


*)  ganz  in  der  art,   wie  man  die  weit,   vornen  gleif^end  sclion, 
hinten  zerfressen  vorstellte  (s.  494.) 

**)  feen  der  kindermärchen  abgerechnet. 


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534  WÜTENDES  HEER       ORION 

(Od.  11,  572)  und  ein  leuclitendea  gestirn  bildet«  Homer 
nennt  Orions  jngdliund  (II.  22 ,  29) ,  den  man  ani  falmmel 
unter  ihm  erblickt,  vor  ihm  sind  die  pleiaden  (eine  kütte 
wilder  tauben,  Od.  12,  62)  auf  der  flucht,  selbst  die  grofs« 
barin  scheint  nach  ihm  hinzuschauen  (Od.  5,  274.)*)  Ob 
auch  unsere  vorfahren  das  nemliche  gestirn  mit  dem  mylhus 
von  der  -wilden  jagd  in  beziehimg  brachten?  ich  habe  es 
s.  418  vorschnell  in  abrede  gestellt«  einmal  könnte  mao 
den  ags.  namen  eherhaajen  damit  verbinden,  dann  aber 
anschlagen,  dafs  die  drei  den  gürte!  bildenden  steme  spinn- 
rochen  der  Fricha  lieifsen,  die  als  Holda  dem  wütenden 
beer  vorangeht,  und  gerade  bei  seiner  erscheinung  auf  Weih- 
nachten der  spinnerinneu  wahrnimmt,  wo  Fricka  das  gestirn 
benennt,  hebt  sich  ihre  Spindel  hervor,  wo  ihm  WuoHn 
oder  ein  ricsenheld  den  namen  verleiht,  kann  die  gmppe 
gejagter  eher  ausgezeichnet  sein?  Die  griech.  fabel  entfal- 
tet sich  noch  reiclier.  Orion  wird  geblendet  und  von  Re- 
dalion ,  einem  wunderbaren  kinde ,  das  auf  seinen  schul- 
tern sitzt,  zu  neuem  lichte  geleitet,  dem  blinden  rieten 
liehe  sicli  der  hopjlose  wilde  jagcr**)  vergleichen?  Noch 
mehr  fällt  mir  der  zug  auf,  dafs  Artemis  aus  der  erde 
einen  scorpion  hervorgehn  läfst,  der  Orion  in  den  Inorhel 
sticht  und  durch  diesen  stich  tödtet***):  wenn  sich  das 
zeichen  des  scorpions  am  himmel  erhebt,  sinkt  Orion  unter, 
das  gemahnt  an  Hackelberend,  dessen  Jufs^  vom  haaer 
des  ebers  gestochen,  seinen  tod  verursacht«  Orion  geht 
zur  Sommersonnenwende  auf,  zur  Wintersonnenwende  unter, 
in  den  winternächten  strahlt  er,  wo  auch  das  wütende 
beer  erscheint,  windsturm  begleitet  ihn  (nimbosus  Orion. 
Aen.  1,  535.)  er  hat  die  gäbe  empfangen  auf  dem  meer 
zu  wandeln  (Apollod.  I.  4,  3),  wie  die  rosse  der  aaskareia 
über  die  flut  ziehen,  ich  lasse  dahin  gestellt,  ob  alle  diese 
Vermutungen  sich  behaupten  können.  Orions  verfailtois 
zu  Artemis  gleicht  dem  des  Wuotan  zu  Holda  nicht,  ob- 
gleich Holda  Diana  ist,  allein  beide ^  Wuotan  und  HoMa 
treten  nie  zusammen  im  heer  auf. 


•)  O.  Müller  über  Orion  (rheio.  mos.  f.  philol.  2,  12.) 
**)  jeder   mi4isethater,    dessen    verbrechen   vor  seinem   tod    nidit 
herauskommt,    mufs  mit  dem   köpf  unter  dem  arm  amgelm  (abergi- 
605.)    sollte  auch  das  blenden  oder  erblinden  geisterhaftes  irren  tiu- 
drücken? 

***)   Aratufl  pbaenom.637.  Ovid.  fiist.  6, 541.  Lucan.  phars.  9, 891 


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ENTRÜCKUNG  535 


CAP.  XXV.    ENTRÜCKUNG. 


Unserer  mythologie  vorzüglich  eigen  ist  die  idee  der 
enlrückungi  w^ie  sie  sich  zwar  schon  auf  den  Inhalt  des 
vorausgehenden  cap.  erstreckt,  aher  einen  noch  weiteren 
umfang  hat. 

y'erwiinachen  bedeutet  einen  fluch  oder  bann  aus« 
sprechen,  maledicere,  diris  devovere,  was  goth,  Jraquithan^ 
^\ii*  Jarwdzan  ^  mhd.  verwdzen  heifst;  da  ich  verwün- 
schen in  der  älteren  spräche  noch  nicht  finde,  erkläre  ich 
es  blofs  aus  dem  gegensatz  von  vrünschen  (fausta  apprecari) 
und  enthalte  mich  darin  bezug  auf  den  wünsch  (die  fülle 
des  heils  und  segens)  zu  vermuten« 

Von  vf  er  Wandlungen  unterscheiden  Verwünschungen 
sich  darin ^  dafs  sie  nicht  umgestalten,  vielmehr  die  natür- 
liche form  der  dinge  festbannen  und  nur  in  andre  läge 
versetzen;  wiewol  der  Sprachgebrauch  auch  das  verwan- 
delte verwünscht  nennt,  ferner,  das  verwandelte  beharrt, 
bis  zum  Zeitpunkt  seiner  erlösung,  in  der  neuen  gestalt, 
in  welche  es  umgeschalTen  wurde  ^  allen  äugen  sichtbar, 
z.b.  der  stein  oder  bäum,  in  den  ein  mensch  verwandelt 
ist;  bei  dem  verwünschten  aber,  nach  dem  begrif,  den 
ich  ihm  hier  gebe,  scheint  mir  wesentlich,  dafs  es  imsem 
lianen  entrückt  werde,  und  blofs  zuweilen,  in  seiner 
vorigen  form,  erscheine.  Anders  ausgedrückt:  das  ver-- 
wandelte  bleibt  leiblich,  das  verwünschte  verschwindet 
und  kann  nur  bedingungsweise  wieder  leibhaft  werden, 
wie  es  in  dem  belieben  unsichtbarer  geister  steht,  gröbere 
sianliche '  gestalten  anzunehmen,  entrückte  menschen  sind 
also  geisterähnliche,  und  noch  eine  bezeichnung  dafür  ist: 
sie  schlajenj   nur  von  zeit  zu  zeit  erwachen  sie. 

Entrückbar  sind  aber  nicht  allein  personen,  sondern 
auch  Sachen,  verschwindende  und  wiederkehrende  perso- 
nen fallen  ganz  mit  dem  begrif  zusammen,  den  das  vorige 
cap.  von  gespenstern  aufgestellt  hat,  und  genau  wie  dort 
Seelen  verstorbner  menschen  sich  mit  beiden  und  göttern 
identificierten ,  stofscn  wir  auch  hier  wieder  auf  die  nem- 
lichen  beiden  und  götter. 

Die  entrückung  pflegt  unser  Volksglaube  gern  so  zu 
fassen,  dafs  er  die  verwünsclilcn  gegenstände  in  her^e 
versetzt,  gleichsam  die  erde,  zu  deren  aufnähme,   sich 


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536  BBRGENTRÜCKUNG 

öfnen  läfst,*)  Hierbei  können  mehrere  Vorstellungen  ge- 
schäfUg  sein,  die  mütterliche  erde  birgt  in  ihren  scliofs, 
die  todten  und  scelenwelt  ist  eine  unterirdische,  elbe  und 
zwerge  worden  in  bergen  wohnend  gedacht,  nicht  sowol 
tief  in  der  erde ,  als  in  bergen  und  felsen ,  die  sich  auf 
der  oberiläche  der  erde  erheben.  Volksmiilsige  verwün- 
schungsformeln  pflegen  aber  auf  das  manigfalligste  den 
tiefsten  abgrund  auszudrücken.**) 

Nun  begreift  es  sich,  warum  Jrau  Holda,  frau  l^enuM 
mit  ihrem  gesinde  in  befugen  hausen :  sie  sind  dahin  ent- 
rückt bis  die  zeit  ihres  umzugs  unter  den  menschen  nahL 
so  wohnt  auch  könig  Carl  im  Odenberg. 

Einzelnen  menschen  gelingt  der  zutritt  in  solche  berge; 
Tannhäuser  verweilte  Jahrelang  bei  frau  Venus.  Ein  scbmied 
suchte  in  den  hecken  des  Odenbergs  nach  einem  weifsdom 
zum  hammerstiei,  plötzlich  entdeckte  er  ein  vorher  nie 
wahrgeuommnes  loch  in  dem  Steingefälle,  trat  hinein  und 
stand  in  einer  neuen  wunderweit,  starke  männer  kegelten 
da  mit  eisernen  kugeln»  der  Schmied  schaute  ihnen  su; 
sie  forderten  ihn  auf  mitzus|>ielen,  was  er  ablehnte,  'die 
eisenkugehi  wären  seinen  banden  zu  schwer',  die  männer 
blieben  aber  freundlich  uiid  sagten,  er  solle  sich  ein  ge- 
schenk  wählen,  der  Schmied  bat  um  eine  der  kugeln ,  trug 
sie  heim  und  legte  sie  unter  sein  eisengeräth.  als  er  sie 
nun  später  verschmieden  wollte  und  rothgeglüht  hatte, 
zersprang  sie  auf  dem  ambofs  in  stücke  und  jedes  sluck 
war  eitel  gold.    So  oft  er  wieder  auf  den  Odenberg  kam, 

*)  angedaltige  sehnsncht  nach  entrüchung  gebeo  wir  dorch  die 
redensarteo  za  erkenaen:  ich  möchte  in  die  erde  schliefen^  aus  der 
haut  fahren  t  was  auch  am  Schlüsse  des  liedes  von  der  klage  hei&t: 
sich  versliefen  und  üz  der  hiute  trit-fen  io  löcher  der  steioweiKie. 
O.  IV,  26,  43:  ruafet  thesön  bergon,  bittet  sie  sie  fallM  ubar  iuiA, 
joh  bittet  ouh  thie  buhila,  thaz  sie  iuih  theken  obana,  ir  biginoet 
thanoe  innan  erda  sliafun  joh  suintet  fiiu  thrÄto.  Hei.  166,  3:  thaa 
gl  sd  gerna  sind,  that  iu  hier  bihlidun  hoha  bergest  diopo  bidelbat», 
diese  spräche  ist  freilich  biblisch  (Luc.  23 ,  30) ,  aber  die  eropfindoBg 
vieler  Volker  wird  in  solchen  dingen  zusammenstimmen.  Nil».  86T,  2: 
mir  troumte  wie  obe  dir  ze  tal  vielen  zwSne  berge» 

**)  'hunderttausend  klafter  tief  in  die  erde'  verwunschen;  'so  tief 
als  ein  hase  in  zwei  jähren  laufen  kann!'  (s.  122);  'so  tief,  dafs  keia 
hahn  nach  dir  kräht  !*  und  dergleichen  mehr,  was  ist  der  letzten  forme] 
sinn?  dafs  der  versunkene  nicht  mehr  den  durchdringenden  bafanrttf 
in  nächtlicher  stille  vernehmen,  oder  dafs  man  oben  auf  der  erde  Atm 
krat  des  mitversunkenen  hausthiers  aus  der  unterirdischen  woliauag^ 
nicht  mehr  hören  könne?  auch  KM.  2,  32  heifst  es  von  königstöcb- 
tern:  'se  versunken  alle  drei  so  dcip  unner  de  eere,  dat  kieo  batm 
uier  danach  krehetc.* 


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BERGENTRÜCKDNG       IVELTBNDB        ö»7 

fand  er  die  öfhuDg  nimmer,  {enesmal  hatte  er  eben  den  tng 
getroCfen,  an  welchem  der  berg  den  menschen  offen  steht, 
hn  alten  bergachlosse  Geroldseck  sollen  Siegfried 
und  andere  beiden  wohnen  und  dem  deutschen  volk,  wann 
es  in  höchster  noth  sein  wird ,  daraus  erscheinen  (deutsche 
sag.  no.  21.)  Eine  felshlujt  am  Vierwaldstättersee,  nach 
andern  auf  dem  Grülli,  birgt  die  schlafenden  drei  Stifter 
des  Schweizerbundes,  sie  werden  aufwachen^  wann  ihrer 
das  Vaterland  bedarf  (das.  no.  297.)  Auf  dem  Kifhäuser 
in  Thüringen  schläft  Friedrich  Rothbart  i  er  sitzt  an  ei- 
nem runden  steintisch,  den  köpf  in  der  band  haltend, 
nickend,  mit  den  äugen  zwinkernd,  sein  hart  wächst  um 
den  tisch  und  hat  schon  zweimal  dessen  rundnng  um- 
schlossen ,  wann  er  das  drittemal  herum  gewachsen  sein 
wird,  erfolgt  des  königs  aufwachen,  bei  seinem  hervor- 
kommen wird  er  seinen  schild  hängen  an  einen  dürren 
bat/m,  davon  wird  der  bäum  grünen  und  eine  bessere 
zeit  werden,  doch  einige  haben  ihn  auch  wachend  gesehn  e 
einen  schäfer,  der  ein  ihm  wolgefalliges  lied  gepfiffen,  fragt; 
Friedrich:  ^fliegen  die  raben  noch  um  den  berg?'  und 
als  der  scliäfer  bejahte:  ^so  mufs  ich  hundert  jähre  länger 
schlafen\  *)      der   schäfer  wurde  in   des  königs  rüstkam- 

*)  ähnliche  fragen  thut  der  hllnde  riese  in  einer  schwcd.  volk«- 
saf^e,  die  ioh  ans  Bexells  Hailand  (Gotheborg  1818.  2.  p.301)  hier 
einschalte:  nagra  gjömän  ifran  Getinge  blefvo  pa  hafvet  af  atoimarne 
forde  emot  eu  okänd  6,  omgifne  af  mörker  uppstiga  de  der.  de  ble^ 
varse  en  pa  afstand  upptänd  eld  och  skynda  dit.  franifur  elden  ligger 
en  ovanligt  lang  man »  som  ?ar  blind ;  en  annan  af  lika  jättestoriek 
Star  bredvid  honom  och  ror  i  elden  med  en  iärnstang.  den  gamle 
blinde  mannen  reser  sig  upp,  och  fragar  de  ankomne  främlingarne, 
bvarirraii  de  voro.  de  svara  ifran  Hailand  och  Getinge  socken,  hvarpli 
den  blinde  fragar:  'lefver  ännn  den  huita  qi/innan?*  de  avarade  ja, 
fast  de  ej  viste  hvad  han  liarmed  menade.  ater  sporde  han:  'manne 
mitt  grthua  stär  ännn  qvar?'  de  svarade  aterigen  ja,  ehum  de  afven 
Toro  okunnige  om  hvad  han  menade.  Da  sade  han  'jag  fick  ej  hafva 
mitt  get/jits  I  fred  for  den  kyrkan,  som  byggdes  pa  den  platsen. 
wiljen  1  komma  lyckligt  hem,  välan,  jag  lemnar  er  dertill  trenne  vil- 
kor.'  de  lofva,  och  den  gamle  blinde  fortfor:  'tagen  detta  söljMlte^ 
orh  när  I  kommen  hem,  sa  spännen  det  pä  den  hvita  qvinnan^  och 
denne  ask  satten  den  pa  altaret  i  mitt  gethus.*  Lyckligen  äterkomne 
tili  hembygden  radfraga  sig  sjomännerne  hurn  de  skulle  efterkomma 
den  gamle  blinde  mannens  begäran.  man  beslöt  at  spänna  haltet 
omkring  en  hjörht  och  hjörken  for  i  lüften^  och  at  sätta  asken  pä 
en  knlle»  och  atraxt  «/är  kulUn  i  Giusan  laga,  men  efter  det  kyrkan 
är  bygd  der  den  blinde  mannen  hade  sitt  gethns,  har  hon  fatt  namnet 
Getinge.  Der  blinde,  auf  die  insel  entrückte  riese  ist  ein  gespenstiger 
heidnischer  gott  (vgl.  Orion  8.534),  die  weifse  frau  eine  christliche 
kirche,  oder  jungfraa  Maria. 


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538  WELTBNDB       DOREUBR  BADM 

mer  gdfährt  und  bekam  den  fufs  eines  handfasses  geecheidu, 
den  der  goldsclimied  für  echtes  gold  erkannte  (das.  no. 
23.  296.)  Nach  andern  sitzt  Friedrich  in  einer  felsen^ 
hole  bei  Kaiserslautern  (das.  no.  295)  oder  zu  Trifels  bei 
Auweiler ,  oder  im  Unterberg  bei  Salzburg  (das.  no.  28), 
wo  aber  einige  Carl  den  grqjsen  oder  den  fdnjten  hau- 
sen lassen  und  das  wacJisen  des  barts  um  den  tisdi 
ebenso  erzählt  wird,  hat  der  hart  zum  drittenmal  die  letzte 
tischecke  erreicht,  so  tritt  das  ivellende  ein,  auf  dem 
Walserfeld  erfolgt  eine  blutige  Schlacht,  der  antichrist 
erscheint,  die  engel posaunen  tönen  und  der  jüngste  tag 
ist  angebrochen,  das  Walserfeld  hat  einen  dürren  baunij 
der  schon  dreimal  umgehauen  wurde ,  seine  wurzel  schlug 
immer  aus,  dafs  ein  neuer  vollkommner  bäum  daraus  er- 
wuchs, wann  er  wieder  beginnt  zu  grünen  j  dann  nabt 
die  schreckliche  schlacht,  und  wann  er  fruchte  trägt  wird 
sie  anheben.  Friedrich  hängt  dann  seinen  Schild  an  den 
bäum,  alles  wird  hinzulaufen  und  ein  solches  blutbad  sein, 
dafs  den  kriegem  das  blut  in  die  schuhe  rinnt,  da  wer- 
den die  bösen  von  den  guten  menschen  erscldagen  wer- 
den (das.  no.  24.  28.)  In  dieser  b'edeutsamen  überliefenuig 
läfst  sich  altes  und  uraltes  aufweisen,  ein  geistliches  lied 
des  16  jh.  erwähnt  herzog  Friedrichs  ^  der  das  beiUge 
grab  wieder  gewinnen  und  sein  schild  an  einen  laublosen 
bäum  hängen  soll,  der  antechriste  wird  dabei  genannt.^) 
das  ältere  bruchstück  eines  gedichts  aus  dem  15  jh.  vom 
verlorenen  haiser  Friedrich  sagt,  niemand  wisse  wohin 
er  gerathen  sei,  von  alten  bauem  aber  werde  versichert, 
er  lebe,  lasse  sich  oft  als  waller  bei  ihnen  sehen  und 
sichere  öffentlich  zu,  dafs  er  noch  einmal  auf  römischer 
erde  gewaltig  werden,  pfaiTen  stören  und  das  heilige  land 
erobern  wolle,  dann  werde  er  ^seines  Schildes  last  tiaken 
an  den  dürren  astJ*  (das.  no.  488.)  ein  gedieht,  etwa  von 
1350,  sagt:  'so  wirt  daz  vrleufg  also  grofs^  nymand 
kan  ez  gestillen,  so  kumpt  sich  kayser  Fridrich  der  her 
vnd  auch  der  milt,  er  vert  dort  her  durch  gotes  willen, 
an  einen   dürren  pau>m  so  henkt  er  seinen  sclült.     so 

wirt  die   vart  hin  über  mer er  vert  dort  hin    zum 

dürren  pau?m  an  alles  widerhap,  dar  an  so  henht  er  sei^ 
nen  schilt ,  er  grünet  unde  pirt:  so  wirt  geu^un  daz 
heilig  grap f  daz  nymmer  swert  darup  gezogen  wirf.***) 


•)   Grtitcrs  Odina  p.l97. 
*0«Aretint  beitr.  9»  1134. 


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WELTO^B       DÜRRER  BADM  589 

ick   ymnute  Shnliche,    früher«  äufserungen   ia   der  mhcL 
bearbeilung  von  Sibyllen  Weissagungen/) 

Friedrich  im  KifhSusery  Friedrich  oder  Carl  im  Un- 
terberg, Carl  im  Odenberg,  Holda  im  Horselberg  drücken 
die  selbe  mythische  idee  aus,  überall  aber  knüpfen  sich 
eigene  nebensagen  an.  Carl  liefert  eine  ungeheuere  Schlacht 
und  wird  nachher  in  den  Odenberg  aufgenommen ,  aus  dem 
er  dereinst  zu  neuem  krieg  und  sieg  hervorgeht.  Fried- 
rich kommt  aus  dem  Unterberg  und  schlägt  eine  solche 
schlaclit.  im  13. 14.  15  jh.  verband  damit  das  volk  die 
Wiedergewinnung  des  heil,  grabs,  auf  diesen  zweck  sind 
die  beiden  des  Odenbergs  und  Kifhäusers  nicht  gerichtet, 
älter  ist  die  bestimmung^  dafs  mit  ihrem  aufwachen  die 
grol'se  Weltschlacht  und  der  Jüngste  tag  anbrechen  soll ; 
daran  läfst  die  erwähnung  des  antichrists  keinen  zweifei. 
hier  ist  deutlicher  Zusammenhang  mit  dem  mythus  vom 
u^eltuntergange  s.  468  —  470.  der  aufgehangne  achild 
kann  den  nahenden  richter  bezeichnen  (RA.  851);  auch 
das  zeichen  des  neugrünenden  baums  scheint  mir  eher 
heidnisch  als  christlich. .  zwar  liefse  es  sich  auf  Luc.  21, 
29,30  (H^l.  132,14)  beziehen,  wo  die  zeichen  des  welt- 
tages  dem  ausschlagenden  feigbaum,  als  zeichen  des  na- 
henden sommers  verglichen  werden,  die  anwendung  des 
gleichnisses    auf  den   jüngsten  tag  wäre    aber   ein   misgrif. 


*)  in  einer  bandscbriftiicbeD  historia  triam  regom  wird  eines  ten- 
pcls  der  Tartaren  gedacht  hinter  manem,  schlossern  und  riegeln 
steht  ein  dürrer  baum^  heermänner  hüten  sein,  weichem  fursten  es 
gelingt,  sein  schild  an  diesen  bäum  zu  hängen^  der  wird  herr  des 
ganzen  Ostens,  wie  es  dem  grofsen  chan,  der  deshalb  unwiderstehlich 
sein  soll,  gelungen  Ist  Göthes  kunst  u.  alt  IL  2,  174.  175.  Monte- 
villa  hingegen  meldet,  im  thal  Mambre,  wenn  man  too  Bbron  nach 
Bethlehem  ziehe,  stehe  der  elende ^  dürre  haum,  den  sie  heifsen  Trip^ 
aber  wir  nennen  ihn  siegesbaum^  und  ist  ein  eichbaum  und  man  meint, 
er  sei  gestanden  Ton  anbeginn  der  weit  und  war  vor  gottes  marter 
H^rün  und  geblättert,  aber  da  gott  an  dem  crens  starb,  dorrete  er  .... 
man  findet  in  Weissagungen  geschrieben:  es  solle  ein  fürst  kommen 
aus  Niederland  mit  vielen  Christen,  der  soll  dieselbigen  länder  gewin- 
nen, ond  soll  lassen  messe  singen  unter  dem  dürren  baum^  dann  soll 
er  wieder  grüne  blätter  überkommen  und  fruchtbar  werden,  und  um 
des  wanders  willen  sollen  alle  Jaden  und  Heiden  Christen  werden, 
darum  erzeigt  man  ihm  grofse  ehre  und  verhütet  ihn  gar  wol.  So 
nach  der  Übersetzung  des  Otto  von  Diemeringen ;  die  niederländ.  aus- 
gäbe nennt  den  bäum  Drip^  die  lat  Dirp  und  hat  nichts  von  der 
Weissagung  des  messesingens.  Ist  dieser  zug  in  Deutschland  elnge- 
sclialtet,  überhaupt  hier  eine  abendlandische  sage  in  den  Orient  ge- 
kommen? oder  stammen  die  deutschen  folksüberlieferungen  alle  ans 
morgeoländiscbea  reiseberichteil?  • 


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540  WBLTENDB 

lieber  denke  ich  an  die  nach  dem  muspilli  neugrünends 
erde  (Saeni.  9^),  ich  möchte  sogar,  vrenn  es  nicht  zu  kühn 
ist,  bestätigung  meiner  deutung  von  muspilli y  mudspilli 
=  arboris  perditio  (s.  467)  gewinnen  aus  dem  dürren 
baiim,"^)  Und  wie,  wenn  Friedrichs  frage  nach  den  fiie^ 
genden  rahen  noch  zusammenhienge  mit  dem  über  der 
neuen  weit  fliegenden  adler  (Srem.  9^)  ?  auch  an  die  hra^ 
nicke  darf  sie  erinnern,  welche  zur  zeit  der  grofsen  nie- 
derlage  durch  die  brotbanke  geflogen  hommen  (deutsche 
sag.  uo.  317.)  Fiscliart  (Garg.  266^267»)  bindet  die  wie- 
derkelir  des  verwünschten  königs  gerade  so  an  der  ira- 
niche  kunft**) 

Wie  Vergangenheit  und  Zukunft,  das  verlorne  paradis 
und  das  erwartete,  in  der  Vorstellung  des  volks  sich  ver- 
schmelzen ***) ;  so  glaubt  es  an  ein  erwachen  seiner  gelieb- 
ten köuige  und  beiden  aus  dem  bergschlaf  u  Fridrichs 
imd  Carls,  Siegfrieds  und  wol  auch  Dietrichs,  das  ist  des 
epos  rechtes  zeichen,  dafs  es  seinen  gestalten  ewige,  un- 
vergängliche dauer  sichert.  Siegfried  ist  aber  auch  Wuo- 
tan  (s.  18.  anh.  s.xxui),  Dietrich  ist  Wuotan  (s.  525),  und 
Wuotan  steigt,  nach  dem  muspilli,  ein  verjüngter,  wieder 
erwachter  golt,  von  neuem  auf  die  weit. 

Auch  jirtusj  der  eutschwundne  könig,  dessen  Wie- 
derkehr die  Briten  glauben  f ) ,  soll  (wie  er  an  der  spitze 
des  nächtlichen  heers  zieht  s.  528) ,  in  einem  berge  mit 
seiner  massenie  hausen  i  Felicia,  Sybillen  tochter ,  und 
Juno  die  göttin,  leben  in  seiner  gesellschaft,  dem. ganzen 
heer  gebricht  es  nicht  an  speise,  trank,  rossen^ und  klci- 
dern.ff)     In    einem  gewölbe  bei  Rronburg  in  Dänmark 


*)  dorrende  uod  grünende  bänme  werden  auch  sonst  mit  dem 
scliicksal  eines  landes  in  Verbindung  gebracht,  lu  Oietmarsen  stand 
ein  wunderbaum,  der  vor  der  einnähme  des  landes  grünfe,  nach  den 
Verlust  der  freiheit  dorrte,  die  Weissagung  lautet:  wann  eine  elsier 
darauf  nistet  und  fünf  weifse  jungen  ausbringt  y  soll  das  lend  wie- 
der frei  werden.     Neocorus  l ,  237.  vgl.  562. 

**)  andere  zeichen  des  einbrechenden  weitendes :  wenn  der  schipan 
den  ring  aus  dem  schnahel  fallen  Inf  st  (oben  s.  241) ;  wenn  die 
riesenrippey  ans  der  jährlich  ein  tropfe  abfallt,  vertröpfelt  sean  wird 
(deutsche  sag.  no.  140);  wenn  die  zunge  der  wage  einsteht  (das.  294); 
wenn  der  stein  im  griinen  t/ial  fällt;  wenn  das  schif  ^us  nngeia 
fertig  wird  (s.  471.) 

***)  s.  476;  selbst  die  partikeln  Je^  einst,  einmal ^  olunt  gtXaM 
auf  beide  zustande. 

f)  *et  prius  Arturus  veniet  vetus  ille  Britannus.*  Henricos  septi- 
niell.  bei  I^eyser  p.  460.  ^cujus  in  Jirturi  tempore  fructiu  erit.*  das. 
p.  477. 

if)  ^rtb.  kr.  Jen.  hs.  99.  lOÖ  (Pocen  1,  132.  183.) 


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BEROENTROCRUNO  541 

sitzen  um  einen  steintisch  gepanzerte  männer,  medergebo« 
geu,  die  bäupter  auf  den  geki^euzteu  armen  ruhend,  als 
Holger  danskey  der  am  ende  des  tisches  sais,  sein  haupt 
erhob,  brach  der  liscli  zusammen,  in  den  sein  hart  ge^ 
wachsen  war,  und  er  sagte:  *wir  kehren  zurück,  wann 
nicht  mehr  männer  in  Dänmark  sein  werden^  als  ihrer 
räum  auf  einer  tonne  haben'  (Thiele  1,23.168.) 

Der  verwünschte  führt  aber  in  der  volkssage  oft  gar 
keinen  namen.  in  der  hole  des  fVillbergs  fand  der  Schäfer 
vom  Osterberg  ein  männlein  vor  einem  steinernen  tisch 
sitzen,  durch  den  sein  hart  gewachsen  war  (dcuisclie 
sag.  no.  314.)  den  schäfer  von  Wernigerode  führte  eia 
greiser  mann  zu  den  schätzen  der  berghöle  (das.  no.315. 
Das  wachsen  des  barts  in  den  stein  oder  um  den  stein 
drückt  vortreflich  die  lange  dauer  der  Vergangenheit  aus. 
Ln  burgheller  von  Salurn  im  schlesischen  Zobtenberg  fand 
mau  drei  männer  am  tische  sitzen  (das.  no.  15.  143),  die 
als  verwünschte  übelthäter  dargestellt  werden. 

Wie  aber  auch  Holda  in  den  berg  gebannt  ist,  so 
sind  es  vorzüglich  weifse  frauen ,  weijsgekleidete  jung" 
jrauen  (s.  178. 179),  auf  welche  der  begrif  dieser  berg- 
verwüöschung  anwendung  leidet:  göttliche,  halbgöttliclie 
weseu  des  heidenthums,  die  den  blicken  der  sterblichen 
noch  zu  bestimmter  zeit  sichtbar  werden ;  am  liebsten  bei 
warmer  eonne  erscheinen  sie  armen  Schäfern  und  hirten- 
jungen. 

Auf  dem  Lahnberg  in  Oberhessen  safs  eine  weifse 
Jungfrau  bei  Sonnenaufgang,  hatte  auf  tüchern  waizen 
zum  bleichen  gebreitet  und  spann,  ein  marburger  becker 
gieng  des  wegs  vorüber  und  nahm  eine  handvoll  körner 
mit.  zu  hause  fand  er  lauter  goldkörner  in  der  tasche. 
Ein  gleiches  erzählt  wird  von  einem  bauer  bei  Friedigerode* 

Ein  armer  schäfer  weidete  an  der  Boyneburg ,  da  sah 
er  im  Sonnenschein  neben  der  sclilofsthür  eine  schnee^ 
weifse  Jungfrau  sitzen,  auf  weifsem  tuch  vor  ihr  lagen 
ilachsknotten,  die  sollten  aufklinken,  verwundert  tritt  der 
schäfer  hinzu,  sagt  *ei  was  schöne  knotten!'  nimmt  eine 
handvoll,  besieht  und  legt  sie  wieder  hin.  die  Jungfrau 
blickt  ihn  freundlich,  aber  traurig  an,  ohne  ein  wort  zu 
erwiedern.  Er  treibt  seine  heerde  heim,  ein  paar  knotlen, 
die  in  die  schuh  gefallen  waren,  drücken  ihm  den  fufs, 
er  setzt  sich,  zieht  den  schuh  ab,  da  rollen  ihm  fünf  oder 
sechs  goldkörner  in   die  band  (deutsche  sag^  no.  10.) 

Im  Olomannsberg  bei  dorf  Geismar  soll  uaclils  ein 
feuer  brennen,    alle  sieben  jähre  kommt  eine  schn<^  i>eifs^ 


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943         .^¥EISSB  FRAUEN        DRACHEN 

gekleidete  jung jr au  heraus,  in  der  band  hSh  sie  einen 
ound  achidaseL 

Ganz  ^ie  in  diesen  lieblichen  sagen,  erscheint  Jraii 
Holla  zur  niittagsstunde  badend  und  ihr  gelblockiges  haar 
kämmend,  oder  spinnend  (s.  166.)  vgl.  die  pielberger  und 
ordrufer  Jungfrau,  die  im  Herlingsbrunnen  badet  (deutsche 
sag.  no.  11.  12.)  eine  badende  Ilsenjungfrau  beschenkt 
den  kühler  mit  eichein  und  tannzapfen,  die  sich  in  gcid 
umwandeln  (das.  no.  316.)*) 

Nahe  dem  begrif  solcher  badenden  weifsen  frauen  lie- 
gen aber  die  wasserholden  und  nixen,  die  auf  gleiche 
weise  sich  sonnen  und  kämmen  (deutsche  sag.  no.  57.  64) 
und  wiederum  führt  nun  derwas8erjungfrauen^«r7/5/?Ä^a«r 
von  selbst  darauf,  den  erscheinenden  weifsen  frauen  einen 
Schlangenschwanz  beizulegen.  selbst  die  norwegische 
Huldra  ist  geschwänzt.  Im  Oselberg  bei  Dinkelsbühl 
haust  eine  schlänge  mit  frauenhaupt  und  Schlüsselbund  am 
hals  (das.  no.  221.)  Im  goldnen  berge  die  verwünschte 
Jungfrau  als  schlänge.  KM.  2,  40.  zuweilen  zeigt  sie  sich 
einen  tag  als  Jungfrau  y  den  andern  als  schlänge^  z.  b. 
auf  dem  berge  des  Schlosses  Landeck.  ^^^ 

Hieran  grenzt  nun  unmittelbar  die  Vorstellung  mann» 
Hoher  schlangen  oder  drachen  ^  die  entrückte  schätze 
bewachen,  offenbar  bezieht  sich  auch  der  scldüsselbundy 
welchen  weifse  Jungfrauen  in  der  band  halten  oder  am 
hals  hängen  haben,  auf  die  bewahrung  eines  geborgnen 
Schatzes,    schlangenirone  führt  zum  schätz  (abergl.  807.) 

Unter  drache  denken  wir  uns  eine  geflügelte  schlänge. 
Der  Nibelungehort  wird  nach  dem  Siegfriedsliede  auf  dem 
Trachenstein  von  einem  drachen  gehütet,  der  sich  alle 
lunf  jähre  und  einen  tag  in  einen  schönen  jnngling  ver- 
wandelt, und  eine  Jungfrau  gefangen  hält,  er  speit,  durch 
die  luft  fliegeud,  feuer  aus.  Bekannt  ist  der  niederrheioi- 
sehe  Drachenfels  (mons  draconis),  der  in  urk.  des  12  jh, 
oft  genannt  wird,  das  älteste  beispiel  einheimischer  sagf 
vom  drachenhort  gewährt  Beovulf:  draca^  se  the  on 
hedpe  hord  beveotode,  stunbeorh  stearne  (4418);  eald 
ülitsceadha^  der  alte  in  der  dämmerung  fliegende  räuber 
(4536) ;  se  the  byrnende  biorgas  s^cedh ,  der  brenoend 
nach   den   bergen   föhrt  (4538);     nacod    ntdJtdraca^  der 


*)  znweilen  hat  die  weifse  jurtgfrau  blofs  eine  nebenrolle:  a« 
(oder  ein  zwerg)  führt  den  flirten  in  den  berg  zum  scblafendeo  köni; 
fin  und^ft  die  waroungsworte  aus. 


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DRACHEN       SCHATZ  M3 

nackende  nelddraclie  (454o);  htedhengold  varadh,  der  hei- 
dengold  hütet  (4547);  se  dheodsceadha  tlireohund  yintra 
heold  on  hrusan^  der  erzräuber  (teufel)  hielt  dreihundert 
jähre  (den  schätz)  in  der  erde  (4550);  horäx^eardn  der 
hortwächter  (4599);  14dh  lyftfloga,  der  leidige  lufttlieger 
(4654);  ligdraca,  flammdrache  (4660);  JfrdracUj  fcuer- 
drache  (5374.)  Aus  der  edda  ist  Fafnir  bekannt,  der  in 
der  Gnitaheide  auf  dem  gold  liegt,  so  dafs  gold  Fdfnis 
bodi  (des  F.  lager)  heifst,  er  speit  feuer  und  gift,  wird 
aber  nie  dreki,  blofs  ormr  genannt,  er  vermag  also  nur 
zu  kriechen,  nicht  zu  fliegen.*)  BW  wird  zum  ormr  und 
liegt  auf  seinen  goldkisten.  fornm.  sog.  11,  158.  draco 
thesauri  custos.   Saxo  gramm.  101. 

Auch  Morgenländern,' Griechen  und  Römern  sind  solche 
schatzhiitende  drachen  bekannt,  der  hundertköpfige,  nie 
sclilafende  drache  bewachte  die  goldäpfel  des  hesperischen 
hams.**) 

Nach  den  volkssagen  liegen  schwarze  hunde  auf  den 
schätzen  zur  bewachung  (deutsche  sag.  no.  13.  159.)  vgl. 
Schm.2,  209.***) 

D^^  goth.  huzd^  ahd.  hört  ^  ags.  heord,  ahn.  Jiodd 
scheint  mir  buchstäblich  das  lat.  cust  in  custos,  und  die- 
ses von  curo  (für  cuso)  abgeleitet ,  so  dafs  füglich  unser 
lu\3  (das  hegende,  schützende)  hinzugehören  könnte,  in 
huzd  liegt  also  schon  der  begrif  des  bewachens.  aus  the- 
saurus ,  ital.  span.  tesoro ,  franz.  tresor  ergab  sich  das  ahd. 
dreso\  treso.  das  goth.  statts ,  ahd.  scaz  bezeichnet  nu- 
nuis  und  ist  erst  allnialich  in  die  bedeutung  von  thesaurus 
öder  gaza  übergegangen ,  noch  in  13  jh.  hatte  achatz  nur 
den  sinn  von  geld,  reichthum  (Flore  7749.  Troj.  2689. 
3171.  MS.  2,  146*),  nicht  den  von  niederlegung  und  be- 
"walirung. 

Der  allgemein  verbreitete  glaube,  dafs  schätze  im  iu- 
neru  der  erde  ruhen ,  läfst  0.  V.  4 ,  23 ,  als  er  von  dem 
erdbeben  bei  des  Heilandes  auferstehung  redet,  sagen:  'sih 
sculita  io  giltcho  thiu  erda  kraftlicho,  ioh  st  sliumo  thar 
irgab  t/iaz  dreso  thar  in  iru  lag\ 


*)  die  deotang  des  namens  aus  föofuir  hat  bedenken.  Ofnir  und 
Sudfnir  sind  schlangeneigenuamen  und  Odhins  beinamen.  unter  der 
gottlicii  verehrten  schlänge  der  Langobarden  (s.  395)  kann  man  sich 
JVuotan  denken. 

*')  Photius,  Bekk.  150,  6.  16.  'incubas  gazae  ut  magnud  draco 
CBitos  scytliici  luci.*     Martial   12,  53. 

**')  was  bedeutet  der  schwarze  hund  abergU  741?  ^ 


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544  DRACHENQORT        SCHATZ 

Aud  der  bergung  des  echatzes  in  der  tiefe  folgt,  daß 
wer  sich  seiner  bemächtigen  will,  ihn  heben  müsse,  man 
glaubt,  dafs  der  schätz  von  selbst  nicke,  d.h.  sidi  langsam 
aber  fortschreitend*),  der  erdoberfiäche  zu  nahem  suche: 
zur  bestimmten  zeit  steht  er  dann  oben  und  ist  seiner  eriö- 
sung  gewärtig,  fehlt  aber  die  geforderte  bedingimg,  so 
wird  er  von  neuem  in  die  tiefe  entrückt.  Jene  annäheruog 
drückt  die  redensart  aus;  'der  schätz  blühei\  wie  das 
glück  blüht  (s.  505),  'er  wird  zeitig\  'er  verblüht^  (SimpL 
2,  191),  mufs  wieder  versinken,  gewöhnlich  zeiligt  er 
alle  sieben,  oft  auch  nur  alle  hundert  jähre.  Er  pflegt 
sich  in  kesseln  zu  heben  und  dann  seine  gegenwart  durch 
eine  auf  ihm  leuchtende  flamme  ahzuzeigcn,  wie  über 
den  gräbern  der  gespenster  flamme  webt  (s.  513.)  Nicht 
selten  liegt  der  feurige  drache  oder  der  schwarze  huud 
oben  darauf.  Viele  schätze  bewegen  sich  aber  nie  gegen 
die  Oberfläche  der  erde,  sondern  müssen  m  der  berghölc 
selbst   gewonnen  werden. 

Zur  hebuug  des  Schatzes  wird  erfordert  stillschwei^ 
gen  und  Unschuld.  Alle  heiligen  und  göttlichen  geschäfte 
dürfen  nicht  besprochen  werden ,  z.  b.  heila\^  ac  ist  still- 
scliweigends  zu  schöpfen  (s.  144.  327),  zauberkräftiges  kraut 
stillschvveigends  zu  brechen,  ein  beschriener  schätz  sinkt 
augenblicklich  hinab  (abergl.  214.)  unschuldige  kinder- 
hände  taugen  ihn  zu  erfassen,  wie  das  loos  zu  ziehen, 
arme  dorfknaben  und  hirtenjungen  finden  ihn  auf  (deutsche 
sag.  no.  7.  157.  158);  wer  sich  durch  ein  laster  befleckte 
kann  ihm  nicht  wieder  nahen  (das.  13.) 

Wer  den  schätz  erblickt  soll  etwas  darauf  werfen, 
um  besitz  von  ihm  zu  ergreifen  und  alle  gefahr  abzuweh* 
ren.  gerathen  wird ,  brot^  oder  ein  auf  blofseoi  leib  getrag- 
nes kleidungsstiick  9  oder  einen  kreuzdreier  über  den 
schätz  zu  werfen  (abergl.  218.  224.  612.) 

-  Um  in  den  berg  zu  gelangen ,  worin  der  schätz  ge- 
borgen ist,  bedarf  es  aber  gemeiniglich  einer  weg  bahnen- 
den ,  thürsprengenden  pflanze  oder  wurzel. 

In  den  volkssagen  wird  gauz  einfach  eine  schöne  wun* 
derblume  genannt,  die  der  beglückte  zufällig  findet  uml 
an  seinen  hut  steckt ;  nun  steht  ihm  auf  einuial  der  eio 
und  ausgang  zu  dem  schätze  des  bergs  offen,  hat  er  in- 
wendig in  der  hole  seine  taschen  gefüllt  und  vom  aoblick 
der  kostbarkeiten  den  hut  abgelegt ,  so  erschallt  hinter  dem 


•)  meistentlieils  heifstes,  er  rücke  alljährlich  einen  haüncnschnii 
weiter,  ^chatz  im  kessel,    deutsche  sag.  212. 


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WÜNSCHELRÜTBE  545 

weggebenden  eine  warnende  stimme*):  ^pergrßs  das  besfe 
nicht r  aber  es  ist  zu  spät,  er  überhört  die  worte  oder 
yersteht  sie  nicht,  und  nun  schlägt  ihm  bei  seinem  aus- 
gang  Jiart  an  der  ferse  die  eiserne  thur  zu,  alles  ist  im 
DU  verschwunden  und  der  pfad  nimmermehr  zu  finden. 
Diese  Formel  kehrt  in  den  sagen  vom  Odenberg,  von  den 
Weserbergen  und  vom  Harz  jedesmal  regelmäfsig  wieder 
(deutsche  sag.  no.  303.  314  und  in  vielen  andern);  sie  ist 
gewis  uralt.  Das  gewaltsame,  plötzliche  zufahren  der  thüre 
mahnt  an  den  eddischen  ausdruck:  'ihegar  lauist  hurdliin 
d  hcela  hönum^  Sn.  2.  Einem  hirtenknaben  wurde  der 
Schuhabsatz  noch  mit  abgerissen  (deutsche  sag.  157)  wie 
sonst  dem  wegeilenden  die  ferse  abgeschlagen  (KJNI.  3,  75.) 
*die  berge  sint  nu  nach  mir  ziid*  JMS.  2,  145*  scheint 
schon  in  einer  redensart  des  13]h.  das  verscherz tsein  eines 
früher  offen  gestandnen  glückes  auszudrücken. 

Anstatt  der  wunderbaren  blume  setzen  andere  erzah- 
lungen  die  springwurzel  (deutsche  sag.  9),  entw.  Wolfs- 
milch (latbyris)  oder  eine  vom  specht^  wenn  man  ihm 
»ein  nest  zuspundet,  herbeigetragne  wurzel.**) 

Es  gibt  aber,  aufser  solchen  thürsprengenden  pflanzen, 
noch  ein  anderes  uraltes  mittel,  gold  und  schätze  in  der 
tiefe  der  erde  aufzuspüren  und  zu  erwerben:  die  wün- 
M'helruthe*  Warum  übertrüge  schon  eine  ahd.  glosse  ca- 
dnceus  durch  i4>unsciligerta  (gramm.  2,  540),  hätte  sie 
nicht  den  begrif  der  zauberkräftigen  ruthe  Mercurs  mit 
jenem  ausdruck  am  nächsten  zu  erreichen  geglaubt?  an 
sich  führte  das  lat.  wort  weder  auf  wünsch  noch  wün- 
schen (N.  Cap.  16.  37  verdeutscht  flugegerta^  virga  vo- 
Intiiis.)  die  Vorstellung  einer  zauberruthe  unter  eigenthüm- 
hch  deutschem  namen  war  also  sehr  frühe  begründet,  und 
dieser  name  hängt  wieder  zusammen  mit  dem  mehrbe- 
sprochenen sinn  des  Wortes  wünsch,  das  wie  saelde  sowoi 
den  inbegrif  von  glück  und  heil,  als  persönliche  wesen 
Wunsch  und  Saelde  bezeichnet,  der  diminutivform  halben 
nehme  ich  in  dem  compositum  wunsciligerta  nicht  die 
persönliche  bedeutung,  sondern  die  sächliche  an:  es  ist  die 
gerle,  durch  deren  besitz  man  alles  irdischen  heils  theil- 
haft  wird,  die  gäbe  dieses  heils  geht  von  dem  allwallen- 
den Wuotan  aus  (s.  236.) 

*)  gleichsam  der  blume  selbst,  mehrere  blamen,  namentlich  ga* 
mander  and  mnaseöbrchen ,  lieifsen  unter  dem  volle  ^vergifsmeinnicht\ 
du  dabei  ihre  wnnderkraft  berücksiciitigte.  die  sentimentale  deutung 
entstand  soater. 

**)  vgl.  vom  medhopf  Aelian  de  nat.  an.  8,  26.  ♦ 

35 

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546  WONSCHELRUTHB 

Auch  die  dichter  des  13  jh.  hedieneh  sich  de»  ai»- 
drucks*  Conrad  in  der  schmiede  664  (614),  Maria  mit 
dem  Stabe  Moses  vergleichend:  Mi\  bist  diu  ivünschd^ 
gerte,  dar  mit  uz  einem  steine  wazzer  wart  geslagcn'; 
1306  (1261)  *di\  8n?lden  (VSaelden)  würi^chelgerie' ;  Troj, 
19888  von  Helena:  'schoene  als  ein  wunsclielgerte  kam 
sie  geslichen  üfreht',  vrie  dänische  Volkslieder  in  gleicheai 
sinn  liljevaand  (lilienstengel)  verwenden  5  Troj.  2215  *alks 
heiles  ein  wünschelHs' ;  Gotfried  in  einem  nünnelied  2,9: 
der  gndde  ein  wänschelruote*  ]  Nithart  im  rosenkr.  3: 
'gespalten  nach  der  wünschelruofen  stam' ;  in  Albr.  Titur. 
mehrmals  wünschelgerte  und  wiinschelruote.  Die  vrich- 
tigste  stelle  findet  sich  aber  Nib.  1064  gerade  bei  beschret- 
bung  des  Nibelungehorts : 

der  wünsch  lac  dar  under,  von  golde  ein  räetelfn, 
der  daz  het  erkunnet,  der  möhte  meister  sin 
"wol  in  al  der  werlte  über  isllchen  man. 
unter  dem  gold  und  gesteine  des  horts  lag  eine  ruthe,  de- 
ren wunderkrafl  (wünsch)  alles  heil,    alle  wonne  enthielt, 
wer  iliren  wertb  kennt  (ich   setze   nach  rüetelin  blofs  ek 
comma  und  beziehe  'daz'  darauf),  dem  ist  gewalt  über  alfc 
menschen   verliehen;   die  wünschelruthe  brachte    nicht  nor 
schätze  zuwege,  sie  stärkte  und  mehrte  fortwährend  ihren 
gehalt 

Hier  wird  die  wünschelruthe  golden  genannt.  Ge- 
wöhnlich brach  man  sie  aus  einer  haselsiaude;  nach 
Vintler  (anh.  LVI)  ist  sie  'das  jährige  zweig  eines  vrü- 
den  haselbaumes.'  es  wird  dazu  ein  ast  mit  einer  zwispel 
(furca)  genommen  und  dreifach  zusammengefunden.*) 
Jene  vergleichung  Conrads  läfsl  aber  eine  einfache,  schlanke 
gerte  vermuten.  Man  unterschied,  wenigstens  später,  meh- 
rere arten :  feuerrathe,  brandruthe,  springruthe,  schlagruthe, 
beberuthe,  nicht  zu  allen  wurde  die  hasel  verwendet,  ei- 
nige aus  mesdingdrat,  vielleicht  auch  aus  gold  verfertigt.  In 
Niederdeutschland  sagt  man  wickerode,  von  wicken,  zaubere. 
Es  gilt,  die  ruthe  richtig  in  der  band  zu  halten,  daoa 
schlägt  sie  an ,  dreht  sich  nach  den  gegenständen ,  die  sie 
anzeigen  soll,  bleibt  aber,  wenn  diese  nicht  vorhanden 
sind,  ruhig,  mau  glaubte  mittelst  der  wünschelruthe  ver- 
borgne schätze,  erzadern,  wasserquellen,  ja  mörder  vad 
diebc  zu  entdecken.**) 

•)  Ettoers  unwurd.  doctor  p.  8—8. 

♦•)  literargescliichte  der  wfioschelrathc  im  neuen  lit  aos.  18*7 
p.  345— 4T7;  vgl.  braunschw.  anz.  1752.  p.  1625.  golh.  tajdKeb. 
1809.  T>.   1—19. 


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BRRGENTRÜCKÜNO  Ö47 

In  Aoslielms  bern.  chron.  2,  8  fiiule  ich  den  ausdruck 
fflücksstäblin,  der  franz.  name  ist  baguette  dii^inatoire; 
nach  den  mem.  de  Facad.  celtique  4,  267  *de  coudrier, 
fourvhue  dhm  cote* 

Sollte  nicht  das  ahn,  gambanteinn  Saem.  77^  85** 
einen  äliullchen  begrif  enthalten?  tciun  ist  ramus^  vlrga 
(gotli.  tains,  ahd,  zein,  ags.  t4n,  alts.  t^n),  gamban  wider- 
steht allen  seitherigen  dentungen.  in  aer  letztgedachlen 
stelle  wird  gambanteinn  im  wald  gehdlt: 

til  holtz  ec  g^cc  oc  til  hrus  vidhar 

gambantein  at  gela.  gamban tein  ec  at. 
Saenu  60*»  handelt  es  sich  auch  von  einem  ganibansumbl 
iimgeta,  was  recht  gut  eine  wüiischelmahlzeit  der  göller 
bedeuten  könnte,  ich  würde  die  Variante  gamansumbl  neh- 
men, lind  gaman  wonne  auslegen,  wie  wunsc  zu  wunna 
gehören  mag.  indessen  findet  sich  Beov.  21  ein  ags.  goni^ 
ban  gyldan,  verschieden  von  gomeu  (gaudium.)  auch 
Harns  vendi  ec  thic  drep'  Saem.  84**  verdient  erwägung, 
tanis  vöndr  (virga  domitoria)  ist  sicher  ein  Stab  von  zau- 
berhafter Wirkung. 

Eine  ausführliche  sage  von  einem  wänschelstab ,  den^ 
der  h.  Columban  einem  armen  mann  schenkte,  dieser  aber 
auf  anstiften  seiner  frau  zerschlug,  findet  sich  in  Adamanni 
Scoli  vita  S.  Cohimbae  cap.  24  (Canisii  lect.  antiq.  tom.  5.) 

Am  bedeutsamsten  für  den  ursprünglichen  sinn  der 
wiinschelruthe  wird  das  kerykeion  des  Hermes  (der  ca- 
duceus  des  Mercur):  eine  gerte  um  welche  sich  schlan- 
gen winden,  die  schlangen  scheinen  aber  erst  spater  aus 
den  zweigen  der  olive  gebildet,  so  dafs  die  ältere  j^aß Sog 
(Odyss.  24,  2)  wahrscheinlich  die  zwiselform  der  wrünschel- 
gerte  hatte,  der  hymn.  in  Merc.  527  nennt  sie  oXßov  xal 
71X0VIOV  QaßSov^  XQVOBir^v ,  iQiniTfjXov  >>  golden  (wie  im 
Nib.  lied),  dreiblätterig,  glück  und  reichtlium  schaffend. 
Da  nun  Mercur  zugleich  den  geflügelten  petasus  tragt,  wie 
AVuotan  durch  das  pilei  umbraculum  kennbar  ist,  darin 
aber  wiederum  die  idee  des  wünschelhuts  (s.  507)  w^altet, 
die  heil  und  segenbringende  w'unschelruthe  auf  den  per- 
sönlichen Wunsch,  folglich  Wuotan  bezogen  werden  miifs; 
so  scheint  mir  in  dem  zutreffen  aller  dieser  ähnlichkeiten 
eine  unabweisbare  bestätigung  der  uralten,  unerborgten 
Identität  zwischen   fVuotan  und  Mercur  zu  beruhen. 

Das  mythische  Verhältnis  bergentr lichter  schätze  wie 
das  bergentrückter  beiden  und  götter  hat  uns  also  auf 
AVuotan,  den  höclisten  Schöpfer  und  geber  aller  dinge  ge- 
leitet« 

35* 

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548  WASSBRBNTRÜCRUNG 

Da  auch  elbe  und  zwerge  im  gebirg  hausen  (s.  256. 
257.  264)  und  gleich  den  gespenstern  triegen  (8.261.  512\ 
so  finden  hier  mehrfache  herührungen  statt.  Die  hcl  und 
nehelkappen  der  zweite  (s.  260)  gemahnen  an  den  ^io^ 
schelhut;  das  zwerggeschlecht  besitzt  und  hütet  schätze 
(s.  256) ,  gleich  den  drachen.  *)  wie  frau  Holda  im  wü- 
tenden heer  zieht ^  und  im  berg  sitzt,  so  hangt  sie  aucb 
mit  den  elben  zusammen  (s.  257.)  Zu  den  holen  der 
zwerge  wird  der  eihgang  gefunden  wie  in  die  verzaubert«! 
berge,  entführte  menschen  bringen  eine  Zeitlang  io  gesell- 
schaft  der  elbischen  geister  zu  (s.  280),  wie  in  frau  Wnvs 
berg  (s.  524.)  dem  Tanhäuser  vergleicht  sich  die  scbvre- 
dische  Jungfrau,  welche  acht  jähre  lang  bei  dem  bergkoois 
zubringt,  ihren  eitern  besuch  abstattet,  aber  wieder  iu  deo 
berg  zurückkehren  mufs  (sv.  vis.  I,  l.)  sie  heifst  die  btrg^ 
tagna.  Von  diesem  indtages  i  hö'ie  og  fjelde  fülirt  Fiyc 
s.  55.  36  mehrere  merkwürdige  beispiele  an. 

Ein  ähnliches  Verhältnis  läfst  sich  aber  nun  mit  Was- 
sergeistern nachweisen.  Holla  wohnt  nicht  nur  im  ber?, 
auch  im  brunnen]  eine  Jungfrau  wird  von  den  nixen  ent- 
führt und,  jener  bergtagna  gleich ,  sieben  jähre  im  see  g?- 
halten  (s.  338.) 

Wir  werden  also  auch  heldengeistern  und  schätzen 
ihren  aufentlialt  im  wasser^  wie  im  berg^  angewiesen  selieo. 
König  Carl  sitzt  im  brunnen  zu  jXürnberg^  mit  dem  hart 
in  den  tisch  gewachsen  (deutsche  sag.  22.)  Der  jMbeloiige 
hört  liegt  im  Rhein  versenkt  (Nib.  1077,  3.)  'Rin  skal 
rddba  rögmdlmi,  t  veltanda  vatni  lysaz  valbaugar.'  Saem. 
248*.**)  * 

Burgen  und  städte  liegen  in  der  tiefe  des  wasscrs. 
bei  ruhiger  flut  schaut  man  noch  spitzen  der  thümif. 
oder  vernimmt  ihre  glocken  läuten,  die  sagen  von  Sw- 
biu'g  und  Arensee  sind  schon  s.  472  genannt,  Thiele  er- 
zählt nordische  1,  127.  3,  73;  es  gibt  eine  menge  andirr, 
vgL  Frauensand  (deutsche  sag.  239),  wie  von  bergversclin!- 
teten  Tdas.  no.  344.)  Die  versinkungsformel  gegen  die 
riesin  (s.  320)  kann  von  der  erde  oder  von  dem  wasser 
(wie  gegen  die  nixe  s.  282)  verstanden  werden. 


*)  schatzlifitende  bergge ister  in  der  Schenkofenbole,  im  Retcbei- 
spitz,  im  Zillertlial.    Mucliars  Gaateia  p.  115. 

**)  Rheia  scheint  in  aolcben  fallen  öfter   etwas  all^meines  vtsnr 
drücken:  'der  tiufel  senke  in  in  den  Rtnl'    Eilh.  Tristr.  9631. 


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DUALISMUS  549 


CAP.  XXVI.     TEUFEL. 

Die  Vorstellung  des  teiifels  und  teuflischer  geister, 
welche  allmaltcli  auch  in  dem  Volksglauben  so  grofsen  um- 
fang gewonnen  und  so  feste  wurzel  geschlagen  hat,  war 
uuserni  heidenthum  fremd. 

Überhaupt  scheint  es,  dafs  ein  das  höchste  wesen  in 
gegensälze  spaltender  dualismus,  yvo  er  nicht  in  urallem 
liefsinn  des  Systems  (wie  etwa  des  zendischen)  seinen  grund 
hat,  späterhin  nur  durch  abstracle  philosopheme  hergestellt 
wird,  den  in  breiter  mitte  liegenden  sinnlichen  mylholo- 
giea  ist  er  unangemessen. 

,  Einen  durchdringenden  idealistischen  unterschied  zwi- 
schen gutem  und  bösem  geist ,  Ormuzd  und  Ahriman  *), 
kennt  weder  die  indische  und  griechische,  noch  die  deut- 
sche gölterlehre.  vor  der  gewalt  des  einen  allvvallenden 
gottes  verschwindet  des  kakodamons  macht.  Aus  dieser 
einheit  erwachsen  dann  trilogien  (Brahma,  Wischnu, 
Schiwa;  Zeus,  Poseidon,  Pluton;  Wuotan,  Donar,  Frö; 
Här,  lafnhar,  Thridhi),  dodekalogien ,  und  die  fülle  des 
Pantheismus.  Grundzug  der  Vielgötterei  ist  aber,  dünkt 
mich,  dafs  das  gute  und  wolthätige  princip  in  dem  gött- 
lichen überwiegt;  nur  einzelne,  dem  ganzen  untergeord- 
nete gottheiten  neigen  sich  zum  bösen  oder  schädlichen, 
wie  der  nord.  Loki,  dessen  natur  gleichwol  immer  noch 
der  des  Hephästos  näher  steht,  als  des  christlichen  teufeis. 
Selbst  in  den  elbischen  geistern  waltet  die  gi^te  vor;  dem 
nix,  dem  kobold,  ja  dem  riesen  wird  nur  theilweise  grau- 
samkeit  oder  tücke  beigelegt.  Hiermit  im  einklang  ist  die 
müde  Vorstellung  unseres  alterthums  von  tod  und  von  un- 
terweit. 

Danim  braucht  jedoch  in  dem  gestalten  und  farben- 
reichthum  soltJier  mylhologien  der  dualistische  gegensatz 
nicht  völlig  zu  schweigen,  in  einzelnen  zügen  tritt  er  auf, 
ohne  in  das  ganze  einzugreifen,  hierher  fallen  z.  b.  die 
mythen  von  tag  und  nacht ,  von  licht  und  schwarzelben 
(s.  250),  von  sommer  und  wiuter.  **) 

')  die  echten  formen  lauten  AharomazdAo  nnd  Ägromaiojus,  jener 
hcifst  aber  «uch  häufi«r  Cpentt>malnjus,  uyuOoq  daLmov,  gegenüber  dem 
Ägrömainjus,  dem  xaxo«;  duifiMr.  Buniout*  comm.  sur  Ic  Yayua  p.  96.  92. 
••)  der  »lavisrhe  glaube  stellt  einen  weifsen  und  scliwarzen  gott 
auf;  Bjelboff  und  T«clieniibog.  dieser  dualiitniu«  scheint  mir  aber  we- 
der durchdriugeud,  noch  ursprünglicli. 


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550  TEUFEL 

Der  jüdische  moiiotlieismus  gewährlc  dem  satan  (]C^) 
blofs  die  nebenrolle  eiues  versucliers,  lasterers,  wie  sie  das 
buch  Hiob  deutlich  zeigt,  und  der  gr.  ausdruck  diaßolog, 
den  die  LXX  und  das  N.  T.,  abwecliselnd  mit  aardv,  aa- 
zaväSy  oder  Saifioviov  (meist  für  das  hehr,  n^)  brauchen, 
bestätigt.  Seit  dem  cxil  waren  aber  die  Juden  mit  der  idec 
des  dualismus  bekannter,  und  zur  zeit  des  N.  T,  hatte  sich 
die  ganze  dämonologie  vielfach  ausgebildet;  Beelzebub  wird 
als  der  oberste  aller  bösen  geister  genannt,  den  das  A.  T. 
blofs  als  ein  heidnisches  idol  kennt;  hier  also  schon  gehen 
götzen  über  in  den  begrif  der  damone  oder  teufel. 

Es  gehört  ir^  die  geschichte  des  Christen th ums  zu  ent- 
wickeln, wie  die  Vorstellung  von  Lucifer  *),  einem  abge- 
fallnen  Uchtgeist,  der  sich  wider  gott  vermafs  und  mit  sei- 
nen anhängern  (engel  werden  schon  Matth.  25,  41  dem 
teufel  beigelegt)  in  die  finsternis  verwiesen  wurde,  hinzu- 
trat, das  System  eines  teuflischen  reichs,  im  feindlichen 
gegensatz  zu  dem  himmlischen ,  erlangte  dadurch  immer 
mehr  halt;  die  bösen  geister  sind  zwar  der  schwäclicre 
theil  und  unterliegen,  allein  sie  werben  um  gottlose  men- 
schen und  suchen  ihr  beer  damit  zu  verstärken,  bündnissc 
werden  mit  dem  teufel  geschlossen  und  er  unterstützt  sebe 
verbündete  schon  in  ihrem  irdischen  leben. 

Von  der  andern  seite  wirkte  die  bekehning  der  Hei- 
den selbst  mit,  die  herschende  Vorstellung  von  dem  einflufs 
des  teufeis  zu  erweitern  und  zu  vervielfältigen,  es  ist 
schon  öfter  bemerkt,  dafs  die  verlassenen  heidnischen  göt- 
ter  zwar  für  besiegt  und  ohnmächtig,  nicht  aber  geradezu 
für  machtlos  erklärt  worden:  ilire  ehmals  gütige,  wolthä- 
tige  gewalt  hatte  sich  in  eine  böse',  teuflische  verkehrt, 
was  also  die  Christen  von  dem  teufel  glaubten  bekam  durch 
die  Heiden  einen  doppelten  Zuwachs:  heidnische  gottheiten 
und  geister,  die  an  sich  schon  übelthätig  und  finster  waren 
(z.  b.  Loki  und  Hei)  giengen  leicht  in  den  christlichen  be- 
grif teuflischer  wesen  über;  schwieriger,  und  mit  gröfserem 
widerstand  der  volksmeinung,  erfolgte  die  verwandlimg  der 
guten  götler  des  alterthums  in  gespenster  und  teufel.  mei- 
stentheils  wurden  dabei  die  namen  unterdrückt  oder  ent- 
stellt; mythen  und  erzählungen  liefsen  sich  nicht  sobald 
vertilgen. 


•)  sie  entsprang  aus  Je«.  14,  12:  *wie  bist  da  vom  Mmmel  ge- 
fallen du  schöner  morf^enstern !'  aber  erst  Ensebius  (demonstr.  ev»v- 
4,  9)  hat  sie,  we«ler  Tertulliau,  noch  Ireuaeos  oder  Lftctanlius.  wk* 
Uierooymus  und  Augustinus  ueunen  den  teufel  niemals  Lucifer. 


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TEUFEL  551 

Alle  diese  höchst  verschledenartigeo  einwirkungen  ha- 
ben die  Yolksansicht  von  dem  wesen  und  der  natur  des 
feufelsy  wie  sie  im  N.  T.  bis  auf  uüsere  läge  bestand,  her- 
vorgebracht, der  teufel  ist  jüdisch,  christheh,  heidnisch, 
abgöttisch,  elbisch,  riesenhaft,  gespenstig,  alles  zusammen« 
durch  seinen  zusatz  muste  eben,  indem  die  heidnische  Viel- 
götterei erlosch,  das  christenthum  eine  deutliche  hinneigung 
sund  dualismus  empfangen,  den  später  die  philosophie  in 
ein  allgemeines  princip  yom  guten  und  bösen  aufzulösen 
trachtete.  Vergleicht  man  die  heiterkeit  griechischer  mythen 
mit  der  herbheit  und  dem  grausen,  das  die  einmischung 
eines  allzupositiven  teufeis  den  legenden  und  Sagen  unseres 
mittelalters  verliehen  hat;  so  kann  diese  Verschiedenheit 
weniger  das  überall  ähnliche  oder  gleiche  gruudgewebe  des 
Volksglaubens  betreiFen,  als  die  ihm  aufgelragne  färbe,  und 
darum  wird  die  Untersuchung  befugt  sein,  eine  ganze  reihe 
teuflischer  erscheinungen  in  die  milderen  gestalten  alter  gei* 
8ter  oder  götter  wieder  aufzulösen. 

Ehe  ich  zu  scheiden  versuche  was  sich  in  diesen  Über- 
lieferungen auf  das  deutsche  oder  wenigstens  das  benach- 
barte heidenthum  bezieht,  ist  es  noch  nöthiger  als  sonst 
sich  der  verschiednen  benennungen  zu  versichern. 

Der  name  teufel  ist  undeutsch  und  nichts  als  das  bei- 
bebaltne  StaßoXog.*)  Ulfilas  unterscheidet  sorgsam,  nach 
dem  gr.  text^  diabadlus,  aatana  und  unhulthöy  mit  letz- 
lerm  daifiovtov  übersetzend  ^  worauf  ich  zurückkommen 
vverde.  ahd.  bleibt  satanas  unverändert,  das  diabolus  der 
vulg.  lautet  aber  bald  tiubil^  tieval^  bald  diupal  (T.)  diU' 
fal  (O.  II.  4,  101)  und  wird  zugleich  für  das  daemonium 
der  vulg.  verwendet  (fragm.  theot.  II,  14.)  aus  dieser  deh- 
nung  des  begrifs  und  kürzung  der  form  sieht  man,  dafs 
der  ausdruck  einheimisch  wurde  und  allmälich  alle  übrigen 
entbehrlich  machte:  mhd.  tievel^  tüvel,  tiupel,  nhd.  teU" 
jel\  vi%^.deoJol^  engl,  devih  mnl.  dut^elj  nnl.  duipel]  isl. 
djuJuUy  schwed.  djefvuU  dän.  djäveU  er  verbreitete  sich 
fast  durch  ganz  Europa:  ital.  diavolo^  span.  diablo,  franz. 
diable,  altfranz.  deable\  poln.  djabel,  böhm.  d^abel,  russ. 
diapolj  scrb.  djavo;  nur  die  zuletzt  bekehrten  lettischen 
und  finnischen  völkcr  haben  sich  der  benennung  enthalten. 
Und  wie  bei  gott  fs.  11)  kommen  die  euphemismen  hochd. 
deichely  deixtj  deigeh  deiker,  Schweiz,  dyggelu  tüggeli 
(Stald.  1,  325);  nl.  dukker,  schwed.  djäkul,  knäkul^  hiäj- 
vel   (Ihre   prov.  lex.  93^),    auch  westiäl.  knüvel  f.  düvel ; 

«)  ebenso  it»C  unser  ertgel  dem  wort  und  bcgrif  nach  entlehnt. 

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552  TEUFEL 

franz.  diacre  ^  pola.  d/achel^  djaseh,  djahlho^  uml  viele 
ähnliche  vor.  *)  Bemerkens wertli  ist  N.  ps.  90,  13  ^urtie- 
Jel,  chuniueh  anderro  liefelo',  diabolus  rex  daemoniorum.**) 

Alle  übrigen  benennungeu  lassen  sich  nun  unrer  drei 
gesichtspuncte  zurückbringen,  je  nach  dem  ihnen  der'cba- 
racter,  die  gestalt,  oder  der  aufenthalt  des  teufeis  zum  gnind 
liegt.  Diesen  sind  aber  noch  verdunkelte  namen  beizu- 
fügen. 

I.  Nach  seinem  Innern  princip  heifst  der  teufel  der 
bÖse^  feindliche^  unholde^  als  gegensatz  des  gütigen,  frcuod- 
liehen,  milden  gottes.  oft  wird  dieser  begrif  in  ganzen  re- 
densarten  oder  beiwörlern  entwickelt,  oft  in  eigne  ap|)el« 
lative  gelegt,  'der  nie  guot  geriet.*  Dielr.  40* ;  'der  ie  til- 
gende störte.'  Kolocz.  254,  alinlich  dem  eddischen  'sä  er 
ilestu  illu  raßdhr\  von  Loki,  Sn.  46,  und  ähnlich  der  Reiuh. 
XXXII.  XXXVI  vom  fuclis  und  Avolf,  als  teuflischen  thie- 
ren,  gebrauchten  epischen  Umschreibung,  'dich  hat  uiht 
guotes  (der  teufel)  üz  gelan.'  Dietr.  86**.  der  iihele  liu- 
vel,  Iw.  4676.  Nib.  215,  4.  1892,  4.  der  übel  vient.  Gre- 
gor 2849.  der  bÖse  feind,  der  böse  geist,  auch  blofs  der 
böse;  der  ubile  geist,  fundgr.  102,  34.  105,  2.  der  böse 
geist  105,  7.  die  jsrummen  teufel  (K3I.  1,  422)  sind  die 
unrechten,  bösen,  häufig  setzen  die  altfranz.  dichter  wau- 
fez^  malfez,  maufes  (plur.  maufc?,  malf^)  für  teufel;  spi- 
ter  findet  man  maufais,  maufaiteur,  was  über  die  bedcu- 
tung  übelthäter,  übelthuend  keinen  zweifei  läfst.***)  Alt«, 
the  balowtao  (malus,  dirus)  H^l.  33,  2,  vgl.  mit  dem  altn. 
bölvis  (Seem.  77^  93«  197^)  und  dem  goth.  balvav^sei  (xc- 
x/o)  I  Cor.  5,  8 ;  schwerlich  verwandt  ist  aber  pilwiz  (oben 
8.  265.  266.')  Alts,  the  Udo  (invisus ,  dirus)  H^l.  33,  9, 
Uda\y^\h\i  (maligni  Spiritus)  H^l.  48,  14;  nhd.  der  leidige 
teufel,  mnl.  de  lede  duvelf);  ags.  se  Idtha;  alts.  the  Iia- 
tola  (odiosus)  H^l.  110,  9.  Besonders  gehört  hierher  die 
beneunung  eines  Jeindlichen ^   gott  widerstrebenden,  mcn- 

*)  wahrscheinlicli  gehört  liierlier  zalwlus,  zaholon^  das  wörtcriMi- 
cher  und  glossen  des  MA.  für  diabolus  haben,  und  coDtrarlns,  areoa 
auslegen.     zabul6nes  buoch  MS.  2,  13«. 

**)  Notkers  deutungen  des  diabolus:  niderrh,  nidtr/al»  choniaj 
widerfluzze,  von  dem  stürz  und  füll  der  teufel  ausgehend,  gratB** 
2,  763. 

•••)  hierher  auch  das  bölim.  zleyducli  (böser  gei^t)  sIo?en.  b\o*^ 
slodej,  slom,  sloniik  (von  slo,  malum);  hudizh,  hudir  (von  hod,  maias) 
u.  a.  m. 

i)  Rein.  1280  intsl^ts  duvels  uame  s=  in  des  I^U,  in  des  Met 
duveis. 


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TEUFEL  553 

schenverfolgenden  wesens.  die  lat.  Idrchenväter  bedienen- 
weh gern  des  ausdrucke  antiquus  hoatia  (Gregor,  M.  opp. 
ed.  benedict.  Paris  1705.  1,  1019.  mornl.  31,  50.  dial.  2,  30, 
Bonifac.  epist.  6.  anni  723.  Jonas  bobbiens.  p. '5,  \ila  S. 
Roniani  744*.  capitulare  bei  Georgisch  795  und  viele  spä- 
tere urk.  z.  b.  eine  von  1121  in  Rreniers  beitr.  3  no.  24); 
ahd.  quellen  ahmen  dies  nach:  altfiant  (muspüli  49) //«z?^ 
entrish  (hymn.  24,  9),  wobei  man  sich  doch  des  ags.  ent 
für  riese  (s.  301)  erinnert,  da  der  riese  überhaupt  alt  und 
steinalt  dargestellt  wird  (s.  303.)  0.  I.  5,  52  then  altan 
satanasan  wilit  er  gifahan;  musp.  25:  der  salanas  altist. 
heule  noch  in  Nordfriesland  *de  ual  düivel'  (der  alte  teu- 
fel)  geizh.  p.  122;  in  England:  old  Nick,  old  Davy,  für 
teufel;  in  Dänmark:  gammel  Erich  (Holbergs  uden  hoved 
og  hale,  sc.  5.)  auf  gleiche  weise  heifst  gott  der  alte  (s.  15.) 
wie  antiquus  hostis  steht  auch  persequutor  antiquus  (vita 
S.  Romani  743)  und  callidus  hostis  (Jonas  bobb.  p.  5.) 
hostis  generis  humani  (fiant  mannaskines  chunnes)  hymn, 
24,  3.  Das  blofse  hostis  finde  ich  seltner  gebraucht,  wol 
aber  das  blofse  fiant,  ags.  feond  ("von  Grendel)  Beov.  202. 
1444.  1489.  mhd.  vient  (En.  2525),  mnl.  i>tant  (Huyd.  op 
St.  3,  38);  altfranz.  ennemi;  alls.  craftag  ftund  (H^l.  142, 
12)  unhiuri  fiund  (32,  1.  164,  14)  mhd.  der  leidige  vtent 
(fundgr.  66,  4)  nhd.  der  böse  feind,  gSrftund  (H^l.  32,  2) 
scheint  verstärkter  ausdruck  (g^r,  jaculum,  hasta.)  aus  dem 
alln»  fiandi  im  sinn  von  teufel  entsprang  die  dan.  form 
fanderiy  schwed.  fanen^  Jan.*)  Der  bedeulung  hostis  nä- 
hert sich  die  des  ahd.  scado  (homo  nocivus,  latro)  ags. 
sceadha,  alts.  skatho;  nicht  alleinstehend,  aber  in  den  Zu- 
sammensetzungen ags.  hellsceadha  (Cädm.  43,  22.  Thor- 
pes  anal.  126,  28)  leodsceadha  (Cädm.  56,  24)  theod- 
sceadha  (Beov.  4550)  uhtsceadha  TBeov.  4536)  mrf/2- 
sceadha  (Beov.  1417.  1468)  ahs.  m€nscado  (IU\,  32,  1. 
33,  15.  142,  15)  wamscado  {\UL  31,  17.  164,  4)  Und- 
scado  (H^l.  32,  14)  thiodscado  (33,  1)  bezeichnet  sie  den 
teufel.  Dieses  feindliche,  schadende  wesen  nannten  aber 
die  Gothen  das  unholde,  unfreundliche,  und  damit  über- 
setzt Ulfilas  in  der  regel  nicht  SiaßoXoQ ,  sondern  Saifio- 
vtov,  jedoch  mit  beachtenswerthem  Wechsel  des  genus.  ein 
männliches  unhultha  sieht  Luc.  4,  35.  8,  29.  9,  42  (für 
dutfioviov,  &ul/f(av)  I  Cor.  5,  5  (für  oaravüi:)  Eph.  4,  27 
(f.  &iaßoXoe)f  Matth.  9,  33  ist  es  wahrscheinlich  zu  emen- 
dieren.     ein  weibliches  unhulthö  findet   sidi   Marc.  7,  26, 

*)  Tgl.  f.  513  dd/gr  iuT  gespeast,  teuflisclier  geist 

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554  TEDFEL 

29,  30.  Luc.  4,  33.  7,  33.  Joh.  7,  20.  8,  48,  4Ö,  5X  10, 
20,  21,  überall  für  daifioviov.  der  pl.  Sainhvta  wird  nur 
Luc.  8,  33  duix*h  unhulthans  ^  sonst  immer  unliulth6n% 
gegeben:  Matth.  7,  22.  9,  34.  Marc.  1,  32,  34,  39.  3,  15. 
5,  12.  6,  13.  9,  38.  16,  9.  Luc.  4,  41.  8,  27,  30,  35,  38. 
9,  1,  49.  Hieraus  ergibt  sieb,  dafs  bei  dem  golL.  volk  die 
Vorstellung  weiblicher  daemone  überwog,  walirsdieiniich 
auch  bei  andern  Deutschen,  denn  hymn.  24,  3  wird  wie- 
derum diabolus  durch  das  ahd.  fem.  unholdd  ausgedrückt 
Weil  man  im  heidenthum'eine  göttin  Holdd  verehrt  hatte, 
80  lag  es  nahe»  im  gegensatz  zu  ihrer  milde,  ein  bösge- 
sinntes, feindliches  wesen  als  weibliche  unholdd  zu  betrach- 
ten, und  die  wähl  )enes  ausdrucks  bei  Ulf.  läfst  fast  auf 
einen  goth.  Hulthi^cultus  schltefsen.  merkwürdig  ist  die 
Übertragung  von  Diana  durch  Holdd  und  unholdd  (s.  165.) 
Mit  den  begriifen  von  bpsheit  und  feindschaf^  verbindet 
sich  nun  aber  auch  der  von  unwiUe  und  lorn.  der  teu- 
fel  heilst  ags.  se  vrddha  (Cadm.  39,  24)  alts.  the  writho 
(H^l.  106,  3.  164,  4);  ags.  se  ridKa  (trux,  saevus)  Cadm. 
271,  12,  was  alts.  the  ruodho  wäre;  ags.  se  grania^  alts. 
the  gramo  (H^l.  32,  16),  vermutlich  auch  ags.  se  m^ 
degay  alts.  the  muodagOy  und  alle  diese  drei  benennungen 
drücken  aus  der  zornige,  wütende.*)  nicht  übersehen  wer- 
den darf,  einmal  dafs  sie  blofs  den  sächs.  dichtem,  keinen- 
ahd.  denkmälern  bekannt  sind,  dann,  dafs  sie  vorzüglich 
in  der  pluraltbrm  mehr  die  idee  dämonischer  geister  als 
des  teufeis  bezeichnen,  thd  graman  gydena  Bth.  35,  6 
(dira  numiua)  sind  die  parzen.  grambno  h^m  (daemonum 
habitatio)  H^l.  103,  10  ist  die  hülle,  von  Judas,  der  beim 
abendmat  den  bissen  empfangt  und  in  seinen  mund  nimmt, 
heilst  es  H^l.  141,  11:  sd  afgaf  ina  th<)  thiu  godes  craft, 
gramon  in  gewitun  an  tliene  Uchamon  l^da  wihti,  von 
dem  augenblick  an  verliefs  ihn  gottes  kra(V>  dämone  und 
teuft!  bemächtigten  sich  seines  leibes.  **)  gramon  habdun 
tlies  mannes  hugi  under^ripan  (Hdl.  157,  19),  dämone  hat- 
ten eich  seiner  sinne  gemeistert,  gramo  barn  sind  teuf- 
lisches gesinde  wie  ffundo  barn  (Hol.  161,  23.  157,  18.) 
gramStio  oder  wretharo  willio  (H^l.  106,  3)  ist  die  tust 
der  teufel.  mödaga  wihti  (H^l.  120,  8)  sind  unholda 
(120,  9)  vgl.  modage  157,  18.     Diese  anwendung  von  gram^ 


*)  Die  geben  die  mlid.  dicliter  dem  tinvel  das  beiwort  der  griame, 
grimmege,  das  sie  dem  tod  \orbelialten  {%,  493,)  ags.  aber  finde  kh 
von  Grendel:  se  grimma  gast  (Beov.  204.) 

**)  atlar  tliemo  rnuaite  so  kleib  er  satan&se.  O.  IV.  12,  99. 


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TEUFEL  555 

wr^fh  und  muoda^  auf  dämonen  ist,  wie  mich  dünkt, 
lieidfiischdeutsch  und  haftete  noch  bei  den  später  bekehr- 
ten Saclisen,  wie  bei  den  Gothen  jenes  unhulthö  geblie- 
ben war.  Grendel  lieifst  gram  (Beov.  1523)  und  yrre^ 
m6d  (1445);  eine  altn.  Verwünschung  lautete:  thic  liaii 
allan  gramir!  (Saem.  80^)  gramir  hafi  Gunnar!  (Sroni. 
208*>)  wo  gramir  daemonia  bedeutet  und  ganz  jenen  alts. 
gramon  gleichsteht,  ein  andermal  Saem.  255*  wird  gesagt: 
eigi  hann  iötnar  (gigantes),  wo  die  prosa  der  Völs.  saga 
(fornald.  sog.  1,  2i^  gramir  gibt,  so  dafs  auch  hier  die 
y.erwandtschaft  zwischen  teufein  un^  riesen  erscheint,  aus 
dem  Sprachgebrauch  von  m6dag  (iratus)  für  teuflische  gei- 
stcr  bestätigt  sich  eine  s.  521  bei  muotes  her  versuchte 
erklärung. 

Eine  benennung  Ist  bis  hierher  aufgespart  worden,  die 
bei  unsern  mhd,  dichtem  oft  vorkommt,  pdlant  pf.  Chuonn 
8458.  udlantes  man.  das.  3098.  5343;  der  übel  pdlant 
Nib.  1334,  1.  i^dlandinne  (teufelin)  Nib.  1686,  4.  vdlen^ 
tinne  2308,  4.  Gudr.  33«;  vdlant  Wigal.  3994.  6976. 
7022;  er  het  gehoeret  den  vdlant.  Frauend.  85;  daz  in 
der  vdlant  riten  sol,  welsch,  gast  67*;  der  leide  vdlant. 
Trist.  8909;  des  vdlandes  rät.  11339;  vdlandes  man. 
6217.  6910;  vdlant.  Ottoc.  453^  mehrere  dichter  ent- 
halten sich  des  worts,  Wolfram,  Hartman,  Rudolf,  Con- 
rad, nhd.  dauert  es  fort  als  eigenname,  sonst  kommt  es 
selten  vor:  der  böse  volant  (Chr.  Weises  comödienprobe 
219);  Junker  Volland  (Berthelds  tagebuch  p.  54.)  in 
Henneberg  sagt  man  :  der  böse  jahl  oder  jähl  (Reinw.  1, 
30.)  ein  ahd.  fdlant^  vdlant  habe  ich  nie  gefunden,  auch 
nidit  als  eigennamen,  und  doch  ist  es  kaum  in  zweifei  zu 
ziehen,  da  die  participialbildung  wie  in  vlant,  heilant,  wt- 
gant  u.  8.  w.  auf  frühe  zeit  weist,  das  mhd.  verbum  vA- 
len,  vnelcn  findet  sich  blofs  in  der  Martina  (145.  177.  215) 
und  Albr.  Titurel,  es  hat  die  bedeutung  unseres  fehlen, 
irren,  vgl.  Schm.  1,  519.  fdlant  mufs  also  entw.  aussa- 
gen was  das  adj.  irri,  iratus,  infensns,  oder  irrend,  verlei- 
tend, seducens  (golh.  afrzjands,  uslötönds.)  ags.  ist  ffeljan, 
oder  faelan  scandalizare^  seducere,  dessen  part.  ffclend  völ- 
lig entsprechen  wurde.  Vielleicht  liegt  in  dem  altn.  fdia 
(gigas  femina)  und  dem  verb.  faela  (terrere)  ein  verwand- 
ter sinn;  es  ist  sehr  glaublich^  dafs  fdlant  früher  auch  auf 
riesen  gieng. 

n.  Viele  namen  beziehen  sich  auf  die  äufsere  gestalt 
des  teufeis.  Der  gegensatz  zu  der  leuchtenden,  weü'sen 
und  reinen  gottheit  fordert  hier  dunkle^  schwarze  farbcy 

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556  TEUFEL 

-wie  die  8c1i Warzen  elbc  dea  lichten  gegeDÜber  Stefan,  den 
weifsen  Baltac  (s.  142),  die  strahlende  Berhta  (s.  169) 
dürfen  wir  darum  den  finstern  gewalten,  die  lichtelbe  den 
Schwarzeiben  zur  seile  stellen,  obgleich  beide  principe  ein- 
ander berühren,  ja  sich  erzeugen,  in  dem  worte  alp  scheint 
der  begrif  des  weifsen  zu  liegen,  nacht  und  tag  gehn  aus 
einander  hervor,  die  Nacht  war  des  Tages  mutter  (s.  424), 
Halja,  Demeter,  Diana,  Maria  (s.  195)  erscheinen  halli 
scJui>arz  oder  ganz  verdunkelt.*)  das  schwarze  teuflische 
princip  kann  als  ein  unursprüngUches^  als  abfall  vom  gott- 
lichen licht  belrachlet  werden. 

Der  leufel  heifst  der  schwarze,  alls.  mirhi  (tene- 
brosus)  Hei.  31,  24;  der  sivarze.  Renner  36^ ;  der  su^arse 
hellewirt.  MS.  2,  254*;  der  hellewirt  der  ist  stt^arz.  Pan. 
119,  26;  der  hellemcJr.  Walth.  33,  7;  der  helsce  mdre. 
fundgr,  25.  weil  die  dunkle  färbe  birgt,  kommt  dem  bö- 
sen geist  der  name  des  verborgnen,  heimlichen  zu:  alts. 
dernea  wihti  (spiritus  latentes)  H^l.  31,  20,  92,  2.  Die 
sldvische  beneunung  des  tcufels  böhni.  cert  ^  poln.  czarij 
russ.  tschert ,  sloven. ,  zhert  scheint  in  der  würzet  mit 
ceruy,  czarny,  tschernji  (niger)  zusammenhängend.  In  iin- 
sern  volkssagen  wird  er  aber  auch  einigemal  durch  graa- 
Tnann^  granmännlein  bezeichnet,  vgl.  graa  trold  (D.  V. 
1,  169.  180.)  Von  thierischen  gestalten  sind  einige  dem 
teufel   hauptsächlich   der  schwarzen   färbe  wegen  beigelegt. 

Diese  thiergestalt  war  aber  häufig  nicht  vollendet,  son- 
dern bei  vorhersehender  menschlicher  bihlung  nur  durch 
eine  zuthat  angedeutet ,  ungefähr  wie  die  Griechen  und 
Römer  ihre  satyrn,  faune  oder  den  Pan  darstellten,  der 
teufel  nähert  sich  dann  jenen  waldgeistern,  skraten  und  pi- 
losen,  welche  s.  270  ^,  abgehandelt  wurden;  in  allen  übri- 
gen gliedern  wie  ein  mensch  geformt  verrälh  ihn  das  bocks- 
ohr,  das  hörn,  der  schwänz  oder  pfeidefufs.  Schon  die 
heidnischen  gülter  und  geisterhaften  wesen  konnten  ein- 
zelne theile  des  leibs  nach  lliieren  bilden,  der  slav.  Triglav 
halte  ziegenhäupler  und  in  der  indischen  mythologie  ist  die 
mischung  menschlicher  mit  thierischer  Jorni  überaus 
häufig;  in  der  griechischen  oder  deutschen  selten  und  kaum 
leise  angcdeulel.  Iluklra  erscheint  geschwänzt  (s.  531), 
P>erlila  mit  dem  gansfufs  (s.  173),  der  nix  mit  geschlilz- 
tejn  ühr  (s.  277),  die  uixe  mit  nassem  kleidzipfel  (s.  27»S', 
,  der   held   mit   dem    schwanflügel    (s.  241),    die    wasserfrau 


*)  den    Römern   liiefs   Pluto   Jupiter  rititer.    der  schwane  «olt 
SiliuÄ  ital.  8,  lie.  ^  ö 


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TEUFEL  S57 

mit  dem  schweif  einer  schlänge  oder  eines  fieches.  der 
teuflische  pferdefufs  kann  an  die  halbrossigen  centaurcn, 
wie  an  den  alln,  neunir  (s.  277)  erinnern. 

Übergang  in  ganzliche  thiergcstalt  mochte  sich  leicht 
daraus  ergeben,  aber  auch  als  das  vermügen  des  holieren 
Wesens,  sich  vorübergehend  in  ein  thier  zu  verwandeln, 
angesehen  werden. 

Die  Vorstellung  des  teufeis  in  boclsgesiBlt  steigt  sicher 
in  ein  hohes  alterthum  hinauf;  wie  hätte  sie  in  dem  hexcn- 
wesen  so  fest  gewurzelt?  alle  hexen  dachten  sich  iliren 
meister  als  schivarzen  bück,  dem  sie  bei  feierlichen  zu- 
samnienküuften  göttliche  ehre  erwiesen,  in  schwüren  und 
Verwünschungen  des  15.  16  jh.  parodiert  dit'^s.i'  Ijutk  lUu 
wahren  gott:  ^dafs  in  der  poch  sehend!'  isl  rine  hüullgo 
formet  bei  Hans  Sachs ;  man  schwur  *bei  (>oik\<i  schedrl^ 
bei  Lochs  lid',  wie  bei  den  gliedern  der  heiligen,  'bui  borhs 
hulde.'*)  oder  sollte  hier  bochs  blofse  nebenfonn  %üii  Lotz^ 
potz  für  gotts  (s.  11)  sein?  es  ist  freilich  auffallcjid .  düfk 
die  dichter  des  13  jh.  niemals  bok  in  gleichem  sinn  verwen- 
den; nur  Martina  156^.  184bstehtAe//66oc  deutlich  für  teufe!. 
hochacknitt  heifst  nach  Schm.  1,  151  jener  bilwczschniit 
(s.  268.  269),  den  das  volk  geistern  und  dem  teufet  zu- 
schreibt. Schon  in  Gregorii  magni  dial.  2,  30  erscheint  der 
teufet  ^corriu**)  et  trepidicam  ferens',  was  ich  verslelu», 
in  eines  dreifüfsigen  bovhes  gestalt,  gehörnt;  clreibeinige 
Ihierc  sind  gespensterhaft  und  teuflisch  (s.  517.  523.)  auch 
das  posterli  (s.  523)  zeigte  sich  als  ziege.  Sollten  nicht 
die  von  den  Heiden  geopferten  bocke  (s.  31.  32)  hernacli 
von  den  Christen  auf  die  geslalt  des  heidnischen  götzen 
angewandt  worden  sein?  bei  der  alten  Preufsen  bochs- 
heiligung  ***)  wurde  das  opferthier  hoch  empor  gehoben. 

Ein  seelenraubender  i^olj  war  der  teufel  bereits  den 
Kirchenvätern  (Gregorü  magni  opp.  1,  i486.)  In  Cnuls  ge- 
setzen  heifst  er:  se  vbdjreca  vere^ulj  (Schmid  p.  148), 
Ditm.  von  Merseburg  p.  253  nennt  ihn  lupus  vorax  ^  aus 
den  mhd.  dichtem  habe  ich  mir  kein  hellewolj  angemerkt, 
bezweifle  es  aber  kaum,  weit  noch  Simplic.  2,  72  höllen- 
^^U  gebraucht.  Und  die  slavische  benennung  des  teufeis 
poln.  wrog  ^    serb.   sloven.     i^rag  drückt  zwar  übelthater, 


•)  Monc«  bad.  archiv  1,  14.  37.  39.  51.  T2.  95. 

**)  dem  teofel  ein  hein  ans  dem  leib  and  das  Unke  hörn  vom  köpf  * 
flachen    (Garg.  232«.)      Was    bedeutet   aber   die   redeiisart:    *ir   lieget 
dem  tiuvele  an  daz  heiit    (Roth.  32b)? 

•••)  Luc.  David  1,  8T.  98.    Joh.  Voigt  1,  616. 


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566  IBUFEL 

bösewicht,  latro  au8^  geht  aber  auf  das  ahd«  warg  (hipits) 
zurück  (Reinhart  XXXVIL) 

Hündische  gestaltung  des  teufeis  ist  mehrfach  begrün- 
det, er  heifst  hellehunt  im  alten  lied  auf  Georio  (fundgr. 
13),  hellerüde  Martba  32*  TDiut.  2,  143),  helleü^elf  das. 
111»,  \?ie  schon  die  edda  emen  Jwelpr  in  der  hülle  an- 
nahm (Sncm.  94*),  der  griech.  glaube  einen  Cerberus  (s.  471.) 
kämpf  mit  dem  höllenhund  schildern  fundgr.  178.  als 
hund  bewacht  der  teufel  schätze  (s.  544.)  schwarzer  hund 
(dän.  abergl.  no.  149.)  H.  Sachs  IV.  3,  31«  legt  dem  teu- 
fel einen  Wachtelhund  bei  (der  ihm  seelen  aufspürt  und 
fangt?)  *)  sollte  nicht  das  lateinische  latro  (rauher),  ii?le 
unser  warg  vom  wolf,  vom  bellenden  thier  ausgehen?  um 
so  mehr  gleicht  beiden  thieren  der  teufel. 

Unter  den  vögeln  steht  zunächst  der  rabcy  dessen  ge- 
stalt.der  teufel  gern  annimmt.  Ls.  3,  256.  Ottoc.  298b}  der 
ungetriuwe  heller ahe.  den  schwarzen  von  Noah  aiisge- 
sondten  raben  nennt  Cädm.  87,  11  den  feind  (feond.)  ^ichl 
blofs  die  schwärze,  list  und  behendigkeit  des  vogels,  auch 
sein  alter  Zusammenhang  mit  Odhinn  (s.  387),  wie  bei  dem 
wolf,  konnten  diese  Vorstellung  befestigen.  Cädm.  188^  6 
scheint  sogar  das  ganz  odinische  epitheton  välceoaeg  (stra- 
gem  eligens),  das  des  gottes  botinnen  zukommt  (s.  235% 
alterthümlich  auf  den  raben  angewandt;  indessen  bezieht 
auch  schon  des  Hieronymus  commentar  zu  Hiob  38,  41 
gezwungen  genug  den  {schwarzen)  raben  auf  den  teufel. 
In  dänischen  Volksliedern  vertritt  der  ^vilde  rapn^^  der 
^vilde  valravn^  (jener  corvus  stragis,  ahd.  walahraban)  völ- 
lig die  stelle  eines  teuflischen  trold  (D.  V.  1,  186.  187.) 
Den  geier  finde  ich  erst  in  den  letzten  jhh*  statt  des  teu- 
feis genannt**),  noch  häufiger  den  lulut,  dessen  zauber- 
hafte beziehung  s.  393.  394  zur  spräche  gekommen  ist. 

Ungleich  aller  und  verbreiteter  war  die  erscheinung 
des  teufeis  als  schlänge^  wurm  und  drache.  die  verfiili- 
rende  schlänge  im  paradies  galt  für  den  teufel  selbst,  wie 
antiquus  hostis  heilst  er  antiquus  anguis ,  anguifer  ho- 
st  IS,  letifer  anguis^  serpens  (Greg.  magn.  opp.  1,  lil- 
Jonas  bobbiens.  p.  5.  15.  vita  Burgundofarae  p.  427.  vila 
8.  Romani  p.  743.)  ihren  grund  hat  die  Vorstellung  zu- 
mal in   apocal.  20,  2   und  in   den   deutungen^    welche  die 


•)  walitelbcin  (lockpfeife)  des  tiuvels.  Bcrth.  225. 
♦*)  daf»  euch  der  geier!   Gryphius  p.  m.  746.    wo  ^eier?  (=  wo 
tenfel?)  Ettners  oaw.  doct.335.  dafs  dich  der  geier  sehende!  Wackero. 
lesebuch  788,  21« 


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TBUFBL  559 

kircBenv^et*  von  Leviatban  gaben»  apocal*  IS,  4  gedenkt 
eines  dracben^  der  mit  seinem  schweif  den  dritten  tbeil 
der  Sterne  vom  himniel  gezogen  habe»  *)  In  diesem  bibli* 
seilen  sinn  nennen  unsere  alten  dichter  den  teufel  slange^ 
hellewurm  (Lobengr.  14 1),  hellet  räche  (Mart.  14 1^),  es 
wurde  aber  aucb  der  einbeimiscbe  Volksglaube  von  feuer- 
speienden, giftigen  wurmen,  schatzhütenden  dracben  (s.  544) 
und  wunderbaren  schlangen  (s.  396)  zugleich  mit  angeregt« 
in  unzähligen  volkssagen  erscheint  der  teufel  als  drache, 
z.  b.  deutsche  sag.  no.  520.  858.  Da  die  kirche  den  Le- 
viatban auch  als  Ungeheuern  walfisch  darstellte,  desseji 
wange  Christus  mit  der  angel  durchbohrte  (Greg.  magn.  1, 
110.  vgl.  oben  s.  124),  so  War  das  ein  anklang  an  die  un- 
geheure von  Thor  aus  dem  grund  des  meers  geangelte, 
feindliche  Weltschlange  (s.  395.)  als  drache  oder  schlänge 
hat  der  teufel  einen  ungeheuren  rächen  (mhd.  k^wen,  M8. 
2,  166^),  gleich  der  hülle  selbst  (s.  465.) 

fliegen gestalt.  die  LXX  übertragen  Baalsebub,  des 
akkaronischen  götzen  namen,  BaaA  ^ivIol,  fliegengott  (IV, 
reg.  1.)  märchen  erzählen  von  teuflischen  geistern,  die  als 
fliege  in  einem  glas  verschlossen  sind.**)  Loki,  als  er 
Freyja  um  das  brtstngamen  betriegen  will,  wandelt  sich  in 
eine  fliege  (Huga.)  hiermit  verbinde  man  eine  langob»  sage 
bei  Paulus  diac.  6,  6  von  dem  malignus  Spiritus,  der  sich 
als  fliege  ins  fenster  setzt  und  dem  ein  bein  abgehauen 
wird.  Des  elbischen  wesens  der  Schmetterlinge  y  die  als 
psychen  (s.  479)  gut  oder  übelgeartete  geister  sein  können, 
wird  noch  im  verfolg  zu  erwähnen  sein. 

Der  teufel  wird  aber  auch,  von  früher  zeit  an,  zweien 
geräthen  verglichen,  dem  lianimer  und  dem  riegel,  in, 
welchen  ich  s.  124.  148  beziehung  auf  heidnische  göller 
nachgewiesen  habe,  hier  ist  noch  ihre  biblische  oder  kirch- 
liche grundlage  zu  erwägen.  Malleus  zählt  bereits  Hiero- 
nymus  in  dem  briefe  an  pabst  Damasus,  wo  er  die  para- 
bel  vom  verlornen  söhn  erklärt,  unter  den  benennungeu 
des  teufeis  auf.  Greg.  magn.  opp.  1,  1125:  in  scriptura  Sa- 
cra mallei  nomine  aliquando  diabolus  designatur,  per  quem 
nunc  delinquentium  culpae  feriuntur,    aliquando  vero  per- 

cussio  coelestis  accipitur nam  quia   in   appellatione 

mallei  antiquus  hostis  exprimitur,  propheta  testatur,  dicens : 


**•)  der  alte  .klänge  mit  stnen  geouzen  von  liimel  wart  her  nbe  ge- 
stozen,  sing  libes  wesen  teilt  er  endrin  u.  s.  w.     Renucr  3100  ft*. 

**)  dänische  sage  von  einem  in  einer  bücbse  verschlossenen  teufel. 
Thiele,  1,  18.  KM.  no.  99. 


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560  TEUFEL 

c[iiomodo  confiractus  est  et  nutritus  malleus  universae  ter- 
rae (Jerem.  50,  23.  vgl.  51,  20.)  die  Vorstellung  des  stra- 
feudeo  gottes  und  einer  feindlichen  bösen  gevralt  köonen 
sich  hier  berüliren.  In  Donars  händen  war  der  hammer 
znglcich  heiligendes  und  zermalmendes  Werkzeug;  stürm- 
wind^  windsbrautj  naturerscheinungen,  die  das  ältere  hei- 
denthum  dem  herrn  des  donners,  der  spätere  Volksglaube 
riesen  oder  teufein  zuschrieb  (s.  363.  abergl.  no.  522.  ehsto. 
no.  100),  heifsen  in  einigen  gegenden  Deutschlands  hani- 
vier,  entweder  von  seiner  zerstörenden  heftigen  Wirkung, 
oder  weil  man  ihn  vom  teufel  erregt  wähnte.  *)  Da  sich 
bei  den  dichtem  des  MA.  meines  wissens  die  beuennung 
' Immer  für  teufel  nicht  Ander,  so  trage  ich  bedenken ,  den 
Ursprung  jener  volksmäfsigen  fluche  (s,  124)  aus  dem  maU 
leits  der  kirchenväter  abzuleiten,  ich  möchte  eher  einen 
Zusammenhang  heidnischer  und  jüdischer  Vorstellungen  glau- 
ben.  Mit  riegel  dürfte  es  ebenso  stehn.  vectis  ist  nicht 
blofs  das  thürschliefsende  gerath,  sondern  auch  ein  stofsen- 
des,  hebet,  Stange,  beinahe  wiederum  malleus.  Levialhan 
heifst  vectia^  quia  usque  ad  necem  percutit  (Greg,  niagu. 
1,  111.^  das  mhd.  hellerigel  (s.  149),  das  ags.  grendtl 
(s.  14H)  könnte  nachahmung  dieses  vectis  sein,  aber  auch 
einen  älteren  bezug  auf  Loki  haben. 

III.  Von  dem  aufenthalt  des  teufeis  in  der  hölle,  aus 
welcher  er  die  heidnische  göttin  verdrängt  hat,  sind  die 
häufigen  namen  helhwarte  (sumerl.  7,  9.  cod.  pal.  361, 
7i^)  hellehirte  (Parz.  316,  24)  lielUgrubel  (Mart.  4^  10* 
72^)  hellemrt  (MS.  2,  175*)  und  ähnliche  entnommeo. 
helscherge  heifst  er  Lohengr.  70,  'er  las  die  sine  an  sich', 
^   gleichwie  Wuolan  die  seelcn  seiner  beiden  empfängt. 

Seine  wohnung  liegt  im  Norden ,  was  schon  zu  der 
s.  22  entwickelten  ansiclit  stimmt.  4eit  i  riordhr^  (schaute 
gen  Norden)  kommt  beim  singen  eines  valgaldr  (ferale  Carmen) 
vor  (Saem.  94*.)  diabolus  sedet  in  lateribus  aquilonis 
(Greg.  magn.  1,  1186),  er  will  ^on  nordhdceW  herscheii 
(Cädm.  3,  8)  setzt  seinen  stul  nordernhaJp  (Diut.  3,  40.) 
*iiidhr  ok  nordhr  liggr  helvegr'  (s.  463.)  auch  der  thste 
scheut  die  nordseite  (abergl.  no.  43.)  nordu^ärts  strömt 
des  dämons  wasserlall  (s.  278.) 

Ich  füge  hier  einige  s.  465  unangeführte  ausdrücke  bei, 


•)  der  mähriscfie  bauer  nennt  den  Wirbelwind  hammer»  (Meinert 
in  den  wien.  jb.  bd.  48.  aiiz.  bl.  p.  55.)  t^erUus  urens  and  aqaila 
lieif:*t  der  teufel  (Gregor,  magn.  1,  547.  570.)  Den  Neugriecbcn  '^ 
ävifioq  der  teufel  (gramm.  3,  736.) 


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TEUFEL  561 

>vcil  ich  nicht  weifs,  ob  sie  mehr  auf  den  feufel  oder  auf 
die  Jiölle  zu  beziehen  sind.  In  Niedersachsen  sagt  man: 
^x\?i  Hekeluelde  varen' (Sam.  Meiger  Cccui"),  in  Dänmark: 
*gaa  du  dig  til  Häkken feldtP  (Lyngbyes  fiir.  qv.  p.  549,) 
Thiele  3,  71  schreibt  ^ilV  Hekkenfjalds\  Rilian  hat:  nobisse 
(daemon,  nanus,  cacodaemon),  nobisgnt  (orcus)  nobis^ 
kroecfi  (orcus).  nobiskrug  setzen  auch  hd.  schrifititeller  des 
16.  17  jh.  für  hülle  oder  wirtshaus  des  leufels:  in  nobis- 
krug faren  (Luthers  tischreden  1571,  418»);  der  teufel 
bawet  allezeit  seine  capell  u.  nobiskr/fg,  -wo  gott  seine 
kirche  hat  (Andr.  Musculus  hosenteulel  1630  p.  16);  in 
nobiskrug  gewesen  sein  (Clir.  Weises  FJoretto  p.  74) ; 
nobishaus  (Bure.  Waldis  19P  303*>).  nach  Stald.  2,  240 
sind  nobiskratten  der  ort,  wohin  ungelaulle  kinder  kom- 
men. Wenn,  wie  behauptet  wird,  auch  die  form  obis 
vorkommt,  und  das  anlautende^ N  aus  der  partikel  in,  en 
erwächst,  so  liefse  sich  freilich  bei  diesem  nicht  sehr  alten 
namen  der  hölle  an  abyssus  (s.  465)  deuken. 

Schöner  nennt  Wallh.  123,  38  die  hülle  ^daz  verlorne 
tal*y  was  an  Dantes  citla  dolente  und  sein  *per  me  si  va 
tra  la  perdUta  gente^  erinnert. 

IV.  Dunkle  benennungen.  über  das  goth.  skohd  für 
Saf/tortov  ist  s.274  eine  Vermutung  vorgetragen,  die  viel- 
leicht durch  das  oft  vorkommende  ags.  scocca  (auch  sceocca, 
srucca  geschrieben,  und  darum  schwerlich  scöcca)  bestärkt 
oder  entkräftet  wird;  zu  sköhsly  den  buchslaben  nach, 
würde  die  wurzel  skaka  (quatio)  stimmen,  die  bedeulung 
ist  gleichfalls  diabolus,  daemon.  In  einem  grofseu  llieile 
Deutschlands  ist  jetzt  ein  ausdruck  für  teufel  verbreitet, 
der  überall  nur  in  der  diminutivform  gebraucht  wird:  , 
nieders,  siö'pke^  stöpke  in  der  helle,  in  der  Maingegend 
stebchen^  Stäbchen^  in  der  gaunersprache  steppche,  step' 
dies,  obersächs.  siebgen ,  stöpgeu,  ihüring.  stop  fei  ^  im 
Badischen  ateuble^  man  versteht  darunter  zumal  den  flie- 
genden, feurigen  drachen,  der  in  die  häuser  seiner  ergebe- 
nen einkehrt  und  ihnen  geld  oder  körn  zuträgt,  einen 
feurigen  mann,  irwisch  (abergl.  611)  und  der  irwisch  hi^fs 
(8.513)  dölgr,  feind,  teufel;  damit  ist  aber  der  Ursprung 
des  Wortes  noch  nicht  erläutert.  Niedersächs.  und  westfal. 
ist  die  schon  s.  299  berührte  benennung  drds^  de  drds  in 
der  helle  ^  drofs,  man  betheuert  'bim  drds'  und  flucht 
'dat  di  de  dr6s  sla !'  (brem.  wb.  1 ,  257.)  zu  entsprechen 
scheint  das  hochd.  drus ,  trnos^  drüs,  das  aber  unpersön- 
lich Seuche,  [)esi  bedeutet.  Es  gibt  noch  eine  menge  von 
Provinzialismen,  die  ich  alle  weder  anfüliren  noch  erklären 

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562  TEDEHEnj 

kann,  in  der  8c4iwelz  sagt  man  huhni ^  hueni  (StaM.  2, 
142),  vielleicht  der  kühne y  verwegne?;  ini  Ravensbergi- 
sehen  kramberend  (vgl.  brem.  wb.  unter  krambeer,  knm- 
beker),  hratnberend  (von  bram,  pfriemkraut,  genisie?), 
hanax  u.  s.  w.  mnl,  bar  lehnen  (Huyd.  op.  St.  3,  3M'; 
mhd.  boeser  Jrtmurc  (Turl.  Wh.  136»)  'ein  tiiivel  der  hiez 
oggewedelj  der  ie  die  Ersten  lüge  vant'  (M8.  2,  250^.) 

Mehrere  benennungen  sind  menschliche  eigennaraen, 
die  man  auf  den  bösen  geist  entw.  als  euphemismen  oder 
in  mitleidiger  Vertraulichkeit  anwendet,  gerade  wie  bei 
hausgeistern  (s.  287)  und  irwischen  (s.514.)  so  heifst  er 
engl,  the  old  Davy^  old  Nick,  dän.  gammel  Erii  (8,553\ 
wol  nicht  ohne  anklang  an  den  alten  beiden  (8.218);  jenes 
Schweiz,  kueni  ist  vielleicht  Kueni  (Conrad,  wie  der  polter- 
geist  Kurt  hiefs,  8.511),  Benz  (bei  Keisersb.  tcufel,  Oberi. 
8.  V.)  Benno?  ein  bair.  Muchsel  könnte  aus  Nepomuk 
stammen,  wenn  man  nicht  Schmellers  deutung  heimlidier 
Schleicher  (2,546)  vorzieht;  schwerlich  rührt  aber  Step- 
chen  aus  Steplian?  häufig  ist  Veiten  (Valentin)  für  teufd, 
potz  Veiten!  ich  denke  mit  anspielung  auf  jenes  välani 
(8.555);  auch  hört  man  meister  Peter,  Pet^rchen*)  und 
das  gemahnt  an  benennungen  des  peinlichen  hasch ers  oder 
Schergen,  wrelcher  wiederum  meister  Peter  oder  Hemmer- 
lin  heifst  (RA.  883) ,  also  dem  teufel  namen  leiht  und  ab- 
leiht, denn  der  teufel  ist  hellescherge ,  peinigt  und  bindd 
die  Seelen,  da  nun  die  Soldaten  ihren  profos  (lictor  müi- 
taris)  auch  stepchen  nennen,  so  liefse  sich  erwägen,  ob 
8tepjel  nicht  aus  dem  mhd.  atempfel  (MS.  2,  2^)  stanuneo 
könne?  wobei  denn  auch  das  gespenstige  wesen  der  irau 
Stenipe  (s.  171)  in  betracht  käme. 

Solche  anknüpfung  an  Vorstellungen  von  einheimiscben 
geistern  und  halbgöttiichen  wesen  war  vollkommen  nator- 
lieh,  da  die  christliche  ansieht  diese  teuflisch,  das  volk  aber 
den  fremden  teufel  einheimisch  zu  machen  suchte.  Fisdiart 
kann  darum  den  teufel  butze  (8.288)  nennen:  4ch  sei  des 
leibhaften  butzenP  Garg.  244«  und  altd.  bl.  1,  55  hetfst  der 
bmtze  (teufel.)  Dem  altn.  Volksglauben  schwebt  sein  streUii 
Ts. 272)  zwischen  waldgeist,  teufel  und  riese,  und  so  hat  IräK 
(s.  302)  diesen  allgemeineren  dämonischen  begrif.^^)  in  der 
-  verwünschenden  forme!  'troll  hafi  thik!',  'troll  hafi  iWw 
vinir  (Nial.  cap.38),     'troll  hafi  thik    allan!'   (Konnakss. 


*)  Peterle  (Ettoers  anw.  doct.  672.)     henker  bedeutet  anch  teoH 
••)   tröU  ok  6voellr  (foraald.  sog.  2,  248);    troll  ok  eigi  madär 
(Finnbogai.  p.  264. 292.  340.) 

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TEUFEL  56Ü 

188),  Hröll  taki  hann.'  (Orvaroddssaga  cap.  9),  ^fara  t 
trölla  hendr'  (Laxd.  p.  230)  entspricht  es  ganz  unserm 
teiifel,  aber  auch  jenem  filteren,  mehr  heidnischen:  eigi 
lliik  gramir  oder  iötnar!  (8.555.)  Snem.  39  liest  man: 
*fai'lh{i  nü  thar  smyl  hafi  thic!'  Und  wie  Loki  der  Hei 
verwandt  ist  (8.195),  finden  wir  auch  den  teufel  in  be- 
rührung  mit  dem  tod  (s.  498.)  *den  linvel  und  den  t6t 
>üibten'  (Frid.  67,  9.) 

Die  bisherige  Übersicht  mannigfalfer  namen  (von  wel- 
cher gleichwol  alle  blofs  jüdischen  wie  Satan ,  Asmodi, 
Belial  u.  s.  w«  ausgeschlossen  bleiben  m nisten)  hat  schon 
auf  einmischung  heidnischer  bestandtheile  gewiesen ,  oder 
eine  noch  ältere  idenlilat  oder  analogie  heidnischer  und 
christlicher  begriffe  erkennen  lassen,  ausdrücke  wie  gram 
und  unhold f  vielleicht  auch  scadoy  scheinen  nur  deshalb 
auf  die  neu  übernommnen  teufel  angewandt  worden  zu 
sein ,  weil  sie  bereits  den  Heiden  feindselige  geister  be- 
zeichneten, all  hatten  die  riesen  schon  geheifsen,  um  so 
eher  konnte  es  der  teufel.  wolf^  rabe,  bock  gemahnten 
an  die  thiere,  welche  heidnische  götter  begleiteten  oder 
ihnen  zum  Opfer  gebracht  wurden,  die  benennungen  Aam- 
mer  und  riegel,  der  nördliche  aufenthalt  stimmten  we- 
nigstens in  heidnische  Vorstellungen. 

Wir  wollen  prüfen,  ob  auch  durch  den  inhalt  der 
sagen  und  Überlieferungen  diese  ergebnisse  bestätigt  werden. 

Alle  und  jede  heidnische  götter  wandelten  sich  den 
neuen  Christen  nicht  blofs  in  götzen,  d.  h.  falsche,  lügen- 
hafte götter  (galiugaguth ,  wie  Ulfilas  idola  bedächtig  aus- 
drückt), sondern  in  teufel,  d.  h.  genofsen  und  theilhaber 
eines  feindlichen  reichs,  dessen  herschaft  gebrochen  war, 
aber  noch  im  zurückweichen  kräfte  entwickelte.  Wer 
noch  den^  alten  göttern  anhieng,  ihnen  heimlich  opferte, 
hiefs  ein  teufeldiener,  idololatrie  geradezu  diobolgeld  (s.  24); 
auferlegte  entsagungsformeln  führen  den  teufel  und  die  alt- 
verehrten götter  in  einer  Ordnung  auf.  *)  Diese  den  götzen 
mehr  als  recht  war  einräumende  vorstellungsweise  liefs 
sich  nicht  überall  vermeiden,  so  lange  der  glaube  an  ilie 
Wirklichkeit  jener  götter  in  den  herzen  der  menschen  vm^ 
vertilgt  war;  die  neue  lehre  konnte  leichter  keimen  und 
wurzeln  wenn  sie  die  alte  als  gehässig  und  sündlich,  nicht 
als  absolut  nichtig  schilderte.     Schon  im  N.T.  hatte  diese 


*)  forsachK^tu  diobole?  ec  forsacho  diahale  end  allam  diobofgcMa 
end  allein  dioboies  wercnm  end  wordam,  Thuoer  ende  WOden  ende 
SaxnOte  ende  all^m  tb^m  unhuldum  tbd  hlro  genOtiis  sint. 

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564  TEUFBL 

ansieht  einen  Vorgang ,  der  g(5t«e  Beisebub  dee  A.  T.  vrar 
in  (lie  reike  der  teufel  eingetreten.  Längst  gewohnt  ^  Ja- 
piter,  Mercur,  Mars  und  Venus  als  teuflische  wesen  la 
betrachten,  wie  hätten  die  bekehrer ^  als  sie  unsem  vor- 
fahren  das  christenlhum  predigten ^  Donar,  Wuolan,  Zio, 
Frouwa  und  alle  übrigen  unter  andere  gesichtspuncte  stel- 
len können? 

Was  von  Zertrümmerung  der  heidnischen  götterbfl^ 
erzählt  und  gedichtet  v?urde,  bestätigt  vollkommen,  dais 
man  den  abgöttern  eine  gewisse  teuflische  Wirksamkeit  bei- 
legte, die  gestürzten  klagen,  als  dämone,  über  die  genalt 
der  eindringliuge  (s.  283),  Peruns  bild,  das  die  Novgoro- 
der  durch  ihre  Stadt  schleiften  und  in  den  ström  vrarien, 
brach  in  wehklage  aus  über  die  treulosigkeit  seiner  altea 
verehren  Olaf  redet  Freys  bildseule  an  (s.  377)  und  »if 
Tli6r  hat  er  einen  förmlichen  handel  zu  bestehn  (s.  120. 
der  h.  Georg  zwingt  Apollos  bild  zu  gehen  und  zu  reden 
(Geo.  33  —  35.)  Mars^  *eia  lügelichei:  got%  hatte  zu  Rfl» 
des  heilandes  gehurt  geweissagt,  als  sie  erfolgte,  bradi 
seine  bildseule  plötzlich  zusammen :  'als  der  tiei^il  du  ii«r- 
dolte  den  slac  von  himel  s6  grözen,  er  fuor  ae  süienge- 
ndzen  sä  verstözen  in  die  helle,  d4  ist  er  gebunden  8^* 
daz  er  niemer  m^re  her  Az  mac  gereichen'  (5lar.  191. 193.! 
Darius  schreibt  dem  Alexander:  unterliege  ich  dir,  '» 
mugen  von  hijnele  niine  gote  zo  der  helle  weseo  böte' 
(Alex. 2542),  d.h.  dann  haben  sie  mein  vertrauen  betro- 
gen und  sind  teujeL  Solcher  züge  ist  das  ganze  mittdal- 
ter  voll.  Das  24.  cap.  hat  ausgeführt  auf  welche  weiw 
TVuotan  in  einen  PFuotunc  und  wütenden  jäger  enl- 
Slellt^  an  der  spitze  des  wilden  heers  auftretend,  zu  «' 
nem  teufel  wurde  (s.  516.)  der  teufel  heifst  darum  A</fc- 
jager  (Mart.  62<1 174^.) 

Das  judenthum  kennt  nur  teufel,  keine  teufelinB^' 
alle  macht  zum  guten  oder  bösen  legt  es  in  die  bände 
männlicher  wesen  (s.  225.)  ich  will  das  noch  allgeiueintf 
fassen.  Götter  sind  überhaupt  älter,  und  der  strenge  mo- 
notheismus  oder  dualismus  wissen  nur  von  göttem;  ^^' 
tinnen  tauchen  erst  in  der  weicheren  fülle  der  Vielgötterei 
auf.  auch  das  deutsche,  heidenthum  hieng  an  göttinoefl 
und  eibinnen,  selbst  das  goth.  vaihts  (genius)  war  weib- 
lich (s.  246.)  göttermütter,  glänzende,  holde  fraucn,  »o^- 
nen,  valkyrien,  waldfrauen,  wasserjungfrauen  bildeten  ei- 
nen haupttheil  des  cultus,  blols  die  kobolde  und  h^"** 
geister  sind  alle  männlich,  rieslnneu  erscheinen  oft  jo  %^ 
statt  und  sitte  lieblich,  der  todlenwelt  stand  eine  göttifl  ror 


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TEUFELS   MÜTTER  565 

Nach  dieser  ganzen  richtung,  da  alle  gegei^tze  der 
analogie  des  positiven  folgen,  war  es  sclion  .grunddeutsch 
dafs  Ülfilas  Saifioviov  durch  unhulthö  übertrug  und  nicht 
etwa  ein  ganz  nahe  liegendes  neutrum  bildete.  Diese  un^ 
holde  frau  vertritt  unter  den  neubekehrten  was  sich  ihr« 
Voreltern  unter  Holda  gedacht  hatten. 

Es  gereicht  zu  keiner  geringen  bestärk ung  der  teuf- 
lischen natur  Grendels  im  Beovulf ,  dafs  ilim  zur  seite  seine 
miitter  steht  ^  noch  riesenhafter  aufgefafst  als  er  selbst, 
dafs  sie  seinen  tod  rächen  will,  und  erst  durch  ihre  be- 
siegiuig  die  heldenthat  vollendet  wird:  Grendels  mSdor 
(2517.  2564.  3076  )  In  unfern  kindermärchen  ist  ein  ur- 
alter zug,  dafs  in  der  wohnung  des  teufeis  zugleich  seine 
grofsmutter  (mwWer  oder  Schwester)  sitzt,  die  sich  de» 
einkehrenden  beiden  mitleidig  und  schonend,  gegen  das 
ungeheuer  annimmt  (KM.  1,  152.  2,  188,  des  teufeis  ^ro/i- 
TiiuUer,  el/ennutter.)  meistentheils  langen  die  menschen 
an,  wenn  der  teufel  ausgegangen  ist,  sie  werden  dann  von 
ikr  vei'steckt,  und  von  ihrem  söhn,  bei  der  rückkunft, 
gewittert*  So  kommen  Thörr  und  T5^r  in  des  riesen  H^- 
mir  haus,  wo  sie  die  neunhunderthäuptige  grofsmutter 
(amma)  und  noch  eine  andere  frau ,  des  riesen  liebste  tref- 
fen, die  sie  unterm  kessel  verbirgt  (Srem.  53«.)  Bei  dem 
indischen  riesen  wohnt  seine  mildgesinnte  Schwester  (s.  322.) 
Jene  sagen  kannte  schon  das  13  jh.,  in  einem  gedieht  des 
cod.  vindob.  428  no.  154  finden  sich  die  Morte:  *der  donr 
»Iahe  uns  beide ;  der  tieuel  brähte  mich  zuo  dir,  und  dich 
iitn  muoter  her  ze  mir.'  im  wahtelmaere  heifst  es  108: 
*mil  des  tiuvels  muoter  wette  loufen.'  Man  sieht,  sie 
^vird  bald  als  das  allerschlimmste ,  den  söhn  noch  über- 
l>ielend,  bald  als  sanfterer  gemiitsart  dargestellt.  'ein 
^vil^ve^  eine  witwe  nam,  der  teujel  zu  seiner  mutter 
kam'  (es  wurde  noch  schlimmer)  sagt  Bure.  Waldis  138*. 
'des  henhers  grofsniutter  ein  bein  abschwören'  (Simplic. 
y  254) ;  'der  teafel  und  seine  grojsjnutter^  (das.  2,  292) ; 
*icL  (ürclite  mich  nicht,  und  wenn  es  der  teujel  und  seine 
^lutter  wäre.'  '^)  Auch  wieder  eine  naturerscheinung  wird 
luer  volksniäfsig  gedeutet,  was  immer  uralte  mythen  ver^ 
räth.  von  schnell  wechselndem  regen  und  Sonnenschein 
sagt  man  sprichwörtUch :  der  teujel  bleicht  seine  grofs-- 
fnutter  (*de  düvel  bleket  sin  mum');  von  einem  bräun- 
licher gesichtsfarbe :  der  ist  dem  teufel  aus  der  bleiche 
gelaufen  (*he  is  dem  düvel  dt  der  bleke  lopen');  dounerts, 

•)  vergk  Feiner  flores  philol.  cap.T.  p.  108. 

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566  TEUFELS   OPFER 

und  die  sbone  echeint  dazu:  der  tettjel  8cUSgt  seine  muU 
ter^  daCs  sie  öl  gibt.*)  {ranzösiscli :  le  diable  bat  et 
femmej'  wenns  im  Sonnenschein  regnet  (Tuet  proyerb« 
no,401.)  Hierzu  mufs  die  erklärung  des  knisternden  fencrs 
(s.  148)  und  des  erdbebens  (s.  473)  gehalten  werden.  Dt$ 
letzte  beispiel  nennt  statt  der  mutter  die  Jrau^  wie  in 
Hyniis  qvidha  des  iötuns  Jrilla  erscheint,  ein  Griecbe. 
der  den  riesen  Asprian  feuer  aus  steinen  reiben  sieht,  ruft 
aus:  'hier  veret  des  tuvelia  brät^  Roth.  1054,  wie  eine« 
andern  riesen  des  windea  braut  einher  fährt  (s.  361.)  Icfc 
glaube  nicht,  dafs  man  das  heidnische  alter  dieser  Vorstel- 
lungen bezweifeln  könne. 

Heidnische  opfer,  den  göttem  oder  den  geistern  be- 
stimmt, lielsen  sich  unter  dem  volke  lange  zeit  hiodarcli 
nicht  ausrotten,  weil  sie  mit  gebrauchen  und  festen  zusam- 
nienhiengen  und  zuletzt  ganz  unverstandne,  schuldlose 
Sitte  werden  konnten,  wir  haben  gesehen,  wie  dem  Woo- 
tan  oder  der  frau  Gaue  ein  büschel  ahren  auf  dem  fddc 
stehen  blieb,  wie  dem  Tod  oder  dem  wilden  Jäger  eia 
schefFel  haber  dargebracht  wurde,  das  hätte  schon  in  der 
ältesten  zeit  die  geistlichkeit  ^deoflum  geldan^  (leges  Vibt- 
rasdi  13)  genannt,  brennende  kerzen  bei  heiligen  waswm 
(s.  327)  sahen  gewis  noch  die  nächsten  Jahrhunderte  iitcl 
der  bekehrung.  lämmer  und  bÖcklein  wurden  in  Nor- 
wegen dem  Wassergeist  geopfert  (s.  278) ;  auch  bei  den 
Letten  und  Litthauern  galten  in  neuerer  zeit  solche  opfer. 
Nach  einer  hessischen  volkssage  hütete  der  teufel  eiiteD 
schätz  und  gestattete  niemanden  ihn  zu  heben ,  aufser  wer 
ihm  einen  schwarzen  f  genau  ein  jähr  und  einen  ia^ 
alten  geifsboch  darbräclite.  Guibertus  (in  \ita  1,  24 
gedenkt  eines  in  Frankreich  üblich  gebliebnen  hahnopto 
diabolo  gallo  litare  (mit  einem  liahn  opfern) ,  ita  wt 
Ovum,  de  quo  concretus  est,  die  Jovis,  mense  martio,  iß 
gallina  constet  expositum ;  der  gebratne  hahn  wird  zum 
weiher  (wieder  also  dem  ilufsgeist)  hingetragen.  H.  Sachs 
111.  3,  10»  erwähnt  des  brauciis:  zwei  pfennige  mit  einer 
bärhaut  zudecken,  mit  grünen  rauten  bestecken y  und 
dem  teufel  zum  neuen  jähr  schenken,  welcher  gottheit 
das  ursprünglich  gegolten  haben  mag?  'dem  teufel  fft 
licht  anstecken^  (Schweinichen  2,  54)  erhielt  sich  ^ 
sprichwörtliche  redeusart  bis  heute.  Den  höchsten  göttem 
des  beiden thunis  dargebrachte  trankopjer  mustcu  nacli 
der    bekehrung    teuUisch    erscheinen,      s.  34.  36   wurde  der 


')   Pnietorü  blocksbergsverr.  2,  113.    breni.  wb.  1,  97. 

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TBUPBLSOPFER  567 

huje  gedacht,  aus  der  unsere  vorfahren  "Wuolans  minne 
tranken,  vielleicht  >vird  unter  Saturni  dolium  (s.  90)  kein 
bad,  sondern  ein  trinkgefafs  gemeint,  der  anmerkung  werth 
scheint y  dafs  in  einer  ags.  predigt  die  worle  aus  1.  Cor. 
10^  20  non  poteslis  calicem  domini  bibere  et  calicem  dae- 
monionim,  welche  Ulfilas  ganz  wörtlich  gibt  (ni  maguth 
stikl  frd^ujins  drigkan  jah  stikl  skohsl^)  ausgedrückt  -wer- 
den: ne  mage  ge  samod  drincan  ures  drihtnes  calic  and 
thäs  deofles  cuppan\  cuppe  also  die  technische  benennung 
des  heidnischen  geräthes  darbietet.  Man  sagt  noch  heute, 
vrer  etwas  im  glas  stehn  lasse,  lasse  dem  teufel  ein  opfer 
(Garg.  43^) 

Wie  Jene  stelle  aus  Wernhers  Maria  (s.  564)  den  teu- 
fel in  der  hülle  gefesselt  nennt,  so  scheint  es  überhaupt 
der  ansieht  des  MA.  gemäfs,  sich  ihn  in  banden  liegend 
bis  zum  anbruch  des  Jüngsten  tags  zu  denken ;  dann  wird 
er  aber  ledig  und  in  gesellschaft  des  antichrists  auftre- 
ten, seine  erledigung  aus  den  banden  bezeichnet  also 
zugleich  die  zeit  allgemeiner  Verwirrung  und  des  Weltun- 
tergangs. Nach  einer  Volksüberlieferung  liegt  der  böse 
unter  dem  tisch,  an  dem  zwei  Jungfrauen  (offenbar  nornen) 
spinnen ,  festgebunden  (deutsche  sag.  no.  9.)  ich  halte 
die  ganze  Vorstellung  für  heidnisch  und  eddisch  (s.  150) ; 
nicht  blofs  in  Deutschland,  auch  in  Scandinavien ,  hat  sich 
die  ausdrucksweise:  ^der  teufel  ist  los^  durch* lange  Jahr- 
hunderte im  munde  des  volks  fortgepflanzt.*)  Welchen 
grund  eine  andere  redensart  hat:  der  teujel  sei  todt^  nun 
könne  Jeder  ungehindert  ins  himmelreich  kommen'  (Mei- 
nerts  kuhländchen  215),  weifs  ich  nicht;  kaum  gemeint 
ist  die  besiegung  des  teufeis  im  christlichen  sinn,  schon 
lo  dem  mrere  von  der  wJbe  list  368  findet  sich  die  betheue- 
lung  ^durch  des  tiuuels  t6tJ  vergleichen  möchte  ich  etwa 
den  8.256  angeführten  ausruf:  der  könig  ist  todt!,  nem- 
licb  der  zwerge  oder  elbe.**) 

Wenn   plötzlidi  das  widrige  gebracht  wird  oder  ge- 


*)  ichwed.  *nvL  är  finn  lös/  Hallmans  skrifter.  Stokli.  1820  p.224. 
••)  oft  ist  es  auch  sonst  schwer  oder  niithaDlich  den  onprnng  einer 
bezi«*haug  zn  ergrunden ,  welche  der  teufel  zu  abergläubischen  meinun- 
gen  und  redensarten  hat.  Man  sagt :  wenn  ein  wurf  aus  der  band  ist, 
gebort  er  dcoi  teufel  (kann  ihn  dieser  an  geßihrliche  stelle  leiten.) 
wer  hinter  sich  lauft,  lauft  in  des  teuf  eis  arme,  macht  dem  teufel  das 
beft  (abergl.  604.  659.)  müssiggang  ist  des  teufeis  ruhehanh  nimmt 
man  nicht  den  pflüg  von  der  schleife,  so  ruht  der  teufel  darunter 
(al>ergl.  819.)  sucht  man  etwas  vergeblich,  so  hält  der  teufel  die 
band  oder  den  schwans  darüber  (abergl.  256.) 


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538  I^ÜFBL 

holt  werden  soll,  nennt  unser  yolk,  in  ansruf  oder  ver- 
ANÜnscliung,  dabei  den  teufel  oder  andere  ihn  vertretende 
zaul>€rhafie  wesen.  Svo  füJirl  ihn  der  teujel  her?'  *hÄt 
dicli  der  tiuvel  har  getragen!'  (Meyer  u.  Mooyer  48*)  'hat 
dich  der  tiui^el  also  balde  getragen  har?'  das.  27^)  'der 
tiuvel  hat  in  dar  getragen'  (Reinh.  1544)  'deable  11  ont 
aniend'  (Renart  5051.  8171)  *dise  hat  der  tiiwel  gesendet 
in  min  lant  (Bit.  I0^).'qui8  te  maleficus  hie  adduxii?'  (vita 
JohanDis  gorziensis,  vor  984,  in  IMabiUon  ann.  bened.  sec 
5  p.  401)  'fülirl  ihn  der  ritt  (peslis)  jetzt  her?'  (H.  Sachs 
IV.  3,  5^)  gleichb'edeulig  dem  westfälischen  *wo  vürd  di 
de  a'dhe  her?'  was  heifst  aber  in  Schmids  Schwab,  wb.  544: 
'führt  dich  der  znuch  schon  wieder  her?'  ich  denke,  der 
höllische  hund  (ahd.  zöha,  hündin.)  westfälisch:  fort  jiiw  de 
liu^itt  nu  weer  her!'  slalt  des  gewöhnlichen  der  hukuhj 
^eier,  die  gleich  dem  kibitz  zaiibervögel  sind,  'hat  mich 
der  ^uclffuck  hergebracht;'  (Grobiauus  97*.)  Nicht  anders 
wechseln  die  llüche:  'daz  dich  der  tiut^el  hin  füere!'  (Sifril 
74,  2)  *var  du  dem  tiiwel  in  die  hant!'  (Reinh.  952)  4e 
diable  t' empörte!'  'fahr  hin  zum  teufel T  'dafs  euch  der 
geier-r  (Gryphius  746)  'hol  ihn  der  kuiuh  und  sein  hiisterP 
dän.  'var  satan  i  vold!'  'die  leide  ride  (mala  pestis)  niüexe 
in  velleu!'  (Rarlmeinet,  Meusebach  162.)  Hierher  gehö- 
ren auch  die  redensarten :  'da  möchte  man  des  teufelM 
werden  !',  'ich  will  des  teufeis  sein !',  wo  sich  wiederum 
hulul,  geier  und  die  andern  substituieren  lassen. 

Die  anführung  dieser  form  ein  wird  nicht  überllüssig 
scheinen ,  wenn  man  gewalu*en  will ,  dafs  sie  auf  den  teu- 
fel hauptsächlich  passen,  insofern  er  aus  heidnischen  götter- 
begriifen  hervorgeht,  da  man  ebenwol  sagen  hört:  'was 
für  ein  weiter  führt  dich  her!'  'welches  ungewitter  (oder 
dounerwetter)  hat  dich  hergebracht?'  'wo  schlägt  dich 
der  liagel  her?'  'ich  will  des  wetters  sein!'  'ich  bin  de« 
dorinersP  *),  ja  sogar:  wo  führt  dich  denn  unser  herr 
gott  wieder  her?';  was  ist  cinleuclilender,  als  dafs  solche 
phrasen  eigentlich  den  heidnischen  Donar ^  den  herm  des 
wetters  meinen,  folglich  er  liuter  dem  später  an  seine 
stelle  gesetzten  teujel  zu  verstehn  ist?  mau  darf  sich  auch 
einen  stürm  und  wetter  machenden  riesen  y  einen  Blaster, 
Väder  oder  Fasolt  (s.  360.  363)  darunter  denken,  der 
fluch:  fahr  zum  teufel!  stellt  sich  daher  ganz  gleich  dem 
nord.  far  til  Odhins!  Odhinn  eigi  thic!  oder  jenem:  ibik 
hall   gramir^   iötnar !    (s.  555),     jenem:    dafs    dich    der 

*)   'ik  tftiu  duniierd!'    Hanseus  geizlials  p.  120. 

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TEUFEL  569 

Hamer!  Hamer  slal  (8.124.)  Neben  dem  segen  ^gott 
vfalts!*  ist  im  munde  des  yolks  der  fluch:  Mes  walte  der 
tenfeU  der  donner P  Man  vergesse  nicht,  dafs  in  den 
ausrufen  und  fluchen  aller  Völker  alte  gütternamen  sich 
verfjärten  und  festsetzen.*) 

Der  teufel  hängt  aber,  wie  mit  den  heidnischen  gott- 
lieiteu,  auch  mit  den  dämonen  und  geistern  zusammen, 
und  vieles  von  dem,  was  im  XIII  cap.  erörtert  worden 
ist,  läfst  sich  auf  ihn  anwenden,  er  heilst  darum  der 
wichi,  der  bösewichtj  der  hellewicht  (s.  247)  in  der 
härtesten  bedeutung,  er  kann  unter  dem  alp^  dessen  Zau- 
ber die  menschen  berückt,  verstanden  werden,  gleich  den 
eiben  hat  er  die  gäbe  zu  erscheinen,  zu  verschwinden 
und  sich  zu  verwandeln,  nur  dafs  die  mehr  neckische 
Schadenfreude  dieser  geister  dem  teufel  immer  als  bitterer 
ernst  angerechnet  wird.  Wie  von  dem  alp  heifsl  es  von 
dem  teufel,  dafs  er  die  menschen  reite  (s.  261.  262);  in 
eiüem  gedieht  des  14.  15  jh.  (mus,  2,  196)  verhängt  es 
ikm  gott,  ein  böses  weih  *über  berg  imd  tal'  zu  retten. 
Es  ist  eine  merkwürdige  erscheinung,  dafs  in  unserer 
spräche  durch  die  begiüfe  wind,  wicht,  ding,  ebenso  aber 
durch  die  begriife  teufel  und  vdlant  ^ine  Verstärkung  der 
Negation  ausgedrückt  wird  (gramm.  3,  734.  736.)**)  Da 
man  nun  auch  das  wort  tropf  (das.  730)  in  gleichem  sinn 
brauchte,  so  erklärt  sich,  wie  die  ausdrücke:  ein  armer 
tropf  f  ein  armer  wicht  ^  ein  armer  teufel  synonym  wur- 
den. Den  geislern  und  teufel  wird  entweder  die  Schnellig- 
keit des  windes  beigelegt  oder  der  wind  selbst  als  geist 
und  teufel  gedacht  (s.  560) ;  daher  sind  wiederum  gleich- 
bedeutige  redensarten :  'sam  sie  der  tievel  vnorle'  Rab. 
749.  Dielr.  8854  und:  'als  ob  sie  der  wind  dahin  führte', 
^«ie  ist  wie  der  zauck  (s.  568)  an  mir  vorbei  gefahren' 
(Schmids  Schwab,  wb.  544.) 

Jener  krankhafte,  blödsinnige  zustand  der  menschen, 
von  denen  es  heifst,  die  elbe  haben  es  ihnen  angethan 
(s.  259),    ist    unverkennbar   analog    dem    besessenwerden 

•)  vgl.  oben  s.  202.  208.  454  und  gramm.  3 ,  29T.  *^ 
*•)  'ich  bringe  lu  den  ttuueV  Nib.  1682,  1  heifst:  ich  bringe  euch 
nicht  das  geringste ,  wie  wir  heute  sagen :  den  teufel  hast  da  gethan, 
d.i.  nichts  von  allem.  Aber  auch  der  blofse«  unbestimmte,  pronominal- 
ausdruck  wird  durch  beifügung  von  teufel  gesteigert:  ^u/elcher  teufei?^ 
für  wer?  (Piiil.  v.  Sittew.  1,  30);  'bestehen,  welchen  tiuuel  sie  mit 
im  wellen  ane  vähen.*  Morolt  28^.  Verwundernde  ausrufe:  *je  so 
saufe  du  und  der  ieufelP  (Schlampampe  p.  17)  sind  noch  jetzt  unter 
dem  Volk  üblich. 


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570  TEUFEL 

von  teufeln.  D!^  Verschiedenheit  beruht  darin ,  dafs  nach 
heidnischer  ansieht  ein  Wirkung  der  geister  blos  von  aufsen- 
her  statt  fand,  nach  jüdischer  und  christlicher  aber  die 
teufel  in  den  leib  des  menschen  einkehrten  und,  vrenn 
der  zauberhafte  zustand  aufhören  sollte,  förmlich  ausge- 
trieben werden  musten.  heidobch  ist  es,  dafs  eibe  den 
menschen  kiuder  stehlen  und  ihre  wechselbälge  an  deren 
stelle  tragen  (s. 263),  unheidnisch  aber,  dafs  der  teufel  in 
dem  wechselbalg  steckt  (Zeno  58  iL)  Diese  teujelbeses^ 
seaen  gleichen  wiederum  den  wohnungen  und  liäusem,  in 
welchen  sich  poltergcister  festgesetzt  haben  (s,  293.)  *)  Als 
frühes  beispiel  hiervon  mag  Grendel  aus  dem  Beovulf  an- 
gefülirt  werden ,  der  die  königshalle  durch  seine  nachtlichen 
besuche  stört.  teufelbesessen  (arreptitius ,  daemoniacus) 
drückte  die  ahd,  spräche  aus  durch  firnoman  (eingenom- 
men) 0.  III.  14.  107  ;  tiui^olipinntc  ,  tiuvolwinnanti  (gl. 
mons.  337.  391.Doc.239),  wol  auch  durch  tiuvolsioky  ags. 
deojolseoc.  0.111.14,63  thie  mit  6m{e[e  wunnuri,  die 
mit  dem  teufel  zu  schalfen,  zu  käripfen  hatten,  von  ihm 
besessen  waren.  **)  Im  13  jh.  war  die  Vorstellung  gäng 
und  gäbe:  *nu  var  hin,  daz  hiute  der  tievel  üz  dir  halP 
Ben.  440-,  *dcr  tiuvel  war  im  in  den  muntP  Reinh.  1642. 
Noch  heule  sagt  man:  'ein  böser  geist  hat  aus  ilim  ge- 
sprochen.' *ich  waen  der  tiuvel  üz  ^beiden  lüge/  Reinh. 
309,  520. 

Grendels  teuflische  art  gemahnt  an  blutdürstige  Was- 
sergeister (s.  280.)  auch  wohnt  er  in  rnoor  und  sumpf 
und  sucht  bei  nächtlicher  weile  die  schlafenden  menschen 
heim:  com  of  möre  gongan.  Beov.  1413,  flieht  'under 
fenhleodhu'  (1632.)  er  trinkt  das  blut  aus  den  adem 
(das.  1478)  und  gleicht  vampyren,  deren  lippen  von  fri- 
schem blut  benetzt  sind.  In  einer  alln.  saga  findet  sich 
ein  ähnlicher  dämon ,  Grtmr  oegir  genannt,  weil  er  im 
Wasser  wie  auf  dem  laude  gehen  kann,  er  speit  gift  und 
feuer,  trinkt  das  blut  aus  menschen  und  thieren  (fornald. 
sog.  3,  241.242.) 

Wann  im  mittelalter  ist  die  idee  förmlicher  biindnisse 
und  vertrif^  entsprungen,  die  der  teufel  mit  menschen 
schliefst?  unglücklichen,  verzweifelnden  verspricht  er  zeit- 
liche guter,  bedingt  sich  aber  dafür  ihre  seele  und  besteht 


•)  wuötes  sclilofs  vom  teufel  besessen,  dialogi  Gregorii  magni3,4. 
gleich  quftigcistern  wirft  der  teufel  steine  (s.  293)  vgl.  Greg.  tun», 
vitae  patr.  1.  vita  Heimeradi  cap.  21. 

**)    vgl.  heilemnnd  (eumeuides)  N.  Cap.  131. 


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TEUFEL  S/ri 

auf  einer  eigenhändigen ,  gewöbnlieh  mit  dem  Wut  des 
menschen  bewirkten  verschreibung.  das  alle»  ist  unbeid- 
niscli,  lind  erst  erdacbt  worden,  nacbdem  die  römische 
form  der  Chirographe  in  Europa  überhand  genommen  hatte« 
Vortheilhafte  vertrage  strebt  auch  der  nordische  teufel 
einzugehn  *) ,  doch  niemals  schriftlich.  Die  berühmteste 
vielfach  erzählte  **)  fabel  war  die  von  dem  vicedominus 
Theophilus.  Das  Annolied  hat  str.  46.  47  die  geschichte 
eines  gewissen  Volprecht,  der  sich  dem  teufel  ergibt. 
Ottocar  cap.  335  meldet  eine  andere  sage.  In  den  meisten 
dieser  legenden  geht  der  teufel  zuletzt  doch  seiner  beute 
verlustig  und  wird  genöthigt  seine  verschreibung  heraus- 
zugeben, der  mensch  hat  zwar  gott  verleugnet,  aber  der 
liimmlischen  Jungfrau  nicht  abgesagt  und  dafür  gewährt 
sie  beistand.  In  einer  schweizerischen  volkssage  hält  sich 
der  teufel  aus ,  dafs  sein  paciscent  nie  mehr  das  evangelium 
Johannis  hersagen  (de  Hänseier  uf  der  lalle  ummedrüllen) 
8olle,  wird  aber  hernach  zu  schänden,  weil  es  der  arme 
hirtenbube  vollständig  pfeijt.  Überliaupt  gibt  es  noch  mehr 
als  ein  mittel,  den  armen  teufel  um  sein  förmliches  recht 
zu  bringen.  Wer  sich  ihm  verbunden  liat,  und  sich  sieben 
jähre  lang  weder  wäscht  noch  kämmt,  wird  ihn  wieder 
Jo«;  oder  er  braucht  nur  zu  verlangen,  dafs  der  teufel 
ein  bäumchen  wachsen  lasse,  denn  das  vermag  er  nicht 
(abergl.  no.  626.)  Jenes  ist  die  sage  vom  bärnhäuter  (Simpli- 
cissinius  3,  896)  oder  dem  russigen  bnider  (KM.  no.  100): 
der  bärnhäuter  mufs  sieben  jähre  im  dienst  des  teufeis 
eme  bärenhauf'  statt  des  mantels  umhängen  d.  h.  ein  fau- 
les, thatenloses  leben  führen  (vgl.  oben  s.  566  die  dem  teu- 
fel dargebrachte  Bärenhaut,)  Wie  man  dem  teufel  rufen 
Kann,    wenn   man   mit   ihm  zu  schaffen   haben  will,  lehrt 


*)  der  iotuoD  (s.  317.)  das  geschäft  lieifst  ein  kauf, 
**)  der  voro:ang  selbst  wird  in  den  anfan<2f  des  sechsten  jh.  gesetzt, 
die  älteste  bearbeitnnsr,  so  viel  ich  weifs,  liefert  Hroswithas  ji;edirlitr 
lapsiis  et  cooversio  Tlieuphili  vicedomini  (opp.  ed.  Schurzfleisch  p.  132 
—  145),  also  aiM  der  zweiten  hälfte  des  10  jh.  Nicht  viel  später  fällt 
die  erwäiinung  des  Fulbertus  carnotensis  (f  1029)  o|m,  Paris  1608 
p.  136.  Eine  historia  Theophili  metrica  soll  von  Marbod  (f  1123) 
herrühren  und  steht  in  dessen  werken  (ed.  Beaugendre  p.  1507  — 1516.) 
hl  Hartmannes  gedieht  von  dem  gelouben  (aus  dem  12  jh.)  kommt 
die  sage  vor  z.  1927 —  1998.  Berceo  (f  1268)  spielt  blofs  darauf  an 
in  den  milagros  de  Maria  str.  276  und  im  duelo  de  Maria  str.  194, 
ebenso  ein  mhd.  dichter  (altd.  bl.  1,  79.)  Die  grofste  Verbreitung 
gab  ihr  Yincentius  I>ellovac.  im  spec.  bist.  22,  69.  Rutebeuf  behan- 
delte sie  dramatisch  (Legnind  1 ,  333) ,  späterhin  auch  ein  niederd. 
dichter  (Brons  p.  389.) 


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578  TEUFEL 

ein  dan.  abergh  (no.  148):  man  gebe  dreimal  um  die  Idrcbe, 
bleibe  das  drittemal  vor  der  kircbthür  et  eben  und  rufe 
'komm  beraus!^  oder  pfeife  ibm  durchs  scblüssellocb.  ge- 
rade so  werden  sonst  geister  der  verstorbnen  aufgerufen 
(anb.  8.  LVI.) 

Wenn  von  dem  teufel  erzählt  wird,  der  seinen  freun* 
den  und  günstlingen  geld  oder  getraide  zuträgt  ^  so  nä- 
hert er  sich  mehr  den  gutmütigen  hausgeistern  oder  elben^ 
und  hier  ist  auch  nie  von  verschreibung  noch  von  gottes- 
verleugQung  die  rede.  Meistens  sieht  man  ihn  als  feuri- 
gen drachen  durch  die  luft  und  in  Schornsteine  fahren 
(abergl,  no.  6.  253.  520.  522.  523.  858.)  die  Ehsten  unler- 
sclieiden  rothe  und  duukie  wolkenstreifen  (abergl.  102), 
ebenso  die  Litthauer  den  rothen  und  blauen  alb  (abergl. 
no.  1.)  Die  Lausitzer  erzählen  von  einem  horndradien 
(z'itny  smi)),  der  seinem  freunde  den  boden  füllte  von  ei- 
nem milclidrachen  (mlokowy  smij),  der  für  der  wirtin 
milchkeller  sorgt,  imd  von  einem  reichthum  bringenden 
gelddrachen  (penezny  smij.)  Die  art  und  weise  seiner 
habhaft  zu  werden  ist  folgende:  man  findet  heute  ii^end- 
wo  einen  dreier  liegen,  nimmt  man  ihn  auf,  so  liegt  mor- 
gen ein  Sechser  an  derselben  stelle,  und  so  steigt  nach  der 
jedesmaligen  aufnähme  der  werth  des  gefundenen  bis  zum 
thaler.  Wer  nun  geldgierig  auch  den  thaler  greift,  in 
dessen  haus  findet  sich  der  drache  ein.  er  verlangt  hof- 
liche behandlung  und  gutes  futter  (wie  ein  hausgeist);  ver^ 
sehen  es  wirt  oder  wirtin,  so  steckt  er  ihnen  das  haus 
über  dem  köpf  an.  Ihn  los  zii  werden  ist^  einziges  mittel, 
jenen  thaler  zu  verkaufen,  allein  unter  seinem  werthe, 
so  dafs  es  der  käufer  merke  und  stillschweigends  ein- 
willige.*) Nicht  anders  als  beim  alraun  oder  galgeimiänn- 
lein  (8.292.)  Ausgegeben  kehren  solche  hcchetluiler  immer 
wieder  zurück  (abergl.  no.  781.) 

Nirgends  aber  stellt  sich  der  teufel  heidnischer  dar 
als  wo  er  an  die  stelle  der  alten  riesen  getreten  ist.  der 
teufel  uiit  den  drei  golduen  haaren  (KM.  no.  29)  wurde 
schon  8.  149  dem  altn.  Ugarthilocus  gleichgestellt,  zumal 
aber  riesisch  erscheint  er,  wo  ihm  das  volk  ungeheure 
b.-iulen  und  steinwiirfe  beilegt:  er  behauptet  dann  ganz  die 
niäclitige,  zürnende,  lückische  und  plumpe  nalur  des  iötunn 
(s.  307  —  322  )  die  erbauung  christlicher  kiiThen  ist  ihm 
verliarst,  er  sucht  siö  zu  zertrümmern;  sein  plan  wird  aber 
jedesmal  von  einer  höheren   gewalt  oder  durch  überlegene 


*)  lauiiitz.  nionatMclir.  1797.  p.  755.  756. 

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TEUFEL  W3 

list  der  menscLen  vereitelt.  Gleich  dem  riesen  zeigt  er 
sich  oft  selbst  als  erfahrnen  baumeister,  welcher  eine  bürg, 
brücke  oder  kirche  aufzuführen  unternimmt  und  sich  zum 
lohn  die  seele  dessen  ausbedingt,  der  den  neuen  bau  zu- 
erst beti'itt. 

Was  hier  von  dem  riesen  wird  dort  von  dem  teufel 
erzählt:  an  die  stelle  des  milderen  motivs  tritt  dann  meistens 
ein  herberes ,  grausameres,  der  riese  pflegt  bei  seiner  baute 
noch  einen  gesellschaftlichen ,  nachbarlichen  zweck  zu  haben 
(s.  307.  314),  der  teufel  will  dadurch  blofs  schaden  stiften 
und  Seelen  gewinnen.  In  Norwegen  gibt '  es  viele  sagen 
von  rieaenbr liehen,  der  jutul  liebt  eine  huldra  auf  der 
andern  seite  des  wassers;  um  sie  trocknen  fufses  besuchen 
zu  können,  baut  er  eine  brücke,  doch  die  aufgehende 
sonne  hindert  ihre  Vollendung.  Faye  15.  16.  ein  andermal 
wollen  sich  zwei  jutule  ihren  besuch  erleichtern  und  un- 
ternelimen  den  brückenbau.  auch  über  den  Main  hatten 
die  riesen  vor  eine  brücke  zu  bauen  (s.  317),  die  Ursache 
wird  nicht  mein*  erzählt.  Wenn  der  teujel  die  brücke 
baut,  so  ist  er  entw.  von  menschen  dazu  gezwungen 
(Thiele  1,  18),  oder  strebt  einer  seele  nach  (deutsche  sag. 
no.  185.  336),  mufs  sich  aber  mit  dem  hahn  oder  der  geirtae 
begnügen,  die  man  wolbedächtig  zuerst  über  die  neue 
brücke  iaujen  liefs.  *)  Nach  einer  franzüs.  tradition  hat 
er  sich  jedes  dreizehnte  wesen ,  das  immer  über  die  brücke 
gebt ,  ausgehalten ,  und  schon  eine  menge  menschen  und 
thiere  in  seine  gewalt  bekommen ,  bis  sich  ein  heiliger 
mann,  als  dreizehnter,  ihm  entgegenstellt  und  ihn  besiegt 
(iii^m.  de  lacad.  celt.  5,  384.)**)  Auch  der  hirchenbauende 
teufel  hat  sich  die  seele  des  ersteinlretenden  bedungen: 
man  läfst  einen  wolf  durch  die  thür  springen  (deutsche 
sag.no.  186),  zornig  fährt  er  oben  durch  das  gewülbe  und 
eine«  öCQung  bleibt  zurück,  die  niemand  zumauern  kann, 
dieser  zug  findet  sich  deutsche  sag.no.  181.  182.  Auf  ber- 
gen baut  er  mülen  und  zerstört  sie  wieder  (das.  no.  183. 
195.)***)  Merkwürdig  ist  seine  wette  mit  dem  kirclien- 
baumeister  zu  Cüln:    er  wolle  eher   einen  bach  von  Trier 


*)  es  ist  ratlisam  in  ein  neoes  haus,  eh  man  es  betritt,  eine  katze 
oder  einen  hund   laufen  zu  lassen  (abergl.  no.  499. 

**)  der  teufel  wird  hier  in  einen  thurm  geschlossen,  aus  dem  er 
zwar  oben  ausfahren,  taglich  aber  unreine  stufe  auf  der  thurmtreppe 
steigen  soll,  die  ihrer  365  zählt,  so  dafs  er  den  weg  erst  blnoea 
jahresfritit  zurücklegen  kann. 

***)  eines  berges  teufehmulin  beim  Ursprung  des  Aufsehens  Alp 
gedenkt  Dumbeks  geogr.  pagor.  p.  70. 


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574  TEUFEL 

nach  Cola  leiten  ^  ^  als  der  dorn  Tollendet  sein  werde  (das. 
no.  204.)  ebenso  wettet  eine  riesin  mit  dem  heil«  Olaf, 
bevor  er  mit  seinem  kirchenbau  zu  stand  komme,  eine 
steinbrücke  über  eine  meerenge  zu  legen,  aber  noch  war 
die  brücke  nicht  halb  fertig,  als  schon  der  glockenkiang 
aus  des  heiligen  kirche  erscholl*  erbittert  schleuderte  die 
riesin  ihre  bausteine  nach  dem  kirchthurm,  konnte  ihn 
aber  nimmer  treifen;  da  rifs  sie  sich  eins  ihrer  beine 
aus  und  warf  es  gegen  den  thurm.  nach  einigen  soll  sie 
ihn  damit  gestürzt,  nach  andern  aber  verfehlt  haben;  das 
bein  fiel  in  einem  sumpf  nieder,  der  noch  heute  giögraput- 
ten  heifst  (Faye  p.  119.)  g lockenklang  hassen  zwerge  (». 
259),  riesen  (Faye  p.  7.  17.  Thiele  1,  42)  und  aeufel '*), 
und  vor  ihm  weichen  sie  aus  dem  land:  alle  diese  sagen 
drücken  den  sieg  des  christeuthums  aus.  der  teufel  schleppt 
die  glocke  aus  den  kirchen  weg  (deutsche  sag.  202);  an- 
fangs weifs  er  nicht,  was  das  neue  gebäude  werden  soll, 
und  läfst  sich  durch  ausweichende  antwort  beschwichtigen 
(das.no.  181),  steht  aber  die  kirche  fertig,  so  sucht  er  sie 
durch  steinwürfe  zu  zerschmettern,  teujelssteine  heifsen 
entw.  die  er  zum  bau  tragend  aus  der  luft  fallen  iiefs,  oder 
die  er  sein  begonnenes  werk  zerstörend  auf  bei^e  trägt, 
oder  die  er  nach  der  kirche  geworfen  hat  (das.  no.  196. 
198.  199.  200.  477.)  nordische  sagen  von  steinen,  die  das 
riesen  geschleckt  gegen  die  erste  Christenkirche  schleudert, 
hat  Thiele  2,  20.  126,  127.  Faye  p.  16.  18.;  eine  shellän- 
dische  Hubert  p.433.  häufig  stehen  solchen  felssteinen  die 
finger  seiner  bände  eingedrückt;  ein  stein,  auf  dem  er 
geschlafen,  zeigt  die  spur  seines  ohrs  (deutsche  sag.  no.  191.) 
Teufehmauern  erklärt  das  volk  so,  der  teufel  habe  damit 
die  grenze  seines  reichs  abschliefsen  wollen  (das.  188),  er 
wird  hier  als  der  beherscher  eines  benachbarten,  fciod- 
lichen  reichs  (eines  iötunheinir)  gedacht,  ja  als  im  streit 
mit  gott  um  die  erde  begriffen:  beide  theilen  sich  zuletzt 
hinein  und  der  teufel  baut  die  abgrenzende  mauer  (da?. 
no.  189.)  Ein  felsstück,  um  seine  gewaltige  stärke  zu  zei- 
gen, setzt  er  sich  auf  als  hut,  da  naht  der  heiland  uml 
steckt  denselben  stein  an  seinen  kleinen  finger  (das.  no.205j; 


*)  damit  ist  die  altromische  wasserleitnng  ausgedeutet  (Geleoitf« 
de  adoiir.  Col.  p.  254.),  von  der  es  gleich  sagenhaft  im  AnnoUedeSlO 
lieir-»t:  Triere  was  ein  bürg  alt,  si  zierte  Römäre  gewalt,  daoait 
mau  uiidir  der  erdin  den  wfn  santi  verre  mit  steinin  rinnin  deo  Mrna 
al  ri  niiimin,  di  ci  Colne  wärin  sedilliaft. 

••)  man  läutete  im  MA.  die  glockea  gegen  das  gewitter  (den  heida. 
Donar)  und  gegen  den  teufel. 


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TEUFEL  ff?5 

sicher  eine  uralte  erlindung*  Nach  der  Wbel  ersonnen 
scheint  mir  aber^  wenn  des  beilandes  und  teufeis  fufsspu- 
ren  in  hoben  felswänden  gezeigt  werden,  von  wo  der 
Versucher  seinen  herrn  die  unten  reizend  ausgebreilete 
gegend  gewiesen  und  angeboten  habe  (das.  184.  192.)  her- 
vorragende felskUppen  heifsen  auch  teufelslanzeln  (Stald. 
2y  85.  känzeli,  lluhkanzel),  da  soll  der  böse  feind  dem 
versammelten  volk  gepredigt  haben  (deutsche  sag.  no.  194)); 
vielleicht  stand  da  vorzeiten  ein  heidnischer  priester  oder 
ein  götterbild? 

Hier  mag  noch  einigen  ausführlichen  mitthellnngeu 
räum  gelassen  werden.  Jene  bedeutsame  norrländische  sage 
von  dem  riesen  Wind  und  Wetter  (s.  317.  318),  dessen 
berührung  mit  dem  teujel  auch  noch  durch  die  bemer- 
kuDgen  8.553.560  aufser  allen  zweifei  gesetzt  wird,  erzählt 
Thiele  1 ,  45  folgendergestalt.  Esbern  Snare  wollte  Kal- 
lundborgkirche  bauen,  seine  mittel  reichten  nicht  aus,  da 
versprach  ihm  ein  trold  beistand  unter  der  bedingung,  dafs, 
wenn  die  kirche  fertig  sei,  Esbern  des  trolds  nameu  nen- 
nen könne,  sonst  aber  ihm  mit  seinem  herzen  und  seineu 
äugen  verfalle,  die  arbeit  wurde  rasch  gefördert;  als  nur 
eine  halbe  seule  fehlte,  fing  es  Esbern  an  zu  bangen,  dafs 
er  noch  nicht  des  trolds  namen  wufste.  sorg  voll  und  be- 
trübt gieng  er  auf  dem  feld  umher,  da  hört  er  in  der 
köhe  eines  felsens  einer  troldfrau  stimme,  ^stUl,  still,  mein 
kind,  morgen  kommt  dein  vater  Fin  und  bringt  dir  Es- 
berns  Snares  äugen  und  herz  zum  Spielzeug!'  getröstet 
kehrle  Esbern  heim ;  als  er  in  die  kirche  trat ,  trug  der 
trold  gerade  die  noch  mangelnde  steinseule  herbei,  da  rief 
ihm  Esbern  grüfsend  den  namen  Fin  I  zu.  erbittert  fuhr 
der  trold  mit  dem  halben  pfeiler  in  die  luft:  deshalb  steht 
die  kirche  nur  auf  viertehalb  seulen.  Finnr  ist  der  ed- 
discbe  name  eines  zwergs.  Die  deutsche  sage  (s.  317) 
hört  man  in  Niederhessen  so :  ein  bauer  auf  der  Ellenbach 
(am  Sandershäuser  berg,  unweit  Cassel)  hatte  so  viel  ge- 
traide  einzuernten,  dafs  ers  nicht  wüste  unterzubringen: 
seine  scheuer  war  zu  klein,  eine  gröfsere  zu  erbauen  fehlte 
ihm  das  geld.  nachdenklich  und  sorgsam  schritt  er  durch 
seine  felder,  da  trat  ein  altes  graues  männchen  auf  ihn 
txx  und  fragte  nach  der  Ursache  seiner  traurigkeit.  der 
bauer  gestand  ihm  seine  bekümmernifs,  das  grattmänn- 
cheu  lächelte  und  sprach:  'eine  scheuer  wollte  ich  dir  wol 
schaffen ,  so  geräumig,  dafs  du  alle  deine  fruclit  in  sie 
ernten  kannst,  und  eh  morgen  der  tag  graut  soll  üq  fertig 
auf  deinem  hof  stehen ,  wenn   du    mir  verschreiben  willst, 


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&m  TEUFEL 

i4^as  du  noch  pon  verborgnem  gut  besitzest,'*)  der 
baner  dachte  an  schätze  uuter  der  erde^  die  ihm  iiicfats 
helfen  konnten,  solange  sie  nicht  gehoben  waren,  und  gieog 
den  angebotnen  vertrag  ein;  erst  beim  abschied  nehmen 
sah  er  einen  huhfuja  und  pferdejufs  unter  dem  grauen 
rock  vorragen.  Nun  kam  der  bauer  heim  und  erzählte 
seiner  frau,  was  ihm  auf  dem  felde  begegnet  war;  *adi 
gotty  was  hast  du  getlian?  ich  trage  ein  kind  unterm  hei^ 
zen,  das  hast  du  dem  bösen  verschrieben.'  Ais  es  dunkelte, 
erhob  sich  auf  dem  bauerhof  ungeheurer  lärm,  Fuhrleute, 
Zimmermänner,  maurer  arbeiteten  untereinander,  der  teufcl 
als  baumeister  leitete  das  ganze  werk,  das  sich  mit  un- 
erhörter Schnelligkeit  förderte ;  wenige  stunden ,  und  die 
Scheune  stand  schon  aufgezimmert,  das  dach  wurde  gedeckt, 
die  wände  ausgefüllt,  nur  einige  gefache  lagen  offen.  Da 
schlich  sich  die' listige  frau,  in  ihres  mannes  kleidern,  über 
den  hof  ins  hünerhaus,  schhig  in  die  bände  und  ahmte  den 
hahnkrat  nach,  alsobald  erkrähten  alle  hähue  in  der  reihe, 
alle  bösen  geister  eilten  brausend  davon  (anh.  s.  XXXVlIi) 
nur  ein  giebelfach  der  neuen  scheune  stand  leer:  einen  fuhr- 
mann ,  der  eben  noch  mit  vier  fuchsen  einen  grofsen  stein 
herangefahreii  hatte,  grif  der  teufel  und  zerschmetterte  ihn 
mit  rossen  und  wagen  an  der  scheuer,  seine  gestalt  wurde 
zum  andenken  auf  dem  selben  stein  abgebildet  und  ist  heute 
da  zu  seilen,  den  scheunengiebel  hat  keine  menschenhand 
schliefsen  können,  was  man  bei  tag  zubaute  fiel  über 
nacht  wieder  ein.  **)  Der  berg  auf  welchem  der  grau» 
mann  dem  bauer  zuerst  erschien,  heifst  teujelaberg. 

Die  Ehsten  nennen  den  knecht,  welcher  über  scheune 
und  getraide  die  aufsieht  hat,  riegenkerl.  ein  solcher  He- 
genkerl  safs  einmal  und  gofs  knöpfe,  da  kam  der  teufd 
gegangen,  grüfste  und  fragte,  *was  maclist  du  da?'  4ch  giefse 
äugen/  *augen?,  kannst  du  mir  auch  neue  gieXsen?*  *o  ja, 
doch  jetzt  sind  mir  weiter  keine  zu  hand.'  'aber  auf  ein 
andermal  willst  du  es  wol  thun?'  'das  kann  ich,'  sprach 
der  riegenkerl.     'wann   soll   ich    wieder  kommen?'  'wann 


•)  VöUr  (Her  liut,  der  grauhiit)  d.  J.  Odhinn  (s.  101)  begehrt  ▼•• 
der  bierhraiienden  Geirliiidr,  der  er  seinen  speicbel  zur  liefe  ge?che« 
hat,  was  zwisihen  dem  fafs  und  ihr  war,  d.  I.  das  kind,  womit  «« 
schwanger  geht,  fornm.  sog.  2,  26.  Der  wilde  walrabe  (s.  558)  ver- 
langt von  der  konigin :  ^dei  du  Inner  ander  leite  dit\  was  du  uoterm 
gurtet  trägst.  D.V.  l,  187.  Schon  dieses  einen  zugs  halber  halte  ich 
die  hessische  sage  für  lieidniAclies  Ursprungs. 

•*)  wie  in  allen  kircheu  das  loch,  wodurch  der  teufel  aosgefiihrea 
ist,  offen  bleiben  mufs. 


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TEUFEL  577 

du  >vill8t.'  Den  audern  tag  kam  der  teufet j  um  sich  die 
äugen  giefsen  zu  lassen,  der  riegenkerl  sagte:  'willst  du 
grofse  oder  kleine?'  'recht  groJ'se,'  Der  mann  setzte  nun 
eine  menge  blei  zum  schmelzen  auf  und  sagte:  'so  kann 
ich  dir  nicht  giefsen,  du  must  dich  erst  festbinden  lassen.' 
darauf  hiefs  er  ihn  rücklings  sich  auf  eine  bank  legen, 
nahm  dicke,  starke  stricke  und  band  ilin  ganz  fest.  Als 
der  teufel  festgebunden  war,  fragte  er,  'welchen  namen 
führst  du?'  *Issi  (selbst)  ist  mein  name.'  'das  ist  ein 
guter  name,  keinen  bessern  kenne  ich.'  Das  blei  war 
nun  geschmolzen,  der  teufel  sperrte  weit  seine  äugen  auf 
und  gedachte  neue  zu  bekommen,  des  gusses  wartend, 
'jetzt  giefse  ich',  sprach  der  riegenkerl  und  gofs  dem  teu^ 
fei  das  heifse  blei  in  die  äugen  ;  auf  sprang  der  teufel 
mit  der  bank  am  rücken  und  lief  davon.  Im  feld  pflügten 
leute,.  bei  denen  er  vorüberlief,  sie  fragten  'wer  that  dir 
das?'  der  teufel  antwortete  'issi  teggi'  (selbst  thats.)  da 
lachten  die  leute  und  sprachen:  'selbst  gethan,  selbst  habe.' 
Der  teufel  starb  an  seinen  neuen  äugen  und  seitdem  sah 
man  keinen  teufel  mehr.  *)  In  dieser  sage  ist  der  teufel 
mehr  ein  tölpischer  riese,  als  der  böse  feind  des  menschen- 
geschlechts ;  seine  blendung  und  der  name  Issi  gemahnt  an 
den  homerischen  Polypbem  und  OviiSy  wie  an  den  De- 
p^ghöz  des  Orients  (s.  322.)  Wenn  andere  ehstnische 
Überlieferungen  den  donner  daher  erklären,  dafs  der  teu- 
fel von  gott  verfolgt  und  in  felsen  flüchtend  niederge- 
schmettert werde  (abergl.  61.  64);  so  gleicht  auch  liier  golt 
dem  nord.  Tbtjrr,  der  teufel  einem  von  Thurr  erlegten 
iötunn. 

Endlich  bewälirt  die  altheidnische  natur  des  teufeis  sich 
auch  darin,  dafs  nach  ihm,  wie  nach  göttern  und  rieseu 
(s.  305),  thiere  und  pflanzen  heifsen.  die  hbellula  grandis, 
die  Wassernymphe,  ein  zart  und  schlank  gegliedertes  insect, 
sonst  auch  die  verwünschte  Jungfer  genannt,  teufelspjerc/, 
teufeis  reitpferd  y  dän.  fandens  tidehest^  auf  der  insel 
Mors  ein  käfer,  meloe  proscarabaeus ,  fannens  riihejst 
(Schade  p.  215);  in  der  Schweiz  die  Hbellula:  teujelsna' 
delj  teuf  eishaar  nadel\  die  raupe  teufelskatze.  **)  al- 
cyonium    digitatum    oder   palmalum:    teufelsharid,    manus 


•)  Roäeuplänters  beitrage,  lieft 6.  p.  61.  wie  der  teufel  von  tliie- 
ren  begraben  wird,  bleibt  liier  weg. 

**)  raupen  wegen  ihrer  Iiautung,  verpuppung  und  stufenweisen 
Verwandlung  aui«  kriechenden  und  todtahnlichen  we«en  in  fliegende  haben 
etwas  unheimliches,  geisterhaftes. 

37 

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578  TEUFEL 

dlaboli,  dtebshand,  engl,  dei^ifs  Iiand,  deadmans  hand, 
nal.  doode  nians  band «  oude  maus  band ,  franz.  tnain-  de 
diable,  main  de  ladre,  de  larron,  vgl.Forneotes  folme(s.  147.) 
lycopodium  clavalum:  teufelshlaue.  eupborbia:  teuf  eis- 
milch, clematis  vitalba:  teufehzu^irn,  scabioea  succisa: 
teufelubifs,  bubiu.  certhus.  adonis:  teujelsauge.  con- 
volviiUis  arveiisis:  teufelsdarm  u.  a.  m.*)  wahrscbeinlich 
vruöte  die  ältere  volkssage  noch  den  näberen  grund  solcher 
benennungen,  vgl.  abergl.  no.  189. 190.476.  Auch  der  don- 
nerkeil,  das  albschofs,  hiel's  teujelsfinger  (8.122.  127.) 

Auf  solche  vielfache  weise  hat  sich  ein,  in  seiner  all- 
geineiuheit,  den  Heiden  unbekanntes  tv^esen  an  die  stelle 
ihrer  goltheiten ,  geister  und  riesen  eingedrungen  und  eine 
menge  ähnlicher  oder  widerstrebender  eigenschaften  in 
sich  vereinigt. 


\  *)  liyperlcuDi  perforatum  t euf eisflucht  ^  fuga  daemonam ,  •  weil  » 
den  tcufel  vertreibt.  Mosten,  harthun,  weifse  heid  thun  dem  teafel 
vieles  lei(l.' 


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ZAUBEREI  679 


CAP.  XXVII*    ZAUBEREI. 


Zaubern  heifst  höhere,  geheime  kräfle  schädlich  wir- 
ken lassen.  Auf  die  gütigen,  vermöge  ilirer  natur  wun- 
der*) Ihuenden  gotter  geht  dieser  begrif  nicht;  erst  den 
gesunkenen,  verachteten  hat  man  Zauberei  zugeschrieben.**) 
Millelwesen  zwischen  goUern  und  menschen,  altkluge,  viel- 
kundige riesen  (s.  304),  böse  riesinnen  (s.  302),  listige  elben 
und  Zwerge  zaubern ;  nur  scheint  ihre  fertigkeit  mehr 
angeboren,  stillstehend,  keine  errungne  kunst.  Eigentlicher 
Zauberkünstler  ist  der  emporstrebende  mensch:  dem  heil- 
bringenden gebrauch  seiner  kräfte  zur  seite  hat  sich  ein 
verkehrter  und  verderblicher  entw^ickelt.  immittelbar  aus 
den  heiligsten,  das  gesamte  wissen  des  heidenthums  in 
sich  begreifenden  geschäften,  gettesdienst  und  dichtkunst^ 
mufs  zugleich  aller  Zauberei  Ursprung  geleitet  werden, 
opfern  und  singen  tritt  über  in  die  Vorstellung  von  zau- 
hern;  priester  und  dichter,  vertraute  der  götter  und  gött- 
licher eingebung  theilhaftig,  grenzen  an  Weissager  und 
Zauberer. 

So  bei  allen  Völkern,  auch  bei  unsern  vorfahren: 
lieben  dem  göttercultus  Übungen  finsterer  Zauberei,  als 
ausnalnne  nicht  als  gegensatz.  die  alten  Deutschen  kann- 
ten Zauber  und  Zauberer,  und  auf  dieser  grundlage  ruhen 
zuerst  alle  nachher  entsprungnen  Vorstellungen.  Schärfen 
und  vei'wickeln  muste  sich  aber  die  ansieht  seit  nach  ein- 
fiilirung  des  christenthums  alle  begriffe  und  brauche  der 
Heiden  für  trug  und  sündhaftes  blendwerk  erklärt  wurden, 
die  alten  götter  traten  zurück  und  wandelten  sich  in  teufel, 
"Was  zu  ihrer  Verehrung  gehört  hatte  in  teuflische  gaukelei. 


*)  aiisern  alten  rliclitern  heifst  p:ot  wundercere  (MS.  2, 171^.  Trist. 
10013),   der  aller  wunder  hat  gewalt  (s.  16.) 

*•)  aus  demselben  grund,  weshalb  ihnen  menschlicher  Ursprung  bei- 
gelegt wurde  (8.201.)  Snorri  bezeichnet  Odhinn  forspär  und  fiölkun- 
iiigr,  er  läfst  ihn  *galdr  qvedha.'  Yngl.  saga  cap.4. 5.7.  Saxo  gramm. 
(p.  13)  schreibt  ihm  praestigia  zu;  merkwürdig  ist  seine  eintheilung 
aller  zauberer,  die  er  roathematici  nennt,  in  drei  arten:  rie.sen,  ma- 
gier und  ans  beiden  hervorgegangne ;  in  den  magiern  sucht  er  die 
alten  gottheiten  (p.  9.)  Audi  das  chronicon  Erici  (um  1288  verfafst) 
stellt  den  Odin  als  Hncantator  et  magus'  dar.  vgl.  Saxos  äufäeruiigen 
p.  103  aber  Thor  u.  Otbio  'magicae  artis  imbuti.' 

»7*  : 

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580  ZAUBEREI/ 

Mit  der  zeit  erzeugten  sich  (iberpfemngen  von  unniitlel- 
barem  znsanimenliaDg  des  büse*/  feindes  mit  dem  >ve8en 
der  Zauberei,  die  iinerliörtcsÄ  grausamste  Verwirrung 
zwischen  phantasie  und  wirlN^chkeit  ist  daraus  hervorge- 
gangen, dergestalt  flössen  verüble  und  eingebildete  Zauber- 
künste in  einander,  dafs  «ie  weder  in  der  bestrafung  noch 
selbst  in  der  begehung  geschieden  werden  konnten^» 

Bevor  ich  weiter  untersuche,  sind  die  verschiednen 
ausdrücke  zu  prüfen,  mit  welchen  von  allersher  die  Zau- 
berei benannt  wurde.  Beachtenswerlh  scheint,  dafs  einige 
allgemeinere  geradezu  den  begrif  von  thun  oder  bereiten 
enthalten ,  also  auf  unmerklichem  Übergang  des  rechten  in 
ein  verkehrtes  thun  beruhen,  das  ahd.  larawan  hat,  mei- 
nes Wissens,  nur  die  bedeutung  facere,  parare,  das  alln, 
identische  göra  nähert  sich  der  von  zaubern,  dän»  forgiöre] 
görning  ist  maleficium,  görningar  sind  artes  magicae, 
ungefähr  wie  das  lat.  facinus  zugleich  that  und  unthat  be- 
zeichnet. *)  nun  aber  drücken  die  gr.  und  lat.  Wörter 
eoSeiv y  Q€^€iv,  Jacere  nicht  blofs  aus  wirken,  thun,  son- 
dern auch,  ohne  dafs  tsQcc  oder  sacra  hinzugefügt  zu  wer- 
den brauchte,  opfern,  egdeip  rtvi  Tt  ist  einem  etwas  an- 
thun ,  einen  bezaubern ;  das  altn.  bl6ta  hat  aufser  dem 
gewöhnlichen  sion  von  sacrificare,  consecrare  den  von  ma- 
ledicere.  ob  sich  forneshja  (zauberei)  mit  fSrn  (opfer) 
verbinden  lasse  ?  ist  schon  s.  25  gefragt  worden.  Schwer 
zu  erklaren  fallt  das  ahd.  zoupar  divinatio,  maleficium, 
zouparari  hariolus,  zouparön  hariolari;  N.  schreibt  «oii- 
Jer  ps.  57,  6.  zouver  Blh.  29.  «owper/ZA  Cap.  99;  das  mhd. 
zoiwery  zoubern  entspricht  jener  strengahd.  form.  nd. /op«r 
und  toueren^  auch  nnl.  und  mnl.  (vgl.  toverte  Maerl.  1,  260. 
263.  toverare  1,  266,  fehlerhafte  Schreibung  ist  toeverie); 
altfries.  tawerie.  Fw.  205.  Die  isländ.  spräche  hat  töfar 
instrumenta  magica,  töfrar  incantamenta,  töjra  fascinare, 
tÖjrari  magus,  töjranorn  saga,  wozu  das  norweg. /oifgr« 
fascinare  (Hailager  131^),  das  schwed.  tofver  incantatio, 
tofuerhäxa  saga  stimmt;  man  könnte  spätere  einführung 
dieser  Wörter  aus  Deutschland  annehmen,  da  sie  in  allo. 
denkmälern  nicht  vorkommen.**)     ich  weifs  nicht,  ob  eio 

•)  mittelint.  factura  (sortilegium)  facturare  (fascinare);  it«l. 
fattura  (iocantatio)  fattucchiero  (zaiiberer)  fattupchiera  (sanberia) ; 
spao.  hecko  (fecinus)  hechizo  (incAntatio)  hechizar  (zaubern)  hecht» 
cero  (zauberer)  hectiicera  (zauberio.) 

**)  aar!)  das  lüneb.  wendische  löblatsch^  zauberer  (l>ei  Eccard 
p.  291)  fobolar,  zaubercr,  towlatza^  toblarska  zauberin  (nach  Jugler» 
wb.)  scheint  deutsches  Ursprungs,  da  andere  slav.  diaJecte  nichts  äbn- 


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ZAUBEREI  981 

ags.  tedfor  zu  zoupar  genommen  werden  darf;  es  be- 
deutet miiiiuni,  color  coccineus,  und  Lye  gewalirl  ein  nn- 
belegtes  tijran  depingere,  das  vielleidü  tyfriaii  zu  schrei- 
ben wäre?  die  beifügnng  des  ad),  read  tedfor  (rubrica) 
liefse  \ernuiten,  dafs  tedjor  aUgcmein  zeichenfarbe  war, 
deren  man  sich  beim  einritzen  der  biichstaben  bediente, 
und  so  könnte  es  rune,  gelieime  zaubersclirift,  folglich 
Zauber  aussagem?*)  zoupar  und  zepar(s.2b\  ags.  tedjor 
und  tijer  zu  vergleichen  verbietet  die  abweichung  der  vo- 
cale,  so  nahe  sich  wieder  die  begriffe  zaiiber  und  opfer 
lägen,  man  möchte  auch  wol  zoupar  aus  zouwan,  goth. 
tuujan,  ags.  tavian  (farere,  par^are)  ableiten  und  irgend 
einen  unregelmäfsigen  iiberlritt  des  V,  W  in  V,  B,P  statt- 
Imft  finden.**)  Nicht  geringeres  bedenken  verursacht  ein 
anderer,  dem  sächs.  volksslamm  eigenthümlicher  ausdruck. 
noch  heute  sagt  man  in  Niedersachsen  für  zaubern  wikhen 
und  wigelen  (wichelen),  für  Wahrsager  wikker  und  wich' 
ier,  für  hexe,  Wahrsagerin  wikkerske,  für  Zauberei  wiche' 
lie,  ebenso  nnl.  wikken  und  wichelen ,  wikkerij  und 
wichelarij ;  mnl.  wikelare  (ariolus)  Maerl.  2,  348.  wige^ 
tinge  (vaticinium)  Kästners  bruchst.  12^;  ein  altfries.  ü^/- 
liga  Fw.  205  ist  blofse  umstelhing  von  wigila  (fascinum.) 
auch  ags.  die  doppelten  formen :  viccian  (fascinare)  vicce 
(saga)  t^iccunqdhni  (Cädm.  223,  17)  oder  vicvancräjt  (ars 
magica)  ;  viglian  (ariolari)  vi  gelere  (augur)  vigelung  (au- 
gurium,  incantatio.)  das  engl,  witch  entt^pricht  dem  ags. 
vicce,  vom  verbum  hat  sich  das  part.  wicked  (perversus, 
malediclus)  erhalten,  die  altengl.  spräche  hatte  ein  gleich« 
bedeutendes  adj.  wikke\  ein  zauberer  heifst  wizard,  alle 
L  formen  mangeln,  kein  älterer  oder  neuerer  hochd.  dialect 
kennt  etwas  dergleichen;  dennoch  scheint  mir  der  aus- 
druck aus  einer  allen  zweigen  unserer  spräche  gemeinen 
Wurzel,  aus  veihau  (no.  201)  al)zu8larnmen,  das  ursprüng- 
lich facere,  sacrare  bedeutet  haben  mag,  von  dem  veihs 
(sacer)  ahd.  wih  herrührt,  und  das  subst.  vafhts  (res.)***) 
KK  in    Nvikkeii    nehme    ich    wie    in  Ecke  (s.  146)  aus  der 


liehe«  kennen,      denn    da»  sloven.  zoper  (zauber)    zoprati  (zaubern) 
zoperiiik  (zauberer)  zoperniza  (zauberin)  ist  sicher  nach  dem  deutsclieu. 

•)    ist  die  herleitunp^  unseres  ziß'er^   engl,  cipher^   franz.  chiffre^  . 
ital.  ci/ra,  cifera  (geheinischrift)  aus  einem  arab.  wort  sicher?  Ducange 
».  V.  cifrae  hat  bebpiele  aus  dem  12  jh.     jenes  ags.  wort  stimmt  auf- 
fallend. 

••)   nlid.  gelb,  färbe,  mürbe,  wo  mhd.  W. 

•••)  *e8  gellt  nicht  mit  rechten  dingen  zu',  bedeutet:  mit  zauber. 


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582  ZAUBEREI 

Wurzel  agan,  und  G  in  wigelen,  CH  in  wichelen  (offenbar 
ein  CH  r=  H)  dient  zur  bestätigung.  übrigens  bat  ivihkea 
voraus  den  bärteren  sinn  von  zaubern ,  wichelen  den  mil- 
deren von  weissagen^  obgleicb  sieb  beide  berühren.  Biicb- 
stäblicb  unverwandt,  in  der  bedeutung  nalistehend  scbeiot 
abd.  wizago,  ags.  vttega,  vttga  (Ciidm.  218,  18.  224,  13), 
nbd.  weissage,  d.i.  propbet  und  wabrsager,  aber  in  gu- 
tem ,  niclit  in  bösem  sinn ;  das  entsprecbende  altn.  vitki 
(Snem.  63«.  118')  siebt  für  vitugi  (vgl.  vilug  Sneoi.  94*)  wie 
ecki,  eilki  für  eitgi  (gramm.  3,  738),  vaetki  f.  vsetgi.  mir 
diesem  altn.  vitki  (vielleicht  vilki?)  bat  man  falscbljck 
jenes  ags.  vicce  verglichen ,  nie  geht  ags.  CC  aus  TG  her- 
vor, wenn  auch  ags.  CC  zu  engl.  TCH  wird.*)  Ganz 
gleich  dem  vjlega  und  vilki  standen  die  altn.  namen  spi- 
madhr  und  spatona ,  spddis  (s.  63.  226) ,  ursprünglich 
die  gäbe  der  Weisheit  und  voraussagung,  wie  sie  dichtem 
oder  prieslern  beiwohnt,  ausdrückend**),  giengen  sie  nach 
und  nach  über  in  den  begrif  teuflischer  zauberer  und  Zau- 
berinnen, schon  }eueB  forspdr  und  fiölJcunnigr  bei  Snorri 
(s.  579)  hat  den  Übeln  nebensinn,  fiölhunnigr  (miiltischis 
bezeichnet  allmalicb  einen  zauberer,  fiölhinndttn^  ßdl- 
Ifngiy  ja  das  einfache  hyngi  (=  kuunugi)  zanberei. 
Hans  Snchs  nennt  ein  altes  zauberweib  abwechselnd  *dic 
alt  unbuld'  und  'die  weise  frau:   IV.  3,  32.  33. 

Insofern  spähen  ein  voraussehen  und  sehen  ist,  kann 
ich  daran  noch  einen  andern  ausdruck  für  zaubern  reihen. 
ohne  alle  leibliche  beinibrung  wird  durch  den  blofsen  blick, 
durch  ein  böses  äuge  eingewirkt:  das  biefs  in  der  alten 
spräche  ent sehen  (s.  260.) 

Weil  aber  der  spähende,  kundige  vates  zauberweiseo 
singt,  Segensformeln  spricht,  musten  schon  im  altcrtbum 
ausdrücke  wie  unsere  beutigen  beschneien^  beschu^aizen^ 
her// Jen,  iiberrnfen,  beschwören  für  zaubern  gelten,  dai 
abd.  kalan  ngs.  galan,  altn.  gala  war  nicht  nur  canere, 
sondern  auch  incantare,  ein  bindendes  hersagen,  singen  d« 
Zauberworte,  solch  ein  gesprochner  zauber  biefs  altn.  galdr^ 
ags.  galdor,  abd.  halst ar  (nicht  zu  mengen  mit  k^lstar. 
opfer  s.  24);  an  sich  schien  galdr  etwa^  unsträfliches ,  dt 
man  meingaldr  (bösen  zauber)  unterschied,  fornm.  8ög.l 


•)  in  der  bedeutung  stimnien:  weiser  mann^  iueise  frauy  i7»5e 
frau;  altn.  vhindamud/ir  (fornald. sog.  1,6)  weiser  mano,  philosoph, 
pliysiker.  ser!>.  rjescht  (peritus)  i/esc/ifaz  (veneficus)  pfeschtitii 
(veuefica);    poln.  wreszczka  (weise  frau,  hexe),  sloven.  veßta  (liexe) 

•*)    analog  das  altfrnnz.  dciin,  divin  zauberer,  divinator. 


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ZAUBEREI  583 

137.  altu.  galdra  fascioare,  galdramadhr  incantalor, 
galdraloria  saga,  tigB.  galclorcräjt  magia,  galdere  nia- 
gu8;  ahd.  kalstarari  incantator.  ebenso  stammt  das  franz. 
cliarme,  cliarnier  aus  Carmen,  enc/ianter ,  incantare 
aus  cantus  und  canerc.  Aus  dem  mittellat.  carminare  be- 
sprechen gieng  auch  ein  ahA.  garminari,  genninari  in- 
cantator, germinod  incantatio  (Diul.  2,  326**  gl.  Doc.  213»>) 
hervor,  das  in  der  -späteren  spräche  wieder  verschwand. 
Scbon  mhd.  hiei's  die  Zauberformel  segen ;  segencerinne 
Zauberin.  Es  galt  aber  ein  stilles  leises  hersagen,  mur- 
mel/i  der  bescliwOrung*),  und  da  raunen  noch  jetzt  heim* 
Hch  reden,  das  ags.  runian  susurrare  bedeutet,  so  darf 
das  goth.  runa  (mysterium)  auf  die  geheimnisse  der  schrift 
wie  des  lauts  bezogen  werden,  aliorunen  (s.  227)  waren 
weise,  zauberkundige  frauen  **),  der  alraun  (8.292)  ein 
zauberhafter  geist,  H.  Sachs  nimmt  IV.  3,  34  eine  göttin 
Aliaun  auf  der  wegscheide  an ,  und  ich  linde  bei  Lye 
eine  ags.  benennung  hurgrune  für  furia  angegeben. 

Schon  in  der  edda  kommt  aeidhr  im  sinn  von  zauber 
vor:  ^seidli  hon  kunni^  heilst  es  Swm.  4**  von  einer  vala 
oder  Vulva,  seidhberendr  Sa»m.  118*  sind  zauberer,  welchen 
völm:  und  vitkar  zur  seit©  stehn.  Noch  häufiger  wird  der 
ausdruck  in  den  sagen,  wäre  zu  schreiben  seydhr  (for- 
nald.  sog.  2,  130  steht  so  in  einem  gedieht),  so  ergäbe  sich 
die  leichteste  ableitung  von  siodha  (coquere),  zugleich  wie- 
der berührung  mit  dem  gotb.  suuths  (s.  25.)  seidliJcona^ 
seydhkona,  kluge  frau ,  die  sich  aufs  sieden  und  kochen 
zauberkräfliger  heilmittel  versteht.***)  Das  ahd.  puozan, 
tkgs,  hetan  ist  emendare,  aber  auch  mederi,  dem  übel  ab- 
helfen, heilen;  noch  jetzt  hat  in  Westfalen  holen  bezug 
auf  alte  zaubermittel  des  volks,  gegenüber  der  gelehrten 
arzneikunst  (abergl.  873) ,  der  teutonista  stellt  holten  syn- 
onym   auf   mit   zaubern.  ■}•)      Weil  nun   kochen    der  lieil- 

•)   abergl.  515.  875;    ininurmurnre   Paul.  Diac.  1,  13. 
**)   eio  gotii.  aijarunjo  könnte  buchstäblich  eine  fremdredende  (in 
Zauberformeln?)  bedeuten,  vgl.  das  ahd.  alirarto  (barbarns.) 

'*')  seydhr  oder  saudhr  dichterisch  ein  nam«  des  siedenden,  kochen- 
deu  feuers ,  'ä  seydhi  bera'  Ssem.  54^  aufs  feuer  setzen ,  zum  kochen 
tragen,  sieden  lassen. 

+)  weiliger  anziehend  sind  fremde  namen,  z.  b.  das  ags.^r/rf  ma- 
gus,  pl.  dr^as,  drycriift  magia,  dessen  celtische  abkuoft  uns  der  be- 
kannte nnme  der  druideti  verrath;  gafmcli  draoi  zauberer,  draoidheadh 
Zauberei.  Mgromonz/e  tiabeu  schon  dichter  des  mittelalters  MS.  2, 10^, 
nigromatiiit!  Maerl.  2,261;  'der  swarzen  huoche  wis*  Troj.  7411; 
^suochen    au   den   swarzen   buoc/ten^    Martina   20»;    nä  Itr  etz   in  sin 


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584  ZAUBEREI 

mlUel  und  gifte  leicht  zusamoien  fallt,  wirA  das  alid.  luppi, 
mhd,  Hippe  voii  Vergiftung  und  Zauberei  gebraucht:  ^lüppe 
u.  zouber  triben'  Berlh.  12;  luppcerinne  (Berlh.  58)  i«t 
Zauberin,  gerade  wie  sich  veneficium  und  venefica  im 
lat.  verhallen.  Selbst  das  goth.  l^keis,  ahd.  lÄlihi  (inedicu«, 
im  guten,  reinen  sinn  des  worts)  lahhinon  (niederi)  hlhban 
(reniedium)  liegt  den  ausdrücken  Idchence rinne  (zau]>enn) 
Oberl.  bihteb.  46,  lachsnen  (quaksalbern  ^  zaubern)  laclis- 
nerin  (hexe)  Stald.  2,  150  zum  gnind. 

Ein  theil  der  weissagungskunst  beruhte  auf  dem  wer- 
fen und  deuten  des  lofses.  gleich  dem  lat.  sortilegium 
und  sortilegus  (mittellat.  sortiarius,  woher  franz.  surcier) 
sind  in  unserer  alten  spräche  die  Wörter  hliozan ,  mbd. 
liezen  (augurari)  Diut.  3,  107.  108.  hliozari^  liezcere 
(augur,  divinator)  anwendbar  auf  Zauberei. 

Eine  art  Weissagungen  geschah  mit  dem  becher  (ge- 
nesis  44,  5),  aus  der  lat.  benennung  caucus  (für  scypliusl 
soll  cauculafor  (capiliil.  a.  789  f.  63.  capitul.  1,  62.  6,  373} 
und  cor/eariiis  (capitul.  a.  789  f.  18.  capit.  5,  69)  entsprin- 
gen, daher  das  a\iA,  concalari  {scenicns,  magicus)  gl.  mons. 
377.  gougulari  0.  IV.  16,  33.  choiihelari  Georgslied  25, 
gx>ucaltitom  (magia)  gl.  nions.  375.  gonhel  (praesligiuni)  N. 
ps.  65,  3;  mhA.gougely  nhA*  gaiileh  andere  leiten  gaiik- 
1er  von  joculator,  wofür  die  nüldc  bedeulung  der  taschen- 
spielerei  zu  sprechen  scheint ,  welche  wir  noch  jetzt  mit 
dem  begrif  von  gauklerei  verbinden:  es  sind  unschuldige, 
zum  scherz  und  zur  erheiterung  geübte  Zauberkünste,  vgl. 
gougelbühse  Walth.  38 ,  6.  gougelslok  INlarlina  9*  gougel- 
fuore,  gougelspil-  Nnl.  guivhelen,  gochelen^  goghelen\ 
gmvlielaar\  die  form  guicheleu  gemahnt  an  u>ichelen 
(s.  581)  und  wirklich  kommt  eine  ags.  Schreibung  hueolere, 
nveohtere  für  vigelere  vor,  so  dafs  man  wol  ein  altfränk. 
chuigalari  vermuten  und  darauf  cauculator  zurückführen 
möchte,  wenn  nicht  alles  andere  entgegenstände.  Auch  das 
böhm.  hauzlo  (zauber)  lauzUti  (zaubern)  poln.  gusla 
(zauber)  gusla rz  (zauberer)  sei  hier  noch  angeführt. 

>  Den    ahd.    ausdruck    tißösida    (praestigia)    weifs  ich 

nicht  zu  erläutern. 

Die  verschieduen  benenuungen  des  Zaubers  haben  uns 


swarzez  huoch  ^  daz  inie  der  hellemör  \\ki  gegeben'  Walili.  33«; 
,sc/m/arze  kunst^  Schwarzkünstler  erst  in  späterer  zeit,  dies  iH«  *>*" 
ruht  auf  einem  niisverstnnd  de^  gr.  vtxf^ofiatndu. 


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ZAUBEREI  ^^ 

auf  die  begrllTe  thiin,  opfern*),  spähen,  welssagamV  «»i** 
gen ,  murmeln  (gelieimsclireibeu),  koclien,  heilen  iiad  i^d^ 
geführt.  \V> 

Sie  zeigen,  dafs  er  von  männern  wie  von  fraiieS^Cjf^ 
trieben  wurde.  Unser  frühstes  aherthum  liat  ihn  ab^.; 
schon  vorzugsweise  fraiien  zugeschrieben,  einflufsreicher, 
kundiger  als  der  zouparari,  vigelere,  spdmadhr,  galdramadhr 
scheint  die  zouparard,  vicce,  wikkershcy  kalstarard^ 
galdralcona y  spätoria,  ja  es  treten  andere,  fast  blofs  auf 
weibliche  Zauberkunst  bezügliche  namen  hinzu. 

Den  grund  hiervon  suche  ich  in  allen  äufseren  und 
inneren  Verhältnissen.  Frauen,  nicht  männern,  war  das 
auslesen  und  kochen  kräftiger  heilmittel  angewiesen,  wie 
die  bcreitung  der  speise  ihnen  oblag,  salbe  fertigen,  linuen 
weben,  wunden  binden  mochte  ihre  linde,  weiche  band 
am  besten ;  die  kunst  buchstaben  zu  schreiben  und  zu  lesen 
wird  in  ältester  zeit  hauptsächlich  frauen  beigelegt.  Den 
unruhigen  lebenslauf  der  männer  füllte  krieg,  jagd,  acker- 
bau  und  handwerk;  weibern  verliehen  erfahrung  und  be- 
hagliche mufse  alle  befähigung  zu  heimlicher  Zauberei, 
das  einbildungsvermugen  der  frauen  ist  wärmer  und  em- 
pfänglicher, von  jeher  wurde  in  ihnen  eine  inuere,  heilige 
kraft  der  Weissagung  verehrt  (s.  63. 225.)  frauen  waren 
priesterinnen  und  Wahrsagerinnen  (s.  33.  65.  66) ;  germa- 
nische und  nordische  Überlieferung  hat  uns  ihre  namen 
und  ihren  rühm  erhalten,  je  nach  Verschiedenheit  der 
Volksmeinung  berühren  sich  nornen  und  völven  (s.  231), 
valkyrien  und  schwanjungfrauen  mit  göttlichen  wesen  oder 
zauberitiuen.  Auf  diesem  allem  zusammen,  auf  einer  mi- 
schung  natürlicher,  sagenhafter  und  eingebildeter  zustände 
beruht  die  ansieht  des  mittelallers  von  der  hexerei.  Phan- 
tasie, tradition,  bekanntschaft  mit  heilmitteln,  armut  und 
müfsiggaug  haben  aus  alten  weibern  Zauberinnen  gemacht, 
die  drei  letzten  Ursachen    auch  aus  hirten  zauberer. 

Den  lat.  ausdrücken  saga**)y  strix,  Ä^rz^a***),  pene-- 


*)   auch  wo  sich  der  bnchstabe  sträubt    fallt   die  berülininj(  auf: 
forn  und  foro,  geUtar  und  gaUtar,  saudh  und  seidh,  zepar  und  zoupar. 

**)  sagire  sentire  acute  est:  ex  quo  sagae  anus,  quia  multa  scire 
volunt.   Cic.  de  div.  1,  31. 

•")  lex  sal.  22.  67  stria^  altfranz.  estrie^  jtal.  strega^  stregona 
(woher  vielleicht  jenes  Schweiz,  sträggele  s.  524) ;  ein  Zauberer  heifut 
ital.  stregone.  ursprünglich  war  «trix,  oTiiiyl  ein  zaubervogel.  striges 
»b  avibus  ejusdem  noniini^i,  quia  mateficae  mulieres  volaticae  dicuntur. 
Testus  s.  V. 


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586  HEXE 

iica^  lamia,   furia,  masca  *)  entspricht  unser  7iexe.    die 
ahd.    fonn    dieses   wortes  lautet  häzus^   hdziisay  hdzasa 
(granini.  2,    274),  hdzessa   N.  Cap.  105;    häzzuso  (eunie- 
uidum)  Dint,  2,    350*  ist  gen.  pl.  von   hSzus»   häzes  (Diut. 
2,  ^A6^)\  hezesusun  (furiis)  Diut.  2  ,  337^  scheint  verderbt 
aus  hcgezusun  ?   der  echten  vollen  form  hagazus  oder  /m- 
gazusa  versichert  uns  das  ags.  hägtesse  (anh.  s.  CXXVII), 
die    Kürzung    zeugt,    wie    in  tdlanc  aus  tagalanc,   für  alter 
und  gangbarkeit  des  worts.     Nur  selten  begegnet  ein  mhd. 
hegxse^  hexse  (INlarlina  90c  106^)  hecse  (Oberl.  bihteb.46); 
in  der  Schweiz  sagt  man  hngschy  haagsch  (Stald,2,   10.) 
AA  eil  aber   neben    dem   ags.nägtesse  auch  liögesse,   engL 
hagj  Schweiz.  Ääif^e/c  (vgl.  sträggele)**),  mhd.  Aacc/za  (MS. 
1,  180i>  Ls.  2,  638)  erscheinl,  mögen  die  ableitenden  bucli- 
staben  der  einfachen  Wurzel  hog  w^enig  zufügen,     das  ahn. 
adj.  hagr  bedeutet  dexter,  artificiosus,   kann  also  ganz  den 
sinn  des  lat.  sagus  haben:  hexe  ist  ein  kluges,  verschmitz- 
tes weib.     Für   hexen  (fascinare)  gewähren    oberd.  mimd- 
arlen  hechanen  und  damit  überein  trilt  das  allfries.  verbum 
Iiexna  (lit.  Brocm.  f.  59,  eine  hs.  hat  hoxna);  in   den  Lier 
zugefügten    worten    *milh   wald    and  mith  bisette  heye'  (al. 
hei)    scheint    das  einfache   hei  =  ags.   häg,    ahd.  hac  ent- 
halten***),  hier  aber  zaiiber  auszudrücken.     IVoch  bis  ins 
16,  17  jh.  wird  jenen  unhäufigen  mhd.   formen  die   benen- 
nung  unholde  vorgezogen,    die   eigentlich   teufelin  (s.  554) 
aussagt,  diu  unholde  (Älarlina  170^  172^),  bei  Keisersberg 
u.  H.  Sachs  der  gewöhnliche  name;    erst  im   17.  18  jh.  ge- 
wann   dafür   hexe  allgemeinheit.     hin  und  wieder  bedient 
sich  das  volk  auch  eines  masc.  hex  für  zauberer;    in  Schwa- 
ben der  hengst  (Schmid  273),  in  der  Schweiz  hagg^  hah, 
belrieger,    gaukler.       im    span.   hechicero    und    hechicera 
finde  ich  nur  zufälligen  anklang  (s.  580);    das  span.  bruxa 
(südfranz,    bruesche)    bezeichnet     einen     unheilbringenden 
nachtvogel,  und  wurde  wie  slrix  auf  die  Vorstellung  hexe 
übertragen.     Häufig  gilt  drut  oder  drude  für  gleichviel  niil 
hexe;    genauer  unterschieden  bedeutet  drut  den  plagenden, 
drückenden    nachtmahr;    aus    welchem    heidnischen  wcsen 
diese  drut  entsprang   wurde  s.  238   gewiesen,    es  lag  nah, 
elbische    geister    des    alterthums     später    mit    menschlichen 


*)   lex  Uotliar.  197.  379  sfriga,  <jiiod  est  ntasca^    vgl.  talamasca 
8.512.513,  das  wol  besser  hexe   als  gespenst  gc  M^utet  wird. 
")   l)erühi-t  sidi  da»  srhwed.  hagla?   (schwed.  abergl.  71.) 
'••)  »Vics    dciy  mei  =  ag«.  dag,  mag,   ahd.  t^c,  inac. 


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HEXEN  587 

zauheiionen  zu  mengen.*)  Bilu>iz^  helewitte  8.266.267. 
Die  alln.  namen  der  riesinnen,  zumal  skass,  stessa,  flcigd 
(s.  302)  werden  ebenfalls  auf  hexen  angewandt.  Besondere 
benenuungen  sollen  hernach  noch  angeführt  werden. 

Das  christenthum    hat   den  begrif  zauberübender  wei- 
ber  als   heidnischen  vorgefunden ,   aber  vielfach  verändert, 
bis    auf   die   jüngste    zeit   ist   in    dem  ganzen   hexenwesen 
noch    ein    offenbarer    Zusammenhang    mit    den    opfern^ 
volksversamlungen  und  der  geisterivelt  der  alten  Deut* 
sehen  zu  erkennen.     Dieser  satz,  aus  dem  sich  die  Unge- 
rechtigkeit  und    Ungereimtheit   der   spateren   hexenverbren- 
nungen  von  selbst  ergibt,  mufs  vor  allem  bewiesen  werden. 
Schon  unsere  ältesten  volksrechte,  zumal  das  salische, 
wissen   von   Zusammenkünften    der  hexen    zum  kochen. 
lex  sal.  cap.  67  ist  als  ehrenrührigste  schelle  hervorgehoben, 
dafs  ein  mann  hexenkesselträger  gcheifsen  werde :   *si  quis 
alterum   chervioburgum ,    hoc  est   strioportiuni  clamaverit, 
aut    illum    qui    inium   dicitur   portasse,     ubi   strias   (d.  h. 
Striae)  cocinant?    diervioburgum  Jiabe  ich  RA.  645  zu  deu- 
ten   gesucht,     wer  sich   hergibt   den    hexen   ihr   geräth   zu 
tragen  wird  mannern  verächllich ;  er  kann  auch'blofs  strio- 
portius,  hexenlräger  heil'sen,  sie  Jiaben  ilm  dazu  gedungen, 
eines  solchen  kesselträ'gers  erwähnen  freilich  die  jüngeren 
lioxensagen    nicht,     zu     ihren     versamlungen    nehmen    sie 
aber  häufig   einen  spielmann,  der  ihnen   zu  mahlzeit  und 
tanz  aufpfeifen  mufs,    ohne  gerade  theilnehmer  der  Zaube- 
rei  zu  sein,   und  dieser  liefse  sich   jenem  handlanger  ver- 
gleichen.    Die  worle  ^ubi  Striae  cocinant  (andere  hss.  co- 
quinant,    cucinant,    die    lex    emend.  fehlerhaft    concinunl) 
setzt  gemeinsames  kochen  und  sieden  mehrerer  Zauberin- 
nen   voraus.     Im  Macbeth  kommen    drei  hexen,   die   aber 
noch  welrdsisters  (s.  229)   heifsen,    also  an  die  alte  bedeu- 
tung  von    drüt  (s.  238)    erinnern,    auf  einer  beide   und  in 
einer  hole   zusammen,    um   in   ihrem  cauldron  zu  sieden, 
sie  sind  weniger  teuflische  zauberweiber,  als  Schicksal  ver- 
kündende weise   frauen    oder   priesterinnen,    die   aus   dem 
kessel  w  eissagen  (s.  33.  34.) 

Die  shakspearischen  hexen  gleich  neben  den  allen 
Wahrsagerinnen  der  Cimbern,  neben  den  strigen  des  sali- 
schen  gesetzes  zu  nennen  scheint  gewagt;  es  gibt  aber 
hier  noch  andere  anknüpfungspuncte  der  ältesten  an  die 
jüngere  zeit. 


*)    sind  znauheln  (aiiti.  8.  L)  lieveii? 

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588  HEXBN        SALZ 

Cap.  XV  bei  abliaudlung  des  lieilaw^c  Labe  ich  mit 
vorbedacht  die  Salzquellen  unerwälint  gelassen,  um  ihre 
heiUgkeit  hier  iu  uumittelbare  beziehung  auf  die  spätere 
hexerei  bringen  zu  können.  Tacitus ,  in  einer  vielfach 
wichtigen  stelle,  ann.  13,  57  berichtet:  eadem  aestate  iiiter 
Hernainduros  Chattosqiie  certatum  magno  praelio,  dum  flu- 
men  gigueudo  sale  foecundum  et  conlerminum  vi  trahunt; 
super  libidinem  cuncta  armis  agendi  religione  insitaj  eos 
maxime  locos  propinquare  coelo,  precesque  mortalium  a 
deis  nusqualn  propius  audiri.  inde  iudulgentia  numinum 
illo  in  amne  illisque  silvis,  salem  proi^enire,  non  ut 
alias  apud  gentes  eluvie  maris  arescente,  sed  unda  super 
ardcntein  arborum  struem  fusa,  ex  contrariis  inier  se  ele- 
mentis  igne  atque  aquis  concrelum.  *)  Solclier  salzhaltigen 
ilüsse  gab  es  nun  schon  damals  in  Deutschland  ohne  Zweifel 
manche  und  es  lafst  sicli  kaum  bestimmt  sagen,  welcher  hier 
gemeint  isU**)     sie  quollen  auf  bergen,  iu  heiligen  wäldem, 


*)  sed  bellum  Hermunduris  prospemm,  Cliattis  exitio  fuit,  qim 
Tictores  diversam  aciem  MartP  ac  Mercurio  «acravere :  quo  voto  equi, 
vir! ,  cuTicia  yicta  occidioni  dantur.  et  miiiae  quidem  4iostile8  in  ipsos 
vertebant.  Dieser  merkwürdigen  worte  (s.  2T.  85)  sinn  ist :  die  Cfiat- 
ten  auf  den  fall  des  siegs  hattgn  das  feindliche  fieer  (diversam  ariem) 
dem  Mars  und  Mercur  geweiht;  dies  geiühde  verbindet,  pferde,  mäa- 
ner»  alles  lebendige  was  besiegt  worden  ist,  zu  opfern,  mit  dem  Vo- 
tum hatten  die  Chatten  gedroht,  der  siegende  feind  erfüllte  es  als  das 
seinige.  man  darf  nicht  annehmen,  dafs  von  beiden  tlieilen,  am  wenig- 
sten dafs  von  den  Hermunduren  dem  Mars,  von  den  Chatten  dem 
Mercur  gelobt  worden  war;  dann  stände  der  schlufs  müfsig.  aoch 
scheint  mir  die  eigenthümlichkeit  des  grausamen  gelübdes  eben  darauf 
EU  beruhen,  dafs  es  beiden  siegverleihern  (8.131.95)  zugleich  gcicliah, 
vielleicht  fielen  Wuotan  die  mäiiner,  Ziu  die  frauen,  kinder  und  liiiere 
anheini ,  nichts  durfte  leben  bleiben,  wäre  nur  einem  gott  gelobt  wor- 
den, so  hätte  sich  dieser  an  einem  theile  der  beute  genügt,  darum 
bemerkt  auch  Tacitus,  dafs  ein  solches  gelöbde  besonders  verderblich  war. 
Aus  der  stelle  ergibf  sich  dafs  Ziu  und  Wuotan  bei  den  Chatten  ond 
Hermunduren  verehrt  wurden ;  römische  Vorstellungen  von  Mars  ond 
Mercur  liegen  hier  ganz  fern,  sollten  die  rosse  vor  den  männern 
genannt  sein,  um  auszudrücken,  dafs  jene  dem  Ziu,  diese  dem  Waotaa 
sufallen?  denn  dem  Mars  werden  ja  thiere  gebracht  (Germ.  9.)  eil 
wichtiges  Zeugnis  für  die  bedeutsamkeit  und  häufige  anwenduog  der 
pferdcopfer. 

**)  auffallend,  wie  sich  in  benennungen  der  salzflusse  und  örter 
gewöhnlich  die  wurzeln  hal  und  sal  begegnen,  die  ursprünglich  beide 
deu  heiligen  stof  ausdrücken  («A?,  uXoq  und  sal,  salis;  beim  Wechsel 
zwischen  H  und  S  scheint  jenes  oft  altertliümliclier  oder  deotsdier, 
vgl.  die  Partikel  ham,  sam;  haso,  sasa;  hveits,  av^tas.)  Halle  an 
der  Sale  in  Sachsen,  Halle  im  Ravensbergischen ,  Hall  am  Kocher 
(sieder?)  in  Schwaben,  Hallein  an  der  Salza  \i\  Baiern,  Hell  «od 
Hallst adt  in  Ostreich,  Hall  im  tiroler  Innthal  und  andere  örter  »cht 


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HEXEN         SALZ  589 

man  belraclilete  ihren  ertrag  als  der  nahen  gottheit  unmit- 
telbare gäbe,  der  besitz  der  stätle  schien  eines  blutigen 
Krieges  werlh ,  die  gewinnung  und  austheihuig  des  salzes 
ein  heiliges  geschäft;  wahrscheinlich  waren  Opfer  und  Volks- 
feste mit  dem  salzsieden  verbunden? 

Wenn  nun  etwa  frauen  odfer  priesterinnen  die  berei- 
tung  des  salzes  verwalteten ,  wenn  der  sa/ztessel  unter 
ilirer  aufsieht  und  sorge  stand;  so  wäre  ein  Zusammen- 
hang des  salzsiedens  mit  der  späteren  volksansicht  von  der 
hexerei  nachgewiesen :  an  gewissen  festtagen  stellen  sich  die 
hexen  in  dem  heiligen  wald ,  auf  dem  berge  ein ,  wo  das 
salz  sprudelt,  kochgerathe,  loffel  und  gabeln  mit  sich  füh- 
rend ;  nachts  aber  glüht  ihre  Salzpfanne.  *)  Diesen  Ver- 
mutungen zu  statten  kommt  ein  gedieht  der  wiener  hs. 
428,  154^  von  Slriker  oder  einem  seiner  lands  und  Zeit- 
genossen^, welches  ich  hier  einschalte. 

Ich  bin  gewesen  ze  Portig^l 

und  ze  Dol<^t  sunder  twäl, 

mir  ist  kunt  KalatrA  daz  lant, 

d&  man  di  besten  meister  vant. 

ze  Choln  und  ze  Paris 

d&  sint  di  pfaffen  harte  wfs 

di  beizten  vor  allen  riehen. 

dar  fuor  ich  wserlichen 

niwan  durch  diu  maere, 

waz  ein  unholde  waere? 

daz  geh<)rt  ich  nie  gelesen, 

waz  ein  unholde  müge  wesen. 

daz  ein  wip  ein  chalp  rite, 

daz  wseren  wunderliche  site, 

ode  rit  üf  einer  dehsen, 

ode  üf  einem  hüspesem 

nach  salze  ze  Halle  fuere  ; 

ob  des  al  diu  weit  swüere 

doch  wolde  ich  sin  nimmer  gejehen, 

ich  enhet  ez  mit  mlnen  ougen  gesehen , 

wand  sd  würde  uns  nimmer  tiure 

daz  salz  pon   dem  ungehiure» 


haben  salzbninnen  und  salzwerke;  sowol  der  name  Halle  als  Sala, 
Salzaha  beziehen  sich  auf  das  salz,  warum  aber  haben  flusse  die  S, 
Städte  die  H  form  ?  Soll  halle  blofs  die  hätte  oder  kote  (taberna)  be- 
zeichnen,  welche  zum  betrieb  der  saline  gebaut  ist  (Frisch  1,  401), 
so  würde  dieser  allgemeine  sinn  fast  auf  alle  dörfer  passen ,  in  denen 
hätten  stehn. 

*)  ahd.  salzsnti  (salina)  salzsi^t,  ags.  sealtse&dh  (salzbrunne.)  nach 
einer  stelle  l>ei  Ihre  s.  v.  seid  liefse  sich  dieser  ausdruck  (vorhin  s. 
583)  unmittelbar  auf  salzsieden  beziehen;  statt  salis  cdctura  ist  aber 
Bu  lesen  talis  coctura. 


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590  HEXEN        SALZ 

ob  ein  wfp  einen  o^enstap  über  soJirite 

und   den  gegen  Halle  rite 

über  berge  und  über  tal , 

daz  si  taete  deiieinen  val, 

daz  geloiibe  ich  niht,   swer  daz  seit, 

und  ist  ein  verlorniu  arbeit; 

und  daz  ein  wip  ein  sib  tribe 

gunder  vleisch  und  sunder  übe  (?), 

da  niht  inne  waere, 

daz  sint  ailcz  gelogniu  maere. 

daz  ein  wip  ein  mau  über  schrite 

und  im  sin  herze  üz  snite, 

wie  zseme  daz  einem  wibe, 

daz  si  ein  herze  sitit  üz  einem  übe 

und  stieze  dar  tn  strd, 

wie  möliter  leben  ode  werden  fro? 

ein  mensche  muoz  ein  herze  liaben, 

ez  iiabe  saf  od  %{  beschaben. 

Ich  wil  in  sagen  maere, 

waz  sin  relite  unholdare: 

daz  sint  der  herren  rätgeben 

di  ir  ^re  furdeni  soiden  und  leben, 

di.^iflent  in  zuo  den  6ren 

und  machent  si  ze  toren, 

si  niezent  ir  erbe  und  ir  lant 

und  tdzent  och  si  zfi  haut 

sclieiden  von  ^ren  u.  von  guote 

von  vröuden  u.  hdhem  muote. 

ditz  ist  ein  wdrez  msere: 

di  selben  unholdtere 

di  sougent  üz  herze  unde  blnot  ^ 

daz  vil  mangem  herren  schaden  tuot. 

Unter  Halle  ist  hier  wahrscheinlich  das  östreichische  oder 
bairlsche  gemeint,  und  damals  hcrsclitc  in  jenen  gegeudeo 
also  noch  der  Volksglaube,  dafs  die  uuholdeu  auf  beseo, 
ofet)£abel  oder  reis  (Schm.  s,  V.  dächsen)  über  berg  und 
thal  gen  Halle  ritten.  Wähnte  mau,  dai's  sie  sich  dorther 
ihren  salzvorrath  nach  haus  holten?  fast  scheint  es  au^ 
den  Worten  zu  folgern:  wenn  ilim  so  sei,  würden  sie 
ihren  nachbarn  das  salz  nicht  theuer  machen  (wegnehmen.) 
Da  auch  Christen  kraft  und  nolhwendigkeit  des  salzes  an- 
erkannten, so  begreift  es  sich,  wie  nun  luiigekehrt  den 
teuilischen  kexenversaniluugen  das  wollhätige  sals  abge- 
sprochen und  als  siclierungsmittel  gegen  alle  Zauberei  an- 
geschn  werden  konnte  (abergl.  no.  182.)  denn  der  hexen- 
küclie  und  den  teuflischen  mahlzeiten  felilt  gerade  das  sak; 
die  kirche  halle  jetzt  die  heiligung  und  weihung  des  salzes 
übernommen. 

Stand  aber  die  altheidnische  Zubereitung  und  austhei- 
lung  des  geheiligten  salzes   in  bezug  auf  opfer  und  volks- 


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HBXBNFART  591 

versamlungen ,  welche  häufig  mit  einander  verbunden  wa- 
reu ,  80  lehren  und  bestätigen  ihn  auch  alle  übrigen  eigen- 
thiimllchkcilen  der  hexentarten,  zeit  und  ort  lassen  sich 
gar  nicht  anders  erklären. 

Es  ist  bekannt,  dafs  allgemein  in  Deutschland  ein  jähr- 
licher hauptauszug  der  hexen  auf  die  erste  mainacht 
(Walpurgis)  angesetzt  wird ,  d.  h.  in  die  zeit  eines  opfer- 
festes und  der  allen  maiversamlung  des  volks.  Am  ersten 
mai  wurden  noch  lange  Jahrhunderte  vorzugsweise  die  un- 
gebotnen  gerichte  gehalten  (RA.  822.  824) ,  auf  diesen  tag 
fiel  das  frühliche  maireiten  (s.  449. 450) :  der  tag  ist  einer 
der  hehrsten  des  ganzen  heidenthums.  Werden  aber  zwei 
oder  drei  hexenfeste  genannt,  zu  pfingsten  und  im  herbst, 
auf  Walpurgis,  Johanuis  und  Bartholmaei,  so  erscheinen 
wiederum  die  üblichen  gerichtstage  des  mittelalters.  dä- 
nische hexeuprocesse  nennen  Valdborg  aften,  S.  Hanö  aften 
und  Maria  besügelsesdags  aften.  Seine  ehrliche  gerichts- 
zeit  hätte  das  volk  nicht  den  hexen  eingeräumt,  wären 
diese  nicht  in  althergebrachtem  besitz  gewesen. 

Noch  deutlicher  zu  trift  die  örtlichkeit,  die  hexen 
fahren  an  lauter  platze,  wo  vor  alters  gericht  gehalten 
•wurde  oder  heilige  opfer  geschahen,  ihre  versamlung  fin- 
det statt  auf  der  wiese ,  am  eic/iwasen,  unter  der  linde^ 
unter  der  eiche j  an  dem  birnbaum,  in  den  zweigen  des 
baums  sitzt. jener  spielmann,  dessen  htlfe  sie  zum  tanz  be- 
dürfen, zuweilen  tanzen  sie  auf  dem  peinlichen  richtplatZj 
unter  dem  galgenbaurn.  Meistens  aber  werden  berge  als 
ort  ihrer  Zusammenkunft  bezeichnet,  hügel  {an  den  drei 
biihelri ,  an  den  drei  köpchen)  oder  die  höchsten  puncte 
der  gegend.  der  ruf  einzelner  hexenberge  erstreckt  sich 
über  ganze  reiche,  wie  nach  güttern,  opfern,  gerichten 
liolie  berge  benannt  sind,  fast  alle  hexenberge  waren  alte 
opferberge  (s.  35.  36),  malberge  (RA.  801.  802),  salzberge. 
Ganz  Norddeutschland  kennt  den  Brocken^  Brocks  oder 
Blocksberg  *)  f  des  Harzes  höchste  spitze,  als  hauptver- 
samlungsort  der  hexen,  ein  beichtbuch  des  15  jh.  redet 
von  den  Zauberinnen,  Mie  uf  den  Brockisberg  varen' 
(Hoffm.  zeitschr.  753);  ich  kenne  kein  früheres  zeugnis 
für  den   sicher  in  weit  ältere  zeit  reichenden  Volksglauben. 


■•)  mons  hructerus!  aber  Brocterer  wohnten  nie  dort,  sondern  an 
der  westfälischen  Lippe;  grundlos  beziehen  andere  den  namen  Meli- 
bocus  auf  den  Brocken,  welche  form  ist  die  älteste  urkand liehe? 
Stieler  160  schreibt  Brockersber^ ;  andere  Brockelsherg  ^  Block :rsberg\ 
Blocksberg  (brem.  wb.  s.  v.  bloksbar<2:)  kann  durch  blofse  erweichunjir  des 
R  iu  L  entsprangen  sein,  und  berührt  sich  kaum  mit  dem  schwed.  Blukulla. 


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592  HEXENFART 

gerichtsplätze  wird  im  MA.  der  Harz  nielir  als  einen  gehaM 
Laben,  eine  Salzquelle  hat  er  noch  heute  zu  Juliushalle 
im  amt  Neustadt.  Die  übrigen  hexenstatten  vennag  ich 
nur  unvollständig  aufzuzählen.  Man  nennt  noch  den  Hui- 
berß  bei  Halberstadt;  in  Thüringen  fahren  sie  zum  Hör- 
selber g  bei  Eisenach,  oder  zum  In  selber g  bei  Schmai- 
kalden;  in  Westfalen  zum  Köterberg  bei  Corvei,  zum 
Pf^ec'kingsstein  (Wedigenstein ,  wo  Wiltekind  oder  AVit- 
tich  hauset)  bei  Minden;  in  Schwaben  zum  Schwarzwald 
oder  zum  Heuberg  bei  Balingen;  in  Franken  zum  Stah 
feistein  bei  Bamberg,  vermutlich  hat  auch  der  Fichtelberg 
und  das  schlesische  Riesengebirge  eigne  hexenürter.  Der 
schwedische  Sammelplatz  heifst  BlSlnlla  (nach  Ihre  ein 
meersfelsen  zwischen  Smäland  und  Oland,  wörtlich  schwar- 
zer berg,  welcher  name  noch  andern  gebirgen  zustehen 
mag)  *) ,  und  Nasajjäll  (in  Norrland.)  auch  die  norwe- 
gischen hexen  faliren  nach  Blaaholle,  ferner  auf  Dot^re- 
jjeldj  auf  Lyderhorn  (bei  Bergen),  Kiärru  in  Tvedsogn, 
nach  Vardö  und  Domen  (in  Finmarken),  alle  solche  sam- 
melorte  heü'sen  balvolde  (böser  wall,  campus  malus.)  Ib 
Dänemark  sagt  man  *fare  til  Hekkeljjelds  (s.  561)  d.  i. 
zum  isländischen  berge  Hekla  (Heklufiall);  auch  *ride  üJ 
Trums  ^  fare  til  Troms^^  d.  i,  nach  Trommenfjeld ,  einem 
berge  der  norwegischen  insel  Tromsö,  ganz  oben  an  der 
Finmark.  Die  neapolitanischen  strpghe  versammeln  steh 
unter  einem  nufsbaum  bei  Benevent,  das  volk  nennt  es 
die  beneven tische  hochzeit ;  gerade  an  diesem  ort  stand  jener 
beilige  bäum  der  Langobarden  (s.  69.  373),  hier  hängt  dir 
hexerei  wieder  deutlich  an  allheidnischem  cultus.  italieni- 
sche hexenberge  sind  der  Barco  di  Ferrara,  der  Patentf* 
di  Bologna,  Spinato  della  Mirandola,  Tossafe  di  Berganic, 
und  ein  berg :  la  croce  del  pasticcio ,  dessen  läge  ich  nicht 
weifs.  In  Frankreich  wird  der  Puy  de  Dome  bei  Clemiont 
in  Auvergne  ausgezeichnet,  andere  landschaften  haben  an- 
dere berge.  Die  spanischen  hechizeras  halten  ihren  tanz 
auf  der  heide  von  Baraona,  im  sande  von  Sevilla,  iw 
gefilde  von  Cirniegola.  die  serbischen  hexen  na  pomctno 
guvno  (der  gekehrten  tenne),  wahrscheinlich  auf  einem  ho- 
hen berg;  die  ungrischen  auf  Kopasz  tetöy  (dem  kahlen 
Scheitel),    einer  spitze  des  tokaier  Weinbergs**);    ein  theil 


•)  nach  Joh.  Westhovius  praefat.  ad  vitas  sanctor.  hicfi  eine  wiid 
nnd  wettermacliende  nieerfrau  Blakulla  ,•  Amkiel  1 ,  35  stellt  eiw 
nieergöttin  Blak^lU  auf. 

**)  Szirmai  notitia  comitatus  zempleniensii.    Bndae  J803«  p.3« 


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HEXENFART  593 

der  Carpatlied  zwisclien  Ungern  und  Polen  halfst  poiu. 
habia  gora  (allweiberberg) ,  ich  kann  nicht  sagen,  ob  da- 
hin hexenfeste  verlegt  werden?  auch  die  Kormakssaga  p. 
76.  204.  222  nennt  eiu  Späkonufell  (berg  der  weisen  frau.) 
Merkwürdig,  wie  durcli  ganz  Europa  hin  die  wallfarten 
der  Heiden  zu  opfern  und  festen  von  dem  christenthum 
in  einförmige,  überall  ähnliche  zauberet  umgewandelt  wer- 
den, hat  sich  die  Vorstellung  dieser  Zauberei  unter  jedem 
Volk  von  selbst  gestaltet?  oder  ist  irgendwo  der  ton  ange- 
geben worden ,  und  von  da  aus  weiter  vorgedrungen  ?  *) 

Dafs  schon  nach  heidnischen  begriifen  die  Zauberinnen 
nächtlich  ritten  ergibt  sich  aus  der  eddischen  benennung 
qpeldridha  (abendreiteriu)  Saem.  143*»  und  myrkridha 
(dunkelreiterin)  Saem.  77%  worunter  ungeheure,  übelthätige 
riesenweiber  gemeint  sind,  auf  deren  Vernichtung  die  hel- 
den  ausgehen,  Atli  sagt  'hefi  ec  qvaldar  qveldridhor',  ich 
habe  die  hexen  gelödtet.  ihr  ritt  hiefs  gandreidh  (vectura 
magica),  sie  sollen  wölfe  bestiegen  und  mit  schlangen 
gezäumt  haben.  **)  Nirgends  wird  erzählt ,  dafs  sie  an 
bestimmten  platzen  haufenweise  zusammen  gekommen  seien, 
noch  weniger  werden  berge  als  solche  orter  bezeichnet. 

Im  innern  Deutschland  lassen  sich  mehrfache  abslu- 
fungen  nachweisen,  vor  dem  christenthum  mögen  auch 
hier  die  alten  riesinnen  (eteninnen)  zauberfrauen  gewesen 
sein,  wie  in  unserm  heldenbuch  noch  eine  solche  erscheint 
(s.  324.)  Seit  der  bekehrung  bindet  sich  die  Zauberei  an 
die  heidnischen  götzen ,.  aber  noch  nicht  gleich  an  den 
teufel,  dessen  idee  kaum  unter  dem  volk  zu  wurzeln  be- 
gann. Die  hexen  gehören  zum  gefolge  ehmaliger  göt-* 
tinnerij  die  von  ihrem  stul  gestürzt,  aus  gütigen,  angebe- 
teten Wesen  in  feindliche,  gefürchtete  verwandelt,  unstät  bei 
nächtlicher  weile  umirren  und  nur  heimliche,  verbotene 
Zusammenkünfte  mit  ihren  anhängern  unterhalten.  Wenn 
auch  der  grofse  häufen  für  die  neue  lehre  gewonnen  war, 
einzelne  menschen  blieben  eine  Zeitlang  dem  alten  glauben 


*)  bei  nächtlichen  bergrersamlungen  konoeil  noch  andere  beid- 
niflche  vorstellangen  berücksichtigt  werden«  riesen  und  elbe  hausen  anf 
bergen,  Piinias  5«  1  sagt  vom  Atlas  in  Manritanien:  incolarnm  nemi- 
nem interdiu  cerni,  silere  omnia  —  noctibus  micare  crebris  ignibus, 
Aegipanum  Satyrorumque  lascivia  impleri,  tibiarum  ac  fistolarum  cantu, 
tjmpanorum  et  cymbalorum  sonitu  strepere. 

••)  'fan  tröHkono,  sd  reidh  vargi  ok  hafdhi  orma  i  faumom* 
Ssem.  146«;  'Hyrrokin  reidh  t^argi  oc  hafdi  h&ggorm  at  taumum? 
Su.  66;  ^b Jörnen  den  sa  red  hon  uppä,  ulfven  den  hade  hon  tili  sadei 
derpä,  och  ormen  den  hadd  hon  tili  piska.'  av.  vis.  1,  77. 

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594  HBXBNFART 

treu,-  und  yerricliteten  insgeheim  ihre  heidnischen  gebrSache. 
Von  solchen  heidlnnen  gieng  nun  künde  und  überlleferoD^ 
unter  dien  Christen,  die  dänionologie  des  alterthums  misdite 
sich  hinzu,  und  aus  Wirklichkeit  und  einbildung  erzengte 
sich  die  Vorstellung  nächtlicher  hexenfarten^  bei  welchen 
aUe  greuel  der  heidenschaft  fortgeübt  würden. 

Zauberer  und  Zauberinnen  schlössen  sich  also  Eunädist 
an  den  gespenstigen  zug  der  gottheiten,  an  jenes  lautende 
heer^  dem  man  elbische  und  böse  wesen  aller  art  zuge- 
sellte. Zauberinnen  aber  musten  vorzugsweise  göttinoen 
beigeordnet  werdeli,  aus  welchen  die  bekehrer  eine  römi» 
sehe  Diana  oder  jüdische  Herodias  gefabelt  hatten,  dene* 
jedoch  das  volk  die  hergebrachte,  einheimische  benennimg 
nie    ganz   entzog.     "Wie   nahe    lag  es,    \venn   frau    Holda 

Seine  celtische  Abundia)  vormals  im  i^igen  der  elbe  und 
lolden  erschienen  war,  sie  nun  selbst  in  einie  unhoUt 
zu  verkehren  und  von  unholden  geleiten  zu  lassen. 

Zu  der  entwickelten  ansieht  stimmt  vollkommen,  dafs 
der  thüringische  Horselberg  aufenthalt  der  Sblda  und 
ilires  heers  (s.  257.  524.  539),  zugleich  aber  sammelort 
der  höxen  war  (s.  592.)  Keisersberg  (omeifs  36.  40)  läfst 
die  nachts  fahrenden  weiber  nirgend  anders  als  im  Venut- 
herg  (s. 536)  zusammenkommen,  wo  gutes  leben,  tanzen 
und  springen  ist.  Noch  entschiedneres  gewicht  haben  aber 
die  im  anhang  s.  XXXIII.  XXXIV.  XXXVI.  XLII  beige- 
brachten  stellen ,  aus  denen  hervorgeht,  dafs  bis  ins  zehnte, 
vierzehnte  jh.  nacht jrauen  im  dienst  der  frau  Holda  xu 
bestimmten  nachten  auf  thieren  durch  die  lüfte  streidieo, 
ihr  gehorchen  und  ihr  opfern,  von  einem  bund  mit  dem 
teufe!  aber  durchaus  noch  keine  rede  ist.  Ja  diese  nacht- 
frauen,  blanken  matter ,  dominae  nocturnacj  bonnes  da- 
mes  (8.178. 179),  bei  Hincmar  lamiae  sive  geniciales  Je- 
rninae  waren  ursprünglich  dämonische,  elbische  wesen,  die 
in  frauengestalt  erschienen  und  den  menschen  woltbaten 
erwiesen;  Holda ^  Abundia^  welchen  noch  ein  dritter 
theil  der  ganzen  weit  unlerthänig  ist  (s.  174  —  176),  füh- 
ren den  tanzenden  reigen  an,  aus  dem  luftigen  elbentanz 
(s.  264)  dem  hüpfen  der  irlichter  (s.  513.  514)*)  leite  ich 
die  idee  der  hexentänze  hauptsächUch  ab ;  wenn  auch  die 
festtänze  heidnischer  maiversamlungen  mit  dabei  angeschla- 
gen werden  können.  Herodias  ist  wahrscheinlich  zugexo- 
gen, weil  sie  spiel  und  tanz  übte.  In  diese  geisterhafte 
schaar    versetzte   nun    der    christliche    volkswahn    zugleich 


*)  das  irlicht  heifst  hexentanz  (Scbiii.2, 148)  imd  slovea.  veflui  (hexe) 

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HEXENPART  595 

auch  menschliche  Zauberinnen  y  d.  li.  dem  heideutlmin 
auLangige,  übelberüchtigte  frauen,  alte  fantastische  w  eiber. 
aiihang  s.  XXXIII :  'et  si  aliqua  Jernina  est,  quae  se  dicat, 
cum  daemonum  turba  in  similitudinem  mulierum  translor- 
niata  certia  nociibus  equitare  super  quasdam  bestias,  et 
in  cor  um  (daemonum)  consortio  annumeratam  esse',  und: 
'quaedam  sceleratae  niulieres  retro  post  Satanam  couversde, 
daemonum  illusionibus  seductae,  credunt  se  novtiirnia  ho-- 
vis  cum  Diana  Paganorum  dea  vel  cum  Herodiade  et  in- 
numera  multitudine  mulierum  equitare  super  quasdam 
bestias  f  et  multa  terrarum  spatia  intempestae  noctis 
silentio  pertransire^  ejusque  jussionibus  vehit  dominae 
obedire,  et  certis  noctibus  ad  ejus  servitium  evocari? 
So  dachte  man  sich  damals  *)  die  hexenfarlen ,  und  die 
gewis  noch  heidnischen  benennungen  nahtfard^  naht* 
frou^äj  rtahtritd  kamen  ganz  mit  jenen  altn.  qvcldridha, 
inyrkridha  überein.  ich  vermag  sie  freüich  erst  aus  dem 
13  jh.  aufzuweisen:  Wh.  1,  82*  *wil  der  (Machmel)  helfe 
sparu,  SU  helfen  in  die  nahtuarn^  daz  sint  alder  wibe 
troume';  Ls.  3,  10  *ez  konde  niemen  bewaru,  ich  müe» 
eine  uz  farn  mit  der  nahtfroutven  (der  göttin);  dö 
sprach  ich  zuo  mime  gesellen:  als  schiere  %\S  ez  naht  wirt^ 
diu  vart  mich  niht  verbirt,  ich  sol  liden  gröze  not,  bezzer 
waere  mir  der  tot.  ist  aber  daz  mir  wol  ergat,  so  kum 
ich  umb  die  hankrdt,  des  enweiz  ich  aber  niht.  min  triu, 
du  solt  mir  ein  lieht  kleiben  hin  an  etewaz,  daz  ich  kunne 
dester  baz  komen  her  wider  hein:  kleibez  an  einen  stein 
oder  kleibez  an  die  want.'  in  dieser  zweiten  stelle  ist 
merkwürdig,  dafs  die  frau  dem  einfältigen  mann  ihre  an- 
gebhche  ausfahrt  als  ein  schwieriges,  unvermeidliches  un- 
ternehmen scliildert.  **)  Bei  Vintler  (anh.LVIIl)  heilst  es: 
*8o  farent  etlich  mit  der  (nacht)far  auf  kelbern  und  auf 
pecken  durch  stein   u.   durch   stecke.'     kälber  und   bocke 


*)  das  barchardische  excerpt  kann  weder  herrühren  aus  dem  an- 
cyraniscben  concil ,  dessen  drucke  und  hss.  die  stelle  nicht  haben,  noch 
weniger  von  Augustin,  wie  Tiedemann  meint  (de  magic.  art.  origine 
p.  91 ,  ohne  citat.)  Augustins  angebliche  worte  stebn  im  tractat  de 
»piritu  et  anima  cap.  28  (mit  hinzufugung  von  W  Minerva^  liinter 
Herodiade),  allein  die  ganze  sclirift  ist  untergeschoben  (opera  ed. 
Beued.  Autv.  1701.  6,  525.)  Regino  bleibt  also  ältester  gewährsmann, 
dann  folgen  Burchard  im  eilften,  Ivo  (11,  30)  und  Gratian  im  zwölf- 
ten jh.  Die  stelle  soll  auch  in  einer  ungedruckten  vita  Oamasi  papae» 
deren  alter  schwerlich  hoher  hinaufsteigt,  zu  treffen  sein. 

••)  unter  nachtmar  (uachtpferd)  versteht  man  nicht  die  ausreitende 
hexe,  sondern  eine  den  schlafenden  drückende^  reitende  eibin  (s.262. 
abergl.  878.) 

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&96  HEXEN 

sind  also  jene  'quaedam  bestiae\  Ich  will  bier  noch  aa* 
dere  entscheidende  Zeugnisse  aus  französischen  gegenden 
über  die  bes'chalfenheit  der  nachtfarten  beifügen ,  alle  dem 
13  )h.  gehörend,  man  wird  ihre  analogie  nicht  verkoineji. 
Die  acta  sanct.  31  jul.  p.  287^  schöpfen  aus  einer  pergasL 
hs.  d(  s  13  jh.  folgendes,  was  in  den  älteren  lebensbeschrei- 
bungen  des  Germanus  fehlt,  aber  auch  in  die  legcnda  aurt» 
cap.  102  eingegangen  ist:  hospitatus  (sauctus  Germaoos 
autissiodorensis)  in  quodam  loco,  cum  post  coenani  Herum 
nterisa  pararetur ,  admiratus  interrogat  cui  denuo  praepa* 
rarent?  cui  cum  dicerent»  quod  bonis  illis  midieribus^ 
quae  de  nocte  incedunty  praepararetur ,  illa  nocte  statuit 
S.  Germanus  vigiiare.  Et  ecce,  videt  multitudinem  daemo* 
num  in  mensa,  in  forma  hominum  et  muUerum  venienteBi. 
Qui  eis  praecipieus  ne  abirent,  cunctos  de  familia  exultavit, 
inquirens^  si  personas  illas  cognoscerent?  qui  cum  omnes 
vicinos  suos  et  vicinaa  esse  dicerent  misit  ad  dumos  sin- 
gulorum,  daemonibus  praecipiens  ne  abirent.  £t  ecce? 
omnes  in  suis  lectulis  sunt  inventL  Adjurati  igitur  se  dae- 
mones  esse  dixerunt,  qui  sie  hominibus  illudebant.  Guiliel- 
mus  alvernus  p.  1066:  idem  et  eodem  modo  sentienduia 
est  tibi  de  aliis  malignis  spiritibus,  quos  vulgus  ^trygti 
et  lamias  vocant,  et  apparent  de  nocte  in  domibw, 
in  quibus  parvuli  nutriuatur,  eosque  de  cunabulis  rapto^ 
lauiare  vel  igiie  assare  videntur«  apparent  autem  in  speck 
vetularuni.  Vetularum  autem  nostrarum  desipientia  opi- 
nionem  istam  mirabiliter  disseminavit  et  provexit  atque  am- 
mis  mulierum  aiiarum  irradicabiliter  infixit.  Simlliter  et 
de  domifiabua  nociurnis,  quod  bonae  mulier  es  sint,  ei 
magna  dona  domibus  quas  frequentent  per  eas  praesteottir 
mulieribus  potissimum  persuaserunt ;  et  ut  ad  unum  dican 
pene  omnes  reliquias  idololatriae  retinuit  et  reser\'avit  et 
adhuc  promovere  non  cessat  aniiis  i^ta  fatuitas.  Vinceii- 
tius  bellov.  spec.  mor.  111.  3,  27:  cum  in  quadam  parodiia 
homines  talibus  crederent,  quidam  ribaldi  transfigiira- 
verunt  se  in  simililudinem  mulierum  ^  earum  assumio 
habitu,  et  domum  cujusdam  divitis  rustlci  cum  tortih 
(fackeln)  intrantes  et  choreas  ducentes  suppressa  voce  cane- 
bant  gallice  'uuem  prenes,  cent  en  rendres*,  latine:  uniiffl 
accipite,  centum  reddite!  et  sie  in  ocuiis  rustlci  domam 
ejus  evacuaverunt  omnibus  bonis  dicentis  uxori  suae:  'tace, 
et  Claude  oculos,  divites  erimus,  quia  bonae  res*)  saot. 
et  centuplicabunt  bona  nostra.'     Ferner  derselbe:  cum  quae- 


*}  guoiiu  wihtir  (s.  247),   vgl.  unrechte  dinge  (s.  581),  sanbcfti 

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HEXEN  597 

dam  velula  volena  blandire  8iio  sacerdotl  dtceret  ei  in 
ecclesia:  doniine,  miiltiiin  me  debctis  diligere,  qiiia  liberavi 
V08  a  morte:  quia  cum  ego  vadebam  cum  bonia  rebu^, 
media  nocte  intravimus  domfim  vesiram  crrm  lumina^ 
ribusy  ego  videns  vos  dorniientem  et  riiiduni,  cooperui 
V08,  ne  dominae  nostrae  viderent  iiuditalcm  vestram,  quam 
8t  vidissent  ad  mortem  vos  flagellari  fecissent»  Quaesivit 
sacerdos,  quomodo  intraverant  domum  eju8  et  cameram^ 
cum  essent  fortiter  seratae?  tunc  ait  illa,  quod  bene  in-' 
trabant  domum  januis  clausis.  Sacerdos  autem  vocans  eam 
intra  cancellum,  clauso  ostio  verjberavit  eam  cum  baculo 
crucis  dicens  ^exite  hioc,  domina  sortilegaP  et  cum  non 
posset  exire,  emisit  eam  sacerdos  dicens;  *modo  videtis  quam 
fatuae  estis,  quae  somniorum  creditis  vanitatem.'  Gervasius 
tilberiensis  3^  85:  lamiae  dicuntur  esse  mulieres,  quae 
noctu  domos  momentaneo  discursu  penetrant ^  dolia  vel 
cophinos,  cantharos  et  olias  perscrutantur,  infantes  ex  cunis 
extrahunt^  luminaria  accendunt,  et  nonnunquam  dor«- 
mientes  affligunt.  3,  93  versichert  er  irauen  gekannt  zu 
haben,  welche  behaupteten:  se  dörmientibus  viris  suis  cum 
coetu  lamiarum  celeri  penna  mare  transire,  mundum 
percurrere,  et  ei  quis  aut  si  qua  in  tali  discursu  Christum 
nominaverit,  statim  in  quocunque  loco  et  quantovis  pe- 
riculo  fecerit;  corruere.  so  sei  einmal  eine  in  die  Rhone 
niedergefallen,  scimus  quasdam  in  forma  cattorum  a  fur- 
tive  vigilantibus  de  nocte  visas  ac  vulneralas  in  crastino 
Yulnera  truncationesque  ostendisse.  Also,  die  hexen  ziehen 
im  nächtlichen  reigen  gütiger  frauen,  denen  der  mensch 
tische  deckt,  wie  besuchenden  feen  und  elben  (8.231.233. 
anh,  XXXVIII),  weil  sie  glück  bringen  und  vervielfachen, 
das  hausgerälhe  untersuchen,  die  kinder  \n  der  wiege  seg- 
nen, heidnisch  war  dieser  aberglaube,  denn  Christi  name 
durfte  nicht  ausgesprochen  werden;  allein  für  teuiUsc]i 
galt  er  nodi  nicht. 

Was  aber  diese  mildere,  den  teufel  aus  dem  spiel  las» 
sende  erklärung  des  hexenwesens^,  wie  mich  dünkt,  vol- 
lends bestätigt  sind  die  im  anhang  abgedruckten  Jormeln, 
gröfstentheils  geschöpft  aus  acten  der  letzten  jhh.,  als  in 
der  Volksmeinung  das  band  zwisch'en  hexen  und  teufel  längst 
entschieden  war,  beziehen  sie  sich  nie  auf  teuflische,  über» 
bU  auf  elbische  oder  gar  christliche  Verhältnisse,  zum 
theil  mögen  sie  von  hohem  aller,  heidnisches  Ursprungs 
lind  durch  lange  mündliche  Überlieferung  fortgepflanzt  wor- 
den sein,  ihre  heilende  oder  schadende  kraf^  beruht  auf 
dem   glauben    an    elbe    und  geinter  j   deren    stelle   später 


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598  HEXEN 

engel  un3  heilige  nanien  vertreten,  wie  alb  und  eibin, 
vswerg  und  iwergin^  hilti>iz  und  hilwizin  (s.  265)  auf- 
gerufen werden,  stehu  in  der  alten  ags,  forme!  (anb.  s. 
CXXVn)  ^sa  gescot,  ylfa  gescot  und  hägtessan  gcKol 
nebeneinander.  Solche  fornieln ,  deren  worte  den  hexen 
des  16.  17  }h.  längst  nnversländlich  sein  uiusleu ,  häneiii 
allein  schon  die  Ungerechtigkeit  der  wider  sie  erfaoboeD 
anklage  darthun  können. 

Die  allmäliche  eindrängung  des  teujels  erläutert  sei 
leicht,  sein  begrif  war  den  Deutschen  ursprünglich  frcni 
sie  hatten  ihn  schon  frühe  durch  Übertragung  auf  ein  weib- 
liches wesen  zu  popularisieren  gesucht  (s.  553.  554.)  Um- 
gekehrt aber  muste  nun  alles  was  sie  von  frau  HoUa 
erzählten,  da  mit  der  zeit  die  christliche  Vorstellung  eines 
männlichen  teufeis  überwog,  auf  ihn  an'wendung  finden. 
Aus  der  botmäfsigkeit  und  dem  gefolge  jener  unholden  nachl- 
frau  traten  die  hexen  über  in  die  gesellschaft  des  teufeli, 
dessen  sirengere ,  schärfere  natur  das  ganze  Verhältnis  in 
ein  bösartigeres,  sündhafteres  steigerte.  Jene  nächtlicben 
zauberfarlen  beruhten  noch  auf  der  gemeinsamen  unl«"- 
würiigkeil,  welche  der  alten  göttin  gebührte;  jetzt  entspran? 
die  idee  eines  buhlerischen  bündnisses  zwischen  dem  teu- 
fel  und  jeder  einzelnen  hexe. 

Faden  des  Zusammenhangs  lassen  sich  zwar  auch  bier 
nachweisen.  Geisterhafte  wesen  konnten  in  nähere  xnA 
vertrautere  läge  zu  den  menschen  versetzt  werden;  ein 
ganzes  elbisches  geschlecht  bindet  seine  Schicksale  nachbar- 
lich an  das  heil  oder  unheil  eines  menschlichen,  hausgeister 
widmen  sich  dem  dienst  eines  menschen ,  dem  sie  mit  ei- 
gensinniger, überlästiger  Ireue  anhängen  (8.292);  aDein 
diese  Zuneigungen  werden  weder  durch  formlichen  bund 
hervorgebracht  noch  sind  sie  dem  menschen  gefährlich, 
ein  gleich  zartes  unschuldiges  Verhältnis  besteht  zwiscb« 
ihm  und  seinem  angebornen  schützenden  folgegeisl  (s.  509-1 
Indessen  sind  die  teufel  der  hexen  den  kobolden  auifallentl 
ähnlicli  in  der  bildung  ihrer  eigennamen  und  man  kaon 
kaum  etwas  anders  annehmen,  als  dafs  fast  alle  teufelsoa- 
men  dieser  art  aus  älteren  volksmäfsigen  benennungen  d^ 

kobolde    und    elbe    entsprungen    sind.'^)      Mit   den    naoiefl 

\ 

•)  hexenprocesse  des  16.  IT  jh.,  aus  den  verschiedensten  gef«»- 
den,  erget)en  mir  folgende  teufelsnamen :  janker  Hans,  $i*hönh*i^ 
Grauhans  (vgl.  Graumann  s.  556) ,  Grünhans,  Hans  vom  busch,  Heit- 
rieh,  Grauheinrich,  Hinze,  Kunz.  Künzchen  (vjjl.  Kneni  s.562>,  Teut- 
cheii,  Nickel,  Grofsiiickel,  Merteii ,  Dewes,  Hemmerliu,  junker  St<»C 
Junker  Hahn,  Göckelhahn,  Schubbert,  J&ngling,  Schöne,  Wol^aet, 


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HBKBN  599 

des  }üdi8chen  oder  christlichen  teufcls  haben  sie  gai*  nichts 
gemein ,  aufser  mit  den  s.  553.  562  angeführten,  selbst  ko- 
boldisclien.  *) 

Liebeshändel  unter  geistern  und  menschen  werden 
durch  ihren  traulichen  umgang  herbeigeführt,  niemals  ge- 
schieht meidung  von  koboldinnen ,  nie  wird  erzählt,  dafs 
kpbolde  frauen  nachstellen,  elbe  hingegen  stehlen  Jung- 
frauen, und  männer  leben  in  heimlicher  liebe  mit  eibinnen. 
Aufser  dem  dafs  Eiberich  Otnits  mutter  unsichtbar  bewäl- 
tigt erinnere  ich  mich  aber  keines  beispiels  von  buhlerei, 
wie  sie  allen  hexensagen  zum  grund  Hegt.  Die  Vorstellun- 
gen von  incuben  und  succuben  scheinen  mu*  undeutsches 
Ursprungs,  obwol  sie  sich  nachher  mit  denen  vom  alb 
und  nachtgeist  vermengt  haben.  Dem  späteren  begrif  der 
hexen  ist  unzüchtige  buhlschaft  wesentlich,  sie  besiegelt  das 
geschlossene  bündnis  und  sie  verleiht  dem  teufe!  freie 
macht  über  die  Zauberinnen,  ohne  diesen  greuel  kommt 
überhaupt  keine  hexe  vor.**) 

Es  fragt  sich,  zu  welcher  zeit  hexenbünduisse  und 
buhlschaftea  9iit  dem  teufel   am  frühesten  in  Deutschland 


Wegetritt,  Bliimchenblan,  Lindenzweig,  Lindenlaiib,  Grunlaub,  Eichen- 
laqb,  Grunewald,  Zumwaldfliehen ,  Birnbaum,  Bimbaumchen ,  Rauten- 
stninch,  Buchsbanm,  Stutzebusch,  Stutzfeder,  "Weifsfeder,  Straufsfeder, 
Federbusch,  Flederwisch,  Kehrwisch,  Straufswedel,  Grunwadel,  Spring- 
insfeld, Allerleiwollust,  Reicheher,  Leidenotb,  Hintenhervor»  Machleid, 
Unglück,  Schwarzburg,  Dreifufs,  Kuhfufs,  Kuhhörnclien,  Dickbauch, 
französische  acten  nennen:  maistre  Persil,  Verdelet,  Yerdjoli,  Jolibois, 
Saotebnisson  a.  a.  Entweder  menschliche  namen ,  wie  sie  heidnischen 
geistern  beigelegt  werden,  oder  von  blomen,  taub  nnd  federschmuck 
Hergenommen ,  wie  sie  sich  für  waldelbe  schicken ,  oder  von  lustigem, 
traurigem  aussehn,  und  der  satyrgestalt  (s.  556.)  Schöne,  Jungling  und 
Junker  (vgl.  junker  Volland  s.  555)  deuten  auf  liebliche  elbische  bildung, 
grüngekieidet ^  gleich  dem  teufel,  sind  die  nordischen  huldre  (Faye 
p. 42.)  Unter  allen  nameii,  den  die  hexen  bekennen,  ist  keiner  häu- 
figer als  Flederwisch  (Voigts  abh.  62.  68.  69.  105.  109.  113.  129)  und 
M>  wird  in  volkssagen  ein  kobold  geheifsen  (Jul.  Schmidt  158.)  auch 
Bausch  kommt  vor,  ein  berühmter  koboldsname  (s.  259.)  Junker  Stof 
ist  vielleicht  gleich  jenem  Stöpchen  (s.  561)  aus  Christoph  mit  bedeute 
samer  kürzung  der  ersten  silbe  zu  deuten?  in  salzburger  hexenpro- 
cessen  Stöpliel,  Die  italienischen  stregiie  nennen  den  teufel  Martinello 
oder  Martinetto. 

*)  selten  heifst  der  buhier  Lncifer  oder  Belzebok  (trier.  act.  1 1 4, 
wo  ich  den  namen  jamer  für  teufel  nicht  recht  verstehe;  der  leidige? 
von  Jammer,  leid?   oder  elend,  epilepsie?) 

**)  das  griecli.  altertlium  hatte  seine  fabeln  vom  Umgang  der  göt- 
ter  mit  sterblichen  (s.200),  unser  heidenthum  von  Verbindung  der  heU 
den  mit  schwanfraueu  und  eibinnen;  zuletzt  konnte  die  weit  rohere 
Vorstellung  eines  wirklichen  Verkehrs  des  teufels  mit  mensclien  glau- 
ben finden ! 


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600  HEXEN 

erwähnt  werden?  ich  kann  zu  der  antwort  nur  einiges 
beitragen,  ich  •vermute,  dafs  der  erste  anlafs  durch  Verfol- 
gung und  Verbreitung  der  hetzereien  gegeben  w^urde,  die 
seil  der  mitte  des  13  jh.  von  Italien  und  Frankreich  her 
nach  Deulscliland  kam.  In  welchem  mafse  kelzer  schuldig 
oder  unschuldig  gewesen  seien,  die  vergröfsernde  und  ent- 
stellende sage  legte  iln*en  Zusammenkünften  abgöttische  au5- 
Schweifungen  zur  last,  deren  Verwandtschaft  mit  dem  hexen- 
wesen  unverkennbar  ist.  £s  konnte  nicht  fehlen,  dafs  in 
der  lehre  einzelner  ketzer  und  in  der  Übung  ihrer  brauche 
heidnisches  und  christliches  vermischt  wurde,  der  eifer  der 
kirche  muste  sicli  zugleich  gegen  neue  irlehren  und  gegen 
Überreste  des  heidenthums»  die  sich  jenen  zugesellten,  rich- 
ten. Den  ketzerverfölgungen  giengen  gerückte  teuflischer 
büudnisse  und  Zusammenkünfte  voraus,  die  nun  das  völk 
mit  seinem  alten  aberglauben  von  dämonischen  wesen  ver- 
knüpfte. Überlieferungen  von  einem  bund  des  teufeis  mit 
mäunern  waren  schon  früher,  wenigstens  seit  dem  10  fh« 
(s.  571)  im  Occident  verbreitet;  um  so  eher  liefsen  sie  sich 
auch  auf  frauen  anwenden.  Die  älteste  sichere  erwähnung 
eines  bundes  zwischen  teufel  und  hexen  finde  ich  in  Ita- 
lien, was  gerade  zu  der  vermuteten  einführung  der  ganzen 
Vorstellung  durch  ketzerrichter  und  cauonislen  stioimt. 
Bartolus  (f  1357)  gab  also  etwa  in  der  mitte  des  14  jh. 
ein  gutachten  über  eine  ^exe  aus  Ortha  und  Riparia  im 
bisthum  Novara*),  die  anklage  scheint  ihm  neu  und  un- 
gewohnt, er  beruft  sich  des  Verbrechens  wegen  auf  theo- 
logen,  man  darf  nach  der  ganzen  fassung  seines  urtheüs 
annehmen,  dafs  vorher  im  Mailändischen  wenig  oder  keine 
hexenprocesse  vorgekommen  waren,  es  heifst  unter  an- 
dern: *m ulier  striga  sive  lamia  debet  igne  cremari,  con- 
fitetiu*  se  crucem  fecisse  ex  paltis  et  talem  crucem  pedibus 
conculcasse.  . . .  se  adorasse  diabolum  Uli  genua  fl^^- 
tendo  . . .  pueros  tactu  stiicasse  et  fascinasse ,  adeo  quod 
mortui  fuerunt.  audivi  a  sacris  quibusdam  tlieologis,  has 
mulieres,  quae  lamiae  nuncupantur,  tactu  vel  visu  posse 
nocere  etiam  usque  ad  mortem  fascinando  homines  seu 
pueros  ac  bestias,  cum  habeant  animas  infectas,  quas 
daemoni  voverunt!  Zwischen  den  jähren  1316  und  1334 
war  eine  undatierte  päbstliche  bulle,  Johannes  des  XXII 
ergangen,  welche  die  guter  verurtheilter  zauberer  gleich 
denen  der  ketzer  einzuziehen  verordnet.     Alfonsus  de  6pina 


*)   gedruckt  in  J(»li.  Bnpt.  Ziietti  consilior,  select  iu  crioiiiial.  cansis. 
raticof.  1578   fol.   tum.  1.  coti«ii.  6. 


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HEXEN  601 

in  seinem  forlalitlum  £dei  (geschrieben  um  1458)  lib.  5  be- 
richtet:  quia  nimium   abundant  tales   perpersae  mulierea 
in  Delphinatu  et  Gaschonia^  iibi  se  asseruht  concurrere  de 
nocte  in  quadam   planilie  deserta ,   ubi   est  aper    (1.  caper) 
quidam  iu  rupe,  qui  vulgariter  dicitur  el  hoch  de  Biterne, 
et   quod  ibi  conveniunt  cum  candelia   accensia  et  ado- 
rant   illum  aprum  (caprum)  osculantes  eum  in   ano  suo; 
ideo  captae  plures  earum  ab  inquisitoribus  fidei  et  convictae 
ignibus   comburuntur;   signa   autem  combustarum    sunt  de- 
picla  j    qualiter    scUicet    adorant    cum    candelis    praedictum 
nprum  (caprum),  in  domo   inquisitoris   tholosani  in   magna 
multitudine   camisearum,    sicut   ego  propriis   oculis  aspexi. 
Das  anbeten   und   küssen    des  bocks   oder  katers  wird  nun 
gerade    auch    den    ketzern    schuld    gegeben ,   deren    namen 
sogar   davon   hergeleitet  worden  ist,*)      diese   parodie  der 
göttlichen  anbetung  kann  an  bocksop/er  der  Heiden  (s.  31) 
und  an  die  heiligkeit   dieses   ihiers  (s.  384)  gekuüpft^   aber 
auch   aus  der  uralten   bocksfüfsigen  gestalt   des   teufeis  er- 
klärt  werden    (s.  557.)     Im   jähr  1303  wurde   ein  bischof 
von  Coventry  in  England  zu  Rom  einer  reihe  grofser  ver- 
brechen angeklagt,  unter  anderm  'quod  diabolo  homagium 
Jecerat ,    et  eum  fuerit    osculatus  iu  tergo' ;     Bonifaz  VIII 
sprach  ilin  frei.  **)     Die  nemliche  beschuldigung  lastet  ge- 
wöhnlich auf  den  späteren  hexen.   Hartlieb  (anh.  LIX)  redet 
im  j.  1446  von  gott  entsagen  und  sich  drei  teufein  ergeben. 
Durch   die    Inquisition   der   geistlichen,  durch    die   zu 
gleicher   zeit  in   den   gerichten   eingedrungene   förmlichkeit 
des    canonischen    und    römischen    processes,    zuletzt    noch 
durch  Innocenz  VIII  bulle  von   1484,   den   malleus  malefi- 
carum  ***)    und   die  peinliche   halsger.  Ordnung  yvurde  seit 
dem  vierzehnten  vier  Jahrhunderte  lang  die  Verfolgung  und 
verurtheilung    der    Zauberinnen    unerhört    gesteigert,    und 
zahllose   schlachtopfer  fielen   in  fast   allen  theiien  Europas. 
Aucb  in  dem  früheren  mittelalter  sind  zauberer  und  hexen 
verbraunt    worden;     die    annales    corbej.  ad  a.  914    sagen 
ausdrücklich    'multae    sagae    combustae    sunt    in    territorio 
nostro.'     mehrere  der  alten  volksrechte  setzen  auf  Zauberei 


*)  *catari  dicontur  a  cato,  qaia  osculaotur  posteriora  cati>  in  cujus 
specie,  ut  dicuiit,  apparet  eis  Lucifer.*  Alanus  ab  insalLi  (f  1202) 
contra  Yaldeoses  libr»  1. 

**)  die  bulle  bei  Rymer  2,  934  der  alt.  ausg. 

***)  den  die  beiden  von  Innocenz  bestellten  Inquisitoren  Heinricns 
Iiistitor  in  Alemaniiien,  und  Jac.  Sprenger  iu  Cöln,  mit  Zuziehung  des 
cou&taozer  geistliclico ,  Job.  Greniper,   im  jähr  1487  ab&rsteo. 


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602  HEKEN 

strafen*);  aber  den  füllen ,  welche  vorkamen,  lagen  doch 
wirkliche  übelihaten  zum  gründe,  mord  und  Vergiftung; 
angeschuldigtes  wettermachen  haben  wol  wenige  mit  dem 
leben  gebüfst.  Vorzüglich  bemerkenswerth  sind  die  gegen 
solche  verhängten  strafen,  welche  im  wahn  angebhclier 
Zauberei  männcr  oder  frauen  verbrannt  oder  getödtet  hat- 
ten **) ;  das  aufgeklärte  gesetz  nennt  nicht  die  Zauberei, 
sondern  die  tödlüug  vermeintlicher  zauberer  etwas  teufli- 
sches und  heidnisches.  Wegen  blofser  nachtfart  mit  den 
unholden  dachte  niemand  daran  frauen  peinh'ch  zu  belan- 
gen ,  und  jener  beichtvater  des  13  jh.  widerlegt  das  be- 
kenntnis  der  domina  sortilega  durch  vernunftgründe  (s.597.) 
Seitdem  aber  die  Vorstellung  sich  befestigt  hatte,  dafs  jede 
hexe  gott  entsage  und  dem  bösen  zufalle,  gewann  alles 
ein  anderes  ansehn:  sie  war  als  genossin  des  teufeis,  ohne 
riicksicht  auf  andere  verbrechen,  die  sie  verübt  haben 
könnte,  des  todes  schuldig,  und  ihre  unthat  galt  für  «ine 
der  gröfsten,  schaudervollsten. 

Hexenprocesse  aus  dem  16.  17.  18  jh.  sind  reichlich 
bekannt  gemacht,  aus  dem  15  jh.  wenige  vollständig,  man 
braucht  blofs  einige  gelesen  zu  haben ;  durchweg  das  nem- 
liche  verfahren  in  unbegreiflicher  einförmigkeit,  immer 
derselbe  ausgang.  anfangs  leugnet  die  angeklagte,  gefol- 
tert***) bekennt  sie  was  alle  vor  ihr  hingerichteten  ausgesagt 
haben,  und  dann  wird  sfe  aufs  schnellste  verdammt  und 
verbrannt  (incinerata,  nach  dem  ausdruck  des  malleus.) 
Diese  Übereinstimmung  factisch  grundloser  aussagen  erklärt 
sich   aus  dem   fortgepflanzten,  die  piiantasie  des  volks  ep- 


*)  lex  srI.  22.  rip.  83.  Yisi^oth.  VI.  2,  2,  3,  4.  capitoL  a.  789 
cap.  18.    capit.ll.  a.  805.    Ssp.  II.  13,  7. 

**)  capit.  Caroli  de  part.  Sax.  5 :  si  quis  a  diabolo  deeeptas  credi- 
derit  secuadum  morem  Paganorum ,  virom  aliquem  aut  femiDam  strigaA 
esse,  et  liomines  comedere,  et  propter  hoc  ipsam  incenderit,  vel  car- 
nem  ejus  ad  comedeadum  dederit,  capitis  sententia  puw'etur.  hx 
Roth.  379:  nuUus  praesumat  aldiam  alienam  aut  ancillam,  quasi  stri- 
gam  occidere^  quod  christianis  mentihus  nullatenus  est  credendum  aec 
possibile  est,  ut  homiaem  mulier  vivum  iatriasecus  possit  comedere. 
Jene  6a{2:ae  combustae  ia  Westfalea  waren  schwerlich  von  den  gerichtea 
vernrtheilt,  sondern  von  dem  volk  selbst  seinem  heidnischen  aberglae- 
ben  aufgeopfert,  den  die  angefahrten  «resetze  hhidern  wollten,  noch 
in  unsem  tagen  versucht  das  volk  iu  Fraukreich  und  Belgien  angeb- 
liche hexen  eifrenmäcktig  ins  feuer  zu  werfen  (HorstA  zanberbtbl.  6, 
368.  372.  374.) 

*'*)  die  henkersformel  lautet:  'dn  sollst  so  dünn  gefoltert  wetdeBj 
dafs  die  sonne  durch  dich  scheint  f    HA.  95.    Diut.  1 ,  105. 


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HEXEN  603 

fiillen^en  wahnglauben.    leb  will  es  versuclien  alle  wesent- 
liclien  puncte  hier  zusammenzufassen.^) 

Der  teufel  erscheint  in  gestalt  eines  stattlichen  Jüng- 
lings, federgeschmücht  und  buhlerisch;  erst  als  es  zu 
spät  ist  gewahrt  die  hexe  des  pferdejufses  oder  gänsC" 
Jufses.  Er  zwingt  sie  dann  gott  abzusagen,  tauft  sie  um, 
wozu  sie  sich  pathen  wälilen  mufs,  und  legt  ihr  einen 
namen  bei,  so  wie  er  ihr  seinen  nanien  entdeckt,  ihrem 
leib  wird  ein  zeichen  eingedrückt,  dessen  stelle  fortan 
unempfiudlich  ist.  zuweilen  naht  er  als  maus,  bock,  krähe, 
iliege,  wandelt  sich  aber  bald  in  menschliches  aussehn  um. 
aucli  bei  wiederholter  buhlerei  empfängt  die  hexe  nur 
kleine  geldgeschenke ;  was  er  als  glänzendes  gold  gab,  war 


*)  roainzer  hexenacten  von  1505  und  1511  in  Horsts  zanberbibl. 
4,  210  —  218;  quedlinbarger  von  1569  —  1578  in  Gottfr.  Christian 
Voigt»  gemeinoützigen  abh.  Leipz.  1792  p.  59  —  160;  trierer  von 
1581  in  der  trierischen  chronik  1825.  10,  196  if.  von  1625  das.  108  (f.; 
eichstätter  von  1590.  1626  —  37  in  dem  Eichstatt  1811  veranstalteten 
abdruck;  dieburger  von  1627  in  Steiners  gcsch.  von  Dieburg.  Darmst. 
1820.  p.  68  —  100;  siegburger  von  1636  in  Ph.  Ernst  Schwaben  ge- 
schichte  von  Siegburg.  Cöin  1826  p.225  —  241  ;  camminer  von  1679 
in  den  neuen  pommerschen  provinzialbl.  Stettin  1827.  1,  332 — 365; 
freisinger  von  1715—  1717  in  Aretins  beitr.  4,  273  —  327.  Brauch- 
bare auszuge  aus  schwäbischen  verhören  des  15  jh.  enthält  der  berüch- 
tigte malleus  maleficarum  (zuerst  1489  gedr.),  aus  lothringischen  acten 
von  1583 — 90  Nie.  Remigii  daemonolatria ,  übers,  von  Teucer  An- 
naeus  Privatus,  Fraukf.  1598.  unwichtiger  ist  Sam.  Meiger  de  panur- 
gia  laminarum.  Hamb.  1587.  4.  Scandinavische  nachrichten:  Nyerups 
iid8i«:t  over  hexeprocesserne  i  Norden  (skand.  litteraturselskabs  skrifter 
19,  339  —  394.  20,  1  —  42),  worin  zumal  wichtig  ist  ein  auszug  ans 
Lern  über  norwegischen  hexenglauben  (19,  385  —  391.)  troll väsendet 
i  Dalama,  ären  1668  —  73  in  Joh.  M.  Bergmans  beskrifning  om  Dalarne. 
Fahlun  1822.  1,  208  —  219.  Aufserdem  habe  ich  gelesen  Girolamo 
Tartarotti  del  congresso  nottumo  delle  lamie.  Rovereto  1749.  4  und 
Const.  Franc,  de  Ganz  de  cultibus  magicis.  Yindob.  1767.  4,  zwei 
fleifsige  bücher,  das  erste  in  aller  italienischen  Weitschweifigkeit  abge- 
fafst;  weniger  nützte  mir  Diet  Tiedemanns  preisschrIft  de  artium  ma- 
gicarum  origine.  Marb.  1787.  Scheltemas  geschiedenis  der  heksen- 
processen  Haarlem  1829  und  (Cannaerts)  bydragen  tot  het  oude  straf- 
regt in  Belgle,  Brüssel  1829  waren  mir  nicht  zur  band;  einiges  aus 
jenen  gegenden  mitgetheilt  ist  in  Schayes  essai  historique.  Louvain 
J834  p.  175  —  202.  Es  gibt  noch  eine  unzahl  anderer  werke :  die 
neusten  darunter  von  Horst  (dämonoroagie  Ff.  1818  2  bde,  znuber- 
bibliothek  Mainz  1821—26  6  bde)  und  Walter  Scott  (letters  on  de- 
mouology  and  witchcraft,  Lond.  1830)  sind  von  mir  fast  ungebrnncht; 
beide  beruhend  auf  enitViger  compilation  entbehren  rechter  critik  und 
gelehrsamkeit f  Horsts  arbeit  ist  dazu  breit  und  geschmacklos,  Walter 
Scotts  ungenau  und  fahrlässig. 


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604  HEXEN 

beim  Hebt  bc^sehn  migl  und  koth.  *)  Hauptsache  ist ,  dafs 
an  gewissen  tagen  der  teufel  sie  abholt  oder  bestellt  zu 
nächtlichen  festen^  die  in  gesellscliaft  anderer  Zauberinnen 
und  teufel  begangen  werden,  nachdem  sie  sicli  mit  einer 
salbe  (hexciischmiere)  **)  füfse  und  achseln  gesebmiert 
hat,  besclireilet  sie  stecken ^  rechen^  besen,  spinnrochen, 
hochlöffel  oder  ojengabel,  und  fährt,  eine  formel  mur- 
melud,  zum  Schornstein  hinaus,  über  berg  und  thal,  durch 
die  lüfte,  gabelreiterin  y  besenreiterin  bedeutet  Lexe. 
Holt  der  buhlcr  ab,  so  silzt  er  vornen  auf  dem  stab,  d» 
hexe  hinten,  oder  er  zeigt  sich  als  bock,  den  sie  besteigt, 
oder  sie  fährt  mit  rossen,  die  aus  dem  boden  kommen. 
Am  Sammelplatz  finden  sich  viele  hexen,  jede  mit  ihrem 
buhlteufel  ein,  meistens  lauter  nachbarinnen,  zuweilen  längst 
verstorbene  frauen,  einige  (die  vornehmeren)  verlarvt  und 
vermummt.  ihre  lieblraber  sind  aber  nur  diener  des 
obersten  teufeis,  der  in  boctsgestalt,  mit  schwarzem  men- 
schengesicht,  slill  und  ernsthaft,  auf  einem  holten  stul 
oder  einem  grofsen  steinernen  tisch  in  der  mitte  des  krei- 
ses  sitzt,  dem  alle  durch  knien  und  küssen  ehrfurcht  be- 
weisen, trägt  der  oberste  teufel  besonderes  Wohlgefallen  an 
einer  zauberin,  so  wird  sie  zur  hexenhönigin  ernannt,  die 
den  ersten  rang  •  vor  allen  übrigen  behauptet.  ***)  Da« 
unerfreuliche  mahl  erhellen  schwarze  fackeln,  die  an  einem 
licht  entzündet  werden,  das  dem  grofsen  bock  zwischen 
den  hörnern  brennt,  ihren  speisen  mangelt  salz  und 
brot  f),  getrunken  vfird  aus  kuhklauen  und  rosköpfen, 
sie  erzählen  sich  dann  was  sie  Übels  gethan,  und  bescblie- 
fsen  neues  übel;  wenn  dem  teufel  ilu^e  unthaten  nicht  ge- 
nügen, so  schlägt  er  sie*     Nach  der  malilzeit,ff)  welche 


•)  alle»  gottliche  ahmt  der  teufel  perkehrt  nach:  sein  gold  wm- 
delt  sich  in  unrath;  wenn  aber  götter  oder  gütige  wesen  laub,  spine, 
Icnotten  schenken,  wandeln  sich  diese  in  eitel  ^o\d  (s.  166.  529.541.) 
Darum  sitzt  der  tenfel  verkehrt^  darum  stehen  die  hexen  auf  den  (odMa 
oder  tanzen  verkehrt  u.  s.  w. 

••)   ungnentum  Pharelis,   aus  krautern   (anh.  s.  LVIII);    doch  di« 
gewohnliche   hexensalbe   wird    aus    dem   fett   ermordeter,    ungetaofter 
.kinder   bereitet:    unguentum  ex  membris  puerorum  interemptonun  ab 
eis  ante  baptismum.     mallens  malef.  11.  1 ,  3  (ed.  149<l.  51<>.) 

***)  Laflferts  relationes  criminales,  Celle  1721.  p.  52.  54.  üonts 
damonom.  2,  376.  377. 

f)  doch  essen  sie  brot,  das  sonntags  gebacken,  fleisch,  das  soM- 
tags  gesalzen  Ist,  und  trinken  sonntagsgefafsten  wein. 

ff)  es  gilt  dabei  auch  Standesverschiedenheit,  erst  sitzen  die  nk^ 
cheu  zu  tisch  und  trinken  aus  silberschalen,  dann  die  armen  ans  Im>Ii- 
bechem  oder  klauen. 


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HEXEN  605 

weder  sättigt  noch  nährt,  beginnt  der  tanz]  auf  einem 
bäum  sitzt  der  spielmalin,  seine  geige  ist  ein  pferdehaiipt, 
seine  pfeife  ein  knüttel  oder  katzenschwanz.  sie  drehen 
beim  tanz  einander  die  rücken  zu,  nicht  die  gesiebter;  mor- 
gens aber  sieht  man  im  gras  kreisförmige  spuren  von  kuh 
und  bocksfüfsen  eingetreten*  wenn  der  reigen  aus  ist, 
schlagen  sie  sich  einander  mit  schwingen  und  mangelhölzern. 
Zuletzt  brennt  sich  der  grofse  bock  zu  asche,  die  unter 
alle  hexen  ausgetheilt  wird ,  und  mit  der  sie  schaden  stif- 
ten. Eine  junge  unerfahrne  hexe  wird  nicht  älsogleich 
zu  mahl  und  tanz  gelassen,  sondern  beiseits  gestellt,  um 
mit  einem  weifsen  stecken  kröten  zu  hüten*  auch  daheim 
ziehen  und  halten  sie  dieses  thier.  Die  heimreise  erfolgt 
wie  die  hinfart,  der  ehmann,  welcher  unterdessen  einen  ins 
bett  gelegten  stock  für  seine  schlafende  frau  gehalten  hat, 
wird  nichts  von  allem  gewahr.  Unlhalen,  welche  hexen 
verrichten,  beziehen  sich  hauptsächlich  auf  vieh  und  getraide 
ilirer  nachbarn,  denen  sie  zu  schaden  trachten,  fremden 
kühen  verstehen  sie,  ohne  dafs  sie  ihnen  nah  kommen,  den 
euler  leer  zu  melken  (anh.  s.  LIV):  sie  stecken  ein  mcÄ- 
ser  in  eine  eichenseule,  hängen  einen  strick  daran  und 
lassen  aus  dem  strick  die  milch  fliefsen ;  oder  sie  schlagen 
eine  axt  in  die  thürseule  und  melken  aus  dem  axt^ 
helm\  oder  sie  ziehen  die  milch  aus  einem  aufgehangnen 
Imr/cituc/i.*)  gute  milch  wandeln  sie  in  blaue,  oder  in 
blutige;  ihr  lobspruch,  wenn  sie  in  ein"  fremdes  haus  treten, 
bringt  der  milch  gefahr;  soll  eben  milch  gestofsen  werden, 
80  gerälh  keine  butler  (abergl.  823.)  darum  heifst  eine 
hexe  überhaupt  milchdiebin  (wie  der  Schmetterling  milch- 
dieb,  buttervogel)  inilchzauberin ,  molkenstehlerin  ^  moL" 
henlö^ersche.**)  verzauberte  milch  peitsche  man  in  einem 
topf,  oder  fahre  mit  einer  siehe!  darin  herum :  jeden  streich 
oder  schnitt  wird  die  hexe  empfinden  (abergl.  540.)  Des 
Vermögens  der  Zauberinnen  ,  milch  und  honig  aus  dem 
hause  des  nachbars  in  das  ilirige  zu  ziehen,  erwälint  bereits 
Burchard  (anh.  s.  XXXVIII.)  Mit  ihren  besen  in  bäche 
schlagend,  wasser  in  die  luft  sprützend,  oder  kiesel  aus- 
schüttend, sand  gegen  Sonnenuntergang  stäubend  verur- 
sachen die  hexen  stürm  und  hagel,    der  getraide  und  obst 


*)  ähnlich  das  zauberhafte  schlagen  des  weins  aus  der  seule  (anh. 
«.  LVlll) ,   vgl.  die  sage  von  doctor  Faust. 

**)  am  abend  Philippi  und  Jacobi  lauft  man  in  Ru^en  mit  gror»cii 
feuerblasen  Im  feld  umher:  das  heifst  man  ^ mölke nio versehen  brennen,^ 
Rugiau.  landgebr.  243.    milchdiebin  Q.  unhold.  U.Sachs  111.  3,  5d. 


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-    606  BEXEN 

des  nachbarn  zu  boden  eclilägt.  sie  sollen  zu  gleicbem 
zweck  borsten  in  topfen  sieden,  oder  von  jener  teufliscbeii 
ascbe  auf  die  felder  streuen.  Indem  sie  scbemelbeine  vei^ 
binden  können,  sie  zerbrochene  knochen  abwesender  meu« 
sehen  heilen.  Sind  sie  bei  der  trauung  eines  ehpaars  zu- 
gegen,  so  knappen  sie,  während  der  segen  gesprochen 
wird,  ein  schlols  zu  und  werfen  es  ins  wasser:  das  heilst 
nestelinüpjen ;  so  lange  das  schlofs  nicht  wieder  gefunden 
und  eröfnet  wird,  sind  die  ehleute  untüchtig.  Hexen 
können  menschen  tödten,  indem  sie  bildern  oder  puppen 
Stiche  versetzen;  auf  kirchhöfen  graben  sie  die  leichten 
junger  kinder  aus  und  schneiden  ihnen  fingen  ab,  *)  von 
dem  fett  dieser  kinder  sollen  sie  ihre  salbe  bereiten.  Auf 
ihrer  Vermischung  mit  dem  teufel  geht  keine  meusclilicbe 
frucht  hervor,  sondern  elbische  wesen,  welche  dinger, 
elbe  und  holden  genannt  werden,  deren  bildung  aber  ver- 
schieden angegeben  ist.  bald  sollen  es  schmetterluige  sein, 
bald  hummeln  oder  queppen^  bald  raupen  oder  wüimer. 
sie  heifsen  abwechselnd  gute  oder  böse  dinger^  gute  und 
böae  elbe,  gute**)  oder  böse  holden,  holder cfien,  holdihen. 
ilirer  bedienen  sich  die  hexen  zur  hervorbringung  von 
krankheit  oder  geschwulst  bei  menschen  und  vieh,  indem 
sie  sie  in  haut  und  gebeiu  beschwören,  sie  verweisen  sie 
aber  auch  in  den  wald  auf  bäume,  graben  sie  unter  hol- 
lunderbüsche  ein:  wie  die  elbe  das  espenholz  abfressen, 
fressen  sie  den  menschen,  dem  sie  zugedacht  sind,  welche 
hexe  die  holden  einem  zubringt,  die  mufs  sie  auch  wieder 
abbringen;  sie  geht,  wenn  sie  ihrer  bedarf,  in  den  wald 
und  schüttelt  sie  von  den  bäumen,*  oder  gräbt  sie  unterm 
hollunder  (dem  elbengrab)  wieder  hervor,  ein  mensch, 
in  den  holden  gezaubert  sind ,  ist  erkennbar  daran ,  dafs 
man  in  seinen  äugen  kein  niännlein  oder  kindlein  (sfo^i 
pupa)  sieht,  odeV  nur  ganz  trübe  (Voigt  p.  149.  152.)  die 
neunerlei  arten  der  holden  werde  ich  im  cap.  von  den 
krankheiten  angeben,  nicht  selten  erscheint  aber  der  teuf- 
lische buhle  selbst  in  gestalt  des  albs  oder  Schmetterlings. 


•)  mit  den  fingern  ungeborner  kinder  kann  gezaubert  werde«, 
angezündet  geben  sie  eine  flamme,  welche  aile  leute  des  hauses  ia 
«chlaf  erhält,  ähnh'chen  vortheil  schaft  der  daume,  welcher  einem  auf- 
gehängten dieb  abgeschnitten  wurde,  vgl.  Schamberg  de  jure  digitor. 
p.  61.62  und  Praetorius  vom  diebsdaumen.  Lips.  1677.  die  cootoma 
de  Bordeaux  §.  46  handelt  vom  zauber  mit  den  bänden  todter  kiader. 
eine  pflanze  hiefs  diebshand  (s.  578.) 

••)  auch  wenn  schädlich  damit  gezaubert  wird  lieifäen  sie  dennoei 
die  guten  holden  (braunschw.  anz.  1815  p.  726  tf) 


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HEXEN  ^  60r 

Ihre  in  inenscliliclier  ehe  erzeugten  lücliter  müssen  die  hexen 
dem  teufel  bei  der  geburt  versprechen  und  in  seinem 
dienste  erziehen ;  bei  den  grofsen  \ersamhingen  reichen  sie 
ihm  überhaupt  ihre  kinder,  hinterrücks  in  die  höhe  hebend, 
dar.  zuweilen  opfern  sie  ihm  scluvarzes  vie/t.  Sie  finden 
»ich  gern  auf  wen' scheiden*)  zusammen,  sie  können  durch 
das  schlüssellocri  in  häuser  aus  und  ein  fahren  (anh.  s. 
LIV),  wo  drei  lichter  im  zimmer  sind,  hat  die  hexe  ge- 
vralt;  dem  glockenläuten  sind  sie  gram.  Vor  gericht  darf 
man  sie  nicht  die  blojse  erde  berühren  lassen,  weil  sie 
sich  sonst  plötzlich  verwandeln ;  sie  sind  unvermögend  eine 
zähre  zu  vergiefsen,  ins  wasser  geworjen  schwimmen 
sie  oben**),  worauf  sich  das  in  den  gerichten  iierkömni* 
liehe  hexenbad  gründete  (RA.  925.)  gelingt  es  ihnen  zu 
anfang  der  Verhandlung  dem  richter  ins  äuge  zu  sehen, 
80  wird  er  mitleidig  und  kann  sie  nimmer  verdammen. 

Characteristisch  ist  nun,  dafs  alle  hexen,  ihrer  kunst 
und  der  macht  des  teufeis  ungeachtet,  in  elend  und  tiefer 
armut  stecken  bleiben;  es  kommt  kein  beispiel  vor,  dai's 
eine  sich  reich  gezaubert  und  für  den  Verlust  himmlischer 
seeligkeit  zum  wenigsten  weltliche  freuden  erworben  habe, 
wie  sonst  in  den  sagen  von  männern,  die  sich  dem  teufel 
verschreiben  (s.  571),  wol  erzählt  wird.  Diese  weiber  stif- 
ten übel,  ohne  dafs  es  ihnen  nützt,  höchstens  können  sie 
Schadenfreude  empfinden,  ihre  buhlerei  mit  dem  bösen, 
ihre  theilnahme  an  seinen  festen  schaft  ihnen  immer  nur 
halbes  behagen.***) 

Dieser  eine  zug  hätte  über  den  grund  aller  hexerei 
die  äugen  öfnen  sollen.  Das  ganze  gründete  sich  blofs  in 
der  einbilduns  und  dem  erzwungnen  bekenntnis  der  arm- 
seeligen;  wirklich  war  nichts,  als  dafs  sie  künde  heilender 
und  giftiger  mittel  hatten  und  ihre  träume  f)  durch  den 
gebrauch  von  tränken  und  salben  erregten.  Aufgefordert 
die  namen  ihrer  genossinnen   anzugeben,   bezeichneten  sie 


**)  der  teufet  bt  auf  wegscheiden  zu  errufen,  vgl.  s.  683  die  Alraun, 

••)  Plinius  T,  2  von  Zauberern;    eosdem  praeterea  non  posse  vtergi 

ne  veste  quidem  degravatos.     Mebraiais  wird  erzätift^  der  teufel  ver- 

heifse  den   hexen   ins  wasser  eine   eisenstange   zu   bringen,   damit  sie 

ainken  können,  bringe  ihnen  dann  aber  nur  eine  leichte  nadel. 

***)  Berthold  p.  58:  ^sd  g^nt  etellche  mit  boesem  zouberlehe  unib, 
daz  81  wsenent  eins  gebüren  sun  oder  einen  kneht  bezoubeni.  pff  dil 
rehte  tcerin!  war  unibe  bezouberst  du  einen  gr&ven  oder  einen  künec 
nitit?  s6  waerestu  ein  küneginne!'  —  man  sagt:  <tte  hexen  werden 
alle  sieben  jähr  eines  dreihellers  reicher.    Simplic.  1 ,  625. 

f)  ^alter  wibe  troume^  Wh.  1 ,  82a ;  ^kerltnga  villu'  Saem.  169. 


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608  HEXEN 

häufig  verstorbene,  aus  Schonung  oder  um  der  untersuchong 
auszuweichen;  was  sie  übles  aussagten  wurde  buchsläbllcli 
als  Wahrheit  angenommen.  £s  konnnt  vor,  dafs  hexen  ge- 
standen leule  gelödtel  zu  haben,  die  noch  am  leben  waren.*) 
Niemals  fiel  den  richtern  ein  zu  erwägen,  wie  es  doch 
geschehe,  dafs  unzählige  hexenversamlungen  an  lauter  be- 
kannten, gangbaren  orten  nicht  von  zeugen,  die  ihr  weg 
dahin  halle  führen  müssen,  überrascht  worden  seien.  Durch 
welche  Zulassung  gottes  sollte  in  dörfern  und  Städten  des 
ganzen  landes  ein  früher  unerhürles  zauberpack  sich  zu 
jenen  zeiten  auf  einmal  eingenistet  haben ! 

In  den  hexensagen  war  die  teufelsverschreibung,  ab- 
sagung gottes'''*)  und  anbetung  des  bochs  ketzerisch;  alle 
anderen  demente  scheinen  mir  überwiegend  heidnisch,  aa 
alten  göttercultus  könnte  selbst  noch  der  bock  und  dai 
Opfer  schwarzer  thiere  (s.  33.  278.  566)  erinnern;  es  i^l 
merkwürdig,  dafs  nach  einer  dalekarlischen  übcrlicferimg 
hei  dem  hexen  fest  der  teufel  lücht  den  hochsitz  einnimmt, 
sondern  unter  dem  tisch  gebunden  an  einer  kette  liegt 
(ganz  wie  in  deutscher  sage  neben  den  spinnenden  fiaueo, 
8.  567.)  von  dieser  kette  erzählen  die  hexen  vielerlei,  wenn 
sich  ihre  glieder  abnutzen,  kommt  ein  engel  und  löthet  sie 
neu  zusammen  (Bergman  p.  217.  219.)  Mit  der  kraf)  des 
salzes  wurde  mancher  zauber  getrieben  (abergl.  713.845), 
fast  scheint  es,  als  dürfe  man  Zusammenhang  finden  zx^i- 
schen  jenem  salzsieden ,  salzbrennen,  salzholen  (s.  590)  ***) 
und  dem  verbrennen  des  bocks,  dem  mitnehmen  tind  aus- 
streuen seiner  asche.'\)  die  nachtfart,  der  fackelzug,  das 
durchdringen  verschlossener  häuser  iit  genau  wie  bei  dem 
holdischen  beer;  namen  der  buhler,  beschwörungsformclo, 
gezeugte  holden,  reihentänze,  alles  dies  ist  elbisch.fy)     die 

*)  Frommano  de  fascinatioDe  p.  850. 

**)  ia  der  edda  malen  riesinneo  gold  und  salz  (So.  146.  147.) 

•*•)   nach   den  formein:    'ik  fate  an  disen   Witten  »tok  und   vcriate 

unsen  herre  got !'  (catholisch :  'Marien  son  u.  got')  oder :  'her  tredc  ik 

in  din  nist  (nest)  u.  vertäte  unsen  herre  Jesum  Christ !'  der  tv^ifse  stok 

Ut  Symbol  cedierender,  und  wird  nach  dem  anfassen  ins  wasser  geworfen. 

f)  zauberberüchtigten  scliäfern  wurde  zur  last  gelegt,  ihre  schafe 
mit  salz  zu  taufen,  factunis  et  arrest  du  partement  de  Paris  conite 
des  bergers  sorciers  executez  depuis  peu  dans  Ia  province  de  Bri^. 
sur  rimprim^  k  Paris  1695.  8.  p.  57. 

ff)  das  geiräblatt,  oder  vielleicht  eine  andere  pflanze,  heifat  la 
Niederdeutschland  alf ranke  ^  hexenschlinge  (Ritters  meklenb.  giana}. 
p.  107.  E.  M.  Arndts  niährchen  p.  404.)  man  nennt  überhaupt  rankes- 
des  gesträuch,  verschlungene  zweige  hexeusth/uf f^  und  glaubt,  d«f« 
eine  verfolgte  hexe^  ein  verfolgter  «/A,  jedesmal  dadurch  eutnnnen  küoae. 


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HEXEN  609 

fttärktiDg  der  hexe  durch  berührung  blofser  erde  kann  an 
heidnischen  riesenglauben  gemahnen,  zeit  und  ort  der  ver- 
samlungen  sind  wie  bei  festen  und  gcrichten  des  heideu- 
tbums,  auch  die  anwendung  des  roshaupts*)  bei  dem 
hexengelag  führe  ich  iheils  auf  andere  sagen  des  MA.  (s. 
379.  494)  theils  auf  die  verhafsten  pferdeopfer  (s.  28.  29) 
zurück,  die  arl  des  zaubers^  das  herzessen ,  das  weiter- 
machen, das  reiten  durch  dia  lüfte  gründen  sich  auf  urahe, 
weitverbreitete  Überlieferungen,  die  ich  jetzt  noch  nälicr 
untersuchen  will. 

Vorausgehn  mag  eine  darstellung  des  serbischen  Volks- 
glaubens. Die  vjeschtitza  ist  von  einem  bösen  geist  be- 
sessen :  wenn  sie  in  schlaf  fällt,  geht  dieser  aus  ihr  heraus, 
und  nimmt  dann  die  gestalt  eines  Schmetterlings  oder 
einer  kenne  an,  dieser  geist  ist  wesentlich  eins  mit  der 
hexe,  sobald  der  geist  ausgegangen  ist,  liegt  der  hexe 
leib  wie  todt,  und  dreht  dann  jemand  den  köpf  dahin  wo 
die  fülse  sind,  so  kann  sie  nicht  wieder  erweckt  werden.  * 
Die  hexe  strebt  leuten  nach,  die  sie  außfst^  besonders 
jungen  hindern,  findet  sie  einen  schlafenden  mann,  so 
stöi'st  sie  ihn  mit  einer  ruthe  durch  die  linke  brustwarze, 
öfnet  seine  seile,  nimmt  das  herz  heraus  und  ifst  es^ 
worauf  die  brüst  wieder  zuwächst,  einige  dieser  ausge- 
gessenen leute  sterben  alsbald,  andere  leben  noch  eine  zeit«« 
lang«  die  hexen  essen  keinen  hnohlauch^  viele  leute 
sclunieren  sich  in  der  fastenzeit  brüst,  sohlen  und  unter 
der  achsel  mit  knoblauch,  um  sich  gegen  die  hexe  zu  si- 
chern, man  glaubt,  dafs  sie  in  der  faste  mehr  leute  esse 
als  sonst,  junge  schöne  frauen  stehen  nie  im  ruf  der  Zau- 
berei, hexen  sind  immer  alte  iPeiber^**)  aber  das  Sprich- 
wort lautet  ^mlada  kurva  stara  vjeschtitza.'  hat  die  hexe 
einmal  gebeichtet  und  sich  angegeben,  so  kann  sie  keine 
leute  mehr  essen  und  keinen  zauber  mehr  treiben.  Wenn 
die    hexen   nachts  ausfliegen  glänzen  sie   wie    feuer,  ihr 

*)  spielmaoo  anf  dem  pferdekopf  pfeifend ,  geigend,  trierer  acten 
p.203.  siegburger  p.  228.  239*  todtenkopf  für  zither.  Remigius  145. 
**)  hauptsächlich  in  Schweden  werden  auch  unschuldige  kinder^ 
knaben  und  mädchen  in  die  hexerei  verflochten.  Der  teufet  fordert 
von  jeder  hexe,  dafs  sie  ihm  kindcr  zuführe,  sie  weckt  schlafende 
kinder  mit  den  Worten:  ^komm  teufelskind  zum  gastmal T  sie  setzt  sie 
auf  das  dach,  bis  die  zahl  voll  ist,  und  trägt  sie  dann  durch  die  lüfte 
dem  bösen  zu,  der  sie  fra^^t,  ob  sie  ihm  dienen  wollen?  nnd  in  sein 
buch  schreibt,  er  begabt  sie  dann  mit  klugheit;  solche  knaben  heifsen 
vtsg%issar  (kluge  jungen.)  man  erinnere  sich  der  von  Hameln  ausge- 
führten kinder.  In  den  freisiiiger  acten  erscheinen  arme  bettelbahen 
Tom  teufel  verleitet. 

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610  HEXEN 

Sammelplatz  ist  eine  tenne  (guvno),  beim  ausfahiren  am 
der  küche  schmiert  sich  jede  mit  einer  salbe  unter  die 
acbsel  und  sagt:  *ni  o  trn  ni  o  grm,  velch  na  pometao 
guvno!'  (nicht  an  dorn,  nicht  an  eiche,  sondern  zur  ge- 
fegten tenne.)  Sterben  in  einem  dorf  viel  kinder  oder 
leute  und  fallt  auf  eine  alte  frau  verdacht,  so  binden  und 
iverfen  sie  sie  ins  wasseri  geht  sie  imter,  so  wird  sie 
herausgezogen  und  frei  gelassen,  kann  sie  ab^r  nicht  un- 
tergehn,  getödtet,  denn  keine  hexe  vermag  im  wasser  zq 
sinken.  Wer  vor  Mariäverkündigung  eine  schlänge  tödlel 
und  in  ihren  köpf  ein  stück  hnoblauch  bindet^  und  auf 
Mariäverkündigung  beim  hirchgang  den  schlangenkopf  an 
seine  mutze  steckt  ^  der  kann  alle  weiber^  die  hexen 
sind  9  daran  erkennen  ^  dafs  sie  sich  um  ilin  versammelo, 
und  ihm  die  schlänge  oder  ein  stück  davon  zu  stehlen  su« 
eben,     (Vuk  s.  v.  vjeschtitza,   pometno  und  blagovijest,) 

Diese  merkwürdige  nachricht  führt  zu  erläuterungeo. 
Auch  bei  uns  gab  es  solche  erkennungsmittel  der  hexeo. 
wer  einen  gefundenen  eggenagel  bei  sich  trägt,  oder  g^ 
traidekörner,  die  ins  brot  gebacken  waren ,  oder  ein  gritn- 
donnerstagsei,  sieht  die  hexen  mit  melkkiibeln  auf  dem 
köpf  in  der  kirche  (abergl.539.636.685.783.808.)  gerad« 
so  in  Dänmark  (abergl.  169.)  Bergman  p.  219  meldet,  dtfs 
in  Dalarne  die  hexen  selten  zur  kirche  kommen,  wol  aber 
eine  strohgarbe  oder  ein  schweintrog  ihre  Stelle  vertritt, 
was  jedoch  nur  die  aus  der  Bläkullagesellschaft  wahrneh- 
men können,  ich  weifs  nicht,  ob  der  kübel  oder  trog 
aus  der  milchverzauberung  oder  daher  zu  erklären  ist,  difs 
nach  nord.  Überlieferung  riesinnen  und  huldrefrauen  einen 
trog  auf  dem  rücken  tragen  (Faye  118.  JMüllers  sagabibL 
1,  367.)  Keisersberg  (omeifs  36c)  berichtet,  dafs  eine  nacht- 
fahrerin  sich  in  eine  teichmulde  setzte^  mit  öl  salbte,  Zau- 
berworte sprach  und  entschlief.  Im  anhang  ist  eine  for- 
mel  abgedruckt,  worin  der  alb  angeredet  wird:  *  mit  dem 
rücken  wie  ein  teigtrog  P  Eine  hexe  ist  auch  daran  er- 
kennbar:  sieht  man  ibr  ins  äuge  so  steht  man  verkelirl 
darin,  den  köpf  unten  abgebildet.*)  triefende  äugen  sind 
ein  zeichen  aller  hexen  (abergl.  787.) 

Was  aber  in  unsern  hexensagen  schon  zurücktritt,  dal« 
sie  den  leuten  das  herz  aus  dem  leib  essen  ^  steht  in 
der  alterthümlichcn  serbischen  volksansicht  ganz  voran,    io 


♦)  ein  ahnliches  kennzeichen  führt  Plinius  7,  2.  von  zaubereni  m: 
in  altero  ociilo  geminam  papiliaoi,  in  altero  eqni  effigiein.  man  vgl 
was  8.  606  über  die  auzauberuug  von  holden  ge«agl  ut. 


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HEXEN       HERZESSEN  6 1 1 

einem  Hede  bei  Vuk  no.  363.  ruft  ein  hirtenknabe,  den 
seine  Schwester  aus  dem  schlafe  nicht  erwecken  kann : 
yeschtitze  sii  rae  izele,  ma)ka  mi  srtze  vadila,  strina  joj 
lutschem  svetlila  (hexen  haben  mich  ausgegessen,  mutter 
nahm  mir  das  herz ,  base  leuchtete  ihr.)  Fortis  cap.  8  er- 
Eählt,  dafs'zwei  hexen  einem  schlafenden  jüngling  das  herz 
i/vegoahmen  und  braten  wollten;  ein  geistlicher  hatte  ohne 
es  hindern  zu  können  alles  mit  angesehn,  erst  beim  erwa- 
chen des  Jünglings  löste  sich  der  zauber^  und  als  nun  der 
geistliche  den  hexen  näher  trat,  salbten  sie  sich  aus  einem 
krüglein  und  entflohen,  er  zog  das  halb  gebratne  herz 
vom  feuer  und  hiefs  es  eilig  den  jüngling  verschlucken^  der 
dadurch  völlig  wieder  hergestellt  wurde.  Mir  scheint  diese 
serbische,  in  der  fastenzeit  auftretende,  menschen  die  brusl 
Ofnende  hexe  unserer  Berhta,  die  knechten  den  leib  auj^ 
schneidet  und  mit  heckerling  füllt  (s.  170.),  sehr  ver- 
gleichbar; aus  der  göttinn  wurde  das  schreckende  Scheu- 
sal. Dafs  der  nemliche  wahn  unter  den  alten  Deutschen 
herschte,  bezeugen  stellen  der  volksrechte:  lex  sal.  67  'si 
Stria  Itominem  comederit\  und  was  s.  602  aus  der  lex 
Roth.  379  und  dem  capit.  de  part.  Sax.  5  angeführt  wor- 
den ist.  der  indic.  paganiar.  (anh.  s.  XXXII):  ^quod  fe- 
minae  possint  corda  hominum  tollere  juxta  paganos'  und 
Burchard  (anh.  s.  XXXIX):  'ut  credas,  te  januis  clausis 
exire  posse,  et  homines  interficere  et  de  coctis  carnibus  eo- 
rum  V08  comedere,  et  in  loco  cordis  eorum  stramen  aut 
lignum  aut  aliquod  hujusmodi  ponere  et  comestis  iterum 
vivos  facere  et  inducias  vivendi  dare.'  N.  Cap.  105  ambro- 
nes  und  anthropofagi  nennend  fügt  hinzu:  ^alsö  man  chit, 
taz  ouh  hdzessa  hier  in  lande  tuen^  das  zehnte,  eilfte 
jh.  hatte  die  lieidnische  Vorstellung  nicht  fahren  lassen,  ja 
sie  dauert  noch  späterhin,  in  dem  s.  590  mitgetheilten  ge- 
dieht des  13  jh.  wird  erzählt,  dafs  die  unholde  über  den 
mann  schreite ,  ihm  sein  herz  ausschneide  und  stroh 
Jiinein  stofse^  dafs  er  aber  leben  bleibe.  Berthold  (cod. 
pal.  35  fol.  28^):  pfei,  gelawbestu,  das  du  ainem  man  sein 
herz  aufs  seinem  leib  nemest  und  im  ain  stro  hin  wi" 
der  stoßest?'^  Ebenso  wird  im  Norden  von  einer  weibli- 
chen mannasta  (nicht  einem  männlichen  mannaeti)  gere- 
det, und  selbst  für  zauberer  dieser  ausdruck  gebraucht: 
troll  ok  mannasta  (fornm.  sog.  3,  214.)  Unsere  heutigen 
märchen  stellen  die  hexe  als  eine  waldfrau  dar,  die  sich 
hinder  zur  speise  füttert  und  mästet  (KM.  no.  15),  ent- 
rinnen sie,  so  folgt  die  hexe  in  meilenstiefeln  nach  (KJVI. 
no.  51.  56.  113.)     sie  hat  völlig  die  art  einer  riesin.      Dafs 

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612  GEIST  AUS  SCHLAFENDEN 

auch  die  Römer  an  hexen  glaubten,  welche  einzelne  theik 
eines  fortlebenden  menschen  verzehrten,  lehren  folgende 
stellen«  Petronius  (cap.  134)  ^quae  striges  comederunt 
nervoe  tuos?'  und  Plautus  im  pseudolus  IlT.  2^  31  'sed 
strlgibus  vivis  convivis  intestina  quae  exedint! 

Gleich  alt  ist  die  nieinung,  dafs  der  geist  aus  der 
entschlafenen  zauberin  als  Schmetterling  gestaltet^ 
fahre,  die  seele  wurde  überhaupt  einem  Schmetterling  ver- 
glichen (s.  479),  pe/ha  heifst  den  Slovenen  irlicht,  Schmet- 
terling und  hexe«  der  alp  erscheint  als  schmetteriini;, 
phaläne  [nachttoggeli  y  Stald.  1,  287),  als  teuflisches  ibier 
(s.  577),  holden  und  elbe  der  hexen  sind  schmetteriinge. 
Unsere  einheimische  sage  erwähnt  aber  noch  anderer  thiere^ 
die  aus  dem  munde  schlafender  hervorgehen,  könig  Gunt- 
hram  war  im  wald  ermüdet  auf  dem  schofs  eines  treuen 
dieners  entschlafen:  da  sieht  der  diener  aus  seines  herreo 
munde  ein  t  hier  lein,  gleich  einer  schlänge  laufen  und  auf 
einen  bach  zugehen,  den  es  nicht  überschreiten  kann, 
jener  legt  sein  schwert  über  das  wasser,  das  thier  lauft 
darüber  hin,  und  jenseits  in  einen  berg*  nach  einiger  zeit 
kehrt  es  auf  dem  selben  wege  in  den  schlafenden  zurück, 
der  bald  erwacht  und  erzählt,  wie  er  im  träum  über  ein« 
eiserne  brücke  in  einen  mit  gold  erfüllten  berg  gegangen 
sei  (Paulus  Diac.  3,  34.)  Ähuliches  melden  spätere  voa 
einem  schlafenden  landsknecht,  aus  dem  ein  wiesei  ge* 
laufen  kam  ( deutsche  sag*  no.  455.)  in  noch  jüngeren  ge- 
schieh ten  wird  es  aber  auf  schlafende  hexen  angewandtt 
aus  deren  mund  eine  hatze  oder  eine  rothe  maus  lauA; 
während  der  übrige  leib  in  Schlummer  erstarrt  liegt  (das. 
no.  247  —  249,)*)  hängt  damit  jenes  mause  machen  der 
hexen  (s.  618)  zusammen?  es  wird  gerader  wie  bei  den 
Serben  gemeldet ,  wenn  man  den  leib  der  entschlafnen  um- 
drehe, dafs  sich  dann  das  rückkehrende  thier  nicht  zurecht 
finden  könne  und  der  tod  erfolge  (abergl.  650.)  Den  zu- 
stand jener  inneren  ccstase,  wenn  der  leib  in  starrera 
schlaf  liegt,  bezeichnet  unsere  alte  spräche  durch  irprottan 
(raptus)  d.h.  entzückt.**) 

Auch  die  ausfahrformel  *ni  o  trn  nl  o  grm,  veltk 
na  pometno  guvno!'  stimmt  zu  deutschen,  gewöhnlich  heilft 
es :  '  auf  und  davon ,  hui  oben  hinaus  und  nirgend 
anP   andere  formet  abergl.  649*    wenn  aber  die  hexe  leute 

*)  der  auslaafendeii  maus  einen  degen  über  den  flufs  legen.  Ett- 
Ders  hebamme  p.  194.  Unter  Fiscliarts  spielen  no.  216:  'es  lauft  «■ 
weifse  maus  die  mauer  hinauf.' 

**)  hinbrüien  (ecstssifl)  der  zauberinoen.    Bttners  hebamme  p.  S9^ 


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8T0CKRITT  613 

verfolgt:  vor  mir  tag,  hinter  mir  nacht !^  Ein  nordischer 
Zauberer  nahm  ein  geü'sfell^  wand  es  um  seiu  haupt  und  sprach : 
^verdhi  thoka  ol  verdhi  str(pi,  ok  undr  mikil  öllum  thcim 
8cm  eptir  ther  soekja!'  (es  werde  nebel  und  werde  zauber 
und  allen  wimder,  die  hinter  dir  suchen!)  Nialss.  cap.  12. 
Wo  findet  sich  zuerst  des  stecken  und  besenritts  er- 
wähnt?, ich  kann  wirklich  nur  ein  ziemlich  altes  zeugnis 
für  das  reiten  auf  röhr  und  binsen,  die  sich  aber  in 
ein  leibliches  pferd  wandeln ,  beibringen.  Guüielm.  alveruus 
p.  1064:  'si  vero  quaerilur  de  equo^  quem  ad  vectiga" 
tiones  auas  Jacere  se  credunt  malefici ,  credunt>  inquam, 
facere  de  canno  per  characteres  nefandos  et  scripturas^ 
quas  in  ea  inscribunt  et  impingunt,  dico  in  hoc,  quia  non 
est  possibile  malignis  spiritibus  de  canna  verum  equum 
facere  j  vel  formare»  neqpe  cannam  ipsam  ad  hanc  ludifi- 
cationem  eligunt,  quia  ipsa  aptior  sit,  ut  transfiguretur 
in  equum  ^  vel  ex  illa  generetur  equus,  quam  niultae  aliae. 
materiae.  forsitan  autem  propter  planiliem  stiperficiei  et 
facilitatem  habendi  eam  alicui  yideatur  ad  hoc  praeelecta 
« •  • .  sie  forsan  hac  de  causa  ludificationem  istam  eflBcere 
in  canna  sola  et  non  alio  ligno  permittuntur  maligni  Spiritus, 
ut  facilitas  et  vaiütas  eorum  per  cannam  hominibus  insinuetur 

si  quis  autem  dicat^  quia  canna  et  calamus  habita« 

tiones  interdum  malignorum  spirituum  sunt*)....  ego  non 
improbo.'  Deutlicher  ist  die  irische  sage  von  den  binsen 
und  halmen,  aus  denen,  sobald  man -sie  beschreitet,  rosse 
werden.**)  Bei  Hartlieb  (anh.  s.LIX)  sind  die  unholden 
auf  rechen  und  oiengabeln ,  in  dem  oben  s.  589.  590  mit- 

fetheUten  älteren  gedieht  auf  besen,  dehsen^  ofenstäben  und 
albern^  im  ackermann  aus  Böhmen  p.  8  auf  hriichen  und 
bocken  reitend  vorgestellt,  im  tkadlezek  p.27  aber  auf  spinn» 
roden  (kuzly.)  des  böhm.  rufs  'star^  baby  na  pometloP 
(alte  weiber  auf  dem  ofenbcsen)  gedenkt  Dobrowsky  im 
ßlavin  p.  407.  Wichtiger  ist,  was  in  der  sage  von  Thor- 
steinn  bocarmagn,  die  Müller  (3,  251)  in  das  15  jh.  setzt, 
vorkommt:  Thorsleinn  lag  im  ried  verborgen  und  hörte 
einen  knaben  in  den  hügel  rufen  ^  ^mutter,  reiche  mir 
trum/nstab  und  bandhandschuhe  y  ich  will  auf  den  zau« 
berritt  (gandreidh,  8.593),  es  ist  hochzeit  unten  in  der 
weh!'   da.  wurde  aus  dem  hügel  alsbald  der  krökstafr  ge- 

*)  'mennige  narrinnen  u.  ock  mennigen  dor  bindet  de  dnuel  up 
ein  ror,'     Narragop'.a  14^  (bei  ßr&nt  nichts  dergleichen.)     sind  tenf- 
li«cbe  pferde  gemeint?  und  wird  Walthers  'Az  im  (dem  swarzen  buocb) 
les  et  .shtiu  rdr^  33,6  dadurch  erldärbarf 
**)  irbche  elfeiun.  101.  215. 


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614  GLOCKENHASS 

leiclit,  der  knabe  bestieg  ihn,  zog  die  handschuhe  an,  und 
ritt  Mrie  kinder  pflegen.  Tliorsteinn  nahte  sich  dem  hü^ 
und  rief  dieselben  worte :  sogleich  kam  Stab  und  handschuh 
heraus ,  Thorsteinn  stieg  auf  den  Stab  und  ritt  dem  kna- 
ben  nach.  Sie  gelangten  an  einen  flufs,  stürzten  sich  hin- 
ein und  fuhren  zu  einer  felsenburg,  wo  viele  leute  an  der 
tafel  safsen  und  alle  wein  tranken  aus  silberbechern,  kd- 
nig  und  königin  waren  auf  einem  goldnen  thron.  Thor- 
steinn, den  sein  stock  unsichtbar  gemacht  hatte,  erkühnte 
sich  einen  kostbaren  ring  und  ein  tuch  zu  ergreifen,  ver- 
lor aber  darüber  den  stock,  wurde  von  allen  erblickt  und 
verfolgt.  glücklicherweise  kam  jedoch  sein  unsichtbarer 
reisegefährte  auf  dem  andern  stock,  den  nun  Thorsteinn 
mit  bestieg,  und  so  entrannen  beide  (forum,  sog.  3,  176— 
178.)  Hat  auch  diese  dichtung  kein  echtnordisches  ge- 
präge,  so  lehrt  sie  nichts  destoweniger ,  welche  ansieht 
man  im  14  oder  15  jh  mit  solchen  zauberritten  verband; 
kein  teufel  tritt  dabei  auf.  Aber  stab  und  stoci  schei- 
nen erst  spätere  behelfe  des  hexenthums.  weder  die  nacfat- 
frauen,  noch  das  wütende  beer,  noch  die  valkyrien  (s,  240) 
bedürfen  eines  geraths  um  die  lüfte  zu  durchziehen,  aber 
den  nachtfrauen  wurden  schon  halber  und  böche  beigelegt 
(s.  595.)  Sehr  merkwürdig  ist  die  im  anhang  gedruckte 
formel,  einen  zaunstechen  zu  u^eclenf  der  zum  bock 
werden  und  die  geliebte  herholen  soll;  ursprünglich  mag 
man  sich  keine  andern  stecken  gedacht  haben,  ab  die 
sich  beim  beschreiten  sogleich  in  thiere  wandelten. 

Auch  der  hexen  Widerwille  gegen  die  glochen  ist 
heidnisch,  elbisch  und  riesisch  (s.  259.  574.)  gebet  der 
frommen  und  glochenläuten  hindert  ihre  anschlage,  sie 
nennen  die  flocken  'bellende  hunde.'  Nach  einer  schwed. 
volkssage  (Odmans  Bahusläns  beskrifn.  p^228)  rief  eine 
alte  heidin,  als  sie  die  christliche  glocke  von  Tegneby  her- 
über lauten  hörte,  yerächtliich  aus:  *nu  mä  tro,  Rulla  p* 
Rallehed  har  fadt  bjälra  (Rulla,  die  christliche  kirche,  bat 
eine  schelle  bekommen.)  hier  ist  noch  kein  gedanke  an 
hexerei.  aber  es  wird  auch  von  den  schwedischen  hexen 
erzählt,  dafs  sie  die  glochen  oben  im  dachstul  losscha- 
ben:  wenn  sie  auf  ihrer  luftfart  einen  thurm  erreichen, 
setzen  sie  die  entführten  kinder  (s.  609.)  aufs  kirchcndach* 
die  dann  wie  kleine  dohlen  aussehen,  schaben  unterdessen 
die  glocke  los  uod  schleppen  sie  fort;  hernach  lassen  sie 
das  erz  durch  die  wölke  von  der  höhe  niederfallen  und 
rufen:  nie  soll  meine  seele  gott  naher  kommen,  als  dieses 
erz  wieder  zur  glocke  werden!*  . 


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HAGELMAOHBN  61ä 

In  das  höchste  alterthum  hinauf  gelit  das  zauberliafte 
Juigelmachen  und  saatperderben.  Wie  von  güligen  güt- 
tern  gedeihen  der  fruchte  ausgeht,  wie  von  den  mahnen 
ihrer  rosse  luftreitende  valkyrien  heilsamen  thau  auf  das 
gcülde  niedertriefen  lassen  (8,236);  so  traclileu  bösartige, 
zauberübende  wesen  danach,  alles  was  grün  ist  zu  ver- 
nichten. Die  griech.  eumeniden  (ein  wort  das  schon  un- 
sere- alten  glossen  durch  hazasa  verdeutschen)  verderben 
mit  ihrem  geijer  die  saat  und  mit  schlössen  die  fr  acht 
(Aesch.  Eum.  753.  768.  777.  795.)  In  den  röm.  XII  ta- 
felu  war  eine  strafe  verhängt  wider  den  'qui  fruges  eX' 
cantassit ',  sive  *  alienam  segetem  pellexerit.'  *)  Im  8  und 
9  jli.  legte  man  das  wettermachen  mehr  Zauberern  als  Zau- 
berinnen zur  last;  die  schon  s.  365.  366  angegebnen  stellen 
nennen  nur  tempestarii,  keine  tempestariae.  Auch  bei 
Ratherius  p.  626  heifst  es:  ^contra  eos,  qui  dicunt  quod 
lionio  malus  vel  diabolus**)  tempestatem  faciat,  lapides 
grandi/ium  spargat^  agros  devastet,  Julgura  mittat  etc. 
Burchard  nennt  jene  Zauberer  immissores  te/npestatum 
(anli.  8.XXX1V.  XXXVI.)  gleich  der  lex  Visig.  VI.  2,3: 
malefici  et  immissores  tempestatumy  qui  quibusdam  in- 
canlationibus  grandinem,  in  vineas  messesque  mittere 
perliibentur.  Wie  verfahren  wurde  ist  nirgend  angeführt. 
aus  weit  späteren  Zeugnissen  sehe  ich,  dafs  die  zauberer 
sich  einer  wanne  oder  eines  iruges  hedienien,  Ls.  2,  314 
sagt  nieister  Irreganc:    . 

und  ka^m  ein  a^ann  in  min  hant, 

der  hagel  sliieg  über  allez  lant. 
Im  Apollonius  von  Tyrlaud  (9183.  10970."!  1010  ff.)  wer- 
den krdge  genannt,  g^fs  man  sie  ansy  so  erfolgte 
scliauer  und  hagel:  der  eine  krug  schuf  blicke  und  don- 
nerstralen ,  der  andere  hagel  und  schauer,  der  dritte  regen 
und  sauere  winde.  Ein  holzschnitt  in  Keisersbergs  ouieifs, 
(cd.  1516.  36^)  stellt  drei  auf  schemel,  Spinnrocken  und 
pferdeköpfen  sitzende  nackende  unholden  dar,  .topfe  in 
die  höhe  haltend^  aus  welchen  schauer  und  stürm  em- 
porsteigt. Justingers  Bernerchronik  p.  205.  erzählt,  wie 
eine  heimlich  besendete  frau  einem  grafen  von  Kyburg,  der 
ihr  verhiefs,  sie  nicht  zu  melden,  an  der  ziune  seiner 
bürg  slehepd,  und  heimliche  worte  sprechend,  wölken,  re- 
gen und  wetler  machte,  die  seine  feinde  verjagten  (a.  1382.) 

*)  rndis  adhoc  antiquitas  credebat  et  attralii  Imbres  cautibus  et 
repelli.     Seoeca  nat.  quaeiit  4,  7. 

*')  der  teuf  dl  macht  stürm  und  donoerwetter  (s.  660)f  der  riese 
dci^gleicbeii  (s.  364.) 


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616  HAGELMACHEN 

Die  norwegischen  zauberweiber  yeriWhren  noch  gerade  so, 
wie  von  den  Vinländern  (8.367)  gemeldet  wurde  5  sie 
schliefsen  wind  und  Unwetter  in  einen  saci^  dessen  knoten 
sie  ZU  gelegner  zeit  lösen ,  wobei  sie  ausrufen:  *wind,  ins 
teufeis  namen!'  dann  fährt  der  stürm  heraus,  Terheert  das 
land  und  stürzt  schiffe  im  meer  um.  Wie  Harüieb  (s.  LIX) 
darstellt,  opfern  die  alten  weiber  den  teufein,  dafs  de  ha- 
gel  und  schauer  machen«  Nach  deutschen  acten  des  16. 
17.  )h.  versammeln  die  hexen  sich  haufenweise  an  was- 
serbächen  oder  seen  und  scJUngen  mit  gerten  solange 
hinein,  bis  nebel  hervorsteigen,  die  sick  allmälich  in 
8cJm>arze  ivolhen  verdichten;  auf  diesen  wölken  fahreo 
sie  dann  in  die  höhe  und  lenken  sie  an  die  stellen,  wo 
sie  schaden  wollen*  auch  setzen  sie  zauhertöpfe  ins 
Wasser  und  rühren  um.*)  einigemal  wird  vom  ufindsaci 
geredet  (Voigt  131.)  sie  sollen  blaue  lichter  in  das  ufos- 
ser  tröpfeln  und  kieselsteine  in  die  luft  werfen,  oder 
fässer  rollen,  deren  zersprengung  den  stürm  erzeugt,  sie 
lesen  eichenlaub  in  ein  mannshemd,  und  hängen  es,  an- 
gefüllt mit  den  blättern,  an  einen  bäum:  sofort  erhebt 
sich  wiud,  der  allen  regen  vertreibt,  und  schönes  weiter 
erhält.  Aus  kleinem  Wölkchen  machte  eine  hexe  grofses 
Unwetter  (Arx  Buchsgau  p.  103.)  '  In  einigen  gegendea 
Frankreichs  ruht  auf  ganzen  geschlechtern  der  Terdacbt, 
dafs  sie  stürm  erregen  können:  sie  finden  sich,  wenigstem 
zu  dreien  am  see  ein  und  schlagen,  unter  fürchterlichem 
geschrei,  das  wasser  in  die  höhe,  es  geschieht  nachts  vor 
Sonnenaufgang^  und  ein  heftiger  stürm  ist  die  unmittel- 
bare folge  (m^m.  de  Tac.  celt.  2,206.  207.)  dergleichen 
leute  heifsen  meneurs  des  nuees  (m^m.  des  antiq.  1, 244.) 
In  Deutschland  waren  gewöhnliche  Schimpfwörter  gegen 
hexen:  wettermacherin j  wetterhexe j  strahlhexe ^  blitz- 
hexe^  zessenmaclierin j  (vom  alten  zessa,  stürm);  früher 
auch  ivolhengüzze  MS.  2,  140^.  der  ahd.  frauennanie 
ivolcliandrut  (trad.  fuld.  2,  101)  läfst  sich  aus  einem  rei- 
nem Verhältnis  deuten,  die  valkyrie  (s.  238)  reitet  entw. 
in  den  wölken  oder  sprengt  fruchtbaren  thau  aus  ihnen; 
und  wer  weifs,  ob  nicht  der  volksmäfsige  ausdruck:  in 
alten  weiber  schütteln  ihren  rock  aus  (de  aule  vriter 
schüddet  den  pels  ut,  Strodtmann  p.  336)  für:-  es  schneit; 
eigentlich  identisch  zu  nehmen  ist  mit  dem  s.  165  angefahr- 
ten:  frau  Holle  macht  ihr  bett?    göttin,  valkyrie,  he«, 

*)  vj^l.  oben  s.  338  über  sturmerregung  durch  stetaworf  oed  «it- 

seraut^ierseD. 

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FELDZAUBER  617 

noch  dem  stufengang  solcher  mytlien.*)  Ancli  im  Norden 
geben  liagel  und  Unwetter  aus  von  den  halbgötünnen  Thor» 
geidlir  und  Irpa  (8.364),  nicht  saat verderblich,  sondern 
heergefährlich.  **) 

Zuweilen  geht  aber  die  absieht  des  zaubers  weniger 
darauf,  die  frucht  zu  verwüsten,  als  vielmehr  sich  ihrer 
2U  bemächtigen,  sie  aus  dem  felde  zu  entführen,  sei  es 
zur  eignen  vorrathskammer,  oder  zu  der  des  güustlings.***) 
das  nannten  schon  die  Römer:  satas  alio  traducere  messes 
(Virg.  ecl.  8,99);  cantus  vicinis  fruges  traducit  ab  agris 
(TibuU.  I.  8,19.)  Man  wähnte,  wenn  unholden  durch  re- 
ben  giengen  und  die  stocke  schüttelten^  kämen  die  trau« 
ben  aus  des  nachbars  stück  in  das  ihre  (Hartmann  vom 
segenspr.  341.)  ein  alter  thalbauer  gab  seiner ^enkelin  ei« 
nen  stock,  den  sie  an  einem  gewissen  ort  auf  dem  feld 
in  das  körn  stecken  sollte,  unterwegs  wurde  das  mäd- 
chen  vom  regen  übereilt,  flüchtete  unter  eine  eiche  und 
llcfs  da  den  stab  stecken:  als  sie  wieder  heim  kam,  fand 
sich  ein  dichter  häufen  eichenlaub  auf  des  grofsvaters  bo« 
den  (das.  p.  342.)  Auch  kommt  vor,  dafs  reben  im  topj 
gesotten  werden,  wahrscheinlich  zum  verderb  des  Wein- 
bergs, die  hexengiftkräuter  sieden  und  verdunsten  unter 
dem  himmel« 

£s  wird  erzählt,  dafs  sich  hexen  nackend  im  sande, 
oder  im  körn  baden ;  ich  weifs  nicht  warum.  Drei  hexen 
sali  man  zum  roggenfeld  gehn,  sich  ihrer  kleider  entledi- 
gen und  splitternackend  mit  hängenden  haaren  im  körn 
baden,  als  zeugen  nahten,  verschwanden  zwei  plötzlich 
niit  zurücklassung  ihrer  kleider,  die  dritte  stürzte  ihr  liemd 
über  (Voigt  130  — 132.)  Ist  hier  Zusammenhang  mit  den 
kornweibern  und  roggenmuhmen  (  s.  270  )  ? 

Hexen  und  hexen meister  bedienen  sich  verschiedner 
geräthe,  von  denen  aber  gewöhnlich  keine  genaue  besohrei- 
biiDg  gegeben  wird,  in  bairischen  acten  ist  oft  des  soge- 
nannten mause  oder  fackel  (ferkel)  machens  erwähnt: 
die  hexe  hat  ein  dunkelgelbes,  hartes,   unbiegsames,   vier- 


*)  eloe  hexe  heifst  Knc\i  feldspinnerin  (abergl.  824),  ohne  dafs 
es  in  den  sagen  erläutert  würde:  vielleicht  die  alte  schioksalspionende 
wei^e  frau? 

'*)  wie  der  Wirbelwind  dem  teufel  beigelegt  wird  (8.566),  so  den 
hexen  (abergl.  554.  648.)  Kitian  693  bemerkt,  daffi  er  auch  garende 
wif  (fahrendes  weib)  heifse,  d.  i.  luftfahrende  Zauberin;  vgl.  winds^ 
braut  (8.361)  und  ^wie  eine  Windsbraut  durchs  land  fahren.'  Sim- 
pUc.  2,  62. 

***)  vgl.  den  zutragenden  komdrachen  (s.  572)  und  haosgeist. 


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618  ZAUBBRGGRÄTH 

beiniges  Werkzeug,  sie  bildet  aus  einem  tuch  die  gestah 
einer  maus  oder  eines  ferkeis,  hält  jenes  gerHth  danmter, 
und  spricht: 

lauf  hin  und  komm  wieder  zu  mir! 
dann  lauft  das  thier  lebendig  davon;  wahrscheinlich,  um 
ihr  etwas  von  andern  leuten  herzuholen,  zuzutragen,  eine 
hexe  heifst  deswegen  mausschlägerin^  ein  zauberer  mausr 
Schlägel,  norddeutsche  processe  haben  den  ausdruck  mäa» 
seniacher  (miisemaker)  und  einen  andern  hergangt  die 
hexe  siedet  zauberkräuter  und  ruft  dann  'maus  maus,  her^ 
aus  ins  teufeis  nanien!'  worauf  die  thiere  «us  dem  pott 
springen.  *)  Die  schwed.  Überlieferung  nennt  da»  bjäraan 
oder  bare,  welches  nach  Ihre  (dial.  lex.  18*)  ein  meltge" 
fäfs  (mulclrale)  war  und  aus  neunerlei  gestolnen  webkno- 
ten  zusammengeknüpft  wurde,  man  liefs  drei  blutstropfen 
aus  dem  kleinen  finger  hineinfliefsen  und  iprach: 

pä  )orden  skal  tu  för  mig  springa, 

i  Bläku]la  skal  jag  för  thig  brinna! 
der  name  rührt  daher,  weil  das  geföfs  den  Verehrern  des 
teufeis  milch  oder  andre  dinge  ins  haus  zutrug  (bar,  von 
bära.)  Hülphers  (fierde  Sämlingen  om  Angermanland.  Ves* 
teräs  1780  p.  310)  schildert  es  als  einen  runden  ball,  der 
aus  lumpen,  werk,  und  Wacholder  u.  s.  w.  gemacht  und 
zu  mehrern  Zauberkünsten  gebraucht  wurde:  er  lief  an» 
und  trug  zu.  in  bewegung  geräth  er,  sobald  der  aussen- 
dende sich  in  den  linken  kleinen  finger  schneidet,  und  dis 
blut  darauf  tropft: 

smör  och  ost  skal  du  mig  bringa, 

och  derför  (skal  jag)  i  helfvetet  brinna! 
Wer    erinnert    sich   nicht   des    wasserholenden  besens  in 
Göthes  Zauberlehrling? 

Verbreiteter  ist  die  Zauberei  mit  dem  sieb,  deren  ich 
hernach  gedenken  werde,  und  mit  waclisbildern ,  denen 
man,  unter  aussprechung  geheimer  worte,  etwas  anthat, 
um  auf  abwesende  menschen  einzuwirken,  entweder  wird 
das  Wachsbild  (der  atzmann)  in  die  luft  gehängt,  oder 
ins  Wasser  getaucht,  oder  am  feuer  gebäht,  oder  mit  na- 
deln durchstochen  imter  die  thürschwelle  vergraben;  der, 
auf  welchen  es  abgesehen  ist,  empfindet  alle  quälen  des 
bihles  (anh.  s.  LH.  LXII.  LXlIl.)**)  ein  fahrender  schaler 
sagt  (Aw.2,  55): 


*)  Lafferts  relat.  crim.  p.  57.  59. 

**)  v(^I.  Fischarts   üben,  der  daemonomania ,    Straftb.  1591.  W- 
Ua.  144. 


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WACHSBILDBR  619 

mit  wunderUchen  Sachen 

l^r  ich  sie  denne  machen 

von  wahs  einen  tobolt^^ 

wil  sie  daz  er  ir  werde  holt, 

und  töufez''')  in  den  brunen, 

und  leg  in  an  die  sunnen. 
gegeumiüei  bewirken    aber  dafs   die    gefahr   zurückschlagt 
und  den  zauberer  selbst  trift.**)     Dafs  man  solche  wachs- 

*)  tauche  es  (das  wachs)  ia  den  braunen;  will  man  taufe  ver- 
stelm,  so  wäre  zu  lesen:  in  dem  brunnen.  zu  der  änderung  des  tex- 
les  (aiili.  s.  LVI)  war  keine  notli. 

**)  srliimpf  und  ernst  cap. 272  wird  folgende  gescliichte  erzählt: 
gen  Rom  war  einer  gangen ,  S.  Peter  und  S-  Paul  zu  suchen ,  und  da 
er  hinweg  kam,  da  ward  sein  frau  eim  andern  hold  >  der  was ,  als  man 
ne  nennt,  ein  farender  schaler,  der  begert  ir  zu  der  ehe.  die  fraa 
sagt,  ^raein  mann  ist  gen  Rom  gezogen,  war  er  todt  oder  könntestu 
ihn  umbringen,  so  wolt  ich  dich  haben  für  alle  männer/  er  spracli, 
*ja,  ich  kann  ihn  wol  umbringen*,  und  kauft  wol  sechs  pfund  wachs, 
und  machet  ein  bild  daraus.  Da  der  fromme  mann  gen  Rom  in  die 
Stadt  kam,  da  kam  einer  zu  ihm  und  sprach:  'o  du  söhn  des  todes, 
was  gehst  du  hin  und  her?  hilft  man  dir  nicht,  so  bist  du  heute  le- 
bendig nod  todt.'  der  mann  sprach  ^wie  müste  das  zugehn?'  er  sprach 
'komm  iu  mein  haus,  ich  will  dirs  zeigen.*  Da  er  ihn  heim  bracht, 
da  richtet  er  ihm  ein  wasserbad  zu,  darein  setzt  er  ihn  und  gab  ihm 
ein  Spiegel  und  sprach,  'schau  darein!*  und  safs  neben  ihm,  und  las 
in  einem  buch  und  sprach  zu  ihm;  *sihe  in  den  spiegel,  was  sihesta 
darin?'  Der  mann  in  dem  bad  sagt,  <ich  sihe  wie  in  mein  haus  einer 
eia  wachsen  bild  an  die  wand  stellet  t  und  geht  hin  und  nimmt  das 
armbrust,  und  spannt  es,  und  will  in  das  bild  schief sen.^  da  sprach 
dieser»  <so  lieb  dir  dein  leben  ist,  so  tuck  dich  unter  das  wasser, 
wenn  er  will  schiefsen.'  der  mann  thät  es.  Dieser  las  aber  in  dem 
buch  und  sprach:  *sihe,  was  sihestu?'  der  mann  spmch:  Mch  silie^ 
dafs  er  gefehlt  hat  und  ist  fast  traurig  und  mein  frau  mit  ihm.  der 
&rend  schüler  rüst  zu  und  will  zu  dem  andern  mal  schiefsen  und 
geht  den  halben  theil  hinzu.'  'tuck  dich,  wenn  er  schiefsen  will.' 
er  tuckt  sich.  Dieser  sprach:  Mug,  was  sihestu?*  der  mann  sprach, 
*ich  sihe,  dafs  er  gefehlet  hat  und  ist  sehr  traurig,  und  spricht  zu 
der  frauen,  fehle  ich  nun  zum  dritten  mal,  so  bin  ich  des  todes;  und 
rastet  KU  und  siht  nah  zu  dem  bild,  dafs  er  nicht  fehlen  mö^r.'  Da 
sprach  der  so  in  dem  buch  las:  *tuck  dich!'  der  mann  tucket  sich 
vonn  schufs.  Dieser  sprach  'sihe  auf,  was  sihestu?'  er  sprach:  'ich 
silie,  dafs  er  gefehlet  hat,  und  ist  der  pfeil  in  ihn  gangen  und  ist  todt, 
und  mein  frau  vergrebt  ihn  unten  in  das  haus.'  Da  sprach  er:  jetz 
steh  auf,  und  geh  hin!'  der  mann  wolt  ihm  viel  schenken,  da  wolt 
er  nichts  nehmen  und  sprach  s  '  bitt  gott  für  mich.'  Da  der  bürget 
wiederumb  heim  kam,  da  wolt  ihn  die  frau  freundlich  empfahen,  aber 
er  wolt  ihr  kein  ^nad  haben ,  lüde  und  beruft  ihre  freund  und  sprach  zu 
ihnen,  was  sie  ihm  für  ein  frau  hätten  geben  und  sagt  es  ihnen  alles  wie 
sie  gehandelt  hätte,  die  frau  leugnet  es  stets,  da  führet  der  mann  die 
freunde  dahin,  da  sie  ihn, hin  gegraben  hätt  und  grub  ihn  wieder  her- 
aus.   Da  fing  man  die  frau  und  verbrennt  sie,  das  war  Ihr  rechter  lohn. 


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eSQ  WACHSBIU)       WBRWOLF 

bUder  zuweilen  taurte,  zeigt  eloe  predigt  Bertholds  (coi 
paL35  fol.  27^):  *80  ninipt  diu  her,  und  tauf t  ein  wachte 
diu  ein  liolz,  diu  ein  tötenpein,  alles,  das  sie  domit  bezou- 
ber^  und  hieraus  geht  ein  Zusammenhang  des  zaubermittek 
*mit  abergläubischen  heilmitteln  hervor.  Wie  genesene  und 
sieclie  ein  wachsbild  oder  wachsglied  in  kirehen  weihen  und 
aufiiäDgen  liefsen,  so  verletzte  und  tödtete  die  hexe  durck 
biider.  *)  Ohne  zweifei  reicht  diese  zaubere!  in  das  höchste 
aiterthiun;  schon  Ovid  gedenkt  ihrer  (amon  UI.  7,  29)  t 
sagave  punicea  deGxlt  nomina  cera, 
et  medium  tenues  in  jecur  egit  acus? 
vgl.  Horat.  (epod.  17,  76):  movere  cereas  imagines^  bei 
Theocrit  5,  ?8  ist  das  wachsschmelzen  deutlich:  mg  xov- 
%ov  Tov  xagov  iyat  ovv  Sai/tovi  ^ax(0^  ws  vauoid^  vn 
iQCDTog^  aber  nicht,  dafs  es  ein  bild  war;  bei  Virg,  ed.  8, 
74  IT.  scheint  ein  zauberbild  (terque  haec  altaria  circum 
ejfigiem  duco)  aus  leim  und  wachs  gemacht;  limus  ut 
hie  durescit  et  haec  ut  cei:a  liquescit  uno  eodemque  igne, 
sie  nostro  Daplinis  amore.     die  reimende  formel  erkennbar. 

Ganz  ähnlich  diesem  aufhängen  und  bähen  des  atz- 
manns  war  der  alte  gebrauch,  die  erde  oder  den  rasen 
auszuschneiden,  auf  welchen  der  fufs  eines  menschen  ge- 
standen hat  9  den  man  verderben  will,  dieser  erdechnitt^ 
wie  ihn  Vintler  nennt  (s.Llll)',  wird  in  den  Schornstein 
gehängt,  und  wenn  er  zu  welken  oder  zu  dürren  beginnt, 
muFs  auch  jener  mensoh  abzehren  (abergh  524.  556.)  schon 
Burchard  führt  es  an  (anh.  XXXIX.)  man  kann  ein  pferd 
lähmen  durch  das  einschlagen  eines  nageis  in  seinen  fri- 
schen fufstrity  einen  dieb  verrathen^  wenn  man  zunder 
hineinlegt  (abergl.  978.) 

Auch  das  vermögen ,  thiergestalt  anzunehmen ,  haben 
unsere  zauberer  mit  denen  der  Griechen  und  Römer  ge- 
mein:   mäuner  werden  zu  Wolfen,  frauen  zu  katzen. 

Herodot  4, 105  meldet  von  den  Neuren,  unter  Scjihen 
und  in  Scythien  wohnhaften  Hellenen  gelten  sie  für  zau- 
berer (yoiTTfff),  weil  sich  jeder  von  ihnen  alljährlich  auf 
einige  tage  in  einen  wolj  wandele ^  dann  aber  wieder 
menschliche  gestalt  annehme  {wq  itioq  ixaarov  «yraj  tif 
NevQviv  ifxuaTOß  Xvxoe  ytrerat^  VI/Jq^S  oXtyag^^  ««J 
uvTis  onioia  iß  %wvt6  KaTtoTazat,)  Ähnliches  berichten 
Plinius  8,  34,  Pomp.Mela  2, 1  und  Augustin  (de  civ.dei  18, 

*)  etwas  anderes  ist,  dafs  in  dan.  liedern  (DV.  1,274.  279)  zwei 
kinder  aas  wachs  gebildet  werden,  nicht  am  zu  zaubern,  soodera  oa 
der  Zauberin,  welche  die  gebart  hinderte,  glauben  sa  nacbeBi  di£i 
sie  von  statten  gegangen  sei 


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WBRWOLP  «1 

17.)  'hU  ego  saepe  lupum  fieri  et  se  condere  silvisMoerin .  .♦ 
vidL'  Virg.  ecl.  8, 97.  Ein  mensch,  den  diese  gäbe  oder  sucht 
auszeichnete,  hiefs  Xxmavd^Qwnoe'*)^  welcher  Wortbildung 
das  ags.  verepulf  (leges  Caiuiti,  Schnüd  1, 148)  genau  ent- 
spricht, goth.  valravulfs?  ahd.  werawolf?  ich  finde  ^er- 
ipolf  zuerst  bei  Burchard  (anh.  s.XXXVUI.)  aus  Ma- 
nilf,  garulf  kann  das  franz.  loupgarou  umgestellt  schei- 
nen, doch  hat  auch  der  bretagn.  dialect  bleizgaroUy  bleiz" 
garo  (von  bleiz,  wolf)  und  denvleiz  (mannwolf,  von  den, 
mann)  grekuleiz  (femmeloup);  bisclaveret  bei  Marie  de 
France  1,  178  mag  aus  bleizgarv  entstellt  sein,  wie  das 
normandiscbe  garwal  aus  guarwolf.  poln.  finde  ich  wiU 
holjeh^  böhm.  wlkodlak,  das  eigentlich  wolfhaarig  bedeutet 
und  an  den  haarigen  waldgeist  (s.  271)  erinnert. 

Nach  den  ältesten  einheimischen  begriffen  hängt  die 
annähme  der  wolfsgestalt  ab  von  dem  überwerfen  eines 
wol/gürtels  oder  ivolfhemds  (ülfahamr),  wie  die  Ver- 
wandlung in  Schwan  vom  anziehen  des  schwanhemds  oder 
Schwanrings  (s.  241.)'^'^)  Es  braucht  also  gar  nicht  in  der 
absieht  des  zauberns  zu  geschehen,  jeder  das  wolfhemd  an- 
legende erfahrt  die  Umwandlung,  und  bleibt  neuntagelang 
wolf,  erst  am  zehnten  tag  darf  er  in  menschliche  gestalt 
zurückkehren.''''^''')  mit  dem  aussehen  nimmt  er  zugleich 
die  Wildheit  und  das  heulen  des  wolfs  an:  wälder  durch- 
streifend zerfleischt  er  alles  was  ihm  vorkommt,  f)     Auf 

*)  QDter  äsopischen  fabeln  ein  arti/^  schwank.  (Cor.  425.  Für. 
423):  seinem  wirte  macht  ein  dieb  weis,  sobald  er  drei  mal  gähne, 
werde  er  zum  werwolf  (ora»  ow  xuanij&iä  TQttq  ßoXuq,  yivonac  Xv- 
uoq  fö&ioty  uvO-^ta:iov<:.')  der  furchtsame  wirt  flieht  und  jener  bemäch- 
tigt sich  seines  gewandes.  Einer  eignen  verwandlungsweise  gedenkt 
Petron  (sat  62):  'ille  circumminxit  restimenta  sua,  et  subito  lupus 
factus  est;  vestimenta  lapidea  facta  sunt.*  vgl.  cap.  57:  'si  drcum^ 
minxero  illum,   nesciet  qua  fugiat' 

**)  der  gürtel  ist  das  wesentlichste  der  bekleidnng>  von  dem  gur- 
tel  läfst  das  alterthum  auch  sonst  zauberhafte  Wirkung  abhängen,  z.  b. 
io  Thors  gürtel  (niegingiördh ,   fem.)  lag  seine  göttliche  kraft.  Sn.  26. 

***)  man  glaubt  auch,  dafs  die  phoke  (selr)  jeden  neunten  tag  die 
fisclihaut  ablegt,  und  einen  tag  mensch  wird.    Thiele  3,  51. 

f )  ein  ehpaar  lebte  in  arQiut.  zur  Verwunderung  des  mannes 
WHSte  die  fran  dennoch  bei  jeder  mahlzeit  fleisch  aufzutm^en, 
lange  verheimlichend  wie  sie  dazu  gelangte;  endlich  aber  versprach 
sie  ihm  die  entdeckung,  nur  dürfe  er  dabei  ihren  namen  nicht  nennen. 
Nun  giengen  sie  mit  einander  aufs  feld,  wo  eine  heerde  scliafe  wei- 
dete, zu  welcher  die  frau  ihren  schritt  lenkte,  und  als  sie  ihr  nahe  ge- 
kommen waren  warf  sie  einen  ring  über  sich ,  wurde  augenbürkh'ch 
snm  weru^olf  der  in  die  heerde  fiel ,  eins  der  schafe  grif  und  damit 
entfloh.     Der  mann  stand  wie  versteinert;  als  er  aber  hirt  und  hunde 


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622  WBaWOLP 

solche  weise  mischt  sich  die  Vorstellung  waldflüchtiger  Yeiv 
bannter*)  wie  mit  der  von  Schraten  (s.  273)  auch  mit  der 
von  werwölfen.  ein  berühmtes  beispiel  ist  Sigmunds  und 
Sinfiotlis  (fornald.  sog.  1,  130.. 131) 

Nach  dem  franz.  lai  de  Melion  p.  49-  50  mufs  der 
entlleidete  **)  mensch  mit  einem  zauberring  berührt 
werden:  alsbald  verwandelt  er  sich  in  einen  wolf,  der 
das  wild  verfolgt.  Nach  Älarie  de  Fr.  1,  182  vnrd  ein 
ritter  wöchentlieh  drei  tage  zum  bisclaveret,  und  lauft  na- 
ckend im  wald  umher ;  nimmt  ihm  jemand  die  beiseits  ge- 
leglen  menschlichen  kleider  weg,  so  mufs  er  wolf  blei- 
ben.***) Ein  dän.  lied  (  DV.  1,  184)  kennt  auch  die  Ver- 
wandlung in  einen  baren  durch  umbinden  eines  eisen* 
halsbanden^ 

Gewöhnliche  annähme  unseres  Volksglaubens  ist,  dafs 
die  Verwandlung  durch  einen  um  den  leib  gebundnen 
riemen  bewirkt  werde ;  der  gürlel  sei  nur  drei  finger  breit, 
und  aus  der  haut  eines  menschen  geschnitten,  von  natür- 
lichen Wölfen  soll  ein  solcher  werwolj  an  seinem  abge- 
stumpften schweif  zu  erkennen  sein.  Lothringische  liexcn- 
acten  ergeben,  dafs  durch  ausrupfen,  segnen  und  werfen 
von  grashalmen  wider  einen  bäum  wölfe  hervorsprangen, 
die  augenblicklich  in  die  heerde  fielen;  die  stellen  bei  Re- 
migius  p.  152.  162  lassen  zweifelhait,  ob  die  graswerfcn- 
den  männer  selbst  zu  wölfen  wurden;  nach  p.  261  kann 
man  nichts  anders  dafür  hallen,  mehrere  werwolfsgeschich- 
ten  hat  Bodins  damonomanie  (nach  Fischarts  übers,  p.  120 
fF.)  Eigenthümlich  ist  der  dän.  aberglaiibe  no.  167,  wo- 
nach eine  braut,  die  sich  eines  angegebnen  zaubers  be- 
dient, um  schmerzlos  zu  gebaren,  knaben  zur  weit  bringt, 
die  werwölje,  mädchen,  die  nachtniahren  werden.  Thiele 
1,  133  bemerkt,  der  wervvolf  sei  bei  tag  menschlich  ge- 
staltet, doch  so  dafs  seine  augbrauen  über  der  nase  zu- 
samme n wachsen  •\) ,  ndichxs  aber  wandle   er  sich   zu  ge- 

dem  werwolf  nachrennen  und  die  gefalir  seines  weibes  sah,  Tergafs  er 
sein    versprechen  und   rief  'ach  Margarcit!'    da  verschwand  der  wolf 
und  die  frau  stand  nackend  auf  dem  feld.     (hesa.  volkssage.) 
*)  denen  der  wald  mutier  Ui  (srlmma  mati)  Vuk  wb.  926. 
**)  er  bittet  alier,  ihm    die  kleider  aufzuheben:  *ma   despoille  n« 
gardez',   wie  in  jener  äsopischen   fabel:    dhfial  oov  ^   *Va  yi'i«Sjyc  t« 

IßlUTlU    fiOlf, 

•••)  die  altengl.  sage  von  William  and  the  werwolf  in  Hartshoriei 
ancient  metrical  taics  habe  ich  noch  nicht  gelesen. 

f)  sonst  auch  ein  zeichen  der  hexe  oder  des  Zauberers,  welche 
andern  den  olh  zuschicken  können:  als  ein  Schmetterling  gelit  er  tf«' 
iivn  augbrauen  hervor  (deutsche  sagen  1,  132.) 


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KATZB  623 

wisser  zeit  in  einen  dreibeinigen  hund.  erst  dadurch^  dal's 
man  ihn  werwolf  schilt,  werde  er  frei.  Auch  nach  Bur- 
chards  änfserung  scheint  lykanthropie  etwas  dem  menschen 
angebornes* 

Die  Verwandlung  in  latze  läfst  sich  wieder  mit 
dem  wesen  der  hausgeister  (5.  286.  290)  in  Verbindung 
bringen ;  niemals  ist  hier  von  dem  überwerfen  eines  gür- 
teis oder  hemdes  die  rede»  Das  volk  sagt:  eine  zwan- 
zigjährige katze  werde  zur  hexe,  eine  hundertjährige  hexe 
wieder  zur  katze*  Vintler  s.LVII  gedenkt  der  angenomni« 
nen  hatzengestalt.  Wie  bei  den  nacht frauen  (s.  597) 
kommen  in  fast  allen  hexenprocessen  beispiele  vor,  und 
besonders  oft  wird  von  verwundeten  katzen  erzählt,  die 
man  hernach  an  verbundnen  weibern  wieder  erkannte,  be- 
gegnende katzen  sind  zweideutig  (abergl.  643.)  fremden 
katzen  soll  man  nichts  zu  leid  thun;  die  hexe  könnte  sich 
rächen*  ein  bauer  siechte  seit  seinem  hochzeitstage :  er 
hatte  an  ihm  eine  katze,  die  gesattelt  in  seinen  hof  ge- 
kommen war,  mit  einem  stein  geworfen,  die  gesattelte 
katze  ist  eine  art  gestiefelten  katers  (KJNI.  3,  259.) 

So  häufig  in  hexensagen  zaüberer  und  Zauberinnen 
gestalt  von  thieren  annehmen,  so  wenig  kommt  vor,  dafs 
sie  unschuldige  menschen  in  thiere  verzaubern,  nur  die 
märchen  erzählen  solche  Verzauberungen,  die  gerade  in 
der  Zauberei  der  Griechen  und  Römer  vorwalten.  waS 
Circe  vermag  ist  unsern  hexen  nicht  gestattet;  sie  können 
selbst  zu  thieren  werden,  mit  thiergestaltigen  elben  und 
tcufeln  verkehren,  aber  keine  menschen  in  thiere  wan- 
deln. Doch  erzählt  Niclas  von  Wyle  (in  der  Zueignung 
seiner  Übersetzung  des  Apulejus)  einen  fall,  den  er  aus 
dem  mtmde  des  kaiserlichen  kammerschreibers  Micliel  von 
Pfullendorf  vernommen  hatte,  ein  wirt  und  gastgeber  sei, 
durch  Zauberei"^)  einer  frau,  länger  als  ein  ganzes  jähr 
wilde  gans  gewesen  und  unt6r  solchen  gänsen  herumge- 
flogen, bis  er  sich  einmal  mit  einer  andern  gans  gezankt 
und  gebissen  und  diese  ihm  zufällig  das  tächlein ,  worin 
der  Zauber  verstrickt  war,  pom  hals  abgerissen  habe, 
wieder  also  ein  schiPanring. 

Wenn  die  abgelegte  kleidung  (menschliche  oder  thie* 
rische)  weggenommen  wird  (8.241.242.622),  so  ist  keine 
Wiederherstellung  der  verlassenen  gestalt  möglich;  daher  auch 
in  sagen    und   märchen    die  abgestreifte    thierhaut  heimlich 


')  'durch  gemecht\   vgl.  8.581  maclien,  zaabern. 

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624  ZAUBERHEMD 

pBegt  verbrannt  zu  vrerden**)  Doch  kann  die  mensclien« 
gestalt  unter  der  bedinguog  zurückkehren,  dafs  ein  im- 
schuldigeB  niadchen  sieben  jähre  lang,  stumm  und  schwei* 
gend,  ein  hemd  ferüg  spinne  und  nähe,  das  über  den 
verzauberten  geworfen  werde.  ( KM.  1,  53.  246.  3,  84.) 
Ein  solches  hemd  löst  nicht  nur  den  zauber,  es  macht  auch 
fest  und  siegreich  (abergl.  656.  708)**);  in  der  letzten 
steile  ist  siegen  vor  gericht  für  das  ältere  siegen  im  kämpf 
gesetzt.  Im  MA.  hiefs  es  S.  Georgen  hemde  (Vintler  im 
anh.  s.  LV),'  Wolfdieterich  empfängt  es  von  Siegminne,  d. 
h.  einer  weisen,  spinnenden  norn  oder  valkyrie  (8.245); 
sichtbar  ist  die  altheidnische  idee  hernach  auf  den  siegrei* 
eben  heiligen  der  christlichen  kirche  übertragen,  mir  schei- 
nen diese  gefeierten  schicksalshemde  zusammenhängend  mit 
dem  gespinst  und  gewebe  der  nornen  und  der  £i*au  Holla. 
Wahrscheinlich  schrieb  man  den  hexen,  welche  feldspin^ 
ner innen  hiefsen  (s.  617),  zauberhaftes  weben  und  spin- 
nen zu;  Burchards  stellen  vom  aberglauben  in  lani£cüs  et 
ordiendis  telis  (s.XXXII.  XXXVI.)  sind  zu  vergleichen.  Uinc- 
mar  von  Rheims  (opp.  1,  656)  gedenkt  der  Zaubereien  *quas 
superuentas  feminae  in  suis  lanüicüs  vel  textilibus  operi- 
bus  nominant',  und  p.  654  sagt  er:  ^qiiidam  etiam  pesti^ 
bus  carminatis  induebantur  vel  cooperiebantur.'***) 

Es  ist  ein  zauber  durch  blo/sen  blict,  ohne  alle  leib- 
liche berührung  möglich,  was  man  in  der  alten  spräche 
entsehen  nannte  (s.  582.)  das  triefende,  neidische,  üble  äuge  f) 
der  eintretenden  hexe  (abergl.  787)  kann  plötzlich  verletzen, 
säugenden  frauen  die  milch  entziehen,  Säuglinge  schwind- 
süchtig machen,  ein  kleid,  einen  apfel  verderben:  visu  ob^ 
fascinare  (s.  600  und  anh.  s.  XXXIX);  *der  rock  ist  so 
schön,  der  apfel  so  roth,  dafs  ibn  kein  böses  auge^  onda 
ö'ga  (schwed.  abergl.  57)  ansehen  soll.'    schädlicher  bll 


ck 


*)  Aw.  1, 165.  KM.  2,  264.   Straparola  2,  1.   pentamerone  2,  S. 
Yak  1,  XXXIX  ff.  fornald.  sö^.  2,  150.  151. 

•*)  efn  solches  sieghemd  gemalmt  an  das  mitgeborne  glüekshemn 
(s.  508)  der  kinder,  welches  in  Danmark  aucli  seyershuet  seyershtelm, 
seyersserk  heifst  traut  man  der  redensart  'mit  dem  heim  gebar« 
sein'  ein  hohes  alter  zu,  so  weissagt  dieser  siegshelm  den  künftig 
beiden.  Tgl.  Buieoger  3*  30  über  die  amniomantia ,  d.  i.  divinatio  per 
amnium  seu  membranam  tertiam  erabryonis. 

•••)  den  entzaubernden,  sichernden  hemden  stehen  bezauhfmt^'t 
i^erd^rhliche  entgegen,  in  einem  serbischen  lied  (Vuk  3,  30  z.  TÖöff.) 
ein  goldhemd  weder  gesponnen  noch  gewoben  y  sondern  gestrickt,  euw 
schlänge  in  seinen  kragen  geflochten. 

f)  übel  ougen  Parz.  407,  8  sind  neidische,   übelwollende. 


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ZAÜBBRBLICK      *  625 

abergl.  753.  874,  obliquua  oculus ,  Horat.  episl.  I.  14;,  37. 
Vorzüglich  heifst  es  von  kränkelndem  vieh:  *es  ist  ein 
bvaea  äuge  dabei  gewesen.'  Virgil  ecl.  3,  103:  *nescio 
qiiis  teneros  oculus  mihi  fascinat  agnos.'  Radulfi  arden- 
tis  honiiliae  42«:  'cavete  ab  iilis,  qui  dicnnt,  quosdam  oculia 
urentibus  alios  fascinare.'  urentes  ociili  liat  Persius  2, 34  und' 
fascifiare^  ßaonalvtiv  galt  den  alten  vorzugsweise  von  dieser 
art  Zauberei.  Sitgandi  kann  durch  seinen  blick  alles  verderben; 
dem  gefangengenommenen  ziehen  sie  einen  sack  übers  gcsicht 
(dreginn  belgr  d  höfut  honum):  erschaut  durch  ein  IoqIi  im 
sack,  und  verdirbt  mit  einem  blick  ein  grasfeld  (Laxd.  p. 
152.  156.)  Verschieden  und  doch  äbnlich  sind  die  schar^ 
fen  äugen  einzelner  beiden  und  Jungfrauen:  die  gebundne 
Svanhüdr  soll  von  pferden  todt  getreten  werden :  *  er  hun 
brd  i  sundr  augum,  X\A  thordliu  eigi  heslarnir  at  spora 
hana;  ok  er  Bikki  sd  that,  maelti  hann,  at  belg  skyldi  draga 
d  höfudh  henni.'  (fornald.  sog.  1,226.)  Und  von  einem 
Sigurdhr  heifst  es  fornm.  sog.  2,  174:  'at  hana  hefdhi  snart 
augnabragdh ^  at  allir  hundar  hurfu  frd  honum,  ok  var 
engtnn  syä  grimmr,  at  thyrdhi  d  hann  at  rddha,  er 
bann  hvesti  augun  Imöt  theim.'  Steht  mit  der  hexe  bö- 
sem äuge  jene  seltsame  gestaltung  ihres  augapfels  (s.  610) 
in  Verbindung?  als  Sicherungsmittel  gegen  seinen  einflufs 
wird    die  pfote  des  blinden  maulwurfs  getragen.*) 

Wie  aber  hohe  Schönheit  mit  dem  strahlenblick  der 
äugen  zaubert,  hat  ^it  auch  zaubergewalt  in  dem  lächeln 
ilires  mundes.  Nach  einem  neugriech.  Hede,  wenn  die 
reizende  Jungfrau  lacht  y  fallen  rosen  in  ihre  schürze 
[tmov  yskä  xal  nitfiovps  vd  ^oSa  *a  ^fjv  nodiav  ir^s) 
Fauriel  2,  382.  In  Heinrichs  von  Neuenstadt  Apollonius  von 
Tyrus,  der  um  1400  gedichtet  wtirde,  heifst  es  z.  182  *wd 
sach  man  r&sen  lachen?^  und.  dann  wird  ein  märchen 
erzählt,    in    dem   ein    rösenlachender  man   auftritt: 

*der  lachet n  daz  ez  pol  rdsen  was, 

perg  und  tal,  laub  und  gras.' 
ein  niederl.  Sprichwort  (Tuüiman  1,306)  lautet:  'als  hy 
lacht,  dan  sneuwt  het  rozenJ*  dieser  mythus  mufs  sehr 
gangbar  gewesen  sein,  da  ich  in  oberd.  Urkunden,  und 
noch  heute,  den  eigennamen  Rosenlacher,  Rosenlächler, 
Blumlacher  öfter  finde,  das  nemliche  gedieht  von  Apol- 
lonius hat  z.  2370 


•)  anderes  ist,     dafi   zaoberer    durch    ihre   gaukelei   die    avp;en 
der   menschen    verblenden:    sunt   et   praestigiatores ,    qui    alio    nomine 
obstrigilli  vocantnr,     quod    prae&tringant  vel    obstringaut   humanorum 
I  aciem  ocalonim.    Hincm.  rem.  ed.  1645  1,  656. 

40 

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626  HEXEN 

er  ku8te  sie  vrol  dreifsig  stunt 
an  iren  rosenlachenden  inunt, 
andere  liierher  gehörige  stellen  sind  Aw.  1,  74.  75  ange- 
zogen. Begabte  glückskinder  haben  das  vermögen  roseo 
zu  lachen,  wie  Freyja  gold  weinte;  vernmllich  waren  es 
ursprünglich  heidnische  lichtwesen,  die  ihren  glänz  am 
hunniel  über  die  erde  verbreiteten,  rosen  und  sonnenkio- 
der  (Georg  48.  49),  lachende  morgeni-öthe  (8.431),  rosen- 
streuende  Eos  (s.  432.) 

Die  gewöhnlichen  zauhermittel  lassen  sich  auf  den 
bekannten  spruch  zurückführen:  ^hrüt^  steine  unde  tvort 
hdnt  an  kreften  grijzen  hört'  (Freid.  111^  und  anm.  p.366), 
der  uns  das  enge  band  zwischen  zaubere!,  heiikunst  und 
poesie  bestätigt,  aus  steinen  und  kräutern  werden  heil- 
same wie  giftige  kräfte  gewonnen,  Sprüche  und  lieder 
können  segen  oder  verderben  bringen. 

^  Zwischen  beschwörung  und  segen  dürfte  man  unter- 
scheiden, jene  für  die  anrufung  des  beistände«  höherer 
wesen,  diesen  für  die  blofse  aussprechung  schützender 
Worte,  )ene  für  schädigend,  aufregend,  diesen  für  beflend 
besänftigend  halten,  beide  aber  mischen  sich,  der  aii&- 
druck  segen  ist  undeutsch,  obwol  frühe  mit  dem  chrislen- 
tlium  eingeführt,  und  aus  Signum  (crucis),  signare  ent- 
sprungen. Das  ags.  spell  (oratio,  sermo)  engl,  spell  be- 
greift beide  arten.  altn.  unterscheidet  sich  von  galdr 
(incantatio)  die  boen  ( iniprecatio ,   precatio,    oben  8.20.) 

Ursprünglich  waren  alle  Segensformeln  christlich,  es 
hat  sich  aber  vielen  hernach  auch  heidnisches  beige- 
inetigt;  ebenso  haben  heidnische  beschwörungen  christ- 
liche bestandtheile  aufgenommen.  Die  älteren  formein  alli- 
terieren und  selbst  den  jüngeren  ist  dieses  noch  eingeprägt 
(2.  b.  wenn  es  heifst:  alle  ein  und  alle  aus!  wolauf  alb 
und  eibin!  du  sollt  noch  ruhen  noch  rasten!  u.  s.  w.)  is 
den  meisten  sind  gleichwol  reime  eingeführt. 

Segen  scheinen  laut  hergesagt,  beschwörungen  leise 
gemurmelt  (s.  583)  oder  wie  man  in  einigen  gegenden  sagt 
gepröpelt  zu  werden,  der  alte  kalstar,  galdr  setzt,  gleidi 
dem  lat.  cannen,  gesang  voraus.  Marbod  v.  446  nennt 
die  formel  Carmen  legitimum, 

Aufser  den  im  anhang  von  s.  CXXVI  an  gelieferteB 
formein  sind  einzelne  schon  im  text,  so  wie  in  der  sam- 
lung  abergläubischer   gebrauche   enlhallen.  *)     Häufig   wcr- 


*)  s.  320  eine  Versinkangsformel ,  s.  401  eine  aiurnfuog  des 
t.  440  — 42  die  formel  bei  austreibuog  des  muters  oder  des  todes,  s,M 


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BESCHWÖRUNG  627 

den  darin  noch  ethische  weaen  angerufen,  obgleich  oft 
schon  durch  christliche  namen  ersetzt  oder  mit  ihnen  un- 
termischt. In  jenen  zeigt  sich  unverkennbar  ihr  Zusam- 
menhang mit  dem  heidenthum.  '*') 

Die  manigfaltigsten  Wirkungen  wurden  durch  zau- 
bergesang  erreicht:  menschen  gelüdtet  und  erweckt,  stürme 
aufgerufen  (carminibus  in  nimbos  solvere  coelum.  Saxo 
gramm.  17)  und  besänftigt,  krankheiten  verursacht  und 
gehoben,  berge  geöfnet  oder  gesclilossen  **);  bände  ge- 
sprengt ,  krejisende  ihrer  bürde  entledigt  oder  verschlossen 
gehalten,  böse  geister  herbeigerufen.  ***)  anderes  abergl.  875. 
*Willa,'sagt  Liutprand  5,15,  coepit  aruspices  maleficosque 
ioquirere,  quorum  carminibus  juvaretur.'  Hincmar  1,654 
aus  verschiednen  bestand theilen  zusammengesetzte  zauber- 
mittel  nennend  fügt  auch  ^carminibus  incantata'  hinzii. 

Unter  den  altn.  beschwörungen  sind  berühmt :  die  der 
völva  Gröa  (fornald.  sog.  3, 241)  als  sie  einen  stein  aus 
Thors  Haupte  zaubern  wollte,  aber  von  dem  gott  selbst 
unterbrochen  wurde.  Sn.  110.  111;  als  sie  aus  dem  grab- 
hügel  erweckt  ihrem  söhn  zauber  sang  (Gröugaldr,  'er 
hon  göl  syni  sinom  daudh.')  Saem.  97 ;  die  der  Oddriün  über 
BorgnJ',  welche  nicht  gebähren  konnte  ('göl  bitra  galdra  at 
Borgn^jo')  Saem.  240;  die  von  Skirnir  über  Gerdhr  ausge- 
sprochne  Verwünschung.  Ssem.  84.  85  ;  die  der  alten  Busla 
(Buslu  bcen)  fornald.  sog.  3,  202  —  205  (Syrpuvers)  das:  206. 

Todte  wurden  aus  ihren  gräbern  zum  gespräch  gerufen, 
es  ist  fast   dieselbe  formel,    deren    sich   Gröas   söhn   und 


die  der  hexenausfart ;  anh.  XLVII,  15  fingen  blättern,  XLVlir,SO  beim 
spaoscbneideu ,  L,  46  für  ausgetrieboe  achweine,  L»  53  gegeu  kröpfe, 
LIV  beim  eiobriogeo  junger  liüner,  LYI  beim  aufrof  der  tixlcen, 
LVllI  gegen  den  olirwurm;  abergl.  183.  196  gegen  das  fieber,  ^15. 
492  gegen  zunehmende  übel,  402  beim  tanzen,  515  bei  besciiru'Oeti 
l^ranken,  518.  519  beim  krautpflanzen,  flachssaen,  611  beim  auruf  ' 
der  irwiftche,  631  bei  aasgefallnen  zahnen,  794  gegen  die  rose,  811 
gegen  die  flechte,  873  gegen  herzgespann,  877  gegen  den  holzwurm; 
«chwed.  abergl.  7 1  gegen  den  Wassergeist ,  105  beim  skjata  des  spjäU ; 
fraaz.  abergl.  25  beim  anruf  des  merzen. 

•)  denn  gerade  so  heifst  es  in  altn.  formell  'iröll  ok  dlfar  ok 
töfra  noniir!'  (fornald.  sog.  3,  205.)  töfranora  also  doch  in  einem 
gedieht   (vgl.  8.580.) 

**)  'th Ariein  öfne  dich,  schliefs  dich  T  (Otmars  sagen  p.  236.  237); 
'berg  Semsi,  tlm  dich  auf!  tim  dich  za!  (KM.  no.  142),  vgl.  8.612 
die  maus  der  sich  ein  berg  öfnet  Ein  zauberer  Svanr  geht  in  den 
herg  Ralbakshom  und  verschwindet  (Nialss.  cap.  14)  d.h.  er  spricht 
eine  ihn  öfuende  formel  aus. 

*••)  Ottocar  298l>  cap.  335 :   *  mit  hilf  ains  alten  weibs  pesprach  er 
den  posen  gaist' 

40* 

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628  BESCHWÖRUNG 

Hervor  bedienen:  Waki  th&,  Gröa,  vaki  thA  gddh  kona, 
vek  ek  tliik  daudhra  dura!'  Saein. 97*;  'vaki  thü  Angaotyr, 
vekr  thik  Hervor,  einka  duttir  ykkar  Svdfu ! '  (fomald.  sog. 
1,  435.)  das  biefs  valgaldr  qvedha  ( leichenzauber  spre- 
chen) Saem.  94».  Sollten  nicht  die  'sacrilegia  super  deftin- 
ctos^  die  der  indic.  superstit.  dädsisas  nennt  (anh.  s.  XXXI) 
etwas  dergleichen  sein,  todtenlieder ?  dad  steht  für  dod 
oder  d^d  (vgl.  nödfj^r  s,341),  das  fränkischsachsische 
sisas  halte  ich  für  das  ahd.  sisuwä  ( neniae )  granim.  2, 192, 
dessen  sg.  sisu,  siso  (wie  scato,  scatuwes)  habtm  würde, 
sisesang  ist  Carmen  lugubre,  Diut.  2,  283^.  neniae  sind 
freilich  auch  zauberlieder ,  im  allgemeinen  sinn^  oder  pof- 
sen.  In  Britferthi  vita  Dunstani  (gb.  925)  cap.  1  (act  sau- 
ctor.  19  mai)  heifst  es  von  diesem  heihgen:  'avitae  genii- 
litatis  vanissima  didicisse  carmina  et  historiarum  frivoUs 
colere  incantationum  nenias?  gerade  so  sagt  Gregor,  tur. 
mirac.  2,1:  ^ad  vicum,  in  quo  fanatici  erroris  naeniae 
colebantur.'  Wenn  in  einer  alts.  beichtformel  (Lacombi. 
p.  7.  8)  die  worte  stehu:  'ik  giliorda  hetlunnussia  endi 
unhr^nia  sespilon^  so  möchte  ich  sesespilon  lesen  und 
wieder  nenias  gemeint  glauben,  auch  hetlunnussia  £öbii- 
ten  heidn.  imprecationen  sein  (alts.  hatol  dirus,  H^l.  110,8, 
ahd.  hazzal,  malitiosus,  gl.  Hrab.  957«.)  Die  gL  £0^982" 
übertragen  necromantla  durch  hellirüna,  d.  L  todesrun«; 
todbringende  beschwörung. 

Es  gab  formein  zum  festigen^  wie  zum  erweichen  und 
täuben  Aev  waffen.  pfeüe  wurden  ausgesegnet  (anh.  a.  LI); 
bei  ihren  freilassungen  durch  den  pfeil  murmelten  die  Lao- 
gobarden,  ob  rei  firmitatem^  einen  Spruch  (patria  verba.) 
Paul.  Diac.  1,  13. 

Und  wie  vor  geistern  Schlösser,  thüren  aufspringen 
(s.  529),  die  nachtfrau  durch  verschlossene  thüren  fahrt 
(8.597)  so  weichen  blofser  besprechung  schlofs  und  rie- 
gel.     Ferabras  2759: 

venc  a  Fus  de  la  cambra:   si  la  trobat  tancada, 

et  a  dit  aon  conjur:  tota  s'es  desfermada. 
in  der  folgenden  stelle  eines  mhd.  gedichts  wird  zwar  anr 
des  hinzutretens  gedacht,    der  viehdieb  mufs  aber,  als  er 
sich    näherte,    lösende    worte    gesprochen    haben,    möer 
Helmbrecht  1205: 

min  geselle  Wolvesdrüzzel 

üf  tuot  er  ine  slüzzel 


*)  Wurzel  ein  goth.  seisa,  sAis,  sisum?  wo?on  M%  (dolor,  Iictv)» 
ahd.  fi^r,  ags.  s^r,  und  das  ags.  särcvid  ist  carmeo  lugubre,  elegia. 

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BESCHWÖRUNG       BINDUNGEN  629 

alliu  8l<}z  und  tsenlialt: 

in  einem  jdr  hän  ich  gezalt 

hundert  isenhalte  gröz, 

daz  ie  daz  slözdannen  schoz , 

als  er  von  verre  gie  dar  zuo^ 

ro8y   obsen  und  inanic  kuo, 

die  ungezalt  sint  beliben, 

die  er  üz  dem  hove  bdt  gelribeu, 

daz  ie  daz  sl<jz  von  einer  stat 

schozy  swann  er  dar  zuo  trat. 
noch  jetzt   stehn  einzelne  räuber    und   gauner  in  dem  ruf, 
ihre  ketten  und  Schlösser  besprechen  zu  können ,    dafs  sie 
ihnen  abspringen* 

Der  Verzauberung  neuvermählter  ist  schon  s.  606  er-  ' 
wähnung  geschehen,  die  hexe  kann  durch  blofse  herniur^ 
melung  eines  Spruchs  während  der  trauung,  w^enn  sie  da- 
bei zugegen  ist,  den  mann  zum  zeugen,  die  frau  zum  em- 
pfangen untüchtig  machen.  Hincmar  1,  654  erzählt  einen 
fall,  und  gibt  die  Zusammensetzung  des  mittels  an,  das 
neben  der  beschwörung  augewendet  wurde;  auf  Hincn^ar 
gründet  sich  eine  stelle  in  Gratians  decret  II.  33,  1.n{^4. 
diese  Zauberei  heiht  senkelknripfeny  nesleltnüpfen,  schlo/s^ 
schlief seriy  binden^  weil  dabei  beimlich  ein  knoten  ge- 
knüpft, ein  schlofs  zugeschlagen  wird.*)  nestel  bedeutet 
einen  bendel  (ligula),  senket,  wenn  er  oben  an  der  spi- 
tze mit  blech,  zum  leichtern  einsenken,  gefafst  ist.  man 
sagte  auch  bruchverkrilipferi,  niederkleid,  nackmäntel  knü- 
pfen, franz.  nouer  Vaiguillette.  es  soll  funfzigerlei  arten 
solcher  Verknüpfungen  und  eine  menge  unverständlicher 
knüpf  spräche  geben.  **)  das  zugemachte  schlofs ,  der  ge- 
knüpfte knoten  wurde  weggeworfen,  nicht  an  die  bezau- 
berten gehängt. 

£s  gab  aber  noch  andere  bindungen  und  knüpfungen, 
ligaturae y  nefaria  ligamenta^  die  als  zauberhafte,  heil- 
same oder  schädliche  mittel  angehängt  wurden ,  vgl.  auh. 
XXXII.  XXXllI.  XXXVII.  Greg.  tur.  (mirac.  2,  45)  berich- 
tet von  einem  kranken  knaben,  zu  welchem  man  den  ario- 
lu«  (klugen  mann)  berufen  liefs:  *ille  vero  venire  non 
differens  accessit  ad  aegrotum  et  artem  suam  exercere  co- 
natur:  incantationes  immurmurat ,  sorles  Jaclat,  liga- 
iuraa  collo   suspendil.'       der   indiculus  superstit.    cap.  10 


*)  hilfgmittel  dagegen  in  Ettners  hebammc  s.  294.  296.     Wegners 
ftduiapl&tz  p.  625  flf. 

"*)  Bodin  übers,  von  Fiscliart  p.  74.  75. 


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630  BINDUNGEN       8IE0STEIN 

nennt  pliylacteria  und  ligaturae  nebeneinander,  ^vxa- 
yn;rjQia  sind  sichernde  schützende  angehänge,  anmiete,  kio- 
fig  von  blech,  daher  sie  in  ahd.  glossen  pleh^  plelJär 
genannt  werden,  aber  auch  yon  glajs,  holz,  knochen, 
kräutern,  silber  und  gold;  ligaturae  blofse  bander  und 
faden  Verknüpfungen,  lex  sal.  22,  4:  'ei  quis  alter!  allquod 
maleficium  superjactaverit,  sive  cum  ligaturia  in  aliquo 
loco  roiserit.'  die  sie  knüpften  hicfsen  obligatores  (capit 
a.  789,  63.  capitul.  1,  62.)  der  neuere  namen  ist  ange- 
henke  (abergl.  869,  870.)  auch  geheime  Schriften  und  ra- 
nen  wurden  mit  angehängt:  'qui  in  hominibus  vel  brutb 
animalibus,  seu  in  agris  seu  in  vineis  diversisque  arbon- 
bus  maleficium,  aut  diversa  ligamenta  aut  etiam  scripta 
in  contrarietatem  alterius  excogitaverit  facere.'  lex  Ma- 
golh.  VI.  2,  4.  *  ut  clerici  vel  laici  phylacteria  vel  jahcu 
scriptiones  aut  ligaturaSy  quae  imprudentes  pro  febribiis 
aut  aliis  pestibus  adjuvare  putant,  nuUo  modo  ab  illis  vd 
a  quoquam  Christiano  fiant^  quia  magicae  artis  insignia 
sunt.'  capitul.  6,72.  ^admoneant  sacerdotes,  non  ligatu- 
ras  ossium  vel  herbar  um  cuiquam  adhibitas  prodesse,  sed 
haec  esse  laqueos  et  insidias  antiqui  hostis.'  capituL  add. 
3,  93.*)  Hincmar  1,654  sagt:  ^turpe  est  fabulas  nobis  no- 
tas  referre,  et  longum  est  sacrilegia  computare,  quae  ex 
hujusmodi  de  ossibus  mortuorum  atque  cineribus  carfoow- 
busque  extinctis  (oben  8.353),  •...  cum  filulis  colorum 
multiplicium  y  et  herbis  variis  ac  cocleolis  et  serpentofii 
])nrticulis  composita ,  cum  carminibus  incantata  dqprdies- 
dentes  comperimus.'  die  bunten  faden  gemahnen  an  den 
vjrgilianischen  vers  (ecl.  8,73.  77):  Herna  tibi  haec  primva 
Iriplici  diversa  colore  licia  circumdo',  und  'necte  tribas 
nodis  ternosy  Amarylli,  colores,^  Beinahe  scheinen  diese 
bindungen  überhaupt  mehr  römischheidnisch  als  echt  deutsdi. 
Die  geheimen  kräfte  der  steine  waren  dem  mittelalter 
aus  Marbods  (f  1123)  liber  lapidum  und  Alberts  des  gro- 
isen  (ti280)  abhandlung  (opp.  2,227)  bekannt.**)  mil 
übergehung  aller  übrigen  beschränke  ich  mich  hier  auf  den 
siegstein.  Marbod  kennt  zwei  arten,  alectorius  (cap.3) 
und  gagatromeus  (cap.  27.);  jener  ist  der  gev^öhnliche; 
er  wächst  in  dem  leib  eines  verschnittenen  dreiiahrigen 
hahns:   ^inificturn  reddit  lapis  hie  quemcunque  gerenteni;^ 

-   *)  andere  stellen  über  amalete  und  ligaturen  in  Kopp«  palaeogrt- 
phie  3,  74  ff. 

*'')  das  altfranz.  gedieht  nach  Marbod  ist  in  den  anag.  tob  Bca«* 
peudre  und  Beckmann  mit  abgedruckt;  ein  jnngeref  mhd.  atcbu« 
Hageni  mus.  a,  52  ff. 


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SIBGSTEIN  631 

extinguitque  sitim  patientis  in  ore  receptus.*  nach  dem  deuN 
sehen  gedieht  mufs  der  kapaun  sieben ,  nach  Albertus  vier 
oder  neun  jähr  alt  sein.  Ein  gedieht  des  wiener  cod.  428 
no.  136  von  edelsteinen  nennt  aber  den  schlangenstein  den 
eigentlich  siegverleihenden : 

ich  hoere  von  den  steinen  sagen 

die  natern  und  hroten  tragen, 

daz  groze  tugent  dar  an  h'ge, 
•   swer  si  habe,   der  gesige; 

mohten  daz  sigeateine  wesen 

so  solt  ein  wurm  viel  wol  genesen, 

ders  in  sinem  libe  trüege, 

daz  in  nieman  erslüege ; 
den  hahnstein  den  diirstslillenden : 

man  sagt  von  hanensteinen 

swer  ir  in  munt  nem  einen, 

daz  er  guot  vür  den  durst  im  si. 
der  heiligen  schlänge  oder  natter  (8.395.  396)  mit  der 
kröne  auf  dem  haupt  scheint  der  siegstein  mehr  als 
dem  bahn  beizulegen.  Albertus  führt  einen  stein  bo- 
rax  an,  den  die  hröte  auf  ihrem  köpf  trage,  ohne  ihm 
aber  die  Wirkung  des  siegs  zuzuschreiben.  Otuit  558.  559 
faeifst  sie  ^die  abrahemsche  hrote"*  und  es  gebe  nichts  ed- 
lers auf  erden  als  ihren  stein.  Nach  dem  pentamerone  4, 1 
wächst  die  preta  de  lo  gallo  in  dem  köpf  des  hahns  und 
ist  ein  wünscheist  ein,  mit  welchem  man  alles  erlangt.  Die 
morgenländische  fabel  von  den  drei  lehren  des  gefangnen 
▼ogels  *)  erwähnt  eines  ähnlichen,  im  herzen  oder  ma- 
gea  der  lerche  und  nachtigali  wachsenden.  Dem  schlafen- 
den Sigurdr  grikr  entwendet  seine  tochter  den  siegstein 
aus  der  tasche,  und  gibt  ihn  an  Dietlieb  (Vilk.  saga  cap.  96. 
97.)  einen  solchen  siegstein  besafs  auch  köuig  Nidung 
( das.  cap.  25.)  in  beiden  stellen  wird  die  natur  des  Steins 
nicht  näher  angegeben.  auch  Vintler  (anh.  s.  LIII)  be- 
schreibt ^den  sigelstein^  nicht.  Die  gedichte  melden  ver- 
schiedentlich siegbringender,  unsichtbarmachender  finger- 
ringe  (z.  b.  Troj.  9198),  deren  kraft  immer  von  dem  in 
sie  gefafsten  stein  abhängt. 

Zauberhafte  steine  kommen  nicht  in  die  bände  armer 
hexen,  aber  in  dem  suchen  und  kochen  von  kräutern  be- 
steht ihre  hauptkunst.  darum  ist  Stria,  zauberin,  venefica  fast 
gleichbedeutend  mit  herbaria  oder  qtag/ttaxiVTQta  (Theoer. 
2.)      Ich   will   die  vorzüglichsten    zauberkräuter    angeben. 

•)  Reinhart  CCLXXXl  und  Ls.  2, 655. 

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632  ZAUBERK&ÄUTBR 

von  der  batonie  scheint  es  weuigcr  den  bluuien  zu  gdten 
als  den  wurzeln  y  weil  sie  inuuer  gegraben  wird  ( anh.  t. 
XLI.  LH.  LVl),  Berthold  sagt  p.  68  'so  g^nt  elelklie  mit 
bocsen  hathänien  umb';  sie  bat  gelbe  biumen  *)  ('diu  gclwe 
batenie  hol'  Diut.  2,  129),  es  ist  die  betoniva  oder  vel- 
tonica^  franz.  betoine^  eiue  art  prinieln,  in  der  Schweiz 
badÖnikll,  fluhbluine,  sclilüsselblume ,  hirlen  bringen  sie 
ihren  mädchen  mit   (Stald.  1,124.  386.)**)     Aw.  2,  69. 

Des  bilsenkrauts  wurde  s.  334  gedacht.  Doste  und 
dorant  (origanum  und  antirrhinuni)  abergl.  980  sichern  gegen 
einwirkung  des  zaubers,  in  der  formel  alliterieren  sie***); 
vgl.  rujhraut  und  fr  auenßachs  (abergl.  4.)  zehrwurz  (arum, 
abergl.  402)  aller  mann  sharnisch  fabergL  3S7\  farrnkraui 
(ßSH)  gundermann  (abergl.  462.  4o3.)  Beini  hexenfest  wrd 
kukuksblume  (s.  394)  gekocht:  am  ersten  mai  sieht  man 
den  scharfen  abbruch  dieser  blume  auf  den  wiesen.  Der 
genufs  des  krautes  herbei  (^yiaiQi(pvXXov)  bewiritt,  dafs 
man  alles  doppelt  sieht:  darauf  ist  ein  hübscher  schwank 
von  der  wibe  list  gegründet  ( fragm.  37 ) ,  dessen  auch  nocb 
Fischart  (Gorg.  148')  erwähnt,  diese  doppelsichtigkeit  heiCst 
das  blerr ,  das  augenblerr.  H.  Sachs  IL  2,  27^  III.  3, 9** 
IV.  3,  13>-^-  Schlafapjel  oder  schlajhunz  ein  moosar- 
tiger  auswuchs  am  wilden  rosenstrauch  oder  am  hagedom; 
legt  man  ilin  schlafenden  unter  das.  hauptkissen ,  so  erwar 
chen  sie  nicht,  bevor  man  ihn  wieder  weggenommen  hatf) 
in  der  edda  bcifst  es  ein  spejnthorn  (schlafdorn),  mit  dem 
Odhinn  die  Brynhild  sticht,  dafs  sie  entschläft  (S«m,  IW".) 
eiuige  verwecbseln  den  schlafapfel  mit  der  mandragora 
oder  dem  alraun ,  deren  Wurzel  man  durch  einen  huad 
aus  der  erde  ziehen  läfst.ff)  mir  fallt  auf,  dafs  gleich 
jenem  wurzellosen  schlafkunz  uud  dem  weissagenden  gall- 
apfel  auf  eicben  (abergl.  968)  auch  die  den  Gelten  heilig 
mifitel  (viscum,  franz.  gui)  an  andern  bäumen  auswächst; 
Pliiiius  16,44  beschreibt,  wie  die  GaUier  das  viscum  ge- 
wannen; auch  selago  (sehen bäum ?•),  samolus  und  f^er- 
benaca  (eisenkraut,    oben  s,351)  galt   ihnen   für  zauber- 

*)  gelbblumig  wachst  auch  das  galgenmännlein  (deutsche  sag.  83.) 
**)  doch  können  mehr  als   eine  blume    unter  dem   naraen  znsaai' 
menfHÜen,  v^\,  Adelung  und  batonie  und  bathengel;  Linde  unter  bvk- 
vica  (1,  193a.) 

**')  deutsche  sagen  no.  65«  Jul.  Sclimidt  p.  132.     Redeker  lio.l8* 
49;    vgl.  abergl.  980. 

t)  im  Tristan  ein  blofses  küsseUn,  ülr.  16T2.  1693  *der  xoabenere 
küsseltn*,  Heinr.  4911,  das  den  schlaf  wirkt. 

ff)  deutsche  sag.  no.  83 ;   merkwürdige  ags.  stelle  über  UMiidras^ 
tu  Tiiorpes  anal.  p.  94. 


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ZAÜBBRKRÄÜTER  633 

kräftig«  PHn.  24,  11.  25,  9;  verbene  graben  (anli.  LIII.) 
Das  sogenannte  Vogelnest^  zweiblatt  (deutsche  sag.  n.  85) 
scheint  alraunhaft,  und 'wiederum  Schmarotzerpflanze.  Fall^ 
blume  ist  wilder  mohn,  wer  sie  bricht  bekommt  die  fal- 
lende sucht.  Wenn  die  regenblume  (convolvulus  sepium) 
aufgeht  oder  gebrochen  wird,  so  regnet  es  bakl  (Slald.  2, 
267.)  Vierblättriger  klee  verleiht  jedem  der  ihn  trägt 
die  gäbe,  gaukelei  und  Zauberei  zu  erkennen  (anh.  s.  LH); 
-wer  ihn  findet  ist  den  tag  über  glücklich  (abergl.  119)  vgl. 
firellöver  (dän.  abergl.  147 )  und  Crokers  fairy  lales  3, 
211.  den  Polen  ist  troj ziele  (dreikraut)  eine  wunderbare 
pflanze  mit  blauen  blällern  und  rothen  blumen:  sie  flöfst 
liebe  ein,  bewirkt  Vergessenheit  und  versetzt  plötzlich  an 
jeden  beliebigen  ort.  *)  den  Serben  sind  samdoias  und 
ololoischep  kräuter,  die  in  liebestranke  geVnischt  den  lieb- 
liaber  zwingen  zu  der  geliebten  zu  kommen.  (Vuk  s.w.) 
usiuk  ein  kraut  und  die  formel,  wodurch  ein  übel  zum  wei- 
chen (ustuknuti)  gebracht  wird.  (Vuk  s.  v.)  In  Scandi- 
navien  war  der  reynir,  schwed.  rön ,  dän.  rönneträ  (sor- 
bu8,  Vogelbeere)  heilig  und  wun^erkräftig.  (Finn  Magn« 
gl.  897.  898.)  ageruld  (ackerwolle)  dient,  nach  den  dän. 
Volksliedern ,  zum  weben  eines  wünscheltuchs  (D.  V.  1,  265. 
300),  es  ist  eine  grasart  mit  wolliger  blume  (eriophorum 
polystachium.)  im  gedieht  von  Caerl  ende  Elegast  kommt 
ein  mit  seinem  namen  nicht  genanntes  kraut  vor,  wodurch 
man  vögelsprache  und  hundebellen  verstehn  lernt.**) 

Oft  ist  es  daran   gelegen   mehrere  kräuter  zusammen 
anzuwenden,  siebenerlei  oder   neunerlei,     dreierlei  holz 

•)  Folkslieder  der  Polen  gesammelt  von  W.  P.  Leipz.  1833  p.  90. 
**)  Elegast  conste  behendechede ,  die  hi  proefde  ter  menegher 
stede;  bi  was  minlic  ende  mate.  Iii  trac  ön  crdt  üt  enen  gate  ende 
staect  binnen  sinen  monde.  die  salc  ^n  hadde,  bi  verstonde  Wat  ba- 
nen  craien  ende  honden  bilen.  so  verstont  bi  ter  selven  wilen  an  enen 
hane  ende  an  enen  bont,  ende  seiden,  dat  die  coninc  stont  baten  den 
bove  in  baer  latin.  Elegast  sprac:  Mioe  macb  dat  sin?  soude  die 
coninc  stn  liier  voren,  ic  ducbte  dat  mi  naket  toren,  of  mi  verleit  nu 
alfs  ghedrocbte'  (eibischer  tnig.  s.  271.)  Später:  doe  seide  Carel 
die  edel  man:  'wie  bevet  u  giieseit  den,  wat  soude  die  coninc  bier 
doen  ?  soudi  gbeloven  an  en  bocn,  oft  betrouwen  van  dat  dn  bont  bast, 
so  en  es  nw  glielove  niet  vast ' . . . .  '  nu  bort  dan  gbi ',  sprac  Ele- 
gast, ende  stac  den  coninc  in  den  mont  ^n  cnU,  dat  daer  vor  bem 
fitont,  ende  seide  'na  suldi  verstaen,  so  ic  te  voren  bebbe  gbedaen.' 
Anderwärts  liänjst  das  Verständnis  der  vögelspracbe  von  dem  gennfs 
einer  weijsen  achlange  ab  (rleut^cbe  sagen  no.  131).  in  der  edda  von 
dem  eines  drachenherzens.  Ein  kindermärcben  (no.  33)  läfst  einen  drei 
jftlire  laug  studieren  was  die  bundo  bellen ,  die  vogel  singen  und  die 
fröi»cbe  quaken. 


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634  GEGENMITTEL 

maclit  behextes  wasser  sieden  (abergl.  651.)  aus  sieben 
kräutcrn  -wird  die  hexeusalbe  gesotten  (anb.  LVIIl),  oder 
neunerlei  kraut  gegessen  (abergl.  275.  940),  neunerlei  holz  ge- 
braucht (das.  2.),  neunerlei  blunien  gepflückt  (worunter  weide, 
Storchschnabel  und  feldraute  nicht  fehlen  dürfen.)  Jul.  Schniidl 
119;  neunerlei  bhimen  unters  haupt  legen  (schwed.  abergL 
3);  neunerlei  holz  (abergl.  955.);  neunerlei  gewurz  (Ett- 
ners  hebamme  673) ;  neun  stück  hollunderzweige  (dess.  un- 
würd.  doct.  161.)  auf  der  insel  Bornholni  wird  gegen 
krankheiten  viererlei  blei  und  erbsilber  bei  neunerlei  feuer 
(d.h.  an  neunerlei  holz  brennendem)  gegossen,  und  auf 
Fühnen  trägt  man  amulete  von  neunerlei  holz.*) 

Ks  gibt  einige  allgemeine  Sicherungsmittel  gegen  den 
einflufs  der  Zauberei*  Auf  eine  frage  der  hexe  darf  man 
nicht  antworten  (abergl.  59),  auf  ihre  anrede  nic/U  dan^' 
hen  (abergl.  568);  überhaupt  ist  es  rathsam  für  gewisse 
dienslleistungen  und  geschenke,  wenn  sie  nützen  sollen, 
nicht  zu  danken  (abergl.  398.  schwed.  35.  52.  ehstn.  94.) 
eine  hexe  ist  daran  erkennbar,  dafs  sie  für  geliehene  dinge 
dankt  (abergl.  566),  leine  hexe  antu^ortet  dreimal  (abex^ 
563.)  Lobt  sie  etwas,  so  misräths  (abergl.  823),  man  ent- 
gegne ihr  denn  sclmell  durch  schimpfen,  schelten,  ^eben 
soviel'  anwünschen  (abergl.  976)  oder  ausspeien,  ins  ge- 
siebt loben  schadet,  Piiii.  28,  2;  *si  ultra  placitum  laudari^ 
baccare  frontem  cingite,  ne  vati  noceal  mala  lingiia  fo- 
turo.'  Virg.  ecl.  7,27;  daher  wurde  beim  selbstrühmen 
ein  praefiscini  (prae  fascino?)  zugefügt.  Plaut.  Asinar.  II. 
4,  84.  schelte  und  Verwünschung  hintertrieben  die  alten  mit 
den  Worten:  ate  ^cerpaXfjv  ooiy  das  möge  dein  haupt  treffen! 
Auch  Neugriechen  und  Slaven  fürchten  lob  und  suchen  sich 
durch  speien  zu  retten :  die  russische  amme  speit  einem 
dritten,  der  ihr  kind  rühmt,  ohne  ein  schützendes  gott 
behüts!  hinzuzusetzen,  auf  der  stelle  ins  gesicht.  vor 
einer  hexe  haus  wird  dreimal  ausgespuckt  (abergL  756) 
desgl.  bei  nächtlichem  überschreiten  eines  unheimlichen  Was- 
sers (schwed.  abergl.  40);  die  Griechen  spien  beim  anblick 
eines  rasenden  menschen  dreimal  in  den  busen.  Theoer. 
6,  39.  21,  11.  Mer  dictis  despue  carminibus.'  Tibull.  I.  2, 
55.  hausgeister  hassen  das  ausspeien  (s.  293.)  vgl.  abergL 
317.  453.  Nöthigenfalls  soll  man  unbedenklich  die  ver^ 
(laclilige  hexe  schlagen,  dafs  blut  üiefst,  oder  einen  Jeuer^ 
brand  nach  ilir  werfen  (schwed.  abergl.  96.)  Brot,  salz 
lind    h'hlen  sind    schulzniillel   gegen    den    zaubcr   (abergL 


0  tidsskrift  for  uordisk  ol(ik>u(iiglied  2,292. 

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GEGBNMITTBL  635 

564.713),  wie  die  hexen  des  brotes  und  salzes  entratlien 
(  s.  604.)  "WirÜ  man  über  verzauberte  tliiere  einen  stahl, 
80  müssen  sie  ihre  natürliche  gestalt  annehmen  (abergL  886)  *); 
•wer  über  die  hexe  ein  bekreuztes  niesaer  wirft,  erkennt 
sie  (abergl.  554);  einer  warf  stahl  zwischen  die  eibin 
und  den  berg,  wodurch  sie  verhindert  wurde  hinein  zu 
gehn  (s.  263);  stahl  sichert  das  kind  iu  dei:  wiege  gegen 
Verwechslung,  von  solchen  an  Wendungen  des  Stahls  gegen 
den  Zauber  hat  beispiele  Faye  p.  20.  24.  25.  26.  51.  141, 
vgl.  schwed.  abergl.  71.  Gegen  Zauberinnen  soll  man  sich 
geschälter  stechen  bedienen,  weil  sie  sonst  zwischen  holz 
und  rinde  zu  entschlüpfen  vermögen,  (H.  Sachs  IL  4,  10 
läfst  selbst  den  teufel  sich  so  gegen  eine  hexe  sicher  stel- 
len.) Dem  ireuzzeichen  weichen  hexen  und  teufel  aus: 
in  der  ersten  mainacht  sieht  man  darum  so  viele  kreuze 
an  den  thüren.  Nicht  weniger  hassen  und  scheuen  sie  alle 
glocien  (s.  574.  607)  und  glockenläuten  stört  ihren  tanz 
auf  den  kreuzwegen  (abergl.  542.)  Hierher  gehören  auch 
die  8.610  aufgezählten  mittel,  hexen  zuerkennen  und  sich 
^vor  ihnen  zu  hüten,  ich  füge  hier  noch  näheres  von  dem 
gründonnerstagsei  hinzu  (wird  es  ausgebrütet,  so  ent- 
springt ein  buntgefiedertes  huhn,  das  jedes  jähr  seine  färbe 
wechselt,):  wer  ein  solches  ei  am  ersten  ostermorgen  mit 
in  die  kirche  nimmt,  erkennt  alle  weiber,  die  des  teufeis 
sind;  sie  wittern  es  aber,  und  streben  das  ei  in  des  tra- 
gers  tasche  zu  zerdrücken,  daher  man  die  vorsieht  gebrau- 
chen mufs,  es  in  einer  büchse  bei  sich  zu  führen,  gelingt 
68  ihnen,  das  ei  zu  zerdrücken,  so  wird  dem  menschen 
auch  sein  herz  zerbrochen. 

Einem  der  geisler  oder  hexensichtig  ist,  braucht  man 
nur  über  die  rechte  Schlüter  ^  oder  durch  den  ring  sei' 
nes  gebognen  arins  (s.  526)  zu  schauen,  so  wird  man 
seiner  gäbe  theilhaftig  (abergl.  996.) 

Dies  sind  die  eigenthümlichsten  erscheinungen  im  ge- 
biet der  Zauberei.  Viele,  die  meisten  zaubermittel  laufen 
über  in  aberglauben,  zwischen  welchem  und  der  eigentli- 
chen Zauberei  feste  grenze  abzustecken  unmöglich  ist.  als 
merkmal  für  den  begrif  der  Zauberei  habe  ich  zwar  den 
bösen  willen  schaden  zu  stiften  aufgestellt,  und  aus  der 
umhehrung  des  heilsamen  gebrauchs  geheimer  naturkräfte 

*)  ein  baner  fuhr  naciits  mit  seiuem  waj^en  und  ein  wenvolf  naiite» 
ihn  zu  entzaubern  band  der  besonnene  mann  nnverweilt  seinen  fener- 
stahl  AU  die  {(eitiel  und  schleuderte  ihn,  die  geisel  io  der  band  hal- 
tend, über  den  köpf  des  wolfes  her.  aber  der  wolf  erhaschte  deu  staidt 
und  uun  niu»(e  sich  der  bauer  durch  eilende  flucht  retten. 


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636  ZAUBEREI 

scheint  sie  hervor  gegangen;  die  einzeluen  anwendungen 
der  rechten  und  falschen  kunst  lassen  sich  aber  nicht  im- 
iTier  sondern.  Wie  ein  kraut,  ein  stein,  ein  segen  zum 
heilmittel  gereicht,  so  können  sie  auch  verderblich  wirken; 
der  gebrauch  vv^ar  anständig  und  erlaubt,  der  misbrauch 
wurde  verabscheut  und  sträflicli.  Eine  giftoiischerin  ist 
an  sich  keine  zauberin ,  sie  wird  es  in  den  äugen  des 
Volks,  sobald  sie  sich  übernatürlicher  mittel  bedient.  Eine 
siechlimmheilende,  wundensegnende  weise  frau  fängt  dann 
erst  für  eine  hexe  zu  gelten  an,  wenn  sie  mit  ihrer  kunst 
übeles  thut;  ihre  mittel  seien  so  natürlich  wie  das  gift  der 
mörderin.  Hexen  waren  dem  höheren  aherthum  prieste« 
rinnen,  ärztinnen,  sagenhafte  nachtfrauen,  die  man  ehrte, 
scheute,  endlich  gering  schätzte,  aber  noch  nicht  zu  verfol- 
gen und  hinzurichten  trachtete.  Wie  Jungfrauen  in  scliwäne 
wandelten  beiden  sich  in  werwölfe,  ohne  in  der  öflentli* 
eben  meinung  dadurch  zu  leiden.  Als  im  verlauf  der  zeit 
einmischung  des  teufeis  bei  jedweder  art  von  Zauberei  an- 
genommen wurde,  fiel  auf  alle  persönlichen  Verhältnisse 
strafbare  schuld;  seine  althergebrachten  zaubermittel  behielt 
aber  das  volk  noch  grofsentheils  bei  in  dem  unschuldigen 
sinn  des  aberglaubens,  den  nur  leichter  als  vorher  ein  an- 
flug  von  hexerei  treffen  konnte. 

Am  deutlichsten  begegnen  einander  Zauberei  und  aber- 
glaube  in  den  Weissagungen,  deren  abhandlung  ganz  dem 
nächsten  cap.  aufbehalten  bleibt,  das  gegenwärtige  soll  mit 
einer  nicht  unwichtigen  er  wägung  der  eigenthünillchkeit 
altn.  Zauberfrauen  (vgl,  s.  593)  schliefsen. 

J^ölua:  priesterin,  Wahrsagerin,  sp^^ona,  norn,  ein 
geheiligtes  wesen  des  alterthums,  (s.  66.  231)  ist  auch 
seidlikona.*)  zauberkundig  heifst  schon  die  eddische  vülva: 
*seidh  hon  kunni'  (Sa?ni.  4*^.)  solche  zauberweiber  sind 
Heidlir  ^  Hamglötn,  Shuld  und  andei-e,  alle  ursprünglich 
valkyrien,  die  durch  die  luft  reiten  (8.240.)  PÖlva,  skass, 
valkyrja  stehn  Saem.  154*»  nebeneinander.  Sie  ziehen  mit 
ihrem  gefolg  (medh  sitt  lidh)  im  land  um,  werden  ehr- 
erbietig von  den  menschen  eingeladet,  bewirtet  und  zur 
Weissagung  aufgefordert,  diese  verrichten  sie,  auf  einem 
vierbeinigen  stul  oder  schämel  (^seidhhiallr)  sitzend.  « 
heifst  e/la  seidh  (den  zauber  festigen,  zu  stand  bringen) 
fornald.  sog.  2,72.  3,  318;  setja  seidh  (den  z.  setzen) 
das.  l;  97,;  seidhrinn  verdhr  erfidhr  (wird  gearbeitet)  das. 


•  *)  Saem.  118*  werden  t^ölur ,  vitkar  und  seidhherenitr  unlcrscWe- 
deu  uad  \on  Vidhdlfr,   Vilmcidlir,  SvarthOfdhi  hergeleitet. 


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SEIDKONUR  637 

1,12;  faera  d  hiallinn  (auf  den  stiil  fiiliren)  das.  2,  72. 
Die  jüugereu  sagen  schildern  sichtbar  schon  mit  verächt- 
lichen zügen.  im  gefolg  der  SkiiUI ,  heifst  es  fornald. 
sog.  1,  97  fanden  sich  elbe,  nornen  und  anderes  gezücht 
(älfar  ok  nornir  ok  annal  illthydhi.)  Heidhr  fahrt  noch 
mit  15  Jünglingen  und  15  Jungfrauen  einher  (das.  2,  165« 
506),  üddr  aber  hält  sie  gering,  redet  sie  an  *allra  kel- 
linga  örmust^  (armseliges  altes  weib)  das.  168.  508.  auch 
forum,  sog.  3,  212  wird  solcher  landfahrerinnen  gedacht, 
die  den  leuten  wahrsagen,  und  wiederum  heifst  es  das.  214: 
*Yülvan  arma-'*  (unselige  zauberein,  wie  im  dän.  Volks- 
lied ^usle  havfrue'  (DV.  1,110.)*)  könig  Frödhi  wollte 
sich  von  der  völva  Heidhr  wahrsagen  lassen  :  giördhi  hann 
tha  gilda  veizlu  t  muti  henui,  ok  setti  hana  a  seidhhiall  einn 
hlian,..  ok  svara  mer  sem  skiotast,  seidlikona!  (fornald. 
sog.  1,  10.)  da  sie  zaudert  und  nicht  alles  aussagt,  droht 
er  ihr  mit  gewalt:  thik  skal /j/z/a  til  sogna  (1,  11.  12.)**) 
Merkwürdig  ist  aber,  dals  der  seidhr  nachts,  wenn  die 
menschen  schlafen  von  den  völven,  die  samt  ihrem  ge- 
folge  ausfahren,  bereifet  wird :  menn  f^ira  at  sofa,  en  völva 
f6r  til  ndttfars  seid/is  meci/i  sitt  lidh  (das.  2,  166),  in 
der  parallelstelle  heifst  es:  gelik  hun  tlid  üt  medh  lidhi  sinu, 
er  adlirir  gengu  til  svefns,  ok  efldi  seidh  (das.  2,507.) 
KetiU  -erwachte  nachts  von  heftigem  geräusch  im  walde, 
lief  heraus  und  sah  eine  zauberin ,  mit  fliegenden  haaren 
(sa  tröUkonu,  ok  f^ll  fax  ä  herdhar  henni);  auf  sein  be- 
fragen sagte  sie  ihm,  er  möge  sie  nicht  auflialten,  sie  müsse 
z\xv  zauberpersajtilung  j  dahin  komme  Skelking,  der  geister 
könig,  aus  Dumbshaf,  und  Ofuti  (ohnefufs),  aus  Ofötans- 
firdh  und  Thorgerdhr  Hörgatrull  und  andere  mächtige  gei- 
sler von  Norden  her  (ek  skal  tili  tröllathlngs ,  thar  kemr 
Skelktojp',  uordhan  or  Dumbshafi  konüngr  trölla,  ok  Oföti  ur 
üfiitansfirdhi,  ok  Thorgerdhr  Hörgalröll  ok  adhrar  störvait- 
tir  nordhan  ur  landi)  forum,  sog.  1,  131.  Jenes  näclitliche 
ausfahren  und  zaubern  nannte  man  sitja  uti  (Biörn2, 251* 
erklärt:  sub  dio  nocturnis  incantationibus  operam  dare); 
im  norweg.  recht  heifsen  die  ausfarten  utisetor  und  auf- 
weckungen der  Zaubergeister:  'spÄfarar  allar  oc  utisetor 
at  vekja  troll  upp,    oc   fremja  inedh  thvt  heidni.'      Gulath. 


*)  arm^  gering,  unselig,  elend,  armut  u»ache  der  zaubere!  und 
hexerei  (s.  5ß5.)  armer  wärsage,  wUsage.  Freid.  124,  1.  M«.  2,  176* 
ond  anm.  zu  Freid.  p.372. 

**)  tba  l^t  liann  taka  Finn  einn  er  margfrddlir  var,  oc  vildi  neydlia 
hann  til  sadlirar  sdgu,  oc  ptndi  hann,  oc  feck  tlid  ecki  af  hönum.' 
saga  Hälfdaoar  srarta  cap.  8. 


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638  SEIDKONÜR 

p.  137.  Von  den  zwecken  der  nord.  zaubere!  nur  einige 
beispieie.  man  gab  den  Zauberinnen  geld,  damit  sie  slurm 
erregten:  ^sendu  eplir  seidhkonum  tveimr,  Heidhi  ok 
Hamgläm,  ok  gäfu  theim  U  til,  at  thoer  sendi  vedhr... 
thoer  efldii  seidhinn^  ok  fcerdust  k  hiallinn  medh  giil- 
drum  ok  giürningum,*  fornald.  sog.  2,  72.  der  zauber 
machte  menschen  fest  gegen  waffen  und  unverwundbar: 
'\ar  seidt  al  Haraldi  at  hann  skyldi  eigi  bita  iarn?  das. 
1,374.  ^their  lötu  seidha  at  Ogmundi,  svd  at  hann  skyldi 
engi  iarn  btta  atkvffidalaus.'  das.  2,  241. 

Man  könnte  einige  züge,  die  mit  der  oben  gelieferten 
darstellung  des  hexenwesens  übereinlreffen,  für  erborgt 
halten,  ich  zweifle  daran,  zwar  ist  die  nächtliche  Zusam- 
menkunft bei  Skelking,  Ofuti  und  Thörgerdh  nicht  im  geist 
des  altn.  glaubens,  sie  kann  aber  im  Norden  selbst  durch 
allmäliche  degradation  älterer  Vorstellungen  sich  erzeugt  ha- 
ben, kein  teufel  wird  dabei  genannt,  obwol  der  unfüfsige 
an  den  pferdefüfsigen  erinnern  mag.  das  nord.  trÖllathing 
gleicht  vielmehr  der  Zusammenkunft  unserer  nachtfrauen^ 
die  ich  aus  weisen  frauen  und  vülven  entsprungen  glaube, 
dafür  gewährt  das  nächtliche  ausfahren  der  Heidhr  mit 
ilirem  gcfolge  von  dreifsig  leuten,  und  der  Skuld  mit  el- 
ben  und  nornen  die  willkommenste  beslätigung.  Thor- 
gerdli,  Skuld,  Heidh  sind  wie  Hulda,  Berhta  echtheidnische 
halbgöttiunen ,  an  die  sich  der  zauberhafte  reigen  schh'efst. 
sie  erregen  slurm  und  wetler,  machen  unverwundbar  und 
weissagen.  Ihr  seidhhiallr  mit  vier  stützen  oder  spit^ 
zen  (stölpar,  stiklar)  fornald.  sog.  1,12.  3,319  hat  in 
dem  deutschen  hexenthum  seines  gleichen  nicht,  gemahnt 
aber  des  dreifußes  der  delphischen  Weissagerin ;  vielleicht 
läfst  sich  auch  den  deutschen  nachtfahrerinnen  bei  fernerer 
nachsuchung  ein  dreijufs  vindicieren,  zumal  dies  geräth 
sonst  in  alter  heiligkeit  steht  (RA.  80.  189.  208);  vgl.  anh. 
L.  LI.  das  setzen  auf  den  dreifujs  und  abergl.  111  das 
verbot  einen  leeren  dreifufs  aufs  feuer  zu  bringen.  Skuld, 
hier  königin,  zaubert  in  einem  schwarzen  zeit,  auf  ihrem 
seidhhiallr:  sat  t  sinu  svarta  tialdi  d  seidhialli  sinum,  skip- 
tir  nü  svä  um ,  sem  dimm  nött  komi  eptir  biartan  dag. 
fornald.  sog.  1,  105.  Bei  den  nord.  Zauberinnen  herscht 
noch  die  gäbe  und  das  bedürfnis  der  Weissagung  vor,  die 
bei  den  deutschen  nachtfrauen  und  hexen  mehr  ziu^icktre- 
ten;  sollte  niclit  jenes  erzwingen  und  erpressen  der  vollen 
aussage,  ptfia  til  sagna,  vergleichbar  sein  dem  foltern  der 
hexen  (s.  602)?  man  suchte  ihnen  ihr  bekenntnis  durch 
dasselbe  mittel  zu  entlocken. 


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ABERGLAUBB  639 


GAP.  XXYm.    ABERGLAUBE. 


Ilülcr  aherglauben  ist  nicht  der  gesamte  iiilialt  des 
lieldnischeu  glaubens,  der  eia  \vahn,  eiu  falscher  glaube 
ersclieiiU,  üu  vcrstehn,  sondern  Jie  belbehaltung  einzelner 
Leidnischen  gebrauche  und  niciuungen.  der  bekehrte  Christ 
verwarf  und  verabsclieute  die  gotter  der  Heiden,  in  sei- 
nem herzen  blieben  aber  noch  Vorstellungen  und  gewolin- 
Leiten  haften ,  die  ohne  offenen  bezug  auf  die  alte  lehre 
der  neuen  nicht  unmittelbar  zu  widerstreben  schienen,  da, 
wo  das  christenthum  eine  leere  stelle  gelassen  hatte,  wo 
sein  geisl  die  roheren  gemüler  nicht  sogleich  durchdringen 
konnte,  wuclierte  der  aberglaube.  Niederdeutsch  sagt  man 
bigloi^e,  beiglaube,  nnl.  overgelöf ^  bigelof y  dän.  ot^er- 
troy  isl.  hiatruj  die  alle  dem  lat.  superslitio  nachgebildet 
wurden,  das  selbst  aus  supersles  abzuleiten  ist,  und  ein 
in  einzelnen  menschen  fortbestehendes  verharren  bei  an- 
sichten  bezeichnet,  welche  die  grofse  menge  vernünftig  fah- 
ren lälst,  ein  Weissager  hiefs  den  Römern  superslitiosus 
honio.  auch  in  dem  schwed.  ausdruck  i^idskepelse ,  über 
den  llire  seltsame  Vermutungen  aufstellt,  hat  die  parlikel 
vid   deutlich  den  sinn  von  neben. 

Es  gibt  zwei  arten  des  aberglaubens ,  einen  thätigen 
und  leidenden  y  jener  mehr  das  augaviiun^  sortilegiuniy 
dieser  mehr  das  omen  der  alten  Völker.*)  Wenn  dem 
menschen,  ohne  sein  zuthun,  von  höherer  band  ein  auf- 
fallendes zeichen  gegeben  wird,  folgert  er  daraus  heil  oder 
Unheil.  Entspringt  das  zeichen  aber  nicht  von  selbst,  lockt 
er  es  erst  durch  seine  Verrichtung  hervor,  so  besteht  eiu 
positiver  aberglaube.  Das  christenthum  hat  natürlich  dem 
positiven,  der  mit  heidnischen  brauchen  vermischt  war, 
eher  zu  steuern  vermocht,  als  dem  schuldlosen  negativen 
aherglauben ,  der  wie  gespensterfurcht  auf  das  mensch- 
liche gemüt  wirkte. 

Gebräuche  des  thätigen  aberglaubens  haben  immer 
practische  zwecke,  der  mensch  will  sich  von  einem  gegen- 
wärtigen übel  frei  machen,  z.  b.  ein  siechthum  entlernej!, 
seinen  feind  wegschaffen,  oder  er  will  sein  künftiges  glück 


*)  die  göttliche  allmaclit  bringt  wunder  (g.  579)  liervor,  eine  zu- 
falKge  naturerscheinuDg  blofse  vorbedeutunf^en^  oniina,  portenta,  wo- 
für Ulfilas  den  dm^tvixk  fauratanja  hat,   Marc.  13,22.   Job.  6,26. 


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640  WEISSAGUNG 

wUseif  und  sicherD.  Hierbei  ist  nicht  zu  übersehn,  wie 
oft  nach  Verschiedenheit  der  zeiten  und  Völker  die  nenili- 
chen  brauche  veränderte  beziehuog  und  deutung  empfan- 
gen; diese  bewandtnis  hatte  es  auch  bei  den  absiebten  der 
Zauberei.  Was  unsere  vorfahren  hoften  oder  •fürchteten 
bezog  sich  mehr  auf  krieg  und  sieg,  der  heutige  landmann 
sorgt  um  ßciii  2etraide  und  sein  vieh.  Wenn  die  heid- 
nische Zauberin  durch  ihren  hagel-das  feindliche  beer  ver- 
dirbt, so  macht  die  hexe  weiter  für  des  nachbars  aeker. 
Ebenso  prophezeiiit  sich  der  bauer  gedeililichen  acker  aus 
dem  zeichen,  das  in  der  vorzeit  sieg  bedeutete,  aber  aueli 
landbau  und  viehzuclU  reichen  in  ein  hohes  alterthum  und 
eine  menge  abergläubischer  gebrauche,  die  mit  ihnen  zu- 
sammenliängen,  zieht  sicli  unverrückt  durch  lange  )ahrhiui- 
derte.  Daneben  sind  aUe  richtungen  des  aberglaubens  auf 
häusliche  Verhältnisse,  auf  gehurt,  freien  und  sterben,  na- 
türlich und  fast  unwandelbar  in  dem  lauf  der  zeiten;  der 
aberglaube  bildet  gewissermafsen  eine  religion  für  den  gan- 
zen hausbedarf. 

Ein  hauptstück  des  aberglaubens  sind  die  weisaagun-- 
gen.  der  mensch  möchte  den  schleier  lüften,  den  zeit  und 
räum  über  seine  wichtigsten  angelegenheiten  geworfen  ha- 
ben;  durch  anwcndung  geheimer  mittel  glaubt  er  aus- 
kunft  zu  erlangen,  erlaubte  und  unerlaubte  Weissagungen 
waren  \on  jeher  ein  geschäft  des  pries ters  und  Zau- 
berers (8.581.  582):  jene  gehören  zur  religion,  diese  zum 
aberglauben.  *) 

Vorzüglich  aber  bezieht  sich  alle  Weissagung  auf  cr- 
forschung  hiinjtiger  dinge,  denn  sie  sind  die  ungewisse- 
sten, das  vergangne  ist  geschehen  und  erfahren,  seiner 
kann  sich  auf  vielen  wegen  versichert  werden ;  was  in  der 
gegenwart y  in  fernem  räum,  geschieht,  spürt  der  mensch 
am  seltensten  reiz  zu  erkundigen;  ein  beispiel  ist  s.  619 
vorgekommen:  der  pilgrim  wird  durch  Zauberkunst  in  den 
stand  gesetzt  zu  sehen,  was  in  seiner  heimat  voi'geht.  doch 
hat  aucli,  die  gegenwart  üir  ungewisses,  wenn  art  und 
weise  entschieden,  vorzüglich  wenn  etwas  getheilt  wer- 
den soll. 

Waren  ereignisse  und  haudlungen  der  Vergangenheit 
in  dunkel  gebullt,    so  kannte  das  alterthum  ein  geheiligtes 

')  bemerk CDswerth  ist  die  erbliche  fortpflantung  der  weissagnngf- 
gäbe,  sie  geiit  voa  der  mutter  auf  die  älteste  tochter  üt>er  (anb. 
8.  LXV);  es  gibt  gescblecliter  die  sich  dadurcJi  auszeichuen,  aber  ««rh 
einzelne  menschen,  denen  das  vermögen  zu  weissagen  angeborea  ist, 
vgl.  abergl.  996. 


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SIBBDREHEN  641 

miltel  der  entdeckimg ,  die  gottesurteilex  riickwärls  ge- 
kehrte Weissagungen  von  sicherem,  iinaiisbleiblichem  er- 
folg, dessen  die  gerichlsverhandlung  bedurfte,  allen  deut- 
schen gottesurteilen  ist  aber  -wesentlich^  dafs  der  angeschul- 
digte selbst  ihren  ritus  vornehmen  muste;  niemals  konnte 
er  in  die  band  des  richters  gelegt  sein.  Von  diesem  begrif 
unterscheidet  sich  also  das  seit  dem  mittelalter  gebräuchli- 
che siebtreiben  oder  siebdrehen  ^  welches  durch  weise 
frauen  oder  hexen,  zuweilen  auch  durch  zauberer  geübt 
wurde,  um  einen  verborgenen  übelthäter  herauszubringen* 
das  -weib  fafste  ein  sieb  (erbsieb)  zwischen  ihre  beiden  mit- 
telfinger,  sprach  eine  formel  aus  und  nannte  nun  die  na- 
men  der  yerdachtigen  her:  bei  dem  des  thäters  üeng  das 
sieb  an  sich  zu  schwingen  und  umzutreiben,  man  wandte 
dies  zumal  gegen  diebe  oder  solche  an,  die  in  einem  auf- 
lauf  wxinden  geschlagen  hatten;  zuweilen  auch  auf  künf- 
tige dinge,  z.  b.  wer  der  freier  eines  mädchens  sein  würde. 
Die  frühste  erwahnung  finde  ich  in  dem  s.  590  mitgetheil- 
ten  gedieht:  'und  daz  ein  wtp  ein  sib  tribe,  sunder  vleisch 
und  sunder  ribe*),  dd  niht  inne  waere',  das  halte  ich  für 
erlogen,  sagt  der  Verfasser;  sein  Unglaube  mufs  sich  auf 
die  art  des  Umschwungs  beziehen,  das  sieb  ist  leer,  un- 
kürperlich,  ohne  fleisch' und  bein.  Nach  andern  beschrei- 
bungen  wurde  das  sieb  auf  eine  zange  gelegt,  diese  zwi- 
schen beiden  mittelfingern  in  die  höhe  gehalten.  In  Däne- 
mark nahm  der  hausherr  selbst  die  prüfung  vor,  indem 
er  das  sieb  im  gleichgewicht  auf  die  spitze  einer  scheere 
stellte  (dän.  abergl.  132.)  Dieses  sieblaufen  (siebjagen, 
siebtanz)  mufs  im  16  und  17  jh.  in  Frankreich  und 
Deutschland  sehr  üblich  gewesen  sein,  viele  büclier  reden 
davon  und  stellen  siebdreher  und  Segensprecher  zusam- 
men **) ;  vielleicht  ist  es  noch  jetzt  hier  und  da  in  anwen- 
dnng,  vgl.  Stender  s.  v.  seetinu  tezzinaht  (sieb  laufen  las- 
sen)   und    gramm.   s.  299,   die  Letten  stecken  es  an   eine 


*)  dafs  rihe  für  libe  zu  lesen  sei,  weist  mir  Wilbelm  aus  Parz. 
184,  15,  wo:  gerumpfen  was  in  diu  liüt  zuo  den  riben,  auch  Trist. 
2905.  3175.  3178  schreibe  man  ribe^  nicht  riebe.  Wir  sind  durch  das 
PP  in  rippe  verwöhnt,  aber  B  verhält  sich  dazu  ganz  organisch;  das 
altn.  rif  fordert  ein  mhd.  ribe,  wie  gefa  geben,  drifinn  getrieben,  PP 
entspringt  wegen  des  folgenden  1,  rippe,  wie  sippe  altn.  sif.  Das 
neutr.  ripj}e  (Trist.  2891)  ist  costa  (einzeln),  das  fem.  ribe  rippen- 
Seite   (franz.  le  c6te.) 

**)  Fischarts  dämononi.  p.71.  Hartmann  von  segenspr.  99.  Simplic. 
2,  352.  Ettners  apoth.  1187.  Joh.  Praetorius  vom  sieblaufe.  Curiae 
Varisc.  1677.   4. 

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642  WEISSAGUNG 

scbafechere.  Es  war  aber  schon  den  Griechen  bekannt, 
Theocril  3,  31  nennt  eiue  ftooxivo/ifavriS^  «nd  Ludan  1.753 
hat  xoaxlro)  (navTSveoS-ah  den  hergang  der  %oa%tyofiav^kit 
schildert  Polier  1,  766  so:  das  sieb  wurde  an  einem  fadcB 
in  die  liöhe  gehahen,  man  betete  zu  den  göttern  und  spnch 
die  verdächtigen  namen  aus;  bei  dem  des  thäters  gericlli 
das  sieb  in  dreliung. 

Auf  ähnliche  weise,  wie  das  sieb,  liefs  man  einen  erb- 
Schlüssel,  der  in  die  bibel  (zwischen  das  erste  cap.  Johait- 
nis),  oder  ein  6cz7,  das  in  eine  kugel  gesteckt  wurde,  hä 
nennung  des  namens  in  bewegung  gerathen  (abergl.  932.) 
Ich  vermute  das  umlaufen  des  lotter/iolzes,  welches  sprucli- 
sprecher  ( iotterbuben ,  freiharte)  trugen  (H.  Sachs  IV.  3, 
58*),  geschah  auch  um  zu  weissagen;  fragm.  15^  heifst  es 
schon:    'louf  umbe  lotterholz,  louf  umbe  gedrdte!' 

Als  Überrest  des  Judicium  offae  oder  casei  (RA.  932) 
kann  betrachtet  werden,  dafs  man  des  diebstals  verdici- 
tige  von  einem  gesegneten  käse  essen  liefs :  dem  wahren  dieb 
bleibt  der  bissen  im  hals  stecken.     Hartlieb  im  anh.  s.  LX*} 

Noch  andere  mittel  künftige  dinge  zu  wahrsagen  konn- 
ten auch  auf  erforschung  der  diebe  oder  misselhäter  über- 
haupt gerichtet  sein. 

Das  lo/s  (ahd.  hlöz,  goth.  hlauts,  ags.  Meat,  ttai. 
hlautr)  war  die  ehrwürdigste  und  gerechteste  art  aller 
Weissagungen,  ein  schwieriges,  bedenkliches  geschaft  sdle 
dadurch  über  die  wiükür  oder  leidenschaft  der  menscbcn 
erhoben  und  geheiligt  werden,  z.  b.  bei  der  austheiluug 
des  erbes ,  ausmiltelung  des  schlachtopfers  u.  s.  w.  Lofsen 
entscheidet  also  über  eine  Unsicherheit  der  gegenwarij 
kann  sich  aber  auch  auf  die  zuhunft  erstrecken.  Anfasgs 
in  der  hand  des  priesters  oder  richters  gelegen  wurde  es 
hernach  behelE  der  Zauberei  (8.582.584)  und  von  sors  ist 
sortilegus,  sorcier  hergeleitet. 

Es  gab  zwei  weisen :  der  priester,  der  hausvatcr  war} 
das  lofs  und  deutele  das   gefallene,    oder  er   hielt   es  der 

*)  die  obgervationes  ad  Ivonis  epistolas  p.  IST  eothalten  fol^id«: 
formulae  in  codicibos  monasteriorum ,  quibua  ad  detegenda  fort»  jali^ 
batur  oratio  dominica  scribi  in  pane  et  caseo ,  postea  fieri  cructi  ^ 
tremulo  ,  quarum  una  sub  dextero  pede,  alia  super  caput  sospecti  ^m 
poneretnr ,  deinde  post  rarias  numinis  invocationes  Iroprecari,  nt  \x^ 
et  guttnr  rei  alligaretar,  ne  transgluHre  passet  >  sed  eorom  oai«« 
fremeret ,  nee  liaberet  quo  reqoiesceret  cf.  formulam  Dnnstani  ^^^ 
rieni«  editam  a  Pitlhoeo  in  glossario  caiiitularionini.  Gegen  die  w- 
kreuzten  käse  (de  caseis  cruce  non  signaudis)  ersdiienen  im  '^  ^ 
mehrere  Verordnungen  (ork.  von  14JM).  1448.  1470.  1477  in 
buic.  16,  50.  56.  58.  61.) 


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WEISSAGUNG  .         643 

partei  zum  ziehen  hin«  jenes  gieng  auf  das  künftige,  dieses 
auf  Schlichtung  des  gegenwärtigen.  Tacilus  beschreibt  uns 
die  erslere  art. 

Sortiuni  consuetudo  simplex.  virgairiy  frugiferae  ar- 
bori  decisam,  in  surculos  amputant^  eosque  notis  qui- 
busdam  discretos  super  candidam  veste/n  temere  ac  for- 
tuitu  spargunt.  mox  si  publice  consuletur,  sacerdoa  civi- 
tatis, sin  privatim  ipse  pater  fami/iaej  precatus  deos  coe- 
lumque  suspiciens,  ter  ainguloa  tollit^  sublatos 'secundum 
impressam  ante  notam  interprelaUir.  Si  prohibuerunt^ 
nuUa  de  eadem  re  in  eundem  dicin  consultatio;  sin  per- 
missuniy  auspiciorum  adhuc  fides  cxigitur.  Gernu  10.  Hier 
macht  das  lol's  nur  die  erste  einleituiig  des  geschäfts,  und 
obne  seine  Zustimmung  unterblieben  w^eilere  Weissagungen. 
Ich  schreibe  die  wichtigen  erläuterungen  nicht  ab,  die 
mein  bruder  in  seiner  Schrift  über  die  runen  s.  296  —  307 
gegeben  hat.  Ein  gewisser  Zusammenhang  dieser  lofse  mit 
runen  und  geheimschrift  findet  statt;  der  lofsbücher  thut 
schon  das  13  jh.  meidung.     Ls.  3,  169.  kolocz  70. 

Eine  ganze  reihe  von  Weissagungen  ist  durch  Grie- 
chen und  Römer  in  das  übrige  Europa  verbreitet  worden*); 
dabin  gehören  auch  Hartliebs  nachrichten  von  der  liydro» 
mantiay  pyromantia  u.  s.  w.  Tanh.  s.  LX  ff.)  das  chri- 
stallschauen  des  reinen  kinds  (s.  LXIV)  ist  die  gastrO" 
mckntia  ex  vase  aqua  pleno,    cujus  meditullium  vocabatur 

Wichtiger  sind  die  eigenthümlichen ,  nicht  aus  dieser 
quelle  Hiefsenden  gebrauche  europäischer  völker,  entweder 
giengen  dabei  besondere  Verrichtungen  vor,  oder  die  Weissa- 
gung wurde  natürlichen  ^wk^i^vt  oh  gelauscht  ^  abgehorcht  ^ 
ab  gesehn  • 

Die  alten  Polen  weissagten  sieg  aus  dem  wasser  das 
in  ein  sieb  geschöpjt  ihrem  beer,  ohne  durchzulaufen, 
vorausgetragen  wurde*  ich  schalte  die  worte  des  chroni- 
con  montis  sereni  (Menken  2,  227.  Hoffmann  Script,  rer. 
lus.  4,  62)  ein:  anno  1209  Conradus,  orientalis  marchio, 
Lubus  castrum  soceri  sui  Wlodislai  ducis  Poloniae  propter 
multas,  quas  ob  eo  patiebatur,  injurias  obsedit.  Wlodis- 
laus  vero  obsidionem  vi  solvere  volens  collecto  exercitu 
copioso  marchioni  mandavit,  se  ei  altera  die  congressurum. 
Vespere  autem  diei  praecedentis  Oderam  fluvium  cum  suis 
Omnibus  transgressus   improvisus  superveuire  hostibus  mo- 


*)  alphabetisch    verzeichnet   io    Fabricii    bibliographia    aiitiquaria. 
ed.  3.    Hamb.  1760.  4.  p.  593  —  613.  vgl.  Potters  archäol.  1,758  —  769. 

41* 

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644  SIEBTRAGEN       BIEGRABE 

liebatur.  Unus  vero  eorum,  qui  supani  dicuntur,  vdie- 
menter  ei  coepit  obsistere^  monens  ne  tetnpus  pugnae  et»- 
tutuoi  praeveniret,  quia  hoc  factum  nullius  rectius  quam 
infidelitaüs  posset  nomine  appellari.  Quem  dum  dux  limi- 
ditatis  argueret  et  fidelitatis,  qua  ei  teneretur,  commone- 
ret,  respondit,  ^ego  quidem  ad  pugnam  pergo,  sed  scio  me 
patriam  meam  de  cetero  non  visurum/  Habebat  aotem 
(sc.  Wlodislaus)  ducem  belli  pythonissam  quandam ,  i^^ 
de  flumine  cribro  haustam^  nee  defluentem^  ut  fere- 
batur,  duceris  aquam  exercitum  praecedebatf  ei  hoc 
signo  eis  victoriam  promittebat*  Nee  laluit  marchionem 
adventus  eorum,  sed  mature  suis  armatis  et  ordinatis  occinrw 
rens,  forti  congressu  omnes  in  fugam  vertit,  pylhonissa 
primitus  interfecta.  ille  etiam  supanus  viriliter  pugnaiis 
cum  multis  aliis  interfectus  est.  Was  hier  auf  glück  und 
heil  wird  sonst  auf  reine  Unschuld  gedeutet,  ein  fironiBier 
knabe  trägt  wasser  im  sieb,  ohne  dafs  ein  tropfen  dorcb- 
fliefst  (KM.  3,  254.)  was  der  mythus  begreift  sind  dem 
Sprichwort  Unmöglichkeiten:  ^er  schepfet  waazer  mit  dem 
sibe  swer  dne  vrie  milte  mit  sper  und  mit  schilte  enreli- 
ten  wil  ^re  und  laut.*    Troj.  18536. 

Nach  ags.  Überlieferung  liefsen  die  Normannen  ihren 
beer  eine  wunderbare  fahne  vortragen,  aus  deren  zeicben 
sie  sieg  oder  besiegung  entnehmen  konnten.  Asserius  in 
vita  Älfredi  p.  33  ad  a.  878 :  ^ . .  vexillum  quod  reafan 
(1.  raefan,  hräfen,  alln.  hrafn)  vocant.  dicunt  enim  quod 
tres  sorores  Hungari  et  Habbae,  filiae  videlicet  Lodebrochi 
illud  vexillum  texuerunty  et  totum  paraverunt  illud  uno 
meridiano  tempore.*)  dicunt  etiam,  q[uod  in  omni  hello, 
ubi  praecederet  idem  Signum^  si  i^ictoriam  adepturi  e»- 
sent,  appareret  in  medio  signi  quasi  con^ua  vivusvo^ 
litans]  sin  vero  vincendi  in  futuro  fuissent,  penderei  dtr- 
rede  nihil  movens:  et  hoc  saepe  probatum  est.'  Im  e»- 
comium  Emmae  (Duchesne  Script,  norm.  169)  heifst  es,  die 
fahne  sei  aus  weifser  seide,  ohne  bild,  gewesen,  in  kriegs- 
zeiten  aber  ein  rabe  mit  ofnem  Schnabel  und  flattem<ko 
Hügeln  darin  sichtbar  geworden,  sobald  sie  sieger  waren; 
hingegen  habe  er  stiD  gesessen  und  die  flügel  hängen  las- 
sen, wann  ihnen  der  sieg  entgieng.  Ailredus  rievalleo«. 
p.  353  erklärt  diesen  raben  für  den  leibhaften  teufel,  der 
freilich  in  rabengestalt  erschien  (s.  558) ;  näher  liegt  es  an 
den  vogel  des  heidnischen  siegesgoHes   zu   denken  (s.  387.) 


*)  das  spinnen   eines   fadens  zwi;ichen  XI  und  XII  (abergl.  B48) 
stimmt  sehr  merkwürdig. 


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GEWIEHER       GANSBEIN  645 

vielleicht  gab  Odhinn  dem  siegreichen  beer  das  zeichen,  dafs 
er  seinen  boten  herabsandte?  aber  keine  nord.  sage  thut 
solcher  kriegsfahne  meidung. 

Von  der  Weissagung  aus  heilbringendem  rossegewie- 
Jier  ist  s.  378  gehandelt«  Dempsler  (autiq.  rom.  3,  9)  sagt: 
equos  hinnitu  alacriore  et  ferociore  fremilu  victoriam  omi- 
nari  etiamnunc  militibus  persuasum  est.  Abergläubische 
liorcJien  weihnachts  zwölf  uhr  auf  sclieidewegen,  an  grenz- 
steinen:  vermeinen  sie  nun  Schwertergeklirr  und  pferde^ 
gea^ieher  zu  hören ,  so  wird  im  künftigen  frühjahr  ein 
krieg  entstehn  (wie  man  aus  dem  pferdegewieher  des  wü- 
tenden heers  krieg  weissagt,  s.  526.  527.)  mägde  horchen 
um  jene  zeit  an  der  schwelle  des  Pferdestalls  auf  das 
wiehern  der  hengste,  und  vernehmen  sie  es,  so  wird  bis 
zum  24  juni  ein  freier  erscheinen.  (Liebusch  Skythika 
p.  143.)  andere  legen  sich  Weihnachten  in  die  pf erdehr ippe, 
um  künftige  dinge  zu  erfahren  (Denis  lesefrüchte  1,  128.)  , 

Spatulamancia  bei  Hartlieb  (anh.  LXV)  ist  verderbt 
aus  scapulimantia ,  imd  die  kunst  scheint  von  den  Rö- 
mern oder  Byzantinern  herzurühren.  .  nach  Lambek  7,  224 
findet  sich  auf  der  wiener  bibl.  eine  abhandlung  des  Mi- 
chael Psellus  (ich  weifs  nicht,  welches?)  neQl  ci/iiOTiXaTO' 
ononiaS'  auch  Vintler  (s.  LIV)  gedenkt  des  ansehens  der 
Schulterbeine. 

Ahnlich  ist  ihr  die  Wahrsagung  aus  dem  ganshein  (ex 
anserino  sterno)  Hartlieb  LXVI,  die  in  späterer  zeit,  wahr- 
scheinlich heute  noch,  unter  dem  volk  vorkommt,  vgl.  abergl* 
341.  dän.  163.  ich  habe  mir  folgende  stellen  darüber  an- 
gemerkt. Ettoers  ungew.  apoth.  p.  1144:  'und  was  müs- 
sen nicht  die  brustbeine  der  capphanen^  gänse  und  enten 
vor  prognostica  herlehnen?  sind  dieselben  roth,  so  urthei- 
len  sie  eine  anhaltende  kalte,  sind  sie  aber  weifs,  klar 
und  durchsichtig,  so  werde  das  wetter  im  winter  erleidlich 
sein.'  Martinsgaos  durch  Job.  Olorinus  variscus  (Magdeb. 
1609.  8.)  p.  145:  'ihr  guten  alten  mütterlein,  ich  verehre 
euch  das  brustbein ,  dafs  ihr  calendermäfsig  daraus  war- 
sagen lernet  und  Wetterpropheten  werdet,  das  förderste 
theil  beim  hals  bedeutet  den  Vorwinter,  der  hindcrste  theil 
den  nacliwinter,  das  weifse  bedeutet  schnee  und  gelinde 
welter,  das  andere  grofse  kälte.'  Gauskönig  von  Lyco- 
sthenes  Psellionoros  (Wolfg. Spangenberg)  Slral'sb.  1607. CHI: 
'das  brustbein,  so  man  nennt  das  ros  (kindern  zum  selb- 
springenden  röslein  vermacht),  und  auch  den  alten  mütter- 
lein, die  draus  prognosticieren  fein,  und  an  der  färb  wis- 
sen,   ou   gtärden,    ob    werd    ein    kalter    winter    werden.* 


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646         FISCHREUSEN        HEILIGE  SAAT 

rliylhmi  de  ansere  (bei  Dornau  1,  403):  'wie  dann  das 
bein  in  meiner  brüst,  das  trag  ich  auch  uit  gar  lunbsust, 
denn  man  darin  kan  sehen  wol ,  \vie  es  den  vrinter  win- 
tern soll;  und  mancher  sich  danach  fast  helt,  und  micfa 
für  ein  propheten  zeit.' 

Die  Ehsten  weissagten  sich  weiter  und  fruchtharieit 
aus  fischreusen.  Gutslaflfs  worte  (in  seinem  buch  über 
Wühhanda)  p.  209  —  211  sind  diese:  'zwar  es  ist  nur 
neulich  erzehlet  worden^  das  die  bauren  vor  diesem 
an  dieser  bäche  ihr  augurium  wegen  des  wettei:s  ge- 
habt betten,  welches  sie  also  verhandelt,  sie  betten  in 
diese  bäche  drei  lörbe  gesetzet  neben  einander,  und,  unge- 
achtet der  eufsersten  beiden,  betten  sie  nur  auf  den  mit» 
telsten  lorb  alleine  achtunge  gegeben,  was  für  gattunge 
von  fischen  in  denselben  küme.  denn  so  in  den  mittelsten 
ein  unachuppigter  fisch,  als  ein  krebs  oder  qiiap  oder 
dergl.  hineingekommen  were,  betten  sie  sich  eines  bösen 
Wetters  und  uofruchtbaren  Jahres  zu  besorgen  gehabt:  dar- 
umb  so  hetten  sie  einen  ochsen  geopfert,  umb  gut  wetter 
zu  erlangen,  darauf  hetten  sie  die  körbe  wiedernmb  also 
eingestellet ,  und  da  abermahl  ein  unschuppiger  fisch  in 
demselben  befunden  worden,  so  hetten  sie  zum  andern  mal 
einen  ochsen  geopfert^  und  darauf  zum  drittenmale  die 
körbe  wieder  eingcsetzet.  bette  sich  nun  wieder  ein  un- 
schuppiger  fisch  darin  befnuden,  so  hetten  sie  vors  dritlt 
ein  hind  geopfert,  umb  gut  wetter  und  fruchtbare  zeit 
zu  erlangen,  und  darauf  zuletzt  die  körbe  wieder  einge- 
setzct.  wenn  sie  denn  nun  nicht schüppichte  fische  im  mit- 
telsten korbe  gefunden,  so  hetten  sie  es  ihnen  gefallen  las- 
sen imd  betten  sich  mit  gedult  darin  ^gegeben,  hettec  sie 
aber  schüppichte  fische  darinnen  gefimden ,  so  hetten  sie 
sich  eines  guten  wetters  und  fruchtbaren  Jahres  vermutet, 
welches  sie  mit  freudcn  wai'genonimen.'  Ganz  verschieden 
war  die  gr.  tjK&vo/^iavTeiu  aus  der  fische  einge weiden  (Pot- 
ters archäol.  1,  703.) 

Wie  dem  rossewiehern  (s.  645)  gehorcht  wurde,  lausdile 
man  nachts  in  den  Saatfeldern:  Weihnachten  in  die  win* 
tersaat  gehn  und  die  zukunft  erhorchen,  mainachts  in  das 
grüne  hörn  (abergl.  420.  854.)  Das  getraide  war  hei% 
der  heilego  ezesg  N.  ps.  140,  7  (goth.  atisks),  das  liebe 
körn  (gramm.  3,  665.)  wahrscheinlich  vernahm  man  nun 
in  der  saat  sitzend  stimmen  oder  reden  der  geister  über 
die  bevorstehenden  ereignisse.  Man  horchte  auch  auf  it/eux- 
wegen  (abergl.  854.  962),  wo  grenzen  zusammenstiefsefi: 
solche  wegscheiden  galten  füi-  sammelörter  der  geister  und 


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WEGSCHEIDB       PACH       NIESEN       647 

hexen  (s.607  und  abergl.  647),  vgl.  das  allD.  ^iLar  sein  götur 
moelast'  (fornm,  sog.  3,  22.)  an  wegsclieiden  standen  viel- 
leicht götterbilder  der  Heiden,  denn  es  heifst,  dafs  man  ad 
biuia  gebetet,  geopfert  und  lichter  angezündet  habe  (anh. 
XXXVI.)  ebenda  ist  auch  die  rede  von  sitzen  auf  der 
w^egscheide,  ohne  dafs  der  saat  erwähnt  würde:  in  bwio 
sedisti  supra  taurinam  cutem^  ut  ibi  futura  tibi  intellige- 
res  (XXXVI.)  die  ochsenhaut  deutet  mir  gleich  der  feä- 
renJiaut  (8.566.  vgl.  Reinh.  s.  LVl)  ein  heidnisches  opfer 
an.  Einige  setzten  sich  neujahrs  auf  das  hausdach,  Schwerte 
umgürtet ,  und  erforschten  die  zukunft  (das.)  diese  stelle 
mufs  wiederum  heilig  gewesen  sein,  da  man  auch  kranke 
kinder  auj  das  dach  setzte  zur  herstellung  (XXXV.  XX  XVI 1.) 
bezieht  sich  darauf,  dafs,  wenn  einer  nicht  sterben  kann, 
schindeln  auf  dem  dach  umgewendet  oder  ausgehoben 
werden  (abergl.  439.  721)?  auch  wenn  ein  kind  Verzü- 
ckungen hat  kehren  sie  eine  schiudol  auJ  dem  dache  um 
(Jul.  Schmidt  121.)  Eigenthümlich  wird,  unter  Zuziehung 
eines  erbschlüssels  und  zwünknäuels  zum  fensler  hinaus 
gehorcht  (abergl.  954.) 

Niesen  (nraigeiv,  sternuere)  war  schon  in  ältester 
zeit  bedeutsam,  einige  halten  es  für  einen  gelinden  scblag- 
flufs,  für  eiue  augenblickliche  lälimung,  während  welcher 
der  mensch  des  freien  gebrauchs  seiner  gliedmafsen  beraubt 
ist  (anh.  LXII.)  Die  Griechen  riefen  dem  niesenden  zu: 
Z/;^<,  Zev  odaov.  vgl.  anthol.  gr.II.  13, 11.  Plin.  28,  2.*) 
auch  die  Araber  grüfsen  beim  niesen  (Rückerts  Hariri  1,  543.) 
aus  den  dichtem  des  JMA.  folgende  stellen :  die  Heiden  nicht 
endorfteu  niesen ,  M  man  doch  sprichet  *nu  hel/iu  gotP 
Turl.  Wh.  35 ;  Christ  in  helje,  so  sie  niesen.  MS.  2, 169^>; 
durch  daz  solte  ein  schilt  gesellen  kiesen ,  daz  im  ein  an- 
der heiles  wünschte^  ob  dirre  schilt  künde /z/e.s^/?.  Tit.  80; 
sd  a^ünsch  ich  dir  ein  niesen.  MS.  2, 217**;  vgl.  Königsho- 
ven  p.  302.  Den  Griechen  schien  das  niesen  etwas  göttli- 
ches :  Tov  maQ/tiov  &e6v  rjyövfAB&a.  Arist.  probl.  33, 7. 
vgl.  1 1, 33.  Xenoph.  exp.  Cyri  3,  2,  9.  Theoer.  7,  96.  18, 16. 
benieste  worte  werden  wahr.  Od.  17,  541.  545.  ster-- 
nutationes  nolite  observare.  (Eligius  anh. XXIX.)  luden 
christnachten   niest    man    nicht,    so   stirbt   das    vieh   nicht 


*)  sternutautibus  salvcre  dictum  antiquior  mos  quam  putatur.  Va- 
le«ias  in  Vale«ianitf  p.  68.  pourqnoi  on  fait  des  sonhnitä  eu  faveur  de 
ceux  qui  eterouent.  Moria  iu  den  m^m.  de  Tacad.  das  iiiscr.  4,  325. 
ge«ch.  der  formet  *gott  tielf  dir!*  beim  nieseu.  lierausg.  von  Wielaod. 
Liudau  1787. 


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648  OHRKLINGBN        SCHEIT 

(anli.  L.)    merkwürdig  ist  Hartliebfi  steile  (LXII.)  vgl.  abergL 
186.  266.  437.  ehstn.  23. 

Ohrenhlingen,  garrula  auris,  ßoftßog^  wenn  am 
recliten  olir,  glücklicli.  'absentes  tinnitu  aurium  praesen- 
tire  de  se  receplum  est.'  Plin.  damit  vgl.  abergl.  82.  802 ; 
orenaausen  aiili.  s.  XL VIII.  zittern  des  auges.  äXXi%ai 
offd-aXfios  /itot  6  db^toQ.  Tlieocr.  3,  37.  brauen  und  wan^ 
genjucleri.  anli.  8.  XL,  XLI  und  abergL  141.  'si  vibrata 
ealilione  insuetum  alter  oculorum,  dexter  vel  sinisler  pai- 
pitaret,  si  concutereutur  ac  veluti  exsillrent  aut  trepidarent 
musculi,  bumeri  aut  femora  etc.  mali  erant  ominis.'  Demp- 
8ter  antiq.  rom.  3,  9.  vgl.  Suidas  8.  v.  oi(aviO%txi^r.  Hier- 
ber  auch  nasenbluten  $  wenn  an  der  linken  seite,  unglüdL* 
lieh  (abergl.  825.)  wer  an  der  thür  beim  ausgeben  hdn^ 
gen  bleibt^  an  die  schwelle  stöjstj  ist  zurückzutreten 
gewarnt  (abergl.  248.  895.) 

Unverwandt  rünüscbem  oder  griecliiscbem  aberglaubeo, 
so  viel  ich  sehe,  sind  die  manigfalten  weisen,  künftige 
freier  oder  liebhaber  zu  erforschen.  Das  mädchen  lauscht 
dem  gackern  des  hahna  (abergl.  101)  oder  sie  wirjt  den 
blumenhranz  (abergl.  848.  1093.  vgl.  867)  oder  sie  zieht  in 
bestimmtel*  nacht  ein  scheit  aus  dem  /tolzhau/en^  einen 
stecken  aus  dem  zäun  (anh.  s.  XL  VI.  L.  abergl.  109.  958) 
und  zwar  rücklings  hinzugehend;  oder  bei  dunkler  nacht 
greift  sie  in  die  heerde,  um  einen  widder  heraus  zu  zie* 
hen  (abergl.  952.)  das  rückwärts  gelien  und  naclend 
sieben  ist  dabei ,  wie  in  andern  fallen ,  gewöhnliches  erfor- 
dernis  (abergl.  506.  507.  928  vnd  s.  LVI.)  Auch  wirJt  sie 
das  henid^  nackend^  zur  thür  hinaus  (abergl.  955.)  oder 
gi^eift  rücklings  aus  der  thüre  nach  des  liebsten  haar 
(abergl.  102.) 

Gleich  der  erforschung  des  bräutigams  war  es  wichti- 
ges anliegen,  das  gesclUecht  des  kindes  voraus  zu  wissen, 
das  eine  mutter  zur  weit  bringen  wird.  Man  weissagte  es 
aus  der  begegnung  beini  kirchgang  (483),  aus  früheren  kindem 
(677.  747),  aus  dem  niesen  (ehstn.  23.)  dafs  eine  frau 
lauter  töchter  gebähren  werde,  liefsen  andere  zeichen  sdilie« 
fsen  (678.  ehstn.  22.)  Ein  altfranz.  gedieht  bei  Meon  3, 34 
hat  folgende  stelle : 

voire  est  que  je  sui  de  vous  grosse, 

si  m'enseigua  l'on  Sl  aler 

entor  le  mostier  sans  parier 

trois  tors^  dirc  trois  patenostrcs 

eu  Tonor  dieu  et  ses  apostres; 

une  fosse  au  taloii  feissc, 


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SALZ        BLEI       ANGANO  649 

et  par  trois  )or8  i  revenlsse: 

s'au  tiers  jorz  o^eri  le  trot^oie 

tfetoit  un  fils  qu^ai^oir  devoißy 

et  «'//  etoit  cloSf  c'etoit  fille. 
Schuhe  über  das  baiipt  werfen,  und  sehen,  wohin 
sich  die  spitze  kehrt,  erforscht  den  ort,  an  welchem  ein 
mensch  länger  bleiben  soll  (s.  LVII.  abergl.  101.)  die  ser- 
niones  disc.  de  tempore  nennen  unter  abergläubischen  weih* 
nachtsbräuclien  das  calceos  per  caput  jactare.  (sermo  XL) 
Sie  führen  auch  an,  ^qui  cumuloa  salis  ponunt  et  per 
hoc  futura  pronosticant.'  abergl.  1081.  im  sterbhaus  werden 
wiederum  drei  aalzhaufen  gemacht  (abergl.  846.)  dieses 
bezieht  sich  auf  die  heiligkeit  des  salzes  (8.588. 608.)  Grie- 
chischer herkunft  scheint  das  weitverbreitete  bleigiefsen 
(abergl.  97.  579.  anh.  S.LXV);  auch  Ihre  (ie  superstit. 
p.  55)  erwähnt  seiner ,  vgl.  die  molybdomantia  ex  plumbi 
liquefacti  diversis  motibus  (Potters  archäoL  1,  339.) 

Keine  art  von  aberglauben  hat  aber  durch  das  ganze 
mitlelalter  tiefere  wurzel  geschlagen  als  die  Vorbedeutungen, 
die  man  unter  den  benennungen  aneganc,  widerganCf 
widerlouf  verslani.  thier,  mensch,  sache,  auf  die  man 
frühmorgens,  wenn  der  tag  noch  frisch  ist,  beim  ersten  aus- 
gang  oder  unternehmen  einer  reise  stiefs,  bezeichneten 
heil  oder  unheil  und  mahnten  das  begonnene  fortzusetzen 
oder  wieder  aufzugeben.  Wie  der  beginn  eines  jeden  werks 
bedenksam  ist  (omina  principiis  inesse  solent,  Ovid.  fast. 
1,  178),  wie  der  erste  eintritt  in  ein  neues  haus  vorsichtig 
unternommen  wird  (vgl.  s.  573);  so  beachtete  man  alle 
zeichen,  die  sich  bei  bestimmten  ausfarten  und  reisen  er- 
gaben. Ivodia  ov/ußoXa  nannten  es  die  Griechen,  und  mit 
ihnen,  den  Römern,  ja  morgenländischen  Völkern  -haben 
wir  die  meisten  gemein,  bei  fast  durchgreifender  ausbrei- 
tung  dieser  angänge  ist  es  kaum  glaublich,  dafs  sie  erst  im 
gefolg  der  latein.  literatur  zu  den  deutschen  gelangt  seien: 
sie  beruhen  auf  älterer  Verwandtschaft  aller  europäischen 
Völker,  und  schon  der  frühste  beobachter  unserer  vorfah- 
ren, Tacitus,  bemerkte  diese  art  der  Weissagung  bei  ihnen : 
^auapicia  sorlesque,  ut  qui  maxime  observant  • . . .  et  illud 
qiüdem  etiam  hie  notum,  avium  uoces  polatusque  inter- 
rogare.'     von  den  pferdeu  s.  378. 

Ich  will  erst  die  siellcii  angeben ,  welche  mehreres  zu- 
flammen  fassen ,    und  dam»  das  einzelne  erläutern. 

Das  fi*ülisle,  aber  sehr  allgemein  redende  zeugnis  fin- 
det sich  bei  Kligius  (anh.  s.  XXXI):  *nullus  obervet  egre- 
dicns  aut   Ingrediens   domuni,    quid    sibi   occurraty   vel  si 


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650  ANOANG 

aliqua  vox  reclamantis  fial;,  aut  qualis  auis  cantus  garrial 
vel  quid  eliam  portantem  videal.'  Gregor,  turon.  7,  29 : 
<et  cuiii  iter  ageret,  ut  consuetudo  est  barbarorum,  aa- 
spicia  int  ender  e  coepit  ac  dicere,  sibi  esse  contraria.'  be- 
stimmter redet  Johannes  sarisberiensis  (f  1182)  im  polycra- 
ticus  sive  de  nugis  curial.  1,  13:  ^qiiid  cornix  loquattir  di- 
ligenter  ausculta,  leporis  timebis  occursiim,  lupo  ohvio 
congralulaberiö ;  sacerdotem  aliumve  religiosuni  dicuot 
esse  infaustum ;  feniinarn  quoque,  quae  capite  discooperio 
incedit,  infelicem  crede.'  Petrus  blesensis  (•{•  um  1200) 
epist.  65:  'somuia  igitur  ne  eures,  nee  te  illorum  errore 
involvas,  qui  occursum  leporis  timent,  qui  mulierem  spar- 
sis  crinibusj  qui  liominem  orbatum  oculis,  aut  rmiti" 
latum  pede^  aut  cuculatum  habere  obvium  detestaniur; 
qui  de  jucundo  gloriantur  hospitio,  si  eis  lupus  occur- 
saverir  aut  columba^  si  a  sinistra  in  dexteram  avis  S. 
Martini  volaverit,  si  in  egressu  suo  remotum  audiant 
tonitrufn;  si  hominem  gibbosum  obvium  habuerint  auf 
leprosum.^  *)  Wirnt  läfst  seinen  rechtgläubigen  Wigalois 
ausziehen : 
6182   deheiu  ungeloube  in  muote 

in  dem  hüse  noch  üf  dem  wege^ 

er  lie  ez  allez  an  gotes  pflege. 

Swaz  im  des  morgens  wider  liejf 

oder  swie  vil  diu  krä  gerief, 

swie  vil  der  milsäre  umbe  geßouc, 

der  ungeloube  in  niht  betrouc: 

wander  niht  dar  ÜF  ahte. 

Wir  haben  maneger  slahte 

bösheit  unde  gelouben, 

dd  mit  wir  uns  nü  rouben 

aUer  unser  saelecheit. 

ez  ist  vil  manegem  manne  Icit, 

swenne  im  ein  wtp  daz  swert  g(t. 

daz  lie  der  riler  ane  utt, 

ern  ahtet  niht  dar  üf  ein  hftr 

ez  weere  gelogen  oder  wAr: 

er  het  in  gotes  gnäde  gegeben 

beidiu  s^le  unde  leben. 


•)  liierzu  mufs  man  Clirysostonius  (gb.  354  f  407)  ad  popol.  aa- 
tiocli.  honi.  21  (opp.  Ktonne  1612.  6,  610)  nebnien:  nolioMiq  fU^- 
&ot¥  tt<;  Ttjv  olxiuy  lijv  luviov  tldfv  livO^Qianov  ^  i  f  ^io^jp  ^ol^«» 
t/  /  Ol  A  « t'  o  V 1  « ,  Hill  oUttviaa  co,  —     tuv  d:iuftijaff  nft^O^fpoi;^   f  ^o«**, 


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ANOANG  6»! 

$waz  im  des  morgens  wider  gie 

daz  engeAiich  der  riter  nie, 

wan  guoten  gelouben  liet  er  ie. 
Berthold  p.  58:  ^sd  gloubeut  eteliclie  an  boesen  aneganc, 
daz  ein  wolf  guoten  aneganc  babe ,  der  aller  der  werlte 
schaden  tuot,  und  ist  halt  so  unreine  daz  er  die  Hute  an 
stinket,  daz  nieman  bi  im  genesen  mac,  und  daz  ein  ge- 
wthter  priester  boesen  aneganc  habe,  an  dem  aller  gloube 

lit so  gloubent  eteUche  an  den  miusearn^  sd  ist  dem 

der  hase  uoern  wec  geloufen.  Als  ist  ir  unglouben  als 
yil^  daz  sin  nieman  ze  ende  komen  mag.'  hierzu  Ygl. 
man  abergl.  128.  Den  ausdruck  aneganc  bestätigt  Rudolfs 
weltchron.  (cod.  zeisb.  114^)  von  Moses  redend: 

er  verbot  allen  aneganc^ 

vogelvluc,  stimme  oder  sanc, 

daz  da  geloupte  niemen  an ; 
und  Walth.  118,  16  heifst  es  von  einem  unglückseligen: 
^wizzet,  swem  der  anegenget  an  dem  morgen  fruo,  deme 
g^t  ungelücke  zuo*'  Reinaert  1055  steht  dafür  tektn  ende 
ghemoet  (zeichen  und  begegnung),  Reineke  (Hakemanns 
ausg^  p.52  gemöte.  allgemeiner  ist  der  al^  ausdruck 
heitl  (omen.)  Aber  in  einem  eddischen  lied  (Saem.  184**) 
werden  drei  glückliche  zeichen  für  den  krieger  (beim 
seh  Werteschwingen ,  at  sverdha  svipon)  genannt:  das  erste, 
wenn  ihm  der  dunkle  rabe  folge  (fylgja  ens  deyqva 
hrafns)  *),  was  an  den  raben  der  glücksfahne  erinnert 
(s.  644);  die  beiden  andern  sind  deutlich  angänge,  da  ge- 
sagt wird  ^ef  thü  ert  ät  umlominnj  ok  ert  ^  braut 
buinn'*  (wenn  du  hinausgekommen  und  auf  dem  weg  be* 
grÜTen  bist.)  das  zweite  nemlich:  ^tvd  thü  litr  &  t4i 
standa  hrödhrjusa  haW*  (wenn  du  zwei  ruhmgierige 
männer,  d.i.  zwei  krieger  auf  dem  sprung**)  stehn  siehst); 
das  dritte:  ^ef  thü  thiota  heyrir  älf  und.  asklimom,  heilla 
audhit  verdhr  ef  thü  ser  thd  fyrri  jara^  (wenn  du  einen 
wolf  unter  der  esche  ästen  heulen  hörst ,  glück  beschieden 
ist  dir,  wenn  du  ihn  dann  ***)  fortlaufen  siehst)     diese 

*)  Nialssaga  cap.  8.  haben  zwei  blutraclier  gluck ,  weil  ihnen 
unterwegs  zwei  raben  folf^en  (hrafnar  tveir  flugo  medh  theim  alla 
leidh.)  begleiten  sie  als  Odhinns  boten?  oder  weil  sie  die  nahe  leiche 
wittern  ? 

**)  was  heir^t  ft  tAi  standa,  siija  (Saem.  266l>)  spretta  (S^m. 
269'«)  genau?  dat.  sg.  oder  acc.  pl.  des  fem.  ik  (digitus  pedis)  kann 
es  der  form  nach  schwerlich  sein,  und  scheint  eher  ein  casus  masc. 
und  ein  OrtPHicr  begrif. 

***)  thii  nehme  ich  für  tum,   eo  momento. 


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6&2  ANGANG 

drei  zeichen  gibt  Hnikarr  (Odhinn)  dem  Sigurdli  an,  Be- 
merkenswerthe  angäoge  scheinen  mir  auch  in  den  geselleD- 
spriichen  die  J rösche  im  teich,  die  raben  y  die  drei  alten 
weihery  die  Jungfrau  mit  der  ziege  (a.  w.  1,  91.  107. 
lll.)  Ihre  de  superstit.  p.  82:  ejiisdem  indolis  est,  quod 
tradunt  nostrales  de  occiirsa  hominum  et  animaliura,  e.  gr. 
si  ciii  domo  siia  mane  egredienli  occurrat  inendicus  ^  ve» 
tula,  claudus^  aut  Jelis,  canis,  vulpes,  lepus,  sciuriiSt 
is  dies  inauspicatus  habetur,  observant  haec  prae  aliis 
sagitlarii  et  piscatores,  qui  ejusmodi  ominibus  oblatis  haud 
raro  domum  revertuntur  et  a  proposito  abstinent. 

Schwierig  ist  es  in  den  sinn  dieser  einzelnen  Vorbe- 
deutungen zu  dringen. 

Zuerst  von  menschlichem  angang,  für  unheilbriugend 
gehalten  wird  der  eines  alten  weibes,  einer  frau  mit 
fliegenden  haaren  oder,  was  dasselbe  sagen  will,  aufge- 
löster  hopjbinde.  *)  wem  frühmorgens  ein  alt  weib  be- 
gegnet, wer  zwischen  zwei  alten  weibern  gehen  mufs, 
dessen  tag  ist  unglücklich  (abergl.  58,  380.  791.  976.)  slöfsl 
ein  Jäger  morgens  auf  eine  alte^  so  legt  er  sich  zu  boden, 
und  sie  nAfs  über  ihn  herschreiten,  um  den  schaden  zu 
verhindern  (volksgebr.  in  Hessen.)  Nach  schwed.  abergl. 
(53)  ist  alles  begegnen  der  fr auen  schlimm,  nur  nicht  das 
einer  hure,  wie  bei  Chrysostomus  die  nag&^vog  unglück- 
lichen, die  noQVfj  glücklichen  tag  bedeutet,  hierzu  stimmt 
abergl.  177:  jungjrau  und  priester  sind  übles  zeichen, 
hure  gutes.  Ihre  redet  aber  ausdräcklich  von  einer  vetula^ 
womit  Arndts  reise  nach  Schweden  1,  44  stunmt,  und  das 
finnische  lied  (Schröters  runeu  p.  67):  'frühmorgens  aus- 
fahren, dafs  nicht  alte  weiber  mit  krummem,  hinn  an^ 
schielen.^  Diese  letzte  bezeichnung  führt  ofTeubar  auf  den 
begrif  einer  hexe,  das  fliegende  losgelassene  haar  (s.  617)  melir 
noch  auf  den  einer  naohtfrau  (abergl.  878),  Wahrsagerin^ 
heidnischen  priesterin,  vergl.  die  cimbrische  noho^Qil 
(s.  33.)  Veldek  21  »>  schildert  Sibylla  andfas  (horrida 
crinibus),  'daz  mies  lockehte  hienc  ir  Az  den  ören'  (non 
complae  mansere  comae.  6,  4«S.)  bestätigt  wird  diese  an- 
sieht auch  durch  den  bösen  angang  des  spinnenden  rre/- 
bes  (abergl.  135),  da  die  hexe  Jeldspinnerin ,  d.h.  noro, 
parze  ist  (8.617.)  **) 

*)  couperire  bedeckeu,  dUcooperire  aufdecken,  eutliülleo,  it*l- 
scoprire. 

**)  allen  uuternelimeo  scliädlicli,  t^H^  liofuung  zumal  von  Ae» 
fruchten  der  erde  zerstörend  war,  wenn  mau  eine  Jrau  spinuen  oder 


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ANGANQ  «98 

Noch  mehr,  wie  mich  dünkt,  durch  die  gleichstelhmg 
des  geistlichen :  auch  ein  geweihter  priester  ist  begegnen- 
den von  übler  Vorbedeutung,  dafür  habe  ich  noch  ein 
älteres  zeugnis  aus  Hincmar  1,  656  beizubringen:  ^sunt 
eliam  qui  dicant,  quando  in  venationem  pergunt,  quod 
obvium  sibi  non  debeant  habere  clericum^]  imd  aus  jün- 
gerer zeit  führe  ich  an  Reginald  Scotts  witchcraft  (Lond. 
1665  fol.)  p,114:  4f  any  hunters,  as  they  were  a  hun- 
ting,  chanced  to  meet  a  frier  or  a  priest  y  they  thought 
it  so  ili  luck,  as  they  would  couple  up  their  hounds  and 
go  hom,  being  in  dispair  of  any  further  sport  that  day.' 
Paulis  schimpf  und  ernst  cap.  358 :  '  zu  der  kirchen  gieng 
ein  altes  weib  am  morgen  fru,  da  begegnet  ir  ein  pfoffy 
da  thet  sie  wol  sechs  creuz  für  sich,  der  priester  sprach, 
^warumb  segnet  ir  euch  also  vor  mir?  ich  bin  doch  nit  der 
teufel.  die  frau  sprach,  es  hat  mir  nicht  gefehlet,  wenn 
mir  ein  pjciff  bekam  an  einem*  morgen  fru,  das  mir  4eu 
selbigen  tag  nit  etwas  widerwertigs  ist  zu  banden  gangen.' 

Die  plötzliche  erscheinung  einer  heiligen  person  unter- 
bricht und  vereitelt  irdische  geschäfte.  begegnende  waren 
gehalten  ihnen  ehre  zu  erweisen,  vieUeicht  schrieb  das 
heidenthum  in  diesem  fall  die  sofortige  erfüUung  eines  ritus 
vor?  das  omen  des  heidnischen  priesters  übertrugen  die 
Christen  auf  den  christlichen ;  das  der  heidnischen  priesterin 
oder  weisen  frau  muste  auf  nachtfrauen  und  hexen  über- 
gehn,   weil  der  clerus  frauen  von  sich  ausschlofs. 

Warum  eines  blinden  (oder  einäugigen),  hinkenden 
und  Bettlers  angang  übel,  eines  höcherichten  und  aus^ 
sätzigen  aber  für  gut  galt,  warum  eines  gehenden  begeg- 
aung  ungünstiger  ausgelegt  wurde  als  eines  reitenden  (dän. 
abergl.  129),  die  eines  wasser  tragenden  ungünstig  schien 
(abergl.  257),  weifs  ich  mir  nicht  klar  zu  machen.  Deut- 
licher scheint,  dafs  man  sich  von  keinem  weib  das  schwert 
reichen  lassen  mochte,  und  dafs  in  der  edda  die  begeg- 
nung  zweier  kriegsmänner  sieg  verkündet. 

Thierangänge  haben  ihren  Ursprung  in  dem  hirteo 
und  jägerlebeu,  sie  sind  auf  naturanschauung  und  sagen- 
hafte meinungen  von  dem  treiben  der  thiere  gegründet, 
über  sie  wird  sich  aus  slavischer,  ehstnischer,  finnischer, 
litthauischer  volkstradition  vieles  sammeln  lassen,  was  mir 
jetzt  entgeht,     selbst   die   nordische   scheint  in  diesem  be- 


ihre  spindel  unverdecht  tragen  sah.  Dempster  ant.  rom.  3,  9.  Potter» 
griech.  arch.  1 ,  746 ,  ich  weifs  nicht  aus  welcher  quelle,  galt  diese 
spiDDerin  aoch  für  eine  möre? 


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654  ANGANG 

traclit  nicht  genau  anfgezeiclinet.  Saxo  gramm.  p.  321 
sagt  von  Slaven,  nicht  von  Nordmannen,  'ad  varia  quoque 
negotia  profeclnri  ex  primo  animalis  occursti  votorum 
auspicla  capicbant:  quae  si  laeta  fuissent  coeptum  alacres 
iter  carpebant,  sin  tristia  reflexo  ciirsii  propria  repetebanU' 
die  thiere  selbst  zu  nennen  unterläfst  er.  Vor  allem  wich- 
tig ist  das  eddische  omen  des  heulenden  und  fortgehen^ 
den  woljs^  den  man  als  siegbringendes  thier  des  Odhinn 
ansehen  darf  (s.385.)  damit  treffen  alle  übrigen  Zeugnisse^ 
und  noch  der  heutige  aberglaube  zusammen,  dem  tapfe- 
ren, unersclu'ocknen  woljj  dessen  begegnen  mut  und  hof- 
nung  einflöfst,  steht  der  feige ,  furchtsame  hase  als  nach- 
theiliges, entmutigendes  zeichen  überall  zur  seite.  Viutler 
8.  LH.  'unterwegens  lief  ihnen,  von  ungefehr  ein  hase 
über  den  weg ;  der  Kutscher  ward  betrübt  und  sprach, 
discs  bedeutet  niclits  gutes,  hingegen  wann  ein  wolj  über 
den  weg  laufet,  ist  es  ein  gutes  a^eichen.'  Eltners  unvr. 
doct.  575.  576,  vgl.  Simplic.  2,  74.  Alberlini  narrenfaatx, 
München  1617  p.  96:  'abergläubische  stocknarren  erschri- 
ck en ,  wenn  ein  haas  über  den  weg,  darüber  sie  gehen 
oder  reiten  müssen,  laufet,  denn  sie  vermeinen,  dafa  sie 
an  selbigem  tag  ein  Unglück  ausstehen  müssen.'  Göz  v. 
Berlichingen  in  seinem  leben  p.  179:  'und  wie  wir  anzo- 
gen, so  hüt  ein  schäfer  allernechst  darbei,  und  zum  ^poAr- 
zeichen,  so  fallen  fünf  wolf  in  die  schcuif^  und  griffen 
auch  an,  das  hört  und  sähe  ich  gerne,  und  wünscht  ihnen 
glück  und  uns  auch,  und  sagt  zu  ihnen,  glück  zu  lieben 
gesellen,  glück  zu  überall,  und  ich  hielt  es  für  ein  glück, 
dieweil  wir  also  miteinander  angriffen  betten.' "")  hier  wird 
kein  eigentlicher  angang  beschrieben,  aber  der  sinn  eiiielk, 
den  kriegerische  Völker  ursprünglich  hineinlegten.  unJf^ 
hirscli,  eher,  bär  stehen  einander  in  dieser  bedeutsamkek 
.  völlig  gleich  (abergl.  128.)  einem  haaen  zu  begegnen  ach- 
tet der  Norwege  für  ein  schlimmes  zeichen,  einem  baren 
oder  wolf  für  ein  gutes,  (danskes  reiseiagtagelser  1799. 
2,  297.)  füglich  geht  hier  der  bär  (den  das  Ued  von  der 
rabenhochzeit  den  'ypperste  karl  i  skoven'  nennt)  dem 
wolf  noch  vor.  **)  des  baren  gedenken  römische  nach- 
richten  nie,  wol  aber  des  wolfes;  Plin.8,  22  sagt:  *  inier 
auguria    ad    dexteram    commeantium    praeciso    itinere,    si 


"*)  deu  poetischen  eindrack  dieser  worte  nicht  verkennend  bat  se 
Gothe  in  seine  dicbtung  aiirgeuommen. 

**)  auch  dem  reisenden  Türken  ist  der  wolf  gunstiges,   d^  kam 
nachtlieiiiges  zeicbeo.    wien.  üt.  ztg.  1816.  p.  1267. 


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ANGANG  655 

pleno  id  ore  luptis  fecerity  niilliim  omDinm  praeslaniius.' 
Occursiim  leporis  limere  lieifst  es  bei  Johann  von  Salis- 
bury  und  Peter  von  Blois.  auf'ser  Berlliold  und  Hartlieb 
(».  LXl)  gehört  hierher  noch  eine  stelle  aus  cod.  pal.  341, 
163*: 

dar  zuo  s^h  wir  einen  haaen^ 

der  widerfuor  uns  an  dem  weg  ^ 

du  daht  ich  deiz  niht  eben  laeg: 

er  tet  uns  den  Ersten  aneganc , 

-wan  daz  er  snelle  für  mich  spranc. 
Griechen  und  Römern  scheint  er  gleichwol  nach  den  um- 
ständen auch  guter  Vorbedeutung  (ai'aio^)'  zu  sein.  *) 
Diesen  war  das  wiesei  {yaXij)  übelberufen:  wenn  es  über 
den  weg  lief»  wurde  eine  öffentliche  versamlung  aufge- 
schoben (Potter  1,746.)  Theoplu'ast  (charact.  16)  sagt, 
vrem  ein  wiesei  vorbeilauft,  der  darf  nicht  weiter  gehn, 
bevor  ein  dritter  den  weg  beschritten,  oder  er  selbst  drei 
steine  vom  weg  aufgehoben  hat.  auch  centonovelle  cap. 
31:  quando  Tuomo  Irova  la  donnola**)  nella  via.  Des 
Juchses  angang  wird  verschieden  ausgelegt,  nach  jeuer 
stelle  bei  Ihre  für  übel,  nach  dem  litth.  abergl.  9  für  gut. 
Hauslhiere,  die  der  ausreisende  in  seinem  hof  hält,  die 
ihm, nicht  erst  im  wald  aufstofsen,  dienen  nicht  zur  vor^ 
bedeutung:  sie  sind  zu  gewöhnlich,  zu  zahm  und  abhängig 
vom  menschen,  um  für  ihn  zeichenhaft  zu  werden.  Bei 
den  Etruskern  wurde  >  wenn  der  neue  magistrat  in  die 
provinz  zog,  auf  die  begegnung  von  pf erden  und  ochsen 
geachtet.  (O.Müller  2,  118.)  man  vergleiche  die  Weissa- 
gung durch  pferde  (s.  381.  382),  die  freilich  auf  keinem 
zuföUigen  trefien  des  thiers  beruhte,  wobei  es  aber  auf 
das  ansetzen  seines  rechten  oder  linken  fufses  ankam. 

Noch  feiner  ausgebildet  als  der  angang  vierfüfsiger 
thiere  war  die  beobaclitung  der  vögel^  denen  freiere,  un- 
gehemmtere bewegung  durch  die  luft  an  sich  schon  etwas 


*)  Cassms  Dio  62,  6  (Reim.  1006.  1007):  Tuvra  tlnovauy  Xttyoiy 
fthf  ix  Toü  xoA.Toi»  :T^oi^xttTo  (jy  Bovr^ovixa ,  eine  Britin)  fiuvifla  t*W 
j^Qt>fUift^,  xal  i:i(tirj  Iv  alaita  atpiaiy  l'&f^ufif,  to  t*  nXijd^oq  nuv 
^&hf  uvißotjof.  Als  die  Deatschen  unter  könig  Arnulf  einen  auf^e^ 
schrecklen  hasen  jagten  nabmeo  sie  Rom  ein  (Liutpr.  1,  8),  doch 
basenjagende  Dänen  geriethen  in  die  flucht  (Neocorus  1,  353;  eiue  katze 
nennt  hier  der  lübelcer  Detmar  1,161.)  Vom  hasen  geleckt  zu  wer- 
den gilt  für  günstig:  'meinete  es  habe  ihn  ein  hase  gelecket.'  trÖ- 
delfrau  1682  p.  71. 

••)  das   fräulein ,  balr.  müemelein  (Schm.  2,  576)  span.  comadreja 
(Reinh.  CCXXIV)  \  alle  diese  namen  bezeugen  die  heimlichkeit  des  thiers. 


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656  ANGANG 

wunderbares  und  geisterhaftes  verlieh  (s.  386.  478.)  Die 
Griechen  hatten  eine  umfassende  otfoviOTtxtj  (Suidas  s.  v.), 
die  Römer  systematische  auspicien  und  augurien.  *)  Audi 
den  deutschen  Heiden  galten  vögel  für  boten  der  götter 
und  für  verkündiger  wichtiger  nachrichten.  *'  welcher  iH}gd 
hat  dir  das  in  die  obren  getragen  i '  heifst :  wer  hat  dk 
das  weis  gemacht,  in  den  köpf  gesetzt. '''^)  'das  hat  nur 
ein  pogel  gesungen',  'jag  bürde  en  f'ogel  sa  s|unga,  en 
jogel  var  här,  och  sade  for  mig  del  eller  det.'  Ihre  de 
superst.  p.  51,  Neugriechische  und  serbische  Volkslieder 
werden  nicht  selten  eröfnet  durch  fliegende,  sich  nach  ver- 
schiedner  seite  drehende  und  unterredende  vögel  ( Wb. 
Müllers  samL  1,  ^^.  102.  2,  164.  178.  200.  Vuk  3,  326.) 
zwei  schwarze  raben  (dva  vrana  gavrana)  krächzen  auf 
dem  weifsen  thurn  (Vuk  2,  151.)  Von  dem  weissagenden 
rufe  des  kukuks  ist  s.  389  ff.  gehandelt;  er  gehört  auch  xu 
dem  angang,  da  reisenden  seine  stimme  unvermutet  im 
wald  erschallt,  auguria  ai^ium  berührt  der  indic.  superst. 
Xlll.  bei  Kh'gius  (s.  XXIX):  ^nec  in  itinere  poaiti  aM- 
quas  aificulas  cantantes  attendatis.'  vögel,  deren  begeg- 
nen weissagsam  ist ,  heifsen  wegvögel  (abergl.  600.)  Eine 
stelle  bei  Procop  de  hello  goth.  4,  20  (ed.  bonn.  2,  560. 
561)  zeigt,  wie  früh  dieser  aberglaube  unter  deutschen 
Völkern  statt  fand.  Hermigisel ,  könig  der  Warner  erblickte 
über  feld  reitend  einen  vogel  (der  nicht  näher  angegeben 
ist)  auf  einem  bäum  imd  hörte  ihn  krähen  (es  war  also 
wol  rabe  oder  krähe.)  auf  vogelgesang  sich  verstehend 
sagte  der  könig  seinem  gefolge,  es  werde  ihm  sein  tod 
nach  vierzig  tagen  ge weissagt.""^)  Dem  Sigurdhr  weissagen 
igdhor  (nach  Biörn:  schwalben)  auf  den  bäumen  (oben 
8.388.)  Dagr  hat  einen  klugen  sperling  (Ingl.  saga  cap. 
21.)  Im  altspanischen  Cid  bezeugen  uns  mehrere  stellen 
die  Wahrnehmung  der  vögel:  867  al  exir  de  Salon  mucho 
ovo  buenas  apes;  2376  con  dios  e  con  la  pueslra  auce'j 
2379  con  la  buen  auce. 


*)  Jul.  Caes.  Bulenger  de  angnriis  (Graevii  thes.  5.) 
**)  westphäl.  'Wecker  vaagel  lieft  dik  dat  ioner  anren  ehangeat* 
Slennerhinke  p.  8. 

*••)    ovToq    uv^(i    (^E^fitylaxXoq)    Ivy   OvaQvtnf  roZq    XoyifimTaTOsi  jf 

X«*  rroXXu  x{}tä^ovaav,  fVrf  d^  ryq  oQvt&og  r^q  iptavfjq  ^rrtlq  ftn 
ukXo  fih  T«  i^fTiiord/ifvoq  ^  liivftvut  <f^  r^q  o^iviO-og^  /tnvrtvofiirtiq  if^' 
Tivoufifvoqy  rotq  nuQovoiV  tv&vq  l'^^aatifr  luq  Tf&vtjifrui  TtootmoMorru 
9^ft4(}aiq   voTt^ov ry    rtoau^anooT^   uno   ryq   :Ti(o^^i}ifHtq  ijftif*f 


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ANGäNO  657 

Und  wie  bei  den  allen  die  rechte  oder  linhe  seile  des 
anflugs  hauplsächlich  berücksichtigt  wurde,  erklart  auch 
Hartlieb  (s.LXl)  das  fliegen  zur  rechten  hand  fiir  glück- 
lieb, das  zur  linken  für  unglücklich.  Der  adler  müsse  dem 
wandernden  taschenhatb  fliegen  ^  d.  h.  zur  seite,  wo  die 
reisetasche  hängt,  aufser  dieser  stelle  finde  ich  den  ar  nicht 
genannt 9  wol  aber,  bei  Wirnt  und  Berlhold,  den  müaar^ 
nach  Benekes  wb.  zu  jenem,  eine  art  kleiner  raubvö'gel, 
welcher  bei  Burchard  (XXXVIIl)  muricepa  genannt  und 
erklärt  ist.  Herrant  von  Wildonie,  in.  einem  ungedr.  ge- 
dieht von  dem  übelen  vribe,    297  —  301: 

swenne  ich  n4ch  gewinne  var, 

so  ist  dürft  daz  mir  der  mdsar 

über  ^ie  atrdze  fliege 

und  mich  des  niht  enlriege, 

ob  ich  ir  niht  enbringe, 
d.h.  wenn  ich  nichts  bringe,  kann  ich  mich  nur  damit 
entschuldigen,  das  über  weg  fliegen  dieses  vogels  ist  gün- 
stiges zeichen.  II.  10,  274  bringt  ein  rechtsfliegender  rei" 
Tier  (jQwdtog)  glück.  Der  rabe^  ein  siegvogel  der  Heiden, 
wird  aufser  jenen  nordischen  stellen  (s.  651)  als  begleitend 
beim  angang  nicht  genannt,  desto  häufiger  die  hrähe*  glück- 
lich war:  si  cornicula  ex  siniatra  in  dexteram  cantave- 
rit  (anh.  s.  XXXVIIl)  bei  Pelrus  bL  ebenso,  nur  tfolaverit 
statt  cantaverit;  kolocz.  146  heifst  es,  von  kindern,  die  in 
stetem  wolleben  erzogen,  nie  die  macht  des  Schicksals  em- 
pfunden haben :  *^  enwizzen  wannen  die  hrdn  eint  ge-^ 
vlogen?  MS.  2,  80»  *ez  hab  ein  swerziu  hrd  gelogen.' 
hauptstellen :  Renaert  10472.  Reinart  1047.  Reineke  942,  wo 
die  krähe,  wie  bei  Petrus  bl.,  Martinspogel  angerufen 
wird ;  noch  ein  zeugnis  ist  Reinh.  s.  CXXVII  beigebracht, 
^gl.  Vintler  s.LV;  des  heil.  Martinus  legende  gewährt  keine 
erläuterung.  Virg.  ecl.  1,  18 :  saepe  ainiatra  cava  praedixit 
ab  ilice  cornix.  im  poema  del  Cid  11.  12:  ovieron  la 
corneia  diestra  und  sinieatra.  die  alten  gedenken  auch 
des  raben:  *non  temere  est,  quod  corpus  cantat  mihi 
nunc  ab  laei^a  manu,  semel  radebat  pedibus  terram  et 
voce  crocibat  sua.'  Olaf  Tryggvason ,  wenn  gleich  Christ, 
beachtete,  ob  die  krähe  (kräka)  auf  dem  rechten  oder  auf 
dem  linken  jufa  stand  ^  und  weissagte  sich  daraus  gutes 
oder  böses;  seine  feinde  nannten  ihn  darum  krdkabein. 
hungrkrdka  altu.  eine  hunger  weissagende  krähe,  illvidrta' 
hrdka  die  schlechtes  weiter  ankündet,  cenlo  nov.  ant.  32: 
'segnor,  je  vil  uoa  cornacchia  in  uno  cieppo  di  salice. 
or  mi  di,  donna,  perao  quäl  parte  tenei^a  uolta  la  coda?^ 

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658  ANGANG 

Auch  der  specht  war  ein  heiliger  vogel  (s.  388) ;  in  lin- 
denblatls  chron.  p.31:  4r  speht  hatte  niclU  recht  g^o- 
gen.'  In  Schweden  ist  der  flug  de«  lom  (nach  Ihre  einer 
art  reiher)  vorbedeulsam  (abergl.  94.)  Sieht  man  die  c/- 
ster  pon  t^ornen,  so  ist  das  zeichen  gut,  pon  hiniefi, 
schlimm  (abergl.  158.)  Wer  friihlings  die  erste  schu^ 
erblickt,  steht  alsbald  (auf  seinem  vreg)  slill,  und  grabt 
eine  kohle  aus  der  erde  (anh.  s.  LIII.  abergl.  217.)  la 
Dänmark  schaut  das  dienstvolk,  ob  sie  den  storch  zumt 
im  jähr  fliegend  oder  stehend  treffen  (abergL  130.)  htm 
frosch  kam  es  darauf  an,  ob  man  ihn  zuerst  auj  dm 
Land  oder  im  wasser  hüpfen  sah  (abergl.  237.)  Auch  ei- 
ner kahlen  oder  gerupften  henne  zu  begegnen  galt  für  übel: 

enmi  sa  poie  a  encontr^e 

une  geline  pieUe , 

qui  pasturoit  en  la  charriere; 

a  poi  ne  sen  retorne  arriere^ 

por  ce  quil  i  entendoit  sort; 

a  ses  piez  trueve  un  baston  tort, 

\  la  geiine  lest  aler, 

et  ele  sen  prist  äi  voler, 

en  son  gelinois  le  maudist 

^  honte  li  viegne!',  et  il  si  fist.s 
zu  dem  angang  gehörige   stellen  aus  provenz.  dichtem  hat 
Diez  (leben  der  troub.  p.  22.  23)  gesammelt ;   sie  bezielieii 
sich  auf  rabe,    krähe   und  mehrere   falkenarten  {albanel, 

faifanh)y   ihr  rechter  oder  linker  flug^  ihr  gehen  oder 
ommen,  schreien  oder  schweigen  entschied: 

los  destres  e'ls  senestres^  loa  anans  e'ls  ueneiu^ 
d'albanelj   de  gapap,hj  d'autras  auzeU  ferensj 
del  corp  e  de  la  gralha  los  cridanSy   los  tacfffii. 
(poes.    der  troub.    p.  221.)      Man    möchte    ausfohrlichcre 
künde    dieser  vogeldeuterei ,   wie   sie  im  mittelalter  geübt 
wurde,  haben.*) 


*)  die  heidnischen  Araber  beachteten  den  vogelflng,  ze^  lad 
Ijauet  sind  zwei  fast  gleichbedeutende  aasdrücke.  ^g^r  vnrd  ge- 
braucht,  wenn  man  mit  einem  stein  nach  dem  vogel  wirft  und  iboi  u- 
schreit:  fliegt  er  dann  einem  aar  rechten  band,  so  Ists  ein  gutes,  we« 
zur  linken^  ein  böses  zeichen.  Ijavet  ist  allgemeiner  die  deotang  der 
oamen  aufstofsender  vögel,  ihres  niederlassens,  ihrer  rufe,  gipfel  dieier 
Wissenschaft  scheint  die  uogehprachkunde  ^  die  von  Salomos  Seiten  fcrt 
im  Orient  noch  nicht  in  Vergessenheit  gerathen  ist.  der  rabe  gilt  fir 
einen  ungtücksboten.  (Rückerts  Hariri  1,  591.592.)  Auch  über  indtfdie 
augarien  wären  viele  stellen  mitzutbeilen.  im  Ramayana  eianal:  hs< 
aves   tibi  declarant   horrendum  periculum  immioere.     (Schlegels  i»L 

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HÜNBR       LEICHVOGEL  659 

Bei  den  Römern  hatte  sich  ein  eignes  System  von  vo- 
gelweisssagung  ausgebildet,  das  nicht  auf  den  flug  des  wil- 
den gevögeis,  vielmehr  auf  das  hausgeschlecht  der  hüner 
berechnet  war.  Die  Griechen  übten  eine  dXsxi^o/uav- 
Tsta^  so  dafs  man  körner  auf  die  buchstaben  des  aipha- 
bels  legte  und  von  einem  hahn  wegfressen  liefs.  Einfa- 
cher war  die  römische  Weissagung  aus  dem  gierigen  und 
tt'Agen  fressen  oder  nicht  fressen  junger  hüner,  jede  le- 
gion  hatte  ihren  puUarius,  der  die  hüner  erzog,  fütterte 
und  bewahrte;  der  consul  stellte  das  augurium  in  seinem 
haus  oder  zeit  an:  *puUis  regitur  imperium  romanum, 
hi  }ubent  acies'  sagt  Plinius  10,  24.  Man  beachtete 
aber  sonst  auch  das  geschrei  des  hahus  und  der  heune. 
^gallina  cecinit"^  wird  in  Terent.  Phormio  IV.  4,  30 
unter  andern  Übeln  zeichen  für  den  hochzeiter  genannt; 
nach  Donats  glosse  bedeutete  es,  superiorem  marito  esse 
uxorem.  unserm  abergl.  (83.  franz.  23)  schietf  eine  wie 
hahn  erhrähende  henne  gleichfalls  ein  greuel.  Ver- 
nahm die  lauschende  unter  dem  hahnbalken  den  krat  des 
liahnSj  so  war  die  Weissagung  günstig,  schrie  die  henne^ 
ungünstig  (abergl.  105.  1055);  gleiche  bewandtnis  hatte 
es  um  den  fallenden  mist  des  hahns  oder  der  henne  (230.) 
Auch  den  gänserich  liefs  man  weissagen  (abergl.  847.) 
Die  Ehsten  unterscheiden  geflügel  mit  räuchern  und  un- 
bedecktem Jufa   (abergl.  95.) 

Oft  ist  es  auch  nicht  der  wegvögel  flug,  der  vierfüfsi- 
gen  thiere  angang,  sondern  ihre  erscheinung,  ihr  aufent- 
halt  an  der  wohnstätte  der  menschen ,  die  ihm  heil  oder 
Unheil  weissagt.  SchtPalbe  (franz.  abergl.  9)  und  storch 
sind  glücksvügel  (s.  438.  439),  Störche  sieht  man  gern  auf 
dächern  nisten  (abergl.  215.)  Den  Letten  war  die  meise 
günstiger  Vorbedeutung,  sie  heifst  sihle  (litth.  zyle,  zyl^le) 
und  sihleht  ist  weissagen,  sihlneehi  ein  Weissager,  der  das 
geschrei  der  vögel  deutet  (augur.)  Stender  s.  269.  fViesel 
oder  schlänge  auf  dem  dach  erscheinend  sind  nachtheilige 
zeichen  (Suidas  s.  v.  "EsvoytQixfjü*)  ^unguis  per  impluvium 
decidit  de  tegulis.'  Terent.  Phorm.  IV.  4,  29.  Nagende 
maus  (abergl.  184.)  Ungünstig  oder  zweideutig  sind  rabe^ 
irähcj  elster  auf  Krankenhäusern  (abergl.  120.  158.  496.) 

Es  gab  leichvögelj  trauerpögel^  deren  et^scheinung 
lod  und  sterben  verkündet,     ich  vermute,  den  Gothen  war 


bibl.  2,  225.)  Ein  Schäfer  schrieb  alle  verdriefsiichkeiten ,  die  ihn  ^en 
g*Bzen  tag  über  verfolgt  hatten ,  dem  amstande  za ,  dafs  frühmorgens 
eine  schlänge  vor  ihm  über  den  u^eg  gekrochen  war. 

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660  LEICHENYOGEL 

die  turleltaube  mit  ihrem  vreheruf  ein  solclier,  weil  sie  sie 
hrdivadubö  (leichentanbe)  nennen ;  sagen  von  ihr  zusam* 
niengestellt  sind  Aw.  3,  34.  Vor  allen  gehurt  hierher,  ob- 
gleich kein  wegvogel,  die  eule  (abergl,  789.  franz.  8.)  Ovid 
met.  5,  550: 

foedaque  fit  volucris,  venturi  nuntia  luctus, 
ignavua  buboy  dirum  mortalibus  omen. 
hier  aber  greifen  Verwandlungen  ein.  die  eule  war  ein 
verwünschter  mensch,  und  st  rix  ^  strinx  ('c  tectis  stnnx 
violenta  canat.'  Tibull),  bruxa  bezeichnen  zugleich  den  vo- 
gel  und  die  nachlfliegende  hexe  (s.  585.  586.)  ^ululae^ 
upupacj  buboneSy  toto  anno  in  tectis  funebria  personan- 
tes',  oben  s.  272.  das  ahd.  holzriina^  holzmuoja^  hols^ 
muwo  (gl.  flor.  988»>  996»>  sumerl.  10,  65.  27,  44.  29,  74) 
übertragen  lamia,  drücken  aber  mehr  klageude,  weisfa- 
gende  vögel  oder  geister  (beiderlei  geschlechts)  aus,  deren 
stimme  im  wald,  raunend  (vgl.  s.  583)  und  muhend  ver- 
nommen wird  (s.  243.)  daher  nun  auch  die  benennung 
klagmuhme,  ilagmutter,  hlageweib,  im  ackermann  von 
Böhmen  p.  38  (Hag.  ausg.)  ist  klagmut  in  klagmuoter  za 
bessern;  am  Oberharz  bezeichnet  hlagmutter ^  hlagtveib^ 
hlagefraw  ein  gespenstiges  *) ,  aber  fliegendes  wesen  (Spieb 
archiv  2,  247.)  anderwärts  heifst  es  die  wehklage  (aberg^ 
863),  leichhuhn,  grabeule^  todterwogel,  im  Braunschwei- 
gischen der  läpschf  seines  faulen,  langsamen  flugs  yregea 
(braunschw.  anz.  1746.  p.  236),  ignapus  buhOy  was  auch 
an  den  sinn  des  alten  feig  (moribundus)  erinnert.  Lfeidi- 
verkündend  ist,  wenn  der  rabe  koppt  (anh.  LV),  wenn 
hahn  oder  huhn  stroh  schleppen  (ehstn.  abergL  77),  w^im 
der  galadrot  sein  haupt  vom  kranken  abwendet  (8.497.) 

Auf  ähnliche  weise  zeigen  auch  andere  thiere  den 
todesfall  an.  wenn  das  pferd  des  gerufnen  geistlichen 
sein  haupt  senkt  (ehsln.  abergl.  35);  wenn  ochs  und  kuh 
von  schwarzer  färbe  im  haus  geschlachtet  wurden  (aber;^ 
887.)  der  in  nienschh'cher  wohnung  aufwühlende  maul-- 
warj  (abergl.  555.  601.  881),  die  zirpende  grille  (555. 
600.  930)**),    der  tickende  holzwarm  (901.) 

Weissagende  ameisen  (schwed.  abergl.  88.  ehstn.  99.) 
Bienenschwärme j  an  häuser  sich  anhängend,  bedeuten 
feuersbrunst  (160)  oder  unheil,  bekannt  sind  die  schon  im 
lager  des  Drusus  erschienenen  (Plin.  11,  18.  Dio  Cassius  54, 


*)  klagende  seelen.     Ls.  2,  270. 

*•)  zuweilen  bedeuten  die  keimen  oder  grillen  auch  twasliches  ge- 
deihen (abergl.  813.  609.) 

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VORZEICHEN        OUTE  BÖSE  SACHEN    661 

53-  Jiil.  Obsequens  de  prodig.  1,  132.)  auch  dem  herzog 
Leopold  von  Österreich  verkündeten  sie  1386  den  verlust 
der  sempacher  Schlacht  voraus:  *da  kam  ein  imb  geflogen 
in  dlinden  er  gnistet  hat,  ans  herzogen  waffen  er  flog 
als  do  .der  selbig  herzog  w^ol  für  die  linden  zog:  das  am- 
tet  frömhde  geste,  so  redt  der  gmeine  man.'  Wackern, 
leseb.  703.  Heuschrechenz'uge  sind  Vorzeichen  fremder 
gaste  (Juslinger  p.  160,  vgl.  271)  und  reicher  Halmen- 
fang  (das.  379.)  andere  anzeichen  nahender  gaste  abergl. 
71.  72.  73.  889.  1028.  schwed.  63. 

Oft  können  leblose  dinge  zumal  demente  ein  omen 
ergeben,  auch  das  niesende  licht  j  der  überspringende 
brand  (abergl.  889)  bedeutete  gaste;  erlöschendes  licht 
tod  (abergl.  150),  rosenbrennendes  glück  (252.)  öl  oder 
wein  versciüittet  y  wasser  unter  den  lisch  gegossen  war 
den  alten  jenes  ein  günstiges,  dieses  ein  ungünstiges  zei- 
chen, wenn  der  tisch  krachte ,  die  balhen  hnarten ,  zog 
mau  daraus  die  schlimmste  Vorbedeutung  (Dempster  3,  9.j 
versiegendes  oder  steigendes  wasser  bedeutet  sterbfall 
oder  hungersnoth  (s.  333.)  prasselndes  f  euer  ^  verschüt- 
tetes salz  verkündigen  streit  (abergl.  322.  534.  64.  535.) 
man  halte  die  mythische  auslegung  der  knisternden  flamme 
(s.  148)  dazu,  der  gott  ist  in  der  flamme  gegenwärtig  wie 
in  dem  vorbedeutenden  donner.  Einstürzende  erdlöcher 
(gropar)  w^eissagen  todesfall  (schwed.  abergl.  95.)  lossprin- 
gender Splitter  gaste  (abergl.  71.  1032),  reif  vom  fafs 
springend  tod  (149.) 

Den  brauch  gerstenkörner  auf  den  heifsen  herd  zu 
legen  und  zu  beobachten ,  ob  sie  aufspringen  oder  lie- 
gen  bleiben  y  finde  ich  nur  bei  Burchard  (XXXVll),  bei 
keinem  spätem;  verschieden  war  die  griech.  KQi&Ofia'pTela. 

Andere  saclien,  ohne  dafs  Vorzeichen  oder  zauber  darin 
begründet  wäre,  gelten  für  heilsam  oder  schädlich,  nament- 
lich gefundne,  gebettelte  und  gestolne.  Dahin  der  ge- 
fundne  klee  mit  vier  blättern  (s.  633),  drei  getraidekörner 
in  gebacknem  brot  (abergl.  685),  der  eggcnagcl  oder  egge- 
zahn (539.  636),  dessen  besitz  hexen  erkennen  lehrt,  in- 
ventio  acus  vel  oboli  reservati  (anh.  s.  XLV),  gefundne 
nadel  (schwed.  abergl.  46),  nachdem  sie  köpf  und  spitze 
kehrt  (235),  gefundne  radfeige  (351),  geJuudnes  hufeisen 
(129.220.)  gebetlelles  brot  (13),  ring  von  gebettelten  Pfen- 
ningen (352.)  gestolner  wisch  (431),  gestohies  band  vom 
/nehlsack  (216),  brot  (183.  188),  bauholz  (1000),  fischer- 
geräth  (schwed.  abergl.  48)  gcstolne  webknoten  (s.  618.) 
Bei  gefunducn    dingen   ist  die   gimst  des   zufalls   im  spiel; 


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662  TAGWÄHLER 

gebettelten  gibt  die  mühe,  gestolneo  die  gefahr  des  erwerbs 
gesteigerten  werlh.  Aber  nicht  blofs  gestolnes  gut  in  ge- 
wissem fall,  auch  die  diebshand  (8.606),  der  aus  einer 
galgenkette  geschmiedete  sporn  (385),  der  galgenstrick,  dieb- 
strang  selbst  (anh.  s.  LVII.  386.  921)  haben  eigenthümlicfae 
kraft,  man  vergleiche  die  entstehung  des  galgenmännleios 
(deutsche  sag.  no,  83.) 

Ein  rad  über  den  thorweg  zu  setzen  bringt  g|läck 
(abergl.  307);  wirkt  liier  die  Vorstellung  vom  gläcksrad 
(s.  506)?  JDonnersplitter ,  sargsplitter  taugen  (abergL 
171.  208.)  An  das  braulbett  darf  nur  troclnea  holz  %hm 
lebenden  bäumen  kommen  *);  andern  aberglauben  vom 
brautbett  486.487.  Aufgelesne  federn,  hünerfedem  sollen 
in  kein  bett   (281.  346.  593.) 

Tagwänterei  herschte  bei  Juden  (Mos.  IlT.  19,  26, 
V.  18, 10),  Griechen  und  wahrscheinlich  allen  Heiden.  Hesiod 
unterscheidet  mütterliche  und  stiefmütterliche  tage,  er  g^t 
alle  guten  tage  des  Zeus  und  alle  bösen  durch  (hauslehren  765 
—  829.)  Wurden  auch  die  namen  der  Wochentage  aus  der 
fremde  bei  uns  eingeführt  (s.87),  so  konnte  sich  doeh  schon 
sehr  frühe  einheimischer  aberglaube  damit  verbinden.  'Nul- 
lus  observet,  predigte  Eligius,  qua  die  domum  exeat,  Tel  qua 
die  revertatur,  nullus  ad  inchoandum  opus  diem  vel  lo- 
nam  attendat.'  Hincmar  1,  656:  'sunt  et  qui  observani 
dies  in  motione  ilineris  et  in  inchoatione  aedificandae  do- 
rn us.'  Ein  unglückbringender  tag  heifst  ein  verworfner 
(Vintler  s.  LH.)  Die  alten  Deutschen  scheinen  vorzügUdi 
den  mittwoch  und  donneratag  geheiligt  zu  haben,  na<A 
üiren  gröfsten  göttern,  Wuotan  und  Donar.  *de  ferii% 
quas  faciunt  Jovi  vel  Mercurio',  hat  der  indic  saperst. 
Späterhin  finde  ich  keinen  Wochentag  abergläubisch  mehr 
geehrt  als  den  donnerstag  (oben  s.  130.)  auch  bei  den 
Ehsten  (abergl.  59.)  Dagegen  gelten  mittwoch  und  frei- 
tag  für  verworjne  Äe^re/z^a^c  (abergl.  613.  658.  745)  und 
einzeln  mittwoch  (567),  freitag  (241.  800.  ehstn.  59.  60.) 
Nach  den  hexenacten  erscheinen  die  teiifel  zumeist  cfo/t- 
neratags  und  dienstags  (vgl.  die  quedlinburger.)  aber 
auch  monta^  gilt  für  unglücklich  zu  neuem  beginn  (77  t. 
821.)  am  dienstag  soll  man  ausreisen,  an  ihm  ehen  schlte- 
fsen.**)  der  feiste  dienstags  schwed.  Jettisdag j  frauE. 
rnardi  gras  begünstigt   Unternehmungen   (schwed.  abergL 

*)  Odofredas  io  I.  legata  digest.  de  supetlect.  leg.:  malieres quando 
iiubuut  volunt  iectum  de  lignis  siccis,  sed  de  ari>ore  viveote.  sed  ia 
oinnibus  opiiiiouibus  sujis  fatuae  suut. 

*')  BQ  in  BOiimeo,   Mälirea.    Löws  deukw.  u,  reisen  72. 


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WEISENDE  THIERB  663 

79.  84.)  Glücklich  ist  der  sonnte^  (243.  634.)  ünler 
den  Christen  wurden  eine  menge  tage  im  jalir  ausgezeich- 
net ^  aufser  den  hohen  festen,  zumal  Johannistag ^  und 
fast  jeder  heiligen  tag  hatte  seinen  eigenen  bezug  auf  säen, 
pflanzen y  viehtreiben,  aderlassen  u«  dgl.  der  dän.  skjer^ 
torsdag  (abergl.  168.  169)  ist  gründonnerstag.  kaum  hat  bei 
einem  andern  volk  mehr  tagwählerei  gegolten  als  bei  den 
Christen  im  mittelalter.  die  allheidnischen  jultage  und  sonn- 
wendtage   fielen  zusammen  mit  Weihnachten  und  Johannis. 

Mit  angang  und  tagewahl  steht  ein  anderer  weit  ver- 
breiteter aberglaube  in  Verbindung,  wie  der  tagesarbeit 
erfolg  davon  abhieng^  dafs  am  frühen  morgen  eine  günstige 
begegnuug  eintrat,  wie  des  Wolfes  oder  iahen  geleit  sieg 
weissagte;  so  pflegte  dem  wandernden  beer  ein  göttlich 
gesandtes  thier  den  weg  und  den  ort  der  niederlassung 
anzuzeigen,  colonien  wurden  nach  dieser  anführung  gegrün- 
det, Städte,  bürgen,  kirchen  gebaut;  den  beginn  neuer 
Stiftungen  und  reiche  heiligen  thiere^  die  menschlichen  ab- 
siebten fremd  höheren  rathschlufs  der  götter  kundgeben. 

Die  griech.  und  röm.  sage  ist  voU  solcher  beispiele« 
ein  rabe  führt  des  Battus  ansiedelung  nach  Cyi^ene  (xo^a| 
^yfjaaTO.  Callim.  hymn.  in  Apoll.  66.)  die  Irpiner  heifsen 
von  irpus,  dem  u^olf  ^  der  sie  leitete  (Slrabo  2,  208.)*) 
Flöki  opferte  um  wegweisende  raben:  *liann  f^kk  at  blöti 
miklu,  ok  bldtadhi  hrajna  thriäy  thd  er  honum  skyldu 
leidh  utaay  thviat  thd  höfdhu  haf  sigltngarmenn  engir  lei- 
dbarstein  t  thann  tima  i  Nordhrlöndum.'  Islend.  &ögurl,27. 
Es  ist  wol  nicht  zufällig,  dafs  rabe  und  iPolJ ,  Wuotans 
Ueblinge,  sieg  und  heil  vorbedeutend,  hierbei  vorzugsweise 
genannt  werden.  **)  Auch  liirach  und  hindin  zeigen  oft 
den  weg.  Jornandes  von  den  hunnischen  Jägern:  Mum  in 
ulteriori  Maeotidis  ripa  venationes  inquirunt,  animadver- 
tunt  quomodo  ex  improviso  cerifa  se  iUis  obtulit,  ingressa-  ^ 
que  palude  nunc  progrediens   nunc  subsistens   indicem  se 

*)  die  Azteken  In  Mexico  ermahnte  ein  vogel  zur  aaswanderung, 
indem  er  vom  bäum  herunter  rief  'tihui!'  d.i.  lafst  uns  gehen!  Ma- 
jers  mytii.  taschenb.  1813   p.  63. 

**)  heldenname  der  giuckiiciisteu  Vorbedeutung  war  also  das  ahd. 
fVolfkrahan  (später  Wolfram) ,  dem  beide  thiere  sieg  weissagen ;  lier- 
Vorliebe  ich  auch,  dafs  kein  andres  thier  mit  gang  zusammengefugt 
wird,  als  der  wolf:  fVolf^atig  bezeiclinet  einen  beiden,  dem  der  wolf 
des  Siegs  vorangeht.  Erst  der  heidnische  glaube  verständigt  uns  den 
»inn  alter  eigennamen,  die  kein  roher  zufall  hervorbrachte.  Vielleicht 
i»t  es  kein  zufall,  dafs  in  der  aiterthüailichen  segensformel  XIV  Mar^ 
lin  nnd  ^olfgang  als  hirtenheilige  angerufen  werden,  jenem  war  die 
krähe  (der  rabe),  diesem  der  wolf  unterworfen. 


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664  WEISBNDB  THIERB 

viae  tribuil  •  •  •  ntox  quoque  ut  scythica  terra  ignotis  appanut, 
cerva  disparuit,^    Statt  der  jägersage  hat  Sozomenus  (biat. 
eccl.  6,  37)  hier  eine  hirtenüberlieferung,  kennt   aber  doch 
auch  jene:  'forte  Fortuna  bos  oeatro percitus  lacum  trans* 
mittit,  sequitur  bubulcus:  qui  cum  terram  trans  lacum  vi- 
disset  tribulibus  suis  nuntiat,     sunt  alii  qui  dicunt  cervum 
quibusdam  Hunnis  yenantibus,    cum  per  lacum  ab  illis  fb- 
geret,  monstrasse  ^iam'    Jäger  geleitet  der  hirscfa,  birten 
der  stier ,  beiden  der  wolf.     aber  auch  die  christlicben  bei- 
den lassen    sich  lieber  von   dem  hirscli  führen ,    als  dem 
heidnischen  wolf:    eine  hirschkuh  zeigte  den  Franken  die 
rettende  fürt  durch  den  Main  (Ditmar.  merseb.  ed.  Wagn. 
245.  (vgl.  Otto  fris,  de  gest.  Frid.  1,  43.)     Den   raben  hät- 
ten die  Christen  für  einen  boten  des  teufeis  angesebn.    FUh 
doardus  erzählt  in  seiner  bist,  remens.  1,  24  (ed.  duac.  p.l45) 
ein   beispiel  vom  adler:    'conscenso  siivosi  montis   vcfiice, 
dum  circumferentes  oculorum    aciem   de   monasterii  corde 
volutant  positione,  subito  sublimi  coelorum  mittitor  cdigtr 
index  a  culmine,   per  quem  coelos  scansuro  locus  in  tcr- 
ris    beato   depromeretur   Theoderico.      nam    mysticus  aks 
aquila   spatiando   gyrans    et  gyrando    circumvolana  locim 
monasterii  capacem  secans  aera  designavit»  et  ut  expressnn 
ostenderet    quid   dominus   veliet    unius    fere    horae   spatk» 
supra  ubi  ecclesia  construi  debuit  lentis  volatibus  •atelit  y  et 
ue  hoc  ab  incredulis  casu   contigisse  putaretur,   ipso  nata- 
lis  domini  die   quadriennio  continuo   supervolaodo    moni- 
sterium  circumire,  mirantibus  pluriinis,  eadem  cujuila  ccr- 
nebatur.'     Eine  fliegende  kenne  zeigt  die  baustätte  der  bürg 
an  (deutsche   sag.   no.  570.)     Grenzen  werden   durch  dtn 
lauf  oder  gang  eines  blinden  pjerdes^  eines  hrebses  g^^gt 
(RA.  86.)     Dem  Remus  waren  sechs,  dem  Romulua  zwUj 
geier  günstig  geflogen  bei  grnndung  der  Stadt  (Niebuhr  1,  248.) 

Bekannt  ist,  wie  die  alten  Nordländer  ihre  auswande- 
rungen  und  niederlassungen  unter  göttlichem  geleite  eiiiikh- 
teten.  sie  warfen  die  aus  der  alten  heimat  mitgenommfien 
öndpegiasdlur  oder  setstokkar  aus  dem  schif,  und  landeten 
da  wo  diese  antrieben*  an  diesen  hölzernen  seulen  war  des 
gottes  bild  geschnitzt,  auf  den  sie  trauten,  und  er  wies  ihnen 
die  neue  wohnstätte  an.     hauptstellen  Isl.  sog.  1,76.  77.  254w 

Thiere  zeigten  aber  nicht  blofs  den  ort  des  baus,  » 
wurde  auch  oft  für  nöthig  erachtet,  lebendige  thiere^  selbst 
menschen,  \\\  den  grund  einzumauern,  auf  welchem  das 
gebäude  errichlet  werden  sollte,  gleichsam  ein  der  erde  ge- 
brachtes Qpler,  welche  die  last  auf  sich  duldet:  durch  die- 
sen grausamen  brauch  wähnte  man    unerschütterliche  haü- 


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BINMAUBRN  60» 

barkeit  oder  andere  vortbeile  zu  errelcben.  Nach  däni- 
schen Überlieferungen  mauerte  man  unter  den  altar  der 
kircbe  ein  lamniy  damit  sie  unverrückt  stehn  sollte,  auf 
>edem  kircbbof  aber,  bevor  eine  leicbe  in  ihn  eingesenkt 
wurde,  grub  man  ein  lebendiges  pjerd  ein  (s.  490.)  beide, 
lamm  und  pferd,  lassen  sich  zuw^eilen  in  der  ktrche^ 
oder  auf  dem  kircbbof  sehen  und  bedeuten  dann  todes- 
fälie  (Thiele  1,  136.  157.)  auch  unter  andere  häuser  wer- 
den schti^eine  und  hüner  lebendig  eingegraben  (das.  1, 198.) 
Nach  abergl.  472  kann  langes  gutes  welter  durch  einmaue- 
rung  eines  hahna  zuwege  gebracht  werden,  nach  755  das 
laufen  der  kuh  verhindert  durch  einmauern  eines  lebendi" 
gen  blinden  hunds  unter  der  stallthür.  bei  Viehseuchen 
graben  die  Elisten  ein  atiich  der  heerde  unter  die  stall- 
ihür  um  dem  tod  sein  opfer  zu  bringen  (abergl.  69.)  *) 
In  der  ringmauer  des  Schlosses  Reichen f eis  ist  ein  iti/zc^  le- 
bendig eingemauert  worden :  ein  vorragender  stein  bezeich- 
net die  stdUe-,  wollte  man  ibn  heraus  reifsen ,  würde  die 
mauer  alsogleich  zusammenstürzen  (Jul.  Schmidt  p.  153.) 
Ähnliches  wird  in  Spiels  archiv  1,  160  erzählt,  auch  dafs 
man  späterhin  wenigstens  symbolisch  leere  sarge  ein- 
mauerte. Um  Copenhagen  sollte  ein  wall  aufgeführt  wer-  * 
den,  so  oft  man  ihn  begann  sank  er  wieder  ein:  da  nah- 
men sie  ein  kleines ,  unschuldiges  mädchen ,  setzten  es 
an  einen  tisch  auf  einem  stuhl,  gaben  ihm  Spielzeug  und 
efswaren.  während  es  nun  vergnügt  spielte  und  afs ,  bau- 
ten zwölf  meister  eine  Wölbung  über  ihm,  und  warfen 
unter  musik  und  klingendem  spiel  einen  wall  auf,  der  seit  der 
zeit  un verrückt  gestanden  hat  (Thiele  1,  3.)  Noch  rühren- 
der ist  eine  serbische  sage  von  Scutaris  erbauung:  drei 
jähre  bauten  dreihundert  meister  vergeblich  an  dem  grund 
der  feste;  was  sie  bei  tage  aufgemauert  hatten,  rifs  die  vile 
(s.  245)  nachts  wieder  ein.  endlich  verkündete  sie  den 
königen,  nur  dann  werde  der  bau  halten,  wenn  man  zwei 
leibliche  f  gleichnamige  geschwister  in  den  grund  lege. 
nirgends  waren  sie  aufzufinden,  da  verlangte  die  vile  von 
den  drei  ehfrauen  der  könige  die,  welche  nächsten  tags  den 
meistern  das  essen  hinaustragen  werde ,  in  den  grund  ge^ 
mauert,  als  des  jüngsten  königs  gattin,  ohne  von  diesem 
ratbsclüufs  zu  ahnen,  das  essen  hinaus  bringt,  werfen  die 

*)  nnd  hadden  de  delver  sich  mit  groten  Unkosten  an  holt,  baU 
ken,  struk  daran  vereocht,  den  ort  to  denipen,  konden  oiclit,  de  olden 
sedeu:  anioiani  quaeri,  men  schulde  ein  kat  edder  hunt  darin  drenken, 
aU  diser  gebleven,  wert  it  mit  der  lichte  togeslagen.  Ncocorus  2, 
340.     man  vgl.  cap.XXIX  das  einpflocken  der  9pitzmau6  in  die  e&che. 


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666  EINMAUBON        EINFURCHEN 

dreihundert  meister  steine  um  sie  her  und  fangen  an  sie 
einzumauern;  auf  ihr  flehen  lassen  sie  eine  kleine  öfnun^ 
an  der  sie  noch  lange  zeit  ihren  Säugling  stillte,  den  man 
ilir  täglich  vorhielt.  (Vuk  2,  5.)  Zur  zeit  da  die  Slaven 
an  der  Donau  eine  neue  Stadt  anlegen  wollten,  sandten  die 
häupter  des  volks,  nach  altheidnischer  sitte,  frühmorgens 
vor  Sonnenaufgang  männer  aus,  welche  den  ersten  hnaben^ 
der  ihnen  begegnen  wurde^  nehmen  und  in  den  grund 
des  baaes  legen  sollten,  von  diesem  knaben  (serb.  dijete, 
böhin.  djte,  russ.  ditja,  poln.  dziecif)  erhielt  die  Stadt  den 
nanien  Detinez  (Popow  slav.  mythol  p.  25.)  Auch  in  Mer- 
lins geschichte  p.  66  —  72  wird  erzählt ,  wie  künig  Vorti- 
gern einen  festen  thurm  bauen  lassen  wollte,  der  immer 
wieder  einstürzte,  eh  er  vollendet  war.  die  Weissager  er- 
klärten ,  der  thurm  werde  nicht  stehn ,  bevor  der  grund'-^ 
stein  mit  eines  kindes  blute  benetzt  sei,  das  von  einnn 
weihe  geboren,  aber  von  keinem  manne  erzeugt  worden. 
können  auf  diesen  aberglauben  nicht  auch  Bertholds  Worte 
in  einer  predigt  bezögen  werden  (p.  167)5  ^und  wizze, 
wanne  du  kint  gewinnest,  daz  der  tiuvel  reht  einen  torn 
mit  den  hindern  hdt  üf  dich  gemüref^? 

Der  (•  23  des  iudic.  superst.  de  sulcis  circa  uilloM 
läfst  schliefseu,  dafs  man  um  neugegründete  Städte  furchen 
pflügte ,  deren  heiligkeit  allem  übel  eindrang  wehren 
sollte.  Eben  dies  war  etruskischer  brauch;  Varro  sagt: 
'oppida  condebant  in  Latio,  etrusco  ritu  multa,  id  est  jnnctis 
bobus  tauro  et  vacca  interiore  aratro  circumagebant  suIcubl. 
hoc  faciebant  religionis  causa  die  auspicato,  ot  fossa  et 
muro  essent  munita,  terram  unde  exscalpserant  fossam  vo- 
cabant,  et  introrsum  factum  murum,  postea  quod  fiebat  or^ 
bis  urbs.  die  rinder  waren  weifs;  Ovid  fast.  4,  823  vom 
pomoerium  des  Romulus: 

inde  premens  stivam  signavit  moenia  sulco, 
alba  jugum  uiveo  cum  bove  vacca  tulit. 
im  comitium   ward  ein   gewölbe  gemauert   und  mit  den 
erstlingen  aller  naturgaben,  die  der  menschen  leben  er- 
halten, angefüllt.'") 

Gewisse  abergläubische  gebrauche,  wie  es  scheint  von 
hohem  alter,  kommen  früh  und  spät  bei  ganz  verschied- 
nea  anlaf's  vor,  und  desto  schwerer  ist  es  ihren  sinn  zu 
fassen.  Nach  Burchard  wird  ein  wagen  entzwei  gel/ieilt 
(XXXVll)  und  eine  leichbahre  zwischendurch  getragen, 
abergl.  929  ein   der   Schwangerschaft  verdächtiges  mädchen 


"*)  Festus  s.  V.  mundus.     Niebubr  1,251. 

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TRÄUME  667 

genbtliigt,  zwischen  einem  so  getbeilten  wagen  hindurch 
zu  gebii.  Wagen  und  pflüg  gelten  für  heilige  geräthe,  in 
deren  mitte  aller  betrug  und  zauber  wich. 

Von  dein  geben  durch  gehölten  erdboden  und  ge^ 
spahne  bäume  im  folgenden  cap.  bei  den  beilmitteln.  In 
anderm  sinn  geschieht  das  kriechen  durch  die  aufge- 
spannte haut  eines  neugeworfnen  füllen,  oder  durch  ein 
pjerdehummet,  schwed.  sela  (dän.  abergl.  167.) 

Sonst  soll  man  weder  über  andere  achreiten  (abergl. 
45)  noch  unter  einer  deicJisel  durchschlüpjen  (eis)  noch 
über  deichsei  und  wagenstange  steigen  (729.  925);  eine 
schwangere  hat  alles  hängende  und  verstrichte  über  sich 
zu  meiden  (688.  933.)  Das  erinnert  daran,  dafs  man  in 
den  Christnächten  kein  holz  drehen  (XLIX)  und  mit  ge- 
dreJitem  holz  nicht  schlagen  soll  (schwed.  abergl.  58),  weil 
sonst  dergleichen  Windungen  und  convulsionen  in  men- 
schen verursacht  werden  würden. 

Von  der  traunideutung  hier  nur  weniges.  Statt  des 
Sprichworts  ^träume  sind  schäume^  finde  ich  das  reiner  ge- 
reimte ^träume  sind  gäume'*  (Ettners  Chemiker  469.  apoth. 
132)  d.  h.  Wahrnehmungen  (mhd.  goume :  troiune :  schAme.)*) 
Schon  das  alterthum  glaubte  nicht  an  alle  träume,  sondern 
nur  an  schwere  zu  bestimmter  zeit,  an  bestimmtem  ort 
geträumte,  träume  auslegen  hiefs  scheiden  (Diut  3,  97), 
traumscheider  war  gleichviel  mit  Wahrsager. 

Wie  für  brautleute  bedeutsam  ist,  wessen  licht  beim 
hochzeitsmal  zuerst  erlischt ,  wer  in  der  hochzeitsnacht  zu- 
erst einschläft,  oder  zuerst  aus  dem  brautbett  steigt  (abergl. 
15.  485.717.  ehstn.  17);  sind  auch  die  träume  der  hocfi- 
zeitsnacht  weissagend  (deutsche  sag.  no.  420.)  eines  sol- 
chen traums  der  Hvitastierna  in  Gothland,  der  ihre  nach- 
kommenschaft  anzeigt,  gedenkt  Gutalag  p.  106.  Der  er- 
ste träum  in  dem  neuen  haus  ist  nicht  minder  wichtig 
(deutsch,  abergl.  123.  schwed.  61.)  könig  Gorm  wird  auf- 
gefordert, ein  haus  an  einer  stelle  wo  noch  keins  stand 
aufzubauen,  darin  zu  schlafen  und  zu  träumen  (forum. 
sog.  11,  4 — 6  vgl.  Saxo  gramm.  179.)**)  Halfdan  der 
schwarze  (saga  cap.  7.)  empfängt  aber  den  ratb  in  einem 
Schwein  stall  z\x  träumen,  der  träum  werde  eintreffen.  Auch 
träum  in  einer  neujahrsnacht  trifl  ein   (abergl.  528.) 

*)  merkwürdig  Diät.  3,  96:  waz  iawe  wAre  gescdmety  d.  h.  ge- 
träumt, scliaam  wird  bestätigt  durch  den  noch  schiechteren  reim:  Hraume 
sind  fäume''  (Kirchhofers  sprichw.  342),  (ur  feime. 

**)  'du  hast  einfalle  wie  ein  alies  haus"  sagt  man  umgekehrt  von 
einem ,  der  untreffende  dinge  vorbringt 


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668  ÄRZTE 


CAP.  XXIX.     KRAmmEITEN. 


Die  arzneikunde  des  heldentliums  war  halb  prieslerllch 
und  halb  zauberisch,  priestern  verschafle  erfahrung  und 
höheres  wissen  kenntnis  der  natürlichen  heilkräfte,  von 
der  weihe  ihres  Standes  giengen  hilfreiche  segenspröche 
aus.  noch  das  ganze  miltelalter  hindurch  sehen  wir  auch 
christliche  geistliche  vorzugsweise  im  besitz  der  arzneien 
und  der  gäbe  ihrer  anwenduug.  Ein  theil  jener  heidnischen 
lehre  muste  aber  auf  die  weisen  männer  und  frauen  übergehn, 
die  sich  durch  beibehaltung  abergläubischer  gebrauche  und 
misbrauch  wirklicher  heilmittel  den  ruf  der  Zauberei  zuzo- 
gen. Gleich  der  hexerei  (s.  585)  fällt  auch  die  alte  beil- 
kuude  hauptsäclilich  frauen  zu,  und  aus  demselben  grund. 

Ein  arzt  hiefs  goth.  leheis^  ähd.  Idhht^  ags.  ftrce^ 
altn.  lceknir*)f  Icehnari^  schwed.  lälare,  dän.  läge\ 
das  engl,  leech  ist  zum  begrif  eines  bauern  oder  vieharztes 
herabgesunken,  das  mhd.  Idchencerey  Idchencerinne  drückt 
Zauberer,  zauberin  aus  (s.  584.),  vielleicht  noch  mit  dem 
gedanken  an  heilmittel,  vgl.  ^lÄchenen  und  fürsehen'  (anh. 
s.  XL.)  **)  Von  den  Deutschen  hat  sich  dieses  wort  schon 
in  früher  zeit  den  Slaven,  Litthauern  und  Finnen  niifge- 
theilt:  altsl.  und  böhm.  lekar\  serb.  Ijekar^  poln.  letarz, 
litth.  lekoruSy  finn.  lääkäri]  oder  hätten  die  Deutschen 
es  von  den  Slaven  her?  eine  deutsche  würzet  h.ibe  ich 
no.  300  nachzuweisen  gesucht,  eine  slavische  scheint  mir 
schwieriger,  dem  slav.  Ijek,  lek  (remedium)  entspricht 
unser  ahd.  Mhhan.  Andere  benennungen  sind  vom  begrif 
des  helfens ,  besserns  hergenommen ,  vgl.  b^tan ,  böten^ 
mederi  fs.  583);  altn.  groedha  (sanare)  groedhari  (chirurgus, 
medicus)  von  griidh  (lucrum,  auxilium);  mhd.  heilcere 
(medicus)  Karl  45.  aber  schon  ahd.  arzdt  O.IU.  14,  11. 
m\\A.  arzet^  nhA.arzt,  mnl.  cr«e^rc  Diut.  2,  223»,  altfVanz, 
artouSf  artox'y  wurzel  scheint  das  lat.  ars,  obgleich  arzll 
nicht  unmittelbar  aus  artista  erklärbar.  ***)  das  provenz. 
tnetges  Fcrabr.  547. 1913,  altfranz.  rnires  sind  aus  medicus. 

*)   la;kni5  heiidur  Ssem.  194«   laekoir  vera   ok  kunna  sär  at  üä. 
Saeut.  195«. 

**)  quedliiib.  hexenacten   p. 77.    die  kranke   ^lecken* 
)   iemperte  (arzoei)   Parz.  643,  23.    l&bhindato  iemperando  gL 


IU0U8.  393. 


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ÄRZTE  .  669 

Schon  eine  der  nord.  asinnen  galt  für  die  erfahrenste 
Srztin:  'Eir,  asynja,  hon  er  leßkuir  bezlr.'  Sn.  36.  Der 
Brynhild  wird  Mif  medh  laskntng'  (pharmaca  cum  medela) 
zugeschrieben  (Saem.  174'»);  sie  ist  eine  weise,  zauberkim- 
dige  frau,  pliarmaceutria,  herbaria,  sie  versteht  sich  aber 
auch  auf  das  wundenverbinden  (undir  dreyrgar  yfir  biuda. 
Seem.  220b),  gleich  der  Hiltgund  (Waltharius  1405.)  Od- 
drün  hilft  bei  schwerer  entbindung  (Saem.  239.)  Berühmt 
ist  aus  dem  Tristan  Isotens  arzneikenn tnis.  Unter  dem 
volk  gibt  es  noch  heute  alte  frauen^  die  das  böten,  strei- 
chen, giefsen  und  segnen  treiben  (abergl.  515.  864.)  Merk- 
würdig ist,  dafs  heiiformeln  \on  frauen  nur  auf  männer, 
Yon  männern  nur  auf  frauen  übertragen  werden  sollen 
(abergl.  793.)  Vorzüglich  sind  es  schafer  ^  die  für  kluge, 
arzneikundige  männer  gelten  (franz.  abergl.  35)  vgl.  s.  608 ; 
Irüherhin  auch  andere  hirten  und  jäger  (^bubulcus,  Su- 
bileus, venator'  anh.  s.  XXXIII.)  Im  mittelalter  zogen 
aber  wandernde  ärzte  im  land  herum,  die  dem  volke 
kunst  und  heilmittel  feilboten,  gewöhnlich  in  begleituug 
eines  ergötzliche  possen  treibenden  knechtes;  ich  verweise 
auf  Rutebeufs  diz  de  l'erberie  (M^on  nouv.  rec.  1,  185  — 
191)  und  auf  das  osterspiel  bei  Wackernagel  782  ff.  Diese 
landstreichenden  kräutermänner ,  quaksalber,  harnstein- 
schneider  gewähren  vielfachen  aufschluls  über  die  art  und 
weise  der  voiksmäfsigen  heilungen.  Im  höheren  alterthum 
verschmähten  auch  beiden  nicht,  sich  mit  arznei  und  wun- 
den zu  befassen;  gleich  dem  homerischen  Machaon  ist  im 
Gudrunlied  18*«*»'  Wdte  gerühmter  arzt;  es  heifst  aber: 
si  hasten  in  langer  zite  da  vor  wol  vernomen, 
daz  Wate  arzet  weere  von  einem  wilden  wtbei 
WÄle,  der  vil  maere,  gefrumete  *)  manegeni  an  dem  libe. 
seine  kunst  wird  also  doch  wieder  auf  eine  frau,  und 
zwar  auf  ein  wildes  weib,  eine  halbgöttin  (s.  243.  244) 
zurückgeführt. 

•Solchen  höheren  wesen  wohnt  heilende  kraft  bei« 
Crescentia  empfängt  die  gäbe  alle  krankheiten  zu  heilen 
(kolocz.  267),  nach  dem  altfranz.  gedieht  (M^on  n.  r.  2, 
71.  73)  blofs  den  aussatz.  Auch  königinuen  des  alterthums 
ist  das  vermögen  zugeschrieben ,  .  bestimmte  krankheiten 
durch  ihre  berührung  zu  tilgen :  im  Rother  32**.  33*  be- 
streicht die  königin  lahme  und  krumme  mit  einem  stein, 
königen   von  Frankreich  und   England   wird  eine  ähnliche 


*)   ags.  übersetzt  fr  cm  Mattli.  9,  12  medicus:   qui  prode«t,  qul 
Biedetur. 


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670  KRANKHEITEN 

kraft  beigelegt.  Gebiert  eine  frau  sieben  s^hne  hinter  eio- 
ander,  so  kann  der  siebente  durch  einen  schlag  mit  der 
hand  allerlei  schaden  heilen  (abergl.  786),  nach  Ettoen 
hebamme  906  heilt  seine  berührung  kröpfe,  nach  franz. 
abergl.  22  der  fünfte  söhn,  ein  kind,  das  seinen  vater 
nicht  kennt,  vermag  geschwülste  aufzulösen  (fondre  les 
loupes.)  das.  21.  Ein  erstgebornes,  mit  zahnen  auf  die 
vrelt  gekommnes  kind  vermag  den  bösen  bifs  zu  heilen 
(schwed.  abergl  29.  37.) 

,  Unsere  heutige,  nicht  aus  dem  volk  hervorgegangne 
arzneigelehrsamkeit  hat  allmälich  beinahe  aUe  deutschen 
benennungen  der  krankheiten  verdrängt  und  durch  grieck 
oder  röm.  Wörter  ersetzt,  da  jene  oft  noch  auf  die  Tor- 
Stellung  des  alterthums  von  den  krankheiten  und  ihrer  ki- 
lung  führen,  so  wird  es  nöthig  sein  wenigstens  die  be- 
deutendsten anzuführen. 

Krank  hat  im  MA.  nur  den  sinn  von  debilis,  infc- 
mus,  nicht  von  aeger,  und  für  dieses  gilt  sieche  gotii. 
siuksf  ahd.  ä/oA;  morbus  wird  folglich  nicht  durch  krank- 
heit  ausgedrückt,  sondern  durch  suchte  goth.  saühts,  aM. 
euhty  alln.  sdtt,  während  wir  mit  sucht  jetzt  den  sittückcn 
begrif  von  hang,  heftigem  verlangen  verbinden,  und  oor 
noch  in  den  Zusammensetzungen  Schwindsucht,  gelbsudit 
u.  a.  seine  alte  bedeutung  behalten.  Analog  verhalten  ttdi 
das  altn.  thrä  (desiderium,  aegritudo  animi)  und  lltthrd 
(lepra),  vgl.  dän.  traa,  helletraa.  DV.  2,  180.  205.  All- 
gemeine Wörter,  die  auch  den  leiblichen  schmerx  des 
siechthums  ausdrücken,  sind  ahd.  aueroj  mhd.  8wer,  ahd. 
mhd.  w^j  witagOj  w^tage  (wie  aiecntage.)  eigenthnm- 
lich  ist  der  ags.  ausdruck  adl  (fem.)  für  krankheit. 

Christlich  war  es ,  die  sucht  für  eine  schictung  goi- 
teSf  heidnisch,  sie  für  eine  einwirkung  der  geister  uw 
etwas  elbiaches  zu  halten.  Sie  wird  darum  auch  permi' 
ficierti  sie  stöfst  an,  fällt  an,  überfallt,  greift  an,  öb«^ 
wältigt  den  menschen :  dalfimv  imXQcce.  gleich  dem  tod 
und  dem  Schicksal  (8.228.)  nimmt  sie  weg,  'suht  farnain. 
Hdl.  125,  20.  ün  cod.  vindob.  159.  no.  94  finde  ich  die 
redensart:  ^eine  suht  ligen,  zwo  suht  ligen.'  Sonst  heifel 
ein  siecher  auch  ahd.  bettiriao  (bettlägerig,  dinicus)  O.lD« 
14,  67,  mdh.  betterise  Parz.  502,  1. 

Fieber,  goth.  heitd  Matth.8,  15.  brinnS  Marcl,3j. 
Luc.  4,  38,  beide  für  nvQ^xoQj  und  beide  weiblich;  ko» 
entsprechendes  ahd.  hizd,  prinnS.  ahd.  rito  (inasc)  ||- 
mons.  391,  von  ritan  (reiten),  nicht  von  ridan  (torqucre> 
weil  das  fieber  nicht,  wie  der  krampf,  verdreht,  und  ap. 


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KRANKBBITEN  671 

riiia  (nicht  vridha)  geftchrieben  werden  mufs,  Lye  hat 
rideroth  (febris.)  Es  wird  wie  ein  alb  betrachtet,  der 
den  mensc/ieri  reitet  und  scbüttelt  (8.261.  262.)  'der 
rite  bestuont  in.'  Alex.  2118.  £n.  10834  und  Eracl.  3166 
werden  *8u/it,  ßeber^  rite^  neben  einander  genannt,  also 
unterschieden,  £u.  10350  ^suJit  und  rite\  9694  ^suht  und 
fieher^  und  das.  9698:  ^diu  minne  tuot  kalt  und  heiz  in^r 
dan  der  vier  tage  rite^  (febris  quartana.)  rite  scheint 
vorzüglich  das  kalte  fieber,  was  sonst  auch  der  fror  er 
(abergL  183)  heifst,  wiewol  von  *  ritten  frost'  und  ^ritten 
hitze'  die  rede  ist  im  15.  16  jh.  waren  gemeine  Ver- 
wünschungen: ^dafs  dich  der  ritt  schütte,  der  jarritt 
(das  ein  jähr  lang  dauernde  fieber),  der  gaehe  rite  gehe 
dich  an!'  4ns  ritt  namen  habt  rhu!'  H.Sachs III.  3,  lOc. 
Merkwürdig  ist  Boners  fabel  48,  worin  der  rite  persön- 
lich (aber  wie  gestaltet?)  auftritt  und  sich  mit  dem  üoh 
unterredet:  sie  ist  deutlich  erst  im  mittelalter  erfunden. 
Petrarch  epist.  3,  13  von  der  spinne  und  dem  podagra, 
and  nennt  sie  anilis   fabella. 

Jene  auslegung  erlangt  Sicherheit  durch  die  ehstnisclie 
redensart  ^ajan  walged^  ajan  lialW  (ich  reite  den  weifsen, 
ich  reite  den  grauen)  d.  i.  ich  habe  das  kalte  fieber.  (Ro- 
senplänters  beitr.  12,  42.  43.)  Den  Griechen  war  iniuX" 
%i]S^  ig>iaXTfje  wörtlich  aufspringer,  ein  dämonischer  in« 
cubus^  alb,  der  das  nächtliche,  fieberhafte  alpdrücken 
verursacht.  gleichviel  ist  ^mdXTjgj  fjnioXfjg  alp,  und 
r^maXos^  ipiioXos  fieber,  fieberfrost,  ausdrücke,  welche 
die  granunatiker  durch  verschiedene  betonung  zu  sondern 
trachteten,  es  kommt  dazu ,  dal's  ^^vuoXfje  bei  Aristot.  bist, 
an.  8,  26  wiederum  Schmetterling ,  papilio  bedeutet,  die 
begriffe  geist,  alb  und  Schmetterling  aber  vielfach  in  ein- 
ander aufgebn  (s.  479.  514.) 

Eine  ags.  von  Wanley  s.  176  — 180  (vgl,  304)  ausge- 
zogne hs.  von  krankheiten  und  heilmitteln  hat  s.  180  äl fädle 
IsBcedöm  (arznei  wider  die  elbkrankheil),  äljcynnesealj 
(elbsalbe)  und  nihtgengean  sealj  (nacht frauensalbe.)  *) 

Unter  gicht  verstehn  wir  gliederweh,  arthritis,  die 
ältere  spräche  braucht  es  neutral :  *  daz  gegihte  brichet 
sie'  a.  Heinr.  886.    Ulr.  Trist.  1461.    *daz  gegihte  brach 

*)  daselbst:  *vidb  älfeynnesealf  and  vidb  aihtgengao,  and  tbAm 
moDnom,  the  deofol  mid  hcemdh\  gegen  elbsalbe,  gegen  nachtgengen 
und  gegen  die  niänner,  mit  denen  der  teufet  verkehrt,  oder  bedeutet 
bmnedh  hier  coit?  dann  böte  diese  lis.  (aus  dem  10.  11.  jb.?)  das 
älteste  beispiel  einer  geglaubten  ileischliclien  Terrolscliung  mit  dem 
teofel  dar  (s.  599.) 


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672  KRANKHEITEN 

ir  hend  und  füeze'  Räb.  1060.  ^daz  wnetende  gthte.^ 
Renner  52^  da  man  auch  darnigicht  für  colik  findet,  und 
oben  8. 350  9ungiht  gehen  und  wenden  der  sonne  bezeich- 
net, 80  8cheint  mir  gicht  das  gehen  ^  wenden  und  reiften 
des  schmerzens  im  leib  zu  bezeichnen  und  dem  goth.  gahi9 
(l'nnagahts  gramm.  3,  518)  vergleichbar. 

Die  herumziehende,  an  keiner  bestimmten  stelle  haf- 
tende, die  fliegende  gicht  (arthritis  vaga)  wurde  wenigstens 
noch  im  17  jh.  in  Norddeutscbland  (Holstein,  an  der  Ost- 
see) dat  parende,  lopende  deer  (das  fahrende,  laufende 
thier)  genannt,  in  andern  niedersächs.  und  westfal.  gegen- 
den  de  varen  ^  de  parende,  de  lopende  varen^  d.  L  die 
fahrenden,  umlaufenden,  gehenden  (geister  oder  dinger.) 
Die  krankheit  galt  also  wiedenun  für  ein  in  den  leib  ge- 
wiesenes, gezaubertes  geistigthierisches  wesen.  Noch  deut- 
licher ist  die  benennung  'die  gute  hinderen'*  (im  Braun- 
schweigischen)  'die  gute  holde"*  (im  Göttingischen),  gerade 
wie  die  von  den  hexen  eingezauberten  el bischeu  dinger 
hiefsen  (s.  606.)  gedacht  wurden  sie  gleichfalls  wie  sehntet^ 
terlinge  oder  wärmer  gestaltet,  welche  nagenden  schnnerx 
und  gesell  willst  'an  den  gleichen  (articulis)  oder  gewerhea' 
der  häüde  und  füfse  hervorbringen  sollten.  *)  Weil  die 
krankheit  hartnäckig  und  oft  schwer  zu  heilen  ist,  pflegte 
sie  das  gemeine  volk  dem  einflufs  der  hexen  zuzuschreiben. 
Sie  heifst  auch  der  haarwurm,  und  in  den  Niederlanden 
die  springende  gicht. 

Die  einvvirkung  der  holden  muTs  aber  viel  .man^- 
f alter  gewesen  sein  und  auf  mehrere  krankheiten  bezogen 
werden.  Eine  hexe  bekannte  (Voigts  abh.  p.  122),  dafs 
es  neunerlei  holdichen  gebe:  ritende,  splitende,  blasende, 
zehrende,   fliegende,   schwillende,   taube,  stumme,  blinde. 

Auch  die  Polen  nennen  biale  ludzie  (weifse  Iente> 
d.  i.  elbe)  **)  würmer,  die  in  den  menschen  krankheiten 
verursachen  (Diesters  neue  berl.  mon.  sehr.  1802.  8,  230.) 

Eine  brennende  geschwulst  am  fingernagel  (yrapiwvjf/c) 
heifst  der  wurm,  der  umlaujende  wurm,  das  ungenannte 
(weil  man  den  namen  des  wesens  auszusprechen  scheut), 
das  böse  ding. 

♦)  Job.  Weyers  (Job.  Wier,  Piscinarias,  gb.  zu  Grave  in  Bnbut 
1515,  gest.  zu  Teklenbargr  1588)  arzneibuch.  Ff.  1588  p.97.  Bear. 
Meibom  de  artbritide  vaga  scorbatina.    Helmest  1668.   4.   cap.  I. 

••)  vgl.  hilwihterj  belemtten  (s.  266. 267.)  icb  fuge  hier  Doch  «ä 
citat  bei  aus  Gisb.  Voetins  de  miraculis  (disput.  tom.  2,  1018):  de  Ulk, 
quos  oostrates  appellant  heeldu/it  et  blinde  bellen  ^  a  quibos  ooctana 
Visa  videri  atqae  ex  iis  arcaua  revelari  putaat. 


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KRANKBBITBN  673 

Von  dem  albzopfy   wichtelzopf   «♦  262. 

Fluja  (rheiuna)  wird  von  melirern  krankhaften  zu- 
fallen gebraucht y  leichteren  und  lebensgefährlichen,  z.  b. 
stiakßujsy  schlagflufs  (apoplexia.)  der  schlag  rührt,  trift, 
schlägt,  mhd.  der  gotes  alac.  später :  die  gewalt  gottes^ 
die  hand  gottes  (Ettners  unw.  doct.  224.)  'traf  mich  got-- 
tes  givaW  (rührte  mich  der  schlag.)  braunschw.  anz.  1745 
p.2022  (aus  Matlh.  Schwarz  leben,  a.  1547.)  vgl.  oben  8.14. 

Die  fallende  sucht  (epUepsia)  schon  Diut.  2, 193^  ual- 
landia  saht  (caducum  morbuni) ;  daz  fallende  übel  (fundgr. 
325.)  fallender  siechtag  (Hütten  5,  171.)  sonst  auch:  der 
Jammer^  das  elend,  die  schwere  noth,  das  böse  wesen^ 
die  Staupe,  mnl.  vallende  euelf  nnl.  vallende  ziekte^ 
Sint  Jans  euel,  gramscluip  goods  (Huyd.  op  St.  1,  569.) 
^dafs  dich  die  gnücten  rühre!'  (Melanders  jocosen  1,434), 
gDiik  ist  nd.  ein  stofs.  ml,  gutta,  gutta  cadipa,  altfranz. 
la  goute]    cheent  de  gote.     Ren.  25203. 

Krampf  (spasma,  convulsio),  bei  kindern  gewöhnlich 
freies,  f reisig,  gejrais  (abergl.  474.  722),  Jräsel  (Jul. 
Schmidt  p.  121.)  schäuerchen  (zahnkrampf)  nd.  schür- 
hen^  d.  h.  kleiner  schauer,  zuckung.  doch  bedeutet  die /reis, 
frais  auch  häufig  epilepsie  (Abele  gerichtsh.  2, 429.  4, 2 1 8. 3 1 1.) 

Leibweh,  grimmen  (krimmen,  reifsen,  nnl.  krimpen.) 
die  obere  grimme  f  mannsmutter  (Wier  107*.)  hach^^ 
mutter,  bärmund,  bärmutter  Stald.  1,  136.  tvärmund 
das.  1,  334.  trtbe  fundgr.  321,  9  soll  nach  HoiTm«  erklä- 
rung  auch  colik  bedeuten.  Ruhr  (d^senteria),  durchlauf, 
darmgicht  nach  gloss.  flor.  984'  uzsuht,  gL  flor.  984* 
zuzsuht.    rollte  ruhr^  der  rothe  schaden  (Anshelm  3,  236.) 

Ltungensucht,  ags.  lungenadl  (pneumonia) ;  schwinge 
oder  lungesucht  (Schweinichen  2,  256.)  Schwindsucht,  nach 
Abeies  gerichtsh.  2, 303  greift  sie  alle  )ahr  ein  eilen  därme  an. 

TVassersucht ,  ahd.  auch  ivazarchalp  (hydrops) 
Diut.  2,  181,  vgL  mondhalb  (mola,  caro  in  utero  nascens) 
engl,  mooncalf  (ungestalte  misgeburt)  wobei  wol  mytliische 
Vorstellungen  obschweben,  da  sich  auch  sonnen  kalb  als 
eigenname,  findet,  und  aberkalb,  aflerkalb,  eberkalb  ein 
unechtes  kind  heifst.  abortus  heilst  misgeburt,  miskram; 
abortieren:  umschlagen,  umstülpen^  verschütten,  umwerfen^ 
umkeipeln.  ^zy  heft  de  kar  omgeworpen'  (Tuinman  spreekw. 
1,  88),  es  ist  ihr  unrichtig  gegangen,  'meinem  weihe  geht 
es  unrichtig'  (Schweinichen  2,314  vgl.  321)^  geht  ungerade 
(Kantzow  2,  30.)  ehstn.  tüjad  nurgad  (leere  ecken)  mond- 
kalb.  ülle  kätte  minnema  (über  die  bände  gehn)  gegensatz 
zu  last  pülwede  peälet  tüstma  (kind  aufs  knie  heben,  or- 

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€74  RRÄNKHiBTEIf 

deutlich  gebähren.)  'es  lärmt',  'das  haus  kndct'  ^dSe  ge- 
burtstunde naht)  ^das  haus  ist  eingefallen'  (die  geinirtk 
erfolgt.)    Sachs,  prov.  blätt.  14,  127. 

Herzgespan  (cardialgia)  herzspann  (ab^^l.  873. 9iS). 
sonst  herzweh,  herzkulk  (ventriculi  colica),  'es  ii^et  uim) 
steht  mir  für  dem  herzen.'  mhd.  herzeswer  ^  auch  #M«r- 
mage  (Diut.  2,  273.) 

KopJweJij  houbitw4  fundgr.  320.  321.  houbitsuk 
Diut.  2,  270.  Jarren  abergL  865  mir  unverständlich.  i(f 
besulU  (amentia)  Iw.  3233  ^  hirnaucht. 

Ahd.  hucsto  (tussis),  altn.  /wsti,  ags.  7ii>6sia,  en^ 
wJioost,  schnupfe,  schnauheySchnuier.  mhd.  slrüche  (uaLt 
321,1.   Lfc  1,403.404.     irawm«  (rauher  hals)  fundgr.  322. 

Qelasuht  (elephantiasis)  gl.  mons.  384,  Jetzt  ist  gelh- 
sucht  icteris.  gelesuht  und  fich  (?  f^h ,  bunt.)  miselsuht 
(lepra) ,  goth.  tlirutsfill.  ahd.  hriupt  (scabies)  ruda  (im- 
peligo)  gl.  flor.  988*>  zittarläs  (impetigo)  Diut  1, 496»».  cio 
neuer  volksausdruck  ist  schneidercourage  (Adelung  v.  kra- 
tze) schneiderkurz  weil  (Ettners  uuw.  doct.  349.)  die  ro« 
(er)^sipelas) ,  das  laufende  feuer ,  ignis  sacer  (Ivonis  cfu- 
stolae  p.  85*  184b)  ahd.  oino ,  ags.  oma,  altn.  dma.  Voo 
rotlien  flecken  im  gesiebt  der  kinder  sagt  man :  'das  jiüU 
hat  das  kind  verbrannt*   (abergL  473.) 

Viele  andere  krankheitsnamen  lasse  ich  unangetuhrt, 
eine  noch  gröfsere  menge  wird  meiner  samlung  eatgaogeo 
sein,  es  kam  mir  darauf  an,  aus  diesem  verachteten  reicii- 
thum  unserer  spräche  solche  beispiele  zu  heben,  weklif 
erkennen  lassen,  wie  das  volk  mythische  vorstelhingeD  mit 
dem  Ursprung  der  krankheiten  verband,  gleich  andern  ubelji 
schienen  sie  ihm  durch  gütter,  geister  und  Zauberer  ver- 
hängt und  verursacht,  ja  selbst  lebendige,  feindselige  w^ 
sen  geworden.  In  der  edda  werden  ihnen  eide  abgenoA- 
men  ^s.  371.)  Manches  ist  uns  dunkel:  was  bedewtrt 
üljheit^    'ein  suht  ob  allen  sühten'  (8.248)? 

Ein  finnisches  lied  (Schröter  s.  48  ff.)  läfst  von  Lao- 
nawatar,  einer  alten  frau,  neun  knaben  geboren  vrenfcs: 
werwolf,  Schlange,  risi  (?),  eidechse,  nachlniar,  glW- 
schmerz,  gichtschmerz,  milzstechen,  bauchgrimmen.  di«* 
krankheiten  sind  also  geschwister  verderblicher  ungeheuer: 
in  dem  lied  wird  nachher  die  letzte  derselben  hervOTg^ko- 
ben  und  beschworen. 

Die  Neugriechen  stellen  die  blättern  dar  als  kiiwlfl^ 
^    schreckende  frau,  welche  sie  avyycoQe/iivTj  (die  schoiicBd*»  | 
erbitlliche)   oder  noch  gewöhnh'clier   evXoyia   (die  zu  ruh- 
nieöde)  euphemistisch  nennen.    Fauriel  disc.  pr^LLXXX^* 


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MESSEN  675 

Es  yerstoht  sieb,  dars  auch  bei  tbierkrankheiten  gei- 
ster  vralteD.  in  fonnel  IV  wird  der  nesso  mit  seinen  neun 
jungen  beschworen  ans  fleisch  und  baut  des  sporlabmen 
rosses  zu  weichen.  Die  wut  des  hundes  soll  yon  einem 
wurm  herrühren,  der  ihm  unter  der  zunge  sitzt:  dieser 
loUwurm  kann  ausgeschnitten  werden,  eine  pferdekrank- 
lieil  heilst  der  bläsende  wurm,  (anhang,  formel  XV),  was 
an  die  blasenden  holden  (s.  672)  erinnert.  Nach  dem  Volks- 
glauben kann  die  hexe  ihre  elbe  oder  holden  söwol  in 
menschen  als  thiere  zaubern.  Metil  heifst  deti  Serbep  eine 
unheilbare  krankheit  der  schafe.  sie  erzählen ,  dafs  die 
Deutschen  einmal  den  teufel  gefangen  und  nach  einem  mit- 
tel gegen  das  metil  gefragt  hatten,  der  teufel  sagte :  wenn 
alle  schafe  bis  auf  eins  umgekommen  seien,  solle  man  das 
übrigbleibende  um  die  ^  bürde  tragen,  dann  werde,  au- 
fser  ihm,  keins  mehr  verrecken.     Vuk  s.  v. 

Unter  der  menge  abergläubischer  heilarten  zeichne 
ich  folgende  aus. 

Es  war  uralter  brauch,  den  siechen  zu  messen^  tlieils 
zxxt  heilung,  theils  zur  erforschung,  ob  das  übel  wachse 
oder  abnehme.  Hierher  könnte  man  schon  aus  dem  buch 
der  könige  I.  17,  21.  IL  4,  34  nehmen,  dafs  Elias  und 
Elisa  über  dem  entseelten  kinde  sich  messen,  und  es  da- 
durch wieder  beleben,  auch  das  messen  der  glieder  beim 
lichtergeben  auf  den  altar  (Diut.  2,  292),  obgleich  es  mehr 
künftige  übel  abhalten  soll,  ist  zu  erwägen.  Im  bthtebuoch- 
p.  46  wird  gefragt :  *  ob  du  ie  geloubetöst  an  hecse  und  an 
lAchenerin  und  an  segenerin,  und  ob  Ad  taste  daz  si  dir 
rieten?  und  ob  du  ie  gesegnet  oder  geldchent  wurde  oder 
gemezen  wurde,  und  ob  du  ie  bekort  wurde?'  Zu  ihrem 
mann,  den  sie  bethören  will,  sagt  eine  irau  (Ls.  3,  9): 
*tao  dich  her,  Id  dich  mezzen\  also  lang  ich  in  maz, 
UDz  er  allez  vergaz.  Dieses  messen  wird  auch  anh.  s.  XL. 
XLI  unter  den  übrigen  Zaubereien  angeführt.  Schwangere 
messen  einen  docht  nach  der  länge  des  heiligen  bildes  und 
gürten  ihn  um  den  leib  (anh.  XL VIII.)  Nach  Wiers  arz- 
ndbuch  p.  31.  33  heifst  im  Trierischen  eine  krankheit  der 
nachtgrif  (durch  den  angrif  von  nachtgeistem  hervorge- 
bracht?), um  sich  ihres  daseinszu  vergewissern  verföhrt  man 
so:  dem  kranken  wird  sein  gürtel  um  den  blofsen  leib  ge^ 
zogen,  in  der  länge  und  breite,  dann  abgenommen  und  an 
einen  nagel  gehängt  mit  den  worlen :  Mch  bitte  dich,  herr 
gott,  durch  die  drei  Jungfrauen  Margaritam,  Mariammagda- 
lenam  und  Ursulam ,  du  wollest  doch  an  dem  kranken  ein 
zeichen  geben,   ob    er  den  nachtgrij  hat.'     hierauf  wird 

43*  ' 

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676  ASCBE  STREUEN 

nachgemessen  y  ist  der  gurtel  kurzes  ak  zayc^y  60  ^es 
für  eiD  zeichen  der  krankheit  Nach  den  schlet«  provini. 
bl.  1798.  27  y  16  —  20  hat  im  Liegoitzischen  fest  jedes 
dorf  eine  messerin :  immer  ist  es  eine  alle  frau.  wiü  omb 
nun  wissen,  ob  bei  eioem  schwindsüchtigen  leben^^ 
vorhanden  sei,  so  nimmt  sie  einen  faden  und  misit  den 
kranken  vom  scheite!  zur  sohle  und  an  den  aiisgeepreiz- 
len  armen  von  einer  handspitze  zur  andern,  findet  sich 
die  länge  vom  köpf  bis  zum  hacken  kürzer  als  die  der 
arme,  so  ist  eine  auszehrung  da:  ye  weniger  der  fadeo  & 
die  armlänge  zureichen  will,  desto  weiter  ist  die  kiÄnU»ö' 
vorgeschritten,  reicht  er  nur  zum  einbogen,  so  ist  krine 
hilfe  mehr.  Die  messung  vrird  öfter  wiederholt:  ni»»^ 
der  faden  zu^  und  erreicht  wieder  die  rechte  länge,  soi^ 
die  krankheit  gehoben,  für  ihre  mühe  darf  die  weise  fw» 
nie  geld  fordern ,  sie  nimmt  was  man  ihr  gibt«  Man  vst- 
gleiche  das  getraide  und  yrassermessen  (ab^gl.  258.  953, 
und  s.  333.) 

Wenn  einen  kranken  die  weifsen  leute  (biale  lodiie 
s.  672)  quälen,  wird  in  Polen  freitags  ein  lager  von  eA- 
senstroh  gemacht,  laken  darüber  gespreitet  und  der  knoke 
darauf  gelegt,  dann  trägt  einer  ein  sieb  mit  asche  auf  d«B 
rücken,  geht  um  den  kranken  herum,  luid  läfst  die  asche 
auslaufen ,  so  dafs  das  ganze  lager  davon  umstreut  wffd. 
frühmorgens  zählt  man  alle  striche  auf  der  asche,  mi 
stillschweigen ds,  ohne  unterwegs  zu  grüfsen,  hinterbrifigt 
sie  einer  der  klugen  frau,  die  nun  mittel  verschreibL  Ke- 
sters  mon.  sehr.  a.  a.  o.  In  der  asche  drücken  sich  die 
spuren  der  geister  ab,  wie  man  auch  den  erdmänolaD 
asc/ie  streut  (s.255.)     vgl.  ehstn.  abergL  40. 

Von  dem  wasserschöpjen  und  giejsen  der  Uu^ 
frau,  abergl.  515.  865.  Segnen  des  Schlags  (der  apoplexie) 
mit  einer  hacke  auj  der  schwelle,    anh.  S.LI1I« 

Eine  alte  fieberkur  war,  das  kind  auf  den  ofeuoder 
das  dach  zu  legen:  mulier  si  (|ua  filium  suum  poniU'V'* 
tectum  (vgl.  s.  609  anm.)  aut  m  Jornacem  pro  saoiUle  fc- 
brium.  (anh.  s.  XXXV.)  posuisti  infaiitem  tuiun  J^xM 
ignem  (XXXIX.)  Nimmt  das  kind  nicht  zu,  so  bat  ö 
das  elterlein^  mau  schiebe  es  in  den  backofen  so  wöcht 
das  elterlein  (abergl.  75.)  .. 

Man  heilte  aber  auch ,  indem  man  tinder  oder  vi^ 
durch  ausgehölte  erde  oder  einen  gespaltnen  l>^"^^ 
hen  und  kriechen  liefs.  Das  hielt  allen  zauber  ab,  oder 
vernichtete  ihn  oder  wirkte  sympathetisch,  'mulicres,  qw« 
haben t  vagientes  infantes.,  elTodiunt  terram  et  ex  parte  g^' 


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DURCH  ERDE  UND  BÄUME  KRIECHEN    677 

tnsant  eam  et  per  ülud  foramen  pertrahunt  infantem'  (XXX.) 
anunen  nelimen  das  neugebome  kind  und  stofaen  es  durch 
ein  hol  (LIV);  will  es  nicht  gehen  lernen,  läfst  man  e» 
durch  ranken  des  b rombeerst rauchs  kriechen ,  die  in  die 
erde  gewachsen  sind  (abergl.  M8.)  Kranke  schafe  müssen 
durch  eine  gespaltne  junge  eiche  kriechen*  ^nullus  prae- 
sumat  pecora  per  cavam  arboreni  aut  per  terram  Jora-^ 
tarn  transire^  (XXX.) 

Dieses  schlüpfen  durch  den  eichspalt,  durch  die  erde 
scheint  auf  den  genius  des  baums,  der  erde,  das  siechthum 
oder  den  zauber  zu  übertragen.*)  Von  welchen  krank- 
heiten  man  auf  solche  weise  genas,  wird  nichl  berichtet, 
folgende  stelle  lehrt  aber,  dafs  noch  im  vorigen  jh.  das 
engl,  landvolk  so  die  brücke  heilte :  4n  a  farmyard  near  the 
midie  of  Seiborne  (a  village  in  the  county  of  Soulhamp- 
ton), Stands,  at  this  day,  a  row  ol  pollardashes  (gestutz- 
ten eschen),  which,  by  tlie  seams  and  long  cicatrices  down 
their  sides,  manifestly  shew  that,  in  former  times,  they 
bave  been  cleft  asunder.  these  trees,  when  young  aud 
flexible,  were  severed  and  held  open  by  wedgcs,  white 
ruptured  children,  stripped  naked,  were  pusfied  through 
the  aperturesy  under  a  persuasion  that,  by  such  a  procefs, 
the  poor  babes  would  be  ciired  of  their  infirmity.  As  soon, 
as  the  Operation  was  over,  the  tree  in  the  suiTering  part, 
was  plastered  with  loam,  and  carefuUy  swathed  up.  If  the 
part  coalesced  and  soldered  together,  as  usually  feil  out, 
where  the  feat  was  performed  -with  any  adroitnefs  at  all, 
the  party  was  cured;  but  where  tlie  cleft  continucd  to 
gape,  the  Operation,  it  was  supposed,  would  prove  in* 
eiTectual.  We  have  several  persons  now  living  in  the  vil- 
lage, who,  in  their  childhood,  were  supposed  to  be  healed 
by  this  superstitious  ceremony,  derived  down  perhaps  from 
our  saxon  aucestors,  who  practised  is  before  their  con Ver- 
sion to  christianity.  At  the  south  corner  of  the  area  near 
tbe  chureh,  there  sloo4  about  twenty  years  ago^  a  very 
old  grolesque  hoUow  pollardash^  which  for  ages  had  been 
looked  on  with  no  small  vencratlon  as  a  shrewash^  now 
a  shreu^ash  is  an  ash  whose  ''twigs  or  branches,  ii>hen 
gently  applied  to  the  limbs  of  catlle ,  will  immediately 
relieve  tfie  pairs  which   a  beast  sulTers  from  the  running 


*)  roerkwQrdig,  darg  im  altfranz.  Tristran  der  zwerg  Frociiie,  als 
er  das  geheimnia  voq  Marks  pferdeohren  dem  sctiwarzdorn  beichtet, 
»eipea  köpf  unter  der  holen  würzet  des  ha  ums  durchsteckt,  und  dann 
erst  redet.  1821  —  1334.  sein  gekeimais  geht  dadurch  über  auf  den  doru. 


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ms  IN  BaOß  GRABEN 

of  a  shrewmouBe  ( Spitzmaus)  over  tlie  part  affected.  fer 
il  is  supposed  thal  a  shre^wmouse  is  of  so  baneful  and  de» 
leterious  a  nature,  tliat  wherever  it  crecps  over  a  beast, 
be  il  hoi*se,  cow,  or  sheep,  the  suffering  animal  is  af- 
ilicled  with  cruel  anguish,  and  threatened  with  Ute  lofs  of 
the  use  of  the  limb.  against  ihis  accident,  to  w^bich  tbej 
were  continually  liable,  our  provident  forefatfaera  alwajs 
kept  a  shrewash  at  hand,  which,  when  once  medicated, 
woiild  maintain  its  virtue  for  ever.  a  shreuHtsh  ipras  made 
thus ''') :  into  the  body  of  the  tree  a  deep  hole  vras  bored 
-witli  an  auger,  and  a  poor  devoted  BhrewmoxiBe  was  thrutt 
in  alii>ey  and  plugged  in,  no  doubt,  with  several  quairt 
incantations  long  since  forgotten.  As  the  ceremoniea  ne- 
cessaiy  for  such  a  consecration  are  no  longer  understood, 
al  sucession  is  at  an  end,  and  no  such  tree  is  kncwn  lo 
subsist  in  the  manor  or  hundred.  as  to  that  on  the  area, 
the  late  vicar  stnbbd  and  bumt  it,  when  he  was  w^jwai^ 
den,  regardlefs  of  the  remonstrances  of  the  bystandera,  wbo 
iuterceded  in  vain  for  its  preservation.  **) 

Eine  art  angang  ist  es,  dafs  die  drei  ersten  iom 
oder  Schlehblüten,  deren  man  im  jähr  ansichtig  wird,  h«il- 
niittel  wider  das  fieber  abgeben  (abergl.  695.718.784.1018.) 

Krankheiten  und  heümittel  werden  auch  in  die  erde 
vergraben,  in  den  ameisenhaufen  (abergl.  864.)  Ifieriier 
gehört  eine  heilung  der  epilepsie  im  10  }h.  durch  eiage- 
grabne  pfirsichblüten ,  wie  sie  Ratherius  in  seinen  prado- 
quiis  lib.  1.  (ed.  Mart.  et  Dur.  p.  808.  ed.  Ballerini  p-31,» 
ungläubig  meldet:  factum  sit,  infectura  sit,  narratum  est 
quod  refero.  Cujusdam  divitis  filius  gutta,  qavtvx  cady- 
xfam  dicunt,  laborabat.  mediconim  omne  probatissimomm 
erga  eum  inefficax  ingeniuoi  ad  desperationem  salutis  pa- 
ternum  atque  maternuni  deduxerat  animum,  cum  ecce  unus 
servorum  suggerit,    ut  flores  arboris  persicae  optime  mon- 


*)  Rob.  Plot,  nstiirat  liistory  of  Staifordshire  Oxford  1<S86  p.m: 
8ape»titioufl  custom  they  iiave  iu  tbis  county  of  makiag  nursrow  trta 
for  the  eure  of  uoaccountable  swellings  in  their  cattle.  for  to  make  aay 
tree,  whether  oak,  asli  or  elm,  a  nursroit^  tree  the  catch  ooe  or  more  of 
these  niirsrows  or  fieldmice ,  which  they  fiincy  bite  their  cattle  and  nake 
them  sweil,  and  having  bored  a  hole  to  the  center  in  tlie  body  of  the  treeii 
they  put  the  mice  in,  and  then  drive  a  pegg  in  after  tbem  of  the  umt 
wood,  where  they  starving  at  last  communicat  forvooth  aach  a  rirtae 
to  the  tree,  that  cattle  thus  swoln  being  wipt  with  the  bough^  of  it 
preseutly  recover:  of  which  trees  they  have  not  so  many  neither,  bot 
that  at  some  placeb  tJiey  goe  8  or  10  luiles  to  procure  this  renedy. 

**)  Gil.  White:  the  natural  liistory  and  autiqaities  of  Selborae. 
l.ondou  1789.   4.    p.  202  -  204. 


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IN  ERDB  STECKEN  679 

dalofl  priAio  lunis  (i.  e.  lunae)  die  aprilia  mensis  in  vase 
vitreo  coUigerent,  quod  sub  radice  ejusdeni  arboris^  in^ 
sciis  Omnibus^  ab  uno  quo  vellent  aujfoderetur ,  eodem 
die  rcversuro  ipso,  a  quo  positum  est,  auno  vergeiite,  si 
fieri  posset,  bora  quoque  eadem,  et  eJTosso  vase  flores 
in  oleum  conversoa,  arborem  siccatam  inventuro,  quod 
sub  altare  positum,  presbytero  quoque  ignorante,  not^em 
missis  super  eo  celebratis  sauctificaretur,  et  statim  post 
accessum  ejusdem  morbi  nouem  vicibus  in  haustum  diatini 
scüicet  aegix)  daretur,  cum  oratione  domioica,  ita  duntaxat, 
ut  post  Mibera  nos  a  malo'  a  dante  diceretur:  ^libera  deus 
istum  hominem,  nomine  ül.,  a  gutta  cadiva',  et  quibus  uo- 
vem  diebus  missam  quotidie  audiret,  azymum  pauem 
cibumque  quadragesimalem  post  jejunium  caperet,  atque  ita 
deo  miserante  convalesceret.  Factum  est,  si  tarnen  factum 
est,  iile  convaluit,  servus  emancipatus  est,  etiam  heros 
adscriptus,  medicina  ab  innumeris  adprobata  multis  quoque 
salutis  contulit  remedia. 

Flieder  oder  hollunder  hilft  gegen  zahnweh  und  fieber. 
der  fieberkranke  steckt  ohne  ein  wort  dabei  zu  sprechen, 
einen  flieder zweig  in  die  erde,  da  bleibt  das  fieber  am 
nieder  haften,  und  hängt  sich  dann  an  den,  der  zufallig 
iiber  die  statte  kommt,  dän.  abergL  162.  Besonders  ist 
ftieder  heilsam,  der  über  bienenstöcken  (op  bjintjekoven^ 
wächst ;  man  schält  seinen  hast  nach  oben  (nicht  nach  unten) 
zUf  und  gibt  dem  kranken  den  absud  zu  trinken.'*') 

Beachtenswerth  ist  dieses  übertragen  der  krankheit 
auf  bäunUSf  d.  h.  auf  den  geist,  der  in  ihnen  wohnt.  Un- 
ter den  beschwörungsformeln  beginnt  XXVI  mit  den  wor* 
ten:  zweig  ich  biege  dichy  fieber  nun  lasse  mich!  We- 
stendorp  s.  5 18  verzeichnet  folgenden  niederländischen  brauch. 
Wer  vom  kalten  fieber  genesen  will,  gehe  frühmorgens 
Cm  dei*  uchte)  zu  einem  alten  weidenbaum,  knüpfe  drei 
Knoten  in  einen  ast^  und  spreche  dazu :  ^goe  morgen,  olde^ 
ik  geef  oe  de  kolde,  goe  morgen  oldeP  dann  kehre  er  um  und 
laufe,  ohne  sich  umzusehen,  eilends  fort.  vgl.  abergl.  1074; 
formel  XLIV  wird  die  gicht  auf  jrau  fichte  übertragen, 

Die^  fliegende  gicht  wird  so  geheilt,  dafs  man  den 
kranken  ganz  und  gar  in  sauberen  flaclis  wickelt :  liegt 
er  dann  darin,  wie  ein  jüngferchen  in  rosen,  so  wird 
ein  Schaffell  über  ihn  gebreitet  und  ihm  nun  die  arznei 
zum  schwitzen  eingegeben.''^)      Dieses    einwickeln   ist  ein 


*)  lapekoer  feu  Gabe  scrdnr.  p.  31.  32. 
••)  daselbÄt  s.  41. 


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680  EINWINDBN 

in  der  alten  thiersage  berühmtes  mittel,  der  fieberkranke 
löwe  soll  sich  in  die  haut  eines  lebendig  geschandnen 
vierthalbjährigen  wolfs  winden  und  schwitzen;  das  lehrt 
schon  die  äsopische  fabel  (Reinh.  CGLX.)  aosfuhrlicfaer 
handelt  davon  das  altdeutsche  gedieht :  dem  löwen  war  eine 
anieise  ins  hirn  gekrochen  und  hatte  sein  siechthom  Ter^ 
ursacht;  Reinhart  verordnet  ihm  die  haut  eines  allen  UH>lf$ 
wnzuthun,  ein  bärenjell  aufzulegen  und  einen  hatzenhut 
aufzusetzen:  in  die  erwärmten  katzenhaare  kriecht  die 
ameise  aus  des  kranken  haupt.  Solches  einwinden  in  frisch- 
abgezogne  thierhäute  ist  im  mittelalter  wirklich  für  mehrte 
zufalle  angewendet  worden,  z.  b.  bei  zufrühgebomeo 
schwächlichen  kindern ,  bei  menschen ,  die  einen  gefährli- 
chen Sturz  gethan.  In  einem  niederd.  lustspiel  des  16  jk 
betitelt  Me  böse  frouwens'  soll  man  die  kranke  ^in  eine 
i^riske  pagenkut  beneijen.^  Auflegen  des  warmen  thier- 
fleisches  wird  verschiedentlich  erwähnt:  ^eine  schumrse 
henne  aufschneiden  und  aujs  geschorne  liaupt  legen.* 
(Ettners  hebamme  795.)*) 

Während  die  heutige  heilkunde  fast  auf  vegetabilisdie 
und  mineralische  mittel  eingeschränkt  ist,  brauchte  die  äl- 
tere manigfachen  thierischen  stof.  herzen  gewisser  vögel, 
fleisch,  blut  und  fett  gewisser  thiere  hatten  sehr  eigenthün- 
liche  heilkraft.  *'*')  dem  kranken  löwen  hilft  genufs  des  o/- 
Jenfleisches  (Reinh.  CCLX),  doch  der  unwissende  wolf 
räth  ihm  das  des  bocks  und  wicfders  an*^*)  blut  der 
Vögel  und  des  fuchses  ^eilt  vmnden  (pentam.  2,  5.)  hra^ 
henblut  zaubert  (anh.  s.  LVl.) 

Hieran  reiht  sich  die  abergläubische  heilung  des  aus* 
Satzes  durch  das  blut  unschuldiger  kinder  und  reiner  jung- 


*)  liis  diebiis  occalto  dei  jndido  idem  Eracliaf  (episcopns  leodies- 
818,  f971)  morbo,  qai  lupus  dicitar,  miserabiliter  tal>onbat.  patie- 
bator  autem  io  natibus.  erat  igitur  videre  miseriam«  taiii  graviter 
enim  vis  valetudinis  grnssabatur,  ut  mirum  in  niodum  canies  viri  lopiao 
modo  consumeret,  corroderet,  devoraret;  solumque  solatiam,  noa 
qnidem  spes  eyadendae  aegritudinis,  sed  saltem  dilatio  mortis  erat,  qaod 
rjnotidie  duo  pulli  gaUin^rum  eplumes  et  eviacerati  mane,  dnoqM 
vespere,  vice  carnium  viri  consumendi  morbo,  ac  si  lupiaae  raUd, 
qpponebantur.  die  liüiier  worden  an  der  stelle  mit  binden  befestig 
Ciiapeavilie  1,191—194.  Hautentzündung  und  fressendes  gescbvir 
lieifdt   wolf  ( lupus  ) :   sich  einen  wolf  gehen ,  reiten. 

**)  Wanley  p.  75  (vgl.  304)  fuhrt  einen  tracUtos  Idparti  fabd«- 
süs  an:   medicina  ex  quHdrupedibus. 

'**)  'mit  der  bcUheu  (fulica  atra)  fäesea^wirt  den  n» 
buoz.*    Li.  3,  564. 


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HBILMITTBL  dSl 

frauen;  die  der  fallenden  sucht  darch  das  blui  hingerichteter 
(abergl.  1080.)  apeiche/y  ja  reiner  athem  sind  heilkräftig.*) 
Eine  menge  aympatlietischer  mittel  heilen  oder  scha- 
den. So  yfirA  gelbsucht  unheilbar,  wenn  eine  gelbfüfsige 
henne  über  den  siechen  fliegt  (abergl.  549),  geheilt  aber 
durch  das  schauen  in  schwarzes  wagenschmer  (66.)  Über- 
spannen der  kanne,  des  bediers  bringt  herzgespann  hervor 
f  11.  949);  weidedrehen  krummen  hals  oder  leibschneiden 
{373 ,  vgl.  oben  s.  667.)  Auf  rose  oder  rothlauf  soll  man 
funken  schlagen  lassen  (383.710),  über  dem  köpf  schwer 
redender  kinder  ein  brot  brechen  (415.),  den  ausgerisse- 
Den  zahn  in  eines  jungen  baumes  rinde  schlagen  (630.) 
-wider  schlucken,  ohrenzwang,  zahnweh  bestehu  unter  dem 
▼olk  viel  solcher  mittel  (151.  211.  280.  581.  584.  722.  950.) 
Vieles  wird  bei  achwangeren  und  gebährenden  be- 
obachtet, vgl.  abergl.  41.  176.  293.  337.  364.  489.  561. 
654.  674.  688.  691.  702.  724—732.  815.  859.  924.  933. 
ehstn.  12.  18  —  23.  Legt  die  frau  des  mannes  pantoffel 
an,  bindet  am  hochzeitstag  der  bräutigam  der  braut  die 
mtrumpjbänder ,  so  wird  sie  leicht  kinder  gebühren.  Be- 
zieht sich  hierauf  auch  die  sitte ,  deren  alter  ich  gleich  be- 
weisen will,  dals  die  braut  in  der  brautnacht  heimlich  ihr 
Iiemd  mit  dem  des  mannes  ppechaele?  Vintler  sagt  s.  LV: 
das  sint  dan  etlich  briute,  die  legent  ir  hemd  an  irs  man- 
nes ort.    Deutlicher  in  Turlins  Wh.  148: 

diu  künegtn  wart  gebriset  gnuoc 

in  ein  hemede,    als  ich  vor  sprach. 

^  aiser  dir  st  gelegen  bi, 

und  er  dar  nach  entsläfen  st, 

sd  lege  tougen  sin  hemede  an , 

und  ob  dtn  sin  gesuocheti  kan^ 

daz  ez  werde  heimlich  getdn. 

sich,   daz  dich  iht  verdrieze, 

dtn  hemde  stn  houpt  beslieze; 

daz  sol  an  dtnem  vltze  st^n: 

dar  nach  soldu  über  in  g^n 

an  stnie  hemde,   daz  wirt  dir  vromen.^ 

Vergiftungen  wurden  gewaltsam  geheilt:   man  hieng 

den  kranken  an  den  beinen  auf,    und  rifs  ihm  nach  einer 

weile  ein  aug  aus,  im  glauben,  das  gift  werde  durch  diese 

üfnung   fliefsen:     'tarnen   intoxicatus  Albertus  in   Austria, 


*)  Uerodot  erzählt  2,  111  wie  ein  blinder  iierstellung  seines  ge- 
•ichts  erlAiig4tii  soll  ywu^ho^  ov{t<o  vtifruftfroq  toi»?  otpO-uXfiovq  ^  i^Ki 
7iU(^u  rov  iwvj^q  vofäQU  lAovvQV  ntgfoirfjKfy  akkwv  dvdi^Qv  iovoa  unt^foq» 


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HEILKRÄUTER    QLIHiffiRAUFHÄNGEN 

et  din  per  pedes  8U8pen«u6,  oculum  perdens  evasiL*  Al- 
bertus argent.    (ed.  basU.  1569)  p..l67. 

UDzäbligen  pflanzen,  zumeist  den  nach  göltem,  guten 
und  bösen  geistern  oder  thieren  benannten,  inrohnte  heil* 
kraft  bei.  einige  sind  s.  632  unter  den  zauberkrautera 
angeführt.  Andere  kündigen  ihre  eigenschaft  durch  den 
namen  an:  hei  laller  scluiden  (achillea,  mülefolium) ,  heil* 
allerwelt  ( supercilium  Veneris,  juiigfer  augbrauen ,  vgL 
BaldrsbrS,  s.  142),  cdlermannharniaoh  u.  s.  w.  \Vcnn 
pflanzen  gutheinrich  (hcrba  .  boni  Henrici)  stolzheinrick 
(atriplex)  heifsen,  so  bezieheich  das  auf  den  kobold  oder 
alb  ( s.  286.  598 ) ,  der  die  menschen  zuerst  ihren  heilge- 
brauch lehrte,   vgl.  s.  254. 

/Nasser  f  quellen  und  f euer  haben  kraft  die  gesund* 
heit  zu  erhalten ,  oder  herzustellen  (s.  328.  330.  343.  350. 
353.358);  besonders  aber  die  quelle,  welche  der  eott  odo* 
der  heilige  aus  dem  fels  gesprengt  hat.  Den  grobem  der 
heiligen  wurde  im  MA«  unmittelbares  heilvermögen  bei- 
gemessen, rasen  und  thau  auf  ihnen  heilen  (Greg,  turoa. 
Vftae  patr.  6,  7.)  die  legenden  sind  voll  der  wunderbarea 
rettungen,  welche  wallfartenden  siechen  am  grabe  des  hei- 
ligen zu  theil  wurden,  eine  unglaubliche  menge  von  kran- 
ken nahm  zu  diesem  mittel  ihre  Zuflucht;  treflich  aber 
wird  es  in  der  thierfabel  parodiert  (Reinh.  s.  CV.  CXXVl): 
der  fieberkranke  hase,  der  ohrenzwängige  wolf  genesen, 
sobald  sie  sich  auf  das  grab  der  gemarterten  henne  gelegt 
haben.  Von  solchem  wahn  waren  die  Heiden  frei;  i^ 
finde  nie  erzählt,  dafs  sie  bei  den  bügeln  ihrer  köuige  und 
riesen  heilung  suchten.    Aber  heilige  wälder  heilten  (s.  46.) 

In  Griechenland,  namentlich  Böotien,  war  es  ge- 
bräuchlich, daTs  genesene  die  metallene  abbildung  des  er- 
kranktgewesenen  gliedes  im  tempel  aufstellten,  als  ccfo- 
&i^lLiaTa  nennt  eine  Inschrift  Tigoaanop,  T^n&oe,  ai^a$^, 
j^eig  u.  s.  w.  *) ,  aus  solchen  weihgeschenkeu  wurden  her- 
^  nach  heilige  gefäfse  gemacht.  Die  sitte  der  votivtafeln  mit 
nachgebildeten  gliedern  können  nun  schon  die  heidnischen 
Körner  nach  Deutschland  übergeführt  haben,  wenn  man 
nicht  zugeben  will,  dafs  unsere  vorfahren  frülier  selbst  da- 
mit bekannt  waren.     In  der  s.  52  aus  Gregor  mitgetheiUeii 


*)  corp.  iiisoript  1,  750  no.  1570  wo  Bookb  sagt:  donaria  m^t- 
catioiiiif  causa  Aniphiarao  obiata.  <)ui  ex  oracolo  per  somnium  dato 
realiluti  iu  sanitatem  eraiit,  ii  partim  uiemhri,  quo  laborarant ,  <-/> 
ßgiem  dicabaut  (p.  474.  no.  497.  498)  partim  alia  donaria .  quemad- 
modiim  otiani  in  fontem  Ampbiarai  dejicert  DMOimos  aolebast.  vgl. 
PauMiD.  1 ,  3. 


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GLIEOBRAUPHÄNGBN 

stelle  Beifst  es  aiisdrnckKch :  ^membra^  secundtiin  quod 
ununiquemque  dolor  attigisset,  sculpebat  in  ligno]  und 
dann  weiter  Sisi  enim  in  eo  barbari  gentili  superstitione 
modo  auri  argentique  dona,  modo  fercula  ad  potum  yo« 
miliimque  ebrii  ofierre,  cultiunque,  quo  nihil  insaniiis,  istie 
simulacrum  inanis  dei,  ac  ut  quemque  qffecti  membri 
dolor  preaaeraty  sculpebat  in  ligno  suspendebatque  opi- 
talaturo  idolo.'  das  geschah  in  Ripuarien,  im  6  }h.  Dar« 
auf  bezieht  sich  auch  bei  Eligiüs  s.  XXXI:  ^pedum  simi^ 
litudinea^  quos  per  bivia  ponunt^^fieri  vetate,  et  ubi  in- 
veneritis  igni  cremate^  per  nuUam  aliam  artem  salvari  vo« 
credatis  nisi  per  invocationem  et  crucem  Christi';  und  im 
indiculus  {.29  ^de  ligneia  pedibua  vel  manibua  pagano 
rhu.'  zugleich  aber  lehren  tUese  Zeugnisse  eine  bedeutende 
Verschiedenheit,  der  Grieche  brachte  das  dvd&fj/iia,  wenn 
das  übel  geheilt  war,  aus  dankbarkeit.  der  deutsche  Heide 
stellte  das  glied  im  tempel  oder  an  der  wegscheide  auf,  um 
dadurch  erst  genesung  zu  bewirken:  opitulaturo  idolo; 
und  per  nuUam  aliam  artem  aali^ari  vos  credatis.  darum 
reichte  auch  ein  hölzernea  oder  vielleicht  wächsernes  ab- 
bild  hin,  das  ein  unstattiiches  geschenk  für  den  hilfreieheo 
gott  gewesen  wSre.  man  vergl.  die  aus  einer  andern  stelle 
Gregors  RA.  674  angezognen  worte  und  Ruinarts  anmerkung 
da2u.  Diese  deutsche  paganie  berührt  sich  also  mit  dem  zau« 
ber  durch  die  Wachsbilder  (s.  618.)  Was  aber  den  bekeh- 
rern greuelhaft  heidnisch  vorkam,  duldete  und  gestattete  spä« 
ter  die  kirche.  Eine  altöttinger  votivtafel  stellt  einen  verun- 
glückten dar,  dem  ein  pfeil  durch  die  augbraune  in  den  aug-« 
apfel  gegangen  war  (Schm.  1,  242.)  An  mehrern  berühm« 
ten  wallfartsorten  findet  man  bände,  füfse  u.  s.  w.  aus 
holz  oder  wachs  angeheftet.  Bei  den  Griechen  schliefen 
kranke  oft  iu  dem  tempel  der  gottheit,  auf  die  sie  ihr  ver- 
trauen setzten  und  enipfieugen  im  träum  die  anzeige  des 
heilmittels  *) ;  ähnliches  wird  in  legenden  des  MA.  vorkom- 
men, man  halte  dazu  den  träum  im  neuen'  haus  oder 
staU   (8.667.) 

Es  gab  abergläubische  zeichen,  aus  deren  beobachtung 
man  abnahm,  ob  ein  gefahrlich  kranker  unterliegen  oder 
genesen  werde,  des  geschreis,  flugs,  wendens  der  vögel  ist 
s.  659.660  gedacht.  Burchard  s.  XXXVII  führt  an,  dafs 
mau  steine  aufliebe  und  nachsehe  ob  ein  lebendiges  thier  dar- 
unter sei;  ähnlich  ist  das  aufgreifen 'einer  handvoll  erde  und 

*)  Jac.   Pill!.  Tomaiinl   de   donariis  oc  tahellis  votiHS.      Patavii 
1654.    4.  cap.  34  p.2i4  —  326  vota  pro  aegrotaDtium  saluie. 


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6M  PBBT 

forschen  Bach  einem  lebendigen  vresen  darin  (s.XLVI,  9.) 
Noch  heute  ist  schottischer  glaube,  wenn  man*  in  des  kran^ 
ken  äuge  die  männlein  nicht  mehr  sehe,  müsse  er  sterben: 
in  der  glanzlosen  pupille  des  brechenden  auges  spiegelt 
sich  des  gegenüberstehenden  menschen  bild  nicht  mehr. 
Schon  im  ags.  dialog  zwischen  Adrian  und  Ritheus  (Thorpe 
p.48):  ^saga  me,  on  hv^  mäig  man  man  geseon  mannes 
ieidii?  ic  the  secge,  tvege  man  Itcan  beodh  on  manne* 
edgiun:  gif  thii  th4  ne  gesihst,  tlionne  svilt  se  man,  and 
bidh  geviten  eer  thrim  dagum,'  Hierzu  mufs  yei^lichen 
werden,  dafs  man  auch  in  eines  verzauberten  men- 
schen äugen  die  xoqtj  nicht  sieht  (s.  606),  und  dafs  sie 
in  einer  hexe  aug  verkehrt  oder  doppelt  stehnsoll  (s.  610.) 
Kann  ein  todkranker  nicht  verscheiden,  so  soll  man  eine 
Schindel  auf  dem   dach  u^nden  (abergL  439),  drei  zie- 

fein  aufheben  (721)  oder  anderes  holes  hausgerälhe  tim^ 
ehren  (664.)  das  gleiche  mittel  wird  auch  bei  epilepti- 
schen (853)  und  kreifsenden  (561)  angewendet:  ^wann  es 
im  kreifsen  schwer  hergehet,  läfst  man  den  mann  drei 
schindeln  aus  dem  dache  ziehen  und  verkehrt  wieder 
einstecken.'    Ettners  hebamme   p.  663.    vgl*  oben  s*  647. 

Ich  habe  bis  zuletzt  verspart  von  der  pest  und  den 
Überlieferungen  zu  reden,  die  sich  an  ihre  erscheinung 
knüpfen. 

Dem  gr.  Xoi/uoß  entspricht  auch  im  genus  das  ahd* 
sterpoj  scelmo  (mhd.  schelme),  gl.  jun.  219  scalmOy 
fihusterbo,  ahn*  skelmisdrep;  alid*  wuol  (Diut.  1,  501*) 
ags.  v6l  gen.  vdles.  die  lat.  benennungen  pestis,  lues  sind 
weiblich,  wie  das  serb.  iuga,  morija,  masc  aber  das 
böhm.  poln.  mor^  litth.  moraSj  lett.  mehris. 

Den  Griechen  sandten  des  zürnenden  Apollo  klingende 
pfeUe  die  pest;  vergleichbar  ist  der  jüdische  würgengeL 
Hermes,  beschützer  der  heerde,  trägt  um  sie,  seucfaabweh- 
rend,  den  widder;  hernaich  trägt  er  ihn  auch  um  die 
Stadt  (HQtoq)6Qog.)  Jungfrauen  wurden  geopfert,  der  ver- 
heerenden kranklieit  einhält  zu  thun. 

Jener  todesengel  ist  der  Tod  selbst,  der  seine  leiite 
abholt.  Eine  langob.  sage  redet  von  zwei  engein ,  eines 
guten  und  bösen,  die  das  land  durchziehen:  pari  etian 
modo  haec  pestilentia  Ticinum  qnoque  dopopulata  est,  iti 
ut  cunctis  civibus  per  juga  montiuni  seu  per  diversa  loca 
fugientibus  in  fora  et  per  plateas  civitatis  herbae  et  fruc- 
teta  nascercntur.  tuncque  visibiliter  multis  apparuit,  quia 
bonus  et  malua  angelus  noctu  per  digitalem  pergerent, 
et  ex  jussu  boni  angeli  malus  angelus ,   qui  videbatur  vent- 


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PEST  «89 

bulum  manu  ferre,  quotiena  de  %*enahulo  t^atium  eujuarun* 
que  domus  perciutsiaset  ^  tot  de  eadem  domo  die  sequenti 
hoDiines  interirent.  tunc  per  revelationein  cuidam  dictum 
est,  quod  pestis  ipsa  prius  non  quiesceret,  quam  in  basilica 
beati  Petri,  quae  ad  viocula  dicitur,  sancti  Sebastiani  mar- 
tyris  allariuoi  poneretur.  factumque  est,  et  delatis  ab  urbe 
Roma  beati  Sebastiani  reliquüs,  mox  ut  in  jam  dicta  ba* 
silica  altarium  constitutum  est,  peatia  ipaa  quieuit.  Paul. 
Diac*  6,  5« 

Auf  äbnlicbe  weise  zieht  die  nord.  Hei  mit  ihrem 
roaae  umher  (s.  195.  486.490),  vgl.  das. auf  dem  kirchhof 
erscheinende  todtenpferd  (s.  665.) 

Nach  einer  yoigtlMndischen  Überlieferung  kommt  sie 
als  blauer  dunaty  in  geatalt  einer  wölke  j  gezogen.  JuU 
Schmidt  p.  158. 

Augustinus  de  yerbo  apostol.  168  stellt  die  pest  als  eine 
umschleichende  frau  dar,  welche  sich  mit  geld  abfinden 
läfst:  ^proverbium  est  punicum,  quod  quidem  latine  Yobis 
dicam,  quia  punice  non  omnes  nostis.  punicum  enim  pro» 
verbium  est  antiquum:  nunium  pult  peatilentia?  duos 
Ali  da,    et  ducat  se/ 

Neiigriechen  stellen  sich  die  pest  vor  als  eine  blinde 
fraUj  welche  die  Städte  von  haus  zu  haus  durchwandert, 
und  alles  was  sie  berühren  kann  tödtet.  sie  geht  aber 
tappend  und  tastend  die  mauern  entlatig,  und  wer  sich 
vorsichtig  in  der  mitte  des  gemachs  hält,  den  kann  sie 
nicht  erreichen.  Nach  einer  andern  volkssage  sind  es  drei 
furchterliclie  frauen ,  die  in  gesellschaft  durch  die  Städte 
ziehen,  und  sie  verheeren,  die  erste  ein  grofses  papier, 
die  andere  scheeren,  die  dritte  einen  besen  tragend,  sie 
treten  zusammen  in  das  haus,  wo  sie  schlach topfer  suchen, 
die  erste  schreibt  die  namen  in  ihr  register  ein,  die  zweite 
verwundet  sie  mit  der  scheere,  die  dritte  kehrt  sie  weg. 
(Fauriel  disc.  pr^l.  LXXXIII.)  Hier  sind  die  drei  parzen 
(s.  233)  oder  furien  und  eumeniden  todesgöttinnen  geworden. 

Von  der  litth.  giltine ^  der  pest  oder  todesgöttin 
möchte  ich  ausführlichere  sagen  wissen,  sie  würgt  erbar- 
mungslos: 'kad  tawC  giltine  pasmaugtu!'  (dafs  dich  die  pest 
würge!)  ist  ein  bekannter  fluch.  (Mielcke  s.v.  Donaleitis 
141.)  Aus  dem  polnischen  Litthauen  erzählt  Adam  Mickic«* 
wicz"")  von  der  morowa  dziewica  (pestjungfrau)  folgendes: 
kiedy  zaraza  Litw?  ma  uderzyc, 
}4}  przyjscie  wieszcza  odgadnie  zrzeuica; 

*)  Koarad  WaUenrod   (poezjre.    Warszawie  1833  p.M.) 

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ba  jeäi  sl(ci8ciia  waidelotom  wiersyc^ 

nieraz  na  puatych  sm^tarzach  1  bljoniach 

8taje  -yvidomie  morowa  dziewica 

vr  bieliznle;   z  wiankiem  ognistym  na  skraniach, 

czoljem  przeDOsi  bialjowieskie  drzewa 

a  yr  rfku  chustka  skrwawiona  powi^wa« 

Dziewica  stapa  kxoki  zljowieszczemi 

na  siolja,    zamki  i  bogate  miasta; 

a  ile  razy  krwawa  chustka  skinie, 

tjle  palacöw  zmienia  sif  w  pustynie; 

gdzie  noga  stapi,  swi^zy  grob  vryrasta.'^) 
Etwan  in   die   mitte   des    17.  }h.  föllt  vras  Johann   Parom 
Schulze^  ein  wendischer  bauer**)  meldet :  es  ist  so  zugegan* 
gen,   das  ein  man,   wie  es  davon  allezeit  geredet  ist  wor- 
den, der  ist  gewesen  und  hat  geheifsen  Niebuhr  da  anilzo 
KuiTalen  auf  wohnen ,  welcher  nacher  Luchau  ist  gewesen, 
wie  er  von  der  Stadt  fahrt,  kompt  ein  man  bei  ihm  unter 
wegens,  bittet  ein  wenig  auf  den  wagen  zu  treten,  spricht  er 
sei  sehr  müde,    fragt  ihn  der  Hans  Niebuhr  auf  wendtscbey 
wie  es  zu  der  zeit  die  spräche  gebräuchlich  gewesen,  wohin  und 
her?  und  nimpt  ihn  auf  den  wagen,      wil  er  vorerst  sick 
nicht  kund  geben,     dieser  Niebuhr  aber,  was  trunken,  be- 
ginnet harter  zu  fragen,    gibt  er  sich  kund  und  spricht,  ^ich 
wil  mit  in  deinen  dorf,  da  bin  ich  noch  nicht  gewesen,  denn 
ich  bin  der  Peat.^    Da  bat  dieser  Niebuhr  um  sein  lebent^ 
gab  der  Pest  ihm  ein  lehr,  er  solt  ihn  vor  dorf  stehn  lassen 
mit  dem  wagen,  und  sich  nackend  ausziehen  und  überal 
kein  kleid  au  seinem  leibe  haben,  und  sol  sein  tesselfutien 
nehmen,  fome  aus  seim  haus  ausgehen  mit  der  sonnen  umb 
sein  hof  erumb  laufen  ^   den  aolte  er  unter  die  tür^ 
schwelle  vergraben:    'wen  nur  niemand  mir  erein  trägt\ 
spricht  der  Pesty  durch  den  geruch,    die  in   des  kranken 
kleider  ist.'     Der  Niebuhr   aber  lätst  ihn  mit  dem  wagen 
eine  gute  ecke  vom  dorf,  denn  es  war  nachtcs;  nahm  den 
kesselhaken ,  lief  nackend  aus  dem  dorf  und  rund  uni^ 

*)  wenn  eine  seuche  Littbauen  trift,  so  steht  (man  darf  den  wai- 
deloten  glauben  beimessen)  sichtbar  auf  einsamen  gottesäckern  niM 
feldern  die  pestjungfrau  in  weifsem  kleid,  einen  feurijren  kränz  am 
die  schlafe,  an  der  stirne  trägt  sie  weifs ....  bäume  (höixer),  mit  ötr 
band  schwingt  sie  ein  blutiges  tuch.  langsamen  schrilteit  geht  sie  in 
dörfer,  Schlösser  und  reiche  Städte;  so  oft  sie  mit  dem  tuche  wiakt» 
wandeln  sich  paläste  In  wüsten,  wohin  ihr  fufs  triU,  öfnet  sich  ein 
frisches  grab. 

**)  aus  dem  dorfe  Suten,  kirchspiels  Küsten,  im  Luneburgtsrhca; 
mn  1740  schrieb  er  eine  chronik  auf.  ann,  der  br.  lüneb.  chnriaade. 
Jahrg.  8.   Hannover  1794  p.  882. 288. 


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und  stak  das  eisen  unter  die  brncken,  welches  zu  a<>  1690 
ich  selber  gesehen  habe,  da  die  brück  ist  gebessert  worden, 
aber  von  rost  bald  verzehrt.  Wie  dieser  Niebuhr  nach 
sein  pferd  und  wagen  kompt,  sagt  der  Pest:  ^het  ich  das 
gewust,  solt  ich  dir  das  nicht  kund  gethan  haben,  das  du 
ein  solches  in  deinem  sinn  dich  hast  fürgenomen,  und  hast 
mir  das  ganze  dorf  zu  gemachte  wie  der  Niebuhr  vor 
dem  dorf  kompt,  spant  er  seine  pferde  vom  wagen  und 
läl'st  ihn  drauf  sitzen,  ist  auch  keine  krankheit  von  pesti- 
lenz  im  dorf  gespürt  worden ;  sonsten  in  allen  umliegenden 
dörfern  hat  die  seuche  heftig  grassieret. 

So  weit  Schulzes  ungeschlachter,  naiver  bericht.  Das 
wegschaffen  des  hesselhahens  vom  heerde  scheint  die  auflas* 
sung  des  hauses  auszudrücken:  in  leeren  häusern  hat  der 
tod  nichts  zu  holen,  wie  der  abtretende,  ausziehende  ei- 
genthümer  symbolisch  'das  haal  auf  dem  herde  nieder 
sciiürzet',  so  miifs  es  der  neue  besitzergreifer  *aufschürzen.'  *) 
Das  laufen  um  das  haus,  um  das  dorf  gleicht  jenem  tra- 
gen des  Widders  um  die  Stadt. 

Weil  aber  die  pest  schlecht  zu  fufs  ist,  läfst  sie  sich 
auf  dem  wagen  in  das  dorf  einfahren,  oder  auf  dem  rü- 
cken ,  gleich  hockenden  hausgeistern  und  irwischen  (s.  292, 
513)  einschleppen. 

Die  Serben  sagen,  huga  sei  eine  leibhafte  frau,  die 
in  weifsen  adUeier  gehäÜt  gehe,  viele  haben  sie  so  ge- 
sehn, einige  haben  sie  getragen,  sie  kam  zu  einem  men- 
schen aufs  feld  oder  begegnete  ihm  unterwegs  und  sagte: 
*ich  bin  die  huga,  trag  mich  dort  hin!'  der  mann  nahm 
sie  hutkepack  und  trug  sie  ohne  mühe  dahin  wo  sie  wollte. 
Die  kugen  (pesten)  haben  ihr  land  bei  dem  meer,  aber 
gott  schickt  sie,  wenn  die  leute  übel  thun  und  viel  sündi- 
gen. Zur  zeit  wo  die  pest  würgt,  nennt  man  sie  nicht 
kugUy  sondern  iuma  (gevalterin)  **) ,  um  sie  geneigt  zu  ma- 
chen, dann  wagt  man  auch  nicht,  ungewaschene  ge- 
fäfse  stehn  zu  lassen ,  denn  nachts  geht  sie  durch  die 
küche,  und  wo  sie  dergleichen  erblickt,  scheuert  und  fegt 
sie  alle  löffeln  und  schusseln  (und  wird  dadurch  im  haus 
aufgehalten,)  zuweilen  trägt  sie  auch  den  speck  aus  dem 
boden  weg. 

Hier  erscheint  sie   ganz   nach  art  der  alten  göttinuen. 


*)  Walfler  deduction,   beil.  no.  4.  5.  135. 

**)  wie  m.an  ein  imlieimliches  tliier,  z.  b.  wolf  oder  wiesei  bei  der 
begegouDg,  gevatter,  geratterin  anredet. 


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aSB  FBiT 

unserer  HoMa  und  Berhta,  die  keine  Unordnung  Im  haus* 
halt  leiden  (s.  166.  169.) 

Den  Slovenen  ist  die  vielideuche  (kuga)  ein  schecki- 
ges ialbj  das  durch  sein  geachrei  linder  und  Schafe  tödtet 
(Murko  p.  784.) 

Der  teufel  soll  gesagt  haben  ^  gegen  die  kuga  gebe  es 
nur  ein  mittel  ^  hacke  und  haue  d«  h.  hegrabnis.  (Vuk 
s«  ¥•  metil.) 

Ein  finnisches  lied  (Schröter  60)  bescliwört  die  pcsl 
schnell  forlzuwandern  in  stälilbai^te  berge  ^  iu  den  dunkeln 
Norden:  reisepferd  und  wagenpferd  soll  ibr  dazu  g^eben 
-^erden*  Sie  heilst  ratio ^  die  plötzliche^  mhd.  der  gsebe 
tdt^   nnL  gddOd. 

Man  hat  in  Niederdeutschland  volkssagen  von  dem 
Iieidmanriy  welcher  nachts  den  leuten  in  das  fen^ler  hia- 
einguckt:  wen  er  dann  gerade  ansieht,  der  murs'im  jabr 
und  tag  sterben,  vgl.  oben  s*  446. 

In  der  Lausitz  schleicht  die  smertnitza  weijsgestal^ 
tet  in  den  dörfern  um:  auf  welches  haus  sie  ibren  schritt 
kehrt,  da  gibt  es  bald  eine  leiche«  im  hause  selbst  tiiut 
sie  ibre  gegenwart  kund  durch  pochen  und  bretwerfeo. 
Zuckungen  sterbender  sind  kennzeichen,  dafs  sich  die 
smertnitza  ihrer  bemächtige,   (laus.  mon.  sehr.  1797.  p.756.) 


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NACHTRÄGE  *       689 


NAGHTRlGE. 


f.  5.  'vlldu  eigt  bidta,  ok  trAdhn  ä  Mit  sinn.'  kl.  s$g.],  35;  Tgl. 
SigmOIid  in  Faerfnga  saga  cap.  23  (MQIIer  1,  179.) 

8. 9.  gotternamen  zu  ausraf,  betbeuerung  uod  fluch  geworden :  rom« 
me  herclel  me  Castorf  (8.202);  wxh.lele!  (8.454)  lado!  ni8s.  tschur 
togo  miesta!  (hausgott  des  orts)  interj.  de»  Schreckens  (Strahls  kir« 
cheng.  38.)  hierher  gebort  (foii/ier.'  Hammer  I  (8.124)  vielleicht  irminf 
(s.208)  woit!  (s.  520)  vgl.  katzebntzerolle !  (nachgetragen  zu  s.289.) 

8. 10.  alle  deutschen  dialecte ,  von  frühster  zeit  an ,  setzen  gott 
ohne  artikely  gleich  eigennamen.  schon  Ulfilas  läPst  den  gr.  artikel 
uniibersetzt ,  z.  b.  11  Cor.  1,  1  rov  &tov  guths;  1,3  o  &i6q  guth;  1,4 
v^o  Tov  &tov  fram  gutha.  nihd.  beispiele  in  Beneckes  wb.  zu  Iw.  un- 
ter got,  wenn  gott  und  der  teufel  zusammen  genannt  werden,  hat  jenes 
wort  nie,  dieses  immer  den  artikel  (s.  12.)  Die  Griechen  stellen  Iho 
gewohnlich  vor  ^foc,  und  häufig  vor  eigennamen.  Auch  die  romani- 
schen sprachen  enthalten  sich  seiner ;  wäre  das  ital.  iddio  assimiliert  aus 
il  die,  so  müste  das  fem.  iddia  ohne  gefuhl  daraus  gebildet  sein,  und 
schon  Dante  hätte  nicht  sagen  können  'per  quello  iddio'  (iuf.  1, 131.) 

8.13.  'got  möht  in  (den  spielmann)  gerne  hoeren  in  stnen  himel- 
koeren.'  Trist.  7649.  möhte  bedeutet  in  diesen  beispielen  i,  könnte 
sich  gefallen  lassen,  ei  wäre  ihm  nicht  unanständig. 

8.  13.  der  zürnende  gott  'was  imo  god  dbolgan*  H^l.  157, 19.  vgl. 
Wuotan  s.  98.  diu  Saelde  was  im  gram  (s. 505),.  wie  sonst:  'die  Welt 
ist  dir  gram^  (deutsche  sag.  2,  380.  brem.  wb.  1,267.  2,887)  und  'die 
Krde  ist  dir  gram*  Praetor,  weltbeschr.  1,  154.  Ebenso  der  pergee-^ 
sende  gott:  'got  min  vergazj  Ecke  209;  'gensedeeltcher  trehtln,  wie 
vergfBze  du  ie  min  sd.'  Trist  12483 ;  'got  bete  sin  vergezzen^  das.  9243. 

8. 15  anm.  allerdings  gehört  dives  zu  divus,  und  Dis,  Ditls  er- 
wächst aus  Divit    Potts  forsch.  101. 

8.  16.  mit  der  Vorstellung  von  gott  und  göttin  verbindet  sich  die 
▼oo  pater  und  mutier,  allvater^  gottvater,  Jupiter t  Diespiten  MarS' 
piter,  Demeter  n.8.w.  Die  Letten  nennen  jede  göttin  mutter  (mähte): 
semmes  mähte  (erdmutter) ,  mescha  mähte  (waldmutter.)  vater ,  fadr 
scheint  verwandt  mit  fatlis^  herr,  wie  pa/ei*  mit  littb.  pats,  noai?, 
710TK9  mann,  berr. 

8. 19.  nQoqxwftv  wird  in  den  neugriech.  lledern  vom  niederfallen 
des  besiegten  gebraucht,  für  sich  ergeben,  gefangen  geben.  Fan- 
riel  1,6.  14  u. s.w.  Dies  flehende  niederfallen  widerstreitet  wenig- 
stens nicht  dem  begrif  des  goth.  inveitan^  da  es  1  Cor.  14,25  heifst: 
drinsands  ana  andavieizn  inveitith  guth,  wie  Luc.  17, 16  dräus  ana 
andavleizn  faiira  fdtum  is  aviliud6i\ds  {tvxuQifrvüv)  inima.  über  flehen 
Tgl.  Freid.  p.  320.     nQo^evxofiai  goth.  aihtrd »   und  nQoqtnxTQ  aihtrdns, 

8.20.  ie  hedu  hntgan,  god  gruotian.  H4I.  144,24;  die  Christen 
im  mittelalter  nannten  es  venie  vollen ,  knien  und  erde  küssen,  um  sün- 
denerlafs  (venia)  zu  erlangen:  'da  er  df  einer  venie  lac^  Bari.  366, 
91;  'den  anger  maz  mit  der  langen  venie.'  Frib.  Trist  2095;  Genien 
sQOchen.'  MS.  1,  23b  Troj.  9300.  Dafs  niederknien!  hauptentblufsen, 
hättdefidten  gleiclifalls  heidnisch  war,  bestätigt  der  erntegebrauch  s.  104 

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eSO  NACHTRÄOE 

and  die  rerelirung  der  fran  Elhorn  (g.37ft.)    Es  ist  aber 

gebärdeo   zu  achten,    welche   für  unanständig  nnd  frevelhftlt    ^m; 

dahin  rechneich  Ata  fingerdeuten  (s.422.  abergl.  334.937.  lOS  1.1  ISS.) 

S.21.  sc/tauen  gen  osien:  *  contra  orieutalem  prostratos  corparr 
partem  precatur.*  Waltharins  1155  nnd  dazn  Fischers  anm.  ^die  ge- 
schrift  leset  dri  stunt  und  k^ret  iuch  gSn  Orient J'  Troj.  9298;  '«di 
k^rte  die  rihte  gön  der  sunnen.'  das.  9642.  in  ags.  formeio:  e^- 
veard  ic  stände. 

8«  24.  an  den  Zusammenhang  der  begriffe  opfern,  zaubern  und  th^n 
ist  S.580.  581  bei  den  deutschen  Wörtern  garawan  und  wihan^  Tielleick 
auch  zouwan  erinnert  .worden.  XnLfacere  ngais  ^facere  vitala»  Tag. 
ecl.  8,  77.  sanskr.  kratu  (opfer)  von  kri  (machen),  ahd.  karo  (vktioi) 
Pint.  1,  278l>,  das  zubereitete,  beilig  gemachte,  geweihte.  —  Ob  n 
dem  alten  pldzan  noch  die  heutige  redensart  'er  wird  viel  ploiitm 
(geldgeben,  aufopfern)  müssen*  gehört?  auch  heifst  blotz,  plamt* 
ein  altes  messer,  seh  wert,  Tielleidit  opfermesser?  —  saljan  f.  ^m 
steht  auch  1  Cor.  10,  19.  20.  28.  hunsl  jah  sduth  (jii^oq^f^^etr  asi 
/>vaiav)  Ephes.  5,  2.  TgL  skeir.  37,  8;  bemerkenswerüi  ufarski^ftt 
Rom.  11,  16  für  dnagxVy  delibatio,  anbrach.  Den  sinn  tob  oblaM 
erreichte  genau  das  ags.  bring,  pl.  bringas;  über  intheizau  vd 
neihhan  vgl.  gramm.  2,  810.  geUter  scheint  noch  mhd.  MS.  2,  233> 
(oder  gelster  f.  galster?)  Bei  zepar  liefse  sich  an  dhiaq  (becfcer) 
oder  SiVTivov  (frühstück)  denken.  Man  wird  auch  genauer  die  begriffe 
gelübde  and  opfer,  mittel lat.  votum  und  census,  privat  und  öffeal- 
liches  opfer  zu  sondern  haben,   vgl.  s.  217.  374.  395. 

8.  26.  die  beiden  hauptarten  der  opfer,  schlacbtopfer  and  libatioaca 
(trank  und  fruchtopfer)  unterscheidet  schon  Isidor  im  chron.  Gotb»- 
rum  p.m.  166:  Mdolis  immolare,  diis  lilarej'  Gutalagh  bat  p.  106 
folgendes  über  heidnische  opfer:  'firi  thann  tima  oc  lengi  eptir  oAm 
trothu  menn  a  halt  oo  a  hauga,  vi  oc  stafgartha,  oc  a  baitMi  gatk 
blotathu  thair  synum  oc  dydrum  sinum,  oc  filethi  mttb  mafi  m 
mundgati,  that  gierthu  thair  eptir  vantro  sinni.  land  alt  haftWirr 
hoystu  blotan  mith  fulki^  ellar  haflbi  huer  thrithiungr  sir.  en  ameri  tbia; 
bafthu  mindri  blotan ,  meth  filethi,  mati  oc  mungati ,  sum  haka  *mtL- 
nautar:  thi  et  thair  suthu  allir  saman.'  Hier  werden  diegroCseo  ^aJk»- 
Opfer  von  den  kleineren  vieh,  speise  und  trankopfeni  uaterschiedeB. 
filethi,  falad  (pecus)  erklärt  Ihre  1,444.  suthnautar  (kocb^eoofMB) 
heifsen  die  opfernden ,  weil  sie  gemeinschaftlich  das  opfer  koditen,  vgl 
was  s.  583.  587.  589  über  seydhr  und  das  gemeinsame  aaabecfcodtci 
gesagt  ist. 

s.  27.  über  menschenop/er  war  das  capit  de  part  Sav.  9  anaaM- 
ren:  *si  quis  hominem  diabolo  sacrificai^erit  et  in  bostiam,  niore  pa* 
ganorum,  daemonibus  obtulerit.'  auch  der  kriegsgefimgne  ^Graec» 
Avar  pecudis  de  Suevis  more  litatus^  (s.  183.  185.)  mensckeaopfer 
fordert  der  flufsgeist  (s.  279.)  Von  .thieropfem ,  wenn  sie  nicbt  imA- 
teten,  wurde  zu  menschenopfern  vorgeschritten.r  ein  beispiel  S.M4. 
Das  menschenopfer  vertraten  hernach  bei  den  Römern  hauptabaCcbe 
pflanzen ,  mobnkupfe  und  knoblauch  (Macrob.  satum.  1,  7.  Dioa.  itt- 
lic.  1, 38.)  oder  puppen.  Ähnlich  den  menschenopfern  war  das  ibcr- 
lassen  der  getödteten  und  erschlagenen  an  bestimmte  götter.  ^rostn- 
torum  manes  donare.'    Saxo  gramm.  116. 

a.  27.  thieropfer  zulangst  dem  nix  und  dem  teufel  dargebracht  eia 
echwiirzee  lamm  (s.  278),  ein  schu/arzer  bock  und  Huhn  (s.  5ö6.)  sckvar- 
zes  vieh  (s.607.)     weifsea  böcklein  (s.  278.)      der  schiffarze  och$,  ^ 


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NACHTRÄjQB  691 

scht^arze  kuhf  die  nicht  ins  bans  geschlachtet  werden  aollen  (abergl. 
887),  sind  es  heilige  opferthiere?  die  Ehsten  opfern  dem  Teuer  ein 
schwarzes  huhn  (abergl.  82)  und  t>estimmen,  wenn  sie  ins  haus  schlachten, 
ein  stuck  zum  opfer  (abergl.  97.)  Unter  Ehsten,  Finnen,  Litthauem 
haben  sich  einzelne  thieropfer  bis  in  späte  zeit  erhalten.  1520  näher- 
ten sich  dauziger  schiffe  der  samländischen  koste.  Val.  Suplit,  ein 
freibauer,  bot  seinen  nachbam  an,  die  gefahr  abzuwenden:  er  opferte 
einen  schwarzen  hüllen  mit  allerlei  seltsamen  gebrauchen,  derselbe 
wüste  die  fische  ans  ufer  zu  bannen  durch  das  opfer  einer  schwarzen 
sau,  (Biesters  berl.  monatsschr.  1802.  8,225  Tgl.  Luc.  David  1,118-122.) 

s.  35.  getraideopfer,  dem  Wuotan  (s.  104.  105.  529.)  dem  Tod 
(s.  490.)    dem  nix  brot  und  fruchte   (s.  279.) 

8.36.  mollia  nolarum  crepitacula  bei  upsalisclien  opfern»  Saxo 
gramm.  p.  104. 

•.37.  Odhins  füll,  Niardar  füll,  Freys  füll  drecka.  H^konar 
gddha  saga  cap.  16.  Sant  G^rdrilden  minne.  kolocz  72.  trinken  Sant 
Johannes  segen  und  scheiden  von  dem  heidnischen  lant.  Morolt  3103. 
Vergleichbar  unserm  minne  scheint  mir  das  slav.  slaua  (rühm,  andenken) 
und  in  einem  serb.  lied  (Vuk  1.  no.  94)  wird  wein  'za  slave  bozhje,' 
zu  gottes  ehre  getrunken. 

s.  39.    das  einfache  hus  hat  Ulf.  nie  für  domns ,  immer  razn ,  gards. 

s.  44.  Gregorii  M.  dialogl  2, 8.  Benedict  fand  in  Montecassino :  ve^ 
tustissimum  fanum,  in  quo  ex  antiquo  more  gentilinm  a  stulto  rusti- 
cano  populo  Apollo  colebatur.  circumquaque  enim  in  cultnm  daemo* 
nioruro  lud  succreverant ,  in  quibns  adhuc  eodem  tempore  infidelium 
insana  mnltitudo  sacrificiis  sacrilegis  insudabat 

s.  46.    *  der  edele  walt  frönet    Lampr.  Alex.  4843. 

s.  56.  unter /a/ium  verstand  man  wol  ein  kleines  gebände,  unter 
templum  ejus  von  gröfserem  umfang,  im  indiculus  paganiar.  XXXI,  4 : 
'  de  casulis  i.  e.  fanis,* 

s.  57.  Sulp.  Severus  (ed.  amst  1665)  p.  458 :  nam  nbi  fana  de- 
struxerat  (Martinus),  statim  ihi  aut  ecclesias  aut  mönasteria  construebat» 

8.  59.    pr4ster :    mester.     En.  9002. 

8.61.  Lappenberg  1,  148  folgert  aus  Bedas  stelle  eine  mbchung 
sächsischer  und  britischer  religion. 

8.73.  iX6üiXov  heifst  dem  Ulf.  galiugagutht  deus  fictitius,  er  will 
den  ansdruck  umschreiben. 

8. 74.  umfahren  der  heidnischen  gotterhilder  im  land ,  um  frucht- 
barkeit  und  regen  zu  erlangen:  bei  den  Deutschen  Nerthus,  bei  den 
Schweden  Frey ,  bei  den  Galliern.  Cybele  (nachtrag  zu  s.  153)  oder 
einer  in  der  vita  S.  Martini  cap.  9  (Snrius  6,  252)  ungenannten  gott- 
heit:  'quia  esset  haec  Gallornm  rusticis  consuetudo,  simulacra  dae- 
monum  ,  candido  tecta  velamine »  misera  per  agros  suos  circumferre 
dementia.*  Im  indicul.  cap.  28 :  'de  simulacro ,  quod  per  campos  por^ 
t€uit,^     Das  bild  der  mutter  gottes  in  Spanien  (8.336.) 

8. 80.  Freyr  giörr  af  silfrL  Islend.  sog.  1,  134.  das  langobard 
Schlangenbild  aus  gold  (s.  395.) 

8.  80.  man  acheint  heidnische  hilder  zuweilen  noch  in  die  christli- 
che kirche  eingemauert  zu  haben  (Ledeburs  archiv  14,  363.  378),  dem 
Volk  zu  gefallen  als  ein  andenken,  vgl.  s.  75  den  ausdruckt  imagi* 
nes  parieti  affixae^   in  einer  schon  christlichen  kirche. 

8.80.  ich  möchte  das  backwerk  in  götzenform,  die  geschnitzten 
koholde  und  puppen  (s.  284)  auf  alte  idole  zurückfuhren,  'de  simula» 
cris  de  consparsa  farina^    indic.    superst.  XXVI.     gebackne   tliierge- 

44* 


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602  NACBTRÄfiB 

stalten  scheinea  verehrte  tliiere,  oder  attribnte  «nes  gottei.  b^m- 
lieh  wird  in  Schweden  der  juUher  noch  {gebacken,  eine  geachicbte  der 
deutschen  knchen  und  semmelfonnen  liePse  sich  schon  zusaaiineiuteUcB, 
wie  Lobeck  im  Aglaoph.  1050  —  85  eine  pemmatologia  sacra  der  akea 
gegeben  hat.  Aus  einer  merkwürdigen  stelle  der  FridthioCisaga  (foia- 
ald.  sog.  2,  86)  geht  hervor,  dafs  die  Heiden  beim  disabMt  götter- 
hilder  buken  und  mit  öl  sclwüerten:  sAtu  kouur  vidh  eldina  ok  b*- 
kudhn  godbin,  en  sumar  smurdhu  ok  therdhu  medh  ddkum.*  ^o  ^ 
backner  B<ddr  fallt  durch  Fridtliiofs  schuld  ins  fener,  so  daCi  fett  ia 
die  flamme  schlägt  und  das  haus  vom  feuer  verzehrt  wird. 

8.81.  cod.  pal.  361,24c  vom  Zauberer  Simon:  ^uf  eine^naejMs/ 
er  steic,  daz  lanivolc  im  allesamt  neic\  man  war  gewohaty  ifsen- 
seulen  za  ehren. 

s.  83.  mit  den  Irmenseolen  vgl.  man  die  Bolandseklen  lud  ags. 
jüihelstiinsseulen  (Lappenb.  1,  376.) 

s.  88.     mit  tischen,  phinztac,     Ottoc«  144«. 

s.  89.  aber  O.  V.  4,  9  hat  schon  sunnun  dbancL  Nordfries.  I.  jcai- 
nendei»     11.  monnendei.     III.  tirsdei,     IV.  winsdei,     V.  fürsdeu 

8.  95  TFuotans  und  Mercurs  Identität  ergibt  noch  ein  umstand. 
Hermes  galt  für  den  erfindcr  der  buclistabeni  wie  deo  Aegyptcia 
Theuth  oder  Thoth  {Piatons  Phaedr.  1,  96.  Bekker.)  nach  JaaOiict 
(de  myst.  Aegypt.  8»  1)  setzen  ägypt.  priester  den  Hermes  an  dk 
spitze  aller  erfindungen.  nach  Hygin  fab.  143  soll  Hermes  die  sckriJt 
dem  fluge  der  kranicbe  nachgebildet  haben.  ~  Im  ags.  dialog  Satire 
und  Salomon  heifst  es  (Thorpes  anal.  p.  100):  ^saga  me  bvi  aeroct 
b6cstafas  sette?  ic  the  secge,  Mercurius  se  gygand,*  ein  andr^ 
dialog,  Adrian  nnd  Epictus  betitelt  (ms.  mns.  brit.  anuid.  no.  351. 
fol.39)  hat:  'quis  primus  fecit  literas?'  und  antwortet  iS^i/A,  was  eatv. 
aus  Thenth  entstellt  oder  der  biblische  Seth  ist  Der  eddische  rdnattl» 
thÄttr  scheint  nun  auch  die  erste  lehre  der  runen  dem  Odhinn  besa- 
legen,  wenn  man  die  worte:  ^nam  ec  upp  rünar'  ("Ssm.SS«)  so  d»' 
ten  darf,  'thcer  of  hugdhi  Hroptr.'  Ssem.  195b.  Hincmar  von  BttSM 
legt  dem  Mercur  die  erfindung  des  Würfelspiels  bei :  \  sicut  isti  <pi  de 
denariis  quasi  jocari  dicuntur,  qnod  omnino  diaboUcum  est,  et,  mcA 
legimus,  primuin  diabolus  hoc  per  Mercurium  prodidit,  uade  et  Mtr- 
curius  inventor  illius  dicitur.'  1,656.  vgl.  schol.  zur  Odyss.  23, 198  n^ 
MS.  2, 124b  'der  tiut^el  schuof  daz  würfelspiL'  Da  femer  Hermes  des 
beinameu  Trismegist  fuhrt  (Lactant  I.  6,  3.  VI.  25,  10;  Ur  maxiaus 
Hermes  bei  Ansonius)  könnte  in  dem  daher  entsprungnen  beidnlscica 
Tertfagant  Teruigant  der  dicliter  des  12. 13  jh.  nachklang  von  VKuotam  aeis. 

s.  96.  zu  jenen  erfindungen  stimmt,  dafs  der  siegverleifaende  (^ 
victoriam  tribnit)  nach  altn.  Überlieferung  die  siegbringende  scUacte* 
Ordnung  soll  erfunden  haben  (die  acies  comiculata.)  Othinus  offdinandi 
agmiuis  disciplinae  traditor  et  re\)ertor,    Saxo  gramm.  146.  vgl.  136. 

8.98.  imH^l.  ir6,  5  von  Christus:  'sohta  thena  is  hiflagon  sIpI^ 
sitit  imo  thar  an  thia  suidron  half  godes ,  endi  tlianan  al  gesilui  d 
huat  s6  thius  werold  behabet.'  dieser  gedanke  des  herunter  sdiancai 
vom  himmelstui  Ist  nicht  christlich. 

8.  100.  'diz  was  an  ir  und  gar  der  rät,  des  der  JFunsch  an  «iW 
gert.'  Iw.  6469 ;  *  zuo  der  het  sich  der  Wunsch  geseilet*  Tarl.  Wb. 
38« :  'hie  stuont  der  IFunsch^  das.  137b.  unpersönlicher  Trist.  1371. 
3710.  4695.  4746. 

8. 101.  der  gemantelte  breithatige  Waotao  ist  Hackelberfid  (s.511.) 
Odhinn  bärtig  s.  501.  530. 


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NACHTRÄGE  693 

s.  102.    herivagen.    Wackarn.  leseb.  608, 10. 

8.  103.  Vddnesheorg  anf  Lappenbergs  carte  beim  Bearucvadu,  vgl. 
Wanhorough  in  Witts.  Lappenb.  268.  JFodneshury  und  IVodnesdyke 
(Waosdike)    das.  131.     Vodanesfeld.    das.  354. 

s.  104.  in  Oland,  Hogsnimssocken ,  liegen  grofse  steine,  genannt 
Odins  ßisor  (Odini  lamellae) ,  von  welclien  die  sage  geht ,  Odin  iiabe 
sein  pferd  geweidet  ^  ihm  das  gebifs  abgenommen  und  es  auf  einen 
mächtigen  steinbfock  gelegt,  von  der  schwere  des  gebisses  brach  der 
stein  in  zwei  thcile,  welche  zum  andenken  daran  aufgerichtet  wurden. 
Andere  aber  erzählen:  Oden  wollte  mit  einem  andern  kämpfen  und 
wnste  nicht ,  wo  sein  pferd  anbinden,  er  sprang  hastig  zu  dem  stein, 
stach  mit  dem  schwert  hindurch,  und  band  nun  sein  ros  durch  das 
locli  fest,  das  ros  aber  rifs  sich  los,  der  stein  sprang  von  einander  und 
wälzte  sich  fort,  dadurch  entstand  ein  tiefer  sumpf,  genannt  Högs- 
rumträsk:  man  hat  Stangen  zusammen  gebunden,  und  doch  keinen 
grund  erreichen  können.  Abrah.  Ahlquist  ölands  historia.  Calmar 
1822.  1,37.  2,212.  die  steine  stehn  abgebildet  bei  Liljegren  och 
Brunins  no.  XVIII.  Auch  im  öländischen  Högbysocken  liegt  ein  ge- 
glätteter granitblok,  Odinssten  genannt,  und  nach  der  volkssage  schlif- 
fen die  ins  feld  ziehenden  krieger  vor  weiten  ihre  Schwerte  darauf.  Ahl- 
quist 2,  T9.  Diese  schwed.  sagen  bestätigen ,  dafs  Odins  pferd  in  sei« 
Dem  mythus  besondere  Wichtigkeit  hat,  es  war  ein  weifses  (s.  532. 
vgl.  s,  490,  491.) 

Wuotan  als  schlänge  dargestellt,  s.  395. 543.   Odhinn  nennt  sich  Bru^ 
no.   Saxo  gramm.  146  vgl.  Finn  Magn.  lex.  639.    Reinh.  fuchs  CCXLIX. 

'  Wnotaifs  aufenthalt  in  Griechenland,  Paulus  Diac  1, 9.  Saxo 
gramm. ^45.    Snorri  statt  Byzanz  Tyrkland, 

s.  110.  Verhältnis  zwischen  JVuotan  und  Donar,  nach  der  8.501. 
502  auBgehobnen  aage  geht  gute«  von  Odhinn,  übles  von  Th6rr  aus. 
das  war  wenigstens  spätere  ansieht 

s,  HO.  der  mythische  ausdnick  Hdr^  lafnhdr  und  Thridhi  ge- 
mahnt an  den  sprachlichen  der  Ordinalzahlen  fyrsti^  annart  thridhi, 
ahd.  aristo,  andar,  dritto,  wp  die  beiden  ersten  grade,  von  den  car- 
dioalzahlen  abweichend,  einander  gleichstehn. 

s.  112,  kein  runname  drückt  Odhinn  oder  Thdr  aus,  während  T 
T^r  und  nach  einer  auslegung  F  auch  Freyr  bedeuten,  doch  geht  R, 
reidh,  donnerwagen  mittelbar  auf  Thdr,  könnte  aaskereia  s.  531  nicht 
ans  äska  (blitz)  und  reidh  (donner)  erklärt  werden? 

s.  113.    'ose  her  gott  kiftJ     Strodtm.  osnabr.  wb.  104, 

8,115.  Thunresfeld^  leges  Aethelstani  (Schmid  85.)  DonnerhUheU 
in  der  Schweiz,  loh*  Müller  1 ,  619.  Donnerkaute  auf  dem  Knüll  in 
Hessen,  Thors^unda  in  öjand,  Ahlquist  1,  36,  wegen  Thorsklint 
vgl.  Widegrens  Östergötland  1,  IT. 

s.  121.  zumal  blaue  flamme  scheint  göttlich,  bei  ihr  wird  geflucht, 
Bonners  Uoskin  (blauer  schein)  helpT  Hansens  geizhals  p,lS^,  bUm 
feuer!  war  Sichärtlins  fluch. 

8.  125,    vgl.  goth.  drunjus  (sonus)  Rom*  10, 18. 

8. 130.  wer  am  sonntag  trinitatis  (dem  nächsten  nach  pflngsten)  ar- 
beitet, oder  etwas  geflicktes  pder  gestricktes  an  sich  trägt,  wird  vom 
donner  ersehlagen,    Schefiers  Haltaus    p.255. 

8. 132.  wie  göttlichen  wesen  gliederuberflufs  (s.  223)  wird  ihnen 
auch  mangel  daran  zugeschrieben,  einhändig  ist  Ziu,  einfüfsig  Wie- 
laut  (a.  221),  einäugig  Wuotan,  Hagano  (vgl.  nachtr.  zu  s.220.)  für 
diese  gebrechen  bat  unsere  «Ute  spräche  eigne,  heruach  erloschene a<iy., 


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^4  NACHTRAGE 

goth.  hanfsf  halts^  halhs^  deren  gleicher  anlaut  nealicfa  knhne 
kungen  Bopps  veranlafst  hat  (bei  hanfs  käme  vielleicht  das  altn.  hnefi, 
pugnos  iu  betracht.)  hlind  erscheint  Hathus  (s.  143),  ein  gott  des 
kriegs?  wie  die  römische  fortnna  (8.507)  und  die  tappende  pest  (s.  <SSS); 
geblendet  werden  rieseu  und  teufel  (s.  302.  577.) 

s.  141.  ein  gridhastadhr  (asyluni)  t  Baldrshaga;  reidAx  Baldrs  (Bai- 
deri  ira);  at  gremia  godh  (Balderi  iram  provacare.)  fomald.  5og.  S, 
63.  69.  70.  72  lauter  zeichen  hoher  Verehrung  dieses  gottes. 

s.  152.    TH  auch  in  Gothini.  Germ.  42. 

8. 153.  fru  Gaue  um  so  näher  Woden,  wenn  man  Gaun^dag  (fl.89) 
far  Wonstag  erwägt 

s.  153.  wichtige  stelle  ül>er  den  wagen  der  Berecynthia  (J9f^n>v- 
^/a,  der  phrygischen  Cybele)  bei  Gregor,  tur.  de  glor.  cont.  cap.  77: 
^ferunt  etiam  in  hac  nrbe  (Augustoduno)  simulachrum  foisse  Bere- 
cynthiact  sicat  sancti  martyris  Symphoriani  passionis  dedarat  histofia*). 
Hanc  cum  in  carpento  i  pro  salvatione  agrorum  et  vinearum  euonam, 
misero  gentilitatis  more  deferrent  t  adfuit  supradictus  Simplidiu  episeo- 
pus,  haud  procul  adspiciens  cantantes  atque  psallentes  ante  hoc  m- 
mulachrum,  geroitumque  pro  stultitia  plebis  ad  denm  emitteas  ait: 
illuraina  quaeso,  domine,  oculos  hujus  populi,  at  cognoscat,  qon  at- 
mulachrum  Berecynthiae  nihil  est!  et  facto  signo  cracis  contra  proti- 
nus  simulachrum  in  terram  mit  ac  defixa  solo  animalia,  quae  plan- 
stmm  hoc  quo  vehebatur  trahebant,  moveri  non  poterant  stopet  toI- 
gus  innumerum,  et  deam  laesam  omnis  caterva  conclamat.  imm»- 
lantur  piclimae,  animalia  verberantur,  sed  moveri  non  possnot.  Tuac 
quadringenti  de  illa  stulta  multitudine  viri  conjuncti  slmul  ajont  ad  in- 
vicem:  si  virtns  est  ulln  deitatis,  erigatur  sponte,  jubeatqne  borei, 
qui  telluri  sunt  stabiliti,  procedere.  certe  si  moveri  neqnit,  nihli  est 
deitatis  iu  ea.  Tunc  accedentes,  et  immolantes  unum  de  pecorihm^j 
cum  viderent  deam  suam  nullatenus  posse  moveri,  relicto  geotilittlii 
errore,  inquisitoque  antistite  loci,  conversi  ad  unitatem  ecclesiae«  i»- 
gnoscentes  veri  dei  magnitudinem ,  sancto  sunt  baptismate  consecnft* 

s.  155.  von  Hertha  soll  in  Pommern  der  sprach  umgehn :  Me  BeMa 
gift.  gras  uud  füllt  schun  und  fafs.l  (hall.  allg.  lit  s.  1823  |».  87&} 
aber  schon  der  unsächsische  reim  gras :  fat  verkündigt  das  machweik. 
es  ist  nach  der  bekanten  banemregel  'mal  kQhl  und  naTs  füllt  scbeo- 
nen  und  fafs'  schlecht  ersonnen. 

s.  156.  das  altn.  HIddyn  allein  schon  verbietet  Bludana  ftt  cta 
auagramm  von  Hulda  anzusehn. 

8. 165.  der  frau  Holda  gleicht  wol  die  franz.  notre  dorne  aux  im- 
ges  ?    Maria  ad  nUes  ?    vgl.  deutsche  sagen  no.  456. 

s.  167.  an  der  gottheit  fest  soll  nicht  gesponnen  werden,  alle  ar- 
beit in  dem  gereinigten  hause  ruhn.  krainische  banerkalender  bSdea 
die  heil,  Gertrud  ab  durch  zwei  mäuslein,  die  an  einer  spiadel  (vre- 
tenö)  mit  flachsgam  nagen,  zum  seichen,  es  d&rfe  an  ihrem  festtsfe 
nicht  gesponnen  werden,  gleiches  gilt  von  der  russ.  pjatnitza,  (K»- 
pitars  rec.  von  Strahls  gel.  Rnfsinnd.) 

s.  168.     huldmoder,  sv.  vis,  1,  2 — 9. 

s.  171.  das  gedieht  von  Berhte  (ohne  den  namen  Stempe)  itebt 
gedruckt  in  den  altd.  blättern  I,  105. 

s.  173.     Brehte  f.  Berhte.    Flore  7835. 


*)  vgl.   leg    aurea  cap.  117,    wo  aber  eines  ye^/ain  Fateri*  er- 
wähnt wird. 


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NACHTRAGE  695 

8.  178.  *iiM6  an  den  ahtodin  tac  nfth  der  Periitage.'  fondgr.  110, 
22.  In  den  trierer  hexenacten  p.  248:  'dem  gecrenzigten  und  der 
ß rotten  (aUo  hat  er  die  matter  gottes  genant)  absagen.'  Leicht 
denkbar  dafs  Maria  mit  einer  heidnischen  göttermutter  Termengt  wurde 
(s«  167.)  Jn  Baiem  frau  Lutz  (die  heil.  Lucia)  statt  Berhta.  Schm. 
2,  532. 

s.  184.  zn  Wien  findet  sich  das  stüciL  von  Zisa  zweimal  i  im  cod. 
tat  eil  (olim  bist  prof.  652)  sec.  XI  iueuntis,  fol.  79.  80;  und  im 
cod.  CCXXVl  (oiim  univers.  237)  sec.Xil.  in  beiden  zwischen  Jor- 
uandes  de  reb.  get.  and  de  regn.  sncc.  ClI  hat  interlinearglossen  nnd 
marginalien  ganz  wie  der  abdruck,  von  einer  Icaum  jungern  band,  die 
auch  'excerptum  ex  gallica  historia'  fiberschreibt,  es  steht  hier:  pau- 
wariorum.  cizarim.  vaerdaha.  de$  ciz$.  svivorum.  ziza  tulit  chrelL- 
hesaver.  grecos  aoar.  havenonpereh.  dann  bei  caccus:  a  cujus  no- 
mine putamos  iekingen  nominari.  CCXXVl  nimmt  die  interlinearien 
mit  in  den  text,  und  stimmt  sonst 

s.  184.  herlach  zu  Augsburg  'ab  arsis  publica  cavea  ibi  altis.'  He- 
nisch  p.  293. 

a.191.  der  name  des  altwestfal.  stifte«  Frickonhorst  ^  Freckenhorst 
(hain  der  Frecka  heilig)  kommt  in  betracht 

s.  191.     wiplich  wip.  MS.  1, 202«  2,  42b. 

s.  193.     seh  wert  stecken  bei  der  braut     Heimrich  1,  53.  54. 

s.  195.     ^schwarze  mutter  gottes.'    briefe  eines  tüpeldauers  1,  33. 

s.  197.     *til  Rdnar  fara:    fomald.  sog.  2,  78. 

s.  200.  hier  waren  die  begriffe  halid,  degan^  reccheo  and  wtgant 
zo  entwickeln,    einheri  8.474. 

s.  203.  Hercules  saxanus,  neae  mittheil,  des  thür.  sSchs.  ?ereins 
1.  3,  97.  98. 

S.2I4.  welsb  heifst  die  mllchstrarse  caer  Gwydiout  bürg,  Stadt  des 
Gwydion ,  eines  göttlichen  wesens ,  sohnes  von  Don«  Owen  s.  v.  caer 
und  Gwydion,  wo  er  dem  Wodan  verglichen  wird. 

i.218.     Finn  vgl.  s.575. 

8.219.  Billing.    Lappenberg  1,  214. 

8.220.  in  der  einäugigkeit  liegt  etwas  heiliges;  anfser  Wnotans 
und  Haganos  mufs  auch  die,  welche  unser  altes  recht  bei  menscliea 
und  thieren  fordert  (RA.  255.  385)  und  die  bei  dem  angang  (s.  653) 
erwogen  werden,  des  einäugigen  Begegnung  konnte  der  des  priesters 
gleichen.  Gegen  den  blinden  mann  wird  in  der  schwed.  formel  LU 
gebetet. 

8.224.    gr.  balbgöttinnen:  Ino,  Thetis,  Lencothea« 

8. 227.  Mrän  ^genname.  Gosprecht  der  Mraunnen  san  (a.  1309.) 
MB.  27,  80. 

8.228.  ^diernen  erteilen  dem  menschen.'    anh.  s.  LIV. 

8. 231 .  Nigellus  Wirekere  im  specalum  stultomm  (gedichtet  um  1200) 
emhlt  ein  märchen  (exemplum): 

ibant  tres  honiinum  curas  relevare  sorores» 
quas  no8  fatales  dicimus  eaae  deas. 
sie  ziehen  durchs  land,  um  was  did  natur  versäumt  hatte  wieder  gut 
zn  machen,  zwei  von  den  Schwestern ,  zu  weichherzig  und  vorschnell, 
wollen  gleich  auf  den  ersten  schein  eingreifen  und  helfen,  werden  aber 
▼on  der  dritten  verstandigeren,  welche  sie  domina  nennen  und  als  hö- 
here maclit  verehren ,  zurückgehalten.  Erst  stofsen  sie  auf  eine  schöne, 
edle  Jungfrau,  der  alle  guter  zu  gebot  stchn  und  die  denuoch  klagt; 
ihr  wird  nicht  geholfen,  da  sie  sich  selbst  helfen  kann,     dann  finden 


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«6  NACBTRlOE 

sie  im  w«M  eine  aÜUmme  JangfirM  b«  bett  Hegea,  weil  äe  fckum 
foTte  und  hüftea  am  ^heo  bindero;  aadi  sie  erluigt  den  bekUidder 
gdttinnen  nicht,  weil  sie  an  gcist  wid  leib  treflich  ausgestattet,  ihr  ttd 
gedttltig  tragen  nuils.  Znletst  treffen  sie  oaweit  einer  Stadt  eiae  sne, 
rolie  bauerdirne: 

eziit  in  biriam,  ventrem  purgare  pnella 
nutica,  nll  reverens  inyerecunda  deas, 
▼estibus  elatls  retro  nimiumqoe  rejectis 

poplite  deflexo  cnire  resedit  bami, 
nna  manns  foenum,  panis  tenet  altera  ftvstam, 
diese  wird,  als  die  beiden  ersten  Schwestern  sich  abwoMlen,  anfenak- 
nung  der  dritten,  ron  den  göttinnen  mit  glAcksgäteni  ftberschettdi 
haec  mea  mnitotiens  genitrix  narrare  solebat  # 
cujus  me  certe  non  meroinisse  pudet 

s.  232.  fatuae  erscheinen  nachts,  waschen  vnd  legen  kiader  w 
feuer.    anh.  s.  XL  VI. 

s.  286.    Mistar  marr.    Skul  156«. 

s.  237.    Sculda  n.  pr.  Saxo  gramm.  81 . 

S.241.  auf  einen  schwanjüngUng  lielt  der  westfiU.  luaderran: 
swane,  swane,  pek  up  de  nesen,  wannehr  bistn  krieger  weseaf* 

s.  243.  fuminae  agrestes  et  süvaticae  (anh.  s.  XXXVIll)  eatCfW- 
ten  liebschait  mit  menschen.  Tgl.  die  holzweibckent  moosveiida 
(abergl.  469.    Schmidt  Reichenf.  146.) 

s.  245.  die  pila  reitet  einen  siebenjährigen  hirseh  und  zäumt  ib 
mit  schlangen  ^  gerade  wie  nord.  Zauberinnen  (s.  598.) 

8.247.  arem  ipiht,  Reinaert  1027.  arme  wichter  (leute)  Kii<' 
lingers  hörigk.  p.  679.  IStha  unhti,  H4I.76,  15.  wrSda  wibtil^V 
dernea  wihti  81,  20.  92,  2.  der  tumhe  wiht.  fragm.  42«;  wuM- 
dige  Wichte.  Sastrow  1, 85t.  nach  Strodtm.  285  das  osnabr.  unekt  in 
sg.  aipr  Ton  mädchen,  der  pl.  wichter  von  knaben  und  mädcbea.  ^L 
das  altfrenz.  males  choses,     Ren.  80085  und  honae  res  (s.  596.)  - 

S.247.  das  send,  mainjue  ist  daemon,  und  erst  agramainjo»  #^ 
mon  malus  (s.  549.) 

8. 250.     dvergar  ok  döckdlfar.    Ssm.  92b. 

s.  253.  der  kleinste  trold  nicht  gröfser  als  eine  ameise.  D.y.l,l7<> 
troll  gilt  von  zwergen  wie  von  riesen. 

s.  253.  Lausitzisch  ludki  kleine  zwerglebi.  nachts  richten  fie  p^* 
mäler  an  und  kommen  aus  unterirdischen  gangen,  aus  Mausdödiefi  tm 
Vorschein,  wer  sein  häusliches  gl&ck  lieb  bat,  beleidigt  sie  aicbt  p^ 
aufgenommen  lassen  sie  ansehnliche  Verehrungen  zurück.  la  derdoi' 
sehen  Lausitz  nennt  man  einen  kleinen  menschen  scherzweise  Lotttke. 
Laus.  mon.  sehr.  1797  p.  754.    es  sind  die  koltH  anderer  Slavea. 

Hessische  sagen  von  dei^  Wichtelmännchen  KM.  do.  89;  hier  im^, 
eine.  An  der  Schwelm  bei  Uttershausen  liegt  der  Dosenberg •  ^ 
am  ufer  gelm  zwei  löcher  hervor,  die  waren  vor  alters  aus  aad  ^ 
{ränge  der  wichtelmänner.  Zu  dem  grofsvater  des  bauera  TobI  ii 
Siiiglis  kam  öfter  eii|  Wichtelmännchen  freundlich  auf  den  acker.  Ei- 
nes tags,  als  der  bauer  kom  schnitt,  fragte  es,  ob  er  in  der  kisftisci 
nacht  für  reichen  geldlohn  fuhren  durch  den  flufs  fibtfnehoNa  w«ttet 
der  bauer  sagte  es  zu,  abends  brachte  der  wichtel  einea  i>ck  *«■ 
waizen  als  handgeld  in  des  liauem  Imus ,  nun  wurden  vier  pferde  •■' 
geschirrt,  und  der  bauer  fuhr  zum  Dosenberg,  der  wicfalei  \^^ 
den  Ideliem  schwere ,  unäichtbare  lasten  auf  dan  wagen,  die  der  bistf 
durclis  wasaer  auf  das  andere  ufer  brachte}  so  fahr  er  hin  owi  ^ 


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NACHTRiLGB  697 

TOB  abends  Bclm  bb  norgen«  vier  nbr,  dafs  iKe  pferde  eodlkb  erma- 
deten«  Da  sprach  der  widitel:  *es  ist  geoug,  nmi  sollst  du  auch  seliu, 
was  da  ge&hreu  hast!'  er  hiefs  den  bauet,  über  die  rechte  sehulter 
blicken^  da  sab  der  bauer,  wie  das  weite  feld  voll  von  wichtelmäip' 
nerchen  war.  Darauf  sagte  der  wichtel:  'seit  tausend  jähren  haben 
wir  Im  Dosenberge  gebaust,  jetst  ist  unsere  zeit  um,  wir  müssen  in 
ein  ander  land :  im  berg  aber  bleibt  so  viel  geld  zurück,  dafs  die  ganze 
gegend  genug  daran  hätte/  Dann  lud  er  dem  Tobi  seinen  wagen  voll 
geld  und  schied,  der  bauer  brachte  mühsam  den  schätz  nach  haus 
und  war  ein  reicher  mann  geworden:  seine  nachlcommen  sind  noch 
vermögende  leute,  die  wichtehnanner  aber  für  immer  aus  dem  land 
verscbwundeUt  Der  Dosenberg  hat  oben  eine  gintze,  auf  welcher 
nichts  zu  wachsen  vermag:  die  stelle  ist  von  den  wichtein,  die  sich 
darauf  herumgeiummelt ^  verzaubert.  Alle  sieben  jähre,  gemeintich 
freitags,  zeigt  sich  darüber  eine  hohe  blaue  flamme^  die  auf  der  erde, 
über  dem  umfang  eines  grofseu  kesseis  brennt,  die  leute  nennen  es 
das  geldfeuery  man  hat  es  mit  den  fnfsen  weggestrichen,,  denn  es 
halt  keine  glut,  und  nun  einen  schätz  zu  heben  gedacht,  aber  vergeb- 
lich, der  teufel  weifs  immer  durch  ein  neues  gaukelweiJL  doch  irgend 
ein  Wörtlein  den  leuten  von  der  leber  zu  sprengen. 

s.  256.     schumpe  ist  hure,    fragm.  56c. 

s.  257.  gehört  zu  den  guten  holden  das  jüdel  (abergl.  62. 389.  454* 
473)?  was  sind  die  guegen  oUken  oder  oelrikken  in  Prators  weltbesdir. 
1,290  g£i/0/i:<r/i2, 115?    holdeken? 

s.  258.  hier  noch  zwei  schwedische  sagen  aus  ödmanns  Bahnslan 
p.  191«  294.  Biöfn  Martensson  gieng  mit  einem  schätzen  auf  den  ho- 
hen waldberg  örnekulla ,  wild  zu  jagen ,  da  fanden  sie  einen  schlafen- 
den btrgschiiäed  (bergsmed);  der  Jäger  befahl  dem  schätzen,  ihn  fest 
SU  nehmen,  der  sich  aber  weigerte:  'bittet  gott,  dafs  er  euch  behüte, 
der  bergschmied  wird  euch  den  berg  hinab  werfen!'  Der  Jäger  war 
aber  so  vermessen,  dafs  er  hingieng  und  den  schlafenden  mit  macht 
Vtf^U  der  bergschmied  Ihat  einen  schrei,  und  bat,  man  möge  ihn  los 
lassen,  er  habe  frau  und  sieben  kleine  kinder,  er  wolle  auch  alles 
sclimiedeo ,  was  man  verlang« ,  man  solle  nur  eisen  und  stahl  auf  die 
bergklippe  legen,  und  weide  dann  die  arbeit  bald  gefertigt  an  dem 
selben  platz  liegen  finden.  Biöm  fragte  für  wen  er  schmiede?  er 
antwortete  'für  meine  gesellen.'  Da  ihn  Biöm  niclit  frei  lassen 
wollte,  sagte  er  I  'hätte  icli  meine  nebelkappe  (uddehat^  s.  261),  solltest 
du  mich  nicht  wegführen,  läfst  du  mich  aber  nicht  frei,  so  wird  kei- 
ner deiner  nachkommen  zu  dem  ansehn  gelangen,  in  welchem  du  stehst, 
sondern  allzeit  abnehmen!'  welches  hernach  auch  eintraf.  Biöm  gab 
den  bergsclimied  nicht  frei,  und  liefs  ihn  zu  Bohos  gefangen  setzen, 
am  dritten  tag  aber  war  er  aus  dem  gefangnis  entschwunden. 

2u  Mjklehy  wohnte  Swen,  der  gieng  einen  sonntagsmorgen 
aus  auf  die  jagd  und  bei  Tyfweholan  gewahrte  er  auf  dem  berg 
einen  grofsen  bock ,  mit  einem  ring  um  den  hals,  in  dem  selben  au- 
genblick  rief  es  aus  dem  berg:  'sieh,  der  mann  schiefst  unsern  ring- 
bock!' 'nein,'  rief  eine  andere  stimme,  'das  läfst  er  wol  bleiben,  er 
hat  sich  heute  nicht  gewaschen'  (d.  h.  in  der  kirclie  nicht  mit  Weihwasser 
besprengt.)  Ais  Swen  das  hörte,  liefs  er  auf  der  stelle  sein  eigen 
Wasser,  wusch  sich  eilends  und  schofs  den  ringbock.  Da  entstand  hef- 
tiges sclireien  und  lärmen  im  berg  und  einer  spracli:  ^sieh,  der  mann 
nahm  sein  bängebecken  und  wusch  sich,  aber  ic|i  will  ihn  schon  be- 
zahlen.'   ein  anderer  antwortete  s  'das  wirst  du  wol  bleiben  lassen,  der 


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698  NACHTRÄGE 

u^fse  hock  stellt  ihm  bei.'  Darauf  eneboli  nScIiHfes  gerftMdi  aad 
eine  oieBge  von  trollen  erfaUte  ringMim  den  waid.  8wen  warf  siek 
zur  erde  ond  kroch  unter  einen  häufen  wurzeln,  da  fiel  ihn  eis,  ww 
der  troll  geragt  hatte,  der  weifte  bock  solle  ihm  beistehn,  deon  so 
nannte  er  verächtlich  die  kirc/ie.  Swen  tbat  nun  das  gelübde,  weau 
ihm  gott  aus  der  gefahr  helfe,  wolle  er  den  ring  des  liocks  nach  My« 
kleby,  das  hom  nach  Torp,  die  haut  nach  Langelaod  in  die  kircbea 
geben.  Als  er  unbesdiädigt  heimgelangt  war,  erfüllte  er  alles:  der 
ring  bildet  bis  zum  jähr  1T32  den  grif  an  der  myklebyer  kirchthür,  er 
ist  von  unbekanntem  metall,  wie  aus  eisenerz,  das  bockshom  verwahrte 
man  in  der  Torpkirche,  das  feil  in  der  I^ngelandkirche. 

s.  259.  norw.  äli^kukt  (elbgeschosseu)  von  krankem  vieh.  Soomer- 
feit  Saltdalens  prastegjeld.  p.  119. 

S.260.  helkepUin.  Laurein  des  Casp.  v.  d.  Ron  76. 126.  128.  206. 
auch  im  kerling.  roman:  *  Mangln  le  lerres  o  le  noir  chapenm^ 

s.  262.  scArÖtlingszopf,  in  Thüringen  saellocke,  Prat  wdtb.  1^40. 
293.    dän.  marelok,  der  alb  kaut  die  haare  durch. 

s.  263.  eine  frau  schnitt  kom  am  Dosenberg;  zur  seite  lag  ihr  klet> 
■es  kind.  ein  wichtelweih  kam  geschlichen,  nahm  das  menacimikiad 
und  legte  ihr  eignes  an  die  stelle.  Als  die  frau  nach  ihrem  lieben 
Säugling  sah,  gafle  ihr  ein  bäfslicher  dick  köpf  in  die  äugen.  Sie  schrie 
laut  auf  und  schrie  so  heftig  zeter,  dafs  die  diebin  endlich  wieder  kam 
mit  dem  kind ;  aber  nicht  eher  gab  sies  zurück,  bis  die  fram  den  wick^ 
telbalg  au  ihre  brüst  gelegt  und  einmal  mit  edler  menacbeoBUdi  ge- 
säugt hatte. 

S.264.  zwerg  Eugel  weissagt.  Sifrit  162,1.  Tgl.  Grtpir,  desna 
vater  Eylimi, 

s.  266.    die  alten  Prenfsen  halten  einen  gott  Pelmt.  beeldwit  s.  672. 

S.270.  auch  slavische  Völker  haben  einen /e/df^ei>r,  der  durch  das 
getraide  zieht.  Boxhorn  resp. moscovit  pars  1.  p....:  daemonem  quo- 
que  meridianum  Moscovitae  metuunt  et  colunt.  Ille  enim,  dum  jam 
maturae  resecantur  fruges^  habitu  viduae  lugentis,  ruri  obambmkH, 
operariisque  uni  vel  pluribus,  nisi  protinus  viso  spectro  in  terram  proui 
concidant^  brachia  frangit  et  crura,  neque  tamen  contra  haue  plagam 
remedio  destituuntur.  habent  enim  in  vidna  silva  arbores,  religioae 
patrum  cultas:  harum  cortice  vulneri  superimposito  illud  non  tan- 
tum  sanant  facile,  sed  et  dolorem  loripedi  eximunt  Den  Wende« 
beifst  jene  getraidefrau  pscJäpohätza^  sie  schleicht  in  der  mittagsstnude 
als  geschleierte  frau  umher.  Versteht  ein  Wende,  wenn  er  sich  ston- 
denlang  mit  ihr  über  flachs  und  flachsbereitnng  unterredet,  ihr  dabei 
allemal  zu  widersprechen,  oder  dabei  das  vaterunser  rückwärts  ohn« 
anstofs  zu  beten,  so  ist  er  geborgen.    Lausitz,  monatsschr.  p. 744. 

S.273.  ein  manicipium  oder  oppidum  mens  fauni  in  Ivonis  canot 
epist.  172,  vgl.  die  in  den  anm.  dazu  beigebrachte  urk.  (ed.  par.1647« 
f,240b)  wo  monsfaunum, 

s.273.  im  Wigalois  von  Karridz:  *stn  muoter  was  ein  wildez  w(p, 
d|k  von  was  sfii  kurzer  llp  aller  räch  und  starke  stn  gehein  was  diu 
wtark^  nAch  dem  gesiebte  der  muoter  stn,  deste  sterker  mooser 
stn.'    auch  6286:  solch  ein  wilde z  wfp* 

s.  274.    skogsnertey  skogsnufpa,    Linnaei  gothlandske  resa   p.912. 

s.  274.  serbische  wilde  männer  heifsen  stuatsch,  Vnk  ragt.  tt.d.w.: 
in  der  Herzegowina  erzählt  man,  dafs  die  stuatsche^  gleich  vUca 
oder  teufein,  in  bergwäldern  und  felsgegenden  wohnen,  und  um  ihre 
füfse  luenschenadern  flechten,  damit  sie  au  steinen  und  abbäagen  uicbt 


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NACBTRAGE  699 

gklteo.  reifst  Hmen  etwag  an  diesen  socken,  so  fon^en  sie  einen  men- 
selien,  liehen  ihm  die  adem  aus,  nnd  binden  damit  ihre  fafsbeUeidung 
wieder  susanmen. 

8.  277.  norw.  ein  Wassergeist  söedrouen  (seegespenst)  in  der  ge^ 
statt  eines  Icopflosen  alten  mannes  erscheinend,  wenn  menschen  in  der 
see  nntergebn.  Sommerfeit  Saltdalens  prästegjeld.  Trondhjem  1827  p.  119. 

s. 277.  auch  bu  wasserfrauen,  die  in  geburtswelm  liegen,  werden 
menschen  abgeholt,  wie  zu  Zwerginnen  (s.  258.)  ^Man  redete  über 
D.  M.  L.  tisch  Ton  den  spectris  und  von  wechselkindem ,  da  hatte  die 
fraw  doctorin,  seine  trausfraw,  eine  historien  erzelet,  wie  ein  wehe- 
mutter  an  einem  orte  vom  teufel  were  weggeführt  worden  su  einer 
sechswöcherin ,  mit  welcher  der  teufel  hatte  sn  thnn  gehabt,  die  hatte 
in  eitlem  loche  im  wasser  in  der  Mulda  gewohnt^  und  hette  ir  das 
Wasser  gar  nichts  geschadet,  sondern  sie  were  in  dem  loche  gesessen 
wie  in  einer  schönen  stuben.'  tischreden  1571.  440l>.  H&bsche  nixen- 
sagen  stehn  bei  Jul.  Schmidt  p.  150.  151. 

Den  lausitzer  Wenden  heifst  der  Wassermann  wodny  muz  nnd  die 
Möten  oder  Samenkapseln  einiger  schüfe  sind  nach  ihm  benannt:  wod- 
neho  moza  porsty,  wodneho  muza  potaczky,  wodneho  muza  lohszy 
u.  8.  w.  Er  zieht  leute  unters  wasser,  ertrunkne  haben  blaue  Üeckea 
von  ihnu  Wenn  er  in  leinwandenem  kittel,  dessen  unterer  säum  naf% 
ist,  erscheint,  getraide  aufkauft  und  über  den  marktpreis  bezahlt,  se 
folgt  theuerung;  verkauft  er  aber  wolfeiler  als  andere,  so  fallen  die 
preise.  Die  waseerfrau  (wodneho  muza  zona)  sieht  man  am  ufer  der 
bäcbe  spinnen  und  wasche  bleichen.  Wie  der  mann  mit  getraide,  ban- 
delt sie  mit  butter  und  gibt  dieselben  anzeigen  (lausits.  mon.  sehr. 
1797.  p.  750.  752.)  Bei  Finnen  und  Ehsten  ahnliche  Überlieferungen, 
der  finnische  name  näkB,  der  ehstn.  nek  scheint  nach  dem  schwed* 
nak;  auch  hierheifsen  Wasserpflanzen  von  ihm:  Ann.  näkinkeoka  (mya 
margaritifera)  näkin  waltikka  (typ^^  angustifolia.)  Er  lockt  menschen 
an  sich  in  die  liefe;  er  hat  eiserne  zahne  (Petersen  p. 61.)  Ein  ehst- 
niicher  bauer  gieng  an  meeresstrand  und  hörte  mit  weiblicher  stimme 
rafen:  *er  sollte  kommen  und  kommt  nicht!'  Bald  darauf  erblickt  er 
eioen  reiter,  der  sich  dem  ufer  naht,  seinen  dnrst  zu  stillen.  Dtt  bauer 
ruft  ihm  warnend,  nicht  ans  ufer  zu  gehn  und  erbietet  sich  ihm  in 
sehiem  bnte  wasser  zu  holen.  Der  reiter  bleibt  zu  pferde,  nimmt  das 
Wasser,  trinkt  und  fallt  unmittelbar  nach  dem  trinken  herunter. 

Ein  madchen  wird  am  ufer  auf  dem  grase  von  einem  hübschen 
linaben,  der  mit  einem  schönen  bauergürtel  umgeben  war,  angehalten 
und  gezwungen,  ihm  ein  wenig  den  köpf  zu  kratzen.  Sie  thuts  und 
ist  unterdessen  unvermerkt  durch  seinen  gurt  an  ihn  gefesselt;  aber 
das  reiben  schläfert  ihn  ein.  Mittlerweile  kommt  eine  frau  hinzu,  geht 
näher  und  fragt  das  mädchen,  was  es  da  mache?  Das  mädchen  er- 
zählt und  löst  sich  während  dem  gespräch  aus  dem  gurt.  Des  knaben 
schlaf  war  fester  geworden ,  so  dafs  ihm  der  mund  ziemlich  weit  offen 
steht.  Da  ruft  die  näher  schauende  frau  auf  einmal  aus:  ha  das  ist 
Ja  ein  neck!  sieh  seine  fischzähne!  alsogleich  verschwand  der  neck, 
(etwas  über  die  Ehsten.  Lp.  1788  p.  50.  51.) 

8.281.  auch  frau  H^dchilt  (s.  221)  ist  rettende,  aufnehmende  was- 
serfrau. 

s.  286.  *  einen  tater  man  malen.'  cod.  pal.  341,  126^;  tatt  ermann 
Strohpuppe.     Büschings  wöch.  nachr.  1, 185. 

s.  286. 287.  mit  dem  namen  Heinz  (nnd  da  Heinrich  aus  Heimrich 
ratspringt,  mit  dem  älteren  Heimo  «.  222)  in  Verbindung  bringen  möchte 


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700  NACHTRÄGE 

idi  Dietmars  von  Merseburg  merkwürdige  nachridit  von  einem  tians- 
g^^te  Hennilf  es  war  im  j.  1017.  IVagn.  p.  242:  nam  habitatores  ilG 
(p.  241.  in  mea  vicinitate,  unweit  Merseburg  also)  raro  ad  ecclesiaia 
venientes  de  snonim  visitatione  cnstodum  nil  curant.  domesiicos  coluot 
dnim,  muitumque  sibi  prodesse  eosdem  sperantes,  liis  immolant.  Ai- 
divi  de  qnodam  haculo^  in  cujus  sumuutate  manus  erat  y  unum  in 
se  ferreum  tenens  circulum^  quod  (dafs)  cum  pastore  ilKus  villae,  ia 
quo  (1.  qua)  is  fuerat,  pei  omnes  domos  has  singulariter  ductns,  in 
ptimo  inlroitn  a  portitore  sno  sie  salutaretnr  ^vigtla  Ifennil  vifrila!^ 
sie  enim  mstica  vocabatur  lingua,  et  epulantes  ibi  delicate  de  ejusdem 
se  tueri  custodia  stulti  autnmabant.  Der  dorfhirte  tragt  einen  stah, 
auf  dem  oben  eine  band  mit  einem  ring  angebracht  war,  durch  alle 
hauser  und  ruft  beim  eintritt:  ^ivache^  Hennil,  wache!',  d.h.  wol:  wache 
fiber  alle  bewohner  des  hauses,  schütze  sie,  in  dem  sinn,  wie  die  SsHde 
wacht  (s.  504.)  *)  Die  Romer  riefen ,  wenn  sie  krieg  fuhren  wollten, 
beim  eintritt  in  des  Mars  tempel:  ^Mars  vigiia/*  Serv.  ad  Aen.  8,3. 
Stäbe  t  oben  mit  dem  bild  eines  mannes  und  einer  hand  kommen  in 
gerichtlichem  gebrauch  vor  (RA.  133.  763)  und  wurden  vielleicht,  gleich 
der  null,  kriwule  (Donaleitis  p.  159)  von  haus  zu  haus  hemmgetragen. 
'Waren  es  heidnische  götzenhitder? 

s.  287.  der  engl,  bansgeist  Robin  t^ood  fellow  hat  sich  nit  den 
Wildschützen  Robin  Hood  vermengt»  oder  ihn  erzeugt  denn  Uood 
gemalmt  an  HSdeken  (s.  261.) 

S.287.  Nissen  schwed.  Nihon.  ein  hausgeist  Rudy  (RndolQ  ii 
Mones  anz.  1834  p.365. 

s.  288.    ein  hausgeist  beschrieben  bei  Schweinichen  1,  260  —  63. 

s.  289.  buz,  Jagers  Ulm  s.  522.  &a/ztfma/z;s  Simplic.  2, 248.  In 
Hanauischen  habe  icli  die  iuteijection  ^katzabutzarola/^  gehört,  und 
katzebutz  führt  wieder  auf  die  Verbindung  der  katze  mit  dem  koboM 
(s.  286.) 

Kinderschreckende  gespenster  stellt  unsere  mythologie  als  männli- 
chen popanz^  butzen  und  Ruprecht  dar,  obgleich  auch  die  welblicheo, 
adion  hoher  göttlichen  gestalten  Holla  >  Berta ,  Werra ,  Stempe  diese 
rolle  übernehmen.  Weiblich  sind  die  gr.  MoQfUi  und  Aa^ia^  die  ron. 
Lamia ,  Mania ,  Maniola  auch  die  Polen  haben  eine  weibliche  Omac- 
micai  aniculae  vetant  pueros  edere  in  tenebris,  ne  spectnun  hoe  de- 
vorent,  quod  eos  insatiabHes  reddat.    Linde  s.  r.  omacac. 

s.  298.    thurs  altn.  name  einer  rune. 

s.  299.  auch  Hercules  als  vorax  und  bibax  dargestellt,  z,  b.  in  Em- 
ripides  AIceste. 

s.  301.    heunisch  braucht  Hans  Sachs  1,  459«  für  böse;  wie^/f«dl. 

s.  301,  gigante  die  mdren,  Diät  3,  60  vgl.  genes.  6,  4.  *gig^ 
te^t  quales  propter  iracundiam  dei  per  filios  Seth  de  filiabns  Com 
(vgl.  412)  narrat  scriptura  procreatos.'    Pertz  2,  755. 

S.302.  abr^  obor  ist  unbedenklich  nichts  hadefs  Bh  Auarus^  Oharas  j 
da  nun  die  Avari  im  mittelalter  =  Chuni^  go  ist  hän  genau  wie  ober 
für  den  begrif  des  riesen  aus  dem  volksnamen  Hun  und  Avar  entsprun- 
gen, vgl.  Schlözers  Nestor  2,  112.  117,  Nestor  nennt  die  Avarea 
Obri,    der  graecus  Auar  in  4er   sage  von  Zisa  (s,  185)    scheint  wie- 


^)  Liebusch  skytliika  p.  289  deutet  aus  Henil  eine  wendische  berg 
und  mondgöttln,  und  vergleicht  honidwo^  ein  Instrument  das  viehtreib^ 
saumigen  hirten  ins  haus  gescliickt  werde,  böhm.  honiti,  poln.  gonic 
ist  treiben,  jagen« 


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NACHTR&eE  701 

der  ein  riese.  Tschad  bezeichnet  den  Slaven  einen  Finnen  und  rieben, 
und  das  ruM.  UpoUn  (riese)  deutet  auf  die  gena  Spalorum  bei  Jor- 
naodea.  So  hängen  riesenbenennungen  zusammen  mit  alten  vollisna- 
men:  feindliche,  kriegerisclie  nachbarn  vergrofserte  der  Volksglaube 
zu  anmenschlichen  riesen. 

8.307.  Schweden  ist  reich  an  sagen  Ton  riesenhugeln.  so  wohnt« 
in  Ostgotland  bei  Tumbo  In  Ybrehärad  ein  jätte  namens  Tuttum; 
wollte  er  mit  seinem  stallbruder  Oden  in  Hersroala,  eine  halbe  meile 
davon,  reden,  so  gieng  er  auf  einen  nahen  liügel  Högatoft,  von  dem 
man  ganz  Ydre  übersah.  Widegrens  Ostergötl.  2,  397.  Gerippe  einer 
blitzerschlagnen  riesin  in  einer  sacristei  hängend,     das.  4»  527. 

s.  311.  in  Källasocken  bei  Vi  ein  grofiter  stein,  genannt  ZechieU 
siein  ^  von  einer  riesin  oder  nieerfrau.  sie  wotAite  auf  der  bürg  Kdha 
in  Uögbysocken,  ihre  Schwester  aber  unweit  Skäggenäs  in  Smäland. 
beide  wollten  eine  brücke  über  den  sund  bauen;  die  smäländische  rie* 
sin  hatte  Skäggenäs  ein  viertelmeile  weit  in  die  see  zusammengetragen, 
Zechiel  steine  in  ihre  schürze  gesammelt,  da  schofs  ein  mann  mit  dem 
Schaft  nach  ihr ,  dafs  sie  sich  ermattet  niedersetzen  mnste  auf  jenen 
fels,  an  dem  noch  ihre  spur  eingedrückt  steht  dann  eriiob  sie  sich 
von  neuem  und  gieng  bis  nach  Pesnäa  socken,  da  begann  Thor  zu 
donnern  (r/a  hafver  gogubben  begynt  at  ai:o),  dafs  die  riesin  heftig 
erschrak  und  todt  niederfiel,  in  dem  augenblick  warf  sie  ihre  steine 
last  aus  der  schürze  untereinander  zu  boden.  davon  nUiren  dort  die 
grofsen  zwei  oder  drei  mann  hohen  felsblöcke.  das  riesengeschlecht 
liefs  sie  dann  bei  diesen  felsen  begraben,    Ahlqvists  Oland  2,  98.  99. 

s.  322.  der  riese,  gleich  dem  teufel  (s.565)  wittert  menschenfleisch : 
*at  her  er  kristenmand  inde.'    DV.  1,  220. 

8.  327.     heilige  Salzquellen  s.  588. 

8.  327.     heilige  quellen  durch  rosseshuf  geschlagen  s.  526. 

s.  329.  das  schwed.  volk  schreibt  die  kraft  der  heilquellen  einer  im 
Wasser  liegenden  weifsen  schlänge  zu.  1809  strömten  tausende  aus 
Bftlland  und  ^CEtergöthland  zu  dem  wunderthätigen  Helsjö  (einem 
kleinen  see  unweit  Rampegärde);  man  erzählte,  kinder  am  seestrand 
das  vieh  hütend,  hätten  dieses  jähr  über  oft  eine  junge  schöne  frau 
am  ufer  sitzen  sehen,  welche  in  ihrer  band  eine  schlänge  hielt  und 
ihnen  wies;  nur  alle  hundert  jähre  erscheint  diese  Wasserjungfer  mit 
der  schlänge,  Bexells  Halland  2,  320.  3,  303.  In  der  christlichen 
zeit  läfst  man  heilquellen  nahe  bei  gräbem  heiliger  männer  entspringen. 
das.  3,  69.  Zu  einer  quelle,  genannt  S.  Olufskiälla  kam  viel  volks 
aus  Norwegen  und  Halland,  warf  opferpfennige  hinein  und  trieb  an- 
dere abergläubische  gebrauche     ödmans  Bahusiän  p.  169* 

a.  330.     heiligbrunne  MS.  2,  68«. 

8.333.  hungerhrunne  Mones  anz.  1824  p.840.  die  Unstmt  steht 
24  stunden  still.    Prät  weltb.  2,  311. 

8.  337.    To  aroixMv  rov  norafiov,    Fauriel  2 ,  80. 

8.  337.  vom  gestolnen  ins  wasser  werfen  (abergl.  836)  heifst  dem 
wassergott  opfern. 

8.  340.  feuer  als  rother  hahn  s.  386.  Auch  die  fenerbeschwörungen 
(anh.  no.  XXIY.  XXV.  XXVI.  XLl.)  behandeln  das  fener  als  leben- 
diges wesen.  Bei  der  deuzer.  feuersbmnst  (Ruperts  schrift  ist  s.  55 
citiert)   wird  ein  heiligenbild  der  flamme  entgegengetragen. 

8.341.    an  der  ecke  des  heerdes  feuer  schlagen  entweiht. 

8.345.  in  Nordengland  glaubt  das  volk,  dafs  ein  enget  einen  bäum 
falle   (strikes  a  tree)  und  davon  das  not hf euer  eriaogt  werde. 


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n»  NACHTRÄOB 

••  348.  oster feuer  sioden  und  brande  mit  heim  nehmen.  (Frntjes) 
Bremen  nnd  Verden  1 ,  165.  piuuchvuur  in  Gelderland,  geldeiadw 
voiksalmanak  voor  1835.   p.  19. 

8.  350.  '  auch  ftchüro  die  bubn  sunwent feuert  H.  Saeha  I «  423^. 
'  8.351.  im  Fuldischen  betteln  die  knaben  bolz  und  g&icheake,  das 
holz  verbrennen  sie  abends,  beim  einsammeln  wird  gesungen:  ^da 
kommen  wir  her  gegangen  mit  spiefsen  und  mit  Stangen  nnd  wollen 
die  eier  langen,  feuerrothe  bl&melein,  an  der  erde  springt  der  wda, 
gebt  ihr  uns  der  eier  ein  zum  JohannUfeuer  ^  der  liaber  ist  gar 
tbener.  haberje,  haberju!  fri  fre  fridX  gebt  uns  doch  ein  sdtfec 
(scheit.)  j.  V.  u.  f.  Deutschi.  1790.  1,  313.  kann  fri  fre  frid  nocb 
auf  einen  heidn.  gott  anspielen? 

8.354.  Scandinavien  kennt  Johannitfeuer ^  vgl.  Finn  Magn.  lex. 
1091  —  94.  Arndts  reise  durch  Schw.  8,  72.  73  und  Hallager  «.  v. 
brancUkat  und  hrUing.  die  letzte  benennung  gemahnt  an  der  Freyja 
leuchtende*  halsband  (s.  194.  195.)  S.  Hans  afteu  bräudes  der  bnl 
ved  alle  griner,  hvilket  skal  focdrive  ondt  fra  kreatnrene.  Sommer- 
felds Sakdalen    p.  121. 

8.  354.    Johanniskräuter  auch  abergl.  848.  850. 

8.  364.  wirbelufind  erregen ,  nacli  der  späteren  vorsteliung ,  teafd 
nnd  hexen  (s.  560.  615)  vgl.  abergl.  522.  554.  bemerkenswerth  ist 
die  hervorlockung  AeB  mnds  nach  ehstn.  abergl.  66,  und  das  weiter- 
maclien  t  ein  prediger  sah  von  ungefähr  bauern  bei  drei  steinen  groftes 
geprange  halten,  sie  afsen,  tranken  und  tanzten  nach  dem  schalle 
l&ndlicher  Instrumente,  als  man  sich  nach  der  absieht  des  festes  er- 
kundigte, wurde  geantwortet,  mittelst  dieser  steine  könne  trpcimes 
oder  feuchtes  wetter  hervorgebracht  werden :  trocknes  wenn  man  sie 
aufrecht  stelle,  feuchtes,  wenn  man  sie  der  länge  nach  lege,  ehdem 
sei  hier  eine  ganze  hochzeit  in  steine  verwandelt  worden,  brantigaBS 
vater,  bräutigam  und  braut  in  die  drei  grofsen,  alle  gaste  in  die 
kleinen,     (über  die  Ehsten  p.  48.) 

8.369.  mit  dem  gänga  undir  iardar  men  berührt  sich  wol  das 
zie/ien  und  schlüpfen  durch  die  erde   (s.  677.) 

8.370.  auch  hole  steine^  deren  ofnung  nicht  durch  menscbenband 
künstlich  gemacht  war,  galten  für  heilig.  solche  holjstones  vad 
holedstones  hängt  man  in  dem  stall  über  die  häupter  der  pferde,  als 
schütz  gegen  krankheiten,  desgleichen  an  betthimmel,  oder  an  das 
hausthor  gegen  behexung.  man  glaubt,  sie  werden  durch  den  stidi 
einer  natter  gehölt»   addersiones  (Brockest  p.  2.  98.) 

8.371.  die  Ehsten  heiligen  wälder  nnd  gewisse  bäume»  von  wel- 
chen keiner  ein  blatt  nehmen  darf,  soldie  wälder  nennen  sie  hiö 
und  davon  heifst  die  Insel  Dagdö  ehstn.  Hiomah,  weil  neben  dem 
hof  Biohof  nahe  ein  geweihter  wald  liegt     (Thom.  Hiam.) 

8.372.  hohla  dyrbi  kojzde  Ijeto  jeneho  czloweka  mjeca  (es  mnfii 
jährlich  ein  mensch  im  wald  sein  leben  lassen.) 

8.  375.  zn  den  heiligen  bäumen  gehört  vorzüglich  die  esche,  vgl* 
den  eddischen  mythus  (s.  459.)  der  wolf ,  dessen  begegnnng  sieg  ver- 
lieifst,  stellt  unter  eschästen  (s.  651.)  auch  bei  den  Angelsacbstfi 
hersciite  dieser  eschencaltus.  ^the  common  people  believe,  tbat  tis 
very  dangerous  to  break  a  bougli  from  the  ask^  to  tliis  veiy  daj.' 
Rob.  Plots  StaflTordsh.  p.207.  das  volk  nennt  den  bäum  witchiree, 
rountree,   roufantree;   er  schützt  gegen  zanber.     Brockett  p.  177. 

8. 380.  In  Holland  hängt  man  einen  pferdekopf  über  schweioställe.  We- 
stendorp  p.  518.  in  England  sind  huf eisen  (horseshoes)  mittel  gegen  zanber. 


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NACHTRÄGE  703 

g.  S87.  die  pogel  tritgän  nachrichfen  fort  (vgl  8.656  —  650)^  es 
bedarf  dazu  niclit  erst  eiaer  persoflificierten ,  geßügelten  Fama ,  deren 
Vorstellung  aber  damit  zusamoienhäogt  Auch  die  alten  liatten  jene 
eiafacbere  ansieht:  ex  ipsa  caede  polucrem  nuniium  mittere  (Cic.  pro 
Rose.  36)  heifst  nichts  als  schnellste  meidung,  wie  bei  Homer  di<^ 
Worte  geflügelt  sind  (inta  TfrtQofvra)  und  pkvd-o<:  anTtqoq  fldgellose, 
im  ge(^chtni8  bleibende  rede  ansdrucict.  Indessen  bildeten  sieh  die 
grieeh.  vorsüglicb  rom.  dichter  eine  fliegende  göitin  •  welche  alle  neuig- 
keiten  darch  die  weit  verbreite  (Virg.  Aen.  4, 173  Gr.  metam.  12,39.) 
iius  der  ovidischen  Schilderung  entsprungen  ist  die  Conrads  von  W. 
(Troj.  179c.  180«),  statt  der  weiblichen  Fama  stellt  er  aber  einen 
männlichen  Liumet  (gramm.  2,  343)  auf,  der  mit  seinem  gesinde  ge- 
fiedert ist  nnd  ausfliegt.  Die  andern  dicliter  lassen  blofs  das  mctr9 
fliegen^  als  vogel,  ohne  personification.  ^leidiu  niumdret  diu  nd 
fiitgtnt  in  diu  laut,»  pf.  Chuonr.  7544.  'daas  mcere  flouc  dd  wtten' 
Mar.  45.  ^dd  daz  niwre  chom  geflogen^  das.  214.  *dd  flugen  disin 
matre  von  lande  ze  lande.*  Nib.  1362,  2.  'dd  flugen  disiu  mmrt 
von  zchare  baz  ze  achar,  Nib.  1530,  1.  'dd  flugen  diu  mcsre.* 
Wigal.  114T.  '^diu  msre  flugen  über  daz  velt.'  Wig.  2930.  'sd 
das  mcere  ie  verrer  viiuget,  sd  man  ie  mdr  gelinget'  Freid.  136,  3. 
'ob  db  mcere  iht  verre  flüge?^  Wh.  170,  20.  Zu  bemerken  sind 
die  stellen,  in  welchen  daz  msere  als  ein  junger,  schuellwachsender, 
eben  erat  flücker  vogel  dargestellt  wird,  wie  Yirgils  Fama  wächst! 
*daz  mcere  dd  vedere  gewan^  witen  fuor  ez  ze  gazzen.'  Mar.  144. 
'alsus  tlouk  Morgänes  tot  (d.  h.  die  nachricht  davon)  ab  ob  er  flücke 
wtere.'  Trist  5463.  'ein  bcese  msere  wirt  gar  schiere  vlücke.'  Ren- 
ner 269«.  Audi  altn.^  ^sd  kuiltr  fl6  \  bygdhum.'  forum,  sog.  9,  237. 
Der  fliegenden  fama  gedenkt  Venant.  Fort  p.  m.  170  und  ihres  Wach- 
sens von  einem  kleinen  vöglein  zur  adlergestalt  der  S.  Galler  mönrh 
bei  Pertz  2,  742:  'cum  fama  de  minima  meiaa  super  aguilamm 
magnitndinem  excresceret.'  Yeldeclc  aber,  wo  man  die  nachahmnng 
der  virgilischen  stelle  erwartet  hätte,  sagt  blofs;  'dd  daz  mcere  df 
bracht*  'liz  quam^'  *uz  spranc'  En.  1903.  1916.  1997  ohne  ihm 
flügel  zu  leihen;  doch  läfst  ers  wachsen:  'daz  mcere  waheen  began.' 
9185.  Auch  in  einer  s.  49  ausgehobnen  stelle  wird  die  Fama  gehend 
und  ^greuus  suos  retorquens^  gedacht.  Tybo,  ein  dän.  dichter  des 
17  Jh.,  nennt  sie  Fygomby  (dringdurclisland )  und  gibt  ihr  einen 
fiedrehtun*    Nyemp  digtek.  2,  185. 

s.  395.    in  dieser  schlänge  ist  Wuotan  vermutet  (s.  543.) 

8.396.  im  Jura  heilst  eine  geflügelte,  unsterbliche  schlänge,  mit 
diamantnem  ange  vouivre  (vipera),  m^m.  des  antiq.  6,  217.  Den 
Letten  sind  die  schlangen  (tscbnhskas)  milchgöttinnen  (peenu  mahtes.) 
Stenders  gramm.  p.  267.  270.  Glimmer,  den  der  lindwurm  (zmaj) 
von  sich  abschüttelt,  wird  serb.  otresine  zmajeve  genannt 

8. 398.    lümilzeichan  sidera.    bymn.  4 ,  2. 

8.400.  scfnenta  mdnin.     N.  ps.  88,  38. 

8.401.  bei  sonnen  und  mondsflnsternissen  sagen  die  Ehsten;  'die 
sonne,  der  mond  ufird  gefressen,*  vor  zelten  suchten  sie  es  durch 
beschwörende  formein  zn  hindern.     Thom.  Hiäm.   Mitan  1794.  p.  39. 

8.404.  'naar  nyet  tändes.*    dän.  abergl.  166. 

8. 405.  u^adeL    Böhmers  Kantzow  266. 

8.406.  den  neumond  grüfsen  die  Ehsten  mit  folgenden  werten: 
*.tenre  terre  kuu,  si  na  waiiax  mina  norex.  kun  kulda  pelpex  rnitia 
rohwat   terwex   pidagex ! '     den  eigentliclien  rersUnd  dieses  spmdis. 


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704  NACHTRÄOB 

den  sie  durch  flberlielernDf^  leraea,  wiMen  sie  selbst  nicht,  sagt  n«». 
Hiaroe  p. 40;  ungefähr  l^eute  es:  sei  gegrfifset  nond,  daCi  da  aK 
werdest,  and  icli  jang  bleibe!  dem  monde  gedeihe  gold  so  seiner 
Schönheit,  die  menschen  aber  mögen  so  gesund  bleiben,  wie  das  eisen 
fest  und  stark  i«t 
s.  407.    ^luna  hodierna  bona  est,   crastina  vero  noccas.'    Retefd. 

2,  682. 

s.  410.  nach  einer  westfälischen  sage  verdornte  der  mam  am  «amt- 
tag  die  kircfus^  und  wurde  darum  mit  dem  dornbnsch  in  das  mond 
gesetst 

S.412.  lodegeer  im  messager  de  Gand  1,  195,  aber  ohne  befriedi- 
gende Erklärung. 

s.  419.  die  Vermutung  über  duming  schlug  fdil.  dieser  name  be- 
zeichnet nicht  die  sieben  steme  der  piejaden,  Tielmehr  des  wageas 
und  eigentlich  nur  den  kleinen  stem  über  dem  mittelsten  in  der 
deichsei,  den  fuhrmann.  in  dörfem  um  Kiel  heifitt  er  Hans  Dümkt^ 
d.  i.  dömken,  däumclien,  dänmiein.  ^Hana  Dümken  sitt  opm  waaga.*  *) 
Sein  kleinster  stero  stellt  also  für  den  ganxen  wagen,  well  er  ihn  als 
fuhrmann  lenkt ;  dümken,  dänmchen  bedeutet  sonst  einen  nwerg  (s.  854.) 
Auch  Joh.  Praetorins  de  suspecta  poli  declinatione.  LIps.  1675  p.35: 
*qni  hanc  stellam  non  praeteriissent ,  etiamsi  minor  quam  jilcer^  du 
inecht  gen  ^  der  dümeke,  das  reuterlein  ^  knechtfink  fnlsset,'  and  der- 
selbe vom  diebsdaumen  p.  140:  'fabula  de  poUieari  eutriga^  dümteke 
fuhrmann,^  Aus  Niebuhrs  Arabien  ergibt  sich  näheres  über  die  eia- 
stimmende  morgenländische  Vorstellung  von  dem  fuhrmann  in  diesam 
Sternbild.  Ein  christliches  märchen  vom  wagen  lautet  so:  ein  fiihr- 
mann  fuhr  einmal  unsem  heilend,  der  versprach  ihm  snm  lohn  das 
himmelreich.  der  fuhrmann  aber  sagte,  er  wolle  lieber  in  ewigkcit 
fallren  von  anfgang  su  niedergang,  (wie  der  wilde  Jäger  in  ewigimt 
zu  jagen  wünscJit.  s. 518.)  sein  begehren  wurde  erfüllt,  der  wagen 
steht  am  himmel,  und  der  oberste  von  den  drei  deichselstemen ,  der 
sogenannte  reiter,  ist  der  fuhrmann.  Von  den  piejaden  wird  ersahlt: 
Christus  gieng  an  einem  *  beckerladen  vorüber,  wo  frisches  brot  dnHete^ 
und  sandte  seine  jünger  hin,  ein  brot  zu  bitten,  der  becker  scfah^; 
es  ab,  die  beckersfrau  mit  ihren  sechs  töclitem  stand  von  ferne,  und 
gab  heimlich  das  brot.  dafür  sind  sie  als  Siebengestirn  an  den  himmel 
versetzt,  der  becker  aber  ist  zum  kukuk  geworden  (s.  389  beckea- 
kneclit)  und  solange  er  im  frühling  ruft,  von  Tiburtli  bis  Johawit, 
ist  das  Siebengestirn  am  himmel  unsichtbar. 

Warum  malt  man   in  England  das  Siebengestirn  oder  die  hemm 
mit  den  küchlein  auf  das  schild  der  wein  und  bierhäuser? 
Orion  heifst  auch  Petersstab  ^  böhm.  S.  Jakuba  hui, 

8. 422.    regenbogen  sidiel  des  Donners   (ehstn.  abergt  65.)     Diät 

3,  61  wird  gesagt,   dafs  man  den  regenbogen  dreKsig  jähre  vor  dem 
jilngsten  gericht  nicht  sehen  werde. 

S.427.  Opitz  2,  286:  'mufs  doch  zu  rüste  gehen,  so  oft  es  abend 
wird,  der  schöne  himmelsschild.' 

5.430.  volucris  dies.     Uor.  HL  od.  28,  6.    IV.  od.  13,  16. 

5.431.  skreik  oi  day.     Hunters  Hallamsbire  glossary  p.81. 
8.434.     Lucifer  ducebat   diem.      Aen.  2,  801.     nQiaßunov  affr^mff 

wnroq   o^&aXfUq.     Aesch.  sepL  c.  Th.  374. 


*)  Ratjen  und  Harms,    ich  bitte  um  volksmäfsige 
allen  deutschen  gegenden. 


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NACHTRÄGE  705 

B^4Mr.  ton  Mai  UrM  gektogt,  er  gebietet  seinen  hVmen.  MS. 
1,  8b.  *!<>  der  til  sQese  Melgc  In  «rnt.*  Trist.  MT;  'de»  -/»«f^/i 
friuat,  der  grüene  wase,  der  het  äs  bluomen  an  geleit  sd  wänediclie 
sWMrkleit*  da«.  668;  'Winder  dich  vorhöte,  der  Sumer  komt  xe 
Bi^te.'  Amgb«  29«.  Den  krieg  des  H^inters  o.  Sontmers  ersahlt  aucli 
H.  Sachs  1^  420«  48h 

8. 44A.  in  Ehstland  berscht  der  aberglanbe,  dafs  sie  alle  neujahr 
eisen  gotzen  von  stroh  In  ffestalt  eines  maones  madien,  den  sie 
metziko  nennen,  nnd  eignen  ihm  zn  die  kraft,  dafs  er  viebe  von  den 
wilden  thieren  bewahren  nnd  ihre  grenze  hüten  solle,  diesen  begleiten 
sie  alle  ans  dem  derf,  nnd  setzen  Um  an  der  grenze  auf  den  necJi- 
Weis  bäum*    Thom.  Hi&m  p.40. 

s.  466.  wegen  des  Vildifer  der  Wilk.  saga  cap.  168  lese  ich  lieber 
unldeber  bei  K  ps.  79, 14.  als  wilde  b4r  (Graffs  sprachsch.  I,  100); 
der  sinn  ist  in  beiden  fallen  aper  singularis  (sanglier.) 

s.  468.  Beov.  857  i  Helle  gemnndon,  Helae  recordati  sunt,  deam 
▼enerabantur)  im  gegensatz  feu  metod,  dem  diristlichen  gott 

8.464.    untertvelt  beschrieben  bei  Saxo  gramm.  16. 

8.  467.  meidhr  t  roeydhr?  wie  seidhr  (*  seydhr;  dann  erreicht  man 
die  Wurzel  mind^  mätid,  mud«  • 

8.  468<     Tgl.  hiermit  s.  536.  539. 

8^  476.    zart  gar  to  (paradisus)  N.  ps.  95,  10. 

8»  477.  rosenknospe  seele  des  gestorbnen  jungliogs.  Rhesas  dai- 
IKM  p.807. 

8.  478.    s^ie  se  pogften  gezalt    MS.  8,  248b. 

8.479.  baskiscb  arima  seele  (daher  jenes  arme  nnd  alma?  8.477); 
astoaren  arima  (eselsseele)  aber  sthmetterling. 

8.  479.  480.  über  die  leidiVerbrennnng  auf  schiffen  hanptstelle  bei 
Sexo  gramm.  p.  87^ 

8.  484.  seele  bei  Gerdrut  nnd  MicheL  anh.  s.  XLVIII.  vgl.  dän. 
abergt  15ti 

8.  48S.  das  N  in  &«¥aroq  zu  dAutIms  Verhalt  sich  wie  das  in  dan, 
DiSfta  O.  s.  w.  (s.  425) ;  es  ist  das  sanskr.  anusvara.    Lepsius  paläogr.  p.  84. 

8.492.  ^ist  an  die  vart>  (obiit)  Walth.  108,6;  unde  non  datur  re- 
ditns,  'er  bribt  ir  vil  mtoegen  da  hin,  dA  er  iemer  wesen  solde.' 
Gttdr.  3558. 

8.  493.  'der  T6t  ein  echarpher  hote,^  Freid.Sl,  6.  Was  aber  be- 
deotet  klage  188:  'der  t*dt  het  Ir  minne,  die  dA  sterben  solden', 
vergafs  ihrer  nicht?  oder  kann  hier  minne^  statt  memoria,  cnitus  be- 
deuten? 

8. 494.    auf  roshapf  statt  cither  spielen^    Remigius  dämonol.  145. 

8. 496.    sockt  das  etüliein.    H.  Sachs  1>  102«. 

8.500.  skaf  in  Wackem.  leseb.  68,  13;  skapdaudhL  fomald. 
s5g.  1,  818. 

8.601.  ancb  Saxo  gramm.  103  weifs  von  Starkathers  drei  men- 
acfaenaltem. 

8.606.  ich  weifs  nicht»  ob  Letzner,  Sagittarius  nnd  ihresgleichen, 
indem  sie  ans  Bedas  lireda  (s.  180)  einen  gott  Beto  schufen,  Ar  auf 
den  Betberg  verehrt  worden  sei,  an  das  glflcksrad  dachten.  Sagitta- 
rlns  antiq.  gentd.  p.  167  sagt  indessen,  Bonifacins  solle  den  Reto  oder 
die  Fortuna  umgeworfen  haben. 

8. 606.  'got  werfe  in  von  gelQckes  rat»*  kolocz.  74 ;  'geluckes  rait 
geit  op  ind  neder,  ein  velt,  der  ander  stigit  weder.'  Hageu  cöln. 
ehr.  1770. 

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706  NACHTRÄOfi 

0. 506.  ilber  die  schwache  flexion  Sslden ,  Schandeo  Tgl.  Ben.  «k 
zu   Iw.    p*  S59. 

8.  507.     rad  überm  thorweg  s.  M2. 

0.  508.  glückshaube.  abergl.  260.  gluclshaut  KM.  no.  29  TgL  3, 
59.  Serbisch  koschuUtza^  hemdlein,  ein  kind,  mit  der  koachnlitxi 
geboren  heifst  t^idoviti  wenn  es  hernach  mann  oder  freu  wird  gtki  o 
zu  den  vilen^   und  weifs  mehr  all  andere  leote. 

5.509.  bei  plötzlicher  stille  in  der  gesellschaft  s^  owb:  ^tm  tm- 
gel  flog  durchs  ximmer,    ^Eqpt^q  hui^X&t, 

8.510.  malum  foras  mittere,    anh.  XXXIV. 

8.511.  am  2  noT.    setsen  die  Ehsten  nachts  den  verstorbnen 
sen  auf,  und  freuen  sich,  wenn  morgens  etwas  davon  verzehrt  ist. 
Fellinsclien  werden  die  abgeschiednen  seelen  in  der   badatnbe 
geo ,  und  eine  nach  der  andern  gebadet.     Hupeis  nachr.  p.  144. 
rade ,  wie  man  engein  und  hausgeistern  speise  hinsteiU  (s.  952.) 

8.  512.     gespüc.     Berthold  im  cod.  pal.  85  fol.  27l>. 

s.  513.  Ihre  im  dial.  lex.  82b  hat  als  nplandisches  wort  dodSijer^ 
maues  defunctorum,  was  beinahe  an  die  serb.  dodoie  (8.336)  frinfft. 

8.  514.     dwetern^   irre  gehn,    spuken. 

8.  515.  dhs  ungetaufte  kiod ,  wer  die  heiligkeit  des  sonntags  nicfit 
achtet,  die  samstagspinnerin  spukt  (abergl.  680.)  weifse  gelster  xtri- 
schen  himmel  und  erden  (abergl.  588)  \  gebter  zwischen  die  tharen 
verwiesen  (das.  892.) 

8. 524.  Liebusch  skytliika  p.  287  bestätigt  von  neuem ,  dafs  dK 
südlichen  "Wenden  die  wilde  jagd  Dieterich  Bernhard  oder  Diterie- 
nada  nennen.  Zugleich  fölirt  er  eine  merkwürdige  sage  der  Ober- 
lausitz  an  von  Dzimtza :  sie  war  eine  schöne  junge  knenje  oder  ede)- 
frau,  die  m*.::  der  zylba  (einem  geschofs)  bewafaet  \a  den  wildern 
umher  streift:  die  schönsten  Jagdhunde  begleiteten  sie  und  schreckten 
wild  und  menschen  auf,  die  sich  znr  mittagstunde  im  dichten  wald 
fanden.  Noch  jetzt  redet  man  einen,  der  über  den  mittag  alleia  Id 
tannenwalde  bleibt,  scherzend  an:  fürchtest  du  nicht,  dafs  Dziwim 
zu  dir  kommen  wird?  Sie  jagt  aber  auch  in  mondhellen  nächteo. 
Diese  D£witza  scheint  die  poln.  Dzieti^annot  Dziewina«  Dziewica  lad 
röni.  Diana  (Linde  1, 599l>)  vgl.  s.  425.  da  nun  auch  Hnida  Diaaa 
ist ,  und  im  wütenden  heer  aufzieht  (s.  522) ,  ergibt  sich  ein  tieferif 
Zusammenhang  unseres  mythus  mit  der  auslindischen  fiberlieferaag. 
Wo  Wuotan  auszieht,  oder  der  göttliche  IMetricb,  wird  ein  mäMdi- 
eher  jagdgott  gemeint. 

8. 527.  kinder  mit  spiefs  and  fahne  ziehend  weissagen  krieg, 
abergl.  106.  - 

8.528.  hier  ist  eine  wichtige  fiufserung  desselben  Gull.  alvecBiu 
p.  1067  ausgefellen:  'narratur  quoque,  quod  quidam  videns  hajnsaiodi 
exercitum  (auf  der  wegscheide)  terrore  percussus  a  via  publica  dWr- 
navit  in  agrum  contiguum^  ubi  quasi  in  refngio,  transeunie  juxta  i/- 
luni  toto  illo  exercitu , .  illaesus  permansit  et  nihil  mali  passns  est  ak 
illis.  propter  quod  opinio  inolevit  apud  multos,  agras  gaudere  ftre- 
tectione  creatoris  propter  utilitatem  hominnm,  et  hac  de  cansa  naa 
esse  accessnm  malignis  spiritibus  ad  eos,  neque  potestaten  noccndi 
propter  haue  causam  hominibus  existentibus  in  eis.  Gens  aat^n  id^ 
iatrarum  tutelam  UidLia  et  defensionem,  si  eam  vel  erederet  vel  aa- 
diret,  nurmnibus  arvörum  illam  atribueret  opinor  autera,  qpi«d  Cr- 
rerem  deam^  quae  agris  praeest,  hujusmodi  hominem  protexisae  cfe- 
derent,  exercitumqae  illum  intra  fines  regnumque  Cereris  Beaiiii  posK 


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NACHTRÄGB  1Q7 

Docere.'  Daa  ans  dem  wege  weicheu  haben  anch  die  andern  sagen 
(ä.  523.  529.)     Schutz  gewähren  die  heiligen  getr aide f eider  (s.  646.) 

8.  528.     ciiasse  briguet,     briguet  ist  jagdhnod. 

s.  538.  ähnPichabweichende  sage  bei  Odman  (Bahnslän  153.  154.) 
ein  schif  wird  durch  stürm  verschlagen,  auf  einer  abgelegnen  küste 
sehen  sie  nachts  feuer  brenne»,  und  steigen  ans  iaud.  an  dem  feuer 
aber  sitzt  nur  ein  alter  tnann,  der  fragt  einen  der  schifsleute  *wo  bistu 
her?'  'aus  Hisingen  in  Säfve  pastorat.'  *  bistu  auch  bekannt  in 
Thorsby?'  'ja  wol.'  weifst  du,  wo  Ulfveberg  liegt?'  'ja,  ich  bin  oft 
da  vorbei  gegangen,  auf  dem  weg  von  Göiheborg  nach  Marstrand 
über  Hisingen.'  'stehn  da  die  grofsen  steine  und  erdhügel  noch  un- 
verrückt?' 'ja,  doch  ein  stein  neigt  sich  zum  fall.'  'weifst  du  auch, 
wo  Giofshedaltar  ist  und  ob  er  noch  woierhalten  steht?'  'davon  hab 
ich  keine  künde.'  'willst  du  den  leuten,  die  jetzt  zu  Thorsby  und 
Thorsbracka  wohnen,  sagen,  dafs  sie  die  steine  und  hügel  am  Ulfve- 
berg nicht  zerstören  und  dafs  sie  den  Glofshedaltar  gut  in  stand  er* 
ballen,  so  sollst  du  guten  wind  zur  heimkehr  haben.'  Der  sciiiflTer 
sagte  es  zu,  fragte  aber  nach  des  alten  maunes  namen:  'ich  heifse 
Tliore  Brack,  habe  da  ehmals  gewohnt,  ward  aber  flüchtig:  am  Ulfve- 
berg in  den  grofsen  hugeln  liegt  all  mein  geschlecht  und  am  Glofs- 
hedaltar dienten  und  opferten  wir  UQsern  göttern!' 

8.  539,  diese  hisi)  triam  regum  wurde  verfafst  von  Job.  v.  Hildes- 
heim et  1375),  verdeutscht  a.  1389  (Wackern.  leseb.  860.)  unsere 
stelle  findet  sich  in  Schwabs  bearbeitung  des  buchs  p.  181.  182,  der 
bäum  steht  in  Tauris,  vor  alters  Susa. 

s.  542.  die  dfac/ien  hätten  hier  oder  im  cap.  von  den  beiden  eine 
nusfübrlichere  abliandlung  erfordert.  Göttergleiche  beiden  reinigen  das 
land  von  dem  riesenhaften  ungeheuer,  das  in  schlangengestalt  seinen 
^clmtz  bewaciit,  und  menschen  verdirbt.  An  die  sagen  von  Hercules^ 
Perseus»  Jason  reihen  sich  die  deutschen  von  Siegfried  und  Beovuljm 
]Btne  altengl.  von  dem  worm  of  Lamhton ,  deren  Urockett  p.  239  ge- 
denkt, möchte  ich  näher  wissen.  Celtische  und  deutsche  Überlieferun- 
gen wurden  aber  hernach  christianisiert  in  den  legenden  vom  h.  Q^org^ 
JMichaeh  Marcellas  (Greg.  tur.  de  gl.  conf.  cap.  89),  Julianus^  Roma- 
nus y  Clemens  und  vielen  andern.  Zumal  reich  ist  Frankreich  an  ört- 
lichen dracheusagen ,  deren  andenken  sich  durch  jährliche  festumzüge 
gesichert  hat.  zu  den  rogationen  trug  man  feierlich  das  bild  des  dra- 
cheu  und  seines  überwinders  am,  häufig  fuhrt  der  drache  einen  alter- 
tbömlichen  eigennamen.  der  zu  Ronen  heifst  Gargouillej  der  zu  Metz 
Graoaillj :  darf  man  dabei  an  Gargant ua  den  riesen  (s.  313)  oder  an  das 
deutsche  ufarg>  slav.  u^rag  (s.  557.  558),  d.i.  wolf  und  teufel,  denken? 
Auch  heiliginuen  gelten  für  drachensieger,  z.b.  Margaret  ha  und  Martha, 

s.  543.  'der  Ymelunge  hört  Ht  in  dem  Burlenherge  in  (den  Rhein- 
bewohnern) bi.'  MS.  2,  169l>,  Ymeluu/^e  scheipen  mir  die  Amelunge, 
und  Uurienberc  der  Burgilunberc,  Burglenberg,  Bürglenberg  am  Rhein 
nnweit  Breisach  (Dumbeck  p.  339)  wo  die  Uarlunge  mit  ihrem  schätz 
liauäten  (heldens.  p.  186  —  188.) 

8.  544.  'der  schätz  wettert  sich,'  wenn  flamme  darauf  brennt,  viele 
öfnen  sich  Weihnachten  (franz.  abergl.  14.) 

s.  544.     oft  die  *'hUme  blume,'  einigemal  'die  weifse^ 

8.  545.  wiederkehrende  formein  in  schätz  und  bergsagen:  *je  mehr 
du  zerstreust,  je  mehr  du  bereust!'  'je  mehr  du  verzettest,  je  minder 
du  tiettest!',  nemlich  wenn  das  geschenkte  gold  den  schein  liat  von 
laub  oder  kohie. 


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709  NACHTftÄGE 

0. 546.  inte  mit  ntun  enden*  abergl.  950.  IMeoast  oMt  neun 
zuneigen.     Rhesa  dainos  30. 

0. 55a.     '  Belial  der  leidige  tiefal'    Diut  3,  59. 

8.  553.     Dorw.  getmntel  Sjur,     H&llager  102«. 

8.  556.    tscherf  uad  isc/ierni  sind  verschiedeoer  wmcel. 

8.559.     als  mucke,     dämoiiol,  161. 

8.568.    schlagt  dich  der  hagel  audi  her?    Simplic.  5,  2. 

8.573.  Thom.  Hiärn  p.  40  t  der  Finnen  Toniua  Ist  nidits  amien  ab 
der  Khsten  Pertmes  oder  Kouken,  dem  etliche  noch  dienen,  FermeH 
nende,  er  werde  durch  fleifsjges  zutragen  Yon  fremdem  getraide  ihre 
kästen  füllen. 

8. 573.  die  Engländer  nennen  ßrstfoof  den ,  Jer  zuerst  aof  dm- 
jähr  den  fufs  in  ein  haus  setzt,  und  folgern  daraus  fnr  die  Schicksale 
der  familie  das  jähr  hindurch,  man  veranlafst  andi  wol  eine  erwäosckto 
person,  in  aller  frühe  und  nicht  mit  leerer  band  das  haus  zn  bezocben, 
Brockett  p.  73. 

S.584.    g^ugelwre  Walth.  37,  34. 

8. 590.    kehse  scheint  das  s.  1 67  angeführte  niederd,  diesse ,  eol«. 

8,593.     4  gandreidh  fara,   vgl,  8.613. 

8.  593.  drei  schöne  ziegenfüj'sige  mädchen  tanzen  auf  des  Scarda- 
myla  gipfel.    Fauriel  disc  prel.  LXXXVl. 

s.  595.  poln.  unterscheidet  sich  wieszczka  Zauberin,  weissageriil»  tm 
wieszczyka  nachtfrau,   Inmia. 

s.  597.  Crescentia  wird  als  eine  unholde  angeredet  t  *waz  bvotti 
dd  däse^  ubele  liornhlJse!  du  soldes  billecher  da  ce  holze  vorn  ^  dM 
die  megede  hie  bewarn;  dd  bist  ein  unliolde  und  sizist  ble  behaBgez 
mit  golde.'  Sie  versetzt;  'got  weiz  wol  die  sculde,  ob  ich  bin  est 
unholde  t  oder  ie  dicheinis  zouberes  gephlac*  cod.  pal.  361,  T3d  72^ 
(umgedichtet  kolocz  261.  262.)  Man  glaubte  also  im  12  jh.  dab  ^ 
unholden  in  den  wald  fahren,  zum  wilden  beer,  und  hömer  blasea  (wie 
Tutosel  s,  518.)  die  genaue  bedcutung  von  ddse  weifs  ich  nicht  (?  dwiae.) 
8.602.  ^hites  Seiborne  p.  202:  tlie  people  of  Tring  in  Hertlbrd- 
shire  would  do  well  to  reniember  that  no  longer  ago  tbao  tbe  year 
1751  they  seized  on  two  superannuated  wretches,  crazed  witb  agc, 
and  overwhelmed  with  iiifirmities,  on  a  suspiciou  of  witchcraft;  and  by 
trying  experiments  drowiied  them  In  a  horsepond.  Die  gazette  dei 
tribunaux  no.  3055  4  Juni  1B35  erzählt  einen  proceGi,  wo.  Ards 
sur  Aube  gegen  vermeinte  zauberer  angestellt,  iu  deren  geschlecht  das 
vermögen  lause  zu  zaubern  erblich  sei. 

s.  622.  in  Norwegen  herscht  der  glaube ,  dafs  die  Lappländer  sick 
in  hären  verti^andeUi  können,  von  einem  recht  dreisten,  schädlickea 
bar  heifst  es;  *das  kann  kein  christlicher  bär  sein.'  ein  alter  bar, 
in  Ofodens  prästegjeld,  der  sechs  menschen  und  über  sechzig  pferde 
getödtet  haben  soll,  stand  in  solchem  ruf,  und  als  er  endlich  erlegt 
wurde,  will  man  bei  ihm  einen  giirtel  gefunden  haben.  Sommeffelt 
Saltdalens  prästegidd  p.  84. 

s.  624.  wer  euihyed  ist  kann  die  schädliche  Wirkung  dadurch  ab- 
wenden, dafs  er  seinen  blick  auf  etwas  lebloses  nebtet  man  sagt: 
'no  one  shall  &ay  black  is  your  eye',  d.h.  niemand  kann  dir  ger»rfe 
übles  nachsagen.     Brockett  p.  GG, 

s.  630.  die  lettische  braut  zur  trauung  fahrend  mufs  in  jeden  gra- 
ben und  teich,  den  sie  sieht,  und  an  jede  housecke  ein  bündel  ge- 
färbte faden  und  eine  münze  werfen  zum  opfer  für  wasser  nod  baas- 
geister.    Merkels  Letten  p.  50  (vgl.  ehstn«  abergl.  11.) 


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NACHTRAGE  7«0 

S.631.  freu  Aventinre  frftgt  einen  urmchtharmaehmdtn  ring.  8a- 
cbenwirt  XXV,  160  —  165. 

8.  633.  genufg  des  dretchen  und  pogelherzens  verleibt  Weisheit  und 
kenntnis  der  thierspreche,  Plln.  nat.  hi«t.  10,  49.  39,  4  (comparari  ein 
certi  anguium  generis.)  Salom.  et  Marcolfas;  *unde  tibi  Tenutia  haec 
yeiiit?  Marcolfus  respondit:  tempore  David  patri«  tui»  cnm  essem  in« 
fautiiltis,  niedici  potris  tai  quodani  die  pro  ageudia  medicinia  nnum  vul- 
turem  accepenint,  et  cnm  slngula  membra  ueceasitatibus  espendisMnt, 
Betsabea  mater  tua  cor  illins  accepit,  et  super  crustam  ponens  in  igne 
tjstauit  i  ac  tibi  comedere  dedit,  mitiique  qai  tunc  in  coqulna  erem 
crusttitn  post  caput  projecit,  ego  vero  crnstam  vultnris  (adipe?  aan- 
guiiie  ?)  perfusam  comedi,  et  inde,  ut  spero,  versutia  mea  venit.'  Eine 
trefliclie  eriiuduug,  wie  ein  theil  der  wei«heit  auch  auf  den  geringen 
übergeht,  gerade  so  kommt  in  der  lage  von  Seebnrg  dem  diener  ein 
stück  der  schlänge  zu  statten.  Saxo  läfst,  in  zwei  verschiednen  sagen 
p,  43.  und  T2,  ans  schlangengeifer ^  der  in  die  speisen  trieft,  Weisheit 
und  Verständnis  der  thiersprache  folgen:  epuli  vigor  omnium  scientia- 
rum  copiam  ingeneravit,  ita  ut  etiam  ferinarum  pecudaliumque  vocum 
Snterpretationem  calleret.  Im  cod.  pal.  212  fol.  46  heifst  e§t  ^nt  can- 
tum  avium  intelligas,  accipe  cor  serpentis  et  linguam  milui  et  pone 
tribus  diebns  in  melle;  pota,  involve  in  terram  virgineam  et  pone  sub  lin- 
giin.*  Rabelais  Pantagr.  3,  25 :  ^manger  du  coeur  et  dn  foye  de  quelqud 
drat-oj  pour  k  la  voix  et  au  chant  des  eignes  et  oiseanx  entendre  mea 
de^tinees,  comme  faisolent  jadis  les  Arabes  an  pa!s  de  Mesopotamie  Y' 
vgl.  die  sage  von  Michael  Scott  in  Walter  Scotts  anm.  zum  lay  of  tlie 
last  minstrel,  und  das  herzessen  in  der  thiersage  (Reinh.  p.  Lll.) 

0.  642.     ein  beispiel  solches  lofses  s.  1 44. 

8. 643.  die  Armenier  weissagten  aus  der  bewegnng  von  cy pressen- 
zweigen s  quarum  cupressorum  surculis  ramisque  seu  leni  sive  violento 
vento  agitatis  armenii  flamines  ad  longum  tempus  in  augnriis  uti  con- 
sueverunt.    Moses  chorenensts  ed.  1736.  p.  54. 

9,  643.    vgl.  Rabelais  Pantagr.  3,  25. 

8.  645.  Attila  ditfidens  suis  copiis ,  metuens  Inlre  conflictnm ,  sta- 
tuit  per  arusplces  futura  inquirere.  qul  more  soüto  nunc  pecorum 
fibrös  t  nunc  quasdam  venas  in  abrasis  ossibus  intuentes  Hunnis  In- 
faB8ta  deuuntiant.    Jemandes  p.  m.  119. 

8. 650.  das  excerpt  aus  Joan.  Saresberiensis  sollte  umständlicher  sein. 
er  sagt  noch:  quid  carnix  loquatur,  diligenter  ausculta,  situmque  ejus 
aedentis  aut  volantis  niillo  modo  contemnas.  refert  etenim  plurimum, 
a  dextris  sit  an  a  sinistris,  qua  positione  respiciat  cubitum  gradlentis, 
loquax  Sit  an  ciamosa,  an  silens  omnlno,  praecedat  an  sequatur,  trnns- 
eantis  exspectet  adventum,  an  fugiat,  quove  discedat.  corpus  vero, 
quem  non  minori  diligentia  observabis,  rebus  majoribus  auspicatur  et 
UiqU'^quaque  cornici  praejudicat.  porro  cygnus  in  auguriis  ales  gratis-* 
sinia  naulis,  utpote  quae  aquarum  domestica  quadam  gratia  famiiiari-' 
tatis  eorundem  secreta  praenoverit.  Si  avis  quae  vulgo  dicitur  alba^ 
nellus  (albanel  s.  658)  praetervolans  viam  a  sinistris  feratur  ad  dextram, 
de  hospitü  hilaritate  ne  dubites,  si  contra,  contrarium  exspectabis.  Opibus 
grataiiter  obviam  gradieris,  dum  capram  vites.  hohus  iriturantibus,  \{t 
beatius  tarnen  arantibus  obviabis.  nee  dispticeat  si  viam  niperint,  quin 
niora  itineris  hospitü  gratia  compensabitur.  malus  infaustus  est,  ofi- 
fius  inntilis,  equus  quandoque  bonus  est.  habet  vero  jurgiorum  et 
pugnae  significationem,  interdum  tamen  ex  colore  et  visu  mitigatnr. 
l»ocu4ta  itiuerantium  praepedit  vota,  ecoutra  cicada  viatoris  promovet 


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710  NACHTRäGB 

giMram.  aranta  dam  a  superioribos  filum  diicit  spem  ?eiitiinie  peco- 
niae  Tidetar  afferre.  Er  hat  noch  aqderes,  scheint  aber  das  meiste  aiw 
deo  altea  zu  schöpfen. 

s.  653,  654.  Lucas  David ,  der  den  aberglaaben  überglauben  Deont, 
meldet  von  den  alten  Preafsen,  dar»  sie  den  angang  eines  kranken. 
für  übel,  eines  reitenden  mannes  für  gut,  eints  fuchset  und  haseti 
für  übel  hielten  (chron.  1, 146.  154.) 

s.  65T.  nach  Nemnich  heifst  der  falco  cyaneos,  ein  kleiner  raabrogel, 
Martin*  i^ogelt  nnl,  S.  Martens  i^ogel,  franz.  l'piseau  S,  Martin,  spaou 
pajaro  S,  Martin^ 

s.  661.  schon  der  ags.  aberj^laube  will,  dafs  man  unbekannten  «a- 
meni^on  hausarmen  (slmesmonnuro,  alnismen)  nehme,  anhang  S.CXX1X. 

8*669.  die  note  zu  tilgen,  from  beruht  nur  auf  Lye,  welcher  in 
der  angezognen  stelle  die  praep.  from  misverstand,  s.  Kembles  nnd 
Thorpes  Matthaeus  p.  71. 

s.  675.  raibiht  nennen  die  Letten  eine  abergläubische  knr  bei  kopf- 
schmerzen.  4er  leidende  wird  einige  mal  mit  lindenbast  um  das  haapi 
gemessen  und  mufs  hernach  durch  diesen  bast  kriechen, 

s.  683.  in  der  landschaft  Fellin  entdeckte  mau  vor  nicht  lange  eine 
gemauerte  capelte,  in  welcher  abgöttischer  dienst  getrieben  wurde,  ein 
mann,  durch  den  wald  reitend,  fühlte  sich  müde  und  uuwol,  sattelte 
sein  pferd  ab  und  legte  sich  zum  schlafen  nieder,  dem  entschlafnen 
träumte,  einer  schweren  krankheit  werde  er  nur  dadurch  entgeho,  daCi 
er  an  der  stelle  wo  er  liege  einen  tempel  erbaue.  Als  er  erwachte 
und  seinen  sattel  auflieben  wollte,  fand  er  eine  menge  silbers  darun- 
ter. Ijjr  ritt  frisch  und  gesund  davon  und  liefs  hernach  an  der  be- 
stimmten stelle  die  capelle  aufrichten,  die  bauem  nannten  sie  Johannis 
heiligen  kreuzes  tempel  und  beobachteten  da  besoodere  gebrauche,  sie 
wallfarteten  hin,  um  gesundheit  oder  leibessciiaden  herzustellen.  Zwi- 
schen dep  riugmauerq  der  capelle  stellte  d^r  leidende  ein  bild  von 
wachs  auf  und  liefs  daran  den  theil  ganz  weg^  an  welchem  sich 
sein  schade  oder  schmerz  befend.  war  z,  b.  eins  seiner  äugen  fehler- 
haft, so  theilte  er  dem  Wachsbild  auch  nur  das  gesunde  äuge  mit,  ond 
stellte  es  so  in  der  capelle  auf.  andern  bildern  fehlte  haud  oder  faCi. 
Unfruchtbare  weiber,  um  fruchtbar  zu  werden,  musteo  dreimal  nakt 
um  diese  capelle  lau/en,  auch  wol  durch  gewisse  angebrachte  ofnun- 
gen  sich  zweimal  mühsam  durcharbeiten*  Das  gericht  besrhlofs  end- 
lich diesen  .aberglauben  zu  zerstören,  der  eigentliümer  des  gebiets 
zwang  seine  bauern  band  anzulegen;  sie  thaten  es  nur,  naciidem  des 
gutsherrn  diener  mit  niedefreifäung  der  mauer  begonnen  hatte,  so 
wurde  die  capelle  niedergebroclien,  Jener  dieuer  erkrankte,  und  starb 
am  achten  tag,  welches  solchen  eindrucK  auf  die  Ehsten  machte,  dals 
«ie  nocii  iqsgeheim  an  den  ort  walifarten,    Etwas  über  die  Eh.sten.  p.  45, 

s.  704.  wie  bei  uns  der  beckersknecht  zum  kukuk  (s.  379) ,  so  wird 
nach  englischer  sage  die  beckersiochter  zur  eulex  *they  say  tbe  owl 
was  a  bakers  daughter.*  Hamlet  4,  5  und  dazu  die  commentatoren : 
*our  saviour  being  refused  bread  by  the  daughter  of  a  baker  is 
described  as  punishing  her  into  au  owl.* 

s.  108,  Dreyer  schöpft  aus  den  liannov.  gel.  anz.  1752  no.  46  p.  594, 
diese  aus  der  nomenclatura  belgica  Heur.  Zireberti:  ^/«(f,  froeden- 
spanne  van  den  iVoenlede  ofte  duym  en  deerste  vinger,  intervallom 
itttcr  pollicem  et  indicem.  JVodan  sei  gott  des  Spiels;  glücklichen 
Mauf^i  das  spi^l  auf  dem  daumen* 


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ANHANG. 


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STAMMTAFELN 


AIVGELSÄCHSISG^E    STAMMTAFELPT. 

Quellen:  Beda  liist.  eccl.  1,  15.  2,  5.  Nennhis  (Sy-' 
niaw)  hist.  Britonum  im  7  oder  9  jli.  verfaf'st?  die  hss. 
sind  aus  dem  10;  ed.  Gunn.  Lond.  1819  p.  61.  AngeU 
sächsische  chronih^  mindestens  im  9  jh.  begonnen,  dann 
fortgefülirt  und  erweitert,  ed.  Ingram.  Lond.  1823  p.  15. 
23.  24.  33.  34.  72.  95.  Asseritis  meneveiisis  (f  906  oder 
910),  zu  eingang  seines  buclis  de  rebus  gestis  Aelfredi, 
Lond.  1722  p.  3.  4.  Ethelwerdus  (f  1090)  bei  Savile 
p.  833.  834.  842.  Florentius  wigornensis  d.  i.  von  Wor- 
cesler  (f  1118)  ed.  Lond.  1592  p.  ^218.  219.  221.  232. 
274.  294.  und  eine  zusammenstellende  prosapia  p.  566. 
Simeori  dunclmensis  d.  i.  von  Durliam  (sehr,  um  1129) 
bei  IVy^den  p.  119.  Aljredus  beverlacensis  (f  1138) 
ed.  Ilearne.  Oxon.  1716.  Ordericus  vitalis  (geb.  1075  -f 
nach  1140)  bei  Duchesne  scr.  norm.  p.  639.  fVilelmua 
malmesburiensis  (f  1143)  bei  »Savile  p.  17.  Ethelredaa 
oder  Ailvtdus  rievallensis  (um  1150)  bei  Twysden  p.  350 
351.  Henricus  huntindonensis  (gebt  bis  1154)  bei  Savile 
p.  310.  313-16.  Galfredus  moneniutensis  (um  1160)  in 
Script,  angl.  Heidelb.  1587.  Radulfus  de  Diceto  (schliefst 
1196)  beiTwysden  p.  530.  /oa/z/xe«  Wallingford  (f  1214) 
bei  Gale  p.  535.  Albericua  trium  fontium  (schliefst  1241; 
bei  Leibn.  acc.  liist.  1,  186.  Matthaeus  westmonnsteri- 
ensis  (14  jh.)  Francof.  1601  p.  99.  142.  Thomas  Otter- 
bourne  (geht  bis  1420)  in  Hearnes  Script,  rer.  angl.  Oxou. 
1732,  hier  sind  die  meisten  namen  auf  serordentlich  ver- 
derbt. Eine  verworrene  und  entstellte  genealogie  aus  ei- 
ner hs.  des  Nennius  enthält  Gales  appendix  p.  116.  auch 
die  Zusammenstellungen  in  Dan.  Langliorns  chron.  regum 
anglonun  1679.  8,  weil  er  sich  einigemal  jetzt  verlorner 
hiifsmittel  bedient,  dürfen  nicht  übersehen  werden. 

Im  fünften  und  sechsten  jh.  bei  der  überfahrt  nach 
Britannien  brachten  die  Angelsachsen  künde  von  der  ab- 
stamnumg  ihrer  edelsten  geschlechter  mit  aus  Deutscliland. 
Alle  führen  sicli  auf  Voden  zurück,  steigen  aber  zum 
theil  noch  hölicr,  und  nennen  eine  reihe  gütter  oder  ver- 
götterter beiden  als   ViJdens    ahnen«     Nach    der  bekehruu^ 


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II  STAMMTAFELN 

xum  christenthum  wurde  es  unternommen,  den  stamm  die- 
ser könige  und  götter  an  die  hebräische  tradition  des  AT. 
vom  ersten  meuschengeschlecht  zu  knüpfen,  ein  solcher 
versuch,  die  unaufgegebnen  vorfahren  des  heidenlliums  jnit 
dem  Noah  und  Adam  der  heiligen  schrift  iu  einklang  m 
bringen,  kann ,  wie  mich  dünkt,  nur  sehr  frühe,  uumitld- 
bar  nach  dem  übertritt  zur  christlichen  lehre  gemacht 
worden  sein,  zu  einer  zeit,  wo  das  gemüt  schon  >on  der 
Wahrheit  der  biblischen  sage  eingenommen  den  inhaJt  sei- 
ner cinhcinnschen,  lieidnischen  noch  nicht  vrolite  fahren 
lassen.  Wie  man  kirchen  au  die  statte  der  heidenteinpel 
setzte,  clirisllichen  und  heidnischen  brauch  zu  verschmel- 
zen wüste,  und  zu  des  neuen  glaubens  fesligung  den  sehn« 
des  alten  erdreiclis  nüt  vei^vandle ;  so  konnte  auch  gedul- 
det werden,  dafs  die  naive  aiisiclit  des  volks  jene  mit  «i- 
ner  ehre  verwachsenen  stammsagen  aufrecht  erhieU  und 
ihnen  gleichsam  neue  unterlagen  verlieh.  Späterhin  wäre 
eine  solche  \erciniguiig  unvereinbarer  tliatsachen  vcder 
gewagt  noch  für  nötliig  erachtet  worden. 

Vorclu'istlich ,  den  Angeln  und  Sachsen  schon  in  ihrer 
heimat  bekannt,  folglich  auch  imter  «ludern  deutschen  Völ- 
kern des  festen  lands  verbreitet  mufs  diese  stammsage  auf 
jeden  fall  erscheinen,  allenthalben  blickt  zusannncuhang 
durch  mit  volksnamen  und  altheidnischer  dichtuug.  ich 
wäre  geneigt,  den  Friesen,  Westfalen,  auch  den  Franken, 
ähnliche  genealogien,  deren  aufbewahrung  ^-ir  bioÜs  den 
ausgewanderten  Angelsachsen  verdanken,  beizulegen. 

Zwar  ist  Reda  (■[•  738)  für  die  ags.  geschlecht«*age« 
das  früliste  zeugnis  und  er  gedenkt  blofs  der  kcntischeo, 
jedoch  auf  solche  weise,  dafs  man  annehmen  darf,  auch  die 
übrigen  seien  ihm  bekannt  gewesen,  die  folgendea  ^h^ 
hunderte  bieten  reichere  verzeiclmisse  dar. 

Chronologischen  werth  können  für  die  älteste  lA 
diese  namensverzeichnisse  gar  nicht  haben;  erst  in  da 
reilien  der  angelsächsischen  könige  werden  sie  geschichtbdi. 
das  beninunt  aber  der  Wichtigkeit  der  sage  nichts. 

Bekanntlich  wurden  unter  den  Angelsachsen  siehöt 
oder  acht  einzelne  reiche  gebildet ,  die  sich  auf  ursprÜDg* 
liehe  Verschiedenheit  der  eingewanderten  stamme  gründen, 
also  gerade  mit  dem  unterschied  der  genealogien  zusam- 
menhängen. Nach  der  ags.  chronik  p.  14.  15  hatten  die 
Juten  Kent  imd  Wight,  die  Sachsen  Essex,  Sussex  vm 
Wessex,  die  Angeln  Easlangle,  Mercia  und  Northiimberfii» 
eingenommen.  Am  vollständigsten  haben  sich  die  gcneil«' 
gien   von    Wessex,   als   dem    Staat,   der    bald  herforrt|*« 

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STAMMTAFELN 


III 


und  zuletzt  alle  in  sich  aufnahm,  erhalten,  auch  die  von 
Kent,  Mercia,  Deira  (brit.  Deifyr)  und  Bernicia  (brit.  Bryn- 
eich,  North nmbrien)  sind  in  alten  denkmälem  überlief«^; 
-weniger  echt  und  beglaubigt  in  einzelneu  namen  erschei- 
nen  die  Stämme  von  Eastangle,  Essex  und  Lind^sfarney« 

Diese  geschlechtsregister  lassen  sich  scliicklich  in  zwei 
hälften  sondern.  Von  Yödens  sühnen  heben  sie  an  sich 
zu  spalten,  in  ihm  trelTen  alle  wieder  zusammen,  ich  will 
daher  zuerst  die  verschiednen  stamme  von  Vöden  abwärts 
darstellen,  und  mich  dann  zu  der  älteren,  für  alle  gerech- 
ten, fortführung  wenden. 

Folgende  Übersicht  enth^t^ySdens  nachtommenscha/L 

Kent. 
V*5den 
Vecta 
Vitta 
Vihtgils 
Ilengest  (449) 
Eoric  (Oesc) 
Octa 

Eormenric 
Äthelbeorlit 
(527) 


Eastangle. 

Essex. 

Mercia. 

V,5den 

Vöden 

Vöden 

Casere 

Saxneat 

Vihtläg 

Tilmon 

Gesccg 

Vaermund 

Trigel 

Andsecg 

Offa 

Hrutlimund 

Svcppa 

Angeltheov 

Hrippa 

Sigefugel 

Eomaer 

Quichelm 

Bedeca 

Icel 

lllfa 

pfia 

Cnebba 

Tidel 

Ascvine 

Cynevald 

Ra^dvald(617)  Sledda 

Creoda 

Eorpvald  (632)  Sicbeorlit  (604)  Vibba 

Penda  (f  656) 

Bernicia. 

TVessex. 

Lindesjaran. 

Viiden 

Vudeu 

Vöden 

Bäldäg 

Bäldiig 

Winta 

Brand 

Brand 

Cretta 

Beonoc 

Fridhogdr 

QueldgiU 

Aloe 

Freuviae 

Ceadbed 

Angenvit 

Vig 

Bubba 

Ingvi 

Gevis 

Bedeca 

£sa 

Esla 

Biscop 

Eoppa 

Elesa 

Eanferth 

Deira. 

VÄden 
Vägdag 
SigegSr 
Svcefdäg 
Sigegedt 
Saebald 
Saofugel 
Vesterfalcna 
Vügisl 

Uscfreii  Idä  *(t  560) 

yffe 

Alle  (i  588) 

Im  allgemeinen  Ist  zu  bemerken,  dafs  hiernach  dem  Vöden 
sieben  söhne  (denn  Bernicia  und  Wessex  fallen  anfangt 
zusammen  und  trennen  sich  erst  im  dritten  glied)  beigelegt 
vrerden.  Einzelne  Chronisten  reden  jedoch  nur  von  dreien^ 
namentlich  Wilhelm  von  Malmesbury,  der  sich  bei  gelegen- 
heit  des  mercischen  Stamms  so  äuTsert,  p.  17:   possem  hoc 

a  * 

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Cerdic(t534)   Eatta 
Cynric  Ealdfrith 


IV  STAMMTAFELN 

looo  iötius  (Idae)  el  alioriim  alibi  lineain  seriatim  iiitexere, 
jiisi  quod  ipsa  vocabula  barbaniin  quiddam  strideDtia  mi- 
juis  quam  vellem  delectationis  lecUiris  iufundereDr.  ühid 
tarnen  noii  immerito  notandumy  quod  cum  Woderiio  fw- 
riiit  tres  ßliiy  Weldegius^  \S  ithlegius  et  Beidegius,  ds 
primo  reges  CantuarUarum ,  de  »ecundo  i'eges  JNlertionim 
et  de  tcrtio  reges  Westsaxonum  et  Norlliauimbrünim  ori- 
ginem  IraxerunL  ^ 

Diese  acht  stamnie  sind  nun  einzebi  zu  betraclitcn. 

KF.INT.  das  älteste,  von  den  ersten  einwanderem  ge- 
sliüotc  reich.  Beda  1,  15:  duoes  fuisse  perliibentur  eonmi 
prinii  duo  fratres  Hengistus  et  Horsus.  ei*ant  auten 
filii  Vetgisli^  cujus  pater  Vevta,  cujus  pater  Voden  ^  de 
cujus  slirpe  multarum  provinciaruin  regium  genus  originen 
duxit.  *)  hiernacli  wären  llengest  und  Horsa  ureukcl  Vo- 
dens,  doch  eine  lis.  ergänzt  das  ausgefallne  glied:  filii /7r/- 
gislij  cujus  pater  Vuta^  cujus  pater  T^ecta^  cujus  j^ter 
F^oden ,  der  also  jener  brüder  urgrofsvater  ist.  Damit 
stimmt  JN'ennius:  interea  tres  ceolae  a  Germauia  in  e\i- 
lium  expulsae  ikitanniam  advenerunt,  in  quibus  doniinaboi}- 
tur  Hors  et  flenegest^  qui  et  ipsi  fratres  erant  filü 
(hifctglls ,  Guiclgb's  filius  Guicta  ,  Guicta  fdius  Gnechta^ 
Gueclita  filius  T^uoileii^  und  die  ags.  chronik  p.  15: 
Mengest  and  Horsa  that  vaeron  VUitgilses  suna.  VihlgiU 
väs  Vitling,  J^itta  Vecting,  J^ecta  Vödning,  frain  tSam 
Vodne  dvuc  call  Are  cynecynn,  and  Südhanbymbra  eac 
Bei  Etbelwerd  lieifsen  die  drei  glieder  zwischen  Wothcfl 
und  Hengest  IVithar^  TVicta,  fVyrhteh\  bei  Floreoti«« 
.566  F^ectas'we  PVehta,  fViUa,  ff^ihtgiailus^  bei  Henr. 
Huntind.  Vecta^  Wicta^  Widgils.  Hengist  lialle  einefl 
söhn  namens  Eoric,  beigenamt  Oisc  (Oesc),  nach  welchem 
alle  folgenden  kentiscl^en  könige  Oiscingas  lieifsen ,  aaf 
Oisc  folgte  Octa^  Irmiriric,  Ethelbert.  Beda  2,  5.  den 
Oisc  nennt  die  ags.  clironik  und  Etlielwerd  j4esc*  Florai- 
tiusgibtso  an:  Hengistus,  O ricus  cognomine  jdesca,  Octa^ 
Irmenricus,  Aethelbertus.  Die  benennungen  IIenge*t 
und  Horsa  sind  vom  pferd  entlehnt ,  man  möchte  auch 
bei  Viclgisl,  Victa,  Vecla  an  das  ags.  vicg,  alts.  wigg,  altB- 
vigg  (equus)  denken ,  vgl.  lat.  vehere.  das  aitn.  Y^tamr 
(wegzahm,  wegkundig),  wie  sich  einmal  Odin  nennt,  li^t 
abseits ,  wenn  gleich  bei  Hunibald  ein  alter  könig  ff^ech- 

*)  ags.  50:  vasron  tlia  serest  lieora  IStteovas  aud  heretogan  treg^ 
(rebrotlira  IJengist  aud  IJorsa^  \\\  Vicroii  l  ihlgiUes  suoa,  tltäs  fider  Tis 
Vihta  liateii,  and  thns  Vüitan  fader  vas  Vdden  nemned.  of  tfcii 
sfrynde  monigra  macgdha  rvningcynn  fniman  laedde. 


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STAMiMTAB'ELN  t 

iani  auftritt,  bei  Otterbourne  p.  S2  ist  Wegdam  der  ace. 
von  Wegda.  \^ilcjm  malmesb.  p.  17  iieout  den  staiumva- 
ler  der  Kenter  fVeldegius ,  das  aus  IVecdeg  entstellt 
scheint.  der  ti^avelleis  soiig  z.  43  fuhrt  einen  f^iUa^ 
könig  der  Svicfas  (Schwaben)  auf;  sollte  Vitta  zur  er- 
klärung  des  dunkeln  ausdrucks  wittu  iin  Hildeb,  lied 
dienen  können? 

OSTAjNGELN.  bei  Florenz  566  vgl.  233:  TFoden, 
Casera  ,  l^itmon ,  Trigilaus ,  Rothniundua  ,  JJri/jpus, 
f'Vikelnius  y  f^jjci  sive  WlFa,  prinius  rex  orientaliuni 
Angloruin ,  hinter  ihm  noch  drei  künige :  TitellaSy  JRed-^ 
waldusy  Eorpwaldus.  Bei  Gale  im  aiüiang:  Woden  ge- 
nuit  Cassei\  genuit  Titinon^  genuil  Trigily  genuit  RodnutHy 
genuit  Kippan,  genuit  Guithelrn,  (genuit)  Gueclian^  ipse 
prinius  regnavil  in  Britannia  super  gentem  Eastanglurum, 
Gueca  genuit  Guff'an  ^  genuit  Tidil^  genuit  Ecniy  genuit 
Edncy  genuit  Aldulfhy  genuit  Elric.  ander vs^ärts  aus  ver- 
scliiedner  hs.:  fVoden,  Casi>ei\  Titinon^  Trigil,  Rod- 
inunty  Rippari ,  Guillem,  G/iecha,  Gaffa,  Tidily  Eeni, 
Bei  Langhorn :  Caseras^  J'ihno/i ,  TrigisiluSy  Rotlii- 
nutndus^  Hirpus,  QuicelmuSy  Uffa,*)  von  diesem  Ufl'a 
Hemicus  hunliad.  315:  lioc  regniun  primus  tenuil,  f^^^ffd, 
a  qtto  reges  orientaliuni  Auglorum  Vllingos  appellant,  quod 
postea  Titulus  (al.  Titilus)  filius  ejus  tenuit,  pater  Red-* 
waldi  fortissuni  regio  Kaslangle.  und  Joh.  BronUous  chro- 
nicou  (^Twysden  p.  745) :  rcjimim  Eastangliae  invepit  ab 
f^ffct  rege,  cui  succes^Hit  rex  Ticulus.  isli  duo  non  fuerunt 
jnultuni  potentes,  quibus  8ucc^^ssit  potontior  aliis  rex  Red-* 
ii>aldus,  Red^yaldo  vero  defuncto  filius  suus  Erpwaldua 
m  regno  Eastangliae  successit.  Beda  erwähnt  von  allen  die- 
sen nur  des  Reduald  beim  j.  616;  nach  dem  ehr.  aga. 
p.  35  empfieng  Eorpvald  im  j.  632  die  taufe;  seines  vatert 
Ueoduald  wird  p.  32  zum  j.  617  gedacht,  und  p.  88  (wo 
richtiger  Rcedvald")  als  eines  der  mächtigsten  herscher  un- 
ter den  Angelsachsen.  Aucb  AVilh.  maünesb.  p.  34  sagt ; 
Redi^aldua  prinius  idemque  maximus  apud  orienlales  An- 
glos ,  a  Vodenio,  ul  scribunt,  decimum  genu  nactus  (1.  na- 
luö.)  Die  älteren  namen  scheinen  gut  sächsisch.  Hrippa, 
Jlrjpptis  vergleicht  sich  dem  Ifrlpo  in  Falkes  trad.  corb^ 
7.  104.  107.  312  und  dem  alid.  Hriffo  bei  Meichelbeck 
4:iO.  Rothmund  für  Hrbihmand'i  ein  Heov.  2378  erschei- 
nender  name.      Titnion    gleiclil    dem    Tiadman  bei  4''alkc 


•)  Otterbourne   weif«    nichts  als}    ff  öden    genuit   Casere  ^    «    quo 
rognnin  Efttaiiglorum  [»rvj^redieiii»  dcrivMtur. 


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t1 


STAMMTAFELN 


114.  TVigil  ist  vielleiclit  das  ahd.  Dr^git,  Wolfdr^ 
Wolfcirigü?  wonach  freilich  stehen  sollte  Tfirigel.*)  jY- 
dil  scheint  was  Ttidil  bei  Falke  37;  Uffa  ist  das  ahs. 
Uffo^  aber  wol  gleichviel  mit  demO^  der  Ostsachsen  und 
Mercier,  denn  auch  der  trav.  song  69  hat:  Offa  veold  Ongle 
(herschle  über  Anglien) ;  Eorp  in  Eorpvald  das  alls.  Erp^ 
ahd.  Erpft  vgl.  altn.  iarpr  (fuscus.)  Cvichelm  auch  sonst 
ags.  name  (chronik  27.  30)  und  die  formen  Wilielm,  Guil- 
lem  sind  verderbt.  Der  als  Vodens  söhn  genannte  Casera, 
Caseras  oder  Casser  ist  der  nemliche,  den  der  ags.  tra- 
vellers  song  als  beherscher  der  Griechen  aufrührt^  z.  39 
Cdsere  veold  Creacum  (herschte  über  die  Griechen)  und 
z.  151  mid  Creaciun  ic  väs  and  mid  Finnum,  and  mid  Crf- 
sere^  se  the  vinburga  geveald  dhte,  violane  (=  velena) 
and  vilna  and  Vala  rices  (ich  war  bei  den  Griechen  und 
wai*  bei  den  Finnen,  und  bei  Cäsere,  der  die  menge  sdiö- 
ner  bürgen,  reichthümer,  was  man  wünschen  mag,  besafs 
imd  Welscliland  beherschle.)  hier  hat  die  sächsische  sage 
aus  dem  lat.  Caesar  einen  Cdsere  gebildet  und  an  einha- 
misclic  kunige  geknüpft,  wobei  die  •  frühverbreitete  meinung 
angeschlagen  werden  mag  von  Vödens  herkunffc  aus  Grie- 
chenland, (s.  96.)  vermutlich  gieng  unter  Sachsen  und 
Angcbi  des  fünften,  sechsten  jh,  vielgestaltige  künde  von  ei- 
nem alten  könige  K^sor. 

OSTSACHSEN,  nach  Florentius :  Woden,  Eaxneia, 
Gesecg^  Antsecgi  Sueppa,  Sigejugel^  Bedca^  Offa^ 
Aescwiniis ,  Sledda^  Seher tus;  statt  Eaxneta  geben  hs». 
das  richtigere  Seaxnete.  nach  Henricus  huntind.  313: 
Saxnat^  Andesc^  Gesac^  Spoewe^  Sigetvlf)  Biedca^  Off(h 
Erclienu>in,  Siede  ^  Sibrict  (al.  Siberct.)  nach  Matth. 
westmonast.  p.  99 :  Erhentvinus  q.  f.  filius  OJfae ,  q.  f» 
Bredecani,  q.  f,  Sigeu>lf  ^  q.  f.  Spetuae^  q.  f,  GesaCy 
q.  f.  Andessc  y  q.  f.  Saxuad,  q.  f.  ff^oden*  nach 
Laughorn;  Saxonefa^  Gesacus  ^  Andescus^  Sueppa^  Si- 
gefugelus,  Bedicanus^  Erce/wAnus.  nach  Alvredus  be- 
verlac:  fVoden ,  Seaxeca.  Gesecg^  Aridseng  ^  Snopp^ 
Sigelugel,  Becta,  Osse ,  Enwine^  Siedda ,  Sabertus.  **) 
Unter  diesen  wird  Acscvine  (oder  Ercenvin)  als  der  erste 
ostsächsische  köaig  angegeben,  Soebert  (Sigeberl)  als  dw 
aum  christenthum  übertretende  im  j,  604  (chron.  ags.  29.^ 
wiederum  ist  der  name  des  sohns  von  Vöden  höchst  roerk- 

*)  Cursor,  minister?  vgl.  |otii.  tiiragjan,  currere,  ood  ia  t^ 
glosäen  trikil,  drikii  ^verna),  vemiutlich  das  alta.  thnel. 

•*)  Otttfrboiirae  liat  ganz  confu«  iiiclite  aU:  ^^oden  geanit  WaUi- 
g^at,  a  quo  regnnt  E>Aexiae  proMpia  tanipait  originen.   Tgl.  Merda. 


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STAMMTAFELN  tu 

vrürdigy  Seaxnedt  ohne  zweifei  der  in  der  abrenuntiations« 
formel  neben  Thunar  und  Wuodan  genannte  Saxnöi, 
was  alid.  Sahsndz,  Sahskindz  lauten  würde.  *)  die  bedeu- 
tnng  von  Gesecg  und  Andsecg  scheint  sich  auf  einander 
zu  beziehen;  Bedeca  vergleicht  sich  dem  ahd.  namen 
Patuhho^  Si>eppa  ist  sächsisch. 

MJvRClA.  ags.  chron.  p.  33.  34:  Penda  väs  Vyb- 
biug.  f^^hba  Crydiug.  Crfda  Cynevakling.  Cynevald 
Cuebbiiig.  Cnebba  Iceiing.  Icel  Eoniffiring.  Eoniaer  An* 
gelthcoviug.  Angeltheo^  üffiug.  Offa  Vwrmunding.  Vcer^ 
trtund  Vihtlägiug.  Vilitläg  Vodeniug.  p.  72  wird  der 
stamm  anders  angehoben  und  auf  Kava  einen  andern  söhn 
des  Vybba  fortgeführt :  OJfa  väs  Dhincfertliing.  Dhinc^ 
fertk  Eanvulling.  Kanvtilf  Osmöding.  Osniöd  Eaving. 
Eat^a  Vybbiog.  yybba  Creoding,  Creoda  Cynevalding 
u.  s.  w.  bis  zu  Vuden  hinauf.  Boi  Florentius  566:  /^"o- 
den,  pf^'ithelgeatas^  JVaga^  IFUitleagus,  iVereman- 
dusy  OJJ'uj  Aiigengeatus  y  Ihmerusy  Icelius^  Cnebba^ 
Cunewaldus ,  Creoda  ü\o  Crida  prhuus  rex  Mercioruni, 
f^f^ibba;  p.  1M2  mit  eiiüger  abweichung:  Penda^  qui  fuit 
IFibbae,  qui  fuit  Ct  Idae ,  cjui  fuit  Cunetpaldi^  qui  fuit 
C/iebbae,  qui  fuit  Jrelii ,  (|ui  fuit  Eonieriy  qui  fuit  Ari- 
gerigeati  ^  qui  fuit  Ojjae^  (|ui  fuit  I  fe.iomundi  l  qui  fuit 
l'V ightle agi  ^  q.  f.  fFagae,  q.  f.  J Futhelgeati ^  q.  f. 
Pl^odenL  im  appeudix  zu  Acunius  bei  Gide  116:  PP^o^ 
den  geuuit  Gitedolgtcit^  genuil  Guea^on,  gen,  Guithlig, 
§cii.  Guerdtiiiifid^  gen.  Ossa^  geu.  Origon,  gen.  Eamer^ 
gea.  Pubba.  ipse  Tubba  Juibuit  IX  fiüos,  quorum  duo 
niiiii  uotiores  sunt,  quam  alii  id  est  Penda  et  Eaua^ 
Üei  Kadulfus  de  Dicolo  p.  446:  OJJa  fuit  filius  Wing- 
ferd,  fiiii  CatiwlJ\  fdii  Osmod^  lilii  Epa^  filii  PVibba^ 
filii  Creadciy  iilii  Cynet^i^ald ,  filii  Cnibba^  fdii  Ycil.  filii 
Cum,  filii  Afigelreu^  filii  O^a^  filii  Tfenniind^  filii  fVtt^ 
1(1  ty  filii  TVodeii.  Bei  Mul'lli.  wcstmon.  p.  142:  erat  enim 
C^ja  filius  Tiiififerthi^  q.  f.  Eadulfl ^  q.  f.  Osulß ^  q.  f. 
i*')ppae^  q.  f.  fVibhae,  q.  f.  Creoddae,  q.  f,  Kinet^oldi^ 
q.  f.  CriM)ae,  q.  f.  A///e/,  q,  f.  Eomeri^  q.  f.  Jngelthean, 
4-  t.  OU'ae,  q.  f.  IVeremundi^  q.  f,  fVithleig,  q.  fc 
fVagou^  q.  f.  Fretfiegeath ,  q.  f.  IVodeni,  Bei  Otter- 
^iouruc  p.  31:  Jf^ude/i  genuit  Feothulgeat^  qui  genuit 
^rt^a,  q.  g.  /Vichebeg^  q.  g.  Vermundumt  q.  g.  O^, 
4;  g.  Eageltheon ,  q.  g.  Edomeruni^  q.  g,  /c^7,  q.  g. 
Cnibbauu  q.  g.  Ky/ien>aldum,   q.  g.  Cridiam^  q.  g.  -o/V- 

0  ^ftl-  g«*tt.  an^.  18^  p.  550, 

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Yjii  STAMMTAFELN 

ham^  (].  g.  Pendant  priDium  regem  Merciorum.  Laoghoni 
sclicint  aus  Florenz  zu  Äcliopfen:  Vitelgeta^  Vdga^  Vii- 
leg  ins,  Veremundus,  Ojfa  al.  UJfa^  Jngongeta^  Eu- 
meriis,  Icelius^  Cr/ebba,  Cunet^aidiis ,  Crida.  er,  Mo- 
reux,  iNIattliaeus  und  Gales  anhang  schalten  zwischen  Vd- 
deu  und  Vihtläg  noch  zwei  namen  ein,  die  bei  Radulf, 
und  in  der  ags.  clm  felilen:  Fithelgeat  (Frelhegeat)  und 
f^aga  (Gueagüu).'  da  Florenz  für  Angeltheov  Angengeat 
setÄt,  könnte  sein  Vilfielgeat  sonst  Vitheltheov  gelautet  ha- 
ben, doch  hat  auch  Gale  Guedolgeat  *) ;  Angen-  (Origon 
bei  Gale  verderbt  aus  Ongon)  ist  untadelhaft,  und  Angen- 
theov  dem  alid.  eigennamen  Angandio  entsprechend,  dem 
altn.  Angantj^r,  das  vielleiclit  aus.  Anganth^  verderbt  wurde, 
vergleichbar,  die  echtags.  form  lautet  Ongentlieou.  Beov. 
;J93l.  4770.  4945.  4967.  vgl.  Incgentheoif  im  trav.  song 
231».  auch  OJJa  (Ossa  blofser  sclu-eibfehler),  ein  im  mer- 
ilschen  stamm  zwehnal  auftretender  name,  kommt  Beor. 
389.1.  3910  vor.  Fi ht lag  scheint  untadelhaft,  Wilh.  mal- 
mesb.  p.  17  gibt  gleichfalls  fVithleglus ,  und  selbst  die 
Icsart  Lridthlig  bei  Gale  bestätigt  das  kurze  ü  oder  e. 
Radulfs  fVitlat  stimmt  aber  zum  altn.  Vigletus  bei  Saxo 
gramm.  59  und  es  ist  überhaupt  von  bedeutung  für  u»- 
aere  Untersuchung,  dafs  sich  die  reihe  Vigletiia^  Ver^ 
mundusy  UJfb^  in  der  dän.  genealogie  (Saxo  grainm.  59- 
65  **)  sichtbar  mit  unsrer  mercischen  begegnet.  Pubba 
bei  Gale,  nach  der  gestalt  des  ags.  V,  leicht  verlesen  für 
Fubba,  Fibba,  =  ahd.  IVippo. 

DEIRA.  im  chron.  ags.  p.  24:  jielle  väs  YfEji§. 
Yffe  Uscfreaing.  Uscfred  Vilgisling.  Vilgisl  Vester- 
falcniqg,  Fester falcna  Saefugling.  Scefugl  Ssebaldmg. 
Sciebald  Sigegedting.  Sigegedt  Svaefdäging.  Svcefdäg 
Sigegdring,  Sige^dr  Yägdäging.  Vägdäg  Vödeningr 
Vdden  Fridhovulfing.  Bei  Florenz  p.  221:  Aella  fiiit 
filius  Iffi,  cujus  pater  JVuscJrea,  cujus  pater  IVilgdmix 
cujus  i)ater  PVestort^ifalena,  c.  p.  Seomelus,  c.  p.  Suearta^ 
c.  p.  Scvpugelus,  c.  [>.  Seabaldus^  c.  p.  Siggeotus,  c  f 
Suehdegus  ^  c,  p.  Siggarus^  c.  p.  fVeadegua^  c.  p.  fVo- 
de/ius ;  und  p.  56§  mit  wenigen  abweichungen :  ff^ode^ 
nus,  fVeagdegiiay  Sfggarus,  Suebdegus  ^  Si^geoius, 
Seabaldus,  Sefugelus,  Sueartlui^  Seomelua,  PFester- 
walcna ,    ff  ilgelsus ,   JVi^scJrea^  Ißus  dux,    Aella  pri- 

•)  darf  mpn  bei  Jedelgedty  P  idIulgeM  an  den  volksaamen  Feder- 
geätas  Beov.  2984.  3224.  4753  dcnkeu? 

••)  die  geuealogiff  runica  bei  Langebek  1,  32  hat  VitkUht  f'f 
mund,  Vffi,  dit- andere  1,  27  Jitlilef  f  armuiid^  IJfi. 


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STAMMTAFELN  ix 

mus  rex  Deiroruni.  Bei  Onerboiime  p.  32:  TV  öden  ge- 
uuit  TVegdam^  q.  g.  Sngegarum^  q.  g.  Sci^ealdegem^ 
q.  g.  Sigegeatf  q.  g.  Etabalem  ^  q.  g.  Stafugel,  q.  g. 
fVesterfalducue,  q.  g.  Wigilis,  qrg.  XJstjrea^  q.  g. 
t^^^  q.  g.  Ella  primum  regem  Siissex.  *)  Bciliangliorn: 
Pegdegus^  Sigarus^  SuebdegitSy  Siggotus,  Sebaldus, 
SeJugeluSy  Suarta,  Somelus ,  f^estrofalenas,  Vilgisi^ 
lua,  BuscreaSy  Iffiusy  jllla.  In  Gales  anhang  mcn^t  sich 
der  demsche  und  wcsUäclisiscIie  slammbanni :  JVoden^ 
Beldeygf  Brond,  Siggar ,  Sibald ,  Zegtiljh,  Soemil, 
Sguertliing ,  Guilglis ,  Ulfrea,  Ifjif  Ulli.  A\ie  in  der 
kentischen  genealogie  \on  pferden,  sind  liier  einige  namen 
von  vögeln  liergenommeu :  Scejugel  und  J^esterfalcna, 
die  in  der  clironik  unmittelbar  aufeinander  folgen,  in  den 
übrigen  recensionen  aber  noch  durch  zwei  glieder  getrennt 
sind,  durch  Sepmel  und  Svearta  (Svearla  und  Seomel.)  ein 
Sigefugel,  (andere  habeu  Sigevulf)  auch  bei  den  Ostsach- 
sen, ich  zweifle,  dal's  Seafola  (Saefugela)  im  travell,  song 
230  hierher  gehören  kann.  Der  myllüsche  Vesterfalcna 
darf  vielleicht  als  alme  der  Westfalen  betrachtet  werden, 
denn  die  alte  form  des  volksnamens  lautete  JVestfalahy 
und  auch  im  westsäclis.  stamm  sehen  wir  einen  held,  nach 
welchem  ein  zweig  des  volks  benannt  wird.  Scefugel 
und  Scebald  führen  die  erste  silbe  gemeinschaftlich.  Si^cef^ 
dä^  erinnert  an  das  altn.  Si^ipdagr,  Saem.  111.  S^ibda-" 
gerus  (Saxo  gramm.  9)  obgleicli  F  und  P  abweichen; 
benierkenswerth  heifst  auch  sein  vorfahre  Vägdäg  und 
der  westsächsische  ahne  Bäldäg.  auf  das  verliUlti^is  des 
Vägdäg  zum  kentischen  Vecta^  komme  ich  hernach  bei 
erläuterung  der  nordischen  genealogie. 

BERJN'ICLV  oder  Northumberland  hat  die  beiden  er- 
sten nachkommen  Vodens  mit  Westsachsen  gemein,  ags. 
chron.  p.  23  zum  j.  547:  her  Ida  feng  tö  rice,  thonon 
Nordhanhymbra  cynecyn  asrost  onvuc.  Ida  väs  Eopping. 
JSoppa  Esing.  JEsa  Inguiug.  Ingui  Angenviting.  ^/z- 
^envit  Alocing.  jiloc  Beonocing.  Beonoc  Branding.  Brand 
Bäldäging.  Bäldäg  Vödening.  Bei  Florenz  218;  läa 
hiit  filius  Eoppae,  qui  fuit  Ingui,  q.  f.  ytngenwit,  q.  f, 
JloCf  cj.  f.  Benoc,  q.  f.  Brandig  q.  f.  Bealdegi ,  q.  f. 
fVodeni.  Vermehrter  und  anders  aber  in  der  prosapia: 
566:  Bealdeagus,  BrandiuSy  Beornus  (verderbt  aus  Be- 
nocus?),    Beorno,  fFegbrandus,  Ingebrandus  ^  j4lu8a, 


*)  auch  einige  andere  nennen  die  deirisclie  genealogie  die  snssexi^ 
sehe;  aber  die  läge  von  Deira  und  Suissex  war  ganz  verijclüeden. 


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?: 


1  STAMMTAFELN 

jingengeat,  Ingengeat  ^  Aeihelbrihtus ,  Oesa^  Eoppa, 
Ida^  priinus  rex  Berniciorum.  Bei  Otterbourne:  tkoaen^ 
Beider,  Brond,  Benoc,  Aloc^  jägmintus^  Inginus^  JEasa, 
Ropa^  Ida,  Bei  LaDghorn:  Beldegus^  Brando ,  Beuo- 
cus,  Beornn^  Vegbrandus  ^  Ingebrandusj  Alocus^  An-- 
gongeta^  Ingongeta^  Aethelbertus  j  üsa,  JEoppa^  Ida. 
Bertranis  ausg.  des  Nennius  lielert  in  einem  anliaug:  //-"^o- 
den  genuit  Be/deg ,  geniilt  [Brand,  genuitj  Beoniec  [ge- 
nuit  Beorno]^  genuit  Gethbro/id,  [genuit  Irtgebrandus], 
genuit  Alusoti,  genuit  Inguet,  genuit  [Ingengeat^  genuit] 
JEkUbrithy  genuit  Oasa,  geuuit  EobbcC,  genuit  Ida.  Unter 
diesen  namcn  scheint  mir  Usa  zusammenliängend  mit  u$, 
►1.  ds  (dcus,  divus),  Ingui  aber  ist  das  alln.  Ingvi  ^  vgl 
ngunar  freyr  und  Beov,  2638  frea  Ingvina,  2081  eodor 
Irigifina* 

\A7:STSACHSEN.  ags.  dnon.  p.  24:  Cerdic  y^ 
Cynrlces  fader.  Cerdic  Elej^iag.  Elesa  Esling.  Esla 
Gevising.  Geris  Viging.  f^ig  Frcavining.  Frediine 
Fridhogaring.  Fridliogdr  Branding.  Brand  Bäldägin^. 
Bälda'g  Vudcniiig ;  nochmals  p.  95  übereinstinunend,  auffcr 
dafs  Fridhugar  und  Brond  gcsclirieben  und  zwischen  Cer- 
dic und  Cynric  noch  Creoda  geschähet  ist.  Glcichlautig 
ist  der  slannnbaum  ift  einem  ags.  bericht,  der  vor  dem  ags. 
Beda  von  1643  p.  5  und  in  Spelmans  vita  Aelfredi  1678 
p.  199  gedruckt  stellt,  nur  dal's  am  letzlern  ort  AVinging 
f.  Wiging  und  in  beiden  der  satz :  Klesa  l^sling,  Esla  Ge- 
vising am  rand,  nicht  im  Icxt  gefunden  ^vird.  Bei  Asse- 
rius :  Cynric,  qni  fuil  Creoda ,  qui  fuit  Cerdic,  qui  ftiit 
Elesa  [qui  fuit  Esla],  qui  fuit  Genfis  (a  quo  Britones  to- 
lam  illcim  gentem  Gegwis  nominant) ,  [qui  fuit  PVig^  qui 
{uix.  Fraeu^ine^  qui  fuit  Ereotliegar],  qui  fuil  Brond, 
qui  fuit  Beide,  qui  fuit  pf^oden,  die  eingeschlofsnen  satM 
scheinen  au«  Horenz  entnonmicn  und  in  der  hs.  mangelnd. 
Bei  Elhelwerd  p.  842;  Cynric,  Cerdic,  Elesa,  Eala.Ge- 
wis,  Wig,  treawine,  t\itliogar,  Brond,  Balder^  /^/"o- 
tJien.  Bei  Florenz  219  :  Cerdicius  qui  fuit  Etlae,  qui  foit 
Geu>isii,  qui  fuit  JVigae,  qui  fuit  Freaauni  ^  qui  foit 
Frethegarii,  qui  fuit  ürandii,  aui  fuit  Bealdigi ,  qai 
fuit  fVodeni.  hinten  p.  566  so:  Bealdeagus,  Brandius, 
Freodegariiis,  Friatvinus,  ff^igga,  Gewisius,  Esla, 
Elisius,  Cerdicius  prunus  rex  Westsaxonum,  Kenricta» 
Bei  Simeon  ■  dunelm.  119:  Cinric,  qui  fuit  Creoda,  q.  t 
Cerdic,  q.  f.  Elesa,  qui  fuit  Gewis,  a  quo  Britoues  totaB 
illam  gentem  Gewis  nomiuant,  q.  f.  Brandy  q.  f.  Beldt, 
qui   fuit    M^oden.      Bei   Guil.   malmesb.   p.   41:     fVodrn, 


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STAMMTAFELN  xi 

Beldegius,  Brond^  Fridegarius^  Freu>inu8^  TVigiui^ 
Giwius,  JBslius^  JElicius,  Cerdicius,  Creodingius^  Cin-'^ 
riciua.  Bei  Elhclredus  rievalL  p.  350:  fi^oaen,  Beal^ 
dägy  Brandy  Freodgai\  Frewine^  IVigf  Geu^is,  Eda,, 
Elesa  f  Ceord/c,  Creoda,  Clienric,  Bei  Ollerbourne  i 
JVoden  y  Bealdeatli^  Brand ^  Twectegar  ^  Frea^inus^ 
TPicva,  Getvisse,  Esla,  Flesa,  Ceredic,  Bei  Laughorn: 
Beldegus,  Brando,  Fredegarus,  FiPinnus,  Vigga^  Ge-^ 
viscus,  Enla-y  F/iaiiis,  Cerdicus.  Iq  dieser  reilie  Avest- 
säclisischer  namen  \or  allen  hervorzuheben  ist  Bäldäg^ 
(ßeldeg,  Beldig,  Asser  mid  die  ihm  folgen  schreiben  Belcle^ 
Ethelwerd  Ba/datr)  Wudens  söhn  ,  sichlb.  der  nord.  Baidur, 
Odins  söhn,  auch  Fredi^ine  gemahnt  an  das  altn.  Freys 
vinr,  noch  mehr  an  Froci^inus  bei  Saxo  gramm.  p.  59. 
60;  F!sla  konnte,  gleich  dem  uorlhumbrischen  Esa,  zu  os, 
ÖS  gerechnet  werden.  Ein  ausgezeichneter  held  und  her- 
echer  mul's  Gewis  gewesen  sein,  nach  dem  der  ganze 
volksstamm  genannt  wurde  ;  das  fülu-t  auch  schon  Beda 
an:  als  er  von  Cynegils  (einem  der  naclifolger  Cerdics) 
redet,  3,  7 :  co  tempore  gens  occidentalium  Saxonum,  quae 
antiquitus  Geuisse  vocabantiu*,  regnante  Cynegilso  fidem 
Christi  suscepit  (im  j.  635.)  ;  und  dann  von  dem  bischof 
Byrinus:  sed  Britanniam  perveniens  ^c  primiim  Gei^isso^ 
Tum  gentem  ingi*ediens^  cum  omnes  ibidem  paganissimos 
inveiiiret  etc, 

LEVDESFARAN.  auf  einer  kleinen  insel  an  der  nor- 
thumbrischen  küste  hatte  sich  ein  besondrer  stamm,  die 
Lindesfaran,  niedergelassen,  siö  liiels  nach  ihnen  l^indes« 
farena  ea  (Beda  3,  17.  4,  12.  chron.  sax.  ad  a.  780.  793), 
6on8t  auch  haiig  ealand,  heute  holy  Island.  Ihre  genealo- 
gie  finde  ich  bei  Florenz  566:  TVoden,  TVinta,  Cretta, 
QuelpgilJ US,  Ceadbed,  Bubba,  Beda^  Eanferthus.  rich- 
tiger gibt  eine  andere  ausgäbe  den  vierten  namen  Queld-^ 
gilsj  den  fünften  Caedbaed,  und  schaltet  hinter  Beda  Bi- 
scop^  hinter  Eanferth  Eatta  und  Ecddfrith  ein.  Bubbas 
naclifolger  luefs  vermutlich  Bedeca  oder  Baduca  (ein 
name  auch  der  osts.  reihe)',  denn  in  Eddii  vita  s.  Wil- 
fridi  cap.  3  (bei  Gale  p.  45)  wird  von  dem  kentischeu  kö- 
nige  Erconbert  (+  664)  gemeldet:  rex  secundum  petitio- 
nem  reginae  ducem  nobilem  et  admirabilis  ingenii  quem« 
dam  Biscop  Baducing  inveniens  ad  sedem  apostolicam 
properantem  ut  in  suo  comitatu  esset  adquisivit.  Biscops 
enkel  Eata  wurde  (nach  Beda  4,  13)  einer  der  ersten 
lindesfarnischen  bischpfe,    aber  schon  der  grofsrater  mufs, 

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XU  STAMMTAFELN 

•wie  der  in  die  sage  eingegangoe  iianie  zeigt,  dadöelbe  geist- 
liche amt  (vielleicht  anderswo)  bekleidet  liaben. 

Bisher  haben  wir  Vödens  descendenz  betrachtet,  bei 
seiner  ascendenz  wird  es  nöthig  sein  wiederum  die  heid- 
nisclien  vorfahren  von  den  seit  der  bekanntschaft  mit  der 
biblischen  geuealogie  hinzugefügten  abzusondern. 

Einigemal  reicht  die  angal)e  nur  zu  vier  ahnen  hin- 
auf, anderemal  zu  acht  und  seclizehn;  es  wird  dann  bei 
Fridhuvulf,  oder  bei  Gedt,  oder  bei  Sceaf  angehalten.  Sceaf 
ist  überhaupt  der  älteste  heidnische  nanie  in  sämtlichen 
ttammbäumcu. 

Vöden 

Fridhuvald 

Freavine  (Frealdf) 

Fridluivulf 

Finn 

Godvulf  (Fülcvald) 

GeiU 

Tc-etva 

Bcav 

Sceldva 

Heremud  (Sceaf) 

Itermon  •  (rierem«ld) 

Hdthra  (Iterniöd) 

Hvala    (Hatlira) 

Bedvig  (Hvala) 

Sceaf.  (Bedvig.) 
Die  Chronik  p.  23  fiüu't  das  northumbrische  geschleckt 
von  Ida  bis  zu  Geat.  hierher  gehören:  V6den  Freodho- 
läfmg.  Freodholdf  Fridhovulfing.  Fridhovulf  Finnin^ 
Finn  fcodvulfing.  Godi^ulf  Gc^ting*  p.  24  im  deirischeo 
Stammbaum  heifst  Vöden  Fridhovulfing.  Genauer  lautet 
die  reihe  p.  95  im  westsächsischen:  Vbden  Fridhuvalding. 
Fridhuvald  Freavining.  Fredvine  Fridhuvulfing.  /V/rf- 
hupulf  Finning.  Finn  Godvulfing.  Godvulf  Gcaliug. 
Gedt  Tastvaing.  Tcetva  Beaving.  Beav  Sceldvaing.  Sceldt*a 
HeremiJding,  Heremdd  Itermoning.  Itennon  Halliraing. 
Hathra  Hvalaing.  Hvala  Bedviging.  Bedvig  Scedßng» 
Nennius  p.  61  leitet  den  kentischen  stamm  bis  zu  Gela: 
f^iioden  filius  Frealof ,  Frealof  ,filius  Fredulf,  Fredulf 
lilius  Finn,  Finn  filius  Foleguald,  Foleguald  filius  Gtla, 
qui  ut  ajunt  fihus  fuit  dei,  non  veri  nee  omnipotentis  da 
sed  alicujus  ex  idoUs  eoriun,  quem  ab  ipso  daemone  coe« 
cati,  more  gentilL,  pro  deo  eoJebant*  Asser  p.  4:  fFodeu 
qui  fuit  Frilhoi^valde^  qui  fuit  Frealaf\  qui  fuil  Friiluk- 


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STAMMTAFELN  im 

widf,  q.  f.  Fingodwiilf,  q.  f.  Geata^  quem  Getam  jam  duduai 
pagani  pro  deo  venerabantur.  qm  Geata  fuit  Ccetva,  q.  f.  Beut^^ 
q.  f.  Svelda^ea^  q.  f.  Heremod ,  qiü  fuit  Itermod^  qui  fiiit 
Hat/t ruj  qui  fiiit  Haala^  qui  fuit  Bed(vig.  Elhelwerdus 
•p.  842 :  PVotheriy  Frithou^ald,  Frealaf,  Frithowlfy  Fin^ 
Godwlfey  Geai ,  Tetwa^  Beo,  Scyld^  See  f.  Florenz  p. 
218  in  der  iiorthumbr.  slaminlafel :  ff^odenus,  qui  fuit 
Frithelasi  (für  Frillielafi),  cjui  fuit  Finnig  qui  fuit  God- 
ulfiy  qui  fuit  Geatae ;  liingegen  p.  294  iu  der  -westsächsi* 
scheu:  ff' öden  US  q.  f.  Fritlieivaldi,  q.  f.  Frealafi,  q,  £, 
Fritheulfh  q.  f-  Finhi^  q.  f.  Godiilß^  q.  f.  Gaetae.  quem 
Getam  jam  dudum  pagani  pro  deo  vetierabantur.  qui  fuit 
Cedtvae  y  q.  f.  Beawae^  q.  f.  Sceldwii,  q.  f.  Heremodt\ 
q.  f.  Iternwdi^  q.  1.  Hathri^  q.  f.  f^fl:tlae,  q.  f.  Bedtvigi. 
Kbenöo  lautet  bei  öimeoii  duuebu.  p,  119  die  "westsächs. 
reibe:  fVoden^  q.  f.  Frithuwald,  q.  f.  trealaf^  q.  f. 
Fridrenwulfy  q.  F.  Geta^  q.  f.  Ceta'a^  q.  f.  Beau^,  q.  f. 
Seldt^i^a^  q.  f.  Heremod^  q.  f.  Itermod,  q,  f.  Hatra^ 
q.  f.  fVala^  q.  f.  Bedii?ig.  Gull,  malmesb.  p.  41:  j^^^o- 
den  ins  fuil  Fridowaldi,  Fridea^a/dus  Frelasii  (al,  Fride- 
lalii),  Frelasius  Finii,  timus  Godvvini,  Godii>inus  Gesii, 
Gesitis  Teclii,  Tectiiis  ReoMiin,  Beotvinus  Sceldii,  Scc/- 
t/ms  Sceaf,  Sceaf  llercmodii,  Heremodins  Slermonii, 
Stermoriius  Hadrao ,  Hadra  Gualae ,  Guala  Bedwegii, 
Bedt-i?egius  Str esaer.  Elbelredus  rievallcns.  p.  351  :  Wo- 
den  q.  f.  Fredeirald ,  q.  f.  FreofoJ  ^  q.  f.  Frederewlf^ 
q.  f.  Fifigonduflf ,  q.  f.  Getu,  q.  f.  Geanva ,  q.  f.  Beu, 
q.  f.  Celdwa,  q.  f.  Heremod,  q.  f.  llernwd^  q.  f.  7/a- 
tlira ,  q.  f.  Wala ,  q.  f.  Beadwig,  Henr.  buntind.  p. 
310  iu  der  kentiscbeu  genealogie  :  VVoden  y  filii  Frealof, 
lilii  Fredulf y  fdii  /Y//,  filii  Fiocu>ald ,  filii  /e/a^  quem 
dixerunt  fdium  dei,  scilicol  ab'cujus  idoli.  Radulfus  in  der 
wcstScHcbsiscbeu  p.  529 :  T roden,  q.  f.  Fredereivald^  q.  f. 
Freolf^  (j.  f,  FredendJ  y  q.  f.  FringohUvlf  ^  q.  f.  GetOy 
q.  f.  Geativiu  q»  f-  ^^'/,  q.  f«  Sce/dwa,  q.  f.  flere/nod^ 
q.  1.  Iternwd^  q.  f.  Bathkay  ({.  f.  IVcdUy  q.  f.  Beadivid* 
Jübannes  Walliugford  p.  535:  Guodden  y  q.  f.  Frühe-- 
wald^  q.  f.  Frealaf.  q.  /.  Frethewlf,  q.  f.  Fitigoldwljy 
q.  f.  Geata^  quem  Geatlam  pagani  janidudum  pro  deo  ve- 
nerabantur, q.  f.  Cetirwcu,  q.  f.  Beau^  q.  f.  Celdewa^  (j. 
f.  Heremod^  q.  f.  Idermod,  (|.  f.  Hathra ,  q.  f.  M^ala, 
q.  f.  Beadmng.  Alberlcus  p.  186 :  fVoden  isle  füll 
filins  Fritliewaldl,  qui  Fi  elasii  y  qui  Finniiy  (pii  Gr>^/- 
pulfi^  qui  Gethiiy  qui  Rutldii,  qui  Bedvii^  qiii  Steldli, 
qui  Sceaf ,    qui  Heremodii ,    qui  Gt^ale^  qui  Bedwegii. 


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xfT  STAMMTAFELN 

qui  Steresii.  Matth.  westmonast,  p.  142  knüpft  die  Tor- 
fahren  Wodens  an  den  mercisclien  stamm:  fVoden  fuit 
filiiis  Fretheivold  ^  q.  f.  Freolaf  ^  q.  f.  Friihewlf  ^  q.  f. 
Godwlf  9  ^.  f.  Getae,  q.  f.  Cetha^ae  ^  q.  f.  Beau,  q. 
f.  Selduae  y  q.  f.  Herenwd^  q.  f.  Itemiody  q.  f.  Äi- 
ihraey  q.  f.  H^aiae,  q.  f.  Bedwi ;  p.  166  aber  an 
den  westöächsisdien :  _fV(>denus  f.  filiiis  Frethewoldy  q. 
f.  Ireolaf ,  q.  f.  FrethwII y  q.  f,  Finnin  q.  f.  GW- 
z«///,  q.  f.  Getapy  q.  f.  TeatJiwii^  q.  f.  BtaUy  q.  f. 
Seldaae^  q.  f.  Seaf  ^  q.  f.  Heremody  q.  f.  Itemiod^  q.  f. 
HathraBy  q.  f.  IVaJae  y  q.  f.  Bedvii.  Otlerbowrne  an 
den  keu tischen:  TVoden^  Frederwald^  Freolfy  Fredwold, 
Fyngoldfveltliy  Geta,  Gelwa,  Beir,  Sceldn^a,  Herecudey 
JEterniode,  j^thray   It^ala^  Bedwic/i. 

In    den    di^ci    ersten    gliedern    auf  Vuden    ergibt  sich 
eine    schwankende    abweichuDg^     die     ich     zur    übersiebt 
aufstelle. 
Chronik  b,  Wessex :  Fridliuvald      Freavinc     Fridhuvulf 
Asser:  Frilhowald      Frealaf        Fritliuwnlf 

Ellielw  erd :  Frilhowald      Frealaf        Frilhowulf 

Elhelred :  Frethewald      Freolof       Frederewlf 

Florenz  b.  Wessex :   Frilhewald      Frealaf        Fritheulf 
Simeon :  Frilhiiwald      Frealaf        Fridrenwald 

Radulf:  Frederewald    Freolf         Fredewif 

Johannes:  Frethewald      Frealaf        Frethewlf 

IVIatlhaeus:  Fredewold       Freolaf       Frithewlf 

tredvine  gründet  sich  also  blofs  auf  die  ags.  chronik,  und 
andere  hss.  geben  auch  da  Frealaiing,  Frealaf.  In  folgen- 
den mangelt  ein  glied: 

Chronik  b.  Northumbr.       Freodholaf         Fridliovulf 
Neunius  Frealof  Fredulf 

Guüelmus  '  Fridewald  Frealaf 

Albericus  Frithewäldus     Frelasiu« 

Ilenricus  Frealof  Fredulf 

Ja  einige  haben  überhaupt  nur  eins  dafür: 

chronik  b.  Deira  Fridhovulf 

Florenz  b.  Norlhumbr.  Frithalaf 

weil  aber  die  bleibenden  nanien  wechseln ,  so  erhellt ,  daf» 
die  westsächs.  gcnealogie  der  chronik  das  richtige  und  voU- 
stäudige  gewährt.  Fiedvine  und  Fredldf  können  for 
identische  namen  gellen,  es  verscldägt  nichts,  dafs  Freavinc 
auch  unter  den  descendenten  des  westsächs.  Stammes  vor- 
kommt, da  sich  einzelne  namen  öfter  wiederholen,  billigt 
man  das  Frithalaf  bei  Florenz,  so  stehen  JFr/rfAovald, 
Frjd/wläfy  FridhosvM  nebeneinander« 


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STAMMTAFELN 


x% 


Man  und  Godvulf  werden  bei  Asser  zusaminenge* 
worfen  in  Fingodwulf,  bei  Ethelred  in  Fin^ondwlf,  bei 
Johannes  in  Fingoldwlf ,  bei  Radiilf  in  Fririgoldwif, 
bei  Simeon  fehlen  beide,  bei  Matlhaens  felilt  tinn,  bei 
ISennius  und  Henric  Godulf.  Nennius  gibt  statt  Godvulf 
FolegualU  (Folcvald),  Henric  Flocwald,  Guilelm  Godpine. 

Gedt  (Geaia,  Geta,  Jeta,  bei  Guilehn  Gesius)  findet  sich 
bei  allen. 

2'ietva,  Tetwa,  Tectius  ersclieint  in  den  formen  Caet- 
wa,  Cetwa,  Ceth-vva,  Cedwa,  Cetirwa,  und  Gelwa,  Geatwa^ 
Gearwa,  Retidius. 

Be(n\  Beaw,  Boau,  Beawa,  Bcu,  Beo,  Beowinus,  Bed* 
vius,  Beir. 

Sceidva^  Scehlwa,  Scyld,  Scehhvius,  Sceldius,  Seldwa, 
Seldua,  Ccldwa,  Cchlewa. 

Heremöd  überall ,  wo  er  vorkommt ,  aber  bei  Ethel« 
werd  fehh  er,  unverändert,  nur  Olterbourne  hat  Herccude. 

Itermon^  Itermod,  Idermod,  Etermode,  Stermon.  felilt 
bei  Ethehvcrd. 

Hatltra,  Hadra,  Hatra,  Alhra,  Hathrus,  Bathka,  fehlt 
bei  Ethelwerd. 

Hi>nla,  lluala,  Wala,  Guala.     fehh  bei  Ethelwerd. 

Bedi^ig y  Bedwig,  Bedwi,  Beadwig,  Bedwigus,  Bed- 
wrgius,  Beiiwing,  Bcdwid.     b.  Eth,  felilend. 

Scedf ,  Sccf,  Seaf  findet  sich  nur  in  der  ags.  chronik, 
bei  Ethelwerd,  Albcricus,  Guil.  malmcfb.  und  Matthaeus 
weslm.,  nicht  bei  den  übrigen,  namenthch  nicht  bei  Asser 
und  Florenz ;  allein  der  bedeutende  unterschied  tritt  ein, 
clafs  ihn  die  chronik  ganz  zuletzt  als  vatcr  des  Bedvig 
aufführt ,  andere  als  vatcr  des  Sceldva ,  und  Heremod  als 
Sceals  vater,  der  in  der  chronik  Sceldvas  vatcr  ist.  kurz, 
diese  schalten  Sceaf  ein  zwischen  Sceldva  und  Heremud, 
und  lassen  ihn  am  schlufs  weg. 

l^nter  den  aufgezählten  namen  sind  nun  einige  höchst 
merkwürdig. 

F'in  wird  im  travcllcrs  song  53  als  herscher  über  die 
Friesen  genannt :  Firi  Fo/cimlding  veold  Fresna  cynne, 
dadurch  bestätigt  sich  des  Ncnnius  angäbe,  dafs  Finns  va- 
ter Folcvald  (oder  Folcvalda)  heifse.  auch  Beov.  2129. 
2155.  2186.  2286  erscheint  Fin ,  wiederum  Folcvaldan 
9unu  2172.  die  kcnlische  gencalogie  halte  den  namen  rich- 
tiger bewahrt,  als  die  übrigen  ;  man  übersehe  dabei  nicht, 
dafs  im  Beov.  gerade  neben  Fin  Mengest  2159.  2186. 
2248  auftritt,  ein  hauptnanie  der  Kenter;  sollten  sie  nicht 
vielmehr  friesische  abkümmlinge  sein  als  jütische? 


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K^i  STAMMTAFELN 

FioBS  grofsvatcr,  Folcvalds  valer,  Gedt ,  wurde  tU 
gott  verehrt ;  daö  sagen  die  meisten  Chronisten  bei  auf- 
reclinimg  dieser  stammbunmc  ausdrücklich,  während  sie 
Vudens  gottlieit  verschweigen,  auch  Geat  findet  sich  Beov. 
3567.  3582,  und  zwar  nicht  im  travellers  song,  aber  ein 
anderes  ags.  lied  (Conybeare  241)  enthalt  die  worte:  Gea- 
tes  frige  vurdon  grundiease*  In  der  ags.  chronik  und  bei 
Etlielwerd  wüJ  der  Vergötterung  nicht  gedacht;  Neuniiu 
und  der  ihn  ausschreibt,  Heuricus  hiinlind.,  bezeichnen  ilin 
als  den  söhn  eines  gottes  :  Gela,  qui,  ut  ajunt,  ßlius  fuil 
dei*),  non  veri,  sed  alicujus  ex  idolis  eorum,  beide  aber 
sclüiel'sen  mit  ilim  die  (kentisclie)  ahnenreihe ,  ohne  seinen 
vater  zu  nennen.  Bei  Asser  und  denen,  die  ihm  folgen, 
namentlicli  Florenz,  Kadulf,  Johannes,  heilst  es  aber  von 
Geta  selbst:  quem  Getam  dudum  pagani  pro  deo  venera- 
bantur,  imd  sie  fügen  darauf  den  namen  seines  vaters 
(Cetwa)  imd  älterer  ahnen  hinzu,  zugleich  wird  sich  von 
ilmen,  unpassend  genug,  auf  eine  stelle  des  Sedulius  (car- 
men  paschale  1,  19.  cd.  Arevali.  Romae  1794  p.  155)  be- 
zogen, wo  von  dem  boatus  ridiculus  Gdtac,  oder  wie  Se- 
dulius in  der  prosa  sagt,  von  eines  ridiculi  Getae  comica 
foeditate,  mithin  einer  in  der  alten  comoedie  auftretenden 
person,  die  rede  isU  Dafs  aber  der  ags,  Gedi  oder  Grt 
von  uralter  zeit  her,  und  lange  vor  der  auswanderun^ 
nach  Britannien,  für  einen  gott  galt,  soll  im  verfolg  eine 
gothischc  slammsage,  die  ihn  vollkommen  richtig  Gaut 
nennt,  beweisen,  ahd.  würde  er  Kdz  oder  G6z  heifsen. 
Im  eddischen  GrimnismiU  (Srem.  47^  vgl.  Sn.  24.  195)  steht 
Gautr  ausdrücklich  als  dw  harne  OdhinS;  den  er  unter  den 
göttern  selbst  fülirt. 

Tastva  scheint  erklärbar  aus  einem  in  der  ags.  spräche 
zwar  verlornen  adj.  ta^l,  das  sich  in  der  ahd.  form  zeii, 
altn.  teilr  erhalten  hat,  und  laetus,  hilaris,  placidus  be- 
deutet. **)  ahd.  ist  Zeiz ,  Zeizo  ,  altn.  Teilr  ein  üblidier 
mannsname,  vorzüglich  hervorzuheben  aber,  dal's  Odbinn  ia 
der  edda  (Saem.  46*)  Herteitr  heifst.  /laetva  könnte  aus- 
drücken: numen  placidum,  benignum,  der  gehiure. 

Die  drei  folgenden  namen,  in  der  Ordnung  Beav^ 
Sceldt^a,  Scedfy  lassen  innigen  Zusammenhang  dieser  ge- 
nealogien  mit  der  alten  Volksdichtung  recht  erkennen.   Swv 


*)  der  söhn  des  gottes  seh  eint  in   den  mythen  oft  mit  dem  gott 
selbst  idefltisch,  vgl.  Tacitus  stelle  über  Tuiico  und  Manous. 

**)  laetu.s  vielleicht  für  daetus  (goth.  taits),   wie  liogo«,  levir,  Im- 
lia  f.  diugua,  devir,  dautia. 


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STAMMTAFELN  xtii 

BeUf  Beo  trt  kein  andrer  als  der  im  ags.  gedieht  von 
ßeovulf  gleich  anfangs  auftretende  ältere  BeopulJ^  der  z, 
37  Scyldes  eafera  (Scylds  abkömmling)  und  z.  16  Scylding 
(Scylds  söhn)  heifst,  aber  von  dem  jungem  Beovulf,  dem 
Ecgtheoving  (z.  524)  oder  Veegmunding,  unterschieden  wer- 
den muTs.  Beo  verhält  sich  zu  Beovulf  "wie  in  andern  fällen  die 
einfache  namensform  zu  der  componierten.  *)  Scyld  (Bcov.  51) 
gemahnt  an  den  mytliischen  König  der  Dänen  SHold  (Saxo 
gramm.  5),  an  den  Sk^iinga  godh  (s.  109),  in  der  edda  er« 
scheint  Sliöldr  als  Odins  söhn  (8n.  146.  193),  von 
ihm  leiten  sich  die  SHölddngar  (8a?m.  114.  115),  ags. 
Scyldingaa  her.  die  schwachformige  endung  -pa  in 
Sceldva  gleicht  dem  Taetva  neben  Teitr  und  Zeiz,  und 
begreift  sich  schon  aus  der  dritten  decL,  welcher  das  altn. 
skiöldr  (gen.  skialdar,  dat.  skildi)  folgt,  was  ein  goth. 
skildus,  gen.  pl.  skildiv^  voraussetzt.  Svyld  heifst  Beov. 
7  ausdrücklich  Sc^fing^  A.  i.  söhn  des  Scedf.  von  Sceaf 
nun  hat  sich  bei  den  ags.  Chronisten  eine  merkwürdige, 
in  die  Wortbedeutung  seines  namens  (sceaf,  ahd.  scoup, 
manipulus,  fasciculus)  eingreifende  Überlieferung  erhalten, 
die  noch  an  alten  wohnplätzen  der  späteren  auswan* 
derer  spielt.  Ethelwerd  ist,  soviel  ich  weifs,  der  älteste, 
der  ihrer  gedenkt,  und  gerade  bei  aufzählung  des  west- 
sächsischen gesclilechts ,  p.  842 :  ipse  Scef  cum  uno  dro- 
mone  advectus  est  in  insula  oceani,  quae  dicitur  Scani,  ar« 
mis  circundatus,  eratque  valde  recens  puer,  et  ab  incolis 
iDius  terrae  ignotus,  attamen  ab  eis  suscipitur  et  ut  fami- 
liärem diligcnti  animo  eum  custodierunt  et  post  in  regem 
eligunt.  einigcrmafsen  abweichend  berichtet  Wilhelm  von 
Malmesbury  p.  41:  iste  (Scedf)  ut  quidam  ferunt^  in 
quamdam  insulam  Germaniae  Scamphtam  (al.  Scandeam), 
de  qua  Jordanes  historiographus  Gothorum  loquitur,  ap- 
ptilsus  navi  sine  remige  puerulus,  posito  ad  caput  frur* 
menti  manipulo^  dormiens,  ideoque  Sceaf  est  nimcupatus, 
et  ab  hominibus  regionis  illius  pro  miraculo  exceptus  et 
sedulo  nutritus  adulta  aetate  regnavit  in  oppido,  quod  tum 
Slaswich ,  nunc  vero  Eitheisi  (al.  Hurthcby)  *)  appellatur ; 
est  autem  regio  illa  Anglia  vetus  dicta,    unde  Angli  vene- 

*)  Wolf  steht  gleichbedentend  mit  Wolfgiin^,  Regia  oder  Regino 
mit  Regiohart,  Dieto  mit  Dietrich,  Linba  mit  Liebgart,  daher  anch  Beo- 
?alf  nnd  Beovine  zusammenfallen. 

**)  I.  Haithahy^  altn.  Heidhahar,  Heidhaboe,  bischofsiti  in  Süd- 
j&iland.  Ethelwerdas  p.  883:  Anglia  vetof  lita  est  inter  Saxones  et 
Giotos,  habens  oppidnm  capitale,  qnod  sermone  satoni<;o  SUswic  nun- 
copatar,  secundnm  ver^  Danot  Haithabf. 

b 

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iviii  STAMMTAFELN 

ruut  in  Britanuiam ,  inter  SaxoDes  el  Giotkos  constituta. 
Fast  mit  denselben  werten  erzählt  Albericiis  und  Mat- 
lliaeud  westm. ;  )ener  hat:  in  Scania  insula,  quac  est  in 
Dunia,  und  liernach:  Sleswyk^  quod  liartcbi  dicilur. 
JMatthaeus:  in  quandani  insulam  Gennaniae,  Scandalin  no- 
mine: liinter  manipulo  hinzufügend:  quem  paUia  liiigu^ 
•eaf  (L  sceaf)  dicimus,  galUce  vcro  garbaoi.  Ein  unbe- 
kannter knabe,  in  Btcucrlosem  schif  *),  auf  einer  garbe 
•chiafend)  landet  in  Angeln,  wird  von  den  einwobnern  ala 
ein  wunder  in  empfang  genommen,  auferzogen  und  zuui 
konig  gesetzt;  er  und  sein  geschlecht  muste  dalier  heiligen 
und  göttlichen  Ursprungs  erscheinen,  diese  sage  wird  ohne 
zweifei  in  dem  dunkeln  eingang  des  Beoviilf  berührt ,  ob- 
gleich die  begebenheil  da  auf  Scyld,  Sceafs  söhn  übertra- 
gen ist;  des  bündeis  kornähreu,  worauf  er  sei  däft.  geschieht, 
wie  bei  Ethelwerd  keine  meidung,  dessen  ^armis  circum- 
datus^  vielmehr  zu  Beov.  72-81,  93-95  stimmt,  der  schwie- 
rige ausdruck  umbon^esende  92  kajm  kaum  etwas  anders 
bezeichnen,  als  was  in  recena  naius  liegt.  **)  der  travel- 
lers  song  64  gibt  einen  Scedja  als  beherscher  der  Lango- 
barden an.  Sagen  von  der  ankauft  fremder,  schlajender 
Iielden  im  schif  müssen  frühe  in  Deutschland  verbreitet 
gewesen  sein  ***). 

Das  göttliche  ansehen  ^  in  dem  Sceaf  und  Scyld  stan- 
den, steigt  aber  noch  dadurch,  dafs  der  eine  oder  der  an- 
dere zugleich  als  söhn  des  Heremodj  zwar  eines  hehlen 
nach  Beov.  1795.  3417,  aber  eines  entschieden  gütllichcn 
Wesens  der  nordischen  mylliologie,  dargestellt  wird.  Her- 
modlir  ist  nach  der  edda  ein  söhn  Odins,  der  ags.  llcre- 
mud  llermons.  llermon  (mit  ?)  erklärt  sicli  aus  einem 
verlornen  ags.  adj.  Jter,  Jtor,  das  gleich  dem  altn.  Itr  prae- 
clarus,  exiinius  ausdrückte,  also:  vir  eximius.  noch  heute 
findet  »ich  in  Westphalen  der  eigenname  Ittermann, 

Auf  llathra  werde  ich  hernach  noch  zurückkommen; 
von  Hvala  und  Bedvig  weifs  ich  nichts  besonderes  zu 
sagen, 

•)  RA.  701. 

**)  der  dem  nom.  gleiche  acc.  sg.  masc.  lafst  sich  Tielleidit  reck- 
fertigeu,  oder  mau  mafn  vetsendüe  emendieren.  die  tod  Kemble  ^ 
253  neumitgetheilte  stelle:  Umbor  ycedJi  ihk  ser  adl  nimedb  bed«otet 
vielleicht:  nova  proles  addit  (rej>tituit),  quos  morbus  aufert. 

•••)  der  scliwanritter  langt  einsam  uud  schlaf entl,  das  haupt  aof  «J- 
nen  schitd  geneigt  <  ui  schiffe  in  Urabaut  an ,  erlöst  dai  laod  uad  wird 
deffseu  btJierscher.  Conrat«  t.  Würzburg  gedieht  z.  116-122.  L«- 
liengrin  s.  19.  Pari.  824,  27-826,  24.  Hier  mdgen  alte  (niokisdte, 
tric^^ische  und  xächsische  ütierüeferaugen  lusammeafliefseu. 


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STAMMTAFELN  ^ix 

Es  idt  übrig  anzugeben,  auf  "welclie  Weise  versucht 
wurde  y  diese  einheimischen  götter  und  beiden  den  ersten, 
in  der  heiligen  schrift  überlieferten  ^  mensch cngeschlechten 
anzureihen. 

Die  ags.  chronik  p,  96  schaltet  in  einem  eingeklam« 
merten,  also  nicht  allen  hss.  eignen  zusatz  hinter  Bedvig 
Sceafing  ein:  id  est  filius  Noe<,  se  vas  geboren  on  ifiacre 
earce  Noe  *),  Lantech,  Matiisalem^  Enofi^  Jared^  Mala- 
lahelf  Cainion^  Enos,  Seth,  Adam  primus  homo  et  pater 
noster,  id  est  Christus,  amen.  Asser  hingegen,  der  kei- 
nen Sceaf  kennt,  gibt  seine  stelle  dem  Sem,  und  liefert 
folgende  anknüpfung:  Bedang,  qni  iuit  Sem^  tjui  fuit 
iVoe,  qui  fuit  Lantech^  qni  fuit  Mathusaleui^  q.  f»  Enocli 
[q.  f.  Jared],  q.  f.  MalaleeL  q,  f.  Cainan  ^  q.  f.  Enos^ 
q.  f.  Sethy  q.  f.  Adam.  Ebenso  Florenz  p.  294,  nur  dals 
hier  hinter  ßedwig  nicht  Sem,  sondern  Seth,  und  spältr 
nochmals  Seth  hinter  Enos  aufgeführt  ist.  Snncon ,  Ethel- 
red,  Matthacus  wie  Asscr.  Eigeuthümlich  Wilehniis  mal- 
mesb*  p.  41 :  Guala  filius  Bedwegii,  Bedwegius  Streftaej\ 
hie  ut  dicitur  fuit  filius  Noae^  und  weiter  wird  nicht  auf- 
gestiegen :  ist  Stresaeus  verderbt  aus  Scefius  ?  Eine  ganz 
andere,  die  ags.  stamme  nicht  berührende  Verbindung  bringt 
Nennius  p.  54  Vor. 

Ich  will  nun  den  gewinn  zusammfenstelleu ,  der  aus 
diesen  gencalogien  für  das  deutsehe  allcrthum  zu  ziehcu  ist. 
götternamen  bieten  sie  aufser  K6den  dar :  Gedt,  ßäldäg, 
Seaxnedt,  Hereniöd,  vielleicht  Teetun,  auf  volksnamen 
bezüglich  sind  Geuis,  Vesterfalcnay  wol  auch  Saxnedt 
selbst,  in  die  heldcnsage  greifen,  so  viel  wir  noch  durch- 
schauen, Scyldy  Scedf  und  Beav ;  manche  Verbindungen 
sind  uns  ohne  zweifei  verloren  gegangen,  aber  der  Zusam- 
menhang mit  dem  Beovulfslicd  und  dem  travellcrs  song 
darf  in  seiner  ganzen  bedeutsamkeit  fnicht  übersehen  wer- 
den, gleich  wichtig  erscheint  die  berülirung  einer  reihe 
des  mercischen  Stamms  mit  den  angaben  des  Saxo  gramm., 
man  konnte  in  einigen  namcn,  wie  sie  nebeneinander  ste- 
hen, Überreste  der  alliteration  spüren,  die  auf  uralte  ge* 
(lichte  zurückwiese,  z.  b.  bei  Hengest  und  Horsa  ^  Scyld 
und  Sceuf,  Finn  und  Fokvald,  Freodhovald  und  Freavine. 

Ein  llieil  der  bis  jetzt  unteisucJiten  sächsischen  stamm- 
sage verbreitete   sich,   wenigstens  jm  dreizehnten  jh. ,    vvo 


')  doch   niriK  mit   bezog  auf  den   im  liteucrlosen   schif  fahrcndfa 
knaben  9 

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w 


STAMMTAFELN 


nicht  früher,  nadi  Scandioavien,  und  zwar  die  reihe  tod 
l'^bden  hinaufsteigend  zu  Bedi^ig^  vielleicht  noch  ein  gUed 
höher,  dann  aber  auch  abwärts  gehend  zu  drei  söhnen 
Vodens  und  deren  nachkommen.  Die  entlelmung  folgt  aus 
den  von  -Snon*i,  im  formAli  seiner  edda,  beibehaltneii  säch- 
sischen foimen,  welchen  er  die  abweichenden  nordischen 
zur  Seite  stellt,  als  vater  Bedvigs  wird  Ceaplieth  (al. 
Sefsmeg,  Sesep,  Sescef)  angenommen,  worin  das  sacbs. 
Scef  stecken  könnte;  dann  heifst  es;  hans  son  Bedvigs 
hans  son  Atra^  ef  ver  kölliun  Annan^  hans  son  Itrniann^ 
hans  son  Heretn6d  (al.  Eremöd),  hans  son  Skialdun^  er 
ver  köUum  Skiöld,  hans  son  Biafy  er  ver  köllum  Biar, 
hans  son  Jaty  hans  son  Gudölfr^  [hans  son  Finnr],  hans 
son  Fiarleif  (al.  Frialafr)  er  ver  köllum  FridliUiff  hann 
^tti  thanu  son  er  nefndr  er  Vödhinn^  lliann  köllum  ver 
Odiünn*    kona  hanns  h^t  Frigidlia,  er  ver  köllum  Frigg^ 

Odhinn,  wird  nun  fortgefahren,  hatte  drei  söhne  V^g- 
degi  Beldeg  und  Sigi^  P^egdeg  (al*  Veggdegg,  Vcgdr^) 
herscht  über  O 8t Sachsen  ^  sein  söhn  hiefs  VitrgiU^  der 
zwei  söhne  hatte,  Ritta  (al.  Picla,  offenbar  Vitta,  Vicu) 
den  vater  Heingests  ^  und  Sigarr  den  vater  St^ebdeggs, 
er  ver  köllum  S^ipdag,  Beldeg ,  er  ver  köllum  Batar^ 
herscht  über  Vestfali  sein  solui  ist  Brandr,  dessen  söhn 
Friod/ugar,  er  ver  köllum  Fröd/ui,  d.  s.  Freoi^it  (al. 
Freovin),  d.  s.  Ypigg ,  d.  s.  Ge^ia^  er  ver  köllum  Gapc 
Sigi  (al.  Siggi)  hat  einen  söhn  namens  Verir  (al.  ßerir), 
von  denen  die  VölsAiigai* ,  das  über  Franken  herschende 
geschlecht,  abstammen. 

Allein  dieser  genealogic  läfst  Snorri  eine  andere,  grie- 
chische namen  einflechtende  vot*ausgehen,  welche  gar  nichts 
mit  den  ags.  angaben  gemein  hat.  Munon  oder  INlennon 
ein  köiüg  in  Troia  zeugt  mit  einer  tochter  des  Priamus 
einen  söhn  Tiror,  thann  köllum  ver  2Vi6r.  dieser  heiratet 
eine  weise  frau,  namens  Sibil  (Sibylla),  er  ver  köllum  Sijj 
ihr  beider  söhn  heifst  Loride,  dessen  söhn  Henrede,  d.  s, 
Vingethör^  d.  s.  Vtngenet  j  d.  s.  MSda^  d.  s.  Magi,  d. 
s.  Cespheth  und  so  verknüpft  der  stamm  sich  jenem  sach- 
sischeu. 

Ahnliche,  noch  mehr  erweiterte  und  jüdische  unter 
griechische  namen  mengende  Stammbäume  sind  in  der  schnft 
frd  Fornjoti  ok  hans  asthiiönnum,  in  dem  sogenanntes 
langfedgatal  (Langebek  1,  2)  und  in  einer  hs.  der  Sverris 
»aga  gleich  eingangs  (heiniskriugla  th.  4)  anzutreffen. 

Fornaldarsögur  2,  13  wird  folgende  liste  aufgestellt: 
Adanif  Seth^  Enos^  Kaynan^  MalaleeU  Phareth,  BnocK 


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STAMMTAFELN  xii 

Mathusalem^  Lamech^  N6if  Japhet,  Japhan,  Zechim^ 
Ciprus^  Cretm  edha  Teliua  (Celius),  Saturnus,  Jupiter, 
JJarius,  Erithonius,  Troea^  IluSy  Lamidon,  Priarnus, 
Miinnon  edha  Memnon,  Trhrr  er  ver  köUum  Th6r^-  L6- 
ritha,  er  ver  kölluin  Hlöridha^  Eredei  er  ver  kölluni 
Eindridha^  Vtngithörr  y  V  in  giner  r ,  Mödhi^  Mdgi  er 
ver  külliim  Magna,  Seseph,  Sedhuis^  Atra^  Trinan^ 
Skialdin  er  ver  küllum  Skiöld^  Beaf  er  ver  kölhmi 
Biar,  Godh6lfry  Burri  er  v.  k.  Finuy  Frialdfr  er  v.  k. 
Borsy  Vodheii  er  v.  k.  Odliinn,  liaim  var  Tyrkja  kon6ngr, 
bans  8on  Skiöldr^  h.  8.  Fridlileifry  h.  8.  Fridhfrhdhiy 
h.  8.  Herleifr^  h.  g.  Hdvardr  und  so  fort  bis  auf  Haraldr 
hinn  lidrfagrL 

Langfedgalal  lautet :  Noa^  Japhet^  Japhans,  Zechirn, 
Ciprus,  Celiusy  Saturnus,  Jupiter,  üarius,  Erichonius^ 
Troes^  Ilus,  Lamedon  ^  Priarnus.  des  Priainus  tocUler 
Troana  wird  vermählt  mit  Memnon,  dessen  söhn  heifst 
Tror,  er  ver  küllum  T7ior,  darauf  folgen  HloridJu\  Ein- 
ridi,  VingetJwrf  Vingener^  Moda^  MagU  Sesief,  Bed- 
uigy  Athra,  Itermann,  Heremotr^  Scea/dna,  Beaf,  Eat^ 
Godulfi,  Finn^  Frealafy  Voden,  tlian  küllum  ver  Oden, 
fra  honum  ero  komnar  He8lar  konunga  ^ttir  i  nordalfuna 
helmsins.  *) 

Das  Verzeichnis  vor  der  Sverrissaga :  Adam ,  Seth, 
Etios^  Kain^  Malaleel,  Pliaret^  Enochy  Matusaleni, 
lAimech^  Noa,  Japliet,  Japhen,  Zethim,  Cltypris,  Chre-- 
lisy  C/ielisy  Saturn,  Jupiter,  Dardany  ErichoniuSy  Ereas, 
llusy  Lamidouy  Priarnus;  Thor,  Jorelr^  Eredeir^  Vin-- 
gitlior,  Vinginery  Modi^  Magni,  Sesep^  Bedpig^  At- 
tras^  Trinam^  Hermodr^  SkioTdr^  Biary  Godoljr^  Finm\ 
Frialafr^  Odin^  Sigi^  Rerer  ^  Volsungr  ^  6igmundr^ 
Sigurdr  fafuiöbaiii. 

Überblicken  wir  diese  nordische  genealogie^  wie  sie 
Suorri  aufstellt,  so  scheint  von  Bedvig  an  ilire  ähnlichkeit 
mit  der  ags,  ascendentenreihe  aufziüiüren.  zwar  in  Sesep^ 
Seskefy  Cesphet/i  müchte  noch  Scedf  (Seaf)  stecken,  ihm 
aber  gehen  andere  in  durchaus  unsächsischer  sprachform 
voraus,  zunächst  einige  in  der  altn.  güttersage  wohlbc- 
grüudete  nameu:  Magni,  M6di^  Vingnir ,  VtngWior^ 
EUnridi^  'Hl6ridi  ^  Thor  ^  lauler  mit  Th6r  y  der  in  den 
ags.  .slanunbäumeu  gän/lich  mangelt,  beschlechtete.  die  art 
und  weise,    >vie  sie   hier   aufgestellt   werden    scheint    nirht 


•)   die  fassung  dieses  «atxe»  stimmt  überein  mit  der  bei  Beda  und 
n  der  Bg9.  chroiiik  Xü,  \S7) 


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XIII  STAMMTAFELN 

uunnM-kwimlig.  ciumaL  ist  Thor,  den  die  uns  überHefertea 
quellen  der  nord.  mylhologie  immer  als  Odins  solin  bc- 
traclilcn.  fiir  dessen  aJinhenn  ausgegeben,  ja  für  einen  durdi 
sechzelui ,  siebzehn  Zwischenglieder  von  ihm  entfernten. 
diese  miltelglieder  selbst  sind  aber  sonderbar  genug  zusam- 
nieiigebracJit.  Hlonidhi  bildet  in  der  edda  einen  bloläen 
bciuainon  Thors,  keine  von  ilun  verschiedne  person.  auch 
Eindridlii  (Eyndridhi)  ist  nichts  als  ein  eddischer  Thors- 
name (Thorlac.  obscrv.  6,  26.)  und  das  gleidie  gilt  von 
Vingthtrr  (Soßm.  48.  80.)  Vtngnir  kommt  sonst  als  be- 
nennung  eines  riesen  vor  (Thorlac.  obs.  6,  25);  M6dhi 
und  Magrii  aber  sind  zwei  söhne  Thors  und  lirüder  (Sn. 
76.^  Ich  will  nicht  behaupten,  dal's  der  Verfasser  des 
Stammbaums  absichtlich  diese  beinamen  und  geschwister  in 
nachkommen  vcrw  andelte  ;  eine  verwirrende  volkstibcrliefe- 
j'uug  selbst  kann  es  ausgerichtet  haben,  ihr  lag  auch  die  an- 
i*eiluuig  an  griccliischc  beiden  und  götler  ganz  nahe,  wie 
man  in  Deutschland  den  Ursprung  der  Franken  und  Sachsen 
aus  trojanischem  und  macedonischem  geschlccht  leitete.  Von 
da  zur  biblischen  gencalogie  ist  freilich  ein  ebenso  gewalt- 
samer Sprung,  wie  von  der  angelsächsischen  zur  biblischen. 

AVichtiger  füf  unsere  betrachtung  ist  der  theii  des  altn. 
slamnibaums,  welcher  mit  dem  ags.  übercintrift  luid  dodi 
von  ihm  in  einzelnheileu  abweicht,  jltra  wird  durch  das 
altn.  Annarr  wiedergegeben ,  genau  betraclitet  miiste  dann 
der  ags.  name  OdJier  lauten,  was  von  dem  Hathra  d«- 
ags.  genealpgie  bedeulend  absteht.  Biaf  oder  Biai>  (Beav) 
ist  von  Biafr,  Bicir  nicht  sehr  fern,  und  kaum  das  altn. 
Barr,  zum  ags.  Idt,  Edt  wird  kein  altn*  name  bemerkt, 
er  wHie  Gautr  oder  lotr  ? 

Der  grofsten  aufmerksaiiüveit  werth  ist  aber  die  ver- 
sclücdnc  darstelliujg  der  nachkommenschaft  Odhins.  wie- 
derum Irelen  (wie  bei  Wilhelm  v.  Älalmcsb.  s.  FV^)  nur 
drei  söhne  auf,  f^egdeg^  Beldeg  uftd  Sigi\  dem  namen 
nach  stimmen  die  beiden  ersten,  nicht  der  dritte  Sigit  der 
ganz  ein  andrer  ist  als  jener  Vihtläg.  die  angäbe  der 
luüdschaften,  über  welcJic  sie  herschen,  mufs  sich  natürlich 
vollkommen  von  dev  dorl  angegebnen  unterscheiden.  Vel- 
deg ,  J^ihlleg  und  Beldeg  waren  ahnherrn  di^r  stamme, 
die  später  in  Kent,  Mercia  und  Wesscx  walteten ;  das  for- 
m;iH  der  edda  scheint  aber  ilue  alten  sitze  zu  bezeichnea, 
die  sie  vor  der  aubwanderung  eingenommen  hatten.  Dem 
stamm  des  Vegdeg  VivvA  Ost  Sachsen^  dem  des  Beldeg /fe«^- 
falc/i,  dem  des  Sigi  Franken  beigelegt.  Wie  bei  den  A.> 
gel^arhsen    von    Aodcn  \"efla^    \  itta  und  Vihtgils   ah??tani- 


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STAMMTAFELN  xxiii 

meu,  werden  auch  liier  dem  Odhinn  die  iiachkommen  /  **g- 
deg^  J^itrgila  und  Victa  (so  dafs  die  beiden  letzten  blols 
ihre  stellen  tausclien)  zugeschrieben;  allein  von  hieran  än- 
dert sich  das  register.  mit  gänzlicher  verschweigung  do« 
Horsa  legt  der  nord.  genealogist  dem  Victa  zwei  sühne  zu. 
Heiligest  und  Sigarr\  jenes  linie  wird  nicht  weiter  fort* 
geführt,  liingegen  von  8igarr  stammt  S^ehdeg  ^  ahn.  6V//i- 
dagr.  dies  greift  nun  sichtbar  ein  in  den  ags.  Stammbaum 
von  Deira,  der  die  folge  Vodeti ,  Kägdäg^  Sigegdr  und 
Svcefdäg  aufslellt.  Wir  lernen  also ,  dafs  der  kentisrlie 
Vecta  und  der  deirische  f^ägdäg  die  uendiche  person 
»ind,  und  die  gcschlcchter  von  Ken!  und  Deira  gemein- 
schaftlichen anfang  haben,  wie  die  von  Bernicia  und  Wessex, 
dafs  folglicii  hicrnarii  nur  von  sechs  sühnen  Vddens,  nicht  von 
.sieben  die  rede  sein  kann.  Im  zweiten  ^tdLOMnyiivA  Beldeg 
ausdi*ückiich  dem  nord.  Baldr  gleichgesetzt;  seine  nach- 
konuneuschaft  ist  noch  fünf  glieder  weiter  verfolgt  luid 
stimmt  zu  den  wessexischen,  m\r  dals  Fieodogar  dem  nord. 
Fr6dlu  entsprechen  soll,  für  yigy  Yvigg  steht,  und  Ge\>is 
altn.  Qaue  lautet.  V  üllig  neu ,  und  den  Angelsachsen  im- 
eihürt  ist  aber  der  drille  stamm ,  der  einen  söhn  Odhins 
Sigi  annimmt,  und  von  diesem  Merir  und  die  Vülsdugar 
abstammen  läl'sl.  als  behorscher  der  Kranken,  das  stimmt 
zu  der  Völsüngasnga  selbst,  ui  deren  eingang  Sigi  ein 
Sühn  Odhins  heilst:  von  ihm  -stammen  Rerir  (al.  licrir, 
Beirir),  Völsüngr^  Sigmund/',  Sigurdlir.  in  diesem  gc- 
schleclit  herschl  das  wort  fiieg  ^  auch  eine  Schwester  8i«g- 
munds  führt  den  namen  Sign^.*)  Vülsi\ngr  hat  die  form 
des  allgemeinen  namens,  und  weist  auf  P'alsi  oder  Pelsi 
hin,  welches  im  T^älse  des  Beovulf  1787  begegnet,  wo 
auch  Sigemund  1743.   1762  gefunden  wird. 

In  dei'  Sverrissaga  findet  sich  dieselbe  forlselzung  des 
Rtamms  bis  auf  Sigurdbr,  im  LangTedgatal  mangelt  sre,  im 
berichl  \on  Fornjot  und  seinem  gescldechl  wird  eine  an- 
dere angeschlossen,  die  den  bcreiu  imtor  Odhins  alinen 
vorkommenden  Sliöldr  wiederum  aU  ^seinen  söhn  setzt 
und  von  ilan  bis  auf  künig  Harahir  her^b  ein  iiovdi>irlie« 
künigsgeschlcclit  ableitet.**) 

•)  In  Sigurd/ir^Sif^ufrid  vermutet  Lachmann  (criiik  -Iwr  M^je 
von  den  >i')eliingcn  p.  22)  eiaej*  golles  heinamcti;  niirli  in  tkf  '.Iftri- 
sdicn  grcnealü;!:ic  wicderliolei»  sirli  <ompo.-.ita  mif  Si{r-.  M«fi  ^j»Irp 
'»ierzu,  was  ich  p.  IH  ül>cr  .'d/toro  und  p.  i)6  über  Wuotan  »N  i^iiU  lU* 
fiif^s  jresa^f  liabc. 

•">  die  f;ewi>lnilirliedänWI»p  j(rncalogiebcj;innt :  Odin,  Sii^di  PrifU 
^f'J\  /'rode,     lVt'aeu.7  »orte»  2TS).     Sulim  crit.  liist.  I,  8:)5 


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)txiv  STAMMTAFELN 

Diese  letztere  aurzeicliuimg  gewährt  auch  in  der  odini- 
•cheu  ascendeuz  einige  nicht  unbeträchtliche  Varianten,  bei 
dem  freindai'ligen  Eredei  wird  ausdrücklich  JBdndridhi 
als  nonl.  namensform  hinzugefügt,  bei  Mdgi  Magni ;  das 
aus  Itrman  verfälschte  Trinan  findet  (sich  hier  wie  in 
der  Sverrissage,  Hermödr  wird  übergangen ,  desgleichen 
E(it^  dagegen  sind  bei  Finu  und  Frialaf  zwei  sonst  in  die- 
sen registern  unerhörte  nebenbenennungen  Burri  und  Bort 
angegeben. 

Nach  so  bedeutender  Verschiedenheit  in  form  und 
Sache  ist  man  schwerlich  berechtigt,  die  nordischen  geschlechts* 
Verzeichnisse  für  immittelbar  entlehnt  aus  den  angelsächsi« 
sehen  anzusehen;  eher  scheint,  dafs  sie  vielleicht  aus  einer 
sächsischen  oder  friesischen  gegend,  etwa  im  10  oder  11 
Jh.,  wo  sie  dort  noch  haften  konnten,  nach  Seandinavien 
übergieiigen.  die  formen  Beldeg,  Vegdeg,  Svebdeg  entfer- 
nen sich,  wiewol  leise,  von  den  strengags.  Bäldag,  Wag- 
däg,  SvnsFdäg;  Atra  von  Hatra,  Skialdun  (Skialdin)  yaa 
Sceldva,  Biaf  von  Beav.  £s  versteht  sich,  dafs  die  ein« 
Schaltung  des  thorischen  geschlechts  von  dem  nordischen 
verzeichner  herrührt 

Doch  selbst  wenn  eine  erborgung  von  den  Angeisadi- 
sen  her,  und  in  späterer  zeit  des  12  oder  13  jh.,  stattüemd, 
ändert  sich  dadurch  wenig  an  dem  innern  werth  dieser 
stammsagen,  die  angelsächsische  aulTassung  allein  ist  hin* 
reichend  uns  ihr  hohes  alter  und  ihren  Zusammenhang  Biit 
der  deutschen  götterlelu*e  zu  verbürgen. 

£s  ist  selu*  zu  beklagen,  dal's  in  dem  innern  Deutsch- 
land solche  Stammbäume,  die  ohne  zweifei  vorhanden  wa- 
ren, der  aufzeichnung  entgangen  sind.  Witekind  von  Cor- 
vei,  oder  sein  Vorgänger  Bovo,  hättea  uns  darüber  die 
unschätzbarsten  nachrichten  sammeln  können,  eine  taM 
in  Sam.  Reyhers  monum.  landgravior.  Thuringiae  (Menken 
2,  829.  830),  welche  den  erdichteten  stamm  eines  sächsi- 
schen königs  Artharicus  auf  Bodo  vel  Voden  herunter» 
führt,  und  dann  Vecta  vel  Vichtus,  Witta  vel  Wittich, 
fVitgistus  vel  Witgislus,  Hengiatua  einschaltet,  ist  au» 
des  Petrus  Albinus  (f  1598)  novae  Saxonum  historiae  pro- 
gymnasmata.  Viteberg.  1585  genommen.  Albinus  aber  bat 
es  geradezu  aus  einem  der  ags.  Chronisten  her« 

Dafür  schlägt  in  unsern  gedichten  des  13  jh.  ein  «ch* 
ter  laut  aus  uralter  stammsage  an.  Nib.  88,  3.  92,  1  ist 
von  Schilbunc  und  Nibelunc  noch  künde,  und  Bit  7821 
heifsen  beide  brüder.  dieser  Scylfing  ^  Scilfing  (gomela 
Scj  und  die  Scylfingaa  erscheinen  Beov.  125.  4406.  4758. 


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STAMMTAFELN  xxv 

4970.  5850.  5931.  nach  der  edda  (Sam.  47^)  war  aber 
Sciljingr  wieder  ein  nebenuame  Odhins,  und  in  den  ge- 
nealogien  des  Hyndluliodli  (Saenu  114*»  115^)  werden 
Shiöldungar  und  Skilftngar  alliterierend  zusammenge- 
stellt. ,  die  vorhin  angeführle  altn.  nachricht  frd  Fornjoti 
(fornald.  sog.  2,  9.)  zälilt  imler  H^dÄn  des  alten  niythi« 
sehen  söhnen  einen  Shelfir  auf  imd  leitet  von  ihm  und 
seinem  söhne  Skiöldr  jene  verwandten  geschlechter  ab; 
that  heilir  Shiljtnga  Rjtt  edha  Shiöldunga  »tt.  hier 
scheint  Skelf  und  SkeJ  verwechselt ;  nach  unsrer  ags. 
Stammtafel,  wie  nach  Beovulf,  ist  Sceldva^  Scyld  söhn  des 
Scedf.  eben  aus  dieser  Verwirrung  ergibt  sich  die  unent- 
lehnte  Verschiedenheit  an  beiden  orten,  und  Schilbunc^ 
ScHfing  müTsen  als  eng  verflochten  in  die  alte  slammsage 
betrachtet  werden,  forum,  sog.  5,  239  wird  Skiöldp  als 
landesgott  der  Schonen  (SkdnCinga  god)  aufgeführt  (vorhin 
s.  XVII.) 

Eine  noch  wichtigere  einsdmmung  bietet  das  gothische 
geschlechtsregister  dar,  welches  Jornandes,  nachdem  er 
eben  gesagt  hat,  die  vorfahren  der  Gothen  seien  Ansea 
gewesen,  mittheilt :  quorum  genealogiam  paucis  percurram^  ut 
quo  quisparente  genitus  est,  aut  unde  origo  accepta^  ubifinem 
efficit,  (?  percipiatur ;)  absque  invidia  qui  legis  vera  dicentem 
ausculta:  horum  ergo  ut  ipsi  suis  fabulia  lerunt^  pri- 
mus  fuit  Gapt^  qui  genuit  Haimal  (al.  humal,  ulmal,  hui-* 
mul);  Haimal  vero  genuit  Augis,  jiugis  genuit  eum,  qui 
dictus  est  jimaluy  a  quo  et  origo  Amalorum  decurrit. 
et  Amala  genuit  Isarnam,  Isarna  autem  g.  Ostrogotham^ 
Ostrogotha  genuit  Unilt  (al.  Huniul),  Unilt  g.  Athal, 
Atlial  g.  Achiulf,  j4chiulf  g.  Ansilam  et  Ediulf  et  Vuld- 
ulf  et  Hermenricli,  Vuldulf  vero  g.  Valeravans ,  Valeror- 
vana  autem  g.  Vinitharium,  f^inithariua  quoque  g.  Theo- 
demir,  et  Valemir  et  Videmir;  Theodemir  g.  Theodericum, 
IVieodericus  g.  Amalasuentham ,  jimalasuentha  g.  Atha- 
laricum  et  Maüiasuentham,  de  Yiderico  (U  Eutliarico)  viro 
suo,  qui  aifinitate  generis  sie  ad  eum  conjunctus  est:  nam 
supradictus  Hennenricua  iilius  Achiulfi  genuit  Hunnimun« 
dum,  Hunnimundus  autem  g.  Thorismimdum ,  Thoria-- 
nuindua  vero  g.  Berimundum,  ßerimundua  g.  Videricum, 
yidericua  g.  Eutliaricum,  qui  conjunctus  Amalasuenthae 
g.  Athalaricum  et  Mathasuentam ,  mortuoque  in  puerilibus 
anuis  Aüialarico  Mathasuenlbae  T^itichia  tstsocialus.  Auch 
hier  sehen  wir  historische  könige  in  beiden  des  mythischen 
Zeitalters  und  götter  übergehen;  unter  allen  ist  es  der  er- 
ste ahne,  sicher   ein   ans ,    der    uusere    aufmerksamkeit    in 


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xxTi  STAMMTAFELN     . 

anspruch  nimmt,  mir  scheint  Gapt  aus  Gaift^  Gaut  *)  v»- 
derbt  dies  zugegeben  ist  Gaut  kein  andrer  als  der  agft. 
Gedt^  auf  dem  in  den  ags.  genealogien  vorzugsweise  imd 
ausdrücklich  der  begrif  der  göttlichkeit  rulit  nacli  der 
edda  (Sjcm.  47**)  war  aber  Gaiitr  ein  blofser  beioame 
Odhins,  und  dieser  kann  als  eine  spätere  wiedererschei- 
nung  des  selben  göttliclicn  wesens  betrachtet  werden. 
Gduta^  Gedty  Gautr^  ahd.  Gdz  ,  steht  demnach  an  der 
spitze  des  in  lied  und  sage  berühmten  geschlechts  der 
jimalunge. 

Die  langobardiscLe ,  im  prolog  der  gesetze  und  bei 
Paulus  Diac.  aufbewahrte  gencah)gie  der  Guninge  oder 
Guginge  lasse  ich  hier  beiscils,  weil  sie  nichts  zur  erläute« 
rung  der  götlersage  an  hand  zu  geben  scheint.  Sie  l>e- 
zeugt  aber,  und  die  fülle  nordischer  gesclilechtsverzetch- 
nissc  in  den  cdden  und  sagen  bestätigt  in  nocli  huherm 
grade,  wie  die  richtimg  der  deulschcn  vüJker  dahingicng, 
die  Stammbäume  ihrer  vorfahren  aufzustellen  und  zu  be- 
wahren. 

Wer  gedächte  hier  nicht  vor  allem  der  bei  Tacilus, 
freilich  nm*  in  dem  leichtesten  umrifs,  erhaltenen,  auf 
deutsche  lieder  gestützten  ältesten  nachricht  von  der  Ger- 
manen abstammung?  celebrant  carmiuibus  antiquis,  quod 
unum  apud  iilos  memoriae  et  annaliiun  genus  est,  7W«üo- 
nem ,  deum  terra  editiun,  et  iilium  Mannuniy  originein 
gentis  conditoresquc.  IVIanno  tres  filios  assignant,  e  qnomm 
nominibus  proximi  oceano  Ingaevones^  medii  Hermimmtf. 
ceteri  lataevonea  vocentur.  quidam  ut  in  liccntia  vetu- 
statisj  plures  deo  ortos  pluresque  gentis  appellationes,  Mar^ 
SOS,  Gambrivios,  Suet^os,  P'andalos  a^rmant.  wie  bei 
den  Angelsachsen  dem  Vuden  bald  drei  **),  bald  sieben 
söhne  zugeschrieben  werden,  tritt  der  gleiche  fall  hier  bei 
des  Mannus  nacldcommenschaft  ein.  das  ist,  wenn  auch 
zwischen  beiden  genealogien  weiter  gar  keine  berühmng 
statt  findet,  auffallend  genug;  man  sieht,  schon  im  erste« 
jh.  waren  mehrfache,  abweichende  recensionen  der  stamfli- 
sage   im  Umlauf  und    zu    des  Römers    ohren  gelangt,     die 

•)  das  gotli.  n  konnte  von  abschreibeni  leicht  durch  ▼  (y)  er- 
setzt und  dieses  mit  p  vertauscht  werden^  gerade  wie  das  a^.  v.  Bit 
p    in   den  Schreibungen  Pubba,  Godpnif. 

'*)  diese  dreizahi  kekrt  in  den  mytlien  überall  wieder:  Noah  hm 
drei  sölme  Sem,  Ham,  Japhet;  Saturn:  Zoiis,  Poseidon,  Piaton;  der 
6C>thiäche  Tar;;itau& :  Loipoxais,  Arpoxais,  Kolaxais;  der  nord.  Dürr: 
Odhhin,  Vill,  Vt?;  Forajotr:  Hlerr,  Logi ,  KÄri;  Amelunc:  Dietber, 
Knnrtch)  Dietmar. 


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STAMMTAFELN.  xxvii 

namen  der  söline  gibt  er  nicht  au;  es  ist  uiclit  gauz  si- 
cher, sie  aus  der  benennuiig  der  entsprossenen  Völker  zu 
folgern.  Plinius  4,  4  nimmt  fünf  germanisclie  liauptstämme 
an :  f^indeli,  Ingaevones^  Istaevones^  Herniiones^  Peu- 
cini;  die  ersten  sind  des  Tacitiis  VandalL  der  Hermi- 
nonen ahne  hiefs  ohne  zwcifcl  Hennin^  d.  i.  Innirif  den 
noch  die  spätere  sage  als  gülllichen  held  kennt;  der  Yan- 
dalen  alme  Vandal^  der  Sueven  Svef^  Sudp^  wobei  man 
sich  des  sächs.  Svosfdäg  und  des  ailn.  Svdjnir  (in  der 
edda  wieder  em  name  Odhins,  Sajm.  47^)  erinnert;  der 
Gambriven  vielleicht  Ganihar,  es  gibt  ein  ahd.  adj.  kam- 
bar (strenuus)  und  in  der  iangob.  sage  erscheint  als  stamm- 
fraii  Gand>ai*a.  einen  eigennamen  Mars^  wenn  er  der  be- 
nennung  des  volks  zum  gi  und  liegen  soll ,  kenne  ich  sonst 
nicht]  Tacitus  muste  ilin  sehi'  annehmlich  finden.  JSuJi  blei- 
ben noch  die  Ingaevones  und  Istaevones  zu  erwägen,  ein 
alid.  mannsname  Ingo^  mit  welchem  auch  lugumar  (frank. 
Hincmar),  IngurAt,  Inguram,  Ingulint,  Inguwin  confponiert 
sind,  wird  früher  gelautet  haben  Ingawo^  Inguio^  weil 
sich  bei  Tacitus  mehrmals  Inguiom^rus  findet,  dazu  stinunt 
das  altn.  Ingvi,  ein  analoges  Isto  y  Istuio  mangelt,  au 
die  endung  -aevo  erinnert  übrigens  Frisaevo,  als  volksname, 
in  einer  Inschrift  bei  Hagenbuch  173.  175,  neben  Frisius 
(daselbst  171.  172,  174.)  Ing\>i  oder  Yngvi  bildet  in  der 
nordischen  mythologic  einen  beinamen  des  Freyr ,  und  das 
compositum  Ingvifreyr,  Ingunarfreyr  scheint  nichts  ver- 
schiednes  zu  bezeichnen,  hierzu  halte  man  auch  codor  Ing- 
vina,  frcä  Ingvina,  Beov.  2081.  2638  vor  allem  deu  Ingvi 
der  bernicischen  genealogie  (oben  p.X);  könnte  noch  zwei- 
fei haften,  dafs  dieser  name  von  der  ältesten  zeit  in  die  ger- 
manische geschlechtssage  gehört,  und  dafs  ilun  etwas  gött- 
liches anliängt?  Istuio  macht  die  gröfste  Schwierigkeit.  cUe 
lesart  Istaevones  möchte  ich  ungern  verdächtigen,  obgleich 
das  schwanken  zwischen  Tuisto  und  Tuisco  fast  dazu  er- 
muntert, läse  man  Iscaevones  und  folgt  daraus  Iscvio,  Isco, 
so  liefse  sich  an  den  nord.  ^slr,  den  erslgeschafnen  men- 
schen ,  oder  an  den  ags.  Oesc  des  kentischen  Stamms  den- 
ken, wo  dieser  nicht  schon  zu  unmythisch  schiene?  wirk- 
lich liest  die  stelle  eines  imbekannten  compUators,  die  ich 
im  cod.  vat.  5001  blatt  140  angetroffen  habe,  SC  nicht 
ST:  tres  fuerunt  fratrcs,  ex  quibus  gentes  Xlll.  primus 
Ermenius.  genuit  Bules .  Oualangutos ,  Guantlalos  ,  Cepi- 
dos,  Saxones.  Ingo  ^ciiuit  Burgtindiones,  Tiiringos,  TiOn- 
gohardos,  Baioeros.  Msiio  fiomnno^,  Brirloiies,  Fraiicos, 
AlamaJinos,     MerkAvdrclii»  Imt  uun  auch  Ncnuius  (ed.  Guun 


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xxviii  STAMMTAFELN 

p.  53.  54)  etwas  sehr  ähnliclies :  priiuus  homo  vemt  ad 
Europam  Aldnu%  cum  tHbus  iiliis  suis,  quorum  nomina 
Hiaiciorif  Armenoriy  Neugio.  Hlsicion  autem  haboit 
filios  quatuor:  Francum,  Romanum,  Alaniannum  et  Broto« 
nem.  Armenon  autem  habuit  filios  quinque:  Gothuni^ 
Valagotlium,  Cibidum,  Burgundum,  Longobardum.  A^«*- 
^o  vero  habuit  tres:  Vandalum,  Saxonem,  Boganum.  Ab 
liiaicione  autem  ortae  sunt  quatuor  gentes:  Franci,  La- 
tini,  Alamanni  et  Brytlones.  ab  Armenione  autem  Gotht, 
Walagothi,  Cibidi,  Burgundi  et  Longobardi.  a  Neiigione 
autem  Bogari,  Wandall,  Saxoncs,  TarincgL  darauf  -wird 
viele  namen  liindurcli,  die  nichts  deutsches  an  sich  trageD, 
des  Alanus  stamm  bis  zu  Adam  fortgeführt.  Gales  au8g. 
des  Nennius  p.  102  liest:  Hisicion ,  Armenon^  Negao. 
dem  letztern  legt  er  vier  söhne  bei:  Wandalus,  Saxo,  Bo- 
garus,  Targus.  Deutlich  ist  Neugio ,  Negno  verderbt  aus 
Mngio ,  Mngtiio ,  Armenon  aus  Ermino ,  lüsicio  spricht 
wieder 'für  Jlisco^  Isco,  aber  dafs  Nennius  imd  das  va« 
tic.  ms.  nicht  aus  einer  quelle  schöpften,  leuchtet  bei  aller 
ähnlichkeit  des  ganzen  aus  der  abweichung  des  elnzelaeB 
ein.  Die  hauptfrage  bleibt,  ob  alle  diese  nachrichteo  aus 
Tacitus  hergenommen,  erweitert^  imd  entstellt  sind  ?  getraut 
man  sich  nicht  das  zu  bejahen,  so  haben  sie,  meiner  mei- 
nung,  einen  aufserordentlichen  werth.  Nennius  soll  in 
hss.  des  zehnten  jh.  vorhanden  sein;  der  vaticanischen  hs. 
alter  habe  ich,  bei  dem  vor  laugen  jähren  gemachten  aus- 
zug ,  unangemerkt  gelassen :  schwerlich  stieg  sie  über  das 
zwölfte  }h.  hinauf,  findet  man  irgend  einen  mittelbaren 
Zusammenhang  zwischen  den  angaben  und  der  stelle  des 
Tacitus  wahrscheinlich,  so  mufs  dafiir  eine  dem  Nennius 
vorausgehende  zeit,  also  eine  ziemlich  frülie  angenommen 
werden. 

Alanus  ist  unbedenklich  und  durch  baare  Verwech- 
selung der  ersten  schriftzüge  entstanden  aus  Manua^  d.h. 
dem  MannuB  des  Tacitus.  dieser  Mannas  steht  an  der 
spitze  des  völkei*stamms  ganz  wie  f^öden  an  der  des  an- 
gelsächsischen. Mannus  bedeutet  in  allen  deutschen  Zun- 
gen homo,  gotli.  man,  mann  und  manna,  ags.  mon,  ahn. 
madhr ,  gen,  manns ;  gleichen  sinn  gewährt  das  abgeleitete 
viannishj  ihennisco^  mensch,  vielleicht:  das  denkende 
Wesen  von  der  wurzel  man,  muniun,  treffende  bezelch- 
nung  goltes  wie  des  golterschafnen  menschen,  und  sicher 
von  hüchslem  alter,  ich  finde  nicht,  dafs  Odhinn  oder  Vö- 
den  nebenher  so  liiefse,  allein  unter  seinen  ahnen  steht 
IternioHy  dessen  erstes  wort  tter,  iir,  blofs  für  ein  erho- 

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ABEEGLAUBB  xxix 

faendes  epitheton  gelten  kann,  homo  praestans,  homiaum 
praestantusimus.  Hiernach  dürfen  die  begriffe  Mannus 
und  ff^iiotan  in  einander  fallen,  ich  stelle  es  als  yer« 
mutung  auf:  in  heidnischen  gesängen  mochte  der  gott  ei- 
nen oder  den  andern  dieser  namen  führen. 

Übrig  bleibt  nun  des  Mannus  eigner  valer,  der  erdgc- 
borne  l^uisco.  wie  wenn  das  wort  gleich  mannisco  gebil- 
det und  verkürzt  aus  tiudisco  wäre  ?  nicht  unähnlich  machte 
die  altfranz.  spräche  Thyois ,  Tyois ,  Tiois  aus  Tydois, 
Thionville  aus  Tliiodonisvilla.  der  gott  hiefse  in  goth.  mund- 
art  Tliiiulisha^  in  hochdeutscher  Diutisco^  der  aus  dem 
\olk  (tluuda,  diot)  selbst  entsprossene.  mitTiutisco  könnte 
der  volksname  Teuto,  Tiuto  (ahd.  Dieto)  nah  verwandt 
sein.  Vorzüglicher  scheint  aber  eine  ganz  'andere,  von 
Lachmann  ausgehende  dcutung:  Tuisco=  TVi^eo,  d.  i.  ge- 
minus,  dlSvfioß^  ahd.  Zui8C0\  so  dafs  an  ein^n  der  Dios- 
kuren  (JtosxovQOi)  imd  die  stelle  des  Tacitus  (oben  s.  39. 
85)  gedacht  werden  dürfte?  Die  form  Tuisto  bietet  sich 
am  wenigsten  zur  erklärung  dar,  wiewol  auch  ableitimgen 
auf  ST,  IST  vorkommen,  den  ags.  Taetva  mit  Teuto  oder 
Tuisto  zu  vergleichen  scliiene  gefährlich,  ohnehin  wird 
steh  nicht  alles  deuten  lassen ,  und  es  reicht  hin  dargethan 
zu  haben,  dafs  in  des  Tacitus  Stammtafel  noch  imver* 
kennbarer  Zusammenhang  mit  den  späteren  Überlieferungen 
durchblickt. 


ABERGLAUBE. 


A.  Aus  einer  predigt  des  heiligen  Eligiua  (geb.  588.  f  659) 
mitgetheilt  in  der  vita  Eligii  von  Audoenus  rotomagen- 
sis  (f  683  oder  689),  abgedruckt  bei  D'achery  spicileg. 
tom.  5.  ed.  paris.  1661  p.  215-219. 

(libr.  2.  cap.  16.)  Ante  omnia  autem  illud  denuntio  atque 
contestor,  ut  nullas  Paganorum  sacrilegas  consuetudines  ob- 
servetis,  oon  cara'ios  (caragios),  non  dipinoSj  non  sortiU'^ 
g08 ,  non  praecantatores ,  nee  pro  uUa  causa  aut  infirmitate 
eos  consulere  vel  interrogare  praesumatis  ,|Jtquia  qui  facit 
hoc  malum  statim  perdit  baptismi  sacramentum.  Similiter 
et  auguria  vel  sternutationes  nolite  observare,  nee  in 
itinere  positi  alicruas  aificulas  cantantes  attendatis,  sed, 
alve  iter  seu  quodcunque  operis  arripiti«,    signate  vos   in 


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ixx  ABBRGLAUBlä 

noQiiiie  Cliristi,  et  syiuboUini,.  et  oratlouem  dominicam 
fide  et  devoliüiie  dicite,  et  nihil  vobis  nocere  potcrit  ini- 
micus.  NuiJus  Clirietianus  obserret,  qiia  die  domnm  exe- 
at,  vcl  qua  die  revertatur,  qiiia  omiies  dies  dcus  fecit ;  nid- 
liis  ad  inchoandum  opu8  diem  vel  lunatn  attcndat ;  nul- 
lus  iu  kal.  Jan.  ncfanda  aiit  ridiculosa,  petu/os  aat  cer- 
vulos ,  aut  jotlicos  (aL  uleriolicos)  faciat,  neque  mens<u 
s'aper  noctcm  componaty  neque  strenas  aut  bibitiones 
superfluas  excrceat.  Nullus  Cbristianus  in  puras  (al.  pj- 
ras)  credatj  neque  in  cantu  sedeat,  quia  opera  diaboiica 
sunt;  nullus  in  fcslivitalc  S.  Joannis  vel  quibuslibet  san- 
clorum  solemnitatibus  solatitia  aut  vallationes  (?  bala* 
tioucs),  vel  saltationes  aut  caraulas  (i.  e.  cUoraulas)  aut 
cantica  diaboiica  excrceat.  nullus  nomina  daemonum^ 
aut  Neptunum^  aut  OrcuiUj  aut  Dianam^  aut  Miner- 
vam^  aut  Geniscum^  aut  celeras  cjusmodi  ineplias  credere 
aut  iuvocarc  praesuniat.  Nullus  dieni  Joi^is  absque  festi- 
vitatibus  sauctis.  nee  in  majo,  ncc  uUo  tempore  in  otio  ob- 
servet,  neque  dies  tiniarum  vel  murorurni,  aut  vel  unum 
omniuo  diim,  nisi  tantiun  dominicuni.  Nullus  Cbristiaaus 
ad  fana,  vel  ad  petras  ^  vel  aH  fo/ites ,  vel  ad  arbores^ 
aut  ad  Cellos  vel  per  tri  via  luniinaria  faciat^  aut  vola  red- 
dcre  praesumat;  nullus  ad  colla  vel  boniinis  vel  cujusli- 
bet  aniinalis  liga?nina  dependcre  praesumat,  etiarosi  a  cle- 
riris  fiant,  et  si  dicatiu*  quod  res  sancta  sit  et  lectioncs  di- 
vinas  coutiueat,  quia.non  est  in  eis  remedium  Cbristi,  sed 
vcneuum  diaboli.  Nullus  praesumat  lastraiiones  facere, 
ncc  herbas  incantare,  neque  pccora  per  cauam  arborem 
\el  per  terra/n  foratam  Iransire,  quia  per  baec  videtur 
diabolo  ea  consecrare.  NuJla  mulier  praesumat  saccino$ 
ad  Collum  dependcre,  nee  in  tela  vcl  in  tinctura  sive  quo- 
libet  opere  Mineri^am  vcl  infaustas  ceteras  personas 
nominare  ;  sed  in  omni  opere  Christi  gratiam  adesse  opt- 
are  et  in  virtute  nominis  ejus  toto  corde  confidere.  Nul- 
lus, si  quando  luna  obscuratur  ^  vociferare  praesumat, 
quia  deo  jubente  certis  temporibus  obscuratur;  nee  luna 
noi^a  quisquam  timeat  aliquid  operis  arripere,  quia  dem 
ad  hoc  lunam  fecit ,  ut  tempora  designet  et  noctiom  tene- 
bras  temperet,  non  ut  alicujus  opus  impediat,  aut  demen- 
tem faciat  liominem,  sicut  stulti  putant,  qiii  a  daemonibus 
invasos  a  luna  pati  arbitrantur.  Nullus  dominos  solem 
aut  lunam  vocet^  neque  per  eos  juret,  quia  creatura  dei 
sunt  et  necessitatibus  hcminum  jussu  dei  inserviimt.  Nul- 
lus sibi  proponat  fatum  vel  fortunam^  ani  genesiu,  quod 
vulgo  nascentia  dicitur,  ut  dicat  äqualem  nascentia  attulil, 


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ABERGLAUBE  xxw 

taliler  erit/  qnla  deiis  omues  homines  vult  salvos  fieri 
et  ad  agnilioneni  veiilads  venire,  praclerea  qiioties  aliqua 
mfirmitas  supervenerit,  non  quaeranliir  praecantatores,  non 
diviiii,  non  sorlilcgi,  uon  caragi,  iiec  per  Fontes  aut  arbo- 
res  vel  bivios  diabolica  pbylacleria  exerceantur.  — 

Ante  omnia  ubicviniqiie  eslis,  sive  in  domo,  sive  in  ili- 
nere,  sive  in  convivio  verba  tiirpia  et  luxuriosa  nolite  ex 
ore  veslro  proferre. —  Ludos  etiam  diabolicos  et  vallatio^ 
nes  (?  ballationes,  i.  e.  saltaliones)  vel  cantica  gentilium 
fieri  vetate,  nidlus  liaec  christianus  exerceat  quia  per 
Jiaec  pagaiius  efficiliu',  nee  eniin  justiun  est  ut  ex  ore  cliri- 
stiano  —  cantica  diabolica  procedant.  —  Niüli  creatiirae 
praeter  Dco  gt  sanclis  ejus  vencralionem  exlubeatis,  Fontes 
vel  arbores,  quos  sacros  vocanty  succidite ;  pedum  simili' 
tudines^  quos  per  biula  ponunt^  ficri  vetate  et  ubi  inve- 
neritis  igni  creniate,  per  nidlam  aliam  artem  salvari  vos . 
credatis,  uisi  per  invocationem  et  crucem  Christi.  Nam 
illud  quäle  est,  quod  si  aibores  illae,  ubi  miseri  homines 
vota  redduut,  ceciderint,  nee  ex  eis  ligna  ad  Focum  sibi  dc- 
fenuit?  Et  videte  quanta  stullitia  est  hominum,  si  arbori 
insensibili  et  mortuae  honorem  impendunt  et  Dei  omnipot. 
praecepta  contemnunt. 

Nullus  se  incbriet,  nuUus  in  convivio  suo  cogat 

aliuin  plus  bibere  quam  oporlet  —  nullus  vel  in  qualibet 
minima  causa  diaboli  sequatiu*  adinventiones ,  nullus  sicut 
dictum  est  observet  egrediena  aut  Ingrediens  domum, 
quid  sibi  occurrat^    vel  si  aliqua  vox  reclamantis  fiat,   aut 

Jualis  au'is  cantus  garriat  vel  quid  eliam  portantem  vi- 
eat,  quia  qui  haec  observat  ex  parte  paganus  dignoscitur. — 
si  tfuos  cognoscilis  vel  occulle  alicpia  pliylacteria  exercere, 
expcdit  ul  nee  cibum  cum  eis  sumatis  neque  uUum  cousor- 
tiuin  apud  eos  habeatis.  — 

Omni  die  dominico  ad  ecclesiam  convenite,  et  ibi  non 
causas,  non  rixas ,  vel  otiosas  Fabulas  agatis  et  lectiones  di- 
vinas  ciun  silentio   auscultate. 

B.  indiculus  super stitionum  et  paganianim  (am  schlufs 
des  capilulare  Karlomanni  von  743  apud  Liptinas  *) 
mitgellieüt.) 

I.  de  sacril^gio  ad  sepulclira  mortuonmi. 

II.  de  sacrilcgio  super  deFnnctos,  id  est  dadsisas. 
ni.  de  spurcalibus  in  Februario. 

rV.  de  casulis  id  est  Fanis. 


*)  Liptintie,  eine  alte  tilia  ve%\n^  spater  Listioes,  io  der  landscimft 
Kemmerich  (Cambresis),  unweit   der  kleinen  stadt  Blnche. 


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XXXII  ABERGLAUBB 

V.  de  sacrilegtis  per  ecclesias. 

VI.  de  sacris  silvarum,  quae  nimidas  vocant. 

VII.  de  his,  quae  faciunt  super  petras. 

VIII.  de  sacris  Mercurii  vel  Jopis. 

IX.  de  sacrißcio,  quod  fit  alicul  sanctonun. 

X.  de  phylacteriis  et  ligaturis. 

XI.  de  fontibus  sacrificionim. 

XII.  de  incantationibus. 

XIII.  de  auguriis  vel  avium  vel  equonun,  vel  boytun  ster* 

core,  vel  stemutatione. 

XIV.  de  dlvinis  vel  sortilegis. 

XV.  de  igne  fricato  de  ligno,  id  est  nodfyr. 

XVI.  de  cerebro  animalium. 

XVII.  de  observatione  pagana  In  foco  vel  in  inchoatione  ret 

alicujus. 
XVin.  de  incertis  locis,  quae  colunt  pro  sacris. 

XIX.  de  petendo  quod  boni  vocant  sanctae  Mariae. 

XX.  de  feriis,  quae  faciunt  Jovi  vel  Mercurio, 

XXI.  de  lunae  defectione,  quod  dicunt  Vincelatta. 

XXII.  de  tempestatibus  et  cornibus  et  codeis. 
XXIII  de  sulcis  circa  villas. 

XXIV.  de  pagano  cursu,  quem  yrias  nominant,  scisais  pan« 

nis  vel  calcels« 

XXV.  de  eo  quod  sibi  sanctos  fingunt  quoslibet  mortuos. 

XXVI.  de  simidacro  de  consparsa  farlna« 

XXVII.  de  simulacris  de  pannis  factis. 

XXVIII.  de  simulacro  quod  per  campos  portant. 

XXIX.  de  ligneis  pedibus  vel  manibus  pagano  ritu. 

XXX.  de  eo,  quod  credunt,  quia  feminae  lunam  commen- 

denty    quod  possint  corda  hominum  toUere  juxta 

paganos. 
Offenbar  nur  die  rubrikcn  der  capitel,  die  den  eigentUdien 
indiculus  bildeten^  dessen  vcrlust  sehr  zu  beklagen  ist.  er 
wurde  gegen  die  mitte  des  8  jh.  unter  deutschredenden  Fran- 
ken aufgezeichnet  9  die  sich  schon  dem  christenthum  erge* 
ben  hatten,  neben  dem  christlichen  aber  auch  noch  heid* 
nischen  cultus  pflagen.  Da  die  bekannte  abrenuntiatio  der 
nemlichen  liptinischen  synode  angefügt  worden  ist,  so  em- 
pfängt man  eine  genauere  Vorstellung  von  dem  dialect  der 
Sprache )  der  hier  zum  grund  liegt.  Sachsen  können  tief 
in  den  Niederlanden,  über  Maas  imd  Sambre  hinauf  nicht 
gesucht  werden,  sondern  nur  Franken,  deren  mundart  da- 
mals weit  mehr  niederdeutsch  als  hochdeutsch  war.  ich 
wage  aber  nicht  zu  bestimmen,  ob  es  salische  Franken 
aind|  oder  aus  Ripuarien  nachgerückte? 


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ABERGLAUBE  xxxiii 

C.     aus  Burchard  von    TVorma   (f  1024)    sainluiig   der 

decrete.  Colon.  1548. 
1,  94.  Interrogatio  42*):  Interrogandum ,  ei  aliquis  sit 
magus,  arioius  aut  incantalor,  divimis  aut  sorlUegus,  vel 
si  aliquis  vota  ad  arbbres  vel  ad  fontes^  vel  ad  lapides 
faciat,  aut  ibi  candelam^  seu  quodlibet  munus  deferat,  ve- 
luti  ibi  quoddam  numen  sit,  quod  bonum  aut  mahim 
possit  luferre.     (wiederholt  10,  32.) 

int.  43:  perscrutandum,  si  aliquis  subulcusvelbubulcus 
sive  venator  vel  ceteri  huju8modirfm6o//ca  carmina  dicat  su- 
per panem,  aut  super  herbas,  aut  super  quaedam  nefaria 
ligamenta,  et  haec  aut  in  arbore  abscondat,  aut  in  bivio, 
aut  io  trivio  projiciat,  ut  sua  animalia  liberet  a  peste  et 
clade,  et  alterius  perdat.     (10,  18  wiederholt.) 

int.. 44:  perquirendum,  si  aliqua  femina  sit,  quae  per 
quaedam  nialeficia  et  incantationes  mentes  hominum  se 
immutare  posse  dicat,  id  est,  ut  de  odio  in  amorem,  aut 
de  amore  in  odium  convertat,  aut  bona  hominum  aut  da- 
mnet  aut  surripiat.  Et  si  aliqua  est,  quae  se  dicat,  cum 
daenionum  turba  in  similitudinem  rnulierum  Irans- 
Jormata  certis  noctibus  equitare  super  quasdam  beslias, 
et  in  eorum  consortio  annumeratam  esse,  (wiederholt  10,  29.) 
int.  50:  est  aliquis,  qui  in  cal.  Jan.  aliquid  fecerat, 
qaod  a  paganis  inpentum  est,  et  dies  observavit  et  lu" 
nam  et  menses ;  et  horum  elFectiva  potentia  aliquid  spe- 
raverat  in  melius  aut  in  deterius  posse  converti.     ' 

int*  51:  est  aliquis,  quodcunque  opus  inclioana  qul 
aliquid  dixerat,  aut  quacunque  magica  arte  aliud  fecit,  nisi 
ut  apostolus  docet  omnia  in  nomine  domini  facienda. 

int.  52:  quaerendum  etiam,  si  mulieres  in  lanificiia 
suis  vel  in  oraiendis  telis  aliquid  dicant  aut  observeut. 

int.  54 :  est  aliquis ,  qui  supra  mortuum  nocturnis 
horis  carmina  diabolica  cantaret,  et  biberet  et  mandu- 
caret  ibi,  quasi  de  ejus  morte  gratularetur ;  et  si  alibi 
mortui  in  vigiiiis  nocturnis  nisi  in  ecclesia  custodiantur. 

10,  1.  ut  episcopi  eorumque  ^minislri  omnibus  viri- 
bus elaborare  studeant,  ut  perniciosam  et  a  diabolo  inven- 
tam  sortilegam  et  maleficam  artem  peuitus  ex  parochiis 
suis  eradicent,  et  si  aliquem  virum  aut  femiuam  hujus- 
cemodi  sceleris  seclatorem  invenerint,  lurpiter  dehonestatum 

de  parochiis  suis  ejiciant Iliud  etiam    non   omitten- 

dum,   quod   quaedam   sceleratae  mulieres  retro  post  Sata- 

*)  diege  und  die    folgenden  interrogationen  eiiid    geschöpft  e  de- 
creto  Eutychiani  papae  (f  283)  cap.  9. 

c 

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XXXIV  ABERGLAUBE 

uam  conversae,  daemonum  iUtisionibns  et  phaBtasmutibti? 
sedut-tae  credunt  8o  et  profitentiir  noctiirnis  horis  com 
Vinna  Paganorum  dea,  vel  cum  Herodiade^  et  innumera 
midtitudine  mulierum  eqiiitare  super  quasdani  beslias,  et 
multa  terrariim  spatia  intempestae  noctis  silentio  perlraiw- 
ire,  ejusqtie  jussionibua  velut  dominac  obedire,  et  certb 
noctlbiis  ad  ejus  servitium  evocari«  sed  u tinain  liae  soXse 
in  perfidia  8ua  pcrissent,  et  non  miütos  8eciim  in  infid«^ 
litatis  interitiiin  perlraxissent.  nam  innumera  mulliludo 
hac  falsa  opinione  decepta  haec  vera  esse  credit,  et  cre- 
dendo  a  recta  fide  deviat  et  in  cnx>re  Paganorum  ir- 
volvitur,  *) 

10,  2.  Pervenil  ad  nos,  quosdam,  qiiod  dici  nefa» 
est ,  arborea  colere  et  multa  alia  contra  cliristianam  fi<iem 
iUicita  perpetrare.  **) 

10,  5.  qui  divinaliones  expetunt  et  niore  gentüjam 
subsequuntur,  aut  in  domos  suas  kujuscemodi  liomines  in- 
troducunt,  exquirendi  aliquid  arte  malefica  aut  expiandi 
causa,  sub  regula  cpiinquennii  jaceant.***) 

10,  6«  si  quis  Paganorum  consuetudinem  sequens  di- 
vinos  et  sortilegos  in  domum  suam  introduxerit,  quasi  Dl 
maliim  foras  mittat^  aut  maleficia  inveniat,  quinque  ao- 
nos  poeniteat.  f) 

10,  8.  qui  augurüs  vel  divin ationibus  inserviunt,  vel 
qui  credit  ut  aliqui  hominum  sint  immissores  tempestit- 
tffm ,  -vel  si  qua  mulier  divinationes  vel  incantatione$ 
diaholicaa  fecerit,  Septem  annos  poeniteat.  ++) 

10,  9.  Auguria  vel  sortes,  quae  dicuntiu*  falsae  san- 
ctorum  vel  divinationes  qui  eas  observaverint,  vel  quani«- 
cunque  scripturarum  vel  votimi  voverint  vel  pcrsolverini 
ad  arborem  vel  ad  lapideni  vel  ad  quamlibet  rem,  excepfo 
ad  ecclesinm,  omnes  cxcommunirenUir.  si  ad  poeuilcutiam 
venerint,  clerici  annos  tres,  laici  annum  unum  et  dimidium 
poeniteant.  'W^) 


•)  wiederholt  p.  194.  195.  die  ganze  stelle  ist  ans  dem  condL 
fnicyiunnin  (zn  Ancyra  in  GalRtien,  vom  j.  314)  und  steht  onrh  W 
Regino  de  disr.  eccl.  2,  364.  wo  aber  die  worte  'vel  cum  Ilerodis^e* 
fehlen;  das  decret.  Gratians  II.  26.  quaest  5,  12.  $.  1  hat  sie  Toif- 
ständig. 

••)  c  registro  Grcgorii  magni. 
•")  e  conc  ancyr.  cnp.  23. 

f)  ex  concilio  Martini  papae  (um  572  in  Spanien)  id  est  es  o 
pit.  Martini  bracarensis  cap.  71.  daraus  auch  dtcr.  Grat.  II.  26.  qoa<v(. 
5,  3.  §.  2. 

++)  c  poenitentiali  romano. 
f  f+)  ebendaher. 


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ABERGLAUBE  xxxv 

10,  10.  ^nmmo  studio  decerlare  debeiU  episcopi  et 
€K)rum  niinistrij  ut  arbores  daemoriibus  vonsecratae^  qiias 
vulgus  colit,  et  in  tanta  veneratione  liabet^  ut  nee  ramum 
t^el  aurculum  audeat  amputare^  radicitus  excidantor  at- 
que  comburantur,  lapides  quoque  qiios  in  ruinosis  lo- 
eis  et  sihestribiis,  daemonum  ludiücationibus  decepti,  ve- 
nerantiu-,  ubi  et  i^ota  voifent  et  dejerunt^  funditus  eflb- 
diantur,  atquc  in  tali  loco  projiciantur,  ubi  nimquam  a 
cultorlbus  suis  vcnerari  possint.  *) 

10,  14.  mulier  si  qua  filiam  suum  ponit  supra  le- 
ctuni,  aut  in  fornacem  pro  sanltate  febrium,  unum  an- 
num  poeniteat.  **) 

10,  15,  non  licet  iniquas  observationes  agere  ca]en- 
daruDi,  et  oliis  vacare,  neque  lauro  aut  \iriditate  arborum 
cingere  domos.     omnis  haec  observalio  Paganorum  est.  ****) 

10,  16.  si  quis  calendas  jauuarias  ritu  Paganoimm 
colere,  vel  aliquid  plus  novi  facere  propter  iiovum  annum, 
aut  jnensas  cum  lapidibua  vel  eptdis  in  domibus  suis 
praepaj'are,  et  per  vicos  et  platcas  cantatores  et  clioros 
ducere  praesumpsetit,  anatbema  sit.  f ) 

10,  31.  quicunque  nocturna  aacrificia  daemonum 
celebraverint,  vel  incantationibus  daemones  quacunque  arte 
ad  sua  vola  invitaverint,  tres  annos  poeniteant  f+) 

10,  34.  laici,  qui  excubias  funeris  observant,  cum 
timore  et  treinore  et  reverentia  hoc  faciant.  nuUus  ibi 
praesiunat  diabolica  carmina  cantare,  non  joca  et  salta- 
tiones  facere,  quaePagani  diabolo  docente  adinvenerunt.  +ft) 

aus  19,  5.  sind  alle  folgenden  nach  der  Seitenzahl  an- 
geführten fälle,  ffft).  pag.  193*»:  si  observasti  traditiones 
Faganorum,  quas    quasi  hereditario   jure    diabolo  submini« 


*)  e  concilio  DAimetensi  (zu  Nantes,  im  j.  895)  cap.  8. 
**)  e  poeoiteutiali  Bedae^;  im  poeiiitentiale  Ecgberti  eboracens!«  1, 
33  (a.  748)   bei    Mausi    12,   439.  475:    si   niulier  filiaoi    suam  super 
domum  vel  fornacem  collocet,  ideo  ut  febrim  ejus  curare  Teilt. 
^  •••)  e  decreto  Martiani  papae. 

f )  e  decreto  Zacfiariae  papae  cap.  II. 
«H")  e  poenitentiaii  romano. 

f ff)  e  concilio  arelatensi  (Arles,  von  welchem  jähr?)  can.  3. 
ff  ff)  woher  schöptt  Burcliard  dies  grofse,  von  p.  188d  bis  2ülb  rei- 
chende capitel  19,  5?  19,  4  ist  angeblich  aus  dem  poenitentiaii  ro- 
mano, 19,  6  ex  poenitentiaii  Theodori.  die  deutschen  ausdrmke  holda 
194»,  werwolf  198«,  belisa  201b  machen  ginnben,  dafs  Burcliard  hier 
vorzugsweise,  was  ihm  von  deutschen  superstitionen  beltannt  war,  zu- 
sammenstellte, obgleich  er  aucli  oiaaclies  aus  andern  samlungen  hin- 
zufügte. 


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xtxri  ABBRiGLACim 

»Irante  uftqu»  iu  li09  dies  semper  patres  filiis  reKqti^-aiit 
id  est»  ut  elemenla  coleres^  id  est  hitiam  aiit  solcm»  am 
stellanim  cursum ,  tfovam  lunam  airt  defectum  lanae ,  nt 
tuis  clamoribua  aut  auxUio  splendoreni  ejus  restaurare 
valeres^  aut  illa  elementa  tibi  sticcurrcre  aut  tu  illi5  po»- 
ses;  aut  noifiun  lunani  öbservasti  pro  domo  facienda  am 
coniugiis  sociaudis« 

pag.  193<^:  öbservasti  caletidas  januarias  ritu  Pagam^ 
rnni,  ut  vel  aliquid  plus  faceres  propter  uovian  aa- 
nuin,  quam  antea  vel  post  öoleres  facere,  ita  dico,  ut  aot 
nienaam  tuam  cum  lapiäibtis  vel  euulis  in  ciotno  Uia 
praeparares  eo  tempore,  äut  per  uicoe  et  plateas  can- 
iores  et  choros  duceree ,  aut  snpra  tectam  domus  tnae 
aederea  ense  tuo  circuniaignntu»^  ut  ibi  vidercs  et  intri- 
ligereSy  cpiid  tibi  in  sequenli  anno  futurum  esset,  vel  in 
bivio  sedisti  eupra  tiiurinam  entern  y  ut  et  ibi  fufun 
tibi  Inteliigeres,  vel  si  partes  praedicta  nocte  co^^/er«  fecisti 
tuo  nomine :  ut  si  bene  elevarentur^  et  spissi  et  alti  fierest. 
inde  prosperitalcm  tuae  vitae  eo  aono  praevideres. 

pag  193^:  interfuisti  aut  cousensisti  vanitatibus,  qmis 
mulieres  exercent  io  suis  Uun/iciis  ^  in  suis  ielis;  quac 
cum  ordiuntur  telas  suas  sperant  se  utrtunqiie  posse  h' 
cere  cum  incantationibus  et  cum  aggressu  iilanmi,  ut  et 
fila  staminis  et  subtegminis  in  invicem  ita  commiscean- 
tiir  ut,  nisi  bis  iterum  aliis  diaboii  incantationibus  e  cos- 
tra  subveniant,  tolum  pereat« 

venisti  ad  aliquem  locum  ad  oraiidum  '  nisi  ad  ecde« 
siam, .  .  . .  id  est  vel  ad  Jontes,  vel  ad  lapides,  vel  ad  ar- 
bores ,  vel  ad  bipia ,  et  ibi  aut  candelatn ,  aut  Jaculam 
pro  veneratione  loci  incendistiy  aut  pancm^  aut  aliquam 
oblationem  illuc  detulisti,  aut  ibi  comedisti,  aut  aliqnam 
salutem  corporis  aut  animae  ibi  rcquisisti. 

pag.  194*:  credidisti  unquam  vel  parliceps  fuisti  3- 
lius  perfidiae,  ut  incantatores,  et  qiü  se  dicunt  tenipesta- 
tum  immissores  esse,  possent  per  incantationem  daemo- 
uum  aut  tempestates  commovere  aut  mentes  hominum 
mutare. 

credidisti  ut  aliqua  femina  Sit,  quae  hoc  facere  posnl» 
quod  quaedam  a  dia!bolo  deceptae  se  afBrmant  necessario 
et  ex  praecepto  facere  debere,  id  est  cum  daemonum  tiirbn 
in  slmilitudioem  mulierum  transformala ,  quam  vulgaris 
stultitia  Holdam  (al.  unholdani)  vocat,  certis  noctibas 
eqnitare  debete  super  quasdum  bestiasj  et  in  eonim  te 
consortio  annumeratam  esse. 

pag,  195*^:  fecisti  phjlacteria  diabolica  vel  characfer« 


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ABßaGLAüBE  xxxui 

fÜabolicod,  quos  quidam  diabolo  euadeulc  facero  solcnt, 
vel  herbas  vel  su-ccirioß  vel  qiüntan^  J eriam  in  honorefn 
Joifh  Jiüiiorafili, 

comedisti  aliquid  de  idolotliito,  i.  de  oblationibus^ 
(|uae  iu  quibusdaiii  locis  ad  aepulchfa  mortuorian  fiuui, 
vel  ad  fonteSf  aut  ad  arbores,  aut  ad  lapidesy  aiit  ad 
bii^ia,  aut  comportasti  in  aggerein  lapiäes,  aut  capitiu 
ligaUtraa  ad  cruces,  quae  in  blviis  pouuiilur. 

pag.  195c ;  misisli  filiuiij  tuiuu  vel  fdiam  super  tecturn 
aut  super  fornacem  pro  aliqua  ftaiiilate,  vel  incencliati 
granuy  \\h\  morluus  Uomo  erat,  vel  cingulum  mortui 
pro  danmu  alicujus  in  nodos  colll^dstiy  vel  pecli/ie-^^ 
quibii5  nmlierculae  laaam  discerpere  soleut,  gupra  fuiius 
complosisti^  vel  quando  elTerebalur  fuuus  a  domo  plan* 
strufn  in  duo  dividisti  et  fuuus  per  medium  dit^i^io^ 
neni  planst ri  asportare  fecisti, 

fecisti  iUas  vauitates  aut  couaeuaisü ,  quad  atuhae  mu- 
Ueres  facere  solent^dum  cadaver  mortui  liominis  adliuc  in 
domo  jacet^  curruut  ad  aquam,  et  adducunt  tacile  vas 
cum  aqua ,  et  cum  sublevatur  corpus  mortui ,  eandein 
aquam  fundunt  sublus  Jeretrum;  et  lioc  observant  dum 
extra  domum  asportatur  funus,  (ut)  non  altiua  quam  ad 
genau  elevetur^  et  hoo  faciunt  pro  quadaoi  sauilate/ 

fecisti  aut  consensisti ,  quod  quidam  faolunt  homini 
occiso  .cum  sepelitur.  dant  ei  in  manum  unguentum 
quoddum,  quasi  illo  uagueuto  post  mortem  vulnus  saiiari 
podsit,  et  sie  cum  unguento  scpeliunt. 

pag.  195<^:  fecisti  quod  plures  faciunt:  soopant  looum, 
ttbi  facere  solent  ignem  in  domo  sua^  et  mittunt  grana 
hordei  Iqco  adhuc  calido,  et  ei  esalierint  grana,  periculo- 
•um  erit,  si  autem  ibi  permanserint,  bonum  erit. 

feoisti  quod  quidam  faciunt,  dum  vlsitant  aliquem 
infirm  um,  cum  appropinquaverinl  domui^  ubi  infirmus  de-^ 
cumbit,  si  invenerint  aliquem  lapidem  juxta  iacentem,  re- 
ifoli^unt  lapidem  f  et  requirunl  in  loco  ubi  Jacebat  lapis, 
si  ibi  ait  aliquid  subius  quod  uiuat,  et  si  invenerint  ibi 
lumbricum,  aut  muscam,  aut  formioam.  aut  aliqvud  quod  se 
laoveat,  tunc  affirmant  aegrotum  oonvalescere«  si  autem 
nibU  ibi  invenerint  quod  S6  moveat,  dicunt  esse  moriturum. 

fecisti  pueriles  arcus  parvulos  et  puerorum  guturalia^ 
et  proiecisti  sive  in  cellariuni  sive  in  horreum  tuiim ,  ut 
MOtyri  vel  pilosi  cum  eis  ibi  jacarentur^  ut  tibi  aliorum 
bona  comportarent  et  inde  ditior  fieres. 

fecisti  quod  quidam  faciunt  in  oalendis  Januarii ,  i.  e. 
in    octava   natalis   dooiini«      qui    ea   saucta    nocte    filant, 


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xxxviii  ABBaGLAUBE 

neiity  tonsuu/it,  et  omne  opus  quodcunquc  inc^pere  possunt, 
didbolu  Lüsligaute  propter  noifum  annum  iocipiunt. 

pug.  198«^:  crediditjti  quod  quidani  crodcre  soleot 
dum  iter  aliquod  faciuut,  si  cornicula  ex  sinhtra  eorum 
4/i  dexteram  Ulis  cantaperitj  inde  se  sperant  habere 
pro8penim  iler.  et  dum  auxli  fuerint  hospAii,  si  tunc  a\TS 
illa,  quae  niurioepa  vocatur,  eo  quod  uiures  caplat  et  inde 
pascalur  uouunata,  viam  per  quam  vadunt  ante  se  Irans- 
volaverity  so  Uli  augurio  et  omlnl  niagU  commitlant 
quam  deo. 

credidlsti  cjuod  quidam  credei^  soleut ,  dum  necesse 
liubeul  ante  lucem  alioi^um  exire,  non  audcut^  diceates 
quod  posterum  sit,  et  ante  galli  cantum  egredi  noa 
liceat^  et  penculosum  sit,  eo  quod  inunundi  Spiritus  ante 
galUciniuiu  plus  ad  uoceudum  potestatis  habcaut,  quam 
posl ,  et  gallud  8U0  cantu  plus  valeat  eos  repellei'e  et  se- 
dare,  quam  illa  diviua  mens,  quae  est  in  lionune  sua  £de 
et  crucis  siguaculo. 

credidisli  quod  quidam  oredere  solent,  ut  illae^  quae  a 
\ulgo  Parcae  vocanlur,  ipsae  vel  sint  vel  possiut  hoc  £»- 
cere  quod  creduutur,  id  est  dum  aliquis  homo  uascitur, 
et  tuuc  valeant  iUuiu  designare  ad  hoc  quod  vcUut,  ut 
quaudoc(uique  homo  iile  voluerit,  in  lupum  transformari 
possit,  quod  vulgai'18  sliütilia  werwolf  vocat,  aut  14  aliam 
aliquam  figuram, 

pag.  198^:  credidisti  quod  quidam  crcdere  solent, 
quod  sint  agrestes  feminaey  quas  silvaticas  vocant,  quas 
dicunt  esse  corpoi^as,  et  quando  voluerint  ostendant  m 
suis  amaloribus,  et  cum  eis  dicunt  se  ohlectasse^  et  ileai 
quando  voluerint  abscondant  se  et  evanescant. 

fboisti  ut  quaedam  mulieres  in  qiübusdam  tempoHbos 
anni  facere  solent,  ut  in  domo  tua  Tnensam  praeparares 
et  tuos  cibos  et  potum  cum  tribus  cultellis  supra  men- 
sam  poneres,  ut  ai  venissent  tres  illae  sororesj  quas  an- 
liqua  poslerltas  et  antiqua  stultitia  Parcas  nominavit,  ibi 
reiicereutur.  et  tiüisti  divinae  pletati  potestatem  suam  et 
nomen  suum,  et  diabolo  tradidisti,  ita  dico,  ut  orederes  il* 
las  quas  tu  diois  esse  sorores  tibi  posse  aut  hie  aut  in  fci- 
turo  prodesse. 

pag.  199^:  fecisti  quod  quaedam  midieres  facere  84H 
lent  et  firmiter  credunt,  i(a  dico,  ut  si  vicinus  ejus  lade 
vel  apibus  abundaret,  omnem  abundantiam  lactis  et  mellts, 
quam  suus  vicinus  ante  se  habere  visus  est,  ad  se  et  sua 
aiilmali«^  vel  ad  quos  voluerint,  a   diabolo  adjutae  suis  hr 


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ABERGLAUBE 


.  xxxu 


sciualiotiibuö    et    iacantaüonibus    se    possQ  convertere   cre« 
daiil. 

credidisti  qiiod  quaedain  credere  soleöt;.  ut  quamciiu« 
que  domutn  intraverinl,  pidlos  aucaruiii^  pavoiiiun,  galllna- 
riim,  etiaiu  porcellos  et  alioriiin  anitnalium  foetus  verbo 
vel  visu  \el  auditu  objascinare  et  perdere  posse  affirmeut. 

credidisli  quod  niullae  mulieres  reU*o  oatauani  convei'- 
sae  creduut  et  afBnnaut  veriuu  esse,  ut  credas  in  quietae 
uoclls  öilealio  cum  le  collocaveris  iu  lecto  tuo,  et  marito 
Uio  iu  8U1U  tuo  jaceule,  te,  dum  coiporea  sis,  januis  clau- 
i>is  exire  posse,  et  terraium  spatia  cum  aliia  sijuili  en ore, 
ileceplis  pertrausire  valere,  et  homlncs  baptizatos  et  Ciuisii 
saiiguiiic  redemlos,  siue  anuis  yisibilibus  et  mlerficere  et 
de  coclis  carnibus  eoruni  vos  comedcie,  et  in  loco  cordis 
eorum  slramen  aut  llgnutn  aut  aliquod  hujusmodi  ponere, 
el  comeslis,  iterum  \ivos  facere  et  iiiduciaa  vivendi  daie. 

pag,  200^;  credidisti  quod  quaedam  mulieres  credere 
soleut,  ut  tu  cum  aliis  diaboli  membris  in  uuietae  noctis 
sileutio  clausis  januis  in-  aerern  usque  ad  nuues  sublei^e- 
ris,  et  ibi  cum  aliis  pagnes^  et  ut  vulneres  alias,  et  tu 
vuluera  ab  eis  accipias, 

fecisti  quod  quaedam  mulieres  facere  solenl,  proster- 
uunl  &e  in  laciem,  et  discooperlis  nalibus  jubent,  ut  supra 
uudasi  iiales  couficialtu^  patiis ,  el  eo  decocto  Iradunt  ma- 
ritis  suis  ad  comedeudum.  hoc  ideu  faciunt,  ut  plus  ex- 
ardeöcaut  in  amorcm  iUurum. 

posuisti  ififanteni  tuutn  juxla  ignem^  et*  alius  cal- 
dai'iain  siq)ra  ignem  cum  aqua  misit,  et  ebiülila  aqua  »u- 
perfusuö  est  infans  el  morluus.     (wiederholt  19,  149.) 

fecisli  quod  quaedam  mulieres  facere  solent  diabolicis 
atUmplclae  disciplinis:  quae  observant  vesligia  et  inda- 
gincs  Cliristianoriun ,  et  i  oll  u/U  de  eonim  vestigio  ce- 
spitetu^  et  ilhim  observant,  et  inde  speraut  sanilatem  aut 
vitam  corimi  auferre. 

pag.  200^:  fecisli  quod  quaedam  nuilicres  facere  so- 
lent: tolUmt  tesLam  hominis  et  igni  coniburunt  ^  et  ci- 
nerem  danl   viris  suis  ad  bibcruhnn  pro  sauitale. 

fecisti  quod  quaedam  muliei'cs  i'acere  solent,  illae  dico, 
quae  habeht  vagienlcs  infantes  ,  effodiiint  terram  el  ex 
parle  pertuaatit  cam ,  et  per  illud  foramen  pertrahunt 
infantems  et  sie   dicuut   vagienlis  iufanlis  cessare  vagiUmi. 

fecisli  quod  quaedam  mulieres  iusliuctu  diaboli  facere 
aolent.  cum  aliquis  iufaus  sine  baplismo  mortuiis  fuerit, 
loUunt  cadaver  parvuli ,  el  ponunt  in  aliquo  «ecreto  loco, 
et  palo  corpusculum   ejus  Liarisfi^unl.     dicenlc»    si   »ic 


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XL  ABERGLAUBE 

rioii  fecisseDt,    quod  iufaiitulus  surgevet    et  multos  laedeM 

p.  200^:  mun  alH|ua  feinina  parere  debet ,"  el  dod  po- 
tesl,  iu  ipso  dolore  si  nioile  obierit,  in  ipso  sepulcfaro  ma- 
trcm  cum  infante  palo  in  terram  transjigunt, 

p.  200^ :  cum  in  Fans  noviter  natus  est,  et  statim  bap- 
tizatus,  et  sie  mortuu»  fuerit,  dum  sepeliuat  eum,  in  dex- 
teram  manum  ponuiit  ei  pateram  ceream  cum  oblata, 
et  in  sinistram  manum  calicem  cum  vino  similiier  cer^um 
ponunl  ^i,  et  sie  eum  sepelitmt. 

pag.  201":  fecisti  quod  quaedam  mulieres  facere  so- 
lenl,  deponunt  vestimenta  sua  et  totum  corpus  nudum 
me/le  inßngunt^  et  sie  niellLto  suo  corpoi^e  supra  tritt- 
c(un  in  quodam  liutco  in  len^a  deposilo  sese  liac  atque 
illac  saepiua  rei^olpunt,  et  cuncta  tritici  grana,  cpiae  humido 
curpori  adliaerent,  cautissinie  colliguut  e^  in  niolain  mit- 
tuul,  et  reti'orsum  coulra  solem  molam  rircuire  facinnt,  el 
sie  in  farinam  redigunt,  et  de  illa  farina  panem  conficiuDt, 
et  sie  mariiis  suis  ad  comedendum  tradunt,  ut  comesto 
pane  marcescanl  et  deficiant. 

pag.  201**:  fecisli  quod  quaedam  mulieres  facere  80- 
lent,  dum  pluviain  non  habent  et  ea  indigent,  tunc  plu- 
res  puellas  congregant,  et  unam  parvtifam  puellam  quasi 
ducem  sibi  praeponunt,  et  eandem  denudant,  et  extra  vfl- 
lani,  ubi  berbam  iusquiamum  Qiyoscyamum)  inveniunt,  qnac 
teutonice  belisa  vocatur,  sie  nuaatam  deducunt,  el  eandem  her- 
bam  eandem  virginem  sie  nudam  mzwimo  digito  dextrae  ma^ 
nu9  eruere  faciunt,  et  radicitus  erutam  cum  ligamine  ali- 
quo  ad  minimuni  digitum  dextri  pedis  ligare  faciunt 
et  Singular  puellae  singulas  virgas  iu  manibus  habentes  su- 
pradictaiu  virginem  berbam  post  se  trab  entern  in  flumea 
praximurn  introducunt ,  et  cum  eisdem  virgis  virginem 
ßumine  aspergunt^  et  sie  suis  incantationibus  pluviam  se 
habere  sperant.  et  post  eandem  virginem  sie  nudam  trans- 
positia  et  mutatis'iri  fnodum  cancri  vestigiis  a  flumine 
^d  villam  inter  manus  reducunt, 

p,  aus  der  zürchcr  pap.  bs.  (vrasserkircbbibl.)  B.  y|^.  4®,  ge- 
schrieben 1393.  vielleicht  in  Zürich,  jedenfidls  in  der 
Schweiz,     milgelbeilt  von  Wackernagel. 

38.  r.  ^^  du  soll  ndt  globen  an  zober  noch  an  bippe 
no<:h  an  hesse  noch  an  lachenen  noch  an  für  sehen  nocli 
an  messen  noch  an  die  nahtfrowen  noch  an  der  agel- 
sier  schrien  noch  an  die   brawen  vB   der   wangen  iucten 


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ABERGLAUBB  xli 

Aodi  an  die  batenien  noch  an  deheiner  band  dinges  das 
vnglob  ei. 

140.  r.  — r  Dls'stuk  seit  von  den  lossern  vD  von  den 
valschen  propheteu. 

Die  losserr  vn  die  valsclien  gotforinigen  ufissagen 
daa  sint  die  liit  die  inen  selben  zu  eigenent  vil  zu  legent 
etlichii  ding;  du  allein  des  waren  gotles  eigen  sint,  an  al- 
les vrlob,  von  ir  eignen  bosheit  vi!  ir  grossen  valscbeit. 
Das  ist  das  su  künftig  ding  vor  wissagent,  vnd  züiient  da 
mit  vnzalllch  vil  seien  mit  inen  zu  der  belle.  >van  sii  be- 
gnüget uiit  an  ir  sejbs  boslieit,  si  wellen  ocb  ander  liit  mit 
inen  ziebeu  in  den  ewigen  tot,  die  si  betrugent  von  des 
tuvels  rat  mit  ir  bösen  listen.  Nv  sint  dirre  valscben 
tpissen  vil,  das  ist  der  lossungen  vnd  solichcr  wissagung. 
jEtlicb  gescliiliet  dur  den  bösen  geist  phylonem  appolli* 
nerfiy  der  ein  vrjiab  ist  der  selben  bosbeit.  Etlicb  gesclii-» 
het  in  dem  für,  du  wirt  genemmet  pyromancia.  Ein 
andni  beisset  aeromancia  du  gescbiliet  in  dem  luft.  Ein 
andrii  geomancia,  dd  gescbibet  in  dem  ertricb.  Ein  an-f 
dru  yaromanciay  dii  gescbibt  in  dem  wasser.  Ein  an- 
drd  beisset  (140.  v.)  nigromancia  das  da  ze  latine  ist 
ein  toter.  Wan  dur  Irugnüsse  werdent  etwenne  geacb- 
tet  die  toten  erstanden  sin  von  dem  tot  vnd  dunket  die 
lut  wie  si  wapsagen,  vnd  eutwurten  der  dingen,  der  sii 
gefraget  werdin.  Vnd  dis  gescbibet  dur  die  aurufiPuug 
vnd  bescbweruDg  der  tiivelen.  Hier  vmb  sulent  ellii 
menscben  (bs.  ÄP)  bekennen  vnd  fdr  war  wissen,  das  ein 
ieklicber  mensclie  wib  oder  man,  der  da  baltet  oder  vebet 
solicb  wissagung  oder  losen  von  zober  oder  bescher^ 
ten.  oder  luppe.  oder  hezze  oder  lachnen^  oder  für- 
sehen,  oder  messen,  oder  der  agelster  schrien,  oder  wU 

fei  sang,  oder  bi*awen.  oder  wangen  iuchen.  oder  von 
en  batlUniet}  oder  deheiner  baut  das  vngelob  ist.  oder 
der  es  gern  bort  vnd  veruimet.  oder  den  gebillet,  die  es 
vebent  vnd  baltent.  oder  es  wol  globt,  Aid  der  in  ir 
huszu  in  tag  (1.  gat,)Ald  der  sii  in  sinbus  füret  vmb  das  ersü 
rates  frag,  Der  sol  wissen,  das  er  sinen  kristanen  globen 
vnd  sinen  tof  hat  vber  gangen  vnd  gebrochen.  Vnd  das  er 
si  ein  beiden.  Ein  abtruniger,  und  ein  vient  gottes.  Vnd 
wisse  sich  s warlich  in  loffen  oder  in  vallen  in  den  zorp 
gottes.  Vnd  das  er  ab  sule  varn  in  die  ewigen  verdamp- 
nüsse.  Es  si  deune  das  er  vor  mit  kristenliclier  peniteu- 
cie  oder  riiw  werde  gebessert  vnd  gesuot  got.  Ovch  ist  das 
Qut  vnder  wegen  ze  lasseune  oder  ze  übersehenne  das 
etlicb   meinieiigü   wiber^  die  da  nach    dem   tüvel  sathap 


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xLii  ABERGLAUBE 

bekert  sltit^  vnd  mit  der  tuvel  verspoUuug  viid  nüt  fantaalea 
oder  Iriignüsse  siiil  verwiset,  Das  die^lobeut  vnd  veric* 
heul  das  si  selber  \ud  cIq  grossu  mengi  wihe/i  ritten 
\iid  paren  mit  der  heiden  ^üttinntn^  du  da  lieisset  dy^ 
aiia  oder  mit  herodiade^  \f  elliclien  walt  tieren  in  der 
nacht  stilli  dar  vil  ertliches  oder  landes.  Viid  das  si 
irem  gebot  gehorsam  sieii  als  eiacr  gewaltigen  f raupen, 
Vud  das  SU  du  selb  güttifine  ze  beuemten  ueohten  ruile 
EU  irem  dienst.  Vnd  hie  von  haltent  su.  Vnd  wolti  gol 
das  dis  wiber  allein  in  solicher  wis  verdoi*ben  wercn  ge- 
gen got  vnd  nut  vil  mit  inen  gezogen  vnd  verwiset  hetliu 
in  das  verderben  iles  bösen  (141.  r.)  vngloben.  Wan  ein 
vnzallichu  nieugi  ist  mit  diser  valsclien  wis  betrogen  die  da 
globent,  das  es  >var  si,  \nd  da  mit  das  si  es  globeut  ab  dem 
vreg  gant  des  recluen  globen  vnd  in  gewollcn  werdent  der 
scheilichen  irrunge  der  heidenen,  das  si  globen  vnd  we-» 
nen  wellen,  das  iclilcs  ilit  golliches  oder  gütlicher  kraft  vsserl- 
Laib  einem  wai-en  got  si.  lliervmb  siilent  die  priester  dur 
die  kilchen,  die  inen  enpholhen  sint,  dem  volk  gottes  mit 
grossem  Hisse  sleleklicli  ob  ligen  vnd  inen  predien  vnd 
sicherliclien  bewisen  das  si  bekennent  Nverden,  das  diÄU 
ding  ellu  valsch  sint  vnd  niit  sien  von  dem  goitÜchen  gcisl, 
medas  si  halten  das  dis  trugnust  iugegebe  si,  eutruweu  \on 
dem  bösen  geist  dem  gemut  der  glöbigen  werden  solichen 
wibs  gemut  (sie  omnia),  vnd  diir  vngloben  er  si  im  selber 
hat  vndertenig  gemachet.  Alzehant  wandlet  er  denne  aber 
sich  in  gesteltnus  vnd  in  glichheit  menger  hant  personea 
Vnd  das  gemut^  das  er  gevangen  haltet,  das  betrüget  er 
In  dejn  slaf.  Vnd  oiTeubart  im  ietzent  frolichü  ding, 
denne  trurigü,  ietz  bekant  personen,  den  vnbekant,  vnd  furl 
die  dur  die  wildinea  vnd  dur  die  lender.  Vnd  so  der 
vngloblg  geist  dis  trugnug  allein  lidet,  so  hallet  er  mit,  das 
dis  in  dem  gemut  gescheh ,  sunder  in  dem  Lbc,  wan  wer 
ist  der  mensche  der  nüt  in  tromen  vnd  in  ofTenbarungen 
oder  gesiebten  der  neclilen  niit  vsgeleitet  werde  von  im 
selben ,  da  er  slaffend  meniges  siht  das  er  wachend  nie  ge- 
sach  oder  villich  niemer  gesiebt?  Vnd  hier  vmb  wer  ist 
also  toreht  ald  so  vnverniinftig  der  disil  eUü  du  da  aileia 
in  dem  geist  geschehent  über  ein  wenct  vud  hallet  das 
es  geschehe  in  dem  libe.  lu  s,  av. 

(fol.  143,  r.)  — ^  Nv  mugent  dis  valsch  vud  vt>pig  »*- 
nien  geteilet  werden  nach  den  meuigualligen  dürÄen,  tOD 
der  wegen  sie  geubl  werdenl,  Etlich  gescliehent  von  der 
lüt  siechheit  wegen  oder  des  vilies.  Etlich  fiir  vuberhaf- 
tikeit.     Etlich  für  die  erboit   der  frowen,   die  nüt  gcbcm 


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ABERGLAUBE  xliii 

mngen.  Etiicli  wider  den  hagol  vnd  das  vngewitter.  Ander 
wider  allerlei  pin*  Hier  vmb  ist  den  ze  ralenne,  die  sus- 
licliv  ding  lidcnt ,  das  sii  ellii  tüiiellich  gespenst  lassent^ 
>nd  den  allein  rates  vmb  ir  uollurf  fragen  vnd  von  iin  es 
suchen  von  des  gcwalt  ellu  ding  geschalFen  sint  vnd  von 
des  willen  cUii  ding  bericlitet  werdent.  \  iid  siiUent  spre- 
chen demCilklidi.  'llerre  got  kum  vns  ze  lielf.'  Wan  dur 
vns  vermugen  wir  nihtes  nit,  siinder  uns  gebrislet  ob 
wir  gelriiwen  haben  dur  vns,  Vnd  dar  vmb  wer  da  lidet 
sleclilicit  der  Lab  allein  in  die  barmherz ikeit  goltes  ein 
gutes  getruwen,  und  enphahi  den  heiligen  fronlichamen  vnd 
das  keil  ig  blut  vnsers  lieben  herren  ibesv  christi  mit  festem 
globen,  vnd  mit  guter  aiidahl.  Vnd  begeix?  och  das  ge- 
segnet oli  von  der  heiligen  kilchen  getruwlicli.  Vnd  also 
nach  dem  vnd  der  apostel  sprichet  so  behallet  das  gebette 
des  globen  den  siechen.  Nu  gat  aller  meist  mit  diser  üp- 
pikeit  der  zobrie  vmb  die  (143.  v.)  bos  kundikeit  der 
ifalachen  vnd  achedlichen  iviben,  als  och  des  glich  An 
vor  geseit  ist.  Wan  dik  vnd  vil  als  vU  es  an  inen  ist, 
so  enlerent  vnd  versmachent  solich  die  sacrament  der  hei- 
ligen kilchen.  Vnd  etwenne  wiirkent  sii  mit  inen,  das 
erschrokenUch  och  ze  sagenne  vnd  ze  hören  ist  allen  wol 
globenden  menschen  (]V1>).  Vnd  hier  vmb  werdent  si  ge- 
sehen böser  vnd  wirser,  den  die  tüuel.  A\'au  die  tuuel 
globent  Got  vnd  lurhtent  in  mit  zittrun^e.  Zu  dem  dise 
an  vorht  vnd  an  zitter  gant.  Vnd  wiirkent  mit  gottes 
fronlicham  vngenemu  vnd  vnerhchü  ding.  Des  man  ein 
gliches  zeichen  oder  wunder  liset  in  der  geschrift  von 
eim  wib  die  in  der  selben  wis  vnsers  heiren  fronlicham 
enphieng,  vnd  behub  den  in  irem  niund,  vnd  gieng  also 
hin  vnd  huste  iren  man  t>mb  das  sin  minne  grösser 
wurde  zn  ir  denne  vor.  Vnd  zehant  wart  du  hostie 
gewaadlet  in  fleisch.  Vnd  do  si  des  gewar  wart  do  wolt 
si  vnsern  herren  wider  vs  han  geworfen.  Do  wurkt 
vnser  herre  da  sin  wiindtr  das  si  in  weder  mocht  vsge- 
werfen  noch  geslinden  u.  s.  w. 

(foL  144.  r.)  —  Wie  das  nv  da  vor  geseit  si  das  man 
miden  sule  solich  erzenie  die  in  solioher  tuuellicher  vris 
geschehent.  Doch  wer  der  weri  der  das  heilsami  krut 
mit  den  xij  stuken  des  globen  vnd  mit  dem  pater  nostep 
»chribe  (144.  v.)  an  einen  brief ,  vnd  den  denne  leiti  vf 
den  siechen  vmb  da«  got  aller  ding  schepfer  also  geeret 
werde,  da«  enwirt  nüt  verworfen  noch  versmachet,  so 
man  keins  der  vorgenanten  verworfenen  vnd  falschen  din- 
gen mit  dar  zu  nuschelt.    Vnd  zit  halten  era&nie  ze  geb- 


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xi.iv  ABBRGLAÜBB 

enne*  Vod  zu  den  lessinen  ist  och  nüt  ze  verwerEmne. 
vud  och  bedüt  die  der  zit  war  nement  ze  seiemie  vnd 
bom  ze  belioweiine.  Yud  zii  solicben  dingen ,  die  zu 
gebiirschen  werken  behorent,  die  sint  dar  vmb  ndt  so 
Straffenne.  Wan  die  natdrlicheu  bescheidenheit  mag  man 
halten  oder  yeben  in  den  dingen.  Vnd  si  heint  och  ein  si* 
eher  bescheidenheit  Alsdenne  So  man  kein  ander  vppig 
haltunge  meinet,  noch  dar  zu  lat  gan.  Ze  verstemmenne 
susUcher  vertumlicher  vnd  schedlicher  boshcit  sol  in  allen 
-wis  gedissen  sin  vnd  hier  zu  munder  sin  die  kündikeit 
der  pnester  der  seien  besorger,  Das  ut  die  kristeulich 
geistUclieit  mit  disen  valschen  vorgeseiten  dingen  -werde 
entreinet  vnd  verwlset.  Vnd  wider  infalie  in  die  sitten 
des  heideschen  vnd  tuuelschen  vngloben,  das  ein  glob  der 
menschen  gemdt  werde  vnd  si,  vnd  ein  miltikeit  der 
werken  An  ze  betten  einen  waren  got  den  vater  vnd  den 
sun  vnd  den  heiligen  geist,  der  da  ist  ^ebenediet  in,  die 
weit  der  weiten, 

JE,  aus  einer  papierhs.  der  baseler  univ.  bibU  foL,  15.  jh« 
gez.  ^.  p.  19.  (mitgetheüt  von  WackernageL) 
1«  r«  a«  Incipit  r^islrum  super  libro,  de  supersti^ 
cionibus  ab  ^ximio  magistro  I^icolao  magni  de  gawe*  sacre 
theologie  professore  anno  a  uatiuitate  saluatori^  M^  cccc^ 
xv^.  edito  secundum  ordineni  alphabeti.  — r 

10.  V.  b.  Per  hoc  statim  patet  falaitas  et  error  qoG- 
rundam  fatuorum  astronimorum  dicencium  se  posse  £acere 
ymaginea  sub  certa  coustellacione,  per  virtutes  enas  co« 
geutes  demones  ut  veniant  ad  istas  yniagines^  ad  opei«!!« 
dum  quedam  mira  et  ad  dandum  response.  Sed  veniuBt 
non  coacti  propter  duo,  ut  Thomas  dicit  ibidem  (vorkcr: 
sanctus  thomas  parte  prhna.  q  xiii}.)  in  solucione  2^  ar- 
ticuli  et  hoc  incerlis  constellacionibus.  Primo  quidem,  uft 
homines  in  hunc  errorem  induoant  ut  credant  aliquod  nu« 
men  esse  in  oelis.  Sicut  vnam  vetulam  noui,  que  credidit 
Solem  esse  deanty  vocans  eam  sanciain  dominant, 

11,  r.  a,  et  alloquendq  eum  solem,  benedixit  per 
eum  sub  certis  verbis,  sub  osseruancia  quadam  supersti" 
ciosa,  que  dixit,  se  plus  quam  quadraginta  annis  credidisse, 
et  muUas  infirmitates  ourasse.  Insuper  hodie  inveuluntur 
homines  tarn  4ayci  quam  olerici,    literati  quam  ilUteratt,  et 

!|uod  plus  doleudum  est ,  valde  magni ,  qui  cum  not»i* 
uniufn  primo  Piderint  flexia  genibus  adora/iL  pel  cfo- 
posito  capucio  vel  pileo  inclinato  capile  honorarU  «llo^ 
quendo  et  suscipiendo.     ynimo    eciam   plures  ieiimant  ipso 


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ABERGLAUBE  xlv 

die  n(HiiIunfj^  sive  8it  dies  dominicft  in  qua  secundum  or« 
dinacionem  ec  clcsie  non  est  ieiuiiandum  propter  resurrec- 
cioDis  leticiam,  siue  quacunque  alia  die.  eciamsi  esset 
dies  dominice  natiuitatis.  que  omnia  habent  speciem  ydo 
latrie.  ab  ydolatris  relicte.  de  qiübus  Jeremie  vi)  scri* 
bitiir.  qijod  fecerimt  placeutas  regine  celi.  s.  liitie  offerendo 
eas  ei.^  Et  quidnm  volentcs  hoc  palliare  dicvint  qiiod 
non  honorant  luuam  ieiimando.  sed  omnes  sanctos.  quo- 
rum  festa  et  ieiunia  iticidunt  in  mese  lunacionis  vise. 
Ecce  qualis   est  ista  excusacio  u.  s.  f. 

11«  r«  b.  Sic  eciam  de  mandato  quo  precepttim  fuit^ 
quod  nidum  cum  ouie  vel  pullis  et  matre  desuper  incu- 
bante  non  deberent  sunul  seniare,  sed  matrein  permittere 
auolare.  Deut^.  xxij.  hoc  enim  quando  inuenerunt,  ti^ahe* 
bant  ad  fecunditatem  et  ad  fortunam,  si  conseruarcntur 
simuL  Et  per  oppositum  ad  infortunium  et  sterilitatem 
quod  gentile  erat.  Sic  modo  vetule  dicunt  inuencionem 
acus  i>el  obuli  reseruati  ense  prestigiuin  magne  for^ 
tune.    Et  per  oppositum  de  iuuencione  magni  thcsaiu^i. 

11.  V.  b.  Simüiter  prohibitiim  fuit  eis  ne  viri  vterentur 
testibus  mulienim  Et  econuerso.  Et  de  hac  prohibicione 
dicitur  Deut^.  xxij*  Non  induetur  mulier  veste  virili  nee 
vir  vtetur  veste  feminea.  abhominabilis  enim  apud  deum 
est  qui  facit,  quia  mulieres  in  veneracione  Tnartis  indue- 
runt  vesles.  et  arma  virorum.  et  viri  in  veneracione  i^ene^ 
na  vestes  mulierum.  Sic  nunc  lit  in  liominibus  cbristianis 
tempore  carnis  privii,  quaudo  seruiunt  deo  ventris  et 
dee  veneris.  tam  viri  quam  mulieres.  Item  incisiones 
fecerunt  super  mortuos,  ad  placandum  deum,  ut  vehe- 
menciam  doloris  de  morte  thaurorum  exprimerent  quod 
adhuc  multi  faciunt  christiani  de  niorte  thaurorum  suo- 
rum,  quod  utique  |  est  de  specie  plutonis.  Stigmata  vero 
et  figuras  adhuc  et  christiani  faciunt  et  vocant  breuia.  et 
in  propriis  codicibus,  cartis  alijsque  in  rebus  videlicet 
metallis  reseruant.  que  omnia  ydolatria  vera  sunt^  ym- 
mo  clu*iStiane  religioni  contraria  sive  aduersa. 

12.  r.  a.  Sed  quia  obseniaciones  sompniorum,^  aU' 
guriorum^  consteltacionum,  sternutacionum -^  obuiacio^ 
num,  dierum  et  Jiorarum,  atigmatum,  caracterum^ 
ymaginuni  et  inpreasionum  astrorum  non  solum  vicine 
sunt  ydolalrie,  sed  eciam  vere  ydolalrie  cum  radicibus  et 
intime  sunt  perscrutanda  (1.  exstirpandae?)  quibus  Om- 
nibus se  fraus  antiqui  aerpentis  inmiscet  quemadmodum 
prius  dictum  est. 

12.  V.  b.  Sed  forte  adhuc  diceres.    videtur  vlique  quod 


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xLvi  ABERGLAUBE 

cJemones  proprie  generent,  qiila  comperhnn  esl  et  apud 
\Yiilgare8  commuiüter  dicitur,  qiiod  filij  demonwn  incu» 
bor  um  muUeribiid,  eorum  filijg  »ubtractis,  ab  ipsis  demo- 
iiibus  ßupponantur.  et  ab  eis  tanquam  propra  filij  nutn« 
antiir.  propter  quod  eciam  cambiones  dicuntur,  edam 
rarnbiti  uel  miUuali,  et  ninlieribiis  parientibus  propriis 
lilljs  subtractis  siippositi,  hos  dicunt  macilentos,  semper 
ouilantcs,  laclls  eosque  bibiilos,  ut  quod  nulla  \bertate 
laclis   vuum  laclare   siifficiunt.     13.  r.  a.  Hij    tameti   post- 

quani  in  terris  comraorati  sunt  dicuntiir  euaniiisse 

Ex  quo  palet  quod  tales  ]>ueri  non  generantur  a  demoni* 
bu8,  sed  sunt  ipsiinet  deniones.  sicut  eciam  possent  a^ 
parcre  in  specie  velularum  rapiencium  pueros,  de  ctuiis, 
que  wlgo  fatue  vocantur,  de  nocle  apparentes  et  paniu- 
olos  ut  apparet  lauare  et  igne  asaarcy  que  demones  swit 
in  specie  \etularuin* 

F.     aus  einem  papiercodex   des  14   (?  15)  jh.  In  der  biR 
Äu  8.  Florian,     (mitgetheiil  von  Chmel.) 

1.  So  ain  fraw  pracht  wirt  zu  dem  cliind,  so  cseuchi  ej 
dein  cliLnd  ainen  zwelfpoten^  so  sliibt  das  diind  an  taidf 
niclit.     vgl.  39. 

2.  item  an  dem  vaschangtag,  so  werseyt  sy  prein  an  die 
dlllen^  velt  er  herab,  so  sliibt  er  des  iars. 

3.  item  milich  essend  sy  des  nachts,  so  w^asschent  sy  wei« 
des  iars. 

4.  ilem  ayr  essen t  sy,  so  wernt  sy  nicht  hertt  an  dem 
pauch  des  iars. 

5.  ilem  so  man  an  dem  ostertag,  legt  man  wärst  Tuder 
das  cbrawt  vnd  aiu  gens.  vs-plclier  die  würst  siecht,  der 
siecht  des  iars  cliain  slangen,  vnd  wer  der  gens  ist,  d« 
gwhit  des  iar  des  ehalten  siechten  nit. 

6.  ilem  den  spekch  den  man  weicht  mit  den  praitigen,  do 
stnirent  Ay  pawTu  den  phlug  mit,  so  mag  man  sew  nicht 
zaubern. 

7.  ilem  an  dem  Weihnacht  abent  so  get  ainew  zu  ainen 
scheiterhauffen  vnd  zucht  ain  scheint  aus  dem  haiiffen 
(in)  des  teufeis  nam.  pegreifft  sy  ain  längs,  so  wirt  ir 
ain  langer  man« 

8.  item  an  dem  vaschangtag  steigt  ains  auf  ainen  pawn 
vnd  schrait  ^alhait'  mit  schellwarten  Hrag  die  phaim  (sie) 
her  /lain^*,  so  wirt  es  des  iars  nicht  natig. 

9.  ee  man  zu  der  metten  an  dem  weinachtlag  get,  so 
greürt  ains  vnder   die  panhch  vnd  n  ympl   ain  hantuolk 


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ADERGLAUBR  xmi 

fnotlen  heraus,  vint  es  etwas  lehentigiga  in  den  mol- 
ten,  so  stirbt  es  iles  iars  niclit. 

10.  so  man  die  palni  hainilrait  von  kirchen,  so  legent  sy 
sew  ee  in  die  chite  citri p^  ce  das  sy  sew  vnder  das  fach 
tragent.     so  gent  die  chue  des  iars  gern  liaim. 

1 1.  item  die  pursten  die  man  zu  den  palm  stekcht  do 
pursten  sy  das  viecli  mit,  so  wernt  sie  nicht  lausig. 

12.  item  palniXos^eni  sy  vnder  das  ckrawt  hefen^  so  val- 
lent  nicht  Ihnigen  in  das  chrawt. 

13.  item  si  tragent  vmb  das  haivs^  ee  si  sew  hin  in  tra- 
gent, so  essen t  die  fuchs  der  hnner  nicht. 

14.  item  an  dem  weihiiacJittag  zu  mettenzeit  "get  man  mit 
Hecht  zu  ainem  pntnn^  vnd  l\\gt  in  den  prnnn ;  siecht 
es  sten  in  dem  pnmn  ain  man,  so  nymbtes  des  iars  ainn 
man. 

15.  icli  pewt  du'  plater  u.  /e/,  pey  der  heiligen  sei ,  die 
parn  ist  zu  iherusalem,  vnd  tauft  im  iordan,  das  du  nicht 
enpeitest  der  mess  vnd  des  ampts  pey  dem  vater  vnd  sun 
vnd  dem  heyligen  geist,  imd  sprich  z  p~r  n**r,  vnd  tue  da3 
drey  mal. 

16.  item  so  ainen  von  taten  viscJien  trawmt,  sol  ains  ster- 
ben aus  demselben  haus. 

17.  item  so  ain  viech  nicht  gen  mag,  so  pintt  man  im  ain 
pant  an  ainem  snntag  vmb,  vnd  macht  den  clmoph  oben 
zu,  so  wirt  im  sein  puzz. 

18.  item  so  ain  clnic  ain  erslchalb  trait,  so  nympt  die  peyr* 
inn  ain  aichenlaiib,  vnd  stekcht  en  mitten  ain  nadel  darin, 
vnd  legt  es  enmitlen  in  den  sechtcr,  vnd  nympt  dan  das 
vberrttkvh  mit  dem  hör  vnd  spindl  ab  dem  rokchen,  vnd 
«lekclit  es  auch  enmitten  in  den  sechter,  so  mag  man  der 
chue  nicht  nemen  die  mlltcli,  vnd  des  ersten  milcht  sy  in 
den  sechler,  do  das  ding  inn  stekcht  die  selb  chue  (am  er«» 
sten),  die  weil  das  dinkch  dar  Inn  stekcht. 

19.  so  man  die  chuee  an  die  waid  treibt,  so  grebt  man  ain 
e/ti/*)  unter  den  gatern,  vnd  treibt  das  viech  darvber,  so 
mag  man  sew  nicht  zaubern. 

20.  item  sand  Blasen  n^asser  gibt  man  ze  trinkchen  den 
iungen  huenm  vnd  genscn,  ee  man  sew  ob  dem  nest  nymbt, 
so  trait  sew  der  fuchs  nicht  hin,  vnd  sind  sicher  von 
dem  orn. 

21.  item  so  aine  am  chalb  verchauft  so  öneyt  sy  dem 
chalb  das  wedl  ab,    ab    seinem  swenczl,   vnd  des   hars  ab 


*)  mit  einem  durch  kkt  obengezognen  strich. 

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xLfiii  ABERGLAUBE 

dem  rechten  arm,  vnd  gibts  der  chuo  ze  essen,     so  rert  $y 

nickt  noch  dem  clialb. 

22.  item  so  aine  der  andern  ir  milich  wil  netnen  ^    nA 

macht  das  sypseichent,  so  nymbt  sy  drey  chroten  auf  ain 

melmülter  ain  abichen,  vnd  traitz  der  chne  fiir  dy  lerjl 

dy  chroten  in  sieh  (sie) ,    so  ist  ir  nachpawrin  irer  milich 

prawbt  vnd  sy  hat  dy  milich. 

2^i  item  so  ains  stirbt,  so  hant  etleich  den  glauben^  die  sd 

hab  nicht  rueb,  uncz  man  ir  aus  leilti 

24.  item  etleich  Sprechent,  die  weil  man  lewtt  so  wert  die 
sei  peichtich.  etleich  sprechent,  so  sich  die  sei  schaid  von 
dem  leichnam^  so  sey  sy  die  erst  nacht  hincz  saad  Ce^ 
dra  wie/7,  dy  ander  nacht  pey  sand  Michel  y  die  dritt  wo 
sy  liin  verdint  hab* 

25.  item  ettleich  glaiibent,  die  sei  genn  aus  den  u^eiczen*) 
an  der  sambstagiiacht  vnd  siein  heraussen  vncz  an  des 
mantag,  so  müssen  sy  wider  in  die  pen. 

26.  item  ettleich  essent  nicht  fleichgs  des  phincztags  io 
der  chottemer  **),  so  sterbent  sy  nicht  in  dem  sterb, 

27.  item  so  ainem  die  oren  seusent,  so  habent  sj  denglau- 
ben,  man  red  vbl  von  iun, 

28.  item  so  ainem  die  chnie  geswellent,  so  get  es  zu  ainer 
frawn  die  zwendling  getragn  hat,  vnd  heist  hej  im  ma 
faden  spinnen,   den  pintz  vber  die  chnie,  so  wirt  im  pas. 

29.  item  das  die  hiiner  haubat  werden,  so  sy  die  Leon 
anseczl,  so  hult  sy  ein  zticzl  an,  vnd  macht  ainen  citnoph 
auf  dem  haupp^  vnd  halt  in  also  auf  dem  haupp,  so  ge- 
schiecht  es. 

30.  item  an  dem  sunnbenttag,  so  geht  aine  eraling  auf 
allen  viern  mit  plassem  leib  zu  irs  nachtpahim  ter, 
und  mit  den  fuzzen  steigt  sy  ersling  an  dem  tar  auf,  und 
mit  ainer  hand  halt  sy  sich,  vnd  mit  der  andern  sneit 
sy  drey  span  aus  dem  tar  vnd  spricht  zu  dem  ersten 
Span  spricht  sy  4ch  sneit  den.  ersten  span,  noch  aller  mi« 
lieh  wan'.  zu  den  andern  auch  also,  zu  dem  dritte« 
spricht  sy  4ch  sneit  den  dritten  span,  noch  aller  meiaec* 
nappaurinnen  milich  wan',  ♦♦*)  vnd  get  ersling  auff  €iUe0^ 
yiern  her  wider  dan  haim. 

31.  item  die  swangern  frawn  messent  ain  dacht  nocb 
sand  Sixt  pild,  als  lank  es  ist,  vnd  guertns  vber  den  paucb, 
so  misslingt  in  nicht  an  der  pürd.  oder  des  mans  gurtl 
gurtn  se  vmb. 


*)  fegfeuer,  ahd.  wizi. 
**1  donneriitag  im  quatcmber. 
***)  el  steht:  wan  milich. 


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ABERGLAUBE 


XLIX 


32.  item  so  man  in  den  raiucluiaohtn  auf  ain  tisch  sicMt 
8o  habent  des  iars  dy  lewt  vil  aiss.  ' 

33.  item  in  der  lesten  rauchnacht  tragent  sy  ain  ganczen 
laib  vnd  dies  t^mb  das  haus^  vnd  peiasent  darab  ab 
manig  pissen  man  tan  hat,  so  vü  achober  wernt  im  auf 
dem  veld. 

34.  das  man  das  viech  des  iars  nicht  schindt.  item  in  den 
rauchnachten  so  schint  mannicht  sponholz,  noch reibscht 
an  den  ofen  nicht,  noch  lakchen  macht  in  der  Stuben  so 
wernt  nicht  in  den  velden  plas  flekch.  aber  vmb  das  'rais- 
sen  dy  spen  vber  den  offen  das  tut  man  darvmb,  das 
der  habern  nicht  prantig  wert. 

35.  item  in  den  vndernachten  trait  man  nicht  reitter  *) 
vber  den  hof,  das  das  viech  nich  da  durich  luett,  das  es 
nicht  werd  scliiech  noch  hin  scheriT. 

36.  item  durich  ain  reitter  saicht  ainew,  so  tanczt  man 
mit  ir  gern  vor  für  die  andern. 

37.  item    an    dem   weionachtmorgen   haist    man    die    roe 
rennen  gen  wasser  vnd  wirft  der  ainn  aplü  in  das  Was- 
ser, die  weil  es  trincht,  das  der  aphl  gegn  dem  rosa  rinn 
so  wirt  das  ross  resch  zu  arbait  des  iars.  ' 

38.  item  so  ainem  trawmt  wie  der  ojen  nider  sey  ge- 
uallen,  so  stirbt  aintweder  wirt  oder  die  wirlin. 

39.  die  schwangern  frawn  so  sew  zu  gotz  tisch  gent, 
an  demselben  tag  ziechent  si  dem  chiud  ainen  XII  poten, 
so  stirbt  das  chind  nicht,    (vgl.  1.) 

40.  so  zway  chonlewt  die  erst  nacht  pey  ligent.  welchs 
ee  entslefft^  das  stirbt  ee. 

41.  item  man  windt  nicht  wid  in  den  vndernachten^ 
das  sich  dy  lewt  in  krancliait  nicht  winten, 

42.  item  man  haspht  nichts  so  wirt  das  viech  nicht  haspen. 

43.  item  an  dem  weinachtabent  noch  an  dem  rauchen 
60  measent  die  lewt  9  lejß  wasser  in  ain  hefen^  vnd  las- 
«ent  es  sten  vncz  an  den  tag  vnd  messen  t  her  wider  auf. 
18t  sein  mynner  das  dy  mass  nicht  gancz  ist,  so  chumpt 
es  des  iars  in  armüt.  ist  sy  gancz  so  pestet  es.  ist  sein 
aber  mer,  so  wirt  es  vberflussikleich  reich. 

44.  item  man  wirft  gruemxit  yndgnietn  **)  habern  in  den- 
selben nachten  auf  ain  dach^  vnd  lassentz  darauf  ligen 
vncz  sy  ***)  ent  nenient.  so  gebentz  es  dim  viechs  ze  essen, 
80  schullen  es  die  ehr  an  des  iars  nicht  essen ,  vnd  wernt 
darzue  fruchtper. 

•)  sieb. 

**)  gedrosrheoeu,  geschlageaen,  geitoM^en? 
•••)  d.  h.  die  oaclite. 


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L  ABERGLAUBE 

45.  item  Spanholz  schint  man  nichts  das  man  des  iin 
das  viech  nicht  schint.     vgl.  34. 

46.  item  man  lokcht  Ay  saw  für  das  tar  an  dem  weinadrf 
margen  vnd  gibt  in  habern  in  ainem  raif  vnd  sprecfaenl: 
^die  meina  nachtpau^rn  ain  s'dnipL  die  mein  ctin 
griunpl\  so  sind  sew  des  iars  frisch,  vnd  seins  natpa^r 
kraukch*    vnd  des  iars  gentz  gern  an  das  veld. 

47.  item  die  paum  chust  man^  so  werden  se  fruditper 
des  iars. 

48.  item  zu  dem  weinachttag  so  man  gen  metten  gedt  fo 
siecht  ainer  ain  holz  ab  vnd  traids  mit  im  haim,  tikI 
au  detn  sunbentabent  legt  ers  an  das  jewr.  so  cho- 
ment  all  znaubln  zu  dem  fevnr,  dew  in  der  ganzen 
pharr  sind, 

49.  item  in  den  vndemachten  iaulFent  dy  iunkfravm  an 
den  sumerlangen  zau>n  des  uachtes.  pegreifft  sy  aineo 
langen  stehchen  so  wirt  ir  ain  langer  man. 

50.  item  allew  milichhefen  stürzen  sy  auf  den  ti»ch 
vnd  rauchen tz.  so  stilt  man  in  dy  milich  nicht. 

51.  auch  so  man  gen  metten  get.  so  der  mensrh  ain 
runczt  vnd  get  vber  sich ,  so  stirbt  er  des  iars  nicht. 

52.  item  in  denselben  nachten  ist  chain  mensch  auf  dfr 
weit  nicht,  so  hungert  es  des  iars  nicht  vast,  vnd  gv^iat 
leicht  genüg. 

53.  item  zu-  derselben  zeit  so  ains  chrophat  ist  so  wirt  ff 
sein  also  au,  so  ains  cldocht,  vnd  spricht  ^se  hin  mein 
chrcph  an  deinen  chroplC  und  greift  an  den  chroph  vr.d 
tut  das  uenster  die  weil  auf  u.  wirft  in  hinaus,  so  veiigel 
er  im  glucklaw. 

54.  item  man  nist  nicht  in  den  nachten,  so  stirbt  das 
viech  nicht. 

55.  item  den  rauchscherben  gebnt  sy  drey  stund  vbtr 
sich,  60  peissent   es  dy  nicht  des  iars. 

56.  item  abdroiu  phenning  ^  twechl  man  im  an  dea 
weiunachttag,  so  lassent  sich  dy  phening  gern  gAvineo. 

57.  item  wer  wolf  oder  fuchs  nent,  dem  stet  des  iars 
das  gwant  nicht  recht. 

58.  item  hent  v.  oren  habent  sy  vber  das  fewer  « 
chumpt  chaiu  orhol  in  das  or  nicht,  noch  dy  negei  swemt 
in  nicht. 

59.  item  so  man  ain  taczs"^)  gen  kirchen  trait  ftrr  aia 
haws,  so  lauft  aiue  in  dem  haus  hin  vnd  seczt  auf  ai^nti 
dri/üz  so  Wirt  ir  der  selb  man. 

•)  /</£,  ah-^alif,  Steuer  V    Hofer  3,  220, 

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ABBRGLiAUBB  li 

60.  das  man  mit  ainer  par  tanvz,  ee  das  sy  zu  dem 
tancz  get,  so  siez  sy  auf  ainn  drifuea  oder  &y  saicht 
durich  ain  reitten  so  tancz  man  mit  ir  var  fiir  di« 
andern. 

61.  ain  scliuester  so  er  schuech  zu  sneyt  so  legt  er  das 
leder  auf  ain  st'ul  so  let  es  sich  pald  verkaufFen. 

62.  item  an  ainem  freytag  sneid  chaine  ab  ainen  pacJien, 
so  "wert  Ay  saw  nicht  phinnig. 

63.  item  so  ain  chind  geporn  wirt  vnd  hat  ainen  raten 
rifihch  pber  den  hals,  es  wirt  erhangen. 

64.  item  wer  VII  paternoster  spricht,  vnd  den  iar 
gancz  aus,  der  lebt  das  iar  aus.  spricht  er  dew  p^r.  rfr. 
nicht  aus,  so  stirbt  er  des  iars. 

65.  item  so  man  ain  tacz  gen  kirchen  trait.  siecht  es  ain 
mensch  im  haus  fixr  tragen,  so  spricht  es  ^mert  es  das 
feipr  mit  dem  elkl^  (vgl*  19) ,  so  stirbt  chains  aus  dem 
haus  nicht* 

G.     aus  Hans    P^intlers   blume   der  tugend>   gedichtet  im 
j.  1411.  (nach  der  gothaischen  hs.)  **) 

Die  zaul)ry  die  ist  got  fast  vnwerd, 
auch  sprechend  sy  'mich  hautz  gelertV^ 
ain  münch,  wie  möchtz  püsz  gesin?' 
daz  sprich  ich  py  den  trewen  mein, 
das  man  ain  solllchen  mimch  oder  pfaifen 
also  soll  straffen, 
das  sich  zechen  stiessend  daran; 
wann  scy  sind  alle  sampt  jm  pan, 
die  den  glauben  also  fast  krenken*  — 
wann  es  ist  wider  dich,  du  liochstes  gut 
alles  daz  man  mit  zaubry  tut, 
vnd  wie  fast  es  vrider  dich  ist 
dannocht  findt  man  zu  disser  frist 
die  zaubry  dannocht  pflegen, 
ettlich  wellent  pfeyl  auss  segnen, 
do  wellent  si  dem  tewffel  bannen^ 
das  sy  jn  pringent  gut  zu  samen; 
so  wellent  eltlich  wai*  sagen 
vnd  vil  wellent  den  tewffel  fragen 
wa  gut  Ug  vnd  edel  gestain* 
Do  habent  denn  ettlich  gemain 


••)  den  augsbnrger  druck  von  1486  (Panzer  1,  164.  2,  58)  konnte 
ich  zur  berichügung  des  oft  verderbten  textet  nicht  gebrauchen,  vgl. 
Adelungs  Püterich  p.  34-38. 

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1.11  ABBaOLAGBE 

mit  der  pössen  Erodianoy 

do  vrellent  gelauben  ettlich  an  Duma,  *) 

die  da  ain  falsche  göttin  ist, 

und  auch  ettlich  mainent  haben  den  list 

als  8ey  die  lewtt  kundent  schiessen 

vnd  durch  alles  gemüre  giessen 

iPechssineaf  pild  mangerlay, 

so  wissen  dissew  das  vogel  geschray 

und  auch  darzu  die  trem  auslegen^ 

ertlich  kunnent  den  schwert  aegen 

das  sy  nicht  auf  diser  erden 

van  kainem  dorf  werden  erstochen;  **) 

ettlich  kunnent  an  jewr  erkennen 

wie  sich  die  sach  hie  sol  enden, 

so  kunnend  ettlich  jn  der  hand 

schouwen  eyttel  laster  vnd  schand. 

vil  allte  weih  kunnend  den  handel 

EU  lieb  oder  findtschafft, 

ettlich  gebent  loazbxicher  kraSt^ 

vnd  ettlich  kimdent  patonichen  graben^ 

vnd  vil  wellent  den  eyapogel  habeui 

so  nutzend  etdich  den  allraufn^ 

und  ettlich  glaubent  an  die  frau^n 

die  haisset  P recht  mit  der  langen  naa. 

so  send  ir  vil^  die  yehen,    das 

die  /uind  giffi  sy  sdz  wol  getan^ 

das  sie  sy  von  ainem  man 

pesser,  denn  von  dem  andern; 

und  vil  die  wellend  nit  wandern 

an  den  verworffen  tagen; 

so  send  denn  vil,  die  hie  haben 

glauben,  es  pring  gi^ossen  &um 

ob  jn  des  morgens  ain  wolf  kum 

vnd  ein  haa  pring  ungelücke; 

vnd  ettlich  lütt  hand  die  ducke, 

das  sy  den  teuyffel  petten  an, 

atern,  sannen  vnd  auch  den  maun» 

vil  wellent  auf  oblaut  acHriben, 

vnd  das  fiepper  damit  vertryben; 

ettlich  segnent  für  daz  zene  we 

so  hand  ettlich  den  fierde  hie 


*)  es  #teht:  an  die  djadema. 
**)  f«tiU  eiae  seile,  oder  m«br  als  ein  wort  luater  werdsa. 


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ABERGLAUBE  lih 

das  sy  dauon  gauglen  sechen; 

ist  auch  vil,  die  da  yechen, 

sy  kunnend  vngewitter  machen  \ 

und  ettlich  zaubrer  die  wachen 

dem  Stern  Venus  vmb  die  mynne ;  — 

80  send  auch  ettlich^  die  schünden 

drey  palmen  an  dem  pahntag, 

vnd  ettlich  segnent  den  schlag 

mit  ainer  hacken  auf  ainem  trischuhlen 

und  ettlich  stellen  auss  den  kublen 

das  schinalzy  die  weil  mans  rurt, 

ettlich  der  lewt  f{irt 

das  sey  send  jnvisibiiis^ 

und  ettlich  habent  den  piffys. 

so  sprichet  menger  tumer  lib, 

die  teutte  sey  ^ain  altes  weib 

vnd  kunne  die  lütt  sugen, 

und  ettlich  lütt  die  gelaubei^ 

der  albe  mynne  die  lutte; 

so  sagt  manger  die  tewtte^ 

er  hab  den  orhen  gar  eben  gesechen, 

vnd  ettlich  die  yechen, 

das  schrättlin  sy  ain  klaines  kind 

vnd  sy  alz  ring  alz  der  wind, 

vnd  sy  ain  verzwifflotter  gaist. 

so  glaubent  ettlich  aller  maist, 

das  der  sigelstein  hab  die  kraft 

das  er  mach  sygehaffl:, 

vnd  vil  wissen  der  erkennen  sitt  (?) 

so  nutzend  auch  vil  die  erdschntih 

^u  mangerlay  zaubry, 

vnd  ettlich  schribent  auf  daz  plyt 

under  der  cristmessz  für  den  wurm 

so  nemen  ettlich  für  den  stium 

den  elsenpauni  h5r  ich  sagen; 

und  ettlich  wellent  kol  graben 

wann  sy  den  ersten  schwalm  sechen, 

vül  künden, }n  jr  gwand  spechen 

ob  es  glucklich  suU  gaun, 

so  habent  vil  lütt  den  waun, 

das  verhene  daz  selb  krutt 

mach  die  lewt  ain  ander  trut, 

wann  man  sy  grab  ze  abend; 

und  auch  vil  pösz  lütt  die  gend 


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LIT  ABERGLAUBE 

de»  nacLles  durch  verschlossen  tiir, 
und  ettlich  lütt  tragen  herftii- 
8*dber  vnd  gold  alz  ich  hör  yeclien 
wenn  sy  nennen  mon  sechen, 
80  tragent  ettlich  lutt  auss 
das  ivasser  alles  aiifss  dem  husz, 
wenn  man  totten  traitt 
fiir  das  hus^  als  man  saitt; 
so  send  ettlich  alz  besint 
wenn  man  jn  junge  höner  bringt, 
so  sprechent  sy  *plib  herhaini 
als  die  fud  pey  meinem  pain!' 
vnd  vil  die  yechen,  die  wegtvart 
sey  gewesen  ein  fraw  zart 
und  wart  jrs  pullen  noch  mit  schmerlzen. 
ettlich  legent  des  widhoffen  hertze 
des  nachtes  auf  die  schlaiiffende  lütt, 
das  es  in  haimlich  ding  bclütt 
vnd  vil  zaubry  vnrain; 
die  sechend  an  dem  schul terpain 
das  menschen   sei  beschechen; 
vnd  ettlich  die  yechen 
das  sy  nicht  gut,    daz  man 
den  tenggen  schnch  leg  an 
uor  dem  gerechten  des  morgens  fru; 
und  vil  die  yechen,  man  stel  der  t\i 
die   milch  aus  der  wammen. 
do  send  ettlich  der  ammen 
die  selben  nement  die  Jungen  Jti/td 
do  sy  erst  geporen  synd 
und  stossends  durch  ain  hole 
do   ist  denn  nichtsz  wole, 
oder  es  werd  ain  liorcnplassel   darusz. 
auch  treibt  man   mit  der  ßedermuss 
menig  tewschlich  spil, 
vnd  ist  des  vngelaubes  so  vil 
das  ich  es  nit  gar  sagen  kan. 
do  habent  ettlich  lütt  den  waun, 
das  sy  mainent,  vnser  leben 
das  unsz  daz  die  (  ....  )  gebpn 
-  vnd  daz  sy  vns  lue  regieren, 
so  sprechend  ettlich  diernen 
sey  erlailen  dem  menschen  lue  auf  erden; 
\iid  ettlich  sendent  die  pferde 


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ABERGLAUBE  lv 

für  elenpug  und  auch  für  rencken ; 

vnd  auch  vil  lütt  llie  gedeucken 

vnd  habent  sein  auch  gantzen  «yn, 

sy  mugent  nicht  haben  gwin 

des  tages,  und  sy  fechten  (?  unz  $y  sehen) 

ain  pfeyfllin,  als  sy  yechen, 

es  spricht  manger  *ich  bin  gogel, 

ich  haun  gesechen  sant  Martia  vogel 

hewt  an  dem  morgen  fru, 

mir  stosset  kain  vngelück  nit  zu'. 

do  weiJcnt  etllich  dapey, 

wenn   es  vngeu^'itter  sey, 

das  ^Y  alles  von  der  münch  wegen, 

die  da   gand  affler  der   wege; 

vnd  auch  etllich  mainenl  sicherlich, 

wenn  der  rapp  topp  *),  daz  tült  ain  liclu 

ettlich  habent  denn  aiacn  newen  fund, 

sy  behaltend  den  pisz  jn  dem  qiund 

wenn  man  aue  uiavia  lätt. 

do  send  denn  ettlich  prwtt^ 

die  legent  jr  hemmet  an  jrs  maus  ort. 

so  kan  auch  manger  drew  wort 

das  er  nymmer  tewrer  wirt; 

60  ist  eltllohcr  hirt 

der  sein  i>icli  segnen  kan 

das  }m  kain  liase  tret  dar  von  (?  daran), 

vnd  ettlich  nement  jresv  lind 

wenn  sy  ain  wenig  hranch  sind 

imd  legeuds  ouf  ain  dryschuffel ; 

uil  kimnen  salben  den  kubel, 

das  sy  obnau  ausz  faren. 

etllich  spynnen  am  sampstag  garen 

und  machend  dariisz  sant  lorgen   hemd; 

vnd  send  ettlich  so  behend 

das  sy  varent  hundert  meyl 

dar  in  ainer  kurtzen  weil, 

ettlich  prechend  den  lullen  ab 

die  pain  als  ich  geholt  hab 

vnd  legent  dar  ein  porst  imd  loL 

mangew  maint,  sy  kund  auch  wol 

Segen  hyn  vnd  her  wenden ; 

ettlich  die  lütt  plendent 


*)  f\  corvüs  nietet. 


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VI  ABERGLAUBE 

mit  ainer  hand  von  dem  ga^n, 

vill  wend  den  taig  folgen  *) 

an  der  hailigen  sampstag  nacht. 

nianger  auch  karacterea  macht 

av8z  pirmit  virgineum 

ettlich  puctieren  den  linium 

jn  der  kunst  geometria 

8o  nympt  der  denn  ohen  pratv 

uon  den  gerechten  äugen 

vnd  daz  plvit  %fon  den  krawen 

vnd  macht  darusz  zaubery; 

manger  n3rmpt  ain  järigea   zwy 

von  ainem  wilden  hasaelpawm] 

so  send  denn  ettlich  frawen, 

die  erschlingen  vmb  die  kirchen  **)  gen 

vnd  haissent  die  totten  auf  sterty 

vnd  niement  den  ring  von  der  kircJien  tür 

jn  die  liandy  vnd  ruffend  *her  für' 

und  sprechend  4ch  riir  disen  rink, 

stett  auf,  ir  alten  pärttUngT 

do  send  auch  ettlich  man 

sie  nement  von  dem  galgen  ain  apan 


*)  talgen,  kneten,  talken. 

**)  es  steht  in  der  hs.  kuechen^  das  anpassend  scheint,  aber  aicb 
in  dem  fahrenden  achüUr  vorkommt,  ans  dem  ich  die  ganze  hierber 
einKhIagende  stelle  mittheile  (Aw.  2,  65.  56): 

mit  wunderlichen  Sachen 

l^r  ich  sie  denne  machen 

▼on  wahs  einen  kobolty 

wil  aie,  das  er  ir  werde  holt, 

und  töufen  in  dem  bmnnen, 

und  legen  an  die   sunnent 

und  undersins  umb  die  kuechen  gdn» 


so  beginn  ich  sie  dan  llren 
den  ars  des  nahtes  kdren 
g^n  des  liebten  mdnen  schtn; 
die  Ur  ich  d&  ze  velde  sfn, 
die  l^r  ich  holn  waschen^ 
die  brunzen  in  die  asehen, 
die  Ur  ich  brant  betrechent 
die  l^r  ich  morchen  brechent 
die  l^r  ich  batSnien  graben^ 
die  ungesprochen  traben, 
die  t^r  icn  nahtes  nacket  stim 
die  erslingen  gin  dem  fiure  gin» 


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ABERGLAUBB  htn 

vnd  legent  den  vnder  die  kirchtür, 

80  8olt  kain  pfennig  gaun  hin  für ; 

vnd  ettlich  nützend  den  strängen 

da  ain  dieb  an  ist  erhangen 

und  an  der  raifchnac/U  wirffet  man 

die  schnchy  alz  ich  gehört  han, 

über  daz  haubt  erschlingeny 

vnd  wa  sich  der  spitz  kert  hyn 

da   sol  der  mensch   beliben. 

vnd  vil  lutt  die  tribent 

wunder  mit  dem  huffna^el^ 

vnd   ettlich  steckend  naiSsl 

den  lütten  jn  die  magen; 

vnd   sämlich  laund   nicht  jagen 

die  hund  auf  der  rechten  fert, 

ettlich  send   so  wol  gelert, 

das  sy  an  sich  mit  gewalt 

nemen  ainer  hatzen  gestalt. 

so  findt  man  den  zaubrinin  vurain, 

die  den   lütten  den  wein 

trinchend  auss  den  heiern  verstolen, 

die  selben  haisset  man  vnuerholen« 

so  send  denn  ettliche^ 

w^enn  sy  sechend  ain  liehe 

so  raunent  sy  dem  totten  zxl 

und  sprechend  ^hum  morgen  frn 

und  sag  mir,  wie  es  dir  dort  gee*, 

so  faret  man  vber  see 

die  lewt  mit  guttem  winde,      •• 

und  ettlich  nement  jre  kinde 

wenn  es  nit  gesclüauffen  mag, 

und  treitz  herfür  an  die  hayttren  tag, 

und  legtz  für  sich  ain  aichin  prandt 

und  nympt  ain  scheitt  jn  sein  hand 

und  schlecht  den  prand  mer  denn  zwir» 

so  gett  ain  andrew  denn  py  jr 

und  spricht  'waz  newestu?' 

'da  nae  ich  hie  nu 

meins  kindes  masslaid  vnd  nachtgeschrey 

und  alle  main  zunge  enzway*. 

so  send  denn  ettlich  also  getan, 

wenn  sy  den  ormutzel  han, 

so  nemend  sy  ain   küssy  in  die  hand 

und  schlachends  an  den  schlauf  zeliand 


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LYiii  ABERGLAUBE 

und  spricht  ^flewch,  flewcli  ormüizel, 

dich  jagt  ain  küesi  zyplTeÜ' 

mauig  zaubrerin  die  seia 

die  nement  ain  /uiche/i  vnd  schlackend  wein 

auss  einer  dur  aicliin  saul, 

und  ettlich  machend  mit  dem  hnul 

vaden  mangerlay  trauiFerey, 

so  nempt  manger  gersten  pry 

vur  dryaffel,  hör  ich  sagen, 

mangew  wil  den  dich  laben 

der  an  dem  galgen  erliaugen  ist, 

auch  habent  vii  lütt  den  list 

das  sy  nützen  daz  totten  tuch 

und  ettlich  stelon  aus  der  pruch 

dem  man  sein   geschirr  gar, 

so  farent  ettlich  mit  der   far 

aujf  helhern  vnd  auch  pechen 

durch  stain  vnd  stocke. 

H,  aus  doctor  Hartlieha  (leibarztes  herzog  Albrechts  von 
Baiern)  buch  aller  verboten  kunst,  ungelaubens,  und 
der  Zauberei,  geschrieben  1455  an  Johans  markgrafen 
von  Brandenburg,  (cod.  pal.  478,  einer  hs.  zu  Wol- 
fenbüttel erwähnen  UfFenbachs  reisen  1,  310.) 

cap.  31.  32  von  dem  faren  in  den  lüften.  In  der 
bösen  sclmödcn  kunst  nigramancia  ist  noch  ain  torhait  das 
die  lewt  machen  mit  iren  zauberlisten  ross^  die  komen 
dan  in  ain  alts  hus^  vnd  so  der  man  wil,  so^  sitzt  cp 
daruff,  vnd  reitt  in  kurzen  zeiten  gar  vil  meil.  wan  er 
absitslen  wil  so  behelt  er  den  za\fm ,  vnd  so  er  wider 
vfsitzen  wil,  so  rüttelt  er  den  zavm^  so  chomt  das  ro9 
wider.  Das  ros  ist  in  warhait  der  recht  tewffel.  zu  so« 
lieber  zaubrey  gehört  vedermeusplüt  damit  müsz  sich  der 
mensch  dem  tiuffel  mit  vnkunden  worlcn  versclu-eiben, 
als  debra  ebra.  das  stuck  ist  by  ^ttlichen  fürsten  gar  ge-» 
main,  vor  dem  sol  sich  dein  fürstlich  gnad  hütten. 

Zu  söUchen  farn  nützen  auch  man  und  weih,  nem  — 
lieh  die  vnhulden^  ain  salb  die  haissen  vn ^entum  phare^ 
Hf,  die  machen  sie  vss  sihen  Jcrewtern  vnd  prechen  ytcXx^ 
li(h^  krawt  an  ainem  tag  der  dan  demselben  krawt  zu- 
gehört, als  am  suntag  prechen  u.  gi*aben  si  solsequiuin, 
am  mentag  lunaiuam^  am  erctag  verbenani,  am  mittwocJieti 
mercurialem,  am  phinztag  barbam  jovis,  am  freitag  capil- 
los  veneria,    daivss  machen    sie  dui    salben    mit  migcbimg 


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ABERGLAUBE  lix 

eüiclis  plutz  von  vogel  auch  scliinalz  von  tieren ,  das  ich 
als  nit  schreib  das  yeman  darvon  sol  geergert  werden« 
vrann  sie  dan  wölln,  so  bestraichen  sie  penh  oder  seule^ 
rechen  oder  ofengabel/i,  und  faren  dahin. 

cap.  34.  hagel  u.  schaur  zu  machen  ist  auch  der 
kirnst  aine,  wan  wer  damit  umbgan  wil  der  muss  nit 
allain  sich  dem  tiufel  geben,  sunder  auch  gotz,  des  hailigcn 
tauffs  u.  aller  cristenlicher  gnad  verlaugnen.  Die  kunst 
tünd  und  treiben  nit  mer  dan  die  alten  weib  die  dan  an 
got  verzagt  sind.  Hör  und  merk,  o  hochgelebter  fürst, 
ain  grosse  sach  die  mir  selbst  begegnet  ist,  und  geschehen 
ist  da  man  zalt  von  Christi  Jhesu  gepurt  tusent  vierhun- 
dert und  im  sechs  imd  vierzigsten  jare.  Da  -wurden  ett- 
lich  frawen  zu  Haidelherg  verprannt  vmb  zaubreye,  ir 
rechte  lermaistrin  kam  darvon.  darnach  in  dem  andren 
jar  kam  ich  in  potschaft  von  Manchen  zu  dem  durchleuch- 
tigen hochgepornen  pfalzgrau fen  herzog  Ludwig,  dem  got 
genady  wan  sol  ain  fürst  durch  sein  trüi  behalten  wer- 
den, so  ist  er  ye  bey  got.  In  den  selben  tagen  kamen 
mar  vne  die  maistrin  gefangen  war.  Ich  batt  sein  genad 
das  er  mich  zu  ir  liess,  der  fürst  was  willig.  Er  tett  die 
frawen,  auch  den  ketzermeister,  mir  zupringen  in  ain  stät- 
iin  haisst  Götscham  in  Seins  hofmaisters  hus  genant  Fet- 
ter von  Talhaym.  Ich  erwarb  von  dem  fürsten  die  genad, 
wann  mich  die  fraw  lernet  schaur  und  hagel  machen,  das 
er  sie  leben  wolt  lassen,  doch  das  sie  sein  land  verswern 
solt.  Als  ich  zu  der  frawen  u.  dem  ketzermaister  in  ain 
Stuben  allain  kam  u.  begert  ir  lere,  die  fraw  sprach,  sie 
möcht  mich  die  sach  nit  gelernen,  ich  wolt  dan  alles  tun 
das  sie  mich  lernet.  Ich  fragt  was  das  war,  damit  ich  got 
nit  erzürnet  und  nit  wider  cristenlichen  gelauben  tätt, 
das  wolt  ich  tiiu.  8y  lag  mit  ainem  fuss  in  ainem  eysen, 
und  sprach  zu  mir  dise  wort :  'lieber  sun ,  du  must  am 
ersten  gotz  verlaugnen,  der  lauf  und  aller  sacrament,  da- 
mit du  gesalbt  und  bezaichent  bist,  darnach  must  du  ver- 
laugnen aller  hailigen  gotes  und  voruss  seiner  muter  Ma- 
ria, darnach  so  must  du  dich  mit  leib  u.  sei  ergeben  den 
drei  tilißen  die  ich  dir  nenn^  und  die  geben  dir  ain  zeit 
zu  leben  u.  verspreclient  dein  willen  zu  iaisten  als  lang 
bis  die  zeit  verendet  wirt\  Ich  sprach  zu  der  frawen  r 
'was  muss  ich  mer  hui?'  die  fraw  sprach:  'nit  mer,  wann 
du  der  sach  begerst,  so  gang  an  ain  gehaym,  und  ruf  den 
gaisten,  und  opfer  in  das.  so  chomen  sy  und  machent  dir 
in  ainer  stund  hagel  wa  du  wilt.'  Ich  sagt  der  frawen 
das  ich  der  sach  chaine   tun    wolt,    wann   ich   vor    geredt 


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I.X  ABERGLAUBE 

hett,  möclit  sie  mir  sölich  kirnst  miltaileu,  das  idi  gott 
nicht  erzürnet,  auch  wider  cristenlichen  glauben  nit  tilt, 
80  wolt  ich  sie  ledig  machen.  Sy  sprach  das  sie  die  aach 
nit  anders  kündt.  Die  fraw  wart  vrider  geantwurt  Han- 
sen von  Tailhaim,  der  tett  sie  verprennen^  da  er  sie  ge« 
fangen  hett* 

cap.  50,  es  ist  aber  ain  ungelaub,  wann  man  ain 
Verlust  tut,  so  sind  lütt,  die  beswern  ain  prot  und  stechen 
darein  driü  measer  in  driü  crütz  und  ain  spindel  und 
aineu  enspin  daran  und  halten  das  zwain  person  uf 
den  ungenanten  vinger^  und  beswert  bey  den  hailigen 
zwölfboten. 

cap.  51.  mer  vind  man  lewt  die  ainen  lä^  segneni 
und  mainent,  wer  schuldig  sei  an  dem  diebstal  der  mng 
des  käs  nit  essen,  wiewol  darein  etlich  aaiffen  für  hiU 
geben  wird,  noch  ist  es  sünd. 

cap.  55.  56.  57.  wann  der  maister  in  diser  kunst 
(ydromancia)  will  erfragen  diebstal ^  schätz  graben,  oder 
aunst  was  er  dann  haimliches  wissen  will,  so  gat  er  ain 
auntag  vor  der  sunnen  uff  gang  zu  drein  flieasenaen  prun» 
nen  und  schöpft  us  yeglichem  ain  wenig  in  ain  lauter  pn* 
liertz  glas,  und  tregt  es  haim  in  ainen  schönen  gemach ,  da 
prennt  er  dan  kerzen  vor  und  legt  dem  wasser  ere  an 
aam  gott  selber.  Damach  nimbt  er  ain  rain  kindj  und 
setzt  das  uf  ainen  schönen  stul  für  das  wasser.  w^ann  nun 
das  rain  kind  da  sitzt,  so  stat  der  zaubermaister  hinder  im 
imd  spricht  im  etliche  unerkante  wort  in  die  oren.  dar- 
nach list  er  unerkante  wort^  und  haisst  im  das  rain  kint  die 
wort  nachsprechen,  was  die  wort  bedeuten,  kan  noch 
kain  maistr  üssgelegen,  dann  das  der  mensch  mit  sölichoi 
verporgen  worten  sich  selb  got  benimbt  und  sich  dem  bösen 
tewfel  gibt.  Wenn  nun  der  maister  den  knaben  also  vor  im 
hat,  so  haisst  er  in  sehen  was  er  sech,  imd  fragt  dann  nadi 
dem  schätz,  diebstal  oder  sunst  wornach  er  will,  die  ain- 
falt  des  kinds  macht  das  es  spricht,  es  sech  diss  oder  das, 
darin  vermist  sich  dan  der  bös  tiüfel  u.  lasst  erscheinen 
oft  das  unwar  für  das  war. 

cap.  58.  Es  sind  noch  gar  vil  weg  wie  man  das  fPa«- 
eer  schöpfen  8(fl.  wan  etlich  nemen  es  in  fliessenden  was- 
sern, das  lassen  sie  auch  gefallen^  und  tunt  das  in  ain  glas. 
Etlich  die  hollcn  sölich  wasser  in  steenden  weyem,  und 
sieden  das  alsweg  in  den  ern  der  gaist,  die  dan  sie  mmoen 
gewalt  zu  haben  über  die  wasser,  der  aller  herre  und  fürst 
ist  Salathielj  als  die  maister  sprechen. 

cap.  60.     Etlich  weih  besprengen  Ire  kraut  oder  pflan* 


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ABERGLAUBE  lu 

sen  mit  gefpeichtem  waaaer  j  und  mainent  das  die  kraut- 
vrürm  mit  daran  komen  süllen,  das  ist  als  ein  ungelaube« 
£a  sind  etlich  hoflüt,  wann  die  new  sporn  haben ,  so  stos- 
sen  sie  die  mit  den  rädlen  in  ainen  weichprunnen  und 
sprechen^  was  sie  damit  hawen  das  geschwell  nimermer. 
das  ist  alles  ein  ungelaube.  Etlich  zaubrerin  die  gand  zu 
ainem  mälradj  und  vahent  das  wasser  in  dem  luft,  das 
vorii  dem  rad  uffspringt,  mit  dem  selben  wasser  treibent 
sie  manigerhand  zaubrei  zi^  lieb  und  zu  feintschaft.  auch 
vrer  nit  gut  man  gesein.mag,  dem  helfen  sie  damit  das  er 
gut  man  müg  gesein.     das  ist  alles  ein  ungelaub. 

cap.  61.  auch  sind  etlich  bös  cristen  die  mit  maniger- 
hand wasser  zaubrei  treiben,  als  von  dem  gesegenten  ge^ 
weichten  tauf  ^  daran  aller  cristen  hail  und  säld  ligt,  da- 
mit zaubern  si  und  machent  gar  yil  damit  das  nit  zu 
schreiben  ist.  ja,  wellichs  alt  weih  mag  gehaben  den  tauf 
die  maint  das  sie  hab  den  haan  ertanzt. 

cap.  63.  aber  ain  zauberlist  von  dem  wasser.  ettlich 
nemen  zwai  ding  als  Iiölzlen,  hälmlen  oder  ringe  münz 
als  haller,  und  nemen  ains  nach  ainer  person,  und  das 
ander  nach  der  andern  person,  und  wann  die  zwai  ding 
zusammen  rinnen  uff*  dem  wasser  in  ainem  pecl^  so 
süUen  die  zwai  zusamen  chomen;  flüicht  aber  ains  vor 
dem  andern,  so  süllen  si  nit  zusamen  chomen,  und  wel- 
lichs am  ersten  flüicht  des  sol  die  schuld  sein.  Die  mai- 
ster  dis  üngelaubens  versuchen  auch  damit,  welliches  un-* 
der  zwai  eelüten  ee  sterben  sol,  wann  sie  mainen  wellichs 
ee  versinhy  das  sol  am  ersten  sterben. 

cap.  67.  68.  Nun  wil  ich  schreiben  von  der  vierden 
kunst  die  verboten  ist,  und  haisst  aremancia ,  und  gat  zu 
mit  dem  luft,  auch  was  darin  swebt  und  lebt.  Die  kunst 
ist  gar  vast  bei  den  haiden,  die  habent  auch  darin  sölich 
gross  imgelauben,  das  sie  das  eren  und  anbeten,  das  in 
am  ersten  erscheint,  und  das  eren  sie  dan  desselben  tags 
für  iren  got.  Die  bösen  cristen  treiben  mit  der  kunst  vil 
üngelaubens,  wan  sie  reden  wann  ainem  ain  luis  begegne 
das  sei  ungelück,  und  wann  ainem  ain  wolf  begegne  so 
soll  das  ain  gross  gelück  sein,  der  ungelauben  sint  gar 
vil  in  manigen  tieren.  Es  sint  lewt  die  mainent,  wann 
ainem  die  vQgel  fliegen  zu  der  rechten  hant^  so  sol  es 
bedeuten  grossen  gewin  und  gross  gelück,  und  wan  sie 
fliegen  zu  der  gUnggen  Seiten,  so  sol  es  ungelück  imd 
Verlust  bedeuten.  Das  alles  ist  ain  ungelaub.  Es  sind  lüt 
die  gross  glauben  haben  an  den  aren  und  mainent,  ye 
wan  er  tascJienhalb  flieg,    es  süll  bedeuten  gross  gelück 


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uu  ABBaGLAUBB 

oder  grossen  gevrin.  Es  sind  leut  die  habent  so  grossen 
gelaubeu  daran  ^  das  sie  ir  tuschen  an  die  andern  selten 
heren,  wann  dann  der  ar  sich  auch  umbkerty  das  oft 
von  geschieht  komt,    allererst  so   habent   si    dan    grossen 

gelaiiben  und  mainent  das  es  nit  yäl sunder  z^reifel 

der  tewfel  ist  der  kunst  rechter  erdichter  und  einplaser, 
er  verwandelt  sich  auch  selb  in  sölich  gejügel  darumb 
das  er  die  lüt  betrüg. 

cap.  69.     Es   sind  auch  etlich   fürstenherm    arm    und 
reich,  die  ir  gejaid  halten  auf  etlich  tag  und  wann  der  oder 

diser  wind  tut  wäen  ^  das  ist  alles  ungelaub 

Etlich  lüt  tragen  hoch  uedern  in  den  hüten  das  tünd  sie 
dariunb  das  si  wissen,  von  wannen  der  wind  gang  und 
mainent  das  sie  in  etlichen  Sachen  gelück  haben  wider  den 
wind,  und  in  etlichen  andern  Sachen  habent  sie  gelück  von 
dem  wind,  das  ist  alles  ein  ungelaub  und  zaubrei. 

cap.  73.    Es  ist  noch  ein   ungelaub  in  der  kunst  die 
ist  also ,  wan  ein  mensch   nieset ,   damit   sich   dan  natür- 
lich das  hirn  ravmet,   das  haben  sie  für  ein  gross  zaichen 
glück  oder  Unglücks,   und  nemen  damss  ir  Weissagung  als 
ob  der  nieser  drei  sind,  so  sein  vier  dieb  iirnb  das  hus» 
Ist  ir  dan  zwen  so  sol  der  mensch  wider  ufsten,   und  sich 
anders  legen  sclilaufen ,    ist    ir  aber  dreizehen  so  sol  es 
vast  gut  sein^  und  was  in  die  nacht  erscheinet,  das  sol  im 
als  in  gut  war  werden,     auch  des  morgens  so  der  menscfa 
von  dem  pett  gat,  so  bedeuten  die  nieser  aber  anders,  d«r 
ding  sind  gar  vil,    und  das  alles  ist  ain  rechter  tmgelanb. 
cap.   74.  es  sprechen  auch    etlich   natürlich   maister^    das 
sölich  niesen  fast  nahet  dem  schlag,    wan  solten  die   gro- 
ben wind  in  dem  hiren  verschopt  beleiben  und  nit  iissgan, 
den  menschen  schlug  der  schlag  als  zu  band,    wann  dar- 
umb  haissen   das  etlich  maister  die   minder  applexia,    das 
ist  der  ciain  schlag,    wann  so   der  mensch  niest  so  ist  er 
vil  seiner  gelider  in  dehainen  weg  gewaltig,    aber  von  doi 
genaden  gottes  so  wert  es  nit  lang  das  ist  das  pest* 

cap.  77.  Es  sind  auch  etlich  lewt  und  nemlich  gross 
fürsten,  die  gar  und  ganz  gelauben  und  mainen  wann 
gross  ungestüm  kämen,  dass  dann  gross  verrätrei  ge- 
schehen süllen,  das  ist  ein  gross  irrung. 

cap.  79.  man  vindt  etlich  zaubrerin  die  machent  pild 
und  atzman  von  wachs  und  andern  dingen,  sie  machen 
die  zu  etlichen  stimden  und  nennen  etlichen  kund  und  on- 
kund  namen,  und  henken  das  in  die  lu/t,  und  so  der 
wind  das  riirt  so  mainen  si,  das  der  mensch  in  des  na- 
men es  gemacht  ist  der  sol  kein  nie  luiben.    das  alles  ist 


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ABERGLAUBE  um 

ain  grosser  uligelaub  und  zaubreL  etlich  kirnt  (1.  tünt) 
das  mit  ainem  aspenplat  und  schreiben  daruf  auch  ir 
zaubrei,  und  mainent  damit  lieb  zwischen  lüten  zu  machen« 
Von  sülichen  atzmannen  hab  ich  gar  vil  gelesen  in  der 
kunst  magica,  da  ist  Vermischung  des  gestirns  und  auch  et- 
licher unkunder  wort  und  sunst  gar  \il  framder  ding,  dad 
alles  ist  rechte  zaubrei  und  ain  böser  ungelaub.  ich  hab 
auch  vil  hören  sagen  w^ie  die  weib  sölich  atzman  machen 
und  sie  pei  ainem  Jewr  päen ,  damit  sie  dan  kestigen 
die  man. 

cap.  80.  Es  sind  frawen  und  man  die  sich  underwin- 
den  feuere  zu  machen  und  in  dem  fewre  dan  sehen  ge- 
schechne  und  künftige  ding.  Die  maisler  und  maistrin  diser 
tewilischer  kunst  haben  besunder  tag,  darin  lassen  sie  in 
holz  zuberaiten,  und  wann  sie  ir  kunst  treiben  wollen,  so 
gand  sie  an  ain  gehaime  stat  und  füren  mit  in  die  armen 
torhaftigen  menschen  den  sie  dan  warsagen  süllen.  sie  haissen 
sie  niderhniegen  und  dem  enget  des  Jeu^rs ,  den  sie  eren 
und  anbäten ,  auch  opfern,  mit  dem  opfer  zünden  sie  das 
holz  an,  u^d  sieht  der  maister  gar  genaw  in  das  fewr ,  er 
merkt  wol  was  im  darin  erscheint. 

cap.  83.  Die  kirnst  pyromancia  treibt  man  gar  mit  ma- 
nigerlei  weis  und  form,  etlich  maisler  der  kunst  nemen  ain 
rains  hind  und  setzen  das  in  ir  schossy  und  heben  dan 
sein  band  uiT  und  lassen  das  in  seinen  nagel  sehen,  und 
bescliweren  das  chiud  und  den  nagel  mit  ainer  grossen  be- 
ßweruDg,  und  sprechen  dan  dem  chind  in  ain  ore  driu  un- 
chunde  wort,  der  ist  ains  Oriel,  die  andern  beschweig  ich 
von  crgrung  wegen,  darnach  so  fragen  sie  das  chind  umb 
was  sie  wollen,  und  mainen  das  chind  süll  das  sehen  in  dem 
nagel,  das  alles  ist  ain  rechter  ungelaub,  und  du  cristen- 
mensch  solt  dich  hütten  darvor. 

cap.  84.  mer  ist  ain  trugenlicher  list  in  der  kunst, 
das  die  maister  nemen  öl  und  russ  von  ainer  pfannen^ 
und  salben  auch  ain  rains  chind,,  es  sei maid  oder  kneb/in, 
die  haut  und  machent  das  vast  gleichent,  und  heben  die 
hand  an  die  sannen  das  die  sunn  darein  schein,  oder  sie 
heben  ierzen,  die  heben  sie  gegen  der  hend  und  lassen  das 
chind  darein  sehen,  und  fragen  dan  das  cliind  wornach 
sie  wollen ;  so  ist  ir  mainung  was  das  chind  in  sag  das  süll 
war  sein,  sie  wissen  aber  laider  nit  wie  der  bös  tiüfel  sich 
darein  mischet;  und  vil  mer  unrecht  dan  recht  erschei- 
nen lasst. 

cap.  88.  Die  maister  und  ir^leichen  die  treiben  di« 
kunst  auch  in  ainem  schlechten  Spiegel  und  lassen  linder 


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LXif  ABEAGLAUBE 

darein  sehen  die  sie  dan  auch  vast  beswem  und  in  audi 
verporgne  wort  einraunen  und  mainent  vast  vil  darin  zu 
er&agen.  das  ist  alles  ain  ungelaub  und  des  bösen  te\¥fels 
gespenst  und  yerfurung.  hüt  dich  du  cristen^  icJi  warn  dich 
gar  treulich,  auch  treibt  man  die  sach  in  ainem  schönen 
glänzen  pulierten  swert  y  und  die  maister  diser  kunst 
mainent  ettlich  wann  man  müg  wol  nach  streit  oder  grüm- 
Samen  Sachen  fragen,  so  sei  das  (ain)  stiert  sein ,  das 
pil  leut  damit  er  tot  sein ,  so  körnen  die  gaist  dester  ee 
und  pelder.  wann  man  fragen  wil  nach  lust  und  iräden, 
kunst  erfinden,  oder  schätz  zu  graben,  so  sol  das  swert 
rain  und  unpermailigt  sein»  ich  waiss  selbs  ain  grossen 
forsten,  wer  dem  prlngt  ain  altes  haher  swert  ^  der  hat 
in  hoch  geert. 

cap.  90.  9  t.     In  der  kunst  pyromancia  sind  auch  gar 
vil  ander  ungelaubeu,   und  nemlich  ainer  der  sol  des  ge« 
wiss  sein,    der  ist  der  allersnödest  und    bösest,    wann   so 
man  ie  vester  gelaubt    an    sühch    zaubrei  so   si   iemer  ist 
sünd.     das  stück  gat  zu,  das  die  Inaben  künftige  und  alle 
ding  süllen  sehen   in  ainem   criatallen.    das  stück  treiben 
die    valschen    verzweifelten    und    verzagten    cristen,     den 
dann  lieber  ist  des  tiüfels  gespenst  und  trugnuss,   dan  die 
warheit  gottes  in  maniger  band   weis.     Ettlich  haben  gar 
ain  lautern  schönen  gepulierten  cristallen  oder  pariU 
len,  den  lassen  sie  waihen  und  halten  in  gar  rain  und  le- 
sen dazu  weirravch,  mirren  und  desgleichen,  imd  wann  aie 
die  kunst  treiben  wollen,  so  warten  si  uf  gar  ainen  sc/iöa 
tag   oder  baben  ain  rain  gemach  und  dann  gar  vil  ge- 
weichter kerzen.    Die  maister  gand  den  gen  bad  und  nemen 
dann   das  rain  chind  mit  in  und  beclaiden  sich  dan  in 
raines  weiss  gewand,  und  sitzen  nider  und  sprechen  in 
Zauber  bat,  und  prennen  dann  ir  zauberopfer  und  lassen 
dann  den  knaben  in  den  stain  sehen  und  raunen  im  in 
seine  oren  verporgen  wort  die  süllen  vast  liaihg  sein,  war- 
lich, die  wort  sind  tewflisch.     Darnach  fragen  sie  den  kna- 
ben,   ob  er  icht  sech  ainen  engel?    wan  der  knab  spricht 
ja,  so  ^'agen  sie  in  was  varb  er  anhab?   spricht  der  knab 
rottf   so   sprechen   die  maister  ie,   der  engel  ist  zornige 
ynd  bäten  aber   mer  und  opfernt  dem  bösen  tewfel  aber 
mer.    darinn    hat    dan    der  bös    tewfel    ain    wolgefallen* 
spricht  der  knab  dan,  der  engel  ist  schwarz ,    so  spricht 
der  maister,    der  engel  ist  vast  zornig  wir  müssen  noch 
mer  hätten   und   mer  Hecht  prennen  ^   damit  wir   senften 
den   zorn   des  engeis.   und   bätten  dan  mer  und    opfernt 
mit  ravch  machen  und  andern  dingen wan  dan 


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ABERGLAUBE  lxy 

den  tiiifel  bedunkt,  das  er  dienst  genüg  hab,  so  lassl  er 
erscheinen  den  engel  in  weiss  ^  so  ist  dan  der  maister 
fro,  so  fragt  er  dan  das  chind  was  hat  der  engel  in  der 
7iand?  er  fragt  in  also  lang  bis  er  spricht  *ich  sich  ain 
zcdei  in  des  engeis  band.'  so  fragt  er  dan  so  lang  bis  er 
siebt  piichstaben.  die  selben  puchstaben  sambent  dan  der 
maister  und  macht  daruss  wort,  so  lang  bis  er  hat  darnacli 
er  gefragt  hat. 

cap.  94.  Es  ist  wol  geschehen  das  etlicli  priester  uf 
sölich  visiones  so  gar  verbaft  waren,  das  si  die  hailigen 
pcitenas^  daruf  man  got  in  der  mess  handelt  und  wandelt, 
nanien,  die  Hessen  die  kind  darinne  sehen  imd  lietten  glau- 
ben, das  allain  die  hailigen  engel  darin  erscheinen  möch- 
ten und  chain  tewfel.   dieselben  haben  gar  vast  geirret  etc. 

cap.  96.  noch  treibt  man  ainen  zauberlist  den  man 
auch  zuschreibt  der  kunst  pyromancia  ...  die  maister  der 
kunst  nemen  plei  oder  zin  und  zerlassen  das,  und  giessen 
es  dan  in  am  wasser,  und  nemen.  das  pald  wider  darus 
und  beswern  die  parb  und  Lochien  des  pleis  oder  zins, 
und  sagen  künftige  oder  vergangne  ding  davon,  das  alles 
aln  ungelaub  ist. 

cap.  102.  noch  wiss,  das  die  menschen  auch  ansehen 
die  vinger^  ob  der  ciain  vinger  gang  an  dem  goltvinger 
über  das  ober  glide.  das  sol  gross  glück  bedeuten  und 
so  es  ie  vester  dariibergang  so  sei  das  glück  ie  grösser. 
Mar  ob  der  selb  ciain  vinger  das  glid  an  dem  benanten 
goltfinger  mit  rilr  ^  derselb  mensch  sol  so  gar  Unglück- 
haftig  sein,  ker  dich  nicht  dran  du  guter  cristen,  es  ist 
ain  tand. 

cap.  103.  Es  ist  ain  volk  züicht  vil  in  der  weit 
umb,  das  haisst  zygainer^  das  selb  volk  weib  und  man 
kind  und  auch  alt  die  treiben  die  kunst  gar  vast  und  ver- 
füren manlcli  ain fal ticlichen  menschen  etc. 

cap.  106.  107.  108.  von  einer  warsagerin,  die  doctor 
Hartlieb  selbst  gekannt,  und  welche  vorgab:  das  die  kunst 
lange  jar  in  irem  Geschlecht  gewesen  war  und  nach  irem 
tod  so  häm  die  genad  uf  ire  elteste.  die  frau  wird  von 
den  leuten  geelirt  und  eingeladen.  Ich  batt  sie  ir  kunst 
mit  mir  auch  zu  tailen.  si  was  willig,  sie  hicss  mich  wa- 
schen mein  hend  und  Irücknet  die  mit  ir  band  selb  und 
neigt  ilir  gesiebt  gar  genaw  uf  mein  hend  und  sagt  mir 
sach»  die  an  mir  nicht  müglich  sind  zu  geschehen. 

cap.  115.  116.  Spatalamancia  ist  der  siben  verpot- 
tert  kunst  aine,  die  kunst  gat  gar  mit  ainem  spähen  frem- 
den list  zu.     imd   80  ich  alle  kunst  wol  betracht,    so    hab 

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LXYi  ABBaGLAUBB 

ich  noch  nie  kaine  oder  ungelauben  funden,  der  minder 
grimds  hab  dan  die  kunst,  zwar  es  ist  "wol  ain  gespöttische 
kunst die  maister  diser  kunst  nemen  ain  Schul- 
ter n  von  ainem  toten  ochsen  oder  pfärd,  hu  oder  eseL 
wan  ich  hab  sie  gefragt  das  si  sagten,  nach  ains  menschen 
schultern,  die  dan  die  pest  sei,  so  sein  aller  grosser  tier 
schultern  vast  gut,  und  waschen  die  schultern  gar  wol  mit 
wain,  darnach  mit  weichwasser.  Si  pinden  sie  in  ain  rain 
tuch,  und  so  si  ir  kunst  und  zauberlist  treiben  wollen  ^  so 
pinden  si  uf  die  schultern  und  tragen  sie  an  ain  stat  usser- 
halb  tachs  und  sehen  dan  in  die  schultern  und  mainen 
das  sich  die  Schulter  vercher  nach  ainer  jeglichen,  frag.  li 
haben  weder  ain  Hecht  noch  opfer,  aber  das  ist  ain  groe- 
«er  ungelaub,  das  si  die  Schulter  waschen  mit  weichwasser 
und  das  sie  gelauben  das  sich  die  Schulter  durch  ir  frag 
vercher  und  verwandel.  der  maister  gelaub  ist  so  gro» 
das  si  nach  kainem  grund  der  kunst  fragen,  si  sagen  von 
freiem  herzen  alles  das  in   dan  einfeit,    uf  sölich  frag  za 

lösen  und  zu  entschaiden sie  mainen  das  sie  alk 

ding  erfragen  mügen. 

cap.  120.  die  maister  diser  kunst  haben  auch  lar; 
und  ufsehen,  wie  die  Schulter  varb  hab,  an  dem  end  an 
der  mitt  und  an  allen  örtenu  darnach  pläst  in  dann  der 
teufel  ein,  was  sie  gelauben  und  reden  süllen. 

cap.  121.  am  ersten  wil  ich  schreiben  von  den 
gennspain ,  als  man  zu  sant  IVIartinstag  oder  nacht  die 
gans  geessen  hat,  so  behalten  die  ehesten  und  die  weisen 
das  prustpain,  und  lassen  das  trucken  werden  bis  UMff- 
gens  fru  und  schawen  dan  das  nach  allen  umbstendeo, 
vorn  binden  und  in  der  mitt.  Darnach  so  urtailen  ö  din 
den  Ufinter  wie  er  sol  werden  halt  warrn  truclen  ote*  i 
nass ,  und  sind  so  vest  des  gelauben ,  das  si  daruf  ver-  i 
wetten  ir  gut  und  hab.  si  haben  auch  daruf  ain  suiidtf 
loss  das  nit  välen  soll  noch  mag,  als  si  sagen  von  den 
Schnee  ob  der  gross  werden  sol  oder  ciain,  das  alles  kana 
das  gensspain.  Vorzeiten  gieugen  ^9^  alten  pawren  v§ 
den  ainöden  damit  umb,  nun  ist  der  ungelaub  gevrach- 
8en*in  küngen  fursten  und  dem  ganzen  adel,  die  an  soüd 
sach  gelauben* 

pag  76**  77*.  Noch  will  ich  dir  ains  schreiben  ven 
dem  genspain  das  mir  in  kürz  gesagt  hat  ain  gross  si^id 
capitani,  an  den  gross  forsten  und  gemain  gross  gelaabeo 
haben,  ains  durch  sein  tat,  das  ander  durch  sein  weishait, 
das  dritt  durch  sein  trüi  die  er  allweg  in  allen  nöten  an 
•ein  erbfürsten  gehalten  hat.    derselb  gut  man  sprach  hewr 


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I 


ABERGLAUBE  Lxni 

in  dem  jar  tusent  vierhundert  und  fünf  und  fünfzig  jar  an 
sant  Nidaufitag  zu  mir,  'lieber  maister,  wie  wirl  der  win- 
ter  hewr  stan,  nachdem  ak  ir  sternseher  half?  Ich  was 
pald  und  pald  als  ich  noch  bin,  und  sprach  *her  Saturnus 
gat  in  dem  monat  in  ain  fewrin  zaichen,  so  sind  auch 
ander  Stern  darnach  geschickt  das  in  drein  jarn  kain  hcr- 
ter  winter  wirf.  Der  unverzagt  man,  der  cristenlich 
haubtman  zoch  uss  seiner  wennd  den  kezrischen  ungelau- 
ben,  das  gennspain ,  und  zaigt  mir,  das  nach  liechtmess 
vast  grosse  keltin  werden  solt  und  möcht  nicht  gefaleo. 
was  ich  sagt,  er  sagt  mir  noch  mer,  und  sagt  mir  das  die 
tea^tschen  herm  in  Brewssn  all  ir  krig  nach  dem  gen^- 
pain  getriben  hetten  und  wie  das  genspain  gezaigl  hett, 
also  hetten  si  ir  zwu  fert,  aine  im  sumer  die  ander  im 
winter,  ussgericht.  er  sprach  noch  mer  dise  worl:  *die 
weil  der  teulsch  orden  dem  pain  volget  die  weil  hetten 
sie  gross  wird  tmd  ere,  seid  aber  si  das  gelassen  haben, 
so  waiss  got  wol  wie  es  umb  sie  statt.'  Ich  sprach  *hett 
der  teUtsch  orden  ander  kunst ,  hilf  und  stuir  nit  dan  das 
gennspain  so  wer  ir  Zuversicht  clain\  mit  dem  schied  ich 
von  meinem  reichen  wirt. 

pag.  76*.  Das  wissen  die  natürlichen  ärzt  wol  und 
sprechen  das  ain  krankhait  sei  die  haisst  bolismus  *)  oder 
apetitus  caninus.  die  selb  krankhait  mag  man  mit  kainem 
essen  oder  trinken  dan  allain  mit  erlznei  erfüllen,  wann 
alle  speis  gat  ungedawt  durch  den  leibe,  also  verschwindt 
das  flaisch  und  die  pain  beleiben  in  ir  grosse,  das  macht 
das  chind  so  ungestalt,  umb  das  haisst  man  die  chind 
wächselkind  **> 

!•     auszüge  aus  neueren  samlungen. 

a.     aus  der   Chemnitzer  rockenphilosophie, 

1.  wer  in  eine  wochenstube  mit  einem  tragkorb  kommt,  mofs  einen 
span  vom  korbe  brechen  and  in  die  wiege  stecken;  sonst  nimmt  er 
der  matter  oder  dem  kind  die  ruhe  mit  weg. 

2.  will  die  matter  wissen,  ob  ihr  kind  heschrien  ist,  so  lecke  sie 
an  seine  stime:  ist  es  beschrien,  so  schmeckt  die  stim  gesalzen, 
gegen  das  bescbreien  räachere  man  mit  kehricht  aus  den  vier  win- 
keln^ mit  abschabsei  ron  den  vier  tischecken  *   mit  neunerlei  holz. 

3.  wer  ein  stück  von  der  wasche  verkehrt  oder  links  anzieht,  wird 
nicht  beschrien. 

4.  man  koche  frauenflachs,  szysche  oder  rufkraut,  bade  den 
kranken  damit  und  setze  das  bad  antera  bett.  ist  er  beschrien,  %o 
laafls  zusammen,  sonst  nicht. 

•*)  pag.  78b  am  ende  steht:  Clara    Hatzlcrin,  name  der  schrei- 
herin ;  von  ihrer  hand  ist  auch  cod.  pal,  677. 


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LXTiu  ABEaGLAüBB 

6.  wer  viel  geld  Iiat  eioznnehmen ,  soll  kreide  bin  zu  legen,  ss 
können   böse  hüte  nicIiU   davon   wieder   holen. 

6.  wäscht  man  »ein  geld  in  reinem  wasser  und  legt  salz  und  hrot 
hinzu,    so  können  der  drache  und  böse  leute  es  nicht  holen. 

7.  wenn  weiber  gam  sieden ,  sollen  sie  dabei  lügen ,  sonst  wird  « 
nicht  weifs. 

8.  über  kehricht  zu  gehn  ist  nicht  gut,    man  hat  kein  glück. 

9.  kleine  kinder  nenne  man  nicht  krebschen ,  sonst  verhütten  &k, 
weil  die  krebse  rückuärts  kriechen. 

10.  wer  verreist,  und  es  lauft  ihm  ein  hase  über  den  weg,  das  ist 
nicht  gut. 

11.  wer  aus  kmg  oder  kanne  trinkt,  ül)ersfanne  den  deckel  nicht 
mit  der  band,   sonst  bekommt  der  nachtrinkende  das  /lerzgesj'ann, 

12.  eitern  sollen  den  kindem  keine  klapper  kaufen  noch  schenkei 
lassen;   sie  lernen  sonst  langsam  und  schwer  rede^i. 

13.  schwerredenden  kindem  hilft  es,    bettelbrot  zu  essen. 

14.  wer  ans  dem  haus  gehend  oder  ausreisend  etvins  vergessen  bat, 
kehre  nicht  um  danach,  sondern  lasse  es  durch  einen  andern  nadi- 
holen ;   sonst  geht  alles  hinter  sich. 

15.  geht  ein  fremdes  in  die  stube,  so  soll  es  juedersitzerij  dafs  es 
den  kindern  die  ruhe  nicht  mit  nehme. 

16.  man  decke  den  tisch  nicht,  ohne  gleich  hrot  aufzulegen;  widri- 
genfalls soll  man  einen  zipfel  des  tischtuchs  Hherschlugen. 

17.  während  die  weiber  federn  in  die  bette  füllen ,  sollen  die  mannet 
nicht  im  hause  bleiben,   sonst  stechen  die  federn  durdis  innelt. 

18.  eine  henne  setze  man  brüten,  während  die  lente  aus  der  kirdie 
gehn,  dann  kriechen  viel  junge  aus. 

19.  wer  grofsköpfigte  liüner  wünscht,  thue  beim  ansetzen  der  glud- 
henne  einen  feinen,   grofsen  Strohhut  auC    vgl.  574. 

20.  das  nestafroh  nehme  man  aus  einem  ehbette,  wenn  es  bänteifi 
geben  soll,   von  des  mannes,   hünlein,   von  der  frauen  seite. 

21.  wer  sich  früh  gewaschen  hat,  soll  das  wasser  von  den  banden 
nicht  abschleudern,  sonst  verschleudert  er  selbiges  tags  die  nahruog. 

22.  eine  ledige  wiege  soll  niemand  wiegen,  sonst  wiegt  man  den 
kind  die  ruhe  weg. 

23.  die  nagel  an  der  kleinen  kinder  bänden  soll  das  erstemal  <fie 
mutter  abhcifsen,   sonst  lernen  sie  stehlen. 

24.  wer  zu  gevattem  steht,  soll  etwas  dazu  borgen,  so  hat  dn 
pathe  immer  credit. 

25.  kinder  nenne  man  nicht  * altmännichen ^  altt4feibichen\  sonst  ver- 
butchen  sie  und  bekommen  runzeln  an  der  stjme. 

26.  sollen  kinder  lange  leben,  lassö  man  die  söhne  JIdam,  die  töeb- 
ter  Li^a  nennen. 

27.  soll  ein  kind  hundert  jähre  alt  werden,  mnfs  man  ihin  aus  dm 
kirchspielen  geuatter   bitten, 

28.  mit  einem  kleinen  kind  soll  man  unter  einem  jähr  nicht  in  dfi 
keller  gehn,   es  wird  sonst  furchtsam. 

29.  läfst  man  es  unter  einem  jähr  in  den  Spiegel  sehen,  so  wW 
es  stolz. 

30.  kinder  die  in  der  taufe  schreien  sterben  bald  and  werben 
nicht  alt. 

31.  bekommen  die  ersten  kinder  der  ehern  namen%  so  sterben  »• 
vor  den  eitern. 


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ABERGLAUBE       /L'=>Vi»^^ 

W wr       A.    >.  V 

32.  sieht  ein  hund  in   den   backoferit    wo  man  backt,  w^rd  d^^^v^     . 
^ro/  erlöset   oder  nbgebacken.  v^^^^    ^? 

33.  wer  teig  im  troge  hat,   kehre  die   stube   nicht   aus,   bil^tß4e^     iJ\     _. 
hinaus  getragen  ist,  sonst  kehrt  er  ein  brot  mit  Jiiuaus.  ^^ri5^%         ^ 
3 1.     der  essig  verdirbt,    wenn  man  den  essigkrug  auf  den  ^'«t-/*Sl^M^  *     ^ 

35.  geht  eine  sechswöchnerin  über  ein  beet  oder  ein  feld ,  so  wäcJw^^A-    ^  . 
iB  etlichen  jähren  nichts  darauf,   oder  alles  verdirbt.  ^^*'  '     '^ 

36.  stirbt  ein  weib  in  den  sechswochen ,  so  lege  man  ein  mandelliolz 
oder  ein  buch  ins  Wochenbett,  auch  soll  man  alle  tage  das  hett  ein- 
reifsen  und  wiedenuachen\  sonst  kann  sie  nicht  in  der  erde  ruhen, 
solange  bis  die  sechs  wochen  um  sind. 

37.  den  kindem  soll  man  den  ersten  hrei  nicht  blasen,  so  verbrennen 
sie  nachher  an  heifsen  suppen  das  maul  nicht. 

38.  wer  will  werden  reich,   schneide  das  hrot  fein  gleich. 

39.  wahrend  zu  grabe  geläutet  wird,  ^sst  man  nicht,  sonst  thun 
einem  die  zäJme  weh. 

40.  werden  dem  kind  unter  einem  jähr  rothe  schuh  angezogen,  so 
kann  es  kein  Hut  sehen. 

41.  steht  eine  schwangere  vor  dem  brotschrank  und  if^t,  so  bekommt 
das  kind  die  mitesser,     vgl.  813. 

42.  etwas  am  leibe  zu  ßicken ,    ist  nicht  gut. 

43.  auf  hirameifahrt  soll  man  weder  nnhen  noch  ßicken ,  sonst  ziehen 
-  dem,   der  das  genähte  am  leibe  tragt,   die  gewitter  nach. 

44.  griindonnersta^s  bretzeln  gegessen  ist  gegen  das  fieber  gut. 

45.  wenn  man  'über  ein  kind  schreitet,   wächst  es  nicht  gröfser  *). 

46.  wer  im  holze  arbeitet,    wird  nicht  reich. 

4T.  unter  den  tisch ,  an  dem  abends  leute  sitzen ,  leuchte  man 
nicht,    sonst  entsteht  zank. 

48.  die  pathen  sollen  dem  kind  ein  lößeichen  kaufen,  sonst  lernt 
es   geifern. 

49.  legt  die  Wöchnerin  einen  schwarzen  latz  vor,  so  wird  das  kind 
furchtsam. 

50.  in  den  sechs  wochen  soll  man  kein  kind  in  mantel  fassen,  sonst 
wird  es  tranrig  und  bekommt  stets  trauer. 

51.  wer  beim  spiel  geld  wegleiht  verspielt. 

52.  wer  zum  sjnel  borgt  gewinnt. 

53.  eine  stillende  mutter  gehe  drei  sonntage  schu^eigend  ans  der 
kirche  und  blase  jedesmal  ihrem  kind  in  den  mund,  so  kommen  ihm 
die  zähnchen  leicht  an. 

54.  Christ  nacht  s ,  zwischen  eilf  und  zwölf,  ist  das  wasser  wein, 
nach  andern  wird  wasser  in  der  ersten  osternaclit  um  XII  geschöpft 
za    wein, 

55.  Weihnachtsabends  t  wessen  scliatten  bei  eingebrachtem  licht  kei- 
nen köpf  hat,  der  stirbt  in  selbigem  jähr,  sielit  man  ihm  nur  den 
halben   köpf,    stirbt  er  im  zweiten  halbjahr. 

56.  in  den  zwölf  nachten  erbsen,  linsen,  bobneu  nicht  zu  essen, 
sonst  bekommt  man  die  kratze. 

57.  wer  zu  gevattern  stehen  will  und  hat  sich  schon  zur  kirche  an- 
gezogen, soll  nicht  erst  sein  wasser  abschlagen,  sonst  thut  das  path- 
chen  desgleichen  ins  bett. 


*)    mein  bruder  schritt  auch  mit  eim  fufs   über  mich ,    und  sprach : 
^oho  Thömilin,  nun  wirst  nit  mer  wachsen*/     Thom.  Platcrs  leben  p.  19. 


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Lxx  ABERGLAUBE 

58.  es  ibt  nicht  gut,  wer  morgens  ausgelit,  und  es  begegnet  tbm 
ein  alt  weib.     vgl.  380. 

59.  auf  einer  hexe  frage  antworte  nicht,  sonst  kann  sie  dir  etwas 
nehmen. 

60.  haus  Wurzel  aufs  dach  gepflanzt ,  schlägt  der  donner  nicht  ins  bans. 

61.  wer  rücklings  aus  dem  bett  steigt,  dem  geht  den  ganzen  tag 
alles  verkehrt. 

62.  läfst  das  Jüdel  die  kinder  nicht  ruhen,  so  gebe  man  ihm  was  za 
spielen,  wenn  die  kinder  im  schlaf  lachep ,  die  äugen  üfnen  und 
wenden,  sagt  man  'das  Jüdel  spielt  mit  ihnen.'  man  kaufe,  ohne 
etwas  Tom  geforderten  preis  abzuziehen,  ein  neu  topflein,  tline  lon 
des  kindes  bad  hinein  und  stelle  es  auf  den  ofen:  nach  einigen  tagen 
wird  das  Jüdel  alles  wasser  herausgeßet schert  liaben.  Sie  hängen 
auch  eierschalen  ^  aus  welchen  der  dotter  in  des  kindes  brei  und  der 
mutter  suppe  geblasen  worden  ist,  an  der  wiege  mit  zwirnsfaden  anf^ 
dafs  das  kind  damit  spiele,  statt  mit  dem  kind. 

63.  wird  ein  ganz  brot  unaufgeschnitten  vom  tisch  getragen,  so 
müssen   die  leute   hungrig  davon   gehen. 

64.  wer  salz  verschüttet,  raffe  es  nicht  auf,  er  hat  sonst  kein  glück. 

65.  wer  die  schuhe  einwärts  tritt,    wird  reich,  wer  auswärts,  arm. 
6G.    wer  die  ^elbe  sucht  hat,  "lasse  den  schmierkübel  von  eines  fubr- 
manns  wagen  stehlen ,  und  sehe  hinein ,  so  vergeht  sie. 

67.  heult  ein  hund  in  der  christnacht,  so  wird  er  selbiges  jähr 
thö  rieht, 

68.  wer  einer  katze  schadet,  oder  sie  umbringt,  dem  steht  groCs 
Unglück   bevor. 

69.  beifsen  sich  die  katzen  in  einem  hause,  worin  ein  kranker  liegt, 
so  stirbt  er  bald. 

70.  ein  weib,  das  butter  rühren  will,  soll  ein  dreikreuziges  messer 
ans  fafs  stecken,   so  geräth  die  butter. 

71.  splittert  die  sich  in  der  wohustube  von  den  dielen  lösen,  be- 
deuten fremde  gaste. 

72.  wenn  sich  die  katze  putzt,   bedeutet  es  einen  gast, 

73.  schreien  die  elstern  im  hof  oder  auf  dem  haus ,  so  kommen  gaste, 

74.  wem  ein  ßoh  jiuf  die  band  hüpft,   der  erfahrt  etwas  neues. 

75.  wenn  das  kind  nicht  zunimmt,  so  hat  es  das  £lierlein;  man 
schiebe  es  etlichemal  in  den  backofen,   so  mufs  jenes  weichen. 

76.  spinnen  umzubringen  ist  nicht  gut. 

77.  neugeborne  kinder  soll  man  die  drei  ersten  Sonntage  fein  pQtzeo, 
so  stehen  ihnen  dereinst  die  kleider  schon. 

78.  wenn  die  weiber  auf  lichtmesse  bei  Sonnenschein  tanzen,  so  ge- 
räth ihnen  der  ßachs  dasselbe  jähr. 

79.  schaut  montags  ein  fremder  zur  stuhenthür  ein ,  ohne  gar  eia- 
zutreten,    der  macht,   dafs  der  mann  die  frau  schlägt. 

80.  kauft  oder  schenkt  der  bräutigam  der  braut  ein  buch^  so  wird 
die   liebe  verblätlert, 

81.  wer  essig  ansetzt,  mufs  sauer  dazu  schauen  und  böse  sein,  sonst 
misräth  der  essig. 

82.  wem  die  ohren  klingen^   der  wird  belogen. 

83.  henne^   wie  ein  han  krähend,   bedeutet  nnheil. 

84.  wer  grilndonnerstags  fastet,  bleibt  das  Jahr  frei  von  ficber,  aad 
hat  ers,  so  vergehts. 

85.  wer  zu  markt  die  erste  lösung  wegborgt,    verborgt  sein  glück. 


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ABERGLAUBE  lxx^ 

86.  wer  za  markt  feil  hält,  soll  dea  ersten  häuf  er  nicht  gehen 
lassen,   gäbe  er  nach  die  waare  zu  wolfeil. 

87.  der  bräntigam  soll  seiner  liebsten  weder  messer  noch  scheere 
sdienken,   sonst  wird  die  liebe  zerechnitten, 

88.  freitags  die  kinder  niclit  baden,  sonst  kommen  sie.  ans  ihrer  ruhe, 

89.  wer  stillschweigende  wasser  holt  ,  schöpfe  aus  dem  flufs  pon 
oben  hinahwärts* 

90.  vor  H^allpurgisnacht  crenze  an  die  thfiren  zu  schreiben,  so 
schaden  die  hexen  nicht. 

91.  beim  schlafeogehn  nichts  auf  dem  tisch  liegen  zn  lassen,  sonst 
kann  das  älte&te  oder  jüngste  im  haus  nicht  schlafen. 

92.  begegnet  einer  zur  kirche  gehenden  sechswochnerin  ein  mann^ 
so  bekommt  sie  das  nächstemal  einen  sohn^  wenn  eine  fraut  ein 
mädchent  wenn  niemand,  keine  kfnder  mehr,  wenn  zwei  leute,  Zwil- 
linge. 

93.  wer  früh  nüchtern  niest  t  empfangt  selbigen  tag  etwas  geschenkt. 

94.  es  ist  nicht  gut,  feuer  und  licht  durch  einen  fremden  sich  aus 
dem  haus  tragen  zu  lassen,  die  nahmng  wird  dadurch  ans  dem  haus 
getragen. 

95.  die  neneinziehende  magd  soll  alsbald  ins  ofenloch  schauen,  so 
gewohnt  sies  bald.     vgl.  501. 

96.  wer  lein  säen  läfst,  gebe  dem  saoiann  ein  trinkgeld,  sonst  ver- 
dirbt der  flachs. 

97.  giefst  eine  ledige  in  der  cliristnacht  lieifs  blei  in  kaltes  wasser, 
so  bildet  sich  das  handwerksgeräth  ilires  künftigen  bräutigams. 

98.  wer  aus  mitten  in  einem  ameisenhaufen  gewachsener  birke  einen 
hölzernen  schlauch  oder  hahn  drehen  läfst,  und  zapft  wein  oder  hier 
hindurch,  der  wird  geschwind  ausschenken. 

99.  wer  brat  ungleich  aufschneidet,   hat  den  tag  gelogen. 

100.  ledige y  die  gern  männer  hätten,  sollen  nachts  vor  Andreastag 
diesen  heiligen  nackend  anrufen,  so  wird  ihnen  ihr  liebster  im  schlaf 
erscheinen. 

101.  will  eine  magd  wissen,  ob  sie  länger  im  dienst  bleibt,  kehre 
sie  Weihnachtsabends  den  rücken  nach  der  thür  und  werfe  den  schuh 
vom  fufs  über  den  kopfi  steht  die  spitze  nach  der  thür,  so  mufs  sie 
abziehen,   steht  der  absatz  nach  der  tliür,   so  wird  sie  bleiben. 

102.  eine  magd,  die  wissen  will,  was  für  haare  ihr  liebster  habe, 
greife  in  der  christnacht  rücklings  zur  thür  hinaus,  so  fafst  sie  die 
haare  in  die  band. 

103.  wer  ungefähr  einen  hasenlorber  im  walde  findet  und.ifst,  wird 
sein  theil  vom  hasen  haben,   er  komme  wohin  er  wolle. 

104.  wer  nachts  in  den  spiegel  schaut,  schaut  den  teufel  darin. 

105.  zu  erforschen,  ob  sie  das  jähr  über  einen  mann  kriege,  soll 
Weihnachtsabend  oder  mitternacht  die  Jungfrau  an  das  hünerhaus  klo- 
pfen: gackert  der  han,  so  kriegt  sie  einen,  gackert  die  henne,  kei- 
nen,    vgl.  230» 

106.  reiten  die  kinder  mit  spiefs  und  fahne  auf  der  gasse,  so 
kommt  ein  krieg  über  das  land.  tragen  sie  sich  mit  creuzen^  so 
kommt  sterben. 

107.  wer  kein  geld  hat,  hüte  dafs  ihm  der  neumond  In  den  leeren 
beutet  scheine,  sonst  leidet  er  den  ganzen  monat  geldmangel. 

108.  wem  der  storch  auf  dach  oder  Schornstein  baut ,  der  wird  lange 
leben  und  reich  sein. 

109.  zu  forschen,    ob  ihr  iiebhaber  gerade  oder  krumm  ist,   mufs 


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Lxxii  ABERGLAUBE 

etoe  dirne  weiboaclitsabendi  an  eine  klafter  oder  an  einen  stoTs  iiots 
treten  und  rücklings  ein  schelt  ausziehen  \  wie  das  scheit  wird  6a 
liebste  «ein.      (vgl.  xlvi,  7.) 

110.  zu  wissen,  wie  er  heifse,  soll  sie  den  ersten  des  tags  gespon- 
nenen garnfaden  vor  ihre  hausthür  spannen^  und  wie  der  erste  vor- 
beigehende wird  auch  ihr  künftiger  mann  beifsen. 

111.  es  ist  nicht  gut,  rost  oder  dreifufs^  ohne  ihm  etwas  anf  m 
legen,  über  das  feuer  zu  setzen;  welches  weib  es  thut,  die  kriegt 
eine  schürze  (runzeln)  ins  gesiebt. 

112.  gräfst  ein  weib,  beim  bettegehn,  die  sterne  am  himmel,  nisnat 
ihr  der  geier  oder  habicht  kein  küchlein. 

113.  thnt  man  st  roh  in  ein  bett,  lasse  man  die  knoten  nicht  an  dem 
strohhündern,  sonst  kann  niemand  darauf  schlafen. 

114.  ein  zu  markt  gehendes  weib,  hat  sie  friihe  beim  aufsteha  dei 
rechten  schuh  erst  angezogen,  wird  sie  ihre  waare  tfiearer  las 
werden. 

115.  wer  ein  hemd  an  trägt,  von  garn  gewoben,  da«  ein  mädcbem 
unter  sieben  jähren  gesponnen ,   der  hat  glück  darin,    vgl.  931. 

116.  regnets  hvi  Johannistage  so  verderben  die  nüsse,  und  geratbcB 
die  huren. 

117.  die  zwiebeln,  Bn(  Joltamiistag  im  beet  umgedreht,  geratbea  gro& 

118.  auf  Bartholmäi  sollen  die  mägde  niclit  ins  kraut  btaten  geho, 
Bartliolmäus  wirft  dann  häupter  ins  kraut,  und  würde  sonst  verscbeodit. 

119.  wer  pierblättrigen  klee  findet,  soll  ihn  werth  halten;  solang  m 
ihn  hat  wird  er  glückselig  sein.     (vgl.  Lir.) 

120.  rabe  oder  krähe  auf  einem  haus,  darin  ein  kranker  liegt,  nie* 
dergesessen  und  schreiend  bedeuten  seinen  tod. 

121.  in  den  zwölften  dürfen  die  schäfer  den  wolf  nicIit  netmoh 
sonst  zerreifst  er  die  schafe. 

122.  trägt  ein  kind  einen  dattelkern  bei  sich,  so  fallt  es  nicht,  oder 
nimmt  wenig  schaden. 

123.  wer  zum  erstenmal  in  ein  neues  haus  oder  gemach  kommt  vuk 
darin  schläft,   was  ihm  ^\^  erste  nacht  träumt ^  wird  wahr. 

124.  verliert  eine  frau  oder  magd  auf  der  gasse  das  strump/hasd, 
so  ist  ihr  der  mann  oder  freier  ungetreu. 

125.  geht  ein  weib  zu  bett,  soll  sie  den  stul,  darauf  sie  gesessen, 
erst  von  der  stelle  rücken,  sonst  drückt  sie  der  alp, 

126.  wenn  auf  dem  heerd  feuer  brennt  ^  schlägt  das  wetter  nicht 
ins  haus. 

127.  ein  kalb,  an  s.  Veltens  tag  geworfen,  dient  nicht  zur  sucht 

128.  wer  über  land  reist,  begegnet  ihm  wolf,  hirscht  eber^  bär, 
so  ists  ein  gut  zeichen. 

129.  wer  ein  hufeisen  findet,  oder  ein  stück  davon,  hat  gifick. 
vgl.  220. 

130.  spinnt  eine  magd  sonnabends  den  rocken  nicht  ab,  so  wird 
aus  dem  übrigen  flaclis  oder  werg  kein  gut  garn  und  bleicht  nim- 
mermehr. 

131.  der  vater  gebe  dem  kind  gleich  nach  der  taufe  ein  schwert  m 
die  hand,   so  wird  es  kühn  und  beherzt. 

132.  ein  neugeboren  knäblein  stofse  man  mit  den  fufsen  an  sciaes 
vaters  brüst ,   so  nimmt  es  nimmer  kein  bös  ende. 

133.  ein  neugeboren  töchterlein  setze  man  alsoI?ald  anf  seiner  mutter 
brüst ,  und  sage :  '  gott  mache  dich  zu  einer  guten  frau !  *,  so  konat 
es  nie  zu  fall  oder  schänden. 


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ABERGLAUBE  lvxiti 

134.  wem  frühmorgens  eine  spinne  auf  den  rock  kreucht,  der  wird 
des  tage»  glückselig. 

135.  reitet  ein  mann  über  land,  und  stufst  auf  ein  spinnendes  weiht 
das  ist  ein  schlimm  zeichen;  er  soll  umkehren  und  einen  andern  weg  reiten. 

136.  wenn  geläutet  wird,  und  die  uhr  schlagt  drein,  so  bedeutets  feuer. 

137.  ein  neugeboren  kind  lege  man  nicht  zuerst  auf  die  linke  seite^ 
sonit  bleibt  es  linkisch. 

138.  wer  felder  hat  soll  IfalpurgLinhend  mit  rühren  drüber  hin- 
schiefsen,   so  können  die  hexen  der  saat  nicht  schaden. 

139.  blaue  kornblume  auf  fronleichnamstag  mit  der  würzet  ausge- 
rissen stillt  nasenbluten,  wenn  man  sie  in  der  band  hält,  bis  sie 
erwärmt. 

140.  am  tage  Jbdon  (SOjuIi)  rotte  man  schilf  aus  teichen,  dörner 
ans  feldern,   so  wachsen  sie  nicht  wieder. 

141.  juckt  einem  weibe  hals  oder  kehle,  so  geht  sie  bald  auf  kind- 
taufe  oder  hochzeit,  juckt  ihr  der  köpf,   so  bedeutets  schlage. 

142.  helle  christ nacht  finstere  scheuue,  finstere  christnacht  helle 
Scheune. 

143.  wer  ein  erdhünchen  oder  eine  hausotter  schädigt  oder  nur  sieht, 
mufs  in  dem  jähr  sterben. 

144.  Ohrenschmalz  an  die  degenspitze  gestrichen,  löst  des  gegners 
festigkeit  auf. 

145.  wenn  zwei  kinderstillende  weiber  zugleich  mit  einander  trinken, 
so  trinkt  eine  der  andern  die  milch  ab,  und  wenn  zwei  leute  zu- 
gleich mit  einander  anfangen  zu  trinken,  so  trinkt  einer  dem  andern 
die  röthe  ab» 

146.  wer  brot  ifst,  davon  ein  andrer  gebissen  hat,  wird  dem  andern 
feind  und  gram. 

147.  lafst  eine  frau  jemand  anders  die  hand  an  ihre  schürze  wischen, 
so  wird  ihr  dieses  andere  gram. 

148.  hausnistende  schwalben  bedeuten  armut,   sperlinge  reichthum. 

149.  reif,  der  Weihnachtsabend  vom  fafs  springt,  deutet  auf  den 
tod  eines  im  hause  selbiges  jähr. 

150.  erlischt  das  licht  auf  dem  altar  von  selbst,  so  bedeutets  des 
priesters  tod. 

151.  ohrenzwang  vertreibt  sich  eine  frau  dadurch,  dafs  sie  eines 
mannes  hosen  um  den  köpf  windet. 

152.  wenn  die  mägde  zunder  brennen,  müssen  sie  von  mannshemdern 
flecke  dazu  nehmen,   von  weibshemdern  fängt  der  zunder  nicht. 

153.  christnacht s  nasse  strohhänder  um  die  Obstbäume  gebunden 
macht  sie  fruchtbar. 

154.  Obstbäume  fastnachts  beschnitten  leiden  von  raupen  und  Wür- 
mern  nicht. 

155.  damit  katz  und  hund  nicht  entlaufen,  treibe  man  sie  dreimal 
um  den  heerd  und  reibe  sie  an  die  feuermauer. 

156.  sieht  der  jnann  eher  den  wolj ,  als  der  wolf  den  mann,  der 
darf  kein  leid  vom  wolfe  fürchten;  sieht  aber  der  wolf  den  mann 
am  ersten,  so  ist  der  mann  in  gefahr.  man  sagt  auch:  er  wird 
stumm  oder  heiser, 

157.  Johannisblut  (wegtritt)  auf  Johannis  zur  mittagsstunde  gesam- 
melt, ist  für  viel  dinge  gut. 

158.  schreit  eine  elster  vormittags  auf  dem  krankenhause  sitzend 
und  man  sieht  sie  von  vornen^  so  ist  die  bedeutuug  gut;  schreit  sie 
nachmittags  und  mau  sieht  sie  von  hinten^  schlimm. 


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Lxxiv  ABERGLAUBE 

159.  hundeheulen  bedeutet  Unglück. 

1 60.  hienenschufarmy  der  sich  an  ein  haus  hängt,  bedeutet  feaersbroBst 

161.  solang  die  lerche  yor  lichtmesse  singt,  so  lange  schweigt  sie 
nacb  lichtmesse. 

162.  heben  ein  junggesell  und  eine  Jungfrau  zusammen  ein  kiod, 
so  soll  der  pfaife  sich  zwischen  sie  stellen,  sonst  wird  stets  Uneinig- 
keit zwischen  ihnen  sein. 

163.  niemand  soll  seine  gevatterin  ehlichen,  denn  so  oft  sie  sieb 
ehlich  vermischen,   donnerts* 

164.  wer  die  erste  könne  hier  aus  dem  Ms  bekommt,  soll  gescfawiMi 
fort  laufen;  so  geht  dies  hier  bald  ab. 

165.  man  soll  kleine  kinder  nicht  barfufs  auf  Aen'jisch  lassen  tre- 
ten,  sonst  bekommen  sie  böse  füfse. 

166.  das  ausgelöschte  licht  soll  man  abends  nicht  umgekehrt  anf 
dem  lenchter  stecken  lassen;  denn  kommt  ein  dieb  in  der  uacbt,  m 
kann  niemand  Tom  schlaf  erwachen. 

167.  ein  kuäblein  geboren  im  Fenusmorgenstern  ^  bekommt  ein  Tiel 
jünger  weib,  als  er  ist;  im  Venusahendslern ^  ein  viel  älteres«  bd 
mägdlein  ists  das  gerade  gegenspiel. 

168.  wer  von  der  mahlzeit  aufsteht,  soll  das  hrot,  davon  er  ge- 
gessen, nicht  liegen  lassen;  nimmt  es  ein  anderer,  und  wirfts  über 
den  galgen,    so  kann  jener  dem  galgen  nicht  entgehn. 

169.  hollundor  vor  die  stallthur  gepflanzt,  bewahrt  das  vieb  vor 
Zauberei. 

170.  wer  eine  schnür  bei  sich  trägt,  womit  ein  bruchschneider  einea 
geschnittenen  hruch  verbunden  hatte,  hebt  die  schwerste  last  ohne 
gefahr. 

171.  ein  stück  holz  von  einem  aus  der  erde  gegrabnen  sargt  im 
kraut  gesteckt,   verhütet  die  raupen. 

172.  fast  nachts  soll  man  keine  suppe  essen,  sonst  trieft  einen  stets 
die  nase. 

173.  Nicasiahends  des  heiligen  namen  mit  kreide  an  die  tfair  ge* 
schrieben,   macht  die  häuser  frei  von  mausen. 

174.  flickt  der  fuhrmann  eine  otter  oder  Schlangenzunge  in  die 
peitsclie,  so  ziehen  seine  pferde  ohne  schaden  die  gröGsten  lasteo  ans 
den  graben,  und  übersaufen  sich  nicht 

175.  Peterstag  soll  man  den  hünern  nester  machen,  .so  legen  sie 
viel  eier. 

176.  eine  schwangere,  die  geuatter  wird,  soll  das  kind  nicht  selbst 
aus  der  taufe  heben,  sonst  stirbt  ein  kind,  das  getaufte  oder  ihr  eignes. 

177.  wem  frühmorgens  zuerst  eine  Jungfrau  oder  ein  priester  be- 
gegnet j   bedeutets  Unglück,  eine  hure^   glück. 

178.  ein  entiföhntes  kind  soll  nie  wieder  an  brüst  gelegt  werd^ 
sonst  wird  es  ein  gotteslästerer, 

179.  eine  schwangere  soll  unter  keiner  wagendeiciuel  hinkriechee, 
sonst  mufs  sie  über  die  zeit  gehen. 

180.  der  siebente  söhn  ist  glückselig,  etwas  zu  heilen,  pflanzen  oder 
sonst  auszurichten. 

18).  übelthäter  auf  der  folter  hängen  einen  zettel  an  den  rücken, 
worauf  ps.  10,  15  steht;  so  halten  sie  die  marter  ohne  bekentois  ans. 

182.  brot  und  salz  bei  sich  getragen  sidiert  wider  zauberet 

183.  für  das  fleber:  drei  bissen  gestolen  brot,  in  zwei  nufsscbake 
gespien,  und  das  brieflein  geschrieben:  /^kuh  wilt  du  zu  stalle,  f rarer 
»io  geh  du  zu  walle.' 


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ABERGLAUBE  Lxxr 

184.  hat  einem  die  maus  am  kleide  genagt,  so  bedentets  nngKick. 

185.  wenn  die  weiber  oder  niägde  sacke  waschen  t  «o  regnets  bald. 

186.  niesen  beim  sclmlianziehen  bedeutet  unglnck. 

187.  neugewaschen  hemd  freitags  angezogen  hilft  gegen  das  grimmen. 

188.  wer  gestulen  käse  oder  brot  if^t,   bekommt  das  schlucken  davon. 

189.  mitternacht  vor  Johannis  soll  man  teufelsahhifs  graben,  so  sind 
die  wurzeln  unahgehissen  und  dienen  zur  Vertreibung  des  teufeis. 

190.  Johanniskraut  vertreibt  hexen  und  teufel,  daher  dieser  aas 
bosheit  alle  blätter  mit  der  nadcl  durchsticht. 

191.  wenn  einer  stirbt,  sind  die  fenster  im  haas  aufzumachen,  damit 
die  seele  hinausfahren  kann. 

192.  soll  ein  kind  fromm  werden,  so  mufs  es  die  pathe  oder  das 
weib,  das  es  aus  der  kirche  nach  haus  trägt,  alsbald  untern  tisch 
legen  9  der  vater  es  hervornehmen  und  der  mutter  geben. 

193.  in  welchem  jähr  keine  eisfahrt  wird,   misrath  die  gerste. 
19».    wird   ein   wehr  in   einen  ström  gebaut,   so  regnet  es  nicht  in 
selbigem  lande,   bis  das  wehr  fertig  ist. 

195.  steckt  man  eine  gans  dreimal  durch  die  beine  und  gibt  ihr  drei 
bissen  gekautes  brot  mit  den  Worten ,  '  lauf  hin  in  gottes  namen ! '  zu 
fressen,  so  kehrt  sie  wieder  heim. 

196.  wer  am  kalten  fieher  leidet,  krieche  ans  wasser,  das  aber 
fliefsend  ist,  streue  eine  handvoll  salz  dem  flusse  nach  aus  und  spre- 
che: 'ich  säe  meinen  samen,  in  gottes  namen,  wenn  dieser  same  wird 
anfgehn,   will  ich  mein  kaltes  wieder  sehn.' 

197.  wer  frühlings  den  kukuk  zum  erstenmal  schreien  hört,  soll  ihn 
fragen:  ' kukuk ^  beckerknecht,  sag  mir  recht,  wie  viel  jähr  ich  leben 
soll?'  so  viel  mal  er  nun  schreit,  so  viel  jähr  lebt  der  fragende  noch. 

198.  ifst  eine  ledige  Jungfrau  das  angebrannte  vom  brci  aus  dem 
topf,  so  regnets  auf  ihrer  hochzeit,  und  so  es  regjnet,  werden  die 
neuen  eheleute  reich   (vgl.  498). 

1 99.  ifieh  auf  dem  markte  leicht  zu  verkaufen ,  räuchere  man  es  mit 
der  aus  der  mitte  eines  ameiseuhaufens  gegrabnen  schwarzen  kugel. 

200.  man  lange  nichts  über  die  wiege  hin,  wo  ein  kind  liegt,  noch 
lasse  man  sie  offen  stehn. 

301.  diebsdaumen  bei  sich  getragen,  oder  bei  die  waare  gelegt, 
macht,   dafs  sie  gut  abgeht. 

202.  wer  einen  bund  erbschlüssel  zur  zeit  an  eine  stubenthfir  wirft, 
vor  welcher  jemand  lauscht,  so  ertaubt  der  horciter  sein  lebenlang. 

203.  fastnachtdienstags  milch  gegessen,  brennt  einen  sommers  die 
sonne  nicht. 

204.  will  eine  braut  über  ihren  mann  die  herschaft  haben ,  so  ziehe 
sie  sich  am  hochzeitstage  in  einem  backtrog  an  und  klopfe  an  die 
kirchthur. 

205.  ein  kind  zu  entwöhnen,  setze  es  die  mtitter  in  die  stube,  und 
stofse  es  mit  dem  fufs  um,  so  vergifst  es  der  mutter  desto  eher. 

206.  lauft  der  frau  ein  hund  durch  die  beine,  so  schlägt  sie  der  mann. 

207.  todten  lege  man  geld  in  den  mund,  so  komikien  sie,  wenn  sie 
einen  schätz  verborgen  haben,  nicht  wieder. 

208.  Stocher  aus  einem  Splitter  holz,  worein  der  donner  geschlagen^ 
vertreibt  zahnweh. 

209.  kein  messer  soll  auf  dem  rücken  liegen,  sonst  werden  die 
engel  damit  verletzt. 

210.  schlagen  ^wei  glocken  in  der  Stadt  ungefähr  zusammen,  so 
sterben  zwei  ehleute  von  einander. 


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I.XXVI  ABERGLAUBE 

211.  eine  beule  lieitt  ohne  gefahr,  wenn  man  sie  mit  einem  dret- 
kreuzigen  messer  drückt. 

212.  die  braut  zielte  ins  brautigams  baus  im  finstem  ein,  so  werden 
alle  Winkel  voll  sein. 

213.  lauft  t\n  hund  swisclien  ein  paar  freunden  durch,  bo  wird  die 
freundscliaft  getrennt. 

214.  wer  einen  schätz  haben  will,  soll  dabei  nicht  reden. 

215.  Störche  auf  sein  haus  zu  ziehen,  mache  man  ihnen  ein  neit 
mit  der  linken  hand  auf  die  feueresse. 

216.  wer  einen  geschwollneu  hals  hat,  gehe  stillschweigend  in  die 
niühle,   stehle  ein  band  von  einem  sack  und  binde  es  um  den  hals. 

217.  wer  fruhiings  die  erste  schwalbe  sieht,  stehe  alsbald  still  nad 
grabe  unter  seinem  linken  fufs  mit  einem  messer  in  die  erde,  so 
findet  er  eine  kohle ,  die  ist  das  jähr  gut  für  das  kalte  fieber.    vgl.  lfii. 

>^18.     wer  beim  schatzgraben   brot  mit  sich   trägt,    den  können  die 
gespenster  niclft  verstören. 

219.  palhengeld  macht  reich  und  glücklich. 

220.  ist  einem  etwas  gestolen,  so  schlage  man  einen  ungefähr  ge- 
fundnen  hufnogel  (vgl.  129)  auf  die  statte,  da  allzeit  feuer  ist,  so 
mufs  einem  das  seine  wieder  werden. 

221.  hurenkinder  sind  glücklicher  als  eheliche  lente. 

222.  läfdt  man  bei  der  taufe  ein  stücklein  brot  weihen,  so  fehlti  des 
kinds  eitern  nicht  an  brot. 

223.  wer  im  neumond  sein  geld  zählt,   hat  nie  mangel  daran. 

224.  einen  kreuzdreier  auf  einen  schätz  geworfen,  so  kann  er  nicht 
weichen. 

225.  fastnachten  hirsen  gegessen,   quillt  das  geld. 

226.  wem  ein  knabe  oder  eiu  mädchen  zuerst  auf  dem  markt  etwas 
abkauft  t  der  hat  des  tages  gut  glück  zum  verkauf. 

22T.  die  erste  lösung  werfe  der  kaufmann  auf  die  erde,  und  trete 
sie  mit  iufsen,   so  geht  der  handel  desto  besser. 

228.  es  ist  nicht  gut,  dafs  der  kukuk  nach  Johannis  schreie,  ud 
bedeutet  theueruug. 

229.  wird  die  braut  heimgeholt,  soll  sie  keinen  umuvg  fahren,  son- 
dern die  gemeine  straße  ^   sonst  hat  sie  Unglück. 

230.  wer  unter  einer  hünerstange  hergeht,  beschmeifst  ihn  die  hennet 
so  bedeutets  Unglück,   der  han^   glück.  *  vgl.  105. 

231.  ein  neu  kleid  soll  man  nicht  leer  anziehen,  sondern  sich  vorber 
etwas  in  die  tasche  verehren  lassen,   sonst  hat  mau  kein  glück. 

232.  wer  gevattern  bittet,  soll  eine  ledige  dazu  bitten,  sonst  hat 
das  kind  kein  glück  zum  heirathen,   bekommt  auch  keine  kinder. 

233.  wer  Jung  glücklich  ist,  mufs  im  alter  betteln,  und  umgekehrt 
2.'U.     wer  wermut  bei  sich  trägt,   kann  nicht  beschrien  werden. 

235.  findet  man  eine  nadel,  und  sie  kehrt  einem  die  spitze  zu,  to 
wird  man  Unglück  haben,   wenn  aber  deu  kopf^  glück. 

236.  früh  morgens,  eh  man  einen  bissen  brot  genommen,  soll  naa 
nichts  in  den  mund  nehmen. 

237.  wer  frühlings  den  ersten  frosch  im  wasser  und  nicht  anf  den 
land  sieht  hüpfen,   hat  ^^  ganze  jähr  über  Unglück  zu  gewarten. 

238.  bei  zunehmendem  mond  soll  man  in  eine  neue  woknung  ziebea, 
oder  beim  t^ollmond;  auch  brot  und  salz  hineintragen,  so  wird  darin 
alles  voll  sein,  und  an  nichts,  mangeln.  . 

239.  wer  pferdege wiche r  hört ,  soll  fleifsig  zuhören ,  denn  sie  deutet 
gut  glück  an. 


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ABERGLAUBE  lxxtii 

240.  spinnt  eine  seciiswociinerio' wolle,  hanf  oder  flachs,  so  wird  das 
kind  dereinst  aufgehängt. 

241.  freitags  sollen  sich  die  weiber  nicht  bürsten  und  flechten,  sonst 
gedeiht  das  Ungeziefer. 

242.  wer  nüchtern  morgens  geld  findet,  und  liegt  kein  holz  darunten 
das  ist  ein  unglücklicher  fund. 

243.  wer  sonntags  geboren  wird,   ist  glücklicher  als  andere. 

244.  wer  fastnacht  dienstags  früh  nach  Sonnenaufgang  stillschweigend 
drischt,   vertreibt  die  maulwürfe. 

245.  gegen  den  abnehmenden  mond  stehe  man,  und  spreche:  'wie 
der  mond  abnimmt,   also  nehmen  meine  schmerzen  ab.'    vgl. 492. 

246.  die  ofengahel  nicht  im  ofen  zu  lassen,  sonst  können  die  hexen 
täglich  einen  ortsthaler  aus  dem  hause  holen. 

24T.  in  Schaltjahren  soll  man  nichts  sonderliches  bauen,  pflanzen, 
vornehmen :   es  geräth  nicht  recht. 

248.  bleibt  der  weggehende  mit  dem  kleide  an  der  thür  oder  am 
nagel  hängen,  so  soll  er  noch  ein  wenig  allda  verweilen,  sonst  trift 
ihn   Unglück.  . 

249.  wer  freitags  die  nägel  abschneidet,  hat  glück. 

250.  legt  man  einer  hexe  einen  besen  so  in  den  weg,  dafs  sie  dar- 
über schreiten  mufs,  so  wird  sie  unmächtig  und  kann  kein  Unglück 
stiften. 

251.  glück  im  spiel  hat  wer  das  herz  einer  euls,  den  stein  aus  dem 
rücken  einer  Jledermaus^  oder  den  köpf  eines  wiedhopfs  bei  sich  trägt, 
vgl.  329. 

252.  brennt  das  licht  abends  rosen^  so  kommt  des  andern  tags  geld 
oder  sonst  ein  glück. 

253.  wer  in  der  ernte  das  erste  körn  einführt,  soll  von  den  ers*"«« 
garben  etliche  nehmen,  und  in  die  viar  winket  der  scheune  kreuze  da- 
mit legen,  so  kann  der  drache  nichts  davon  holen. 

254.  Crierts  am  kürzesten  tag,  so  fallt  das  körn  im  preise,  ist  es  ge- 
lind,  so  steigt  sein  preis. 

255.  so  viel  die  theuerlinge  (eine  art  schwämme)  korner  in  sich  ha- 
ben, so  viel  groschen  wird  das  körn  hinfort  gelten. 

256.  sucht  man  vergebens  nach  etwas,  das  da  sein  mufs,  so  hält  der 
teufet  die  band  oder  den  schwänz  darüber. 

257.  wer  zu  markt  geht,  sehe  sich  vor,  dafs  ihm  niemand  mit  wasser 
begegne \  sonst  kehre  er  lieber  um,  er  würde  weder  zu  kaufe  noch 
verkaufe  glück  haben. 

258.  aus  dem  körn  der  zuerst  ausgedroschnen  garhe  läfst  sich  das 
fallen  oder  steigen  der  kornpreise  so  beurtheilcn:  man  fülle  ein  mafs 
viermal  voll,  so  dafs  es  vier  häufen  gibt,  dann  thue  man  die  häufen 
wieder  ins  mafs,  und  streiche  ab.  fallen  nuu  von  einem  der  häufen 
körner  ab,  oder  scheinen  körner  zu  fehlen,  so  schlägt  in  dem  entspre- 
chenden quatember  des  nächsten  jalirs  das  kom  ab  oder  auf. 

259.  ehieute  sollen  von  ihrer  hochzeit  brot  aufbewahren,  so  leiden  sie 
nie  daran  mangel. 

260.  wer  sein  mit  auf  die  weit  gebrachtes  kleidchen  (die  glückshaube) 
anfliebt  und  bei  sich  trägt,  dem  gelingt  alles. 

261.  wer  eine  abgebifsne  maulwurjsjfote  bei^sich  trägt,  kauft  wolfeil 
und  verkauft  theuer.  . 

262.  beim  ersten  kleid  fürs  kind  ist  am  macherlohn  nichts  abzuziehen ; 
je  mehr  abgezogen,  desto  weniger  glück 'hat  das  kind. 


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Lxxviii  ABERGLAUBE 

263.  wer  samen  säen  will,  üöte  sieb,  ihn  auf  den  tisch  za  legen, 
gellt  nichts  auf. 

264.  beim  ersten  f^ebäcke  nach  neajahr  mache  man  so  Tiel  kleine  km- 
chen,  als  leuto  im  hause,  gebe  jedem  einen  namen  nnd  drücke  mit  den 
finger  ein  loch  ein.  wer  nun  sterben  soll,  dessen  loch  backt  sich  au, 
die  andern  bleiben. 

265.  trägt  man  den  täußing  zur  kirche,  so  hebe  man  ihn  zum  fensttr 
hinaus  \   er  wird  desto  länger  leben  u.  gesünder  sein. 

266.  wer  erzählt  und  dazu  niest,  oder  wenn  aucli  ein  andrer  /»></,  so 
Ut  die  erzablung  wahr. 

267.  zwei  sollen  nicht  an  einem  kinde  megen^  es  kommt  dadurch  a« 
seiner  ruhe» 

268.  siroh^  auf  dem  man  geschlafen,  nicht  zu  verbrennen,  sonst  Laaa 
man  nicht  ruhen* 

269.  wer  in  der  kirche  erkrankt,  genist  niclit  leicht. 

260.     wer  zunder  mit  fingeru  anrührt,  dem  fangt  er  nicht 

271.  wer  käse  auf  dem  tischtuch  schabt,  dem  werden  die  leute  graot 

272.  wer  viel  schimmlicht  brot  ifut,  wird  alt 

273.  wetzt  der  mann    sein    messer  anders    als   anf  dem  ordentlicbea  . 
Schleifstein,  so  entsteht  streit  im  haus. 

274.  wer  weidinachtsabend  keine  bohnen  ifst,  wird  zum  esel. 

275.  wer  gründonnerstags  nicht  neunerlei  kraut  if«t,  kriegt  das  fieber. 

276.  wer  am  eignen  leibe  näht  oder  flickt,  nehme  allemal  was  ias 
maul,  sonst  wird  er  vergefslich. 

277.  riecht  ein  kind  vor  d^m  ersten  jähr  an  etwas ,  so  lernt  es  her- 
nach nicht  riechen. 

278.  mau  soll  das  liebe  brot  nicht  auf  dem  rücken  liegen  lassen. 

279.  die  speise  auf  dem  tisch  rein  aufgegessen ,  gibt  den  andern  lag 
gut  weiter, 

280.  wer  den  schlucken  hat,  stecke  ein  blofses  messer  in  eine  kaaae 
mit  bier,  und  trinke  einen  guten  trunk  in  einem  ödem. 

281.  hat  ein  kranker  oder  sterbender  hänerfedern  unter  sich,  so  kaM 
er  nicht  sterben. 

282.  den  Sturmwind  kann  man  stillen^  wenn  man  einen  mehlsack  ams- 
stäubt  und  dazu  spricht :  'siehe  da,  wind,  koch  ein  mus  für  dem  kiadf 

283.  wer  sich  gewaschen  hat,  und  trocknet  die  hände  am  tischtuch 
bekommt  warzen. 

284.  wenn  die  glocken  dumpfig  läuten,  stirbt  gemeinlich  eins  darat^ 
klingt  die  kirchglocke  hell,  bedeutets  hochzeit. 

285-  wenn  eine  braut  getraut  wird,  und  regnet  unterwegs ,  so  bat  sie 
geweint^  scheint  die  sonne^  gelacht, 

286.  kommt  einer  ungefähr  zu  einem  Butter  rührenden  weih,  aad 
zählt  die  reife  am  butterfafs  von  unten  aufwärts  nnd  wieder  fon  obea 
herab,  so  kann  die  butter  nicht  zu  wege  gebracht  werden. 

287.  es  ist  nicht  gut>  über  die  finger  oder  die  flache  band  zn  sehen. 

288.  gibt  man  einem  Säugling  zu  allererst  statt  des  breis  von  einen 
rothen  gebratnen  apfel  zn  essen,  so  bekommt  es  rothe  backen. 

289.  ein  klein  kind  gedeiht  nicht ,  wenn  man  es  wUrmchea  oder  jäM 
heifst. 

290.  wen  die  katze ,  indem  sie  sich  putzt,  ansiebt,  der  wird  aoige- 
macht  oder  gescholten  werden. 

291.  läfst  die  köchin  das  essen  anbrenneity  so  ist  sie  verlobt  oder  ver- 
sprochen. 

292.  welche  Jungfrau  die  katzen  liebhat,  bekommt  einen  fronaen  ■•■■. 


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i 


ABERGLAUBE  lxxix 

S93.     geht  eine  schwangere  über  ein  f^rab,  go  stirbt  ihr  kind. 

294.  wer  procefs  führt,  and  sieht  seinen  gegner  eher^  als  der  gegner 
ihn,  wenn  sie  vor  gericht  geben,  der  behält  recht 

295.  wer  vor  gericht  geht}  und  sein  mes^er  blofs  einsteckt,  behalt 
recht. 

296.  wer  nicht  wo!  kann  schlafen ,  kind  oder  alt,  dem  lege  man  einen 
ruheunsch  unters  kopfkissen:  das  ist  stroh,  was.'tragfraaeu  unter  den 
rücken  legen ;  mau  mufs  ihn  aber  diesen  ieuten  stillschweigend  weg- 
nelimen. 

297.  wenn  man  vieh ,  das  geschlachtet  wird ,  beklagt ,  kann  es  nicht 
sterben« 

298.  es  ist  nicht  gnt  brot  auf  den  tisch  zu  legen ,  so  da(^  das  aufge- 
Bcbnittne  theil  vom  tisch  schaue. 

299.  wer  ein  gespenst  hört,  schaue  nicht  um ,  sonst  wird  ihm  der  hals 
umgedreht. 

300.  Mauritiustag  keinen  waizen  zu  säen,  sonst  wird  er  brandig. 

301.  es  ist  nicht  gut,  wenn  man  über  den  köpf  sieht. 

302.  wenn  am  tage  Johannis  enthauptung  in  einem  bäum  ge/iauen 
wird,  mufs  er  verdorren. 

303.  wenn  eine  magd  brot  teigt  und  einem  burschen  ins  gesicht  greift, 
bekommt  er  keinen  hart, 

304.  wer  zum  erstenmal  bei  einem  hurenkind  gevatter  wird ,  hat  glück 
im  heiraten. 

305.  wenn  man  einem  zutrinkt,  reiche  man  iiim  den  krug  nicht  offen. 

306.  wer  ein  erloscJien  licht  wieder  anblasen  kann,  ist  reiner  Jungge- 
selle oder  reine  Jungfrau. 

307.  wer  ein  rad  über  den  thorweg  macht,  hat  glück  in  seinem  hause. 
808.    holt  eine  sechswö^hnerin  brunnenu^asser ,  so  versiegt  der  bruune. 

309.  wendet  man  einen  teller  um  über  der  mahlzeit,  so  können  die 
Kexen  theil  haben. 

310.  eine  zum  Scheiterhaufen  geführte  hexe  soll  man  nicht  auf  blo/se 
erde  lassen. 

311.  wer  blasen  auf  die  zunge  bekommt,  wird  sogleich  belogen,  er 
soll  dreimal  ausspeien  und  dem  belüger  alles  böse  anwünschen. 

312.  ein  kranker,  der  weint  und  thräneu  vergiefst,  stirbt  des  lagers 
Diclit. 

313.  wenn  die  heimen  oder  grillen  im  hause  singen,  geht  es  glück- 
lich zu. 

314.  wer  lang  schläft  wird  weifs,  und  je  länger  je  weifser. 

315.  wenn  braut  oder  bräutigam  auf  den  trautag  einen  scitaden  an 
sich  haben,  den  müssen  sie  mit  zu  grabe  nehmen  und  kann  nimmer- 
mehr geheilt  werden. 

316.  wenn  der  mond  zum  kammerfenster  herein  scheint,  zerbricht 
die  magd  viel  topfe. 

817.  wem  etwas  ins  äuge  fällt,  speie  dreimal  über  den  linken  arm, 
so  kommt  es  heraus. 

318.  auf  nebel  im  merz  gefallen,  folgt  hundert  tage  nachher  grofse 
Wasserflut. 

319.  wer  über  abgeschnittne  nägel  geht,  wird  dem  gram  dessen  sie 
gewesen  sind. 

320.  stillt  ein  weih  ein  knäblein^  und  legt  einmal  einer  andern  kind, 
das  ein  mägdlein  ist,  an  die. brüst,  so  kommen  die  kinder,  wenn  sie 
erwachsen,  in  Unehren  zusammen. 

82 1.    wer  nur  in  einem  schuh  oder  strumpf  geht,  bekommt  den  sciinupfen. 


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hxxx  ABERGLAUBE 

322.  wenn  das  feuer  im  ofen  platzt ,   entsteht  zank  im  bans. 

323.  solange  das  essen  noch  auf  dem  tisch  brotzelt  oder  kodit,  wird 
die  köchin  von  ihrem  mann  geschlagen. 

324.  wem  die  weiber  abgehn,  und  die  pferde  wol  stehn,  der  wird  reich. 

325.  wenn  ein  licht  pon  sich  selbst  ausgeht,  stirbt  eins  im  hause. 

326.  wer  an  bluinen  oder  kränze  riecht,  die  zu  einem  begräbnis  ge- 
hören,  verliert  den  geruch. 

327.  wenn  man  einen  rosmnrinstengel  abschneidet  und  zu  eioero 
todten  ins  grab  legt,  so  verdirbt  der  ganze  stock,  sobald  der  zweig 
im   grabe  fault. 

328.  wer  eier  ifst,  soll  die  schalen  zerdrücken,  (die  hexea  nistea 
darin) ,    sonst  kann  einer  das  fieber  bekommen. 

329.  ein  beutel  von  maulu-nirfsfell  ^  darin  ein  widhopfshopf ,  samt 
einem  pfennig  steckt,  bei  sich  getragen,  läfst  niemand  ohne  ge4d. 
vgl.  251. 

330.  wind  in  der   neujahrsnacht   wehend   bedeutet  pest. 

331.  wer  suppe  ifst  und  den  loffel  auf  den  tisch  legt,  der  mit  dem 
innern  theil  oben  hin  fällt,  hat  noch  nicht  satt;  er  soll  noch  mehr 
essen,  bis  der  loffel  mit  dem  äufsern  theil  sich  aufwärts  kehrt 

332.  wenn  man  zu  tische  brot  verschneidet,  und  ungefähr  ein  stfick 
meiir,   als  leute  da  sind,   so  ist  ein  hungeriger  gast  nnterweges. 

333.  wer  etwas  an  sich  trägt  mit  christnachts  gesponnenem  zwirn 
genäht,   an  dem  haftet  kein  Ungeziefer. 

334.  man  soll  nicht  mit  fingern  nach  mond  oder  stemen  am  himmel 
weisen.,   man  verletzt  den  engein  die  äugen  damit,     vgl.  937. 

335.  wer  einen  kreuz fogel  im  hause  hat,  ist  vor  dem  einschlagen 
des  Wetters  sicher. 

336.  beim  brauen  lege  man  einen  straufs  grofser  brennesseln  aufs 
fafs,   so  schadet  kein  donner  dem  hier  *). 

337.  geht  eine  schwangere  über  die  zeit ,  so  lasse  sie  ein  pjerd  ghs 
ihrer  schürze  fressen ,    dann  wird  sie  leicht  gebähren. 

338.  wenn  ein  paar  vor  dem  nitar  steht,  und  sich,  die  bände  reicht, 
wessen  hand  die  kälteste  ist,  stirbt  am  ersten. 

339.  wer  Weihnachten,  neujahr  und  dreikönigsabend  etwas  stiehlt,  obie 
ertappt  zu  werden,  der  kann  das  ganze  jähr  über  sicher  stehlen, 

340.  freitags  nogcl  &ü  bänden  und  füfsen  geschnitten  hilft  wider 
zahnweh. 

341.  Martini  kann  man  am  brustbein  der  gans  sehen,  ob  der  winter 
kalt  oder  nicht  wird,  nachdem  es  weifs  oder  braun  aussieht    vgl.  lxti. 

342.  die  bauern  sollen  ihre  mägde,  wenn  sie  das  erste  gras  im  jähre 
bringen,  taufen  oder  mit  wasser  begiefsen,  so  schlafen  sie  nicht  beim 
grasen. 

343.  wenn  sich  starker  Sturmwind  hebt,  hat  sich  gemeinlich  ciacr 
erhängt. 

344.  hüner  aus  gründonnerst ags  gelegten  eiern  gebrütet  andern  alle 
jähr  ihre  färbe. 

345.  wenn  ein  kind  aus  dem  haus  getragen  wird,  darf  die  ohcrthBr 
nicht  zu  sein,   es  wächst  sonst  nicht  grofser. 


*)  die  donnemessel  widersteht  dem  donner ,  wird  daher  za  frischem 
bier  gelegt,  dnfs  es  sich  nicht  brechen  soll,  gründonnerstags  kocht 
man  grünen  kohl  von  jungen  nesseln»    Dav.  Frank  Mekleoborg  1 ,  ^' 


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ABEfiXSLAUBE  lwxi 

346.  tliat  man  auf  dem  auger  gelesene  federn  in  ein  bett,,  ao  kann 
kein  kiiid  darin  ruheo,  ista  ein  eiibett,  ao  laufen  die  ehjeute  von 
einander. 

347.  beim  brauen  ge^ungen^  ger&th  das  bien 

348.  wer  den  ankommenden  storch  grüfat,  bat  kein  zahnweh. 

349.  betritt  man  frühmorgens  beim  ausgang  mit  dem  rechten  fufa 
die  thurschwelle^  so  liat  man  des  tages  gluck. 

350.  ein  gebrauchtes  fuj'shad  soll  nicht  eher  als  den  andern  tag  aus- 
gegossen werden,  man  giefst  sonst  das  gluck  mit  weg. 

351.  eine  unversehens  gefundne  f«lge  von  einem  alten  rad^  wirft  man 
sie  in  der  heil,  dreifaitigkeit  namen  in  die  scheune,  to  schaden  die 
mause  dem  getraide  nicht. 

352.  ein  von  gebettelten  Pfennigen  gemachter  silberner  ring  am  fin- 
^er  getragen  hilft  wider  allerlei  krankheit. 

353.  einem  kind  soll  man  seinen  badewisch  nicht  oft  fortlegen,  sonst 
hat  es  im  alter  keine  bleibende  statte. 

354.  vor  der  trauung  soll  der  bräutigara  das  bierfaCs  anzapfen  und 
den  zapfen  zu  sirJi  stecken,  sonst  können  ihm  böse  leute  etwas  anthun. 

355.  char frei  tags  die  kleider  an  die  sonne  gehängt,  kommt  weder 
motte  noch  schabe  hinein. 

356.  char freitags  durst  gelitten,  schadet  kein  trunk  das  ganze  jähr 
über.     vgl.  913. 

357.  beim  kirchgang  sollen  brautleute  sieb  nicht  umsehen^  es  ist 
nicht  gut. 

358.  beim  heimgang  sollen  sie  eine  schwarze  henne  voran  zur  haus- 
tb&r  einlaufen  lassen  (zum  fenster  hinein  stecken),  alles  besorgliche 
Unglück  wird  auf  die  henne  fallen. 

359.  wer  beim  einzug  in  eine  andere  stadt  oder  wohnung  unterwegs 
hrot  verliert,  wird  hinfort  alle  nahrung  einbüfsen. 

360.  beim  eingang  in  eine  stube  soll  man  in  der  thür  sidi  nicht  um- 
kehren^ es  ist  nicht  gut. 

361.  ein  weib,  die  den  schnupfen  liat,  soll  in  des  mannes  schulte 
riechen. 

362.  einen  eiiigestochnen  splitter  soll  man  zerkauen ,  sonst  kann  er 
mehr  schaden. 

363.  sieht  beim  feuerschlag  ein  anderes  zu,  so  fangt  der  zunder  nicht. 

364.  springt  eine  schwangere  über  die  rinne,  Wodurch  eine  glocke 
gegossen  wird,  so  fordert  es  ihre  geburt. 

365.  seinen  feind  kann  todt  beten  wer  ein  ganzes  jähr  alle  morgen 
und  abende  den  109  psalm  betet;  hält  er  aber  einen  tag  innen,  so 
mufs  der  betende  selbst  sterben. 

366.  wer  in  der  christnacht  heu  stiehlt  und  dem  vieb  davon  gibt,  so 
gedeiht  das  vieh,  und  er  wird  über  weiterm  stehlen  hernach  nicht 
begriffen. 

367.  in  manchem  haus  oder  stall  leidets  kein  weifs  tfieh^  sondern 
stirbt  oder  wird  erdrückt. 

368.  wenn  eine  Ltiche  im  gesiebt  roth  sieht,  stirbt  ihr  jemand  aus 
der  freundschafl  nach. 

369.  wo  man  Weihnachten  das  tischtuch  nach  der  mahizeit  auf  die 
blol'se  erde  ausschüttet  unter  freiem  himmel,  da  wuchst  brosamkraut. 

370.  in  den  bergzechen  soll  man  nicht  sa<;€n  ^glück  zu*,  sondern 
''glück  auf;  es  lallt  sonst  das  gebitude  ein. 

371.  wer  an  einem  unsicliern  ort  ist,  und  einen  esel  bei  sich  hat,  dem 
kann  der  teufel  nichts  leides  thun. 

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Lvxxu  ABERGLAUBE 

879.  wenn  man  bei  zunehmendem  mond  federn  in  i>etteB  oder  bett- 
iniielte  steckt,  so  kriechen  sie  wieder  heraus. 

a73.  wenn  man  eine  weide  zum  ho<zbinden  in  einem  stall  dr^tt^ 
darin  hüuer,  ganse,  enten  br&ten,  bekommen  die  jungen  Liuiiune  bälse. 

874.  hört  man  den  kukuk  zuerst  schreien,  und  ist  ohse  geld,  so  bit 
man  das  ganze  jähr  mangel  daran. 

875.  lafst  man  ein  neugebom  kind  lange  unge tauft  liegen,  so  bekowirt 
es  sdiÖBe  grofee  äugen. 

876.  eine  Jungfrau,  die  gern  lange  haare  imtte,  lege  Ton  ibfea  baarei 
nil  den  hopfenranken  in  die  erde,  so  wachsen  sie  lang. 

877.  es  ist  nicht  gut,  ein  thier  mit  der  ruthe  zu  sditegea ,  mit  wa- 
cher man  ein  kind  gezüchtigt  hat, 

878.  wer  eiiie  schwalbe  todt  schlägt  verursacht  Tier  woebea  anfail- 
tenden  regen, 

379.    der  erste  fall  eines  kindes  schadet  ihm  nicht. 

880.  wer  frühmorgens  zwischen  zttfei  alten  weibem  geht,  hat  den  ta« 
über  kein  gluck,    vgl.  58. 

381.  wo  die  schwalben  neue  nester  bauen,  ans  den  hmue  stiiU  je- 
mand selbiges  jähr. 

3B2.     wenn  die  katzen  ihr  fressen  rein  aufessen,  wird  das  kam  tkeutt 
weun  sie  krumeu  liegen  lassen,  scliiägt  es  ab  oder  bleibt  im  preis. 
383.     wer  die  rose  bekommt,  soll  sich  von  einem  gleiches   tanftniac» 
mit  stahl  und  stein  feuer funken  drauf  lassen  schlagen,   so  vergelit  **• 
38^.     wer  jrupfreiser    briclit,    soll    sie   nicht   lassen   zur  erde  frtter. 
sonst  fallen  heroach  die  fruchte  des  baums  vor  der  zeit  ab. 
385.     ein  s}  orn  ohne  feuer  von  einer  galgenkette  geschmiedet,  dak 
kann  man  liar  iiiäulige,  kollerige  pferde  bändigen. 
886.    ein  strick^  woran  ein  nienicli  erwürgt  worden,  ins  taabeolmns  ge- 
hängt, maclit  die  tauben  da  bleiben. 

387.  wer  aller mannharnisch  bei  sich  tragt  kann  nicht  gewnndec  werlta. 
888.     es  ist  nicht  gut,  besen  zu  verbrennen. 

389.  in  einer  woclienätube  lege  man  an  jede  thur  einea  strokhab» 
»US  dem  Wochenbette ,  so  kann  das  Jiidcl  und  kein  gespeost  nicht  is 
die  Stube. 

390.  eine  braut ^  die  nach  der  herschaft  strebt,  perziehe  lange,  v^ 
lasse  den  l>rautigam  vor  ihr  zur  kirche  geben. 

391.  sie  erreicht  es  auch,  wenn  sie  nach  der  travung  ihren  girtä 
in  die  t hilrschivelle  des  hauses  legen  iafst,  daCi  der  brautigam  darftfcet 
schreitet. 

392.  von  der  brautsuppe  roufs  sie  essen,  sonst  bekommt  me  htm 
kinddtilleii  keine  milch  in  die  brüste. 

393.  elileute  sollen  ja  nicht  von  einem  haushafm  essen« 

394.  wer  hier  schenkt,  lege  die  erste  losung  unter  den  zapfem^  bis 
ausgeschenkt  Ist 

395.  wenn  man  waizenstroh  verbrennt,  wird  übers  jähr  der  waiien  aif 
dem  felde  russig. 

396.  von  einem  erstgebornen  kalb  soll  nichts  gebraten  werden  >  soirt 
verdorret  die  kuh. 

397.  bei  einer  leiche  lasse  man  keine  zähren  fallen  auf  den  todle«i 
er  kann  sonst  nicht  ruhen, 

398.  wenn  eins  das  andere  anputzt ,  soll  das  geputzte  oiciit  daake«. 
sonst  steht  ilini  der  putz  nidit.l 

399.  in  den  zuolfren  soll  ma^  die  Obstbäume  keinen  Spinnrocken  aeWs 
HR?»seii,  sonst  gibt:»  kein  ul>.>t. 


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ABERGLAUl^  lxxxui 

400.  eine  abziehende  magd  soll  vor  dem  abschied  noch  eine  snppe 
machen,  und  sie  essen. 

401.  wer  gras  haut,  soll,  so  oft  er  aufbort,  die  senze  wetzen,  und 
nicht  ungewetzt  hinlegen,  oder  mit  heim  nehmen. 

402.  wenn  Jungfern  zu  tanze  gehen,  sollen  sie  zehr  wurzelkraut  in 
die  schuhe  legen  und  sprechen:  zehrwurzelkraut,  ich  zieh  dich  in 
meine  schuh,  ihr  junge  gesellen  lauft  alle  zu!' 

403.  wenn  die  sonne  nicht  scheint,  sind  alle  in  der  erde  begrabenen 
sdiätze  offen. 

404.  wer  kein  glück  zum  flachs  hat,  stehle  ein  wenig  lein  nnd  menge 
ihn  unter  seinen. 

405.  das  erste  gam,  das  ein  kind  spinnt,  lege  man  in  einer  muhle 
aufs  mühlrad^  so  lernt  das  kind  wacker  spinnen. 

400.  trocknende  wasche  soll  man  niclit  bis  zu  Sonnenuntergang  auf 
den  Stangen  hängen  lassen,  sonst  beschreit,  wer  sie  anzieht,  alles. 

407.  wer  bei  gehaltner  mablzeit  in  die  stube  tritt«  soll  itütessen^  wäre 
es  nur  einen  bissen. 

408.  schreitet  eine  schwangere  über  einen  strick^  mit  dem  ein  mat- 
terpferd  angebunden  war,  die  mufs  zwei  monate  über  die  zeit  gehen. 

409.  das  erste  fleisch,  das  man  einem  kinde  gibt,  soll  von  einer  ge- 
bratnen  lerche  sein. 

410.  eine  kreifsende  lasse  eine  reine  Jungfrau  über  sich  hinschreiten^ 
und  die  Jungfrau  in  währendem  überschreiten  ihren  gürtet  auf  die 
kreifserin  fallen,  so  geniest  diese  alsobald. 

411.  wenn  die  zimmerleute  in  ein  neu  bans  den  ersten  na  gel  ein- 
schlagen, und  es  springt  feaer  daraus,  so  brennt  das  haus  wieder 
weg.    vgl.  500.  707. 

412.  wer  lein  säet,  soll  auf  dem  acker,  den  er  besäen  will,  sich  drei- 
mal auf  den  sack  mit  dem  lein  setzen  und  wieder  aufstehen,  das  ist  gut. 
418.  sprühen  feuerfunken  aus  dem  angezündeten  licht,  so  kriegt  der, 
nach  dem  sie  fliegen,  denselben  tag  geld. 

414.  man  soll  sich  aus  keinem  wasser  waschen,  das  von  alten  u^geu" 
rädern  gewärmt  worden  ist 

415.  lernt  ein  kind  schwer  reden,  so  soll  man  ein  im  backofen  zusam- 
men gebacken  brot  über  seinem  köpf  von  einander  brechen, 

416.  mit  einem  gesc/^elten  stecken  schlage  man  weder  vieh  nocli  men- 
schen, denn  was  &mit  geschlagen  wird,  mufs  verdorren. 

417.  man  soll  in  den  zwölften  nicht  brechen^  sonst  verderben  äpfel 
und  birneu, 

418.  man  soll  in  den  zwölften  nicht  dreschen,  das  getraide  verdürbe, 
Jio  weit  der  schall  gehört  wird*     vgl.  915. 

419.  ein  hemd  mit  zwirn,  in  den  zwölften  gesponnen^  genäht,  ist  zu 
vielen  dingen  gut 

420.  wer  den  heil.  Christabend  auf  die  Wintersaat  geht,  hört  was  da« 
ganze  jähr  im  dorfe  geschieht. 

421.  am  h.  Christabend  soll  man  das  licht  nicht  erlöschen  lassen ,  es 
mufs  sonst  eines  im  hause  sterben. 

422.  es  ist  nicht  gut,  wenn  ein  stul  umgekehrt  liegt  nnd  die  belne  in 
die  höhe  kehrt  ' 

423.  wer  eine  weiberhaube  aufsetzt^  den  schlagen  die  pferde. 

424«  beim  Stubenkehren  soll  man  nicht  mit  heifsem  wasser  sprengen, 
es  wird  sonst  zank  im  haus. 

425.  einer  braut  beim  kirchfang  soll  man  die  Schlüssel  nachwerfen^ 
60  wird  sie  haushältig. 

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LXkxtv  ABERGLAUBE 

426.  beim  heimgfing  aus  der  klrche  trage  man  ilir  seracfanitteiie  huehtF 
entgejTPn,  jeder  gast  nehme  ein  stück  and  Stoffe  es  der  brant  a^ 
den  leib. 

427.  wenn  der  bräutigam  die  braut  heimholt ,  soll  sie  ODterwegs  flüdi 
wegu^erfen,  so  gerath  ihr  der  flachs  wol. 

428.  läfst  man  kleine  kinder  auf  schwarzen  füllen  reiten,  so  bekoasa 
sie  bald  zahne. 

429.  man  soll  im  neumond  eine  andere  wohnung  beliehen,  so  niBBt 
die  nahrung  za. 

430*  wer  Schwaben  hat  soll  einen  Hemmschuh  stehlen  nnd  auf  ^ 
ofen  legen,  so  gehen  sie  weg. 

431.  einen  gestohlnen  sandwi$ch  den  hnnem  ins  fressen  gethao,  so  k- 
gen  sie  die  eier  nicht  weg. 

432.  in  der  ernte  soll  man  die  letzte  garbe  grofs  binden,  so  wacfa»t 
nächstes  jähr  so  viel  getraide,  dafs  alle  garben  so  grofs  werdeo  koMfi. 

433.  wenn  auf  der  hochzeit  die  hunde  sich  bdfsen,  schlagen  die  ehleik 
einander. 

434.  wen  man  mit  dem  aberrück  vom  rocken  schlagt,  der  kriep 
ein  aberbein, 

435.  sperrt  sich  der  respel  am  spanlicht ,  so  kommt  andern  tags  eii 
gast, 

436.  hat  man  zwirn  gemacht,  soll  das  zwirnwasser  nicht  aosgegossn 
werden,  wo  leute  vorüber  gehen,  wer  drüber  geht,  wird  u^irbeUüchtif 

437.  wer  frühmorgens  im  ausstehen  nieset ,  soll  sich  wieder  lege«  as^ 
drei  stunden  liegen  bleiben,  sonst  ist  sein  weib  meister  die  ganze  wockr- 

438.  wer  ein  neu  messer  kauft,  soll  den  ersten  damit  geschattteaca 
bissen  einem  hunde  geben,  so  verliert  er  das  messer  nicht 

439.  kann  ein  todkranker  nicht  sterben ,  so  soll  man  den  tisch  ^tr* 
rücken^  oder  eine  schindel  auf  dem  dach  umwenden,     vgl.  721. 

440.  wer  sich  auf  eine  wasserkanne  setzt,  dem  wird  die  schwieccf* 
mntter  gram. 

441.  wer  tauben  hat,  soll  über  tisch  nicht  davon  reden»  sie  fliefei 
und  gewohnen  sonst  weg. 

442.  wer  verreisen  will,  und  ist  der  tisch  nicht  erst  abgeräumt ,  im 
wird  der  weg  sauer. 

443.  sind  kinder  besciirien  und  können  nicht  schlafen ,  soll  man  trä 
von  der  gemeine  nehmen,  und  über  sie  streuen. 

444.  num  soll  durch  keinen  bodenlosen  topf  sehen ,  sonst  timt  eiaea 
der  köpf  weh. 

445.  in  der  brautkamitier  lasse  man  das  inscblitlicht/i-</i  rein  au^tTf»- 
nen,  das  ist  gut. 

446.  die  drei  Christabende  soll  man  alle  brösemlein  auflieben :  sie  sü 
gut,  wenn  man  sie  einem  eingibt,  dems  geteuscht  hat, 

447.  wer  ein  kleid  machen  läfst,  lasse  es  niemanden  anders  anzidbea. 
es  steht  ihm  sonst  niciit  schon. 

448.  wenn  ihrer  zwei  auf  einem  teller  essen,  werden  sie  einander  feiai 

449.  wer  einen  span  an  beiden  enden  anzündet,  dem  können  die  hexca 
mit  solchem  brand  schaden  thun. 

450.  kommt  in  einem  haus  ein  feuer  aus,  so  sebleife  man  den  haclofiM 
hinaus,  dem  schlägt  die  flamme  nach. 

451«  eine  kindbetterin,  die  zur  kirche  geht,  soll  neue  schuh  anle^ 
sonst  fallt  ihr  kind  gefährlich,  wenn  e^  laufen  lernt. 

452.  wer  löß'cl  stiehlt,  behält  im  tod  das  maul  offen. 

453.  wenn  man  sidi  ungeliihr  anspei/,  erfahrt  man  neues. 


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ABßRGLAUBG 


LXXXT 


*3.k,      brummen  die  kühe  uaclits,  ko  s\Mt  da«  JÜM  mit  ihnen. 
ii>5.      gelia  schwangere  zur  bleic/ia,  bekommen  sie  weifse  kinder. 
136.      während   der   trauung  soll    die   braut    eine   alte   Haue   schürze 
unterbinden. 

\^1\  ^f"**  "*"  ^^^  JcÄaÄö  verkehrt  zu  haupten  des  bettefi  steckt, 
I  ruckt  der  alp  nicht  des  nachts. 

158.  steckt  die  Wöchnerin  nadeln  in  die  vorhänge,  so  kriegt  das 
kiiio    böse  zahne. 

159.  bindet  eine  schii^angere  frau  statt  des  gürteis  einen  strick  um 
sich,  deren  kind  wird  gehängt. 

l^O,  elue  Wöchnerin  greife  nicht  in  teig,  sonst  reifsen  dem  kind  die 
Imude  aut. 

4f»l.  gehen  auf  der  hochzeit  glüser  enzwei ,  so  werden  die  ehieute 
iiiciit  reich. 

462.  werden  die  kühe  frühlings  zuerst  ausgetrieben,  soll  man  sie 
durch  einen  kränz  von  gundermann  melken. 

463.  wer  Waiburgis  einen  kränz  von  gundermann  aufsetzt  und  damit 
zu  kirchen  gellt,  kann  alle  hexen   erkennen. 

464.  külie  die  gekalbet  haben ,  fuhren  die  bauera  in  Thüringen  über 
dreijach  eisen, 

465.  geht  eine  schwangere  einem  armen  uinder  nach ,  der  abgethan 
werden  soll,  oder  nur  über  den  weg,  den  er  gegangen,  stirbt  ihr  kind 
heraacli  eben  dieses  todes. 

466.  wenn  man  milch  aus  zweier  herren  vieh  mengt,  verseigen  dem 
eineu  die  kühe. 

467.  für  geschenkte  milch  soll  man  nicht  danken,  sonst  verseigt 
die  kuli. 

468.  so  oft  der  hahn  christnachts  kräht,  so  theuer  wird  selbiges  jähr 
ein  viertel  koru. 

469.  auf  aschermittwocli  jagt  der  teufet  das  hglzweibUin  im  walde. 
4T0.     wer   mit   essig  handelt,    soll   keinen  verborgen,    und  sollte    der 
borger  auch  nur  eine  Stecknadel  zu  pfände  geben. 

*7I.     gegen   hauptwoh   wasche   man  sich  mit  wasser,    das   pon  mühl^ 

rädern  zurücks/iri/igf,     vgl.   765. 

472.     langes  gutes  wetter  kann  man    durch   einmauerung  eines   hahus 

zuwege  bringen. 

473      hat   das   Jiidel  ein  kind  verbrannt,    schmiere    man   das  ofeuloch 

mit  Speckschwarte. 

474.  hat  ein  kind  das  f reisig,  decke  man  Ihm  einen  geerbten  fischtie> 
;rel  über  den  köpf,  und  breche  seinen  round  mit  einem  erbschlüs- 
j«el  auf. 

475.  das  ivasser  leidet  keinen  leichnam, 

476.  ieufelsabbifs  untern  tisch  geworfen,  zanken  und  schlagen  sich 
die  gaste. 

477.  wer  sein  feld  volltragend  machen  will,  gehe  stillschweigend  einen 
gewissen  tag  aus,  hole  von  dreierlei  erbäckem  erde  und  menge  sie 
unter  seinen  samen. 

b.     aber  glaube  im  erzgebirge  um  Chemnitz, 
(Journal  von  und  für  Deutschland   1787.   1,  186.   187.  261.  262.) 

478.  am  ersten  Sonntag  ihres  aufgebots  dürfen  rerlobte  nicht  in  der 
kirche  zugegen  sein. 

479.  auf  eine  unfruchtbare  frau  werfe  man  ein  tischtuch,  das  zur 
ersten  taufmahlzeit  gedient  hat. 


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Lxxxvi  ABEaCLÄUfiE 

480.  hutlerhücJisen  sind  bei  tauf  und  bodiseltsmahleii  lomer  aoge- 
schnitteD,  sonst  bekommeD  die  gegenwärtigen  janggesellen,  weno  sc 
freien,  körbe, 

481.  geht  die  braut  in  der  kirche  von  ihrem  stnl  znm  altar,  so  rücies 
die  brautjnngfem  gleich  zusammen,  damit  der  platz,  wo  die  bnot  ge- 
sessen, nicht  kalt  werde:  die  liebe  zwischen  ihr  und  dem  bräntige 
würde  sonst  auch  erkalten. 

482.  steht  wälirend  einer  trannng  ein  grab  offen ,  so  kommts  damf 
an,  ob  frau,  mann  oder  kind  begraben  wird,  im  ersten  fall  wird  der 
bräutigam  witwcr,  im  andern  die  braut  witwe ,  im  dritten  erzieiei  «e 
kinder,   die  bald  sterben. 

483.  begegnet  einem  traupaar  ein  mädchen^  so  ist  das  ente  kiwi 
eine  tochter,  begegnet  ein  junge  ^  so  ists  ein  knabe;  begegnen  jage 
und  mädchen  zugleich,  so  gibts  zwiUinge. 

484.  wird  zu  einem  Säugling  ein  Schlüssel  gelegt,  so  kann  er  nitk 
ausgewechselt  werden. 

485.  wer  von  neuen  ehleuteu  zuerst  aus  dem  bette  steigt,  maU  zaecst 
sterben. 

486.  das  brautbett  richten  die  weiblichen  patlien  mit  zu,  alles  strob 
vwird   einzeln   eingelegt,  und  gehütet,    dafs    niemand  fremdes  in  <fie 

braut kamrner  komme,  aufs  bett  darf  nich£  geschlagen ,  nur  sanft  ge- 
strichen werden,  atffserdem  bekonunt  die  frau  schlage. 

487.  ßillt  das  kopfkissen  aus  dem  brautbett,  so  mufs  der  suerst  ster- 
ben, der  darauf  gelegen  hat. 

488.  am  hochzeitstag  müssen  sich  brautleute  übers  kreuz  uraschen, 
so  können  sie  nicht  beschrien  werden. 

489.  von  hochzeitshrot  und  semmel  mufs  etwas  aufgehoben  werdea« 
damit  den  ehleuten  kein  brot  mangle,  solch  brot  schimmelt  nicht  owi 
hilft  schwängern,  die  keine  efblust  haben,  sobald  man  etwas  daroc  b 
ilire  suppe  wirft. 

490.  herscht  beim  krankengebet  in  der  kirche  völlige  stille^  so  sM 
der  kranke;  hustet  einer  oder  rauscht  etwas,  so  bleibt  er  leben. 

491.  verlangt  der  kranke,  nach  empfangnem  abendnial,  essen,  sosM 
er ;  verlaugt  er  trinken,  kommt  er  auf. 

492.  j^egen  zunehmende  kröpfe  oder  warzen  hilft,  die  äugen  anf  dfi 
zunehmenden  mond  zu  richten,  und  dreimal  zu  sprechen:  ^was  icb 
sehe  mehre  sich,  was  ich  geniefse  verzehre  sich.'    vgl.  245. 

493.  heulende  hunde  zeigen  feuersbmnst  oder  sterben  an. 

494.  neues  gesinde  darf  den  ersten  Sonntag  nicht  zur  kirche,  sees« 
gewohnt  sichs  nicht  ein. 

495.  von  welchen  speisen  beim  taufmal  der  patlie  nicht  ifstt  vor  (k- 
nen  bekonunt  das  kind  einen  abscheu. 

496.  krähenschrei  um  haus  bedeutet  leicbe,  und  sollte  nur  ein  vk^ 
sterben. 

497.  schlägt  die  glocke  unterm  leichengeläute ,  so  stirbt  aus  der  ge- 
meine ein  mann,  Jüngling  oder  kind^  nachdem  es  die  grofse,  nittkit 
oder  kleine  glocke  ist. 

498.  bei  abnehmendem  mond  soll  die  braut  nicht  einziehen  (Tgl.23&) 
wer  aber  bei  regen  einzieht,  wird  reich  (vgl.  198.) 

499.  wer  in  eine  neue  wohnung  eiuzielit,  tverfe  zuvor  etwT^»  !el» 
diges,  katze  oder  hund  hinein,  denn  wer  das  haus  zuerst  belritl,  aiiri^ 
zuerst. 

500.  wenn  zimmerleute  zu  einem  neuen  bau  holz  fallen  und  hci*a  *- 
sten  hieb  feuer  fierausspringt^  &o  brennt  das  gebäudc  ab.     (vgl  111} 


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ABERGLAUBE  i.xxxvn 

501.  beim  ehitriU  ius  neue  liaus,  bevor  man  in  diu  stiibe  gelte,  gucke 
inau  in  den  ofeiiiopj  y  um  eiazuwolmeu.  es  gilt  aucii  von  neuem  ge- 
sinde  (vgi,  95),  das  die  berrscliaften  überdem  noch  durch  ihre  heitie 
hriechen  laäseu. 

502.  iiandwerksbursche  bei  der  ersten  Wanderung  dürfen  »ich  nicht 
umschauen^  sonst  bekommen  sie  heimweii  und  können  nirgends  bleiben, 

503.  zum  kuhinelken  lasse  man  niemand  fremdes  hi  den  stall. 

50:1.  abends  bei  lictit  darf  kein  wasch wasser  auf  die  gasee  gegossen 
werden,  sonst  ist  den  andern  tag  zank  im  liaiis. 

505.  legen  kinder  die  ersten  zahne  ab,  so  soll  der  vater  die  des 
töcliterclicus,  die  mutier  des  sühuchens  parschlucken ;  so  bleiben  die 
kiiider  zeitlebens  frei  von  zabqweb, 

c.     aber  glaube    im    SaalfeldiscJien» 

(journ.  ron  und  f&r  D.  1790.  p.  26-29.     vgl.  sachs-  provinzialbl. 
5,  499*512.) 

500.  cliriätnacbts  zwischen  XI "  XII  wachen  die  ledigen  mädclien. 
um  zu  erfahren,  ob  sie  das  nächste  jähr  heirathcn,  ziehen  sie  sich 
nackend  aus,  stecken  den  köpf  in  die  ofeublase,  und  beobachten  da« 
zischende  wasser» 

507*  frnciitet  der  versuch  nicht,  so  hehren  sie  mit  einem  besen  rilck- 
lijtgs  die  Stube  aus;  dann  wird  in  einer  stubenecke  der  künftige  ge- 
liebte sitzen,  hören  sie  klatschen,  so  istd  ein  fuhrmann,  hören  sie 
tuten,    ein  birte. 

508.     andere   springen  nackend  vors   haus   und  rufen  den  geliebten; 
andere  gehen  auf  einen  kreuzgang,  und  rufen  seinen  uamen.« 
50^.     kindbette rinnen  dürfen    nie   allein    gelassen   werden«    sonst   hat 
der  teufel  mehr  gewalt  über  sie. 

510.  sie  dürfen  nicht  eher  schlafen,  als  bis  jemand  beim  kinde  wacht, 
vom  schlaf  überwältigten  müttern  werden  ott  n/ech seibälge  in  die  wiege 
g(^legt.     man  lege  des  mannes  hosen  über  die  wiege. 

511.  den  prtdi^er  fürchten  die  kiudcr  iu  vielen  dörfern.  das  unge- 
zogenste kiud  wird  ruhig  bei  der  droiiung :  ~ 'sitze  stili,  sonst  kommt 
der  pfiirrer  und  steckt  dich  in  den  glaumigeu  topf!' 

512.  dem  niädchen,  das  den  letzten  tag  des  jahrs  seinen  rocken 
nicht  abspinnt  y  wird  er  von  der  Bergda  verunreinigt,  die  JJergda 
Ut  ein  zottiges  ungeheuer. 

513.  die  braut  verwahrt  den  braut  kränz  und  ein  stuck  hochzeithrot, 
solange  sie  das  Imrt  gewordue  stück  besitzt,  hat  sie  nie  brotmangel. 
sind  sie  und  ihr  mann  lebeussatt,  so  wird  es  von  ihnen  in  einer  suppe 
geno'i6^n. 

514.  auf  dem  heimgang  von  der  traiiung  eilt  eine  der  brautjungfern 
voraus,  langt  hier  oder  brantwein  und  bietet  dem  bräntigam  ein  glas« 
das  er  ausleert  und  rückwärts  wegwirft,  .-^erbricht  das  glas,  so  ist 
es  gut,  sonst  nicht. 

515.  erkrankt  einer  plötzlich  ohne  grund,  so  mufs  ihm  wasser  ge^ 
schöpft  werden.  eine  alte ,  erfahrne  frau ,  ohne  jemanden  zu 
grvfsen,  schöpft  brunnenwasser ,  wird  drei  kohlen  hinein,  sinken  sie ^ 
so  ist  der  kranke  besdirieu,  darauf  naht  sie,  und  besprengt  ihn  drei- 
mal  mit  dem  wasser,  die  worte  murmelnd:  'bistu  ein  weib,  falls  auf 
deinen  leib!  bistu  eine  maid,  falls  auf  dein  haid  (baupt)!  bistu  ein 
knerht,   geschieht  dir  eben  recht!'     vgl.  864. 

öl«,     frühjahrs,    beim  ersten  austreiben  des   viebs,    legen  sie   äxte, 


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Lxxxviii  ABERGLAUBB 

heile ,   sag4n  und  ander  eisengeratli  por  dU  'sitäliMn     es  kaim 
nicht  bezaubert  werden. 

517.  auf  hohe  feste  arbeiten  die  weibsleate  nach  dem  goUesdieasl 
uiclit,  fion^t  werden  sie  lahm  und  vom  blitz  erschlagen  (die  undttm 
ziehen  ihnen  nadi), 

518.  stecken  die  weiber  kraut,  so  sagen  sie:  'darsclie  wie  meia 
dickes  bein,  haide  wie  mein  köpf,  blätter  wie  meine  6chürze,  so 
werde  mein  kraut! 

519.  der  Jlachs  wird  so  besprochen:  *  flachs  du  sollst  nicht  eher  Uäli, 
bis  du  mir  gehst  an  die   knie,   flachs  du  sollst  nicht  eher  kuotte,    bis 

du  mir  gelist  an ,   flachs  du  solUt  nicht  eher  gehle ,  bis  du  mir 

gehst  an  <lie  kehle!'  Johannisnacht  tanzen  die  mäddieu  um  den 
Jluchsi    ziehen  sich  nackt  aus,   und  wälzen  sich  darin. 

520.  wenn  der  drache  seineu  Verehrern  eier,  butter,  küse,  speck 
bringt,  rufe  man  etlichemal  den  namen  des  heilands,  so  ladt  er  alles 
fallen. 

521.  zieht  die  braut  in  des  mannes  hof  und  treibt  der  hirl  seioe 
«chafe  in  den  weg,  so  mufs  sie  dem  hirt  ein  trinkgeld  geben  und 
hat  glück. 

522.  fahrt  wirhelunnd  ins  grummet,  glaubt  man,  der  böse  wolle  es 
seineu  dienern  zufuliren.     mau  schreie  ihm  schimpfworte  zu. 

523.  der  hase  schneidet  oft  mit  seinen  Vorderzähnen  durch  ganze 
getraidefelder  einen  weg.  man  nennt  es  pilsenschneiden  y  und  wihat, 
der  teujel  schneide  das  körn  seinen  guten  freunden  ab  und  führe  es 
ihnen  zu. 

524.  alte  weiber  schneiden  oft  einen  fufs  lang  rasen  aus,  den  na- 
mittelbar 't^orher  ihr  feind  betreten  hat,  und  hängen  den  rasen  in  <lea 
Schornstein,    dann  mufs  ihr  feind  abzehren,     vgl.  556. 

525.  viele  essen  den  letzten  tag  im  jähr  hwdel  (strotxel)  aad 
heringe,  sonst,  behaupten  sie,  schneide  ihnen  t*erchte  den  bauch  aui, 
nehme  das  erst  genossene  heraus,  und  nahe  dann  mit  pßugschar  statt 
der  nadel,  mit  röhmkelte  statt  des  zwirns  den  gemachten  schnitt  so. 

526.  die  ganze  christnacht  wird  das  feuer  im  ofeii  erhalten. 

52T.     wer  neujahrstag  zum  hier  geht,   verjüngt  sich  und  wird  roth 

528.  träum  in  der  neujahrsnacht  trift  ein. 

529.  will  das  buttern  nicht  fort,  so  legen  sie  feuerstahl  oder  m^sser 
unters  fafs. 

530.  beim  krautpflanzen  beschmutzte  bände  soll  man  in  einem  gro/sea 
stanz  waschen ,   so  bekommt  das  kraut  grofse  häupter. 

531.  ein  mädchen  kann  durchs  krautpßanzen  erfahren,  ob  sie  ihrea 
geliebten  jemals  bekommt  oder  nictit  sie  zwickt  ein  stück  der  Wurzel 
eines  pflänzcbens  ab,  spaltet  den  übrigen  tiieil,  und  steckt  die  wurzcl 
einer  andern  hindurch;  beide  pflanzen  werden  nun  hart  an  einen  siteia 
gesetzt  und  fest  zusammen  gedrückt.  bekleiben  die  pflanzen ,  so 
kommt  die  heirat  zu  stände. 

532.  macht  man  ein  stück  vieh  oder  sonst  etwas  einem  durch  ein 
gebot  feil ,  no  geht  es  bald  drauf  zu  gründe. 

533.  beim  leinsäen  werfe  man  das  tucht  worin  der  sanien  lag,  hoch 
in  die  luft,    desto  hoher  wird  der  flachs. 

d.      ahergloaüd    in    utid   um    Jt'orm^. 
(journ.  von  und  für  1).    1T90.    p.  U2  —  144.) 
r>34.     pnissehides  feuer   bedeutet  streit. 
5:<.>.     retitchi4ttetes   salz   desgleichen. 


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ABERGLAUBE  lxx\i\ 

5S6.  gellnt  ßerken  am  finger  desji^leicheii.  sind  sie  so  «rron«,  Haf» 
mau  sie  uUt  einem  finger  nicht  bedecken  kannt  so  wird  der  streit 
von  belang. 

537.  gellt  das  linke  ohr ,  so  wird  Übels ,  gellt  das  rechte ,  gutes  von 
einem  geredet. 

538.  BUS  einer  woclmerin  haus  darf  kein  feuer^  salz  noclt  hrot  ab- 
gegeben werden. 

.'>39.  wer  einen  auf  der  strafse  gefandoen  eggenagel  bei  sicli  tragt, 
kennt  alle  hexen,     vgl.  636. 

540.  rothe  milch  einer  behexten  kuh  mufs  kochend  mit  ruthen  ge- 
],:itscht  werden,  der  schmerz  zwingt  die  hexe  sich  zu  melden  und 
die  kuh  zu  heilen. 

541.  wer  ungeufaschen  ausgeht  kann  leicht  behext  werden. 

542.  lauten  in  Walburgisnacht  mit  gett^eihten  glocken  hindert  die  auf 
kreuzwegen  mit  dem  teufet  tanzenden  hexen,  jemanden  zu  schaden. 

543.  klingt  der  sarg  hohldumpf  beim  zumachen,  so  stirbt  noch 
jemand  aus  dem  haus. 

544.  wer  grofse  äugsten  hat,  rühre  an  die  grofse  zehe  eines  todten, 
so  wird  er  frei  davon. 

545.  die  todten  müssen  mit  dem  gesteht  gegen  morgen  gekehrt  sein, 
sonst  werden  sie  von  den  winseln  (?)  erschreckt,  die  von  abend  lier 
schwärmen, 

546.  kämmet  messer^  tücher ^  die  man  bei  einem  todten  braucht, 
müssen  in  den  sarg  gelegt  und  mit  begraben  werden.  '  vgl.  TOO. 

547.  hebt  eine  .-ichtvangere  ein  kind  aus  der  taufe,  so  mufs  das 
ihrige  oder  das  getaufte  sterben. 

548.  wird  ein  laib  brot  auf  die  braune  seite  gelegt,  so  können  hexen 
ins  haus. 

549.  fliegt  eine  gMfüfsige  Jienne  über  einen  gelbsüchtigen,  so  Ist 
er  unheilbar. 

550.  wer  unter  ehleuten  trennung  stiften  will,  drückt  ein  hackschlofs 
zu,  wenn  sie  vom  priester  zusammengegeben  werden. 

551.  kommt  dem  todten  ein  kleid  oder  leinen  vor  den  mund,  so 
mufs  jemand  aus  dem  geschlecht  sterben. 

552.  iat  ein  todter  im  haus,  mufs  man  alle  Weinfässer  anklopfen, 
sonst  steht  der  wein  ab. 

553.  von  dreizehn  am  tisch  essenden  mufs  einer  sterben. 

554.  den  Wirbelwind  machen  die  hexen,  wer  ein  messer  mit  kreuzen 
hineinwirft,  vermag  sie  zu  erkennen. 

556.  stöfst  em  maulwurf  im  hause  auf  (vgl.  601),  zirpt  die  grille, 
so  mufs  einer  sterben  $  desgleichen  wenn  die  hemte  krälit,  oder  der 
kauz  sclireit. 

556.  wer  bei  regenwctter  stiehlt,  und  der  fufsstapfe  wird  heraus- 
geschnitten und   in   den  sctiornstein   gehängt,    so  welkt  der  dieb  all* 

'  mällch,   gleich  dem  fufsstapfen.     vgl.  524. 

557.  kein  ausgekämmtes  haar  werfe  man  auf  die  strafse,  weil  man 
sonst  vor  zauber  nicht  sicher  ist.     vgl.  676. 

e.     abcrgluube    bei   Oemsbach   im   Speierschen, 
(ebendaher  1787.   1,  454  —  456.) 

558.  braut  und  brautigani  beim  kirchgaug  sollen  die  dacht  raufe  mel- 
den,   auch  nicht  umschauen, 

559.  unter  der  trauuhg  dicht  zusammenstehn,  sonst  schleichen  sich 
liexen  dazwischen  ein. 


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Yc  ABERGLAUBE 

560.  welcher  theil  während  der  trauang  die  futnd  ob<n  hat,  be- 
kommt in  der  ehe  die  meisterschaft. 

561.  eine  schwangere,  die  wasche  liäit,  kehre  sogleich  die  gebraudi- 
ten  gefäfse  um,   so  hat  sie  leicJite  niederkunft. 

562.  wenn  die  gevattem  am  tage,  wo  sie  das  kind  heben,  frUche 
Jiemder  anziehen,    kann  keine  hexe  dem  kind  beikommeo. 

^63.  wird  nachts  an  die  wochenstiibe  geklopft,  maclte  man  nie  auf, 
ohne  dreimal  gefragt  zu  haben,  wer  da  seiY  und  bevor  man  dreimal 
antwort  erhalten  hat.     keine  hexe  antwortet  dreimaL 

564.  beim  wickeln  des  kindes  ein  wenig  brot  und  »alz  mit  einzu- 
windeln. 

565.  ins  woclienbett  oder  wiege  einen  degen  oder  ein  nusser  so  zu 
stecken,  dafs  die  spitze  vorragt;  will  die  unholde  über  die  frau  oder 
das  kind  her,   so  fallt  sie  hinein. 

566.  wenn  bei  der  wasche  ein  ander  weib  lauge  holt  ond  dafür 
dankt,   so  ist  es  eine  hexe. 

567.  ein  weib,  das  mittivochs  hui t er  plumpt ,   ist  eine  hexe. 

568.  morgens  beim  ausgehn  soll  man  auf  den  grufs  'guten  morgea^ 
nicht  antworten  '/c7a  danke\  sondern  auch  ^ guten  morgen!'  sollte 
unter  den  grüfsenden  eine  hexe  sein,  so  wird  sie  dadurch  unschädlicii 
gemacht. 

569.  sterben  kurz  hinter  einander  viel  huner,  enten,  Schweine  u.  s.  w^ 
80  mache  man  feuer  im  backofen  und  werfe  von  der  gattung  thiere 
eins  hinein,     die  hexe  mufs  dann  mit  verderben,     vgl«  645. 

570.  einer  ins  haus  tretenden  hexe  gebe  man  ein  stück  brot<,  worattf 
drei  körn  salz  gestreut  sind,    so  kann  sie  nichts  schaden. 

571.  das  tisclituch  soll  man  nie  mit  der  umgekehrten  seife  auflegeo; 
sonst  wird  man  nie  satt. 

572.  man  lasse  es  nie  über  nacht  auf  dem  fisch  liegen,  sonst  ist 
man  niclit  in  der  engel  schütz. 

573.  mit  dem  doclit  aus  der  lampe,  die  in  eines  sterbenden  zimmer 
brannte,   bestreiche  man  kröpfe,  so  heilen  sie. 

574.  versprich  keinem  kiude  etwas ,  ohne  es  zu  halten  •  sonst  wird 
es  hart  fallen. 

575.  will  eine  frau  ihre  henne  brüten  setzen,  und  läfst  die  strumpfe 
lotlern,  die  haare  ßiegen  und  hat  ihren  schlechtesten  rock  an^  so 
bekommt  sie  lauter  küchlein  mit  köbeln  auf  den  köpfen  und  gefieder- 
ten fufsen.    vgl.  19. 

576.  stirbt  jemand  im  hause ,  soll  man  die  bitnenkorbe  rücken ,  essig 
und  wein  rütteint  sonst  stehen  bienen,  essig  und  wein  ab.  vgL  664. 
698.  898. 

577.  gekauftes  geflugel  führe  man  dreimal  um  den  tischfufs,  schneide 
von  jedem  tischeck  ein  Stückchen  und  gebe  es  dem  tliier  zu  fresseov 
so  bleibt  es.     Tgl.  615. 

578.  ein  zum  erstenmal  auszutreibendes  scliwein  lasse  man  über  ein 
stück  der  schürze  springen,  so   wirds  gern  heimkommen.     vgL  615. 

579.  welches  mädclien  in  der  Andreasnacht  Met  im  lofiel  schmilzt, 
und  es  durch  einen  schlüssel,  in  dessen  hart  ein  kreuz,  in  wasta 
gittfst,  das  nachts  zwischen  XI  und  XII.  geholt  worden  ist,  so  bildet 
sicii  das  handwerkszeug  ihres  künftigen  brautigams. 

580.  keinem  kind,  eh  es  einjährige  kleider  anzumessen,  sonst  be- 
komnits  unförmlichen  leib. 

581.  ein  mauskoj{/\  mit  zaimen  abgebissen  oder  mit  gold  abgesdmit- 
ten,  einem  kinde  umgehängt  hilft  ihm  zahnen. 


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ABERGLAUBE  xci 

582.  dies  geschieht  auch,  wenn  man  einem  kinde,  wo  es  znerst  in 
ein  haos  iLommt,  ein  ei  schenkt ;  nach  andern  wird  es  dadurch  phiuderhaft. 

f.     aber  glaube  zu  Pforzheim, 
(ehendaher   178T.  2,  341  —  345.) 

683.  ein  siebenjähriger  hahn  legt  ein  kleines  eii  das  mufs  man  übers 
dach  werfen,  sonst  schlagt  das  weiter  in  haus;  gebrütet  gibt  es  einen 
hasilisk, 

584.  wer  schnupfen  hat,  trinke  durch  eine  dreizinkige  gabel  ein  glas 
Wasser. 

585.  wer  christag  morgens  nüchtern  ein  ungesotten  ei  ifst,  kann  sehr 
schwer  tragen. 

586.  wer  charfreitag  linsen  ist,  dem  geht  das  jähr  über  sein  geld 
nicht  aus. 

587.  brütet  der  storch  ein  ei  nicht  ans,  so  stirbt  jemand  von  den 
höchsten   im^  lande. 

588.  weifse  geister  ^  solche  die  vor  dem  tode  geld  yergraben  haben, 
müssen  zwischen  himroel  und  erde  schweben. 

689.     bei  Sonnenfinsternis    decke   man  alle  bninnen ,    das  wasser  wird  ^ 

sonst  giftig. 

590.     stellt  mau  in  der  neujahrsnacht    zwischen  XI  und  XIK  ein  glas 

wein  irgend  wohin ,    und  es  lauft  über ,  so    gerath   selbiges  jähr  der 

wein.- 

691.     beim  ausgehen  setze  man  den  rechten  fufs  zuerst  vor  die  thür. 

592.  eidechsen  waren  sonst  Jungfern. 

593.  auf  hiinerfedern  kann   kein  kind  ruhig  sterben. 

594.  am  nnschulJigen  kindertag  spannen  viele  bauern  keine  ochsen 
au ,  es  geschieht  unglück. 

595.  wer  über  eine  brücke  geht,  soll  ein  V.  ü.  beten,  auch  wenn 
sich  die  steme  schneuzen^ 

596.  legt  man  ein  messer  die  schneide  aufwärts  ^  so  schneidet  man 
dem  lieben  herrgott  oder  den  engein  das  gesiebt. 

597.  tragt  man  einen  rechen,  dafs  die  zahne  aufwärts  stehn,  oder 
reckt  man  einen  finger  in  die  höhcy  so  sticht  man  dem  lieben  gott  di6 
äugen  aus.    auch  vergeht  der  regenboge  davon. 

598.  wo  der  regenboge  auf  der  erde  steht,  da  findet  sich  ein  golden 
schüsselchen, 

599.  dem  todtengraber  rumpelt  die  hauet  wenn  er  ein  grab  zu  ma- 
chen bekommt. 

600.  grillen,  hunde  und  wegi/ögel  zeigen  durch  ihr  gesciirei  den  tod  an. 

601.  wirft  ein  maulwurf  in  der  stube,  so  stirbt  die  grofsmutter, 
vgl.    555. 

602.  gerath  die  schlofsuhr  in  imordnnng,  so  stirbt  jemand  aus  dem 
furstengeschlecht. 

603.  schlagen  uhren  zum  betglockengeläute »  so  stirbt  jemand. 

604.  wer  hintersich  lauft  macht  dem  tenfel  das  bett.     vgl.  659. 

605.  wer  eine  übelthat  begeht,  die  vor  dem  tod  nicht  an  tag  kommt, 
inufs  nach  dem  tod  mit  dein  köpf  unterm  arm  umgehn, 

606.  wer  geld  vergräbt  mufs  nach  dem  tod  so  lange  umgehen ,  bis  es 
gefunden  wird. 

607.  wer  nicht  betet,  dem  holen  die  Schwaben  (schwnrze  würmer) 
das  mehl  aus  dem  kästen. 

608.  die  Schwaben  vertreibt  man  dadurch,  dafs  man  einige  in  einer 
Hcliachtel  einem  todten  mitgibt. 


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XGii  ABBaGLAUBG 

009.     mUnfülbennester  und  grillen  briugen  segeu  ioä  liauä. 

610.  dem  schreiner  darf  man  Cur   den    sarg  jddiu  abbrechen, 
der  todte  ruhen  soll. 

611.  ruft  man  dem  feurigen  mann:  ^^SteuUe^  Si euhle  much  dich  leicht, 
auf  dafü  du  bald  bei  mir  seist'' !  so  kommt  der  irmsch,  und  man  mufs 
ihn  hockein.    betet  man,  so  naht  er,   flucht  man,  so  flielit  er. 

612.  wer  einen  schätz  findet   decke  kein   kleiduugsstuck  darauf,   das 
'  €im  hlofsen  Uib  getragen  wird ,    sonst  ist  er  des   todes ,    sondern    ein 

sclniupftuch ,  eine  brotrinde.      alle  sieben  jähre  tritt  der  scliatz  hervor. 

613.  nuttu'och  und  freit ag  sind  verworfne  hexeutage.  wer  ferkel 
mittwochs  zuerst  austreibt,  dem  kehren  sie  nicht  heim»  und  besucht 
ein  kiiid  miftn^och  zuerst  die  schule,  so  lernt  es  nidits.  kein  paar 
lafst  sich  mitttvoclis  trauen,  keine  niagd  wechselt  mittwochs  ihren  dienst. 
6H'    jeder  hat  seinen  stern*     steme  sind  äugen  der  menscheru 

615.  läfst  man  schweine,  wenn  sie  die  thürschwelle  zuerst  beschrei- 
ten, über  der  frauffn  strumpjband  springen,  über  de»  mannes  gürtet, 
oder  der  magd  schürze,  so  kommen  sie  ordentlich  nach  haus.  Tgl.  578. 

616.  ein  gekauft  huhn  wird  dreimal  um  den  tisch  gejagt,  ihm  Iiolx 
von    drei  titicliech'n  unterm  brot  gegeben ,  so  bleibts  daheim,  vgl.  577. 

617.  verliert  man  ein  huhn,  binde  man  oben  in  der  stube*  in  ein 
tischtucheck  einen  halben  kreuzer,  und  lasse  das  eck  zum  fenster  hior- 
aushängen,  so  kehrt  das  huhn  zurück. 

618.  wer  unter  einer  deichsei  hersclilüpft  oder  einen  über  sich  schrei- 
ten läfst,  wächst  nicht  mehr.    vgl.  45. 

619.  schlüpft  man  der  kuh  zutischen  den  vorderfüfsen  durch,  verliert 
sie  kein  hörn. 

620.  ferkel  in  wasser,  worin  ein  gemetzeltes  seh  wein  gebrüt  wurde, 
gebadet  wachsen  treflich. 

621.  wer  auf  einen  bäum  sieht,  auf  dem  eine  weibsperson  sitzt,  wird 
blind, 

622.  soll  ein  nufsbaum  recht  fruchtbar  werden,  mufs  eine  schwan- 
gere frau  das  erstemal  seine  nüsse  abthun. 

623.  hat  jemand  gichte,  der  gehe  freitags  um  betglockenzeit  vak 
iteie  feld. 

624.  regenwasser  macht  die  kinder  bald  reden. 

625.  lacht  man ,   dafs  einem  die  äugen  übergehen ,  so  gibLs  zaok. 

626.  wer  einen  bund  mit  dem  teufet  hat  und  ihn  darum  betriegen 
will,  soll  sich  sieben  jähre  nicht  waschen  und  rächt  kämmen,  oder  er 
verlange,  der  teufel  soll  ein  bäumchen  wachsen  lassen,  das  kann  er 
nicht,  so  ist  man  ihn  los. 

627.  die  dorndre/ier  (eine  art  vögel)  tragen  dornen  zu  unser»  herrgotti 
kröne. 

628.  die  schu/atben  trauern  für  den  lieben  herrgott.  ^ 

629.  man  soll  kein  rothkehlchensnest  ausheben,  sonst  gibt  die  kub 
rothe  milch,   oder  das  wetter  schlägt  ins  haus. 

630.  einen  ausgerifsnen  zahn  soll  man  in  einen  jungen  bäum  schlagen, 
und  die  rinde  darüber  ziehen,  wird  der  bäum  umgeliauen,  so  kehrt  öai 
zahnweh  wieder.  Nimmt  man  aus  einer  ueide  einen  spreifsent  ua«l 
gräbt  solange  in  den  scimierzhallen  zahn,  bis  es  blut  gibt  und  dann  des 
spreifsen  wieder  an  seinen  ort  thut  und  die  riJide  darüber  zieht,  verliert 
sicii  das  zahnweh. 

6;U.  einen  fiusgefallnen  zahn  soll  man  in  ein  mäusetoch  tbon,  uiid 
8preciien:  'maus,  da  liast  du  einen  hölzernen  zahn,  gib  mir  einen  bei- 
nomen  dran!* 


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ABERGLAUBE  xcin 

682.  einer  sterbeeden  kindhetterin  muf»  man  scheere  iiDd  nadelbüchse 
(knaul  faden,  nndei  und  fingerhat)  mitgeben ,  sonst  kommt  sie  und  holts. 

633.  stirbt  ein  kind,  so  besucht  es  nach  dem  tode  wen  es  am  lieb- 
Sien  hatte. 

634.  wer  sonntags  geboren  ist  sieiit  geisier  und  mufs  sie  hutzeln 
(hockein.) 

635.  drei  taubenfedern  ans  dem  linken  flügel  nagele  man  an  im  schlag» 
schwin<^e  die  hineingelafsnen  tauben  dreimal  um  den  Schenkel,  und  lasse 
sie  keinen  freitag  zuerst  ausfliegen. 

636.  wer  einen  sonntags  geinndnen  eggenzahn  zu  sich  steckt,  sieht  die 
hexen  in  der  kirche  mit  kübeln  auf  dem  köpf  mufs  aber  vor  V.  Ü.  lau- 
ten aus  der  kirchci  sonst  zerreif^en  sie  ihn.  '  (vgl.  539.  685.  783.) 

637.  ein  in  der  wiege  liegendes  kind,  das  einen  nicht  ansieht,  ist 
eine  hexe, 

638.  nimmt  man  nachts  ein  bekreuztes  messer  zu  sich,  so  kann  keine 
hexe  heran;  kommt  sie  und  man  wirft  das  messer  hin,  so  mufs  sie 
stehn  bleiben  bis  an  den  lichten  morgen. 

639.  wenn  das  älteste  kind  im  haus  das  kalb  anbindet,  kann  keine 
hexe  zu. 

640.  ist  ein  ganz  schwarzer  bock  im  stal  1,  so  kann  die  hexe  nicht  hin- 
ein, auch,  wenn  die  kuh  weifse  füfse  und  weifsea  strich  auf  dem 
rucken  hat. 

641.  welches  thier  einen  schwarzen  rächen  hat,  dem  können  die  leute 
niclits  anhaben. 

642.  hat  man  nachts  furcht  vor  einer  hexe,  kehre  man  nur  den  linken 
schuh  um. 

643.  begegnet  man  zweideutigen  katzen,  halte  man  den  daomen  gegen  sie. 

644.  macht  mau  einen  drudenfufs  an  die  thür,  so  müssen  die  hexen 
fern  bleibqn. 

645.  hat  eine  was  verhext,  und  man  verbrennt  es.  so  kommt  sie  si- 
cher, und  will  etwas  entlehnen ;  gibt  maus  ihr,  so  ist  sie  frei ,  versagt 
mans,  so  mufs  sie  mit  verbrennen,     (vgl.  569.  692.) 

646.  ist  das  vieh  verhext,  so  gehe  man  mitternachts  in  den  stall:  auf 
des  viehs  rücken  wird  ein  Strohhalm  liep^en,  den  stecke  man  in  einen 
sack,  rufe  die  nachbam  herbei,  und  zerdrescJte  den  sack,  der  sack  lauft 
auf  und  die  hexe  schreit,     (vgl.  692.) 

647.  die  hexen  bekommen  geld  auf  den  kreazwegen,  wo  es  der  teufel 
ausstreut. 

648.  sie  können  regen,  donner  und  i4find  machen,  der  das  tuch  auf 
der  bleiche,  das  heu  auf  der  <*'<V.?^,  in  die  luft  treibt. 

649.  sie  salben  einen  stock  mit  den  worten :  'fahr  hin ,  nicht  zu  IioHi 
uqd  nicht  zu  nieder  V 

650.  wenn  eine  hexe  aufgefahren  ist  (in  exstase),  kehre  man  ihren 
leib  um,  so  kann  sie  nicht  mehr  einfahren. 

651.  unter  behextes  wasser,  das  nicht  sieden  will,  lege  man  nur  dreier- 
lei   holZm 

652.  ist  ein  kind  beschrien,  hole  sein'  vater  drei  Strohhalme  auf  vcr- 
scbiednen  misstätten  unbeschrien,  und  lege  sie  ihm  unters  kopfkissen. 

g.     aberglaube  aus  dem  ff'iirtembergischent 
(ebend.    1788.  2,  183.  184.) 

653.  man  gebe  keine  milch  aus  dem  hause,  ohne  einen  tropfen  was- 
ser  damit  zu  vermischen. 


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xciv  ABERGLAUBE 

654.  am  tage,  wo  ein  weib  niederkommt^  oder  eiB  pferd  persckiäiien 
wird,  darf  nichts  aus  dem  bans  gelieben  werden ,  sonst  wird  weib  oder 
pferd  bebeit. 

655.  wer  im  bett  die  (üGse  gegen  das  fenster  kehrt,  bekommt  ^ 
auszeliraog. 

656.  ein  hemd,  von  einem  fünf  bis  siebenjährigen  mädchen  gesponnen^ 
macht  fest  and  sicher  gegen  zauber. 

657.  wer  von  einem  gespenst  verfuhrt  wird,  wechsle  alsbald  die  schuhet 
nnd  setze  den  hut  anders^  so  kommt  er  wieder  in  den  rechten  weg. 

658.  wenn  man  freit ag  und  mittwochs  nacht  von  hexen  redet ,  so  hö- 
ren sies  nnd  rächen  sich. 

659.  wer  hinter  sicii  lauft,  lanft  dem  -teufel  in  die  arme.     (vgl.  664.) 

660.  ungetauft  sterbende  kiuder  kommen  unters  wütende  heer. 

661.  kniet  vor  dem  altar  die  braut  auf  des  brantigams  mantel,  so  be- 
kommt sie  die  oberherschaft,  auch  maGi  sie  sich  vor  ihm  ins  bett  legea 
nnd  sich  von  ihm  ein  glas  wasser  reichen  lassen,  dann  wird  sie  sl<ier 
meister. 

662..  wer  unter  den  brautleuten  zuerst  pom  hrcmtdltar  aufsteht^  stirbt 
znerst. 

663.  stelm  sie  so  weit  vor  dem  altar  von  einander,  dafs  man  zwischem 
ihnen  durchsiehtj   so  gibts  zwist  in  der  ehe. 

664.  will  ein  kranker  sterben»  so  öfne  man  die  fenster^  mid  stapfe 
alles,  was  hohl  im  hause  ist,  nnd  kehre  es  nm,  damit  die  seele  frdi 
ausfahrt  habe  und  sicli  nirgend  aufhalte,  auch  soll  man  den  essif^ 
rücken^  dafs  er  nicht  umstehe,  den  vogelkäfieh  anders  hangen,  das  piek 
anders  anbinden,  die  Bienenkörbe  verstellen,     (vgl.  576.  698.) 

665.  man  achte,  dafs  der  todte  auf  der  bahre  keinen  zipfel  des  ster- 
bekleide  in  den  mund  bekomme. 

666.  wer  den  daumen  einschlägt  kann  nicht  von  hondea  gdnüei 
werden. 

667.  das  butterfafs  auf  eine  handzwehl  gestellt,  imd  einen  baarkaBB 
darunter  gelegt,  gibt  viel  und  reiche  butter. 

668.  wer  fruhlings  den  kukuk  zuerst  schreien  bort,  und  mibescbriei 
in  seinem  gelde  rüttelt^    dem  geht  das  geld  niemals  ans. 

669.  die  markung,  wo  ein  Selbstmörder  begraben  liegt,  wird  drei  jshr 
nacheinander  vom  wetter  getroffen^ 

670.  ein  bauer,  der  zum  andern  das  erstemal  in  den  stau  tritt  nd 
nicht  sagt:  glück  herein!  ist  ein  hexenmeister. 

671.  wer  mit  rechtem  fufs  zuerst  in  die  gerichtsstnbe  tritt,  gewtet 

h.     aberglaube  in  Schwaben» 
(ebend.  1790.     li  441.) 

672.  die  erste  arznei  soll  die  Wöchnerin  aas  des  mannet  toffd  eil- 
nehmen,  es  gedeiht  besser. 

673.  in  den  kindeswehen  soll  die  kreifsende  des  mannes  pantoffel  u- 
ziehen. 

674.  man  stelle  ihr,. ohne  dafs  sies  weifs,  wasser  anters  bett 

675.  ein  kiiid  unter  drei  jähren,  schiebt  man  es  za  einem  guckfenster 
ein,  so  wächst  es  nicht  mehr. 

676.  abgeschnittne  haare  sind  zu  verbrennen,  oder  in  laufend  wasser 
zu  werl'en.  tragt  sie  ein  vogel  weg,  so  lallen  dem  menschen  ^ 
haare  aus.    (vgl.  557.) 


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ABERGLAUBE  xcv 

677.  wenn  ein  redenlernendes  kiod  zuerst  vater  spricht,  bekommt  die 
motter  das  nachstemal  einen  knaben;  wenn  routter,  eine  tocbter. 

678.  aus  gesprufignem  glas  soll  kein  mann  trinken»  sonst  bekommt 
seine  fran  lauter  mädchen,  keine  knaben. 

679.  eine  gekaujte  katze  niufs  man  so  ins  haus  tragen,  dalk  sie  den 
köpf  gegen  die  strafie ,  und  nicht  gegen  das  haut  hält,  sonst  bleibt 
sie  niclit. 

I.     aherglaube  im  jinsbcichiscfieru 
(ebend.  1786.    1,  180.  181.) 

680. ^   wer  samsiag  abends  s^tinnt  spukt  nach  seinem  tod. 

681.  wenn  die  wasche  eines  verstorbenen  nicht  bald  gewaschen  wird, 
kann  er  nicht  ruhen, 

682.  wer  fastnaclits  hirsbrei  ist,  dem  geht  nie  geld  aus. 

683.  wenn  fastnachts  gesponnen  wird,  misräth  der  flachs,  man  ver- 
steckt zu  der  zeit  die  Spinnräder. 

684.  wenn  der  bauer  fastnachts  strohbander  bindet,  und  nur  ein  ein- 
ziges zu  einer  garbe  unter  einem  ganzen  schober  getraide  nimmt, 
so  kann  keine  maus  schaden. 

685.  wer  drei  getraidkörner  in  gebacknem  brot  gefunden  bei  sich 
tragt»  sieht  TValburgistag  alle  hexen  und  druten  mit  melkkübeln  auf 
den  köpfen  in  der  kirche.     vgl.  686.  783. 

686.  in  den  zwölfnächten  darf  weder  bauer  noch  knecht  frischge» 
schmierte  schalle  in  den  stall  bringen,   sonst  wird  das  vleh  behext 

687.  wer  in  dieser  zeit  erbsen  kocht  oder  ifst,  bekommt  Ungeziefer 
oder  aussatz.  ^ 

688.  eine  schwangere  darf  dnrch  keine  waschhänge  oder  sonst  was 
verstricktes  gehn,  ihr  kind  im  mutterleib  versclilingt  sich  so  oft,  als 
sie  durch  die  stricke  geschlüpft  ist 

689.  hat  ein  kind  Zuckungen,  lege  man  eines  pferdes  hufeisen  unter 
sein  kopfkissen. 

690.  tragt  der  pathe  ein  krankes  kind  dreimal  stubauf  stubnieder^ 
so  bessert  sichs. 

691.  fohlt  ein  mutterpferd  zur  unrechten  stunde,  so  mufs  es  über  eine 
rß'^^g^^^^  geschritten  sein,  man  schlage  sie  enzwei,  so  kann  es  nie- 
derkommen. 

692.  ist  einer  mit  Ungeziefer  behext,  so  wickele  er  drei  stuck  in  ein 
papier  und  schlage  mit  dem  hanwier  darauf,  die  hexe  empfindet  jeden 
tfclilag  und  wird  kommen  etwas  zu  leihen,  gibt  maus  ihr  nicht,  so 
Mrird  sie  nicht  frei  und  unterliegt  endlich  den  strelclien.    >gl.  645.  646. 

693.  man  verbrenne  nie   einen  besen^  so  ist  man  vor  rothlanf  sicher. 

694.  sind  die  christbaumslicliter  entzündet,  so  betrachte  man  den 
schatten  der  leute  an  der  wand:  die  im  folgenden  Jahr  sterben,  er- 
scheinen ohne  köpf, 

695.  wer  die  drei  ersten  kornblüten^  die  er  ansichtig  wird,  durch  den 
mnnd  zieht  und  ifst,  bleibt  das  jähr  über  frei  von  ficber.     vgl.  784. 

696.  wer  palmb<sselein  (knöpfe  der  Salweide)  über  gesiebt  streicht, 
bekommt  keine  sommerflecken. 

697.  desgleichen,  wer  charfreitags  unterm  schiedungsläuten  sein  ge- 
flieht wäscht. 

698.  t'vgelkäßche,  blumen Scherben  und  bienenstöcke  eines  verstorbenen 
mufsen  anders  gehangen  und  gestellt;  auch  auf  seine  tviinfässer  mufs 
dreimal  geklopft  werden,     vgl.  552.  57G.  664. 


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xcvi  ABERGLAUBE 

699.  die  ruhe  des  todten  befordert,  wenn  jeder  der  onu  grab  stebeo- 
deii  drei  erdschollen  hinein  wirft. 

700.  kämm  und  messer,  womit  ein  todter  gekämmt  und  geschoren  ist, 
mufs  mit  in  den  sarg  gelegt  werden;  sonst  fallen  denen,  die  sich  ihrer 
bedienen,  die  haare  aus.     Tgl.  546. 

701.  läfst  einer  vom  vorgesetzten  broie  etwas  liegen,  so  nrnfs  es  we- 
nijr&tens  eingeschoben  werden,  sonst  bekommt  er  zahnweh. 

702.  einer  schwangeren  darf  man  das  brot  nicht  mit  messer  oder  gahel 
anspiefsen,  sonst  werden  dem  kind  die  äugen  ausgestochen. 

703.  ins  haus  wo  auf  himmelfahrt  genäht*  oder  auch  nur  eine  nadel 
eingefädelt  wird,  schlägt  da,-;  geiviiter,     vgl.  772. 

704.  wo  ein  rothschwänzchen  nistet,  schlägt  das  ufetter  ein^  aber  cia 
Schwalbennest  bringt  glück,     vgl.  629. 

705.  bringen  kinder  das  weihlein  eines  Schröters  mit  naeh  hans,  mafii 
es  augenblicklidi  weggeschaft  werden,  weil  sonst  das  wettet  einsckUh- 
gen  würde. 

706.  charfreilag  und  samstag  darauf  getraut  man  sich  nicht  in  der 
erde  zu  arbeiten,  um  Christum  nicht  im  grab  zu  beunmfaigen. 

707.  gibt  der  letzte  nagel,  den  der  Zimmermann  ins  haus  scblägtt  fener, 
.so  brennt  es  ab  (vgl.  41 1.500.)  und  zerbricht  das  glas^  welches  er  nadi 

dem  Spruch  vom  giebel  wirft  ^  so  stirbt  bald  der  bauherr;  bleibt  et 
ganz,  lebt  er  lange. 

708.  wer  mit  einem  hemd  am  leibe,  wozu  ein  funQährtges  mädi^cfl 
das  garn  gesponnen,  vor  gericht  erscheint,  bekommt  in  allen  handeln  recbt 

709.  einem  todten  legt  man  wasen  oder  ein  brettchen  unters  kioi, 
dafs  er  nicht  den  sterbkittel  mit  den  zahnen  erhaschen  und  seine  ver- 
wandten nach  sich  ziehen  könne. 

710.  einem  mädchen  kann  der  rothlauf  damit  vertrieben  werden,  dtfii 
ein  reiner  jungling  zu  wiederholten  malen  feuer  darauf  schlägt,^ 

711.  tritt  man  am  ostertag  iiicht  barfufs  auf  den  stubenboden,  se 
ist  mau  vor  (ieber  sicher. 

712.  ifst  man  charfroitags  ndchtem  ein  ei,  das  gründonnerstags  ge- 
legt worden,  so  hebt  man  selbiges  jähr  sich  keinen  leihe^schaden, 

713.  drei  brot  kr  unten  ^  drei  salzkömer,  drei  kohlen  bei  sich  getragen 
sdiützt  wider  Zauber. 

714.  schnürt  die  frau,  wenn  sie  aus  dem  Wochenbett  gebt,  eine  brot- 
rinde  ein  und  macht  daraus  dem  kiod  einen  zuller  oder  schloizer,  so 
bleibt  es  frei  von  zahnweh. 

715.  schnallt  der  brautigam  der  braut  am  hochzeitstag  den  Zuiim 
schuh  ein,  so  bekommt  sie  die  herschaft. 

716.  bindet  er,  ihr  die  Strumpfbänder,  so  gebiert  sie  leicht. 

717.  wer  von  den  brauileuten  zuerst  einschläft^  stirbt  zuerst 

718.  ifst  man  die  drei  ersten,  ansichtig  gewordnen,  schlehenblütW', 
brennt  einen  dastganze  jähr  der  sod  nicht 

719.  Sommersprossen  zu  vertreiben,  nehme  man  die  ersten  jan^ 
gänse  imbcschrien,  streiche  sie  über  das  gesiclit,  und  lasse  sie  hinter- 
wärts laufen. 

720.  kehrt  man  den  hrotlaib  in  der  Schublade  nm,  so  kann  die  druM 
nicht  aus  der  stube. 

721.  kann  einer  nicht  sterben,  so  darf  man  nur  drei  ziegel  in  dach 
auftieben.      vgl.  438. 

723.     hat  ein  kind  das  gefrais,  so  scliwindet  es,  wenn  man  ein  schirol' 

f'fnne.st   unter  sein  kopCkissen  lej2:t 

721.     wer  auf  geerbten  betten  liegt,  kann  nicht  sterben. 


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ABERGLAUBE  xrvn 

k.     aherglaube  im  landä  oh  der  Etit» 
(ebend.  1T88.     1,  469-4T2.) 

724.  eine  schwangere  soll  in  kein  unreines  wasser  langen,  sonst  be- 
kommen  «Jie  kinder  grobe  bände. 

725.  mit  iiirem  portuch  nichts  ahmschen,  sonst  werden  sie  im- 
gestübn. 

726.  keinen  hlamenstraufs  Tortragen,  sonst  bekommen  sie  stinkenden 
atliem  und  keinen  gerucb. 

727.  gelüstei  i<ir  nacli  einem  fisch^  so  stirbt  das  kind  bald ,  oder  die 
entbindung  erfolgt  vor  der  steit. 

72A.  sliehit  sie  nur  eine  kleinigkeit,  bekommt  das  kind  unwidersteh- 
lichen hang  zum  stehlen. 

729.    steigt  sie  über  eine  deichsei ^   so  verfallt   das  kind  dem  scharf- 
rieliter ;  träumt  sie  von  todten  fischen^  so  stirbt  das  kind. 
7SO.    treten  weibsleute  ein,  wahrend  sie  im  kiiulsiitul  arbeitet,  so  müs- 
sen  sie  scimell  ihre  vortücher   lösen  und  der  kreiPsenden  unibinde:i» 
aoimt  werden  sie  selbst  unfruchtbar. 

781.  unter  den  rauch  menge  man  einige  spreifsel  von  dem  besen,  wo- 
mit das  Zimmer  gekehrt  wird. 

732.     ist  das  kind  zur  weit,  so  mufs  die  gebnhrerin  dreimal  in  ein  zwie- 
helhaupt  beifsent   dreimal  im  kindsstul   aafgeitoben  und   niedergesetzt 
werden,  die  daumen  einziehen,  und  dreimal  in  jede  Jaust  blasen. 
783.    in  den  sediswochen  darf  die  frau  nicht  sjir.nen,   weil  ü.  Fi.  F. 
•och  niclit  ges|[)onuen.  sonst  wird  aus  dem  garn  ein  strhk  fürs  kind. 

734.  wird  das  kind,  gleich  nachdem  es  aus  mutter  leib  kommt,  in  ei- 
nen pelz  gewickelt,  kriegt  es  krause  haare. 

735.  legt  mau  in  sein  erstes  bad  drei  pfeniiige,  so  hat  es  immer 
geid,  eine  schreibfeder,  so  lernt  es  leicht,  eii;en  rosenkranz,  so  wird 
es  fromm,  ein  ei,  so  bekommts  klare  stimme,  die  drei  pfenaige  und 
das  ei  müssen  aber  dem  ersten  bettler  gegeben  werden. 

736.  die  milch  der  zuerst  kalbenden  kuh  mufs  in  einen  ganz  neuen 
topf  gemolken  werden ;  aucli  hier  legt  man  drei  pfennige  ein ,  und 
schenkt  sie  samt  milcJi  und  topf  dem  ersten  bettler. 

737.  je  kleiner  das  krügel  ^  womit  das  badwasser  einem  mädcheii  in 
die  wanne  geschöpft  wird,  desto  kleinere  hritnie  wird  es  bekommen. 

738.  das  badwasser  ist  unter  einen  grünen  bäum  zu  giefsen»  so  blei- 
ben die  kinder  stets  frisch. 

739.  den  dritten  tag  nach  der  geburt  roufs  der  patbe  dem  kind  des 
weinen  abkaufen  (ihm  ein  stück  geld  in  die  windel  stecken),  damit  es 
ruhe  erhält. 

740.  schreit  das  kind  dennoch,'  so  bette  man  drei  schlüssel  in  die 
wiege. 

741.  will  oder  kann  das  kind  nicht  essen,  so  gebe  man  den  v6ge!n 
in  der  lufty  oder  dem  schwarzen  hund  ein  klein  tractament. 

742.  schläfl;  das  kind  sommers  untena  gewiiU'r^  so  schlägt  der  donner 
oieht  ein. 

743.  das  tischt uch^  worauf  gegessen  wonlen,  räuchere  man  mit  abge^ 
fallnen  brosamen^  und  wickele  das  kind  hinein. 

744.  so  oft  die  mutter  aus  der  woclienstube  getit,  lege  sie  etwas  von 
des  vaters  kleidern  auf  tias  kind,  so  kann  es  nicht  ausgewechselt 
werden. 

745.  dn.H  vorsegnen  darf  weder  mittivoch  noch  freit ag  geschehn,  sonst 
fallt  das  kind  dereijist  in  die  liände  des  Scharfrichters. 

g 

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xcviii  ABERGLAUBE 

746.  vor  dem  ausgang  zur  porsegnung  steige  die  Dintter  Aber  den 
iehrbd^en, 

747.  die  kerze^  womit  der  kindberterin  %'orge«e<rnet  wird,  sAndet  dtr- 
Afi  zuerst  ein  maniuhild  ait,  so  iat  ihr  iiäclistei  kitid  ein  koabe,  zvmkt 
ein  Weibsbild  an,  ein  mtidctien. 

748.  nachliausegehend  kaufe  sie  broi  uod  lege  es  m  die  wiege,  av 
hat  das  kind  lebenslan«;  brat, 

749.  bevor  sie  dem  kinde  trinken  gibt,  mufa  sie  die  brüste  Hreimoi 
ahmscMen, 

750.  wird  das  kind  zuerst  ausgetragen,  muff  ihm  ein  kleidangsititk 
auf  der  obigen  (umgewaiidten)  seite  angezogen  werden. 

751.  ^r  den  ersten  zahn  des  kiudei«  sieht,  gebe  ihm  auf  der  stelle 
eine  ohrfeige^  so  zahnt  es  hernach  leiclit 

"^        I.     aberglaube  zu  Osterode  am  harz. 
(das.  1788.     2,  425-431.) 

752.  frühjahrs  beim  ersten  austreiben  auf  die  weide  soll  maa  heil  waA 
/euers/ahl^  in  blaue  schürze  gewuntleii  inwendig  vor  die  stallscbweih; 
legen,  und  die  kuhe  darüber  schreiten  lassen 

753.  abends  vorher,  beim  futtern,  drei  häufchen  ealz*  so  rid  OHin 
mit  den  fingern  halten  kann ,  ihnen  zwischen  die  bomer  streuen ,  aifl 
rücklings  aus  dem  stall  geben;  so  haben  böse  äugen  dem  rieli 
nichts  an. 

754.  wasclit  das  madchen  ungetvusrhen  die  kuli,  ao  rahmt  die  nüdi 
nicht  . 

755.  soll  eine  kuh  nicht  mehr  als  einmal  mit  dem  ocIiseD  laiiicflf 
mufs  ein  lebendiger  blinder  hund  inwendig  vor  die  sitäUhür  eingegra- 
ben werden. 

756.  wird  die  kuh  Tor  dem  haus  e.'ner  hexe  bergetriebea  >  spuhs  drr 
treiber  dreimal  aus. 

757.  Zuchtvieh ,  das  im  abnehmenden  mond  jung  oder  eatwöluit  msA^ 
taugt  nichts. 

758.  werden  st  hwalbennester  am  hause  zerstört,  geben  die  kühe  Uzt 

759.  kommt  die  hexe  zum  buttern,  uud  kann  die  bünder  am  huiler- 
fafs  zählen^  so  g«r&th  die  butter  ii.c'it. 

760.  drei  salzkörne r  ins  mi  Ichina  ('s  bewahren  die  milcli  vor  hexen. 

761.  hüuer  die  gut  legen  sollen,  futtere  man  nenjabr  in  der  milta^ 
stunde  mit  allerlei  fruchten  unter  einander. 

762.  mau  lege  einer  bruthenue  die  eier  unter,  gerade  wenn  die  schweiße 
eittkonunen,  und  laufe  so  geschwind,  wenn  man  sie  ins  nest  tragt,  wi* 
die  Schweine  laufen ;  so  kommen  die  eier  «geschwind  hiatereiiuuider  a«. 

763.  wer  den  traaring  zuerst  verliert^  stirbt  zuerst 

764.  trauungea  müssen  im  vollinond  gescMtn,  aoust  bat  die  elie  kei* 
nen  segen. 

765.  das  erste  warnibier  für  die  Wöchnerin  darf  niemand  kosten,  ei 
mufs  mit  den  fingern  ver,sicht  werden»    sonst  bekommt  sie  leibrdfc««- 

766.  gegen  den  ( nsprung  (eine  art  rötlie)  des  kindes  hole  maa  eb 
stück  holz  aus  dem  mü/Jrod,  zünde  es  an  und  räuchere  damit  die  wia- 
deln;  da:»  kind  wasche  man  mit  wasser,  das  uom  mühlraH  a^«/■/:l9^ 
vgl.  471.  was  vom  holz  übrig  b!eibr,  ist  in  Jid,&ehd  H'Oster  » 
w  erfen. 

TUT.  iii  der  Oaumbliite  kein  kind  zu  cutwöhueu,  sonst  l>ekoBiBi  t'* 
graue  haare. 


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ABERGLAUBE  xcix 

768.  an  eiaem  nn^etauften  kind  soll  kein  fremder  eiageheo;  wäre  er 
nicht  dicht  (gelieuer),  so  vergienge  der  mutter  die  milch. 

769.  bekommt  das  kind  kinderscheuerchen^  wenn«  ein  knabe  Ist,  mufii 
ihm  die  goth,  wenn  ein  mädchen,  der  pathe  das  hemd  auf  der  brüst 
enzivei  rdijsen» 

770.  einem  entwohnt  werdenden  kinde  mvfs  man  dreimal  geben :  eine 
Semmel  zum  essen,  einen  Pfenning  zum  verlieren,  und  einen  schlüsseL 

771.  nwntafT  soll  man  nichts  ausleihen,  heim  kauf  nichts  schuldig 
bleiben,  auch   keinen  strumpf  links  antliun. 

772.  woran  am  /limttieifahrtstag  gearbeitet  wird,  danach  trachtet  ein 
getvitler,     vgl.  703. 

773.  wirft  man  Matthiastag  einen  schuh  überkopf,  steht  die  spitze 
zum  haus  hinaus,  so  mufs  man  das  jähr  sterben,  oder  ausziehen. 

774.  Matthiastag  lege  man  so  viel  leuchlerpfennige  (hohle  blech- 
munzen)  als  leute  im  haus  sind,  auf  einen  stiiUtehenden  eimer  voU 
washer :  der  dessen  pfennig  ontersinkt  stirbt  im  jähr. 

775.  Wasser,  am  ersten  ostermorgen  vor  sonfn'fianfgang^  stromab- 
wärts und  stiüschweigends  geschöpft,  verdirbt  nicht,  und  ist  für 
alles  gut 

776.  am  selbcn^  tag  vor  Sonnenaufgang  gebadet  hilft  wider  grind  und 
andre  gebrechen. 

777.  eine  dienstmagd  »oll  gleich  beim  eintritt  Ins  haus  nachsetien, 
ob  feuer  im  ofen  ist  und  es  schüren*  so  bleibt  sie  lauge  im  dienst. 

778.  beim  hausbau  soll  der  hausherr  den  ersten  schlag  mit  der  zim- 
meraxt  aufs  bauholz  tliuu,  Jliegen  funken  heraus^  i»o  brennt  das 
haus  ab. 

779.  ist  ein  bett  so  gestellt,  dafs  die  füfse  den  darin  schlafenden  zum 
haus  hinaus  stehen^  so  nmfs  er  sterben. 

780.  behextes  geld  wird  unterm  zahlen  immer  weniger;  man  streue 
«tftE  and  diu  zwischen  und  lege  ein  kreuzzw^fipfennigsstQck  hinzu,  so 
bleibt  es  richtig. 

781.  hecke  thaler  mehren  das  geld  unterm  zahlen,  und  kehren  ausge- 
geben immer  wieder  zurück. 

782.  '  eine  Wöchnerin  darf  nicht  aus  dem  fenster  schanen,  sonst  nimmt 
^%Ae%  vorbeigehende  fuhrwerk  ein  glück  mil. 

783.  wer  ein  gründounerstag  gelegtes  ei  wohl  verwahrt  bei  sich  tragt, 
kann  alle  hexen  mit  kiibein  auf  dem  hopf  sehen,     vgl.  6.H6.  685. 

784.  wer  das  erste  körn  blühen  sieht,  ziehe  es  dreimal  durch  den 
mund  un<l  sage:  'gott  behftte  mich  vor  fieber  und  gelbsucht',  so  bleibt 
er  frei  davon,     vgl.  695. 

785.  drei  knüpje  in  einen  faden  geknöpft  und  in  einen  sarg  gelegt, 
nacht  von  warzen  frei. 

786.  gebiert  eine  fraa  sieben  söhn«  hinter  einander^  so  kann 'der  sie- 
bente durch  einen  schlag  mit  seiner  hand  allerlei  schaden  heilen. 

m.     aberglaube  zu  Bielefeld, 

(ebend.  1790.   2,  389.  390.  462.  463.) 

T87.     tritt  eine  alte,    mit  triefenden  äugen ^    ins  haus,  redet  ein  kind 

an  und  liebkoset,  so  bebext  sie  es;  ebenso  wenn  sie  rieh  anrülirt  und 

bewandert. 

788.     geht  jemand,  einen  fufs  blnfs^   den  andern  beschuht,  die  strnfse 

einher,  m  erkrankt  alles  rieh,  das  die.ses  weges  kommt. 


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c  ABERGLAUBE 

789.  settft  sich  eine  eule  liuts  liaui,  «chreieud  und  hemadi  fiberiie- 
Xeiid,  ku  niun$  jeniaud  stetUeii. 

790.  u'ickeweiher  zeipreii  den  diel»  nn^  und  zeicliaen  Uui  aa  seiseni  leit>. 
;i)l.  alle  jrauvn  iVühinorgeiiü  üuer."«t  hegegneud  bedeot^ru  luiglürk. 
jun^e  hüte  glück. 

792.  weiliiiaclileo  zwiscliea  XI  iiud  XII  wird  da«  wasser  weiu^  iihI 
daj»  pieh  sieht  uuf\  wer  es  aber  uiite»ucliea  will  erblindet  ^  ertauti 
oder  \si  eiii  kiiid  des  todes. 

793.  lieilfunneln  soll  man  andern  nur  insg^iieini,  ohue  zeugen  mü- 
theiieii,  J'rauen  blofs  mäiinern%  mümw.r  biol'ä  fnutetu 

794.  mit  dieser  formel  biilat  mnii  die  ro^c;:  ^/liWg  dittg  wike»  wiL« 
IUI  ver9iike,  brenne  iiicli  un  utik  uichT 

Di     ventüschte  sainlungt 

795.  BerreiCtft  ein  weib  dJe  /lochzeiiuckuh  ^  «o  wird  sie  rom  mun 
geschlagen. 

796.  Yfar  erbsen  odet  bahnen  ifst,  darf  selbe  wodie  keine  ^Seo,  sooat 
miiiralbeii  sie. 

797.  geilt  eiae  kindhetlerfn  ohne  neue  schu/ie,  to  muG»  das  klnd,  wac>i 
es  laufen  lernt,  gendirlich  fallen. 

798.  wer  einen  leibsachaden  hat,  wasche  iha  wahrend  mau  zm  gral ' 
läutet,  mit  frischem  bach wasser. 

799.  wer  ein  inesser  kauft,  gebe  den  er.slen  damit  geschnittuen  biueti 
dem  hunde  zu  fressen,  so  verliert  er  das  luesser  uie. 

800.  eier  der  lienue  freit a^rs  untergelegt  gedeihen  nicht,  die  aas- 
schliefenden küchlein  frifst   der  vogel. 

801.  wer  im  spiel  dem  jnond  den  rücken  kehrt,  verliert. 

802.  wenn  dir  das  rechte  ohr  singt,  sagt  man  etwas  wahres ,  weaa 
das  linlßi  eine  lüge  von  dir;  beifs  iu  den  oberu  haft  deines  liemdn», 
so  wächst  dem  lügner  eine  blase  auf  der  zunge. 

803.  il'st  eine  magd  gesotten  milch  oder  brei  aus  der  pfumu:^  t» 
regnet»  bald;  uud  bie  bekommt  einen  manu  sauer  wie  sauerkniut. 

804.  heilu/ag  heif&t  das  wasser,  das  mau  Weihnachten,  solange  die 
glocke  XU  schlögt,  sammelt:  ist  gut  wider  nabelweh. 

805.  wegebreit  uuter  die  füfse  gelegt  schützt  vor  ermüden. 
800.     wer^in  wolfsherz  bei  sich  tragt,  den  frifst  der  wolf  nicht 

807.  wer  die  weijse  schlangeukrone  tindet,  gelangt  zu  schatzea. 

808.  wer  durch  ein  todteubret  schaut,   kann  die  hexen  sehn. 

809.  einer  Jungfrau  huld  zu  erwerben,  schreib  deinen  und  ihren  in- 
men  auf  Jujiiifenipergainent,  wind  es  iu  jun^fernwaclis  y  und  hänge  « 
an  deinen  leib. 

810.  wer  eines  montags  drei  stunden  nach  Sonnenaufgang  zur  zeit 
der  sviumeniuchi gleicite  geboren  wird,  kann  mit  geistern  umgebet 

811.  wider  die  Jhchte  hilll  frühmorgens,  eh  man  mit  jemand  ge> 
sprocheu,  zu  singen :  'de  Jlockasvh  un  de  flechte ,  de  flogen  wol  över 
dat  wilde  meer;    de  flockasch  de  kam  wedder,   de  flechte  uimmenarr.* 

812.  an  die  wiege  mufs  ein  drutenfufs  gemalilt  sein,  sonst  kooaat 
der  schlenzy  und  saugt  die  kinder  aus. 

813.  Ostern  tanzt  die  sonne  am  himmei  vor  ihrem  Untergang.  ^ 
thut  drei  fieudensprünge,  das  voik-geht  liaufen weise  vor  die  tii»rf*» 
daÄ  mit  anzusehn.  (Rollenhagens  ind.  reise.  Alt^teKin  1614.  p.  lö<t) 
8(4.  if;st  mau  iu  den  zwölften  hüUenf rückte ^  Si^  erkrankt  man,  ''&^ 
man  fleisch^  so  fallt  das  beste  vieü  im  stall. 


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ABERGLAUBE  ci 

ftlÄ.  ein  lofhenlopf  im  pfttrthtqH  vergraben  gibt  den  pferikn  ge«ieilien. 
816,  lint  mau  schuje  gekauft  ufid  eiiigptne!)eii,  so  niiidie  inaii  mit  ei- 
nem frrditen  fe! (Utein  drei  kreuise  auf  die  oH'emttelieiidc  tbür,  dafs  tie 
QA  selin  können. 

Hl 7.  eine  frau,  die  ülier  die  liälfle  ihrer  ichwaDgerscIiart  ist,  bleibt 
»ie  vor  einem  eßscJiranke  stchn,  50  wird  das  kiud  «fefräfsig.  (vj^l.  42.) 
Iiilte  d;i4^e<^cn  ist,  das  kind  hernach  entw.  in  den  sehrank  selbst  oder 
in  einön  winke!  zu  setzen  und,  es  ma^  schreien  wie  es  wolle»  solange 
da  sitzen  zu  lassen,  bis  die  frau  neunerlei  arbeit  verrii-litet. 
818.  will- ein  kiud  nicht  «relien  lernen,  lasse  man  es  drei  freitag  mor- 
gm  durch  einen  nii  b.'jdeu  enden  in  die  erde  eingewaclMneo  bromheer- 
atraucli  stillschweigen'ib  kriechen, 

Hl  9.  vom  felde  ko^iimeud  nehme  man  den  pßug  von  der  schleife  ab, 
sonst  rufit  der  ieuffl  darunter, 

820.  die  milch  gerinnt ,  wenn  man  mit  einem  eimervoll  über  eine 
na  gendeich  sei  tritt,  oder  ein  schn^ein  am  eimer  riecht,  man  lasse 
gleich  darauf  einen  hengst  aus  dem  pimer  trinken,  so  schadet«  nichts, 
vgl.  schwed.  Ö?, 

821.  was  man  montags  beginnt,  wird  nicht  wochenalt ^  daher  fiuf  die- 
sen tag  keine  hochzeit  und  keine  wasche  anzustellen  ist, 

822.  was  iihcr  mohlzeit  verabredet  wird  mislingt. 

823.  tritt  eine  zum  batterfvfs  und  iil^erruft  sie  mit  den  worten :  *da« 
ist  ein  schön  fafs  milch!'  so  schäumt  die  milch  und  bringt  wenig  but- 
ter.  man  entgegne :  'wäre  dein  grofs  maul  nicht,  so  geriethe  sie  noch 
Iwsser.' 

824.  '  auf  dem  freien  feld  soll  man  nicht  spinnen,  die  beiden  heifsen 
feldspinne  rinnen, 

825.  wer  ans  dem  linken  nasloch  blutet,  dem  misNiigt  sein  vorhaben, 
82(j.  reguets  vormittag,  so  wird  nachmittag  noch  bes.Her  weiter,  wann 
die  alten  weiber  sich  auagereuspert* 

82T.  eh  der  jager  dem  wild  naht,  niufs  er  die  hiichse  umgektthrt 
tragen,  sonst  fehlt  sie. 

828.  erseitfzt  der  leichnam  noch  einmal  auf  dem  stroh,  bleibt  er  weii:h^ 
zieht  er  dem  mund  nahe  bänder,  zipfel  und  tücher  ein,  öfnrt  er  die 
angen  noch  cinntnl  (todtenblick) ;  so  folgt  ihm  ein  glied  der  Ver- 
wandtschaft bald  nach. 

829.  wenn  die  leiche  beim  glocKengelaute  die  färbe  wechselt,  sehht 
sie  sich  nach  der  erde, 

8.10.    man    soll   dem  todten    keinen   namen   zurufen,     sonst  wird   er 

aufgeschrien, 

831.     küssen  zwei  kinder  einander,   die  noch  nicht    reden  k<innen,    so 

mwfs  eins  davon  sterben, 

Hä2.     wenn  zirei  nochlicnchter  an  zwei  straOsenenden  zusammenblasoR, 

stirbt  eine  idte  frau  in  der  slrafse. 

833.  rvUt  auf  dem  kirchweg  den  brantleuten  ein  stein  ent gegen  ^  so 
bedeutet  es  böses. 

834.  wer  fcit-Ätf/ijt/iriyic  auf  dem  gottesacker //f^Ä/,  verliert  das  gedächtni«. 

835.  zwei  die  traner  haben ^  da  sie  sich  zuerst  sehen,  sollen  sich  ninht 
verlieben. 

836.  der  dieb  soll  etwas  vom  ge»toInen  ins   wasser  werfen, 

837.  wem  bei  einer  feucrslM-unst  die  schuhe  angehn.mnl  zu  brennen 
anfangen,  der  wird  für  den  brondslifter  gehalten. 

Q38.  wenn  dem  baner  ein  füllen  oder  kalb  jr.u  wiederholtenmalcn  fallt, 
•o   vergräbt  er»  im  garten  und  pflanzt  eiue  fach  oder  satzueidf  dem 


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ca  ABERGLAUBE 

leicliaam  ins  maul,  der  daraus  wucbseode  bäum  wird  nie  geköpft  nodi 
der  zuneige  beraubt,  sondern  wächst  wie  er  will,  und  soll  das  haaeriH 
gut  in  Zukunft  vor  älmiicfien  fUtlen  bewahren,  (bei  Stendal  in  der  Alt- 
Diark.  ollg.  anz.  der  Deutschen  1811.  n^  306.) 

839.  *)  bei  iiociizeiten  wird  aufser  dem  grofsen  knchen  ein  jung^- 
selltnkuchen  verfertigt,  den  die  ledigen  niädchen  Kerreifsen ;  welcibe 
davon  das  gröfstc  stück  kriegt,  bekommt  zuerst  einen  mann. 

840.  ist  ein  paar  verlobte  auf  der  bochzeit,  so  darf  es  nicht  mit  des 
neuen  eh:  aar  an  einem  tische  sitzen ,  nicht  einmal  die  (ufse  unter  dca 
tisch  stecken,  wo  jenes  sitzt,  sonst  hat  eins  der  paare  allerlei  unglnck. 

841.  bei  der  braiitfahrt  darf  der  fuhrmann  weder  umlenkeii  noch  m- 
hemmen^  sonst  würde  die  ehe  kinderlos  sein. 

842.  bei  der  taufe  dürfen  die  gevattem  das  westerhemd  nicht  an  den 
Zipfeln  fassen. 

848.  leute,  denen  früher  kinder  gestorben  sind,  tragen  das  neugebome 
zur  taUfe  nicht  durch  die  tliüre,  sondern  stecken  es  dunh  das  fensier. 
84*.  eine  Wöchnerin  darf  vor  sechs  wochen  In  kein  fremdes  haus 
gehen,  wenn  sie  es  thut,  soll  sie  vorher  an  einem  fremden  ort  etwu 
kaufen^  sonst  bringt  sie  Unglück  in  das  haus. 

845.  sie  darf  waiirend  der  zeit  aus  keiner  quelle  wasaer  schöpfen^ 
die  quelle  würde  sonst  sieben  jähre  lang  versiegen, 
84ö.  .  die  aus^etragiie  leiclie  wird  dreimal  «uf  der  schwelle  niedei^e- 
lassen;  so  bald  sie  aus  dem  hofe  ist,  verschliefst  man  das  thor,  midit 
in  die  sterbstiibe  drei  salzhaufen^  kehrt  sie  aus,  und  wirft  kehridiC 
samt  dem  beseu  aufs  feld;  einige  verbrennen  auch  das  betUktroh  aaf 
dem  felde. 

847.  abends  vor  Andreas  bilden  die  ledigen  mädchen  einen  kreis  uad 
lassen  einen  gänserith  hinein,  zu  welcher  er  sich  zuerst  dreht,  die  be- 
kommt einen  mann. 

848.  Johannis,  in  der  niittngsstunde  von  XI — XII  pflücken  die  ledigea 
mädclien  neunerlei  blumen^  wobei  aber  drei  nicht  fehlen  dürfen ;  wtidr, 
storchsclinabel,  feldraute.  diese  blumen  werden  zu  einem  kränz  ge- 
wunden, wozu  der  faden  von  der  biuderin  in  der  selben  stunde  ge- 
sponnen sein  mufs.  ist  der  kränz  vollendet,  so  wird  er  noch  in  dieser 
verhängnisvollen  stunde  von  der  verfertigerin  rückwärts  t(uf  einen  bäum 
geworfen,  so  oft  der  kränz  geworfen  wird  ohne  hängen  zu  bleibet, 
so  viel  jähre  währt  es  noch  bis  zu  ihrer  Verheiratung,  alles  dies 
mufs  aber  stilUcliweigenda  geschehen. 

849.  hat  einer  ein  leichenmafs  stilUchweigends  entwendet,  und  lekni 
es  nachts  all  eine  hau  st  hü  r^  so  kann  er  die  bewohner  des  hauses,  ohne 
dafs  einer  aufwacht,  bestelilcn. 

850.  die  wurzel  des  fünf'Jin^erkrauts  Johannis  vor  Sonnenaufgang  ge- 
gr^l>en ,  hilft  zu  mancherlei ,  uud  erwirbt  dem,  der  sie  bei  sich  tragt, 
die  Zuneigung  anderer. 

851.  Wespennester  tragen  mndchen  bei  sich,  in  der  meinung,  dadütfc 
die  iieignii'r  der  niänner  zu  gewinnen. 

852.  hat  sich  ein  mann  veriirt,  und  kehrt  die  taschen  um  ^  eine  fna, 
und  bindet  die  schürze  veikflirt  um,  so  finden  sie  den  rechten  weg. 

853.  hat  ein  kind  fritsd  (kiampfe),  So  kehre  man  eine  schindel  »/ 
drin  dach  um,  oder  lege  dem  kind  die  brautschürze  untern  koff, 

854.  weinachten  oder  neiijulir  treten  sie,  in  dei'  stunde  XI— Xll  »** 

♦)  839  Uh  864  aus  Jul.  Schmidt  topographie  der  pflege  Rcitbcn- 
'fcU  0«»  Voiglland)  Leii)Z.  182T  p.  113—126. 


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Aberglaube;  cm 

etilen  kreuzu^eg^  um  EU  /torchen *  dann  erscheint  alles,  wa«  ihnen  Im 
uädwtea  jalir  merkwürdiges  begegnet  das  /lorv/ien  gelit  auch  in  »ul- 
cl««u  iitnben  zu/n  fensler  hinaus  an,  wo  der  träger  i^ber  dem  Fenster 
i»t ;  oder  auf  Walpurgisnaclit  ifit  grünen  körn* 

tt55«  wenn  vom  feuer  der  heiligen  drei  abende  (vor  neujahr ,  weili- 
11  achten  und  dem  hohen  neuen  jähr)  am  andern  morgen  noch  gUihemU 
kohlen  im  ofen  sind,  so  mangelt  es  das  ganze  jähr  lang  an  niclits. 
85H.  der  tod  eines  hau;»vaters  ist  Im  abnefunenden  nionde  für  die  fa- 
Biilie  unheilbringend,  woiilthätig  aber  bei  zunehmendem,  gut  ist, 
wenn  sich  sein  grab  beraset,  wiedererscheinen  eines  verblichenen  fin- 
det gc'WühuUch  am  neunten  tage  nach  dem  tode  statt. 
H&7.  wild  die  erste  frucht  von  einem  bäum  gestolen,  so  trägt  er 
xieben  jähre  lang  nichts 

H58.     der  drache  trägt  den  mist  auf  dem  hofc  seinen  freunden  z\\. 
859.     eine  schwangere  darf  durch  keinen  zäun  kriechen^ 
8G0.    ist  eine  |eiclie  im  haus,  hat  eine  l^uh  gekalbt,  so  bekommt  kein 
ballier  etwas. 

8t>l.    abziehendes  gesinde  hütet  sich,    überzogen  zu  werden,  d.   h.  es 
.  zieht  ab,  ehe  das  neugemicthete  einzieht,  oder  schaft  wenigstens  seine 
»achen  früher  for(. 

84)2.  der  neue  dienstbote  kommt  zu  mittag  und  verzehrt  seine  klöse  auf 
der  Ofenbank,  die  herschail  hütet  sich,  ihm  diesen  tag  Sauerkraut 
vorzusetzen,  sonst  würde  ihm  alle  arbeit  beschwerlich  fallen,  der  ab- 
gehende dienstbote  erhält  für  jedes  jnhr,  das  er  im  dienste  verlebt  hat, 
ein  dilti  st  brot, 

863,  thut  es  nachts  drei  ^chläge^  heult  die  wehklage^  wfihlt  das  erd- 
iiuhi^  so  trifl^  ein  (odesfali  ein. 

8ti4.  gegen  schwäche  der  kinder:  ihr  harn  wird  in  einem  neuen  topfe 
auigefangen,  in  diesen  das  ei  einer  kohlschwarzen  henne^  ungehaiidelt 
erkauft,  getiian,  neun  löcher  ins  ei  gestochen,  und  nun  der  topf,  mit 
leiuwand  zugebunden,  in  einen  ungesucht  gefuiidnen  anieisen häufen 
uach  sonneuuutergang  eingegraben,  wer  einen  solchen  topf  findet,  be- 
dient sich  seiner  nicht,  er  würde  die  vergrabne  krankheit  bekommen. 
806.  das  hau pt weh  (de  jarreii)  wird  im  Diepholtischen  auf  Iblgende 
weise  geheilt,  eine  sachkundige  frau  bringt  zwei  schalen  herbej,  eine 
mit  koltem  wasser,  die  andere  mit  geschmolznem  talg  angefüllt  nach- 
dem der  köpf  i\c&  kranken  eine  Zeitlang  in  jene  gehalten  worden  ist, 
wird  das  talg  durch  einen  erbhechel  ins  wasser  gegossen^  und  die  frau 
fipricht:  'ik  geete.'  der  kranke:  *wat  gütst?'  die  frau:  ^de  farren,' 
darauf  sagt  sie  eine  Zauberformel  her,  das  ganze  verfahren  wird  drei- 
nial  wiederholt,  und  das  wasser  an  einen  ahornbusch  (hollunder)  ge~ 
irossen,  das  erkaltete  talg  ins  feuer  geschüttet,  und  das  übel  ist  weg. 
(^annak'U  der  braunschw.  lüneb.  ciiurlande.  achter  jahrg.  st.  4.  p.  S»96) 
vgl.  6U, 

866.  wenn  in  Hildesheim  auf  dem  lande  jemand  stirbt,  wandert  der 
todtengräber  schit^eif^end  zum  hollunderhusth  (sambucus  nigra)  und 
schneidet  eine  stange^  um  das  mafd  der  leiche  zu  nehmen ;  der  knecht, 
der  sie  zu  grabe  führt,  lliut  ein  gleichem,  und  hall  dann  diese  .Stange 
statt  der  gewohnlichea  peitsche,  (SpieU  und  Spangoiiber;;i  nrchiv 
1828  p,  4.) 

867.  Matthiesnaclit  (24  f.'br.)  sammelt  s\cU  die  Jugend,  die  mädchen 
flechten  einen  kränz  t^on  sing,  a/i,  einen  andern  von  sfr«>h ,  nn  l  tragen 
als  drittes  eine  handvoll  asthe.  damit  ^ehen  sie  um  mitternncht 
schn'digfnd  an  ein  fliefsendes  wasser^   wo    die  drei  saclien  «chwimmeii 


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civ  ABBRGLAUBG 

iiiunfen.    schweigend  mit   verbimdiien  aagai  taust  du  nmddica  ■■oii 

dem  aatlerii  um  das  wasser,  uud  greift  sich  daiio  die  rtTrirrilnitMj, 
im  siu^^rüii  den  brau/ krau z^  im  stroh  unglitck^  in  der  uciie  tod.  die 
gUlckliolieii  luiter  ihuea  treiben  das  spiel  weiter,  und  werfeo  g^rsf^n- 
körner  aufs  Wasser,  worunter  sie  sicii  Junggesellen  denken,  nnd  bencbCcs, 
wie  sie  zusammetischwimmen.  Andere  werfen  ancn  sonst  «Irei  Mai /er 
aufs  wnsser,  mit  dem  namen  der  mutter,  des  vaters  und  de«  kMes 
bcaseichiict,  und  spähen,  welches  zuerst  untergehe,  (daselbst,) 
{(6B.  der  kirdigang  der  kindbetterin  heifit  in  einigen  liannöreriselMtt 
gegendeil  die  brumnüe,  denn  auf  den  dör(^m  wird  bei  solchen  anÜtf- 
seii  von  der  bademutter,  dem  vater  des  kinds,  und  den  eiugeiadnen  ge- 
vatteru  sowol  i\ei  letztgetauften  kinds,  als  der  früher  getauften  «to  ge-^ 
hrumrne^  nls  eines  baren,  angestellt,  (braunschw.  anz,  1758«  p/ l<KS6w 
liaiinov.  nütxt.  saml.  f75A.  p,  091,  wq  brünimiej) 

809.  vom  hoUunder^  der  in  den  weiden  wächst,  macht  maaden  ki»* 
dtTii  ein  ange henke  y  neun  s/iicklein  in  einen  zundel  mit  einem  rofA* 
.s^ifff/rn  fad'-n^  so  dafs  es  auf  der  berz^rube  lic^gt.  zerspringt  der  fr- 
den,  soll  man  mit  einem  zinglein  das  bandlein  u>nehmen  uad  i«  ßie*- 
Sandes  wasser  werfen.  (Kttners  hebamme  p.  859.) 
8T0.  (ingeht'/ike  vom  recliten  auge  des  ivolfs^  sHcklehi  von  steiKeB, 
hlhidt'n  srh'i'alf}eii  aus  dem  magen  geschnitten,     (daselbst  8^,> 

87 1 .  puer  si  in  veri  geniioris  indusium  nigrum  seu  mtrctiinium  i»- 
volvHtur,   si  epilepsia  ipsnni  augat,  nunquam  redibit.    (das.  854.) 

872.  nimmt  ein  kind  ah,  so  bindet  man  ihm  einen  faden  rolJier 
um  den  linis,  fangt  eine  maus^  zieht  ihr  den  faden  mit  einer 
durch  die  haut  über  den^rückgrat,  und  läfst  sie  laufen,  die 
verdorrt,  das  kiiid  nimmt  wieder  zu.  (das.  95M).) 
H7:)  ^).  wenn  eine  alte  frau  das  herzgf$pan  segnet  und  böte/  ^  ImoHit 
sie  die  schmerzhafte  stelle  kreuzweise  an,  streicht  sie,  bindet  salz  «ad 
roggenmehl  darauf  und  j^pricht  dann  die  formel  aus:  ^hertgespaa,  ft 
segge  dl  Miy  Jliig  van  den  ribben,  asse  Jesus  van  den  krtbben!^  i«l  4cr 
kranke  mit  krumpfen  behnf^et,  so  soll  er  sich  an  einen  pßaujuenh^umä 
ausstie'kifi,  wobei  gesagt  wird:  ^nkebom  stand,  pluuikebom  wasae!* 

874.  niniiche  menschen  iiahen  einen  so  svhädinhen  blick  (sdiliaiBia 
angeo),  dafü  sie  durch  blofses  aiisebea,  oft  ohne  ihr  wisai^u,  menacbaa 
und  \ieli  in  lebensgef||ihr  bringeii. 

875.  CS  <{iht  lente  die  durch  be:fjyrechen  (hermnrmelung  eiaer  gewis- 
sen furiiiel)  im  Stande  sind,  ein  pford  im  voUen  Uiuf€  itufAuhalieM* 
einen  wachHamen  huud  achwfigen  zu  maclten^  das  blat  zu  tiHlta,  dea 
feuer  zuMtehren^  dafs  es  um  sicJi  greife. 

87G.  die  gestoliliie  sache  kaim  man  wieder  zu  Wege  hriogea,  weaa 
man  etwa»  von  der  erde,  auf  welche  der  €Ueb  gefreien  hat ^  in  «tüAs 
beule!  Ji'Uty  und  täglich  zweimal  mit  einem  stock  solange  dacaaC 
schlägt ,  1>Lh  feuer  darau.s  kommt,  der  dieb  empfindet  diese  schüge 
uiul  mufs,  wenn  er  die  sache  nicht  zurückbringt,  ohne  sclumaog  «terbaa. 

877.  bHiiiioiz  gegen  den  holxwurm  zu  siciieru,  sdiUge  man  Peierstag 
vor  honnennur«^ang  mit  einem  stück  eicherüiolz  dran  und  spDedie  dabei  s 
^huiite  worni  wut  du  hernt,  suute  Peter  is  kommen  V 

878.  wen  die  nachlmahr  bei^ucht,  ein  grofses  weib  mit  lang  fliegen- 
dem  haar,  b^ikre  ein  loch  unten  in  die  tliür  und  lege  so  viel  schM-cint- 
borsten  hinein,  bis  es  ausgefüllt  wird,     dann  schlafe  er  ruhig,  und  ^er 


*J  ST:^  hU  887  aus  Wcddigeas  westphäl.  mag.  3,  719—721. 

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ABERGLAUBE  cv 

•pfccb«  der  Bachtmfthr,  wen»  sie  kommt,  ein  geiclienk;  sie  wird  lim 

verlsiseii  nud  das  gelobte  deiu  andern  tag  in  menscliengestalt  abholen. 

879.    wer  nie  am  tonntag  eine   arbeit  vorgenommen  hat,  dem  rührt 

kein  po^el  sein  f^traida  oder  »eine  gartenfnichte  an. 

860.    wer  unter  der  frtthpredigt  des  ersten  weihnaclitstags  geboren  wird, 

kann  geh/er  sehen. 

8B1.    ft*irff  der  maulu/urfXn  der  wascbkammer,   so  bedeutet  es  den 

tod  der  hausfrau. 

88a.    unwifikommner  gast  ist,  wem  unterweges  eine  herde  6äue  (»e* 

l^egnet,  willkonimner,  wem  eine  herde  schafe, 

883.  9chitrwieU  die  finde  des  aufbewahrten  hochzeiishrois^  so  steht 
eine  unzufViedne  ehe  bevor. 

884.  an  einigen  orten  schneidet  der  vater  der  brant  etwas  von  der 
obern  rinde  eines  wol  ausgebacknen  hrotes^  und  reicht  es  der  jungen 
frmi  nebst  einem  glase  brantwein.  diese  fafst  die  rinde,  ohne  sie  mii 
der  hand  zu  berühren^  mit  den  lippen,  wickelt  sie  in  ein  tuoh  und 
▼erwnbrt  sie  In  einem  kästen,  das  glas  brantweip  wirft  sie  über  den 
ko|>f  weg  auf  die  erde. 

88&.  gellt  die  Wöchnerin  das  erstemal  zur  kirche ,  so  wirft  4nan  Ihr 
emf  der  diele  den  topf  nach ,  aus  dem  sie  die  sechs  Wochen  nber 
Warmbier  gegessen  hat. 

886.  wirft  man  über  den  köpf  zweideutiger  katzen,  hasen,  einen  siahl^ 
so  steht  plötzlich  die  gestalt  eines  alten  weihes  da,  die  als  katze  oder 
basa  aber  den  weg  lief. 

887.  wer  eine  sch-rorze  kuh  und  einen  schwarzen  ochsen  einschlaebr 
t«t,  bat  einen  todesf^ll  in  seinem  haus  zu  gewartcti, 

888.  greift  die  braut  beim  heimgang  aus  der  kirche  zuerst  die  haus- 
thiir  an,  %o  behauptet  sie  die  herschaft,  zumal  wenn  sie  dabei  spricht : 
^ch  greife  an  diese  thür»  all  mein  wille  gelie  (tir!*  hört  der  brintigam 
diesen  segen,  so  kann  er  ihn  unwircksam  machen  ^lurch  die  wertet 
Sdi  greif  an  diesen  thQrrIng,  faust  und  maul  wird  ein  ding.' 

889.  gackern  oder  fliegen  die  aglaster  um  ein  lians  her.  springen  die 
brande  am  feuer  hinten  über  und  schnappen^  so  nahen  Aremde  gaste 
ilem  bans. 

890.  wer  in  den  krieg  zieht,  und  beim  weggehen  hinter  sich  zurück 
scfiaut,  kommt  selten  wieder  heim. 

891.  wenn  man  das  garn  vom  samstag  den  Sonntag  fiber  auf  dem 
htnpel  stehn  In  fit,  werden,  lauter  wOrste  daraus. 

892.  geister  worden  zwischen  die  t huren  verwiesen;  man  soll  th&rM 
nie  hart  zuschlagen,  sonst  qunlt  man  die  geister  zusehr. 

89df  einem  der  geister  und  Vorgeschichten  sieht,  schaue  man  über  die 
Unke  Schulter^  so  kann  man  es  auch. 

894.  wenn  zwei  freunde  zusammen  gehn,  und  nngeflihr  ein  siein  zwi^ 
sehen  beide  fallt  i  oder  ein  hund  quer  über  den  weg  lauft  ^  so'wnrd  din 
firenndschaft  baVd  getrennt; 

895.  wer  beim  ausgehen  an  die  schwelle  slöfst^  kehre  alsbald  sarnck, 
aonst  hat  er  ein  Unglück. 

896.  tags  vor  fastnachtsonntag  kochen  viele  leute  für  die  lieben  enge-- 
lein  das  beste  und  leckerste,  was  sie  im  haus  haben,  setzen  es  abende 
au  f  einen  tisch  ^  öfnen  den  engein  die  fcnster,  und  legen  sich  dann 
schlafen.     (Obersensbach  im  Odenwald.) 

8U7.  wer  sommers  zuerst  mit  fruchtschneiden  aui  seinem  acker  fertig 
ist,  nimmt  einen  ireidenztreig ,  s/hmückt  ihn  mit  hlumen^  und  steckt 
ifiii  an  den  letzten  fnichlwagen,  der  eingefahren  wird.    (Gernstieim.) 


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cvi  ABBaGLAUBE 

8^.    im  angenblick,  wo  Jemami  stirbt,  wir«)  die  fmchi  auf  dem  ipti- 

eher  geschau ftfU ,  der  wein  im  Iceüer  geriitieli ,  sonst  gebt  das  gcsüa 

kom  nidit  auf,    und   der  wein  wird  sauer.    {Gerosbeini.)    ?gl.  974. 

664»  698. 

8i>9.     Sanct  Biasleatag    hält    der    pfnrrer    zti^ei  brennende  kerzen  im 

kreuz,   alt  und  jung  geht  hin,    hält  den  köpf  zwisdien  die  kerzea  aod 

hliist  sich  segnen;    das  bewahrt  vur  köpf-  und  haisweh  das  ganze  jalir 

übpr,     (daselbsjt.) 

900.    eine  verstorbene  ktndbetterin  wird  in  einigen  gegend^  Westpba- 

lens  nirht  ins  gewölinliche  todtenliemd ,   sondern  ganz  so  angekleidet^ 

wie  sie  in  die  kirche  gehen  wotlte^  um  sicfi  aussegnen  zu  lassen,   und  sa 

wird  sie  begraben. 

tH)1.    das  geticke  des  arbeitenden  hohufurms  \ü  alten  atulen,   ttsdna 

und   l>ettstellen  lieilät  die  todtenuhr\  man  glaubt,  dafs  der  tod  trorbei- 

gehe  und  der  schlag  seiner  uhr  geliört  werde. 

902.  •)     a  Peder  und  Pauit  rouefs  me  d  henne  asetzn^  so  legens  vil  aer. 

90:).     am  Silvestetag  miiefs  me  d  scherhäuf n  auseuauda  reifsn,    aadw 

wirft  de  scher  nimmer  auf. 

904.  es  is  aet  giiet,  wenn  de  gucka  nneh  Johanni  Sekretin 

905.  wen  mer  am  fiusinat  erte  vor  sunneraufgang  drischt ,  so  vertreibe 
ine  d  Schermaus. 

906.  Wenns  am  kürzesten  tag  gfriert,  so  fäüts  kom^  is  s  güad,  so 
steigts  in  preis, 

907.  an  Maurizi  ta^;  soll  me  kaen  waez  san,  siiest  wird  e  rueßd« 
90A.     wen  Bier  an  tag  Johamitsenthauptang  in  en  bam  haui ,  so  aiaefii 
er  ast4. 

909.  aftf  en  mferzn  nehl  kimt  in  hundert  tagag  e  wede, 

910.  wen  i  de  nenjohnnocht  de  wind  get^  so  kiedeuts  en  sterU 

911.  an  Martinütng  sieht  mer  a  n  brustbae  i^o  de  gans^  obs  ea  kalla 
winte  git  ode  nit 

91 2.  hüeln  (h&qlein),  de  fiu,t  de  antUs  aer  wem,  äiideu  »lle  jar  d  hx. 

913.  der  am  charfreide  durti  Icidt^  dea  scltadt  s  ganz  jar  kae  tfiak. 
vgl.  856. 

914  wenn  me  d  feden  inn  wachsedn  mo  in  e  bett  fillt,  so  schliefe  s 
wideraus. 

914.  b.     am  a^c'temike  jagt  de  teufl  s  holzu»eibl  in  wald  mm. 

915.  wen  mer  am  halinger  abmd  i  oder  am  oenjar,  oder  am  geaadit- 
abmd  en  waschhaden  an  en  zau  henkt^  mid  nache  d  ros  damit  |iatat, 
$o  werns  fett. 

916.  i  de  rauchnächt  sol  me  net  dresc/m^  sonst  verdirbt  s  iraed^  so 
ii'eit  me  n  schall  hört*     vgl.  418. 

p17.  an  Valentins  tag  muefif  me  kaen  bruetlusnn  ansetzn,  suast  bull 
alle  aer. 

918.  wer  iibe  s  Johannesfeuer  springt ^^M^gi  des  sei  jar  s  fiebc  aet. 

919.  Wenn  mß  en  rossn  am  Steffelstag  adp  lafst ,  so  bleibms  s  g»» 
jar  gsiind. 

920.  wer  mit  einem  mcsser,  am  goJdnen  sonntag  gea^elzt^  verwww« 
wird,  kann  »schwer  oder  gar  nicht  geheilt  werden. 

t;8l.  wer  au  einem  üolciien  soimtng  die  rechte  hand  mit  einem  f'^'hri 
oder  strick  umwindet,  daran  ein  dieh  am  galgeu  gehangen^  trilft  i» 
?.ieIschie|Ven  allemal  das  schwärzte. 


*)  902  bis  919  aus  Sclimellers  muadarten  Baiems  p.  529. 

•     .  Jigitizedby  VjOOQIC 


ABERGLAUBE  cvu 

922.  wenn  einer  ein  neues  kleid  an  hat ,  soll  man  ihn  daraof  schlagen, 
mit  den  werten  'das  neue  mufs  man  klopfen,  das  alte  mnfs  man  stopfen.' 
dadarcli  bekommt  das  kleid  längere  dauer, 

923.  kranke  sctiafe  lasse  man  durch  eine  gespaltne  Junge  eiche  kriechen* 

924.  eine  schwangere  soll  nie  aus  einem  lessei  essen ,  oder  das  essen 
kosten,  sonst  wird  ihr  kind  stammeln, 

925.  wenn  sie  über  laud  fahrt,  soll  sie  4iie  über  die  stange  des  wagens 
oder  über  die  linien  der  pferde  steigen ,  sonst  verwickelt  sich  das  kind 
in  der  uabelschnur.    vgl.  933. 

926.  wenn  ein  sechswochenkind  viel  schreit,  ziehe  man  es  dreimal 
8ti lisch weijsends  durch  ein  unausgekochtes  stück  garn,  hilft  das  nicht, 
so  mufs  die  mutter  am  kirchgangstage  stillschweigend  ans  dep  kircbe 
gehn ,  sich  stilhchweigend  ausziehen  und  alle  ihre  kltidung  rücklings 
auf  die  wifge  werfen. 

927.  wird  das  homvieh  zuerst  auf  die  weide  getrieben,  überziehe  man 
eine  holzaxt  *)  mit  einem  rotiten  weiherstrumjf  und  lege  sie  an  die 
schu^elle  der  stallt  hür^  so  dafs  Jedes  hanpt  darüber  schreitet  vergl.  752. 

928.  kohl  gegen  ranpen  au  sichern,  soll  eine  weibsperson  dreimal  im 
troWupnd  nackend  und  rücklings  kreuz  und  quer  durch  den  kohlgar* 
ten  gehn. 

9S9.  ist  eine  ledige  im  verdacht  der  sohwangerschall,  so  soll  der 
Unecht  vor  sonnensufgang  einen  emte-.vagen  in  zwei  theile  theilen,  die 
t^orderseite  gegen  mittag,  die  hinterräder  gegen  mitternacht  kehren 
und  so  stellen ,  dafs  das  madchen  genotliigt  ist ,  bei  ihren  geschäfteq 
zwischen  dem  ausgei^pannten  wagen  durchzugehen,  dadurch  wird  sis 
gehindert  ihre  frucht  abzutreiben, 

930.  läfst  sich  ein  iuiimchen  hören,  so  stirbt  einer  im  Irnos :  es  eingt 
ihn  zu  grabe, 

931.  ein  gegen  pfeile  und  kugeln  schützendes  nothhemd  mufs  auf 
christtag  von  einer  reinen,  keuschen  Jungfrau  gesponnen ,  gewoben  uml 
genäht  werden;  vom  hals  au  bedeckt  es  den  halben  mann,  auf  de« 
brusttlieil  werden  zwei  köpfe  genäht,  der  zur  rechten  seite  mit  einem 
langen  hart,  der  zur  linken  ein  teafliches  gesicht  mit  einer  kröne, 
vgl.  116. 

932.  die  sMüsselprol^  geschieht  folgende rmafsen;  in  ein  gesangbuch 
-wird  ein  Schlüssel  gesteckt,  um  das  buch  ein  band  gebunden,  dann  der 
ring  ^efi  eingesteckten  schlösseis  auf  die  flnger  gesetzt,  so  dafs  er 
darauf  umlauft,  und  nun  geschehen  fragen. 

833.  eine  schwangere  soll  nicht  unter  einer  hangenden  linie  h^rgebn, 
sonst  entgeht  ihr  kind  dem  strick  nicht,  sie  weichen  selbst  bindfadeß 
aus,  woran  der  Vogelbauer  in  der  stpbe  hängt    vgl.  925. 

934.  beim  erbsenpflanzen  nehme  man  vor  Sonnenuntergang  einige  erb- 
sen  in  den  mund ^  und  halte  sip  während  dem  pflanzen  stillschweigend 
•darin,  so  sind  die  gesteckten  vor  den  Sperlingen  sicher. 

935.  der  todtengräber  gräbt  das  grab  erst  den  tag  des  begräb^isses\ 
spnst  hat  man  vpr  dem  tpdten  im  haus  keine  ruhe. 

936.  ungctituft  sterbende  kinder  schweben  zwisdien  himmel  und  erde. 
93T.  kiiider  sollen  nicht  den  zeigfßnger  gen  himmel  strecken^  sie 
tödten  damit  jedesmal  ein  liebes  engelein.     vgl.  384.  947. 


•)  jedes  Werkzeug  pon   stahl  auf  die  schwelle  gelegt  reicht  hin. 
vgl.  reichsanz.  1794  p.  656, 


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cviii  ABERGLAUBE 

998,  *)  d«  lietne  sich  manclier  dier  todtschiaf fn ,  ehe  er  durch  zmi 
ireilffspersonen  dnrcligienge. 

P39.  ein  ander  zencJit  gein  weij'4  hembile  am  morUage  an^  und  gieife 
lieber  nackend,  al«  dafs  er  sich  am  sonntage  solte  wetfs  ainsielien. 

940.  ich  kenne  leute,  die  steliu  in  der  nieinung,  wenn  sie  nicht  an  der 
ascliermittwoch  grliie  niiijst  am  grünen  doimerstage  ein  iirrtt  kraat 
von  neunerlei  kröutern,  an  der  pfinffsitmittwoche  schollen  nut  knolflaurk 
Ursen,  so  wurden  sie  nocli  dasselbe  jähr  vor  Martini  so  esieln.  vgl.  275. 

941.  brant  und  br&utigam,  wenn  sie  sich  trauen  lassen,  sollen  dickt 
ztt.samnwn  treten^  dafs  ninmand  durchsehen  kann. 

942.  sie  sollen  den  zapfen  vom  ersten  hier  oder  fpeinfaste  in  advl 
nahmen,  und  sugleich  ins  bette  treten. 

918.     der  briutigam  soll  sich  in  einer  badesehürxe  tränen  büseiL 

944.  wer  das  maul  ans  iisvhtuch  wischt,  wird  nicht  satt? 

945.  es  ist  nicht  gut,  wenn  m»n  das  kleid  am  leibe  flicken  laut, 
vgl.  43, 

946.  das  hrot  we'clies  zuletzt  in  den  ofen  geschoben  wird,  xekbnea 
sie  und  nennen  es  den  »'iV/,  solange  der  wirt  im  haute  sei.  Mangle  rs 
nicht  an  brot,   werde  es  vor  der  zeit  (ingesdinitteii ,  erfolge  thetienHig. 

947.  (bei  leibe,  weise  picht  mit  dorn  (inger,  da  erstickst  einen  engelV 

948.  Miebes  kiud,  lege  das  messer  nicht  so,  die  liebeM  engA  ireieti 
tich  hinein  V  wenn  man  sagleich  ein  kind  im  üsaer  luid  ein  messer  amf 
dem  rücken  liegen  sieht,  soll  man  eher  <lem  messer  lohitilea «  als  öe« 
kinde.     vgl.  809.  .596.  597. 

949.  es  ist  nicht  fein,  becher  oder  karmen  tu  yherspannen^  wer  daran 
trinkt,  be^omnit  das  herzgespann,    vgl.  11. 

950.  **)  es  ist  diensam  kranke  mit  einer  ruthe^  die  tt»  einem  alten 
zäun  gebroclien  ist.  und  neun  enden  oder  zuneige  liat,  Bii  berjittchcri. 

951.  ebenso  mit  /leu,  dn*  hwt  einer  er hscheune  9  ungeredt  «od  nnge- 
schoüeny  vom  boden  geholt  ist. 

953.  zu  zeit  der  IHxlnächte  (vor  fidvent,  vor  christtag,  vor  dreikvaigs- 
tag  und  sanistag  der  lichtmesse)  begeben  sich  die  gasteiner  dimea,  s»> 
bald  es  dunkel  geworden  ist,  in  den  schaürtall  «od  greifen  stracks  hin- 
ein unter  die  heerde ;  erwisdien  sie  nun  auf  den  ersten  grif  etneB  trid- 
der,  s^siud  sie  getrost,  da(s  sie  noch  in  diesem  jähr  hei rathen  werden*  ***) 

k.     aherglauhe  in  Schweden  und  Dänmarh  f) 

1 ,    e]  mk  man  mötn  sopor  i  dörren^  om  man  vil  IM  gift  det  aret. 

8.     om  cn  (licka  och  gösse  äta  af  en  och  samma  heta ,   bli  de  kara  i 

livarandra. 

3.     midsommarsnat  skal  man  lägga  9  slags  blomstrr  under  hufradet, 

sä  drömer  man  om  sin  fösteman,  eller  fastemo,  odi  (ai  se  den  i 


•)  938— r 919  aus  Christ.  AVeises  drei  erznarren.    Lp,  1704  pag. 
^3  —  257. 

**)  950.  951  ebendaher  p.  860, 
***)  Mnchnrs  Gastein.  p.  146, 
+)  1  —  71  aus  lirik  yernow  beskrirning  öfver  Wärmeland.  .  Guthe- 
borg  IT 73  p.  254  — 260;  72  —  109  aus  IJiilphers  beskrifning  ufvcr 
Norrland.  4.  Westcras  1780  p.  30rt-3IO.  110— 125  aus  Julian  r^</m^'i 
BHliiuiaii.i  beäkrifnin;;.  Stockh.  1746.  p.  75-^80;  126—169  aus  Thiele 
dnnske  folkesagu  3,  95 — 124. 


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ABBRGLAUBB  ax 

.  (j  ml  «iigkarl  gifvi  «a  flicka  kmf  «Her  knapriüar^  iy  de  sticka 
onder  karlekeii. 

eu  flicka  mä  ej  se  sig  i  spigelen,  «edaa  nedmorkt  ar  eller  vid  Ija«, 
t  ej  foriora  ntaafolks  tycket. 

i.  bruden  skai  laga,  at  \\nn  forat;  J%r  se  brudgumtnen  ^  aȊ  f&r  han 
iiubondakastet 

liou  tfkal  ander   tigsleo  för  samnia  orsak    sätit^  sin  Joi   fram'- 
or  haua, 

\.  äfyea  för  aamraa  akäl  skal  hon  laga,  at  hon  satter  sig  först  ned  i 
'rustoiert» 

*.  för  samma  olmak  skal  hon ,  liksoni  of  väda ,  släppa  skon  af  foten^ 
Her  näsduht/i^  eller  nagot  aunat  />ä  goifi^et,  8om  brudgiimmeii  af  hof- 
igliet  bugar  sig  at  lijelpa  til  ratta.  hans  öde  blir^  at  kröka  rygg  no* 
ler  heia  figteoikapet 

10.  braden  skal  sta  brudgummen  nara^  at  ingen  framdeles  niä  irünga 
lg  dem  iinelian, 

1.  de-hälla  i  kyrkan  et  band  eller  kläde  imellan  sig^  at  de  mSga 
L>U  ensanie  tilliopa. 

12.  bagge  bora  hafva  pengar  i  akorna^  at  mynt  ml  aldrig  tryta^ 

13.  den  asom  under  vigslen  lutar  Jrht  den  andra,  dur  för^t«  äfveasä 
len  som  ser  hast  ut. 

1 4»  bruden  skal  taga  med  <a  manga  fingrar  //a  bara  krofpen ,  tindef 
iet  liou  sttter  i  brad^toien,  som  hon  vil  hafta  minga  barn. 

15.  at  hon  ma  fl  litt  bariisäug  skal  hon  vid  heoikomsten  fran  kvrkaa 
il  ifOnster  spänna\khx  bukhjoien,  om  hou  ridet,  mta  finuneUiangen 
>m  hou  aket. 

16.  at  bruden  ma  bli  god  mjulkko,  möter  Hannes  moder  banne  pa 
;arden,  da  hon  kommer  ur  kyrkan  med  et  mjölkegias^  at  utdricka. 

17*     tu  mat  pa  fonita  bariiääiigen  skal  hon  förse  sig  med  en  kaka  ocb 

sn  ost,  som  hon  har  hos  sig  lignude  i  brndsangen« 

18«    nir  bam  aro  nyssfödde,  lagges  en  buk  ander  deras  hofi^ud^  at  de 

väk  bli  nimuie  at  läsa. 

19.     nar  de  lursta  gangen  logas,  lügger,  venningar  i  vatnet^  at  de  mä 

>li  rika.    en  pung  med  pengar  uti  -tys  ok  kring  halsen, 

M).     nagot  ttffadrens  kläder  bredes  pa  jHckobarn^  och  modrei.s  kjortel 

j^  gosse^  at  fa  tycke  hos  andra  köuet. 

11.  modren  bor  möta  barnet  i  dörren^  nar  det  (ores  fort  til  Christen- 
lom;  men  nar  det  fores  hem,  sedau  det  er  dopt,   skal  man  möia  det 

dörren  med  en  brodkaka^  at  det  aldrig  mä  fattäs   brud. 
S2.    sä  länge  barn  ej  fadt  namn,  mä  ej  elden  släcka.\ 
13.  ej  mä  man  gä  mellan  eld  och  spenbarn. 

24.  ej  mä  man  sent  bära  in  vattent  dar  spenbarn  ir,  utan  at  kasta 
fid  deruti, 

25.  ej  mä  nägon  som  kommer  in  i  hoset  taga  et  bam  1  sina  häuder, 
itan  at  förut  taga  i  elden, 

16,    nar  barn  fa  snart  tauder,  vanta  de  snart  nya  syskon  efler. 

27.  om  barn  trifi^as  gerua  i  yarmt  latten^  bli  de  horaktiga. 

28.  ej  mä  man  pagfta  tom  pagga,  ty  barnet  blir  gratt  och  olätigt 

29.  mir  et  Jorstfödt  barn^  som  är  födt  med  tauder,  biter  öfver  ondu 
betety  sä  blir  det  l&kt.     vgl.  37. 

)0.  bam  mä  ei  pä  eugäug  lasa  och  äta^  ty.det  f^r  trogt  minne. 

)l.  barnet  skal  först  taga  i  hund^  men  ej  1  katt, 

)2.  om  barn  leka  med  eld^  fa  de  svärt  at  liälla  sit  vatten. 

)3.  barn  som  ar  afladt  före  vigslen  skal  inodren  sjelf  hUla  pid  dopet ^ 


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ex  ABERGLAUBE 

eljest  Mir  det  icke  agta,  mta  är  det  födt  föfiiti  skal  JiOB  W2a  de/  ;a 
armen^  när  hon  stiir  bnid. 

84.  om  deo  sjfike  far  frdmmande  mat^  blir  han  frisk. 

85.  för  läkemedel  bor  man  ej  tacka^  ty  det  har  ingea  verkiD. 

dd;  ej  ma  man  ga  ofver  grafvar  med  öpek  sar>  tj  det  läkes  seat  el- 
ler aldrig. 

87.    oiula  betet  botas  of  förstfödt  barn  med  linder,    vgl.  Sft. 
38*    ei  mä  man  fore  morgonen  omtala  ^   om  man  sedt  spoks ,  at  ej  bli 
kraniad  och  spotta  blöd. 
89.     »edan  nedmörkt  är,  ma  man  ej  ga  til  vatten,  at  ej  ß  onda  bete'. 

40.  for  samnia  orsak,  eller  ock  at  ej  bli  kramad,  skal  man  spotta  3 
ganger«  da  man  ^ar  öfi*er  ualten  sedan  nedmörkt  fis, 

41.  för  den  sjiika  bor  man  lata  bedja  (  8  kyrkor^  d^ck  bor  gern 
däribland  vara  en  offerkyrka^  t»asom  flunnarskog,  Visnom,  Rada,  aoi 
man  bor  dem  sä  n&r.  det  mäste  da  liaatigt  siä  ut,  nnting^i  til  hetaa 
eller  döden. 

42.  stora  fiskara  tänfler  bora  upbrännas,  at  bli  Ijklig  i  fiake. 

43.  man  bor  ingen  tilsäga  ^  da  man  gar  astad  at  üäka,  och  ej  am- 
tala  aotingen  man  far  mycket  eller  litet.    vgl.  109. 

44.  ej  heller  bor  n^gon  främmemde  fa  se,  hur  micket  lisk  man  (ItL 

45.  när  man  ror  üt  frln  landet  at  fiska,  mS  man  ej  pända  bij'n 
imsöls» 

46.  knapnalar  fundna  i  kyfkan  och  dar  gjorda  til  metelrohar^  nappt 
bäst,  eller  äro  gäfvaflt. 

47.  gar  qvinfolk  ofuer  metespo,  nflppar  ej  dsken. 

48.  Stuten  fiskeredskap  är  lykllg,  men  den  bestulne  mister  lyckan. 
40.    ej  mä  man  kora  lik  til  kyrka,  ty  hasten  bllr  skämd. 

50.  ej  ma  man  lysa  under  bordet^  at  ej  gästerne  skola  bli  oense^ 

51 .  ej  ml  man  vända  om ,  da  man  g^r  i  nägot  ärende ,  at  det  \A.t 
ma  aflopa  Ufa. 

52.  för  knapnllar  ml  man  ej  tackoj  ty  de  tapas  bort 

53.  qvinfolks  mote  er  ondt^  om  det  ej  är  en  lÖnhora, 

54.  konimer  en  främmande  in,  der  Ijus  stöpes^  skal  han  taga  i  elha^ 
eljest  losnar  talgen  af  Ijusen. 

55.  ej  ma  man  spinna  om  Torsdags  quäll^  eller  i  dymmelveckao ;  tj 
det  Spinner  efter  om  natten. 

56.  kommer  främmande  in,  der  korf  kokast  spricker  han  sonder. 

57.  om  nagon,  som  har  onda  ögon^  aer  da  man  slagtar,  bar  kreatairt 
ondt  för  at  dö. 

58.  siar  man  kreatur  med  uriden  vidja^  far  det  tanntopp. 

59.  vänder  man  toßor  eller  akor  med  t%n  in  a/  sängen  ^  al  komner 
TiTaran  om  natten. 

60.  piskafion  akal  man  gora  kors  öfver  fahusdorren  för  troUkirHigit> 

61.  Bär  man  Ugger  forste  gingen  i  et  hus,  akal  man  räkiia  fajelkaiiat 
so  blir  sand  hvad  man  drömer. 

62.  om  man  gtömer  nigot»  dl  mao  reser  bort,  er  godt  hopp  ior  ^ 
henm  varande,  at  den  resande  kommer  til  baka ;  m&k  se  äg  tu  baka^  wt 
ej  godt  marke. 

63.  när  kattor  tuätta  sig,  eller  skator  skratta  vid  hnsen,  vSata  M 
främmande.  har  en  solaktig  matmoder,  eller  vlrdslöa  piga  kke  foir 
sopat  golfvet,  sl  bor  det  dl  ?ist  ske. 

64.  den  som  ora  juldagen  först  kommer  kern  frln  kyrkan ,  slirtar  fM 
sin  andetid. 


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ABERGLAUBE  cxi 

66.  om  man  gir  3  ginger  hring  l^ängen^  sedau  man  satt  kaleo ,  Mk 
han  fri  för  msäk. 

66.  om  quinfolk  klifver  d/t^^r  skaklor  skenar  basten  eller  blir  skamt 

67.  när  vafsioUn  tages  ned  y  skal  man  iro^/a  et  eldkol  darigenoiB ,  8& 
far  mao  saart  ap  ny  vaf. 

68«    Ift^fges  eld  i  karet  Cure  miskningen»  sttrnar  ej  drickat 

69.  julafton  kastar  man  stiften  r^halms  sir^  i  taket,  sa  mäuga  str& 
aoni  fastna,  sa  manga  trafvar  rag  fär  man  det  aret. 

70.  toin  säk  ma  ej  baras  oknuten^  gar  en  hafvande  Imstra  dareller, 
aa  blir  liänues  foster  aldrig  matt,  meu  rikar  en  ko  pü  den  olykliga  Ta- 
gen, sa  tar  hon  sig  aldrig  kalt 

71.  da  man  lugar  stg,  sattes  stU  i  vatnet^  och  näcken  bindes  saliinda: 
^näeky  uäctf  stal  i  Strand ,  far  din  var  en  staUjuf,  mor  diu  var  en  naltjaf ; 
sa  langt  skal  du  vara  liärifräo,  aem  detta  rop  hdresT  och  da  r»pa  alle 
med  fullhalsi  ^Ao  hagluV 

73.  om  körnet  väl  vil  mylla  sig,  ar  tekn  tH  god  arsvaxt.  nar  godni»- 
gen  om  varen  skättas  af  kälan,  hvarast  den  leget  öfver  vintem,  kastas 
nS^re  körn  i  brakningen,  ükesa,  uor  man  sar,  bur  en  näfuamull  läg^ 
gtis  i  sädskorgen^  den  dagen  bor  ock  ej  tagas  eld  ifrao  graugärden. 

73.  om  päsklördag  blases  med  en  llag  lur  genom  fahusgluggen ;  el 
langt  Ijudet  d^  hörs^  sä  längt  bortbiifva  odjuren  det  äret. 

74.  nar  man  soker  efter  boskap  i  skugen,  och  rlikar  en  käkling  (talg- 
ose)  f  ä  högra  handeu^  skal  det  sokta  finnas  igen. 

75.  släppes  svinen  ut  Lucii  dag,  /a  de  ohyra ;  likesa  sägas  de  bli  liker^ 
gängset  om  de  komma  ut  at  päskaflon. 

76.  gär  man  viUe  i  skogen ,  skal  man  Muli^ända  sif^  ^vanda  nt  och  in 
pa  klldema^,  sä  koramer  man  til  ratt».  .  vgl.  deutsch  862. 

76  b.  om  boskapen  Mikelsniässafton */:d>ej  tyst  inj  skal  bau  vara  rolig  i 
fahuset  heia  äret. 

77.  n&r  kou  blir  Sprüngen  af  oxen ,  bor  man  med  kokslef  ^/a  henne  p% 
ryggen^  annars  bottnar  hon  (fär  ej  kalfven  frän  sig.) 

78.  nar  askan  brinner  väl  ihop ,  görs  boskapen  väl  til  (blifver  dra<;tig.) 

79.  at  boskapen  skal  sjelfniant  komma  hem  nr  skogen,  niääte  sparas  al 
fet-tUdags  fnat,  at  ge  da  den,  om  vären  f5rst  släppes  nt. 

80.  vid  första  höladningen  säges,  at  da  drängen  (urst  (ar  in  sin  hofamn 
skal  oxkalfvar  fudas,  men  tvartom,  da  pigfm  har  fortradet. 

81.  om  den  som  byter  sig  til  en  hast  eller  annat  kreatnr,  läter  det 
äta  af  en  jordfast  sten,  sä  trifves  det  väl.  nägre  liär  af  svansen  biudas 
ok  (or  den  orsaken  ntl  spiället 

82.  när  en  byter  sig  til  Iiemman ,  bor  litet  fvllning  tagas  ifrln  gamla 
stall  ok  falnis,  ocli  läggat  i  huar  s/nlta  ^ller  bäs  i  det  nya,  at  kreaturen 
mä  trifvaa.  äfvensä  sattes  en  ator  gran  i  fahusdorren ,  at  kreaturen  mä 
ga  derigeoom  första  gangen. 

88.    alt  fullgjordt  arbete  koraaa  Öfuer. 

84.  om  man  fet-tisdag  gär  i  ranbaka  at  äka  pä  skida,  ok  mäktar  st2 
utan  at  falla  kult,  skal  det  äret  blifva  l^nf^t  lin. 

85.  garnet  tar  ej  ti/ettas  i  nedan^  ty  da  bltr  det  grätt. 

86.  om  alt  är  under  las  MidieUmäesafton^  skolar  ^ufvar  eJ  göra  skada 
det  äret 

87.  om  et  körn  eller  annat  finnes  under  bordet ,  da  der  sopaa  nyär« 
iDorgott,  skal  blifva  ymnog  ärsvext 

88.  när  mau  pä  de  3  första  säilesdagar  satter  3  siickor  i.en  myntak^ 
lar  man  se,  hvilket  säde  bast  l>ckaa:  kryper  myran  öfverst  pa  den  8, 
blifver  den  lykligast. 


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cxii  ABERGLAUBE 

89.    är  sjoredskap^D  «tulen,  bür  den  rökas  med  priden  eld. 

UO.    ril  Torten  ej  rinna  genom  rasten,  bur  man  satta  ea  uÜsax  emelian 

fanden  oöh  rliStkaret. 

91.  nar  brännvinspannor  voro  1  bruk^  troddes  at  braaniagea  geck  bäi« 
i  nedanet.  om  pannaii  da  var  foifardigad,  ocli  tvärtom. 

92.  da  stritt  komma  at  luhta  eller  smaka  af  bräofinsifflnety  skalle  behi 
branningen  forolyckas ,  sa  framt  ej  en  hast  feck  biasa  i  pannan  ellrr 
piporna.     ?gl.  dentscli  820. 

93.  pasduiatten  ügfra  i  strumj^or^  var  at  forekomma  skabb. 

94.  när  lomen  ses  fly^  och  akrika  öfver  isen ,  »kal  bii  maaga  oagta 
burn  det  Iret.    den  aom  d^raa  af  honom,  far  sara  hander. 

95.  gropur  vSrtiden  pa  girden»  betyder  at  uagoa  ßnart  skal  dö  i  hoset. 

96.  om  uagon  mwt&nkt  kom  i  gärden ,  sknlle  man ,  at  ondgl  spadoois 
aindnbigen,  antingen  stk  benne  ^  at  blöden  rann,  eller  kasta  eldbraud 
efter  en  sadan. 

97.  när  broden  ir  kl&dd,  bor  bon  forst  fa  se  bnidgumeo  itin  skrud^ 
at  aktensknpet  na  blifra  karilgt 

98.  nSr  bruden  konioter.frän  kyrkan,  skal  hon  sjelf  spanna  ifrla  eller 
sadla  af  hasten^  at  hon  mitte  lindrigt  fl  barn. 

99.  äfven  .bor  hon  da  tönt  g§  i  kokstugan ,  och  se  i  sopvnn »  at 
bennes  foda  niS  bli  tilcickeUg. 

100.  dausar  bniden  tned  pengar  i  skona^  kann  Ingen  troUdom  bita 
pä  henue. 

101.  nar  en  qvhnia^  lyktat  sin  väf,  och  tar  en  spjelka,  sobi  sutit  i 
vafskelet^  rider  der/  a  ut  genom  därjp^t  och"  moter  en  man,  sa  skal  de« 
liafvande  linstrnn,  hon  tanker  pä,  \i  et  gossbam;  men  tv&rtom. 

102.  dricker  hafvande  ha&tnin  ur  breda  kärf,  blir  bamet  bredoiyat 

103.  gar  hon  genon  et  hagekott,  d.  S.  der  girdsbalken  slatas,  skal 
bon  fa  fallsjuka. 

104»  om  bamet  far  sofva  i  ckrUtmngMädema^  skal  det  eJ  bU  okjn- 
nigt  utan  godt. 

105.  .när  spjäll  om  qvällen  skjutest    hafVa  de  eck   fordcwi  haft  ea 

sardeles  fang:  'skjnter  jag  mitt  spjill  sent  om  ea  qv&ll, 

aldrig  skal  min  eld  släckas  ut.* 

106.  den  som  forst  koinmer  ft^n  kyrka.  juldagen^  tros  iorst  fa  ^ 
och  berga,  samt  vara  främst  1  alt  arbete. 

lOr.  tvätvattn  utsläs  aldrig  efter  solglngen,  ntan  at  den  sticket  eid 
i  stallet  for  spottning  om  dagen. 

108.  da  boskapen  först  om  varea  ntslappes,  gl  de  S/yer  eld  i  et  ry- 
konde  fnoske  eller  annat  ämne. 

109.  mnii  bor  ga  bort,  uian  at  saga  lil,  eller  mSta  nlgon^  ob  fiske 
i  vissa  8Joar  skal  lyckas.    vgl.  43. 

110.  ibland  the  storre  amnieter  äro  boträ^  stora  hogar  och  Berg,  aH 
hvilka  man  tror  underjord^kt  folk  bo,  sl  akta  de  sig  hogeligen,  at  icL« 
allenast  iVi/tfA /lu^ga  af  slikt  boträ^  til  aMrikanda  af  olycka,  aoai 
skedde  i  Fosspastorat  for  2  är  seo,  ta  en  bonde  inbilbide  sig,  at  ban 
ladt  siu  olycka«  för  thet  ban  altenast  hogg  en  gren  af  slikt  betrf\ 
ok  giorde  knäfall  ok  bad  om  forlätelse,  hvarfore  haa  blef  akrillad  ok 
mäste  plikta;  utan  ok  hälla  tlie  särdeles  Torsdags  qyäiUr  sä  bellga,  at 
the  hvarkan  tora  hugga  eller  spinna,  at  Icke  foitUe  guhberne^  soai  he  * 
ssidanne  boträ  när  vid  gurden,  nA  fortdraas  ok  vlka  boft  aied  aD 
Täl«ignels.T. 

111.  the  lata  intet  gärnn  nä<2:on  brnd  (l  god  häst^  at  rida  pa,  ty  «m 
bon  intet  er  mO>  blir  hon  aldrig  god  tlierefter. 


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ABERGLAUBE  cxiii 

12.  ta  the  äro  fiUte  eller  vigde,  lagar  braden,  at  iogeD  kooimer  at 
ra  eniellan  brudgummen  ok  kenne ^  ty  eliest  tro  the,  at  tlie  bli  suart 
kilde  geoom  dödeo  eiler  eliest. 

13.  när  bniden  kommer  til  brollops  gardsens  agor,  komma  the  emot 
»rudgammen  ok  henne  med  bränoevin  ok  dricka  til  heia  föliet  frau 
:jrkaa:  ta  hou  slar  hü  froren  med  dricken  hak  om  sig^  sst  i^ngt  hon 
■anj  i  hopp,  at  hennes  ägodelar  skola  blifva  formerade. 

14.  malen  staj-  /7a  bordet,  natt  ok  dag,  sä  länge  bröllopet  pästar,  i 
heu  troD,  at  brudefolkeo  aldrig  skal  fattas  mat  eller  dricka. 

15.  fa  the  barni  sa  lata  the  lotet  gerna  sina  barn  dOpas  pä  jsamma 
lag  the  äro  fudde.  hvarfure  the  dömma,  at  the  baru,  &om  om  söndag 
^cUlas  ok  döpas,  iiitet  skola  länge  lefva.  meo  lefva  tl^e,  tror  man,  at 
ntet  troll  eller  spuke  kau  giora  them  skada. 

116.  döpeheiMttiet^  tJjer  i  barueu  dopte  äro,  söka  the  micket  efter, 
het  the  sedan,  om  the  prägten  ovitterligit  kunoa  fa,  braka  til  at  bota 
iukdommar  med. 

117.  til  sina  siuka  kalla  the  intet  gäraa  prästen,  förrän  the  ligga  pa 
het  >ttersta.  t>'  the  tro,  at  tlie  ofelbart  du,  sedan  the  tagit  herraos 
lelga  nattvard. 

118.  hustrorna  akta  ooga  sina  barn,  tils  the  bli  dopte  ha  the  altid 
r/ä/  ok  synHer  i  barnets  kläderi  at  the  icke  af  spoken  skola  blifra 
ürbytte. 

119.  om  varen  äro  the  micket  rädde  för  /oglerop ,  at  the  icke  skola 
l'^ras  af  them,  särdeles  göken^  ther  füre  ga  the  i  april  ok  maji  aldrig 
jt  fastandes.     vgl.  128. 

120.  om  en  flicka,  euka,  eller  karl  blir  daraJ,  tror  theo  samma  sig 
>li  gift  thet  aret;  om  gamla  ok  gifte  bli  darade ,  befara  the  thet  aret 
ivara  siokdommar  eller  olycksfall. 

121.  somlige  brnka  sla  sina  späda  barn  3  slag  med  riset  i  ändan, 
niian  mödrama  ga  i  kyrkan  eller  halla  sin  kyrkogäng,  og  ta  mena  the 
larnen  skola  fa  godt  minne, 

122.  som  the  i  gamla  dagar  dyrkat  elden,  sl  ha  the  ok  bar  sa  väl 
»om  an  i  Norriget  brukat  dricka  eldhorgs  jX:ä/*),  hvar  kyndeJmässo,  ty 
iindel  pa  gammal  giutlska  betyder  lius:  hvarf5re,  när  the  skulle  dricka 
fldborgs  sk^l^  tände  the  2  stora  liusy  ok  satte  pa  golfvet  emiilau  hvil- 
ca  lades  et  hyende,  pa  hvüket  alla  som  i  huset  voro,  then  ene  efter 
hen  andre,  skulle  sätta  sig  ok  dricka  eldborgs  skskl  med  dricka  i  en 
räiikal,.  ok  när  the  utdruckit  skulle  Skalen  kastas  bak  öfper  hufvudet 

ooljvet,  huälfdes  tä  Skalen  öJWrända^  trodde  the  at  then  Skalen 
wastat  skulle  tJiet  aret  dö;  men  siod  hon  räti  upp  ^  vore  tekn,  at  lian 
iknlle  lefva. 

L23.  inuan  dager  har  hustrun  lagt'eld  i  bakugnen,  ok  ta  thet  bäst 
jfuunit,  haft  tilreds  en  smörklening  pä  kakebröd,  jämte  en  skal  öl, 
berpä  har  hon  kallat  alt  sitt  husfolk  ihop  ok  stält  them  i  en  half 
iiane  mit  för  Üngsliolet,  ok  tä  the  alla  under  knäböjande  ok  Ijckiin- 
kon  ätit  en  bit  af  smorkleningen  ok  druckit  hvar  sin  drick  eldborgs- 
.Aa/,  sen  hafva  the  kastat  thet  öfvriga  af  kleningen  ok  dricken  uti  el- 
/tf//,  i  tro,  at  thet  aret  bli  bevarade  für  eldsväda. 

I  24.  sä  ha  the  ok  brukat  tända  eld  pä  then  halmen  lik  ha  legat^  ok 
het  strax  efter  liket  blifvit  burit  til  grafva,  tä  the  uoga  sedt  pä  rüken^ 
»«1  han  slagit  ned  7  ä  glirden,  tä  the  säkert  trodt   nägon   af  närmaste 


**)  zumal  üblich  in  Ksiokstad  und  Nafverstad. 


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cKiT  ABERGLAUBE 

stakten  pä  g&rdeu  skalle  ^nart  följa  efter.    men  ther  hon  gik  /aj^f 
bort  i  högden  «Her  längdert  up  i  vädret,  skulle   sinkdomea  ok  dödcs 
flytta  sig  tlier  hän  i  oster  eller  vester,  som  roken  for. 
185.    pa  det  llket  icke  skalle  spöka  bnikade  the  at  stro  höfrö  pa 
kyrkovägen  ok  grafFent  ta  the  mänte  at  Satan  logen  makt  bade.  Tgl.  151. 

126.  det  er  skik  at  pigerne  paa  S.  Hausdag  piukke  de  saakaldte  S, 
Hans  urter  Og  satte  dem  i  bjelkerne  under  lodet,  for  at  de  <kNBf 
knone  sintte  sig  til  det  tilkommende.  saaledes  pleie  de ,  at  satte  ca 
urt  for  sig  og  en  for  klärest en,  og  hvis  dlsse  da  voxe  sammen,  be- 
tyder  det  bryllnp.  ogsaa  satte  de  saadanoe  urter  i  bjelken  for  derea 
paarorende,  at  de  deraf  maa  kiinne  vide,  hvo  der  skal  have  langt  Uv 
og  hTO  et  stekket  poxer  arten  op  imod  loflet^  da  er  det  gode  tega, 
men  voxer  den  nedad^  da  betyder  det  sygdom  og  död 

127.  naar  piger  og  karle  Tille  have  at  Tide»  bvo  der  skal  skilte  <^ 
hvo  der  skal  blive  i  hoset,  da  käste  de  en  skoe  over  houedet  mod  dö- 
ren»  falder  da  skoen  saaledes,  at  hälen  pender  mod  doren^  da  betyder 
det-at  Personen  skal  blive,  men  vender  taaen  mod  dären^  da  er  det 
tegn  til,  at  han  skal  skifte. 

128.  seer  man  forste  gang  i  aaret  gjogen^  medens  man  ^endnii  er  £h 
stende,  da  hedder  det  'gjogen  ganter  oaV  (i  Fyen:  daarer  os!)  og  er 
det  et  mandfolk .  skal  han  i  dette  aar  ikka  hitte  kreaturer  eller  andet 
hvad  han  monne  söge,  er  det  en  pige ,  maa  hon  vel  vogte  sig  for  aeg- 
karlene  at  hun  ikke  bliver  gantet  af  dem.  er  det  gamle  folk ,  da  have 
de  vel  aareag  til  at  frygte  for  sygdomme. 

129.  naitr  tieuestefolk  gase  i  tjeneste,  da  maa  de  vel  give  agt  paa, 
hvem  de  möde.     en  gaaende  betyder  ondt,  men  en  ridende  godL 

130.  naar  tyende  förstegang  see  storkenßyende^  da  betyder  det,  at 
de  endnu  i  samme  aar  skulde  komme  -at  skifte;  men  see  de  den 
staaende^  da  skulle  de  blive  i  deres  tjeneste. 

131.  naar  noget  er  bort  st j  aalet  ^  da  kan  man  lade  en  smed  shia  öiü 
ud  paa  tyven. 

132.  for  at  optage  en  tyv,  besynderligen  mellem  tyendet,  har  det  til- 
forn  Taret  skik,  at  lade  soldet  lobe*  husbonden  pleiede  da  at  tage  et 
sold  og  satte  det  i  ligevagt  paa  spidsen  af  en  sax^  derpaa  at  opreme 
navnene  paa  alle  sine  folk  og  vel  give  agt  paa  soldet,  som  ufeflbarti- 
gen  kom  i  bepägelse,  naar  tyvens  navn  nävntes. 

133.  naar  noget  er  bortstjaalet^  da  skal  man  henvende  sig  til  de  laa- 
kaidte  kloge  folk^  hvilke  have  den  evne,  at  de  kunne  tvinge  tyven  til 
at  bringe  det  stjaalne  igjen. 

134.  fra  juledag  til  nytaarsdag  maa  man  ikke  satte  uogen  ting,  som 
lüber  rundt^  i  gaug,  altsaa  hverken  spinde  eller  vind^, 

136.    julenat  v«d  midnatstid  reixer  qväget  sig  paa  stalden. 

136.  naar  man  juleaften  sidder  til  bords,  og  önsker  at  vide,  om  a^ 
gen  blandt  de  tilstede  varende  skal  döe  inden  uastejul,  da  kan  man  er- 
fare  dette,  naar  man  gaaer  stiltiende  udenfor,  og  kiger  iud  igßennem 
en  vinduesrude,  den  som  man  da  seer  at  sidde  ved  bordet  uden  hv- 
t^ed,  skal  doe  i  det  kommende  aar. 

137.  ved  gjestebud  er  det  ikke  godt  at  sidde  t reiten  til  bords,  tfai 
da  maa  en  af  dem  döe  forinden  aaret  er  omme. 

138.  om  fredagen  skal  man  skjäre  sine  nagle,  da  faaer  man  (ykke. 
naar  man  har  klippet  sine  nägie  eller  sit  haar,  da  maa  det  ajklippri: 
entea  brändes  eller  grares  ned,  thi  dersoni  onde  mennesker  foarr  fat 
paa  saadant,  da  kuune  de  dermed  forgjOre  den  person,  som  bar  boa- 
rct  det. 


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ABERGLAUBE  cxv 

130.    Iivo  der  finder  en  afhrudt  sy&naal  pa«  gulvet,    förend  lian  )iar 

last  sin  morgenbön,  faaer  enten  liug  eller  oode  ord. 

140.    staaer  Öinene  aahne  p^a  et  liig,  betyder  det,   at  soart  nogen  af 

saiume  familie  skal  folge  efter. 

J41.     kläder  og  linnedstykker,  aom  lia?e  tiHiört  en  afdöd^  lienfalde  og 

gaae  let  itu,  altsom  legemet  forraadner    i  graven. 

142.  man  maa  ei  give  et  liig  gangkläder  ttfen  endnu  levende  med  i 
graven:  thi  altsom  kläderne  forraadne  i  jorden,  saa  vil  ogsaa  den,  som 
liar  baaret  disse  kläder  tilforn,  tid  efter  anden  forsvlnde  og  hentäres. 

143.  naar  talgen,  som  sidder  omkring  et  brandende  lys^  boier  «ig 
ligesora  en  hövlespaan,  da  betyder  det,  at  nogen  akal  döe,  og  er  det 
sädvanligen  den,  tii  hvem  tiövleapaanen  peger. 

144.  naar  man  om  morgenen  finder  blaa  pleiter  paa  git  legeme,  da 
er  det  dodningkneby  og  liar  det  slägtuinges  eller  kjare  vennen  nar  fo* 
restaaende  död  at  betyde. 

145.  naar  en  skade  satter  sig  paa  huset,  da  kommer  der  frenmiede. 

146.  naar  man  forstegang  om  aaret  hörer  gjögen  at  kukke,  da  skal 
man  sporge :  Mivor  gammel  bliver  jeg?'  eller  ogsaa  *byor  länge  skal 
det  vare,  indtii  det  eller  det  skeer?'  og  giver  den  da  avar  red  at 
kukke. 

147.  naar  man  finder  en  fireklöi^er^  eller  en  tt^iUingnöd  eller  en  skil-' 
Itng,  skal  man  vel  gjemme  det,  eftersom  sligt  bringer  lykke. 

148.  naar  man  vil  see  djävUn  eller  have  med  harn  at  gjore,  akal 
nian  gaae  tre  gange  om  kirken^  og  tredje  gang  standse  ved  kirkedören, 
üg  enten  raabe  *k?>m  hemd*  eller  ogsaa  flöite  igjennem  ndglebullet 

149.  naar  man  önsker  at  vide,  om  en  afdöd  mand  bar  i  levende  live 
havt  med  fanden  at  bestille,  da  skal  man  kige  igjennem  eeletöiet  paa 
de  heste,  som  träkke  bans  lifgvogn,  og  bvis  det  saa  bar  väret,  da  vil 
man  see  en  sori  hund  at  sidde  bag  paa  vognen. 

150.  frygter  man  for  spogerie,  skal  man  etröe  hörfröf  for  dören,  da 
kan  intet  spögelse  komme  over  dörtärsklen.    vgl.  126. 

151.  naar  man  slaaer  en  hesteskoe  fast  paa  dörtrinnet,  da  kan  intet 
spogerie  komme  derover. 

152.  naar  man  om  morgenen  kommer  altfortidligt  i  kirken,  da  kan 
det  Tel  bände,  at  man  seer  de  döde^  hvorledes  de  sidde  i  stolestaderne, 
153r  troldene  tör  ikke  nävne  korsets  navn ,  men  kalde  det  blot  ^hid 
og  did,* 

154.  naar  man  er  paa  fiskerie,  da  maa  man  vel  vogte  sig  for  at 
irälte  am  fangsten ,  ej  heller  maa  man  misunde  andre ,  tbi  da  for- 
svinde  fiskeoe  strax  fra  stedet. 

155.  er  nogen  död,  som  frygtes  for,  at  ban  vil  gaae  igjen,  da  kan 
man  Iiindre  sligt  ved  at  käste  en  skaalfuld  vand  efter  ligetf  naar  det 
iidbäres. 

156.  det  er  daarligt,  at  skyde  paa  et  spögelse,  thi  kuglen  farer  til- 
hage  paa  den,  som  udskyder.  men  lader  man  bossen  med  en  söh'knap, 
da  vil  den  visselig  traffe. 

157.  den'tredie  oat  efter  begravelsen  pleie  de  döde  at  gaae  igjen. 

158.  en  frngtsommelig  kone  maa  ei  gaae  over  et  sted,  bvor  man  har 
.klebet  en  kniu:  tbi  det  volder  en  svär  forlösning.  men  naar  man  I 
forveien  spytter  tre  gange  paa  stedet,  da  har  det  ei  Tare. 

199,    naar  et  barn  veies  strax  i  som  det  er  födt,   da  vil  det  siden  ei 

trives. 

160.     naar  man  löfter  et  barn  ud  af  et  vindue  og  tager  det  ind  igjen 

gjeonem  et  andet,  da  vil  det  aldrig  siden  blive  större. 

h  * 

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cxvi  ABEGLRAUBE 

161.  naar  ea  barselquinds  doer  uden  at  väre  bleven  forU^st,  da  tH 
hun  f>rret}  ve  uger  derefter  föde  i  graven.  derfor  gives  faende  naal, 
traud,    sax  og  andet  sligt  nied,  at  Imn  selv  kan  sye  böroetoiet. 

162.  det  er  et  godt  middel  imod  taodpine,  först  at  tage  eo  hyUc- 
pind  (holloDderzweig)  i  mundeo,  og  deruäst  stikke  den  i  väggea  med 
de  ord :  Viig  bort  da  onde  aand !'  saa  er  ogsaa  gavnligt  raod  koldfeber, 
at  «tikke  eo  hyidepind  i  jorden,  dog  uden  at  male  et  ord  derved.  da 
holder  feberen  sig  til  liyldepiudeo  og  bänger  sig  ved  den,  der  nhel- 
digviis  först  kommer  til  stedet.  in  einer  iis.  von  1722:  paganismo 
ortiim  debet  superstitio,  sambucum  non  esse  exscindendum ,  nisi  pri» 
rogata  permissione,  bis  verbts:  ^rnater  sambuci ,  maier  sanibud  per- 
mille  miiii  tuam  caedere  siivam  !*  videmus  quoque  Fustico«  oränros 
caesionem  arboris  ter  exspuere^  quasi  hac  excretione  vettas  aliosqoe 
latentes  ad  radicem  arboris  noxios  genios  abacturos.  Passini  etiam 
obvlnm,  quod  bacilluni  vel  fracturi  vel  dissecturi,  partem  abroptan 
abscissamve  non  projidant  in  terram»  nisi  ter  in  extremitatem  fragmt- 
nis  exspuerint,  cujus  quidem  rei  aliam  non  noruot  rationem,  quam  cu- 
rasse,  ne  quid  sibi  a  vettis  noceatur. 

163.  af  brystbenet  paa  mortensiraasen  kan  man  see  bvorledes  viate- 
ren  vil  blive.  det  hvide  deri  er  tegn  paa  snee,  men  det  braue  paa 
meget  stärk  kulde.  og  er  det  at  marke,  at  den  forreste  deel  red  hal- 
sen spaaer  om  vinteren  for  juul,  men  den  bageste  om  vintereo  e^ 
ter  juul. 

164.  ofte  häuder  det,  at  spetblk  i  rum  soe  see  et  skib,  i  alle  rata* 
der  üom  et  audet,  at  seile  forbi  og  i  sanime  stund  forsvinde  ibr  deres 
an.-tjn.  det  er  dödmugseileren ^  som  variier  om,  at  et  skib  snarligea 
skai  gaae  under  paä  det  samrae  «ted. 

1(>5.  naar  man  taler  om  skudeli^e  dyr,  da  maa  man  ikke  nävne  deres 
rette  navn,  men  omskrive  det,  og  saaledes  kalde  rotteme  ^de  lang- 
rumpede,'  niusene  'de  smaa  graa.' 

166.  naar  man  vil  vide  sin  tiikommende  lykke  i  det  nye  aar,  da  skal 
man  tage  et  hro<i,  en  Xvz/V,  og  en  skiliingy  og  dermed  gaae  od  at  see 
maanen^  naar  nyet  i  lindes,  og  naar  man  da  slaaer  op  1  en  pnloe- 
bog,  vil  Dian  af  deus  indhold  kunne  slutte  sig  til  det  vigtigste. 

167.  nnar  en  pige  ved  midnat  \i(is\)mdeT  iriellem  ßre  Jaeppe  den  binde, 
i  livilken  föllet  er,  naar  det  kastes,  og  derpaa  nögen  kryber  derigfen- 
j!em  y  da  vil  hun  kunne  föde  börn  uden  smerte.  men  alte  de  dreage 
hun  undfanger,  blive  i^äruU'e  og  alle  de  piger  blive  maper^  *) 

168.  skjertorsdastaften  kaster  bonden  oxer  og  jernkiler  j>aa  de  he- 
eaaede  o^te  og  fäster  slaal  pau  alle  dOrej  at  ikke  gamle  kjerlieger 
skulle  skade  ham. 

169.  naar  en  kommer  til  kirke  skjertorsdag  og  haver  da,  uden  sei? 
nt  vide  det,  et  höneke-ig^  det  er  det  forste  äg  en  hone  lägger,  paa  sig, 
saa  \il  hau  see  alle  de  quinder,  der  ere  hexe,  at  gaae  lige  som  med 
sitibüller  ell^r  matkebötter  paa  horedet, 

1.     aber  glaube  in   Frankreich,  '*} 
1.     le  24  decembre,  ver»  les  six  heurcs  du  soir,  ehaque  famille  met  a 

*)  om  bruden  kryper  >;enom  en  seta^  far  hon  harn  utaa  modt^ 
hvilka  dork  skola  blifva  muror,  AVesterdalils  beskrifuing  om  sveaska 
seder  p.  28. 

")  aus  den  memoires  de  Tacad^mie  celtique:  n.  1  — 10  (Commcrcy 


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ABERGLAUBE  cxvii 

80D   feu  une   enorme  bdche  tippelte  sourhe  de  noch    on   defend  buk 

enfans  de  s^  asseoir,  parceque,  leur  dit  un^  i(s  y  attraperaieiit  la  gale. 

notez,    qu^il   est  d'usage   dans  presqne  tout  le  pais,  de  mettre  le  bois 

an  foyer  dans  toute  sa  longucur,  qui  est  d'environ  4  pieds,   et  de  \'y 

faire  brüler  par  un  bout.    vgl.  num.  28. 

2.     le  jour  de  la  föte  de  la  trinite  quelques   personnes  vont  de  graiid 

matin  dans  la  cauipagne,  pour  y  voir  lever  trois  soleils  ä  la  foia. 

9.     le  24  jtilti,  jonr  de  Saint  Jean,    quelques  personnes  vont  aussi  sur 

une  montagne  clevre,  et  y  attendent    le  lever  du  soleil^  pour  le  voir 

danser, 

4.  leg  herbes  et  plantes  medicinales,  cuelllies  la  veille  de»  la  Saint 
Jeaui  passent  pour  avoir  plus  de  vertus,  surtout  contre  certains  maux. 

5.  la  coupe  des  cbeveux  oe  doit  se  faire  que  lorsque  la  lune  est 
nouvelUy  MOS  cela  les  clieveux  ue  pourraient  plus  pousser.  on  ne 
doit  point  jeter  la  reeoupe  des  cbeveux  sur  la  voie  publique,  les  sor- 
ciers  pourraient  y  jeter  un  sort. 

6.  les  liuges,  qui  ont  servi  au  pansement  des  maux^  ne  doivent  ^tre 
ni  brül^^s  ni  jet^s  dans  la  nie,  pour  les  meines  motifs. 

7.  81  quelqu'un  nieurt,  on  volle  les  glaces  de  sa  cliambre. 

d.  lorsqu'une  personne  est  gravement  malade,  od  a  sola  d*observer,  gi 
quelque  hibou^  diouette  oa  chathuant  vienneut  voltiger  aatour  de 
riiabitation. 

9.  V/ärondelle  est  un  oisean  d*heurenx  pr^sage ;  anssi  ne  la  derange- 
t-on  jamais.  d^truire  son  nid,  c'est  d^triiire  ou  att^nuer  leg  licureuses 
destinees,  qn'on  y  attache    en  faveur  de  la  maison.^  ^ 

10.  Varaign^e  est  un  signe  de  bonheur,  et  annonce  particuli^rement 
de  Targent  pour  la  personne,  sur  laquelie  eile  est  trouv^e.  plus  uoe 
^table  est  garnie  de  toiles  d'araign^es,  plus  eile  est  digne  des  regards 
de  la  providence. 

11.  si  une  jeune  taure  s'^gare  la  pren/iere  fois  qu'elle  est  mise  aiix  ^ 
champs,  les  Solouaises  vont  jeter  deux  linrds  dans  la  serrure,  be  niet- 
tent  k  genoux  et  disent  tout  baut  cinq  pater  et  cinq  ave,  qu*ellcs 
adressent  au  bon  saint  Hubert;  cette  priere  faite,  elles  sout  bien  süres 
que  les  loups  respecteront  la  taure  >  füt-elle  au  miiieu  d*eux,  et  qu'ils 
la  rameneront  menie  k  la  bergerie. 

12.  dans  la  nuit  du  jour  de  noel,  jusqu'  a  midi,  les  cheveaux,  les 
vaclies ,  les  boeufs ,  les  taureaux ,  les  anes  parle/U,  ces  auimaux  se 
plaignent,  ou  s'applaudissent  du  traitement  de  leurs  maitres.  ce  don 
de  la  parole  leur  arrive  seuiement  avant  niinuit  sonnant,  et  finit  ä 
midi  du  jour  de  noel,  ou  plutOt  sI  la  personue,  qui  les  soignc,  est  cou- 
pable  d^un  p^clie  niortel. 

13.  le  meme  jour  de  noel  il  ne  faut  pas  mettre  paltre  les  b^tes  u 
corne  avaut  midi,  parceque  de  suite  elles  se  hattraient  ^  et  se  blesse^ 
raient  certainement. 

14.  la  veille  de  noel,  pendant  la  g^nealogie  qui  se  chante  ä  la  messe 
de  minuit,  tous  leg  tresors  Caches  s*ouvrent. 


en  Lorraine)  3,  441  —  450.  4,  83.  84.;  n.  II.  12.  13  (Sologne)  4, 
93.  94;  n.  14—20  (Chartres)  4,  242;  n.  21.  22  (Girondc)  4.  268;  n. 
23—28  (Bonneval)  4,  428;  29—32  (Pyren^es)  5,  386—390;  33—35 
(Bonneval)  m^m.  des  antiquaires  1,  239—242. 

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CXV1II  ABERGLAUBE 

15.  dans  la  plapart  des  egiises  de  caropagne  on  &it  encore  aajov- 
dMiui  des  offrandes  de  la  premiere  gerbe  de  froment  coap^e  dans  ob 
champ.  ces  premices  de  la  moissoa  ne  rcyoivent  d'autres  orneoieis 
quVii  paille  plus  ou  moios  fafODn^e.  cjette  gerbe  est  presque  toujoors 
surmont^e  d'one  croix  aussi  en  paille. 

16.  Fusage  des  hrandons  est  cousacr^  partont  les  premier  et  second 
dimanche  de  car^me.  ou  va  brdler  dans  les  champs*  on  sur  les  cbe- 
inins  vicinanir,  des  flambeanx  formet  dp.  paille  eo  chantant:  ^hrandons 
brülez  ponr  les  filles  k  marierr*) 

17.  quand  le  mari  met  l'a?tneau  au  doigt  de  la  mariee,  il  ne  1e 
porte  que  jusqu'/  ä  la  seconde  Joint ure,  celle-ci  doit  donc  vite  le  poHs- 
ser  ä  Xü^roisienie^  afiii  d*emp^clier  le  malefice  des  sorciers,  qui  o^oot 
qae  cet  instant  du  passage  de  Tanneau,  pour  operer  la  nonüre  de 
r^guillete. 

18.  les  mari^s  entendent  la  messe  ä  genoux.  k  Tevangile  ou  a  soia 
de  remarquer  lequel  des  denx  eponx  se  Uue  le  premier ;  on  en  angure 
que  c^est  lui  qui  sera  le  mattre. 

19.  au  moment  qn'on  mootre  le  bon  dien  de  la  messe,  eeux  qni  se 
trouvent  places  aupr^s  des  mari^s*  leur  frappent  trois  petits  coups  sota 
les  talvns^  avec  le  manche  d^un  conteau,  pour  emp^dier  qu'ils  ne  d«- 
vieunenl  jaloux. 

20.  eu  sortant  de  Teglise,  on  conduit  la  marine  en  face  d'une  image 
de  la  vierge,  aupr^s  de  laquelle  est  attach^e  nne  quenoville  ganie 
de  chanvre ;  on  4a  lui  presente ;  eile  file  deux  ou  trois  aiguiUees ,  et 
Temperte  ches  eile;  eile  feit  filer  ou  file  le  feste,  et  rend  eosoite, 
avec  Vecheveau  de  fil  qui  en  est  provenu,  cette  meme  queiioiiBle. 
qu^elle  a  eu  sein  de  garnir  d'autre  chanvre. 

21.  un  enlant  mäfe  qui  n'a  pas  connu  son  pere,  a  la  ?ertu  de  fondre 
les  loupes ,  en  les  toucliant  pendant  trois  matin^es  de  soite ,  ^nt  a 
jeun  et  recitaut  quelques  prieres. 

22.  le  cioqui^me  des  enfans  males  venus  an  monde  et  de  snite,  gaerit 
les  rnaitx  de  rate  par  le  simple  attoucbement  r^p^t^  pendant  tro» 
matin^es  consecutives,  en  proferant  quelques  mots. 

23.  a-t-on  cbez  soi  une  pouUt  qui  chante  comme  le  coq  ^  on  se  d^ 
pecfie  de  la  tuer  on  de  la  vendre,  dans  la  crainte  qu'elle  n'attire 
quelque  mallieur  sur  la  maison. 

24.  est-on  en  voyage,  si  Ton  rencontre  dans  son  chemin  des  piW  por 
nomhre  impair,  c'est  malheur. 

25.  qunnd  on  veut  savoir,  quel  mari.ou  quelle  femme  on  ^ponsen, 
il  est  d'usage  de  se  lever,  le  premier  jour  de  mars^  an  coup  de  ninait 
et  pendant  que  l'heure  sonne,  on  marche  trois  pas  en  avant  de  soa 
lit,  en  pronon^ant  ces  paroles:  'bon  jour  Mars^  de  Mars  en  Mars, 
fais  moi  voir  en  mon  dormant  la  femme  que  j*aurai  en  mon  mantT 
on  rcTient  k  son  lit  en  marcliant  en  arriere;  on  se  reconche,  oa 
s'endort,  on  r^ve,  et  Thomme  ou  la  femme  qui  apparaissent  alorsi  soot 
le  fntur  epoux. 

26.  ceux  qui  po.ss^dent  des  inouches  ä  miel,  ont  grand  soin,  lorsqali 
meurt  quelqu*un  dans  la  maison,  d'aller  d*abord  annoncer  k  cbaqae 
nir/ie  l'evenement  fdcheux,  qui  vient  d'avoir  lieu,  et  d'y  attacfier  ea- 
suite  un  petit  morceau  d*etoJfe  noire,     saus  cela,  elles  periraient  bieatdl. 

•)  vgl.  m^m.  des  antiquaires  1,  237:  brandelons  brüles  par  ces 
vigne8,  par  ces  ble^;  braadelous,  brülez  pour  ces  filles  k  marter.  pa» 
on  s'ecrie:  mais  les  vieilles  n'cu  auront  pas. 


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ABERGLAUBE  cxix 

27.  la  veille  de  Saint  Jean  an  feu  de  joie  est  allum^  dans  an  carre- 
foar.  au  miliea  da  fea  on  place  an)e  longue  perche,  qui  le  domine, 
et  qui  est  g;arnie  de  feaillages  et  de  fleurs.  le  c'erge  se  rend  en 
C^nde  pompe  au  Heu  de  la  c^r^monie,  allume  le  fea,  entonne  quel- 
qaes  chants  et  se  retire;  ensnite  les  assistnns  s^en  emparent,  sautent 
par  dessus,  et  emportent  chez  eux  quelques  tisons  ^  qu'ils  placeat  aar 
le  ciel  de  leur  lit,  comme  an  preservatif  contre  la  foadre. 

28.  la  veille  de  noel,  avant  la  messe  de  minait,  on  place  dans  la 
cliemin^e  de  Tappartement  le  plus  liabit^  une  backe ^  la  plas  grosse, 
que  Ton  puisse  rencontrer,  et  qai  seit  dans  le  cas  de  r^sister  pendant 
trois  joors  dans  le  foyer;  c'est  ce  qoi  lui  a  fait  douner  le  nom  de 
tre/ucy  tr^fone,  trois  feax.    (vgl.  num.  1.) 

29.  ane  jeune  fille  qui  d^slre  savoir  son  futur  eponx,  se  Rve  afant 
le  jour  le  premier  mai,  eile  prend  un  seau ,  qu^elle  nettoie  avec  une 
brauche  de  romarin,  et  s'achemine  vers  quelque  fontaine  solitaire.  rendue 
Ik  eile  se  met  k  genoux  sur  le  bord  de  la  fontaine,  fait  une  pri^re, 
plante  sa  brauche  de  romarin  dans  un  buisson  voisin,  et  remplit  son 
seau  de  Teau  de  la  fontaine.  eile  attend  alors  le  lei'er  du  soleiL 
aussitdt  qu'il  commence  k  parattre  sur  Tliorizon,  eile  s'approche  da 
«eaa,  en  trouhle  Ve<iu  avec  la  main  frauc/ie,  et  dit  ces  trois  mots: 
'ami  rabi  vohü'  eile  doit  rdp^ter  neu/  fois  la  m^me  cliose,  et  aroir 
fini  lorsque  le  soleil  paralt  en  entier,  alors,  si  eile  n'a  ^t^  vue  par 
personne,  ni  en  venant  k  la  fontaine,  ni  pendant  les  cer^monies  qu^elle 
y  a  faites,  eile  voit  au  fond  du  seau  la  6gure  de  celai,  qu'elle  doit 
^pouser. 

80.  an  jeune.  Iiomme  pour  connattre  la  couleur  de  cheveuz  de  celle, 
qai  doit  itre  sa  femme,  fait,  la  veille  de  Sj  Jean,  hois  fois  le  tour  du 
feu  de  joie^  prend  an  tlson  enßamm^^  le  laisse  eteindre  dans  sa  maln 
gaache,  et  le  soir,  avant  de  se  couciier,  le  met  sous  le  chevet  de  son 
lit,  envelopp^  d'une  chemise  qa*il  a  porte  trois  jours.  il  faut  que  tout 
cela  se  fasse  les  yeux  clos,  le  lendemain  maün,  au  lever  du  soleil, 
le  jeune  homme  troove,  autour  de  son  tlson,  des  clieveax  de  la  cou- 
Jear  que  doivent  avoir  ceux  de  sa  future  ^pouse. 

81.  il  est  d'usage  de  se  marier  ä  jeun,  on  croit,  que  cear  qui  y 
manqueraient,  sans  des  motifs  bien  puissans,  n'auraient  que  des  en- 
fans  muets^ 

82.  les  ^poux  ont  grand  sein,  le  jour  de  leur  mariage ,  de  mettre  du 
sei  dans  leur  poche  gauclie  avant  de  se  presenter  k  l'eglise,  ce  sei 
empdche  le  noeud  de  l'aiguiilete. 

33.  la  rosie  de  la  nuit  de  la  5.  Jean  gu^rit  la  gale,  et  le  premier 
seau  tire  d'un  puits  k  l'instaut  da  minuit  qui  commence  le  jour  de 
S.  Jean,  gu^rit  d^  la  fi^vre.  pr^s  de  Nogent-Ie-Rotrou  il  y  a  une 
fontaiiie  celebre  pour  sa  vertu  coratrice  pendant  toute  la  nuit,  veille 
de  S.  Jean,  hommes  et  femmes  entrent  duiis  ses  eaax  et  s'y  lavent: 
nulle  idee  dindecence  ne  trouble  la  cer^monie. 

34.  le  feu  de  S.  Jean  ne  brAle  pas »  on  peut  en  prendre  k  la  main 
les  tisons  enflamm^s. 

35.  pour  se  defendre  de  la  puissance  des  bergers  sorciersy  od  met  du 
sei  dans  sa  poche,  et  en  passant  devant  le  berger  on  dit  tout  bas: 
berger  sorcier,  je  ne  te  crains  ni  te  redoute. 


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cxx  ABERGLAUBE 

m.    aherglauhe  der  Ehsien,  *) 

1.  eheo  werden  zur  zeit  des  neumonds  geschlossen. 

2.  reitet  der  brautwerber  nach  dem  hause  wo  er  werben  soll,  so  ist 
er  behutsam,  keine  stute  zu  wählen,  weil  sonst  in  der  ehe  lauter  töck- 
ier  gezeugt  werden  wurden. 

3.  ist  die  braut  verlobt,  so  wird  ihr  ein  rother  faden  um  den  leib  ge- 
bunden, und  wenn  die  trauung  vollendet  ist,  mufs  sie  sich  dergestalt 
aufblähen,  dafs  der  fndeu  zerreifst.  dies  ist  ein  sicheres  mittel  gegei 
schwere  entbindungen. 

4.  an  manchen  orten  laufen  die  jungen  ehleute  band  in  band,  mit 
gröfster  geschwindigkeit  aus  der  kirche  t  am  einen  schnellen  fortgang 
ihrer  Verrichtungen  zu  bewirken. 

5.  fällt  die  braut ^  nachdem  sie  abgeholt  worden,  unterweges^  so  be- 
deutet das  frühen  tod  ihrer  drei  oder  vier  ersten  kinder. 

6  sieht  mau  den  bräutigam  zu  pferde  kommen,  so  beeilt  man  sich  ihai 
den  sat/elgurt  zu  lösen,  auch  dies  soll  bei  seiner  künftigen  frau  leichte 
geburt  befördern. 

7.  man  hütet  sich  eine  braut  durch  die  pforle  aoszufubren,  dnrc^ 
welche  kurz  vorher  eine  leic/ie  ausgetragen  wurde. 

8.  wird  die  braut  eingeholt,  so  darf  sie  keiue  ketten  und  schellen  aa 
sich  tragen ,  sondern  mufs  mit  feierlicher  stille  eingeführt  werden ; 
sonst  bekommt  sie  unruhige  kinder. 

9.  gleich  nach  geendigter  trauung  heht  der  stärkste  unter  den  anver- 
wandten  oder  gasten  den  bräutigam  und  die  braut  in  die  hohe^  ua 
dadurch  ihr  ehglück  zu  vermehren.  **) 

10.  sobald  das  neue  ehpaar  das  haus  betritt  r  mufs  auch  ein  wächt^r 
geraume  zeit  bei  dem  hausfeuer  zubringen ,  damit  ihm  kein  fremder 
nahe,  und  geheimen  zauber  zum  weh  der  ehleute  veranstalte. 

11.  die  junge  ehfrau  wird  gleich  nach  ihrem  eintritt  durch  alle  thdle 
des  hausen  geführt,  durch  Stuben,  kammem,  badstuben,  stalle,  gärten, 
und  ist  verptlichtet  in  alle  theile ,  ja  selbst  in  den  brunnen  und  ins  feuer 
bänder  oder  geld  zu  werfen ,  Wenn  sie  das  glück  und  den  seegen  ihres 
manues  liebt. 

12.  wenn  sie  sich  setzt,  gibt  man  ihr  ein  Und  männlichen  gescIJeckit 
m  den  schofs,  um  sie  dadurch  zum  knabengebähren  fähig  zu  otacbeo. 

1 3.  in  einigen  gegenden  hatte  man  wälirend  des  hochzeitgelags  die  ge- 
wohniieit,  obenvärts  wo  bräutigam  und  braut  sitzen,  zwei  degen  in  die 
wand  zu  stoßen^  wessen  degen  die  längste  Schwingung  behidty  der 
lebt  am  längsten, 

14.  bei  der  mahlzeit  geht  man  mit  dem  bier  vorsätzlich  verschwende- 
risch um,  und  p,iejst  es  bald  hie  bald  dahin  aus ;  damit  auch  bei  dem 
neuen  ehpaar  uberüufs  eintrete. 

15.  wer  von  den  neuen  ehleuten  zuerst  einschläft^  stirbt  zuerst. 

16.  regen  am  Hochzeitstag  bedeutet  der  braut  häufiges  weinen. 

17.  beim  hociizeitsmahl  stellt  man  zwei  lichter  vor  bräutigam  und 
braut,  wessen  liclit  von  selbst  zuerst  erlisctit,   der  mufs  zuerst  sterben. 

18.  der  diener  des  bräutigams  nimmt  ein  gnnzes  brot,  schneidet  etnen 
kleinen  bissen  davon,  bestreicht  ihn  mit  butter  und  gibt  ihn  der  braut 

•)  etwas  über  die  Ehsten.  Leipz.  1 788.  p.  55—88.  aus  HopeU 
topogr.  nachr.  von  Lief  und  Ehstland.  Riga  1777.  2,  134—145  «»* 
nnni.  93—99. 

••)  RA.  433. 


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ABERGLAUBE  ^         cxxt 

in  den  mund.  dies  8o)l  ibren  künftigen  kindern  glatten ,  kleinen  mund 
ver^haffen. 

19.  \fird  die  junge  fmu  in  des  mannes  fians  eingebracht,  so  reiftit  man 
den  zäun  auf  beiden  Seiten  des  eingangs  nieder,  dnmit  sie  schnell  ohne 
liindernifs  und  anstofs  einfahren  könne,  dann  wird  auch  ihre  entbindung 
leicht  von  statten  gehen. 

20.  schwangere  weiber  Imten  sich  beim  einheizen  das  holz  nicht  ge- 
gen die  äste  in  den  ofcn  zu  werfen,  weil  ihnen  sonst  das  gebaren  sauer 
werden  würde. 

21.  bei  schweren  entbindungen  fordert  es,  wenn  der  ehmann  über  sein 
uM  steigt, 

22.  keine  scliwangere  setzt  sich  auf  ein  wassergefäfs ,  sie  würde  gc- 
fahr  laufen,  \\g\  t achter  zu  gebären,  oder  ihre  frucht  konnte  im  Was- 
ser umkommen. 

23.  niesen  zwei  schwangere  weiber  zusammen,  so  bringen  sie  töchter 
zur  weit;  das  niesen  zweier  männer,  deren  weiber  schwanger  sind, 
weissagt  beiden  söhne» 

34.  beim  brodinschneiden  schneiden  scliwangere  mütter  zuvor  .einen 
sehr  kleinen  bissen ,  um  ihren  kindern  einen  schönen  kleinen  mund  zu 
rerschaffen. 

25.  in  der  mitte  der  Schwangerschaft  wöchentlich  einmal  die  basteln 
(^bastschnhe)  zu  wechseln  und  kurz  vor  der  niederkunft  dreimal  salz 
hinter  sich  zu  werfen  erleichtert  das  gebären. 

26.  niemand  trete  über  die  füfse  schwangrer  weiber,  die  kinder  be- 
kommen sonst  krumme  ungestalte  füfse.  - 

27.  das  neugeborne  kind  wird  den  bänden  der  mutter  niclit  sogleich 
übergeben,  sondern  erst  vor  ihre  füfse  gelegt,  damit  ihr  linker  fufs  des 
kindes  mund  berühre,    dann  wird  es  nicht  widerspenstig  werden. 

28.  badwasser  des  nengebomen  kindes  giefst  man  an  den  einsamsten 
ort;  aus  furcht,  wenn  es  viele  menschen  betreten,  werde  das  kind  ge- 
ringgeschätzt und  veraclitet  werden. 

29.  die  wehmutter  hat  mit  dem  neugebomen  kinde  bald  nach  der  ge- 
burt  die  oberstelle  am  tisch  einzunehmen ;  das  bringt  dem  kind  gröfsere 
achtung  zu  wege. 

30.  man  darf  nichts  über  den  köpf  des  kindes  hinaus  reichen,  sonst 
wächst  es  nicht,  sollte  es  nnvorsichtigcrweise  geschehen,  so  ziehe  man 
des  kindes  haare  am  scheltel  in  die  höhe. 

31.  wonach  ein  kind  zuerst  greift,  das  zeigt  seine  künftige  liebÜngs- 
Beschäftigung  an. 

32.  wenn  das  kind  zum  erstenmal  in  die  wiege  gelegt  wird,  pflegt  man 
ihm  ein  messer^  einen  kreuzschlüssel  und  etwas  rothes  garn  zur  Seite 
zu  legen,     dadurch  wird  es  gegen  Zauberei  geschützt. 

33.  erfolgt  die  geburt  des  menschen  an  einem  der  letzten  Wochentage^ 
so  zeigt  das  an,  es  werde  gar  nicht  oder  spät  verheirathet  werden. 

84.  gebiert  eine  ehfrau  lauter  knaben,  so  wird  krieg,  gebiert  sie  lauter 
töchter,  friede  geweissagt. 

35.  besucht  ein  beichtvater  einen  kranken  >  so  achtet  man  auf  die  hal- 
tnng  seines  pferdes,  wenn  er  sich  nähert,  geht  das  pferd  mit  gesenkt 
lern  köpf  einher,  so  verzweifelt  man  an  der  genesung  des  kranken.  *) 

36.  ein  leichenzug  darf  schlechterdings  nicht  über  einen  acker  gehen» 
wenn  er  auch  brach  liegt. 


*)  vgl.  Hupel  topogr.  nachr.  2,  146. 

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cxxii  ABERGLAUBE 

87.  dem  leicbnam  pflegt  bürste  ^  geld,  nadeln  ond  zu^im  belgdegt  m 
werden,  einige  bürsten  den  köpf  des  todten  ond  legen  die  bürste  nebet 
ihn ,  um  ihm  nitie  su  verschaffen. 

38.  in  manchen  haus  pflegt  man  nach  und  nach  so  viel  nä^l  in  dU 
ihürschwelle  zu  schlagen^  als  leute  aus  dem  hause  gestorben  sind. 

39.  den  wagen  worauT  ein  todter  weggebracht  worden,  läfst  man  niciit 
unmittelbar  darauf  innerhalb  der  pforte^  sondern  eine  Zeitlang  aufser- 
halb  derselben  stehen ;  sonst  folgen  mehrere  glieder  der  familie  nach. 

40.  alles  st  roh  worauf  der  kranke  gestorben  ist,  wird  weggeworfea 
und  verbrannt,  man  beachtet  dann  welche  fujsstapfen  sich  in  d^r 
asche  (des  Strohs)  finden,  um  hieraus  auf  den  nächsten  verlust  eines 
menschen  oder  thiers  zu  schliefsen. 

41.  stirbt  einer  im  neumondy  so  raubt  er  das  gänzliche  gluck;   stirbt 
•  er  In  der  fasten^  so  wird  sein  begräbnis  so  einfach  als  moglicb  voll- 
zogen. 

42.  am  tag  aller  seelen  hält  jede  familie  ein  gastmahl  für  die  abge^ 
schiednen  glieder,  und  die  gottesäcker  werden  besucht,  in  eiifigei 
gegenden  setzt  man  für  die  verstorbnen  speisen  auf  den  fiiCibodeD  einer 
eignen  stube.  In  diese  stube  gieng  spät  abends  der  hausvater  mit  en 
nem  pergel  (langgespaltnen  brennenden  holz)  und  forderte  die  vet^ 
storbnen  freunde  namentlich  zum  essen  auf.  nach  einiger  zeit,  wann  er 
glaubte  dafs  die  seelen  sichs  gut  hatten  schmecken  lassen,  gebot  er  ih- 
nen unter  Zerschlagung  seines  pergels  auf  der  thürschipelle  sich  wieder 
nacfi  ihrem  orte  zu  begeben,  aber  sich  zu  hfiten  unterwegs  den  rockea 
zu  vertreten,  entsprang  miswachs,  so  wurde  es  der  mangelhaftes  be- 
wirtung  der  seelen  zugeschrieben.  *) 

43.  mit  dem  jüngsten  tag  verbindet  der  Ehste  die  Vorstellung,  daCi  sich 
beim  allgemeinen  Weltuntergang  alle  kirchen  im  stürze  nach  der  nord- 
seite  neigen  werden,  er  hält  es  daher  (ur  schrecklich,  auf  dieser  seile 
des  kirchhofs  begraben  zu  werden. 

44.  vor  der  taufe  legt  man  dem  kind  ein  gesangbuch  unter  den  kopt 
unterhält  auch  ein  feuer  bei  demselben  um  dadurch  den  teufel  so  btk- 
nen  und  von  der  verwechslmig  des  kindes  abzuhalten. 

45.  wahrend  der  taufe  heftet  man  den  blick  auf  den  täoflüig  und 
forscht,  ob  er  während  der  haodlung  den  köpf  in  die  höhe  richte  oder 
sinken  lasse,    in  jenem  fall  wird  er  lange,  in  diesem  kurz  leben. 

46.  der  vater  des  täuflings  lauft  zuweilen  unter  der  taufe  eilfertig  um 
die  kirche,  wodurch  dem  kinde  die  gäbe  des  geschwinden  laufens  mitge- 
ttieilt  werden  soll. 

47.  können  sie  durch  bestechung  des  küsters  zuweilen  das  tauf*easser 
erhalten,  so  giefsen  sie  es  längs  der  wand  in  die  höhe,  der  täufliog 
wird  dann  zu  hohen  ehren  gelangen. 

48.  während  der  taufe  soll  man  niclu  reden ,  sonst  redet  das  kiod  in 
schlaf. 

49.  unmittelbar  nach  einer  leiohbestattung  soll  man  nicht  taufen 
lassen,  sonst  Tolgt  das  kind  dem  todten  nach, 

50.  dem  täufling  läfst  man  die  bände  frei^  so  wird  er  fleifsig  und  ge- 
schwind. 

51.  gevatter  sehen  aich  während  der  taufe  mcht  um^  ^onsi  sieht  du 
kind  gespenster. 


*)  ausführlicher  bei  Thom.  Hiärn  1,  49. 

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ABERGLAUBE  cuin 

52.  Tiele  biuden  ringe  an  die  windeln  des  Uiannlichen  taufliogs,  so 
wird  er  frühe  heiraten. 

53.  *  am  ^burtstage  eines  kinds  lafst  man  ungern  ein  andres  taufen. 

54.  manciie  mischen  in  den  anzug  des  täufllngs  unvermerkt  geldy  hrot 
und  knoblauch'y  die  beiden  erj»ten  werden  ihm  dann  nie  fehlen,  derknob- 
lauch  bewalirt  vor  zauberet. 

55.  schlaf  des  täußings  bedeutet  seinen  nahen  tod. 

56.  werden  weibliche  kinder  oline  gesellschaft  von  männlichen  zur  taufe 
getragen,  so  bJeiben  sie  lang  oder  ganz  ohne  mänuer. 

5T.  kein- gevatter  i/i/  unmittelbar  vor  der  tauie  Jleisi  h,  sonst  bekommt 
der  täuÜiug  zahn  weh. 

58.  eitern,  deren  erste  kinder  sterben,  legen  den  neuen  die  namen 
^dam  und,  Eva  bei ,  so  bleiben  sie  beim  leben,     (vgl.  LXVllI,  26.) 

59.  freitags  läfst  man  nicht  taufen,  wohl  aber  donnerstags ,  an  ihm 
ist  die  taufe  kraftiger. 

60.  ein  kind  am  freitag  getauft  wird  ein  boswicht  und  kommt  dem 
henker  unter  die  bände. 

61.  der  donncr  entsteht,  u-enn  gott  dem  teuf el  nachsetzt^  ihn  erreicht 
und  niederschmettert,  mau  macht  während  dem  gewitter  thür  und 
feuster  zu,  damit  der  gejagte  tenfel  sich  nicht  ins  haus  flüchte,  und 
da  ihn  gott  immer  ereilt,  dieses  vom  donner  getroffen  werde. 

62.  einige  befestigen  wälirend  dem  gewitter  zu^ei  messer  vor  einem 
hausfenster,  um  sich  vor  dem  einschlagen  zu  sichern. 

63.  manche  wenn  sie  im  jähre  zuerst  donnern  -hören ,  nehmen  einen 
stein^  schlagen  sich  dreimal  vor  den  köpf,  und  bleiben  dann  das  jähr 
über  frei  von  kopfschmerz. 

64.  was  vom  wetterstrahl  getroffen  wird,  betrachten  sie  nachdenklich, 
besonders  aber  gewisse  grofse'  gespaltne  steine,  sie  glauben,  der  teu^ 
fei  habe  sich  in  oder  unter  dieselben  gefachte t  und  sei  daselbst  ereilt 

uud  erschlagen  worden. 

65.  den  regenhogen  halten  viele  für  die  sichel  des  donners,  welche 
von  ihm  zur  lesirafung  böser  untergottheiten  gebraucht  werde,  die 
den  menschen  scliaden  wollen. 

66.  viele  halten  dafür,  den  wind  könne  man  hervorbringen  und  ver- 
ändern,  zu  dem  ende  hieng  man  nach  der  gegend,  woher  man  den 
wind  wünschte,  eine  schlänge  auf,  oder  richtete  ein  beil  auf,  und  suchte 
ihn  durch  pfeifen  herbeizulocken, 

67.  unerwartetes'  geräusch  in  der  neujahrsnacht  weissagt  den  tod 
eines  hausbewohners. 

68.  wilden  thieren  legt  man  gern  umschreibende  namen  bei,  und  ver- 
meidet ilire  üblichen,  wenn  man  von  ihnen  reden  mufs.  Den  fuchs 
nennen  sie  Ilallkuhb  (graurock),  den  baren  Layjalgk  (breitfufs.) 

69.  wird  das  vieh  zuerst  im  jähr  ausgetrieben,  so  graben  sie  unter 
tlie  schiifelle  über  welche  es  zuerst  treten  mufs,  eier^  wodurch  alle« 
Ungemach  von  ihm  gebannt  wird,  bei  einer  eingerissenen  Viehseuche 
entdeckte  man,  dafs  sie  ein  stück  vo7i  der  heerde  unter  die  stallthür 
vergruben^  um  dem  tode  ein  opfer  zu  bringen  und  dem  viehsterben 
ende  zu  machen. 

70.  wenn  das  vieh  von  der  weide  kommt  und  noch  gras  hauet  ^  so 
steht  heumangel  bevor. 

71.  den  woIf  wei^t  man  dadurch  auf  andren  weg,  dafs  man  salz  in 
seine  s/ur  streuet. 

72.  starkes  wulfsgeheul  am  frühen  morgen  weissagt  pest  oder  hun- 
gersnoth. 


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cxxiT  ABERGLAUBE 

78.    in  älterer  zeit  glaubten  die  Ehsten  bei  starkem  geheale  der  wOUe, 

diese  thiere  riefen  goft  um  nahrung  an  und  er  werfe  ihnen  hierauf 

klumpen  aus  den  wölken  zu, 

74.    raubt  der  woIf  ein   schaf  oder  scliwein ,  so  läßt  man  elu^as  roo 

dem  anzug  oder  von  den  in  der  tasctie  befindlichen  sacben  fallen^  ond 

glaubt,  der  wolf  müsse  dann  auch  seine  last  zu  schwer  finden  und  das 

geraubte  thicr  fallen  lassen. 

75*     einige    tragen  das   aufserste   eines  ßHgcls   von  einem    huhn   bei 

sich  und  halten  das  für  ein  mittel  frühes  aufstehen  zu  befördern. 

76.  den  uamen  des  hosen  nennen  sie  nicht  gern  oft,  »ie  meinen  er 
werde  dadurcli  beigelockt,  ihrem  rockengrase  schaden  zu  thun. 

77.  schleppt  ein  hahn  oder  huhn  im  hofe  im  gelien  einen  stro/ikaim 
nach  sich ,  so  bedeutet  es  baldige  leiche  im  haus ,  und  das  gescbleclit 
des  sterbenden  richtet  sich  nach  dem  hahn  oder  Imhn. 

78.  ein  huhn  kann  zum  eierlegen  rermodit  werden,  dadurch  daGs 
mnn  es  mit  einem  alten  hesen  schlägt. 

79.  einige  legen  beim  ersten  austreiben  des  viehs  ein  ei  vor  die 
stallt hüre ;  welches  thier  das  ei  zertritt ,  ist  zum  tode  reif  und  mai 
sucht  es  zu  verkaufen. 

80.  sie  verkaufen  gejrne  die  ersten  halber  junger  kulie,  wenn  die  wirttn 
das  erste  kind  ihrer  mutter  ist     denn  das  kalb  kann  nicht  gedeihen. 

81.  das  eben  ab  oder  angespannte  joch  soll  man  nicht  auf  blol^e 
erde  legen,  sonst  reibt  und  verwundet  es  den  ochsen. 

82.  feuersbrunst  glaubt  man  dadurch  zu  hemmen,  dafs  man  ein 
schwarzes  lebendiges  huhn  als  opfer  in  die  Jlamme  wirft, 

83.  beim  ausfegen  der  körn-  und  mehlkasten  soll  man  einen  kleinen 
rest  liegen  lassen,  sonst  zieht  es  nnsegen  nach  sich. 

84.  kein  bauer  gibt  mit  gleichgültigkeit  erde  von  seinem  acker,  er 
wahnt  auch  einen  guten  tlieil  seines  segens  mit  wegzugeben. 

85.  man  soll  keinen  über  seinen  gurt  steigen  lassen^  es  zieht  die 
kratze  nach  sich. 

86.  man  hütet  sich  mit  dürren  reisern  geschlagen  ZR  werden,  es 
zieht  auszehrung  oder  magerkeit  nach  sich. 

87.  von  JieuangescfuiiHtiein  brot  wirft  man  ettfas  beiseite,  aus  vollem 
trinkgeschirr  iäfst  mau  ei/uf^e  tr opfern  mit  Jhifs  auf  die  erde  fallen; 
es  ist  dem  unsichtbaren  geiste  gebracht. 

88.  viele  wirte  sehen  scheel  dazu,  wenn  man  die  tiefe  ihrer  brunaea 
zu  erforschen  sucht;  weil  dies  das  austrocknen  des  brunnens  zor 
folge  hat 

89.  man  gibt  nidit  gern  alles  geld  auf  einmal  aus  dem  beutel;  isU 
nicht  zu  vermeiden ,  so  lasse  man  seinen  speichel  in  den  beutel  (alles. 

90.  waschhölzcr  nimmt  man  Sorgfaltig  vor  dieben  in  acht,  weil  ihr 
Verlust  mangel  an  asche  nach  sich  zieht 

91.  wenn  die  viehhirten  das  erste  mal  im  jähr  heimtreiben,  werden 
sie  bei  der  ankunft  mit  wasser  benetzt  \  es  soll  dem  vieh  erspriefs- 
lieh  sein. 

92.  zur  Saatzeit  keine  schüfe  zu  scheren^  weil  dann  die  wolle  aidit 
recht  wieder  wächst 

93.  vom  wagen  gefallnen  mist  nicht  wieder  aufzuheben;  er  bringt 
Ungeziefer. 

94.  beim  rupfen  des  flachses  redet  man  tiicht^  antwortet  und  dukt 
nicht  auf  frage  und  grufs;  sonst  gedeiht  der  flachs  nicht. 

95.  stirbt  dem  bäuer  in  der  neuen  wohnung  zuerst  ein  thiet  mit  rau- 
chen füfsen,  so  ruht  segen  auf  dem  haus ;  ist  es  aber  ein  geßügel  mti 


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ABERGLAUBE  cxxv 

unbedeckten  fußen,  $o  wird  er  tranrig,  fQrchtet  armnt  und  rücfcgang 
in  seinen  Unternehmungen. 

96.  abends  beim  üchtanzunden  seufzt  das  volk,  und  kreuzigt  sich. 

97.  so  oft  sie  etwas  schlachten,  wäre  es  nur  ein  huhn,  legen  sie  eia 
xtück  davon  hinter  den  viebstall  zum  ojyfer. 

98.  auf  die  böse  stelle,  wo  ein  haus  abbrannte,  bauen  sie  kein  neues; 
v/\vA  bei  leguug  des  grundbalkens  durch  beischlag  irgendwo  ein  funke 
sichtbar,  so  weissagt  das  neuen  brand,  und  sie  suchen  eine  andere 
bausteile. 

99.  an  die  stelle^  wohin  ein  viehstall  gebaut  werden  soll,  legen  sie 
vorher  läppen  und  kräuter:  kriechen  schwarze  ameisen  darauf,  so  ists 
ein  gutes  zeichen,  sind  es  rotfie  ameisen,  so  erscheint  der  ort  zum 
bauen  untauglich. 

100.  irirbeiivind  ist  buser  geister  werk:  wo  sie  staub  zusammentrei- 
ben seilen ,  werfen  sie  steine  oder  ein  messer  mitten  in  den  Wirbel, 
und  verfolgen  ihn  mit  geschrei. 

101.  bei  der  trauuiig  tritt  die   braut  auf  den  fufs  des  brautigams,  ■ 
damit  sie  nicht  von  ihm  unterdrückt  werde. 

102.  rot  he  streifen  am  liimmel  zeigen  an,  dafs  der  drucke  auszieht, 
dunkle  färbe  der  wölken,  dafs  er  mit  beute  heimkehrt.  Sternschnuppen 
sind  kleine  dracben. 

n.     aber  glaube  der  Litthauer*  "*) 

1.  wenn  der  alb  rot  he  färbe  hat,  bringt  er  den  leiiten  gold,  wenn 
hlaue  getraide  oder  unglück. 

2.  es  ist  nicht  gut,  wenn  eine  leiche  so  steht,  dafs  sie  im  Spiegel  zu 
sehen  ist,  einige  sagen,  der  todte  stehe  auf  und  beschaue  sich  im  Spie- 
gel, den  man  daher  lieber  verhängt. 

:3.  neujahrsabend  werden  neunerlei  dinge  %  geld,  wiege,  brot,  ring, 
todteiikopf,  alter  mann,  alte  frau,  leiter,  Schlüssel  von  teig  gebacken, 
unter  neun  einzelne  teller  gelegt  und  jeder  greift  dreimal  darnach, 
was  er  bekommt  wird  ihm  das  jähr  über  zu  tbeil  werden. 
4«  denselben  abend  nimmt  jedes  mädchen  u^erg  oder  Jlachs,  rollt  eine 
kugel  daraus,  zündet  sie  an  und  wirft  sie  in  die  hohe  wessen  kügel- 
chen  am  höchsten  steigt  oder  am  längsten  brennt,  die  wird  im  kom- 
menden jähr  heirathen. 

5.  wenn  man  zu  fastnacht  spinnt,  so  geräth  der  flachs  nicht,  fährt 
man  aber  diesen  tag  spazieren,  so  bekommt  man  guten  flachs,  durch 
ganz  Litthauen  wird  an  diesem  tage  gefahren,  thut  es  die  herrscliaft 
selbst  nicht,  so  läfst  man  die  dienstboten  fahren. 

6.  erbsen  säe  man,  wenn  der  wind  aus  einer  weichen  (d.  i.  regen- 
bringenden) gegend  weht,  dann  lassen  sie  sich  gut  kochen, 

T.     gras,  im  neuen  lichte  abgemäht,  frifst  das  vieh  nicht  oder  ungern. 

8.  der  tod  des  hauswirts  oder  der  hauswirtin  mufs  den  pf erden  durc^i 
klingeln  mit  den  schlüsseln,  auch  dem  andern  vieh,  besonders  den  bie- 
nen  angezeigt  werden,  weil  sonst-das  vieh  fallt,  die  bäume  eingehn,  die 
bienen  aussterben  oder  wegziehen. 

9.  lauft  ein  hase  quer  über  weg,  so  bedeutet  es  unglück;  hingegen 
ein  fuchs  glückliche  reise  und  gute  uachrichten. 

10.  wer  charfreit^gs  eine  nadel  in  die  band  nimmt,    den  verfolgt  das 


')  Besseldt  in  Buschings  wöcli.  nachr.  b.  3.  Uresl.  1B17  p.  223.  339. 

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cxxvi  BESCHWÖRUNGEN 

gemtter,  (vgl.  deutsch,  abergl.  43.)  jede  arbeit  an  diesem^  tag  ist 
unheilbringend. 

11.  Diädchen  mdssen  bei  abnehmendem  lichte  entwöhnt  werden,  sonst 
bekommen  sie  einen  zu  grof^en  biisen ;  knaben  in  vollem  lichte ,  daniit 
sie  grofs  und  stark  werden,  alle  kiuder  dürfen  aber  niclit  beim  tv- 
gelzuge  entwöhnt  werden,  sonst  werden  sie  unruhig  und  unstät. 

12.  wenn  jemand  nach  einem  besuch  wegfahrt,  darf  stube  und  haos- 
flur  nicht  sogleich  gefegt  werden,  das  würde  dem  reisenden  ungl&ck 
bringen. 


BESCHWÖRUNGEN- 

•L     ags.  Segensformel  gegen  stichsciunerz.    Hai  ley  ms. 
no.  585.  foL  186  (milgetheilt  von  Frice.) 

Vidli  faerstice  feferfuge,  aad  seo  leadejaelele,  ihe  thurli 
heai'Ji  *)  invyxdh,  and  vegbra^de  vylle  in  bulerau. 

Hlüde  vaeron  Li  Id  hli\de, 

thd  lii  ofer  tlione  hl»v  ridon  ; 

\ajron  dnmöde, 

ihd  ht  ofer  land  ridon. 
5.     scyld  tliü  tlie  nu   ihA, 

tliißne  nidh  genesan  niöie. 

lit  lylel  spere, 

gif  her  inne  siel 

8tüd  linder  linde, 
10.     imder  leohtiim  scylde, 

thoer  iha  nühtigan  \i{ 

liyia  mägen  bcriuddou, 

and  hl  gyllende 

gdras  sendou. 
15.     ic  hini  odherne 

eft  viile  sendau 

fleogende  fldu 

forane  ii)  geaues. 

i\t  lytel  spere, 
20.     gif  hit  inne  sie  ! 

sät  smidh,  slöh  seax  lylel, 

tserna  vund  svidiie. 

üt  lylel  spere, 

gif  her  inne  sie! 
25.     sex  smidhas  siiiton, 


•)  es  steht  liarn ,  das  ich  ebenso  wenig  fasse. 

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BESCHWÖRUNGEN  cix?ii 

valspera  vorbton: 

üt  spere,  nees  innspere, 

gif  her  inne  sie, 

tsernes  dnel, 
'  30.     Iiägtessan  geveorc. 

hit  öceal  gemyltan, 

gif  thA  vaere  on  feU  scoteu, 

otbllie  vnere  on  flfesc  scoten, 

othtlie  VcTre  on  blöd  scoten, 
35.     otbtbe  vaere'  on  lidb  scelen. 

noßfre  ne  ßi  tbin  Itf  Staesed, 

gif  bit  \vere  6sa  gescot, 

otbtbe  hit  vaßre  ylfa  gescot/ 

otbtbe  bit  vaere  hägtessan  gescot. 
40.     nu  ic  ville  tbtn  belpan: 

tbis  tbe  t^  böte  ^sa  gescotes, 

tbis  tbe  tö  böte  ylfa  gescotes^ 

Ibis  te  tu  böte  hägtessan  gescotes, 

ic  tbin  \ille  belpan. 
45.     Ileo  tbacr  on  f)Tgen ! 

beäfde  bal  vestu, 

belpc  tbtu   drylUen  ! 
liiinm  tbone  tbäl  seax,    Mo  on  vailan. 

II.     ags.  aegen  zur  fruchtbar  machung  der  ä-cler.     Ox- 
ford ms.  no.  5214  (Jim.  103).  *) 

Her  18  seo  bot,  hü  tbü  meabt  tbtne  äceras  b^tan,  gif  bt 
nelladb  vel  veaxan,  odbdlie  thaer  bvilc  ungedefe  tbing  on- 
gedöa  bidb,  on  dr^"  odbdbe  on  lybldce. 

Genim  thonne  on  niht^  ajr  hit  dagige,  feover  tyrf 
on  feover  healfa  thas  landes,  and  gemearca,  hü  b!  i«r 
stiidon.  nim  thonne  ele  and  liunig  and  beorman,  and  ael- 
ces  feos  meolc,  tbe  on  thaem  lande  si,  and  aelces  treov- 
cynnes  doel,  tbe  on  thaem  lande  st  geveaxen,  bätan  heardam 
beämari,  and  aelcre  namcudbre  vyrte  dwl,  butan  glappan 
änom ;  and  do  ibonne  bdiig  väter  thacron ,  and  dr;J^p€ 
thonne  thriva  on  tbone  stadbol  tliara  turfa^  and  cvedlie 
ibonne  tliis  vord:  ^crescite,  veaxe,  et  multiplicamini,  and 
gemänigfealde,  et  ropletc,  and  gefylle,  terram,  th'Ss  eordhan, 
in  nomine   patris   el    filii  et    spiritus  saiicti  bcnedicti ,    and 


*)  zuerst  gedruckt   in  Nyerupa  symb.  1 17 ;    daao  io  Raskä    ags. 
sprogl.  157;  zuletzt  iu^Tborpcs  analecta  p.  1T9. 


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ci&vui  BBSCHWÖaUNGBN 

pater  noster,  evd  oft  evä  tliät  odker.  and  bere  sidfadhan 
th4  turf  to  cyrcean,  and  mcssepreoet  usinge  feover  mc5san 
ofer  th^  tuiTon,  and  vende  man  tliät  gr^ue  tu  tliam  reo- 
fode.  and  sidlidliau  gebringe  man  lliu  turf  ^  tlia»r  hj  an* 
vacron  an*  sunnan  seügauge,  and  habbe  lUm  gevorlit  of 
cvicbeame  feover  Cliristes  maelo,  and  avrile  on  telcou  ende 
Maitlieus  and  INIarcus,  Lucas  and  Johannes,  lege  üiät 
Cristes  moel  on  tbone  pyt  neodlieveardue,  cvedhe  tlionne: 
crux  Matlheos ,  criix  INlarcus ,  crux  Lucas ,  crux  Johannes« 
nim  thonne  thd  turf  and  sette  Uuer  ufon  on,  and  cvedhe 
thonne  nigon  sidlion  thaes  vord:  crcscile.  and  svä  oft 
pater  noster.  and  vende  tlie  thonne  edatveard^  and  on- 
tut  nigon  sidhon  eädmödlice,  and  cvcdh  thonne  thäs  vord : 

eastveard  ic  stände, 

^ena  ic  me  bidde, 

bidde  ic  thonc  meeran  dne, 

bidde  ich  thone  miclan  dryhlenj 
5.    bidde  ic  thone  h41igan 

heofonrices  veard, 

eördhan   ic   bidde 

and  uplieojon^ 

and  tliä  sudhan 
1^*     sancta  Mar  lau  ^ 

and  heofones  meaht 

and  lieahreced, 

thät  ic  möle  this  gealdor, 

mid  gife  dryhlnes, 
15.     tödhum  onlj'^nan 

thurh  trumue  getliauc, 

aveccan    ihäs  vastmas  * 

US  to  voruldnylte, 

gefyllan  thas  foldaii 
20.     med  faste  geleafau, 

vlitigian  thas  vangturf; 

svÄ  se  vttega  cvädh, 

thät  se  häfde  are  oa  eordhrke 

sc  the  ajlmyssan 
25.     doclde  dömlice, 

dryhtnes  thances. 
Vende  tlie  tlionne  tfiriva  suugauges.  astrece  the  thonne  on 
andlang;  and  aiim  thair  Iclanias,  and  cvedh  tlionne  'saDC- 
lus,  sanclus,  sanctus'  odh  ende,  sing  thonne  •beucdicüe' 
äthenedon  earmon,  and  ^magnilicat'  and  ^aler  noster',  aad 
bebeod  hit  Criste    and   sancta  Marian,    and   thasre  htilgau 


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BESCHWÖRUNGEN  cxxix 

rode,  td  lofe  and  tö  veordhinga,   and  tbäm  tö  ftre  the  tliäl 
laiid  äge,  and  eallon  tlidm  the  liim  undertheodde  eint. 

Tlionne  that  eall  st  gedi^n,  thonne  nime  man  uncudh 
sced  ät  celmesmannum  j  and  seile  him  tv4  svylc  svylce 
itlan  ät  him  nime  y  and  gegaderie  ealle  his  sulhgeteogo  tö 
gädere.  borige  tlioune  on  tham  beame  sldr  and  finol  and 
gehdlgode  sdpan,  and  gehälgod  sealt.  nim  thonne  thät  soed^ 
sete  on  thaes  sules  bodig.    cvedh  thonne: 

Erce^  erce,  ercCf 

eord/ian  mödor^ 

geunne  the  se  alvealda 
30.     Ice  dryhteu 

äcera  veaxendra 

and  yridhendra^ 

e^cniendra 

und  einiendra ; 
35.     sceafta  hen  (?) 

8e  scire  västma, 

and  thaere  brddan 

bere  västma^ 

and  theere  hvttan 
40.    hvaete  yästma, 

and  eah*a 

eordhan  västma« 

geunne  him  '     '  \ 

icc  diyhten, 
45«    and  his  hüige 

the  on  heofonom  sint^ 

thät  his  yrdh  si  gefridhod 

vidh  ealra  feonda  gehvcene^ 

and  heo  st  geborgen 
50.    vidh  eah^a  bealva  gehvylc, 

thdra  lybläca 

geond  land  saven« 

nu  bidde  ic  thone  vealdend^ 

»e  the  thds  veoruld  gesceop, 
55.     thät  ne  st  td  thas  cvidol  vif, 

ne  td  thäs  cräftig  man, 

thät  ävendan  ne  mäge 

vord  thus  geevedene! 

thonne  man  thä  snlh  fordhdrtfe  and  thä  fonnan  fiirh  on- 
sceote,  cvedh  thonne: 

hdl  ves  thü,  folde 
60.    fira  mödori 

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cxxx 


BfiSCHWÖltüNQBII 


beo  thA  grövende 
on  godes  fädhme, 
födre  gefylled 
firum  td  nyttel 

mm  thonne  aelces  cynnea  meloy  and  Abace  man  z/?/^- 
veardne  handa  brdane  hldf^  and  gecned  hine  mid  .meok« 
and  mid  hdligyätere ,  and  lecge  under  thd  forman  ßirh. 
cvedh  thonne 

65.    fiil  äcer  ftldrea 

fira  cynne 

beorht  blövende, 

thiü  gebl^tsod  veordh 

thäs  hdligan  naman . 
70«    the  th^8  heofon  gesceop^ 

and  thas  eordhan^ 

the  ve  on  lifiadh. 

8e  god  66  thSs  grundas  geyeorbte 

geunne  U8  grdvende  gife, 
75«    thät  US  corna  gehvylc 

cume  tö  nyttel 

cvedh  thonne  thriva  crescite  in  nomine  patrls  benediod, 
amen ;   and  pater  nostep  thriva* 

in.    exorcismus  ad  pecudes  inueniendaa  *). 

Ne  forstolen  ne  forliolen  dAd  nht  thäs  dhe  ic  kgt  ne  mi  tbc 
mihte  Herod  urne  drillten,  ic  getliohte  sce  Eid  fil^nao  aod  k  g«- 
tholite  Crist  OD  rode  4haiigeo.  svk  ic  theace  this  feoh  t6  findiiie, 
näs  td  otlifeorganne  and  td  vttanne.  näs  td  oth\'yrceanne  and  tö 
InfiaDoe.  näs  td  odlilsedanne.  Gdrmund  godes  dhegen  find  tbat  fe«6 
and  Ute  tliät  feoh.  and  liafa  tliat  feoh  and  heald  tliät  feoh  and  Un 
lidm  thät  feoh.  that  he  nsefre  aäbbe  lande«  ttiat  he  bit  odblaede  ne 
foldan  thät  hit  odhferie  ne  hösa  thät  he  hit  odhhealde.  gif  fait 
hvA  gedd  ne  gedige  hit  him  nsefre  binnam  thrim  nihtum.  cunne  ic  iüs 
Boihta  bis  mägen  and  bis  mihta  and  bis  niundcräflas.  eall  he  veora^ 
fvä  er  vudu  i^eorniet  s\k  hredhel  theo  svd  ihistel,  se  dbe  bis  feoh 
odhfergean  tbence.    odhdhe  dbis  orf  odhebtian  dhence.    amen. 

This  man  sceal  cvedhan  dhonne  bis  ceapa  bvilcne  man  forstelenoe. 
cydh  ser  ]ie  «nig  other  vord  cvedhe.  Betblein  liätt»  seo  biirii  dbe 
Crist  on  geboren  väs.  seo  is  gemairsöd  ofer  ealne  middaogeard.  sra 
dheos  d«d  vyrtbe  for  mannum  niaere.  per  cruoem  ^.  aod  f^hidt 
the  thonne  thriva  e-äst  and  cvedh   tbri?a  )}<  ^i  ab  Ofieate  redocit 


•)  m.  IV.  aus  Wanleys  catalog  114.  115  {}%\.  HOb.  186».  198«». 

2r5a)  9   verbessert  nacli  Kemtiles  abschriften.  Noch  viele  audere  af«. 

beschwömngen  wären  aus  hss.  zn    gewinnen,  die  Wanlev    p.  44.  8X 
223.  231.  232.  234.  247.  304.  305  anzieht. 


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BBSOHWÖRUNOBN  cxxii 

and  tliriva  vest  «nd  c?edh.  cnix  xpi  ab  occidente  fedacat  and  thriva  sutk 
and  cvedli  thriva  crax  xpi  a  meridie  reducat.  and  thriva  north  aud.  cvedh 
crux  xpi,  abäcoadita  «uiit  (?  fuit)  et  inventa  est«  Judea«  Crist 
ÄhengoD.  gedidou  him  deda  thA  vyrftau.  hoelon  tbät  hi  forhelaa  ne 
Diihtoo.  svA  nsefre  theos  daed  forholea  ne  vyrtbe«  per  cnicem  xpl. 
Gif  feoh  üy  underaumen.  gif  hit  sy  hors  sing  on  his  feotere  odhdhe 
un  his  bridel,  gif  hit  sy  odkef  feoh*  sing  on  thät  hofrec  and 
outend  dhreo  candela.  and  drfp  on  thät  ofrec  veax  tliriva.  ne  mag 
hit  the  mantia  forhelan.  gif  hit  sy  inorf  sing  on  feouer  healfa  ihät 
hiises  und  oene  on  niidUau.  cnix  xpl  reducat  cnix  xpl  per  furtum 
periit  inventa  est  Abraham  tibi  semitas  vias  montes  coucluHat  Job 
et  flumina  Lutc  tibi  teuebras  iuducat  Jacob  te  ad  iudicium  ligatum 
perdücat 

IV.    Segnung* 

Ic  me  on  thisse  gyrde  beldce  and  on  godes  helde  bebeode  vidh 
tbane  iin  sice  vidh  thaiie  s.ira  siege  vidh  tliane  grymma  gryre  vidh 
thaue  micela  egsa  ttie  bidh  leghvani  Udh  and  vidh  eal  thät  l&dh  the 
in  to  lande  fare.  figegealäor  ic  begale.  sigegyrd  ic  me  vege, 
vordsige  and  veorcsige.  se  me  dege  ne  me  merne  gemyrre.  ne  me 
maga  ne  ge^ivence.  ne  nie  naefre  nünum  feore  forht  ne  gevurdhe.  ac 
gehsele  me  älinilitigi  and  bunu  frdfregäst  ealles  vuldres  vyrdig  drihten. 
svÄsvd  ic  gehyrde  heofua  scyppende  Abrahame  and  Isace  and  svylce 
n&en  Moy^es  and  Jacob  and  Davit  and  Josep  and  Euan  and  Annan 
and  Elizabet  Saharie  and  ec  Marie  mddnr  xps.  and  e&c  thae  ge- 
brOdhru  Petrus  and  Paulus  and  eac  thüsend  thira  engla.  clipige  ic 
me  to  Are  vidh  eallum  feondum.  hi  me  f^rion  and  fridhion  and  mine 
fere  nerion.  eal  me  gehealdon,  men  gevealdon.  vorces  stirende  si 
nie  vuldres  hyht  band  ofer  heafod  hdligra  r6f  sigerofra  sceote  s6dh- 
lastra  engla  biddu  ealle  blldhu  mode  thät  me  beo  hand  ofsr  heäfod» 
Matheus  Iielm,  Marcus  byrne  ieoht  lifes  rdf.  Lucas  min  svurd 
scearp  and  scirecg.  scild  Johannes  vuldre  gevlitegod.  vega  Seraphiii. 
fordh  ic  gefare.  friud  ic  gem^te.  eall  engla  blsed.  eAdIges  Idre. 
bidde  ic  nu  god  sigere  godes  milUe  sidhfat  gddne.  smylte  aud  lihta 
viud  veredhum  vindas  gefrau  circinde  väter  simblige  häledhe  vidh  eal- 
lum feordum.  freond  ic  gemäte  vidh  thät  ic  on  this  älmihgian  (sie) 
mote  belocnn  vidh  thd  lädhan.  se  me  llfes  eht  on  engla  bU  blaed 
gestathel4>d  and  inna  bälre  hand  hofna  rices  blaed  tliä  hvile  the  ic  on 
tliis  life  vunian  m6te.    amen. 

y.    adjuratio  contra  grandinem  (müncluier  lis.  des 
11  Jh.,   cod.  tegems.  372.) 

Signo  te  aer  in  nomine  domini  ....  adjnro  te  diabole  et  angelos 
toos .  • . .  adjuro  tos  . . .  ut  non  feratis  grandinem  neque  aliquam  mo- 
lestiam  in  tenninum  btum,  et  non  habeatis  dicere  coram  deo»  quia 
nemo  vobis  contradixerit.    contradicat  vobis  deus  et  dei  filius,  qui  est 

initium  omnium   creatnrarum.      contradicat   vobis  sancta  Maria 

adjuro  te  Mermeut ,  cum  sociis  tuis,  qui  positus  es  super  tempesta-- 
tem^  per  illius  nomen  te  adjnro,  qui  in  principio  fecit  coelum  et  ter- 
ram.  adjuro  te  Mermeut  per  illius  dexteram,  qui  Adam  primum  ho- 
minem  ad  imaginem  snam  plasmavit.  adjuro  te  Mermeut  per  Jesnm 
Christum  filium  dei  uulcom  ....  conjnro  te  dasmon  et  ^atanas  • .  • .  te 


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cxxxci  BBSCHWOaUNOBN 

conjoro,  ut  non  liabeas  hie  potestatem  io  isto  loco  yd  ii  isto  fico 
nocere  nee  damuum  facere,  nee  tempestatem  admittere  nee  plnviafn 
valeutiMimam  jacere  etc. 

In  dem  deutschen  wettersegen  einer  späteren  miinchner  hs.  (Cgn. 
734.  f.  208):  ich  peut  dir  Fasolt^  dafs  du  das  wetter  rerfirst  (weg- 
führest) mir  und  meinen  nachpauren  an  schaden. 

VI.     (aus  cod.  vindob.  tlieol.  259.) 

D   SPÜRIHAIZO  DICIMÜS. 

si  in  dextero  pede  contigerit.  si  in  sinistro.  ean^^is  minoator. 
si  in  sinistro  pede  in  dextero  aure  rainnatur  sanguis.  AD  VERMIsS 
'  OCCIDENDOS.  Feruina**)  dei  gracia  plena.  tu  habes  triginta  qoui- 
'  que  indices  et  triginta  quinqiie  medicinas.  quando  doniians  ascendit  ad 
coelos  ascendit  memorare  quod  dixit  AD  APES  CONFORMANDOS. 
vos  estis  anciilf  domini,  vos  faciatis  opera  domini.  adjuro  xo&  per 
nomeu  domini  ne  fugiatis  a  fiiiis  hominum.  AD  PüLLOS  DE  NIDO. 
crescite  et  multipliramini  et  vivite  et  impiete  terram.  CONTRA 
SAGITTAM  DIABOLI.  Palamiasit.  paiamiasit.  calamia  insiti  per 
omne  corpus  meum.  per  ista  tria  nomina  per  patrem  et  filiun  ^ 
spiritum  sanctnm.  aius  aias  aius  sanctus  sanctus  sanctus.  in  dei  oomiiie 
cardia  cardiani  de  necessn  propter  illuni  malanwtm  quod  domnus  papa 
ad  imperatorem  transniisit  quod  omnis  homo  super  se  portare  debeL 
AMEN  •.;  TRIB?  VICIB9  DE  HOC  QUOD  SPCRIUAZ  DICÜNT. 
PRIMÜM  PATER  NOSTER.  Visc  flöt  aftar  themo  watare.  rerbrostnji 
sina  vetherun.  thö  gihelida  ina  use  druhtin.  the  selvo  dnihtin.  thie 
thena  visc  gih^lda.  thie  gih^ld  tliat  hers  theru  spurihelti,  CONTRA 
VERMES.  Gang  üt  nessu  niid  nigun  nessiklinou,  üt  faaa  tben» 
margf  an  that  b^n.  fan  themo  böne.  an  that  fi^sg  At  fan  themo  fi^sgke. 
an  thia  hdd  üt  fan  thera  hüd  an  thesa  strdla.    druhtin  werth^  sd. 

(auf  des  blattes  recliter  seite  unten):  Petrus  Micbahel  et  Stepha- 
nus  ambulabant  per  viaoi.  sie  dixit  Michahel.  Stephani  equus  iafes». 
Signet  illum  deus.  signet  illum  Christas  et  erbam  coraedat  et  aquaat 
bibat. 

VII.    contra  malum  malannum  (aus  einer  bonner  hs.  von 
1070 — 1090  in  Wackernagels  wessobr.  gebet  67  —  70.) 

cum  minimo  digito  circumdare  locnm  debes  ubi  apparebit,  bis 
verbis.  ich  bimuniun  dih  suam  pf  gode  jouh  pi  christe.  tunc  fac  criH 
cem  per  medium  f  et  die:  daz  tu  niewedar  ni  gituo  noh  tolc  noh  tot 
boupit.  item  adjuro  te  per  patrem  et  ftlium  et  spiritum  saactom  vt 
ampiius  non  crescas  sed  arescas. 

VIII.     (cod.  vindob.  R.  3282  fol.  32.    12  jk) 

Dere  h^ligo  Chnst  was  geboren  ce  Betieh<!my 
dannen  qnam  er  widere  ce  Jerusalem, 
da  wart  er  getoufet  vone  Johanne 
in  demo  JordAne, 


*)  I.  spurilialz. 
••)  doch  nidit  Frdmtui?  (s.  138.) 


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BE8CEn¥ÖRUNGEN  cxxiiii 

duo  verstnont  der  JordAnU  fluz 

unt  der  sto  runst. 

also  verstant  du  blnotrinna 

durch  des  heiligen  Christes  mlona, 

du  verstaut  an  der  udte 

also  der  Jordan  Ulte 

duo  der  guote  sce  Johannes 

den  heiligen  Christ  toufta. 

verstaut  du  bluctrinna 

durch  des  heiliges  Chrlstes  minna. 

VIIP  reisesegen  (Diut.  2,  70.) 

Ic  dir  ndch  sihe,  ic  dir  nach  sendi  mit  minen  fünf  iingirin  funt^i 
undi  funfzic  engilu  got  dich  gisundi  heim  gisendi ,  offin  si  dir  daz 
sigidort  samt  si  dir  daz  sUgidor  (s.  I.  für  selgidor,  oder  saeldedor?) 
bislozin  st  dir  daz  wägidor ,  sami  si  dir  daz  uMfindor,  **)  des  guotin 
sandi  Uolrichis  segin  vor  dir  undi  hindir  dir  undi  obi  dir  undi  nebin 
dir  si  giddn,  swä  dd  wonis  undi  swä  du  sfs,  daz  d&  alsi  guot  fridi  si, 
aisi  dA  waeri ,   da  min  frauwi  sandi  Marie  des  heiligin  Cristis  giuas. 

IX.  aus  einem  engelberger  cod,  (Diut.  2,  293.) 

Herre  sce  Mtchah^l  hinte  wistu  N.  sin  schilt  und  stn  sper,  mtn 
frouwa  Sei  Maria  si  sin  hahperge,  hiute  muoze  er  in  deme  heiligin 
fride  sin,  d&  got  inue  w^re,  d6  er  in  daz  paradlse  chäme.  Herre 
got  du  muozist  in  bescirmin  vor  wdge  und  vor  w^fine,  vor  (iure,  vor 
allen  siuen  fiandiu  gesiunüchen  und  ungesiunlichen.  er  muoze  alse 
wol  geseginSt  sin  sd  daz  heilige  wizzot  wäre,  daz  mtn  herre  sce 
Johannes  mime  herrin  dem  almehtigen  gote  in  den  mund  flOzte,  d6 
em  in  deme  Jorddne  toufte.    am4n.       ^ 

In  nomine  domini.  daz  heilige  lignnm  domini  gisegine  mich  hiute, 
undenAn  und  obenan,  mtn  buch  st  mir  beinin,  mtn  herze  st  mir 
stdhelin ,  mtn  houbet  st  mir  steintn,  der  guote  soe  Severln  der 
plilege  mtn,  der  guote  sce  Petir  unde  der  guote  sce  Stephan  gese^ 
gineigin  mich  hiute  for  allir  minir  fiande  gewÄfine.  in  nomine  dei 
patris  et  filii  et  spiritus  sancti.  alse  mute  und  alse  linde  muozista 
iiiute  stn  üfin  mtme  Hbe  swert  und  aller  slahte  gesmtde,  sd  mtner 
frouwun  sce  MariuQ  sweiz  wäre,  dd  si  den  heiligin  Crist  gebäre, 
pater  noster. 

X.  aus  einer  müncliner  hs.  (Hoffm.  fundgr.  343.)  • 

Ich  slief  mir  hiute  suoze 

datz  mines  trehtins  fuozen, 

daz  heilige  himelchint. 

daz  st  hiute  mtn  frideachiU^ 

das  beilige  himelchint  bat  mich  hiut  i^f  stän, 

in  des  namen  und  gnäde  wil  ich  hiut  üf  gäu, 

und  wil  mih  hiute  gurten 

mit  des  heiligen  gotes  worten. 


*)  das  thoT  der  flut,  vgl.  egidor  s.  147. 
**)  vgl.  MS,  2,  198b 2    der  fröidtn  tor  ist  zuo  getan. 


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cxxxnr  BBSCHWÖKÜNOBN 

das  mfr  alles  das  holt  tt 

das  in  dem  himel  it, 

diu  sunne  und  der  mdne 

und  der  tagesteme  8c6ne. 

mtns  gemuotes  bin  ih  liinte  halt, 

hiote  springe  ili,  h^rre,   in  dinen  gewmit. 

aant  Märten  üclieinede 

das  st  hinte  oitn  fridhenutde, 

aller  mfner  vtende  gewAfen 

din  ligea  hiote  onde  slAfen 

und  8tn  hiot  aUd  palwahg 

als  wmr^,  mtoer  vronwen  sant  Märten  raht, 

dd  81  den  heiligen  Chri«tuni  gebaere 

und  doch  ein  reinia  mait  wsre. 

min  houpt  st  mir  hiute  atcplm^ 

delieiner  slahte  wikfen  sntde  dar  In. 

min  su/ert  eine  wil  ih  von  dem  segen  seeideo, 

das  sntde  onde  btze  alles  das  ih  es  heize » 

von  mtnen  handen 

und  von  niemen  andern; 

der  heilige  hineitrdt 

der  st  hiute  min  haUperge  gaot 

XI.     Thbias  reisesegen   (braunscliw.  nacLr.  1755  p.  321. 
Hoffm.  fundgr.  261.  die  vier  ersten  zeilea  ergänzt.)  *) 

Der  gnote  h^rre  sante  Tobias, 

der  gotes  wtzage  was 

stnen  lieben  snn  er  sande 

sd  verre  in  vremdin  lande. 

Stn  sun  was  ime  vile  liep, 

unsanfte  er  von  ime  srhiet» 

nmbe  In  was  im  vil  leide,  « 

er  sande  in  ober  vierzec  tsgeweide. 

Er  spracht   der  got  der  vor  niemen  verborgen  ist« 

und  At9  eigen  schale  du  bist, 

der  an  niemanne  wenket, 

die  armen  vil  wol  bedenket, 

der  mnesa  dicli  tiiute  behueten 

durch  sine  vaterliche  gfiete 

über  velt,  durch  walt 

vor  aller  ncete  manecvalt 

vor  hunger  und  gevroerde. 

'got  möeze  mtn  gebete  erhoeren, 

so  dd  sl&fest  oder  wachest 

in  holae  oder  under  dache. 

dtn  viende  werden  dir  gevriunt, 

got  sende  dich  heim  vil  wol  gesirot 

mit  vil  gnotem  muote 

hin  heim  zuo  dinem  eigenguote. 


*)  Eschenbnrgs  denkm.  p.  279.   Tobias  segen  spredien.    H.  Sack. 
1 ,  4.H»d. 

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BESOBWÖRUNQBN  cxxxv 

gesegenet  fi  dir  der  i4fec 

über  strüze  und  über  stec, 

da  vor  und  da  binden 

gesegenen  dicb  des  b^rren  vünf  wunden. 

iet weder  balben  dar  en  eben 

geste  dir  der  bimeliscbe  degen. 

iu  gotes  vride  du  var, 

der  heilige  engel  dicb  bewar. 

der  lip  ai  dir  beinin  ^ 

ez  herze  st  dir  steinin, 

ez  houbet  st  dir  stoehelin» 

der  himel  »i  dir  schilitn^ 

diu  belle  st  dir  vor  versperret, 

allez  übel  st  vor  dir  verirret, 

ez  paradis  sl  dir  offen » 

alliu  waren  sl  vor  dir  verslozzen, 

daz  81  daz  vil  gar  vermiden, 

daz  dicb  ir  dekeinez  stecbe  nocb  ensnide. 

der  mäne  und  oucb  dia  suune 

diu  liubten  dir  mit  wunne. 

des  beiligen  geistes  siben  gebe 

Uzen  dicb  mit  heile  leben. 

der  guote  sante  Stephan 

der  alle  sin  not  überwant, 

der  gest^  dir  bi 

swä  dir  din  ndt  kunt  sL 

die  heiligen  zwelf  boten 

die  eren  dicb  vor  gote, 

daz  dich  diu  herschaft  gerne  sehe. 

allez  liep  müeze  dir  geschehen. 

sante  Johannes  und  die  vier  ^vangeliste 

die  raten  dir  daz  beste, 

min  frouwe  sante  Marie 

diu  h4re  unde  vrie. 

mit  des  beiligen  Kristes  bluote 

werdest  du  gebeiliget  (ze  guote), 

daz  din  s^le  (so  dil  sterbest) 

des  himelriches  niht  verstözen  werde 

nach  den  weltlichen  €ren. 

got  gesegne  dicb  dannoch  märe. 

sante  Galle  dlner  spise  pflege, 

sante  G^rtrAt  dir  guote  herberge  gebe. 

s»lec  IbI  dir  der  lip, 

holt  st  dir  man  unde  wip, 

guot  rät  dir  iemer  werde, 

daz  du  gsehes  tddes  niene  ersterbest. 

Alsd  segente  der  guote 

Santobias  sinen  sune 

und  sande  in  dö  in  ein  lant, 

ze  einer  stat,  diu  hiez  ze  Mddiün, 

diu  buro  diu  hiez  ze  Rftges: 
stt  wart  er  vil  (tö  des. 


got  sande  iu  beim  vil  wol  gesunt 

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cxxxn  BEiSCflWÖRUNCffiN 

mit  vil  gootem  muote 

hin  beim  ze  sioem  ei^en^ote. 

Also  müezest  du  iiiiite  gesegenet  sto, 

des  helfeu  liiote  die  iieiligen  iiainen  dd, 

des  helfe  hiute  diu  wiiie, 

min  liebe  vrouwe  Marie, 

des  helfen  mir  alliii  diu  Ikiat, 

diu  iu  dem  bimelriche  siut, 

und  der  guote  Santobias 

und  sin  lieiliger  trütsao.    ameo. 

XII.    gebet  und  segen,     (aus  einer  hs.  von  1347  zu 
Saut  Paul  im  Lavanllbal.)  *) 

Darnach  dise  nachgeode  gebette,  das  solta  dristnnt  sprechen  in 
eim  gadem,  da  dich  niemen  irre,  so  kument  darin  engel  und  sagest 
dir  das  du  fragest. 

Der  heilig  Crist*vaoF  von  himele  mit  engein  mapegen,  do  fiiort 
er  an  sinen  henden  ein  fronesbilde,  ander  einem  boume  er  geraste, 
do  entslief  er  so  vaste.  do  komen  die  leidigen  diebe  u|id  verstalen  ioi 
sin  frones  bilde,  do  er  «rwachte  trurete  er  so  vaste,  do  sprach  dhi 
Venedigs  min  frowe  sant  Marie,  des  sol  gnot  rat  werden ,  wir  sulen  if 
diser  erden  von  dem  heiligen  kinde  daz  dink  noch  hinaht  vinden. 

Sabaoth  herre,  ich  l>itte  dich  durch  din  elnborn  son  Jesmn  Cbri* 
stum  daz  du  vergebest  mir  min  sünde  und  gib  mir  ein  gaot  eade. 
Jesu  Crist  des  waren  gotes  sun  du  bist,  ich  bit  dich  und  man  didi 
daz  du  dis  dinges  verrihtest  midi.  Disen  selben  segen  raaht  do  oock 
sprechen,  so  dir  oder  eim  andern  diner  guten  fründen  üt  veniolem 
wirt^  daz  gar  schedelich  si  und  redelich,  nfit  umb  kleine  üppig  sacbe, 
nuwent  da  ez  noturftig  und  redelich  si,  wände  so  di  segen  ie  edeler 
und  ie  besser  sint,  ie  minrd  s^  lielfißiit  d^  man  su  brächet  unnotdarf- 
teclicb. 

XIII,  beachwörung  der  gicht,  (hs,  zu  Göttweicli  v.  1373.) 

Ich  virbeden  dir  gycht  bi  der  heylgir  wandillpQgin.  vod  bi  det 
heylgin  V  wanden,  vnsers  herren  iesu  christi  vnd  bi  deme  bloode 
dat  gode  vyt  sinen  V  wunden  ran  vnd  bi  dem  erstin  meDscIüa  dat 
got  vf  erden,  ye  gemacht  oder  ye  liz  geborren  werdeq.  Ich  virbeden 
dir  bi  den  drin  nagelifi,  de  gode  durch  sine  hende  vnd  dorch  sine 
vuzse  wrde  geslagen,  ich  virbeden  dir  bi  den  t^^er  hulden  de  da 
stuonden  vf  zweyn  yuozsin  vnd  spracliin  vys  zweyir  muodir  übe  wer 
si  bede  van  rechtir  lybden  vmme  allis  dat  mogelich  is  6&  wuldea  si 
in  geweren.  dat  was  Maria  godis  muodir  vnd  was  iesus  christos  nid 
was  min  frauwe  sancte  GIsebe  vnd  was  niyn  herre  sancte  Johannes  der 
deufir.  ich  virbeden  dir  bi  deme  bebinden  vrdeil  das  got  wil  gebin 
ubir  mich  vnd  ubir  alle  doden  vnd  lebenden,  ich  virbedin  dir  bi 
Herne  fronen  cnice  vnsers  herren  iesu  christi  da  he  de  martil  ayo 
leyt.  durch  ipich  vnd  alle  cristeneyt,  ich  virbedin  dir  bi  der  gotligir 
kraft  d^  da  ist  in  hymil  vnd  in  erden  dat  du  mir  godes  knegthe  nyt 
iu  scliades  ai|  allen  mineo  gledereq  an  haubde  an  hirae  an  angen  an 


L 


')  XU.  XllI,  XiV  mitgetheUt  ?oa  Hoffiuaiia, 

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BBSCHWÖaUNCffiN  cxxxvn 

cesden.  an  «rmett  an  henden.  an  vingeren  an  rlppen  an  rucke  an 
lenden  an  liuffin  an  beynen  an  vnosin  an  cein  an  äderen  noch  an 
allen,  da  ich  mich  mach  keren  oder  wenden,  des  helfe  mir  de  godis 
kraft,  und  dat  lieylge  graf.  da  got  selve  inne  lach,  da  herbebede 
aiiit  dat  da  was.  Pylatas  sprach  hals  du  gesugthe  odir  gegichte? 
ne>n  ich  inhan  sin  nyt.  it  sy  vrauwe  oder  man  der  duse  wort  ubir 
ynie  dreyt  der  sal  sigchir  sin  dat  in  de  geychte  nnmmer  gelemen 
kan.  ich  geleufe  dat  keyn  wlf  noch  keyn  man.  der  duse  wort  ubir 
sprechen  kan.  want  der  sunder  an  deme  cmce  genade  gewan.  de 
macli  mich  godis  knegt  N.  gesunt  an  seien  und  an  übe  as  Maria  was. 
do  si  irs  lieben  kyndis  genas,    amen. 

XIV.    Jiirtensegen.    (hs.  des  15  jb.)    vgl.  XIX. 

Ich  treip  heut  aus,  in  unser  lieben  fronen  hans.  In  Abrahams 
garten,  der  lieber  herr  sant  Mertein.  der  sol  heut  meines  (vihes) 
pflegen  und  warten,  und  der  lieber  her  sant  JVolf^ang^  der  liep 
herr  sant  Peter,  der  hat  den  himelischen  sinssel.  die  versperrent 
(lein  wolf  und  der  vohin  im  dtussel.  dafs  si  weder  plut  loMen  noch 
hein  schroten,  des  helf  mir  der  man.  der  chain  übel  nie  hat  getan, 
und  die  lieiligen  V  wunden,  behüten  mein  vich  vor  allen  holzhun^ 
den.  *)    y  pater  et  V  ave  maria, 

XV.  Segen  gegen  den  blasenden  wurm  (cod.  pal. 

367,   173^) 

Pis  Ist  eyn  gnter  seyn  Tor  den  blasinden  worm.  der  gute  herre 
senthe  lob  der  lak  in  deme  miste,  her  clagete  deme  heilte  Criste. 
wi  syn  gebeyne.  essen  die  worme  deyne.  do  sprach  der  heulte  Crist. 
wen  nymandt  besser  ist.  ich  gebite  dir  worm  du  siest  wies  adir 
swartz  geel  adir  gruene  adir  roet.  In  desir  stundt  siestu  in  dem 
pferde  toet.  In  gotis  namen  amen.  nota.  man  sal  das  pferdt  nennen 
aU  is  geharct  is  (vgl,  XXXV.)  Dis  ist  eyn  gutir  seyn  vor  den 
pirczsl»  **)  Horestu  u/orm  yn  fleische  und  in  beyne,  vornem  was  das 
heiige  enangelinm  meyne.  du  seist  weis  swartz  adir  geel  grüne  adir 
roet.  der  gehütet  myn  herre  senthe  lob  in  desir  stunt  siestu  in  desem 
pferde  toet.  in  gotis  namen  amen.  nota.  man  sal  deme  pferde  tre« 
ten  uf  den  vorderfufs  und  sal  ym  ranen  in  das  rechte  oer  desen  segn. 
(vgl.  RA,  589.) 

XVI,  beschwörung  eines  zauberpjerdes.    (cod.  pal. 

212,   45b.) 

"Wiltu  machen  ein  pferd  das  dich  trag  wo  du  wilt  so  nymb  ein 
plut  von  einer  fledermnus.  wen  es  dan  nacht  ist.  so  gang  zu  einem 
haus  heimbrich  an  das  ende  sin.  und  schreib  an  die  haustur  und  die  . . , 
in  namen  omnii.  geapha,  diado.  wen  du  si  geschriben  hast  so  gang 
dan  ein  weil  und  kom  dan  herwlder  so  findestu  ein  ros  bereit  mit 
satl  und  mit  zäum  und  mit  allem  gezeuge.  wan  du  dan  uf  dns  ros 
wilt  sitzen ,  so  tritt  mit  dem  rechten  fufs  in  den  linken  siegreif  und 


*)  holzhund  wolf.     hölzing  Reinh.  LT. 
**)  biirzely  gunhirzei.    Frisch  1,  I67c.  383«. 


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cxxxnii  BBSCBWORÜNOGR 

sprich  dise  beschircnrag.  Ich  beschwer  dich  ro#  bei  dem  vater  vmd 
hei  dem  sone  ond  bei  dem  heilgen  geist  and  bei  dem  scbepfer  bind- 
reich«  und  erdreicbs  der  alle  ding  aus  nicht  gemacht  hat.  icli  beschwer 
dicli  ros  bei  dem  lebendigen  got  und  bei  dem  waren  got  bei  den 
heiligen  gat  das  du  an  meinem  leib  noch  an  meiner  sei  noch  an  nei- 
Ken  glidern  nit  gescliaden  mugst  noch  mit  keinerlei  hkideniiis.  so 
sits  irolirh  uf  das  pferd  und  solt  dicIi  nIt  segen  und  forcht  dicIi  nit. 
wan  du  komst  an  di  stat  do  du  gern  werest,  so  nymb  den  zaumh 
vnd  ßrch  in  un(Ur  die  erden,  wan  du  das  ros  wilt  haben  so  njmb 
den  zannib  und  schufef  in  paat  so  knmbt  das  ros.  so  bescliwer  es 
aber  als  vor  und  sitz  doruif  und  rit  wo  du  wilt  und  lug  das  du  den 
zaumh  wol  behaltest .  verleurstu  den  saumb  so  musta  das  pferd 
wider  machen.  ») 

XVII.  beschwörung  des  zaunsteclens,**) 

Gell  zu  einem  zaunstecken  und  sprich :  zaunstecken  ich  weck  dick  ! 
mein  lieb  das  woU  ich.  ich  beger  vil  mer  dan  aller  teufel  her.  her 
zu  mir  so  rür  ich  dich  zaunstecken,  alle  teufel  müssen  dich  wecken, 
und  füren  in  das  haus,  do  mein  lieb  get  in  und  aus.  das  du  müssest 
faren  in  die  vier  wend.  Wo  sich  mein  lieb  hin  ker  oder  weod.  es 
irtt  aller  eren  wol  wert,  ich  send  ir  einen  bock  (zum  pfert).  Ich 
ruf  euch  heut  alle  gleich,  bei  den  drei  negtln  reich,  und  bei  dem 
Tos^nfarbjMi  bhit.  das  gott  aus  seinen  heiligen  wunden  flofs.  ich 
beut  euch  teufel  her.  ir  bringet  zu  mir  mein  lieb  N.  her.  zunschtn 
himel  und  erden,  das  es  nit  berür  die  erden,  fürt  es  oh  allen  bau- 
wen  her,  als  man  Maria  tliet  do  si  für  in  ires  kindes  reich.  Und 
nim  die  caracteres  alle  zu  dir  und  blas  dreiqial  uf  die  hant  und  schlage 
dreimal  gegen  iu  so  mügen  sie  dir  iiit  geschadea. 

XVIII.  gegen  wölfe  und  reifsende  thiere. 

Christ  sun  gieng  unter  thfir,  mein  frau  Maria  trat  herfür:  *heb  uf 
Christ  sun  dein  hand  und  versegen  mir  das  viech  und  das  land,  das 
kein  u^oif  hei/s  und  kein  wulp  stofs,  und  kein  dieb  komm  iu  das  ge- 
biet. Du  herz  trutz  markstein  hilf  mir  das  ich  kom  gesnnt  und  ge- 
vertig  heim!' 

XIX.    ein  segen  das  die  wolj  das  viech  nit  essen, 

Irit  beschwer  dich  wolfzan  bei  dem  vil  heiligen  Damen  und  bei 
dem  vil  heiligen  barn,  den  unser  liebe  frau  trug  an  irem  arm,  das 
du  noch  alle  dein  genofsen  das  viech  nit  beifsen  noch  stofsen.  es 
mufs  dis  nacht  sein  als  war  und  als  vast,  als  das  heilig  patemoser 
was,  das  got  aus  seinem  munde  sprach. 


*)  vgl.  Hart  lieb  s.  LVlll.  wie  bei  zauberpferden  an  zäum  und 
gebif«  gelegen  sei  lehrt  die  geschirhte  des  königs  Beder  (lOOl  nuits. 
Paris  1806.  4,  445.  449.  1001  nacht.  Bresl.  1825.  6,  167.  171.) 
**)  XVll  >-  XXXVll  aus  Mones  anz.  1834  p.  277  ff.  in  dem  sei- 
ben  anzeiger  1831.  4Ö  eiu  wuudsegen  und  blntsegen  aus  einer  HoRcab. 
tu»,  und  1833.  234  ein  segen  gegeu  besclircica  uud  feuer. 


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BESCHWÖRUNGEN  cxxxix 

XS.    segen  zum  ausgang. 

Huife  wil  ich  uf  sten ,  in  den  heiigen  friden  wil  ich  gen«  do  un- 
ser liet>e  fraue  in  gieng,  do  sie  den  heiigen  Crist  inphleng.  noch 
hüte  wil  ich  mich  gorten  mit  den  lieilgen  fünf  Worten ,  mit  den  heil» 
gen  sigeringen,  mit  allen  gnten  dingen«  allez  daz  dages  alt  jty  daz 
My  mir  holt  >  unser  lieben  franwen  znnge  ly  aller  miner  fiende  munde« 


XXL    segen  zur  fahrt. 

Ich  d reden  linde  uf  den  pliat,  den  unser  herre  Jesus  Cristns  drat, 
der  si  mir  also  s&fs  und  also  gut  nu  helfe  mir  sin  heiiges  rosefarbes 
blut  und  sin  heiige  fünf  wunden,  das  ich  nfmmer  werde  gefangen  oder 
gebunden,  von  allen  minen  fienden  mich  behude,  daz  helfe  mir  die 
here  hude,  vor  fliefsen,  vor  swerten  nnd  vor  schiefnen,  vor  alier 
slarht  nngehäre,  vor  schnöder  gesellschaft  und  abentüre;  das  alle  mine 
bant  von  mir  enbnnden  werde  zu  haut,  also  unser  here.  Jesus  inbuu- 
den  wart,  do  er  nam  die  himelfart. 

XXII.     ain   scliöoer  sagen  alle  sebtemer  zu   tliun. 

am  mantag  vor  der  fronfasten,  der  mantag  ist  Icräftiger  dan  die 
fronfasten  vor  oufgang  der  sonnen ^  vnheavhrauen.    sprich  also: 

Hier  ein  in  dese  hofstat  gehe  ich  nein,  solche  land  bescliliefst 
got  mit  seiner  aignen  band,  er  beschliefst  sie  also  fest  wol  mit  dem 
8ufz»en  Jesu  Crist,  disen  gibel  oben  und  disen  gibel  unrten.  dieser  gi- 
bei  unden  der  ist  mit  engein  überzogen  verbunden.  Feuer  vom  dac/i^ 
dieh  vom  loch,  rauher  von  der  thür !  unser  liebe  frau  trit  heut  selbst 
dnrfur,  das  avemaria  sei  vor  der  thur,  das  paterooster  der  rigel  dar- 
für, und  was  der  lieb  h.  Irrens  hat  gegert,  das  hat  der  heilig  Crist 
bewert,  das  niemant  starker  ist  dan  der  heilig  Crist,  der  gehe  herein 
und  nemb  was  hier  innen  ist  im  namen  f  f  f  amen.  15  pat.  15 
ave  nnd  credo. 

XXIII.    für  den  hagel. 

Item  mach  den  pfeil  auf  die  erden  gegen  dem  weiter  oder  auf 
ein  deller  und  setz  in  gegen  dem  wetter  und  nim  ein  weichbnin,  und 
spritz  dreu  kreuz  gegen  dem  wetter  im  namen  u.  s.  w.  und  sprich : 
Ich  peut  dir  schaur  und  hagl  in  der  kraft  der  heilgen  drei  nagl, 
die  Jesu  Cristo  durch  sein  heiige  hend  und  fufs  wurden  geschlagen, 
er  du  knmbst  zu  der  erd,  das  du  zu  wind  und  wasser  werd.  Im  nm- 
men  etc.  mach  dreu  lireuz  mit  dem  weichbrun  gegen  das  wetter. 

XXIV.    feuerhesvhuförung. 

wellent  ir  feuer  loschen,  so  spreclient  wie  hernach  folgt;  anch 
da*  ir  ain  prant  von  demselbigen  feuer  in  der  hand  habt ,  wo  aber 
solliches  nit  beschehn  möcht,  sol  es  dannacht  mit  andacht  gespro- 
chen werden:  Unser  lieber  herr  Jesus  Cristns  gieng  über  land  und  er 
fand  einen  riechenden  prant,  den  hueb  er  uf  mit  seiner  gotlichen  hant 
nnd  gesegent  disen  riechenden  prant  das  er  nimer  weiter  kum.  In 
dem  namen  etc.  und  darzne  bett  5  p.  6  a.   1  er. 


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cxL  l^BCHWÖfiUNGBN 

XXV.  feueraegen. 

wer  feaer  verhuet  dafs  sein  haus  und  atatel  nit  priaiieat  wen), 
der  mach  alweg  mit  der  liaad  ein  creuz  und  Sprech  wie  iierDtch  folgt: 
mein  haus  da$  sei  mir  umbeschwaifen  mit  engeliachett  raifen,  mein 
liaus  sei  mir  bedeckt  mit  einer  engiisdien  deck,  das  belf  mir  gottei 
mhiBi  der  sei  alzeit  hausvater  und  wirt  darin. 

XXV*.    anderer  feuersegen. 

sprich:  Feuer-,  ich  gepeut  dir  in  dem  namen  Jesu,  das  du  nit 
weiter  kumest  behalt  dein  funk  und  flammen ,  wie  Maria  ir  jung- 
frauschaft  und  er  behalten  hat  vor  allen  mannen,  das  sei  dem  feuer 
2ue  puefs  zeit  im  namen  etc. 

XXVI.  fiebersegen. 

Zmg,  ich  huck  dich,  rett  nu  mid  mich*),  bidem  heiligen  na- 
gel,  der  unserm  liehen  herfen  Cristo  Jesu  durch  sin  rechten  band  ward 
geschlagen,  und  als  menig  blütstropf  dar  von  ran,  als  meniger  rett 
mid  mich  und  gang  mir  abi   im  namen  u.  s,  w. 

XXVII^    gegen  hranhheiten* 

Ich  stand  uf  den  mist,  und  ruf  zu  dem  werden  Crist,  das  er  mir 
bufi  die  recliten  sporeufufs  und  das  heuptgescheub  und  den  herzritten 
und  allen  seinen  sitten,  und  gelsucht  und  sibenzich  gesuc/it ;  und  ist 
ir  keiner  mer,  den  bufs  mir  got  der  herre,  und  gang  aus  her  ruck- 
hein  und  gang  aus  her  ripp  und  gang  ab  in  das  wilt  zorach!  das  bufs 
dir  der  man,   der  den  tot  an  dem  lieilgen  creuz  nam. 

XXVm.    wurmsegen. 

Ich  beschwor  dich  wurm  und  würmin  t  bei  der  waren  gottes  mion 
und  bei  der  waren  gotliait  gQt,  das  dein  alter  und  dein  blut  werd  lau- 
ter und  auch  rain,  als  unser  lieben  frauen  gspint,  die  sie  gab  Jesu 
Crist  irem  lieben  kint!  im  namen  got  des  vaters  etc.  item  niia  den 
gerechten  dumen  in  die  gerechte  hant^ 

XXIX.    anderer. 

JVurm  bist  dn  dinne,  so  beut  ich  dir  bei  sant  ....  minne,  du 
seiest  weifs  schwarz  oder  rot,  dafs  du  hie  ligest  tot!  Ists  ain  vlch,  so 
streichend  im  mit  der  rechten  band  über  den  rucken  ab;  ists  dan  ain 
mensch ,  so  nemend  im  den  finger  in  die  hand  und  sprechend  5  vatter 
vnser,  5  ave  Maria  und  ain  globen. 

XXX«     Begen  J'dr  das  lalttveh. 

Grufs  dich  gott,  vilheiliger  tajr,  nimm  mir  mein  TT  kaltwec  ab; 
ist  eben  eitler  drunder,  der  nit  zu  erbitten  ist,  so  nem  mirs  der  lieb  herr 
Jesus  Crist,  der  am  hellgen  frankreuz  verstorben  ist.  in  dem  namen  n.  s.  v. 

*)  rett  ist  rite  (febris);  mit  mich,  lafs  mich  in  rohe,  iiDgeqaiM. 
mit  der  metteu  du  mich  mit.    kolocz  263. 


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BESCHWÖRUNGEN  cxu 

XXXI.    ein  Segen  unter  dem  rechten  arm  24  stunden 
zu  tragen. 

Es  giengen  drei  selige  brüder  ans  in  guter  frist*),  begegnet  inen 
Herr  Jesus  Christ,  unser  lieber  lierr  Jesus  Christ  sprach  'wo  welent 
fr  hin?'  wir  welent  hinter  den  zäun,  wir  welent  suchen  das  kraut 
das  zue  allen  wunden  guet  ist,  es  sei  gleich  gehauen  oder  gestochen* 
Unser  lieber  herr  Jesus  Christ  sprach:  'gant  auf  Messias  berg,  ne> 
nient  die  wo!  von  denen  schafen  und  das  moes  Ton  denen  steinen,  und 
das  öl  von  denen  benien':  druck  darein  und  darauf,  bo  heilt  die 
wunde  von  grund  auf,  es  sei  gleicli  gehauen  oder  gestochen  oder 
brocken t  wie  es  möcht  ergangen  sein,  so  sol  es  weder  geschwelen 
oder  schweren ,  sol  auch  keines  eiters  begeren.  Wie  Lucas  auf  Se- 
Terinesberg  hat  gesprochen,  wie  die  Juden  unsem  herren  J.  Chr.  umb 
unschult  haben  gestochen,    das  walt  got  der  vatter  u.  s.  w. 

XXXII.     ein  schöner  Segen  das  blut  zu  stillen* 

In  unsers  herren  gottes  herz  da  «tuenden  drei  rosen,  die  erst  ist 
sein  dugent,  die  ander  ist  sein  vermöge ,  die  dritt  ist  sein  will 
pluet  steh  still !     im  namen  u.  s.  w, 

ein  ander:  Louginus  der  man,  der  unserm  herren  Jesu  Crist  sein 
gerechte  selten  hat  auf  getan,  daraus  rann  wasser  und  bluet,  ich  be- 
schwöre dich  bluet,  durch  desselbigen  bluets  ehre,  das  du  nimer 
bluetest  mere.    im  namen  u.  s.  w. 

ein  ander:  o  got  der  immer  ewig  ist,  der  aller  menschen  hilf 
ond  trost  ist,  ich  bat  dir  blut,  das  du  stil  standist,  als  die  menschen 
am  jüngsten  tag  still  stan  müssend,  die  nicht  nach  gottes  willen  haut 
getan. 

XXXIII.    gegen  den  naget  in  dem  ros. 

Welches  ros  den  nagel  het  in  dem  ougen ,  der  sol  ain  stro  nemeo 
ain  nacht  als  dick  er  mag,  und  sol  im  sin  atem  in  das  oug  nüchter 
kuchen  (hauchen)  und  sol  mit  seinem  (inger  gen  dem  oug  grifen  und 
sol  sprechep.  Ich  gebut  dirs  nagel  bi  dem  vil  haiigen  gottes  grab  da 
got  in  selber  lag  unz  an  den  hailigen  ostertag,  das  du  verschwinist 
Tiagel^  und  dörrest,  als  die  Juden  taten,  die  verschwinend  und  ver- 
dorrenden ;  das  gebüt  dir  der  vatter  u.  s.  w. 

XXXIV.    gegen  den  u>urm  im  ros. 

Welches  ros  die  wurm  in  dem  gederm  hat  und  in  dem  magen, 
der  sol  das  ros  mit  seinem  linken  fufs  stofsen  und  sol  sprechen. 
ff^urm  und  al  di  wurm,  die  in  dem  ros  sind,  das  euch  des  ros  lib, 
flaisch,  gederm  und  bain  also  laid  sige  ze  niefsen  und  ze  bruchen, 
and  euch  das  als  unmar  sig,  als  unserm  herren  ains  pf äffen  wip^ 
die  des  tüfels  veltmerch  (feldmähre)  ist  ^  als  war  müssent  Ir  in  dem 
rosflaisch  sterben ,   das  gebüt  euch  u.  s.  w. 

Welches  ros  den  ufswerfenden  wurm  hat,  der  sol  sprechen i  Ich 
gebüt  euch   wurm  und   würmin  ^   das  du  des   rosses  flaisch  und  bain 


*)  Keisersperg  nnieis  50^  anfangsworte  eines  segens:   'es  giengen 
drei  brüder  über  feld«* 


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nnd  al  sin  lip  (lassest),  das  dir  darin  sig  als  wjad  lud  als  we,  md 
dir  dar  iane  sig  als  laid,  aU  s.  Petern  was  unsers  lierren  marter,  do 
er  vor  den  riclitern  und  den  Juden  floch;  das  dir  dar  inue  werd  als 
we,  unz  das  er  das  wort  gesprech,  das  s.  Peter  sprach,  do  er  la 
Rom  ze  dem  ersten  in  das  m&uster  trat ;  das  ir  ufs  dem  ros  fliefsend, 
oder  aber  her  ufs  fallend,  oder  in  dem  ros  sterbend  und  «wer  dbr:oer 
nimmer  lebend  werde,  das  gebüt  euch  d^r  man  dar  die  marter  und 
den  tot  laid. 

XXXV.    pferdeaegen. 

Item  ain  pßrt,  das  sich  strichet^  so  zücb  es  unter  den  himel 
an  ainem  soutag  fru  por  der  sunnen  ufgang^  und  ker  dem  ros  tUn 
küfif  gegen  der  sunnen  und  leg  dine  zwen  dumen  crözwis  über  ain 
ander  und  halt  die  hend  unib  den  fufs,  doch  das  sie  den  fu/s  ttii 
an  rüren^  und  sprich:  Longious  was  ain  Jud,  das  ist  war,  er  stach 
unsern  herrn  in  sein  siten,  das  ist  war  (und  nem  das  pfard  bei  der 
Tarb),   das  si  dir  für  das  streichen  gut 

XXXVI.     beiq^  verlieren  des  hu f einen s. 

Item  ain  pHIrd,  das  ain  isen  Terliert,  so  nim  ain  brotmesser  vnd 
umb:»cimit  im  den  huf  an  den  wenden  Ton  ainer  fersen  zu  der  ander, 
und  leg  im  das  messer  crüzwis  uf  die  solea  und  sprich :  ich  geb«t  dir 
huf  und  Avr/i,  das  du  als  lutzel  zerbrediist ,  als  got  der  herr  d:e 
wort  zerbrach ,  do  er  himel  und  erd  bescliilf.  Und  die  wort  sprich 
dristunt  nach  einander  und  5  pat.  n.  und  5  ave  Maria  ze  lob,  so  trit 
das  pfard  den  huf  uit  hin,  bis  das  da  glichwol  zu  ainem  schmit 
komen  magst 

XXXVII.    WO  man  die  milich  stelL 

Nimb  Weichwasser  und  sprengs  in  den  stall,  nimb  gunreben,  ge- 
weicht salz  und  merllnsen.  ich  gib  dir  heut  gunreben ,  merlinsen  und 
salz,  und  gong  uf  durch  die  wölken  und  bring  mir  schnmlz  und 
niilich  und  molken/ 

XXXVIII.  *)    beschworung  der  Jioldichen. 

Fahr  ans  und  fahr  ein  in  N.  wie  bist  du  hereingekommen?  d« 
sollt  gedenken,  dafs  dn  da  wieder  heraus  kommst  wer  dich  bereia 
gebracht  bat,  soll  dich  wiederum  heraosbringen ,  er  sei  hei  oder  sti^ 
und  sollst  einen  beweis  von  dir  geben,  dafs  man  siebet,  dafs  cht 
hinweg  bist! 

andere:  das  walte  gott  und  der  teufel!  fahr  hin  da  du  nutzm 
bist  und  Uiu,   wie  ich  empfangen  habe! 

andere :  alle  in  und  alle  ui  /  so  spricht  die  liebe  Jungfrau  acata 
Gerdrut 

andese:  wolauf  alb  nnd  eibin  ^  zwerg  und  xu^rgin»  unterwärts 
und  oberwärts,    du  sollst  zu  dem  und  dem,  du  sollst  seine  beine  ne- 


*)  XXXYIU.  XXXIX  aus  Voigts  quedlinb.  heftenactett. 

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BB8GHWÖRUNOEN  oilhi 

«keUf  dn  foHst  sein  ßeiseh  sehmeckent  du  fällst  sein  Mut  trinken  änd 
in  iiie  erde  sinken  I    in  aller  teufel  nainen.. 

andere :  Da  elben  und  da  elbinne ,  mir  ist  gesagt ,  da  kannst  den 
könig  von  der  königin  bringen  t  und  den  vogel  von  dem  »e.st ;  da 
sollst  noch  ruhen  noch  rasten,  du  kommst  denn  unter  den  busch,  daf« 
da  dem  menschen  keinen  scliaden  thust. 

andere:  Op  unsers  herm  gottes  berge  ist  unsers  herm  gottes  bom, 
in  unsers  lierrn  gottes  bom  ist  unsers  herm  gottes  nap,  in  unsers  herm 
gottes  nappe  ist  unsers  herrn  gottes  appel ,  liegt  sente  Johannis  evan- 
gelium,  das  benimmt  einem  die  bösen  dinger,  der  liebe  gott  wolle 
helfen,  dafs  es  vergehe  und  nicht  bestehe. 

andere:  Joseph  und  gardian  die  giengen  vor  gott  den  herrn  stan; 
da  sie  vor  gott  und  den  herrn  kamen,  trauerte  Joseph  also  sehre.  es 
sprach  gott  mein  herre:  ^Joseph  warum  trauerst  du  so  sehr?'  die 
unternsen  (unterirdischen)  kleine  wollen  ausfknten  mein  fleisch  und 
meine  beine.'  'ich  verbiede  es  den  untersen  kleinen,  das  sie  nicht 
aiisfaulen  mein  fleisch  und  meine  beiue!**) 

andere:  die  heiligen  drei  kouige  giengen  über  das  feld,  do  muf- 
fen (begegneten)  ihnen  alb  und  eibin,**)  ^albinne  das  solt  du  nicht 
thun ,  kehre  wieder  um '.  im  namen  u.  s.  w. 

andere :  hebbe  mutier  und  hochmuiterf  lege  still  ^in  deinem  blode, 
als  Jesus  lag  in  seiner  mntter  schote. 

XXXIK.    gegen  hranhheiten. 

Unser  herr  Jesus  Christus  und  dieser  wasscrflufs.  ich  verbufse 
dir  sieben  und  siebenzig  schufs ;  sieben  und  siebenzig  seuc/ie  t  die 
seiiid  meiir  denn  wir  verbrifseu ;  weichen  von  diesem  geruch  (?) 
neunerlei  f^eschufs !     das  sei  dir  zur  bufse  gezählet   im  namen  etc. 

Es  giengen  drei  Salomen  über  einen  ölberg,  sie  giengen  über 
ein  grüne  aue,  da  begegnet  ihnen  Marie  unse  liebe  fraue.  'wohin 
ihr  drei  Salomen?'  'wei  willen  bengahn  ut  und  seuken  mangerlei 
^od  krut  (vgl.  XXXI):  dat  stikt  nicht  ^  dat  brikt  rächt  ^  dat  killt 
nicht,   dat  striiit  nicht J*    im  namen  u.  s.  w. 

Unse  leve  frue  ging  still  over  land,  se  gesegene  desen  hilligen 
brand ^   dat  he  nich  quillt  oder  schivillt  und  imvorts  fritt ! 

Wollet  ihr  hören  des  herrn  wunder  grot,  da  Jesus  Christus  von 
Marien  auf  den  erdboden  schot,  in  einer  hilligen  spangen,  damit  sie 
den  herreu  Jesum  Christ  empfangen,  sie  trag  ihn  unterm  herzen 
vierzig  wochen  ohne  schmerzen,  sie  trug  ihn  gen  Betleliem  in  die 
Stadt,  da  Jesus  drinne  geboren  ward,  sie  schickten  ihn  über  das 
Wilde  meer,  es  wäre  uoth  dafs  sie  hinter  ihn  kämen,  drei  scharfe 
dornen  mit  bich  nähmen,  das  eine  was  de  harte  nagel,  de  ward  dem 
heiligen  Christ  durch  bände  und  füfse  geschlagen,  die  falschen  Juden 
^aren  oft  behende,  sie  warfen  Ihm  ein  dornen  krön  auf  sein  haui»t, 
dafä  ihm  sein  rosinfarbnes  blaut  durch  seinen  braunen  hart  llufs. 
Johannes  thät  einen  hellen  schrei:  Miilf  gott,  mir  bricht  mein  herz 
entzwei,  die  mutter  gottes  will  gar  verderben«  Jesus  Christus  wird 
gar  am  kreuze  sterben.'     Wie  he  do  gestorben  was  do  verwandelt  sich 


•)  älmliche  formel  im  Romanusbüclilein  (Görres  volksbilder  p.205.) 
••)  in  der  aufzeichnun?  steht  sinnlos:  ulfinadi  alfinie^  für  alf,  el- 
fin (nacit  niedersächs.  uiundart.) 


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cxLiT  BBSCBWÖRÜNOeil 

ladfb  und  grM  und  alles  was  af  dem  erdbaden  was.    üt  welken  i 

dies  gebet  wird   gesprochen,    der  wird  nicht  gehauen  oder  gestockem, 

dem  u-'ird  auch  kein  haus  verbrani,  kein  jangfraulich  herz  wird  audi 

zu   schänden,   keiner  frauen gelungen,     das   belf  mich   gott 

Bud  seine  heiligen  fünf  wunden. 

XL.     bruchslück  eines  gebet»  gegen  das  fieber  und  böse 
wettet,     (Andr.  Grypliius  Horribilicr.  p.  768.) 

Das  walte  der  es  walten  kann.     Mattfaes  gang  ein,   Pilatus  gang 
ans,   ist  eine   arme    seele   draus,     'arme  seele  wo  kommst  du   her? 
'  aus   regen    und    wind ,    aus  dem  feurigen  ring,' 

XL^.     ein  gang  einer  beschwörung   (14  jh.) 

Unser  herr  saz  und  stnnt  ander  der  kirchtür,  da  kam  sein  lieb 
traud  niuter  gangen  (herfur),  'draut  son,  mein  herre,  wie  siezest  da 
trawren  so  sere?'  'ach  herezenliebew  muter  mein,  solt  ich  uit  trawrig 
Sein'?  da  kom  ich  an  hulweche  perg  gangen,  da  schoz  mich  der 
bulwecIiSi  da  scJioz  mich  ffie  bulweclisin  t  da  schoz  mich  als  ir  hin* 
gesind   u.  s*  w. 

XLI.    feuersegen. 

Ein  fener  kann  besprochen  werden,  wenn  der  die  formel  her- 
sagende dreimal  um  die  Jlamme  reitet  t  dann  erlischt  sie.  beim  drit- 
tenmal aber  springt  die  ßamme  auf  ihn  los^  und  wenn  sie  ihn  er- 
reicht, ist  er  verloren.  Feuer  stand  stille  um  der  worte  wHIeo,  die 
8.  Lorenz  sprach,   da  er  den  feurigen  rost  ansach. 

Anderer  feuerspruch :  Gott  grüfse  dich  liebes  feuer  mit  deiner 
flamme  ungeheuer,  das  gebeut  dir  der  heilige  mann  Jesus  du  solt 
stille  stan,   und  mit  der  flamme  nit  für  bafs  gan!     im  namen  etc. 

anderer:  feuerglut  du  sollst  stille  stehn,  und  wie  das  liebe  Ma- 
rienkiud  die  marter  am  kreuze  hat  ausgestanden,  der  hat  um  naserer 
Sünde  willen  all  still  gestanden!  Diese  worte  soll  einer  dreimal  ans- 
sprechend  unter  dem  rechten  oder  linken  fufs  ein  wemg  erde  u^eg- 
nehmen  und  sie  ins  feuer  werfen.  *) 

XLIL    gegen  elbe. 

Ich  beschwöre  dich  alb,  der  du  äugen  hast  wie  ein  kalb,  rücken 
wie  ein  teigtrog ,  weise  mir  deines  lierren  hof! 

Ihr  elben  sitzet  feste,  weicht  nicht  aus  euerm  nestef  ihr  elBem 
ziehet  fort,   weicht  bald  an  andern  ort! 

Im  thume  steht  die  rosenblume,  sie  Ist  weder  braun  noch  fohl, 
so  mfifsen  die  hiifdinger  (hüfteelben)  zersteuben  und  zerfahren  nnd 
kommen  *der  hirtischen  Margareten  ins  teufeis  namen  an!  (Carpzo^ 
pract.  rer.  crim.  pars  I  quaest.  50.  p.  420.) 

Begräbt  die  hexe  ihre  elben ,  so  gibt  sie  ihnen  ein  wenig  wachs, 
einige  fnden  flachs,  und  etwas  küs  und  brot  mit  ins  grab:  unter  dem 
verscharren  wird  gesprochen:    *da,    elben,   da*    wringet   das  wachs^ 


*)  vgl.  den  däo.  spruch  bei  Nyenip  morskabsl.  200. 

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BESCHWÖRUNGEN  cxlt 

ipinnet  ^mfl^'ihn^  esset  den  käse^   esset  das  broi ,  und   lafst   mich 
«liae  Both!'  (Eiias  Casp.  Reichardti  Term.  beitr.  8,  369.) 

XLIII.    gegen  fieber. 

Fieber  liio,  fieber  her!  lafs  dich  biiclcen  nimmer  mehr!  Uhr  der 
weil  iu  ein  wilde  au!  das  schaft  dir  ein  alte  frau.  —  Turteltanbchen 
ohne  galten;  kalte  gichtchen  du  sollst  fallen! 

getreu  den  wurm  am  fiiiger.  Gott  vater  fahrt  gen  acker.  er 
»ckert  fein  wacker,  er  ackert  würme  heraus ,  einer  war  weif«»,  der  an- 
der £chwarz,   der  dritte  roth:    hie  liej^eu  alle  würme  todt. 

gegen  brüst geachwüri  ScJier  dich  fort,  du  scliändliches  bru»tge- 
schwur  von  des  kindes  rippe,  gleich  wie  die  kuh  von  der  krippe!  vgl. 
abergl.  873. 

gegen  barmgrund,  diesen  ausschlag  zu  tilgen,  wasche  man  sich 
in  einer  pfütze,  worin  hunde  und  katzen  erKäuft  xu  werden  pflegen 
und  spreche  die  forniel :  in  dit  water  worin  ver^iupen  manch  katt  und 
liund ,  darin  still  Ik  di  barmgrund.  im  namen  u.  s.  w.  (Schütze  holst. 
icJ.  1,  70.) 

XLIV.    gichtsegen. 

Am  ersten  mai  vor  tagesanbruch  mufs  der  gichtkranke  sich  im 
walde  einfinden ,  dort  drei  tropfen  seines  blutes  in  den  spait  einer  jun^ 
gen  fichte  stillschweigend  versenken,  und  nachdem  die  öfnung  mit 
wachs  von  einem  jungfembienstock  verschlossen  Isi,  laut  rufen:  'gut 
morgen ,  frau  ßc/t/e ,  da  bring  ich  dir  die  gichte :  was  ich  getragen 
liab  jähr  und  tag,  das  sollst  du  tragen  dein  lebetag!  der  erde  thau 
befeuchte  dich,  des  himmels  regen  wassre  dich,  dodi  drücke  dich  nun 
ewiglich  mit  gicbteseuch  auf  mein  geheifs  gott  v.  s.  und  h.  g!' 

(Krnst  Wagners  abc  eines  henueberg.  fiebelschützen.  Tüb.  1810 
p.  229.) 

XLV.    segen  Jür  gebührende. 

Unser  liebe  frau  ond  unser  lieber  herr  Jesus  Christ  giengen  mit 
einander  durch  die  Stadt  *) :  '  ist  niemand  hier  der  mein  bedarf? '  liegt 
ein  kranke»  weih,  sie  liegt  in  kindes  banden,  gott  tielf  ihr  und  ihrem 
lieben  kind  von  eniander.  das  tbn  herr  Jesu  Christ ,  der  schliefs  auf 
nchlois,  eisen  und  bein!  Hiermit  vgl.  folgende  fomiel  in  Mones  an* 
seiger  1834  p;  278:  Ich  bitt  dich  Maria  und  Jesu  ChrUt,  das  mir 
das  schlofs  verschlossen  ist,  der  Maria  ruhet  unter  ir  brüst,  das  mir 
das  schlos  wider  uf  wisch   (auffahre.) 

XLVI.    Jrauen  zu  vergessen  (vgl.  alui.  dniinnisöL) 

Ich  weifs  wol  wo  du  bist,  ich  sende  dir  den  .vater  herm  Jesu 
Christ,  ich  sende  dir  der  treusten  boten  drei,  die  auf  erden  und  him- 
mel  sind,  einen  in  dein  gemüte,  den  andern  in  dein  geblüte,  den 
dritten   in   deines    herzens   block.      gott  gebe   daCi   alle   weiber  und 


*)  viel  ähnliche  anfange ,  n.  b.  es  gieng  Christus  und  seine  mnt- 
ter  aus  einem  wald,  bald  über  feld  bald  über  land,  berg  auf  berg  ab, 
liatte  ein  buschel  holz  in  der  band  u.  s.  w. 

k 


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cxuvi  BESCHWÖftUNSHN 

mägde  in  deintm  h0rzen  verstoclen!  icb  sen^  dir  ilen  tUen  iwm 
Jesam,  den  sfiffen  lierm  Cliristum,  die  sUnnpfeo  ftägtl  drei^  die  ^sM 
dem  herrn  wurden  geschlagen,  den  einen  durch  seine  hande,  den  ei- 
nen durch  seine  f&fse,  den  dritten  durch  sein  herze,  gott  gebe  data 
du  mfifsest  vergesten  alle  weiter  in  deinem  herzen,     im   namen   etc. 

XL VII.     Spruch  gegen  diebe.*) 

'Wie  Maria  im  kindbette  lag  drei  enget  ihr  da  pflagen.  der  er»te 
hiers  S.  Michael,  der  ander  S.  Gabriel,  der  dritte  hiefs  S.  Raf«el 
da  Icamen  die  tischen  Juden  und  wollten  ihr  liebes  kindiein  stehlen. 
Da  sprach  Maria:  ^S.  Petre  bind!*  Petms  sprach:  ich  hab  gebunden  mit 
Jesu  banden  mit  gottes  selbsteignen  handen.  wer  mir  ein  diel»$tal 
thut  stehlen  der  mnfs  stehn  bleiben  wie  ein  stock ,  über  sich  sehen  wie 
ein  block:  wann  er  mehr  kann  zahlen  als  sterne  am  himmel  stehn,  alle 
Schneeflocken,  alle  regentropfen ,  wann  er  das  alles  kann  thun,  mag 
er  mit  dem  gestolen  gut  hingehu  wo  er  will;  wann  ers  aber  nicht 
kann ,  so  soll  er  stehn  bleiben  mir  zu  einem  pfund ,  bis  ich  mit  mei- 
nen leiblichen  äugen  über  ihn  sehe  und  ihm  Urlaub  gebe,  wieder 
zu  gehn. 

XLVIII.     andere  fomiel,   ^inen  Jest  zu  bannen. 

Hier  stand  m  fest,  als  der  bäum  hält  seine  &st,  aU  der  nagel 
in  der  wand ,  durch  Jesum  Marien  söhn ;  dafs  da  weder  schreited 
noch  reitest  und  kein  gewehr  ergreifest !  in  ^et  lidchstea  namen  aoltnslelia! 

XLIX.    noch  andere  Jestbaanung. 

Ich  thu  dich  anblicken,  drei  blutstropfen  sollen  dich  erscbrickm 
in  deinem  leibe,  der  erste  mit  einer  leber,  der  zweite  mit  einer  zunge, 
der  dritte  mit  einer  mannes  kraft,  ihr  reitet  oder  geht  zu  fufs,  ge- 
bunden sollt  ihr  sein  so  gewis  und  so  fest,  als  der  bann  hält  seine 
ist,  und  der  ast  hält  seine  nest,  und  der  hirsch  b&li  seine  sangen, 
und  der  herr  Christus  uns  hat  das  himmelreicli  errungen;  so  gewis 
und  wahr  soHt  ihr  stau,  als  der  heil.  Johannes  stüid  ein  Jerdno,  dn 
er  den  lieben  herrn  Je&um  getan fet;  und  also  gewis  und  wakrknilig 
soll  ihr  siehn,  bis  die  liebe,  göttliche  routter  einen  uidera  söhn  ge- 
bahret,  so  gewis  solt  ihr  sein  gebunden  zu  dieser  tagieit  aadstmdcal 

L.     sich  lieb  und  werth  zu  machen. 

Ich  trete  über  die  sdiwelle,  nehme  Jesum  zu  meinem  gesellen, 
gott  ist  mein  schuh  ^  himmel  ist  mein  hat,  heilig  kreuz  mein  schm^rt^ 
wer  mich  heute  si^ht ,  habe  mich  lieb  und  werth !  so  befehl  ich  mich 
in  die  heilige  drei  benedicts  pfennung  (¥),  die  neunmalnean  geweihet 
and  gesegnet  sein;  so  befehl  ich  mich  in  der  heil,  dreifaltigkeit  leoch- 
fang,  der  mich  hente  sieht  und  hört,  der  habe  mich  Ifeb  und  wertk, 
im  namen  etc. 


*)  ähnlich  dänische  formela  bei  Nyerap  morskabsl.  t.  197.  196. 

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BESOHWÖRtJNGBN  cnLvii 

LL     sieh  unsickAar  zu  m^clien. 

Grufs  euch  {rott!  seid  ihr  wolgemat?  Iwbt  ihr  getrunken  des 
herm  Christi  Wut?  'gresegoe  mich  gott,  ich  bin  wolgcmut,  ich  habe 
getrunken  des  herm  Christi  blut.'  Christus  ist  meiu  mantel,  rock, 
üfoik  und  fufs^  seine  heilige  fünf  wunden  mich  verbergen  thun.  ge- 
segne mich  gott,  ich  bin  wolgemut  u. «.  w.  Christus  der  herr,  der 
die  Idinden  seilend  gemacht  und  die  sehenden  blind  machen  kann, 
wolle  eure  äugen  venlunkeln  und  verblenden,  dafs  ihr  mich  nicht  se- 
het noch  merket  u.  s.  w. 

LIL  ßcktpedische  spräche.  (Fernows  Warmeland  p.250fF.) 

Saact  Johannes  evangelist  ban  bygde  bro  for  Jesum  Christ,  vir 
herre  ar  min  hrynja^  och  Jesus  ir  min  försvar.  ser  val  (ot  min  fall 
idag  och  hvar  ötkfij  för  den  heta  eld^  for  den  h^assa  orm^  för  fhn 
hUnda  man^  som  alla  vahia  vitla  kan.  Den  eoa  hone  für  min  nöd, 
den  ara  for  min  dod,   den  tredje  for  min  (attiga  själ. 

aftonbon.  Jag  lagger  i  vars  herres  tröst,  korsa  gor  jag  I5r 
mit  bröst«  signe  t/ug  sol  och  signe  mig  m%ne%  och  all  dtn  frögd  sorn 
Jorden  här,  jörden  er  nun  hrynja,  och  hlmmelen  &r  nun  skjöld^  och 
joBgfni  Maria  ir  mit  si^ärd. 

Siter :  Nu  gär  jag  te  sängje ,  med  mig  har  jag  guds  angle ,  tolf 
te  band  och  tolf  te  fot,  tolf  te  hvar  ledamot 

annu  en  annan:  Vär  herre  Jesus  rider  öfver  hede,  dar  möter  han 
den  Ude,  *hvart  skal  du  ban?'  sade  vir  berre  Jesus.  *jag  skal  at 
kött  at  9uga  blöd,'  'nej,  jag  formenar  dig:  du  skal  ur  ben  och  i 
höti  ^  ur  kött  ock  i  skinn,  ur  skinn  och  ända  at  helfuetes  pina!  ge- 
oora  tre  namn. 

at  döfva  verk:  VSr  herre  Jesus  rider  in  pa  kyrkogard,  dar  döfde 
han  bade  t^erk  och  sl^r,  Jesus  somnade^  verken  domnade ;  Xesos 
ifüknade,   verken  saktnade»    genom  tre  namn. 

LIII.     dänische  Formeln  (Nyerups  morskabsl.  300.  201.) 

at  dolge  eg  og  od.  Las  disse  ord  strax  naar  du  seer  knivene 
eller  svärdene  drages:  stat  eg  og  od^  med  de  samme  ord  som  gud 
skabte  himmel  og  jord.  stat  eg  og  od  med  de  samme  ord  som  gud 
skabte  sig  selv  med  kjod  og  blöd  i  jomfru  Maria  liv!  i  navn  gud 
faders  eta 

Vor  herre  Christus  red  i  herrefard ,  dövede  han  alle  dragne  svard ; 
alle  de  vaaben  som  han  saae,  dem  tog  ban  eg  og  odde  fra,  med  sine 
to  hander  og  med  sine  ti  fiugre,  med  sit  velsignede  blöd,  med  sin 
vardig  lielPig  aaud  og  med  sit  hellige  kors,  med  sine  tolv  engle  og 
med  sine  tolv  apostle.  fra  klud  og  ud  til  od ^  det  huide  skal  ikk^ 
Bidet  det  rode  skal  ikke  blöde ^  farend  Christus  sig  igjen  lader  (ode^ 
det  er  skeet  og  skeer  aldrig  mere. 

Jesus  gik  ad  vejen  fram,  der  mödte  ham  Eylla  den  lede  og  gram. 
*hvor  vil  du  gange?*  siger  Jesus,  'jeg  vil  gaae  til  N.  N.'  *hvad 
▼il  du  der?*  siger  Jesus,  'jeg  vil  ha}ts  blöd  lapt,  jeg  vil  bans  ben 
bidt  og  bans  händer  slidt ,  jeg  vil  hans  hilse  fortappe.*  *nej,  siger 
Johannes  evangelist,  det  skal  du  ikke  giore:  mens  Jesu  navn  mane 
dIg  af  blöd  ißodf  Jesu  navn  mane  di^  af  been  i  steenf  Jesu  navn 
mane  dig  af  hold  i  mold^  Jesu  navn  mane  dig  vd  til  i^erdenä  ende/* 

k  * 


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CXLVlIt 


BBSCHWÖRÜNOBN 


Jeans  InB  mg  wuAw  espen  itod,  haa  «vedte  iraad,  hu  »wik* 
blöd,  flyc  ägte  rosen  for  ordet,  «om  den  dötU  ander  jcrden  ^  um 
duggen  for  dagen,  Jeg  biiider  dig  med  min  liaand,  og  med  Je^u 
baand,  med  jomfru  Marias  haaiid,  med  de  ni  gode  guds  eogler,  «3«rt£ 
hvid  uld  og  grön  gras  og  den  heilig  aaiid«  sande  last,      i  obto  etc. 

Lucia  den  blide  skal  flye  mig  ad  vide:  hvh  dug  jeg  skal  brcdr^ 
hvis  seng  jog  skal  rede,  huis  harn  jeg  skal  bare,  hvis  kjärcUe  je^ 
skal  i'ore,   hris  arm  jeg  skal  sove  t, 

A  ligger  nm  paa  nii  liyver  ley,  saa  souer  a  paa  vor  frou  Fre^. 
herud  Uagirist  i  lierind  Mari  med  Jesus  Christ!  berud  dit  siemnie 
8kaaii!     heriiid  Mari  med  det  lille  baao! 

Tvi!  det  satter  amellein  deulen  «a  raa.  *du  giOr  di  fioger  foc 
brey  aa  di  taa  for  laang'  sagde  jomfru  Mari,  'da  skal  a  bind  dein 
I  en  sUketraa*  sagde  Jesus,  'vig  bort  dii  deuel  aa  i  T  ond  «ander  !^ 
«aa  satter  a  vor  liaris  12  eiigier  omkriug  raa,  to  ve  mia  bored,  tm 
ve  hver  a  min  bien,  to  ve  mi  hyver  aa,  lo  ve  nii  venster  sie,  saa 
vil  a  si  paa  den  denel  der  skal  gjör  mä  uöy,   i  Giosiis  oauu,   unea. 

LIV.     beim    sclimiereu   mit  salz  gegen  den  grij   (greb.) 
skaiid.  lil.  selsk.  skr.  19,  376, 

Christus  gik  sik  tU  kirke,  med  bog  i  liände,  kom  selver  jonrfm 
Marie  gaugende.  Mivi  fnlder  du  löd  (wie  wirst  du  blafs)  min  väl- 
siguede  sön?'    'jeg  haver  faijet  stark  greb  miu  vebignede  moder." 

LV.    gegen  den  griJ  (greb.)*) 

Jeg  giör  at  dette  menueske  for  herggreh^  for  söegreb^  for  dud- 
mans  greb,  for  alle  de  greb,  som  falde  iincUem  himniel  og  jord,  i 
de  tre  uavn  etc. 

LVI.    gegen  vendset  (gicht,   gliedscbmerz.) 

«  Jesus  gik  sig  efter  vejea  Urem ,  der  mödte  han  slmMgen,  bvac 
liar  du  agtet  dlgV  sagde  der  herre  Jesus,  saa  svarede  han:  'til  dea, 
som  svag  er.'  saa  svarede  den  herre  Jesus :  'jeg  skal  dig  igien  vende, 
biem  igien  sende,  jeg  sknl  sende  dig  udi  bierget  biaa^  der  skal  di 
staae,  saa  länge  som  Verden  staaer,  jeg  skal  binde  dig  med  mine 
10  fiogre  og  med  12  guds  engle,   udi  3  navn  etc. 

LVII.    gegen   hnochenbruch. 

Jesus  reed  sig  til  heede,  der  reed  han  syndt  (zerbrochen)  &it 
folebeen,  Jesus  stigede  af  og  ISgte  det,  Jesus  lagde  marv  i  marr, 
been  i  beeu,  kiöd  i  kiöd,  Jesus  lagde  derpaa  et  blad,  at  det  sioldc 
blive  i  samme  stad.    i  3  navne  etc. 

LVIII,    gegen   qi^ärsil   (eine   pferdekrankbeit,) 
Jeg  glor  at  dette  best  for  qvarsil  udi  3  navo.    der  ere  3  ord 

*)  LV— LVJIl  aas  Hans  Hammond  nordiske  niissionsbiitorie. 
Kiobeoli.  1787   p«  119.  190. 


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BESCBLWÖRUNGBN  cxlix 

soiti  ildver  qvSrsil,  et  ti  jorden^  det  andet  er  soUn^  det  tredie  er 
Jeisii  Christi  nioder  jomfrue  Marie. 

LIX.    gegen  nesaehticiu 

Hat  sich  jemand  heftig  aa  einer  ncsiel  verbrannt,  so  nimmt  man 
eiuige  biätter  von  ampfer  (rumex  obtusifoliud,  engl,  dock,  dockoii), 
speit  darauf,  nnd  reibt  damit  die  verletzte  stelle,  indem  man  die 
Worte  ausspricht:  'm  dockon^  out  nett  UV  anderwärts:  in  dock»  out 
uetiUX  schon  bei  Chaucer  (Troil.  and  Cr.  4,  461):  ^netth  in,  dock 
out'^'y  roittellat.  Spruch:  ^exeat  Urtica,  tibi  sit  perisceli^  amica!' 
Urocketts  gloa»ary  of  Northcpuntry  wprds  p,  57, 


Eine  reicliere  samhmg  solcher  aegen  and  beschwörungcn ,  wozu 
lii^^r  (ler  blufse  anfang  gemacht  wird,  mäste  über  ihren  Ursprung  und 
ilire  liewandtnis  vollends  aufklären,  unentbehrlich  sclieinen  aber  ältere 
iiludersclireibungen  *) ;  viele  sind  aus  dem  mund  des  volks  entstellt 
njid  unver:>tändiich  aufgenommen,  ihr  gehalt  ist  oft  hochpoetisch  und 
alterthumlich,  einige  zeichnen  sich  aus  durch  gedrungne  kfirze,  z.  b. 
^uben  aus  und  nirgend  an!'  oder  'wer  mich  scheufst,  den  schiefs  ich 
Wieder V,   'du  hast  mich   geschossen,   ich  schiefse  dich  wieder!' 

Ihre  Wendung  kehrt  in  den  verschiedensten  gegenden  wieder:  ein 
zt'ichen  langer  und  weiter  Verbreitung,  so,  dafs  dem  alb  oder  teufel, 
der  zu  schaden  ausgeht,  begegnet^  and  gesteuert  wird  (XXXVIU. 
IA\.  Llll.  LVl),  aber  auch  die  Begegnung  heilmittel  suchender  bildet 
eingänge  (XXXI.  XXXIX.)  Das  stufenweise  beschwören  aus  mark 
an  bein,  aus  bein  an  fleisch,  aus  fleisch  an  haut  in  VI  und  Lll  be- 
zeugt die  einstimmung  der  altdeutschen  mit  der  schwedischen  formel. 
Alt  ist  auch,  dafs  der  schütz,  durch  thore  (Vllli>),  hrunie  "),  iiemd^ 
Schild,  heim  und  Schubert  ausgedrückt  wird  (IV.  X.  L.  Lll)  oder 
durch  beinernen  leib,  steinernes  herz,  stählernes  haupt  (IX.  X.  XL) 
Alliteration  blickt  noch  häufig  durch  den  reim ,  z.  b.  In  der  zahl  77 
(XXX.  XXXIX)  und  55  (Vlllb.)    in  den  ags.  formein  HI.  IV. 

AVie  sich  alliterationen  und  reime  mischen,  scheint  auch  der  iuhalt 
eine  Verehrung  heidnischer  und  christlicher  wesen  zu  verbinden.  Nebeu 
enft   und   sonne  Maria   (LVlil)»    wie   neben   erde  und  himtnet  (11,) 


*)  aus  einer  trierer  pergamenths.  des  15  jh.  bekam  Horst  (zau- 
berbibl.  4,  363)  viele  segcnsformeln ,  theilt  sie  aber  in  seinem  buch, 
das  ärgerlichen  fiberflufs  der  unnützesten  dinge  darbietet,  nicht  mit. 
Wahrscheinlich  findet  sich  in  dem  Romauusbüchlein  (Görres  no.  34.) 
brauchbares. 

**)  in  einer  hs.  der  cambridger  univ.  LI.  1,  10  findet  sich  ein  lat. 
gegen,  betitelt  iorica^  mit  ags.  interlinearversion :  Mianc  loricam  Loding 
cautavit  ter  in  omni  die.'  es  sind  89  reimverse,  welche  für  alte 
{i;lieder  und  in  allen  gefahren  schütz  erflehen*     die  vier  ersten  verse: 

sufiragare  trinitatis  unitas, 

unitatis  sufiragare  trinitas, 

suflfragare  quaeso  mihi  posito 

maris  magni  velut  in  periculo. 
das  ganxe  nicht  sehr  poetisch  und  oft  schwer  verständlich,  aber  aus 
dem  9  jh. 


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CL  BESCHWÖRUNGEN 

sonm  und  mond  werden  in  X  und  LH  angenifen,  in  XXXV  §o1l  der 
köpf  gegen  die  sonne  gerichtet  sein;  uralter  elenentarcnltiu.  In  der 
jütischen  formet  LIJI  aber  noch  fmu  Freya  ^  wenn  die  übersetzuag 
richtig:  ich  lege  mich  auf  meine  rechte  seile,  so  schlafe  ich  bei  frao 
Freya.  >Ver  ist  Hufriristl  (ragr  altn.  timidus,  malus);  aodi  Bjlla 
(Uli)  scheint  schelte   (vgl.  Rnlla  8.614.) 

Viele  formein  beruhen  auf  blofser  Sympathie  zwischen  gleichnit 
und  ^rkunfr.  Das  blut,'  das  feuer  soll  so  still  stehn ,  wie  ChristM 
still  am  kreuz  hieng  (XLl.  sanguis,  mane  in  renis,  stcut  Chrirtos 
pro  te  in  poenis;  sanguis  mane  fixus,  sicut  Christus  crucifixus);  wie 
der  Jordan  still  stand  bei  der  taufe  (VIII);  wie  die  menschen  ui 
jüngsten  tag  still  stehn  werden  (XXXII.)  das  f«'uer  soll  seine  funke« 
behalten,  wie  Maria  ihre  jungfrauscliaft  behielt  (XXV J);  dem  wum 
im  fleisch  soll  so  weh  werden»  als  es  Petro  weh  ward,  da  er  seines 
herrn  marter  sah  (XXXIV) ;  der  huf  so  wenig  brechen ,  als  gott  je 
sein  wort  brach  (XXXVI.)  Zuweilen  steht  aber  die  formel  des  «leicb- 
nisses  in  unmittelbarem  bezug  auf  die  Wirkung,  z.  b.  wenn  VI  Hb  ein 
fi'iede  gebeten  wird  gleich  dem,   der  zu  Christi  geburt  hersrhte. 

Die  dichter  des  13  jh.  gedenken  verschiedner  segen,  (tiliren  aber 
keine  forroeln  an.  '  daz  stt^ert  bedarf  wol  segens  wort '  Parz.  251, 
15;  ^swertes  segen  bekennen*  Parz.  263,  25;  ^ stvertes  segen  ^ren' 
MS.  2,  233»;  wunden  segen  sprechen  Parz.  607,  23;  nur  Diut.  1, 
862  sind  einige  worte  des  reisesegens  beigebracht:  ^guot  sl  In  weter 
unde  wint!*  dhentsegen^  morgensegen  MS.  1,  184»  2,  36«  Tgl.  I, 
161«  2,  207b.  ein  von  Walther  gedichteter  morgensegeo  steht  bd 
ihm  24,  18. 


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ABERGLAUBE;  cli 

ABERGLAUBE 

fortgesetzte   sainlung.  *) 

953.  mitten  fn  der  cliristnacht  nehmen  einige  ein  gefäfs  mit  Was- 
ser und  messen  es  mit  einem  gewissen  Icleinen  mafse  tn  ein  ander  ge-- 
fäfs,  dies  wiederliolen  sie  etlicliemnl  und  sehen  dabei  2U,  ob  sie 
mehr  wosser  finden,  als  das  erslemni:  daraus  schliefsen  sie  zunähme 
an  hab  und  gütern  im  folgenden  Jahr,  findet  sich  einerlei  rnafs ,  so 
glauben  sie  an  einen  stillstand  des  glucks,  findet  sich  aber  weniger 
wasser^  an  abnähme  und  rflckgang.     vgl.  258. 

954.  etliche  nehmen  einen  erhschlüssel  und  einen  hnäuel  xwirn^ 
binden  den  zwirn  fest  an  den  Schlüssel  und  bewinden  das  knaul ,  dafs 
e:i  nicht  weiter  ablaufen  kann  und  etwa  ein  elen  oder  sechs  los  hangt, 
dann  stecken  sie  es  zum  fenster  hinaus  und  bewegen  es  von  einer 
Heite  zur  andern  an  den  wanden,  und  sprechen  dabei  *  horch,  horch!* 
von  der  gegend  und  seite  her,  wohin  sie  freien  werden  und  zu  woh- 
nen kommen,   lüfst  sich  alsdann  eine  stimme  vernehmen,    vgl.  110. 

955.  einige  schneiden  den  tag  vor  weihnachtabend'  neunerlei  holt 
ab,  machen  davon  mitternacht  e\\\  feuer  In  der  stube,  und  ziehen  sich 
ganz  nackend  aus,  indem  sie  ihre  hemden  zum  gemache  hinaus  vor 
die  thiire  werfen,  beim  feuer  niedersitzend  sprechen  sie:  Miier  sitze 
ich  splitterfasenackig  und  blofs,  wenn  doch  mein  liebster  käme,  und 
würfe  mir  mein  hemd  in  den  schofs.'  der  liebhaber  wird  kommen, 
das  hemd  hereinwerfen,  und  sie  können  sein  gesicht  erkennen. 

956.  andere  nehmen  uier  zwiebeln  t  stellen  sie  in  die  vier  winket 
der  Stube  und  geben  ihnen  namen  von  junn:<^psellen ;  die  zwiebeln  las- 
sen sie  stehen  von  Weihnachten  bis  auf  dreikonigstag.  wessen  «m^m- 
l>el  nun  keimt,  der  wird  sich  als  freier  melden;  ist  keine  ausgeschla- 
gen, so  kommt  keine  hochzeit  zu  stände. 

957.  einige  kaufen  tags  vor  dem  heil,  abend  fQr  einen  pfennig  das 
letzte  endstöf sehen  semmel ,  schneiden  ein  bifsrJien  rinde  ab  und  bin- 
den es  unter  den  rechten  arm,  tragen  es  so  den  tag  über,  und  beim 
sc'hlafengehn  christnachts  legen  sie  es  unter  ihren  köpf,  sprechend : 
'jetzt  hab  ich  mich  gelegt  und  brot  bei  mir,  wenn  doch  nu  mein 
feins  lieb  käme  und  äfsie  mit  mir!'  Findet  sich  frühmorgens  etwas  von 
der  semmel  abgenagt,  so  wird  die  heirat  das  jähr  über  geschlossen 
werden;  ist  alles  unverletzt,  so  schwindet  die  hofnang. 

958.  mitten  in  der  christnacht  gehen  knechte  oder  mägde  zum 
liolzhaufen,  ziehen  einen  scheit  heraus,  und  betrachten,  ob  es  krum 
oder  gerade  sei;  danach  befinden  sie  des  liebsten  gestalt.    vgl.  109. 

959.  einige  kaufen  christnachtü  für  drei  heller  semmel,  theilen  sie 
in  drei  hissen  und  verzehren  sie  durch  drei  gössen^  in  jeder  gasse 
ein  stücke;    in  der  dritten  gasse  wird  man  den  liebsten  sehn. 

960.  man  nimmt  christnachts  eine  tiefe  schüssel,  giefst  wasser  hin- 
ein, setzt  in  zwei  ledige  nufsschalen  wachslichtleln  und  deutet  eins 
auf  sich,  das  andere  auf  die  geliebte;  beide  schalen  läfst  man  dann 
oben  auf  dem  wasser  schwimmen,  gehen  sie  nun  zusammen,  so  ge- 
lingt die  heirat,  gehn  sie  von  einander,  so  wird  nichts  daraus,  (un- 
{ro>viss.  apotheker  p.  649,) 

*)  953  —  959  «US  Praeturii  Salunialia.     Ups.  16G3. 

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cui  ABGaGLAUBB 

96 1.  ist  eiDem  i)er  dieimtbote ,  oder  einer  srliwmigeni  «firoe  der 
liebiiaber  entlaufen,  so  legt  man  einen  gewissen  pfeitnig  in  das  pfänn- 
hin  einer  mith  ^  und  lafst  die  miile  atigekn  und  stärker  laofen.  dann 
liommt  den  flücliligen  solche  angst  an ,  dafs  er  niclit  zn  bleiben  weiCt, 
sondern  hals  und  köpf  heimkehrt,  das  heifsen  sie  'einem  die  angst  ikua,* 
(beschr.  des  Fichtelliergs.  Lp.  1716.  4.  p.  154.) 

f)62.  zu  erforschen,  was  das  jähr  über  geschelin  werde,  stellea  sie 
sich  in  der  christnacht  XII  uhr  auf  einen  kreuz  oder  xrheideu^g^  stein 
eine  stundelang,  ohne  zu  reden,  stockstill,  da  sich  dann  alles  künf- 
tige vor  ihren  äugen  und  obren  zeigt,  das  nennen  sie  *'hordien  gehnj 
(das.  8.  155.) 

963.  auf  S.  Andrestag  nimm  ein  glas  voll  wasscr:  kommt  ein  feodit 
nafs  jähr,  so  lauft s  über ^  wird  ein  dürres,  so  schwimmt s  oben  ent- 
bor.     (aller  practic  grofsm.) 

964.  auf  Andreasftbend  achten  die  mägde,  woher  die  hunde  bellen: 
aus  der  gegend  kommt  ihr  bräutigam. 

965.  sie  binden  einen  Iieller  auf  die  grofse  zehe,  setzen  sich  an 
den  kirchweg,  und  schauen  unter  den  frühmettgangern  nach  ihren 
bräutigam.     (Tharsander  I,  84.) 

966.  zu  erfahren,  ob  ein  kiod  beschrien,  setze  man  onter  seine 
wiege  ein  gefafs  mit  fliefsendem  wasser ,  und  werfe  ein  ei  hineia ; 
schwimmt  es  oben^  so  ist  das  kind  beschrien.  (Val,  Kräutenuana  zaiH 
berarzt  216.) 

967.  böse  leute  haben  in  Schlesien  zu  gewisser  zeit  ein  tnesser 
schmieden  lassen,  damit  nur  ein  kleines  asitein  von  jedem  banm  ge- 
srhiiitten,  worauf  in  kurzer  zeit  der  ganze  wald  verdafb.  (Carlowitz 
s^lvicultur  p.  46.) 

968.  die  eiche  ist  ein  weissagender  bäum,  eine  fliepe  in  gallUfifeln 
bedeutet  krieg,  ein  wurm  thcnerang,  eine  spinne  pestileaa.  vgl.  1046. 

969.  .  bolz  in  den  hnndstagen  geflllt  brennt  nicht» 

,   970.    Johannistag  vor  Sonnenaufgang  stillsdiweigeiids  eichenholz.  auf 
den  leib  gestrichen  heilt  alte  otTenen  schaden* 

971.  elsbeerhfiVLm  hei fst  auch  drachenbapm.  äste  davon  auf  walbnr- 
gis  Ober  haus  und  st^llthür  gehangen  hiuderp  die  einkehr  des  fliegen- 
den drachen, 

972.  eiche  und  nufsbaum  haben  Widerwillen  gegen  einander,  and 
können  nicht  zusammen  stelin,  ohne  zu  verderben,  ebenso  schtvarz'- 
dorn  und  weifsdorn:  stehn  sie  zusammen,  so  behält  der  weifsdorv  al- 
lemal die  oberliand ,   der  schwarzdorn  geht  ans, 

973.  im  bösen  wädel  (zunehmenden  mond)  darf  kein  bolz  gehauen 
werden;  Schlagholz  Im  neumond  gefallt  schlägt  behende  wieder  aas, 
das  im  abnehmenden  gelallte  brennt  besser, 

974.  wenn  saugende  kinder  sterben,  gibt  man  Sbnen  eine  flascbe 
muttermilch  mit  in  den  sarg;  dann  vergeht  der  mutter  die  mllcli  ohne 
brnstschmerzen. 

975.  wer  warzen  hat  nehme  eine  grofse  braime  Schnecke  and  nagle 
sie  mit  einem  hölzernen  hammer  an  den  thürpfosten;  vertrocknet  sie, 
so  dörrt  auch  die  warze  ab, 

976.  begegnet  einem  frühmorgens  eine  alte  frau  und  grüTst,  noCi 
man  ihr  antworten,   *'euch  eben  so  viel/* 

977.  es  gibt  leute,  die  einen  fahrenden  heuwagen  fest  machen 
können,  so  daf5  er  sich  nicht  von  der  stelle  rührt t  man  achlage  aaf 
alle  radoägel,  so  wird  er  wieder  los. 


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ABEAGLAUBE  cliii 

9:R.  in  dubsfufsstofßm  leg«  bumi  breMendka  xiiwlwt  4a4iireli  wird 
er  gebräunt  uml  verratlien. 

979.  fliegt  eine  «ciiwnlbe  in  den  stall  und  unter  der  knli  weg,  §q 
gibt  diefle  bKit  statt  mUeli:  man  fülire  sie  auf  ei«aen  kreuzweg,  me/i:« 
sie  dreimal  durch  einen  ast  und  schütte  ilir  die  gemolkene  milch  drei- 
mal ruckwürts  über  den  köpf. 

9H0.  ein  buud  wilden  thynäan,  oder  dosten  bei  die  mUcb  gelegt 
hindert  das  bebexen. 

))8I.  (;elit  man  auf  fastensonntag  einmal  um  seinen  gartenlwfr  herum, 
so  kaiui  das  ganze  laufende  jähr  keine  planke  daraus  entwendet  werden. 

982.  sind  viel  Schnecken  auf  dem  land,  gehe  man  frühmorgens  vor 
Sonnenaufgang  hin  und  nehme  eine  Schnecke  an  der  ost^eite  weg,  dann 
über  norden  nai-h  weiten  und  lese  auch  da  eine  auf,  von  da  nach 
norden,  von  da  über  o^ten  nach  süden;  hängt  man  die  vier  aufgeles- 
nen  si-huecken  in  einem  beutet  in  den  Schornstein,  so  kriechen  alle 
übrigen  Schnecken  vom  land  nach  dem  haus  in  den  Schornstein  nn«!  sterben« 

J)H3.  wird  beim  krautabschneiden  im  herbst  ein  maulumrf häufen 
unter  dem  kohl  gefunden,  so  stirbt  der  hausherr. 

984.  wejm  man  ein  brot  aufschneidet ,  nennt  man  in  Westfalen 
daä  obere  knuätclien  den  lacheknost^  das  untere  den  f^rieneknost»  geht 
nin/(d  oder  knecht  aus  dem  dienst,  so  kriegt  sie  einen  jammerkaost 
mit ,   den  verwahren  sie  lange  jähre. 

985.  wenn  kinder  den  achluckuk  haben,   waclist  ilmen  das  heri. 
!)86.    sieht  der  bauer  zum  erstenmal   im  jähr  den  storch^  so  wirft 

er  sich  zur  erde,   wälzt  sich  herum,    und   bleibt  nun   das  ganze  jähr 
frei  von  rücken  weh.- 

987.  wer  aus  fremdem  dorfe  eine  kuh  kauft  gibt  aufser  dem  preis 
einen  milchpfennig  t  damit  die  milch  nicht  zurückgehalten  werde,  an 
der  grenzscheide  dreht  er  sie  dreimal  um  und  läf^t  sie  nach  der  alten 
heinwt  schauen,  das  benimmt  ihr  die  Sehnsucht. 

988.  manche  heften  blühendes  farrnkraui  über  die  hausthfire:  dann 
geht  alles  gut  so  weit  die  peitsche  beim  fuhru^rk  reicht, 

989.  am  ersten  fasttag  laufen  kuaben  und  raädchen  mit  angezündeten 
Strohwischen  wie  wütend  auf  den  feldern,  um  den  bösen  sämann  ans- 
autreiben.     (Rhone.) 

990.  in  der  ersten  christnacht  wälzen  sich  di  Rhonlente  auf  nage- 
drosch nem  erbsenstroh.  die  ausgefallnen  erbsen  werden  unter  die  an* 
dern  gemengt,  dann  gedeiht  die  anssaat  besser. 

991.  unschuldigekindertag  wird  jeder  erwachsene  mit  einer  rutha 
gesc/ilagen  und  niufs  »ich  durch  eine  gäbe  lösen,  auch  die  bäume 
werden  geschlagen ;  das  fordert  ihre  fruchtbarkeit. 

992.  wer  sonntags  an  bett  oder  kleidern  etwas  näht,  kann  nicht 
darin  sterben  bis  es  aufgetrennt  ist» 

993.  steht  man  vom  Spinnrad  auf  ohne  die  schnür  los  zu  drehen» 
so  kommt  das  erdmännchen  und  spinnt  darauf:  man  sieht  es  nicht, 
hurt  aber  die  sich  umdrehende  spule  schnurren. 

994.  ein  armer  der  ganz  seine  schuld  bezahlen  will,  mufs  so  viel 
▼aterunser  beten,  als  grashahne  das  ihm  gegebne  brotslücklein  bede- 
cken,   weil  sie  das  nicht  können  sagen  sie  ^gottlohns.' 

995.  man  soll  die  thür  nicht  hart  zu  schlagen:  es  sitzt  ein  geist 
dazwischen,   dem  es  wehthut. 

996.  das  erste  kind,  das  auf  neueingesegneten  tauf  stein  getauft 
wird,  empfängt  die  gäbe  geister  und  Vorgeschichten  zu  sehn,  bis  ein 
audrer  aus  Vorwitz  itun  auf  den  linken  fuj's  tritt  und  über  die  rechte 


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CUT  AnSROLACBB 

schutter  itclitt  dMii  |«dit  die  g«be  mf  fhu  ftber.  jene  wirlm^  i4rd 
aufgehoben,  wenn  die  tanfpatlien  einen  aCrohMm,  eine  fteckondel  oder 
ein  stQck  papier  ins  tanfbecken  werfen. 

997.  wer  immer  betet,  sicli  aber  etwas  darauf  einbildet»  der  heM 
sieh  durch  den  himtnel  und  mufs  jenseits  die  ganse  liäteo. 

998.  läfst  man  butierbrot  fallen  und  es  ßllt  auf  die  batterseitey 
so  imt  man  den  tag  schon  eine  sfinde  gethan. 

999.  wenn  die  mädciien  jäten,  suchen  sie  sich  das  krfiotchea  ^leif 
in  de  meute^  (lieb  entgegen)  und  stecken  es  gar  heimlich  iiei;  der 
erste  Junggeselle,  der  ihnen  dann  entgegen  kommt,   ist  ihr  schätz. 

1000.  wer  ein  haus  baut  mufs  gekauftes^  gestolnes  und  geschenk- 
tes holz  dazu  nehmen,  sonst  hat  er  kein  glück,  im  lappisches  so 
gemeiner  aberglaube,  dafs  die  grofsten  meier,  die  eigen  bolz  bal>eo, 
doHi  einen  bäum  dazu  stehlen  und  sich  dann  angeben  und  ihn  bezahlen. 

1001.  wenn  das  heilige  wetter  (gewitter)  einschlägt,  kann  es  nicht 
mit  Wasser,   nur  mit  milch  gelöscht  werden,    vgl.  1122. 

1002.  beim  flachsjäten  ziehen  die  mäddien  das  nnkraut  den  rotheo 
Henrich  aus  der  erde:  wo  die  Wurzel  hingewadisen  ist,  aus  der  ge- 
getid  kommt  der  schätz ;  ist  sie  gerade  in  die  erde  gewachsen,  so  stirbt 
dn!<  mädchen  bald.     (vgl.  dän.  abergl.  126.) 

1003.  wer  den  storch  zu  allererst  sielet  einkeliren  and  beiCst  ihn 
willkommen,  dem  thut  das  jähr  kein  zahn  weh. 

1<K)4.  wenn  man  schlafen  geht,  olme  den  tisch  abzuräumen,  kann 
das  jüngste  im  haus  nicht  schlafen. 

1005.  welche  magd  senntags  die  knnkel  nicht  abspinnt,  dieselben 
faden  bleichen  sich  nimmer  weifs. 

1006.  welche  einen  rost  über  das  feuer  setzt,  und  nichts  darauf 
legt,  die  bekommt  einen  schürz  im  gesicht  (wird  runzelig.) 

1007.  wenn  man  einen  neuen  beseii  umgekehrt  hinter  die  bansthir 
stellt,  so  kann  keine  hexe  hinein  noch  hinaus. 

1008.  wenn  eine  frau  auf  dem  markst  ein  des  Scheidewegs  sitzend 
ihr  kind  stillt,  bekommt  es  nie  zahnweh. 

1009.  nach  des  i^aters  tod  geborne  kinder  haben  die  krafl,  feile, 
die  auf  den  äugen  wachsen,  drei  freitage  hinter  einander  abzublasen. 

1010.  warumb  gibt  man  nicht  die  beinlein  von  dem  osterlamb  den 
hunden,  das  gesegnet  ist?  man  spricht,  sie  werden  unsinnnig.  man 
mag  sie  inen  wol  geben,  es  schadet  nüt.    (Keisersb.  ameis  52.) 

1011.  wiltu  ein  pfert  hinket  machen,  so  nimb  des  baiims  dm 
der  hagel  ein  hat  geschlagen,  und  mach  daraus  ein  nagel,  oder  eins 
neuen  galgen,  oder  von  einem  messer,  das  einer  pfafienkellerin  ist  ge> 
wesen  (vgl.  pfatfenweib  s.  C^LI,  XXXI V),  oder  von  einem  stumpf 
von  einem  messer,  do  einer  mit  erstoclien  ist  worden,  und  tlrmds 
in  den  trit,     (cod.  pal.  212,  53»>.) 

1012.  zu  erfahren  wie  viel  gute  holden  in  einen  menseben  verzaa- 
bert  sind,  schöpfe  er  stillschweigend  wasser,  nehme  glühende  kohlea 
aus  dem  ofen  und  werfe  sie  ins  wasser;  so  fiel  kohlen  untcrgehn  und 
0uf  den  boden  fallen^  so  viel  gute  holden  hat  er  in  sich. 

1013.*)  hält  der  Sturmwind  drei  tage  ohne  aufliören  an,  so  rr- 
hängt  sich  einer. 

1014.  wer  sich  am  ersten  ostertag  in  kaltem  wasser  badet,  bleiU 
das  ganze  jähr  gesund. 


•)  1013—1104  aus  der  neuen  buuzlauischen  monat^schrift ,  jähr*. 
1791.  1792. 


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ABBRGLAUBB  e&Y 

1015.  wer  SU  irichH^n  aaCerMhoieD  aoigelit,  befegaet  Ni»  eia 
ultes  it^ib,   §0  Ist  er  «nglückllcli,   «iu  junges  mädchen,  gificklictk 

1016.  schreit  bei  ta«^  die  nacht eule^  so  kommt  feuer  aof. 

1017.  wer  skli  eio  kind  in  dtn  tinndeki  anfielit,  bekrense  et  md 
»»ges   'gott  behüte  dich!' 

lOlB.  wer  das  körn  zuerst  blähen  sieht,  esse  neun  bluten  daTDU, 
so  bleibt  er  frei  von  fieber.     vf^.  718. 

1019.  Iiall  der  heulende  hund  dea  köpf  ia  die  höhe,  bedeatet  es 
feuer,   gegeu  die  erde,   eioen  sterbfall. 

1020.  wer  attf  JoliaiiMsabeDd  so  viel  JohanDesworzetn ,  als  im  haus 
leute  sind ,  in  einen  stubenbalken  steckt,  die  pflanaea  nach  den  leutea 
benennend,  kann  setin,  in  weldier  Ordnung  sie  sterben:  wessen  pflanze 
zuerst  dorrt,   der  stirbt  am  ersten,    vgl.  dan.  abeegl.  126* 

loai.  auf  den  ort,  wo  ein  geu^itter  steht ^  ist  es  niebt  gnt  mit 
ßngern   zu   deuten, 

1022.  zur  ader  gelassenes  blut  stets  in  fliefsendes  wasser  zu  giefsen. 

1023.  nach  Sonnenuntergang  keine  milch  und  butter  aus  dem  Itavs 
zu  verlianfea. 

1024.  nialer  am  gesiebt  vertreibt,  wenn  man  die  band  eines  todt«« 
darsuf  legt  und  daran  erwarmen  l&fst. 

1025.  mit  regen  wasser,  das  imf  leichenstsinen  stebn  bleibt/  ver* 
treibt  man  Sommersprossen. 

1026.  sieht  mau  abends  blau  feuer  brennen,  werfe  man  ein  messer 
hinein  und  gehe  vor  Sonnenaufgang  hinzu ,  so  wird  mau  geld  finden. 

1027.  ausgek&mmte  liaare  sind  zu  verbrennen:  denn  tragt  sie  ein 
vogel  in  sein  nest  ^  so  bekommt  man  kopfschmerzen ,  trägt  sie  ein 
st  aar  zu  neste^  wird  man  staarblind. 

1028.  weim  die  schalaster  um  das  haus  herum  schreit,  nahen  gSsteu 

1029.  wen  der  schlucken  rftckt,  trinke  aus  dem  glas  itber  den 
Henkel, 

1030.  regnete  unter  Sonnenschein  t   so  fallt  gift  vom  liimmel. 
1091.    ein  verkauftes  kalb  mit  dem  schwänz  aus  der  thüre  Itinaus 

zu  fuhren,  so  grämt  sich  die  kuh  nicht;  eine  gekaufte  kuh  mit  deai 
schwänz  rückwärts  in  den  stall  einzufikkren,   so  gewohnt  sie  gut  ein^ 

1032.  wenn  sich  die  diele  splittert  ^  kommen  freier. 

1033.  wenn  der  gehangne  abgesclinittez  wird,  mufs  man  Htm  ein« 
ohrfeige  geben,  sonst  kehrt  er  wieder. 

1034.  scheint  der  mond  auf  ein  ungetauftes  kind,  wird  es  mond- 
süclitig. 

1035.  wenn  das  leichenbret  fällt t  stirbt  einer  io  drei  tagen;  weri 
nicht  gebort  hat,  den  trift  es. 

1036.  wen  die  rechte  hand  krümmert^  der  nimmt  geld  ein,  wen 
die  linke,   mufs  viel  ausgeben. 

1037.  wenn  einen  unvermutet  schauert,  so  lauft  der  tod  übers  grab, 

1038.  erlischt  die  altarherze  von  selbst,  stirbt  der  prediger  unter 
einem  jähr. 

1039.  wer  in  einem  schuh  oder  Stiefel  lauft,  verliert  das  mafs, 
aufser  wenn  er  den  nenüichen  weg  zuräcklauftm 

1040.  das  pferd  erlahmt,  in  dessen  frischen  fufstrit  man  einen 
nagel  schlägt,    vgl.  1011. 

1041.  Christabends  im  Hofsen  hemd  den  garten  mit  einem  flegel 
gedroschen^  wächst  im  folgenden  jähr  das  gras  gut. 

1042.  so  lange  eiszapf en  winters  vom  dach  hängen,  so  lange  Ist 
künftiges  jähr  der  flachs  am  rocken. 


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€Lvi  ABBRGLAUBB 

l^tS.    wen«  «In  wirekh^lm  in  d«r  ttabe  tle^,  kommt  schnee, 
1014.     charfr»itognr^^en  mafii  man  mit  nudeln  ans  der  erde  iLratten, 

denn  er  bringt  grofie  dürre. 

t045.     wenn  man  den  pathenbrief  über  des  landet  mund  aufbricht^ 

lernt  es  früher  reden. 

1046.  fliegen  in  gaJläpfein  bedevten  Icrieg,  maden  miswadifl, 
ejfinnen  pettilenz.     vgl.  968. 

1047.  reiser  auf  die  flachsheete  gettedit,  bleibt  das  rieh  nn- 
.behext. 

1018.  abends  dreimaliges  anpochen  t  wem  niemand  da  ist,  fürbt 
dner  ans  dem  lians  in  drei  tagen. 

1049.  stirbt  eine  wödmeriD,  wasche  man  ihre  pläisehe  (sappen- 
schössel)  sogleich  ans,   sonst  kommt  sie  wieder. 

1050.  wenn  bräntigam  und  braut  am  hochzeitstag  einen  dreikSpfi- 
gen  böhnien  unter  die  rechte  fufssohle  legen,   haben   sie  ehegifick. 

10&1.    an  hochzeitstag  schnee  bedeutet  glückliche,   regen  traarlge 

1052.  wer  essen  oder  trinken  mit  dem  messer  nmrdhrt,  bekommt 
Itibschueiden ,  wer  mit  der  gahel^  stechen. 

1053.  stirbt  einer  schwer,  so  lege  man  ihn  anf  den  Wechsel  (wo 
die  enden  der  dielen  snsammenstofsen) ,   so  hat  er  leichten  tod. 

1054.  wer  seinen  tauben  aus  einem  menschenschädel  zu  saufen 
gibt,   in  dessen  schlag  kommen  fremde  tauben  geflogen. 

1055.  wenn  hüner  krähen  kommt  fener  aus. 

1056.  In  welchem  hause  hahn^  katze  und  hund  ron  schu^arzer 
färbe  sind,   kommt  nie  feuer  aus. 

1057.  in  welchem  hause  der  kettenhund  mit  perbrennt,  kommt 
bald  wieder  feuer  aus. 

1058.  will  das  buttern  nicht  geratlien ,  so  peitsclie  man  das  bntter- 
fafs  mit  einer  weidenrutlie,  die  aber  nicht  mit  dem  messer  geschnitten 
werden  darf. 

1tö9.  eines  m&dchens  liebe  zu  erlangen,  suche  man  anvenaefit 
eine  Stecknadel  und  ein  haar  von  ihm  zu  erlangen,  wickele  das  hacu- 
um  die  nadel  und  werfe  sie  rückwärts   in  einen  flufs. 

1060.  werden  aus  verseilen  die  grabtOcher  uerkehrt  auf  die  bahre 
gedeckt  f  §o  stirbt  jemand  aus  dem  hause  nach. 

1061.  wer  hund,  katze,  heulie  kauft,  drehe  sie  dreimal  um  sein 
rechtes  bein,   so  gewohnen  sie  gut  ein. 

1062.  unter  eines  kranken  bett  setze  man  einen  topf  mit  nesseln: 
Ueiben  sie  grän^   so  genist,   welken  sie,   so  stirbt  er. 

1063.  kein  getragnes  hemde  soll  man  zum  sterbekittvl  schenken, 
sonst  zehrt  der  dem  es  geliorte,  solange  ab,  bis  das  bemd  %er- 
west  ht, 

1064.  siehl  eine  Wöchnerin  einer  leiche  nach,  so  bekommt  ihr  kiod 
keine  fiirbe. 

1065.  eines  gehangnen  finger  im  bierfafs  aufgehängt  schalt  dem 
bier  guten  abgang. 

1066.  regnet  s  in  den  braut  kränz,  so  werden  die  aenen  eUeUte 
reidi  und  fruditbar, 

1067.  wer  körn  mlfst  mufs  auf  sich  zu  streichen,  so  streicbt  er 
den  Segen  ins  haus  $  streicht  er  von  sich  ah ,  streicht  er  das  kora 
dem  teufel  iu  die  band. 

1008.  hat  ein  kind  grofden  nabel,  nehme  man  stillschweigend  vi- 
nem  beftler  seinen  staby  und  drucke  damit  kreusweise  den  nibel. 


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ABBUGLAUBB  clvii 

IMft.  m11  eine  flnokheftne  hüner  o^r  ibä^Jitf  brihten,  so  mache 
mau  ihr  nest  aus  des  weibes  eder  niannes  beitstroh. 

1070.  wer  avf  den  daumiia^eln  n^eifse  Jlechen  hat,  wem  die  zahne 
nah  an  einander  stehn,    der  bleibt  in  seinem  Vaterland. 

1071.  verttert  eine  fraa  oder  jungfra«  auf  der  gasse  ein  strumjtf' 
band,   so  ii»t  ihr  der  mann  oder  freier  angetreu. 

1072.  stt  erfahren  wer  einem  thier  vergeben  hat,  sehneide  man 
des  tliiers  herz  aus  und  hange  es,  mit  80  nadeln  dnrclistochen  in  den 
scliornsteio ;  der  tbater  wird  dann  solange  gequält,  bis  er  kommt  und 
sich  angibt. 

1073.  kom  in  der  mickaelswocbe  gesät,  whrd  trespe,  gerste  in 
der  ersten  aprilwoche,   liederich. 

1074.  wer  fieberfrost  hat  gehe  stillsehweigends,  ond  über  kein 
wasser,  zn  einer  holen  weide ,  fuiuche  dreimal  seinen  aihem  hinein^ 
keile  das  loch  schnell  zu »  und  eile  unumgesehn  und  stillsehweigends 
heim,  so  bleibt  das  lieber  fort. 

1075.  junge  maiblumen  vor  Sonnenaufgang  gepAackt  and  unter  das 
gesiebt  gerieben  verhindern  sommersprojsen* 

1076.  eine  schwangere  soll  sieh  nuf  keinen  kästen  setsen ,  der 
unier  ihr  zusehUefsen  karmy  sonst  kommt  das  kind  niclit  zur  weit, 
bevor  man  sie  wieder  darauf  gesetzt   und  dreimal  au%escblossen  bat. 

107T.  wer  vor  sonnenanfgang  unbeihaute  stellen  im  grase  sieht, 
kann  da  geld  finden. 

1078.  leinsamen  zum  säen  einschüttend  lasse  nuin  hoch  in  den 
sack  laufen  1  so  geräth  der  flaehs  long. 

•    1079.     wer  das  fieber  hat,  gehe  an  einem  tag  über  neun  raine  im 
feld,  so  verliert  ers. 

1080.  oder  er  jage  eine  schwarze  katxe  so  lange  bis  sie  toil 
liegen  bleibt  'Wider  cHe  epilepsie  hilft,  eines  enthaupteten  blut  zu 
trinken  und  gleich  darauf  so  schnell  und  lange  zu  laufen  t  als  man 
•«  austmlt 

1081.  Christabends  setze  man  ein  häufchen  salz  auf  den  tisch, 
gchmilst  es  aber  nacht,  so  stiebt  man  Im  nächsten  jähr,  steht  es 
morgens  noch  unversehrt,   so  bleibt  man  leben. 

1062.     wer  Watpurgisabend  alle  kleider  verkehrt  anzieht  und  rücl^ 
•  lings  bis  zu  einem  kreuz wege  kriecht ,  kommt  in  gesellschaft  der  liexea. 

1083.  wenn  die  weife  perkehrt  und  der  fitzfaden  nach  unten  zu 
hängt  und  so  ein  kind  im  haus  zur  weit  kommt,  hängt  es  sich  selbst 
aaf.  liegt  dann  ein  mcsser  mit  aufwärts  stehender  schneide,  so  stirbt 
das  kind  durchs  schwort. 

1084.  man  pflegt  die  kleinste  lade  im  haus  vor  das  Wochenbett  zu 
stellen:  wenn  sich  jemand  darauf  setzt  und  das  wochenlädchen  sich 
4^on  selbst  abschliefst,  so  kommt  die  wöclmerin  nicht  wieder  ins 
kindbett. 

1085.  so  vielmal  der  hahn  Christnachts  unterm  gottesdienste  kräht, 
so  viel  bohmen  gilt  das  nächste  jähr  das  viertel  kom. 

1086.  wer  frutijahrs  sieht  'den  ersten  bauer  im  pflüge,  die  erste 
schwalbe  im  fluge^   hat  ein  glückliches  jähr. 

1087.  wenn  eine  ledige  frülijahrs  bei  ankunft  der  vögel  zwei  bach^ 
stelzen  zuerst  beisammen  sielit,  so  maclit  sie  das  jähr  hochzeit. 

1088.  begegnet  dem  brautpaar  auf  dem  wege  zur  trauung  ein 
ftsder  mist,  so  bedeutet  das  uugidckliche  ehe. 

1089.  man  lasse  die  gerste  vor  dem  säen  durch  ein  mamuhemde 
laufen ,  bo  scliadea  die  speriiuge  der  firucht  nkht. 


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oLTni  ABBIALAOMS 

1M0.  wfr  gf^oupe  ifiil,  4m  kann  der  f«U»f  wkhH  tibiw,  mtm^ 
er  noch  ein  körnchen  <kvon  im  nuigen  kat 

1091.  seblagt  man  an  einer  ech  des  titehet  oder  häsrfUs  femer, 
§o  kommt  der  brand  in  den  kirae. 

1092.  wenn  die  weiber  «raaehen  wellen,  muGs  allea  im  hanse 
freundlich  aufstehn^  ao  bekommt  mau  «ckOn  wetter. 

1098.  ledijire  binden  Jobannisabend  einen  b^anz  von  nsttnerlei  Uu- 
meHy  werfen  iiiu  rfickwarts  und  lülUckweisenda  auf  einen  beutm*  to 
oft  er  beninter  fallt,  ao  viel  jalire  bleiben  aie  nocb  unvefkoiratet. 
Tgl.  848. 

1094.  hat  ein  brennender  span  im  winter  einen  grofsen  rispel^ 
ao  bedeutet»  schnee;  springt  der  rispel  mitten  ?ou  einander,  gäsie^ 

1095.  e«  iat  niclut  gut,   Ober  Kehricht  zu  gehn» 

1096.  kinder  mit  ruthen  ?on  sdion  gebrauchtem  heeen  geacldagen, 
▼erdomn.^ 

1097.  aolten  die  kühe  viel  milch  geben,  lo  kaufe  man  den  eem» 
merkindeirn  eiiieu  eomrner  ab,  und  atecke  ihn  über  die  tliür  dea  atalU. 

1098.  beim  ersten  weidetreiben  der  kühe  bindet  man  ihnen  ei« 
roihe;!  fleckohen  um  den  acbwans ,  ao  können  aie  nicht  behext  werden. 

1099.  soll  die  hexe  über  das  vteli  keine  macht  haben,  ao  aperre 
man  naditlang  einen  baren  in  den  atall:  dieser  kratsi  das  venteckte, 
worin  der  sauber  liegt,  heraua  und  sobald  ea  ami  dem  atall  geschalt 
wird,    hat  das  vieli  keine  anfechtung  weiter. 

1100.  fladis  anf  Laareutii  gekauft,  verbrennt 

1101.  wer  etwas  sagen  will  und  ea  vergessen  hat,  acbreüe  über 
die  thiirschu^Ue  hinaus  und  wieder  herein,  so  lallt  es  ihm  wieder  ein. 

1102.  ein  bieneuwirt  schenke  bei  der  honigernie  vteloM  davon,  so 
ihid  die  bienen  wieder  mildthätig  gegen  ihn« 

1103.  am  heil.  Christabend  lege  man  einen  stein  auf  die  bäume^ 
ao  tragen  sie  desto  mehr. 

1104.  neugebornen  manchen  lege  man  über  die  brüste  ein  aeU 
von  einer  alten  Ufeiberhaube ,   damit  sie  der  alb  nicht  aussauge, 

1105»  allerheiligenabend  werfen  Junge  leute  in  Norlhumbeiiand  ein 
paar  nüsse  ins  feuer.  liegen  sie  still  und  brennen  sie  zusammen,  so 
weissagt  es  eine  glückliche  ehe,  fahren  üe  aber  krachend  von  einan- 
dnr,  eine  [unglückliche.    (Brockett  p.  152.) 

1106.  wenn  die  braut  sich  entkleidet  stellt  sie  einen  ihrer  strumpfe 
einer  brautjungfer  zu,  die  ihn  unter  die  versammelten  hochzeitgiüste 
mrft,  auf  wen  der  strumpf  niederfallt ,  der  wird  sich  zunächst  ver- 
heiraten,    (das.  218.) 

1107.  braut  und  bräutigam  setzen  sich  am  ende  der  hochzeit  aaf 
das  brautbett,  in  voller  kleidung,  ausgenommen  sclinh  und  strümplt. 
eine  der  brautjuugfern  nimmt  des  bräutigams  strumpf,  stellt  aich  unten 
mit  dem  rücken  an  das  belt  und  wirft  mit  der  linken  hand  itber  die 
rechte  Schulter  den  strumpf,  nacli  dem  geeicht  des  bräutigams  zie- 
lend, das  tliun  dami  alle  mädcheu  nach  der  reihe,  und  die  welche 
sein  gesiclit  treffen  werden  bald  verheiratet  Der  strumpf  der  braut 
wird  darauf  von  den  jungen  bursdien  auf  gleiche  weise  geworfen, 
und  ebenso  daraus  geweissagt,     (das.) 

1108.  den  abend  des  h.  Marcus  wadion  einige  junge  leute  die  ganaa 
nacht  über  im  portal  der  kirche:  dann  sehen  sie  die  geister  alier, 
welche  nächstes  jähr  sterben  werden^  in  gewöhnlicher  kleidung  ver- 
übergehn.  Leute,  die  eine  soldie  wache  gelialten,  aind  der  ganzen 
gemeinde  ein  schreckeBi     aie  können  durch  bedeutende  blicke  oder 


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ABERGLAUBE  ci.ti 

winke  den  nahen  tod  der  mensctien  angeben.    Ödes*  MB.)     In  Ost- 

frieüiand  lieifät  es:   'solche  leiite  können  quad  seheiu' 

1109.  Cliri0tabends  wtrd  ein  gro£ier  boluklota  ins  fener  gelehrt 
{^yuleclog,  yullclog^  Ciiristmas  log)  und  wo  möglich  die  folgenden 
tage  brennend  erlialten.  em  stäck  davon  bleibt  gewöhnlich  aufbeiial- 
ten,  um  damit  nädiste  Christmesse  den  neuen  klotz  anzuzünden,  es 
bewahrt  zugleich  die  familie  vor  schaden,  (das.  243.)  will  der  klotn 
nieht  brennen,   oder  brennt  er  niclit  aus,  so  weissagt  das  unheU. 

1110.  wenn  der  ackermann  frühjahrs  zu  felde  zieht,  die  erste 
fnrehe  mit  ungekeiltem  pftug  ackert  und  diese  erde  in  die  vier  ecken 
€ier  Stube  streut,   so  weichen  alle  flöhe.     (Krünita  1,  42.) 

Uli.*)  auch  hunde  und  schwarze  schafe  haben  die  gäbe  *quad 
zu  sehen'y^  und  man  kann  sie  von  ihnen  lernen,  wenn  der  heulende 
hund  irgend  ein  gesicht  hat,  so  sehe  man  ihm  zwischen  den  ohren 
durch  und  hebe  sein  linkes  bein  auf;  oder  man  nehme  ihn  auf  die 
Schulter  und  schaue  so  zwischen  seinen  ohren  durch.  Will  man  die 
kunst  los  sein,  so  kann  man  sie  auf  den  hund  übertragen,  indem 
man  ihm  auf  den  rechten  fufs  tritt  und  ihn  über  seine  rechte  Schul- 
ter sehn  läjst, 

1112.  wohin  der  heulende  hund  die  schnautze  steckt,  ans  der 
gegend  wird  die  künftige  leiche  hergetragen. 

1113.  zuweilen  geben  thurmglocken  den  dumpfen  todtenklang  von 
sich:  dann  wird  bald  einer  in  der  gemeinde  sterben,  (vgl.  no.284.) 
An  welcher  seite  der  glocke  beim  leichengelfiute  der  kl6(fpel  zumf 
letztenmal  anschlagt,  von  der  seite  des  dorfs  kommt  die  nächste  leiche. 

1 1 11.  wenn  eine  kolilpflanze  im  ersten  jähr  blute  trägt ,  oder 
weifse  stellen  an  den  blättern  bekommt,  entsteht  im  banse  de%  be- 
aitzers  ein  Unglücksfall. 

1115.  ein  haus,  hei  welchem  ein  stern  niederfällt^  darin  wird  näch- 
stens einer  sterben. 

1116.  es  bedeutet  krieg,  wenn  der  kirschbaum  im  jähr  zweimal  blüht, 

1117.  scheint  am  lichtmesstage  die  sonne  auf  den  altar,  so  ist 
ein  gut  flachsjahr  zu  gewarten. 

1118.  die  hexe  kann  dem  vieh  dadurch  scliaden,  dafs  sie  auf  sei- 
ner  weide  den  thau  vom  grase  streicht, 

1119.  eierschalen  mufs  man  zerknicken;  sonst  kann  die  hexe  den 
menschen  die  daraus  gegessen,  den  hflnem  die  sie  gelegt  haben, 
schaden. 

1120.  wer  etwas  efsbares  findet,  werfe  den  ersten  bissen  davon 
weg ,  sonst  könnten  ihm  die'  hexen  schaden. 

1121.  von  sieben  mädchen  aus  einer  ehe  nnmittelbnr  auf  einander 
geboren  ist  eins  ein  werwolf 

1122.  schlägt  der  blitz  ein,  so  läfst  sich  der  brand  nnr  mit  milch 
loschen,     vgl.  1001. 

1123.  wer  mit  dem  finger  nach  dem  monde  deutet,  erhält  einen 
hölzernen  finger. 

1124.  Strohwische  von  Ätf//J/roA,  wortlnf  ein  todter  gelegen  t  aufil 
feld  gesteckt  kommt  kein  vogel  in  die  saat. 

1125.  vögel  werden  aus  der  saat  abgehalten,  wenn  man  beim  eggen 
links  geht  und  einen  gewissen  segen  spricht,  den  man  aber  von  einer 
person  andern  geschlechts  erlernt  haben  niuifs. 


*)  1111  —  1128  ostfries.  abergl.  (weatßi.  auh  1810  ne.68..^tS^) 

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CLX  ABERGLAUBE 

1IM.  *)  wenn  «li  kM  in  den  spiegel  4iiel,  w  aScbt  ipredifa 
kao,   ist  nicht  ^ol, 

1 197.  iwei  kijukr,  so  aocb  aicht  fprecbe«  köuiett,  sott  mmu  nickt 
suMmmen  sich  küssen  laisen. 

II  SB.    Ale  grillen  oder  efeneimichen  briogeo  ein  aegKIck. 

1129.  men  sei  nicht  spinnen  oder  waschen  so  IsDg^  eia  todt«r 
iber  erde  tteliet. 

1130.  wnnn  einem  drei  tropfen  hluts  a«s  der  Mee  feUet,  Iwdeirtet 
WM  soaderlichs« 

IISI.  auf  der  lee  nrafs  man  ntclit  eagen  thurm  oder  kircket  aom- 
derii  «/</>,   sftitie  und  dergleicben. 

1139.    man  mufs  nicht  reden,   wann  ein  ander  trinket. 

1 1 33.  es  int  nicht  gut  dafa  zu^ei  zusammen  trinken» 

1134.  dafern  das  holz,  wann  es  an  dem  feuer  liget,  nnd  wegen 
der  nasse  luft  auslesset  ond  brauset,  bedeutet  keif. 

1135.  wann  ein  gerichte  im  topfe ^  naclidem  es  vom  feuer,  nach- 
kochet ,   xeigets  an  dafs  keine  hexen  im  hause. 

1136.  man  kan  die  pocken  verkaufen^  und  der  sie  kaufet,  krieget 
so  viel  nicht  als  sonst. 

1137.  wann  man  aufserhalb  des  hauses  aa  thon,  und  sich  in  der 
thür  umbkehret,   und  nicht  alsobald  fortgehet,  ist  niclit  gut. 

1138.  das  naseßücken  bedeutet  einen  rausch. 

1139.  wenn  ein  naget  bei  dem  einschlagen  im  sarke  sich  beuget 
und  nicht  Ittuein  wil,   folget  bald  einer. 

114«.  man  mufs  auf  keinen  montag  in  den  dienst  treten,  in  ein  bans 
aieJien  oder  sonst  was  beginnen,   solches  wird  sonst  nicht  wocheaalt. 

1141.  über  die  wiege  sich  zvl  spannen  ist  nicht  gut,  davon  kompt 
das  fherzspann, 

1149,  wenn  man  salz  und  brot  auerst  in  ein  haus  bringet,  das 
man  beziehet,  so  hat  man  drin  keinen  lebensmangel. 


KRÄUTERABERGLAUBB.  *') 

Beifufs,  wer  beifufs  in  seinem  haus  bat,  dem  mag  der  tenfel  kei- 
nen scliaden  zufügen,  wer  beifufs  wurzeln  über  die  tliore  des  banse« 
legt  oder  hangt,  dem  haus  mag  nichts  Übels  oder  ungehearigkeit  an- 
geßigt  werden.  Iieifst  auch  bücke  und  S.  Johanns  gürtel,  etliche 
gürten  sich  damit  an  Johannes  des  täufers  tag  und  werfen  es  her- 
nach in  das  Johanns  feuer ^  mit  jprücben  und  reimen,  beifst  auch 
sonnenwendgürtcl ^  weil  man  es  zur  Sonnenwende  umgürtet,  etliche 
graben  es,  wie  verbena,  suchen  kolen  und  narrenstein  darunter, 
machen  kränze  daraus,  hängen  es  um  sieb  und  werfen  es  mit  ihrem 
Unfall  in  S.  Jolians  feuer,  unter  »prucheo  und  reimen,  wer  beifnfs 
mit  Salbei  anhängt  ermüdet  nicht  auf  der  reise. 


*)  1126  bis  1142  aus  des  uhralten  jungen  leiermata  Insügea  cor- 
respondenzgeist.  1668  p.  170 — 176. 

**)  mitgetheilt  von  Meusebach  ans  Joliann  von  Cube  garten  der 
gesundheit.  Augsb.  i486.  Leonh.  Fuchsens  new  kreutterbucb.  Basel 
154S.     Hier.  Bocks  kreuUrbnch.    Straisb.  1546. 


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KRÄUTBiUBiüiaLÄUBB  clxi 

Smgrunt  ptfivittea«  M>lt  gesatunelt  werden  swicchea  i|en  iweia  un- 
fl^r  fraueotagen,  assumtioDis  und  nalivitatis.  wer  daa  kraut  bei  sich 
trägt,  über  den  hat  der  teufel  keiue  gewalt,  über  weldier  hauatliür 
es  bäiigt,  in  das  haua  mag  keine  Zauberei  kommen^  kommt  sie  aber 
hinein,    so  w&bnt  sie  sich  darin  verrathen  und  weicht  bald  daraus. 

Ritiersporn.  rittersblumen  drei,  in  jungfrauenwacbs  gewirkt  und  an 
den  hals  gebangt,  und  damit  S.  Ottilien  eine  messe  gefrommt,  oder 
drei  almosen  um  ihren  namen  gegeben  oder  drei  paternoster  andächtig 
gebetet,  wer  diese  drei  gottesdienst  gethan  hat^  dessen  äugen  blähen 
gesiuid.  diese  bhimen  alle  tage  angesehu,  denselben  tag  kommt  dir 
kein  aiigenwehthum.  etliche  nehmen  dieser  blumen  ein  busdilein  und 
hängen  sie  aber  det  tbör  der  stnbe  oder  kammer  auf,  dafs  sie  darein 
sehen  mögen,  diese  blumen  hat  die  Hebe  Jungfrau  sant  Ottilia  sonder- 
lich lieb  gehabt^   davon  ihnen  dann  solche  gewalt  kommen  ist. 

Teufels  abbifs,  die  meister  sprechen  j  dafs  dieses  krautes  wursehi 
tauten  stumpf  sind)  gleich  wie  abgebissen.  Oribasius  sagt^  dafs  mit 
dieser  wunsel  der  teufel  So  grofsen  unfug  trieb,  dafo  die  mutter  got- 
tes  ein  erbarmen  hattft  und  ilim  die  macht  benahm.  ?0r  grofsera  grimm 
biß  tr  du  Wurzel  unten  abj  und  so  Wächst  sie  noch  heute  des  tages. 
IVer  sie  bei  sich  trägt,  dem  mögen  teufel  und  böse  weiber  nicht 
schaden.  Nach  andern  bifs  er  sit  ab,  weil  er  ihre  arznei  den  men- 
gehen  niclit  gönnte; 

Salbei,  selbe,  sahiai  Vier  «lochen  in  mist  gelegt,  Wächst  daraus 
ein  Togel,  der  hat  ein^n  vedel,  gleich  einer  schlänge^  und  sieht  aus 
wie  eine  drossel.  diesen  vogel  soll  man  brennen  su  asche  und  pul?er. 
dieses  pttlver  thue  man  in  eine  ampel,  mache  darin  den  wiechen  von 
einer  seh  langenhaut,  und  wenn  daA  lieht  brennt,  bedankt  alle  leute, 
das  haus  laufe  voll  schlangen. 

Hartheu ,  Johannes kr€iut ,  hartJtawi,  *)  wie  die  zahme  raute  alles 
gift,  so  vertreibt  die  wilde  raute  Oder  barthaw  alles  gespenst.  die  al- 
ten weiber  sagen i  'dost,  barthaw  und  weifse  heid  tliut  dem  teufel  vil 
leid;'    viele  leute  tragen  sie  bei  sich  gegen  gespenst  und  ungewitter. 

Modelgeer,*')  die  alten  weiber  Sagen:  *'modelgeer  Ist  aller  Wurzel 
^in  eer,'  er  wird  zu  liebeszanber  gebraoclkt.  im  Westerrich,  sobald 
ein  sausterben  eintritt,  hacken  sie  die  Wurzel  den  sChweiuen  iii  das  äft, 
mit  etlichen  gebetlein ^  soll  die  Schweine  behüten,  dafs  der  scbelin 
nicht  miter  sie  komme; 

Knabenkraut ,  trocknet  sehr  langem.  Auf  Johannis  hängen  sie  im 
'Westerwaid  nnd  Westerreich  das  kraut  in  die  kammeni,  stecken  es  ia 
die  wände  über  die  thür^  da  bleibt  es  grün  und  schlägt  aus,  bis  ge- 
gen Weihnachten,  verhoffen,  so  lange  es  grüne,  könne  wer  es  aufge- 
hängt in  keine  tödliche  krankheit  fallen,  etliche  weiber  halteii  und 
lehren,  so  ein  knäblein  gehrochen  wäre,  dem  kind  soll  man  einen  ^ock 
dieses  kraots^  zwischen  die  beine,  im  garten  setzen:  sobald  das  kruut 
anfuhe  zu  hekUiben,  werde  der  brach  des  kindes  heilen, 

Donnerwurz,  donnerbar ^  diirwurz  (bei  üeniscli  729, 16  dirrwürz)  '•*), 
tiauswurz,    dem  hans^  auf  welchem  das  kraut  wächst,  thut  das  wetter 


♦)  also  nicht  harthuh  wie  s.  6T8j  doch  Frisch  hat  I,  448  hartheu 
unter  hypericom  aber  harthun, 

**)  auch  Pictorius  roodelgeer,  senecio.    gewis  für  madelger.    Ma- 
delgir  im  Morolt  40.  41  söhn  einer  meermiiiue. 

•••)  ist  dürTwärz  entstellt  ans  dornwurz,  donrwnrz? 

i 

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cLxii  krautbrabbrolaubb 

ketnen  schaden,  donner  und  MUb  fdilageii  nicht  htn^.  «nf 
I.  fr.  himmelfahrt  sammeln  die  weiber  dieses  kravt  in  ihre  wfirawische 
(Fischart  Garg.  147b)  ond  fteihen  sie;  gespenster,  donoer  und  ba- 
gel  können  an  dem  ort  nicht  schaden,   wo  dies  krant  ist 

Brdwurz,  erdapfel^  tcfiweinbrot.  wenn  schwangere  darüber  schrei- 
ten Ivringen  sie  das  kind  nicht  an  die  statt  (snr  weit)  kreUseaden 
angehängt  erleichtert  die  wnrs  das  gebahren. 

fyiderthon^  widertod.  damit  wird  viel  abentener  getrieben,  das  lassen 
wir  als  narrenwerk  und  teufeis  gespenst  fahren,  beifst  auch  jun^raa- 
har^  harnkraut  ^  und  ist  schon  gold&rb«  es  haben  die  alten  wdbef 
viel  fantasei  mit  kfäutem  und  sprechen,  das  rodie  steinbrecblin  mit 
den  linsenblättlein  heifse  abthon  i  das  nacket  jnngfiranhar  heidM  H'ider^ 
thorij  und  mit  beiden  können  sie^  nach  ihrem  gefoUen  *  abthon*  ond 
*widerthon.'0 

Braunwurxi  die  weiber  binden  sie  dem  vieh  an,  inaden  und  war- 
mer sn  vertreiben;   haben  seltsamen  aberglanben  damit 

tVolfsbeerst  Sternkraut,  mit  der  Unken  hand  abgebrochen  heilt  und 
mindert  gesell wulst.  auch  consiligo  (Cotumella  6,  5)  graben  die  hirten 
vor  Sonnenaufgang  mit  der  linken  y  dann  ist  es  heilkraftiger* 

Farnkraut  ist  auf  dem  feld  schwer  nn  tilgen,  auber  man  ackere 
und  reilse  es  um  auf  den  tag  Johannis  enthanptung ,  dann  vergeht  der 
farn.  er  soll  weder  blumen  noch  samen  tragen;  wer  famsameo  holen 
will  mufs  keck  sein  und  den  teufel  zwingen  können,  man  geht  ihm 
auf  Johannisnacht  nach ,  vor  tages  anbruch ,  zündet  ein  fener  an  und 
legt  tücher  oder  breite  blätter  unter  das  ÜEurmkraut»  dann  kann  man 
seinen  samen  auflieben. 

Siebengezeit  t  ein  garteiiklee,  der  siebenmal  taglich  seinen  genich 
hat  und  siebenmal  verliert  ausgerupft  und  aufgehängt  behält  er  ihn 
immer],  und  durchdringt  das  ganze  haus,  die  Ihiuen  hängen  ihn  aber 
tisch  und  bett  gegen  gespenst  und  gift 

Mergendre/ien  (MarienÜiräne),  steudelwurz.  es  hat  fleckige,  schwan 
getupfte  blätter,  gleich  als  ob  es  darauf  geregnet  hätte. 

Eberwurz*  wird  In  den  trog  genagelt,  dafs  die  schweine  darüber 
fressen,  wer  sie  bei  sich  trägt,  mit  einem  andern  über  feld  gehend, 
böfst  seine  kraft  ein. 

Mistel,  die  eichenmistel,  heselinmistel  und  bimbäuminmtstel  darf  d» 
erde  nicht  berühren,  einige  lassen  sie  in  silber  fassen  ond  hängen 
sie  jungen  kindem  an  den  hals. 

Sevenbaum,  wird  von  den  pfaffen  auf  palmtag  geweiht,  man  achtet 
auf  die  ersten  schöfslinge,  die  nach  dem  kreuz  geworfen  werdan.  sie 
schützen  gegen  sanber  und  gespenst 


*)  mannheit  nehmen  und  geben?   nach  Frisch  3, 446  lunnria,  thon 
saintifera. 


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REGISTER. 


aaskereia  531*  603 
abcut  73 
abegetroc  261 
Abel  630 
abgott  11 
Abnoba  177 
abtbon  clxii 
Abiindantia  177 
Abandia  117.  522 
adderetones  702 
Aegidura  147 
Aelle  III 
elmesmen  710 
Aeoliu  361 
Aesares  17 
Aeacvine  iii 
Aeflir  472 
Aethelbeorht  11 1 
tetla  502 
atfenberg  393 
Agazio  147 
Agemood  291 
ajeerald  633 
Agni  340 
agFömauijojt  249 
ahurdmazdÄo  549 
klhr  25 
ainis  135 
aitwaras  262 
Äiv  457 

ÜMQU»^  114.  116 
alahttat  40 
alb  248 

atbaael  658.  709 
Alberich  256 
albleictt  264 
albschofg  122.127.259 
Albtbonar  127 
albzopf  262 
aldarlaga  500 
aldarrof  470 
ä\(sh\6i  252 
alfranke  608 
aliiait  xLVi 
allit»  39 


AHorlina  227 
allbrunsts  Sl 
allermannsbarnisch  632 
Aloe  III 
alpruthe  126 
Alptarliamr  240 
alniUD  228.292.583.695 
Alsvidhr  376 
alter  wibe  troiim  607 
alte  «lauge  559 
altflaot  553 
altissimus  l5 
alvitr  239 
alx  39.  204 
ana  gdn  433 
Anar  424 
Andldngr  466 
Andseeg  iit 
aneganc  649 
Angeltbeov  iii 
Augen  Vit  iii 
anima  477 
Annarr  xxit 
Ans,  Anses  17-  xxt 
Ante«  301 
antheiz  24 

an«chri8tll8.468.539 
antiqniM  angnia  559 
antiquas  exercitus  527 
antiquus  boatis  553 
Apollo  78. 111. 470.564 
aptragÄnga  512 
aquilo  362-  560 
aranscarti  268 
arima  705 
Arminias  21 1>  212 
Artns  528.  540 
Arvakr  376 
Ä»  17 
asans  435 
Asbiorn  305.  385 
Asbrü  421 
Askr  207 
Asmegin  128 
Aspri^u  305 


Athene  164.  309 
Atropoa  233 
atzman  618 
Aucholf  438 
aiihns  359 
Anrinia  227 
Aurora  181.  349.  400 
Aostri  181 
avara  72 
Avar  183.  185 
Avama  700 
Aventinre  709 
Azdingi  (XXII) 
Baalsebub  559 
Bac<!bn8  160 
Badahenna  42 
Bäldäg  141.  rrr 
Baldr85. 104.110.141 

463. 692 
Baldrsbrd  A2 
barguest  292 
barlebaen  562 
barri  41 
Barthe!  294 
batdnie  632 
bearo  41 
Beav  XI r 
Bechtli  172 
Bedeca  iii 
fiedvig  XU 
Befaua  174 
beb  464 
Bebte  172 
beifufs  CLX 
Beider  142 
belewitten  266.  672 
b€o  20 
Bensozia  175 
Benz  562 
Benzorla  175 
Beouoc  III 
BeoFulf  XTii.  707 
Berecyntliia  694 
bergbüi  306 
bergdAn  306 

1* 

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CLXIV 


bergriti  306 
bergtagen  263.  548 
Berhanpten  380 
BerbU  169-  139.  291. 

522.  532 
BerhtoU  522 
berlach  695 
Berthe  au  grandpi^  173 
bescbaffen  503 
befenreiteria  604 
Besla  304 
bethphania  328 
betonica  632 
bettiriso  670 
hevföd  435 
bjaraan  6l8 
bibax  700 
bidjaD  19 
Biet  219 
Bjelbog  549 
Bifröst  421.  471 
biglove  639 
Bil  410 
Bildaberta  170 
bilde  gtexen  72 
billtcb  266 
BilUng  219.  695 
biUenschnitter  268 
bilwezschqüt  268 
bilwiht  266. 267 
bilwiz  587 
biosenBcbneider  269 
Biscop  III 
bi«oop  59 
biudan  24 
BlakoUa  592 
Blaaerle  260 
Bläster  318 
blatevfieze  255 
blecken  121 
Bleckezahn  496 
blerr  632 
Blicero  494 
blinder  riese  52^ 
blitz  121 
Blocksberg  591 
bl6ta  22.  23.  580 
bldtmadhr  62 
bidtnaat  30 
bock  557 
bockschnitt  269 
bocksdom  349 
Bölthoru  304 
bcen  626 


böser  feind  552 
böses  äuge  624 
böten  583 
boeträ  290 
Bogud  183.  187 
b^n  20 

bona  domioa  179 
bona  socia  179 
bonae  mulieres  596 
bonnes  dames  178>594 
Boreas  361 
Bors  207 
Bragi  62.  144 
Braite  695 
bramberend  562 
Brand  iii 
brandae  353 
brandons  357 
brandskat  702 
brausen  515 
Bredeblick  142 
brego  144 
Brehte  694 
Breidhablik  142 
briguet  528-  707 
bring  690 
brinnd  670 
brising  702 
BrisiDga  men  194 
Brocken  591 
Brönugras  305 
Brond  142 
Brosinga  raen  195 
brownies  251 
brüarspordr  421 
bmnneniiolde  166*  275 
Bruno  693 
Bubba  III 
bücke  oLX 
buUmann  288 
bulwechs  265 
burgrüne  583 
Buri  204*  207 
Buri^nberg  707 
butte  289 
butze  288.  562 
butzerolle  289   HL* 
Byrgir  410 
bytebauw  289 
Caccus  183.  185 
Cain  412.  700 
cambiones  xlvx 
Carl  525. 
Carles  vku  102 


627 
C&sere  ifi.211 
Castor  71.84.204.689 
casulae  xxxi 
caucttlator  584 
Ceadbed  11 1 
oensus  395.  690 
Cerbems  222*  471 
Cerdlc  in 
Ceres  154.  706 
Charon  490 
Chattns  (ICSII) 
Chimke  286      . 
chrtoecrAd  368 
Christian  11.  530 
Christus  37. 124.  647 
churzibolt  254 
Cisara  188. 
Ciza  182 
Clotlio  233 
Cnebba  in 
cobalus  286 
coifi  52.  61 
cotinc  58 
Creoda  in 
Cretta  in 
cupa  33 
Cvichelm  in 
cvis  465 
Cybele  154-  691 
Cyneveald  in 
Cynric  in 
dadsisas  628 
Daedalua  221 
daemon  marioos  283 
daemonium  551 
daumling  254 
Dainn  460 
danie  189 
dAse  708 
diuthus  488 
dehse  588-  708 
deis  66.  189 
Dellingr  424 
Demeter  154 
Dep^ghoz  322. 577 
Derk  139.525 
demea  wihti  556 
Detinez  666 
dens  131.  424 
dem  264.  582 
DboT  570 
diabolus  37.  550 


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CLXV 


Diana  77.86.174.176. 

177.  195.  425.  522. 

594.  595.  706 
d}ar  62 
die«  424 
diesse  167-  708 
Dieterich  t.  Bern  524. 

540 
Dieterich  Bemhart  524. 

706 
Dieterle  411 
ding  248 
Diomedes  383 
Diosearen  85 
Dirp  539 
dl»  65.  189.  226 
dobro  pan  93 
dobra  srichia  510 
dodoia  335 

docll   CXLIX 

docic&lfr  249.  696 

doli  143 

ddlgr  513 

domioa  695 

dominae  noctnmae  594 

Don  695 

Donar  T7rll2.449.568. 

693. 
donna  189 
Doonerbart  125 
Donnerbesen  125 
Donnerbühei  693 
Donnerdistel  126 
Donnergaeg  125 
Donnerkaute  693 
Donnerkraut  126 
Donnersberg  115 
Donnersmark  127 
Donnersreut  127 
Donnerstein  122 
Donnerswee  126 
Donner#lirz  olyi 
Donnerziege  126 
donnola  655 
dorant  632 
doste  632 
Dovrefield  592 
draca  542 
Drachenfels  542 
draugr  512 
dreikraut  633 
dremil  149 
Drifa  361 
dr6s  561 


drdst  299 
drnnjus  693 
dröt  586 
dmtenfufs  242 
drf  583 
drybten  15 
dfimken  704 
dnende  284 
duesse  233 
dSrst  517 
d&rwnrz  clxi 
duming  419,  704 
dumme  dutteo  315 
dasins  272 
Dvalinn  460 
dvergm&l  255 
dvergr  249 
dvergslagen  259 
dvergsnät  265 
dwetem  706 
dyngu»  332.  (XV) 
dyrka  20 
Dziewanna  706 
Ealdfrith  iii 
Eanferth  xit 
eargeblond  (XXV) 
E&itre  18Q 
Eatta  III 

eburdrung  417.  534 
Eckart  523.  524 
Ecke  323 
Eckesahs  146 
egcsgrima  146 
Eggihelm  146f 
Egidora  147 
Eikthymir  474 
einherjar  474 
EinricH  xxi 
eisenkraut  355 
Eishere  324 
ßkerken  287 
Eiberich  599 
e1bendrots<ä  259t  52^ 
elbengrab  606 
cldborg  358 
^Ifarrow  259 
elflicht  514 
ellekönig  527 
ellhorn  374 
Elia»  117.  46ß 
Elsabe  244 
fllsentroje  243 
elysium  476 
eneas  35^ 


«Dgel  236 

Enoch  468 

ent  301 

entsehen  260 

Enzaman  301 

enz  301 

eoforlic  139 

Eomaer  11 1 

Eoppa  III 

Eor  13| 
Eoric  fir 
eormencyn  83 
eormenjgrund  83 
Eormenric  m 
Eorpveald  m 
Eo»  432 
eo»ago  59 
Eostra  180 
eoten  296 
Eovdhen  HQ.  470 
epiphania  173 
Er  134.  210 
erce  154 
erchan  40 
Erche  154 
erctag  133 
Ercules  470 
Erda  156.  368 
erdmännchcA  256' 
erdschnitt  620 
erebus  463 
Eresburg  134 
IBrestac  134 
Erik  217 
Eriksgata  216 
erltac  87 
prmanaricu»  83 
ermensül  81.  82 
Srmingestrete  212 
^rmino  206 
ertag  133 
^«  17 
Esa  iit 
^»la  III 
etaq  296 
ettin  296 
Pugel  698 
evileyed  709 
««ra  58 
dwart  59 
Pyliaa  698 
facere  580«  690 
fackel  macheii  6I7 
Fafnir  388 


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CLXVi 


foirguni  116*  370 

fairbvos  457 

fallende  sucht  673 

Fama  703 

fanum  51  -  55.  691 

faotasma  273 

Farbanti  305 

farende  wif  617 

farnkraut  674-  clxii 

fasciuare  625. 

Faaolt  147.302.323.363 

freu  Falte  453-  523 

fata  233 

fatales  deae  695 

fatuae  696*  ^n.vi 

faunns  54.  272.  330 

rooos  fianui  698 

fauraUni  639 

Favor  50 

Faxi  376 

fee  233 

feig  500.  503 

feldspinnerin  624 

Felicia  540 

feminae  agrestes  696 

Fenja  305 

Fenrir  150.  385.  471 

ferab  477 

fern  463 

fettiidag  662 

feuermann  513 

finiit  553 

fich  674 

Flfeldor  197 

filethi  690 

Finn  xn.  21^318.575 

fiotkunnigr  582 

Fiölnic  206 

Fiorgyn  117.  156 

firgen  116 

firnoman  570 

Grstfoot  708 

Fitela  220 

flamen  62 

llatlie  513 

Flederwisch  599 

flehen  19 

flugegerta  545 

flugsommer  454 

Fönn  361 

Folcvalda  218 

folde  154.  156 

Folkv&ngr  194 

Tollet  289 


follis  289 
f4>rna  25 

Fornax  156   359 
Forneotes  folme   147. 

305 
forneskja  580 
Forniotr  147.  304 
Forseti  142.  144 
forst  40 

Fortuna  503-  506. 
Fosite  79.  144.  378. 

(VU) 
Fosta  145 
fossegrim  278 
frebo  135 

franche  pucele  233 
frau  136 
freuenflacbs  632 
frduja  15,  135.  (VID) 
fr&uJ6  189 
freÄ  15.  135 
FreÄ  91.  96.  191 
Fre&vine  137.  138 
Fre&lftf  X(i 
Frejerok  192 
freibart  642 
Freio  137 
freisc  673 
fru  Freke  193 
Freki  202.  385 
freudenfeuer  360 
Freyfaxi  376-  377 
Freyja  37.189.235.317 
Freyjuhär  192 
Freyr  65.  80.  97. 109. 

110.  112.  135. 14a 

153.  377.  470.  523. 

564.  691 
Freysgodi  139 
Freysgydlingr  139 
Freysvinr  377 
Frfatac   191.  192 
Friccp79.109.138.191 
Fricka  532 
Fridhogdr  11  r 
Fridhuvald  xii 
Fridhuvnlf  xii 
Fridricb  herzog  538 
Fridricb  rothbart  537 
Frigetac  191 
Frigg    97.   117.    167. 

189-191 
Frlggerok   192 
Friggjargra»  192 


FrlggJaiTockri67.417 
Frikka  191 
frimnrc  562 
friscing  31 
frtthof  56 
frd  15.  135 
Frö  135.  532.  549 
frodgumo  59 
Fröa  190 
Fröblot  139 
frörer  671 
froho  17 
Froia  137 
Frouira  189.  532 
Frdwin  138 
Frdwo  135 
Froyenborg  190 
Fmote  (XXU) 
füll  691 

ftillafiibjan  24 

furia  586 

ftirrae  hostiae  32 

Fygomby  703 

fylgja  508.  509 

gabelreiteriD  604 

gäuoie  667 

gahains  48 

galan  582 

galdor  582 

galgenmännlein  292 

galingagotb  691 

gallicena  239 

GaUus  387 

gambanteum  547 

gambansnoibi  547 

gammel  Erich  553 

gammel  Sjor  708 

Ganna  64 

Gannasciu  64 

Gapt  xz? 

Gargaotua  313.322.707 

GargooiUe  707 

garmiuari  583 

Garmr  471 

gÄrsecg  (XXV) 

gauchsberg  392 

fru  G«ue  153.  69% 

gankler  584 

Gatttat/ r  132 

Gauti  219 

Gkutdi   21a  219 

Gautr  XXIV.  (XVll) 

GauU  219 

gayanb  658 


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CLXYII 


Ge&t  111.  219.  X" 
gebhan  198 
«efjoD  198 
gegilite  671 
geheona  462 
gcier  558 
GeiUt  427 
geist  246-260 
geld  24 
geUtar  24 
gemecht  623 
geniciales  594 
geniacus  xxx 
geola  (XXI) 
Georg  707 
Georgeöhemd  624 
G4rdriU  37.  691«  694. 

705.  XLviii 
gdrßant  553 
Geri  202.  385 
geacIiTudel  513 
Gesecg  iti 
geapeoat  512 
geipüo  706 
getroc  261 
getwÄs  261.  513 
ge?atter  497 
Ge?U  iix 
GeviBM  210 
ghemoet  651 
gtfr  302.  531 
gigant  301.  700 
gildan  24 
GiltiDe  685 
Gimlir  464*  474 
Giöll  463 
girregar  514 
giscapa  500 
gUctD  512 
gitroc  512 
Gladflheinir  474 
Glasislundr  47 
glat  428 
Glisborq  526 
gluckshaube  508 
gluckfikind  508 
gmoarat  400 
gnade  427 
gDideld  344 
Guj  paliellir  471 
gobelin  286 
goddreng  285 
Godeusberg   103 
godfar  113 


godgubb^  113 
Godhormi  109«  220 
godi  58 
Godvulf   zu 
Göll  236 
göra  580 

görninga  yedr  367 
götee  11 
gogubbea  701 
Gdi  154 

GoldemÄip  256.  292 
gonsdag  88 
Gormr  220 
gothe  65 
Gotonea  10 
Gott  10 

gott  und  mir  12 
gottea  hafs  14 
gottes  schlag  673 
gottcb  393 
gramir  555 
gramo  554 
Gnunpua  294 
Grani  501*  530 
graonilly  707 
Graohans  598 
Graumannchen  575 
Granmann  556 
Grecavar  183 
Grendel  148-  560. 
Grendels  mddor  565 
Gridhr  302 
grtmbelm  261 
grimme  673 
Grimming  116 
Grimnir  364     . 
Grtmr  oegir  570 
grintil  149 
Gripir  220.  225 
Grönjette  529 
Gröohans  598 
Grunewald  599 
Grünlaub  599 
grummel  121 
grund  465 
Gndenaberg  525 
gudja  58 
Güdh  237 
gudbüs  39 
gude  holten  165 
GuUfaxi  376 
GuUinbnrsti  139 
Gulltoppr  378 
Gundia  237 


gvndeniiann  632 
Gunnr  237 
Güngnir  102 
Guodan  94,  96 
guoter  265 
guotiu  wihtir  596 
guotman  59 
Guroryace  531 
gurri  531 
Gustr  260 
gute  holden  257.  606. 

672 
gutgesell  285 
gutheinricli  682 
gutto  973 
Gwodan  85 
Gwydion  695 
gydhja  65 
iflüT  301.  320 
Gymir  304 
Habino  183.  185 
Habonde  178 
baccha  586 
Hackelbärend  517 
Hackelberg  517 
Hackelblock  517 
Hadding  140 
Hades  197.  462 
hagtesse  586 
Häkkenfeld  561 
Hämmerlein  288 
härdpiändle  254 
haffrü  275 
Hagauo  220 
hagel  568 
hagla  586 
hai  48 

frennd  Hain  495 
Hakolberand  519 
hl^lftröll  306 
Halja  195.  461«  486 
halla  56 
HaUa^588 
hallfeAer  357 
Hamar  124 
Hamer  569 
Hamglöm  364  636 
hamlngja  508 
hammer  122.  560 
hanenstein  631 
Hans  Jagenteofel  521 
Här  110.  693 
harthau  clxi 
Hartoit  205 


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CLXVIII 


I]artiNici40.205.(XXII) 
hanic  40 
lianigari  58 
HatliuB  j  43.  694 
Hatlira  xii 
Hati  15a  401 
hAzua  586 
Headho  143 
Hearding  205 
hearff  40 
hebenwang  475 
liebhan  398 
Heidhr  65.  636 
Heidhrün  474 
heidmann  688 
bei!  504 

heilallerscbadeo  682 
beilallerwelt  682     ^ 
heilacpruDDo  33Q 
heilawAc  327 
helligbär  385 
beiligbruoDe  70^ 
heiligfont  46 
Helling  256 
heilwdge  327 
Heimdallarratn  143 
Heimdallr  143.399.429 
HeinidiilUboug  143 
Heimo  222 
HeiQchen  259 
Heins  496.  699 
fieitd  670 
Hekelreld  561 
Hekkelfjeld  592 
iiekia  101 
Hei  195.  281.  46^ 
hehlen  253 
heUiest  490 
Helios  426 
Heliam  482 
beikappe  260-  698 
Hell  490 
Hella  196 

liellawizi  196.462.464 
belleboc  660 
iiellegrübei  56Q 
bellebirte  6ßq 
lieliebunt  558 
heliejag^r  664 
bellemOc  556 
Helieqain  527 
(lellerlgel  560 
Itellerüde  558 
iielletracke  55^ 


hellewarte  568 
hellewinna  570 
hellewirt  556 
hellewolf  557 
helkwnrm  559 
bellirüna  628 
hellacado  653 
helothelm  261 
helreidb  463 
belscherge  560 
helskö  483 
helvete  196.  465 
Helvoet  482 
Helvoetslnis  197 
HemmerliB  124.598 
Hengest  iir.  201 
Hennil  700 
HepbäfltOB  3^J 
heriMiria  631 
berbist  435 
hercle  689 
Hercole»  27.42.71.78. 

110.  202 
Hercules  Saxanns  203. 

696 
bercynia  sllva  40 
herda  I5€f 
Here  392.  432 
Heremdd  iit.  143.  xii 
Herfiötr  236 
Pcijan  235.  474 
Herimuot  143 
h^riro  15 
Herkja  i54 
Herm  211 
Hermes  ?10.487.  607. 

692 
Hemino  208) 
llermödbr  85. 141. 143. 

463 
Hermandf^  216 
Herne  528 

Herodias  174. 52?.694. 

(XXll) 
berr  (VIII) 
flertha  694 
Herthas  140 
flerrör  239 
jierzgMpan  674 
}ieue  (XXU) 
Hesus  383 
hetlunnussia  Q2 
Heuberg  592  ' 
heulemäonclien  264 


be«M  300 
bexe  686 
bexenkönigia  $04 
bexenscblioge  SO^ 
hialmney  235 
hiatrA  639 
Plld  236.  237 
Hildegrfra  146 
biipeitM^nitter  269 
Hittia  237 
himelwageu  102 
himii  398 

himilzeicban  399-703 
Blminbiörg  399 
himiiitABgl  399 
himmelring  422 
Hinimelsbefg  399 
(limmeltatl  113 
Hinse  286 
liinselmanD  286 
Hirqüii  209 
Hiuki  410 
Biuni?  303 
HIadbgudhr  238 
bladoi^  93 
blaut  32 
Hleithra  29 
biep  41 

Hl«r  146.  361.364 
Hlidhskiair  97 
liliosari  584 
Hlddbyn  156 
Plöck  236.  237 
H16rridhi  xxf.li3.in 
Hindana  156. 694 
bnigau  20 
Hnikarr  276 
finikndbr  276 
HOdekfo  261 
Hödbr  143 
HolgabrAdbr  361 
böllriegel  148.  149 
Hoenir  HO 
Höigabrddhr  364 
hörgr  40 
Höttr  101.  576 
bolantar  374 
äolda  139.  164.  193* 

522.  532.  654.  591. 

xxxvcr 
boldicbeo  257.  672 
boldo  164 
lioledstone  703 
Holger  541 


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(CLXIX 


fniaHolU  165.586.616 
Hoilefahren  166 
Hollenzopf  262 
liolinnderinatter  375 
lioltathdrr  12  t 
Holxmeier  496 
bolxinuoia  243 
holzrAna  243 
liolzweiblein  520 
hornblAse  708 
Horeelberg    524«  592. 

594 
Hothenii  143 
honbitsubt  674 
Hnesvelgr  361«  363 
braanbüi  306 
Hr^dhe  180.  181 
Hrimfoxi  368.  376 
Hrtranir  305 
hrtmtburs  305 
Hrippa   iix 
Hrist  296 
hriupf  674 
tiromolao  115 
hrossa^akr  126 
hrossas^tr  28 
Hro6flhAngrani  501 
hrosshöfud  379 
Hrdthmaiid  iii 
HrAngnir  302.  31^ 
liune  299 
^utclien  290 
Hpgiiio  108.  387 
Hoiberg  592 
ilulda  168 
huldmoder  694 
Hnldr  168 
Paldra  168.  531 
lioldre  folk  168 
holdreslat  264 
hulidshialiiif  261 
HAn  300 
liundviis  304 
hnngerbnume  701 
hAngr  195 
lvm\  25.  690 
liuosto  674 
^üiel  25 
bürfrcyja  190 
hAsiog  284 
busd  543 
h?«Ua  457 

Hvergelnir  460*  463 
Hfmir  304 


Hyndia  66 
Jacobstab  418 
jÄ^egryter  321 
lafnhAr  HO.  693 
larnbaiw  303«  306 
larosaxa  306 
iarnvidjur  274 
jarritt  671 
Icel  III 
Ida  III 
Iddlo  689 
}dha?dllr  476 
idimäl  476 
iertag  133 
Jettha  64*  297 
jTettenberg  297 
jialeis  (XXI) 
Ilija  118 
Ilseidungfrau  541 
Incubus  272 
indras  423 
log  205 
)ngibiörg  364 
Ingvi  III.  206 
Ingriparfreyr  138 
ioiag^  24 
intbeixaa  690 
!n?eitaQ  19-  689 
jode  TOD  Upiula  530 
Jökoll  361 
lordh  424 
iötoll  297 
lötimn  296 
iötoDDiMbr  304 
Johannes  bapt,  175 
Johannes  evang.  37 
Jobannesabend  330 
Johannesfeuer  351. 702 
Jobannesgürtel  351 
Johannesbanpt  360 
Johannesminne  37r358 
Jobannesübei  673 
jol  (lÜO) 
joubarbe  125 
Jovis  mons  114 
Iring  215 
Iris  423 
irlicht  513 
Innan  208 
irmansAI  81*  209 
Irmenfrid  214 
Irmin  83.  208 
irminsül  45 
Irovrit  215 


Irpa  66. 80,  364. 6it 
irreganc  514 
Irüngr  216 
irwisch  513 
isaroodori  51 
Iscaevones  207 
Isco  207 

Js'w  71.  84.  157.  207 
Itennon  xii 
•  Itrman  205 
jüdel  272.  697 
^angling  599 
jnleber  692 
Jamala  120 
Jancia  354 
fTnnp  194.  425.  540 
^npin  (XllI) 
^npiter  44.  74.  77.  85. 

86.  113.  129.  564 
Jupiter  9iger  556 
Jupiter  plfivias  11 6*  1^9 
jntribog  432 
jutro  349 
|(aiser  211 
Kali  (XVI) 
Mlstar  582 
Kära  238.240 
%M  351t  364 
karawan  580 
KarlequintfBS  52$ 
Karlwagen  416 
fCarlsweg  103 
karrdsche  74 
katerman  285 
katsebutzerpUe  689 
kelstar  395 
ntffawiq    Hg 
kerbet  632 
Keto  138 
kifldsida  584 
kirkegrim  278 
kispanst  5l2 
klagiglUinie  66Q 
fClaubauf  294 
klintekönig  527 
klopfer  288; 
kidsigi  362 
kincke  419 
knechtfink  704 
kobolt  284.  619 
Köterberg  592 
komdrache  572 
komwif  269 
KostmOdhr  303 


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CLXX 


kotsteiHeiid  11 
kuubout  285 
krach  121 
kramberend  562 
krampf  673 
Kronot  4^ 
Kueni  562 
kuflAliuttr  261 
kuga  687 
kokavitza  394 
kukuk  568.  468 
kakaksberg  392 
kuma  687 
kopaloitza  358 
Kuperdn  323 
ÄWV*«9  (VIU) 
Uc  24 

lAchenaerione  584 
Lachesig  233 
Laiia  93.  689.  (XV) 
lapscb  660 
lagastafr  (XXV) 
lAbhi  668 
Laima  234 
lamia  586.  694.  700 
landAs  128 
Langbein  324 
langfufs  (XIX) 
lar  284 
larva  285.  511 
Latona  128»  157 
latro  558. 
läuhmuui  121 
Llkuiin  256 
l^da  wihti  554 
L^dera  29 
LehereiiiHis  (XXV) 
l^keit  668 
Lei  464 
lemures  511 
leodflceadha  553 
leto  436.  445 
levatitiut  365 
Liber  194 
Libera  194.  195 
Libys  60 
Ljerädhr  474 
ligatarae  629 
Uomi  121 
tiosälfr  250 
litare  33.  690 
liuflingar  257 
Liumet  703 
lodegeer  7ü4 


Lodhr  110 
Loding  cxLix 
Logi  148,  361 
LokadauQ  148 
Lokes  havre  148 
Loki    110.  148-  385. 

471.  549. 
lom  658 

lopende  varen  672 
lotterbolz  642 
Lticifer  550 
ludergheer  412 
lüpptBiinne  584 
Luna  71.  84.  340.  400 
lüta  20.  21 
lotin  289 
frau  Lntz  695 
Macabre  495 
m&dclieDsomoMr  454 
msere  703 
Magni   xxr.  128 
Mai  437 

majalis  sacrivua  31 
maigraf  449 
mainjat  247 
malleus  122.  559 
malfeu  341 
Dialfez  552 
her  Mdn  400 
Mclnagarnir  150.  401 
iDanare  426 
manas^tlis  457 
maues  511 
mania  700 
manleika  72 
manaffita  711 
MaDBUs  xxTrir.  204 
inaD6d  403 
Mansberg  521 
MarcelluB  707 
Marcolfus  530 
Mardoll  143 
Marg^gr  278 
Maria  37. 118.124.194. 

694.  (XX) 
Marlärok  167.192.417 
Mariengraa  192 
Marieiiliand  141 
Marieothräne  olxii 
marmennil  241 
Mars    27.  71.  74.  78- 

84.85.95.131.159. 

160.2ia661.o88.700 
Marsberg  134 


joDker  Märten  521 
Martinsvogel  657.  710 
BiarzaBa  446 
maaea  586 
mater  Idaea  155 
mausscblägeriD  618 
meidbr  705 
meioTettr  248 
m^t  457 
mella  302 
Memerolt  221 
Menja  305 
menni  244 
Menpor  205 
m^Dscado  553 
Mercurtns  27.  71-  74- 

78.  84.  85.  86.  95. 

201.  236.  261.  487. 

547.  664.  688>  692. 

XXX  tl 

merigarto  458 
meriniinni  244 
Mermeut  363«  364 
merwfp  241 
metOd  15 
metteo  231 
Michael  469.  484*  498. 

705,  707.  XLviti 
midjasTeipains  472 
midjuttgards  458 
milclidiebin  605 
milchdrache  572 
Mimameidbr  47.  222 
Mfmigardiford  221 
Mlmir  221.  225 
Mimisbmnor  101.  460 
JtfimriDgus  221 
Minerra  695.  xxx 
miona  36.  705 
yninDl  244 
«üinnisfiiil  36 
Miöll  361 
Miölnir  123 
miötiidhr  15 
Mist  236.  696 
mistel  632.  clxii 
mittingart  45S 
modelgeer  ci^c 
Mddgudbr  422 
Mddbi  128.  zxi 
/lotga  240 

moIkentoFersche  605 
roondkalb  673 
monjoie  115 


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CIiXlI 


moni  gaudii  114 
mons  Jovifl   114 
montaniu  daemon  283 
morowa  dziewica  685 
Morgaoa  233 
moosleate  520 
Machsel  562 
müdb  465 
müemeleiD  396.  655 
mubme  276 
mummei  513 
mummelmaoo  288 
mummelsee  276 
Mimdilfori  400 
miiodas  458 
Haoiiin  108.  387 
mootesheer  521 
mariceps  657 
mAstere  650-  657 
muspell  466 
mospilli  466.  540 
mnUpelli  466 
muuer  689 
myrkridha  593 
nachbar  285 
nachtfrau  594 
nacbtgrif  675 
nacbtjäger  525 
nacbtmabr  622 
nachttoggeli  612 
näk  276 
nackebrod  276 
näcköra  276 
näkblad  276 
oäkkeskäg  276 
nakki  699 
Nagifar  471 
I^aglfari  424 
nabtfarä  595 
Nanna  198-  277 
Nasag&ll  592 
na^eutia  50t 
naodbr  232 
Nebel  462 
Nebelheim  462 
oebelkappe  260 
nebel6cbif  367 
Neckar  276 
Nehalenuia  157 
neihhan  690 
neniae  628 
nennir  276.  277 
ueorxnaTong  475  •  - 
Neptiums  77. 159.  160 


Neri  231 

Nerthu»  140.152.193. 

206.  (IX) 
nesso  675 
Niardbarvöttr  141 
Nibelanc  xxv 
Niciaas  287 
nicor  275 
niderrla  552 
ntdhdraca  542 
Nidhöggr  460 
Niflheimr  46I.  464 
Niflhel  463 
Nikarr  276 
nikr  276 
DikhiM  275 
Nikuz  276 
nimidas  372 
Niordbr  140.  691 
Nissen  287 
nix  275 
nobisgat  561 
nobisliaus  561 
nobiskrug  561 
nobisse  561 
nocca  276 
nök  276 
Nörvi  424 
norn  228 
notfiur  341 
Ndtt  424 
Notas  361 
nursrowtree  678 
n^  ok  nidb  404.  405 
nymphae  234«  330 
Oberon  256 
obor  302.  700 
obligatores  630 
obrzym  302 
obstrigilli  625 
oceanas  146 
Octa  III 
ddashto  476 
Oden  5l6.  701 
Odenberg  525.  536 
Odenfors  107-  108 
Odensaker  107* 
Odensberg  103 
Odensala  108 
Odenskulla  107 
Odensvi  107 
Odhinn  37.  38.  62.  98. 

101.  110.  132.  202. 

235.  261.  424.  470. 


487.  501.  502.  568- 

579.  691.  692 
Odhinsey  107 
OdiiinshaDi  108 
Odliinssalr  |07 
Odbinsve  107 
Odhr  193 
Odinsfliüor  693 
Oegir  146.   197.  304. 

336 
Oegisheimr  458 
Oegishialmr  146 
ökutliOrr  112 
Ölgötze  11 
ölp  249 

ölrün  227.  239 
öndvegissülur  664 
örgelmir  305 
örlög  232 
örmust  637 
Oesc  in 

önandil  305.  415 
ofen  359 
Offa  in 
Ofnir  543 
Ogautan  367 
Okkopeernis  364 
Olaf  305.  317—319 
old  Davy  553 
old  Nick  553 
Olda  167 
olde  beer  527 
omiya  334 
omo  674 
onsecgan  24 
Onsike  108.  112 
Onslnnda  107 
opold  285 
Ops  mater  154 
Orcus  196,  274.  463 
Oriel  Lxiii 
Orion  417.  533 
orlajfi  500 
orla^uila  500 
68  17 
oscillum  49 
Oseiberg  542 
Oska  synir  474 
Oski  99.  235 
Oskmey  235 
Oskdpuir  468 
Osning  82 
OsUra  181.  349 
osterfeaer  349 


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CLXXU 


Othiofblr&t  im 
Otliänshyllä  107 
Otbänslef  107 
Othäiifäle  lor 
Othengtrö  107 
Otliin  79.  92.  95.  202 
paascbvDur  702 
Pales  356 
paradUi  475 
parca  233.  xxxviii 
Paijanyai  116 
paro  41 

par  loa  laabe  431 
parstnk  252.  2$4 
paniwari  58 
palhe  427 
navauiol  252 
Pedanca  173.  241 
peklo  465 
Pelwit  696 
Penda  iii 
peninoi  daas  II4 
Pcrahta  169 
Perchtel  171 
peri  192 
Perknnas  116 
perleich  1B4.  186 
Pepun  93.116.381.564 
perunika  126 
pesaniolo  262 
petatiüs  56 
meister  Peter  562 
Petra«  188.  (XIX) 
pfeifea  428.  431 
pferdebaupt  29 
phantaama  282 
Pbaraildifl  175 
Phoebns  86 
pbylacteria  630 
phytonissa  64 
PickaU  465 
Picos  388 
Pickne  119 
pledgri«  385 
pigangaq  24 
piladi  72 
pilbU  266 
piJeatos  60 
pilweifs  268 
pilwiz  265 
pilotus  270.  27? 

pipusr  319.  320 

niaau  464 
Pitkäiiien  120 


plagegeist  291 
pluostrari  58 
ploozaa  22 
Piaton  549 
poica  285 
poindre  430 
Polel  454 
Pollux  71.  84.  204 
Poltergeist  288 
Polypbem  322.  577 
popanz  288 
popel  286 
Porgiiini  18.  116 
Poseidon  473.  549 
Posterli  523 
prelnscbenbe  270 
prijatel  192 
Proserpiua  195.  196 
pschlpolnitza  698 
nTaQß*6g  647 
pnceles  sen^es  242 
pack  285 
pampe  256 
nvg^f^Qovvu  335 
qaalgeist  291 
quecpraono  330 
Qaeldgis  nr 
qveldridha  593 
qaercli  251 
rabe  558 
^Adgrldh  237 
Radigast  381 
radar  399 
Rsedveald  iii 
ragin  17 
Ragirist  oxLViii 
ragnarokr  471 
rabanen  197 
rai  475 
rakad  56 
rftkschasas  322 
Rammelsberg  526 
Wn  197.281.336.486. 

695 
Randgrtdh  237 
Hatatöskr  460 
raudbskeggjadhr  120 
raobe  Eis  243 
raubes  weib  243 
Raascb  294.  599. 
Redimonet  180 
reganogiscapu  500 
reganpogo  422 
fegenbluffle  633 


regln  17 
Regialelf  237 
Reidbart^r  132 
reir6  473 
ReisaroTa  531 
Rerir  xxui 
Reto  705 
Reoker  Uder  451 
reynir  633 
Rbeda  180 
Rhein  546 
ribe  640 
riebe  430 
riesen  253 
Riksgata  217 
riso  301 
rito  670 
Robin  287 
Robingoodfellow  700 
Robiohood  700 
Rodensteiner  527 
rodor  399 
rökstdir  98 
roggenmohme  270 
Roland  528 
Rolaodseale  692 
Romowe  48 
rdr  613 

rösche  bise  233 
Rosbaapten  380 
Rosoier  321 
Rothenthaler  527 
rouotree  702 
rüda  674 
Rudy  700 
Ratie  324 
nifkraot  632 
Rogevit  223 
rabr  673 
Ralla  614 

rampenstilt  288.  318 
rüna  583 
Hinge  302 
knecbt  Rnpreefat  287* 

294.  302 
ratto  686 
rawwe  280 
llylla  oxLvii 
aacerd  59 
Saebeorbt  iii 
Saefiigel  tri 
Sfehrimnir  202 
SsBlde  505 
sgellock«  696 


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GLUm 


Saeliiiidr  47 
Semingr  219 
Mga  585 
SahiD6t  203.  207 
siuvala  477. 
Salathiel  lx 
S&lida  504 
falo  48 
salz  588 
MribaDt  396 
(sapaude  233 
fatanaa  551 
Satia  177 
Sateradag  88 
Saturn  74.86-88.388 
Satanii  dolimn  567 
•atynw  272.  330 
saudbr  31 
sadhU  670 
»knihB  25.  690 
Saxne&t  m 
SaxDdt  109.  110 
acado  563 
icadobelm  434 
Sceüf  218.  XI  t 
sceldbyrig  475 
acelmo  684 
Sceldva  218.  xii 
scepbenta  231 
scbäuercbea  673 
tchaffea  501 
acbaikaberg  393 
Scbarmak  3i3 
scbepfer  233 
schephio  15 
•chensal  274 
Scbilbanc  xxiv 
acbmagostern  332 
Scbmutzli  294 
achlafapfel  632 
achrattlin  270 
achranel  271 
achrawaz  271 
bcUtH  271 
scbmnpe  256*  697 
schür  122 
schasel  166 
scbwanflugel  241 
schwanring  241.  623 
schwarxe  götti»  195 
Scild  218 
sctnleih  512 
scippend  15 
scocca  561  ^ 


scrat  27D 
scritta  271 
scresa  271 
Sculd  696 
scAmen  667 
scArboga  422 
se&dh  465 
Seaxneüt  203 
sedalkanc  426 
scgcn  626 
seidbberendr  636 
seidhiallr  638 
aeidkona  636 
seidhr  583 
aeigneor  189 
Seith  692 
aelkensteert  262 
sellentost  262 
seydbr  583 
seroidei  201 
senkelknQpfen  629 
aespilon  628 
seTeobauni  01.X11 
sgalto  62 
Shellycoat  292 
shrewash  677 
Sibilja  384 
Sibylla  198*  241.  540 
Stdhhöttr  101 
siebengezeit  clxii 
Siegfried  537. 540. 707 
sieghemd  624 
siegstein  630 
Sif  198 
Sigefugel  iix 
Sigeglr  lEi 
SigegeM  III 
Sigeminne  243*  245 
Sigemnnd  220 
Sigendt  323 
sigidrofattn  IB 
sigora  dryhten  18 
Sigrüii  238 
Sigtjr  96.  132 
s}bora  18-  96 
8il?aticae  xxxviil 
SimnI  410 
simalacnOn  52.  72 
sinfluot  472 
Singrün  clxc 
sinistus  58 
Sinneis  256 
sjöra  281 
Sidand  29 


Si|>pia  19S 
sira,  sire  18 
Sirona  157 
aisesang  ^8 
Siva  198 

SixtUS  XLTIIt 

Skadhi  14a  304 
skaf  705 
Skalle  318 
skapa  231 
skass  302 
skatts  543 
Skeggöld  236 
Skeifir  219 
skialdmey  235 
SkilOngr  2l9 
skin  249.  400 
Skinfaxi  376 
Skiöldr  109.  218 
Skögull  236 
Skull  150.  401 
skogsnerte  698 
akogsnufva  698 
sköhsl  274.  561 
»krzot  271 
Skr^mir  312 
Skuld  229.  237.  636 
skurdgodh  79 
slaTa  691 
SIedda  iir 

Sleipnir  104.  222-  376 
sDiertnitza  688 
smignrst  (XV) 
smrt  445.  488 
smyl  563 
SnelUert  527 
sdedronen  699 
Sol  71.  84.  340«  400 
sölarfdl  426 
aolvarg  401 
Sompar  42 
sdnargöltr  31 
fraa  Sonne  400 
sonnenkalb  673 
sortilegos  584 
soterai  287 
spÄdf«  226.  582 
splikona  63*  226*  582 
splimadhr  63 
spell  626 
apieldings  310 
spuk  512 
Sretja  510 
Staffeistein  592 


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CLXXIV 


Stnrkadbr  im.  501 
stelböm  415 
Stempe  171.  562 
stempfel  $62 
sterpo  684 
stetigot  oa4 
steuble  561 
stilles  Volk  257 
stopchen  599 
stöpke  561 
stöpfel  561 
Stolzheinrich  682 
sträggele  523.  586 
strabihexe  616 
straszydio  290 
Streckefuis  496 
Stribog  361 
strioportius  587 
strix  585 
strömkarl  275 
ituatsch  698 
8a€alae.420 
SDht  670 
saltr  49d 
Samar  436 

sannen  haz  14 

sonnewende  350 

sanwendgürtel  clx 

snperventae  624 

Surtabrandr  467 

Snrtar  heUir  467 

Surtalogi  467 

Surtr  118.  467 

sasl  465 

suthaautar  690 

STadhilfari  317*  376 

Svffifdäg  III 

ST&fnir  543 

SvantoTit223.381«533 

8?artüirr  250 

SuAp  219 

Svarthöfdhi  636 

SvAsudhr  436 

SvAva  238 

svefnthorn  632 

Svegdir  206 

Sveppa  III 

SvjatoTit  381 

SYJet  458  ^ 

swarzez  buch  583 

Syr  157 

Toetra  XII 

tagar6d  431«  432 

A  täi  651 


talamasga  512 
Tamrana  50*  157 
Tanhäoser  524*  548 
tanihüt  260 
tarnkappe  260 
taterman  699 
tatrman  285*  286 
teafor  581 
teloni  337 
tempal  39 
temperte  668 
tempestarii  365«  615 
Terra  84.  152 
Tervigant  692.  (XIll) 
teufel  124.  236.  317. 

498.516 
teofeläauge  578 
teufelsbiGi  578.  cltx 
teufelsfinger  122.  578 
teufelsflaclit  578 
teufelshand  517 
teufelskatze  577 
teafelfklaae  578 
tBufelsmotter  565 
teufeispferd  577 
Thanatos  487 
Tharapita  48 
tbegathoD  46 
theihs  457 
theihvd  121 
tbeodsceadha  553 
tbeophania  173 
&toq  425 

Theudenantha  198 
Theuth  692 
Thiassi  219.  416 
tliiodscado  553 
Tbiota  64 
thl&ihan  20 
Thdr  37.  38.  79.  80. 

92.  109.  110.  149» 

190*  415.  416«  424. 

470.  471.  502.  701. 

XXI 

Tliorbiörg  66 
Thord  123 
Thördis  65 
Thorduna  112 
Thorgerdhr66.8a364* 

617 
thorkar  123 
Thorhalm  133 
Thorhat  133 
Thorsbiörg  127 


Thorshlla  115 
Thorsklint  115 
Thonlunda  693 
Thonmörk  127 
thrA  670 

Thridhi  HO.  693 
&^6ra^  392 
thrüdhhamar  123 
ThrAdhr  236«  238 
thmtsfiU  674 
Thrymr  304 
Tbunar  109.  112.  129 
Thanreadäg  128 
Thunresfeld  693 
thnrs  297 
thursaskegg  305 
Thusnelda  299 
thuss  298 
thyrs  298 
tiber  25 
Tidei  111 
tlr  132 
Tisdorf  133 
Tistad  133 
Tisvelde  133 
Titmon  xii 
Ti?  131 

tiuTolwinnk  570 
Tius  131 
Tod  442.  443 
tofra  580 
tofrauoro  627 
tomtegubbe  285 
tomtekarl  284 
Tonans  114 
torf  369 
Torik  (XV) 
Torslunde  127 
Tosinge  127 
Tot  489  ff. 
toto  498 
trasgo  289 
trefu^  357 
tremsemotter  269 
treso  543 
triegen  261 
Trigel  III 
Triglava  223 
Trip  539 
Trismegist  692 
troll  302.  562 
trofio  125 
tropf  569 
trigetieyel  261 


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CLXXV 


trnhtin  15 
Tsclieraibog  549 
Tschad  701 
trärmund  673 
Ti'xtj  503 
tveggl  2ai 
tdckebold  514 
türee  298 
Tviblindi  204 
Tvisco  204.  XXIX 
tunkelsteroe  419 
taono  125 
Tviiifjvoq  17.  299 
Tarris  120 
Taropid  48 
Tutosel  518 
tuvelis  brüt  566 
Tybierg  133 
Tfr  131. 132. 470.  471 
Tyrhialm  133 
Tyrkir  205 
Tysfiola  133 
Tysved  133 
Tyvidhr  133 
uddehat  261.  697 
übel  äuge  624 
ülfheit  674 
ufarskaftfl  690 
Uffa  III 
ulitsceadha  553 
Ugarthilocas  149.  592 
Ukko  119.  120 
Ulf  247 
ungeliiure  261 
ungevüege  304 
unholda  vn.  x%x 
unholde  589.  708 
unbuUhal64.  551.  553 
onhulthd  164.  551 
unk  396 

ünterberg  538  539 
unterirdische  256 
üogi  198 
üogo  146 
Uokesahs  146 
urlac  232.  500 
urlinge  239 
urrinnan  426 
ursprinc  327 
Urdharbrunnr  231. 460 
ürdhr  229 
Uscfreä  iii 
den  usle  279 
Utgardhaloki  149 


ütisetor  637 
Tädersol  4OI 
Vägdäg  III 
val  235 
valcyrie  235 
Valse  220 
Ysermand  iit 
Ysetlingastrat  213 
Tättelys  514 
vaettr  247 
Vafthrüdhnir  304 
Vaga  142 
vaggs  475 
vdiandinne  555 
Tälant  555 
Yalaskialf  474 
Valfödhr  473 
Valfreyja  194.  236 
valgaldr  628 
Valhöll  202.  473 
valkyrja  235.  474.487. 

509 
valmey  235 
valr  235 
valravn  558 
Yalsi  XXIII 
Yanadfs  226 
Yandal  219 
Vanir  249 
Taren  672 
Ydsadhr  436 
▼ater  689 
Ve  110.  207. 
Vecta  III 
vedhrhattr  368 
Yedhrfolnir  460 
Yeleda    63.  64.  227- 

562 
venie  689 

Venus  l6a  564.  t/in 
Yenusberg  524.    536. 

548.  594 
Yennsstraa  192 
verbena  354*  633 
Verdhandi  229 
vergiliae  419 
vergifsmeinnicht  545 
Verres  183 
verUn  279 
Yesto  145.  347.  349 
Vesterfelcna  iit 
Vetr  436 
vettar  258 
Vibba  III 


ticcian  581 
victimäriüs  62 
Yidga  220 
Yidhbidinn  466 
Yidhdifr  636 
Yidigoia  220 
vidovit  706 
vidskepelse  639 
Vierblattklee  633 
Tjeschtitza  609 
Yig  III 
▼igbed  53 
Yihtgils  III 
Yihtlieg  III 
Yilbiörg  504 
vilcodlac  271 
vlle  245 
Yilgisl  iti 
Vili  207 
Yilkinus  221 
Yilmeidhr  636 
vinceluna  401 
YindÄlfr  250 
Yindhialmr  368 
Yindidni  436 
Yindsvair  436 
YIngitbdr  xxr 
Yfngnir  xxr 
Yingölf  464.  475 
Tisgassar  609 
vitega  63.  582 
Yitta  219.  III 
sanctus  Yitus  382 
▼itrleo  455 
Yöden  89.  i".  xri 
Yddiiesbeorg  693 
YölsAngar  220 
Völundr  221 
volva  66.  232.  636 
vofa  513 
Vogelnest  633 
Yolland  555 
Yolog  356 
Yoldemarsvej  218 
vorax  700 
Votum  395.  690 
vrag  557 
vrideld  344 
vriedel  192 
vnduelfen  375 
Yudga  220 
Yulcanus  71.  84.  221. 

340.  401 
valtumus  362 


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CLX%yi 


ViiicIWj&  100*  137 
Vot;  94 

Vyrd  230.  23t 
Wächilt  221.  244 
wachtelliand  558 
"Wade  221 

wadel  405.  411.  703 
wädel  405*  406 
wagen  102  , 
"Walada  64 
'Walahraban  558 
waldand  106 
Waldemar  529 
waldfrau  243^  521 
waldin  227 
waltant  15 
waltlüoder  274 
waltschrat  270 
warg  558*  707 
waMerfraa  699 
waiaerjungfer  275 
wauerkönig  275 
irauernixe  275 
irasservogel  336 
"Wate  669 
"Watliogatret  213 
wazarchalp  673 
wasserfeioe  245 
waszerholde  165 
wecbselbalg  263 
Wedigenstein  592 
"Wednesfield  107 
"WedBesham  107 
welrdlady  230 
weirdayster  230 
weise  fraa  66«  226' 
weifse  firau  172^  537. 

641 
weirse  Jungfrau  541 
weifser  bock  698 
Welea  350 
l^elle  324 
welnai  498 
weit  494 
weralt  457 
'Wennund  138 
l¥errti  170 
Werwolf  621 
IfVestfalah  219 
wltago  670 
Wetter  3l8*  360.  568- 

675 
Wetterhahn  386 
wetterbexe  6l6 


wettermacbetin  6l6 
wettern  707 
wicht  569 
^ichteimann  696 
wichtelzopf  262 
Wicken  581 
wickei-ode  540 
Widerlouf  649 
widerton  ci.xii 
"Wiegleador  147 
IVieiant  221 
wieseohnpfer  479 
iVigo  138 
wigelen  581 
wih  40 
trihan  690 
trihselinc  263 
trihaelstein  267 
wiht  246*  696 
wihtel  247 
wibtelaopf  267 
wildeber  705 
trildefor  455 
wildemann  273 
irildeijager  106 
wildes  wip  669.  696 
irildiü  wfp  243 
wlliaelde  504 
WtlsAlda  501 
l^fnd  318.  515 
Windsbraut  361*   364. 

560 
tVinter  437 
wiplich  wfp  1914  60^ 
Wippeo  190 
'Wisodanus  97 
wfsiu  wfp  226 
Witigouwo  220 
"Witolt  302 
Witugowo  273 
wizago  65.  582 
l^jkodlak  621 
Wddan  77.  79-  96.  193 
tVode  104^  105 
Wödenfinger  108.  710 
wönictt  108^  710 
tVoenswagben  102 
Wolchandrüd  616 
"Wold  105 
Woldan  106 
woIf  557 
Wolfgang  663 
Wolfliemd  621 
Wdifbraban  663 


wolkengiizse  616 
wölken  ris  121 
Wollkraut  354 
Wolmür  529 
Wolterken  287 
froroltring  459 
Wouter  287 
itT^thh  wihtt  554 
wünschelfaut  261.  507 
Wünschelrute  236.  546 
wünscbelwelb  (VI) 
Wtttisches  beer  516 
wunderaere  579 
wunnigarto  475 
Wunsch  99*  100.  235. 

236.  261.  507.  547. 

692 
Iruusciligerta  545 
Wtiodanes  berc  108 
wuol  684 
Wuotan  3a  76. 85. 94. 

487.  515«  532<  5^ 

58a  692*  693.  7(Ä 

706 
Wuotanes  wec  103 
Wuotunc  95.  515 
irurdgiscapu  18 
Wurm  672 
Wurt  488 
Wurth  2ld 
Yffe  III 

jrgfdrasil  47.450 
ylf«  249 
Ymir  305 
Ymeluttgehort  707 
Vnglingar  206 
Yiigvi  205.  206 
Yngvifreyr  206 
^rias  XXXII 
^ulclog  CLrx 
Zalmoxes  lOl 
sartgarto  705 
stauch  56a  5G9 
Zechiel  701 
sehrwurs  632 
seichen  492 
Bcpar  25.  581 
Zephyrus  361 
zessenmadierin  616 
Zeus    131.  392.  425. 

476.  549.  647 
zensier  514 
znaubeln  587 
Zitsberg  133 


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cLX]tni 


ZiesUg  87.  189 
Ziewonia  446 
Zisa  182.  226 
Zisberg  J34.  189 
Ziu  131.  210.  588 


Zisa  185 
zoapar  580 
Zünsler  514 
Zander  396 
zurba  369 


8WeiMaU63d 
■werg  251 
Zywie  391 


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UES  4,  5   lotmachte. 

10,  40  bociideutsclizt 
87,  84  beider  minne 
79,  88  \¥odan 
116,  4  der  bairischen 
1^2,  40  mnrs 
142,  44  blicke 
184,  20  6criptam 
187,  19   163,  128  j. 
201,  10  leiden  nicht 

207,  41   filins 

208,  24  Airmana 

222,  29  reirst  ihm  v.  h.  aas 
248,  14  vemeioang 
262,  10  knots 

38  geschichte  des 
280,  20  sl^t,  un 

41   bi  ju 
282,  28  circum  manentibas 
297,  31   H.  Wilmsen  Lanremberg,  ein  Rostoker 
S2t,  83   han  giordit 
849,  44  Serrarius 
863,  34   (anh.  cxxxr.  II) 
871,  2    heidenthoms 
876,  29  AlsTinns 
896^,  41  eines  nnkes 
411,  26  doute  teste 
387,  37  Snmer 
448,  23  wieder 
610,  23  gesworn 
527,  34   Pifster 
533,  10  0 Isogleich 
550,  29  wurden 
603,  28  lamiaram 
637,  20  fdra 
657,  29  Renart  Reinaert 
66  ,44  ist  es  keiner,  dafs 
671,  40  äifcynnesealf 
687,  43   gevatterin 
692,  16  mittichen 
XXX,  30  snccinos 

xxxv,  31  e  consilio  namnetensi  (Mansi  p.  172  cap.SO.) 
XLvi,  14  parvulos 
Lin,  32   ply 
LxxiT,  34  flicht 
Lxxvi,  7  heben 
CXI/,  ?älsignelse 
cxLiv,  14  herczenliebew 
cxLm,  14   bona 

25  och  i  skinn 
cXLViii,  27  rendsel 
(xrx),  87  1,  490 


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r 

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Botiki  moy  b»  R«n#w»d  by  calltng     M2-3405> 

DUE  AS  STAMPED  BELOW 


JUN  ü^l^l 


FLB  2  1.1986. 


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MAY  g  8^9  6        Oc'<     i^ 


11' IK  NOV  1  2  19 ff 


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UNIVERStTYOF  CALIFORNIA,  BE' 
BERKELEY,  CA  947 20 


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